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Full text of "Elemente der Geologie"

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a 


11  B  R.AR.Y 

OF  THE 

UN  IVLRSITY 
OF    ILLINOIS 


550 

C86e 
1872 


GEOLOGY 


OCT  lb    1249 


KLEMENTE 


DER 


G  E  O  L  O  G  I  E. 


i  IKK 


E  0  L  0  (1  I  E 


VON 


l>"    III  ISN\\\  (ilil  l»\l  li. 

• -.   IP>:K  rsuniMiAi    i>.n/ii.  IMP  IPIIII  '  r»i;  I>KK  '. K>PI  •".!-•  111  N   i 

KclMl.KKlP   I' 


MJT  380  FIGUREN  IN  HOLZSCHNITT. 


/WHITE  TTNVERANDERTE  ATIFLAGE 


LEIPZIG, 

Vr.Hl.AO   Vi)\   \VII  MK I  \l    I   \(,H   M.\\\ 

1872. 


Das  Recht  der  li-hri-selzinm  in  fremde  Sprachcn"  isl 


VOKWOKT. 


Deim  Entwerfen  der  Kleniente  d  e  r  <  J  eo  I  o^i  e«.  \\elelie  ieli  hiermit 
ilrin  natlinvissenseliat'tlielien  I'uMieuni  iil>eri;el)e.  lialie  icli  es  als  cine  meiner 
Haii|»taut'i;-ahen  hetraelitef  .  den  Hnll)all  ini  Lichte  eines  voin  /eitpimkte 
seiner  [ndividaalisirung  an  in  lebendii;er  t'ortselirittlielier  Entwickeluog  !>«•- 
jrritVenen  knsinisclicii  I'jii/.ehvcsens  c-rscliciiu'ii  /Ji  lassni.  ini  (Jc^nisat/c  /u 
der  rein  l»  »-s  ••  li  IT  i  l»  e  n  d  r  n  Darstellun^sNveise.  welche  nur  ^u  lci«-|if  den 
Kindruek  liintcrliisst  .  als  <»l»  miser  Planet  ehvas  Todtes,  Starres  uiul  in 
>eiiien  uln-rHiirhliclicn  Cnntiiren  rnl»e\ve:;-lielies  und  fcrti^  (ie-ehenes  sei. 
Ks  konnte  dies  naiiientlicli  in  den  Capiteln  iiher  dynainiselie.  |iein»p-netiselie 
und  liisturi^die  (leolo^ie  ^esehclKMi,  wahrcnd  dcr  |)('tr<i^ra|iliiselie  Ahselinilt 
sicli  ant'  die  naekte.  systeinatiselie  Alll/iillluil^  Illld  Bosclirciluili^  d('S  Ge- 
s|ein>iiiateriales  und  die  arcliitektonisehe  (ieulo-ie  a  ill'  die  kalde  l)esehreil)lliif;- 
d«  >  llaiies  der  Krdkrnste  hescliriinken  musste.  lU'i  BehandlUDg  dcr  pli\>iu 
irrapliiselien  (  u-tilogie  habc  icli  die  (MterHiielienheseliatlenlieit  unseres  IManeteii 
nur  in  ski///.enhat'ten  I'nirissen  ent\vert'en  kiinncn.  inn  niieli  nielit  all  /u  \veit 
in  ein  benachbaites  <Jcl>iet.  das  der  pliysikaliselien  (Jco^rapliie,  /u  verlieren. 

In  der  Darstellnn^  der  Knh\  iekelunji's^esehielite  des  Enlballes  und  seiner 
H»'\volnnT  also  in  der  hist(.riselien  (leologie)  winl  der  Leser  die  jialarontn- 
In-isehen  liesehreilnin^en  vennissen.  \velelie  sieli  in  ahnliclicn  Lelirhiieliei  n 
ein-cllocliteii  finden.  Idi  lialu-  der^leielien.  uhnchin  nicht  ersclni|dende  und 
lietViedi-enile  /(M)|<i^iscli  hdanisclie  (  'liarakterisiruiiii'i'ii  der  >'Leittossilien» 
\erineiden  und  deren  Keiintniss  vnraiisset/,en  /u  iniissen  -ir^laiilit.  eliensn  \\ie 
dies  hei  pef  n»i;ra|diisclieii  und  inineral<^iselieii  Studien  einerseits  init  Ke/ui; 
aut  die  gegteinsbildenden  .Mineralien.  aiiderei^eils  aiil'  die  iiiiiieralliildendeii 


Die   Krnpt  i  v  -e  >  t  e  i  ne  .   deren   Kmporlnvelien  einen  so  wielitip-n   Ein- 
llu->   au!'  die  alliniihliclie   rnii-cstaltinii;'  und  die   je\veili-e   Krselieiniini:-s\\i'ise 


VI  Vnrwort. 

(ler  EnlolicrHiichc  p-iinssort  hat  und  nodi  iiusscrf.  natiirucniass  /uischcii  dio 
tibrigen,  wesentlich  (lurch  die  Thitti^kcit  des  \\'a».-r>  vermittolten  Gesteins- 
produoto  einzureilicn.  1st  stofs  als  cine  Sclnvierigkeit  •  hetont  wordm.  Ich 
Italic  \ci-Micht.  Icf/.terer  dadurch  zu  begegnen  und  cine  nafiirlichc  Verkniipfung 
zwischen  den  vulkanischen  nnd  sedimentaren  Producten  des  Entwickelnngfl 
processes  dadnrch  herzustellen,  dass  ich  naoh  Schilderung  dor  Mecrcsnieder- 
sclilage  jeder  einzelnen  Periode  einen  Paragraphen  einsehaltete.  in  welclicni 
ich  die  » vulkanischen  Erscheinungen«,  also  Eruptionen,  Niveauver- 
anderungen,  Schichtenstorungen,  Spaltenbildungen  und  Verwerfungen.  die  in 
jenes  Zeit alter  fielen,  kurz  besprach  und  darauf  eine  Aufzahlung  allcr 
analogen,  ihrer  Ursprungszeit  nach  unbestimmten.  /.urn  Theil  jedoch  viol  jiinge- 
ren  Reactionen  des  Erdinnern  auf  das  Gebiet  der  betreffenden  Sediment- 
formation  folgen  Hess.  Dadurch  wurde  zugleich  thunlich.  ankniipfend  an  die 
Schilderung  der  Spaltenbildungen,  die  Mineralgange  zu  envahnen  i\nd 
dieselben,  statt,  wie  sonst  wohl  gebrauchlich,  in  einem  besondern  Anhange, 
bei  den  einzelnen  Sedimentformationen  als  diesen  angehorige  und  von  i linen 
untrennbare  Vorkommen  zu  besprechen. 

Unsere  Literatur  besitzt  eine  Anzahl  trefflicher  Lehrbiicher  sowohl  iiber 
einzelne  Zweige,  wie  liber  einen  grossen  Theil  des  Gesammtgebietos  der 
Geologic.  In  ihnen  stand  mir  ein  ausserordentlich  reichhaltiges  Material  zu 
Gebote,  bei  dessen  Benutzung  mein  Hauptaugenmerk  auf  die  Beschrankung 
des  in  Fiille  Gegebenen  auf  das  Wesentlichste  gerichtet  sein  musste.  wie 
solches  in  einem  auf  die  »Elemente  der  Geologie«  beschrankten  Leitfaden 
enthalten  sein  darf.  Vorzugsweise  konnte  ich  mich  auf  die  bekannten  Lehr- 
bticher  von  Naumann,  Bischof,  Lyell,  Dana,  Vogt,  Zirkel,  Quenstedt.  v»»n 
Cotta,  Frd.  Rb'mer  und  Bronn  sttitzen.  ohne  jedoch  die  Monographien  und 
Arbeiten  anderer  Geologen  unbeachtet  zu  lassen. 

Somit  empfehle  ich  die  vorliegenden  Elemente  der  Geologic  der  wobl- 
wollenden  Beurtheilung  und  nachsichtigen  Aufnahme  der  Fachgenossen. 

Leipzig,  im  Juli   1872. 

HERMANN  CREDNER. 


VORWORT 

zur  zweiteri  Auflage. 


W, 


enige  Wochen  nach  dem  Erscheinen  meiner  »Elemente  der  Geologie« 
stellte  sich  die  Nothwendigkeit  eiiier  neuen  Auflage  derselben  heraus. 
MciiMMii  \\ Yrkr  aucli  nur  eincn  annahernd  iilinliohen  Erfolg  zu  wttnschen, 
danmls.  als  ich  es  vor  fttnf  Monaten  der  wohlwollenden  Aufnahme  von  Seiten 
meincr  Facligenossen  empfahl,  hiitte  rair  zu  unbeseheiden  geschienen,  uud 
auch  heute  gestehe  ich  es  mit  Vergnligen  zu,  dass  man  den  Hauptfaktor 
dieser  raschen  Consumirung  einer  starken  Auflage  in  dem  drlickend  fiihl- 
l):iri'ii  Mangel  eines  kurzgefassten  Gnmdrisses  der  Geologic  zu  erblicken  hat. 
DicscM  Hrt'olg  liefert  jedoch  zugleich  den  Beweis,  dass  die  Beliandlung, 
\vclche  der  Gesammtstoff  der  Geologic  in  meinen  »Elcmentem«  erfahren  liat, 
jciifin  BedUrfhisse  im  Allgemeinen  entspreche. 

Ant'  der  anderen  Scite  alter  treten  mir,  jetzt,  wo  das  Buch  fertig  vor 
mir  licji't  und  als  Leitfaden  ftir  meine  Vorlesungen  benutzt  wird,  jetzt,  wo 
sicli  die  Urtheile  bowalirtcr  F;ir]igenossen  meliren ,  auoh  seine  Feliler  in 
bestimmterer  Gestalt  entgegen. 

Kiir  einen  der  wesentlichstcn  derselben  lialte  ich  den  Mangel  specicllercr 
Literaturaiigabcn.  d.  h.  also  den  Mangel  kurzer  Aufzahlungen  der  wesent- 
lichstcn und  ncucsten  Litcratur  des  Inhaltcs  jedes  einzelnen  Abschnittcs 
zuin  Xwecke  der  Belehrung  der  speciellere  Auskunft  Suchenden. 

Die  neue  Auflage  meiner  »Elcmente«,  wie  ich  sie  heute  durch  einige 
Worte  einleite,  folgt  jedoch  der  ersten  so  rasch,  dass  es  unthunlich  war, 
jt't/t  sclidii  dem  von  mir  erwahnten  Mangrl  ab/uhelfen  und  mir  nichts  Ubrig 
blcibt.  als  dies  auf  sj)Utere  Zeit  zu  verschieben.  Sollte  meinen  »Elemcnten« 


VI  Vonvort. 

das  Glttck  einer  dritten  Auflage  wiik-rialireu  .  so  wird  der  Leser,  abgesehen 
von  alli-n  anderen  Umanderungen,  an  der  Spit/.e  jedes  Kapitels  die  Auf- 
/a'hluuj;1  der  wichtigsten  auf  dessen  Inhalt  bezUglichen  Literatur  finden. 

Bis  dahin  empfehle  ich  das  Werk  in  v o  1 1  s  t a n d i g  un  v e  r  :i n d e r t e r 
Gestalt  dem  gleichen  Wohlwollen,  mit  dem  seine  erste  Auflage  aufgenominen 
worden  ist. 

Leipzig,  im  November  1872. 

HERMANN  CREDNER. 


EiiileituiiK. 

i)     1.    AlifLiidii'    dor   lionlogie 1 

(j    2.   EintlioiluiiL:  dor  Geologic 1 

§    3.    HiHs\\issoii-rh;iflon  dor  Geologic ?    .    .    .    .  2 

§    4.   Geologische  I.iteratnr 3 

Erster  Abschnitt. 
Physiographische  Oeologie. 

§  1  Ge.-tall  nnd  dn»so  dor  Krde 5 

§  2.  Spooilivlios  Gevsicht  der  Erdo 6 

§  3.  Temporatur  des  Erdinnern.  Gluthllussigor  Krdkorn  .• 7 

§  4.  Vertheilung  von  Land  nnd  Meer  auf  dor  Erdoberflacho '.» 

(6  5.  Allgeinoino  Gnippirung  dor  Conlinente  nnd  Oceane !» 

§  fi.  Gliedcrnng  dor  r.ontincnlalmasson 10 

0  7  Inseln 10 

\6__8_.  Anscheinende  Geselzmassigkeit  in  don  limrissen  der  Continento 11 

j| 9!  Reliefformen  des  Landes 12 

§10.  GO\MSSC  liosotzniassigkeiloii  in  den  Reliefformen  des  Landej. 14 

§11.  Dor  Meerosgrnnd la 

Zweiter  Abschnitt. 
Petrographische  Oeologie  (Petrographie). 

a)  Allgemoinos. 

§    1.   Aufgabe  der  Pelrographie 17 

§   3.  Wesentliche  Bestandtheile  der  Gesteine .•    •  '7 

§    3.   /nfalli^f   Bosl;iinlllioile  der  Gesloino 18 

§    4.    Accesv>risohr   HosUuulmasson 1(* 

^trnctur  der  Gesteine " 20 

§    6.    (Jehergango   dor   licsh'ino 22 

§    7.   Bostiininnng  dor  Gonion^llicilo  dor  dotoine 23 

Anvsondung  des  Mikroskopes  in  der  Geologio      ...» 23 

§    8.  Classification  der  Gesteine 30 

b)   Uebersicht  dor  Gesteinsarlen. 

< 

1.  Classe.  Krystallinische  Gesteine. 

1.  Ordnung.   Einfache  Gesteine. 

1.  Familie.    Eisgesteine. 

1.  Eis 31 

2.  Familie.     Haloidgesteine. 

2.  Steinsalz 32 

3.  Gyps 33 

4.  Anhydrit 34 

5.  Kalkstoin 34 

6.  Dolomit  . 


VIII 

3.  Fa  mi  I  ic.      K  if -d !;<••»( c  in r. 

Heite 

B     'JuaiYit 38 

«J.    KrystallmiM-hfr  nu.iiY-.iiulMriii 38 

10.  Kirsclx'hirfer ;js 

11.  FfUfrslrin ;l'j 

Hornstfin,  -l.i-.pis,   >u.»\\,i  —  rn|u.n  /..    Kir-Hsmlfi ,    roliiM'Im-fcr,   Kicselguhi  I'.i 

4.  Familie.     Silicatgcstei  nr. 

!•_'     lluinlilmdcfds 40 

«3.   ChloriLschiefor 40 

14.  Talkscliiffer 40 

i '.     NTpfiitin 41 

5.  Familif.    E  rz  grstoi  in- 

16.  SpatliriMMistcin * 41 

17     Spliaro^idi-rit \-> 

18.  BrauneiMMisloin 42 

19.  Rotheisenstein 42 

it)    Mat;fioteisenstein 43 

6.  Familie.     Kohlengesteinr. 

21.  Torf '.  .t 

2i    Braunkohle 44 

23.  Sleinkohle 44 

24.  Anthracit 45 

25.  Grapbit   .    .   .    .  , 45 

26.  Petroleum 46 

27     Asphalt 46 

Guano 46 

2.  Ordnung.   Gemengte  krystallinische  Qesteine. 

1.  Abtheilung.    Massige  Oesteine 47 

Classification  der  massigen  Feldpatbgesteine 48 

Aeltere  Feldpathgesteine. 
a)  Quarzhaltige  Ortboklasgesteine. 

28.  Granit 49 

29.  Granitporphyr '. 51 

30.  Felsitporphyr 51 

31.  Felsitfels 53 

32.  Felsitpechstein 53 

b)  Quarzfreie  Ortboklasgesteine. 

33.  Syenit 54 

34.  Quarzfreier  Orthoklasporphyr 

c)  Plagioklasgesteine. 

35.  Diorit 56 

36.  Corsit  und  Kiigeldioril 

37.  Porphyrit 58 

38.  Melaphyr 

39.  Diabas 60 

40.  Gabbro 

41.  Hsperbtheml 

42.  Sc'liillerfels 63 

.lunge  re  Felds  pa  t  h  gestei  ne. 
a)  Quar/lialtiut'  SHiiidingesleine. 

43.  Quarztrachyt 64 

b)  QuarzlVfif  Samlni-rsteine. 

44.  Trai-h\t 66 

45.  Phonolilh 67 

c)   Plaguiklasiicslcinc. 

4fi.  Horobieode-Aodesil 68 

47.  Angit-Andesil 69 

48.  TrarliNlprrbstcin 

49.  Obsidi'an                                                         70 


luhalr  IX 

Seile 

50.   Perlit 71 

.".  1      Kimsstein 72 

Di. •    Handle 

lij     I'la-ioUa-   Dolent,    ii.-li>t    \naiiK-Mt   uiitl   Pl;i£inklas-l<as;dt 73 

..(     Ni-phelin-Dulerit    uud   Nepli<-liu   l!a>all 76 

54.    LcurilopliN  i    inul    l.i-ucilhasalt        77 

35.   TaHiylyl 78 

I  fldspallitme   IM,I>M.-C,   gemengte  kry  stallinisrlit-  (icslcine. 

,i.-i-en 79 

57.    Turmaliiil.-ls 79 

tlogll             79 

59.  (Jranatl.-ls 80 

Kinzigil,  Curdierill'els,   Diinil,   Lberzolilb,   Kulysil 80 

2.  Abtheilung.    Qeschichtete  Oesteine. 

60.  Gneiss 80 

61.  firanulit       88 

61     llallfllinla       83 

63.  Porphyroide 83 

64.  Glininifi.scliiclci 84 

<i,'i    Tbonglimmerschiefer,  l'li\llif 85 

SiM-icilscliicl't'r S6 

66.  Hacoluniit 87 

2.  Classe.  Klastische  (Triimmer-)  Gesteine. 

4.  Familie.    Lose  Accumulate 
a)  Pruducte  mechanischer  Zerkleinerung  durcii  das  Wasser. 

67.  Sand,  Kies,  Seifen,  Grus,  Gerdlle,  Geschiebe 87 

b)  Lose  vulkanische  Auswiirflinge. 

•  -     \  iilkanisclie  Asche,  Sand,  Lapilli,  Bomben,  Blockc ,  Bimssteinsand  iindBims^l'  mun  nil.  88 
t.   Kamilie.    Sandsteine,  Conglomerate,  Breccien. 

69.  Sandstein • ss 

70.  Conglomerate 90 

It.  Breccien 9\ 

3.  Familie.     T  hongesteine. 

Kaolin 93 

7:t    Thon,   Lehm,  Loss 93 

-'  hieferthon 94 

75.  Thoiisc  liiclcr 95 

4.   Familie.     Tuffe. 

76.  PorphyrtuH' 96 

77.  Gnmstfintuff 97 

-••halstein 97 

7!».  Tuffe  der  trachytischen  und  basaltiscben  Gesteine 98 

Dritter  Abschnitt 
Dyiiainiscbe  Oeolugie. 

Der  Vulkanismus. 

Begriff  des  Vulkaiiismus 400 

I     Vulkane  11  ixl  ihre  Thatigkeit. 

Begnlt   i'iiii->   \ulkans 100 

a)  Die  geschichteten  (oder  Strain-)   \  ulkan. 

§    1.  Charakter  dersolben KM 

;•     '     Mali-rial  <ler  Vulkanenkegel  und  daraul  luisirle  Einlheiliini:  dci-  Mratovulkane  .    .  102 

tj    :<.    I  nlrrgrund   di-r   Vulkane 103 

§    4.   Ringformigc   I 'm\\allunp-ii.    Hinstur/.knileir Id', 

tj    '<•    Maarc (05 

§    6.    I'nterseeisrhe    Vulkaue  und   Vulkaiii-ninseln lO.'i 

§    7.   Kaiuiilii  In-   Veikniipl'uiii;  der  \ulkane.     Vnlkanenreilien   und   Vulkaiiengruppi-n    .     .  106 


I  .I-:--  der   Vttlkaoe   nut    Hezug  aul    Land    niul    Meet                                                        .  107 

(j     '.>     (Jcngrapliisclie    VcrtlieillUig    der   Stratovtilkanc      .  )OS 

§  10.    Erloscheno    niul    tliatli;c    Vlllkane      ......  IP 

$11.    Die   normale   Thaligkcil   tier  Stralovulkane  n> 

/(island   dec   Eruption  dcr  Stralovulkatic        ............  It, 

b)   Die  homogcneii  Vulkanc. 

§  13.    C.haraktcr  deisoll>en   ......................  1)6 

§  It.   Slruktnr  dor  hoiuogoiiou    \  nlkaur       .............  ll'.i 

d  t.'i     \  ft  •kuupt'iing  dcr  homogonen  und  gosohielitotcn   Vulkanc      ...  H'j 
§  16.    Enlstphung  der  homogpiien  Vulkanc  ............                                        .419 

2.  H  i-  1  ssr   UUP  I  1  1-  n. 

Hnssr  Uudlen     ...........................  1  "< 

3.    Vulkan  is  die   Erdhebeii. 

§     1.    BogrifT  derscllicn     ....................  123 

$     i.    InltMisilat    und   Art    mid    Wci-o  dn    HI-\M>I;IIIII:   <kv»   Modcns    .     .  1  '.; 

j5    *.  Fortpflaozungsweise  <i«'i   KnUii-iicn  ...............  t  >\ 

§     4.    \bbfingigkeil   <I»M-   Kixlht'lu-n   Vun  don   pjnt;iiostiM-hiMi    \  rrlialliu-scn   ....... 

i     :>.   FortpflanzangSgescbwindigkeit,   Daunr,   Haufigkeit  und  Ansdcliininu  drr  l-irdlu'lioii 

v;    r..  Scobehen  ................................  12fi 

1}     ~.   Wirkungen  der  Seebeben     .........................  127 

§    8.   Beziehungen  zwischen  Erdbeben  und  viilkanischeii  Eruptinncn  und  zwisclicu  Krd- 

behcn   und  Gcstirncdiistellation    .......................  127 

4.   Pe  rmanon  I  c  Hehungen  niul  Sc  n  k  n  n  u  r  n  dcs   Modons. 
§     1.    liislanlanc    nder    sacculart1   Hfliiinucn   und   Scnkiinucn.     Anlialls|iiinktf   i'ur  <'.un-«ta 


§    2.   Beispielo  von  Hebungeii    .......................  I  -^i 

§    3.   Beispielc  von  Sctikiingcn  ..........................  1  31 

'     llrhunutMi   und  Sonkiingon   in  trulicrcn  geolugischcn  /iMlraiunoii        .......  133 

•  .   KiiKlchung  dor  Continento   .........................  l.<:> 

§    fi.   Auscheinendc   (losotzmassigkcil    in    dcri    Conturlorrncn   der   Conlinonto    und   dom 

Vcilaule  der  (Ii'hirgo  irn  /usammenhange  mil  deron  KatetetHlBg9VQis6    .....  136 


Die  geologische  Thatigkeit  des  Wassers. 

Dio  acolouisrlio  Thatigkoif   <|o>   Wassors    ............    •.  (37 

1.    Das   f  I  ns>  i  LO    \V  a  ss  P  r  a  1  s  g  «•  <>  I  op  i  s  r  h  os.   \\  ••  i  k  /.  c  u  r 
Allgemeine  Darsfollung  seinor  Tliatigkeit    ............  13* 

a     Dip  chi'mischo  Thatigkpil   dcs   \\assrrs. 
§     1     Das   \\assn   ....................  .....  til 

)     2.   Durchdringlichkcil.   Autlosliclikoit   und  Zprsctzbarkcit  allcr  'icstcino  dnrHi  \V,i-s.-i      11-' 
j5     3.    Die   hvdro-cliciiiisi  hen   I'mrcss,.  .......................      <43 

"1.   Aiitldsiing      ............................      143 

2.  rm\vaudlung   \\asscflrcicr  in  wassorlialtigc   Miiicralipn    .    .  .    .      145 

3.  Oxydation      ............  ,  .........  .      146 

4.  Reduction     .........................  1  is 

:\.   Carbonatbildungcii  durch  /erselzung  V«MI   Silicatcn  .    . 

§     4.   Die  liyiro-cliomisclien   Process.'     \  i.rtsclzting  ..............  IM 

§    h.   I  nfcrirdische  Absatze  aus  Mincralsolutioiipn    ............. 

)     fi.    Minoralqucllon   und  deren   Ahsatzc     .........  159 

§    7.   Dem  Meoro  zugetnhrto  Mincralsubstanzen    ................          Ifil 

§    *.  Hbhleabildnngea,  Erdfalle,  ErderscbntterungeA,  Schtchtensteruogen  m  holgc  d«M 

untcrirdisclieri  Tliatigkeit   dcs  Wassers       ...................      16i 

b;   Die  mechanische  Thatigkeit    «1'^   Wassers 
§    9.  Die  fliessenderi  Gewasser     .........................      165 

§  10.  Erosion     ...................  167 

1  41.  Transport  und  Absat/e  von  Seiten  fliessender  Gewasser     .    .        ......  169 

§  12.  Die  mechanische  Thatigkeit  des  Meeres  ................ 

(j  13    /cistdrende,  transportirende  und  ^iederabsetzende  Thatigkeit  ,i 

2.    Das  Ei  s  a  I  s  geol  01:  i  >••  h  e  -   \V  c  rkzeug. 
§    1.  Wesen  der  Gletscher    ................  179 

§    2.  Bewegung  der  Gletscher  .    .    ............. 

§    3.  Tntere  Grenzc  der  Gletscher  ......... 

§    4.   Verbreitung  der  (iletscher   ................ 

:      .     Von  den   Bp\\egungcn  dor  r,|risi-hci    .il.li.-  ••lieinungen      .......      1  s  < 


Inhalr.  XI 

Das  organische  Leben  als  geologisches  Agens. 

Seite 

(j    t.  Manni^faliiLiki'ii  der.ueoiodsdien,  durchorganischeThtttigkeit  vartnittelten  Vorgiinge  I8tf 

;i     Kalkalischcidmii:  atis  dfiii    Nicer  durcli   thicrisclic  Thidkkcil. 

§     i.    Die    Uaiilrn   der   I'oKpen    .........................  190 

§    3.  Muschel-  uiul  ForaminiferenBtoke    .....   r   ...............  191 

li     Aul'speicln'riini;   von   Koldenslnll'  dnivli    pllan/.liclic   Tliiiliukeil. 

jj     4.    Der  Yerkoldmii:>pi-<icc>-»  und   .lit-  kolileiihildenden   I'tlanzen    ..........  19* 

j     .V    Gas<|uellcii   aN   I'rodncle   di'i-  /ei-M-l/tini;   vejuMahilischer  Suhslan/eii     ......  1ljr> 

j     i;     Schlammvulkaiie   als   Resultale   oi'Liaiiiscln'i-   /<•!  sc'txuiii-fii     ...........  I9H 

Die  Zeit  als  geologischer  Factor. 

(irii-.sc  ilrr  iii'tiloLiisi-lifii   /I'ili-aiiiiic    .....................  197 


\  icrter  Absclniilt. 
Petrogenetisclie 

§     1.   AiiUialii-  .IfiscllM'ii 

A.  Die  Eruptivgesteine. 

(j    i.    Knt^lt'liuiit;  tin    Ki  ii|)livt;i'stiMhc      ......................      iOI 


H.   C'.liaraklt'i'istisrlic   Kii-eiilliuinlirlikcitcii  (k-r  Eruptiv^esteiii*-     ..........      203 

".     Kni|iti\r   Nalur  drr   liasaltisi-licn   und  tracli\  tisflicn   (ii'stciiic  ..........      iOfi 

ii     Kruplivf    Satin-  L-C\\  isscr  Ci-anili1  .    so\\jc   dcr  Kclsitpiirph\  i-e  .   Syinli-,    \li-l;i|ili\  i  v 


B.  Die  Sedimentargesteine. 

§     7.    Kiitstcliun^  und   Material  der  Sfdiiiu'iitarsiosleino      ..............  ill 

§    8.  Oliai-akti'i  i-liM-hc  Kfiiii/ciclicn  d»T  Soditnoulariiestcinc     ............  212 

\i    9.  Miiiri-oi,'fiic   Sedimeatiirgesteine   infriianisclifu  I'l-spruu^^     ........  ili 

i  10.   Minci-Di-'i'iic  Sedimenttirgesteine  ciiruiiscltcii  I  rspi-n  hires  ............  213 

§  41,   ZiKiyt-iic   und   ph\  lutiem1  Si>diim'iiti.'i'striiic      ..................  ils 

C.  Umgcwandelte    metamorphische    Gesteine. 

vj  \t     Hcu'i-ilt  di-s  Mclaiiiorphisinus        .......................  219 

§  13.   Narh\ycisl>ari>   (icst('iiisiiiii\\aiidlunt:cii   durcli  Mincrali|iicllon   und   Sickcrvvasscr  .     .  i20 

§14.   Nai  li\\fjsl»are  Gesteinsurmvandiungen  durch  \idkanische  Dampfe     .......  £22 

§  15.  GesteiosumwandluDgen  duidi  Koldenbraiidc  .................  223 

§  Ifi.   Nai-hweisbarc  Vcra'ndprunt-'«-ii  durcli   Eruplivijt'-tfini'    .............  223 

§  17.   Die  Thrni-ie   \om  allgeiiK-iiifn   Metainorpliismus      ...............  227 

Fiinfter  Abschnitt. 
Architektonisclie  Geologie. 

Aufgalir  d.-i-i'llien  .............................  i33 

a    die  geschichteten  Gebirgsglieder. 

<!     1.    Die  Si  hit-Id      ..............................  233 

^(•liicldfiirciliiMi  ..............................  235 

^    3.   Schiclilcnlage  ;   Scliiclitrnsliii  uniicn  durcli  Aut'richtung  .............  237 

v)     A.   Sclijcldcnstoi  iinui'ii  diin-li   FoltuiiL.'cii  udci    liicL'imgen    .............  239 

§     5.   SchichtefiBttfrangeo  (lurch  Spaltuiii:i'n  und    Vt'r\\crfiingen    ...........  242 

§    6.   LagerongSTerbaltDisse  /weier  Schichtenreilien  zu  einander     .........  243 

,     KrlaliM-  Allcrshcslimmung  der  Schiclitfiistui  ungen   ..............  244 

I  ianv\,.|  s,,|,.  s.-liicforung  ..........................  246 

h    Die  massjtren  Gebirgsglieder. 

i)     9.    Ihiv   l.;ii,'ciuiii;sfornr)en   ...........................  247 

§  10.   Ihre  Structurlormen  ........    •    ...................  £49 

o    Die  plait.  -nformigen  Mineralmas<en     Minn  ilj;n 

ji  1  I     \Vc>,-n  und  Entstelmng  der  Mineralgange    ..................  251 

>5  1  -i    Ganf-verhaltnisse     ...................    ..........  252 

0   l;-i     VIM  v.  frfuiis'o  n   der   Minn  .iL  ,m  •••      ....  253 


XII  lul.alt. 

Scdistor  Abschnitt. 
HistorisHie  Geologie. 

;i     Kinleilendes. 
§     1.    Aulgahe   der  hislorisrhen   Geoloijie 

(j    4.  i>ar\\  in's  Transmatationsfheorta 257 

§     3.   Geoloi^iselu1   Perioden  uml   Foriuationen -^:,s 

§     4.   (iren/en   der   Formation    nach   ohen    ninl    unti'll 259 

§    5.    Horizonlalc  Ausdehnung  einer  Formation  und   Vcrschiedenartigkeit  gleichallcii^er 

Formalioncn 260 

§    6.  Altersbflziehaogen  xwisohcu  Pormationen  von  i:leichem  paJaeoatologischeoi  Habitus  261 

§     7.    AnhftHspOnkle   zur  IJcsliniiuiini;  dcs  i-colo^isclirn   Alters  \(»n   Scliicliti'iic(iiii|ilcxcn  i62 
§     S.   (ilic(li>ruM£    der    BbtwicklQpgageschidlte    uml    (it-r    fi)ls|)i'('clicii(lcii  Srliichlcnifilif 

dor  Krdkrusle  in   I'eriodcn  und   l-'onnnlionon 264 

Abstammung  und  fruliostcr  Zustand  dor  Erde.   (Kant'sche  H\  |)(>lhcsc,      267 

b)  Forinationslcliic. 

Dit>  l-'undanK-ntal-Koniiation   (Erslnrrungskruslc) 468 

A.  Die  azoischc  Formationsgruppe. 

Cliaraktoristik  dcrsclbcn      269 

Die  laurentiache  oder  Urgneisaformation. 

Petrograpbischer  Chnraktor 270 

Aiuloulunticn  organischen  Lcbens  wahrend  der  lauruntischcn   I't-riodf 273 

Miichti^kciL  und  architektonische  Verlialtnisse 274 

La^erungsvcrliidtnissc  der  laurentischen  zu  den  iibrigen  Formationen 275 

\Crbreiturfg 376 

Die  huronische  oder  Urschieferformation. 

Petrographischer  Charakler 477 

Organische  Restc 281 

Architektonische  Verlialtnisse 281 

\Lagerungsverhaltnisse  .   \  ttf^uA^^ 482 

Tabellarische  Uebersicht  liber  die  azoischen  Formalionen      283 

.  Vulkanische  Erscbeinungefl    wahrend    dcs   azoischenZeitallers  und  ini  (ichictc  lauirn- 

tischer  und  huronischer  Formationen  iibcrhaujd 284 

B.  Die  palaeozoische  Formationsgruppe. 

C.harakterislik  und  Glicderung  derselben 4,sy 

Die  silurische  Formation. 

Pelrographischer  Charakter 290 

Architekionisehe  Verhaltnisse • 291 

Palaeontologischer  Charakter  der  Silurformation 494 

/Nveitheilung  dor  Silurformation 299 

\Geoi.<ra|>hisrhi'  Verbr_oitun!.' 300 

Vulkanische  Erschcinungen   und  Ganggebilde  im  Gebiete  silurischer  Tcrritoi  ien     .    .  304 

Glii'derung  und  Parallelisirung  der  silurischen  Formationen   verschiedenor  Lander         .  305 

Kiickhlick  auf  das  silurisohe   /eilalter 310 

Die  devonische  Formation. 

Petro»raphisohi%r  Charakler 3H 

AK  hiteklonische  Verhiillnisse 314 

Pidaeontologischcr  Charakter 314 

Divitheiliuii.'  der  di'Muiischi-ii  Scbichienreihfl 319 

Old-red-saiidstoiie-Facies 319 

iH-iiiM-apluM-hf    \'erbrcilung       320 

Vulkanische  ErscffeliTongeD  im  Gebielo  devonis<  her  Foi  inalionen 344 

(iliederuni;   und   Parallelisiruuu  devunisfhei    l.n  inalionen 325 

Kuokhliok' 347 

Die  carbonische  oder  Steinkohlenformation. 

I'etKiL'i -aphiseher  Charakter 

Lageruogsverhfiltni8§e 329 

\K-liilektonische   \fihiiltnisse 349 

I'alaeonluloiMsrher  Charakter 

X\veitheilnniL'  umi  versrhiedene  Facies  der  carbonischen  Formation 338 

<ieoi.Taphi»i-tie   \Cihreitung  derselben 340 


Inhult.               -  Mil 

Si'iti- 

Die  kliniatischen   Yerlialtnisse  \\aluvnd   tier  rarliunisrlien   1'eriode 345 

Die  Bildung  der  Sleiukolilenllol/.e 345 

Yiilkanisrlie  Krsrlieinunuen   und   (iiiimliilduii^oii   im  (lebiete  carboniseher  Formationeii  347 

Itik-kblk-k 35* 

Die  Dyas  oder  die  permische  Formation. 

Bililungswcise  und  CharaktorisUk 353 

I'alaeontnlo^isrher  Cliarakter 354 

I)  ic   UN  ;i  s  De  u  I  sch  la  ml  s. 

1.   Das  Both  I  icgcndc. 

IVtrofzrapliisi  -her   Cliarakter 358 

Palai-oiiliilniii-ii-lii'i-  Cliaraktci- 360 

Gfslfinsfi-ii|itioiKMi   \\alirfiid   dcr  AltlaiitM-uiit;  dcs  HothlioyeudiMi 361 

2.   Die  /cell  sti>  in-G  ruppi' 

Cliarakli-rislik   mid   (ilicdcrung 364 

Uaiiefurniii;!'  Krzla^crsliillcn   in  drr  ZechBteiO-Grttppe .* 367 

VfrliiviluiiL:  tier  dcutsrlu'ii   D\as 368 

Die  Dyas  E  n^  la  uds. 

(ilicdiTung 369 

Die  |M>rmische  Formation  Russia  nds. 

Cliaraktorislik 369 

Die  |)c  i  in  i  schc  Formation  in  No  rdanteri  ka. 

Cliarakteristik                          370 


Kurklilick  aut  die  Entxvickelung   dcs   organischen  Lcbcns  wa'hrend  dor  palaeozoischcn 

/..•ilalter 374 

C.  Die  mesozoische  Formationsgruppe. 

Chaiaklfi  istik   und   (iliederuilg 37s! 

Die  Trias. 

CltaraktiM'istik • 373 

Die  (I  c  u  tscli  e  Trias. 

<.   Dcr  liiintc  Sand  stein. 

I'ctid^rapliischer  Cliarakler 375 

Er/rulirung 377 

Palaeootologucher  Charakter 377 

a.    Dcr  Muschclkalk. 

laphisclicr  Charakter 379 

l'alin'()iiliiloi;isrhcr  Charakter 384 

_ 383 

3.  Dcr  Keuper. 

Charakter 384 

I'aluconloloL'isclier  Cliai'aklcr 385 

(iliciloi-ung 386 

Verbn-ilimg  der  Trias  in  Deutschlnnd 389 

l.a^cmngsvorlialtnisse  der  denlschen  Trias 3<jO 

Die  e  n  L;  I  i  sdi  (•  Trias. 

r.haraklrristik 3yi 

Die  Trias  in  Dcutschland   und   Knt-land 393 

Die  New  -  He  d -S  a  n  (I  s  I  une  Formation  in  Norda  me  r  i  k  a 

Cliarakteristik ;)<)/, 

I)  i  e  Tr  ia  s   in  <l  e  u  A  I  pc  n. 

Die  (iliedenniii  der  alpinen  Trias MIK; 

I.  I  nlere  alpine  Trias '   .    .    .    .  3<J8 

II.  nbere   alpine   Trias 3yy 

Krnplivgesleine   der  alpinen   Tria- /,0i 

Der  Jura. 

Cliarakteristik ' 403 

1.   De  r   I.  i  a  s 

Petrographlscber  Cbarakicr 405 

Lagerbngsverhttltaisse 40«j 


\llgemeiner  palteoBtologfscher  Charakler   ..............  406 

•  iliederniiL:    de>    I.  ins      .......................  408 

Tabellarische  Uebersieht 

i.    Der  Dourer  odcr  In.  nine  Jura 

I'elrographisrlier  Charakter     ........................  411 

LagerangsverhfiltnteM  ............................  ',1-2 

I'alaeontolodx-her  Charakter      ..........................  4  \  ;< 

C-liedcriing  <les  Dogger     ............................  ',  i  , 

Tahellarisrlie    Uehersicht       ............................  417 

li.    l)cr   weisse   odcr   ulu-re   Jiirn. 

Petrograpbiscber  Charakter    ...........................  it\-l 

Paheontologi&cher  Charakier     .......................  /,is 

(iliederung  ..................................  421 

I'aliellarisHie   I  ehersiclil      ...........................  425 

Gcofirapliisrlic  Vcrbrcilimt:  <lri   .luriironiiiilion    ......  426 


Die  Kreide 

(iharaklcrislik    mid    peiTOgraphiSOber   (lluii'iiktcr      .................  .',31 

Palacoiilfilo^ischer  Charakler      ..........................  433 

Siidlii-lic   nnd  ndrdlichc  Kreidefaries    .......    ................  436 

lilioderuiiL;  dor  Kreide     .............................  436 

Neocom    ....................................  437 

Tabellarisrhc  leliersielit  jler  Kreido     .......................  438 

\\  'caldtMiformation      ......    .........................  440 

(iault     ......................................  443 

Cenoman     ...................................  445 

Turon   .....................................  446 

Senon   .....................................  448 

Geographische  Verbreihma  der  Kreide  ......................  450 

Lagerungsverhaltnisso  ..............................  455 

Eruplivgesteine  und  <!aii}>^ehilde  im  Gebiete  der  Kreide   ..............  456 


Hi  .  kblirk  aufdie  Entvvickeluiii;  dcs  (ir^anisrlien  Lebenswahrend  der  mezozoischen  Zeitalter.  457 

D.   Die  kaenozoische  Formationsgruppe. 
Das  Tertiar, 

Charakter  der  Tertiarporiode 459 

Die  E  o  r  a  n  f  o  r  m  a  t  i  o  n. 

Die  Eocanformation  im  siidlichen  England 464 

Die  Eocanformation  des  Seinebeckens 466 

Die  Eocanformation  des  Sudens 468 

Die  0  1  igoca  nf  or  ma  t  io  n. 

Tabellarisclie   Uebersicht 472 

Die  Oligocanformation  in  Sudengland 472 

Die  Oligocanformation  im  Seinebecken 473 

Die  Oligocanformation  der  Schweiz 47". 

Die  Oligocanformation  in  Norddeutscbland 17(5 

Die  Miociin-  und  P  li  ocan  formal  ion. 

Tabellarische  Uebersicht 482 

Das  Becken  von  Mainz 482 

Das  Wiener  Becken      484 

Die  neogenen  Tertiarformationen  der  Schweiz  und  des  iionllirlicn   Bayorns 486 

Der  Crag  Englands " 487 

Da<  Pliocan  Italiens      

Einigcs  tilier  die  geographische  Verhreitung  'des  Tertiar 490 

Die   LfiirenuiL'sverhaltnisse  der  Tertiarforrnation 492 

Vulkanisrlip  Eiscliciniuigcn  \viihrcnd  der  Tertiaperiode 493 

Das  Diluvium. 

Krsi  lieinungen  \sahrend  der  Diluvialx.eit 497 

Die  Glacialersflieiniiiigen  auf  den  sknndinavischen  und  hritisclien  Inseln 501 

Die    Driflencbeinangen    im    nordeuropiiischeii    Flachlande   und    dem    nordlichen    Theilc 

des  amerikanischen  Continentes.   dem  damaligen  diluvi.ilen   Mfi'iesboden    ....  503 

Der  europaisclie   und   nmerikaniselie   Continent   \\iilirend   tier   Dilnvialzeil 505 


Einleitung, 


§.  I.  Aufgabe  der  (ieologie.  Die  (Jcolode  I'iissl  die  Krde  als  ein  kos- 
misehes  ln<li\i(luum  ;iul'.  (lessen  Kiiienscharien,  Kral'laussenmiien  uml  Knl\\ick- 
lungsgeschichte  sic  y.u  eiiorschen  hill.  Sic  l>e/.\\eckl  (leiun;ieh  niehl  ;illein  d;is 
Sludiuin  des  ferliiren  Krdtjan/en  vind  seiner  ein/.elnen  (ilieder,  ihre  /\\eile 
gleichberechiigte  An  foal  >e  isl  die  Ergrnndimij  der  (lesehichle  unseres  IManelen 
mid  seiner  Me\\  olmer.  Sie  soil  \ ersnchen.  den  Krdball  \on  den  erslen  Sliidien 
seiner  Kxisten/.  dnreh  die  ein/.elnen  Phasen  seiner  iilliniihliehen  llei%;iusl)ildnni; 
his  /u  seiner  jel/.iiien  (lesliilluni:  /u  \erfoli;en  nnd  d;is  NVirki'ii  der  lie!  diesein 
i-jil\\  iekliinLispnieesse  lh;ili|4en  Niilnrkriifle  /u  ennilteln;  sie  soil  versnehen.  \<M 
den  /nsliinden  der  l^rde  \\iihrend  \erllossener  I'erioden ,  von  den  je\v  I'iliuen 
hninen  nnd  Floren  jiuf  ihrer  Oberfliiehe,  von  der  Verlheilmii:  \on  Kesll;ind  und 
Meer,  von  den  kliintilisehen  nnd  \nlkanischen  Erseheinnniien  I'riiherer  Xeiliiller 
ein  Hild  /u  iie\\innen  und  endlieh  die  iilliniihliehen  Veriindeninuen  /n  Nerloluen, 
\\elclien  iille  diese  \Crliiiltnisse  im  l.iiiil'e  del1  EntwickluDgSgescfaichte  der  Kr«le 
niiler\\orfen  \\.iren. 

Die  (ieolouie  liel'erl  n;ieh  ;ille  Dem  niehl  eine  nackle  Naturbeschreil»niii;. 
ihre  Auii:,il)e  isl  el»en  so  viel  iiesehiehllieher  Art:  sie  isl  die  I.ehre  \on 

dem      Krdkorper     in     seiner     gegenwflrtigeB      I1' I'sehe  in  u  iiiisu  ei  se 
nnd   seiner  iilliniihliehen   K  n  l\\  iek  I  u  iiu. 

§.  2.  r.intlieiliini:  (lei*  (Jeologie.  Die  KrlorsehmiL;  des  Krdktirpers  li.il 
I'oL'rnde ,  sieh  loi:iseli  ans  einiinder  enl\\  iekelnde  Kr;iLien  iinr/nslellen  nnd  /n 
l»e;inl\\orlen  : 

I)  Welches  isl  die  Oestiill.  (iriisse  nnd  Oherlliicheiilicseli.illenheil  ,  welches 
sind  die  phystkaiischen  Verhiillnisse  der  Krde '.'  D;ir;nif  ;ml\\  oriel  die  ph\sio- 
fir;ip  h  i  sche  (i  col  OL:  ie. 

;'  Ans  \\.is  1'iir  M.iicri.il  heslchl  der  nns /iiL'iin^iuc  Theil  der  Krde?  Dariiher 
hiindell  die  p  e  I  r  «»ii  r;i  p  h  isch  e  (ieolo^ie. 

:j)  Welche  Kriil'le  hiihen  hci  der  ursprilnulichen  Hildunu  nnd  allmiihlichcn 
Verttnderuog  des  Gestetnsm&teriais  so\\ie  der  pberflttcheogestaUuDg  der  Krde 
miliie\\irkl  nnd  \\irken  noch  jel/.l?  Aiiskiinl'l  erlheill  die  d\n,imische  (ie(»- 

Logie. 

Credner,  Elemente  d.  Geologie.  1 


2  Einleitung. 

i      Ant    \\elche    \\ei-~e   habcn   sich    miter  Mit\\  irkung   .licsrr   Kriilte   die 
BChiedenartigen   Gestcine    gebildct  ''     h.nml    bel'assl    sich    die    pet  rogen  el  i 


(  i  r  (i  log  i  ('. 

•:i)  \Vie  sind  die  Geslcinc  /inn  Aul'baii  dcr  Krd\csle  benul/l  \\orden.  \\  ie 
si  IK  I  sk>  /.inn  Gan/.cn  verbmidcn.  \\clches  isl  die  Architeklonik  dcr  Krde  ?  Dicsc 

Fragcn  behandell  die  archiiektoBisehe  Geologic. 

r>  Welches  isl  die  Enlwickluogsgeachicbte  dcr  F.rde  uud  ihrcr  |{»-\\(iliiK'i-  '! 
chit'  Krnuc.  \\clclir  die  li  is  tori  sell  c  (Jco  I  oi^i  c  xu  hc.-inluorlcn  suclil. 

§.  3.     Hiilfswissenschai'teii  dcr  Geologie.     Die  Aiifi:;il»-ii    der  (icolu-i,- 

sind.  \vie  aus  deni  ehcn  (icsji^lcn  licrNoriidil,  so  \  iclscilii;.  djiss  sicli  (lit-sc  ;iul' 
siinnnlliclie  iihriue  Xueiuc  der  Na(ur\\  issenscli;it'leii  sliil/.cn  muss.  Mine  ilirer 
wesenUidlsteD  GmndlageD  hildel  die  iMineralogie.  Die  Kin/elkor|)er.  \velehe 
il.is  .M.iierial  /nm  Aufl»au  der  Erdkruste  geliefert  hahen.  sind  die  .Mineralien. 
deren  Kiizenseliaflen.  deren  Hildiini-  und  Umbilduiii;  die  Mineralouie  lelirt.  His 
/ur  KrmitleliiMii  der  Mineralien,  aus  \\elehen  die  (Jesleine  des  feslen  Krdkorpers 
/nsainineiiLieset/.l  sind,  izeht  der  CJeoiinosl  heini  Zer^liedern  des  Krduan/en  /u- 
riiek,  ihre  Kenntniss  aher  setzt  er  voraus. 

Die  Chemie,  die  Lehre  von  den  Erseheimmuen  hei  der  Ein\virkuni:  der 
Materien  auf  einander,  macht  die  Deutuiiii  der  Gesteinsentstehunu,  die  Verfol- 
ijiing  der  Voriiiinize  heim  Werden  und  bei  der  Uniltildun^  der  Gesteine  nioiilieli 
und  jiiebt  durch  die  chemische  Analyse  Mittel  zu  GesteinsuntersuchuiiizeM  an 
die  Hand. 

Die  Palaeonto  logic,  die  Wissenschaft  von  den  Faunen  und  Floren  der 
Vorwelt,  muss  als  cine  der  Ilauptijrundlagen  des  geologischen  Studiums  betraeli- 
tel  \\erden.  Sie  giebt  die  Moglichkeil,  die  viele  Tausend  Meter  ni;iehtii.'e  Anf- 
einanderfolge  von  Gesteinsschichlen  in  /.usaininengehorige  Complexc  liinnatio- 
nen)  zu  scheiden,  sie  lehrt.  das  Alter  der  einzelnen  Gesleinsbildiutiien  y.u  coii- 
statiren.  sie  liefert  Mittel,  z\vei  wenn  auch  noch  so  weit  von  einander  enlfernte 
Seliiclilen  hinsiehllich  ihres  Alters  zu  vergleichen,  sie  giebt  Andeutungeb  iiber 
die  physikalisclie  Geographie  friiherer  Perioden  und  spriehl  endlich  in  der  nn- 
sere  Zeit  be\\egenden  Frage  iiber  die  F.ntwiekluiiLisireseliiclite  der  Organisnien 
das  entsclieideiide  Wort. 

Auch  die  Physik  sleht  in  inannigfaltiuster  He/iehung  zu  Geologic.  Isl 
doeh  die  Mineralogie  /uin  grosscn  Theilc  cine  pin  sikalisclic  \\'issciiM-lian  und 
sind  doeh  die  Fragen  naeh  dein  speeilisehcii  Ge\\  iclite  der  Erdc.  naeh  den  Tem- 
[)eraturverhiiltnissen  des  Erdiniieren  .  naeh  dcin  Frdiiiagnclisnius  rein  ph\sika- 
liseher  Natur. 

Kbenso  innig  ist  das  Verhiillmss  dcr  Astronomie  /.ur  Geologic.  Sie  be- 
lelii'l  mis  iiber  die  Slellung  unseres  Planelen  im  \\Clleiis\sleni.  sic  bcreclinet 
die  Diniensionen  und  die  allgem^ine  Form  der  Erde  und  giebt  Andeutunucn 
iiber  die  urspriingliehsteit  Zuslande  dei'selbcn. 

Xwisehen  Geographic  endlich  und  Geologic  lassen  sich  iibcrhaupt  keinc 
scharlen  Grenzen  y.iehen.  Die  Obcrlliichcnbcschallcnheit  dcr  Krde  isl  cbcn  der 
Aiisdruek  des  geologischen  Banes  dcrselbcn  und  das  Fndprndukt  dcr  Suniini- 
rung  dcr  Hf-nll.ilc  allcr  IViihercn  geologischen  Vorgiinge. 


Kinleitung.  3 

§.  i.  (jpoloifisHlP  Litcralur.  Die  \\  is^ciiM-liaKlielie  Kntfaltnni:  der  Cico- 
loiiic  \\ar  ahhiiniiii;  N  on  der  Knl\v  iekeluiii:  der  (llicmie.  Mincralouiie  nnd  Palaeon- 
loloizie  und  Liehort  \vie  die  ilirer  elicniienannlen  Iliillsu  isseMscliat'len  der  nenesleii 
Xeit  an.  Trol/.dem  hal  ihre  Lilcralur  hereils  eine  urosse  AnsdehnnnL:  UCNMHIMCII. 
a  VMM  den  Handbuchern,  \\elelie  das  lian/c  (iehiet  der  Geologic  umrassen. 
sind  als  die  \\  ichliuslen  nnd  neueslen  /n  eruahnen  : 

(I.    I'.    Nanmann,    Lehrhnrli   der  (Jeo^nosie.    '.\  B.inde.    ;'.  Anil.     I.eip/iu  iS.'iS 

his    INT;'     noeli   crscheinend.' 
(I.    Biscliol'.  Lehrbuch  der'cbemischen  und  physikalischen  Geologic.  '.\  B;inde. 

:'.     \iill.      Bonn    iSli!'.    hi<    IS(»(>.    -       Nehsi    Naelilrau    IS/:'. 
('..    Voul.     Lelirhnch   der   (ieolo^ie    nnd    Peli'dakteiikMnde.      ;'    Biinde.    '.'..    Anil. 

Brannseli\\eiu    |S(i(i    his    1ST:'     nodi    erseheinend). 
l;.    A.    One  listed  I.    Kpoclien   der   Nalur.      TuhinueM    IS(i|. 
Sir  (lliarles   l.\ell.    Principles  ol'  i^colojjy.      10.   edit.      London    18(1S. 
Sir  Charles   L\ell,    Klemenls  ol'  ticoloiix.      II.    edit. 
.1.    I).    Dana.    Manual   of  ueoloiz).      >>.   edit.      Pliil.-idrlphi.-i  a.    London    ISIiS. 

h)   Lehrbiicher  einzelner  geologischer  Disciplinen : 

Broun    niiil    I-'.    Homer.    Lethaea   iicoiinoslica   oder  Ahhildnnji  und    Beschrei- 

luinii  der  ITir  die  Grebirgsformaiionen  hc/.eiclincndsien  Versteinerongen, 

:\    B;iM.1e  Text    mid    I  :> 'i    Tal.    Ahhilduni!(-n.     III.  Aufl.     Slnlluarl   IS.".|      :ii;. 

l;.    Xirkel.    l.elirhneh   der   Petrographie,    i    Biinde.       Bonn    ISM). 

B.    \on   dolt  a.    die   Lehrc   \on   den    Brz?agersC9tt6B,    ''2    Biinde,    2.  Anil.    l;rei- 

1,,,,-ir    1X59— 61. 
I',.    W.  ('..  Knchs.    die  \nlkanisclieii  l-'.rsclieinuniien  der  Krde,  l.cijv/.ii:  nnd  llei- 

delheru    I8«i".. 
II.    Beruhaus,    IMi\sikalischer  Alias,    2.   Aufl.      Gotha    1849—52. 

Monographische  Arbeiten.  Dieselhen  Itehandeln  llieils  iic\\  isse  (icsleins- 
arlen  oder  Schichlcneomplexe.  Ihcils  den  Lieolo^isrhen  Ban  gewiSSet  Gegenden, 
oder  endlich  iicolo^ischc  Voriiiin^c  nnd  hilden  die  llanplmassc  der  l.ileraliir. 
Hire  .Mehr/.alil  isl  cnlhallen  in  den 

d)   geologischen  Zeitschriften,   nelimlich  : 

N  e  n  cs  .1  ah  r  I  MI  eh    I'ii  r   M  i  M  e  ra  I  o  •.>  i  e  .  (i  eoloLiie  nnd    I' a  I  aconloloi:  i  e  . 
ue^riindel    \on   k.  C.    \on  Lconhard  nnd  II.  (i.   Broun  1830,    I'orl^esHxl  von 
(i.   I.eoiihard    nnd    II.    B.    (leinil/. 
Xeilschriri     der    Denlsclien    i>  (To  I  o  LI  i  se  h  e  n    (i  e  s  e  I  I  sc  h  a  It  .     ersclieinl 

seil    iSiS   in  Berlin. 
Jahrhurli   der   k.    k.    li  eo  lot:  i  sc  h  e  n    B  e  i  c  h  s  a  n  s  t  a  I  I  .    ersclieinl  seil    |S:ill 

in    \\ien. 

Onarlerl\    Journal    ol    llie   ideological   socielv    of  London. 
Bulletin   de   la    sociele    L:  e  o  I  n-j.  i  i|  n  e   de    hi    l;rance. 

e  Geognostische  Karten,  hei:lcilel  \on  Profile  n.  sind  der  i-rapliisclie 
Ausdrnck  nnseres  ^eoloijiselicn  (icsammlu  issens  iiher  eine  (irtiend.  Als  Bei- 
spiele  moLreii  ani:eliilirl  \\erdcn: 

J^Marcou.^  (ieolo^ical    map   of  Ihe   \\orld.    I  :  :>:{. Kill). (•(»(>.     \\iiil.-rlhur  iSlil. 
A.    Diiiiinnl.    (larle    ileolouiipie   de    I'Murope.       Paris 

,  I  vi    b?  t~i^  \ 

j  SI  "    " 


4  Einleitung. 

von  Dechen,    Geo«nostische    Uebersirhlsknrle    von    Deutschland ,    Frankreich. 

und  den  aiiuivii/.riidrn   l.andeni.    II.   Ansi-abe.    1:2,800,000.    18(59. 
von  Dechen,   Geologisdie  Karte   von  Deulsrhland.    1:1,400,000.    Berlin   lK(i'.). 
Geologische    Karte    von    Preussen    und    den    ThUri  nui  sc  h  e  n    Slaa- 

ten.      Henuisiietieben    dnrcli    das    Koniiil.    Preuss.    Minisleriuni    fQr    Handel. 

<ie\Ncrl>f    und    ollcntliche  Arlieiten.      Mil    erliinterndein  Texte.      1    :   25,000. 

(Seit  1870  im  Erscheinen  l>eiirilVen.) 
(ieoi-nostische    Karte    des  K  ii  n  igreichs    Bayern    und    der    anuren- 

/enden    l.iinder    v.    C.   \V.    GUmbel.      Mlinclien    iSiiK.       1    :   500,000. 
(ieoiinoslische    Gene  ralk  a  rle    des   Kb'nigreichs   Sachsen    von  G.   F. 

Nan  in  a  nn.     Dresden  1845.      1    :   400,000. 
Geologische    Uebersichtskarte    der    osterreicli  isehen    Monarchic 

von  Fr.   von  Hauer.      1   :  576,000.      'Seit  18C>7   ini   Krsrheinen   b 


Erster  Absdmitt. 
Physiographische  Geologie. 


I  /it-  urosse  Mannigfaltigkeit  in  dor  Beschaflenheit  dcr  Erdoberfljiche  ist 
das  Ursult.it  aller  der Eiotelvofgtfnge,  welclie  wir  untor  deni  Begrifl'c  desEnl\\irk 
lunuspntrcs.scs  unscres  Planeten  zusammcnfassen.  Dieser  Erfahruniissalz  gicbt 
die  .Mitlol  an  die  Hand,  aus  gewissen  physikalischeu  Verhallnissen  der  Erdc 
Hiirk.M-lilii.s.sc  ;iuf  die  Enlwicklungsvorgiinge  selbst  zu  mac-hen.  Auf  die  ge- 
c  Bescbreibung  der  Erscheinungen ,  in  vvelchen  diese  geologischen  Vor- 
,1111  unverkennbar&en  iliren  Ausdruck  gefundcn  haben,  also  namentlich 
(In  (lestall  unsores  Planeten,  der  Temperalurverhaltnisse  des  Erdinncren .  <ln 
Vciiliciluiii;  des  Festlandes  und  der  Oceane,  der  Gebirge  und  Ebenen,  muss  sich 
dfi  dcr  |)li\>iographischen  Geologic  gevvidmete  Abschnitt  dieses  llandbuches  be- 
M  hriiiiken. 

§.  I.  Gestalt  und  Grosse  der  Erde.  Die  Erde  ist  ein  mil  Polar-Abplat- 
tunu  \ci.schenes  Ellipsoid,  dessen  Aequatorial-Durchmesser  1719,  dessen  Axe 
1 7  \'.\  geographische  Meilen  betragt.  Die  Abplallung  an  jedem  der  Pole  beliiuft 
sieh  somil  nur  auf  3  Meilen.  Die  Abweichung  von  der  Kugelgeslalt  ist  dem- 
.iu.vser.si  ucrini:  und  scheint  fast  zu  verschvvinden,  \\enn  man  iu  Bertlek- 
ii:  zieht,  dass  der  Niveauunlerschied  zwischen  dem  tiefsten  Meeresgrundc 
und  dem  hbchslen  HerLie  fast  eben  so  viel  betragt. 

Die  Kllipsoidgeslalt  der  Erde  wurde  vorzugsweise  durch  Gradmessungen 
•  nnst.iiirt.  welche  freilieh  so  lange  als  die  Kugelgestalt  der  Erde  ftlr  zweifellos 
i;all,  iillein  dio  Ennittelung  der  ErdengrbsSe  zum  Zwecke  halteii  und  erst  spii- 

ter,    als  durch  Pendell baehtungen  Zweifel  an  dcr  Richligkeil  der  bisherigen 

Ansichl  rege  NMirden,  auf  Feslslellung  der  Abvveichungen  der  Erdfiguralion  von 
der  Kugolform  uerielitel    \\aren. 

Die  Messungen  der  Grbssc  der  Erde  beruhen  auf  dem  Salze,  dass  wir  den 
Durehmesser  einer  Kugel  berechnen  kb'nnen ,  »sobald  ein  Bogen  eines  ihrer 
Liinssten  Kreise,  also  eines  Meridianes  der  vorausgeselzten  Erdkugel,  sowohl 
nai-h  seiiiem  Winkel-,  als  auch  inich  seinem  Linearmaasse  gegeben  ist.  Die 


f. 


t  •  m  »•* 


Winkelgrtfsse  dues  ftferidianbogons  \\urde  mil  Httlfe  aslronomischer  Beobachtun-^ 

yen.  die  l.anjjc  dessdhen  diudi  Mcssinrj  mil  dcr  KclU-  odcr  durch  Triantailalion 
Icslucsldll  iiml  ii. icli  tlrin  Sal/.c.  il.i--  sidi  der  Moridiauw  inkd  yum  Krcis.  alsu 
y.u  :{li<»",  \\  ic  dcr  Meridianhiii:cn  /urn  IMII/CII  Meridian  \crliiilt.  die  dKisxr  d  •> 
Irl/.teren  lic/.ddmel. 

Die  Knldcckmrj  des  .lahrcs  IliT;'.  da^  das  ails  hdi<Teii  Hrciten  nadi  dcin 
AiM|ii,ili.r  i:fl»r;irlilc  Scciindcnpcndcl  cine  ^criiiucrt'  An/;ihl  MUI  Scli\\  inuiiiiL;cii 
niiiclil  ;ils  Inihcr.  ;ilsd  \crkiicxt  \\crdcn  muss,  inn  scincni  X\\cckc  y.u  cnl>|>rcclicn. 
crM-liutlcric  d;is  Tlicorcin  MUI  dcr  Kii^cl^c.si.ili  dd  I'jilc.  ;nd  dcrcn  <)l»crl1;n-hc 
die  Scli\\crkr;il'l.  .ilsn  ,m<-|i  die  /.ilil  dci'  I'cndclscliM  iiiuim^cn  iiltcnill  l;isl  die  izlcichc 
l^cuocn  .scin  \\1irdc.  Die  clicu  cr\\  .dinlcn  BeobachUingGf)  u.iltcn  dcsh.ilh  Nc\\- 
ton  mid  H(I\L;|ICII>  Vcnmhissini- .  di,-  Krdc  ;ils  cin  ;m  den  I'olcn  seiner  I'm- 
drehungsaxe  abgepiattetes  Kotationssphaeroid  ;III/.IIS|M-CC|ICII.  Die  Uichii^kcii  dic- 

scr  l-'uluei  IIIIL;  snlllc  n.inieiil  lii'li  durch  GradmeSSDDgeO  ciilscliieden  \\crdcn, 
\\elc-hc  diir.ml  ucrichtd  scin  miissi,  n  .  /n  cnn>l;ilircn  .  o|>  die  .Mcridi.uilinL:cii  ulci- 
chci-  \\inkcl.  ;ilsu  y..  l>.  cincs  (ir.idcs  in  Imhcrcn  mid  nicdcrcn  Hrcilcn  i:lcidi.  ndcr 
oh  sic  tiiicli  den  I'olcn  /.n  grosser  ills  ,nn  Ac(|ii;il<»r  seitMi.  \\  ic  cs  hci  Klli[>soidcn  dcr 
Fiill  isl.  X\\ei  /.u  dicscm  /\\cckc  in  den  .l;ihrcn  \~,:\'.\  mid  :'.<,  .ih-c>.iiidlc  l'r;m/n- 
sixchc  Bxpediliooen  slclllcn  in  Liijijtland  mid  in  I'crn  (iriidinoMin^en  .m.  dcrcn 
Hesidlatr-  die  ThciU'ic  \un  dcr  dlipsoidisdicn  (icslalll  dcr  I'lrde  \  ollkoninicn  he- 
statigten. 

Audi  dureh  Pendelsch\Vingungen  isl  die  (ieslali  dei1  Ki-de  hestiimnhar.  l>ic>«- 
hcruhl  aul'  dcin  (ieset/c.  d,i>s  die  Sdmcrkrall  i|uadralisch  mil  der 
\<>m  SchWerpimkle  ahnimml.  Da  mm  die  I'cndel  an  den  I'nlcn 
schndlcr  sch\\iiii:cn  nls  an  dem  Aequatnr.  miisscn  erslcrc  dcm  Schucrpunkle 
der  Krde  niiher  lichen  als  die  letzlercn.  die  Mei'idianc  also  Kllipsen  sein. 

Die  geom.etrische  Gestall  dcrl-lrdc  he/.euiil  die  Art  ihi-erl^nl- 
.slcliuniz.  Hire  I  cirni  als  Rotalion.sellipsoid  \vcisst  darauf  hin.  dass  sidi  ihr 
.Material  u  r  s  p  i1  ii  n  L:  I  i  c  h  in  einem  plaslisehen.  cinein  lliissii:en  Zuslandc 
hct'undeii  hat.  und  /war  crhiilt  die  Ansidil  der  ( Jeolo^cn ,  dass  dersclhc  cin 
tiluthlliissiucr  ^CXNCSCII.  durch  Hcohadiliinucn ,  \\clchc  in  spiilcrci\  Ahsdinillen 
mit^ethcill  \\crdeii.  cincn  1'esten  Sliil/.punkl. 

§.  2.     Das  sjM-cifisi-he  Gewicht  der  Enle.     Die  mittlcrc  Diditiukcit  dcr 

l-'.rdc  i>l  .'i.li  ni.il  -n.sscr  als  die  des  NN'asscrs.  Die  l-'eslslcllmiL:  dicso  \Verllies 
\\ar  nidit  aul'  dircktcin  \\'CL;C.  \\ohl  alter  iinniilldhar  dadurdi  miiplich.  da>s  man 
cine  Wirkunu  der  Masse  der  Krde,  /.  Ii.  ihre  An/ichun^  mil  dcr  cines  andercn. 
seiner  Masse  naeh  hckannlcn  Kiirpcr.s  \erulich.  Xu  dicscm  /\\cekc  lial  man 
drei  Meihoden  in  AnwendmiL;  lichradil.  Die  erste  dcrsdlicn  heruhl  auf  dcr 
\hlcnkuiii:  des  Mleiloihcs  aus  der  wahren  Verlicallinie  durch  An/.iehuiii:  MUI 
Seitcn  dcr  Masse  cincs  nahdicuenden  lieri;es:  die  y.\\eilc  aid'  der  Beobachluflg 
\on  Pendelschwingungen  aid"  dcm  (iiplcl  cincs  hohcn  Hcr:jes  odcr  im  (irmidc 
cines  liel'cn  Schai-hles  und  \cm  solehcn  aul  der  eheiicn  Krdc.  \\ohci  die  DilVe- 
ren/  der  Sdiuin-nnus/ahlcn  aul'  Koslcu  dcr  /\\  isdicn  hcidcn  Heohachtun^s- 
punklen  lic^.'iiden  Krdmassc  /u  scl/.cn  isl.  cndlich  die  drille  Melhodc  auf 

den    Sdi\\ini:uiii:eii   fines   hori/inilalcii  .    daher  dcr   Seh\\erkral'l    enl/.d-encn    und 


I.    Pbysiographische  iicnid^jc  7 

dmvli  die  An/idiiing  urosser  Melallkugeln  in  IJe\\egung  ge.sel/len  I'endels  dn 
hrehwaue  . 

Das  hohe  speeilisehe  liev\ieht  der  Krdc  muss  Uberrasehen  .  \\enn  ni.ni  es 
mil  dour  der  bekaimlen  lesion  Krdknisle  vergleichl,  \\elchos  el\\a  :{,()  betragl. 
\\iihrend  sicli  die  Diehligkeil  dor  eontinenlalen  uiul  oeeanisehen  Krdoberll;ielie 
/us.miinen  aid'  k.iiiin  l.li  belanl'l.  Ks  ergioht  sich  darans.  d.iss  d;is  speeifisehe 
Go\\iehl  des  Krdinuern  bcdeulend  grosser  ills  •'>,(>  isl  ,  so\\ie  die  \\iilirscliciii- 
lichkril.  diiss  die  Dirhtiiikcil  dcs  Krdniiilcriiilrs  mil  dor  Ticfc  /uiiiinnit,  --  V<T- 
hiillnissr.  uclclie  iihnlicli  \\it-  dir  (icsl.iM  dor  Krde  ciiu-n  iirspriln^licli  lliissi^rn 
/iisl.ind  iinscrcs  I'liinctt'ii  xoriiusst'l/cMK 

§.  :5.    TcniiuTsitur  dcs  Krdiiuiorn.    (Jluthttiissigw  Erdkern.     Die  He- 

eiiilhissiinu  drr  'rt'inpiM'iilur   IIIIMTCS  I'l.iiirlen   durcli  die    \on  dcr  Siuiiie   kniniiien 
den    \\iirinesli, ililen    liesrhiMiikl   sieh   iiul'  die   iiusserste  OlxM'lliiehe   der    I'j'de    mid 

hereils  in  einei1  Tiel'e  \on  ill  his  2-">  M.  Nollsliindii:  ;iuf.  In  diesein  Ni\  e;m 
d.i  sicli  liier  selhsl  die  jiilirliclien  \Veclisel  in  der  Kinwirkimi;  dtM1 
Siuiiie  niclil  nielli1  i;elU'iid  ni;ielien  ktinnen,  cine  j;ilirein.  jiihraus  constanlc  Tcin- 
per.ilnr.  mid  /uar  ist  dicsclhc  im  Alkeim-inen  die  nehinlielie  \\  ie  die  million- 
Teinperalnr  des  an  dor  Knl(il>crlliioho  verlical  dai'iiher  iicloiionon  I'imolcs.  So 
sind  in  den  ;M.I  .M.  lielen  Kellern  des  I'ariser  Oliserxaldi'imns  Thennomeler  riuf- 
uestelll,  \\clelie  eine  eonslanio  Tompcralur  von  11,7°  C.  zeigcn  und  dcrcn  jiilir- 
lirhe  Scliwaiikmiiicn  ansserhalh  dcr  Grcnzen  der  Beobaohtung  licuon. 

NVahrcnd  die  \\anne  dor  ausserslen  Krdkrusle  eine  IVenido,  von  der  Sonne 
iichoriilo  und  \ondiesoi1  alihiiiiiiiiio  isl,  niachcn  sieh  unlorliall)  der  (Jreii/.e  die- 
ser  Meeinllussimii  Teinperaliir\erli;illnissc  in  oiner  Weise  gcltcnd,  dass  man  auf 
einen  in  dec  Tielc  der  Erde  selhsl  liciiemlen,  also  lellurischen  \Viirme(|uell 
seliliesseii  muss.  Von  dor  Gronzo  der  Kim\irkung  der  Soimenwarme  an  lindcl 
nelimli<-li  naeli  dor  Tiefe  zu  eine  stele  Tempera  lur-Zuna  h  mo  stall. 
Ms  lierrsehl  also  in  den  verseliiedenen  \i\eans  der  Krdtiel'e  eine  an  jodom 
I'nnkle  /.war  eonstanlo,  aher  in  iiloiehem  Selirille  mil  der  Tide  zunohmondc 
\\.uine.  Dieser  in  geologischer  Bezioliunt;  hoeliuiehliiio  Salz  (indel  seine  I5e- 
i;rilndunu  in  don  Tempcralnrvorhaltnisson  »o \\issor  aus  der  Tiel'e  emporslei^en- 
dor  \\armer  (Juellen.  sou  ie  artesiselier  Hrunncn  und  endlieh  liefer  Hergwerkc. 
Ouellen  bosil/.on  diejenigo  Tempenilur,  vvelehe  iliren  Wassorn  bei  deren 
Cin  ulalion  aid'  Spallen  und  KlUflen  iuncrhalb  dor  Gosteine  von  dieson  milge- 
Ilioill  \vorden  isl.  I'.s  lassl  sieh  deshalb  aus  ihren  Tem|ieralurverhiillnisson  auf 
dicjiMiigen  ihres  unlerirdiselien  rrspnmgsortos  seliliesseii.  Die  Teinperalnr  sehr 
/ahlreiehor,  ja  der  meislen  Quellen  isl  aber  eine  hohere  als  die  milllere  Tem- 
])eratnr  des  I'unklcs.  an  \\eleliein  sie  her\ orbn-ehen.  Man  nennl  dicsclbon, 
namenllieh  dann.  \\enn  dieser  I'lilerseliied  oin  hedeulender  isl,  war  me  Quel- 
len  oder  The  rm  en.  .Manehe  dieser  Thernien ,  SO  die  Geysirs  auf  Island, 
.ml'  Neu-Seel, md  und  ,im  \Veslabhangc  der  Uoek\  .Monnlains  erreichen  Siedehilze, 
und  kommen  deshalb  aus  nnlerirdisehen  Hogionon ,  wo  so  hohe  oder  noch  ho- 
here \Varmegrade  herrsehen.  deren  Niveau  unter  der  Krdoberdiieho  jcdoch  des- 
halb niehl  genaiier  lesiueslelll  \\erden  kann,  wcil  Tiefe  und  Richlung  unbe- 
kannl  sind,  aus  weleher  die  Wasser  zu  uns  gelangen. 


8  F.      l'll\-i«»Ul.lplli-~cln- 

Dieses  Ilindrrniss  \\ird  in  soldirn  Fallen  beseiliijl.  \\o  in. in  unlerinlisehen 
Wasseransammlungen  dmrh  senkredile  Bohrloeher  arlesisehe  Brnnnen) 
einen  kUnstlichen  Abfluss  \ersehalll  h;il.  Besonders  bd  der  A  n  1 .1  g  c  der  lel/- 
leren  \\ird  es  moglidi  sein .  \on  Fuss  /ir  Fuss  genaue  Teraperaturinessungen 
des  in  ronslalirlen  Tiefen  hervorbreehenden  \Vassers  \  nr/.midimen  mid  ;ms  die- 
sen  iiul'  die  Temperaturverhttltflisse  der  durcbbobrten  Gesteins/.onen  sdbsi  /u 

sehliessen.  Derarlige  Beobachtimgefa  haben  v.\\  dcin  lirsliiiiinlrii  Hcsiill;ilr  i:r- 
I'iilirl  .  diiss  milrrluill)  drr  (irrn/r  del1  IJrriiillii.s.siinii  von  Sritrn  ilrr  Sonnrn- 
\\.innr  n.icli  drr  Tirfr  /.u  rinr  .slrlr  /nnaliinr  drr  'rrinpriMliir  sl;i!llindrt  mid 
diiss  Irl/.trrr  in  drinsrlhrii  .M;i;issr  \\iirlisl,  \\  ir  die  Tii'fr  .in  l,;mi:rnrinlirilri). 
Hir  An/iilil  vnii  .Mrlrni  odrr  l;iissrn,  \\rlrhr  in, in  in  die  Tiefr  i:elien  muss,  mn 
eine  Krlioliimi:  der  Teinperiilur  urn  I  °  (1.  \\.ilinielimen  /n  kinmen  nrmil  m;m 
die  ue  ol  lierm  isrlie  Ti  e  I'e  n  s!  u  I  e.  Hei  (Jele^enlieit  der  Anhiue  vei'sehiede- 
ner  Holirl()(Hier  Mir^eiHimmene  Beol);ielilnni;en  erizehen.  d;iss  /,.  B.  in  dein  Holir- 
loclu-  von  Kiidersdorf  ;ille  92  F.,  in  dein  \on  (Jreiielle  ;ille  '.).">  F.  mid  in  dem 
\on  Neiis;il/\\erk  ;ille  9;'.;'7  I',  eine  Temperaliir/.muilnne  \on  jr  I  "  (].  stalll.ind. 
d,is>  mil  aiideren  \\Orlen  die  geothermisrlie  Tiel'enstul'e  in  diesen  Bolirlorhrrn 
(.>:'.  (.i-"»  mid  r(\\as  idirr  (.»i  F.,  also  etwa  '.\\  M.  Itetruii. 

BesUitigl  wurden  cliesc  Resullale  (lurch  Teinperalurheohaelilmiuen  in  Ber.u- 
\\erken,  in  deren  einigen  man  bis  zu  1000  mid  nielir  .Meier  Tide  hinalme- 
dnmiien  ist.  Ilirr  isl  die  /weckmassigste  Methode  diejeniue.  hei  \\olelier  man 
unmiltdbar  die  Temperatur  des  Gesteines  innerhalh  frisch  gesrlila^ener,  nidire- 
rer  Fuss  liefer  Bohrlbcher  zu  bestinmien  suchl.  Auf  diese  Weise  \vurde  iiberein- 
slimmrnd  feStgeSteltt ,  dass  eine  Warmezunahnie  mit  der  Tide  slattfindel  mid 
dass  die  Temperatur  in  jeder  belrachtlieheren  Tiefe  constant  isl,  wahrend  die 
Grosse  der  geothennischen  Tiefenstufe  nach  Maassgabe  der  desteinsbesehafl'en- 
heit  und  anderer  localer  Uinslande  sehr  schvvankl,  fiir  gewohnliche  Tiet'en  jr- 
doch  in  einer  runden  Millelzahl  auf  33  M.  veranschlagl  \\erden  kann.  in  mns- 
serer  Tiete  aber  immer  grb'ssere  Werthe  erhalt. 

Selbst  in  Jakulsk,  wo  der  Boden  bis  zu  einer  Tiefe  \on  last  -Jim  M.  das 
ganze  Jahr  hindurch  gefroren  isl,  nin)ml  die  Kalle  mil  der  Tiefe  ab  und  /.war 
des  gulen  Leitungsvermbgens  des  Eises  wegen  in  sehr  kleinen  geotherraischea 
Tiefenslufen,  so  dass  die  Ternperalur  in  130  M.  von —  I7,I2°C.  auf — 2,9°C. 
steigl. 

I'.ine  ebensolche  F>hbhung  dei%  Temperatur  der  Gesteine  und  der  in  ihnen 
circulirenden  Ge\\iisser  mil  zunehmender  Tiefe.  \\ie  sie  fiir  die  aussersle  Srliioht 
der  Erdkrusle  mnstatirt  ist,  \\ird  anrli  in  fiir  mis  mierreielibaren  Teufen  stall- 
linden.  I'nd  in  der  Thai  legen  die  heissen  Ouellen.  \\elehe  an  /ahlreiehen 
I'nnkien  bervordringen,  Zenuniss  ab  \on  dem  Temperaturzustaude  jrnei-  \i\eans 
des  Krdinnern  .  denen  sie  ihre  hohen  NYiirinegrade  \erdanken  und  die  mil 
Zugrundelegung  des  \orher  Milgetheillen  rinrr  Tid'r  \on  el\\a  :{:{()<)  .M.  anue- 
hbren  miissen.  Sleigen  mm  iihnlieh  \vie  diese  heissen  Ouellen  gesehmol/rnr 
(ii^lriiiNinassrn  aus  drm  Krdimirrn  hrrauf.  so  kiimien  \\ir  nielil  anders  als 
seliliessen  .  dass  sie  aus  Tiefen  slammen  ,  in  wdehen  gem'igende  Hil/.egrade 
herrschen,  mn  jene  (iesteinsmassen  in  Fluss  /n  eihallen.  also  wenigslens  ;'nini"i;. 


I.    Ph\sioi:i-aphisclie   (icolo^ic.  '.) 

Line  derartii;e  Temporalur  \\iirde  num.  \\eim  die  Wdrmeztinahme  dcm  (iescl/.c 
cincr  arilhmelischen  Progression  I'olgte ,  in  ('»»'>. 000  M.  Tide  crreichen.  Weil 
jedoeh  die  geothermischeo  Tiefenstufen  mil  der  Tide  sdbst  \\achscii  ,„  so  diiiTle 

dii-  (irenxe  xN\ischen  uoehmol/eiier  (icsteinsmasse  und  fester  Erdkniste  erst  in 

doppelter  oder  dreilacher  Tide  xu  suehen  sdn.  Da  mm  heissc  Oucllen  so\\o|il 
\\ie  llUssige  Laven  an  xahlloscn  ,  fiber  die  ganxc  Krdkii-d  \ertheillen  Punklen 
licr\orbreclicn,  so  muss  aul'  cinen  in  dcr  KrdtidV  iihcrall  sorliandt'ncn  \Viinw- 
i|iidl,  fincn  ;;l  ul  li  I'l  its  s  i  i:  c  n  Knlkrru  i^eschlosscn  xM-rdcn,  \vddicr  sich 
allmiihlidi  mil  cincr  Krstarnm^sknislc  iim-chcn  h;U.  Mil  dieser  Auflassimg  har- 
monirl  dcr  Salx,  /.u  \\cldicm  die  hcid(Mi  Noi'i^cn  Parai;raphou  filhrlcn.  dass  die 
(icslall  inn!  das  spccilischc  (ic\\idil  del1  l-j'dc  aul'  cincn  urspriindidi  Iliissiucn 
Xusland  hin\\ciscu. 

§.   i.     VcHlieilunu:  von  Land  und  Moor  aul' dor  Erdoborfliichc.    Unscr 

PI, met  hat  x\\ci  Umhttttungen ,  cine  mir  local  \ci-|>rcitclc ,  das  \Vasscr,  und 
cine  alliicindiii1,  die  A  tm ospliii re ;  xwisdien  tier  partidlen  Wasserbedeckung 
(fill  die  Krdkruste  als  l-'cslland  xu  Taj^e.  Die  Oberniicho  unsercM1  Ki'de  \\iid 
dcmi;(>mass  \on  Laud  und  Was.se r  izehildet,  jedoeh  in  einem  sdir  undeidien 
\crhallnisse:  das  letxlere  niinml  fast  z\voi  DritUlieile  melii-  Oherfliiche  ein  als 
d.is  Land,  oder  uenauei- :  die  Grossc  dcs  Moeress|)ie;;els  verhiill  sidi  xu  der 
Oherlladic  dcs  Kesilandes  \\ie-275  :  100.  Eine  noch  uugloichcro  ist  die  Vci- 
Ilicilunu  dcs  Landes  innerhalb  der  rinxdnen  Zonon,  wdehe  die  Erde  umi;iirlen, 
indcm  die  nordlidie  llall)kiif;d  fast  dreimal  soviel  Festland  als  die  sildlidic. 
die  nordlidie  p-massiijilc  /one  jileidiviel  l>and  und  Wasser,  die  heisse  Zone 
1  i  Land  und  -  ;  .Mccr  hcsitxl  und  endlicb  auf  die  Olterlladie  der  sUdlichen  ^c- 
inassiutcn  /one  nidit  i;anx  '.  ,„  Land  komnit. 

Lin  L:c\\isscrmassen  neulrales  Gebiet  zwischcn  Land  und  Wasser  reprasen- 
lireu  die  Liloralxonen  der  Continente,  die  wahrend  der  Flulhzeit  vom  Meere 
hedecki  sind.  \\iihrend  der  Ebbc  als  Laud  erscheinen. 

§.  -ri.  Allgemeine  Ornppirnng  der  Coutinente  und  Oceane.  Grossere 
/ii>,immeuliaiii:eude  Arcale  von  Land  \NcrdenContinente,  solche  von  Wasser 
Occane.  klcinerc  Parthien  von  Irockenem  Lande  Inscln,  isolirle  Wasser- 
hcckcn  Seen  ^cnaiint.  Wahrend  jedoeh  die  Continente  von  einander  ge- 
iicimtr,  ixiliiie  Masscn  liildcu,  nehmen  die  Oeeane  ein  xusammenhiinucndes 
Mecken  ein.  sind  ein  ein/.ii;es,  iu  versehiedene,  aber  communieirendc  Anne  ge- 
ulicdcrlcs  (ian/.cs.  Das  I  and  pruppirl  sieh  in  2  g rosso ro  Conlinentaleomplexe, 
den  Orient,  an  \velehen  sieh  Australien  ansehliessl,  und  den  Occident  urn  den 
Nordpol.  urn  sich  in  siidlicher  Kidiluni:  immer  mehr  xu  vci'schmiilern  und  end- 
lich  in  der  Siidspit/.e  von  Afrika  mid  Siidamerika  ganx  ausxukeilen.  Die  \\  as 
ser  hin.m'gen  haben  sidi  mehr  um  d<'n  sildliehen  Pol  angesammell  und  scndcn 
nach  Norden  xu  drci  urossc  Ausliiuler,  den  allanlisdicn.  den  stillen  und  den 
indisdicn  Ocean  aiis.  \\eldie  sidi  x\\ischen  die  nach  Silden  xu  hornlormig  aus- 
laurend<Mi  Continenle  schieben .  um  sich  in  demselben  Verhiiltnisse ,  \\  ic  das 
Land  an  Ausdehnmii:  ge\Niiml.  xu  \ereni;en.  Wahrend  aber  die  Oceane  bis 
xmn  Nordpole  reichcn  und  dort  die  Nordkiistc  des  Fesllandes  bespillen ,  liegl 
di(>  mitllere  siidlichc  Grenxe  des  Idxleren  bereits  iin  45°  s.  Br.,  also  gcradc 


halhuegs  /.uiselien  Aeipulor  mid  Siidpol.  So  ivirlil  Sodamerika  nur  his  /.inn 
•'•I'.".  ;i|so  his  in  die  Hreile  \<in  Edioblirgh  mid  Kopenliagen  .  Al'rika  nur  his 
H\\.i  /inn  '.\'i  ".  also  his  in  die  Hrcile  \oii  (iihrallar,  Auslralien  his  /inn  \'-\(>. 
also  his  in  die  Itreile  tics  nordliclien  Portugal.  .ledoch  erliehl  sicli  innerlialh 
der  ring's  inn  dm  Siidpol  aiisgehreilelen  Treiheismassen  cine  Inselgrnppe  oder 
fin  I'olareonlinenl  iiher  den  \\asserspiegel. 

^.  <'.  (jlicih'riiiiv:  <I<T  ('onlinnilnlniasscii.  \Vie  hereiis  er\\almi.  grup- 
pirl  sieli  das  Fesllaml  x.ii  x,\\ei  \on  eiuander  unabliiingigeu  (loutitienlalmassen. 
einen  osllielien  und  einen  \\eslliclien  Laiidcoinplex.  l.et/.lerer  heslelit  aiis  \ord- 
nnil  Siidamerika .  ersterer  aiis  Mui'tipa.  AlVika  und  Asien .  denen  sieli ,  dureli 
eine  Kelte  \nn  Inseln  enjz  Nerhunden.  Aiislr.-ilien  anschliesst.  Diese  heiden  ^ros- 
sen  (ioiilinentalinassen  \\erden  in  last  reelileni  NVinkel  anl' ihre  iJinuenersleekiniL;. 
also  in  mii:e|'iihr  osl-\\  esllieher  Itieliluni;,  dureli  liel'e  Hnelilen  «'ini:ese|inilleii  mid 
dadnrcli  in  eine  nonlliehe  mid  eine  siidlielie  llall'te  Ljelheill.  \\iirde  die  l.and- 
enue  son  I'anaina.  \vi(>  es  mil  tier  \on  Sue/  ueselielien,  durelisloelien.  so  \\iirde 
sieli  in  dem  Millelliindiselien  mid  dem  Mollien  Meere ,  dem  (loll'  \on  Mexico 
mid  dem  Caraihischen  .Meere.  endlicli  in  den  \\asserslrasson  des  oslindisdien 
Areliipels  nehsl  den  (la/.\\  iselien  liei;en(len  oceanisehen  ZoiHMl  ein  mimilei-hroelie- 
ner  (iiirlel  oll'enen  \Vassers  inn  die  Krde  /.ielien.  In  Fol^i'  dieser  Kinkerhmii; 
/.erlalll  der  \\esllielie  (]onlinen(  in  Nord-  und  Siidamei'ika  ,  \\iihi-end  der  i»|- 
liclie  Landeoniplex  als  ein  Doppelcontinenl ,  hesteluMid  aiis  Kuropa  und  Asien. 
aiif/id'assen  isl,  \\elchen  AlVika  und  Australicn  tmgrliiiiiiil  sind. 

§.  7.  luselll.  Die  /.ahlreichen  Inseln.  \\elelie  sieli  in  niielister  Nalie  des 
l-'estlandes  iiher  den  Spiegel  des  Oceanes  erhehen  (die  G  esla  d  e  - 1  n  se  I  n  . 
sind  als  losiietrennle  (iliodcr  der  Conlinetite  zu  helrachlen,  von  denen  sie  nur 
dureli  verh#ltnissm8ssig  seichle  Wasst-r  lietrenni  sind,  so  dass  sie  in  l;oke  einer 
Ntveauveranderung  \on  eini^en  llunderl  Fussen  \vieder  mil  dem  1'esilande  ver- 
einiul  sein  \\iirden.  So  geJioren  Schotlland,  England  und  die  diinisehen  Inseln 
dem  europaisehen ,  Japan  mid  der  in'osstc  Theil  der  oslindisehen  Inseln  dem 
asialischen.  Neu-Seeland.  Neil-Guinea  und  Celehes  dem  australischeii.  Vancou\er, 
Neutundland  und  das  Feuerlaud  dem  amerikanisehen  Continonle  an  iind  ersl 
see\\iiris  \on  ihneu  sliirzt  sich  der  Meereshoden  sleil  zu  dem  eigentlichen  ocea- 
niselien  Hecken  ab,  -  -  beginnt  also  ersl  der  Ocean. 

Die  l.oslren'nunii  der  (lestadeinseln  \om  Festlande  ist  entxveiler  dureh  den 
Zerstorenden  EinfluSS  der  <le\\iisser.  so\\ie  iiherhau}>l  der  Atmosphiirilien  /.  l>. 
hei  den  Sclieeren-lnseln)  odcr  durch  brtliche  Senkunt:  und  lheil\\eise  I'eher- 
seliNM-mimmi:  der  Conlinenle  izesclielien.  Die  Merkmale  einer  Knlslelmiii;,  \vie 
der  lel/.ler\\almlen,  /eiiieu  sieli  am  deiilliclisten  hei  Crosshrilannien  und  Irland. 
l-'.in  seichter  Meeresarm  ,  die  .Noidsee  und  der  (lanal.  iiher  deren  Spiegel  ein 
aul'  ilirem  (iiunde  slehender  KirelitlUirm  um  ein  Ketraehlliclies  hers  orragen 
\\iirde.  hal  sieli  /.s\  iselien  sie  und  das  Festland  gedriingt.  Dies  isl.  \om  geo- 
I'^iseheu  Slandpunkle  aus  aiiCgd'assl.  «'rsl  \or  kiir/erer  Xeit  geschehen.  da  die 
hriliM-heii  ln>dii  alle  \\ilden  (iesvii'-hse  mid  Thiere  des  curopiiiselien  Fesllandes 
hi'sil/.eii .  so\\rj|  >ic  ilirem  klima  zukommen.  Kine  \Vieder\ereiiiigung  dieser 
Insdgruppe  mil  dem  Conlinente  dureli  eine  saeeulare  llebung  \\urde  demnadi 


I.  Physibgraphische  Geologic .  II 

cine  \\cscnlliclic  YerandcrmiL:  der  I'llan/.en-  mid  Thieruell  nirhl  /ur  Fol^e  hahcn. 
In  eiiiem  u.in/  ahnliehen  Yerhallnisse  slehen  Horneo.  .l.i\.i  und  Sumatra  /inn 
a-ialisehcn.  -  Cclel.rs.  Neu-<iuinea,  Ncn-Calcdonien.  Vn-Secland  und  I  18 
maiiicn  /.urn  anslralischcn  <  jmlinenlc.  nnr  hal  ihre  l.oslrcnnnni;  hcrcils  \or  laii^cn 
ueoln-ischen  /.eilramnen  .slalljjefmiden.  Die  (iren/sehcide  hcidcr  lnsel\\ellcn  isl 
cine  iiher  I  no  l-'.idon  tide  milerseeische  Klul'l,  \\clehc  sieli  in  nnr  \  ier  Mcilen 

Hrcite  /uix-lirn  li.ili  und  l.omlmck  cinciMMis  uiul  (iclchcs  und  Borneo  anderer- 

M-iK    hiuiliiivli    /i'-hi.      \(ird\\csllicli   \(»n    ilir  sind   die   Tliicr-     mid    I'llan/cnlor- 
men   iisiiiliseh.    sjidi»llieli   iliii'ehwrii  ;mslraliscli. 

lnsell)ildmi-en  in  l''olue  Ijurdiirliiicr  Kiisten/ersliiekelmii;  Irellen  \\ii-  mir 
nnler  liolien  Ri'eilen  mid  /A\ar  an  den  paeilisclien  I'lrni  des  hriliselien  mid  des 
Iriilier  nissisclien  Nufdaiuerika.  ,su\\ie  I'ala^onicns,  enillieh  an  der 
KiMe  (Jronlands.  \.,ir\\e;.eiis  mid  Srliolllands. 

Dio  o  eea  n  iselien  Inseln  lie^en  Tern  MID  den  Kiislen  der 
ninl  slehen  /.n  diesen  in  keiner  iinmiKelliaren  He/ielninu.  Sic  sind  enluedcr 
(ieliirusplaleaiis  mler  Kei'i;L;i[)fcl  iinlci1  den  Meere.ss|tie-el  uesmikeiicr  l;esllande. 
also  dereii  Icl/.le  I  Iterresle  \\  ie  (]c\l(»n  mid  Madagascar),  odcr  mid  /\\ar  bci 
\\eilem  ilirer  .Melir/alil  naeli  jmiii  \iilkanisclic  odcr  coralline  Bauwerkc.  lloehsl 
eliaraklerisli.sch  isl  die  selir  ;je\\  olmliclie  \nitrdnnnu  der  Vulkancninseln  /u 
llaelien  CniAeii,  \\clclic  so  ueslelll  sind,  dass  ihrc  NViilhunii  dein  Oeeane.  ihre 
eonea\e  Seile  dcm  1'Vsllaiidc  /IILJCNN endel  isl.  Die  Alenten,  Kui'ilcn,  I.ien-Kliieii 
Inseln.  die  kleinen  . \nlillcn  sind  Irellliclie  |{eisj)icle  dcr  Arl.  Filr  die  Korallen- 
inseln  isl  ilire  iierini:e  .Meeresliiihc  mid  die  jilcichmiissiiic  WiederilolUBg  ilirer 
einl(irinii;en  (lonliircn,  im  (ii'uensal/.  /ii  dcr  ol'l  schr  helriielilliehen  llohe  mid 
mannigfalligen  (ilictlcrmit;  der  Vidkaneninscln,  bezeicbnend.  \Y;ihrend  die  ai- 
lanliselien  und  indiselien  Mcerc  selir  arm  an  oeeaniselien  Inseln  sind,  liesil/l 
der  |iaeilise|ie  Ocean.  j:an/.  al»i;csclioii  von  don  Vulk;incn-Schnurcn  in  der  Nalie 
d-'i  Cniilinenie.  ilirer  mehr  als  -")70,  dci'cn  (Icsanimlarcal  jcdocli  nur  \\cni^ 
•jinxx,-!-  sis  :{0()0  DMcilcn  isl.  Diese  /alilrcichcn  Insclclicn  sclixviii'incn  <|iier 
dureli  die  Siidscc  mid  hildcn  cine  Zone,  \\clelie  sicli  von  dern  indiselien  Arehi- 
|icl  aus  in  o.  s.  ii.  Hielilmiu  iihcr  den  Ae<|uator  hinucii  in  die  siidlielien  Tropcn 
x.ielil  mid  den  Nainen  Pohnesicn  mil  Hccht  fiihrl. 

§.  K.    AnsclM'incinh'  Oeset/iniissi^kcit  in  don  Umrisscn  der  Conti- 

iM'lllo.  Die  all^cmcincn  I'lnrisse  der  Continents  selieinen  eincr  !ic\\  isscn  <ie- 
Nc|/m;i.ssii:kcil  /.\\  nnlcrlicLicn,  indcm  ihre  llaiiplkuslcnlinien  cnl\\cdcr  in  nord- 
nsllielicr  (uler  in  n<ird\\esllielier  UiehlmiL:  \crlaiifcn.  Dadureli  isl  die  keillurniiue 
(ic^iall  der  l;esilaiide,  ihre  naeh  S.  iicriclilclc  /uspilzuiii:  hcdiiii:!.  Die  Osl- 
ku-ir  Nordaiiierikas  |O|L;|  einer  nord<islliehen  Hichlmii:.  in  ilirer  niirdliehen  |-'orl- 
vei/nnu  liei:!  die  Oslkiislc  (iri)idands.  dicscr  parallel  die  \Veslkiisle  Skandina- 
\iens.  \\ahrcnd  die  Siidkiisle  von  Yucatan  in  ihrc  siidliehe  Ycrlan^ermiL:  fiilll. 
Ilir  |)arallel  I. mil  die  last  \ollkoinincn  i:eradlinii:c  Siidost-.  so\\iedic  Nord\\esl 
kiisle  Siidamcrikas.  Dei-  /.\\eilen.  also  nordu  eslliehcn  llaiiplriehtmiL:  j^chorl  die 
uaii/e  in  llaehe  Cur\cn  L'elMiL'ene  \Yeslkiisle  Nord-  mid  Sildainerikas  an.  ebens,. 
die  Nordoslkiistc  diesi-r  hcidcn  Coiilinenlc,  so\\ic  cndlich  die  WcslkUslc  (iron- 
lands. 


12  I     Physiographisohe  Geologic. 

Die  keillormiue.  (lurch  die  nnrdostliehe  uiul  die  nnrd\\e.stlielie  Hiehlun- 
ihrer  llauplkuslen  brdiugle  (Jeslalt  Xordamerikas  \\iederlioll  sieli  in  Al'rik.i  so 
vollkomnien,  d.iss  sn-ar  die  ;ms-  mid  einspringenden  \Vinkel  beider  Welltheile 
einamler  -e-eniiber  liegen.  —  fcruer  in  Arahicn,  in  Vorderindien,  so\\ie  in  dein 
siidiislliehen  Theile  Asiens.  nur  isl  hier  die  Geset/.massigkeit  dec  (Jeslallung 
dadureh  el\\as  \er\siseht.  dass  sicli  die  Siidspitzc  /uin  grosslen  Thcil  unter  den 
Meeresspieuel  uesenkl  hat  mid  nur  noch  dureli  ein  untersceisches  Plateau,  auf 
\\eleheni  Borneo,  ,la\a  und  Sumatra  emporsleigen,  angedeulet  wird.  (Jan/,  iihn- 
lieh  \erhiill  es  sieh  mil  Auslralien.  Neu-Guinea,  Neu-Caledonien.  Neu-Seeland 
und  Tasmanieu  slehen  zu  diescin  Contincnte  in  demselhen  Verhiiltnis.se  wie 
England  /.u  Europa.  \\ie  Borneo.  .la\a  und  Sumatra  zu  Asien,  -  sie  sind  die 
lei/ten  Dborbleibsel  der  im  Xuslande  saeeularer  Senkung  begrill'enen  Osthalfto 
iles  einslmaliiien  ansti'alischcn  Gesannnteonlinentes.  Erganzt  man  dessen  t  he- 
malige,  jetzt  zum  Theil  unterseeisehe  Gestalt.  (lurch  Verlangerung  der  Kiisten- 
linien  Neu-Seelands  in  nord\\esllieher  und  siidwestlicher  und  die  Weslkiisle 
Tasmaniens  in  stidosllicher  Richtung,  so  ist  die  Aehnlichkeit  derselben  mil  der 
der  des  heuligou  M'rikas  eine  tausehcnde. 

Die  linmoloLre  (Jeslalt  Afrikas,  Amerikas  und  Gronlands  hedingl  unter  An- 
derem  aueh  die  doppelt  geJ)ogene  Windung  des  allantisehen  Oceanthales  und 
seine  Ver/ueigung  in  einen  nordwestlichen  und  einen  nordbstlichen  Arm,  die 
Da \isslrasse  und  die  Meeresstrassi-  /. \\isehen  den  parallelen  Kusten  von  Grbn- 
land  und  Norwcgen.  Eine  \\eitere  Folge  des  nach  N.  divergirenden  Verlaufes 
der  1'iir  die  Conluren  der  Continenle  maassgebenden  NO.-  und  SW.-Linien  isl 
die  unuleielie  Verlheilung  von  \\asser  und  Land  auf  der  nb'rdlichen  und  siid- 
liehen  llalbkugel,  die  Anhaulung  des  Trockenen  an  dein  Nordpol,  seine  horn- 
fdrmige  Ausspitzung  nach  S.  zu  und  die  Ansammlung  der  Gewasser  an  dem 
Sildpol. 

§.  9.  Bcliefformen  des  Laildes.  Der  allgemeinste  Unlerschied  in  der 
Reliefbildung  des  Laudes  \vird  durch  die  Bezeiclmungen :  Tiefland,  Hochebene 
und  Berge  ausgedriickt. 

Tief lander  sind  ausgedehnte  Landstriche,  welche  sich  ilberall  nur  \venig 
Uber  den  Meeresspiegel  erheben.  Sie  beginnen  nieist  unmittelbar  an  den  Kilsten 
des  Meeres,  von  welchen  aus  sie  sich  rait  sehr  geringem  Ansteigen  oft  \\<Ml 
in  das  Innere  der  Conlinenle  erstrecken,  so  das  norddeutsche  Tiefland  und  die 
Mississippi-Thaiebene.  Es  giebt  indess  auch  Tieflander,  welche  nicht  bis  zum 
Meere  reichen,  sondern  rings  von  Gebirgeu  umgelten  sind,  \vofilr  das  nieder- 
uiiLiarisehe  Binnen-Tiefland  ein  Keispiel  liefert. 

Als  Hoc  he  I)  en  en  IM  a  I  e  a  u  s)  bezeichnet  man  stelig  ausgedehnle  Erhe- 
bungen  des  l.andes  vnn  bedeutenden  horizonlalen  und  verticalen  Dimensionen, 
\\eh'lie  let/.lei-e  ue\\bhnlich  Uber  300  .M.  belragen.  Die  Oborflachc  des  Plateaus 
isl  meisl  Ndllkommen  eben  oder  \\(>llig  und  hllgelig.  /.uweilen  sind  jedoch  Berg- 
knppen  und  (iebirus/.uge  auf  dieselben  aul'gesetzt,  oder  schluehlenarliue  \Vawr- 
laule  lief  in  dieselhen  (Mnizeselinillen.  So  erhebeu  sieh  auf  dem  Plateau  von 
nuilo.  \velches  10,000  F.  Meereshdhe  besit/l ,  unler  anderen  di(>  i:e\\alligen 
Krg.-l  des  <:<>tnpa\i  is.TT-'i  Fj  und  Chiiiibora/o  :'l.iil  F.)  --  auf  dem  Thon- 


I.  Physiographische  Geologic.  13 

schiefergebiete  von  Laach  die  abgestumpften  Vulkanenkogel  <les  Rausenl icr^e.s. 
dr>  llochsimmer  u.  ;i.  I);is  ^i-Mvx.irtLste  heispiel  fiir  Schluchlenbildungen  auf 
Hochebenen  liefert  <!CT  Colorado  in  dem  nordainerikanisrhen  TeiTitorium  \on 
An'/oiiii.  in  (lessen  aiisgedehnle  llochebenen  er  ein  Sxslein  \on  2-.'{000  M.  lie- 
fen,  senkrechten  Schlurhlen  einueuiihlt  h;it. 

Hire  Hegivn/ung  linden  die  Plateaus  enlweder  dnrch  Tiell;ind.  oder  dureh 
Gebirge,  und  /.\\ar  Iheils  diiirh  allmiihliche  reberuange  oder  duivh  slul'enlormige 
Absiil/e  Terrasseii'.  Iliinlig  \\erden  llorhebenen  ;uil'  melnvren  Seilen  \nn  Ge- 
birgen  mnl'assl:  so  dehnl  sirh  diis  Tafelland  \im  Tiibel  y.uiselien  I  lnn.il,i\  ;i 
und  kiien-I.iin  in  einer  dinvlisc-linittliclien  llohe  von  4000  M.,  das  1500  M. 
hohe  Sal/seeplatan  /.uischen  den  Rocky  Mountains  und  dor  Sierra  Nr\ada  .HIS. 

Hcriie  erheben  sich  entxNcder  \ereinx.elt  aus  der  I'>bene,  oder  eine  irriissere 
An/a  hi  derselben  1st  zu  (Miu-ni  viellaeh  i:ediederten  (ian/en  verbunden  und 
bildet  dann  ein  Gebirge. 

Isolirte,  ei  n  /e  I  st  ehende  Herije  sind  verha'ltnissniiissii:  selten  und  dann 
ineist  Milkanischen  rrspruni^s.  In  diesein  hi  Me  besit/en  sie  iiewolinlit-li  ke.Liel- 
oder  domfitrmige  (ieslalt.  Meist  trelen  sie  in  grosserer  Anzahl  neben  einander 
auf  und  plleLH>n  dann  entweder  unregelmassig  gruppirt  oder  reihenweise  neben 
einander  gestellt  zu  sein. 

Die  Gebirge  unterscheidet  man,  je  naehdem  eine  ihrer  Horizon tal-Dimcn- 
sionen  sehr  \ orherrschend  ist  oder  nfcht,  in  Gebirgsketten  und  Massen- 
gebirgc.  I.ei/.tere  bilden  eine  gewohnlich  uni  einen  noch  hoheren  lierg,  eine 
inn  einen  Mittelpunkt  geordnete  Gruppe,  erstere  mehr  oder  weniizer  langgc- 
strfckte  Heihen,  welche  entweder  quer-  oder  langsgegliedert  sind.  Die  Quer- 
gjifderung  ist  die  gewb'hnlichste  von  beiden  Erscheinungen  und  besteht  darin. 
dass  voin  Gebirgsrttcken  aus  nach  beiden  Seiten  Riicken  und  Thaler  in  einer 
aul  die  Axe  der  Kette  fast  rechtwinkeligen  Richlung  auslaufen,  wahrend  zulolgc 
der  parallelen  Gliederung,  die  am  jirossartigsten  im  Alleghany  System  ansire- 
spnu-hen  ist,  das  ganze  Gebirge  in  inehrere,  zura  Theil  sehr  zahlreiehe  parallele 
Ketten  /erl'allt,  unter  welchen  eine  durch  ihre  Langen-  und  Hohendiinensinnen 
als  llaiiplkede  hervortritt. 

Rei  der  Feststellung  der  Hohe  eines  Rerges  oder  eines  Gebirires  kann  man 
sich  enlueder  auf  das  Niveau  des  Meeresspiegels,  oder  auf  das  miltlere  \i\e.-m 
der  aiii^renzenden  Landstrichc  bcziehen.  In  crsterem  Falle  spricht  man  \on 
absoluter,  in  let/leivm  von  relativer  Hohe.  So  erreicht  z.  R.  das  Hima- 
Ia\a-Gebirge  in  Mt.  Everest  eine  absolute  Hohe  von  29,000  P.,  bcsil/.t  aber  von 
dcin  Plateau  von  Ttlbet  aus  betrachtet,  nur  17,000  F.  relative  H5he. 

Naeli  Unterschieden  in  ihrer  Hohe  nennt  man  die  Gebirge  Hoch  gebirge, 
\\enn  dieselben  2000  M.  oder  noch  holier  ilber  den  Meeresspiegel  reichen. 
gcmeine  (icbirge.  \venn  sie  diese  Hohe  nichl  crlangen.  \\iihrend  man  lioden- 
erhelmngen  von  nur  wenigen  Hundert  Fuss  Hohe  als  II  Ug  el  land  be/eichnei. 

In  der  allgemeinen  Form    eines  (iebirgcs  geben   sich  zuniichsl    drei   llaupl- 
theile  /u  erkennen  :  der  Fuss,   seine  unteie  Itegion,   woes  rnit  dein  umgcben 
den  Plachlande  verschmilzt,   die  seillichen  Abhiinge  oder  Abl'iille  und   end- 
lich  derKanim  oder  Rllcken.    die  obere  Iteuion  des  (iebii-ges.    in  welchcr  sich 


14  I.  Physiographische  Geologie. 

die    beidersoiligon    Abl.ille    vei vini-rn.      < 'ir\\i.|mlich    sind    die   (iebirgsrtlckon   7.\t- 

gleich  die  \\  ,i  -  -••  i  -<•  IK-  id  «•  n  Eweier  Plusssystenie. 

Thaler  sind  die  rinncnlormigcn  Kinsehnitle.  duivh  \\elche  die  Gliederung 
der  (iebirge.  so\\io  die  DtirchiUhrUDg  dcr  I'latcans  bcdingl  isl.  Sic  bcginiicn 
liiiulig  ;ils  Schluclilen.  erueilern  sicli  x.u  (iriindrn  und  nelimcn  als  Tliiilcr  .111 
llreile  und  Ausdelmung  x.ii.  jc  uichr  sic  sidi  dcr  Kbene  niilicrn.  l.aufen  die- 
selben  in  ungol'iilir  reehlem  \\inkel  \<m  den  < icbirgsriickcn  ;nis.  sn  lieisscn  sie 
Oncrl  ha  Icr.  \\iilircnd  die  y.\\  isclien  ilinen  liegcnden  licrgriickcn  ;ils  .liiclicr 
hc/.cicliiK-l  \\ei-dcn.  DicjcuiiZcMi  ticfslcn  Slellen  cincs  (Jchir^M-iickens.  ;mf  \\  clehc 
dcr  A.USgangSpUBkl  x.\\cier  nacli  enluciicn^esct/lcr  Seitc  des  (iebirues  Ijnifcndcr 
Ouei'lhiilcr  I'iillt  und  die  in  I'okc  dii\on  sjillclloi'inii:  .niv^elniclilel  erscheincn. 
sind  die  (ielii  riispiisse.  Die  Lii  n  ii  e  n  ill  ;i  I  e  r  liinreii  deni  ll;iii|)l/UL:e  einer 
(iebiruskelle  parallel,  sind  (h'sweizen  die  licdiiiiiinii:  I'iir  kellcidonniL'e  (u-ldi-iis- 
giiederung  und  /eichnen  sich  moist  (lurch  ;mtTiilliiz  geradlinigen  Verl;iuf  ;ius. 

Dio  i.-nisslen  Niveauunterschiede  auf  deni  Fosllande  sind  in  dcr  I'mL-elum^ 
des  Todlen  Meeres.  \volcho  434  M.  unler  deni  .Meeresspiei:el  lioiit.  und  deni 
Ml.  K\eresl.  \\elelier  9(i(i7  M.  ahsolute  .Meeresluilie  hesil/t.  naehj;e\\  iescn.  Diese 
Iliihendin'eren/.  \velehe  demnaeh  10,100  M.  bolriiiit,  isl  jedocli  noch  ininier  \er- 
sch\\indend  kloin.  worm  sie  mil  dom  Erddurchmessor  \orulielicn  \\  inl.  /u  \\ol- 
ehein  sie  sich  verhiill  \vie  1  :  1373.  Man  hat  doshall)  mil  Reclil  die  rnelien- 
lieilen  aul'  der  Oborlliicho  doi1  Krde.  \\enn  ni;in  lel/.lere  mil  eincin  Hi  \crulich. 
mil  den  Hauliigkoiten  auf  der  Schale  desselben  in  Parallolc  uestelll. 

Ein  \vichtiiros  1-llomont  boi  Beslimmuniz  der  Helionbrmen  oinos  Continenles 
tider  eiiies  Theiles  desselben  ist  seine  mittlere  Hohe,  d.  h.  diejeni^e  Iliihc. 
welelie  or  in  seiner  ganzen  Ausdehnuui:  haben  \\iirdo.  \venn  seine  Masse  L'lcielj- 
lormiii  auf  seiner  GrundllJichc  ausgebreilol  \\iiro.  Man  hal  die  milliore  Iliilie 
l-'.iirnpas  auf  223,  Asiens  auf  383,  Nordamerikas  auf  2i(.).  Siidamerikas  aul' 377. 
Afrikas  auf  500  (?)  und  Australiens  auf  170,  und  somil  die  dor  siimmtlichen 
(iontiiieiile  auf  ot\va  300  M.  geschalxt.  Wiirdo  diese  fiber  dom  \Vasserspic!_'el 
belindliche  Krdmasso  in  die  Oooano  izostUr/t,  so  \viirde  diesclbe.  da  ila>  MHII 
Meere  einiiononuneno  Aroal  dreimal  so  gross  ist,  \\  io  <lio  Oberlliiche  des  Landos. 
da-  Mceresbeckeii  '  ;  \nn  :{()().  also  100  M.  hoch  ausfullen.  .Niniinl  man  die 
dun-liseliniUliohe  Tiefe  des  Oceanes  zu  5000  M.  an,  so  \\iirde  i-'imal  sn  \iel 
I'lrdmasse  niitliig  sein,  als  sich  oberhalb  des  Meoresspie^cls  belindet.  um  das 
lio<  ken  der  Oceane  aus/iiLileiehon. 

§.  10.  Gewisse  Gesetzmiissigkeiten  in  den  ]{elioft'ornien  des  Landes 
Kbenso  vvie  in  don  MorizonUil-Conluren  dos  l;osllandes.  sn  IICITM-II!  aucli  in  don 
Heliellormeii  dor  Continonlo  cine  1:0 \\  issc  (icsel/miissiukoit.  \\elche  sich  dai'in 
kund  L'iebl,  dass  die  Hiinder  des  l-Ysllandos  y.u  Kdsteogebirgeq  omporsleigen, 
deron  Iliilie  in  eincin  beslimmlen  Verhiillnisse  y.ur  (in'isM-  de>  aii^ren/cndon 
Oceanes  slchl.  In  I'oke  dieser  Mrsohoinunii  isl  einerseils  die  I  .ago  und  das 
Slreiclien  der  (iobirgo  (lurch  die  rierrichlung  dcr  IVsllande.  dcncn  sic  ango- 
hiiren,  so\\io  ihre  Iliilie  diireh  die  Ausdelmung  dos  bcnaclibarlcn  Meeres  bo- 
sliniml.  andererseils  die  .\olh\\eiidigkoil  der  flaohoron.  im  Allgomoinon  bassin- 
liirmiiien  (iestalluniz  dos  Inneren  dcr  (lonlinciile  -c'-icbcn. 


I.    Phyaiograpbische  Geologle.  15 

Am  deullirhsten  tivlen  diese  Abhiingigkeitsycrhalluisse  y.\\  i.schen  Yerlauf  nnd 
llohe  der  (iebirge  einerseits  mid  Co&tinentalgestaltlTOg  und  Meei-esuroxse  anderer- 
seits  in  Nord-  und  Siidamerika  hrr\nr.  .leder  dieser  beiden  Conlinenle  besil/.l 
fin  {isllidies  und  em  \\estliches  Kiisleiiiiebirge.  welche  \\ie  diese  Kiislen  sell»,l  in 
bordwestlicher  und  nordostlicher  Hiehtung  \erlaufen.  und  deren  \\esllidies.  ;ils 
das  den  grosseivn  Ocean  begren/.ende.  d;is  hohere  isl.  Dcin  Alleghan\  S\stem 
enl.sprechen  in  Siid;iincrik;i  die  l>r;isili;mis»'li<'ii  (Jebirgskellen.  —  drn  Andes  die 
Sierra  \e\ada  und  die  Hockx  Mountains:  die  ;ill;indiselien  ('lebirge  mil  XOO  bis 
L'IIIMI  M..  die  pacilischen  mil  700  und  inehr  Meier  llohe  enlspreehen  der  (iriisse 
dev  angrenienden  Oee;mes.  X\\iselien  heiden  (Jehirus/iiiien  delinl  sieli  d;is  Innere 
der  iiinerikiiniselien  ^unlinenlc  in  eltenen  IY;ienen  und  ll;ielien  l'liissli;issin>  ;uis. 

Audi  SiidatVik;i  isl,  so\\ci(  \\ir  es  kennen,  eine  lloclielteiie,  die  iiiieh  den 
lien;ielili;irten  .Meeren  durch  mifoerichtete  (iehirusriinder  Iteizren/.l  \\ird. 

Ati>lr;ilien  endlieh  diirl'le  el)enl';ills  einer  iillseilJL;  ;in  den  Hiindern  iieliolie- 
nen  und  n;ich  Aus.-en  sleil  ab/liir/enden ,  ini  Inneren  aher  sich  einsenkenden 
llnelii-ltcne  uleielien.  Die  oroi;r;iphisclien  \Crli;illnisse  des  asialiseli-eui-opiiisclietj 
l)iip|ielconlinenles  sind  \er\\iekellerer  Art  und  lassen  sich  auf  naliirlielie  \\Cisc 
mil  der  hei  den  iibriiren  Feslliindern  uellendeu  (icsel/iuiis.siiikeil  nieht  in  I'-inkianu 
hriuiien.  I'jne  ultereinstiumiende  Mi^enlliiimlielikeit  nllcr  seiner  Gebiriie  iiielil  sich 
jetluch  darin  kuiid.  dass  ihr  dem  Meere  zugewandler  Abfall  steiler  ist,  «ils  ihr  con- 
tinenlaler  Abhani;,  \velcher  sich  durchweji  xu  ausLiedelinlen  Hochebenen  \erllaehl. 

AIIS  der  im  Alli:enieinen  nacht:e\\  iesenen  Abhiiniiiiikeil  ih'r  l,;iire  und  Hich- 
lunii  der  (iebir^e  von  der  Ntihe  und  dem  Verlnuf  der  Kiislen,  —  der  Ihihe  der- 
selben  \on  der  GrOsse  der  anizrenzenden  Meere,  der  Sleilheil  ihrer  (Jehiinue 
\on  d<'in  I  inslande,  ob  diese  dern  Oceane  oder  dem  Festlande  zuiie\\';indl  sind, 
Liehi  her\or.  dass  die  Gebirge  jtinger  wie  die  Conlinenle  sind. 

§..11.  Der  Meeresgrund.  Die  Umrisse  der  eigentlichen  ocennischen  Becken 
I'allen  niclit  ininier  mit  den  Kilstenlinien  der  Conlinenle  xusainnien  ,  \  ielmelir 
y.iehen  sich  inn  die  ineislen  der  letzteren  flnche  Kiistenzonen,  welche  als  unler- 
sfi-is.-hr  l-'urisei/ungen,  als  vom  Meere  bedeckle  Riinder  der  Conlinenle  y.u  be- 
Irachlen  sind  und  denen  auch  die  (lesladeinseln  nngelioren.  Oil  n>l  Meilen 
\\cii  von  der  Kiisle  slilr/t  der  Boden  3000  bis  7000  M.  lief  ab,  und  erst  hier 
be-innl  das  eigenlliche  Mecresbecken.  So  erslreckt  sich  z.  B.  die  Oslkilsle  von 
Nordainerika,  so  nainenilich  von  New  Jersey ,  unterhalb  des  Meeresspiegelfl  nodi 
el\\a  Hi  Mcilcn  ueil  hinaus  und  senkl  sich  aul'  diese  ganze  Knllei-nung  nur 
"JOU  M..  also  nichl  inehr  als  1  M.  auf  040 ;  erst  dann  sliir/l  sich  der  Meeres 
grund  sleil  in  die  Tiefe. 

1 1.  >  Itelief  des  Meeresgrundes  und  seiner  Niveauverschiedeobeiten  sind  im 
Veruleich  /.u  denen  des  l.andes  nodi  \\enii:  genaii  bekannl.  Ivs  sind  inn  ein 
/cine  I'unkle  oder  Linien.  auf  denen  man  Tiefseeniessiinuen  \  orgenoiuiuen  hal. 
Xach  diesen  lel/leren  /.u  schliessen  .  erreichen  die  nordlichen  Theile  des  allan- 
li.M-hen  und  pacilischeii  Oceanes  el\\a  iOOO  M.  Tiefe,  \siihrend  an  einy.elnen 
Slellen  in  dem  siidlidien  (iebiele  des  ci-lririi  Helen  \  on  6000,  8000  mid  iiber 
14,000  M.  Qachgewiesen  uui'den.  hie  milllerc  Tii-fe  dci  Mi-eresbecken  \\ird 
auf  -'iOOO  bis  7000  M.  gesrhiilzl. 


16  I.    Physiographisclie  Geologie. 

Auch  auf  dom  Meeresboden  \\cdiseln  Hohen  mid  Tiefen  mil  dnander  ah, 
nur  fehleii  alle  die  I'nehenlieilen.  \\elehe  die  /.ersloivnde  Kr;il'l  tier  Alhmosplia- 
rilicn  mid  Iliessenden  <;e\\;isser  ini  La  life  der  Zeit  auf  der  Krddterlliidic  .ins 
dem  lYiiher  miiicLilirdcrtcii  (I;in/cii  hcnuisiiCiirhciU'l  lial.  Ks  hrsil/i  \iclinclir 
cine  eiiilonuiizc,  ll;icli\\('lli^c  Ohcrfliirlie,  \\clclic  >ic|i  in  sanl'- 
hebt  oder  senkt  mid  von  ;illm;ililichen  BodenanschweUongen  udt-r 
trichterfbrmigefi  Kiust'iikmi^cM  unlcrhrochcii  \vird. 

.Man  lial  den  Mcercsgrund  als  licsunkciif  Thcilc  dcr  Krdkrusle  zu  belracli- 
tcn,  \\iihrcnd  die  Conlinenle  ilir  ehemaliuo  Nixeau  lieiltelialten  oder  sich  nodi 
ilber  dasselbe  iielioben  liaben.  Tin  cine  eini^erniassen  klare  Vorstdlunu  \un 
der  Confiyuration  der  eigentlichen  Erdoberflache  zu  bekommen,  muss  man  sidi 
dieselbe  ganz  ohne  Wasser  denken,  dann  \\tlrden  die  Continente  vvie  Slein- 
colosse  mil  verhaltnissmassig  sleilen  Seilenwiinden ,  als  liohe  Plateaus  inmilten 
des  dreimal  so  weil  ausgedehnlen  welligen  Tieflandes  3000  bis  17,000  M.  hodi 
lici'Mtrtreten.  Vom  niedrigslen  Punkte  dieses  lelzteren,  des  einstigen  Meeres- 
jirundos,  bis  zu  dem  Continentalplateau  wiirde  man  elvva  I  bis  •>  Meilen  Ver- 
lieallinhe.  und  von  diesem  bis  zu  den  ihm  aufgesetzten  hoclisten  Gebirgsgipfelo 
VOTI  Neuem  etwa  \*/4  Meile  zu  sleigen  haben. 


Zweiter  Absclmitt. 
Petrographische  Geologic  (Petrographie). 


a.  Allgenieiiies. 

§.  I.  A  u  lira  lie  der  Petrographie.  Die  Petrographie  lehrt  uns  die  (ie- 
sleine. das  Material,  welches  die  feste  Erdkruste  zusammenselzt,  kennen. 

Die  (iesleine.  I'elsarlen  oder  Gebirgsarten  sind  Aggregate  von 
lndi\i<luen  einer  oder  inehrerer  Mineralspecies.  Die  Aufgabe  der  Petrographie 
isl  es.  diese  (iesteine  in  die  sie  zusammensetzenden  Mineralspecies  zu  gliedern, 
so\\  ie  die  All  und  \Veise  des  Zusainnienlrelens  derselben,  also  ihre  Structur- 
Nrrhallnis.se  y.u  unlersurhen  und  ihre  Aggregationsgesetze  zu  ergrtinden. 

Die  Krmitlelung  der  Knlslehimg  und  Umbildung  der  Gesleine  muss  einem 
spiiteren    Absehnitte      der     petroijenelisehen    (ieologie)     ilberlassen    bleiben,     inn 
Norlier    (ielegenlieil    znr  Kenntnissnahnie    der  bei  diesem   Processe  lliiitig  ge\\e 
senen    Kriil'le   y.u   gebeil. 

§.  2.    Wesentliche  Bestandtheile  der  Gesteine.    Eine.  der  Anigaben 

der  Petrographie  isl  die  Krinillelung  der  Heslandtheile  der  (Iesleine  <»der  der 
(iesteinseleinenle.  Diejeiiigen  Mineralien,  \\elclie  den  HegrilV  eines  Gesleines 
bedmgen.  indeni  sie  y.u  seiner  Consliluirung  erforderlich-sind,  Nverden  \\esenl- 
liehe  Bestandtheile  oder  (iemengtheile  genannl.  (Iranit  beslehl  aus  Hilary., 
l-'eldspalh  und  (iliininer:  keines  dieser  Mineralien  darf  deni  genannlen  Gesleine 
lehlen  oder  durcli  ein  anderes  \ertrelen  N\erden,  ohne  dass  dieses  seinen  (Iha- 
rakler  als  (Iranil  \erlierl.  Knlziehl  man  dem  (iranil  den  Feldspath,  so  \\ird 
er  /.inn  (ireisen.  trill  fUr  Glimmer  Hornblende  ein  und  der  Quarz  zurilek,  so 
entstehl  S\enil.  Ouar/,  Feldspalh  und  (iliininer  sind  deinnach  die  wesenlliehen 
Bestandtheile  des  Granites,  ohne  Nvelehe  man  sich  (iranil  niehl  zu  denken  \ci 
mai::  fehlt  einer  derselben,  so  Nerliert  das  Geslein  den  (Iharakler  des  Granites. 
Man  kennl  bereils  geiien  Toil  Mineralspeeies  und  sollle  deinnach  eine  aiisser- 
ordenllich  grosse  Versehiedenheil  mid  eine  sehr  bedeutende  Zahl  der  son  ihnen 
/.iisainmengesel/leii  Gesleinsarteii  eiANarlen.  Ks  isl  jedofh  die  /aid  derjenigen 

Credner,  Elpiueute  d.  (ieologie,  2 


_ 
Plasioklas. 


18  II.  lVtroi:r;i|>liiselie 

Mineralien,  welehe  einen  \\eseiilliclien  Anlheil  an  del'  Zlisamniensetzung  der 
Gesleine  nehiiien.  \erhiillnissmiissig  sehr  beschriinkl.  Als  die  wiehli^sleii  der- 
selben  sind  I'olgende  /.n  nennen: 

Kis     /.    B.    als  Material   der  Gletsclier. 

Dolomilspat  h.    Kalks)>alh,    Anh\dril,    G\ps.    Sleinsal/. 

Onarz     als   Otiar/fels.     Sandstein.     Gemenglheil    des  Granit.    Gneiss.    Ouar/- 
porplnr  u.    v.    a.  . 

Orlhoklas     als    llauplgemenglheil    dcs    Granil.     Gneiss.    -e\\  iss, ., 
und   S\enile  . 

Sanidin    (in  den  Trachvten). 

Oligoklas   meist  nebenOrthoklas,  auch  ohne  ihn,  /.  B.  im  Dioril) 

Labrador   'als  Gemenglheil  des   Diabas.   Gabbro.    II\  perslhcnit 

Nephelin  und  Leucit  (im  Basalt). 

Augil     hauptsiichlicher  Bestandtheil  der  Diabase.   Melaph\re,    Basalle  . 

Hornblende   (im  Syenit,   Diorit,   Hornblendefels) . 

Kal  ig  liminc  r    namentlich  im  Glimmerschiefer  und  Gneiss). 

Magnesiaglimmer   (namenllich  in  gewissen  Graniten   und  Trachylen  . 

Serpentin,   Talk,   Chlorit. 

G  r  a  n  at   (im  Kklogit,   Granatfcls  . 

Turmalin. 

Bra  uneisenstein,     Botheisen  si  e  i  n  .      M  agn  e  lei  sensl  ei  n  ,     fiir    sich 
\vichtige  Lagerstiilteu  bildend. 

Graphil,   Anthracil,   Stcinkohle,   Braunkohle. 

§.  3.  Zufallige  Bestandtheile  der  Oesteine.  Von  den  Besiandtheilen. 
aid  deren  Zusammentreten  die  Xalur  einer  Gesleinsart  beruht ,  also  von  den 
\\esentlichen  Bcstandtheilen  sind  die  zufiilligen  oder  accessorise  hen  Ge- 
menglheile  der  Gesteiue  zu  unterscheidcn ,  \velche  nicht  /.nr  \\esenllichen  Zu- 
saiiiniensely.ung  der  letzteren  gehbren,  bald  vollstiindig  fehlen ,  bald  jedoch  in 
einer  der  Begelmassigkeit  sich  nahcrnden  Hiiufigkeil  in  dem  Gestein  eingesprengl 
vorkommen.  und  zum  Theil  sogar  charakleristisch  fiir  ge\\isse  Gesleins- 
arten  sind.  So  komint  z.  B.  in  vielen  (iraniten  Turmalin,  in  manehen  kalk- 
sleinen  Zirkon,  in  fast  alien  Glimmersehiefern  Granal  \or.  fiir  die  Basalte  isl 
das  Auflreten  von  Olivin  sogar  charakleristisch,  und  dennoch  ist  das  \Vesen  der 
genannlen  Gesleine  nicht  an  diese  zufiilligen  (iemenglheile  gebunden.  Granil. 
Kalk-stein,  Glimmerschiefer  und  Basalt  \\erden  ihre  Bereehligung  zu  diesem 
Xainen  nicht  \erlieren,  auch  wenn  man  ihnen  ihre  Turmalin-.  Zirkon-.  Granal- 
nnd  Olivin-Einsprenglinge  enlziehen  konnle. 

In   den    incislen    l;iillcn    /.eichnen     sii-li    diese    eiimesprenglen    aeeessorisehen 
Beslandlheile  durch   allseilige  AusbiMung   ihrei-   KrvslalU'onn   aus.    Als  die  \\ieh- 
ligslen   derselben   diirften   an/.ul'iihren  sein  : 
Boracit  im  Gyps. 
Bcr\ll   im   Granit,    Glimmersehiefer,    Gneiss. 

G\anit   im  Granil.    Gneiss,    (ilimmerseliiefer.    Talkschieler.    Granulil. 

Si  a  urolith   im   (ilimmcrschieler. 

Ciranal    im   Gneiss,    (ilimmerseliicl'er.    Ghlorilsehierer. 


II.  IVtrographische  Goologio.  19 

Olivin  im  Basalt. 

Titanit  ini  Syenit,   Granit,   Dioril.   (inriss,    knstalliiiisrlicn   Kalkstein. 

Mai:  ii  <•!  kit-s  ini   Diorit.    Basalt,   Serpentin   u.   s.   \\ . 

Schv\  elYlk  ies,   z.   B.   in  don  knslallinischen  und  klastischen  Schiefern.    im 
Grtinstcin,   in  Thon,  Kohle  u.   s.  \\. 

Ma  g  lie  tr  is  custom    in    sohr   zahlroichen    Ge'steinen,    z.    B.    Granit,    Syenit, 
(inriss,   Chloritschiefer,   Talksfliiot'or  u.   a. 

Sch  \\t-IV  I  in  Gyps,  Thon,  Mergel,  Sandstein,  Kalkstein. 

I)  i a  ma nt  im  Itacolumit. 

(Jolcl  in  Talk-  und  Glimmerschiefern,   im  Diluvial-  und  Alluvialsand. 

Plat  in  mit  letzlerem  im  Diluvium  und  Alluvium. 

§.  i.  Accessorische  Bestandmassen.  Innerhalb  vieler  Gesteine  treten 
ahnlich  \vie  die  beschriebenen  accessorischen  Mineralindividuen  Einschliisse  von 
loniilirht'ii  Mineralaggregaton  auf,  welche  in  ihrer  Zusammensetzung  von  der 
(icstcinsmasse  abweichen,  nur  eine  untergeordnete  Wichtigkeit  besitzen  und  als 
/.ut'iilliiic  Krsclieinungen  zu  betrachten  sind.  Man  bezeichnet  dieselben  als  ac- 
cess orische  Bestandmassen  und  filhrt  dieselben  am  zweckmassigsten 
nacli  ihrer  Enstehungsweisc  auf  zwei  Hauptformen  zurtlck,  welche  man  als 
Concretionen  und  Secretionen  unterscheiden  kann. 

Die  Concretionen  haben  sich  innerhalb  der  Gesteinsmasse  durch  Con- 
centration einer  otler  mehrerer  vom  Gesteiue  verschiedener  Mineralsubstanzen 
nach  einem  Punkte  ausgebildet.  Das  Innere  einer  Concretion  ist  deshalb  zuerst, 
das  Aeussere  zuletzt  entstanden.  Nach  ihrer  Uiusseren  Form  lassen  sich  unter- 
M'htMilen  :  Krystallgruppen  (Gyps  im  Thon),  kugelige  Concretionen  von  radial- 
strahligem  Bau  (Schwefelkies  im  Schieferthon) ,  traubige,  knollige  und  platten- 
formige  Concretionen.  Linsenformige  Concretionen  werden  Septarien  ge- 
nannt,  wenn  dieselben  von  zurn  Theil  radialen  Spalten  durchzogen  werden, 
\\fldtf  licNNohnlic-h  MHI  Kalkspath.  Eisenspath  oder  Braunspath  ausgefUllt  sind 
und  hiiulig  ein  forrnliches  Netz  von  sich  verzweigenden  Adern  im  Inneren  der 
Concretionen  bilden.  EigenthUmliche  Formen  sind  die  Tutenmergel,  spitze, 
lutcnfiirmig  in  einander  st«ckende  Kegel  mergeligen  Kalksteines  mit  quergerun- 
/.t'ltcr  Olx'iflache,  welche,  dicht  neben  einander  stehend,  mehrere  Zoll  machtige 
Platt<Mi  /iisammcnst'tzen. 

Die  S<- ere  lion  en  bildeu  sich  immer  innerhalb  praeexislirender  Spalten 
oder  BlasenrSume  und  z\var  in  Folge  einer  Infiltration  von  Mineralsolution,  aus 
\\fldierMineralabsatze,  von  der  Wandung  aus  nach  dem  Inneren  zu  fortschrei- 
icnd,  vor  sich  gingen.  Es  findet  also  mit  Bezug  auf  die  einzelnen  Theile  der 
Srrn-tionen  gerade  das  umgekehrte  Altersverhaltniss  stall,  wie  bei  den  Concre- 
linncn,  wo  das  Innere  zuerst  gebildet  wurde.  Die  Secretionsbildungen  ticl.inLiifii 
nicht  immer  bis  zur  vollstilndigen  Ausftlllung  der  Hohlraume,  so  dass  ein  Theil 
derselben  offen  geblieben  ist;  in  diesem  Falle  besteht  die  Secretion  aus  einer 
mehr  oder  weniger  dicken  Kruste,  welche  die  Innenwand  des  Hohlraumes  iiber- 
zieht,  und  deren  freic  Kr\stallspit/en  nach  Innen  ragen  (Drusen).  Veranderte 
die  inlillrirte  I.osunu  ilin-n  Mineralgehalt,  so  setzlen  sich  die  verschiedenartigen 
Kildungen  meisl  in  oft  ausserordentlich  /arlcn  conccnlfischen  Lagen  ab.  Die 

2* 


"-?"  II.    Petrographische  (ieolo^ie. 

\\  ei:e.  \\elelie  die  infilirirle  Hiissi^keil  uenomnien  li.il  .  die  [nfiltratidnscanMle, 
sind  liiiuliu  naeliy.imei.sen.  hie  gewUhnlichsten  als  Seerelionsmassen  aiil'lreleu- 
ilcii  Mineralien  siiul  Ou.ir/.  . \niclli\sl,  (ihaleedon.  Kalkspalli,  llramispalli .  Xeo- 
lillie.  Delessil. 

Naeh  der  (ieslall  des  llolilraiimes,  \\eleher  die  ersle  Yeranlassiin^  y.ur  Se- 
creUonsbildung  izah,  iiiilcrscli(;idct  man:  .Man  del  n  oder  (lend  en.  Mineral- 
seerelionen  imierhalh  kiiijel-,  him-  oder  mandellormiiier  Hhisenriinnie  in  i:e\\i>sen. 
einst  liliillilliissiiien  (iesleinen  .  /.  M.  Mel.iphxr  und  l!.is;ill  :  Trilnier  udef 
Adern,  MineralsecrettOOeo  innerli;ill)  piMeexislirendei-  S|t;illeiii-;iiiine :  Nesler. 
solelie  innerli;ill)  ^;;in/.  iiiireizeliniissiL;  p'l'onuter  llolilriiuine.  .Mil  diesen  ;iceessn- 
riseheii  IJesliindiitiissen  diii'len  die  I'linseliliisse  fremder  (iesleinsiirten  nielil  \er~ 
\\eeh.sell  \\ecdeu.  I'ls  sind  dies  l;r;iL:iii<'iite  iillerer  (iesleine,  \\elelie  hei  del1 
l^ildiuiL;  einer  iieiien  |-"els;ifl  \(in  dieser  eiiiiiesclilossen  \\iirden. 

§.  -r).  SlrilCtur  (ler  Oesteilie.  Dui-ch  l^rniitteliini:  der  (iesleinseleiiiente 
iillein  isl  eiii  (ieslein  nneli  nielit  iieniiirend  hesliminl.  Aus  (^n;iiy .  l;elds|».illi 
und  (iliniiner  hestelil  (irnnif.  (iiioiss  und  Felsitporphyr ,  ;nis  K;ilks|);illi-lndi- 
sidnen  der  M.innor  und  drr  dichle  K;ilkslein.  heide  in  ilirein  Aeusseren  sn  \\eil 
\ei-M'liieden.  Die  niielisto  Anl'i;;il)e  der  I'elro^rjipliii1  muss  demn;ieh  d;ir;Mil'  ire- 
riehlel  sein,  norli  .indere  eli.-iiMklerislische  .Mei'km;ile  lierhei/ny.ielieii.  Die  Ver- 
sehiedenheit  der  (iesleinsslrueliir  liel'erl  solche. 

I'nler  Slruelnr  der  (iesleine  verslehl  iiian  ihr  dmvli  Form,  (iriisse.  f.;iLie 
und  Verbindungsweise  del'  ein/.elnen  Hesl;mdllieile  her\  ori;el»r;ieliles  inneres 
GefUge. 

Mine  liel  einureifende  Verschiedenheil  der  (iesleine  heruhl  d;ir;iuf.  oh  deren 
hesliindtheile  enlueder  ;ils  \  e  r\\  ;i  ell  se  n  e  k  r  \  si  ;i  I  I  i  n  ise  h  e  I  n  d  i  \  i  d  u  e  n. 
oder  ;ils  \erkillele  Bru  cli  s  t  Qc  k<1  iilterer  (i(>sleine  erseheinen.  Die 
einen  neimt  man  k  r  \  s  I  a  I  li  n  i  sell  e,  die  anderen  klasl  iseli  e  oder  Trii  m  mer- 
ges I  e  i  n  e  ;  als  T\pen  der  erstei'en  inoiieii  (Iranil,  l'orph\r  und  ^larmor,  als  solelie 
der  lel/leren  Con^lomerale.  Sandsteine  und  lose  (ieriillmasseii  dienen.  In  del- 
Art  und  \Yeise.  \\  ie  die  krvslalliniselien  oder  klaslischen  Hestandlheile  der  (ie- 
sleiue  /.u  einem  (ian/.en  ziisainmenlrelen  .  maehen  sieli  \\  iedei'um  die  manniu- 
rachslen  Modilicationen  und  dadurcli  die  \\eeliselndslen  (iesleinseliaraklere  i;el- 
lend.  Die  Struetur  der  krystallinischen  (iesleine  kann  neliinlich  sein: 

kiirniu,  \\enn  knslallinisehe  Kiirner  und  BliiMer  naeh  alien  moijielien 
hieliliinizen  mil  und  dureh  einander  \er\\aehsen  sind,  olme  iriiend  cine  l»e- 
slimmle  AiiordniuiL:  erkennen  /.u  lassen.  Naeli  dcr  (iriisse  des  Koi'nes  unler- 
seheidel  man:  SJTOSS-,  iiroh-,  klein-  und  leinkiirnii:  /.  h.  (iranil.  Marmor  : 

did)  I,  \\enu  die  (iesleinselemenle  mil,  hlossem  AUL-C  oder  mil  der  l.upe 
nielil  melir  erkennhar  sind:  ersl  unlcr  dem  .Mikrosk(»pe  Irill  die  /usammen- 
sel/.uiiL:  des  (iesleines  her\or  /..  H.  diehtei'  Kalkslein  .  Im  (iei;ensal/.e  /u  die- 
sen  kr\slalliniseh-dieli(eii  Ai:i:re;zalen  nennl  man  i:lasarlii:e,  aiieli  l»ei  slarkei" 
Ver^riisseruiii;  lileieliartii:  erselieinende  (iesleine  liomoueii.  Sehr  feinkoniip's 
his  diehles  liefiiL-e  maiieher  Krupl i\ iiesleine  he/eieluiel  man  als  a  p  li  a  n  i  I  i  se  li  : 

>.  eliuppii:.   \\.-iiu  die  (iesleine  weniuslens   /.urn  Liriisslen  Theile   aus  Schiipp- 


II.     lVln»:;r;i|>lli>rlif 

elien   mid  IMatlelien   lieslelien.    \\eleke   eine  Andeutuni;   von   paralleler  AnordnuiiL: 
erkennen      lassen     /.    I!.    (llilorilM-liiefer  : 

I'laseriii.    \\enn   linsenroriniiio.     korniue   Mineral. i^uiviMle   mil   dilnnen    I.. 
i:en  \on  schuppiger  Zusammenselzung  abwechseln  in  dor  \\eise,  dass  sieh  leix- 
lore  an  die  linsenfbrmigen  Kerne  ansehmieizon    /..   B.   (inoiss); 

seliiel'rii:  mid  Mat  t  oriu,  \\enn  die  (ieinen^llieile  n.icli  iruend  ciner 
heslimmlen  Fliiehe  parallel  ani;eordnet  sind ,  \\oduivh  das  (i<-sl<-iii  in  lanlcc 
diiiiiic  l.aucn  /.fi'lalll,  \\clclit-  in  nodi  diinnci'c  l.aincllrn  s[),illl»ar  sind  /..  |{. 
Tlionscliicfcr.  I'apicrkdhlc  : 

fasrrii:.    ucnii   d.is  (Icslcin   aus   laulcr  tascrii-cn   odcr  dUDD3tengeIigen  Mi 
neralindmducn    hcslchl.    \\flchc    /iiNU-ilrn    \ollkonnnrn   parallel    nclu-n   cinandcr 
>lclicn     /..    B.    <i\|>^>.    I;as<-rkalk  : 

i;rsl  reck  I  ,  \\cnn  allc  odcr  cin/.rlnc  Mincralindividucn  dcr  (lolrmsarl 
nadi  u<'\\i.ss<Mi  parallclcn  l.inicn  izcordnct,  uiM'ichlct  odcr  in  die  Laiiir  lAc/.n^i-n 
sind.  In  inanclicn  Sxcnilcn  sind  die  llurnlilcndesiinlcn ,  in  \iclcn  Trach\  ten 
dir  .sanlcnloriniurn  Sanidinkr\stall<\  in  ^c\\isscn  l.a\(Mi  die  lunggezogeiien  Hla- 
senriiuiiH1  mil  ihrcn  la'iiiisten  Axen  parallel  i^cht^eil.  Als  cine  Modification  <ler 
Slreekunu  ist  die  M  i  k  ro  f  I  uc  t  n  a  t  i  o  nssl  met  u  r  y.u  helraeliten.  \\elclu1  darin  he 
slelil.  dass  in  einer  anselieinend  hoino^enen.  i:lasarli^en  .Masse  vnlkaniselien  I'r- 
sprun^es  nn/iildii:e  inikrosknpiselie.  nadel-  cxler  radenlurniiue  Kr\sl;illelien  Mikro- 
litlie  in  paralleler  HielituiiL:.  enls|>reeliend  dor  Bo\veuimii  dor  einsl  iilulhlliissi - 
uen  Masse.  ansueseliiiMlen  lioiion  /,.  B.  ini  Obsidian,  l^asall)  : 

pnrph  \  r  i  sell .  \\enn  in  einer  dielilen  odor  I'einkorni^en  (iesleiiisinasse 
anllallend  urossei'e  Minoralindi\  idnen  ansueseliioden  sind  l-'elsitporpli\  r,  Traeh\l  : 

oolilhisch,  \vonn  das  (ieslein  aus  lanter  kleinen  kiii;elii;en  (loiieretionen 
heslehi.  \\elelie  fine  eoneenlriseh-sehaliiie  odor  radial-laserii;o  Slruelur  liosi(/on 
/..  B.  oolithisehor  Kalksloin  dor  .luralornialion,  ltoi;cnslcin  dor  Trias,  l-j-lison- 
slein  \on  (larlsliad  .  (ie\\isse  Mrii[)li\i:esleino  liahen  in  Koli;o  ihrer  Krslarruni: 
eilie  i;a!i/.  alinliehe  Slructur  aniiononiiiion,  die  man  als  sph  aoroli  Ih  i  sch  l»e- 
/.oiehnol  •/..  B.  IVehsloin); 

lagenfOrmig  odor  gebtyodert,  NMMIII  das  (Josloin  aus  \viodorholl  mil 
oinander  abwecfaselndeo  parallolon  I.ai^on  von  \erseliiedenarli^ein  odor  vorseliie- 
den  uelarhlem  Materiale  hestelil  (/.  B.  llallollinta,  Bandjaspis) . 

poriis.  /.ollit^,  cavcrnos,  \\enn  das  (iesloin  kleine,  ^ro'ssere  uder  selir 
un«s>e.  UOregelmSssig  ueslallolo  llolilriiuino  enlhiill,  \\oleho  dureh  Auslanuiin^ 
oin/olnor  (ienienutheile  enlslanden  sind  /..  B.  Baiiehuaeke  dor  !>>as); 

hlasii;  und  soh  lae  k  i ;.'.  \\enn  ein  aus  ^lullillilssi^eni  /usl.mde  erslarrles 
•  ii'xicju  rundliche  Blasenrauine  enlhiill  /..  B.  inanehe  l.aven.  Uimsslein  : 

maodelsleinartig  odor  amygdaloidisch,  \\enn  die  llolilriiuine  in 
Masii:en  (iexiejncii  t:iin/lieli  odor  x.uni  Tlioil  mil  freindarliuer  Minoralsulistanx 
ausi:efiilll  sind  /..  B.  Melaplix  rinaiidolsloin) . 

Dio  Triimmergesteine  he/.oielinot    man   naeh  (Jrdssc  und  Form  dcr  sie    x.ii- 

s.iinmensetxenden   (M-sleinslVaLimenle   a  Is 

Breeeien,  \venn  das  (ieslein  aus  irriissoron  so  ha  rl  k  a  n  I  i  u  e  n  Brueli- 
sliiekeii  lie.sielii  /..  B.  I'orjjhrbreccien); 


'2'2  II.   IVIn>i,'r;ipliisclic 

Conglomerat  e  (Psephite) ,  \vcnn  das  Geslein  ;MIS  griissen-n  ;i  bur  ru  n- 
(I  etc  n  Hollstik-ken  brsleht  (/.  B.  Rotbliegendes  (londonx-nil): 

Sandslcinr  Psammile  .  wenn  das  Geslrin  aus  rundrn  odcr  crkiucn  Ge- 
slrinslVainiirntrn  bestrhl .  dnvn  Gross*'  x\visclicn  Slecknadelkopf-  his  Krltscn- 
iirosse  schvvnnkl  (z.  B.  Quadersandstein); 

Sehlamin-  odcr  Thongest  ei  n  *>  THilc  .  \\rmi  das  (ieslein  ein  erdices. 
homoi^enes  Ansehcn  htil,  wenn  cs  also  aus  feinen  Staubkiirnclicn  und  Schilpp- 
clicn  licstdit  'i.  B.  Thon,  Kaolin); 

lose  Accumulate,  wenn  GesteinsbruchstUcke  lose  auf  einandcr  lidiauft 
sind,  ohne  durch  ein  jUngeres  Cement  verbundcii  -i.\\.  scin  '/.  B.  Kies,  Sand  . 

Ein  Structur\(M-hiiltniss,  welches  viele  knslallinische  und  alle  klaslischcn 
Gesteine  auf/Aiweisen  haben,  ist  das  dor  Schichtung. 

Geschichtet  nennt  man  ein  Gestein,  wenn  es  in  einor  Anfeinanderfolge 
(System,  Complex)  von  plaltenfbrmigen  Masse n  (Schichlen,  Biinken)  auftritl, 
welche  letztere  durch  parallele  Flachen  Schichtungsflachen)  bcgren/t  werden 
und  bei  weiter  Ausdehnung  in  der  Regel  uur  geringe  Dicke  (Miichtigkeit)  be- 
sitzen.  Ist  in  einem  Gesteine  ein  derartiges  Structurverhaltniss  nicht  ausge- 
sprochen,  so  bozeiclmet  man  es  als  massig. 

§.  6.  Uebergange  der  Gesteine.  Der  Begriff  eines  Gesteines  als  Aggre- 
gat  gewisser  Mineralindividuen  lasst  bedeutende  Schwankungen  in  deiu  Men- 
gungs-  und  Grossenverhaltnisse  der  letzteren  zu.  Daraus  folgt,  dass  die  Ge- 
steinsarlen  nicht  als  scharf  begrenzte  Species  daslelien,  vielmehr  Uebergange 
in  andere  Gesteine  wahrnehmen  lassen  werden.  Solche  Uebergange  linden 
indess  nur  inncrhalb  gewisser  Gesleinsgruppen  stall  und  werden  auf  folgende 
Weise  vermitleil : 

a,  zwischen  kr\  stallinischen  Gesteinen  : 

1)  Ein  wesentlicher  Gemengtheil    tritt  allmahlich   zurilck    und   ver- 
schwindet  endlich    vollstandig.     So   wird   aus  Granit   durch   Verlust   des   Feld- 
spalhes  Greisen,    aus  Gneiss  durch   Zurilcktreten   des   Glimmers   Granulil,    des 
Feldspathes  Glimmerschiefer ,    aus   letzterem  durch  Verschwinden  des  Glimmers 
Quarzit. 

2)  Ein   neuer  Gemengtheil   trill  hinzu   uud    nimmt   zum    Theil   auf  Koslen 
eines    anderen    allmahlich    verschwindenden    GemcniJitlieiles   zu.     So   wird   aus 
kryslallinischem  Kalkstein  durch  Zutrill  von  Glimmei-  Kalkglimmerschiefer ,    aus 
Syenit  durch  Zutrill  von  Elaolith  und  Zirkou  Zirkonsyenil. 

3)  Sammtliche  Gemengtheile  eines  grobkbrnigen  Gesteiues  werden  so  feiu- 
kbrnig,    dass   das  Gestein   dicht   erscheint.     In  dies«>m    Verwandlschaftsveriiajt- 
nisse  steht  der  Dolerit  zum  Basalt,    Dioril  und  Diabas  zum  Apham't,    I -Vlsilpor- 
phyr  zum  Felsit. 

4)  Die   Gemengtheile    eines    krxslallinischen ,    kbrnigen    (iesleines    (M-Jiallen 
parallele  Anordnung;   in  Folge  davou  niminl  lelzteres  eino  llaserige  odcr  schie- 
Icri-c    Slruclur  an;  so   geht   Granit  in    Gneiss  und   dieser    in    GMmmeradtliefer 
ilber. 

.")  (icwissc  (iemcngtheile  Irelen  in  besondcrs  grossen  Kornern  und  aus- 
gebildelen  Krystallen  vor  den  Ubrigeu  hervor,  wiihrend  diese  an  Grbsse  Ner- 


II.   IVIiu-r.ipliisrlii-  (ii'uln^io.  '2'.\ 

liercu.      Aul'  dies.'   NYcisc   \\ird   der   rebel-gang  x.\\  isolicn    kornigen   und  porphx- 
risclicn   Geslciucn   \  ermittclt. 

b.  /Avisclien   k  last  isc  li  e  n   Gesteineii  : 

6)  Die  Grosse  der  /usamniengckiltelen  Gc.steiii>!Vagmenle  niminl  nb  oder 
y.u ;  ails  GonglomeratBD  \\erdcn  Sandsleinc  und  tinigckehrl. 

7  Kckige  (iesleinsbruclistucke  \\erden  zu  abgerundctcn  Rollstiicken  :  aus 
Rrcecien  \\erdeii  Conglomerate. 

S  Die  Mengc  dcs  \erkitlenden  (lemenles  iiiinint  /.ii  .  aus  Conglomerate!) 
mil  Ihonig-kalkigein  Hindcniitlel  \\erden  Kalkincriid  mil  cm/clnon  Rollstiickcn. 
\\clchc  alliiiiililich  lian/  \crscli\\indcu. 

'.»  Dei-  |)droi:ra|)l)isclic  (lliaraktrr  dcr  (icstoinslVatiiucnlc  \vird  durcli  Vcr- 
driiiiuunii  dcr  (MUCH  durcli  andcrc  Geslt'insarlon  vtM'ihulert.  Aus  Grjinit-,  Aui- 
pliiltolit-  und  Quar/itcongloincral  cul\\ickclt  sich  ein  roines  QuarzitcongloiniM-at. 

c.  /\vischcn  k r\  sta  11  inische n  uiul  klast  isch  en  Gcsteincn  : 

10  Kruptixizcstcinc  stchcn  mil  klastischcn  (u\slcincn  (lurch  Tuffbilduiiui-u 
in  cniicin  ZusaniiiicnliaiiLic  Tlionsteino  und  Forphyi'c  dcs  Rothlicgenden). 

II)  Klastisclic  (icslcinc  udicn  durch  Contactmctainorphosc  allintihliiz  in 
krxstallinisclic  iibcr.  (Thongcslciiu4  in  Hornfels,  Ihonigo  Kalke  in  Mannor). 

§  7.  Die  Bestimmuiig  der  Gemengtheile  der  Gesteine.  Bei  korniuc  u 
(icsiciiuMi,  dcren  Gemengiheile  deutlich  von  einander  zu  untcrscheidcn  sind, 
slcllcn  siclt  IHM  gcniiiicndcn  iuiucrali>i;ischen  Vorkenntuissen  dcr  Hcstiininiuii' 
dcr  niincralisclicn  \atnr  dcr  Icl/.tcrcn  kciuc  bcsonderen  SobwierigkeHen  in  den 
\\CiZ.  llahcn  sich  auch  die  MincralindiNiducn  durch  ihr  Zusaniiuengedriin^tsciu. 
durcli  ihrc  ^cgcnscilige  VerwaChsung  gowdhnlich  in  Hirer  Aushilduniz  /.n  voll- 
koiumoiu'n  Kr\stallcn  gehindtft,  so  sind  doch  in  der  Spallbarkeit,  Ha'rlc  und 
Farbe  der  GeslciiiM-lciucntc.  ihreui  spceifischen  Gewiclite ,  Glanxe  und  chciui 
schen  Vcrhalten  noch  genQgende  Mcrkmale  gegeben,  um  ihre  inineralischc 
Nalur  zu  kennzeichnen. 

Sclm  icrii^cr  gcstallen  sich  die  Verhiiltnisse  bei  ieinkornigen  oder  dichtcn 
dcstciiisailcn,  dercn  Rcslandlhcilc  das  »nl)c\vall'nclc  Auge  niclil  inchr  zu  nn- 
tcr.si -licidcn  \cnuag.  Das  nachstliegende  HUlfsnu'ltel  ist  die  Lupe,  und  \\cnn 
sich  audi  dicsc  als  ungendgend  orwcist,  das  Mikroskop.  Lelzleres  Instrument 
isl  scit  den  hocliwichligen  Resultalen  der  jUngslcn  Zeit  eines  der  unentbehr- 
lichslcn  Iliilfsinitlcl  der  (icsiciusunlcrsuchung,  und  die  miki'oskopisclic  (icstcins- 
analvsc  cine  \ielversprecliende  Disciplin  der  geologisrhen  Wissenschal'l  gexvoi'dcn. 

Bei  Anwendung  des  Mikroskopes  in  der  Petrographie  lial  die  Geologic 
eb(Miso  \vie  bei  Untersucluiiii:  deullich  krxstallinischcr  Felsarlen  /AVCJ  Aui'gabcn 
/.n  losen  .  niimlich  cincrscits  die  Mineralelemente ,  \velche  die  Gesleinc  zusaiu- 
ineiiset/.en,  andererseits  die  YerbindungSNveisc  derselben  zu  ennitteln.*) 


*)  Der  finiifclilciisNvtM-tlii'sli-  Weg,  UunnschlifTc  fiir  die  Untcrsucliunji  ini  <lmrlil';illi>ii<|i-n 
Liclitc  anzufertigen,  ist  dcr  fol^cndi-.  M;ui  sdiliii-'c  cine  nuiiiliclist  fileicliniiissi^  diinnc  Sclicrlic 
\dii  ctsva  -2  his  :t  Cm.  Liin^'c  mid  Hrcitc  in  ilcr  Kiditniii;  dcs  \crliini.'tcn  Oucrsrlinilfcs  \on  dcin 
y.u  untcrsiK •licndcii  Gesteinsstiick  ;ili,  Itcfcsli^c  cs  vcrinitlclsl  Cnnadjibalsams,  den  man  \mln-r 
crhitzt  tiat,  damil  cr  rnsfh  crkaltc  und  fcsl  \\cnlc,  aufcincni  (ilaslid'cldicn,  \vic  sic  zu  inikrii- 
kojt  isrlicn  I 'ntcrsiK •linniicn  im  Gebrauche  sind,  und  sclilcil'c  dann  die  Gestcinsprobc  auf  einer 


'2  I  II.  IVtroi;raplii>e|ip  lien! 

Ms  die  \\csenlliehsten  M  i  lie  ra  I  e  I  e  m  e  n  I  e  del'  dichlcn  (iesleine 
hiil  in. in  Feldspathc.  Nephclin  Illicit,  Noscan.  Augit  ,  Hornblende.  Diallag, 
Ihpcrslhen.  Glimmer.  Oli\in.  Magnclciscn.  Granal  iind  Oiiarz  erkannl.  Kin- 
/clne  dicscr  .Mincralien  galten  his  \ur  Kiir/.em  ;ils  verhttltnisgm&ssig  seltene 
mid  iiuf  nur  \\cnigc  l-'undorlc  hcscliriinktc  <  iesteinsclemcnle.  Krst  d;is  Mikro- 
skup  h;i(  ilire  Iliiuligkcit  und  \\eite  Ycrbreilung  dargclhan.  Das  aud'alligslc 
llcispicl  dal'iir  1st  der  Lcucit,  den  inan  hislier  inir  in  dm  l.a\en  Italians,  des 
l.aaehcr  Sees  und  des  Kaiscrstuhlc*  kannte.  \oii  dem  aber  jrl/t  nacliLicu  icsrn 
i>i  .  dass  <•!•  cincii  uan/  gewtfbnlicheD  Ut-staiidllicil  un/ahliiicr  andcrcr  cclilcr 
l-ascit,  souio  /ahlrciclicr  Hasallc.  so  von  Sadism,  dcr  Hliiin  und  dcin  Tluirin- 
i:cr  \Valde,  ansmarhl.  Achnlichcs  t^ilt  voni  Noscan ,  \vclchcr  frilhcr  auf  den 
VCSIIN.  die  riniiciicnd  des  Laacher  Sc(>s  und  das  Hcgau  in  Baden  hescliriinkt 
seliien.  neuerdinizs  ahcr  in  viclcn  Phonolithen  Bohmens.  dcr  Lansil/..  dcr  Hliiin. 
CenlraU'rankreiehs  ucl'unden  \vurde.  So  hiell  man  fcrncr  den  ()li\in  fiir  cincn 
ansschliessliehcn  7.ufalligcn  Genicnglheil  dcr  Basalle,  bis  vor  Kur/cin  das  Mi- 
kroskop  /.ci^lc  .  dass  cr  zuglcich  cin  ganz  cliaraktei'islischci1  aeccssoriselier  Bc- 
slandtheil  des  Gahltro  sci.  Auch  der  Ncphelin  'in  kurzen,  dickcn  hcxauonalen 
1'i'isnicn  hesil/i  in  Phonnlilhen.  Trachylcn,  Basalten  und  Andesiten  cine  friihcr 
iiniic'alintc*  \\eilo  Vcrbrcilung;  endlieh  muss  aucli  niikroskopiselxM1  Apalil  in 
langcn.  nadellonniuen  li(v\agonalcn  Prismcn)  zu  den  \crhrcitolsl(Mi  (ioniong- 
theilen  der  krystallinischcn  Massengesteine  (Diorit,  Diabas,  Melaphyr,  Sjcnil. 
(iranil  gcxiililt  \verden. 

Die  ohcn  gcnai\ntcn  regular  kr\stallisirendcn  Mineralien,  also  Leucit.  No- 
scan  und  (Iranal,  charaklerisiren  sich  unler  denr  Mikroskopc  dadurdi .  dass 
ihrc  nach  irgend  eincr  Richtung  gefiihrtcn  Durchschniltc  stels  das  Lichl  cin- 
I'acli  hrcchen,  also  iin  Gcgensal/.e  zu  den  Mineralien  allcr  Ul>rigen  Krxslall- 
sNsiemc  kcine  Polarisationserscheinungen  geben.  Die  Aufgabc  der  aueh  l>ei 
(icslcincn  \on  groberem  Kornc  schwierigen,  aber  so  hochwichtigen  I'ntcrschci- 
dung  dcr  feldspalhigcn  Mineralgcincngthcilc  \\ird  durch  das  Mikroskop  nur  theil- 
\\ei>e  gelosl.  Die  mikroskopische  rnlersuchung  unterscheidel  nur  das  Kr\  si  a  II- 


(z.  B.  Ofen-    Plattc  mil  Smir-H  >;o  lief  an,  bis  cine  m(ii:liclisl  vinissc,  t'licm- 
isl.  Di.'sc  Liliitlc  man  durcli  Sclilcifen  auf  einer  maltcn  Glasplaltc,  liis  die 

Cilanx  rrhalt.  Dann  crliilzo  man  das  Cilaslal'clclicn.  xvodiircli  sich  dcr  C.anada- 
cr\\rirhl,  und  iilicrlraiie  die  Go^li'iu-pi'dlic  mil  iicncin  crhilzlcin  Mal-ain  ant'  fin 
andcrcs  Tal'i'lcln-n.  BO  <lass  die  ^lallo  Kliirln'  anf  dicscin,  olino  Hlascn  da/\\  i>clicii.  fcst  anf- 
li.-.-l.  .Irl/l  M'lilcil'c  man  die  nun  nacli  Anssen  uckchrl^  ranlic  Oln-rlla'clif  dri  I'rultt1  auf 
•  ilicii  aiiiii-uclMMiein  \Vc-c  sn  diiiin,  als  cs,  olmr  sic  xii  /crlircchcn,  innulidi  ist.  mid  polirc 
sir  auf  (lias.  Scldicsslidi  \\ird  dcr  darchscheineade  odor  dmrlisicliti^e  zarlc  Gesteinsschlifl 
mi)  fri*clicm  Halsam  anf  cin  rcincs  (MashifHehcn  lilicrlia^cn  mid  zur  Krlioliiui.u  dcr  I'dln- 
cidilat  mil  rim-m  Krckdasclicn  \.TM-IHMI. 

Ht-i  dcr  iiiikn^kdpisclieii  riitiTMirlmiiu'  srll)-l  vvcndct  man  anfani:licli  cine  scl>\\;idicn- 
Vcri;ii>sNi>i-nnL:  an.  urn  MC|I  v.\\  orionlircn  und  zn  cincr  alkcnicincn  Aiiseliauuni:  dcr  Mincral- 
und  ihrcr  X'crhindunu^Nxci^c  /.\\  uclan^cn.  und  licnntzt  dann  sfurkcrc  \  cr-i  n^-c- 
I. is  xn  c|\\;i  soOmalip'r  .  inn  die  Ilclails  zu  sludireu.  Die  Au\\cndmi^  MHI  I'nlari- 
-aliiins\(ii  richlmiucii  i^t  diirdians  crforderlicli  .  \vcil  sic  /.  15.  die  Miltel  an  die  Hand  iiield. 

die   amorpl ler    kr>-lalliniselie    BcscliallVnlicil    mid   die   ciufaclic    odcr    duppeltc   Slralden- 

lircc|iuii|j   eiiizpliier  ficslciusclemeiile  ,    ferner  Ortlmklase    sun    IMai:iiikla-en   /.\\ 


II.     l'rtnp-r,i|)ln>rlir    I  M-nln-ic  '2.") 

.s\stem  des  I'raiJichen  I'Vldpalhes.  also  die  Fraue ,  ob  fin  monokliner  oder 
trikliner  Keldspalli  \orlie^l.  \\idirend  sie  cine  Trennuni:  son  Oli-oklas.  Labra- 
dor mid  Anorthit  nichl  ermddichl.  Da  ;iucli  chemischo  Httlfsmiltel  inir  in  uanx, 
besondors  gilnstigen  Fallen  iin  Slande  sind,  ein  schliosslichos  I'lllici!  in  dieser 
Frage  xu  fallen,  so  muss  sirh  der  mikroskopirende  (ieoloi;e  meisl  mil  dem  l\c- 
sullale  bognUgon .  einen  ()rthokl;is  oder  einon  IMagioklas  Iriklincn  l;»'lds|»;illi 
ills  (MMiiciiiitlioil  crkiinnt  y.u  luihcn.  Die  Durclischnitlc  dcr  l'l;iijiokl;isr  xcichncn 
>ich  \iir  dfiu'ii  dcs  nionoklincn  Oilliokhis  und  Sjinidin  dmvli  ilirr.  dnreli  l;i- 
niclliir(>  ZwillingSVerWadlSUDg  liediniztc  parjilldt1  Slrcilunti  aus.  In  polarisirU-m 
Liclilc  ci-schciiit  jedc  dicscr  LiiinelltMi  andcrs  jzcfiii'ltl,  dcM1  unlcrsudilc  Plajiioklas 
soinil  pr;iflit\oll  l)lau,  uclh.  un'ln.  roll)  izcstivift  oder  liniirl.  H(vi  d«M-  ol'l  schi- 
srlmirripMi  Unterscheiduog  von  Hornlilcndc  nnd  Auiiil  iiicht  die  I'ilr  die  llorn- 
ltlende.  \orxui:s\Neise  liei  dnnkeliieriirltlen  Kr\stallincli\  iduen  in  DiinnsehlilVen 
eharakterislische  Eigenthtlmiichkeh  dos  Dichroisnuis  dtMi  Anssclilaiz.  Hrinui  man 
das  /.u  nntersiichende  Priiparal  nnler  das  Mikroskop.  in  Belches  man  den  I'o- 
larisator.  nichl  alter  den  Anahsalor  einj^eset/l  lial,  und  di'ehl  ersleren.  so  \er- 
iiiiderl  ein  iin  (iesiclitsfelde  belindlicher  Alliiit  seine  I;arlx'  niehl  ,  die  dunkel- 
iii'iine  llornltlende  jedocli  \\ird  lielliin'inlich  dureliseheinend. 

Die  .Mineralelemenle  der  (lesltMiic  ]>flei:t  man  als  homoLrene  Kiirpcr  xu  l>e- 
Irachlen  und  xu  hexeichnou  :  im  (legonsalze  zu  dioser  Ansicht  hal  das  Alikro- 
skop  i;elehrl ,  dass  dies<>  lIoiuu^Miilat  nui1  cine  seheinbare  isl,  nur  I'iir  das 
Nosse  Aiiize  exislirl  und  durch  fremde  Einschliisse  irestorl  \\ird.  Diese 
Kinsehlilsse  sind  Iheils  I'esler,  llieils  flUssigcr  .\alnr.  Die  fcston  sind  \\  iedrr- 
iini  enl\\('der  solche  von  ainorphor  Glassubslanx  ((ilaseinschlUssc),  odor  solchc 
von  mikroskopisclien  Krystiillchen  Mikrolilhcn). 

Dio  (il  ascinschjl  ilsse  entslehen  dadurch,  dass  ein  sic'h  aus  einem  i»e- 
sclunolxenen  Marina  ausselieidt'ndei1  Krystall  kleinc  Partikclchcn  dos  Schmelx- 
llnsses  umscliliessl  ,  \\elche  lx>i  rascher  KrslaiTiini;  als  Kinscliliisse  von  glasiucc 
Snbslanx  erscheinen.  \Vo  sich  demnaeh  solche  (ilaseinscliliissc  linden,  Ubcrall 
lielern  sie  den  definitive!!  BcNveis  dafilr,  dass  das  kryslallinische  Goslciu,  in 
dessen  Mineralelementen  sie  aul'lreten,  ursprilnglich  sich  in  giuthflQssigem  Zu- 
slande  Ix'fundcn  hahe.  Kino  ganz  analoge  und  d;js  ebon  Gosagto  nur  besliir- 
kcnde  mikro^kopisehe  I'irx'heinung  ist  die,  dass  sich  Adern  von  (Ilassubslanx 
in  die  Knslalle  hinein  erslrecken.  Boido  Jioobachlungen  \\  iederliolen  sich  nichl 
nur  bei  Obsidian  und  I'echslein.  sondern  aucli  bei  1'honolilhon,  iiasallon,  .Mela- 
ph\ren.  I'orpliN  ren  mid  anderen  demnaeh  z\Noifellos  erupli\en  (iesieiuen.  \\  o 
sie  in  Auuit .  llornblonde .  Nosean,  Nepholin,  Oli\in.  I.eucit,  Feldspalh  nnd 
Oiiarx  .mllrelen.  In  den  (ilaseinschlilssen  linden  sich  sehr  go\\ohnlich  Hlasclien. 
dime  dass  jedoch  cine  Consian/.  x\\  isclien  Volnmen\<-rh;dlniss  dor  lost  en  Ma>se 
und  dei-  llohlraiime  obualtet.  so  dass  sie  ihre  Kntslohung  der  Conlrachr.n 
dor  umlrillllcn  (ilassubslanx  nichl  \erdanken  koimeu.  Lel/.lere  isl  izexNiilmlicli 
iiclblich.  briiunlich  odor  grflnlieh  gofjirhl  und  nichl  si-lion  \on  \\  in/ii:en.  nadel- 
I'iinnigi-n  Kr\slallcheii  melir  txler  \\oiiigor  dichl  aiiizefiilll  enldasl  .  Die  /aid 
der  (daskoruer  in  manchen  .Minoralion  isl  so  oimrm  ,  dass  diese  lolxlon-n  aid 
das  inuii:ste  \nn  joiien  impraL'iiirl  sein  miisseu  nnd  in  dor  That  in 


II.    Petrograpbisclic 


nnr  den  Bruchlheil  eines  Millimeters  messcnden  Knslalle  nadi  Tausenden 
xa'hlen. 

I*]  i  n  sch  I  iissc   in  i  k  rnsko  pischer  K  r  \  st  a  1 1  ge  I)  i  1  d  e    MikrolUhc    inner- 

li.illi  dcr  gesteinsbildendeo  MineraiiiMiividuaD  sind  sdu-  \erbroiieie  Krsdteinnn- 
gen.  Mcislcntheils  sind  sic  ganx  \virr  mid  regdlos  in  dem  umschliessenden 
Minerale  eingeslreul.  in  anderen  Fallen  aber  sldil  ihrc  Yerlheilung  in  ucsci/- 
iniissii:t'i-  Hc/.iclnin^  /.u  Form  nnd  \Vafhslliniii  drs  llauplkrx  slallcs  in  dcr  \Vrisc. 
diiss  sie  zu  dor  Ohcrll.idic  dcs  Ict/lcrcn  parallclcn  Xoncn  an^cui'dncl  crsclit  i- 
ncn.  Dainit  stclil  cin  srlialndoniiiL:rr  Anl'hau  dcs  hclrcll'cndcn  Aiiiiit-,  llorn- 
hlcndc-  nnd  Lcucitindis  idiinins  in  N'crhindunj;,  \\clclicr  in  (irsteinsschliflen 
durch  die  l'arl)cn\cr.schicdcnlu'il  dcr  cin/.elncn,  das  (ian/.c  /.usainincnsfl/rndt'ii 
parallclcn  Liizcn,  namontlicli  al>ci-  durch  die  den  cin/.clncn  Scliiclilcn  rntsprc- 
clicndc  Anciiiaiiderrcilninii  dcr  cr\\;ihnlcn  .Mikrolilhc  licr\ortritt.  Lctxlere  !»<•- 
stchcn  hci  Hornblende-  und  Auuitkr\stallcn  namcnUich  ans  Mai:nctciscnkornclicn. 
Ncphelinsaulchen ,  Feldspathnitdelchen,  —  hei  Leueilen  aus  Augitnadeln ,  .Mai:- 
nclciscnkiirncrn ,  (ilascinschlUssen ,  Noscan-,  (Iranat-  und  \cpliclinkr\slallclicn. 
Vorxiiizlicli  >iiul  es  die  Mikrolithc  des  Leucites,  welche  sehr  iic\\olinlich  in  hochsl 
rcuclmassigen  conc^ntrischen  Zonen  angeordnet  sind  und  dann  in  Ki-)stall- 
durcliscliniUen  conccntrisclic  Kreise  odor  achteckige  Leucilocdcr-(Jucrsclinittc 
darstcllcn.  'Fig.  I  und  2).  Docli  konimen  auch  Lcucitc  mil  radial 


Fig.  1.     Loncit  mil  Mikrolithen  nut 

dem  BaMilte  von  Stolpen 

(Sacbseu). 


Fig.  2.    Lencit  mil  Mikrolttheii  iiii.- 
dem  Basalte  YOU  Svhack;tu 
(Rhon). 


MikrolitluMi  vor.      In    sehr  vision  Fallen    isl    die    niincralischc  Natur    dcr  Mikro- 
lithe  nioht  x.u  ennitteln. 

Die  Menge  soldier  fremdarliger  Kinsehliisse  in  anscheincnd  liomoLicnen 
Mincralieii  isl  oft  uberraschend  gross  und  aussert  sidi  mit  Hexug  anl'  die  let/.- 
icrcn  cincrscits  in  deren  Farbe,  Glanz  und  Ansehen.  andererseils  in  dem  Rc- 
Milt.ilc  dci-  dicmischcn  rnlcrsuehung.  Die  rollie  Farlte  dcs  Carnalliles .  dcs 
llcnlanditcs.  des  Perlhiles  wird  durch  Blallchen  von  Kis»>no\\d  hersorgehraehl. 
in  ahnlicher  Weise  riihrt  der  kupferrothe  metallisdic  Schimmer  dcs  llxper- 
sthenes,  die  graue  Farbe  maneher  Feldspiilhc.  die  griine  dcs  Prasems.  das  Far- 
bcnspiel  des  I.altrador,  der  Fellglan/  dcs  Kliiolillies  von  frcmdarligcn  Kinsdiliisscn 
her.  Dass  diese  einen  Eintluss  auf  das  l-'.rgcbniss  dcr  dicmisdicn  rnlersudmng 
ausUben.  isl  naturlich.  und  dadurch  erkliiren  sidi  die  viellalligen  Al»\\cidningen 
fast  aller  Analvsen  von  der  berechneten  Normalformel. 


II.    IVtro^raphisrhc  Geolojiie.  27 

Flilssigkeit  seinschlusse  in  Quar/.,  Steinsal/.  S\lvin,  G\ps  und  Fluss- 
spath,  gross  genui:.  um  mil  Mossem  Anue  erMickl  /.u  \\frdfit,  sind  scit  langer 
Zeit  bekannt,  auf  die  aussfrordentliehe  Haufigkcit  and  Verbrfilung  mikro- 
skopischer  Kinschlilsse  von  Fliissigkfilen  \\urde  man  ersl  in  den  let/ten  .laliren 
aufnifrksani.  Die  kleineren  dcrsflbfii  sind  gf\vohnlieh  nmdlifh  oder  eilormii:. 
die  grosserfii  unregflmassig  veriislelt  und  sclilauehartig  in  die  Lange  gi-zogfii. 
Hire  ilher\\ie-ende  Mehr/.alil  isl  niehl  lianx  mil  FUlssigkeit  ausgefUlIl,  sondern 
/eiizt  fin  Hliisclien.  eine  I.ilx-lle  ,  \velfhe  sicli  in  Folge  der  unmerklichen  Ei7.it- 
teruniien  des  Mikroskopirtiselies  sehr  hiiuliii  rastlos  umherkreisend  liewe^l.  Die 
cini-fsi-hlossene  l:lils.-i;^kfit  ist  enlN\eder  eine  \\iisserige  Solution  von  Chlor- 
natrium.  Clilorkalium  oder  Sulfalen  von  Natron,  Kali  und  Kalk  oder  alu-r  Iliissiue 
Kohlfiisiiure  let/.Iere  /..  B.  in  granitischen  Quaraen  .  In  manclien  angensfhein- 
lieli  eine  Sal/liisung  enthalto ndcn  Gfsleinsporen  sind  \Vilrfelchen  von  Steinsalx 
ausgfsfliifden,  vvelche  bei  Berilhrung  mil  der  beweglichen  Libcllc  \on  dieser 
l'or(L:t\scliol)en  \\erden,  also  Irei  in  der  Mutlfrlaugf  lifgen  (/.  B.  im  Quar/e  des 
(iranits  von  ^Johanngeorgenstadt,  des  FelsilporpliNivs  aid  Arran,  des  Zirkon- 
sNenites  von  Laurvig;  Fig.  3). 

Die  KliissiiikeitseinschlUsse  erreichen  sellen  mehr  als  0,06 
Mm.  im  Durehniesser,  sinken  dagegen  zu  solcher  Kleinheit 
herah.  dass  sio  selbsl  bei  lOOOfacher  Vergrosserung  als  kauni 
\valirnehiiihaic  Punkte  erscheinen.  Das  Dimensionsverhallniss 
\on  Flttssigkeitseioschlutt  und  Libelle  ist  ein  vollkommen  un-  FiF: :!-  F1.f'sji«k(;itM<i": 

scnluss  mil  Libelle  una 

bfstinnnles,  so  dass  sich  in  ein  und  demselben  Krystalle  grosse  Kochsaizwiirfeichen. 
Fliissiiikeilseinscliliisse  mil  ausserordentlich  feinen  Bla'schen 
dicht  neben  sehr  kleinen  Einschlilssen  mil  sehr  grossen  Libellen  finden.  Das 
Hliisehen  kann  denmach  nicht  durch  Zusammenziehung  der  erkaltenden,  urspriiniz- 
lieli  den  gauzcn  Hohlrauni  ausfUllenden  Fltlssigkeit  entstanden  sein,  weil  in  di(>- 
sem  1'alle  die  (iriisse  heider  in  einem  ganz  bestimmlen  Yerhallnisse  stehen  mUssle. 
I'n/.wf  iff  Ihal'l  aher  ist  es,  dass  die  mikroskopischen  Fltissigkeitseinschlilsse  ]jei  der 
Bildung  des  Ciesleins  von  Iclzlerein  umfasst  wnrden,  also  ursprUnglich,  nicht  fl\\a 
sj)ater  iniiltrirl  worden  sind.  Ihre  Gegenwart  weisst  deinnach  darauf  hin,  dass  bei 
der  Kntstelmng  ihres  Muttergesteincs  Gase  oder  Dainpfe  thatig  gewesen  sind, 
\\flelif  .sieh  lieim  Krkalten  eondensirlen.  Die  FlUssigkeitseinsehHlssf  trelcn  enl-,\e- 
der  \\iri  dnreh  einander  ufstrcut  auf  oder  sind  zu  sich  verzwcigenden  und  dann 
\\ieder  \crfinigf nden  Xonen  gruppirl,  vvelche  die  Substanx  des  sie  einsclilies- 
senden  Miuerales  dnrchziehen.  Am  haufigslen  sind  FlUssiiikeilseinsehliisse  his 
jet/I  heohaelilel  \\onlen  in  deni  zuni  Theil  ganz  von  ihnen  angffiilllen  Quar/e 
derGranitf.  Gneisse.  Porphyre,  im  l''elds])alh(¥  /.  M.  uahhroiilinlieher  hasalle 
von  Mull  mid  des  (iablu-o  auf  Skye,  im  Ncphclin,  ()li\in  und  Leucil  eehlcr  -e- 
flossener  Laven  sowie  vieler  Basalle. 

Von  den  oben  er\\alinlen  Glaseinsehlilssfn  unterscheiden  sich  die  FlUssig- 
keitseinsehliisse  dnreh  ihre  breile  und  dunkeh1  Ranclbegrenzung  im  Vergleiehe 
mil  der  schmalen  der  ersteren ,  durch  die  schrnale  Umrandung  der  Libellen. 
\vahrend  die  Hliisehen  der  Glaseinschliisse  mil  fineni  dnnkelen  und  biviten  Kandc 
\ersehcn  sind,  ferner  meistenlhcils  durdi  die  liewegliclikeil  der  Libellen  (zu~ 


\\cilen  jcdoeh  iincli  foislcheml  iinil  dnrch  die  Farblosigkcil  lines  Inhallos  itn 
(ic.ucn.sal/c  xu  der  oft  gelblich  grilncn  odcr  bniiinlichen  Farbc  der  (il;issiil»s(;in/. 

Kndlich  si  nd  in  den  kryslallinischcn  (icmenglhcilcn  \jelcr  Kmpli\  ^eslcinc 
mikroskopische  I'D  re  n.  also  llohlraumc  son  eiforiniger  odcr  kngcliger  (iestall 
\erbrcilcl,  \\elche  gcnaii  \\  ic  die  grosseren  Hlasen  y.nhlrcichcr  l.axen  (lurch 
empoiMeigcndc  nnd  iin  erkaltcnden  Magma  sleeken  blcibcnde  (ins-  odcr  Dampf- 
blascn  uebildet  \\iirden. 

Mine  /\\citc  Aufgabe  dcr  mikrokopischcn  Gesleinsuntersuchung  isl  die  Kr- 
initlcluni:  dcr  .M  i  k  ros  I  rncl  u  r,  also  dcr  ciircnlliclicn  Vcrl)indniiL:.s\\  cisc  dcr 
Mirieraleletoente  :  I'>s  sind  nnincntlich  /,\\ei  Bauptresulta£e,  /u  dcncn  iiuni  hicr, 
iichinizt  1st.  Auf  dcr  cincn  Scilc  lint  sich  iic/cii;t  ,  d;iss  die  ulnsarliiicn  nnd 
hnlh^l.isiucn.  nnschcincnd  honio^cncn  Geslcinc  an^efiilll  sind  von  inikrosko- 
pischcn  Krvslitllchen  Mikrolithen  ,  nnderseils,  dnss  nnschcincnd  LilcichinJissii: 
korniirc  (icstcinc  niclit  nur  nus  individualisirlcn  Mincrnlclcinenlcn  hcslclicn. 
sondcrn  dass  sich  z\vischen  dicscn  die  glasiii(Mi,  amorphen  Reste  dcs  rasch  (vr- 
slnrrlcn  nrspriingliclicn  Mnijinns  (M'h.Hten  habon.  Dies  ist  z.  B.  bci  den  nieislen 
Basaltcn,  ]>ei  viclon  Phonolithen,  Mclaphyren  und  Dinhasen  der  Fall.  Sellist 
tlie  \\  ie  das  vollkoinmenste  Gins  nusschenden  Obsidinnc  sind  von  Mikrolithen 
(Iiirclisch\\nrnit,  cbenso  die  Pechsleinc  und  Perlile.  Solche  niikroskopischc  Kr\- 
stallausscheidungen  sind  cnl\vcd(M-  fnrblos  oder  undufchsichtig  seh\vai7..  IHe 
crsteren.  die  fail)loscn  Helonite  (fig.  7i  sind  ^c\\ohnlich  cinfaeh  nadelloriniu. 


lig.  geradlinig  und  an  beidcn  Knden  stumpf  abgestutztj  keulcnfonnig  \erdickl 
ode  gnbelig  gezackt,  zmveilen  sind  sic  /u  slernfdnnigen  Aggregnlen  mileinander 
verbunden  oder  in  mehrcrc  hinter  cinander  licgende  Glieder  nnl'geldst  und  end- 
lich  hakcn-  oder  schleifenlonnig  gcbogen.  Neben  den  durehsichtigen  \\nssor-- 

hellen ,  in  grb'sseren  Exemplaren  das  Lichl  polarisi- 
renden  Belonilen  erscheinen  in  den  glasigcn  (icstcincn 
lange  und  ausserordcntlich  dtinne,  undurchsiclitige. 
cincm  sch\\nr/en  llnnre  iihnliche  Krjslnllnusscheidungen 
i  T  r  i  chile  fig.  5).  Sic  beschreibcn  schr  gcxvohnlich 
schlcifcnnrligc.  /ick/.nckfiirniigc.  schrnubcniihnliclie  \\  in- 
dungen  oder  strahlcn  \on  eincin  eeulralen  Magnclciscn- 

steinkorne  allseitii.'  nus.      Dcrarliiic  Mikrolithe  und  X.\\;M 
Belonlte  (dnrohsiehtige 
Mikroiitii-i.  Belouile  so\\olil  nls   Ti'ichite    sind   in  der  glasigeri  Ge- 

slcinsmnssc  schr  iin^leichmiissig  \ertheill,  stellcn\\  eise   ist   diese   gnnx   frci  davon. 
andci-cn    I'unklcn   lieu;en    die  Ausseheidunkeo   \\irr  durch  cinander,   an   noch 


sind    sic    parallel   lichen    cinand( 

1 


Trichite  lliaarf»nnij;c,  scliwar/.c  Mikrolithe). 


slroniarlii;    /.u    Bandcrn    an^cordnet. 

*-J  ' 

\\clchc  sich  \\cllig  hin  und  her  \\  indcn. 
sich  urn  iin  \Vegc  licgcndc  Kr\stnllc 
l>icgcn  oder  sic  iiin/.ingcln.  I'-s  isl  dies 
die  Krscheiiinnu  der  .M  i  k  r  o  f  I  u  c  I  u  n  - 
t  ions  t  met  n  r  siclic  png.  -'  I  und 


und  7J.     Aus    ihr   gchl    hcrvor,    dnss    sich    das    nrspriinizlich    glnthllils- 


si-c    Magma  jencr  glasnrligcn   Geslcinc,     iiaclideni    sich   bercits  ein/.clnc  uriissere 
Krystallc   und   un/ahlige  Mikrolithe   ans   ihin  ans^eschiedcn  lialten.    noch   in  eincin 


II.      lVtn)UI,l|)|li>rllC 


29 


dcrarliucu   Xnslande    dcr   IMa>licital    belaud,     dass    es    sicli    nodi    cine    Xcil    lani: 
iu   diirclieinander    Iliessendcr   He\\ei:mii:    erliallen    komitc.      Kbenso   \\ie    in    den 


\MA  If '   £>  •      fZ  *^~Zrtfff f  "Ti          I"*   Rd 


6.     MikrAfliirtiiatitiiisstrnrlnr  im  Obsidian.  Fig.  7.     Mikrofluctoationsstrnctnr  im  Perltstmn. 

diiivlians  da.siiien  oder  lialbulasiuen  (icsicinen  \\icdcrhollsichdiese  Fluclnalioiis- 
slriictur  aueh  in  dein  aniorplicn  (Jrundlciii.  der  soizenanntcn  X\\  i.M-liendran^nniis- 
iiiasvc  der  diehleii  llasalle.  Mclapli\re  n.  a. 

Kin  rernerer  \Vc^ .  den  man  xnr  Trennunij  der  (lesleinsbeslandlheilc  bc- 
liul's  deren  rulersuelinnu  aii/.ii\Neiiden  pflc.ul,  beslehl  in  der  I'ulxerisinmii  des 
Cesleines  mid  Soiideninu  dcr  \erscliieden  scliweren  (iemen^lheile  dnreli  Selilam- 
IHIIIIL:  .ml'  einer  iieneiiilen  (ilastafel.  Die  ein/elnen  y.iemlich  izleieliarli^eii  All 
laucrnnucn  kimnen  dann  einer  Unlersnclmiii:  mil  der  Lnpe.  dem  .Mikroskop 
oder  cliemisclien  Iliiirsmilleln  unler/oyen  werden. 

Kin  empfehlenswerthes  Verfahren,  wodurch  naeli»e\\  iesen  \\erdcn  kann. 
ob  mikrokrxslallinisclie  (iemenullieilc  eincs  (iesleines  in  Siiuivn  loslieh  siiul 
oder  niclil,  beslclil  darin  .  dass  man  das  belrell'ende  (ieslcin  xn  einem  liroben 
I'liher  rcibl .  in  \Nclcltem  man  mil  dem  .Mikroskope  die  einxelnen  Koi'ner  nach 
l-'arbc.  I'olarisalionss erliallen  u.  s.  \v.  xu  nnlerselieiden  im  Slande  isl.  Kin 
anderer  Tlieil  des  I'nhers  \\ird  mil  Salxsiinre  izekoelil  und  dann  j:ul  ausue- 
\\asclien.  Veruleiehl  man  die  so  behandelle  I'liKermcnize  mil  der  in  urspriinii- 
licliein  Xnslande  belindliclicn.  so  cruiebl  sicli  dnrch  das  Versclm  undensein  ir^end 
cines  Mineralelemeoles  (lessen  Aufloslidikeit  oder  Xerselxbarkcil. 

(ieuissc  Bestandtheiie  der  Gesleine  namenllicli  Magneteisenstein]  lassen 
sich  naeli  (lessen  I'liKcrisirnni:  dnr<-li  An\venduiiL;  des  Mai-nclcn  isoliren. 

In  alien  Fallen  isl  das  spccilisclie  Ccuichl  des  (Jesteines  xn  crmillcln.  aiis 
\\elehem  sieli  niclil  sellen  sicliere  Scliliisse  auf  (lessen  minernlo^ische  Xusammen- 

liz  xielKMi   lassen.      So   koimen   x.   h.  (lesleine.    \\elclie   ein   lieriniieres  speei- 

•s(ies\ielil  besilxen  als  der  Labrador,  nie  OcMnen^c  \on  Labrador  und  Au- 
:^il  sein.  denn  da  das  speeilisclie  (Jexvicht  des  Antilles  grosser  isl  als  das  des 
Labradores.  >o  k.inn  sicli  das  speciliselie  (ic\\iclil  der  Labrador-Aiiiziliieslciue 
nur  in  den  (ireny.<-n  x\\isclieii  d<-m  dieser  bciden  .Mincralien  bc\\eu.-n.  (ie- 
menule  Silicaliiesh-ine  boil/en  ein  um  so  hiilieres  speeilisclies  (icuirlil  j(-  M,.- 
rintier  dcr  (icliall  an  Kieselsiiure  mid  je  grosser  dcr  an  Hasen  isl.  —  Audi 
die  IViifiiiiL:  dcr  Marie  dicliter  (iesleine  erlaubl  xn\\eil<-n  Scliliisse  aid'  deren 
mincralische  (lonslilnlioii .  x.  U.  auf  die  Ab\\esenlieil  oder  (JeL'etmarl  \on 
ireier  Kicselsanrc. 


HO  II.    IVtrotiriiphisrlio 

Mil  dcr  physikaliscfoen  muss  die  ehcmische  (JnterSQChutlg  der  Gesteine. 
die  IVilfung  ihres  Yerhaltens  geizen  Siiurcn.  ihre  Schmel/barkeit  ,  ilir  sonsliges 
Yerhalten  MM'  dent  Lb'throhrc  llaiul  in  Hand  gehen.  Dureli  Bauscbanalvsen 
\\ird  die  allgemeine  chemische  Zusammenset/.ung  eines  Gesteines  ermittelt,  doch 
ist  es  inituntcr  mb'glieh,  aus  derselben  Schlilsse  auf  die  Natur  tier  dasselbe 
constituirendeo  Mineralien  ab/.uleiten.  So  inUssten,  um  einige  Beispiele  an/.u- 
luhren  .  uemengle  Orthoklasgesteine,  deren  Kieselgehall  inclir  als  l\->.-2  Procent 
belraut,  nolliNM-iidipT  \Vcisc  Ouaiv.  cnllialtcn ;  —  ein  HornhlciHlc-Orthoklas-lic- 
sU'in  dcssj'ii  Kicsclsiiin'CL-clialt  drill  dcs  Orlhoklas  ulcichkonunl .  cntlialt  fltcii- 
lalls  IVeie  Kiosclsiiurc,  da  der  Kioselsauregelialt  dcr  Hornl)lendc  I)*M  \\citciu 
ucringer  ist,  als  der  des  Orlhoklases;  -  -  in  einem  Orthoklas  mid  Oliizoklas 
haltcnden  Gesteine  liisst  sich  aus  dem  Verhaltnisse  des  Kali  und  Natron  auf 
das  Vorherrschen  dos  einen  oder  anderen  Feldspathes  schliessen.  Durch  gc- 
srhickte  Interpretation  der  Bauschanalysen  ist  es  zuweilen  sogar  moglidi,  das 
.McnizunirsYf-rhaltniss  der  Mineralelemente  eines  Gesteines  wenigstens  annahernd 
mil  um  so  grosserer  Wahrscheinlichkeit  zu  ermitteln ,  je  weiiiger  GemengUieite 
man  zu  bertlcksichtigen  hat.  Die  wichtigsten  Resultate  Uber  die  mineralische 
Xiisainmensetzung  der  dichten  Gesteine  verspricht  jedoch  das  Hand  in  Hand 
(it-lien  der  chemischen  mil  der  mikroskopischen  Gesteinanalyse,  welche  sich 
Lic^-nscilii:  crganzen  und  ihre  Schwiichen  ausgleichen  werden. 

Eine  bedeulende  Erleichterung  in  der  Bestimmung  der  Gemengtheile  mancher 
didilor  Gesteine  gewahrt  die  nicht  seltene  Erscheinung,  dass  dichtc  Varietalcn, 
\Ncnn  auch  oft  erst  in  bedeutenderen  Entfernungen,  allmahlich  in  deutlicli  kornigt1 
iilK-rgehen  oder  wenigstens  stellenweise  einzelne  ihre  Gemengtheile  in  grb'sscivn 
Individuen  ausgeschieden  enthalten.  Auch  die  Vervvitterung  der  Gesteinsober- 
tliichcn  giebt  mancherlei  Aufschuss  tlber  die  Zusammensetzung  der  Gesteine, 
\\ril  deren  \  erschiedcnartige  Gemengtheile  von  der  Verwitterung  verschieden 
stark  angegriffen  werden.  Auf  derartigc  Verhiillnisse  muss  desshalb  bereits  bei 
I  nhTSUchung  der  anstehenden  Gesteinsmasse  Rtlcksicht  genommeu  werden. 

§  8.  Classification  der  Gesteine.  Bereits  in  §  5  wurde  auf  den  augen- 
lalligen  I'literschied  zwischen  krystallinischen  und  klastischcn  Gesteinen  anf- 
mcrksam  gernacht.  Er  ist  so  durchgreifend  und  scharf,  dass  er  fUr  eine  natiir- 
lichc  Gnippirung  der  Gesteine  als  HaupteintlK'ilungsprincip  festgehalten  wt-nlt-ii 
kann.  \Vir  erhalten  dcmgcmiiss  zwei  ui-iissei'e  Abtheilungen.  nehmlidi: 

I.  Kryatailinische  (ieslei  ne,    beslehend  aus  mil  einandcr  vfr\\,icli 
M-iicn.    gegensritig  innii:   \-(>rbundencn.   irleiclialtcrigcn  Mineralindi\  idncn   in   ilircr 
diirdi   ilirc   Knlslehungs\N«'ise  bcdingtert  Gestalt  und  Lage. 

II.  Klastische  Gesteine,  bcslchcnd  aus  zerlrilmmerten  und  zerklcincrtcn 
idlcrcn   (ie.slcinen,    deren    Bruchslilcke    in    den    meisten    l;;illen    (lurch    ein    erst 
spiiler  entstandenes   Bindemittel  /usanimen  gehalleir  werden. 

Die  Individuen.  als  deren  inniges  Aggn«gal  die  kr\stallinischen  Gesleine  /u 
betraeliteii  sind.  kiinnen  ent\\cder  finer  oder  mehreren  Mineralspecies  ;m- 
m'hiiren.  Demgemiiss  y.erfallen  die  krystallinischen  (lexeme  in  x\\ei 
abtbeilungen 


II.  Petrographische  Geologic.  Ml 

I  fin  I. ic ho,  Ai:iiveuate  von  lndi\ idnen  einer  Mineralspecies  (z.  B.  .Marmor, 
(Mil  Agiireiial  Mm  kalkspalh-lndi\idiirn  . 

:'  iiemeniite,  AiZi:ivsj:;ilr  von  Individuen  melirerer  Mineralspecies  (•/..  B. 
(iranit.  cin  Aiiureiiat  \on  l-'eldspath-,  Onar/-  und  (iliimner-lndi\  iduen  . 

Ferner  lassen  sieli  die  rinforluMi  kryslalliniscliiMi  (IcsU'inc  nacli  ilirc  clic- 
iiti.M-liiMi  XiisiiiiiiiHMisi't/iiiiii.  die  iiemenulen  danaeli.  ol»  ilii'e  Sli'iiclur  eine  inas- 
sii-e  \\ie  heiin  (Jranit  oder  eine  uesehielilele  \\  ie  Iteim  (iliiniiUM-scliiet'er  ist  .  in 
kleincre  (iruppen  sondern.  Kiner  Synopsis  der  (iesleine  liisst  sich  demtjeniiivs 
lokcnde  (iliedenini;  y.u  (Jninde  leiien  : 

A.     Krystallinische  Gesteine. 

I.     Einfaclie  Gesteine. 
1.      l-lisiiestciiie. 
:'.      llaloid^esteine. 
M.      Kiesclfieslcine. 
4.     Silicatiresleine. 
•">.      Kr/.i;esleme. 
6.      Kolilenij;esteine. 
II.    Qemengte  Gesteine. 

a.  ntiissige. 

b.  geschielitele. 
i:      Klastische  Gesteine. 

1 .  lose  Accumulate. 

2.  Sandsteine,   (longloinerale,   Breccien. 

3.  Thongesti'inc. 

4.  Tulle. 


b.  llebersicht  der  Gesteinsartcn.  ) 

1 .  Clnsse.  Krystallinische  Gesteine. 
\ .  Ordnung.  Einfache  Gesteine. 

1.  Familie.  Eisgesteiue. 
I.   Eis. 

.Naeh  seiner  KnlsUM1uini;s\N cise  untersehcidel  man  das  Kis  in  Se  h  n  ee  -  \\  i  s 
nnd  \\asscr-Kis  und  ersteres  nach  seiner  pelrographischen  BescluiHenheit  in 
Selinec.  l-'ii'n  nnd  (Ilelselier-Eis. 

Der  Sell  nee  isl  ('in  loses  Aiiiii'e^al  von  Nadeln,  Lamellen,  KonuM'n  nnd 
l-'locken.  entstelil  (lurch  Niederschlai^  der  atmospliiirisclien  Fiuichli^keit  und  hildd 
in  der  ohersten  Heiiion  der  Boohgebirge,  sowie  in  den  Polargei^enden  ausge- 
dt-liiile  und  inaelili^e  Ahlauernntzrn. 


'     Hi-i  ilit-MT  I Clu-rsiclit  der  Gcslfiii-iii-tcii   li.il   cs  sich  nls  uiitlmiilicli   cr\\icscn,   1:1  •  \visse 
BezeichBUDgeD  xu  \ci-inciileii,    wclcln-  «'isl   in  den  AbsclinilliMi  ulu-r  liislorische    und    d\n;i- 
ilnv   Krkliinini.'  lindrn  \\crd<Mi.    Ks  \\inl  dcsslinlh   hicnliirch   ;uil'  die   lictrct'- 


'.\'2  II.  I'clro^rapliisclic 


Der  Kirn,  cin  AIIIMVIMI  \on  loscn  oder  (lurch  F.i.M-rment  verbnndenen 
blendend  \veissen  EiskOrnern,  enlsleht  in  iierinLicren  lli>hen  dcr  Hochgebirge 

[\on  ct\\a  :ni)OM.  ;il»\\  iiils1  durcli  Versi-limel/uiiii  des  lloehschiiccs  /.u  Kiskiirnern, 
\\rlrln-  xcil\\cise  duivli  d;i/\\  isrlien  sickerndes  und  irefrierendes  \Yasser  y.u  einer 
niehr  oder  minder  I'eslcn  .Masse  \erkitlel  \\erden  kiinnt-ii. 

l);is  (i  I  e  I  sell  er  -F,  is  .  cin  knstallinisch  knrniL'cs  Aui:rei:at  son  dieht  mid 
iininillclkii-  xusammen  ^cscliiiiol/ciicn  li;irlcn  Kiskiirnern,  cnlstclit  in  dcin  nnicr 
li.ilh  ;'.">(HIM.  M.-ci-csliiilic  liriicndni  \i\«-;in  dcr  l!oclii:clm-;jc  dmrli  /nsjiinnicn- 
sclinn'ly.uni:  dcr  Kinieiskiirncr.  Ivs  isl  p;ir;illcl  dcr  Gietscheroberflftche  inchr  (idcr 
minder  denllicli  schicliU'iuirliu  lichiiiulcrl.  von  ;msscrordcnllicli  Icincn  mid  /.ihl- 
rcichcn  II;i;irs|);illen  dmvlidrim-cn,  mid  hesil/.l  in  tinissercn  M;isscn  cine  sclione 
lil.inc  l;iirlmnii,  \\iilirend  kleinerc  Stileke  I'iirhlos  sind.  Die  (ilelscher  ci  rciclien 
illter  •')<)!)  .M.  Miiehli|:keii  .  llu-  Yorkoimnen  ist  ein  doppelles  :  erstens  in  der 
RochgebirgSZOne  tier  irem;issii;leii  und  heissen  Liindcr  x.\\  ischen  deni  Firn  und 
dcr  Sclimel/.linie  des  Kiscs  Alpen^lelscher)  ;  Zvveitens  in  den  (lehirizs-  und 
UUgellUndern  hiilierer  Breiten  (Polargletscher),  \\o  sie  ihre  Knden  l»is  in's  Meet- 
liincin  slreeken.  in  \\  clc-liein  dieselhen  \on  den  \\ellen  /erstilckelt  und  ;ils  Kis- 
iKM'i-e  I'orliieti'ielten  >\erden. 

l);is  \\';isse  r-F.  is  hildel  sich  (lurch  AussoheiduHg  luidcHonni^er  I'.iskrx- 
sl.ille  soxvohl  atif  der  Olierlliiehe  \vic  ;iuf  deni  Grunde  der  Gewiisser  (Gruiul- 
l-'.is  .  1'j-sleres  ist  dielil  ,  luirl,  durehsiehliii  ,  weisslich  oder  grtlnlieh,  lel/.(crcs 
sc|i\\;iniini^,  locker  und  \veil  ordige  und  sandii?e  Theile  <les  Hodens  unisi-hlies- 
send,  schinnl/ii;  liefiii'hl.  Die  1'olarmeere  sind  die  Heiinath  des  unverganglicben 
Wasser-I'lises  ,  sie  tragen  eine  f>  his  K>  Meier  iniieliliue  Kisdecke  .  \\elehe  im 
Soninier  nur  /uni  Tlicil  in  Sehollen  Dficfat  und  von  der  Slronmni*  \Nei4izefilhrt 
\vird,  /inn  Tlieil  al>er  aneh  lantie  .lahre  hindnrcli  reslbleibt. 

2.  Fomilie.  Haloidgesteiue. 

Minlache  kr\slallinischc  Gesleine,  deren  inineralische  Beslandtheile  der  Classe 
der   llaloide   und  der  Gruppe   der  el>eni'alls  sal/Jilinlielien   Chloride  und    Fluoride 
leiehter  Melalle  angehoren.      (z.   B.   Koclisalz,   Gyps,   Kalkspath,    Dolomitspalh  . 
•2.   Si  ein  sal/. 

Das  Sleinsalx  ist  ein  blattcM'i^es,  korniijes  oder  faseriges^Aggregat  des  .Mineralcs 
Koehsalx  und  hesleht  \\  ie  dieses  aus  Chornalrinm.  Seine  leichle  l,osliehkeit 
in  \Vasser,  sein  sal/i^er  Gesclnnaek  nnd  seine  aiisuexeiclmelc  hexiiedrisehe  S|>alt- 
barkeit  inaclien  es  leichl  kenntlieh.  Abiindernnizen  in  deni  Lienaiinlen  Noi'inal- 
licsi.iiide  \\erdcn  (lurch  heiniischiinueii  \on  Chlorcaleium  nnd  Chlormagnesiuui, 
\\elchc  deni  Sleinsalxe  die  l-j^enschat'l  erlheilen,  Feiu-hliiikeil  aus  der  l.ul'l  an- 
xuxiehen.  so\\  ie  \on  (llilorkaliuin  hcr\  or^ehrachl.  Andere  Beimengungen  \crlcihen 
deni  urspriiniilieli  farl>losen  Gesteine  maneherlei  Fiirbungen.  So  fiirhl  cine  ue- 
rinue  Beimeniiiinij;  \on  Kiseno\\d  das  Sleinsalx  roth.  \on  KupfergrUn  oder 
Kupfcrchlorid  j^riin  oder  blau  ,  von  Bitumen  i-rau  oder  blan.  \\iihrend  cndlich 
Thon  hiiuliL;  als  Yernnrciniizniifi  auflrilt  Thoiisalx).  An  manehen  I'uiikleii  seines 
Yorkoinmens.  so  in  Stassl'url  bei  hernbnrL:,  namenUieli  aher  in  \\ielicxka  ent- 
hiill  das  Sleinsalx  Blasen.  \\clche  mil  \erschiedeneii  (iasen  \\  assei'stolV.  Kohlcn- 
siiure.  K<tlileiio\\d  ^efillll  sind  Knislersalx)  . 


II.     l'cli'(ii;r,i|ilii>rlif 


Das  Steinsal/.  i.sl  ent\\eder  inir  undeullirh  oder  uar  nirlil  ijeseliielitet.  In 
Slassl'url  \\ird  rs  dmvli  diinnc  paralleie  Lagen  Von  Anhydril  in  reirelinassiije 
Hankc  Ljcsouderl.  Ks  bildel  machine  Lager  inul  Slbcke  x.uiselicn  Thon,  (i\p>. 
Anhydrit,  Merge  I  mid  Doloinil.  Die  Sal/lagersiiiite  \».n  Sliissfurl  ist  iiber  :UO, 
die  l>ei  S|)eivMberg  im\\eil  Uerlin  erholn  le  ^c^cn  1:500,  die  von  \Viclir/.k;i 
slcllcn\\ cisc  iiluM- 1  iOO  M.  iniiclitiir.  Die  Altl.i^cnin.ucn  drs  Sli'insiil/.cs  sind  ;uif  kcinc 
besiimrote Formation  hcsc-liriinki,  sic  Nci-ihcilcn  sich  vielmehraufdieganzesedifneTi- 

tiirc  Schichtenreibe     \\io   dies   ;ms    Inliiciidcr  t;iln'll;ii-isclici%  rchcrsichl 


Formation. 

Ijocalitiit. 

Hildiini.'!'!!  tliM1  Jt-lxl/cil. 

\\  uslcnsalx.  dcr  Kir^isrnslopiir,    in  Araltifn,   in 
Siidainci  ik;i. 
Sccsiil/.   am    Todlcn   Mrci-c  ,    iiin  (ii-osst'h  Salz- 
scc.     (Utah.) 

Teriittr. 

l.aiii'rsliilU'ii  von  Cardona  in  CataloniiMi,  Hier^ 
liczka  und  Itochnia  in  (ialixicn,  —  in  Siebeobiirgen, 
"RIcTnasitMi  und   Arnicnicn,   —  von  Hiinini  in  Halicn, 
in  Louisiana. 

Krcidc   mil    WciildtMi. 

Suulc  \on  Hndrnlirrii  :iin  Dcistci',  \\rslpliidisclir 
Sool(iuelliM).  (Unna.) 

.hint. 

Keuper. 

Lotliringcn,  Hall  in  Tirol,  HallHn  und  Hcrclilt-s 

.uadi-n  (lu'i  Salzburg). 

hfoachelkaik. 

Am  obcren  Neckar  und  Koclu-r  (WiirliMnhci^) 
Krnslhiill  und  Stoltcndicim  ;Thiirin^cn). 

Buatsandstein. 

Ihmnovcr,  Schuningcn  bci  Brauus<  liNsciv',  Salz- 
dcrheldtMi,  Kiii-land. 

D\;i^. 

Hci  Gcra  ,  Artern  (Thiiriniicn)  ,  Slnssfurl  .,  Kir- 
i:isfnsti-|)|)f  am  llckllussc. 

Sti-iiiknldiMiriii-iiiidiun. 

Am  kanavvha  und  New  Rivor  (Wcsl  Virginia), 
im  cn^lischcn  Steinkohlengebirge  \on  Durhain,  Hri- 
slol  u.  a.  L. 

l)r\o|). 

Silur. 

\\Vst  Virginia  ;  ItciSalina  und  Syracuse  iinSlaalc 
New-  York,  Ix-i  Sa^inaw  in  Michigan. 

3.  Gyps. 

l);is  (iNpsircsioin  ist  cin  spiilhigcs,   fiiscriges,   schuppis^es  odor  kornigcs  his 
dichtcs  Ai:i:rcii;il  von  Gyps-Individuen,   heslcht  nlso  aus  wasscrhalligem  scli\\c- 
Knlkc.      Kin   \oi  y.il^lidics  Unlerschoidungsmerkm;il  dcssclhcn   \on  an- 


dcivn  iilmlicli  aussehondcn  Goslcincn  •/..  H.  i;c\\isscn  Kalkslcincn  ist  seine  Wcich- 
hcil  und  seine  Unliislielikcit  in  Siiuren.  Seine  ursprllngliche  Farl»e  ist  /  \\ai- 
\\eiss,  \\m\  jcdoeli  (lurch  Heinu^nuungen  .  von  liilinncn  und  Thon  in  cine  grnuc 
und  dureli  solche  von  Kisenoxyd  in  cine  gelbe,  rolhe  und  braune  ver\\andell. 
Nelten  den  einfarbigen  trcten  geflcckle,  uesin-il'le.  \\olkii;e,  inannorirle  flypsc 
auf.  Nach  Verschiedenlieilen  in  ihrcr  Slrueiiir  iinterscheidel  man: 

Spiithigen  Gyps;  A^ieLMi  \on  /.inn  Thcil  fusslangen  Individuen,  so 
/.  H.  in  der  Marienhiilile  bei  Heinliard.sbi'unn,  ja  von  lachtergrosson  Individuen, 
so  in  dem  Steinsal/be/irke  von  Wielic/ka. 

C  r  e  d  n  e  r,  Elcmcnto  d.  (ioolo^io. 


:U  II     PetfOgraphische  Geologic 

l-'.ise  ru\  ps :  Aii^iviMt  \on  seidenglttrizenden  Fasern ,  \\elehe  meist  senk- 
reelit  aul  den  BegPenXUngsflttchen  der  IMatten  stehen,  die  dieses  (ieslein  /\\  iselien 
kbrnigem  (l\pse  liildet. 

Diclilen  (i\ps;  ausserordentlieh  I'einkiirnig,  sehr  ha*llfig  schneeweiss  und 
;ni  den  Kanten  dureliselmeidend,  diinn  Alabaster  tienannt. 

Kbrnigen  Gyps:  Lttniigeft  Aggregat  YOU  weisser  oder  lichter  Farbe,  oft 
mil  diinklen  Fleeken  und  \Volkcn. 

In    den    beiden    letzlgenannlen    Viirietiiten    kommen    namonllich    Bergkrvslall 
bei  Fahnern  in  Thiiringen)   und   Boracil  (hei  Lttneburg  ,  ferner  Aragonil,  Coe- 
lesiiu.    Sehwefelkies  und  Sehuel'el     Spanien  und  Sicilien)   als  zuftllige  Gemeng- 
llieile  vor. 

Der  (iyps  is  I  ije\vohnlieh  ungesclu'chtel  und  bildel  in  der  Reizel  linsen- 
oder  stocklonniiie  Einlagerungen ,  \viihrend  pnrallele  Schichlen  vei-hiillnissiiiiissiu 
selien  sind  (Osterode  am  Ilarzej.  Thon  ,  Sleinsalz,  Anhydril  sind  seine  tie\vbhn- 
lielislen  Ik'^leiler.  Durch  Auslaugung  (er  ist  in  420  Theilen  Wasser  loslich  sind 
in  iluii  hiiuliii  Hohlrauine  (Schlollen  entslanden  ,  \velche  zum  Theil  rneilen\veile 
Krslivckuiiii  hesit/en  und  dann  oflers  die  Fundorlc  diluvialer  \Virbellhiere  (z.  B. 
Ursus  spelaeus)  sind.  Seine  Hauptenlwicklung  falll  in  dieUyas,  Trias  und  das 
Terliiir.  So  uiniiiebl  ein  hoher,  6  Meilen  langer  felsiger  Wall  von  Gyps  der 
DyasformalioD  den  Stid-Rand  des  Harzes  von  Sangerhausen  bis  Oslerode,  eben- 
so  gehbrt  der  bereits  erwahnle  spathige  Gyps  von  Reinhardsbrunn  der  Dyas  an. 
Miichlige  Einlagerungen  von  Iriassischeui  Gypse  sind  namenllich  in  Tlillringen,  in 
den  Neckargegenden,  bei  Ltineburg  u.  s.  w.  bekannl. 
\.  Anhydrit. 

Das  Anhydrilgeslein  isl  ein  grobkbrniges  bis  dichtes  Aggregal  von  Anhydrit- 
Individuen  und  bestcht  \vie  dieses  Mineral  aus  schwefelsaurem  Kalke.  Vom  (i}[>s. 
mil  \\elchem  er  vergesellschaflet  vorkommt,  unterscheidet  ihn  seine  grbssere  Hiirte 
(3 — 3,  5  gegen  1,5 — 2).  vom  Kalkstein,  mil  dem  er  zuweilen  grossc  Aehnlii -h- 
keil  hal ,  namenllich  sein  Nichtaufbrausen  mil  Siiuren.  Weiss,  hellgrau,  hellrolh- 
lich ,  hellblau  sind  seine  gewbhnlichen  Farben.  Er  ist  selien  und  dann  nur 
undeullich  geschichtel.  Vereinzelt  trill  er  in  dilnnen,  parallelen  Lagen  Schnliren) 
zwiselien  anderen  Gesteinen,  so  im  Sleinsalze  von  Slassfurt  auf. 

Das  geologische  Vorkommen  falll  mil  dem  des  Gypses  zusamrnen.  Duicli 
Aufnalime  von  Wasser  gehl  der  Anhydrit  leicht  in  Gyps  ilber,  und  cs  sind  daher 
die  von  ihrn  gebildeten  Gebirgsmassen  gewbhnlich  von  einer  miichligen  (J)ps- 
krusie  bedeckl.  Aus  dem  auf  den  lelzlen  Seilen  Gesaglen  gehl  hervor,  dass 
(i\ps.  Anh\dril  und  Steinsalz  sehr  gewbhnliche  Begleiler  sind.  ICinige  der  \\ieh- 
tigslen  der  deutschen  Fundorte  des  Anhydrites  sind:  Oslerode  am  Harze,  Slass- 
furl  bei  Magdeburg,  Lllnebiirg.  Sulz  am  Xeckar,  Hall  in  Tyrol. 
5.  Kalkstein. 

Der  Kalkstom  ist  wesenllich  ein  Aggregal  von  Kalkspath-Individuen,  seinem 
Normalbeslande  nach  wesenllich  kohlcnsaurer  Kalk.  Seine  reinon  Varietiiien  Ibsen 
sidi  unler  lebhaflem  Aufbrausen  in  Sa'uren  vollslandig.  Sehr  ha'ufig  wird  ein 
Theil  der  Kalkerde  durch  Magnesia,  Eisenoxydul  oder  Manganoxydul  vertreten, 
und  ebenso  uewbhnlich  erscheint  die  Kalkmasse  verunreinigt  durch  Kieselsaure, 


II.   Petrographische   Geologic.  35 

Thon  und  bituminose  Substan/.en.  Die  Farbo  dcs  reinon  Kalksleines  ist  \\eiss. 
in  Folge  seiner  BeimenLMingen  nimml  er  jedpch  graue  ,  golbliche  und  briUmlicho 
Fai'lmngen  an  odor  ist  farbig  gellivkl  .  gellammt,  geslroift  odor  marmorirt.  Naeli 
seinon  Struelurverhallnissen  unlerschcidot  man  folgende  Varieffiten: 

a)  k  d  r  n  i  g  e  n  K  a  1  k  s  t  e  i  n  ,  M  a  r  m  o  r ,  ein  grobktirniges  bis  zuckerig-feinkiir- 
niges  Aggrogat  \  on  /inn  Tlieil  y.\\illingsartig  zusammengeset/ton  Kalkspalh-Indi- 
viduen.  \\elehe  nach  alien  Richtungcn  durch  einander  geuachsen  sind ,  und 
\\elrhe  man  an  den  verscliieden  laufenden  rhomboedrischen  Spaltiingsniichen  or- 
keimt.  Gewohnlich  isl  dor  kornigo  Kalk  \veiss  und  an  den  Kanlen  durchschoinend 
oder  hollgrau,  hellgolb  oder  hellrbthlich  ,  cinfarbig  odor  marinorirl.  Scin  Roieh- 
lliinn  an  /ufiilligen  Gomengtheilen  ist  gross,  unlor  diesen  sind  Gliimnor,  Gram- 
matit,  Granat.  Spinel  I ,  Serpentin,  Korund,  Quarz,  Apalil ,  Flussspalh,  Maiinel- 
eisenstein  .  Schwefelkies ,  (Iraphit  liervory.ulieben.  Nanienllieh  kann  der  Gliimner 
in  soldier  Mcnge  auftroton ,  dass  dor  Kalkstcin  oin  schiefrigos  Gcftlge  annimint 
und  dann  Kalkulinnnerseliiefei'  gonannt  \vird. 

Schichtung  isl  am  kryslallinisehen  Kalke  bisvvcilcn  sehr  doullich  zu  beob- 
adilen.  liiiulii:  aber  gar  nicht  vorhandon.  Die  Mchrzahl  soincr  Vorkommen  ge- 
liiiren  den  iiltoslon  Fonnalionon  dor  Krdkrusle,  namcnllieh  dcncn  der  lauron- 
liselion  (Inoisse  und  kr\ slallinischen  Schiefer  an,  zwischen  \\elchen  dorselbe 
reiiolniassigo  l.ager  oder  unregelmiissigo  Slb'cke  bildet  so  z.  B.  bei  Trondhjem  in 
Nor\veizen ,  bei  Auerbach  an  der  Borgslrasse,  bei  Drossendorf  in  Miiliren,  bei 
Wunsiedel  im  Fichtelgebirge ,  bei  Burkhardswalde  im  Erzgebirge,  bei  Hermsdorf 
im  Biosengebirge,  im  Alleghany-Gebirge,  in  Canada  und  am  S(ld-Ufer  des  Lake 
Superior.  Die  Mai morlager  von  Carrara  und  andercn  stideuropaischen  Localitiilen 
sind  bei  \Veitern  jilngercn,  jurassischen  Alters. 

Kino  grobkorniizo  Varietal  des  krystallinischen  Kalksteines  ist  der  Ka Ik- 
sin  tor,  \veleiier  namonllich  in  der  Form  von  Stalaktilen  in  den  Hohlungen 
der  KalksletDgebirge  gofunden  wird. 

I)  die  lit  en  oder  gomeinen  Kaikstein;  er  kbesilzt  eine  ausserst  fein- 
kiirnige  ki  \ slallinisehe  Struclur,  \velche  oft  erst  mil  lliilfo  des  Mikroskopes  als 
solehe  zu  erkonnen  ist,  und  einen  flach  muscheligen  bis  splilterigen  Bruch.  Er 
ist  moist  einfarbig,  gelblich,  braunlich  oder  grau,  selten  gefleckt  und  sehr  go- 
\\()lmlich  reioh  an  Thiorreston,  dahingogon  arm  an  zufiilligen  mineralischen  Ge- 
mengtlieilen.  unlor  \volchen  namonllich  Bloiglan/.  Sehwefolkies,  Zinkblende  und 
deren  /n  sH/ungsproduele  \Vichligkeit  bosilxen.  Dei1  gemeino  Kaikstein  zoiehnel 
sicli  \oi-  dom  kb'rnigen  dureh  Deiillichkeit  und  Schiirfo  seiner  Schichlung  aus 
HIM!  s|)ielt  eino  hochst  \\ichlige  Bolle  als  Gliod  fast  siimmtlicher  ^eschichlelen 
GebirgsformaUonen.  Die  dichlen  Kalksleine  sind  hiiulig  durch  Beiinongungen 
\erunreinigt.  Naeh  (Jor  Arl  derselben  unlerschoidet  man: 

a)  thonigen  Kaikstein,  P)  kicseligon  Kalkslein,  y)  dolomi- 
tischon  Kalkslein,  8)  bitu  m  i  nbscn  Kalkslein  (Slinkkalk,  weil  beirn 
Zerschlagon \verden  einen  slinkenden  Geruch  von  sich  gobend).  Ausserdem  be- 
/.eiehiK't  man  die  dichtcn  Kalksteine  je  nach  ihrer  Stellung  in  der  Formalions- 
reihe  als  Kohlenkalk,  Zochsloinkalk ,  Jurakalk,  --  nach  ihrer  Verslcincrungs- 
fUhrung  als  Slringoeephaleiikalk ,  Oi'lhocoronkalk ,  Crinoidenkalk  ,  Korallonkalk, 


'M\  II.    iVtn^rnplii.M'lir    (ieoloi;ie. 

.Nmiiiiiulileiikaik,  mid  endlieli  naeh  ausgexeichneleii  Aiil'sehluss|Mitikteu  uiul  Vur- 
koimimissen  /.  B.  ;ils  Kileler  Kiilk ,  Opatowil/.er  Kalk,  llallstadler  Kalk.  Tron- 
lon-Kalk. 

c)  oo  I  i  t  In  sch  en   Kalkslein;    ruiulliciio  hirsen-  his  erbsen^ro.vse  Kalk- 
korner    von    COnceDtrischf^chaUger,    oft    auch    radial-fasoriger  Zusammensel/ung 
sind  durcli  oine  diehle  oder  online  Kalksteinmasse  zusammengekiUet.     In   ilucm 
Miltrl|)iinkti'   umsehliesseii  die  ein/elnen   Oolilhkiirncr    niclit  selten  einen   fremd- 
arligen  Kiirper,   em  Sandkornchen  odcr  t-in  Musdu-lfragment,  welches  den  eislcn 
Anstoss  /in-  Hildunjj;  dt\s  Koines  i:ei;el)(>n  Ijat.      Zuin  Thril   \\allet  i\\c  Kalkslein- 
iinindniasse    auf  Koslen    der  Oolilhkorner  vor,    /uin  Theil   jedoch    trill   diesellie 
^an/.  /urdck,  so  dass  sich  die  Korner  j;ei:enseitig  berUhren  ;  man  nennl  ein  der- 
artii^es  (leslein,   namentlich   \venn  die  Concretionen   aus  Aragonit   (rhoinbischem 
kohlensanrein  Kalke)   bcslchen  und  Erbsengrosse  erreichen   Brbsenstein  oder 
Pisolith    (i.  B.   von  Carlsbad),   solchc  Oolithe  alter,   deren  radial-fasei'ii;e  Kalk- 
korner  dureh   ein  Ihoni^-nier^elii^es   Bindemiltel   \erbunden  sind,   Roi^en stein 
(/.    B.    bei    Braunschweig,    bei   WolfenbUtlel ,   bei  Bernburg,   bei   Kisleben).      Der 
^e\\ohnliche    Oolith    aus    hirsekorngrossen    Kilgelchen  .setzt   an    der  \Veslseile 
des  Sch\var/.\\ aides,   ferner    bei  Hildesheim  und  Hannover  n»achtige  Schichten- 
reihen   xusnnimen. 

d)  porosen  Ka  Ikslein ,  Kalkluff,  Travertin;  feinerdige  bis  fast  dichle 
oder  auch  porose  ,   blasige,   schwammige,    concenlrisch-schalige    Kalksleinmasse 
von  gelblicher  Farbe.     Sie  trill  in  den   rneislen  Fallen  als  Incruslalion  von  bunt 
y.usammengehauften  Pflanzenslengeln,  Blallern,  Moosen  auf  und  umfassl  zahlreiehe 
Hesle    von    Muscheln,   Schneeken  und  anderen  Thicrarlen,    (z.   B.   Knochen   von 
Kleplias    primigenius).     Als   einige    der  Hauplvorkotnmen  mogen  die  von  Tivoli 
unfern    Rom ,     Baden    bei    Wien ,    Weimar   und    Tonna    in    Thilringen    genannt 
\\crden. 

e)  erdigen  Kalkstein,  Kreide;  ein  weicher  milder  Kalkslein  mil  fein- 
erdiizem,   rnallem  Bruche,   im  reinsten  Zuslande  schneeweiss,   \\eich  und  schrei- 
bend,   bei   einlrelendern    Gehalle  von  Thon  oder  Eisenoxyd   grau,   gelblich   und 
hiirler  \\erdend.    Seine  kleinsten  Theilchen  beslehen  ihrer  Mehrxahl  nach   nicht 
aus    ki'yslallinischen    Individuen ,   sondern   aus  mikroskopischen  Scheibchen  und 
kiiuelchen  von  amorphem  kohlensaurem  Kalke,  sowie  aus  Foraminiferen-Schalen. 
Sehr  hiiufig  enthidl  die  Kreide    neben  xahlreichen  Tliierresten  Feuersteinknbllefl 
als  accessorische  Beslandmassen  sowie  gi'Une  Glaukonitkbrner    als  xufiillige  (Je- 
menglheile   (Glaukonilische  Kreide).     Die  Kreide  bildet,   wo  sie  auflrilt,   seliroll'e 
1-Vlsparlien,   so  namentlich  bei  Dover  und  Calais,   sowie  auf  RUgen. 

<>.  Dolomit. 

Der  normale  Dolomit  ist  ein  Aggregat  von  Individuen  des  Minerales  Dolo- 
mitspalh,  also  Magnesia-Kalk-Carbonal  mil  54,35  Theilen  kohlensauren  Kalkes 
und  i- '),(>;)  Theilen  kohlensaurer  Magnesia.  Dieses  Mischungs-Verhiillniss  isl  je- 
doeh  nicht  constant,  nicht  einmai  gewohnlich,  vielmehr  repriisenlirt  der  Dolomit 
in  den  moisten  Fallen  Verbindungen  von  Kalkcarbonat  und  Magnesiacarbonat 
in  ganx  unbestimmlen  Proporlionen.  Zu  diesen  beiden  Carbonalen  Irill  sehr  oft 
noch  ein  drilles,  i^Wnlich  kohlensaures  Eiscnoxydul,  wenn  auch  nur  in  geringen 


H.   ivicii-t.ipiiiM'h 

Menken,  mid  endlieli  Rilumon  und  Kieselsiiuro,  \\onach  man  den  Dolomit 
.schtissig,  biluminbs  oder  kioselig  nonnt.  (ie\\  i>se  leicht  /u  verwecbselnde  Yarie- 
ta'ten  dt's  Dolomites  und  Kalksleines  Qnterscheiden  sieh  \vie  I'oki  :  Dolomii  1st 
hiirler  ;ils  Kalkslein  ,11.  dnivlisehnitllich  i  :  Ti,  —  or  besilzl  oin  grbssoros  speei- 
fisches  Gcwich!  :V,i  :  ^,7),  —  Dolomilslttcke  brauson  mil  kaltor  Siiure  nur  schr 
\vonig,  Kalksleinfrflgmente  sehr  stark,  —  lot/lero  Ibsen  sich  rasch,  crslorc  laiii:- 
siim  in  Salzsiimv. 

.Manrhc  korniuc  Dolomite  sincl  rcich  an  ncccssorischcn  BcstandthciliMi ,  so 
dt-r  drs  Hinncntlialcs  ini  Olu-rwallis  (Zinkhk-ndc,  Arsrnikalkics,  Schwcfolkics, 
Tri'inolii  ,  drs  Campo  lonizo  sfidlich  vom  St.  Gollhard  (Realgar,  Tuniialin,  Koriind 
u nd  Tivmolil). 

Die  nicislcn  Dolnmitvaricliiton  sind  dcutlich  kr\stalliniscli  nnd  /.\var  bald 
L;i'ob-t  hald  solir  frinkb'rniij; ;  bci  den  Dol  otn  i  la  schen  sincl  die  einzelnen 
Dolomilspalh-Individaeo  i;ar  nicht  mil  einander  xei'hundcn,  sondern  lieL-en 
lux-,  siaubartiu  nelx-neinder.  Kndlich  \verden  g(>\visse  feinkorniye  Dolomilc  von 
uiiret;eliiiiissii;  lieslalteten,  eckiiien  Zellen  nnd  Ilblilungen  vollsUindig  durch/oi:en, 
\\odnrcli  das  (lestem,  dann  Ranch  wacko  genannt,  oin  lochorii^es,  /erfressenes 
Anssehen  erhiilt.  Die  Wandnnizeii  der  Hohlriiumc  sind  mil  Dolomilspalhkryslall- 
clien  incrnstirl.  Kin  lypischer  Fundorl  dor  Rauchvv.ncko  sind  die  Folsparlien 
•  I-  -  Allensteines  nnd  Hohlensteines  in  Thiiringen.  Bemerkenswerlh  isl  die  Nci- 
uniii:  des  Dolomites  zu  Pels-  und  Hbhlenbildungen  ;  so  beslohen  die  Felsruinen 
des  frankischen  Jura  nnd  der  schwiibischen  Alp,  die  oboliskenfdrmigcn  ,Fels- 
massen  des  I;assalhales  aus  Dolomit.  Tebenhaupl  spiell  dieses  Gostoin ,  ge- 
\Nbhnlieli  mil  Mergeln  und  Kalksleinen  vergesellschaftel,  cine  \\ichtigeRollc  als 
Ranmaterial  dor  Erdfeslc. 
7.  Morgel. 

Di<-  Merge  I  sind  innige  Gomonge  von  Kalkslein  odor  Dolomil  mil  Thon,  wo- 
y.u  aussordom  noch  feine  Gliinmerschnppehen  und  QaancktfrncfaeD  Ireten.  Der 
Thongehall  beli'iigl  /,\\isehen  ^0  bis  60  Procenl  der  gan/on  Gesloinmasse.  \\elehe 
enl \\edei-  erdig  o<lor  sehieferig  und  mehr  odcr  weniger  biluminb's  soin  kann. 
Die  Merizel  sind  durch  Eisonoxydul  und  Eisenoxydhydral  grtlnlich,  gelblieh  o«lor 
brannroth,  in  Folge  slarkon  Bilumengohallcs  grau  bis  schwa rz  gcfarbt  und  bloichen 
in  li-t/terem  Falle  im  Feuer.  An  dor  Lufl  blaltern  sic  sich  auf,  zerfallcn  in 
\\iir!clii;e  Rrbekchen,  \\elclie  allmahlich  zu  Erdkrume  werdon.  Neben  Kalkslein 
und  Sandstein  bilden  die  Mergel  das  Ilauplgosleinsmatorial  dor  geschichlclen 
Portnalionen. 

K  n  p  I'erschicfer  nennl  man  gewisse  dllnnschioferige  Mergcl,  welche  reieh 
an  Fisc-lire  -ten  .  in  Folgo  davon  slark  biluminb's  und  dosshalb  scluvar/  uefiirbl 
sind  nnd  in  iltrer  (lesteinmasse  aussorordenllich  feinc  Kupforcrzparlikolelien 
eitiL;es|Meiii:t  entlialten.  Auf  dor  Gcwinnung  dieses  Kupferschicfers  lieruhl  der 
urossai'ligi?  Mansl'elder  Rorgbau. 

Manelie  Kalkmeruel  sind  mohr  odor  \\enigcr  reieh  an  grilnon  (Ilaukonil- 
kiirnorn;  man  findol  dorarlige  (i  I  a  u  k  o  n  i  t  in  e  r  ge  I  namontlieli  in  Weslphalen, 
l;rankroieli  nnd  an  der  atlantisrhen  KUsle  von  New  Jersey,  wo  sie  der  Kreide- 
formation  angohbren. 


its  II.    Petrographische  Geologic. 

Bra  ndsch  iefer  sind  braunscbwarxe  und  pcehsdmaiv.e  .Meriidschiefer, 
\\ddic  sd  stark  von  Bitumen  impriignirt  sind,  d;iss  sic  mil  russcndcr  Flamme 
brenncn  Sccfcld  in  Tyrol,  Walgau  in  Baycrn,  Oschatz  in  Sachscn.  Odsduefcr 
von  Holl  in  \Yilrlembcrg  .  , 

Ihrcr  lieriniien  Ycrbrcilung  v\egen  kiinnen  folaende  hierher  gehbrige  (icstcinc 
nur  kur/  angefilhrl  werden : 

Phospliorit.  cin  I'ascriges  bis  dtchles  Apalitgestein  von  \\cisslichcr,  grau- 
lichcr  und  gelbUchbraoner  Farbe,  \vclclics  Kluftausfiillungcn  und  Ablagerungen 
in  oraldenfbrmigefl  Yerticfungcn  inncrhalb  allerer  K;ilk>,l<'in(>  in  Nassau  an  dcr 
I.ahn  und  Dill,  in  Ba\crn  hci  Andn-ru;  ,  aber  auch  fonnliche  Lager  und  Flot/.c 
/. uischen  ThoQScbiefern,  so  in  Estrcinaduni,  bildet. 

Sch  \vcrspa  th,  ein  dichtes,  dunkcleraues  Aggrcgat  von  Schwcrspalh-ln- 
dividucn,  \vclchos  z.  B.  zvvischen  den  Thonschiefern  an  der  Lennc  (Wcstpha- 
Icn'  in  bis  30  M.  iniichtigen  Lagern  auftrilt. 

3.  Fa  mi  lie.    Kieselgesteine. 

Die  Kieselgesleine  bestehen  allein  oder  vorwallcnd  aus  Minei'alien  der 
Quarzfamilie. 

8.  Quarzit. 

Der  Quarzil  isl  cine  kornige  bis  dichtc  und  dann  gnobsplitterige,  \veisse, 
graue  oder  durch  Beiniengung  von  Eisenoxyd  rolhlicli  gefarbte  Quar/inasse. 
.Ic  nach  ihrer  Slructur  unterscheidel  man  folgendc  Abarten  :  Kbrniger  Qua r/. it, 
sehr  oft  sandsteinahnlieh,  —  dichter  Quarzit,  ausserordenllich  fcinkornig,  schie- 
feriger  Quarzit,  dessen  schieferige  Slructur  zum  Theil  durch  lagen\veise  vcr- 
Iheilte  Glimmerblatlchen  hervorgebracht  vvird.  An  zufalligcn  Gemenglheilen  ist 
der  Quarzit  zienilich  reich ;  nanicnllich  hervor/uliel>cn  sind  Glimmer,  Granat. 
Turmalin,  Pislazil,  Schwefclkies,  Magncleisenerz  und  Gold  (letzleres  z.  B.  in 
den  sildlichen  allantischen  Staaten  von  Nordamerika).  Die  Quarzit^  sind  mcisl 
sehr  deutlich  geschichtel  und  bilden  mehr  oder  weniger  machlige  Einlagerun- 
gen  zwischen  Glimmer-,  Chlorit-  und  Thonschiefer. 

9.  Krystallinisclier  Quarzsandstein. 

Dcr  krystallinische  Quarzsandstein  (Kiystallsandslein  besteht  aus  laulcr 
kr\>-tallinischen  Quarzkdrnern ,  zuvvcilcn  aus  vollstiindig  ausgebildetcn  Ouarz- 
kryslallen,  \velche  durch  ein  gcwbhnlich  iiusserst  spiirliches  Kieselcemcnl  vcr- 
bundcn  sind.  Ilicrher  gehbren  die  untertriassischen  Sandslcine  der  Vogesen, 
fcrncr  viele  Kicsdgcsteine  der  Braunkohlen-  und  Steinkohlcnformation  (Mill- 
stoncgrit  Englands  und  Nordamerikas). 

hi.   Kicsclschiefer  (Lydit). 

Dcr  Kicsclsdiicfcr  ist  cin  dichtes,  sehr  hartcs,  unsclniiclxbarcs,  von  Thon- 
erdc ,  Kohlensloll'  und  Eisenoxyd  impragnirles,  hornsteinahnlichcs  Quarxgestetn 
mil  spliiicriucm  Bruche  und  von  dunkclcr,  namentlich  sch\\arzcr  Farbe.  Er 
isl  in  diinncn,  mcist  nur  zollmiichtigcn ,  schaiTirelrennten  Platlcn  abgclagcrt, 
/.ci^t  sc-lir  vollkommcnc  Zcrkliiflunp,  in  Folgc  dercn  das  Gcstcin  in  pohcdrischc 
Alisi.ndcningsstUcke  zertheill  \vird  und  ist  von  zahlrcichcn  Schnilrcn  und  Adcrn 
von  >Ncis>cm  Ouaiv.c  tlurchzogen.  Seine  sehr  dichten,  vollkommen  sch\\ aiv.cn 


II.    lVlrnm,i|ilii>rhr 

Yarietjitcn   mil   Qachmuscheligeffl   Hnu-he  \\erden  L\dit  oiler  Prnbirstein  uenanut. 
Kr  bildet  z.    H.    iin  Oborharze  zwischen  Clausthal,    Lcrbach  und  Lautenthal,   itn 
Fiehtel^ebirue    in    dor    Niihc    von  Hof  ,    in   Bbhmen    in  dor  Gogend   von  Beraun. 
in  Saehsen  /\\isrhen  Freiberg  und  Nossen  miichlige  Scbichtenfolgen. 
II.  Feiu'i-stcin  (Flint). 

Dcr  Feuerstein  ist  ein  graues  ndrr  sehwarx.es  Kiosclgestein  mil  ausge/eieh- 
net  musrheligem  Bruehe.  Seine  Bcberbenartigeo  Bruchsttlcko  sind  scbarfltantig 
und  .in  den  Kanlen  durehselineidend.  Er  besleht  ;ms  einein  innig-en  Gemenge 
von  knstallinisclu'r  und  aniorpher  Kieselsauro ,  cine  ZusammenseUunL:,  \\clelie 
erst  iin  polarisirlen  Liehle  erkennbar  wird ,  sich  alter  aneli  dnreli  Koelien  mil 
K.-dilauiie  nachweisen  liisst.  Die  scli\varz<-  Fiirbuni:  dos  Feucrstoins  rtlhrl  zum 
umssen  Tln-ik'  von  Kohlonstotl  und  dieser  von  organisclien  Hoston  her  und  ver- 
scli\\indet  in  diesein  I'alle  beim  Glilhen. 

Der  Feuerslc'in  bildet  namentlioh  lagomvcise  an  cinander  geroihlo  Knollcn 
in  dcr  \\eissen  Schrcibkreide,  so  bci  Dover  und  Aachen,  so  auf  HUgen  und 
Wollin.  Ausserdoin  trill  c%r  in  Form  von  losen  Rollslilcken  Uberall  iin  Diluvial- 
.sande  der  norddeutst-hen  Kbene  auf,  cntstammt  aber  den  /inn  Theil  zcrstinMen 
Kreidelagern  an  der  Oslsee. 

In  die  Familie  die  Kieselgesteine  gehbren  noch  folgende  Gcstcinsarlen, 
writ-he  siiininllich  nur  unbedeulende  Ausdchnung  und  deshalb  geringere  Wich- 
Iii;keil  besil/en  : 

Hornslein,  cine  dichle,  liarte,  trilbgrfiirble,  rauchgraue  oder  braimrolhe 
Ouar/massse  von  sptUterigeni  Brucho;  nieisl  knollige  Massen ,  anrogelmiissige 
Kinlagerungen  von  geringer  Ausdehnung  oder  wenig  niachlige  Schichlenfolgcn 
zusamiiieiiselzend. 

.las  pis,  eine  hornsleinarlige  Quar/masse,  von  strcifenweise  abwechseln- 
tlei .  rollier,  gelber,  brauncr  und  grUner  Farbe  ;  in  grbsster  Miichligkeil  am  Lake 
Superior  in  Nordamerika. 

Silss  wasserq  ua  r  z,  eine  feinkbrnigc,  moist  porbse  ,  zelligc,  splitterige 
(ii  undiiiasse,  die  sich  durch  ihre  KinschlUssc  von  Stlsswasser- und  Landschnerken 
und  Pllanzen  als  ein  Quellenabsatz  kundgiebl.  Er  bildct  regellos  geslallelr 
.Massen  z\\ischon  losen  Sandcn,  Thonen  und  Kalksleinen  jUngsten  geologischen 
Alters,  z.  B.  dcr  Umgegend  von  Paris. 

Kiese  Is  inter  und  Kicselluff,  eine  bald  erdige,  lockere,  porbse,  bald 
eompaete  Ouarzmasse,  welchc  zum  Theil  auflallende  ausscrliche  Aohnlichkrit 
mil  KalklulV  besilzl,  zum  Theil  vvie  k. ilk  sinter  in  sUilaklilischer  Form  auflrill 
und  sich  als  Absalz  aus  heissen  Quellen  (so  des  Geysirs)  bildet. 

Pol  i  rsc  h  icfer,  eine  erdige,  aussert  fein  anzufUhlende,  abfiirbende, 
dilnuseliieferi^e,  bliilterige  kieselniasse  von  gelblicher  Farbe,  welche  aus  mikro- 
skupisch  kleinen  Kieselpanzern  von  Diatomeen  zusammengesetzt  ist  (Bilin  in 
Bbhmen). 

K  i  o  s  c  I  g  u  h  r  (Bergmehl)  weisse ,  lockere ,  mehlartigc  Kieselanhaufungen, 
\Di-s\allrnd  ,uis  Kieselpanzern  von  Diatomeen  gebildct;  als  Lager  z.  B.  im  Un- 
trrgrunde  von  Berlin ,  mancher  Stellen  der  Ltlncburger  Ilaide,  bei  Franzens- 
bad  in  Bbhmen. 


10 

'. .  I  .imilir. 

Iliorlior  gehiiren  die  A^i;r<-i:;ilr  \nn  Ampliolrrolillien  mid  Geolilhrn  (z.  B. 
Hornblende  j  T;ilk,  (llilnril.  Serpenlin),  ;ilso  Gesteino,  \\rlrhr  ilnrr  rhemisolien 
Zusammnisrl/ung  iiiich  Silicate  \on  Erden  und  Melallo\\den  odor  \<m  Knlcn 
mill  Alk.ilicii  sinil. 

12.  Hornblendefels  (Amphibolit). 

Dor  Rornblendefels  1st  ein  AggivtMi  \<>n  srli\\ar/.rn  odcr  gn'inc.n,  kornigcn, 
slrahligen  odor  faserigon  Bomblende-Individuen,  dnrcli  .dcrcii  ^csNoluilicli  p;ir;il- 
Iclc  Anordnunij;  moist  cine  diclischieferige  Slruclur  cnlstolit.  Iliiiilii:  ti-ctcn  /u 
dom  roincn  Bornblendea^regale  noch  cl\v;is  Ouarz,  Glimmer  und  Oliuokliis 
als  Gomonjilhoilo  liinxu,  \\iihrond  als  xufiilligo  Ikvstandlhoilo  vor/iiiiswoiso  Soli\\o- 
folkios,  Granat  und  Pislazil  an/ufUhron  sind.  Der  kornigc  Ilornl)londcfols 
isl  nicht  so  go\volmlioh  \vic  seine  sohioforigo  Varietal  der  11  orri  ble  ndosoli  i  o- 
for,  wolohor  doutlich  gosoliiolitot  isl  und  in  regolmassiger  Woolisellagorung 
/\\isohen  den  a/oiselien  Gneisscn  und  Glimmorschiofern  von  Skandinavion,  dos 
nordliehon  Hbl)inor\valdos,  dor  Sudeten,  Siobonburgens,  dor  Tauernkello  Tyrols 
und  zahlroiohor  andoror  Looalitaton  auftrill. 

Kino  l)osondero  Variotiil  des  Hornblondeschiofers  isl  der  Slrnhls  tein- 
odor  A  klinol  ithschicfcr,  ein  dickschieferiges  Aggrcgat  von  gras- bis  laucli- 
grllnem  Slrahlslein  in  dilnnslengeligen  odor  faserigcn  Individuen.  Er  isl  in 
den  Alpen  Savoyens.  bei  Klausen  in  Tyrol,  im  Zipser  Comilal  (Ungarn  ,  in 
Scholtland,  Massachuselts  u.  a.  L.  bekannt.  » 

13.  Chloritschiefer. 

Der  Chlorilschiefor  isl  cin  schuppig-schieferiges,  lauchgrilnes,  weichcs,  mil- 
des  Aggrogal  von  Chlorilschuppen ,  welchen  gowohnlioh  eUvas  Quarz ,  ha  u  fig 
auch  elvvas  Feldspalh  boigomongl  isl.  Er  isl  reieh  an  zufalligen  GemenglheiieD, 
von  diosen  sind  anzufUhrcn :  Magneleisensloin  in  ausgozeiohnclen  Oolaodorn 
(Zillcrlhal,  Eisenrcgion  am  Lake  Superior),  Talkspalh  in  sckarfen  Rhomboodorn 
(St.  Gollhard,  Zillorlhal),  Granat  in  Rhombendodekaedern  (Greiner)  ,  Turmalin, 
(Mabacher  Alp,  Ural),  Gold  (sttdl.  allanl.  Slaalen  von  Nordamorika  . 

Der  Chloritschiefer  ist  in  don  moislen  Fallen  seines  Vorkonnnens  ausui1- 
/ciclinot  obenfliichig  geschichtel  und  trill  in  Gesellschafl  und  in  Wedisellagerung 
mil  Gneiss,  Glimmorschiofer,  Talk-  und  Thonsohiefor  auf.  So  am  Ml.  Rosa, 
Grossglockner,  im  schlosischen  und  mahrischcn  Gebirge,  boi  Kalharinonburg 
(Ural),  im  Alloghany  Sysleme. 
U.  Talkschiefer. 

Der  Talkschiefer  ist  ein  schieferiges  Aggregal  von  Talkschuppen ,  \\t-lolio 
ein  sehr  \\oiohos,  fcltig  an/.ufilhlondos  (Jesloin  von  \\oissor  bis  griiiilioh  \\cisscr 
Fiirbnni:  bildon.  Als  unlorgeordnoto ,  oft  gan/-  fohlondo  Gomongtlioilo  dicscr 
Talkmassc  Irelon  Kornolion  von  Quarz,  sf'llcMi  von  1'oldspath,  als  /.ufiilligo  (ic 
mongllioile  xor/ugsNveiso  Magnctoisonslcin,  SoliNM-folkios,  Granal,  Magiu-sit,  Stauro- 
lith,  siimmllich  /.  H.  im  Val  Canaria  und  Zillerthalo.  forner  Gold  (in  den  siid- 
lidion  allanlisChen  Staalon  von  Nordamerika)  auf. 

Dor  Talksoliiefer  isl  doutlioh  gosohiolitcl  und  naincntlioh  mil  Chloril-  und 
(ilimmorsohicfor  vcruosdlsohaflol ,  so  bei  Ilof  im  Fichlelgebirge,  am  Allv.itcr 


II.    I'elro^rapliiM'lir    (irnlo^ie.  1  I 

in  Schlesien,    in    den    Karnlhener    Alpen  ,     am    Ml.    Blanc,    am    Ml.    Hosa,    im 
I'ral  n.  s.  \v. 

Als  cine  zvsischen  (Ihloril-  urul  Talksehiefer  slehende  Varietal  isl  y.u  t'rwiihncn 

tier  To  |>f  stein;  cs  ist  dies  ein  vervxorren  Blzig-SCbupplgea  (Ie\\el>e  \nn 
Chlorit-  und  Talkschuppen  ,  \on  deiien  bald  die  einen,  bald  die  anderen  vor- 
\\allen  kiinnen.  Diese  grtlolich-grau6  Gesleinmassc  ist  sehr  mild,  la'ssl  sich 
bei  grosser  Xahiiikeil  mil  dcm  Mosser  sclmeidcn  und  \\iderstehl  dein  hefliiisten 
Feiier.  Der  Topl'siein  lindet  sich  mil  Chloril-  und  Talkschiefer  vergesellschaflel, 
/.  B.  liei  Cliia\enna  in  den  Alpon,  hci  Trondhjcm  in  Norwegen,  bci  Boston  in 
Massachusetts. 
l  .">.  Serpent  in. 

Der  Serpent  in  ist  ein  dichles  oder  foinkb'rnigcs,  mildes,  im  Brut-he  rnalt- 
sehimmcrndes  Geslein  von  dilster  grunen,  seltener  braunen  Farben,  liiiulig  mil 
dunkelen  ,  llammii;en  oder  ijeaderten  Zeichnuni^en.  Er  beslelit  lediglicb  aus 
de-m  .Minerale  S<'r|»enlin  ,  unischliesst  jcdoeli  /ahlreiche  zufiilligo  Gemcngtlieilc, 
so  vor/.iii;s\\('ise  :  l'\rop  (Waldheim  im  siichsischcn  Granulilgebirgc  und  Zb'blil/), 
Maizneleisenstein  Zillerlhnl),  Chromciscnslein  (Slcyermark,  Maryland),  Arsenikal- 
kies  Heiehonslein  in  Schlesien),  Chrysolil  in  senkrcchtfaserigcn,  seidengljinzen- 
deii  Schniiren  den  Serpentin  durchschNvarmend  (Rcichcnstein,  Waldheim). 

Der  Serpcnlin  crsclioint  zwar  moist  als  ein  rnassiges  Gestein,  trill  aber 
aucli  in  Geslall  reirelmiissigcr  Schichlonfolgen  von  dllnnen,  ebenflachigen  Flatten 
oder  starkeren  Biinken  (Waldheim),  nur  selten  hingegen  schieferig  auf  (Hoboken 
bei  Ne\\'  York).  Kr  besilzl  zweicrlei  Lagerungsformen  ,  man  kennt  einerseils 
Serpentinlager  z  \vischen  Talk-,  Chloril-  und  Glimmerschiefer  oder  Gneissen  (im 
I'ral.  in  den  Alleghanies,  am  Greiner  in  Tyrol,  im  siichsischen  Granulitgebirge), 
.mdererseiis  SerpenUngSnge  und  -Stockc,  welchc  das  benachbarte  Geslein  durch- 
set/en  bei  1'redazzo  in  Tyrol,  bei  Balloch  in  Schollland). 


Erzgesteiiie. 

llierher    liehiiren    die   einfachen    kryslallinischcn    Geslcine,    deren    Mineral- 
elemenle  sich  (lurch  ihrcn  hohcn  Melallgehalt  auszeichnen. 
1  6.  Spatheiseiistein. 

Der  Spatheisi'iislein  isl  ein  liclblich-graues  bis  gelblich-braunes,  grob-  bis 
leinkorniges  Aggregat  von  rhomboedrischen  Individucn  dcs  Minerales  Eisenspath, 
und  beslelit  somit  hauptsiichlich  aus  kohlensaurem  Eisenoxydul  mil  grosserer 
oder  izerin^erer  Beimischung  von  Mangan-,  Magnesia-  und  Kalkcarbonaten.  In 
IVischem  X.uslande  besilzen  die  Spaltungsilachen  der  Mincralindividucn  irisiren- 
den  oder  perimQUerartigen  Glasglanz,  welcher  jedoch  unler  dem  Einflusse  der 
Atinosphiirilien  versrlnvindet.  Das  Geslein  vsird  anfiinglich  an  der  Oberfliiclu1, 
n.ich  und  nach  bis  zu  grosser  Tiefc  in  lirauneisenslcin  umgewandelt.  Als  zu- 
lalliiie  (Jemeniilheile  Irelen  zaldreiehe  Kinspreni:linge  von  Schwefclkies,  Kupfer- 
kies  und  ICisenglanz  auf. 

Der  Spalheisenslein  bildet  masxJLie  Minlagerungen  und  Slbcke  von  oft  sehr 
ansehnlicher  AusdehoUDg  /\\  isehen  geschiehielen  (Jesleinen,  Irilt  aber  auch  in 
Form  NOII  (iangen  auf.  Als  die  bedeutendslen  Spalheisenslein  vorkommen  sind 


•  12  II     Petrographische 

x.u  erv\almcn:  der  S.'iO  M.  ilbcr  die  Thalsohle  aufragende  Krzberg  bei  Eiscncr/, 
in  Sleiermark,  dcr  Stahlberg  l>ci  Museii  in  \Yeslphalen,  dcr  Slahlheri:  bei 
Sclimalkaldcn  in  Thiiringen. 

17.  Spliiirosiderit  oder  Thoneisenstein. 

Dcr  Sphiirosideril  ist  cine  feinkiirnige  his  dichte  Spalliciscnslcinmassc.  \\cldic 
innig  mil  inchr  oder  \\eniger  Thon  gemengt  ist.  Dcr  Sphiirosidcrit  slclil  soniil 
/urn  Spalliciscnstcin  in  dotiisolbcn  YcHiallnisse,  v\ie  die  Mergel  zmn  Kalkstcin. 
Seine  Farbe  isl  gran,  gelblich  oder  liriiimlich. 

Dieses  Eisenerx  trill  enl\\eder  in  zusainnienhiin^enden  l.aiiei'n  (Flotxcn), 
dder  in  isolirlon  linsenfonni^en  Xieren  mid  Knollen  y.\visclien  den  Sehiel'er- 
Ihonen  des  SteinkobleDgefoirges  und  dor  Braunkohlenforrnation  aul'  und  liefert 
ein  sehr  geschSUtes  Material  /ur  (Je\vinnung  des  Eiscns ;  so  in  den  Sleinkolden- 
irc'hieten  von  Saarhrilcken,  Zwickau,  Siid  Wales  und  Pennsylvania,  ferner  in  dor 
Braunkphlen formation  am  Nordabfalle  des  Siebengehirges  u.  s.  w. 

Kohlcneisenstein    oder    H  lack  band    ist    cin    inniges    Gemenge    von 

Sphiirosideiit   mil   1  -2  bis  35  Procenl  Kohle,  welches  dickschieferige  Slruclur  nnd 

scliwai-x.e    Farbc   besilzt,     namenllich    in  den    schottischen    und    westphiilischen 

MochuiiHM-    Steinkohlengebielen  flolzarlig  auflritt,   und   dort  als  ein  ausgezeich- 

netes   lusenerz  abgebaut  wird. 

1 8.  Brauneisenstein. 

Dor  Brauneisenstein  ist  ein  faseriges ,  feinkbrniges ,  crdiges  oder  dichtes 
Kisenerz  von  ockergelber  bis  schwarzlich-brauner  Farbe  mil  gelblich-braunem 
Striche.  Kr  ist  svesenllicli  Eisenoxydhydrat ,  entliiilt  al)er  gewohnlich  elwas 
Manganoxyd  und  Kieselsaure  und  ist  hiiulig  durch  Thon  verunreinigl. 

Dcr  Bi'auncisenslein  tritt  in  den  moisten  Fallen  vergesellschaftel  mil  oder 
in  glcicher  \Veise  \\ie  Spalheisenslein,  Sphiirosideril  und  Schwefelkies  auf,  als 
deren  Unnvandlungsprodukl  or  zu  belrachlen  ist.  (Iberg ,  Elbingcrodo  und 
Kiibelnnd  ini  Harze,  Siegen  im  Rheinlande  u.  s.  w.). 

R  a  sen  ci  sen  stein  (Sumpferz)  ist  eine  durch  Beimengungen  von  Sand, 
chemisch  gebundene  Kieselsaure,  Phosphorsiiure ,  organische  Sul>stanzen  und 
andere  Sloffe  verunreinigle  derbe  oder  schwammige  Varietiit  des  Brauneisen- 
erzes.  Dieselbe  findet  sich  in  Xiederungen  (z.  B.  der  norddeutschen  unterhalb 
des  Moor-,  Sumpf-  und  Wiesenbodens  in  ausgedehnten  aber  vvenig  machtigen 
Ablagerungen. 

Bohnerz  ist  eine  groboolilhische  Abart  des  Brauneisensleines  und  besteht 
aus  erbsen-  bis  nussgrossen,  ausgezeichnet  conccntrisch-schaligen  Kugeln  von 
thon-  und  kiesclhaltigem  Brauneisenstein ,  welche  mcist  durch  eisenschUssigen 
Thon  oder  Quarzsand  verbunden  sind.  Sie  bilden  Mulden-  und  Klut'tausfUl- 
limgen  sehr  jungen  (Icrtiiiren)  Alters  innerhalb  iillerer  (jurassischer)  Gesteins- 
gcbiete,  so  bei  Kandern  in  Breisgau,  bci  Frohnslellen  in  Wilrlemberg,  bei 
Egci-kinden  in  Sololhurn. 

19.  Rotheisenstcin. 

Dcr  Bolheiscnstcin  ist  cin  faseriges,  derbes  oder  crdiges  ockcrigcs  I^isen- 
(>!•/  von  blnlrother  bis  bi-aunrother  oder  slahlgrauer  Farbe  mil  kirschrothem 
Slriclic.  \\\-  bcstcht  im  rcinslcn  Zuslande  aus  Kisenoxyd,  isl  aber  abgeschen 


II    Petrographische  (irnio^ie  \',\ 

von  Spurcn  von  Manuano\\d  haulig  stark  (lurch  Tlion  and  Kiosclsiiure,  untl 
x\\;ir  in  so  schwaokenden  Yorhaltnissen  \ei •muviniLit.  d;iss  voin  Holheisenslein 
mil  Spurcn  son  Kiosolsiiurc  his  liiuah  /inn  eiscnschiissigen  Quarzit  und  .laspis 
cine-  ununtorbroclicnc  Uebergangsreibe  existirt. 

Dcr  Koihcisenstcin  besil/.l  xnm  Thcil  aiisgozcicbnut  scharfe  Schichlung.  Seine 
grbsseren  Yorkommen  hilden  gleichformiiie  Einlagorungon  zwisehcn  Talk-  und 
Chtoritsohiefern,  Ouarziten  und  Jaspis  dor  azoischon  Fonnalionen.  Als  soldic 
sind  hervor/uhebcn  die  NOD  Hio  Marino  auf  Elba,  der  Pilot  Knob  in  Missouri, 
namcnUich  alter  die  Eisonorzlaiiersliillen  siidlieh  vom  Lake  Superior  in  Nord- 
amerika ,  \\flchc  melirere  llundcrt  Fuss  Miiehligkeit  und  deren  Ausuehendes 
cine  (u'sammtliinge  von  mchr  als  10  deulschen  Meilcn  bositzt. 

Mine  eigenlhdmlicbe  Varietal  des  Rolheisensteins  ist  dor  E  isonooli  th. 
Dersclbe  bcslchl  aus  liirsekorngrossen,  dunkelrolhcn  odor  brnunen  Kornorn  \<m 
Hotheisenstein,  /.urn  Theil  auch  gemengt  mil  solchen  von  Thoneiscnstein,  welche 
von  eincin  tlioniucn.  kalkigon  odcr  sandigon,  ofl  fast  vcrschwindcnden  Omentc 
zusammengehallon  \\erden.  Dor  Kiscnoolilh  kommt  in  inehr  oder  \\enigcr  miich- 
tiiien  Schichtcn  innerhalb  mesozischer  Schichtcnreihen  vor,  so  bci  Aalcn  in 
Wilrleinberii,  bci  llolinstiidl  in  Braunschweig,  bei  Harzburg. 
:'i).  Magneteisenstein. 

Dcr  Mauncleisenslcin  isl  cin  korniges  Aggregat  von  Magncteisen ,  welches 
scli\\ai-/c  Farbo  und  schwarzon  Slricb  hat,  stark  magnctisch  ist  und  seiner  clu-- 
misclicn  Zusammcnsci/ung  nach  aus  Eisenoxyduloxyd  bestehl.  Selten  rein  trill 
der  Magneleisenslein  ycxviihnlich  mil  Granat,  Chloril,  Quarz,  Epidot,  SchNNelel- 
kies  und  Kupfcrkies  gemengt  auf  und  zwar  bildet  er  Lager,  Flblze  und  Slocke 
/ \\isehen  den  (Jcsieinen  der  azoischen  Gneiss-  und  Glimmerscliieferreihe.  Die 
(Jebiele  diescr  Fonnalionen  sind  demnach  auch  die  Heimalh  der  grossarlii:sl(Mi 
Ma^neleisenstcinlagerslatlen,  von  welchen  namcntlich  die  von  Arendal,  Danne- 
mora  uiul  der  Lappmark  Jiier  der  Gellivara  5300  M.  lang,  2600  M.  breit 
und  liber  Tauscnd  Meter  hoch)  in  Skandinavien,  die  Eisenberge  des  Ural, 
die  miiclilken  und  zahlreiehen  Magnclciscnsleinflotze  irn  Alleghany  Gebirge  und 
in  Canada  zu  ervvahnen  sind. 

6.  Familie.   Kohlengcstcine. 

Die    hierher   gehbrigcn    Gesteine    bestchen    wesenllich   aus  KohlenstofT  und 
\erdanken  ihrcn  Ursprung  cinem  Unibildungsproccsse    von   IMlanzenmassen   (sic 
sind  phy logon). 
21.    Torf. 

Dcr  Torf  ist  ein  bald  lockcres,  bald  mchr  zusammcngepresslcs ,  com- 
pacles,  lil/ii:c>  (ie\\e|»e  von  in  Zcrsetzung  begrifTencn  rilan/.cnlheilen ,  deren 
l-'nrm  urn  so  deullieher  crliallcn  isl,  jo  vveniger  stark  sic  durch  Zusammen- 
pi-essung  und  Xersci/ung  gelillen  haben.  Mil  beiden  slehl  auch  die  Farbe  des 
Torfes  in  Zusammenliant:,  \\elchc  /wischcn  lichlbraun  und  pcchsch\\ar/ schwankl. 
.Ic  nach  den  IMlan/.cnarleu ,  aus  denen  der  Torf  vorzugsweise  beslehl,  pllcgt 
man  Mooslof.  \Viescnlorf,  llaidelorf  u.  s.  w.  ,  jo  nach  dor  KescliaH'cnlicil  der 
Masse  Pechlorf,  Papierdorf,  Torfci'dc  u.  s.  w.  zu  unterscheiden. 


1  1  II.    lVln>i:r.i|»lii«-|ir  (irn|i,_ 

Dei  Tort  bildel  l.a^er  von  \\fdiselndcr,  oft  bclriichllielier  Marhtkkeit  und 
i  nlstehl  uherall  d;i.  wo  sicli  ;im  Boden  slagnirender  (Je\\asser  der  Niederunuen 
und  Uocbplaleans  Sunmf-  und  Wasserpflanzcn  ansammeln,  so  in  .Mecklenburg, 
Ostfriesland  ,  auf  doni  Brocken,  dem  Bruchberge  im  Harze ,  bei  Diirlieim  iin 
Srli\\  ;ir/.  \\aldc  u.  \.  a.  0. 
•2;'.  Itraiinkohle  (Lignit). 

Die  Brnunkohle  ist  cine  dichtc,  crdige,  hol/ige  oder  faserige  Kohlenmassi- 
mil  braunem  Slriche  mil  .").">  liis  T.">  1'rocent  Kohlcnsloll  und  bedeutendcm  Bilu- 
iiM-iiLichaUe.  Sic  /.cigt  hiiufii:  die  woblerfaaiiene  vcgetabilische  Slruc-iui-,  Itcsiixt 
muscheliiien,  erdigen  odrr  holzartigcn  Bruch  und  hrnuiie  l)is  pcclischuar/c  l;arhc, 
vcrlnvnnt  leiclit  mil  russender  I;lainnif  und  unler  Knlsvicklung  eines  unaiiLic- 
in'lnvicn,  eigeolhUmlich  hrcnxlichcn  (Icruches  und  giebl  mil  Kalilauizc  cine  dun- 
kelhraune  Fliissigkeil.  Nach  ihrcn  verschiedenen  Slructurverb'altnissen  lial  man 
cin/.clnc  Aiiarlon  der  Brnunkohle  als  Peehkohle ,  holzige  Braunkohle,  Fapier- 
kohle,  Moorkohle,  Nadelkphle,  iM-dkohle  (Uinbrn)  u.  s.  w.  bezoichnet. 

Als  accessorischer  Genienglheil  ninncher  Braunkohlen,  so  derer  von  Artern, 
kommt  Honigslein  nnd  Retinil  vor. 

Die  Braunkohle  bildel  Flolze,  d.  h.  zusammenhiini-cnde  ausLicdchnle  Laj^cr 
innerhalb  der  nach  ihrern  Vorkornmen  benannlen  lertiaren  Braunkohlenfonnation. 
Manche  dicsor  Fldtze  crreichcn  Uber  20  M.  Machligkeil  (so  bei  Coin  ^5—30  M. ; 
bei  Ziltau  liber  33  M.) 

23.  Steinkohle   (Schwarzkohle). 

Die  Sleinkohlc  ist  eine  dichle,  im  Bruche  meist  muschclige,  feU^l.in/.cndc, 
saininet-  bis  pechschwarxe  Kohlcnmasse  mil  75  bis  90  Procenl  KohlenslolF  und 
lieringerein  Bilumengehalle  als  Braunkohle.  Sie  giebl  einen  braun-  oder  grau- 
sc-h\\arzen  Slrich,  vcrbrennt  mil  heller  Flamine  unler  Knlwickelung  von  starkein 
Ilauche  und  aromalisch- biluminbsen  Geruchc.  Einige  Varietaten  weiehen  in 
dei  Ilitze  auf  und  schmelzcn  (Backkohle),  andere  sintern  nur  zusamrnen  (Sin- 
lerkohle) ,  noch  andere  zerbrbckcln  in  der  Hilze  und  hinlerlassen  zum  Theil 
einen  erdigen,  lockeren  Biicksland  (Sandkohle).  Kalilauge  wird  von  Steinkohle 
nur  wenig  oder  gar  nichl  braun  gefarbl. 

In  pelrographischer  Ilinsichl  sind  folgende  Varietiiten  x,u  unterscheiden . 
G  Ian  zkolHe  mil  muscheligem,  slarkglanzendern  Bruche,  Grobkohle  mil  un- 
ebenem,  grobkornigem  Bruche,  Schiefe  rkoh  le  mil  Schieferstructur,  Kiinnel- 
kohle  mil  (lachnmscheligem,  vsaclisdan/.endem  Bruche,  Rus«kohle,  lockere 
Masse  mil  erdigcm  Bruche,  Faserkohle  mil  Faserslructur. 

In  lechnischer  Ilinsicht  pllegl  man  felle,  kohlensloflarmen1.  an  Bitumen 
reidie  und  mage  re,  kohlenslofl'reichere  und  bilumenanne  Kohlen  zu  unler- 
scheiden. 

Als  ha'ufigcrc  zulallige  Gemenulheile  der  Steinkohle  sind  Schut'lelkies,  Blei- 
glan/  nnd  Kalkspalh  an/ufuhren.  \Vie  die  Braunkohlen  trelen  aneli  die  Slein- 
kohlen  in  FliHzeii  auf,  die  sich  Uber  Ilunderle  von  Ouadralmeilen  ausdelinen 
in  Nordamerika  und  I .") ,  20  und  mehr  Meter  Machliukeil  erreiehen  konnen. 
So  i\l  d;:<  I'lanilzer  Fliil/  im  X\\  ickaner  Bassin  7  bis  I'i,  das  Russkohlen- 
lldtz  ehendorl  1 0.  das  \a\eri-Flol/  in  Oherschlesien  I :{  M.  inachtig.  Die  Stein- 


II.   Petrographische 


knhlt'ii  \\edisellagern  mil  SHiiefei  lliouni  uii.l  Sandsleinen  und  hildeii  nn  Yereiu 
mil  diesen  die  produktive  Steinkofaieoformalioa.  .ledoeh  ist  das  Yorkommen 
der  Sleinknhle  niehl  a  ill'  diesen  Sehichleneomplev  bescliriinkt  ,  \ielinehr  sind 
so\\nhl  in  iilu-ivn .  \\ie  in  jilngeren  Kormalionen  (Devon,  Wealden)  ein/elne 
BteiokohlenflOUe  bekannl. 
24.  Anihracit. 

Her  Anihracit  ist  eine  eisen-  his  sammelsehwarze,  stark  glas-  his  halb- 
melallisdi  gla'nzende.  spriide  Kohlenmasse  mil  fiber  '.)()  1'roccnl  Kohli-iistolV.  Ini 
vcrhivniil  t«r  hci  staikrin  l.iifl/.iiiir ,  tlioils  mil  scli\\aclicr .  llicils  ohnc 
olint-  (irrui-h  und  ohne  Haurh  und  ohno  zu  schmelzen.  Kr  i^ichl 
cinrn  srlmaiv.t'ii  Slrich  und  ist  das  hiirleslo  dcr  KohliMiiirstt'inc,  in-lit  jcdoch 
liiiuli^  durch  Al)iialinu>  scinos  (Jehaltes  an  KohlonstolV  und  Aufnahnit'  von  Bi- 
tumen in  Stcinkohle  Uber. 

Dei-  Anlliracil  trill  zuin  Theil  in  selbsliindigen ,  ausgodohnlcn  Flotzen  auf 
(•/..  H.  im  ostlirlion  Pennsylvania),  oder  er  hildet  »emcinsain  mil  Sleinkohlc  und 
Braunkohle  l-'liil/e ,  aus  denen  er  load  durch  Umwandlung  liervorgegangc'n  isl 
i/..  B.  in  Siid  Wales,  am  Meissncij,  endlieh  komml  er  in  Neslern  von  heschriink- 
leien  Dimensionen  vor  (z.  B.  bei  Gera  im  Voigllande). 

In  folgender  Tahelle  sind  die  hauplsiichlichslcn  Unlerscheidungsmerkmale 
der  heschiiehenen  Kohlengesleine  Ubersiehllich  zusammengestellt. 


KlllllclH.-!   stf  ill 

5~ 

!- 

Gewjcht 

rmte  Kali- 
ge  wird 

v< 
a 
f 

Erscheinungen  beim  Verbronnon 

3 

I 

"C 

|3 

M 

a 

en 

m 

llr.iiiukiilili-     .     .     . 

55—75 

0,5-1,5 

braun 

ticf- 
braun 

leicht 

nicht 
schmel- 
zend 

rus- 
sende 
Flam  mo 

stark 
ran- 
chend 

bronz- 
lirl, 
stin- 

nicht 

z.  Th. 

aroma- 

StHnkohle      .     .     . 

75-90 

•2 

1,2-1,5 

braun- 
schwarz 

oder 
hell- 
gelblich 

z.  Th. 
leicht 

schmel- 
/.ond, 
z.  Th. 

hollo 
Flam  mo 

stark 
rau- 

cht'ii.l 

Usoh 

bitumi- 
nos 

brann 

sinternd 

ricchend 

theils 

Antlirarit  .... 

uber  <H) 

2-2,5 

1,4-1,7 

gran- 
schwarz 

gar    ' 
niclit 
geiarbt 

niir  boi 
starkom 
Luft- 
znge 

nicht 
schmel- 
/.o  nd 

schwa- 
che, 
th.  gar 
koine 

gar 

niclit 
rau- 
chond 

ohne 

(Icnii-li 

Flaminr 

i"i.  Graphit. 

Das  Graplntgeslein  isl  ein  grobschuppiges  bis  feinschuppiges  oder  fasl  dich- 
les,  /uin  Tht'il  erdiges,  eisenschwarzes,  metallgliin/endes  Aggregal  von  Gra])hit. 
Es  ist  relli.u  anzufUhlen,  weich  und  ahfiirhend.  Der  Normalbesland  des  (iia- 
pliiliiestcines  sollU;  rciner  Kohlensloll  sein,  cs  kommt  jedoch  in  der  Nalur  nur 
verunreinigl  und  z\\ar  mil  Beimengungen  von  Kieselsaure,  Kalkerde,  Thon- 
erde  und  Kiscno\\d  vor.  Ge\\ohnlich  trill  dieses  Geslein  als  Graph  il- 
schiefer  auf,  welcher  zuin  Theil  ausseronlrntlit  h  regelmiissige ,  (lolzarlige, 
zum  Theil  sehr  miichlige,  aber  aueh  kleinere  nesterformige  Einlagerungcn  z\vi- 
jhen  Gneiss  und  Glimmersehiefer  hildet.  So  zwisehen  Gneiss  und  kryslalli- 


46  II.    IVtroijrapliiselie   Geologie. 

nisehern  Kalksteine  bei  Krumau  in  Bbhmen,  /\\isdien  Glimmerschiefer  und  Gneiss 
in  dcr  Umgegend  vun  Passau  und  an  anderen  zahlreichen  I.ocalitiiten  der  (inei.xs- 
und  Glimmerschiefergebiete  von  Skandina\  ien,  Schollland,  den  atlanlischen  Staa- 
ten  von  Nordamerika  und  Canada. 

26.  Petroleum  (Erdi.i 

Das  Petroleum  1st  eine  diinn-  oder  diekfliissige,  farblose,  gelhliche  odor  bra'un- 
liche  Kohlenwasscrstoflverbindung  von  stark  nromalisch -biluminbsem  Geruche, 
\\elehe  aus  der  Zersetzung  von  organisehen  Subslanzen  hervorgegangen  1st. 
iS'ach  ihrer  Farbe  und  deni  verschiedenen  Grade  ihrer  Fliissigkeil  unterscheidet 
man:  Naphla,  \\assei-lioll  und  sehr  flilssig,  Stein  bl,  gelb ,  opalisii'end  und 
not'h  vollkonmien  fltissig,  Bergtheer,  braunlich  und  /iihflilssig. 

Das  Petroleum  findet  sich  gevvohnlich  als  Ini])r;igna(ion  poroser,  /elliger 
odor  erdiger  Gesteine  Brandschiefer,  Oelschiefer,  bitumen reicher  Kalksleine  oder 
Sandsteine),  seltener  in  grosseren  Ansnmndungen  innerhalb  unterirdischer  Hohl- 
ra'ume  und  Gesteinskliifte.  Lelzteres  isl  im  grossartigsten  Maasslabe  in  den  sog. 
Oelregionen  Nordamerikas  im  Bezirke  Enniskillen  in  Canada-West,  am  Oil  Creek 
im  nordliclien  Pennsylvania  nahe  der  Grenze  von  Nord  New- York,  am  Kanawha 
in  Ohio,  am  Boyd  in  Kentucky  der  Fall,  wo  das  Petroleum  zum  Tlieil  in  kUnst- 
liehen  Brunnen  zu  Tase  sprudelte,  zum  Theil  in  die  Udhe  gepumpl  \\ird.  Die 
zaldreiehslen  Fundorle  von  Petroleum  in  Europa  gehoren  einer  Zone  an,  well-he 
sich  den  Karpathen-Abhang  enllang  durch  Galizien ,  die  Bukowina  bis  in  die 
Moldau  hineinzicht.  Die  altest  bekannten  Vorkommen  natilrlich  an  die  Erdober- 
fla'che  tretenden  Krdoles  sind  die  Naphta-Quellen  von  Baku  am  kaspiselien 
.Mi 'ere. 

27.  Asphalt  (Erdpech). 

Der  Asphalt  is  eine  dunkelbraune  bis  schwarze,  fettartig  gliinzende  Masse 
von  pechahnlichen  Aussehen,  welche  aus  Kohlenstoff,  Wasserstoff,  SauerstolV 
in  nicht  ganz  constanten  Verhaltnissen  beslehl,  Der  Asphalt  besilzt  einen  stark 
muscheligen  Bruch,  brennl  leicht  mil  lebhafter  Flamme  unter  Enlwickelung  eines 
dii-ken  Bauches  und  biluminbsen  Geruches.  Der  Asphalt  isl  ein  Oxydations- 
produkl  des  Petroleum,  welches  in  der  Berilhrung  mil  der  almosphai-ischen 
J.ul'l  zuersl  ziihflUssig  und  dann  fest  wird.  Er  (indel  sich  demgemass  gewiihn- 
lich  als  Impregnation  von  porbsen  oder  zclligen  Gesleinen  (Limmer  bei  Hanno- 
ver, Lobsnm  im  Elsass)  und  nur  selten  in  Form  selbstiindiger  Lagersliitien, 
und  dann  entweder  als  oberfliichliche  Anhiiufung  (namentlich  aul  der  Insel  Tri- 
nidad, wo  ein  slundenweit  ausgedehnles  Asphallgebiet  bekannt  isl;  am  Todlen 
Meer  .  oder  als  Ausfiillung  von  KlUfltn  (Benlheim  in  Hannover.  Albertgmbe 
in  Neu  Braunscluveig). 

In  Hinsicht  auf  seine  Enlstehungsweise  jst  hier  anhangsweise  der  OuailO 
anzufilhren.  Er  bildet  weissliche ,  gelbliche ,  zuweilen  schmul/iiirollie  erdige 
Anhiiufungen .  N\(>lchc  einen  sehr  unangenehmen .  scharfen,  ammoniakalischen 
(ierueh  besit/en,  vorwiegend  aus  phosphorsaurem  Kalke,  Ammoniak.  Harnsiiure, 
O\als;iure  und  I'lminsaure  bestehen  und  das  Product  der  Anhaufung  von  K\- 
crementcn  in  grosser  Menge  heisammcn  lebender  Seeviigel,  so\\  ie  verfaulender 
Horpeniberresle  \  on  Hobben.  Mbven  und  dergl.  sind  Die  urossailigslen  (Juano- 


II.    Petro^iMpliiM'lic  (icolo^if.  47 


ablaiierunpen    helinden   sirh   aul   den   Inseln    liings   der   Kiisle   I'eius,    \.ni   denen 
die  Chiiu'ha-lnseln  die  beriihmteslen  sind. 

2.  Ordnung.     Gemengte  krystalliniache  Gesteine. 

a     massive    iTypus  Cranil  ,    l>)   ucscliichlctc    ,T>  pus  (iliinmcrsrliicfVr)  . 
I.  Ahtlioilnn.u.     Massige  Gesteine. 

Die  masMiien  krxstallinischen  Gesleine  sind  fasl  durchvseg  crupliven  Ur- 
spnmgs,  d.  h.  in  glutlillUssiizem  Zustandc  aus  dein  Erdinneren  emporgedrungeo. 
Die  \\iehtigsten  Heslandlheile  der  hei  Weilem  vorvvaltenden  Mehr/ahl  derselben 
uehiiren  der  Familie  der  Feldspatht:esleine  an.  Am  iialilrlichslen  scheint  es 
deshalb,  Classitieation  und  Gruppirung  der  hierher  zu  rechnenden  Gesleine  aul' 
die  Niilur  der  in  ihnen  vorkommenden  Feldspalhe  /.u  hegriinden.  Lel/tcre  sind 
enlNveder  inonokliiiisch  (Orlhoklase),  oder  triklinisch  (Plagioklase),  dicscn  p'liiiivn 
Oligoklas,  Labrador  und  Anorthit,  jenen  Orlhoklas  und  Sanidin  an.  Erslere. 
unlersclieiden  sich  von  den  lelzleren  durch  ihre  Zwillingsstreifung,  die  sieh 
iiiitcr  dt-m  Mikroskope  in  ge\vohnliehein  Liehte  als  parallele  Liingslinien,  in  po- 
larisirtem  Liehte  durch  verschiedenfarbige  lamellare  Streifung  zu  erkennen  giebt. 
Die  Scharfe  und  Conslanx  dieses  Unlerscheidungsmerkmales  macht  dasselbe  /u 
einein  ausgezeichneten  Kriterium  filr  die  Gruppirung  der  Feldspalhgesteine.  Diese 
zerfallen  demnach  in  0  r  thoklas-Ges  te  ine  und  Plagioklas-Gestei  n  e 
mil  Oligoklas,  Labrador  und  Anorthit  als  Feldspalh-Gemengtheil.  1st  eine  sichere 
I'nterscheidung  der  letzteren  mbglich,  so  wird  man  von  einem  Oligoklas-,  La- 
brador- odcr  Anorthil-Gestein  sprechen  kbnnen  ,  in  vielen  Fallen  jedoch  und 
besoiulers  bei  gewissen  feinkornigen  oder  aphanilischen  Gesleinen  (Melaphyr 
und  Basalt  ist  dies  unthunlich,  so  dass  die  F.eslstellung  der  plagioklaslischen 
Natur  des  Feldspalhes  gentlgen  muss.  Es  ist  nichl  ausgeschlossen  ,  dass  in 
manehen  (iesteinsarlen  neben  Orlhoklas  aueh  Oligoklas,  also  ein  Plagioklas  auf- 
tritt,  dageiren  scheint  Orlhoklas  nie  mil  Labrador  oder  Anorlhit  zusammeii  vor- 
zukommen. 

\\  eitere  Anhallspunkle  fiir  eine  Gruppirung  der  gemengten  kryslallinischen 
(iesteine,  namenllich  der  Orlhoklas-Gesleine  sind  1)  die  Anwesenheil  oder  das 
I'ehlen  des  Unar/es  in  ihrer  Gesleinsmasse  ,  so  dass  man  sie  in  quarzhaltige 
und  (juar/.IVeie  sondern  kann  ;  2)  das  elwaige  Auflrelen  driller  Gesleinselemeiite 
,\vie  Hornblende.  Augit,  Glimmer,  Nephelin  oder  Leucil,  von  denen  die  beiden 
lelzlgenannten  den  Feldspath  vollsliindig  erselzen  kb'nnen)  ;  3)  Verschiedenheiten 
in  der  Slructur,  denen  zu  Folge  sich  innerhalb  der  Gesleinsgruppen  eine  Glie- 
dennii:  in  kornige,  porphyrische  oder  glasige  Gesleinsreihen  bemerkbar  maeht  ; 
I  das  grbssere  oder  geringere  geologische  Alter  der  Gesteine,  \\oiiaeh  man  sie 
als  altere  \oiterliiire  und  jUngere  (lertiilre  und  posllerliiire)  Irennt. 

Auf  die  angedeuleten  Gesteinscharaclere  isl  umstehende  lal)ellarische 
I'ebtM'sichl  und  Gruppirung  der  nussi^en  uenn-ngien  ki-\stallinischen  (Feldspalh-) 
(iesleine.  -  -  eine  dankenswerthe  liaiidseliriflliche  Millheilung  des  Herrn  F.  Zir- 
kel  -  -  gegrilndet.  In  den  verlicalen  Reihen  dieser  Tabelle  zeigl  sich  erslens, 
dass  ein  und  dasselbe  Gesleinsmaterial  unler  verschiedenarliizen  \  <  i  lui 


48 


II.   PetrographUche 


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II.    Petrographische  (it'olu^ic.  49 

iianz  almeirltende  Strnrtnr,  also  einen  uan/  antli'ivn  (lesteinseharakter  anneh- 
inon  kounlo  '(Irani!,  Folsitporphxr.  I'eehstein  .  z\\eilons,  dass  sich  vollkommcn 
analog1  .Minoraleoinbmalioiien  in  \erseliiedonon  lieolouischen  Xeitriinmen  \\ieder- 
holl  liaben  ,  dass  also  die  in  den  unteren  llauplcolonncn  ani:elnhrlen  (lostoine 
gewissermassen  none  Aullauou  dor  in  drr  oboren  llanpti'eihe  uenannlon  Fels- 
arlen  repriisentiren.  So  sind  Felsilporphx  r  nnd  Onar/.traehyl  /inn  Yer\\  eehseln 
iilmlichc  quariftihrende  Orthoklasgesteine  ,  -  Diabase  nnd  Dolcrite  l.ahrador- 
An^ilucslfiiic.  ^fliin-cn  alter  ihrer  l-'.ntslelnini;  naeli  \\eil  L;elrennlen  jieolouisehen 
/eilriininen  an.  In  don  liori/onlalen  Ueilien  hinpeuen  Irilt  die  Vei'schieden- 
arliiikeit  dor  inineralisrlien  /nsainin<'nsel/.nni:  dor  xnin  Thoil  uleiflialleriiion  Ge- 
sleine  lu>r\or. 


Altero 

a)  0  n  ;i  i  xli  a  1  1  i  ii»'  0  rt  h  o  k  I  a  SUM>  s  It-  i  ii  t>, 

\\esentlicli    (iemeiiize    von    Orthoklas    (mil    Olii;oklas),    Onar/.    nnd    (Ilinnner; 
korniiz:   (Iranil.   onmlmiirt   kiirniii-porpli)  risch  :   (Iranilpoi'phyr,    porphyrisch  :    l;el- 
sil|tui  |i|i\i\    diehi  :    Felsilfels,    iilasiirlifz  :    I'oohslein. 
tx.  (iranit. 

Dor  (Irani!  isl  ein  iirob-  bis  feinkiirni^es  Aii^roiiJtt  \on  Orlhoklas  (und  Oli- 
::nklas  und  Onar/..  in  \\clcliein  (Iliininorbliitlchon  oingoslroul  lieiion.  Dor  feld- 
s|ialliii:e  (leinenjillioil  wallet  in  dor  Hoiiol  \or  don  iibriuen  vor  und  ist  haupl- 
siiohlioli  Or  I  link  las  ,  bald  in  oinfafln'n  ,  bald  in  XwillinuskrNslallen  ,  \\elolie 
juif  don  IVisclien  S|iallmiL:sll;iclien  oino;i  slarken  I'orliiinttorizlan/  bosil/en  nnd 
ineisl  riidilicli  \\oiss,  lloisoh-  odor  /iojjjolrolh  ,  sellonor  !j;rUnlich  odor  i-i-an  t;e- 
I'iirbt  sind.  Neben  doin  Orlhoklas  Iritl  solir  ^o\\ohnlicli  oin  ^riinlieh  odor  i^raii- 
lich  Lielarbler  Iriklinor  Ol  i  i^ok  I  ;>  s  auf  und  niaolil  sich  (lurch  die  /williniisslrei- 
fuuir  auf  soinen  Spaltnimsdiiolien  und  durch  soinon  follartiuou  (Ilan/  konnllioh. 
Der  Onar/.  ei'sclieinl  in  don  ineislon  Fallen  in  unregelmassi^en,  slai'k  loll-  odor 
ulasiiliiii/.endeu  Kornern  von  lichltirauer  Farbe.  Sein  museheliger  Bruch  und 
seine  Iliirlo  untorsclieidon  ihn  loiohl  voin  Foldspalho.  Nach  Arl  nnd  Woise 
seinei1  KinhiiMini:  in  die  ilbriizon  Uoslandllieile  des  (Iraniles  tiiobt  or  sich  als 
das  am  spiiteslen  \  on  alien  Liranilisehen  (Iesleinsel<Mnonlon  foslij;e\\-oi-deno  /u  er- 
kennon.  Der  (I  Mm  in  or.  so\\ohl  Magnesia-  \\ie  nanientlieh  Kaliiiliimnoi1,  bildel 
diinne  Laniollen  odoi1  soelissoilii;e  Tal'oln  von  \\eissor,  br.iunoi'  <»doi%  sch\\ar/er 
Farbnnii.  \\elrhe  bei  ver\\  iUerudo!!  (Iranilen  in  eine  inessin^iielbo  Ubori;elil. 
Der  (Dimmer  kann  durch  Talk-,  Chlorit-,  (Ira|)hil-  nnd  I'liseiiLilan/.si'hnppen 
\erlrelen  \\ordon.  \\odurch  naoli  diosen  .Mineralspecies  benannto  (Iranilabarlen 
enls|(>hou  (z.  B.  (ii'aphituranil  . 

Aus  /ahlroiohon  UansclianaUsen  oriziebl  sieli  als  (\pischos  .Millel  dor  eho- 
misehou  Zasaminensetzung  dor  (Iranile:  Kieselsiinre  72,  Thonerde  1(1,  Kison- 
(»\\dulo\\d  1,'i.  kalkenlo  1,5  Mai-nesia  u..'i.  Kali  (').">.  Nalron  2,5. 

Sehr  Liross  isl  die  Xahl  der  als  zul'iilliiio  (lomoniilheile  des  (Iranitos  aul'- 
Irelenden  Minoralien.  unler  \\elchen  lierxor/nlieben  sind:  (IrauiL,  I'inil.  I'isla- 
/it,  Turmalin.  Mer\ll.  Apatit.  Andalusil,  Flussspalh.  iMa^noleisener/,  /.inner/. 
Sebwefelkies. 

Credner,  Elemente  d.  Cieologie.  4 


50  II.   Petrographische  Geologie. 

Die  Korngrtfsse  des  Granites  sehwankt  ausscronlentlich  und  sinkt  von  Faust-, 
j;i  Kopf'grosse  his  /n  SenfkorogrdSSe  herab.  Die  inillelko'rmgen  Yarietiilen  sind 
die  geNNiihnlirhsten.  In  ilirer  gleiclimiissiii -korniuen  .M.i.ssc  trelen  liiiufig  ein- 
zelne  griissere  Feldspathknstalle  und  x.\s;ir  in  der  Regel  nach  dem  (larlshader 
(iesrt/.e  \er\varhsene  /willinge  hervor,  \vodurcli  der  (iranil  einen  porphjrarti- 
gen  Habitus  erhalt,  so  bei  Carlsbad,  hei  \Vunsiedel  im  Pichtelgehirge,  iin  Thii- 
ringer  Wald,  in  den  Pyrenaen. 

Der  Granit  ist  ein  massiges  Gestein,  welches  verha'ltnissmassig  nur  sellen 
in  plattenlormige  Biinke  abgesondert  crscheint  (so  in  der  Lausilz,  bei  StreliU-n 
in  Schlesien,  l)ei  Zehren  in  Sachsen).  Das  Massive  und  Uniicschirhletr  ist  s«j 
vollkonunen  mil  dein  BegrifTe  des  Granites  versvachsen,  dass  wir  denselht-n. 
sohald  sich  eine  Parallelslructur  und  mil  ihr  eine  Andeulung  von  Schichtung 
/«'iiit.  nicht  mehr  Granit,  sondern  Gneiss-Gran  it  nennen. 

Der  Granit  tritt  unter  doppelten ,  durchaus  verschiedenen ,  aber  bisher 
nicht  immer  getrennt  gehaltenen  Lagerungsformen  auf.  Einerseits  bildet  t-i 
ein  \viehtiges  Glied  in  der  Sehichtengruppe  der  laurentischen  Gneissformation, 
\vo  er  durch  allmahliche  Entwickelung  deutlicher  Parallelstructur  in  Gneisse  tiber- 
geht  und  mil  Kalksteinen,  Quarziten  und  anderen  geschichteten  Gesteinen 
\\cchsellagert  (Bayerisches  Waldgebirge,  Gentralalpen ,  Pyn-niien,  Skandi- 
uavien,  Canada,  atlantische  Staaten).  Ganz  anderer  Art  als  bei  diesen  sedi- 
mentiiren  Graniten  sind  die  Lagerungsverha'ltnisse  des  Granites,  \vo  er  in 
glulhfldssigem  Zustande  aus  dem  Erdinneren  hervorgepresst  worden  ist, 
crstarrte  und  jetzt  die  anderen  Gesteine  gang-  oder  stockartig  durchsetxt, 
kurz  alle  Erscheinungen  eines  eruptiven  Gesteines  zeigt  (Rehberger  Graben 
bei  Andreasberg,  Granulitgebiet  in  Sachsen,  Bayerisches  \Vald»ebirge  und  vit-le 
andere  Districte).  Nicht  nur  die  Lagerungsforni  und  die  Ursprunizswoise,  auch 
das  geologische  Alter  der  beiden  Granite  ist  verschieden ;  wahrend  niiinlicli  die 
st'diinentaren  Granite  der  altesten  Gesteinsformation  angelioren,  fallt  die  Erup- 
tion der  Ubrigen  Granite  in  spatere  (das  silurische,  devonische,  ja  in  noch 
\\fil  jilngere)  Zeitalter. 

Die  Form  der  Granitberge  ist  in  der  Regel  eine  gevvblbte,  einein  Kuiiel- 
abschnitte  gleichende  (so  die  des  Brockens).  Ihre  Oberfliiche  ist  gewohnlich 
von  zum  Theil  colossalen,  wollsackiihnlichen  Granitblbeken  besiiet  (Felsenmeere), 
dert-n  Entstehung  dadurch  erkliirlich  ist,  dass  die  Verwilterung  des  Granites 
den  das  Geslein  durchsetzenden  KlUften  nachgeht,  die  niichstlieuenden  Partien 
in  lockeren  Grus  umwandelt  und  die  centralen  Massen  in  Form  abgerundeler 
Blik-ke  zurilcklasst. 

Unter  den  zahlreichen,  durch  Modification  ihrer  Zusammensetzung  und  ihrer 
Structur  bedingten  Granit-Varieta'ten  sind  folgende  hervor/uhe.ben: 

a.  G  rani  tit,   besteht  aus  vorwaltendem  rothem  Orthoklas,    viel  Oligoklas. 
wenig   Quara   und    wenig   schwa rzlich-grllnem    Magnesiaglimmer   'ohne    weissen 
Kaliglimrner);   Brocken,    Riesengebirge,    Brotterode    uud   Ilmenau    in    Thttringen. 
Brixeu  in  Tyrol,  Baveno. 

b.  Prologin-Granit    (Alpengranit),    besteht    aus   gliinzendem    Orthoklas, 
mattem   Oligoklas.    Uuar/,   dunkelgillneni   (iliminer  in   sechsseitigen  'J'iifek-lien  und 


II.  Petragraphiache  (ieologie.  51 

lielliirdneni    bis    smaragdgriineiB     Talk.     \\clclicr    oft     den    Oliizoklas    inipriiijiiirl 
Nvesllidie  .\l|)fii  . 

c.  S  N  fin  I  ii\-i\  n  it ,    cin     ijraiHlisdics    Asj^ivual    NOII    Ortlioklas ,     Olisjoklas. 
Ouar/    mid    \\rniii  (ilimmer.    /u   \\rlrlirn    Hornblende    Irill     (dentralparlien    d  IM- 
S'oi:esen,    Pilsencr  Kreis  in  Holimen,    Krixen    inTNrol,   Kcidicnslein   in  Sdilesien  . 
Dieses  /.inn   Tlicil   porpliNrisdi   aiisuchildele  (icstein  durdiscl/.l   auf der  Insel  SkNe 
dt'll   F.iiis   uinl    h.il    (lessen    Kalke   in   Miirmnr  uiiiiicxNaiiddl . 

d.  Pc^in.-i  til,    cin   sclir  urosskoniiiics,    niclil   srllrn   druscnrciclics  A 
\<»n   Orlhokl.is    in  his  fuss-,  ja  klaflcriznisscn  I'arlicn),  NNoisscin  Ouaiv.  und 
Tafrln    \(in   silhcrxvcissciu   (iliiiinicr,     /.u   dcncn   sich   sclir  p-\\(ilinlich   siinlcn!  iir- 
inip-  Tuniialiuc.    /n\\  cilcn  aucli   als  /ulalliiic  (Jt'iiicn^lliciU-  Ucryll.  Topas,  (iranal. 
Apalil.    Orlhit  u.  a.  ut^scllfii  (I'cuiii  in  Sacliscn,    Lanucnbiclau   in   Schlcsion,  X\\  ic 
sol   iin    hayiisrlirii    \\aldc,    Hulila    ill   Thiiriniifii  . 

<-.  Sell  ri  I'l  lira  nil,  fin  Aiiiiiviial  \on  iirosscn  lH'ldspalli-liidi\  iducn.  \\clchc 
von  /alilrcichcn  parallel  slchcndcn,  slciiizcliiicn  Uuar/-lndi\  idncn  in  dcr  \\Cise 
(liircli\\acliscii  sind,  dass  die  Icl/.h-rcn  atif  den  SpaltUBgsQftcbefi  dcs  Peldspatfaes 
in:  OucrhruclH'  und  y.uar  in  Fiituren,  iihnlidi  \vic  hcbriiischc  Sclirift/ii^c  cr- 
sclicincn.  In  untergeordneten  I'arlicn  hci  Uodrniuais  in  Baycrn,  KhrtMtbcri;  hci 
llnii'iiaii.  iin  Hicscnut'hifiic.  l»«'i  Tliarand. 

:>'.».  (.ranitporpliyr. 

Der  Granitfioiphyr  bcsidil  aus  finer  fcinkuruii^on  (irundmassc,  \\clclic  por- 
pli\nsclic  Ausscliciduniicii  vou  l;clds|)alli ,  Ouar/  und  (ilimiiuM-  unil'assl.  Die 
dcullicli  knrniiic  (irundniasst'  dcs  (Jranil|)orph\ res  ist  ein  A^reiral  \on  Fcld- 
spalli,  Qua rx,  und  (iliinnicr  odcr  (lliloril,  dessen  feine  ScliiippeluMi  dcr  sonsl 
briiunlirlien  cider  urauliclien  Gruiidniassc  cine  ^riinliclio  Fa'rbuni'  verlcilicn. 
In  dcrsclbcn  lichen  /alilrciclic ,  incisl  iibcr  zolli-rosse,  ileisch-  odcr  /ic^clrollic, 
stark  iiliin/.cndc  Orllioklas/.\\  illiiii;c.  klcincrc  und  s|)iirlichcrc.  izclltlichc  odcr  ijnin- 
liclu',  matte  Oli^nklaskrxslallc.  crbscn^rossc  ijjrauc  Quar/korncr,  Schup|)cn  NOII 
braunoin  (iliinnicr,  und  Flocken  oder ruadliobe  Kiirncr  von  dunkcl^rilncin  (lliloril. 
Stclll  sich  ncbcn  dicscn  (icstcinsclcinciilcn  nodi  scliN\ar/c ,  kur/  siiulcnloriuiiit1 
II  or  nl)l  c  nde  ein  NNJC  bci  LicbcnsU^in  in  TbOrifigen),  so  ncnnt  man  das  (ic- 
slcin  SN  en  i  tiira  nitpoi'|)liN  r.  Als  /ailalli^cr  (icincn^theil  koininl  /uwcilcn 
(iranal  \or  bci  \\"ur/cii  .  Her  (iranilporpliN  r  ist  in  Dcutschland  nainciillicli 
iin  Lcip/iucr  krcisc  bci  Hrandis.  hcuclia  und  an  dcin  Muldculcr  y.NNisclicn  Trcb- 
scn  und  NViir/cn  cnlNvickcll. 

:5<).    Fclsiiporpliyr  (quar/filhivnd«'r  l'or|)li\r  . 

D(M-  Fclsilporplnr  bcslchl  aus  cincr  dichl  crsdicincndciK  fclsilisclicn  (Irund- 
inassc.  in  NNclchcr  KrNslallc  NI>II  Ouaiv.  und  Orllioklas.  dancbcn  aucli  solclic  NOII 
Oliuoklas.  Sanidin  odcr  (iliinnicr  porpliN  riscli  ausucscliicdcn  lichen. 

Die  (ii'undinasx1  ist  cin  miners  (icmciiiic  NOII  inikroskopisclien  l;cldspalli- 
und  Ouary.kiirndicn  in  sdiNNankenden  Yerlialtnisscn  mil  77  I'roccnt  Kicsclsiiure. 
NNO/U  kleinc  (iliinincrbliiltdicn  trclcn  ktinncn.  Sie  isl  bald  diclil.  splillcriu, 
(him  sclir  hart,  bald  mall,  rauli,  locker,  .sclbsl  crdii:,  und  bcsil/l  am  liiiulij-'slen 
cin  riitlilidi  braune  I'.irbe.  ncbcn  NNcldier  Liriiiilidic.  i;clblidic.  i;rauc,  ja  braune 
Nuanoen  vorkommcn .  die  oft  aulVallcnd  i MM  \\  mil  einander  wechseln.  Als 


52  II.   Petrographisehe  Geologie. 

besnnderc  Modiliealionen  in  dcr  AusbildutigSWeise  der  Grundmasse  1st  dcren 
kugelige,  lagenfbrmige  und  drusige  Struclur  xu  bclrachlcn.  Die  kugeligc 
Stnrctur  machl  sich  dadurch  geltcm!,  duss  hirsekorn-  l)is  erbseiiiirosse.  conccn- 
trisch-sehalige  odd-  radial-l'aseriije,  /inveilen  iin  Inneren  hohle  Kilgelchen  in  dcr 
diclilcn  Grundmasse  ausgeschieden  sind.  In  gewissen  Varietalen  dcr  Fclsit- 
porphvrc ,  den  K  ugelporphy ren  ,  konnen  die  Kugeln  Faust-  bis  Kopfariissc 
crrcichen:  sie  beslehen  aus  concenlrischen  Schalen  von  abwechselndem  .laspi* 
nutl  (Miakrdon  und  umschliessen  cincn  Rauin,  dor  von  Kalkspalh-,  Flussspatli- 
und  EisiMiglimmerkryslallen  ausgekleidel  isl  (Spies! >cri:,  Sclincckopf  in  ThiirinL'cn  . 
Die  I  aiicnformige  Structur  dor  Felsitporphyr^rundrnasse  \\ird  dadurch  her- 
vergebracht,  class  Quarz  und  Feldspath  von  einander  gesonderlc,  mil  einandci- 
abwechselude  Lagen  bilden  (Wechselburg  in  Sachsen,  Tabar/  in  ThUrin^en. 
Weinhcini  ini  Odemvald).  Bei  drusiger  Slructur  zeigt  die  (irundmasse  nian- 
eher  Porphyre  (Mllhlsteinporph  yre)  zahlreiche,  unregelmUssig  gestnllelc. 
liiiufiij;  mil  Quarzkrystallen  ausgekleidele  Ilohlungen,  wodurch  das  Geslein  ein 
/elligos,  zerfressenos  Aussehen  erhalt  (Umgel)ung  des  Inselsberges  in  Thiirin- 
uen,  Ziegelhauscn  im  Odenwald). 

In  dieser  Grundmasse  des  Felsilporphyres  liegen  Orlhoklas,  Oligoklas,  Quar/ 
und  Glimmer  porphyrisch  ausgeschieden.  DerOrthoklas  erscheinl  in  rolhlichen 
Kryslallen  mil  stark  perlmutterglanzenden  Spaltungsflachen.  Bei  den  einfachen 
Kryslallen  herrscht  die  Saulenform  vor,  die  tafelformigen  sind  slets  zu  Zwillin- 
gen  verwachsen.  Beim  Zerschlagen  des  Gesteines  erscheinen  dieselben  in  <|iia- 
dratischem,  rechteckigem  oder  sechsseitigem  Querschnilte.  Dej'  nur  in  kleineren 
Krystallindividuen  auftrelende  Oligoklas  zeichnet  sich  in  frischem  Zuslande 
durch  die  Zwillingsslreifung  seiner  Spaltungsflachen  aus,  verwittert  jedodi 
so  leicht,  dass  dieses  Kennzeichen  rasch  verschwindet ;  er  \vird  danu  malt 
und  spiiter  weich ,  selbsl  kaolinarlig,  wahrend  sich  der  Orlhoklas  noch  voll- 
kommen  unzerselzl  erhallen  hal.  Auch  Sanidin  ist  aus  manchen  Porph \IVM 
bekannt.  Der  Quarz  erscheinl  in  hirsekorn-  bis  erbsengrossen,  unregelmSssigea 
Kornern,  oder  in  wohl  ausgebildelen  Dihexaedern  (letzleres  z.  B.  am  Auers- 
berge  bei  Slolberg).  Seine  Farbe  isl  graulich  weiss  bis  dunkel  rauchgrau,  sein 
muscheliger  Bruch  felt-  bis  glasglanzend  Wahrend  Ausscheiduiiiien  von  Onar/ 
in  alien,  von  Feldspath  in  den  moisten  Felsitporphyren  vorhanden  sind,  erscheinl 
Glimmer  nur  in  seltenen  Fallen.  Er  bildel  dann  hexagonale  Tiifelchen  von 
schwarzer  oder  tombackbrauncr,  selten  silberweisser  oder  messinj^clber  Farbe. 

Als  lypisches  Millel  der  chemischen  Zusammcnsety.ung  der  Felsitporpln  re- 
nal sich  ergeben  :  Kieselsaure  74,  --  Thonerde  12  — 14,  —  Eiscno\\dulo\\d 
2  —  3,  —  Kalk  1,5,  —  Magnesia  0,5,  — Alkalien,  unler  denen  Kali  von\  ieiil. 
7  —  9. 

Wahrend  die  Felsilporphyre  arm  an  zufalligen  Gemengtheilen  sind,  von 
denen  hochslens  Schwefelkies,  Epidot,  Granat,  Flussspath  und  Chlorit  anzufUli- 
ren  sein  dilrften ,  zeichnen  sie  sich  durch  ihren  Reichlhum  an  accessorischen 
heslaiidinassen  aus,  welche  als  Mandeln,  Nester  und  Schniire  von  Kalkspalh. 
(Juar/,  Chalcedon,  Achat,  Amethyst,  Flussspalh  u.  a.  auftreten.  In  Thilringen 
(bei  Elgerslmrg,  Ilmenau  und  Friedriehsroda)  bilden  Mangancr/c  in  Form  \(»n 


II .   Petrograpbische 


53 


Neslern,   Adorn   und  SpalteoaitsfUliUDgen   technisch   \\iehlige   Bestand- 
massen   innerhalb  des   l;e|silporpli\ros. 

Die  llaupt/oit  fclsitpoi pits  risolior  Kruptionon  lallt  in  die  IVriode  dor  Dyas 
souie  der  altoren  Trias,  und  ihre  llauptverbroitimg  innorhalb  Deutschland  in 
oine  /one.  \\elelier  die  (legend  an  der  Lenne  und  bei  Brilon  in  Wostphalon, 
der  Thilringor  \Vald,  der  Siidrand  des  llar/os.  dor  Ilalle-F,oipziger  Krois  und 
oino  An/.alil  Loealilalen  dos  Kr/gohirgcs  und  Sohlosieiis  angehb'ren.  An  der 
\Vostkiiste  \on  Sclioltland  durchsctzt  und  dborlagorl  syenitischer,  also  horn- 
biendeftibrender  Folsitporphyr  die  Schichten  der  Liasformalion. 
31.  FelsitlVN. 

Dor  Felsitfels  isl  ein  hartos,  ooinpaeles  (lesloin  von  dichlein,  homogoncm 
Auxelion.  welehos  wosonllioh  aus  einem  innigen  Gemengc  von  Feldspalh  mil 
Kieselsiiure  boslohl  und  mil  der  Grundniasse  des  cben  beschriebenon  Felsit- 
pi»rpli\ros  ideiitiseli  ist.  Mil  let/.tereiii  .steht  der  Felsitfels  auch  in  ongor  ra'uin- 
liohor  Be/.ieliiiiig.  indein  ausgodolinto  Partien  dos  Felsitporphyrcs  nach  ihron 
Gronzen  v.u  durch  Verdichtung  ihros  Gel'Uges  in  Felsitfels  Ubergehen  (so  in  den 
Es  Iritt  jedoch  dieses  Gestein  auch  in  selbstandigen  Ga'ngen  auf  (so 

•I- 
:\-2.  Felsitpechstein. 

Dor  Felsitpechstein  ist  ein  halb  glasiges,  leicht  zersprengbares,  an  don 
Kanten  durehselieinendes  Geslein  von  pechahnlichem  Aussehen,  bosil/l  Fettglanz 
und  inusoholigon  bis  unebenen  Bruch  und  erreicht  kaum  die  llarte  des  Ortho- 
klasos.  Seine  vorliorrschenden  Farben  sind  dunkclgrUn,  braunroth  und  schwarz, 
zuweilen  mil  gestreifter  odor  vvolkigcr  Zeichnung. 

Der  Pechstein  ist  ein  natiirliches,  wasserhaltiges  Glas,  welches  als  eine 
Krstarrungsmodificalion  der  Felsitporphyrmasse  zu  deuten  ist.  Bei  mikrosko-y 
j)isehei-  rntersuehung  zeigt  es  sich,  dass  die  Felsitpechsteine  nur  zum  Theil 
aus  ainoi'phor,  das  Licht  einfach  bn'chondor  Substanz,  neben  dieser  aber  aus 
felsi  I  i  seller,  also  kr\ stallinischer,  doppolt  brecheuder  Materie  bestehen,  wah- 
rond  oigenlliche  BeloniU^  gar  nicht  vorkommen.  Die  felsitische  Masso  bildet 
Stroifen,  Adern,  sich  concentrisch  uinhtlllende 
Schalen  odor  haul'onlonuige  Ansanimlungen.  In 
dieser  thoils  glasigon.  tlioils  felsitischen  Grund- 
inasse  sind  Mikrokrvstallo  von  Sanidin,  Plagio- 
klas.  Ouaiv,  und  schwarzom  Glimmer  ausge- 
sehiodon.  \\elclie  \\iederuni  KinschlUsse  boider 
Alien  dei-  (irundmasse  umfassen.  Nur  in  ver- 
ein/elteii  r'allen  sind  spiirlichc  Fliissigkoilsein- 
seliliisse  mil  Ix-ueglieheii  Blascheu  beobachlot 
\vorden.  In  vielen  -^lasarlig  scheincnden  Peoh- 
steinen  sind,  ausser  mikroskopiscli  kloinon  Kry- 

Slallehon   VOn  QuarZ  Und  Feldspalh.   ZahlloSC  AUS-    FiR.  s.  F.irnwodoiahnUchellornblendegebilda 
•      .  i  i    i  .  i  i  ira  Pechstein  von  Arran. 

scheidungsprodukte  \on  kreuz-,  stern-  und  na- 

GesUlt    yMikrolilhe)    in    dichtem  Oeuirre    eingestrcut.     Die    farblose 
Gruudniasse  gewisser  Varieliiten  der   Pechsteine   von   Arran   ist  stellen- 


.".  I  II.    l'etn>.urM|iliisdic 

\vcisc   angefulli    Mm    mikroskopischen,    farntvedelahnlichen   Hornblendegebilden 

Fig.  Si.  Die  GcsleinMiias.M'  der  I'edisleine  iiiinint  nichl  sellcn  sparolilhi^-he 
Slnirhii-  .in  mill  enlhall  il.inii  fclsilische  Kugeln  \on  Linien-  inul  Fnssgrcivse, 
\\cldie  oil  diclil  ;iii  einandcr  gedr;ingl  sind  inul  cine  durrh  rasche  Krslarrung 
dcs  (irsleins  bedinglc  Millelslufe  in  dcr  Knl\\  icklung  des  knsiallinisdien  Zu- 
slandes  reprascntircn  Spechlshauscn  hci  Tharand  .  1st  die  Individnalisirung 
ein/.clner  Gemengtheile  dcr  Pechtsteinmasse  in  l''(il;-'c  elwas  langgamerer  Abktlh- 
lung  m&gfich  geweh&Ja,  so  slclll  sidi  cine  porph\  rischc  Slrncliir  cin.  DCI-- 
jirlitic  (icstcinc  Pec  h  s  I  c  i  n  po  r  p  h  \  re  nmr;isseii  in  der  h;ill>i;l;isiL:cii  I'edi- 
sleinunindniiisse  Krxsl.ille  nnd  Kiirner  \un  Orthokhis,  IM;ii;iokl;ts.  Oiuiiv.  nnd 

selien  (dimmer  odor  Hornblende  (Meissen).  Auch  losgorissene  hrudisliieke 
des  Nelieiiu'esleines  nmsehliessl  der  PochslHn,  so  soldie  \(in  (ineiss  nnd  (ilim- 
mersdiieler  l»ei  Mohorn  nnvveil  Kix'iherg,  solcho  von  Sandslcin  ;ml'  der  lixsel 

\i  i;in. 

In  Denlsdiland  isl  der  Pechstcin  fast  aussehliesslich  auf  die  Porpli\  r-Terri- 
lorien  Mm  Meissen  hesdiriinkt.  llier  bildel  derselbe  Gauge  in  eeht<Mi  Felsil- 
porplnren,  h;ii  sidi  ;il»er  auch  deckenarlig  Uber  denselben  ausgehreitet.  Fer- 
ner  sind  isolirte  ganglormigo  Vorkommen  dieses  Gesleines  in  den  Dislrikten 
zvvischen  Tharand  nnd  Freiberg,  sowie  bei  Zwickau  bekannl.  Beruhml  sind 
die  Pechsleineinlagerungen  und  -Gange  auf  der  schollischen  Insel  Arran. 

b)   Q  u  a  r  z  f  r  c  i  c  0  r  t  h  o  k  I  a  s  u  c  s  I  c  i  n  c  . 

wesentlich  Gemenge  von  Orthoklas  (nebsl  Oligoklas),   Hornblende  und  zum  Theil 
Glimmer.     Kornig:   Syenit,   porphyrisch :   (juarzfreier  Orthoklas-Porphyr. 
:?:}    Syenit. 

Der  Syenit  1st  ein  krystalliniseh  kbrniges  Gemenge  \on  Orllioklas  und  Horn- 
blende, /n  denen  sich  sehr  haufig  Oligoklas  und  nianchmal  Glimmei-  gesdli. 
Der  Orthoklas  isl  der  vorv\allende  (ieiiKMigtheil,  bildet  die  kornige  Grund- 
masse,  in  \\elcher  die  Hornblende-lndividnen  richlungslos  /ersireul  li(>gen,  nnd 
besitzt  cine  rothliehe  oder  vveissliche  Farbe.  Der  Oligoklas  trill  nur  unter- 
geordnet  auf  und  /.cidinel  sich  durch  die  Zuillingsstreifung  auf  seinen  Spal- 
lungslljichen  aus.  Die  Hornblende  bildet  kurze  Siiulen  von  duokelgittner 
oder  schwarzer  Farbe.  Der  Glimmer  isl  stcts  Magnesiaglinuncr  von  dunklei, 
.sdiujir/grunei1  Farbe.  Zuweilcn  kann  er  die  Hornblende  giin/.lidi  oder  fast 
vollkominen  \crdriingen.  Solche  aus  Orllioklas,  Glimmer  und  fasl  \ersdnvin- 
dender  Hornblende  beslehende  Gesleine  hat  man  (i  I  i  m  m  e  rs\  e  n  i  I  gcnamil. 

Als  l\pisches  Millel  der  dicmisdieii  /usammcnsel/ung  der  Sxcnilc  ergiebl 
sidi  :  Kicselsiiure  "iK,:n,  —  Thoncrde  19,81,  --  Kisem. \\.lul  S, 27,  --  Kalkerde 
0,66,  --  Magnesia  '2,91,  --  Kali  3,20,  -  Nalron  2,42  und  gcringer  Wasser- 

gehmt 

Von  den  zahlreichen  /ul'iilligen  Gcmenglheilen  des  Sycnilc.s  sind  Ivpidot, 
Orlliil,  MagneleistMislein,  Sehwefelkies.  luiinentlidi  aber  Tilanil  an/ufiihren.  Als 
ebensnldie  muss  man  dii1  Ouaiykorncr,  \\eldie  selbst  mandien  l\pisdien  S\e- 
nilen  niehl  IVemd  sind,  belrachlen.  Der  Ma^neteisenslein  Irill  nichl  nur  slrich- 
\\cise  in  Geslall  feinkurnigcr  Impriiuiialioiien  ,l;allli,indei"  als  zufalligcr  (iemeng- 


II.   Petrographische  (icolo.mr  .">,"> 

Iheil,  sondern  .meli  in  m.irhliuen  mid  \\eit  BUSgedehoten  unreuelm.i^iizen  Storken 
oder  ,inh;illenden  rei:elm;issii:en  Flbt/en  innerhalb  dcr  Syenite  auf.  (Die  Kruxe 
bei  Suhl  iin  Thilrinuer  \\,ilde,  New  .lerse\,  Ne\\  York.  Canada).  Ausserdem 
belheilip-n  sicli  i;e\\i.sse  Mineralien  SM  ennslanl  und  in  so  zahlreiehen  Indix  iduen 
als  zufallige  Gemenglheile  .in  d«-r  /iisammenset/.uiii:  des  S\eniles  und  z\var  /.inn 
Theil  a  iil'  kosten  i:e\\i.vsrr  \\esentlieher  Gemengtheilc  dieses  Gcsteines,  dass 
die  M>  ('iilstcliciidcii  Sxcnilvant'liilt'M  mil  iM^cncii  Niinicn  lielegt  worden  sind  : 

F i)  \iiit,  cin  suMtilischcs  (icint-n.m1  \nn  Orthokliis  und  Hornblende,  zu 
\\cli-licn  .sii-h  >(,irk  Irll^lJiii/.rmlrr  Klaeolith  i-esellt  :Keri;  Foya  in  Portugal). 

Miiiscil,  cin  sxenilischcs  (Jeinenge  von  Orlhoklas  und  Hornblende,  in 
\\clclinn  die  lel/.lere  zuin  Theil  \on  seli\v;ir/.eni  (jliininer  \erli-elen  ist  und  \vo- 
/u  >i,-h  F.liiroliili  und  iiuch  \vohl  Sodulilli  p'srllrn  illinenuebirge  bei  Miask  . 

Ditroit,  ein  grob-  bis  feinkorniizes  Gemenge  von  Sodalilh  und  Orthokl.is, 
Oligoklas,  (i.mrriiiit.  Fllaeolith  nebsl  Hornblende,  Glimmer,  sowie  Magneteiscn 
und  TitaoileiDeprengiiogeQ.  (Ditro  in  SicbenbUnzen.) 

Zirkonsyenit ,  ein  iirosskorniges  Aggregal  von  vor\\allendem,  durch 
sehillerndc  FarbensNandlung  ausgezeiclinetem  Orlhoklas,  vvcnig  schwarzer  Horn- 
blende, neltsi  zahlrcichen,  silulenfb'niii^en  Xirkonkryslallen,  sowie  Elaeolilh.  Er 
isl  reieh  an  zufalligen  (Jemenglheilen  (Laurvig  in  Norwegen). 

Die  Korngrbsse  der  syenitischen  Gesleinselemente  schwankt  zwischen  grob- 
und  miltelkiiriiii:.  Dadurch  dass  grbssere  Feldspathc  aus  der  Syenitrnasse  her- 
\nriieien.  niinint  das  Gestein  einc  porphyrarligc  Structur  an  (Mehlis  iin  Thti- 
rinuer  \\iilde.  bei  Predazzo  in  Sildtyrol,  iin  Triebischthale  bei  Meissen). 

Der  Syenit  ist  vvie  der  Granil  ein  massiges  Gestein  und  besitzt  cine  echt 
granttische  Struclur,  doch  zeigen  sieh  nicht  selten  Andeutungen  von  Schich- 
luni:.  \\elche  dureh  parallele  Lagerung  der  tafelfb'rmigen  Orthoklas-Individucn, 
der  Hornblendes  iulen  oder  Glimnicrbliitlchen ,  namentlieh  aber  dureh  lagen- 
\\ei>es  AbvNeeliseln  feldspalhreicher  und  hornblendereicher  Syenitzoncn  und 
durch  sirichu ei.se  Imprijiiiiationen  von  Maizneleisensteinkb'rneru  hervorgcrufen 
\\ei-den.  Man  uennt  diese  Gesteine  Sy cnitgneisse  (oder  gneissige  Syenite). 
Aueh  die  Lagcrungsfonncn  und  das  Alter  des  Syenites  slimmen  mil  dcnen  des 
Granites  ilberein.  Man  kcnnt  den  Syenit  als  machtiges  Glied  der  laurentischen 
(ineisslnnnalion  in  Weehsellagerung  mil  Glimmer-  und  Hornblendegneisscn, 
re^eliuiissiijen  Flbtzen  von  Magneteisenstein,  kryslallinisehem  Kalkstcin  und  llorn- 
lilendeschiefcrn.  Mil  diesei-  LageruDgafbnn  des  Syenites  geht  die  Neigung  dcs- 
>elben  zur  Annahme  der  oben  bcsehriebencn  Parallelstruclur  Hand  in  Hand. 
New  Jersey,  Canada,  Skandinavien,  Bayeriseh-Bbhmisches  Grenzgcbirge,  Scholt- 
land.)  Auf  der  anderen  Seite  kann  der  Syenit  seine  Nebengesteine  auch  gang- 
uder  S(IM  kloiiiiig  durehsclzen  und  isl  in  diesem  Faile  eruptiven  Ursprunges 
(Syenilstock  des  Monzoni  in  Tyrol,  Syenitgange  bei  Antrim  in  Irland,  bei  Chri- 
sliania  in  Norwegen.) 
34.  Quarzfreier  Orthoklasporphyr. 

Wiihrend  der  Felsilporphyr  (Jranilmalerial  in  porphyrischem  Habitus  repra- 
sentirl,  liisst  sich  der  quarzfreie  Orlhoklasporphyr  als  eine  porphyrische  Ausbil- 
dung  der  syenitischeu  Gesteinselemenle  auffassen,  worauf  auch  seine  chemische 


56  II.  Petrographisehe 


hiimeisl.    Kr  beslelil  ,uis  finer  hraimliehen  oder  diuikc  Igraue  n, 

feldspathigeo,  dichteii  odec  erdig6n  Grundmasse,   \\flrlif  kcinc  freie  Kieselsaure 

enlliall  mid  zahlreiche  gliinzende,  grosse  Orllioklaskr\stalle  ,  matte,  kleinere  und 
spiirlielie  Oliuoklii.s-lndisidufii,  sch\\ar/c  llornblendesaulen  und  dunkle  Alag- 
aesiaglimineriafeki,  ;il»cr  kfinc  Quaraktfraer  unogchHess.1.  AJs  wifaHige  (iemeng- 
Ilicilc  erselieinen  Magneleisenerz,  Granal,  Kisenglan/,,  Kpidol,  Tilanil,  Ouar/.. 
Dif  <|ii;ir/IVfifii  (  JrlhoklasporpliN  re  diirehhreclien  nirlil  nur  in  colossalen  (Jiingen 
ilirc  Nebengesle  inc,  snndern  hahcn  sich  aueh  iihnlich  vvic  die  Kelsitporphv  ro 
liiuei-lorniiL;  /,\\  ischen  dieselhen  uedrJin.^l  oder  iiherlaiiern  sie  deeken.irlii:.  Hire 
ILiii|ilerii|>liiinen  l';illen  in  die  /,\\eile  Iliill'le  des  piiliteo/oisclien  Xeiliilters.  In 
Deulscliliind  (retell  sie  iiiiinenllicli  in  der  rniiielnini;  des  Sclineekoples  in  Thil- 
iin  dei'  Siidseile  des  lliiiv.es,  hei  I'olseluippel  hoi  Dresden,  in  der  l'in- 
von  Meissen  ;iuf. 

Ge\\isse  (|u;ii7freie  Orlhokl.isporpliN  re  der  (Jeizend  von  I'reda/./o  in  Siidlyrol 
enlli;ilten  L  i  e  he  ne  r  il  ,  einen  xerstM/len  Klaeolith.  In  deni  soenlslelienden  <|  n  ;i  rz- 
I  re  ien  Ort  hok  I  a  s-  L  i  e  It  e  n  e  r  i  I-  Porph  v  r  linden  wir  deinnach  das  (ieslein.s- 
nialerial  des  Foyailcs  in  porphyriseher  Anshildnnii  \\ieder. 

Als  uliinniei'reielie  Vai'ieliil  des  <piar/fi'eien  ()rllioklaspor|tli\  res  ist  an  ilieser 
Slolle  die  M  i  n  e  1  1  e  an/ululiren,  \\elehe  in  einer  reldsp;i(liii:en  (irniidni.isse  sehr 
viel  Glimmerlafcln  umschliesst  und  gangforinit;  iui  Canlon  Wallis,  in  den  Vo.-esen. 
iin  Odenwald,  im  Erzgebirge  auftritt. 

c)   P  1  agio  k  1  n  s  LM-S  (<•  i  ne. 

35.  Diorit. 

Der  Diorit  ist  ein  krystallinisch  korniges  Gemenge  von  Oligoklas  untl  llorn- 
hlende,  zu  welchen  sich  manchmal  Quarz  geselll.  Der  trikline  Oligoklas  zeicli- 
net  sich  durch  die  Zwillingsstreifung  auf  seinen  Spallungsnachcn  aus,  isl  gc- 
\\dhnlich  \\eiss,  gelhlich  oder  griinlich  gefarbt  und  enlweder  glanzeiul  oder 
mall.  Die  Hornblende  ist  moist  schwarzlich  griln  mil  starkem  Glasulanz  aul 
den  Spallungsflachen.  Sie  bildet  enlweder  Korner  oder  kurze,  fast  tafelfOrraige 
hliitlerige  Sa'ulcn  oder  auch  zaiie  Nadeln,  wallel  in  den  meislen  Diorilen  vor 
und  bedingl  dercn  dunkele  Farbe.  Quarz  trill  nur  in  manchen  Dioriten  /..  H. 
denen  von  Arran  auf,  welche  man  dann'ini  Gegcnsalze  zu  den  quarzlreien  als 
quar/.fUhrende  bezeichnel.  Gewisse  Diorile  entlialtcn  nehen  der  Hornblende 
schwa  rze  oder  braune  <i  I  i  in  merlaf  eln  ,  welche  selhsl  vor  der  ersten  \nr- 
\\iegen  kiinnen  ((i  1  i  in  m  e  rd  i  or  ile).  Audi  lauchgriine  Sehilppehen  \on  (1  h  I  o- 
ril  tr««len  in  ge\\issen  lioriiltlende.irinen  Diorilen  in  niclil  iinl>edeulendei'  Mengc 
auf  und  \erleihen  denselben  ihre  grilnliehe  I'arhung.  Solelie  ehlorillialliue  Dio- 
rite  \\erden  durch  Salzsaure  enlfarbt. 

Als  Miltel  der  cheniischcn  Zusammenset/.img  dei'  Diorile  ergiebl  sich:  Kiesel- 
siinre  51,00    --  Thoncrdc    18,50  —  Kisenoxydul    11,00,   --  Kalkerde    7,50,   - 
Majjiifsia   0,00   -      Kali  2,50,    -     \alron  :i,00,    Spurcn    von  Manganoxydul    und 
ein   gcringer    Wassei'gehall. 

Die  hiiuligslen  der  zufa'lligen  (JeTiienglheile  des  Dioriles  sind  (iranal,  Pista- 
zil,  Tilanil,  Sch\\efelkies  und  .Mauneteisencrz.  >'ach  den  \  ei'seliiodenen  Sli'iiclur- 


II.     IVtro.unipliiM'ln1   (It'olo^ir.  57 

\r|-|i;illiiisscii    de.s   dioritisehen    MineralgemengeS    \\erden    I'olp-nde    Yarietalen   (Ics 

Dioriles  untersohiedeo  : 

N  or  HIM  I  er   Diorit,    mil    deullieli   grob-   his   feinkorniuem   Geflige. 

I)  iori  t  a  ph  a  n  il  .  mil  so  ausserordenllieh  I'einkornigem  Gel'Uge  ,  <l;iss  die 
ein/elnen  He.standtlieile  nielit  mehr  /.u  unlerseheiden  sinil. 

Diori  I  porph  \  r.  cine  sehr  feinkornige  oder  aphanilisehe  DMTttgrUndmftGKfi 
son  grilnlieli.m-auer  Farhe  mil  AusschtidllBgen  von  hcllon  Oligoklas-lndividuen 
und  scli\\iir/lich  grilnen  llornhlendesaulen.  Der  Dioritpnrphyr  verkndpfl  die 
knnii-cn  Dioritc  mil  dj'ii  I'oi'phx rilt-n,  VM  wclchcn  cr  mil  ulcicliom  Hochtc  gc- 
slclll  \\rrdrn  kiiiui. 

I)  iori  I  sch  ic  IV  r.  drullirli  diorilischo  oder  jipluuiilischr  (Icstcinc  mil 
durcli  piirallclr  Ariordiumi:  dcr  llonihlcudcsiiiilcn  und  ('l\\a  ynrliandriicr  (iliin- 
mfi-hliillclicn  Ix-diniilcr,  unvollkommcn  schirforiiior  Struclur. 

Schr  liiiulii;  linden  /,\\ isclicn  dirsen  Variolaton  Uebcrgangc  stall,  indem 
/.  I?,  dt-r  kni-niuc  Diorit  allmiihlich  riiu1  sclii(>forigc  Slructur  anniimnt.  dn-  diMitlich 
Diorit  /um  sclicinhar  dichlcn  Aphanit  und  dioscr  durcli  Ausscheidung 
r  Individucn  /um  DiorilporpliN  i-  \vird. 

Die  Dioritr  durclisci/.cn  cnhvcdcr  als  Giingo  und  Stockc  ihre  Nebengest«iae 
odci1  Irclcn  als  aus^cdclmlc  iMiilajicruniicn  /wischen  den  Scliiehlenreihen  andrrcr 
(ii'sicinc  a nl'.  Im  crstci-cu  l-'allc  /.ci^cu  sic  schr  hitufig  in  ihrcr  miUlcren  Zone 
ciu  grohkoniiiirs,  nadi  ihrcn  hcidersiMtigen  BegnMi/.uu^sllachcn  hin  ein  aphani- 
odcr  schidVi-i-s  (M-filge.  Die  Diorile  linden  sich  hauptsachlich  im  (ic- 
dcr  (iranile,  Gneisse ,  kryslallinischcn  Schiefer  und  dcr  alten-n  palaco- 
I'lii'inationen  und  trctcn  in  Deutschland  auf  z.  B.  an  der  Rosslrappe, 
aiil  dci- HollitMilmru  am  K\ ll'liiiusser,  im  ThUringenvaldo  bci  Ruhla,  Liehenslein, 
Hrollcrodc  u.  s.  \\..  im  I'lr/gcbirge  bei  Freiberg,  in  Nassau  bei  Wissenbach. 

Als  Abarirn  des  Dioriles  k5nncn  liier  anhangsweise  angeflihrl  vvcrden : 

Op  hi  I,  ein  quarzfreies  Geraengc  von  bei  Weitem  tlberwiegcnder  dunkcl 
i;ninlich  schwarzer  Hornblende  und  elwas  Oligoklas  mil  kleinen  Kpidotkorm  lien 
und  Bisettglaozschttppchen.  (Pyrenacn.) 

Noril,  ein  Genienge  von  vorvvallendem  Feldspalh  und  elwas  Hornblende, 
zu  denen  sich  Quar/  und  (Jlinuner  gesellen  (Norvvegen).  Andere  Norite  sind  dem 
(labbro  /.u/.urrclinen. 

Tonalil,  fin  korniges-  Gemenge  von  Individuen  einer  Iriklinen  Feldspalh- 
spccics  \on  \\eisser  Tarbe  mil  graulich  weisscn  Quar/kornern  oder  -Dihexardern, 
scli\\ar/.licli  i:rilnen  llornblcndcsiiulcn  und  dunkelen  sechssciligen  Tafeln  von 
Magnesiaglimmer.  iMi.  Adamcllo  in  den  ostlichen  Alpcn. 

Kcrsanton  und  Kersantil,  kOrnige  oder  porphyrische  Gesleinsvarie- 
i.ilrn.  \\rldie  mil  dcm  (ilininid'diorilr  nali  \d'\vandl  sind  und  \or\vallend  a  us 
nliunklas.  erslerer  aiisserdem  mil  Glimmer,  lel/tcrer  mil  Glimmer  und  el\\as 
Hornblende,  bestehen.  In  Giiiiiien  in  dcr  Brclagne  und  in  den  Vogesen. 

:*<>.     Corsit  und  Kugeldiorit. 

Der  Corsil  isl  ein  Anorlhil-Hornblendc-Geslein,  ein  Anorlhit-Dioril,  und  zwar 
ein  granilisrh  korniges  Gemenge  von  vorwallendem  graulieh  vveissem ,  durch 
Sauren  /ersei/barem  Anorthit,  seli\\iir/Jich  grtlner  Hornblende  und  vvenig 


."»s  II.     IVtioi:nt|)lii>rlic    (i 

Ouar/..  Diese  Bestandthette fpupptren  sicb  steHenweise  JCH  I  Ms  :{ /oil 
Kniieln,  \\elehe  ans  concentrischen  Lagen  bestehen,  in  denen  abwerhselnd  der 
cine  oder  andere  Gemenglheil  \or\\allel,  \\obei  /iigleich  cine  naeli  dem  Mitlel- 
punkte  geriehlele  radialstrahiige  Anordmmi:  dec  nadelfiirmigen  Mineralindividucn 
y.n  beobaehten  isl.  Diese  Varietal  d<\s  (lorsites  ist  unler  dein  Nanicn  K  u  gel- 
dim1  i  I  bekannl  und  trill  nnr  unlrrgeordnel  in  der  granitisch  kb'rnigen  Haupl- 
nia.Nxr  |>ci  Sarlcne  anf  Corsica  auf. 
•M.  Porphyrit. 

Dei-  I'nrpliNril  beslelil  aus  einer  brauncn  odcr  dunkolizi'auen.  dichl  erscheinen- 
den  r.rundmasse  mil  Ausscfaeidungen  von  hollcm,  weissliehem,  rolhlielieni  oder 
lirilnlieliein  Oliijoklas  und  dunkelor  Hornblende  oder  slat!  deren  von  dunkelcni 
(iliininer,  so\\  ie  in  nianelien  FiUlen  von  Quarzkornchcn  oder  -Aederchcn.  I)<>r 
Forphyril  isl  demnach  dioritisches  Gesleinmalerial  mil  porphyrischem  Habilus 
und  schliessl  sich  auf  das  engste  an  die  beschriebenen  Dioritporphyrc  an.  Die 
Grundnmsse  der  Porphyrile  ist  zuin  Theil ,  wenn  auch  selten ,  und  dann  deni 
(juar/luhrenden  Diorite  entsprechend,  felsitisch,  also  ein  inniges  Magma  von  Oli- 
goklas  und  Quarz  (life Id  am  Kara)  zum  Theil  und  zwar  gewb'hnlich  ein  ausser- 
ordentlich  feinkorniges  Gemenge  von  Oligoklas  und  Hornblende  oder  Glimmer 
und  correspondirt  dann  mil  den  quarzfreien  Diorileu.  Je  nachdem  somit  die 
Porphyrite  freie  Kieselsaure  in  Form  von  Quarzausscheidungen  und  als  Gemeng- 
theil  der  Grundmasse  enthalten  oder  nicht,  unterscheidel  man  quarzhallige  und 
quarzfreie  Porphyrite  nnd  ausserdem  je  nach  der  Art  der  porphyrischen  Aus- 
scheidungen  Oligoklasporph  yrit,  fast  nur  Oligoklaskrystalle  enthaltend  (II- 
feld;  Hohenelbe  in  Bb'hmen)  ;  Hornblendeporphyrit,  Oligoklas  und  Horn- 
blendekrystalle  enthaltend  (Potschappel,  Reichenslein  in  Schlesien,  porfido  rosso 
antico  aus  Aegypten)  und  Glimmerporphyrit,  Oligoklas  und  Glimmer  ent- 
haltend (Wilsdruff  bei  Dresden,  Triebischthal  bei  Meissen,  Troslburg  in  Tyrol). 
Mil  dein  Glimmerporphyril  isl  das  vorher  erwahnte  von  den  franzosischen  Geo- 
logen  Kersanlon  genannte  Gestein  der  Bretagne  wohl  idenlisch.  In  kleinen 
llohlraumen  des  Porphy riles  der  Nahegegend  kommen  Tafelchen  von  Tridy- 
mit  vor. 

Der  Porphyrit  bildet  Gange,  Slb'cke  und  Lager,  deren  Eruplionszeit  in  die 
zweile  Halflc  der  palaeozoischen  Pcriode  fallt. 
38.    Melaphyr. 

DerMelaphyr  isl  ein  vorwaltend  feinkorniges  bis  diehtes,  bisweilen  porpln  ri- 
sches,  sehr  hiiufig  aber  mandelsleinarlig  ausgebildeles,  vollkommen  <|uarzfreies  (ie- 
menge  von  Plagioklas  und  Augit  oder  Hornblende  nebst  titanhalligem  Maiineteisen- 
slein  und  iieringen  Mengen  von  Apalil.  Die  Melaphyrmasse  isl  in  frisehem  Zustande 
dicht,  zah  und  hart,  sic  ist  schvvara,  grUnlich,  rolhlich,  braunlich  oder  blau- 
s«-h\v;ii7.  iiel'iirbi.  ihr  Bruch  ist  uneben,  schvvach  muschelig,  ilire  Hiirle  die  des 
Feldspnthes  oder  .ueriniier,  ihr  speriliselies  Gewichl  diiirhschiiiltlieh  2,69  —  bei 
einlrelender  V«-r\\illerung  nimint  sie  erdigcs  GefUge  und  ihre  Oberllarhe  eine 
anfiinglii-h  grUne,  spa'ler  ockerbraune  Fiirbung  an,  riecht  thonig  und  braust  mil 
Siiuren,  enlliall  also  dnreh  Xerset/.uiii;  von  Silicalen  enlstandene  Carbonate.  Als 
t\pisehc>  Miltel  der  cheinischen  Zusaniniensetzun,u  der  llfelder,  schlesischeii  und 


II.    Petrographische  Geologic.  •>'' 

tliurini:iM-hen  Mclaplnre  ergab  sich:  Kioelsimre  .'id. SO.  --  Thonerde  I7.SI  — 
Kiseiio\\dul  fi.60,  --  Kalkerde  7.01.  Magnesia  :t.<>|  Kiili  :>.!?,  -  N.ilnm 
;'. ')'.»  Wasser  I. '.»;'.  Kohlen.sjiure.  Plmsphor.saiire  und  Tilaiisiiure  1,00. 

Hei  shirker  mikrosknpiM-her  Yergrossermig  ergiebt  cs  sich ,  d.iss  die  He- 
slandlh«"ile  dt's  Melaplm-  niir  xiiin  Thcil  knstallinisch  aiisgebildet  sind .  /.inn 
Theil  alter  cine  nidii  individtialisirte,  glasariige  Grundmasse  bilden,  \\elche  sich 
/\\ischcn  die  ein/elnen  i:rns>rivn  Krxsialle  dranul.  Sie  iM  lichlbraun  und  /inn 
Tlieil  \on  br.miisclwar/en  Koriiclien  mid  Niidelclu'M  diircliseli\\iirint .  j;i  ;ini;e- 
I'illll.  Aus  ihr  Ireleu  klnre  li'ikline  Feldspath-Individuen,  i^rilne  ;IM  ihren  Endon 
/.lekeiiformii:  izelVan/ti'  Siiulen  und  Nadeln  von  llornhlende  odcr  Atigil,  sch\\ar/.e 
Knrner  \on  .MaLiiieleisener/, .  so\\  ie  farMose  Apatilniideleheii  mil  sechsseitigetD 
Onersehnilte  herxor.  Als  /ufiilliue  (leinen^Uieile  der  Melaphyre  sind  Ruhellaii, 
Selnvefelkies.  Kisenulan/ ,  namonllicli  aber  i:edieuen  Kupfer  und  Silber  zn  er- 
\\idiiieii  Lake  Superior). 

I'j'ne  selir  eliai'aklerisliselie  l'jjj;enthUmlielikeil  der  Melaphyre  is!  ihre  i;rnsse 
Neiiiiini:  zur  .Mandelsteinslnietiir.  Die  Grundmasse  der  Me  la  p  h  yrinande  I- 
-leiui-  belindel  sich  ue\\olinlich  in  eineni  mehr  odor  wcniger  /(Tsel/lrn  Zu- 
slande.  i.si  mcist  lii-ilnlich  schwar/,  rolhlich  braun  oder  blaulich  schwarz  izeliirbl 
nnil  unischliesst  mehr  oder  \\enii:er  /.ahlreiche  Mandeln.  Dieselbcn  bosilzon 
eine  niandel-  otler  birnfonnigo,  kugcligc  oder  auch  langgezogen  wurniform iue 
(ieslall.  /.  h.  am  Lake  Superior  und  schxvanken  in  ihren  Dimcnsionon  /Avisehen 
Ilirsekorn-  und  Kopfgrosse.  Die  ursprilnglichen  Hohlungen  verdanken  (Jas- 
11  nd  Dampfblasen,  vvelche  sich  in  der  zahfliissigen  Gesteinsmasse  bildeten,  ihre 
Kiitsh'himu  und  \\urden  spiiter  durch  Absalze  aus  infiltrirlen  Mineralsolulionen 
L:an/.  dder  (heiUxeise  ausgefilllt.  Die  ersle  Auskleidung  der  Hohlniume  bildet 
List  iiiuiirr  Delessit,  der  kleine  Mandeln  vollsliindig  ausfilllen  kann ,  wahrend 
dies  bei  griisseren  durch  Kalkspath,  Braunspath,  Achat,  .laspis,  Chalcedon,  Ame- 
ili\M  und  Mergki'N stall ,  sn\\ie  gediegen  Kupl'er  und  Silber  (am  Lake  Superior) 
gesehieht  und  \\iilirend  endlich  nichl  vollkomnicn  ausgefilllte,  sondern  nach 
I nnen  oll'ene  Hohlungen  von  Kalkspalh,  Quara,  Datolith,  Prehnit  und  Epidotkry- 
slallen  ausLiekleidel  werden. 

Die  Melaplm-e  sind  massige,  ungeschichtete  Gesteine,  treten  aber  nichl  sel- 
len  in  Lagern  auf,  \velche  in  Folge  sich  wiederholender ,  deckenartiger  Aus- 
breilungeii  der  erupiivcn  Masse  in  miichlige  Plallen  und  Banke  abgesonderl 
sind.  So  am  Nelzberge  bei  llfeld,  bei  Tholei  am  UundsrUck,  am  grossartigslen 
aber  in  der  Kupl'erregion  am  Lake  Superior  (Nordainerika) . 

Die  l.a^eriingsfdrmen  der  .Melaplnre  sind  Ga'nge  und  Kuppen ,  namenllich 
alter  plaltenlormige  Lager,  von  oft  colossalen  Dimensioned,  xuischen  den  Schicliten 
der  S((Mnkohlenformatioii,  \orxugs\Ncise  aber  der  Djas,  in  deren  Ablagerungsx.eil  die 
lM'U[)tionen  des  .M<>laph\r  fallen.  In  Deulschland  besitx.en  die  Melaplnre  in 
Schlesieu  bei  Lo  wen  berg  und  [.andshut,  in  Thllringen  b(>i  llmedau.  am  slld- 
licheii  llarxe  bei  llfeld.  iin  Z  \\ickauer  Kohlenbassin  bei  I'lanilz ,  in  der  Nahe- 
gegend  bri  Oberslein,  ferner  in  Siidl\rol  eim-  grosse  Verbrcitung,  jedoch  muss 
bei  sehr  \ielen  als  .Melaphjr  angefilhrten  Gesteinen  noch  eine  genauc  chemische 


(ill  II.    Petrographische  (i 

mid    mineralogischo    Vnlrrsurhuni;  feslstellrn ,    ol)    sir    in    d<-r    That    hierhrr    /.u 
ivrhnen  sind. 
:{<).     Diabas.     (frilher  Grtlnstein.) 

Drr  Diabas  isl  ein  groh-  his  feinkbrniges,  fcstcs,  zlihes,  grilnes  oder  grUn- 
licli  Cranes  (lenience  \nn  Labrador  und  Augit,  \\<>/u  sicli  Chloril  und  Magnct- 
eisenslein  liesellen.  Dcr  La b r a d o r  bildet  kryslallinische  Individuen  mil  deut- 
lieher  Spaltbarkeil  und  in  frischein  Zuslande  mil  dcr  filr  ihre  polysynlhrlische 
/iisaiiimriisetzung  charakteristischeo  ZwiUiogsstreifung  auf  den  basischen  Spal- 
limi:sll;i<-hen.  Er  besitzt  wcisse,  graulich  weisse,  odcr  grilnlich  \\cissc  I;;H-|KMI 
und  bildet  das  vorwaltendc  (icstcinselcmcnt  des  Diabases.  Dor  Augit  trill  in 
dieksaulenloniiiiicn ,  selten  langnadellonnigen  Kr\stallcn  oder  kr\stalliiiisrlirii 
Kornern  auf,  deren  Spallungsdaehen,  nehnilich  die  Saulenflachen  und  ziini  Thcil 
aueh  das  Orlliopinakoid ,  lebhaften  (Jlasglanz  zeigen.  Seine  Farbe  ist  sch\var/, 
braunlich  oder  grilnlich.  Der  Chlorit  durchdringt  meist  in  ausserordentlieh 
fcincn  Theilchen  die  Gesteinsmasse  und  ist  nur  selten  in  deutlichen  Schiippclicn 
ai^sgeschieden,  durfte  als  ein  Zersetzungsprodukt  des  augilischen  Gemengtheiles 
belraehlel  vverden  und  })edingt  die  grtlne  Farbe  des  Diabases,  besonders  seiner 
dichlen  Varieliiten.  Magnetciscnstei  n  ist  in  der  Diabasniasse  in  runden  Kor- 
nern oder  in  kleinen  octaedrischen  Krystallchen  von  schwarzer  Farbe  zum  Theil 
ausserordentlieh  feinvertheilt.  Eine  sehrhaufigeErscheinung besonders  bei  denfein- 
kb'rnigen  und  dichlen  Diabasen  ist  cin  geringer  Gehalt  an  kohlensaureni  Kalkc. 

Als  typisches  Mittel  der  chemischen  Zusanunensetzung  der  normalen  kor- 
nigen  Diabase  ergiebt  sich:  Kieselsaure  47,56  —  Thonerde  16,34  —  Eisen- 
ox\diiloxyd  12,54,  -  -  Kalk  11,22,  -  -  Magnesia  6,47,  —Kali  0,91,  --Natron 
3,10,  -  -  \Vasser  1,80.  Das  specifische  Gewicht  betriigt  etvva  2,9. 

Als  zufiillige  Gemengtheile  enthalten  die  hierher  gehbrigen  Gesteine  Ein- 
sprenglinge  von  Schwefe Ikies,  Magnetkies  undPistazit.  Benierkensuerlh 
und  frcindarlig  ist  der  Quarzgehalt  der  Diabastrappe  auf  der  Insel  Arran  und 
des  Diabasganges  bei  Ehrenbreitstein.  Nach  der  Verschiedenartigkeit  ihrer 
Slructur  unterscheidet  man  folgende  Diabas- Varietaten : 

kbrniger  Diabas,  ein  granitisches  Gemenge  von  deutlich  erkennbaren 
Individu'en  ibei  Ilmenau  im  ThUringer  Walde,  bei  Clausthal  im  Harze,  bei  Dillen- 
burg  in  Nassau). 

Diabasaphanit,  das  Korn  der  Gemenglheile  ist  zur  aussersten  Fcinheit 
herabgesunken,  so  dass  das  Geslein  dicht  erscheinl.  Seine  Farbe  ist  grlin  und 
\\ird  dureh  hohen  Chloritgehalt  bedingl.  Ebenso  \\ic  von  Chlorit  isl  der  Dia- 
basaphanit stark  von  Carbonaten  impragnirt,  beide  werden  dureh  Salzsiiure 
/n.scl/.l  'Kiibeland,  l^lbingerodc  im  Harze,  Lichtenberg  im  Fiehlelgebirge). 

Diabaschiefer,  eine  feinkbrnige  bis  aphanitisehe  Diabasniasse  mil  be- 
deutender  zum  Theil  vorwaltender  Chloritbeimengung  und  mehr  oder  \\eniger 
vollkonunen  sehieferiger  Slructur.  1m  Voigllande,  in  Oberfranken,  bei  Kupfei- 
berg  in  Schlesien. 

Diabas  porphyr,  in  feinkiiniigcr  bis  aphanitischer,  unrein  grauuriiner 
Diabasgrundmasse  lieucn  rin/dne  grbsserc  Individuen  der  den  Diabas  zusmimicn- 
M-l/cnden  Mineralien  aiisgeschieden.  Sind  dies  neben  vereinzellen  Augiten  vor- 


II.  Pfetrographische 


til 


\\icLH-nd  Labradorkrystalle.  so  be/eichnet  man  das  (iestein  als  1.  a  It  ra  dor  p<>  r- 
ph\r  (porfido  \erde  antieo.  lindel  das  umgekehrle  Verlialtniss  stall,  sind  also 
\or/ii::s\\('is('  Augitc  ausgcschieden.  als  A  u  u  i  I  po  r  ph  \  r. 

Yariolit.  in  cincr  dunkekriinen,  meisl  aphanilisehen  Diahasgrundmassc 
und  mil  ihr  innig  \er\\aehscn  liegcn  hirsckorn-  bis  nussgrosse  Conerelionen  von 
\\cisslieh  grauer  Farbe  und  von  radial-faseriger  oder  coneenlrisch-schaliger  Strue- 
lur  mchr  oder  \\eniuer  dicht  an  einander.  Sic  bestehen  aus  einem  labrador- 
ahnliehcn  Kcldspath  oder  Kpidol  oder  endlieli  aueh  aus  heiden  Mincralicn  .  die 
dann  in  conecntrisehen  l.aiien  mil  cinandcr  ab\\  eehseln.  (In  ObeiTrankcn,  Voiiil- 
land.  Nassau,  im  Fichtekebirge.) 

Ka  I  k  aphan  it.  cine  aphanitisehe  ,  chlorilrcichc  Diabasmassc  mil  runden 
KalksjiallikUiiclchen .  \\clche  oft  so  dicht  ncben  einander  auflrclcn ,  class  das 
diahasischr  Ocmcnl  fast  \erseh\vindcl  und  Ku^c-l  an  Kugel  gedrangt  liegt.  Dieses 
licsicin  nimmt  xum  Theil  schieferige  Structur  an  und  \vird  dann  als  Kalkapha- 
n  i  I  se  li  iefer  be/eichnel. 

Diabasma  ndelstein,  cine  aphanitisehe  Diabasgrundmasse,  \\elche  Man- 
dcln  von  Kalkspalh,  also  durch  Infiltration  ausgefilllle  Blasenraunie  enthiill. 
Nassau,  (ieiiend  von  Hof.) 

Die  Trenmmg  dc-r  feinkornigen  und  dichten  Diabase  von  den  enlsprechen- 
den  Dioriluesteinen  isl  in  dcr  Regcl  cine  schwierige.  Zu\\t'ilcn  machen  Ueber- 
iziingc  dei-  feinkornigen  in  grobkornige  Yarietaien  die  Entscheidung  inoglich,  in 
anderen  Fallen  beruht  dicst-lbe  auf  dcr  Anvsendung  folgender  Mcrkmalc : 

Die  Varietaten  des 
Diabases  Diorites 


fiilliiilliMi  ui'\\(ilinlich  unler  50,  nie  iiber 
.':  |n-t.  Kii'si-Uiiure. 

cidhallcn  his  iiher  60  pel.  Kiost'lsaiirc. 

•    •  '  • 

fiilliallcii  fast  nic  (Juarz. 

enthalten  niclil  selten  Quarz. 

ciitlinKcn  kcinen  Gliminci  . 

enlhalten  nicht  seltt-n  (iliiumcr,  \\clcher 
die  Hornblende  (lit>il\veis(>  oder  fianz 
vertritl. 

I'litliiillcn  I'incii  durch  Sjilxsaiirc  xorsclz- 
hiiiTiiKt'ldsiiatli,  fine  lirstimmtcOuan- 
lilal  (l('S(i('slciiis|)iil\ci--  M-rlicrl  dr-s- 
halli  (lurch  Holiaiidluug  mil  Sliuivn  an 
Gewioht. 

entlinlten  eiucn    in  Siiuivii    uiilosliclicn 
1  ddspath. 

IIIMII-MMI  mil  Sain-fh  uud  sind  /inn  Theil 
scln-  rri.-h  an  kalkcarbonat. 

brausi'ii  nichl  mil  Saiiccu. 

S|)iitl«-i-  M-hmclxfii  vor  dem  Lotlimln- 
xifiidich  Icichl  xu  (ilas. 

srliiiiclx.cn  \icl  vli\\icrii!i'r. 

liahen  grosse 

hahcn  keiiif. 

Neigung  zur  Mandelsleinbilduog. 

Die  siimmtliehen,   oben  charaklerisirten   Varietiilen    sind  durch  Uebergange 

cut:  \erknilpft.  Durch  Vcriindcninu  der  Koniiifissc  .  durch  das  Auftrelen  por- 
phxi'ischer  AusscheiduiiLieii  oder  mandclstcinarliL'ci1  Scerctioncn,  (lurch  Annahme 
schiclViizer  Stnuiur  \\cchsell  dcr  <ieslein>charakter  dcs  diahasischcii  Mineral- 


62  II.   Petrogruphische  Geologic. 

gi-nieiiges  in  kurzen  Z\\  isdienriinmen  vollkommen  (so  nanuMitlich  in  Na>.x,m  . 
Die  Diabase  treten  sellen  gangfftrmig,  vielmehr  fast  anssdiliesslidi  lagerarlig 
/\\i:sdien  palaeo/.oi.sdien  Tlionsdiieleni .  Grauwacken,  kalksteinrii  niui  Kiesel- 
sdiiel'ern  auf.  Sic  haben  sich  deekenarlig  auf  dem  einstigen  Meeresboden  aus- 
gebivitet  uiul  sind  darauf  sdhsl  \on  sediinenlarem  Maleriale  bedeck!  \\onlen, 
mil  \\ddieiii  cine  pelrographi.selie  Ycrkniipfung  dmvh  mil  den  Diabasei •iiplioiien 
\erbundene  Tufibikiungeo  hergesldll  \\urde.  In  Deiilsdiland  sind  die  Diabase 
\omigs\\eise  in  d«-n  LabagegmdeO  Nassaus.  in  \\fslplialfii.  iin  Ilar/.c.  in  del 
Niihe  \on  FreilxTi;,  iin  s;idisisdien  Vi»ii:llaiide  uiul  im  I- idilekd»iri:e  enl\\  iekelt. 
Aiisuiirls  erreidien  sie  iin  Siliirlteeken  von  Clii'istiania .  in  dein  Inii^niiselien 
SeliiefiTi:el»iete  Nordainerikas  urosse  Ausdeliimiii:. 

40  Gabbro. 

I)er  Gabhro  isl  ein  granitisch  kiirniiies  Aiiiirpiint  von  Labrador  oder  stall 
dessen  Saussuril  und  enl\\(Mlor  Diallaii  oder  Stfiaragdit.  Der  feldspatlii^e  (Je- 
inentitlieil,  \\elclier  in  fasl  alien  Varieliiten  sehr  vorwaltel,  ersdieinl  alsSans- 
surit  die-lit,  matt  weiss,  oder  ^rtlnlidi  oder  blaulich  weiss,  als  Labrador  in 
inelir  oder  minder  grossen ,  gliinzenden  Individuen  von  \veisslieh  izrauer,  bliiu- 
lidi  \ioleller  Farbe,  wird  von  concenlrirler  Salzsaiure  oder  Schwefelsaure  zer- 
setzt  und  ist  vor  dem  Lblhrohr  leicht  schmelzbar.  Der  Diallau  isl  Lrran  bis 
sclunutzig  olgriin  oder  braunlich,  nach  der  Richtunji  des  Orthopinakoides  luidisl 
vollkoininen  spallbar,  auf  welchen  Spaltungsflachen  er  inetallartiiien.  sdiillern- 
den  Porlmutterslanz  l)esit/l.  Seine  Individuen  sind  oft  mehrere  Zoll  gross  und 
\\enlen  nicht  selten  an  ihren  Randern  von  einer  dunkelirefarblen  Hornblende- 
riiule  dergestalt  umfasst,  dass  die  Hauptaxen  und  Spaltunizsflachen  beider  Mine- 
ralien  parallele  Lagen  besitzen.  Der  Smar a gd it  ersdieinl  in  iirasiirilnen,  perl- 
nnitteri;lanzenden  Individuen.  Die  den  grauen  Diallag  und  den  grasgrilnen 
Sinaraizdil  filhrenden  Gabbros  lassen  sich  nicht  nur  petrographisch  auseinander 
halten,  sondern  treten  auch  rauinlich  getrennt  auf,  so  am  Monte  Rosa  fast  nur 
die  ersteren,  in  Oberitalien  fast  ausschliesslich  die  lelzteren. 

Ein  ganz  charakteristischer  accossorischer  Gemengtheil  des  Gabbros  ist  der 
Olivin.  Derselbe  l)ildet  schmutzig  dunkelgrQne  Kornehen,  ilberwiegl  bei 
mandien  Gabbros  an  Menge  selbst  die  Diallage,  trill  aber  erst  im  Diimisehlille 
deullich  hervor.  Ganz  eigenthiimlich  fiir  die  Ga1)bro-Olivine  iin  Gegensat/e  /ii 
den  Basalt-Olivinen  scheint  ihr  ausserordenllicher  Reichlhum  an  Mikrolithen  xu 
sein,  welche  hakenformig  gebogen  und  dann  zu  Sternen  angeordnet  sind.  Die 
olivinreichen  Gabbros  werden  wohl  als  Olivingabbros  bezeichnel  'Volpersdorf, 
Veltlin,  sehollische  Inseln  Mull  und  Skye). 

Die  Gemengtheile  des  Gabbro  sind  zu  einem  granitisch  kiirnigen  Aggregate 
regellos  \er\\adisen  :  auch  bei  mikroskopischcn  rntersndiungen  zcigt  sich  keine 
amorphe  Glasmasse  zwischen  den  Mineralindividuen .  \ielinehr  isl  auch  die 
Mikrostructur  cine  granilische. 

Als  typisches  Beispiel  filr  die  chemisdie  Zusanimenset/.ung  nonnaler  (iab- 
brogesleine  m.ig  die  Anahse  eines  soldieii  ans  dem  Hadaulhale  im  llar/e  an- 
gefilhrt  \\erden:  Kieselsiiure  .'ii.liii,  — Thonerde  ^0,77,  —  Ki^eno\\d  n.'.ts.  - 


Petrographische  Geologic.  63 

Eisenoxydul  7,61    -  -  Kalk  9.  Id.  —  Magnesia   l.-'iT  —  K;ili  1. 01.  --  Natron  :1.:13. 
-    GlUhverlusl    1,3:1. 

Von  zulalligen  (Jemenglheileu  sind  nebon  ()li\in  benierkons\\  erlli  :  Talk, 
Glimmer.  Hornblende,  (iranal.  Sorpentin.  .Magnolkies,  Schuefelkies.  Maunelcisen. 
Der  (iabbro  isl  moistens  oin  massiges.  pohedriseh  abgesonderlos  (ieslein.  \\el 
dies  in  miichligcn  Slocken  /\\i>clirii  (iranitcn,  Gneisson  und  Glimmcrschicfcrn, 
so\\io  in  palaeo/oisehen  (iraimaeken  und  Thonschiefcrn ,  in  Oberilalicn  jodorh 
und  aid'  dor  Insel  Mull  aurli  x\\isclicn  tcrliiircn  St-liichlcn  aid'scl/.t.  Schr  hiiulii; 
isl  dfi-  (ialihro  mil  St-rpcntin  Ncriicscllsclial'lcl.  d«>r  in  dicscin  1'allc  diifch  l"in- 
\\andliinu  aus  dcin  (ial>l>ro  bervOTgegabgen  ist.  Bekannlc  (iahl»ro\  orkoinnifii 
sind  die  d«'s  Xohlcn,  die  \ on  Nt'tirode  und  Khcrsdoi-f  in  Scldt-sicn,  des  Hadau- 
thalcs  mi  llar/c,  IKM  Dillcuhui'i:  in  Nassau,  hci  HOSSNMMII  ini  siiclisischcn  Gra- 
nulitiit'ltictc  u.  s.  \\ . 
'» I .  Hypersthenit. 

Der  Hyperstbenif  isl  cin  foin-  l>is  ^robkOrniges  Gemenge  von  Labrador uini 
H \pri-stluMi.  Dcr  I.  a  In- a  dor  licrrscht  Li('\\i»hnlich  vor  und  ist  in  dor  Kr^'l 
\\risslirh  jzrau .  l)is\\cilen  auch  grUnlich,  gelblich  oder  bliiulich  yrau  "olurbt. 
Dt-r  II  \  perstli  en  ist  8chw9rzlicb  braun  oder  ^rilnlicli  schwarz  und  brsil/t 
nrieistentheils  auf  don  Hauptspallun^slliiclien  soiner  oft  grossbUltterigeD  Indi\i- 
ducn  t'inen  kupferrothen  Schiller  und  inetallarligen  Glanz.  Bisweilen  \\erden 
die  lndi\iduen  desselben  von  grUnlich  sch\var/tir  Hornblende  eingefassl  oder 
sind  mil  solelier  \er\vachsen. 

(llieiniselie  Zusainniensel/unij;  eines  typischen  Ihperstheniles  von  Penig  in 
Sac 'lisen  :  Kieselsiiure  49,90,  -  -  Thonerde  16,04,--  Eisenoxyd  7,81,  •-  Kalk- 
eide  li,48,  —  Magnesia  10,08,  — Kali  0,5;i,  —Natron  1,68,  --  Wasser  1,46. 

Als  /ulallige  Gemengtheile  sind  zu  nennen  :  Schwefelkies,  Magneteisener/, 
Tilaneisener/  in  zahlreichen  Einsprenglingen ,  Granat,  Glimmer  und  Apatil  in 
ein/.elnen  Krystallen.  Die  Ilyperstlicnite' sind  granitisch-kornige ,  massige.  slels 
iingeseliielilele  (Jesicine,  welcho  gang-,  lager-  oder  stockformig  auflrelen,  al>er 
niir  an  \venigen  Punklen  bekannt  sind.  Hire  Eruplionen  gehoren  namentlich 
den  iilleren  palaeozoischen  Perioden  und  nur  ausnahmsweise  jUngeren  Zeilallern 
an.  Die  hauptsiichliehslen  Fundorle  des  Hyperstheniles  sind:  Penig  in  Sachsen. 
\Vol])ersdorf  in  der  (irafsehal'l  (ilatz,  Dillenburg  und  XVeilhurg  in  Nassau,  oberes 
Muhrlhal.  l»ei  lls«-l>iirg  und  llar/liurg,  bei  Friedrichsroda  in  ThUringen ,  Elfdalen 
in  Srh\\eden.  KUsle  von  Labrador. 

Der  sieh  an  die  Gabbro-Hypersthenil-(iesteine  anschliessende  (iahhro- 
Norit  ist  ein  Gemenge  von  vorualtendem  Labrador,  nalronhalliizein  Orthoklas, 
Diallag  oder  Ihpeivslhen  und  ineislens  et\\as  Quarz  und  tritt  auf  Hitlerite,  einer 
nor\N'egi>ehen  Insel,  auf. 

\->.   Schillerfels. 

Der  Schillerfels  isl  urspriindieh  /usaiiiniengesetzl  aus  Anorthit  und  eineni 
augitisehen  Minerale,  deni  Protoltaslil  IVofohastillels  ,  zu  \\elehen  sich  als  Pro- 
<luete  der  fortsclireitenden  Unnvaiideliin.-  des  letzleren  noch  Schillerspalh ,  Ser- 
penlin  und  Chrom-  oder  Ma^jielcist-nriv.  uest-M.-n.  Der  A  north  it  ist  gran, 
diehl.  saiissiiritarlig,  dor  Prolohaslit  durelischoineiid.  liellhriiunlich  his  grUn- 


(J4  II.    Petroi,T.i|>lii-di«> 

lidi  i:elb  mil  starkem  IVrlinulterdan/e  auf  den  Spallmii:sll,idien  .  \\iihrend  dor 
Sc  li  i  1  1  erspalli  ,  \\  ie  p-saut  ein  Umwandfehingsprodofcl  des  IVotobastils.  stark 
nietalliselien  I'erlmulterdan/.  besil/t.  uiiln.  niessiiiLi^elb  oder  braun  gelarbl.  und, 
\\eil  ilberall  \oii  der  GesleinsiM'undinasse  durdiset/.t  ,  ;iuf  den  r'liielien  seines 
Bltftieniarcfaganges  mil  dunkelen.  matlen  l-'leekdien  ijesprenkell  1st.  l>as 
.MisdiiiniiSNerlialtniss  dieser  Genienizllieile  selmankl  selir  bedeutend  .  so  d.iss 
Anoi'tliit  und  I'nitdliaslit  almrdisclnd  sicli  iirurnsoiliii  N'ollsliindiii 
koniii-n.  \\ndurch  sich  das  (u-stcin  ciiicin  cinraclicn  niilicrl. 

(iliniiisclit'  Zusammensetmog  ciiu's  t\|)isclicn  I'rolahaslilfcls   \<nn 
lici    llar/.liuriz  :    Kicsclsiiurt'   49,23,    -       Tlionci'dc   -;-">.l-).  l.i~-ciio\\d    l.:{n. 

Clinniioxyd  0,03,   --  Eisenoxydul  3,2«.».    -     .Man^am.  \\dul  0,34,  -     Kalk    l^. 
-  Magnesia   8,92^  --   Kali   und  Natron  0,99,    -      \\asscr  0,64. 

Vorkoinincn  :   am  Kadaulit-r^e  l)ei   Har/hui'L',    IMM  Scliriesheiin   an  der 


J  iingcre  Feldspathgesleine. 

Aus  der  auf  pag.  48  gegebenon  tabellanscben  Uebersidit  di-r 
PeldSpathgesteine  und  deren  Krlauterung  gehl  hervor,  dass  sich  in  den  jUngcirn. 
also  terliaren  und  poslterliaren  Eruptionsprodukten  die  Mincraleonihinationen  der 
iiltci'en  Gesteinsarten  \\iederholen,  nur  \vird  l)ei  denselben  der  eigentlidic  <)r- 
ihoklas  durchvveg  durch  die  Varietal  San  id  in  verlreten.  \\\r  linden  deshalb 
in  der  unteren  Golonne  des  Sdiernas,  ebenso  wie  in  der  oberen  bereits  erlau- 
terten,  zuerstdie.  sauersten  SQicatgesteine,  die  quar/filhrenden,  an  \\vldio  sidi  die 
<|uaiv.freien  Sanidingesteine,  sowie  die  nodi  kieselsiiureiinneren  Plagioklasgesteine 
ansdiliessen.  Nur  filr  eine  neu  aul'lrelende  Gesteinsgruppe  entbeliren  \\ir  des 
Analogous  in  den  alteren  geologischen  Zeitaltern;  es  sind  dies  die  juniieruptiven 
Gesleine.  deren  feldspatbiger  Geineni-theil  ganz  oder  zuni  griisslen  Theile  durdi 
Nephelin  und  Leucit  verli-eten  \vird. 

a)    quarzhal  tigo   San  id  i  n  gt-Nl  «•  i  no. 
43.     Quarztrachyt   (Liparit,   felsilischer  Rhyolith). 

Die  typisch  ausgebildeten  Quarztradixte  sind  })orphyrisdie  (Jesteine  und 
beslehen  aus  einer  fast  diehten  (ii-undmasse,  in  welcher  Krystalle  MHI  l-'eld- 
spalli,  Quar/,,  Glimmer  und  Hornblende  ausgesdn'eden  lieuen. 

Die  GrunJinasse  ist  felsitisdi,  enthiilt  also  m-ben  Alkali  und  Tlmnerde- 
silicalen  freie  Kieselsa'ure;  sie  ist  zum  Tlieil  (|uai*zharl,  sehr  feinkiirniu  bis  sdiein- 
bar  didit,  zutn  Theil  hornslein-,  pedistein-  oder  tlionsleinarlii;.  \\eisslidi,  izelb- 
lidi.  liellgrau  oder  liehtrolhlidi  gefiirbt  und  besilzl  nidil  selten  ein  zellii:es, 
poroses  oder  rauhes  Aussehen.  Selbst  in  ihren  didilen  Varietiilen  vei-mai:  man 
unter  dem  Mikroskope  den  Quar/  in  Gestalt  kleiner  \\assei-klaiv<-i-  Kiirndien 
meist  deullidi  7Ai  erkennen.  In  \ielen  Fallen  ist  die  Grundmasse  nidit  solid 
ausiiebildet.  sondern  enthiill  Zellen,  Hlasen  und  unreueliniissi^e  Holilriiuine. 
In  let/.terem  Falle  ist  das  Gestein  reidi  an  Nestern  ,  Trilmern  und  Mandeln 
\<in  Hornstein,  Jaspis,  Ouar/  und  Ainethysl.  Die  Blasen  sind  y.\\;\r  i;e\V(.)linlich 
nindlidi.  oft  aber  audi  sainintlidi  nadi  einei  parallelen  Hiditmii:  in  die  Liinge 


IF.    Petrogfaphische 

i:e/oi:en.    y.n\\eilen   aurli   yauy.   reuello.s  uestaltel    uiul  sehr   hiiulii:   \on  oiner  ehal- 
eedonartiiien   Sul>stan/.   ineruslirt. 

In  dieser  Gruudmasse  lieizen  ausgeschieden  :  Quary.    in  rauchgrauen   oder 

wasserliellen.  SGharfbegreniteD  Koniern  oder  Knslallen.  lol/lere  als  Dihexa.'der 
uiul  IVisma  ,  mil  muselieliiiom  Bruelio  uiul  mil  Glasdany..  Sanidin,  ri.-..sii:e 
Knslalle  von  milunter  \\assorheller  UosHiallenlioil  ,  oft  uls  kleine  tafollormiiro 
Indisiduon.  moist  in  Zuillin^cn  nach  dem  Carlsbader  Goset/e.  Oligoklas 
mi  \Vrlultnissr  y.u  dcni  Sanidin  stark  /nrUrktivtriid.  /inn  Theil  au  seiner  /\\  il 
liiiiissii'firuni:.  nit-ist  aber  an  seiner  stark  vorgeschiittenen  Zersetzuug  ketintlidi. 
Srh  w  jir/fr  (i  I  i  miner  in  kleinen  hlaltdien  .  namentlicli  in  sanidinrciclicii. 
xNi-niiier  in  quaiv.reiclien  Ouar/.traehyten.  Hornblende  in  vereinzelten  sclwaivcn 
Siiulclifii. 

Niclit  iinmer  ist  der  (lliarnkter  des  Quarxtrachytes  ein  porphyrischer.  \  id- 
nifln-  isl  dcrselbe  in  mam-hen  Fallen  so  ausp'l>ildet,  class  er  nur  noeli  aus 
finer  Grundmasse  heslelil,  \\alireml  die  Ausscheidungen  \erst-h\Ninden.  Das 
(let'Uue  dieser  TraeliN  t\  arieliilen  ist  ent\\e<ler  ein  feiukornii;  telsitisches  ,  oder 
ein  Thonstein  iihnliclies  oder  alier  ein  poreellanarliiies  .  als  lithoidisch  bezeich- 
neles.  Die  I'elsitiselie  Gniiidmasse  umschliesst  hisweilen  nehen  vereinzelten  Sani- 
dinausscheidungen  kleine  radial-HStrahlige  (tugelo,  \Nodmvh  das  Gestein  spha'ro- 
lithische  Slrnctur  erliiilt. 

Audi  der  enti^egengesetzte  Fall,  nehmlich  der  der  Individualisirung  der 
iiesammlen  (leslcinselemenle  des  ^uar/traeliN  tes  anf  Koslen  der  Grundmasse  kann 
eintrelen,  \Nodureh  derselhe  einen  iiranitiseh  kornit;en  Habitus  erlani;t.  (Neu- 
Seelatid.) 

Als  dnreliselmittliche  Xiisammenselzuni;  d^f  OuaPttrachyte  hat  sich  ergeben  : 

Kieselsiiure  75  —  77,  —  Thonerde  12  —  12,5,  —  Risenoxydnl  imd  Kisenoxyd  1,52, 

-  Kalk  1—1,5,  —  Magnesia  0,3—0,5,  —  Kali  und  Natron  7  —  tt.   Dieselbe  slimmt 

mil    der   der   Granite    und    Felsitporphx  re    in    auffallender  Weise    Uberein,     nur 

sind   die   Ouar/traeh)  le  et\\as  sauerer. 

Die  mosse  Aelmlieheil  der  (juar/fdhrenden  iilteren  Ortlioklasgesleine  und 
der  quarzflihrenden  jiiniieren  Sanidingeateine  zeigt  sich  nicht  nur  in  dieser 
auffallenden  lTel»ereinsliiiminnii  der  elu'inischen  Zusarnmensel/uni;  und  der  mine- 
ralisehen  Gemeniillieile  .  somh-rn  isl  aueh  in  dor  vollkommen  analoi;<'n  petro- 
graphisdien  AusbildungSWeiae  der  lel/.teren  ausj;«'j)ragl:  dem  krxstallinisch  kiir- 
niiren  (Juar/lraehUe  entsprieht  der  (Jranil,  dem  porpliN  rarliiien  Ouarxtraehx  te 
der  Pelsitporpbyr,  dem  felsitisehen  Onar/.traehvte  der  Felsitl'els  und  endlieh  dem 
sphiirolithischen  Quar/tracli\te  cine  i^ewisse  Varietal  des  Felsilpeehsteines,  kurz 
jeder  pelroiiraphische  Habitus  der  einen  Gesteinsreihe  lindel  ebonfalls  in  der 
andei-n  seine  Reprasentanten. 

Der  Ouar/lracliU  isl  /.war  ein  massiges  Gestein,  zuweilen  slelll  sich  jedoch 
in  Foli;e  paralleler  La^erung  der  dUnnen  Sanidintiifolchen  oder  durch 


aiti^e  Abwechsehing  in  der  Besehaflenheil  und  Farbe  der  Grundmasse.  eine 
seliielerigo  Struetur  ein.  Krstoros  isl  namentlieh  bei  den  Quar/.traehxlen  ties 
liaula  Meriies  auf  Island,  lel/leres  am  \or/ili:liehslen  bei  den  <pjar/.traeh\  tisehen 
l.iiM-n  NOIII  Tanpo  See  aid'  Nord  Neu-Seeland  der  Fall.  Audi  siiulenlormige 

Credner,  Elemeute  d.  Qeologie. 


Absonderung    isi    l>ci    \idcn   Quarxtraohyten    in    Drossier   Rcgelmiissigkcii    cnt- 

\\ickcll,    so   .in    tier   llohenburg   bei    Bonn,    ,mi    Itaiila    Bergc,    ;iuf  I'almarola. 

Die  Ouar/lraeli\lc  bcsilzen  cine  niclit  iinbcdcutendc  Verbrcilung .  sind  je- 
docli  als  I. .INCH  unserer  jel/igen  Vulkanc  gar  iiiclil  bckannl.  In  Kuropa  sind 
sic  namentlich  in  Ungarn  ,  Siehenlu'irgen  und  auf  Island,  in  klcincrcm  Maass- 
slabe  auf  den  I.iparischen  und  Pon/a  Inseln  und  nur  sehr  spiirlich  ini  Sieben- 
gebirge  Hoscnau  und  Hohenburg)  verlrelen. 

Untcr  dcni  Naiuon  Doinil  xvordrn  iit»\visse  Quarztrachyte  dcr  Vulkancn- 
kciicl  in  dcr  AiiNcr^no  (nanicnllich  dcr  l'u\  dc  Dome)  aiiiicfillirl .  \\clclic  cine 
iiusscrst  fcinkiirni^',  matte,  iiraulich  \\cisse,  spriidc  (inindinassc  hcsit/cn,  in 
\\clchcr  klcinc  ulasi;l;in/.cndc  Olii^oklasc  und  Sanidinc,  S(»\\ic  hrannc  (Jlinnncr- 
blHUchen,  /u\\cilcn  auch  einxclnc  IIoi-nl)k'ndcsiiulclicn  atisgeschieden  lichen. 

b)    quarzfreic    Sn  n  id  in  L'CS  t  c  i  n  c. 

44.  Tracliyt. 

Her  Trachyt  isl  cine  dcni  Syenit  und  dern  quarzfreien  Porpliyr  analoi;c  Minc- 
iali  t)inl)ination,  nolunlich  ein  (juarzfreies,  \vesenllicH  aus  Sanidin  l>cslclicndcs 
(u'sicin,  zu  wclcheni  Minorale  sich  elwas  Hornblende  und  Glimmer,  in  iicuisscn 
Yarieliiten  auch  Oligoklas  gesellt.  Nach  der  Abwesenheit  oder  (ici:cn\vait  dcs 
Icl/.leren  hat  man  bis  jelzt  unterschieden  a)  Sanidin-Tracliyt,  b;  Sanidin-Oli- 
iioklas-Trachyt. 

Sanidin-Trach'yt,  eine  bald  dichte,  bald  porose ,  graue  Grundmasse 
enthalt  porphyrartig  eingewachsen  rissigen  Sanidin  in  saulenformigen,  ineisl  ahcr 
lafi'llnrmigen  Kryslallen,  daneben  schwarze,  starkgliinzende  Hornblendek  r  \ - 
si  a  lie  in  Sa'ulen-  oder  Nadelform ,  zuweilen  auch  kleine  hexagonale  Glim- 
nierbliillchen.  Die  chemische  Zusanunenselzung  des  SanidintrachUcs  isl 
Iblgende:  Kieselsaure  62 — 63,  —  Thonerde  19,50,  Eisenoxydul  ;>,-^)>  - 

Kalkerde   1,85,    --  Magnesia  0,75,   --  Kali  5,35,   --  Natron  4,83.      Scin  spcci- 
lisdics  Gewicht  schvvankt  urn  2,6. 

Als  zufallige  Gemengtheile  sind  Magneteisenei-z ,  Sodalith  und  Tilanit  zu 
cr\\;ihnen.  Durch  Aufnahnie  von  Quarz  kann  der  SanidintrachU  in  Quarz- 
IrachU  iibcrgchcn.  Die  Verbreitung  der  hierher  gehorigen  Gesteine  ist  cine 
sehr  bcschriinkle.  Sie  setzen  am  Alsberg  in  der  Rhon,  bei  Rahcrtsliauscn  ini 
Grossherzogthum  Hessen,  am  Ml.  Olibano  in  Silditalien  auf  und  sind  als  Ira- 
ch\iisehe  Laven  z.  B.  auf  Ischia  und  als*"vulkanische  Auswiirflingc  (Lesestcinc 
in  dcr  I'limcltung  des  Laacher  Sees  bekannt.  Letztere  sind  ausscnirdcnllich 
rcich  an  zufalligen  Mincralcinschltissen  z.  B.  Hauyn,  Nosean,  Nephelin,  Lcu- 
cit,  Olivin,  Tilanit,  Zirkon,  Korund,  Sapphir,  Spinell  u.  s.  NY. 

Die  Sanidin-OI  igoklas-Trachy  te  bestehen  aus  cincr  lichtgrauen  oder 
rolhlich  grauen  /um  Theil  auch  braunrothcn,  rauhen,  auch  NNohl  poroscn  (Irund- 
niasse  \on  \or\\allcndcm  Oligoklas  und  Sanidin,  soNYic  ctwas  Hornblende,  Mag- 
nesiagliinmer  und  Magneleisenslcinkiirnchcn ,  in  \\clchcr  Kryslallc  NOH  Sanidin 
und  Oligoklas,  auch  (ilinmicrtiifclchcn  und  Hornblcndcsiiulcn  porphyrisch  aus- 
gcschicdcn  siml.  Der  Sanidin  bildcl  zuin  Theil  tafeUtfrmige,  zuin  Theil  siiulcn- 
lormige  Kr\slallc.  Lcl/lci'c  Irclcn  slets  als  cinfachc  lndi\  iducn  auf.  crslcrc 


II.    Petrographische  (ieolo^ie.  07 

I'iisl  durchweg  nach  dem  darlsbader  Gesel/.e  /.u  7\\  illingen  verwaehsen  und  er- 
reichen,  so  am  Draehenl'els.  an  dt-r  IVrlenhardt  im  Siebengebirge  5  bis  10  dm. 
Sic  liegen  /.uweilen  /.crbrnchcn  im  Gesteine,  \\aivn  also  bereils  ausgebildcl. 
als  sich  die  Ilauptmasse  desselben  nocli  in  plaslischem  Zustande  befand. 
Kbendarauf  \\eist  aneh  die  Krsclieinung  Inn,  dass  die  Sanidintafeln  an  manchen 
Loealitiilen  eine  vollkommen  parallele  Anordnung  \\alirnelunen  lassen.  Der 
Oligoklas  hildet  /.\var  meist  kleinere  Krystalle  als  der  Sanidin,  fiber!  ri  111  die- 
sen  aber  an  Menge.  Sehr  hiiufig  ist  dersellie  an  seiner  Z\\  illingsslrcifung  x.n 
erkennen.  \\o  diese  aber  durch  die  rissige  Bcsehall'enheil ,  \\elehe  aneli  den 
Sanidin  aiis/.eiclinet.  \erdeckl  \\ird.  dienen  Farbe ,  Glanz  und  Iliirte  als  nnlei- 
sclieidende  Merkmale :  aueli  die  leiclite  Ver\\  illerharkeil  ist  fdr  den  Oliuoklas 
eliaraklerisliseli.  Kleine  Siiulen  und  /arte  Nadeln  von  sch \\aiver  11  o  rnl)l  e  n  d  e  . 
Scliuppen  oder  Tiilelchen  \on  seli\\ar/.em  oder  braunem  Glimmer  treten  in  der 
Gmndmasse  dor  Mehr/ahl  der  Oligoklas-Sanidin-Trachyle,  \venn  aueh  spiirlich, 
her\or.  In  vielen  der  let/.leren  ist  Tridymil  nicht  allein  als  Ausscheidung 
in  Dnisenriiumen,  sondern  auch  als  Gemengtheil  der  Grundmasse  nachgowiesen. 
Das  l\pische  Miltel  der  ehemisclien  Zusammenset/.niiL'  der  hierherizehorigen  Go- 
steine  is( .  Kieselsiiure  03 — 64,  --  Thoncrde  16 — .18,  —  Eisenoxyd  und  Riscno\\ 
dul  •;.  -  Kalk  2,50,  —  Magnesia  0,85,-  -  -  Kali  3,60,  --  Natron  5,  -  -  Wasser 
'». •"><>  —  -1.  Ihr  specifisches  Gewicht  betrUgt  2,6 — 2,7,  also  elwas  niehr  als  das 
der  SanidintraeliUe.  Als  /ufiilliize  Gemengtlieile  kennt  man  \orxugs\N eis«-  Tita- 
nil,  Apatit,  in  sellenen  1'allen  auch  Granat  und  Augit.  Sanidin-Oligoklas-Tra- 
eli\le  sind  in  dem  Siebengebiriie  (l)rachenfels,  Lohrberg,  KtlhlsbrunncMi),  im 
\\Csler\\alde  .rmgcgend  von  Sellers),  in  Siebenbtirgen  u.  s.  w.  nachgewiesen. 
45.  Phonolith  (Klingstein). 

Der  Phonolilh  ist  cine  dichte,  meist  vb'llig  compacte,  in  frischem  Zustande 
dunkel  griinlich  graue,  vb'llig  quar/freie  Gesleinsmasse,  auf  deren  unebenem,  ins 
SplilleriLie  verlaufendein  Hrnche  jzliin/.ende  Sj)altungsflachen  von  Sanidin  orschei- 
nen.  Das  (ieslein  besit/.t  eine  grosse  Neigung  /u  dUnnplaltenformiger  Absonde- 
runi;  und  iziebl  beim  Schlagen  einen  hellen  Klang  von  sich.  Die  Grundmasse 
der  I'honolillie  ist  ein  lio'ehsl  innigos  (Jemenge  aus  einem  in  Sal/saure  unlos- 
lidien  Feldspatbminerale  Sanidin  und  einer  in  Salzsiiure  xerset/.baren  Subslanx, 
\\elclie  \or\\iegend  aus  Nej)helin ,  sowie  aus  einer  geringen  Menge  eines  /eo- 
lilharligen .  \ielleiclil  aus  Zeiset/nni:  des  Nephelin  hervorgeganirenen  Minerales 
liesiehi.  Das  Mischungsverhaltniss  dieser  Gemengtheile  ist  ein  so  unbestimm- 
les,  dass  die  Ouanlitiil  der  in  Sa'ui'e  loslichen  Mineralelemenle  /\\iseh(Mi  15  und 
•')•")  I'l-oi-ent  der  Gesleinsmasse  sch\\ankl.  In  der  dielilen  (irimdmasse  liegen 
seln-  /ahlrei<-lie  lafelige  Sanidinkrystalle .  hexagonale  I'rismen  \(»n  Ne|)helin, 
sch\\ar/e  Nadeln  \on  Hornblende  ausgeschieden ,  /u  \\elelien  sich  als  /nfallige 
(ienienizllieile  noch  braune,  sechsseiligc*  Glimmerlafelchen,  Magneleisenkiirnelien, 
I'Ni-ileiusprenglinge ,  gelbliche  Tilanilkrxstalle,  in  sehr  sellenen  Fallen  Anuil, 
Hau\n  und  Oligoklas  gesellen  konnen.  Auf  Kliil'len,  in  Hlasen  und  unregel- 
miissig  geslallelen  llohlriiumen  enlliallen  nameiillieh  die  hellfai-big.in  N'ariel.ilcn 
des  Phonolilhes  maneherlei  /eolilliisehe  Mineralien .  /.  B.  dhabasil  .  Xalrolith. 
An.ili-im.  A|)nph\  Mil.  I'erner  Kalkspalli  und  Ihalilh. 

5* 


t,v  II.    |Vtrot;i-;i|>liisclie    (i 

Als  i\|iisches  .Mind  ilcf  chemisehen  ZusammensetziiQg  dor  Phonolithe  hat 
sich  crgeben  :  Kieselsiiuiv  •">'.>.  i<».  -  Thonerde  l(.l. •"><>.  Kisem>\\  d  ii.^iO.  — 

Mangann\\dnl  <>,|.-).  Kalkerde   .',25,  Magnesia  0,70,    -       Kali  <i,oo.    - 

Natron  7.00,  -  \Vasser  I. til),  lln-  miltleres  specilischcs  (ieuiclil  belriigt  :>.">: 
iin  Allgemcincn  niininl  dasselbe  mil  dem  \\achsenden  Anlheil  an  un/ersetxbarer 
Siihstan/  /u.  Vor  dent  Lnlhrohr  schinil/.l  die  Phonolithmasse  y.n  einem  grlln- 
licli  grancn  Glase.  iin  Glaskolbchen  y.eigt  sich  ein  \Vassergelialt.  der  inn  >.» 

grosser  isi.  jc  bedeutender  di»*  ouantiiiii  dcs  /.fdliiliisclicn  Gemengtheiles  1st. 

her  I'lioiiolitli  ht'sit/i  cine  izrossc  Nciiiinii:  /u  dttnnplaUeDfbrmiger,  ja  sdiie- 
loriiit'r  Slniclnr.  uclclu-  naincntlic-li  (lurch  die  parallclc  Anordnunu  der  Sani- 
dinlal'cln  l»cdini:t  scin  dilrflc.  In  dicscr  AushildiniLisNscisc  \sird  cr  als  ritiriil- 
lichcr  odcr  p  1  a  1 1  c  n  fii  r  in  i  izc  r  IMionolith  hc/cichnct.  PorpliNrarlim1  Yarie- 
tiitcn  cnlsU'hcn  aus  dcni  massigen ,  rei-cllos  /crklul'U'tcn  (JcsU-ine,  sohald  in 
dc.sscn  (Iriuidinassc  cin/clnc  irnissrre  Kryslallindis iduen  hervorlrctcn.  TracliNt- 
iihnlich  ncnnl  man  die  licliliiraucn  Phonolilhc  mil  rauher,  elvvas  porOser  Grnnd- 
tiuissc.  \\clcher  dciillich  crkcnnltarc  /.colithischc  Hcstandlhcilc  hciiicmcniit  sind. 
die  sich  aus.sL'rdem  in  Nestern  ndcr  Di'iiscn  ansiicscliieden  hahcn.  -  Die  Pho- 
nolithe  bildcn  mcistens  dom-  odcr  idockenloriniiie  Kuppcn  (homogene  Vulkane), 
sd\\ic  Giinge  von  durclischniltlieli  izerinutM-  Miiehliukcit  nnd  sind  in  dicscr  La- 
L'crnngsform  in  Europa  besonders  iin  ndrdlichcn  Bohmcn  (Marienbei^  l>ci  Aussif:, 
Teplilzer  Schlossbei-g,  Milleschauer),  in  der  Lausitz  Lauschc.  Umbcrii  l»ci  Zittan  . 
iin  Rhdogebirge  (Milsebui^),  im  Hcgau  am  Bodensee  Slaidcn  .  in  der  Auvergne 
ausiicltildcl.  Die  Hanplcruplion  der  Plionolithe  fiillt  in  die  y.\\eile  Ha'lfle  der  Ter- 
liiir/cil.  <ie\visse  La\en  des  Monte  nuovo  und  der  plileizriiischen  Felder  sind 
naeli  ihrer  petFOgraphischen  Ausbildnng  und  chemist-hen  Zusammensetzung  als 
PhonolithlaNcn  /u  he/eichnen. 

Der  N  os  e  a  np  h  o  nol  i  t  h  schliesst  sich  eng  an  die  eigentlichen  Pfaonolithe 
an.  Dersclbc  enlhiilt  in  einer  tlichl  erschcinenden,  tlunkelen,  (lurch  Vei'\\ille- 
ninii  bleichcndcn  phonolithischen  Grundmasse  Krxslalle  von  Sanidin,  Nosean 
und  Leucit.  Der  Nosean  isl  blaugrau  gefiirbt,  l>ildet  mehrciv  Millimeter  i:n>ssc 
Kryslalle,  vselche  auf  dem  Bruche  (lurch  ihre  dodekaedrischen  Unirisse  dcut- 
lich  hervortretcn.  Dei1  Leucil  erschcint  in  Gesiall  /alilloser.  sehr  kleiner,  durch- 
sichtiger,  in  /crset/.lem  Zuslandc  sclincc\\eisser  Kornchen.  Aus  Noseanphonolith 
hestchl  /..  \\.  der  \ulkanischc  Kegel  von  Olbriiek.  der  Burgbcrg  bei  Hicdeii  in 
der  Laacher  (legend,  der  IlohenlNviel  im  liegau. 

c)    IM  a  i:  ink  1  ii  s  LI-  s  1  c  i  n  c. 

46.    Hornbleiide-AmlesH . 

Hornl)lende-Andesite  sind  Gesleine .  \\clche  \or\\  iegend  aus  Oligoklas  und 
llnrnblende  bestehen ,  /u  denen  sich  als  driller  (ienienglheil  (Juar/.  gesellen 
kann.  — cine  den  Diorilen  und  Porp  \riten  analnge  Mineralcombinalioii.  Nach 
der  Ab\\esenlieil  dder  Gcgcn\\arl  des  Ouarxes  unterscheidet  man  t|  u  a  rxfti  li- 
re n  de  und  q  u  a  r/.  I  're  i  e  IIornblcnde-Andesile. 

Una  r/fiihrcndc  II  o  r  n  b  I  e  n  d  e-  A  nd  e  si  t  e  sind  schwiirxliche,  griinlich- 
graue.  braune  oder  dunkclgriine  (iesleine  mil  dichlem  bis  denllich  feinkornigem 


II.     iVlniur.ipliisfhr   (icnl.i-ic  li!» 


Gefiiue.  be.xtehend  aus  Oliuoklas.  Ouarz  mid  Hornblende.  meisl  .uirli  aus  Uimnicr. 
/nvNcilen  isl  der  Onar/  nidi!  sichlbar,  doch  \\eist  der  liohe  Kiesels8uregeha!t 
der  belrefl'enden  Gesleine.  \\elcher  den  des  Oligoklas  iibersteii:!  ,  d;ir;iuf  liin, 
dass  freie  Kieselsanre.  also  Onar/  \orliand(Mi  isl.  AIs  |  \pisehe  miUlcre  Zusain- 
mensei/uni:  crgield  sich  :  Kicsclsiiiire  66,10,  Thonerde  14,80,  -  -  Eisen- 

•  •\\dul   r.,30,    -      Kalk  :>,30,    •       Magnesia   :',tO,   --   Kali    uiul   Natron    i,70,   - 
YVassrr  l>.  .")();  das    niililcrc    spccilisclu-  (ic\\idii    lu-triigt   2,60.     Man   kennt 

dirsrs  (icstciu  aus  SicluMibilriirn     sou.   andrsitisclic  odcr  "ilinslcinarliiic  Ouar/.- 
li-acli\lc  .   L.   B.   b<M   Naizyaii.    fcrnor  aus  Transkaukasicn  und  aus  den 
'Oligoklaslrachyte  \om  Rath's). 

Die  quarzfrcien  H  ornblcnde.-Andesitr  sind  jjraur  his  scli 
dunkelgrUnliche  oder  dunkelbrttunliche  (lasicinc  von  porphyrischem  llahiins. 
In  cincr  fcinkiirniiien,  deutlich  kr\stallinischen,  biswcilen  auch  scheinbar  tlicli- 
Icn.  /inn  Tlicil  fast  glasartiucn  (irnndinassc  lichen  lafclai'lit^c,  incisl  scliiu>r\\«iissc 
odcr  uriinlicli  \\cissc,  iwilliDgSStareifigC!  Oligoklaskrystallo  und  sclmar/o  Siinlcn 
von  llornbU'iult'  al)cr  weder  Sanidin,  noch  Quarz)  ausgeschicden.  Dancbcn 
tiTtcn  MagiioteisenkorncluMi  .  Magncsiagliminerblatlchen,  auch  vvohl  etnas  Angit 
nnd  Titanil,  noch  scltcncr  Olivin  und  Ilauyn  auf.  Mitllcrc  cheinischc  Xnsain- 
incnscl/nni:  :  Kii-sclsiiurc  59,75,  —  Thonerde  17,25,  —  Eisenoxjd  und  Kisonoxydul 
7,57,  —  Kalk  6,00,  -  -  Magnesia  1,30,  --  Kali  3,10,  —  Natron  4,00,  —  Wassci 
1,00.  Spccilischcs  (Ic\\iclit  =2,7  —  2,8.  AIs  Typus  der  quarzfreien  Hornblcndc- 
Andcsiic  konnen  die  Gesteine  der  \Volkenburg  iin  Siebejigebirge  gellen  (Wol- 
kcnl)urg-'Prach\ic  .  Ausserdem  treten  sie  iin  Siebengebirgc  noch  am  Bohci-s- 
halin.  an  den  Scheerkopfon  ,  den  Breibergen  und  mehreren  anderen  Punklcn 
aid:  ei)enso  bei  Kehlberg  in  der  Eifel,  bei  Bannow  in  Mahren,  in  Ungaru  und 
Sicbcnbiirgen  (die  GrUnsleintrachyle  und  grauen  Trachyte  von  Richlhofeirs)  ,  das 
Mullcrgestcin  der  dortigen  edlen  Erzgange. 
1  7  .  Augit-Andesit. 

Dc.1  Aniiit-Andesit  ist  eine  Mineralcombination  von  Augil  und  Oligoklas, 
/ii  dcncn  sich  in  seltenen  Fallen  Quarz  gesellt,  wahrend  die  meistcn  Augil- 
Andcsiic  (|uar/frei  sind. 

Die  quarzfreicn  Augit-  Andc  s  ilc  hcstchcn  aus  ciner  deutlich  fein  kr\- 
slallinischcn  (irundmasse  von  graulich  weisser  oder  rblhlieher  Farbe,  in  uclclicr 
Kr\slallc  odcr  krvslallinische  Korner  von  Oligoklas  und  Augit,  ersterer  in  dllnnen, 
linker  an  cinander  geftlglen  Blaltchen,  lelzercr  in  scharf.  ausgcbildctcn,  gliin/en- 
dcn.  /.inn  I'licil  siiulenfb'rrnigen  Kr\slallindi\iduen,  daneben  vereinzelt  auch  solclu- 
\on  Hornblende  eingewachsen  sind.  Ausserdem  stellen  sich  Magnclciscnci'/.  Mai;- 
nesiaglimmer  nndOlisin  als  zufallige  (Jemengtheilc  ein.  Mittlere  cheinischc  Zn- 
sammcnsct/mit::  Kieselsiiure  57,15,  --  Thonerde  16,10,  —  Kisenoxxdiil  I-'J.OO,— 
Kalk  '),7.'),  —  Magnesia  2.-M,  —  Kali  1,81.  —  Natron  3,88,  —  miltleres  specifischcs 
CK>\\  icht  =  2,8i.  Die  Augit-Andcsilc  besit/.en  dcnmacli  einen  cl\\as  geringeren 
Kicscl.sauregclialt  nnd  ein  elwas  grb'sseres  specilisches  (ic\\ichl  als  die  llorn- 
blend(¥-Andosite.  Sie  sind  namcnllich  unler  den  Laven  des  siid\\cslliclicn  Island 
verbreitet,  auch  vom  Chimbora/zo.  \on  Ti-ncrilla,  Ischia,  Noi'd  \en-Seeland  sind 
\nlkanische  Gesleine  bekannl,  die  hierher  zu  rechnen  sein  diirl'len. 


70  II. 

Al.s  i|iiar/.  l'ii  h  re  nde  A  ug  i  I  -  A  nd  e  s  i  I  e  uenlen  geNN  is.se  Andesile  .nis 
den  sudamerikanischen  Andes  belrachlel  .  deren  KieselsUure-Gehall  'ini  Dureh- 
scliiiitt  (').')  —  (>(')  I'roeenli  den  des  Oligoklases  Ubei \sieigl,  und  domnach  der  Ge- 
geiiNNarl  \(in  Oiiiiiv.  /u/usehreibon  1st. 

Was  die  Ligorungsl'orm  dcr  Aiigit-  and  Ilornblende-Andesile  belrill'l  .  so 
bildon  diese  Gosleinc  in  dcr  Hegel  isolirlr,  kc^rlloi 'iniiic  odcr  douifdniiige  Kii|i- 
pcn  lidiiiKui-iif  Viilkiinc;,  \\clclic  m'Nvohnlicli  rcilicidonnii:  i;rordncl  sind.  Dicsc 
l.,ii;rniiii;s\\cis('  scl/t  u.inizjirli^t1  JhiiTliln-ilclir  Nonius,  N\rlrhr  ;iuc|i  liiiuliL;  /u 
iM-oltiichlcn  sind.  Die  Andesil-Laven  luilKMi  sicli  slronmrtitj  ciyosscn  und  /uin 
Thoil  deokenaiiig  juisgebreitet. 

48.  Trachytpechstein. 

Dor  Trachylpochstein  ist  von  doin  suh  32  hrsrlirichcncn  h-lsilpcclistrm 
NNcdcr  in  srineni  aussoron  Ansehon,  noch  in  seiner  chemist-lien  Xusammen- 
set/unij  /u  unlerseheiden,  desson  pctrographische  Beschreibiini;  deshall*  auch 
fiuf  ihn  aiiN\endl)ar  ist.  Unler  dem  Mikroskopo  jedoch  unlerseheitlen  sieh  heide 
I'et  lisleine  d.idurch,  dass  die  Felsitpechsteinc  felsitische  Ausscheidungen  ,  ahcr 
keine  Heloniic.  -  die  TraeliN Ipechsleine  jedoch  zahllose  Mengcn  von  Boloniten, 
aber  koine  folsilische  .Malerie  in  ihror  glasigcn  Grundmasso  uinschliossen  und 
endlich  keine  Fliissitikoitseinschlilsse  onlhallon.  Neben  den  oft  stroinartitu  an- 
geordneten  Bolonilen  kommen  in  der  lichtgrilnlichen  Glasmasse  vor :  mil  blossom 
Aujio  erkennbaro  Foldspatho  mil  Glaseinschlilssen  und  mil  Glasadern.  NNelche 
von  der  Grundmasse  ausgehen,  --  mikroskopischc  Feldspatho  in  bedetitender 
Menge  mil  sohr  viol  Glaseinschltlssen,  --  mikroskopische  Hornblende-  odor  Au- 
gitsaulen,  -  schwarze  Magneteisenkdrner,  --  zahllose  Dampfporon. 

Island,  Neu-Seeland  und  Centralfrankreich  bergen  die  Bauptvorkpmmnisse 
des  Trachylpechsleines. 

49.  Obsidian. 

Der  Obsidian  ist  ein  vulkanisches  Glas,  eine  glasige  Modification  der  ira- 
cli\ii.schen ,  und  z\var  namentlich  der  kieselsaurereichen  Laven,  eiilsianden 
durch  rasehe  Al)kiihlunu  tier  gluthflttSSigeD  T radix tmasse.  Die  Obsidiaue  bilden 
cine  glasarlige.  slark  glanzentle  Masse  mil .  ausge/eichnel  ipuscheligemBniche,  daher 
mil  scliarlkanligen.  sehneideiitlen  Bmchstttcken.  Hire  Farbe  ist  moist  scli\\.ii7.. 
braun  txler  griinlich.  Nach  ihrom  verschiedenartigen  Geluize  untorschoidon  sich 
lolueiido  Varietiilen  : 

reiner  Obsidian,  vollkommonos  Glas,  anscheinoud  homogon,  jedoch  an- 
geltilll  NOII  mikroskopischen  Kr\slallclieii .  \\elche  parallel  ango«»rdnel  sind  und 
Mikrolliiftiialionsstructur  /oigen:  aussertlem  mil  zahlloson  mikrt)sko[)isclien. 
spil/eilurmigen  Gas-  und  Dampfporen ; 

porpliN  rarl  igor  Obsidian,  in  glasiger  Gruntlmasso  sind  ein/.elne  Sa- 
nidinkorner  odor  -Knstalle  ausgoschieden : 

spha  roli  Ih  is  oho  r  O  bsi  tl  i  a  n,  in  glasiger  (irnnd  masse  liegeii  radial-lase- 
rigo  SpharolithkUgelchen ; 

blasiger  Obsidian,  Obsitlianmasse  mil  /.urn  Thoil  langgeMrocklon  und 
parallel  gelagorlon  Ulaseiiraumen. 


II.    Petrographtscbe  (imln^ir  71 

\ucli  unlei  dein  Mikroskope  crueisl  sieh  der  Ohsiilian  als  cin  echles  Glas, 
inci.sl  schr  reich  an  durchsichligcn  oder  seli\\ar/en,  haaiibriuigen  niikroskopi.selien 
Kfystallausscheidungen  Itelonilen  und  Trielulen  .  \\clclie  nichi  selten  die  pradii- 
vollsle  gewundene  FlurtuatitDtttniOltir  siehe  JKig.  (>;  /cigen.  Namenllidi  h.uiliu 
sind  iii  manchen  Ohsidiancn  seh\\ar/e  Trichile,  \\elche  dann  gebogen,  scharf 
tickzackartig  geknickt,  sohleifenartig  gekrttminl  und  mil  sclmar/en.  solidcn  Kiii-n- 
rlicn  luvsi'l/l  sind.  ndrr  y.u  spinncniihidicluMi  AggTOgaten  /usainincnlrclcn.  IXrhrn 
ilincn  kniniiicn  xahlrciclic  cclilc  Hclonilc  und  niincuartii;  aiisiic/.ackic  larhlosc 
.Mikn>kr\sl,illt>,  so\\i(>  MagneteiseDSteinkOrner  und  (Iliinmor-  odor  Kiscni;lan/- 
l.dclclion  vor.  Dampfporon  sind  im  (ian/cn  in  dcr  Oksidianmassr  nur  scllr-n 
vorhanden,  \\o  sic  abcr  auflrctcn  ,  in  cnoi'inor  An/.alil  aus^cliildcl.  Mcist  sind 
sic  rundlich.  citorini"  odor  an  cinor  Seile  in  cine  Spil/c  aiisi»c/.oi;cn.  In  cincm 
()l>sidiaiic  von  Island  lichen  in  oiner  Ebenc  von  cincm  Quadralmillimctcr 
suit, 000  Poivn. 

Da  die  Ohsidianc  (1  laser  aller  (iliedcr  dor  Trachytfamilie  von  dcm  kicsel- 
s.micrcichslen  his  /uin  kicsclsaurcariustcn  darstcllcn,  so  bowcgl  sich  der 
kicsclsaurciichall  dcrsclhcn  xwisclicn  wcitcn  Grcnzcn  und  schwaiikt  /\vischcn 
(>0  und  70  IVoccnl,  und  ahliau^ii;  davon  das  specifische  Govicht  /\\isclicn  2,5 
und  ;'.:{.  Die  Obsidianc  sind  mil  den  iibrigen  glas-  und  schauniartigen  Alodi- 
licaiioucn  dcr  Tracfaytgesteinfi  durch  Obcrgitnge  cng  verbuinden;  namentlich 
gelirn  kr\slallinisch  kb'rnigc  Lavcn  an  ihrcr  Oberllilche  in  Obsidian  und  dicsci- 
luich  seiner  iiusscrcn  (Ircn/c1  /u  in  Bimsslein  ilber.  Hire  llauptverbrcituni;  lin- 
den die  Oltsidianc  in  den  vulkanischen  Gebieten  dcr  liparischen  Inseln ,  auf 
Island,  ill  Transkaukasien,  Tencrilla,  Neu-Sccland. 
in.  Perlit,  PcrLstein. 

Der  IVrlit  ist  cine  glas-  odcr  cinailarlige  Masse  von  nieist  graublaucr  Kar- 
IHHI-.  \\elehe  aus  laulcr  liirsc-  bis  crbsengrossen,  concenlrisch-schaligen  Kbrnern 
/iisaniiiKMiucsct/.l  isl.  Die  ausserslen  Lamcllcn  der  (Miiander  /unachsl  liciicuden 
korner  sind  mil  einander  verwoben  und  verflossen.  Bei  gewissen  Variclalcn 
der  Perlsteine,  den  spha  roli  ihischen  Perlilen,  Irelen  in  dieser  Grundinasse 
\on  diircliaus  kbrniii-selialiiicni  (Jeftlge  Spharolilhe ,  also  radial-faserige ,  kugelige 
<»dcr  kuolliue  Ausscheidungen  mil  scharfbegnMixlen  Handern  auf.  Andere  Per- 
liUarielalen,  die  Perl  ilporph  y re,  umschliessen  in  einer  echl  perlilischen, 
kuciiiL;  selialigen  (Jj'iindmasse  ki'\stalle  von  Sanidin  und  Glimincr. 

Hci  dcr  mikroskopisehen  rnlcrsucliuiiii  der  eehlen  Perlile  Irelen  naturlieli 
die  DUK  lisehiiiltc  der  concenlrisch-schaligen  Korner  als  eoncenlrischc  Cur\cn 
und  /.war  Krcissc^mente  hcrvor.  Die  ein/.clnen  Sclialen  sind  ge\viilinlicli  gaii/ 
gfeichfarbig.  In  dcr  Perlilmasse  haben  sieli  nun  iihnlich  wie  im  Obsidian  die 
selben  niikrosk(ij)iselu'ii  Kr\slallchen ,  bald  geradc  und  einfaeli  uelnnnle ,  bald 
gabelige,  gekrilmmlc  odcr  ruinenarliu  -c/.aekle  Hclonile ,  bald  scli\var/e  Trichilc 
ausucscliiedcn.  Xuueilen  /iclien  sich  Slrb'mc  dieser  zusainmcniieliiiuflcn  mikro- 
skopiselicn  ki-\sliillehen  in  geradem  odcr  ^ekninuntcin  Verlaufe  (juer  durch  inch 
re  re  bcnachbarle  I'crlilkorncr  hindiirch,  so  dass  augcnscheinlicli  Ausscheidung 
dcr  Mikrolithe  und  sehalenlormige ,  perlilischc  Absonderung  ganz  unabhiingig 
von  einander  vor  sich  gegangen  sind. 


7"2  II.     iVtmui.ipliiM  lie    li 


Dor  kie.selsamvgehall  dor  IVrlilo  schwankl  zwisehen  7(1,  •")'.»  und  K^NO, 
dies  inacht  i>s  \\ahrselioiiilicli,  dass  nur  quarzlracbytisches  Material  y.u  porli- 
tiselier  Ausbildung  i:eeignet  isl.  Das  Ivpiselu-  Miltel  dor  elieiniselion  /usammen- 
sot/.ung  der  IVrlile  isl:  kieselsaure  7:J,  IY.\,  -  Thonerde  U,23,  -  Kisenoxyd 
und  Kiseno\\dul  :>,  i  I  ,  -  Kalk  1,70,  --  Magnesia  0,SO,  --  Kali  mid  Natron 
(>,i:{,  \\asser  1,90.  Speciliselies  Gewiolil  =  2,:J6  l»is  2,'i-'). 

Dcr   I'crlit   hildcl  Slriinic   und   (i.inuc   bci   Sclicinnil/.   und  Tclkchanxa   in  Un- 
iiiirn,    in  den   I'iiiiiancon,   auf  den   I'on/a   Inseln,    in  Mexico. 
5  1  .  Bimsstein. 

Dor  Bimsslrin  isl  cin  scli\vaininiges  oder  schauini^cs  (ilasiicslcin  \on  iiH-isl 
licbtgelblicher  odor  Uqhtgraulicher  Farlto,  o\m>.  (lurch  das  Durchstronu-n  von 
(iascn  oder  Diimpfrn  cnlstandenc  hhisigi'  Obsidian  -Modificalion  und  dcsslialh 
\on  durclisclinialk-h  dcrsolhen  chemise-hen  Xusammenset/uni:  \vie  xum  Theil 
die  kieselsiiurereichen  ,  zum  Theil  die  kicselsiiurearmen  Trachyte,  indem  ihr 
Kieselsaureuchall  zwischen  58  und  74  Procent  schwankt.  Auch  die  eiiienlliche 
Glasmasse  dcr  Bimssleine  ist  angeftlllt  von  Mikrolithcn.  Das  Vorkommcn  des 
Bimssleins  ist  an  die  Vulkanc  gebunden  ,  wo  er  sich  theils  in  Form  loser 
theils  in  Verbindung  mil  Obsidian-  und  Perlitslromcn  lindcl. 


Die  oben  beschriebenen  juugerupliven  Gesteine,  deren  Hauptgemenjilheil 
Sanidin  und  Oligoklas  ist,  pflegte  man  als  Trachyte  zusammen  zu  lasscn 
und  ihncn  die  Basalte  als  zwar  gleichallerige  aber  labradorfiihrende  Gesleins- 
gruppe  gegenilber  zu  slellen.  Es  hat  sich  jedoch  aus  Zirkel's  rnlersuchungen 
iiber  die  Basaltgesteine  herausgestellt,  1)  dass  der  Feldspath  dieser  Gesteine.  wo 
soli  her  Uberbaupt  vorhanden,  kaum  Labrador,  sondern  wahrscheinlich  ein  kicsel- 
siiui'creicherer  Kalknatronfeldspath  (also  Oligoklas)  sein  diirfte;  2)  dass  zahl- 
reiche  Basalte  gar  keinen  Feldspalhgemengtheil,  sondern  an  (lessen  Stelle  Le licit 
oder  Nephelin  aufzuweisen  habeu;  3)  dass  die  Basalte  aphanitische  J-lrslar- 
ninusmodincalioiien  der  grobkornigen  und  feinkbrnigen  Dolerile .  Leucitophyre 
und  Anamesile  sind.  zu  welchen  sie  sich  verhalten  wie  die  Diabas-Aphanite 
zu  dem  kornigen  Diabas,  also  ebenso  wenig  wie  diese  eine  selbstandig«-  Gc- 
steinsspecies  repriisentiren.  Da  ihuen  jedoch  eine  gewisse  geologische  Zusammen- 
geliorigkeil,  eine  fast  vollkommcne  Idenlat  in  ihrem  ausseren  Ansehen,  eine. 
grosse  Aehnlichkeit  in  ihrer  clicniisclicn  Constitution  und  eine  cnge  zeitliche 
Verkniipi'ung  niclit  .abgesprochen  \\erdei\  kann,  lernei-  das  Acusserc  der  hier- 
hergchorigen  (Jesleine  dieselben  leicht  als  Hasalle  serrath,  aber  erst  eingeliende 
mikroskopisehe  I'nlersucliungen  enlscheiden  konnen,  ob  ein  Plagioklas-,  l.eucil- 
oder  Ne|)helin-Basall  \orliegl.  so  \\ird  der  CollecliMiame  Basalt  I'Ur  die  apha- 
iiilisclirii  riagioklas-Dolerilr.  l.euciloph\  re  und  Nephelin-Dolerile  nielil  zu  enl- 
behren  sen. 

K'.  Plagioklu8-l)olerit;  nebsi  Aiiainesit  uiul  Flagioklas-Knsalt. 

Der  I'la^ioklas  -  Doleril  isl  ein  grob-  oder  mitlelkorniges  (iemenge 
son  Iriklinem  Ichlspalhe  und  Augit,  nebsl  \\enigem  Apalil  und  litanhalligem 


II.  iviio^r.ipiiiM'iif  (•(•(.  icuit-  7:'. 


.MagneU'isonerz,  /,ii  woli-hom  sieh  et\\as  kohlensaiires  Kiseno\\dul  und  kohlen 
saurer  K;ilk  y.u  uesellen  pllcucn.  Der  IMauioklas  v\  allot  moist  \or  den  iibrii:on 
Bestandthcileo  stiirk  \or  und  Irill  in  \\eissen  odor  liehtiirauen  ulan/endon  Tafel- 
elien,  dci-  Auuit  in  kuryen  Saulehon  \ou  >eh\\ar/er  odcr  diinkelunlnor  l-'arbe 
iiul'.  Da>  .Maizneleisenery.  erselieint  mrist  staubtormit;  iin  (Jorneuije  \erlheill,  sol- 
lenor  in  siehlbaren  Oetaederii  und  Kbrnern.  Anf  die  (ie^eimarl  von  innig 
n  (];irl»on;itcii  I'mduclcn  dor  ItciiiiUHMiden  ZiM'si't/unui  l;iss(  d;is 
scn  dcs  pulverisirlen  (iesteines  hei  Heh;indlunu  mil  Siiuren  seliliessen. 

Ifikroskopisehe  Untersuohungen  von  Dolei-it-DilnnselililVen  \\iesen  lichtltriinn- 
lielie  AiiLiite,  in  pohirisirtcin  Lichto  praehtvoll  I'jirbii:  ^esli-eit'te  Irikliuc  Feld- 
sp.ilhe,  ferner  hl;isse  Olivin-  und  sehw;irzo  .Ma^iieleiseiier/konuT  und  tMidlieli 
l';irMnse.  diinne,  hexjiuoiude  Niideln  von  Apatit  nach.  Ainorpho  ZNvischensuhsl.in/, 
i>l  niii-  ;iiisn;ilinis\\eise  und  dann  solir  spiirlich  vorhanden. 

Der  I'l.iuiokliis-  Dolerit  niniinl  y.u\\eilen  duivh  das  llervortreten  ein/elner  urb's- 
serei  Kr\si;ille  von"  Augil  odor  Foldspath  aus  deni  sonsl  gietchm^lssigeD  Minc- 
r;ikeineni:e  po  rj>  h  v  rischen,  durch  das  Auftreten  von  Blasenriiunien  mil 
/eolidien  und  Carbonatcn  in  a  ndelstci  narti  gen  Habitus'  an  ;  Doleritlavcn 
uelmren  y.u  den  I^riiptionsproduclen  dcs  Aetna,  Stromboli  und  anderer  Vulkane. 

Mitllere  eliemisehe  Zusamnienselzung  :  Kieselsiiure  50,59,  —  Thonerde  14,  10, 
-  Kixriinxyd  16,02,--  Kalk  --  9,20,  --Magnesia  5,09,   --Kali   1,05   -     .Na- 
iion   .',  H».          \V;isser  1,78,   --  Specifisches  Gewicht:   2,75  —  2,96. 

Die  Kniplionen  der  I'lngioklas-Dolerile  haben  in  dor  Terlia'rzeil  bcgon- 
nen  und  dauern  jetzt  nocli  fort  ;  sic  haben  die  Nebengesteine  gaiiiilonnig 
durehset/.t  und  sieh  entvveder  an  ihrem  Ausbruchsorte  kuppenformig  aul'iiestaul. 
oiler  deeken-  und  stroinartig  ausiiebreitet.  Zu  den  ausgezeichneteslen  Doleril- 
vorkomnien  sind  die  des  Meissners  in  Hessen,  der  Lowenburg  im  Siebenge- 
birue,  des  Hnnkenkiipfehens  in  der  Eifel  zu  ziihlcn.  In  Island  und  Scholtland, 
so\\ie  auf  den  Farber  ist  der  Dolorit  \veit  verbreitel. 

Der  A  H  a  me  si  i  ist  ein  Aggregat  von  tiesteinselementen  des  Plagioklas- 
Doleriles  MID  so  t'einkbrniger  Zusainmenset/.ung,  dass  das  unbe\xa(l'nele  Auue 
z\\ar  ein  krxslalliniseli  kbrniges  Aggregal  von  Mineralindividuen  erkennt,  ohne 
jedoeh  ini  Slande  zu  sein,  die  verschiedenen  Bestandlheile  zu  unlerschnden. 
Die  l-'arbe  der  Anamesite  ist  graulich  oder  braunlieh  sch\varz.  Hire  Besland- 
theile  sind.  \\  ie  p-sagl  .  die  des  Dolerites  ,  also  Plagioklas,  Auiiit,  Magnelei>en- 
erz,  so\Nie  et\\as  Apalil  ,  zu  \\elehen  sieh  melir  oder  minder  haulig  Olivin  ge- 
selll.  /ANisehen  den  kr\stallinisehen  Beslandllieilen  des  Anamesites  liissl  sich 
unter  dem  Mikroskope  einc  amorphe  (irundmasse  und  in  dieser  die  (ietzen\\ar( 
y.alilloser  Trichile  nach\\eisen.  Das  speciliselie  (ie\\iehl  des  (Jesleines  seliuankl 
y.uiseheii  :'.  ~  und  i,S  und  ist  im  Allgeiueinen  et\\as  geringer  als  das  der 
Plagioklas-Basalte.  Die  Anamesile  sind  namenllieli  in  Inland,  Sehollland  und 
Island  \erbreitet.  In  Deulsehland  trill  or  z.  B.  boi  Sleinheim  un\v<'il  llanau 
und  auf  der  Wilhelmshbhe  bei  Cassel  auf. 

Der  IMagioklas-Basal  I  ist  oin  seli\\ary.es.  seln'inbar  diehles  (iestein  mil 
inaltem,  splitteiigem,  iiu  (Irossen  llacli  inuseheliijein  Bruelie.  Ansehoinend  voll- 
konuuen  homogcn,  erucist  es  sieh,  ganz  ab^eselnji  \on  mil  uidteuallnelein 


74  II. 


Mcliibarcu  porplm'ischen  Ausscheidungen  ,  bei  starker  raikfoskopischer 
ycrgrb>seruni:  dcr  Dunnschlille  aus  z\\cil'aclicm  Maleriale  ziisanimengeselzt,  einer- 
sells  iius  iiiikroskopischen  Mineralindividucn  von  Plagioklas,  Augit  uiul  titan- 
haltigcm  oder  reinem  Magneteisenen  iicl)st  Olivin,  s<>\\ie  clwas  .N'ephelm.  anderseils 
iius  eineiii  amorphen  Omeiitc,  welches  die  Zwischenraurne  zwischen  den  indi\i- 
dualisirten  Gemengtheilen  ausfUlll.  Diese  glasarlige  Substanz  der  Basalle  1st  tins 
lU'sidiuiin  dt-s  ui'spriin^liclMMi  BasattmagmaSj  welches  in  amorpheni  Zusl;indr 
zurilckl>liol),  n.ichdcm  sidi  die  iiiif^c/iihlUui  Geinengtheile  kryslallinisch  ansur- 
scliicdcn  li;itt(Mi.  Sit1  ist  enlwedcr  rein  glasi",  halhiilasiu,  odor  cnlszlast.  Die 
i;lasiiic  (irundiuasso  1st  vollkonimen  homogen  ,  besitzt  gelblich  braune  Farbc 
und  \crli;ill  sich  in  polarisirtem  Lichte  \vic  cine  einfach  brechende  Substan/.  : 
in  ha  1  b  g  las  i  gem  Zuslande  erwcist  sic  sich  angcfiillt  von  massenhafteo, 
>ch\\,  iiv.cn  .  mikroskopischen  ,  nadel-  oder  haarfbrmigen  Knstallchen  (Trichilen) 
odcr  scli\\arzen,  scharfbegrenzten  Kornchen.  Die  Trichite  sind  bald  geradc,  bald 
gekriimmt  oder  ge\vunden,  zu\veilen  kculenformig  verdickt  und  biischelig  odcr 
in-l/arlig  angcordnet  oder  baumarlig  verzweigt.  In  entglaslem  Zustandc  be- 
slclit  die  Grundmassc  aus  einem  entvveder  ver\vorrcnen  oder  parallel  faserigcn 
Aui:rcL:alc  inikroskopischer  Kornchen,  Niidelchen,  Ilarchen  und  Krystiillchcn, 
trill  jedoch  den  eigenllichen  Basaltgcnicngtheilen  gegcnilber  als  ganz  abweichende, 
lorrnlich  frenide  Substanz  auf.  Die  Menge  der  amorphen  Grundmasse  sclnvankt 
in  ihrein  Verhallnisse  zu  den  kryslallinischcn  Ausscheidungen  sehr  bedculmd. 
ZiiNveilen  trill  sic  so  zurtlck,  dass  Diinnschlifle  dcs  Basallgcsleines  als  krystallinischc 
Minoralaggregale  erscheinen,  zwischcn  deren  Slrahlcn,  Saulchen  und  Kbrnclicn 
nur  ein  Ilauch  von  (irundmassc  eingcschlossen  isl,  —  odcr  sic  ninnnt  z\\ar 
,ni  .Mcngc  zu,  bleibl  aber  unlergeordnet  und  isl  zwischen  die  Mincralausschei- 
diingcn  zwischengedrangl  ,  endlich  kann  sic  zum  vorwaltcndcn  Bcstandthcile 
der  Basalte  werden;  dann  liegen  die  Krystallausscheidungen  isolirt  in  dersclbcn 
t-inucltcttcl  und  zeigen  dann  nichl  scllen  Fluidalslruclur,  in  Folge  deren  die 
Icislcnforinigen  Feldspathdurchschnille,  die,  langlichen  Augilsaulchcn,  und  schma- 
len  Ncphelinrechlecke  slrcckenweise  parallel  neben  einander  hcrlaufcn  und  sich 
/u  Stiiimen  anordnen,  \\elche  sich  zwischen  grossercn  Kbrnern  von  Augit,  Oli- 
\in  und  .Magneleisenerz  hin  und  herwinden.  (siehe  fig.  7  pag.  29.) 

Das  krsstallinisch  ausgeschiedene  Gesleinsmalerial  dcr  Feldspath-Bas.ilic 
beslchl  aus  vorwaltcnden  triklincn  Feldspalh-  (\vahrschcinlich  Oligoklas-'j 
ki'vslallcn,  wclchc  in  polarisirtem  Lichle  prachlvoll  bunt  gcslrcifl  erscheinen. 
Augiten,  von  welchen  die  grbsseren  gewbhnlich  (lurch  (ilaseinschlUsse  und 
.Magneleisenkiirncr  vcrunreinigl  sind,  --  Olivin  von  griinlich  graucr  Fa'rbung, 
in  sehr  diinnen  SchlilVen  ganz  farblos,  —  Magnet-  und  Tilaneisen  in  schwai- 
zen  Kbrnern,  —  zuweilen  auch  Nephelin  in  farblosen,  ungestreiften  Becht- 
ecken,  --  Apalil  in  langcn.  farblosen  Nadeln,  sehr  sellcn  Leucit  undGlini- 
mer,  nie  aber  Ilauyn  und  Melililh. 

An<  dcr  licschricbenen,  gleicharlig  scheincndcn  Grundinasse  Ircten  bis- 
\\cilcn  pnrph\risch  einges|>rengte  grbssere  Kbrner  und  Krxstalle  von  Plagioklas, 
Audi.  Olivin  und  Magneteiscnerz  her\nr.  I'nter  diesen  ist  der  Olivin  ein  hbchst 
charaktei'islischei-  zufalliger  Gcinenglheil,  er  bildel  glasghin/cinlc.  olgrUne,  mcist 


II        IVIlMiliapllix'llC     (ir.iltPUir  7,"> 


Iroplcnalmliche  konier  und  his  iiber  knpl-ni.sse  rimdliehe,  konu-c  Au 
Der  Oli\in  kommt  /uueilen  in  soldier  .Menuc  im  I'VIdspalhhasalle  \<»r,  d;iss  er 
die  eiuenlliche  Hasallmassc  stiirk  /urilekdriini;!.  Hornblende,  /urn  Theil  in  y.oll- 
-I-OSMMI  Kr\>|,illen  mid  kennllich  ;in  ihren  .sliirk  ulan/enden  Spallun^sll.idien, 
ist  ,ils  /iilalli^cr  (lemcniitheil  nichl  selten. 

Inncrhalh    dcs    dichlen    r'eldspathhasalles   linden    sirh    nichl    scllcn   uiirei;el- 
miissiue   iidcr   hlasenarlii;c   llohlriiumo,    \velche  xuin   Thoil    von   den    \rrschirdcn 
.irliuslcn    Mincr;ilirn  ,    Silicalcn  s(t\\ic    (liirhonalcn  ,    ausi;r!'Ulll    odcr    ans^cklridcl 
siml,   so  \oi7.uus\\cisc  \on   Dcsniin,   Slilhit,   Nalrolitli,    Analciin,   (lhahasil,    Apu 
|ih\llii.    llannoloni,    Kalkspalh,    Arai;onil,    mdlicli   Ouar/.    (ihalccdon,    Ihalith. 

Als    Stnicliir\arict;ilcn     dcs    I'l.i.uioklas-liasallcs    kanu    man    untcrschcidcn 
uc\\dlinlichcn  odcr  dichlon,    |)orph\  rarlii^rn   mil  Ausschciduni;cn   son  Aui;il,    IMa- 
i;ioklas.    llonihlcndc.    niandclslcinartii;cn  mil  Mandeln  und  Neslcrn  von  den  chcn 
.inr-c/alillcn   Mincralicn. 

Als    milllcrc    chcinischc    Xiisainincnscl/.niii;    dcs    IMaiiioklas-Hasallcs    cri;icl»l 
sicli  :  Kicsclsiiurc  i,'),  00,  —  Thoncnlc  14,00,  —  Eiscno\\d  und  Kiscno\\tlul  I5,:{0, 
-   Kalkcnlc  I-',  10,   -     M.c'iicsia  9,10,   --  Kali   1,30,   --  Natron  3,87,  =  =  Wasscr 
1.  30.      Spccilischcs  (Icuichl  =  2,9-3,1. 

Die  meislcn  Pla^ioklas-Basaltc  hrauscn,  \\cnn  man  sic  in  gepuiVertaH]  7>u- 
siandc  mil  Saurc  hciiicssl,  t-nlhaltcn  also  Carbonate.  In  dicsem  Zuslandc  rc- 
|>i-,iscnlircn  sic  das  crslc  Sladium  ilircr  cintrclcndcn  /crscl/.unL:  (lurch  die  At- 
iiKispliiirilicii.  Schrcil<>l  dicsclhc  \\cilcr  fort,  so  resultircn  (lurch  forlfilhrunt; 
eincs  Thcilcs  dcs  Kalkcs,  der  Magnesia,  dcr  Alkalien,  dcs  Kiscno\\duls  und 
dcr  Kicsclsiiurc  \un  Seilcn  im  (Jcslcino  circulinMuler  kohlcnsaurchaltijj;or  VVassei- 
y.uersi  die  |{;isall\\aekcn  und  als  Icl/los  Stadium  dieses  Vorganges,  t;c\\  isscr- 
massen  als  Hesiduum  dieses  Auslaii-eprocesscs,  die  hasaltischen  Thono 
oder  \Vaek  e  n  ih  one,  wclchc  sich  dcr  Ilauplsache  nach  als  \\asserhalliiie  Thon- 
ei-dcsilicale  er\\eiscn.  Diesc  Itasallwarken  sind  schcinhar  cinfaehe,  diehle  oder 
ridi-e  .Masscn  \un  unrein  uriinlieh  t-raucr  bis  briiunlich  sch\var/,er  FiirlMinjjf. 
Sic  sind  mildc  und  \\eich,  ^elien  beim  Anhauchen  eincn  llioni^cn  (ienirh  und 
iinisehliesscn  einerseils  (iliininerblaUchen,  Aui;it  und  llornblendciki'sslalle.  souie 
MajAneleisensleiiikonier,  aiidcrcrscils  Ilohlriiume,  \\elelic  (lurch  nianehcrlci  /eo- 
lilhe  und  (larhnnate  au.s^dnlll  sind. 

In  enusler  Verbinduni;  mil  den  bcsehriebenen  I'lajiioklas-Basalten  slehen 
/.ihlreiche  hasallisch<-  |.a\cn.  In  pelniuraphischcr  Kc/.iehuni;  stimmcn  beide 
/.urn  Theil  so  \ollkiMiimen  ilbcrcin,  dass  nur  der  cr\\eisliehc  /usaiimienhaiiL; 
mil  einem  Stralo\  ulkanc  als  enlschcidcnd  filr  die  ciicenlliche  l,a\anatur  licllcn 
kann.  Die  Hasaltla\cn  besil/.cn  an  der  Ohei'lliiche  dcr  Slrome  fast  durcliLiiin.uii; 
cine  sehl;iekii:e.  piirn>e  Aiisbildnni:s\\cise,  \\iihrend  die  inncren  Theile  der 
Slruine  cine  \olli-  coni|)aele,  sli-iiuirliue  Ueseliall'enheil  /.eii;en. 

Die  Uageruogjrformen  des  I'hmioklas-Hasallcs  sind  dieselbeii.  \\ie  die  der 
bercils  besprocbenei)  juniicrupliNen  <iesleine.  Kr  trill  in  Kup|)en  (homouenen 
Vulkanen  ,  (liin^cn,  Slromen  und  Decken  auf.  Lel/.lcre  sind  x.uweilen  in  viel- 
facher  WiederholuDg  Uber  einander  i;elai;ert  und  bilden  dann  formliehc  hori- 
/onlale  Sehichlcn-Sxslcme.  Ks  isl  dies  namenllich  in  Island  und  aid  den  sehol- 


7(i  II.   Petrbgraphische 

tiseheii   luseln   dcr    Fall.      An   sehr    \ielen    Punklen    seines    yorkonimens    besitzt 
der   Basalt  cine  aiisgc/eiclmet   regelmassige,   saulcnfbrmigc  oder  kugcligc  Abson- 

derung. 

Die  Kruptionen  dcr  Plagioklas-Basalle  fallen  ihrcr  Mehrzahl  nach  in  die 
Terliarzeit,  daucrn  aber  and)  in  dcr  Jet/lzeit  noch  fort.  Sic  haben  die  \\ei- 
Icslc  ycrbreilung  von  alien  basallischen  Gesteinen.  Zu  ihnen  gehbren  die  mei- 
slcn  BasaltduivlibrUclie  dec  Rlicinlande  (z.  B.  Wcilberg,  Oelberg  im  Siebcniie- 
birge,  (lasscler  Ley,  Unkel ,  Leiberg,  Minderberg,  —  Landskron ,  Ntlrnberg  in 
der  Eifel) ,  so\vic  1  lessens  (Stillberg,  Bausberg  im  Habichlswalde),  ferner  \icle 
bbhniische  (z.  B.  bohmisch  Leipa,  Walsch),  endlich  alle  Basalte  ^Scholllands 
und  der  llebriden.  Von  hierher  gehorigen  Laven  sind  die  des  Aetna  and  die 
Basalt  la  ven  der  Auvergne  zu  erwahnen. 
53.  Nephelindolerit  und  Nephelinbasalt. 

Der  Nephelindolerit  ist  ein  krystallinisch  korniges  Aggregat  von  Ne- 
phelin.  Augit  und  etwas  Magneteisenerz.  Der  grilnliche,  graue  oder  gelbliche 
Nephelin  ist  meist  in  krystallinischen  Kornern,  bisweilen  in  deutlich  hexa- 
gonalen  Siiulcn  ausgebildet  und  an  seinem  muscheligen  Bruche,  seinem  Felt- 
glanze  und  seiner  Zerselzbarkeit  in  Salzsaure  zu  erkennen.  Der  Augit  ist 
sch\varz  und  gewohnlich  in  Krystallen  ausgebildet.  Das  Magneteisenerz  er- 
scheint  in  sehr  feinen  bis  erbsengrossen  Kornern  oder  Octaedern.  Das  Gestein  ist 
theils  grobkornig,  theils  feinkornig  und  zeigt  bald  den  Nephelin,  bald  den  Augil 
als  vonvaltenden  Bestandtheil.  Von  zufalligen  Gemengtheilen  kennt  man  Apatil 
in  \\eissen,  dilnnen  Saulen  und  Nadeln,  Olivin,  Titanit,  Nosean  und  in  s(  1- 
lenen  Fallen  Sanidin.  Der  typische  Nephelindolerit  ist  in  Deutschland  an  /.wei 
Localitaten  aufgeschlossen ,  am  Katzenbuckel  im  Odenwalde  und  am  Lb'bauer 
Berge  in  der  Oberlausitz.  Am  Katzenbuckel  treten  sowohl  fb'rmlich  granitarlige. 
wie  porphyrartige  Varietaten  des  Nephelindolerites  auf.  In  letzterem  Falle 
\vird  das  Gestein  hochst  feinkornig.  zeigt  bei  mikroskopischer  Untersuchung 
ausgezeichnete  Mikrofluidalstructur  und  umschliesst  grossere  Nephelin-  und  No- 
seankrystalle.  Der  Nephelindolerit  von  Lbbau  ist  zum  Theil  gleichmassig  kbrnig 
a  us  Nephelin  und  Augit  gebildet  und  enthalt  zwischen  diesen  Kornern  eine 
amorphe,  graugrilne  Substanz,  welche  bei  starker  Vergrbsserung  Mikrofluidal- 
structur aufweist.  An  diese  Gesteine  reiht  sich  das  venvandte,  aber  neben 
Nephelin  und  Augit  Leucit,  Feldspath  und  Sodalith  fiihrende  Geslein  von  Mei- 
ches  in  Hessen  und  endlich  die  Nephelindoleritvarictat  von  Oberbergeti  am 
Kaiserstuhl  an,  welche  ein  kbrniges  Aggregat  von  Nephelin.  Augit,  Nosean. 
Magneleisenerz,  Plagioklas ,  Sanidin,  Melanit  und  Apalit  ist  und  hier  und  da 
kleinc  Parlien  von  glasiger  Zwischensul)slanz  umschliesst. 

Der  Nephelinbasalt  ist  eine  schwarze ,  dichte ,  zahe  Gesleinsmasse. 
\velchc  sich  in  ihrem  Ausseren  (lurch  Nichts  von  dem  Plagioklas-Basalte  unler- 
scheiden  liisst.  Unter  dem  Mikroskope  zcrfallt  die  anseheinend  homoucne  Ba- 
saltmasse  in  ein  feinkbrniges  Aggregat  von  Nephelin,  Augit.  Olivin  und  Magnel- 
(Mscncrx.  neben  \\elchen  sich  auch  elvvas  Plagioklas  und  Lcueil.  endlieh  kleine 
Blattehen  \on  Magncsiaglimmer  und  Saulchen  \on  Apatit  eiiislellen  kbnnen. 
(llasartigc  X\\  isehensubstanz,  welche  einen  so  \vesenlliehcn  Anlheil  an  dcr  Zu- 


II.  Petrographische  (ifolo^ic.  77 

samiiirnsrt/ung  des   PlagioUas-Basalte   nimml,    spielt   bei  den   NVplielin-Basallen 
iiur  eine  hiielisi  untergeordnete  Rolle,  olme  dass  ihr  Vorfcomraeo  innerhalb  der 

Irl/leren   giin/lieh    ausgfschlosscii    1st. 

Als  miltlerc  ehemischc  ZusammensetXUDg  der  Xephelinbasalle  ergiebt  sich  : 
Kieselsaure    'i'-\. '•'>•>.         Thonerde    Ml. .'in.      -   Kisenoxyd   und    Kisenoxydul    11,20, 
-  Kalk  10,62,  --  Magnesia  4,:{">.         Kali  1,95,  —  Natron  5,40,  —  Wasser2,f>8, 
Specilischrs  (i.-ui.-ht    e,9 — 3,1. 

Porph\risch  \\ird  der  Nephelin-Basalt,  \\CIHI  aus  dem  dichten  (ICIIUMI^C 
cin/cliu1  Lii'iis.sfi-f  Nepfaelinkrystalle  lu'i-Nortivlon.  Audi  Idasiiic  und  mandcl- 
sU'inar(ii!c  VaritMatrn,  SO\N  it'  Ncphclin  -  Hasalt-  La\  t'li  koinincn  vor,  lei/err  na- 
nuMitlicli  in  der  Um^clmni;  dcs  Laac-lici'  Sees  und  in  drr  Kifrl.  Sit'  zoiclinen 
sich  dmvli  ilin-n  Mcii-lilliuin  an  Melilitli  und  die  helfiichtliclu'  Ht'ini(Mi!;un^  \  on 
MaiiNii  aus  l.a\aslroiu  Mini  Nicdeniicndiii.  des  JJellerluM-jj;,  llochsiinmer.) 

Die  Nephelin-Hasalte  ei'reiehen  /\var  nicht  die  VeVbreitung  der  Plaiiioklas- 
Basalte.  sind  jedoeli  noeh  hiiufiger  als  die  Keueil-Hasalte  und  naehiiesviescn  an 
der  IMlastrrkaule  ini  Thiirini-er  \\ahle  ,  Kohlbacli  Jiei  Bayreulli' ,  .loaeliiins- 
tlial,  Speelilshausen,  Seheiheidierg  (Erzgebirge) ,  Kosakovv,  Tichhmil/  lioliini.sche.s 
MillrL'eliirirc'  .  Kaltennordlieiin  (HhOn) ,  Sinsheini  Baden)  ,  Auerbach  (Beri:- 
slrasse  u.  a.  0.  Hire  Eruption  ftillt  in  die  Terliar-  und  Posttertiar-Periode : 
sit>  hilden  I,a\aslriinit'.  (i.inuc  und  isolirte  Kuppen. 
ii.  Leiicifophyr  und  Leucitbasalt. 

Der  l.cuciloph\r  oder  Leueilporplixr  ist  ein  krystalliniseh  kb'rniges  Aiigivgat 
von  I. eucit,  Auirit  und  Majineleisen,  zu  welehen  siclj  Neplielin,  Olivin  und  (iliin- 
nier  in  ijerinijen  Mengen  iieselien.  Diese  Mineralien  bilden  eine  aiiseheineml 
diclile.  mil  dein  noch  /.u  besehreibenden  Leucitbasalle  identische,  aseligrnue  bis 
riidilich  iirauo  Grundinasse,  in  \velcher  rinjis  ausgebildete  erbsen-  l>is  liasel- 
nnssurosse  I.eucilki-xstalle  von  izraulich-weisser  Fai-be,  sowie  seli\var/e  oder 
dunkelgrUne  Auuilkr\slalle.  lu«ir  und  da  auch  weisse,  gla'nzende  Nephelinsaulelien 
einiie\\aehsen  sind.  Die  Leueilkrystalle  des  Leucitophyres  umschliessen  in  ihrer 
Masse  kleine  Sclilackenkorner  oder  siiidenforinige  Augitkrystiiliehen,  so  die  von 
Ci\ita  an  der  Tiber  und  von  Rieden  bei  Laach.  An  lel/,tgenannter  Localitiil 
[rill  auch  Nosean  als  svesentlieher  Gemengtheil  der  Leucitoph\re  auf.  Kr  er- 
sclieini  in  schwiiry.licli-iirauen,  durch  Verwitterung  hellgrauen  Granatoydern  von 
I — 5  Mm.  Grb'sse  neben  Angil-  und  I.eucitkrystallen  in  einer  feinkbniigen  (iruntl- 
massc  BUSgeschieden.  Die  Leucitophyre  sind  lianplsaehlieh  an  die  neueren  Vul- 
kane  llaliens  gfbnnden  und  nanientlieh  im  Albaner  (Jebirge  und  am  Vesus 
\eilireitct.  Doeli  erseheiiien  dieselben  auch  als  lose  Blocke  irn  Tuff,  sowie  au- 
steheiid  in  der  rmgegend  des  Laacher  See's.  Auf  das  Vorkomnien  von  Leu- 
ciUiphsreu  im  Kr/tzebirtie,  \velehe  augenselieinlich  in  naher  Be/iehung  '/.u  den 
dorligen  l.i-ucitliasallen  slehen  miissen,  \\t-isen  die  2 — S  Cm.  grossen  P.sciidonior- 
phosen  naeli  I. eucitki  \stallen  hin,  als  deren  Fundort  Bb'limisch-  Wiesenlhal  l»e- 
kanul  ist. 

Als  mitllere  chcinisfhe  Xusaminensel/.ung  der  Leueitophx  re  ergiebt  sich: 
Kieselsiiuiv  iH,88,  —  Thonerde  19,50,  --  Kisenoxyd  und  -oxydul  9,24,  —  Kalk 
S.SC..  Magnesia  1.90,  —  Kali  f>,:>2,  Natron  4,36,  —Spec.  Gewicht  2,5—2,9. 


Der  I. cu  ci  I  basa  It  ist  ein  schwa  rzes,  scheinbar  dichtcs  Geslein.  welches 
in  seinem  Ausseren  \nn  dem  1'lagioklas-  und  Nephefinbasalt  niclit  y.u  unler- 
seheiden  ist.  Krsl  aus  der  mikrnskopischen  lTnlersuchung  gehl  ihre  Versehie- 
denarligkeit  hervor.  tTntcr  dem  Mikroskope  erueisen  sich  die  Leucitbasalte 
f.isl  dureliweg  ;ils  gleiehmHssig  feinkornig  atlSgebiMet,  die  amnrphe  glasige  Grund- 
m.iNM'.  \\clchc  bei  den  I'lagioklasbasallen  cine  so  wichtigc  Rolle  spit-It,  ist  bei- 
nahe  Nollkoiiiinen  yersrli\Miiulen.  Das  l.riicithasalliiiaizina  ist  dciunarh  in  \oll- 
StShdigerer  NVcise  als  |>ci  den  l;eldspalhhasalten  und  x\\ar  anf  Kosten  der  anior- 
plien  Suhstany.  y.ur  ki'Nslallinischen  Atisbildung  izelan^l.  Die  niikroknslallini- 
schen  (Jeineiii'theile  des  (\pisclien  l.ciicilliasaltes  sind  Leucit,  Augit,  Olixin  mid 
MagneteiseneTZ,  \vo/u  sich  eine  L:ei:eii  den  \or\\allenden  I.eiicit  stets  /uriiek- 
tretende  Menge  von  Nephelin  gesellt.  Die  Leucilhasalle  sind  pe\\i)lmlirli  \oll- 
koininen  feldsj)athfrei,  Glimmer  tritt  in  niikroskopischen  Bliittchen  ein.  ebenso 
hior  und  da  Melililh. 

In  mikroskopisch  untersuchten  DilnnschlifTen  trill  der  Leucit  durch  die 
chai-aktcM'istische  aehtseilige  Umgi*en/ung  seiner  Krystalldurchschnitte  und  die 
einfache  Strahlenhrecliung  seiner  fnrl)losen  Subslan/  hervor,  y.eiclmet  sich  alte-r 
ausserdem  nocli  durcli  die  Eigenthilniliclikeit  aus,  freindartiiie  (Ani;it-'  Niidel- 
ehen  und  (Schlacken-)  Kornchen  in  grosser  Menge  zu  umhiillen  und  sic  x.n 
zwingen,  sich  innerhall)  seiner  Masse  zu  einem  centralen  Haufchen  oder  in  Zo- 
nen  zu  gruppiren,  deren  Durchschnitt  ebenfalls  achtseitiiz  oder  rundlicli  isl 
(siehe  Fig.  1  pag.  26). 

Uber  die  Strnctur  und  Lagerungsverliiillnisse  des  Leucitbasaltes  gill  das- 
selbe,  was  in  dieser  Beziehung  iilier  die  Feldspathbasidte  gesagt  worden  ist. 
Illtenso  \vie  diese  konnen  auch  die  Leucilbasalte  durch  Annahme  cines  grolie- 
ren  Kornes  doleritiihnliches  Aussehen  (z.  B.  bei  Gross-Priesen  umveit  Aussig  . 
sd\\ie  durch  das  Auftreten  grosserer,  krystallinischer  Ausscheidungen,  porph\r- 
arlim-n  Habitus  erlangen.  Verliert  der  Leucit  seine  mikroskopische  Kleinlieit 
und  erscheint  er  in  grosseren  Krystallen  innerhall)  der  dichlcn  Basallgrund- 
masse,  so  entsteht  Leucitophyr. 

Die  Verbreilung  der  echlen  Leucitbasalte  ist,  soweit  bis  jelzl  ermittell. 
eine  sehr  beschriinkte.  Dieselben  sind  nacligewiesen  bei  Schackau  Hliiin  .  bei 
Sidlpen,  an  der  Geisinger  Kuppe,  am  Pohlberg  (Erzgebirge),  bei  Tichlo\\  it/,, 
am  (isllichen  Abhange  des  Milleschauer.  bei  Boltueil  (Kaiserstuhl)  ,  an  der 
Stopl'elskuppe  (Thiiringer  Wald). 

Xu  den  Leucitbasalten  gehiiren  auch  die  basaltischen  Laven  der  rmgegend 
des  Laacher  Sees  und  zuin  Theil  auch  diejenigen  der  benachbarten  \ulkani- 
schen  Kilel.  Hire  llauplgemengtheile  sind  unzweifelhafl  Augit  und  Leucit,  einige 
derselben  zeiclmen  sich  durch  einen  grosseren  (iehall  an  Melililh.  andere  durch 
Beimengungen  von  Ilauyn  aus.  Krslerer  bildel  niclit  nur  einen  Reslandlheil 
der  Grundmasse  selbsl,  sondern  ist  auch  in  den  I'oren  und  an  den  \\andun- 
gen  dei-  Blaseni'iiume  auskryslallisirl  'llercheidierg.  Mannebacher  l.e\  am  l.aacher 
See,  (]apo  di  Bn\e  bei  Bom  . 

...  Tacliylyt. 

Tach\l\l    isl    cine   sch\\ai/e.  daMge.    obsidianai  li^e  Modilication   der  Ba- 


II.   Petrographische  ticolo-ii-.  1\) 

saltgesteine,  \\elche  sicli  namenllich  nalie  an  den  BegrenzUDgsflttcheil  gangarliger 
Vorkoiimirn  MID  t'einkiirnigen  Hasallen  aui' Island  uiul  Arran,  ferner  als  (ilas- 
krusle  an  den  Innenwiinden  \on  Blasenraumcn  so\\ie  in  Gestalt  ncslarliger 
Kinschlilsse  iin  Basalle  /.  H.  des  Vogelsgehirgcs  und  von  Dransfcld  lindet.  Bei 
mikroskopischer  rnlersuchung  /eigen  DiinnschlilVe  dcs  Taeh\  l\  les  in  der  dunkel- 
hrauiUMi,  glasigen  Grundmasse  ausserordentlich  /.ierliehe,  sdiwar/c,  farnwcdel- 
iihnliclif  Anhiinfunizcn  von  srliwar/hraimcn,  nindlichcn  Kornclicn  und  spil/.cn 
Kcilclicn,  so\vio  Massizriliu1,  ladcnfiinniizt',  au^itisclic  Mikrolithc,  aucli  \\ohl  \rr- 
cin/.t'llc  .MaLiiiclfist'nkiinicr,  Ncphclin-  und  Auiiitkr\slallo. 

Feldspattlfreie,   massive.   jj;cincngtt'   krxslallinisclic  (icslcinc. 

(ireiseu. 

DI-I-  (JrcisiMi  ist  fin  kornigos  Aiztircuat  von  vorwallcndcin  heligrauero  Onar/.c 
und  \\rissnn.  lii'aucin,  lielhlicluMU  odor  turiiulirlu'in  (JliinnuM*  (moist  Lilhion- 
gliinincr  .  -  cine  feldspatblreia  Modification  des  Granites,  in  \vclchcn  or  duiich 
Aufnalnnc  von  Fcldspatli  slellenweise  wirklicl)  ill)er^ehl.  Als  wichliiislcr  seiner 
y.ufiilliuen  Geroengtheile  tritt  Zinnstein  zuweilen  feineingesprongt  auf,  welcher 
ausseideni  den  Greisen  in  GiJngen  und  Schntlren  durchsetzt  (ZinuwaM  ini  Kr/- 
izeltii^e,  Schlarkt  n\\ald  in  Bohinen,  Cornwall,  Banka).  Der  Greisen  l)ildet Slb'eke 
iin  (Iranil.  ist  ein  inassiges  (leslein  ohne  Spur  von  Schiclitunii,  dahingeg9D  mil 
unregelmftssig  poly^drisoher  Zerkluflung. 

Mil  dem  Greisen  nalie  verwandt  und  vvie  dieser  durch  rehergiinge  eni: 
init  dem  (Iranite  verhunden  isl  das  Z w i tie rge stein  (StockNvei'ksporphyr), 
\\elclies  aus  einer  feinkornigen  his  dichlen,  eisenschQssigen,  (|iiar/igen  Grund- 
iiiass«i  l»esicli(,  aus  welcher  Clilorilschuppen  und  ein/elne  Quar/.korner  hervor- 
ireicn  und  die  von  Arsenkies  und  Zinnsleinkornchen  impriignirl  ist.  (Alten- 
Ix-rii  iin  Jiiv.i:el»iri:e. 

Turinaliiifels  (Schorlfels). 

Dec  Tiinnalinfels  ist  ein  Aggregal  von  graulieli  weissen  Quar/kornern  und 
scli\\ar/en  Tunnalinkiirnern  oder-Nadeln  mil  schieferigem,  dichlem  oder  kornigein 
Gefllge.  Unter  seinen  /nfalligen  GemengtkeHen  sind  Zinnerz,  Arsenkies,  Topas 
und  Glimmer  hervor/uliehen.  Mil  dem  Granite  ist  der  Tiinnalinfels  durch 
Iin  inalintiilirende  GranitvarieUilen  und  durch  orlhoklasfilhrenden  Turmalinfels 
eogverknttpft  und  hildel  gewohnlich  die  a'usserste  Umgren/unt;  der  lurmaliii- 
nihrenden  Granite,  kann  aber  au(;h  selhslaiiilig,  slock-  und  ganglormig  andere 
Gesleine  dnrchset/.en.  iConnvall,  Kibensloek  iin  l-lr/gebirge.) 
tt  Eklogit.  (Omphacilfels.) 

Der  l'<klogil  isl  ein  kiirniges  oder  porpli\  risches  Aggregal  von  grasgrilnein 
Smaragdit  oder  von  Omphacit  und  rolhem  Granal,  /u  welehem  sicli  als 
/ufallige  Gemengtheile  blauer  Cyanil,  \\eisser  dimmer,  Hornblende,  Magnet- 
eiseneiv.  u.  a.  gesellen  konnen.  V.r  bildel  slockarlige  I'arlien  in  (ineiss  und 
GKmmerscbiefer  und  isl  sehr  geuolmlieli  mil  Serpentin  N^ergesellsehal'lel.  bei 
.Milnehberg  im  Fichtelgebirge.  an  der  Saualp  in  Steiermark,  bei  Waldheini  irn 
GFaouHtgekiffge. 


SO  II.    IVlrni<r;i|>liisrlii' 

5!).   (JraiiatfVK. 

DIM-    Gamaliels    isl    ein     kryslalliniseh    kiirniges    Gemenge    \on     meist     vor- 

herrseliendem.  braunem  oder  gelblichem  Granal  and  dunkeler.  Hornblende, 

/.u    \\elehen   sich   gevNolinlirli    nodi   .Magin-lrisenslein    iieselll.      Kr    Iritl    nur    selir 
unlergeordnel   in   unregelmiissigen    Kinlagerungen    und   Giingen   mil'.       /.     II.     bei 

Schwanenberg,   Berggieshiibei,   Bhrenfriedersdorf  in  Sadism;   bei  Joachimsthal  . 

Hires  ausserordeatlich  beSOfalUnkten  Vorkoinincns  NNCLTII  kiimifn  liicr  nur 
kur/  crwiihiit  \\«'i-(lfii  : 

Kinzii>it,  ein  krystaUinisehes  Aggregal  \<in  srlmawm  GlinnntT,  (iranat 
und  Oligoklas  (Schwarxwald,  OdcnNMild. 

Cordicri  tl'ols  (Dicbroitfels),  A^iviMt  \dii  hVldspatti,  Conlierit,  Granat 
iiinl  ft\\as  <Jliiiinit'r  Krifhsifin  im  Granulitgebifge  . 

Du  nil,  ein  knstalliniscli  kiirui^cs  ALiiin^al  von  lielhttrUniMi  Ulivinkornern 
mil  (iliroiiKMscnslt'in-OctatMlcrn  (Neu-Seeland). 

Lhcr/ol  i  t  li ,  ein  kornigos  bis  dichtes  Aggregdl  von  vorwaltendem  grunena 
Olisin,  und  graulich  brauncm  Knslalit.  EMnvie smaragdglHoem  Diopsid  Pxivnaen, 
Nassau). 

Kulysil,  ein  Ai^grecat  von  vorwaltendem  Olivin,  so\vie  »rQnein  Auait  und 
hraunrotlifin  (iranat  (Tunabera;  in  Sch^eden). 

-2.  Alithfilung  (der  gemeneten  krystallinisohen  Gesteine).     Geschichtete  Gesteine. 

60.  Gneiss. 

Der  (ineiss  ist  ein  (laseriges  bis  schieferiges  Aggregat  von  Orthoklas  und 
zuin  Theil  Oligoklas),  Quarz  und  Glimmer.  Ks  sind  dies  die'  Gemengtheile  des 
(iraniles,  so  dass  sicli  beide  Gesteine  nur  durch  ihre  Structur  unlerscheiden. 
1'eber  die  Gemenglheile  des  Gneisses  gilt  daher  dasselbe.  was  ilber  die  des 
Granites  sub  28  gesagt  wurde. 

Die  Structur  des  normalen  (ineisses  ist  zwar  MHV.ugsNNeise  eine  (laseriue. 
ist  jedocli  je  naeh  der  Menge  des  in  ihm  enthaltenen,  die  Schieferiukeit  und  die 
gesammte  Farallelstructur  bedingenden  Glimmers  Niellaehen  Modilic-ationen  unter- 
\\orlen.  Naeh  diesen  unterscheidet  man: 

Gemeinen  oder  ge\\  ii  li  n  I  iehe  n  Gneiss,  der  Glimmer  bildel  ein/elne 
Schappige  I.amellen,  welclie  /.iemlieli  parallel  /wisehen  den  l.agen  son  kiiniip'iii 
I'eldspalh-Ouarx-Gemenge  liegen . 

Flaserigen  Gneiss,  das  kornige  (iemenge  von  Feldspalh  und  Quaiv. 
hildet  lauler  einzelne,  unregelmiissig  linsenfiirmige  Parlien.  an  \\elehe  sieli 
dUnne  Lamellen  von  Glimmer  anschmiegen.  so  dass  sie  aul'  dem  Qnerfaruoiw 
als  wellig  gebogene  Linien  erseheinen ,  deren  Undiilationen  rtellenweise  /.u 
gegenseitiger  Bertlhrung  geiangen.  \\iilirend  man  auf  den  Spaltunizslliielien  nur 
die  (ilimmerlagen  gewahrt. 

Schiel'erigen  Gneiss,  der  Glimmer  bildet  /.usaininenliiiiiueiide.  diinne 
parallele.  elxMilliirhliehe  Lamellen,  \\cldie  die  ein/.elnen  Lagen  \on  korniger 
Pekispath-Quarzinasse  trennen. 

(i  ranit-G  neiss.    mil  nur  iindeullich  flasei-iuer  oder  schieferieer  Slrudur. 


II.    IVlru-iMpliischi-    tu-uldiiie.  81 

I.. i  .u  c  ni;  no  iss,  aus  aim  ediselndeii  ijinimrnvidien  und  ulimmerarmon 
Liiit'ii  Itestehend. 

Cor  nubia  nit,  ein  diehtes.  korniu  sdmppiues  (iemenire  tier  (ineisshesland- 
Iheile,  (lessen  I'arallelslruelur  iiur  noch  an  der  lai;en\\eise  ah\\  echselnden  Farlie 
mid  G rosso  des  Korncs  /.ii  erkennon  ist. 

Sta  nueluneiss,  die  Gemeni:tlieilo  sind  in  dor  Sdiicferun^sebone  n.icli 
eincr  Hichluni:  sl;ini:eliiz  aniioordnel  (izeslreckl) . 

PorphyrartigeD   Gneiss,    aus  dem  sdiioforiuen  Gemeniio  trelon  ciny.einc 
i:rosse  Oi-llioklas-lndividucn    jxii'pliN  I'iscli    hcrvoi1.      /ii\Ncilcn    iifhnicn    sic    cincn 
linseDlbrmigeD    I'mriss    an.     \\ahrcnd    sic'h  die  GlinHnci-hliiltclifii   NNcllii:  an   die 
sclhcn   anscbmiegen  j    man   ncnnl   dicsc   Vai'icliil   A  n  ^c  n  ii  n  c  i  ss. 

An  /ul'iilli^cn  Gemengtheile^  ist  der  Gneiss  selu1  n-irli ;  unler  ihnen  sind 
hervorzuhebcn :  (iraphit,  (iranat,  Tunnalin,  Epidot,  Zirkon.  Ilornl)lende,  (ihlorit. 
Apalit.  Eisenglimmer,  Mauneloisenerz  und  Schwefelkies.  Die  heiden  lel/ii:e- 
nannlen  l;.r/e  Irelen  liiiulii;  jils  Impriiiinationen,  ^o\\issennaassen  als  Wolken 
M>n  Kivpartikelchon  auf,  \velelie  hestinnnten  Zonen  quer  duivh  die  (Ineiss- 
schiehtenreihe  ioluen;  man  he/.eichnel  derarliijo  Vorkoiniiien  als  Fallbu  nd  e  r. 
Innerlialh  dieser  kiinnen  sich  die  Kr/lheilcheii  /u  Had)  Icnliculiircn. ,  floly.ahnlit'lien 
oder  slocklunniiien  I.aiierstiiilen  conccntriren.  Gan/  iihnlich  \vie  dies  beim  (Ji'anile 
der  Fall  ist,  konnen  einige  der  oben  auf^e/ahltcn  accessorischen  Geinenii- 
tlieile.  neliiiilich  lloridtlende,  Chlorit,  (iraphil  und  l-'-isenulininier  (lurch  ihr 
H8u6gerWerden  \\csenlliclie  Heslandlheile  des  noi'inalen  Gneisses  vollkoininen 
\erdraiiiien.  so  dass  man  folgcnde  Gneissvarietiiten  unlerscheiden  kann  : 

Glininnne  ri^ne  i  ss,  bcslchl  aus  Feldspalh,  Quarz  und  Glimmer,  i;ehl  durch 
Verlusl  der  scliieferiiien  Slructur  in  (iranit,  durch  Ueberhandnehmon  des  (ilim- 
mers  nnd  dadurch  seiner  Parallelstruclur  in  Glimmerscliielcr  ilber. 

Hor  n  1>I  e  n  d  et:  n  e  i  ss  (s\enilisrlier  Gneiss),  der  Glimmer  isl  durch  Horn- 
blende \ordrangt,  kann  auf  der  eineu  Seite  in  Syenitiiranil,  auf  der  anderen 
in  llnnililendescliicl'cr  ilhergehcn. 

GrapbitgneiSS,  (iraphit  \erdriingl  den  Glimmer  lian/.  oder  /um  Theil, 
mil  GraphHgranit  und  Graphilschiefer  in  derselhen  ver\Nandtscliaftlichen  he- 
/ieliuni:  slehend.  \\if  der  normale  Gneiss  und  Granit  /um  Glimmcrschiefor. 

Ch  lori  tiiii  e  iss,    filr  den   (Jinimer   isl  Chloril  einiielrelcn. 

I'll  se  IIL:  I  i  m  meru  n  e  iss  ,    stall  des  Glimmers    Kisoiiiilimmer  enthalleiid. 

ProtOglDgneiss,  cine  llaserii:  sehieferiire  .Modilicalion  des  ProlOgingranitea, 
\\elehe  ndicii  duiikel^riiiieni  Glimmer  helluriine  Talksrliiippelien  entliall.  ^Alpi-n  . 

In  inanelien  Gnoissdistrieleii,  namenllidi  ini  l-'.r/.uebirtre.  hat  man  bei  den 
eclilen  (iliimneruneissen  y.\\ei  llaiipl\ariel;ilen  unterschieden,  den  izrauen  und 
den  roth  en  Gneiss,  deren  ersterer  durehsi-li  nil  Mich  (Hi  IVoreiil  Kiesrlsaiire.  \\eissen 
oder  iirauen  l-'eldspalli  nnd  /iemlieh  \  iel  Liraiien  (ilimmer,  deren  lel/.terer 
7.')  —  7(i  I'i'ocenI  Kieselsiinre.  \  id  rothcn  Feldspalh  und  \\enii:  \\ eissen  (ilimmer  ent 
hiilt.  Itiesr  V.irirlalen  sind  (lurch  MiUelgUeder  en^  mil  einander  serkniipll.  so 
dass  man  sic  nur  als  hasisdiles  und  sauersles  Glied  einer  iirossen  lU'ihe 
\i>n  in  ihreni  KiesdsiinreL:dialle  sdiuankenden  (ineiss\arieliilen  helradilen 
darf.  Die  diemisdie  /usammensct/iniL:  der  (iliminerizneisse  helriiiit  im  Durch- 

Ciedner.  Elements  d.  tieologio.  (j 


s2  II     Pet rographische  Geologic. 

selmillc:    Kicsclsiimv  TO.XO.       Tlmncrdr  11.20,  -     Kiseno\\  (lii!  «>.  I  (I.  -     Kalk  ;'.  MI. 

-  Kali  3,00,— Natron  :MO.  \\asser  I ,  ;>0,  -  ihr  speeilisrlies  <ie\\  irlil  i.«i-  2,7. 
Dcr  Gneiss  isl  ein  geschichtetes  Geslein.  (lessen  Sehielilnn^  mil  der  Sehiele - 
runu  parallel  liiul'i :  cr  \\eehsellauert  liiinlii:  in  regelmftssigster  Weise  mil  (dim 
iin'i1-.  Boroblende-,  (ililoril-  uml  Graph itschiefern,  mil  Kisener/en.  Kalksteinen. 
Serpenlin.  Ouar/ilen,  llallellinta  und  tiranilisehen  Gesleinen  und  bildd  mil 
ilinen  abwechsllingsreiche  Sdiiehlenreilien.  Diese  ivpriiseiilircn  ill  den  meisten 
Fallen  die  laurentisehe  oder  primilive  (Jnci.sslonnalinn :  mil'  ausnaliinsxNrisr 
kuinmcii  Gneissbilduogen  jiinLit-n-n  Alters  \<>r.  \\clchr  versleinernngsfiibfende 
Scliirlilt'iii'iim|ilf\c  iiltcrlaiicrii  im  Tanniis.  in  den  Alpen.  in  Scliollland  .  (irits 
sciv  Terrilorien  laui-cntisclit-r  (incissc  linden  sieh  im  Kr/izehirue,  Hohmen.  Miihren. 
in  den  Sudden,  im  Ix'iltmiseli-baverisrhen  Waldgebirge,  in  den  Onlralalpen. 
in  Sclinlllaiid  nnd  aid'  den  llehriden.  in  Skandina\  ien.  Canada,  den  allanliselien 
Staalen  von  Nordamei'ika,  Brnsilion. 

<>l.  Urannlil     \\Cisssiein    und  Trappgraiiulit. 

Der  (Irannlit  isl  oin  schid'eritzes  (J(Mneni:e  \on  l;elds|ialh  und  Ouar/  mil 
einueslreulen  kleinen  rotlien  (Jranalen.  Der  Feldspalh  und  /\var  Orlhoklas 

sdlener  IMauiftklas)  isl  der  IIaupl1)eslandlheil  des  (iramdiles  und  l>ediiiL:l  durcli 
seine  liehlrolldiche.  licl)li;ell)lielie  und  \\eisse  l;arlte  die  (idle  l;iirl»unu  dieses 
(lesleines.  Kr  hildd  eine  feinkorniize  bis  diclile  (irundmasse .  in  \\elrlier 
plalle  KuriKT  oder  diinne.  oft  nur  papierdieke  Lamellen  von  Ouar/.  in  paralleler 
\.niH'  \ertheill  sind,  so  dass  auf  dem  Ouerbruehe  des  (iesleines  eine  deulliehe 
Seliiefersli nclur  herxorlrilt.  Die  Granateii  sind  ineisl  in  liirseiirossen  Kiirnclien 
in  den  heiden  anderen  Heslandtheilen  des  Granuliles  riniicspreiii:!.  Nehen  ilinen 
ersclieinen  nichl  selten  liellblauc  C\anilkr\sl;dlclien.  Selir  hiiuliii  iieselll  sidi 
zu  diosen  noch  (iliinmer,  (lessen  [larallde  Anordnunu  die  Scliiererslruclur  sleii:erl  : 
dann  Irdrn  die  (iranaten  zurtlck  und  es  enlstehen  Z\\  iseheniilieder  /.\\  ischen 
GiK-iss  und  Granulil.  die  (i  n  e  issgra  nuli  lc. 

Als  (\piselies   Milld   der  dieinisc-lien   Zusammensdxunu  erizieht  sieli      Kies(  I 
siiure    ^4,50,    -       Thonerde     10,70,    —    Eiseno\\d    uml  Kiseno\\dul    o.(>0. 
Kalk  2,20,  —Kali   4,00  —  Natron  2,50;    --   speeilisehes  (ie\\ieht  =  i.«i. 

Neben    der   aiisue/eidmdeii    Schid'tTlini:   /.ciul    der   (iranulil    eine   sdir   re^el 
massive  SeliidituiiL: :   ei-  \\echsdlai:erl  an  mandien  Aufseldusspunklen  mil  Serpen 
lin-Hiinken    (Waldhoim,    Budvveis),    an   anderen   bildd   er  reiidmiissiije  S«  liidilen 
/.uiselien  dem  Gneiss  (AsdiafVenburiJ:,  Bodenl»adi  im  ostba\  erisehen   (iren/izebirue 
und   tiehiirl   an   den    meislen    Punklen   seines  Aul'ti-dens  der  a/.oisclien  Formalions- 
reihe    an.      In    Saehsen     bildd    er    am    nonKveslliehen    Abfalle    des     Kr/uebirues 
eine    •'•    Meilen  laitiie  und  2V-2   Meilen    breite    Kllipse     siiehsisclies  Graniditgebirge), 
in    Holmieii    (rill   ei1  bei    Budweis  und    im    Kiierlhali1,    am   Main   bei  AschalVenburi: 
ebenso   \\ie   in    Nieder-Osterreieh   x.\\isclien   Gneissen    und   Graiiiten   auf. 

In  sidi  \ielfach  \\iederholender  Weelisdlai'enniii  mil  diesen  normalen. 
hdlen  Gi'anulilen  Sadiseiis  ersclieinen  nameiillidi  /uiselien  I'enii:  uml  Hochsliuru 
in  sdi\\aehen  oder  bis  fiber  Meter  slarken.  sdiarl  bciiren/.leii  I'lallen  und 
Banken  uriinsdi\\  ar/e  T  ra  ppjira  nu  I  i  I  r.  Hestelien  erslere  fast  nur  aus 
Onar/.  und  Orlhoklas.  s,,  hjssi  die  mikroskopiselie  Untersuchung  dcr  Trapp- 


II.    lVtroi:r:i|»lii>rlie  (.icolojjio.  V, 

i:iMiinlite  erki  -mien,  tlass  deivn  Bauptgemeoglheile  Ouar/,  plagioklastischer  Fdd- 
spaih.  .Maiuieteisener/.  fin  prunes,  glimmerartiges  Mineral und  tnehr  oder  weniger 

reichlichcr  (iranal  sind.  Die  nranathallii;cn  TrappgranolUe  /.ciijcn  /.inn  Tlieil 
inleressanlc  (Jruppirunuen  ilnvr  Klemente.  In  ein/elnen  Dilnnsehlillcn  siehl 
man  jedes  (iranalknrnchcn  von  einer  liehlen  Quarz-Feldspath-ZoDf  niniieheii. 
in  andcrcn  sind  (dimmer  mid  MaLMieleisener/  radial  inn  den  (iranal  ani;cordnet. 
DIM-  l-'eldspath  nnd  Ouar/.  slrol/l  \mi  Mikrolilhen  so\\  ie  \on  (Mas-  nnd  Slein- 
einschlilssen.  Das  (\pisclic  Millcl  dt-i'  clifinisclicn  /nsaininrnsi'l/niii:  dcr  Triipp- 
izi-annlilf  isl  :  Kicsclsiiinv  :>:>.:{l>.  Tlioncrdf  r.{,(><',  -  Kis»'no\\d  nnd  Kisrn- 
o\\iliil  li. !»»'>.  -  Kalk.-rd.'  I(».IM).  .Magnesia  T,l  3,  -  \\ass.T  1.7(1.  Die  Trapp- 
Ijr.innlilt1  .sind  drslialh  \\i-it  hasisclicr  als  die  normalen  (iranidilr  .  cnthallcn 
stall  «lcr  Alkalirn  lit-lriichtliclic  Menken  \on  Kalk  und  Magnesia  und  sind  srhr 
ividi  an  Magoeteisenerx. 
62.  II ill  I. -Hi nt a. 

Die  llallcllinla  ist  cin  dichlcs.  anschcint'iul  hoinoi;t'nt's  (icstcin  von  fclsit- 
arliLTt'in  Anst-hcn.  \\cldics  ans  inniu  mil  cinandiT  verschmoj^enen,  DQikroskopisch 
klfini'ii  1-Vldspatli-  und  Ouar/koi'iirlicn,  zuin  Tlieil  mil  trincn  (iliinmer-  und 
Chlontschtippchen,  Ix'siclil.  Ivs  ist  in  abwecbselndeia  Laizcn  uran.  ^clhlicli,  liriinn- 
lich  odrr  i:riinlich  bis  scli\\iii7.lich  yrlarhl,  wodurch  os  anl'  dcm  Oncrhi  iichc 
handarliu  ut'.slrcill  ••rsclicint.  Scin  Hruc-li  ist  splilh'i'ii;  his  iniiscliclii:,  schiin- 

end    IMS    mall,    sfint-     Fcsli^kcil    si-lir    hcdcntt'iid.     \or     dcm    Liithrohr    ist  es 

in  dilnncn  Splittcrn  schmcl/.har.  Die  llallcllinta  ist  als  cin  (jfticiss  /u  bclraclilcn. 
dcsM'ii  hcstamllhcilc  /u  miki'oskopisclicr  Klcinhcit  herabgesunken  nnd  IcIsilartiL; 
innii:  \crschmol/cn  sind.  so  dass  das  (icslcin  apliiinitische  Structur  angenommcn 
hat  Daranl  \\ciscn  ancli  die  l.aiicnmizsvcrliiillnissc  dcr  Iliillcflinta  liin,  indem 
sic  mil  den  lanrenlisclieii  (Incissen  /.  15.  Skandinax  iens  \\ee|isella^crl  und  reher- 
iliiiiiic  in  diese  hildcl. 

»ii    Torpliyroide  (Flaserporpliyre). 

Die   I'orphyroidc   lieslelien   aus  cincr  splillerigen,    feinkdrnigeo    bis    dicliten. 
felsitahnlielien    (Inindmasse.     \\elrlie    dureli    dilnnc    l.a^cn.     IliiuleliiMi    oder    I  .a 
melleii   von   Glimmer  oder  cincin    Lilimmeriilmlichcn    Mincrale    cin    llascriiics    bis 
ausLic/eiclinct   scliiclci'iiics  (uTilyc  crhiill.    nnd    in   \\clelier  kr\slallinisehc   Koi'ncr 
oder   Krystall-Icfdividueil    \on    l-'cldspalh    und    Unaiv.    ans^eselucdcn    lichen.      Die 
l'orpl»\roide  /.eielnicn  sieli  deinnacli  im  All^cmcincn  dnrcli  ihre  eombinirl  sehieferii: 
porpl)\risehe  Slruclur  aus.    iiclicn  jedoeli  local  (lurch  Xuriieklrelen  dcs  die  Sehiel'e 
IUIIL:   bedin.-endcn   (Ilimmcrminei'ah's  in  (iestcine   \om   Aiissehen   eines  massi^cn 
Onar/poi-plnrcs.    an   andercn    Slcllen   (lurch   (iroherwerden    dcs  Kornes,    \\oneben 

die  porphyriscli  ausgescbiedenen  [ridividoen  \ersch\\indcn.  in  gneissartige  (le- 
stcinc,  /..  H.  Scricilizncissc';  ilber.  Der  l;cldspalh  ist  cnl\\cdcr  Orlhokla.s 
Orthoklasporpbyroide  dcs  llar/cs  und  MiehiL'an.s  oder  Albil  (die  Scricil  -Adinol- 
Schicrcr  dcs  Taunus  und  der  Ardcnncn)  und  bcsil/.l  \\eisse,  Lrelblichc.  riilh- 
lichc,  lleisch-,  rosa-  bis  corallrolhe.  y.u\\cilen  auch  uranblauc  Kai'bc.  Die  |">i 
phyrisch  ausizcschiedcncn  Indixiducn  sind  cnt\\cdcr  rccianiinliiiv  I'rismen  oder 
iL-e'  Krxslalle:  die  frisehcn  Albilc  /.cii:cn  meisl  deulliche  /\\illini:s- 
Dcr  Quar/  M  ^e\\i»lmlicli  i-auchi:rau  bis  dunkclblauiirau  L'clarhl. 


^  I  II.   Petrograpbische 

l>esii/i  .starkeu  Fetlglanx.  imiseheligcn  Hruch  und  nicht  sclten  dihexa&drische 
I-'nnn.  Das  G  I  i  in  in  c  rni  i  ncra  I  ist  cnl\\cder  I'aragonit  Michigan,  oder.  und 
z\var  gc\\ ohnlich.  i:elblich  griiner,  fetlgliinxcnder.  talkiihnlicher  Sericit  Srricilpor- 
plm-oide  do  llar/es  und  des  Taunus). 

Die    l'orph\roidc  siml   nainenllich   in   der  Taunusketlc.     in   dcr   Lennciiegcnd 
in    VA'eslphalen.    ini    Seh\\arxalhalc    ini    Thuringer   Walde,     UN    Oslharxc.     ;inl'    der 
Olicrcn    lliilliinscl    \«m    MicliiiiJtn    als    untcriiconliictc    (ilicdci-   dcr    dc\onisclicn. 
silurisrlicn   und   huronisclicn   Scliidilcnrcilic  (Milu ickelt. 
i.i.  (lliinniorseliiefcr. 

Dei1  (iliimiicrsrliicfcr  isl  cin  sdiicl'criLics  AIILMVIM!  \nn  <Iliinincr  und  Uu;irx. 
dcrcn  HeDgUDgSverh9ltni8S  x\\isclicn  xsvci  cxlrcincn  EndgHedern  scli\\;inkt,  \on 
dcncn  d;is  cine  f;ist  iiur  aus  Gliinincr,  das  andcrc  fast  nur  aus  Ouarx  Ix-stchl. 
(Jiiiir/schict'cr  .  Der  Glimmer  isl  in  dcr  Rcizel  bellfarbiger  Kalitiliimncr,  xu- 
\\tMlcn  dunkclcr  Maiiiicsiaiilinuncr  und  noch  scllcncr  NatTODgli miner.  Die  fllim- 
iiicrschiip])cn  und  -Hliitlclicn  liegen  parallel  und  hildcn  xuin  Thoil  xusammcii- 
b^ngende Merobranen  und  Lamellen,  wodurch  die  ausgezeichutet  schieferige Stnictw 
dcs  GJimmerschiefers  bervorgerufen  \\ird.  Auf  den  Schicbtungsflachen  gewisser 
Varicliitcn  dcs  Ictxteren,  welche  man  Faltenglininicrschiefer  nennt,  trill  nicht 
scllcn  cine  xarlc  parallele  Faltelung  der  Glimmernicinbranen  hervor.  Der  Quarz 
lici:t  in  Gestalt  kleiner  Korner,  flacher  Linsen  und  diinner  parallelcr  Lagcn 
xNvischen  tlem  Glimmer,  so  dass  er  nur  auf  dem  Querbruche  des  Gesteincs 
crsdicinl.  Glimmer  und  Quarz  haben  sich  zuweilen  in  cinxclne  Lagen  L:C- 
sonderl,  so  dass  dilnngeschieferte  Glimmerlagen  mil  solchen  von  Quar/  ;d>- 
\\ecliseln  (Lagenglimmerschiefer) .  Die  Farbe  des  Glimmerschiefers  ist  durch 
den  Glimmer  bedingt,  demnach  bei  vorwaltendem  Kali-  und  NatroDgUmmer 
lu'Mgrau  oder  gelblich  grau,  bei  vorwaltendem  Magnesiaglimmer  dunkelhraun 
l)is  schvvarz.  Der  Kieselsauregehalt  des  Glimmerschiefers  scliwankl  jc  nadi 
dcr  Menge  des  Quarzes  zwischen  40  und  82  Procent. 

Von  scincn  xalilrcichen  zufallicen  l^cslandtlicilen  sind  hervdrxuliclien  :  vor 
Allcm  rolhcr  odcr  brainier  Gi'anat,  der  cin  liochsl  cliai-aktcrislischer  zufalliiier 
Gcnu'iiglheil  fast  allcr  (ilimmcrschiefer  ist,  Turmalin,  Feldspath,  Hornblende. 
Staurolitli,  Cyanit,  Kpidot,  Chlorit,  Talk,  Gra])hil,  Eisenglimmer,  Magnciciscn 
crx.  Schwefelkics.  Gold.  Durch  das  Ueberhandnclmien  ciniizcr  dcr  genannten 
/ufiilligen  (icnicnullicile  des  Glimmerschiefers  gchl  dicscr.  indcin  jene  den 
Glimmer  vcrdriiniicn.  in  andere  (ieslcine  (ihcr.  So  durch  i:eslcigerte  Aiifn.ihiiic 
von  Chlorit  in  Chlorilschicfer.  von  Talk  in  Talkschicl'cr.  von  Turmalin  in  Tur- 
malinschicfcr,  von  Eiaenglimmer  in  EiseDgliminerschiefer ,  MID  Kcldspaih  in 
Gneiss,  \<m  Hornblende  in  Hornblendcschiefcr.  \on  Gra|)hil  in  Graphitsehiefer. 
\\odurcli  /uglcich  cine  ciiiic  Verkniipfung  mil  ge  \\  i  ssc  n  Graniten.  s\cnilischcn 
Granitcn  und  (iraphitgranilcn  lier^cslclll  \\ird.  \Nelche  den  sedinienliircn.  niclil- 
cruptiven  rrsprunu  dicscr  Iclxtcrcn  be\\cisi. 

Den   eigcntlichen    Glimmcrschicfcrii    reihcn   sich   an: 

die  Paragonitschiefer,   NatroBglimmerschtefer  \on   licbtgriinlicher  odcr 
hcllL'clMichci    l-'iirbiniL;     Si.    (iolthiirdt.    Michiii.in  . 


II.    Petrographische  (icoloine.  s,"> 

die  A  mph  i  In-  ilx-li  ic  ler,  /.arlschuppiucr.  Iclligcr.  urunlich  \\ci.N.scr  Glim- 
mersehiclcr  dcs  Xillerthales  mi!  iiur  i<>  IVoeent  kieselsaurc. 

die  Sericilglinimers.ohiefer,    parallele    Lagon    mid  llaehe  l.insen  \mi 
dichlcm.    honisteinahnliehcm.  seltener  knslallinisohem  Oiiar/.c  \\cchseln  mil  uelb- 
lich  LuMinen  bis  dunkellauch^nineii.   tallUihnlicben  Sericitrnembraoen,  dcncn  x.u 
\\eilcn   silberueissc  Glimmerblallehcn   und  dunkele  ChloriCschUppcheb   eini;c\Ncbl 
Mini.    MI   d.iss  fin  gebiinderlor  Owrhnirh   cnlslcht.      Tauiiuskcllc.    Ohrrslcxcr. 

die  K  ;i  I  kj:  I  i  in  iiMM'sch  ii-l'c  r,  cin/cliu1  l.jiiucllcMi,  La^on  odcr  llarh  linscn- 
I'urini^c  I'arlicn  \on  koniip'in,  xuni  Thcil  doloiuilisclicin  Kalkc  wcrdcn  \un 
parallel  lic-nidcn  Scliuppcn  ,  Hasrrn.  Mciiilti-aniMi  mid  Laiicn  \on  (iliiiinirr 
durchzogen,  \M>durch  cine  schr  vollkoninicii  dick-  odcr  dttnoachieferige  Siruciui- 
licr\or^clirarlil  \\ird  (siclic  auch  sul>  ;i?  a).  Dcr  (iliinincr  kaiui  ancli  hicr  /.inn 
Thcil  odcr  ^iiii/.lich  diii'ch  Talk,  Chlorit  odcn1  Soricit,  sovvic  durch  diinnc  i;lan- 
/.cndc  .Mciiihrancn  von  hlauui'aucni  Thonschicrcr  scrtrctcn  \\crddi  ^KalkUilk-, 
Kalkcblorit-,  Kalkscricil-  und  Kalklhonschiofer). 

die  (jn  a  r/.  i  tsch  icfcr;    es  1st  hcreits    ohcn    hciniM'kl   \voi-dcn,     class    dcr 
(Jiiar/.izchall   dcs  (lliniincM'sc'hicic'rs  so  t'ltcrliand   nchincn   kann,    class  cin   vorhcri1 
scln-nd  ans  Onar/  hcsichendcs  (u-slcin,  dor  Quarzilschiofcr  ^childc'l  wird,    (lessen 
Unai7.lai;en    durch  dilnne    Membranen    von  Glimmer   t;clrciin(    \\erden   uud   dor 
M'lion   frilhcr    sub  S)   als  sohiclci'ii;cr  Onar/.il   angofiihrt  \\ordon   1st. 

Dcr  (Jliiiiincrseliicrcr  y.eii;!  aiisscr  dcr  Schieforuni;  cine  schr  aus;j;cpriii;lo 
Schichluiii;,  \\clehe  (lurch  \\ 'cchsclla^ci'iini;  seiner  Vnriolalcn  unlor  sich  so\\ohl, 
\\ic  mil  Ouar/ilen.  kr\  slallinischem  Kalksloin,  Graphit-,  Hornblende-,  Talk-,  (llilo- 
ril-  und  Tlionseliiclern  so\\ic  mil  Kr/la!iorslallen  noeli  stiirkcr  licrvorlritl.  l-lr 
bildct  das  llaiipliiesleinsinaterial  der  untcrcn  huronisehen  (priinilivcn  odcr  kr\- 
si.illinischeni  Schieferformation  im  bolunisch-bayorischen  \Vald^cbii'i;e.  in  den 
Sal/burger  und  ()berk;inillieii(>r  Alpen  ,  am  Abl'allc  dcs  l-lr/^cl tiroes ,  dor  Su- 
deten, in  Skandinaxien,  Nordamerika.  Hrasilicn. 

c> •").  Thoiigliniiiiersehiefer1,  Urthonschicl'er,  Pliyllit. 

Der  Thonglimmerschiefer  isi  cin  aiisgezeichnel  Bcbieforiges  Gestein  \on  meisi 
ki •\plokr\slallinischor,  niilunlcr  auch  deutlieh  roinkornijjior  Slrucliir  und  \or- 
\Nicuciid  duukcluraucr,  ^rUnlichci1  oder  seli\\ary.bliuier  l;arhc;  seine  Spallun^s- 
M.ichcn  bcsil/,cn  scidenarliiicn  odcr  halbniclallischcn  (llanz.  Seiner  inincralisclien 
/us.mimonsoty.mii:  n.ich  bcslchl  dcr  Thonuliniinerscliierer  aus  last  durchi;;inuiu 
niikroskopiseh  klcinen  Glimmer-,  (Ihlorit-,  Quara-,  und  Foldspalh|)arlikelclien  : 
er  isl  also  cin  in  scinem  korne  y.ii  ausserslcr  Foinhcil  horaliLicsiinkener.  ue\\  is- 
scrmaasson  aphaiiitisoher  Glimmerscliierci-,  in  \Nclchcn  er  auch  die  deutlichslen 
rboruaiiLic  bildct.  Seine  chcniisehc  /usammensct/.iini;  x.ciiit  die  uriisste  t"nrei;el- 
m.issiLikcil.  su  das>  sein  Kiesrlsiiurcuchalt  y,\\  ischen  45  und  7 'i  lYoeenl  sch\\ankcn 
kann.  Die  Thondiniincrseliiefcr  sind  ausgozoichnet  schiofcrii^.  spallbar  und  aid' 
den  SpalluiiLzsllachcn  schr  hiiuliu  |iarallcl  ^claltolt.  Sic  sind  reieh  an  y.ulalli^en 
Gcmcniithoilon.  \\oloho  sich  in  so  conslanter  Wciso  \\iedeiliolen.  dass  sic  t;anx 
beslimmto  Gcslcinsmodilieationcn  horxorbringen  : 

Chiastolithscli  i  e  I'e  r.  cin  iiraulioh  bis  bliiulich  sch\\ar/cr.  dichler  Schio- 
I'cr.  in  \\elehem  viele  saulonformige  Chiastolithkrystalle  eingewachsen  sind,  die 


.ml    ilnvm    Ouerhruehc   das   charakleristische    sch\\ar/e    Kreu/    erkcnncn 
.  Hrela.LMic.    I'srenaen,    siichsisclics   Voiglland). 

Sta  urolilhsch  ic  Icr,     ein     glimmeriger    Thmisehirl'cr     mil    Slaiirolithkr\- 
fallen      I'xivn.  ifii,    Tennessee  . 

Oltrelitschiefer,    ein   grauer   Thonschiefer,     in  \\elchcm    kleine    sechs- 
seilige.  griinliehe  Oltrelithliitlchcn  eingewachseu   sind    Ardcnncn,    Ha\crn,    .M.i—  ,, 


Knolcn-,  F  rue  hi-,  (iar  hen-  und  F  leek  sell  iefer.  In  den  diclilcn. 
/ti\\eilen  glimmerigen  mid  I'einsehuppigen  Thonschiefeni  slcllcn  sicli  klcinc  (lon- 
crctioncn  von  ci^cnlliiimliclicr  Hc.scli;ill'cnhcit,  l;;n-l»c  und  lliirlc  cin.  Sic  bildcn 
liirsckornurossc  Knotchcn  Knotcnschicl'cr),  liclrcidckorniilndiclic  (loncrclioncn 
Pruchtsehiefer),  bUschelformige  Ai:L:rci;;iic  (iiirhcnscliicfci'  .  imhcsiiinmt  hc- 
i;rciixlc  l;lcckc  I'lcckM-liicfer).  Sic  findcn  sicli  niiincnllicli  im  Contii<-lc  mil 
(Inmit  und  Syenit  in  den  Pyreniicn  und  am  NO.  und  N\V.  Al»t';dl(!  dcs  VM- 
iicbiri^os  (\SYcscn.stcm,  Wechselhurg)  . 

Die  Thont:limmcrschicfcr  scl/.cn  im  Verein  mil  kr\sl;illinisclicn  K;ilkslcin(>n. 
Di.-ibasen,  Quar/ilcn  und  Enlagerst^ten  die  oltcrcn  Nivcaus  dcr  Imronischen 
(primilivcnj  Schicferformalion  zusammen  .Nordabfall  des  Erzgebirges,  Bolmien, 
Mahrcn,  Alpen,  Pyreniien,  Skandinavien,  allanlischc  Slaalen  von  Norilamcrika  . 

AnhangsweLse  isl  hior  anzuftlhren  : 

dor  Sericitschiefer  (SericilphyllLl),  eine  dichlc  oder  iiusserst  feinkor- 
niuc  Modification  des  Sericitglirnmerschiefers  (sub  64),  in  welcher  der  Glim- 
mcr  dcs  Thonglimmerschiefers  durch  Scricit  \crtrctcn  isl;  xu  ihm  iicsclll  sicli 
Quarx,  ein  chlorilisches  Mineral,  Magneleiscnkornchen  und  in  gewissen  Fallen 
auch  Alhit.  Man  unlcrscheidct: 

a)  griine  Sericitschi  c  I'cr  \on    lebhaft  dunkelgrttaer,    scllcn    ucllccklcr 
Farlie,  schinimcrnd  scidcngliinxcnd  his  lialhmctallisch   glanxcnd,    schr  ucuiilmlich 
gefallclt.    mclir  dick-  als  diimiplatlig,   xiemlich  hart  und  fest.      Durch  Ycrwiltc- 
nuii:    anlanglidi    gelh    gelleckl  ,    dann    ganz    gclhlich    hraun    \\crdcnd:    mil    \icl 
Ouar/.sclmiircn   und  -Triimern.      Sie  xcichncn  sicli  durch   ihrcn  AlhitgchaU   ,ms. 
(Ihcmischc  Zusammcnselxung  :  Kieselsiiurc  (iO.i^i,  —  Tilansaure  l.'iS'.l.     -  Thon- 
crdc    I"),  958,   —  Kiscno\\d    l.ll:{,    —   Kiscnox\dul    i-,939,    •  -   .Magnesia    :'J'Tn. 

-  Kalkcrdc  i,  196,   --  Kali  2,585,   --  Naln.u  6,708,    --  Wasscr  und   Fluorkicsd 
:'.  Ii7,       -    Phosphorsiiurc    0,039,  Kupfcro\\d   0,051:        -    Specifi^chcs   <;«•- 

\\ichl    i.TSS. 

b)  rothe    Serici  tsch  i  cfcr    von    violcllcr,    rolhhrauner    his    kirschrolhcr 
Fai-hc.    \\cich,   seidenailii;  glanxend,   sicli   Icllig  anlulilcml.   Mil  den  uriincn   siud 
>ic   durch   gcflcckle    Varicliilcn    cu-    \crhnndcn.      Sic    cnlhaltcn    kcincn    Alhil. 
ChemischeZusammeosetamg:  Kicsclsaure  •')."),  842,  --  Titansiiurc  (>,-">  I  M.        Thou 
crdc  l-").*i.M.    -      Kiscno\\d  i.S-">T.          l;.iscuo\\dul   S.:'i7.   -     M;ii:ncsia    I.:{H7  - 
Kalkcrdc   n.  i98,   --   Kali   (».  I  :{.">.    --    Natron    U'.'.tS.        -    Wasscr    und   Fluorkics.-l 
5.192,    --    Specili-M-l.cs    (icuiclH    i'.S,S;>. 

Die  Scricit|)h\llitc  sind  in  der  Tauniiskcltc.  im  Oslhaiv.e.  in  den  Salxhur- 
I:<T  Alpen  \crhrcilct.  /.ililrcichc  Schiefer.  \\clchc  hishcr  al>  talkhallig  hc/cich- 
uet  \\urdcn.  \\ertlcn  sicli  uoch  als  Sc!-icili:cs|ciiie  aus\\eiscn. 


II     Petrographische  (irnlumr  S7 

'•'•.    haniliiinit. 
Der  Itaeolumit   1st    cii\  schieleriges  (iemenge  \on    kleinen   QuarzkOrnchen 

mid  Schiippchen  MIII  (dimmer.  Talk,  (Ililorit  und  Sericil.  Lcl/lere  y.iehen  sicli 
in  paralleled  AoordnuDg  /.\\isclicn  den  Quarxkttrncben  liindurdi  mid  brdingen 
dadurch  die  feinschieferige  Structur  dcr  Grundmasse;  in  einigen  Varietttleo  deg 

llacolumiles  sclimiegen  sic  sich  gelenkartig  tun  die  ein/elnen  Ouar/kornclien, 
\\odnivlidiese  eine  gewisse  Verschicbbarkeit,  nml  nichi  &u  dicke  GesteinsplatteD 

eine  ge\\isse  Hiegsamkeil  crhallen  (ielenkipiar/.  elasliselier  Sandslein  .  Diese 
Eigentbttmlichkeil  ist  jedoch  nielil  ;illen  llacolumilen  iiemeinsaiii,  inaiu-he  sind, 
\\enn  .inch  /inn  Tlieil  sehieferiii ,  docli  nichl  hiei^sain ,  sondern  inilrhe  und 
lnMckelit;.  noch  andere  con^loincralarliij:.  Die  Farhe  des  llacoluiniles  isl  \ur- 
lici-rsclicnd  lielluellt  odi-r  liclilrotlilich.  Als  /.ulalli^e  (ieiiicnullieile  sind  xti  er- 
\\alineii:  (inld  siidliclie  atlanliselie  Staaten  von  Nordainc'rika,  Brasilicn),  I'liscn 
dimmer.  Marl  it  elicndort  .  La/,nlitli  und  Until  ((leorina) ;  eudlich  isl  der  Ita- 
culiiniil  in  Mrasilien  und  in  den  Slaalen  (jcoriiia  und  SUd-Carolina  das  Multer- 
uestein  der  Diamauten.  In  den  ebon  \\iedcrholt  yenannlen  Laudslrichcn  trill 
der  llacolumil  als  ein  Glicd  der  huronischen  Schieferformalion  auf. 

2.  Classe.     Klastische  (Trummer-)  Gesteine. 

Die  klasiischen    Tiesteine    sind   aus   der    Wicderablagerung    von   Trilmmern 
und  Tlieilen  meelianisch  zcrklcincrlcr  iiltercr  Gesteine  hervorgegangen. 

l.  l-ainilic.     Lose  Acciuuiilntc. 

a)  I'nul  u  c  I  c  mocha  n  isc  lie  r  7.  c-  rk  I  r  i  n  c  r  11  n^  (lurch  das  Wasscr. 

<>7    Ssind,  Kies,  Scifeii,  Grus,  Geroll,  Gescjiiebc. 

Der  Sa  nd  hcstchl  aus  losen,  unverbtindenon  Kdrnern,  meisleus  von  Ouar/, 
.iber  aueh  von  Feldspalh,  llornhleiide  und  Kalkspalh,  sowie  Glimmerschiippchen. 
Manclie  Saude.  die  Ma  ii  n  e  1 1>  i  se  n  sa  n  d  e  ,  bestehen  vorwallend  aus  kleinen 
Kornclien  von  litanhaltii;em  Mai;neleisenslein,  \\elclie  mil  Fragiuenlen  \on  Ouai1/, 
(Jliminer,  Augit,  Olivin  geinengl  sind.  Am  Attsilusse  des  Si.  Lorenzslromes 
uud  auf  Nord  Nen-Seeland  bildct  er  niachliiie.  al)l»an\\iirdiL;e,  an  \ielen  andereu 
Flussulei-?!  und  Meereskiisten  hesclii-iinklerc  Ahlauerungen.  Zuweilen  sind  die 
S.indkoruei-  in  Folgc  thoniger  oder  kalki^er  Heimengungen  locker  /usammen- 
gehacken.  Frreichen  dieselhen  die  Grdsse  ciner  kleinen  Erbse,  so  cntslehl  der 
Kies.  KnthaUen  die  Sand-  oder  kiesahlagerungen  Melall-.  Frx-  oder  Kdel- 
steinkorner.  so  nennt  man  sie  Seifcn,  so  die  Goldseilen  (laliforniens  und  der 
Midlidien  ill.nilis.-lHMi  Slaaten  von  Nordamei'ika,  die  I'lalinseiren  des  lYal,  die 
Zinnseiren  in  (loi'iiuall  nml  anf  Hanka,  die  Diamantseiten  Hrasiliens  und  Sdd- 
al'rikas  n.  s.  \v.  ( i  r  u  s  nennl  man  Anhiinrnn^en  \on  erhsen-  bis  haselnuss- 
grosSBD,  abgerundeleii  oder  seliarleekigen  (iesleinshrnclistiicken  Ouar/grus.  (Jra- 
nilgrus  .  Gerolle  sind  abgerundele.  regellos  ill»er  einander  gehiiufle  (iesteins 
lnMiehsliieke.  \.  r  r  a  I  i  sc  li  e  Ulocke  oder  (iescliiehe  sind  /u\\eilen  nur  \\e- 
nig  ahgernndele,  kopf-  bis  hausgrosve  l;ragmenie  der  \erschiedenartigsten  Ge- 
sleiii(>,  und  durch  Gletschcr  und  Mislterge  von  ihrem  Ursprungsorte  in  ihrc  jctzige 


ss  II.  Pet  rographischc  Geologic 

Lage  transportirl  \\onlen.    Werdcn  die  SandkOrner  oder  (iemllr  dmvh  em  (le- 

nient \erkiltel,  so  enlstehcn  Sandsleine  uiul  Conglomerate.  Die  Ablageningen 
der  Sarnie,  Kiese  mid  (Jerolle  gehoren  xor/ugsvNeise  dm  jiingslen  Formalionen, 
namenllich  di'in  |,  Th.  ii\  Dilu\  nun  mid  \lln\iiiin  ,m. 


h)   Lose   \  u  I  k  ;i  n  i  sc  he    \  u  s  \\  MI  I  I  i  n  -c    i  V  n  I  k;i  n  i  sc  lie  r  Sc  h  n  I  (,  . 

».s    Vnlkiiitisc.hr  Asche,  Sand,  Lupilli,  Bonihen,  Blocke,  Bimssteiiisand 
mid  Bimssteingeroll. 

\  u  lk;i  nische  Asche,  Irinc  .sl.nih.irliuc  Krysliillchcn  mid  Krys|;ilHV.iL;- 
niciilt1  von  I;clds|Kitli  .  Auuit.  Miiunclciscii  und  Kcucil.  souic  riuciilhilinliclir 
lo.-krrc  odcr  IVslcn-  Flockclicn  und  lliiufchcn  EUSMnoaeBgehalHer  Mikrolilho, 
inshrsondrro  von  Augit  und  Magneteisen  ,  endlich  hdi'iicliilichc  Alciiiirn  von 
(liiisM-litM'licn  mid  -S|)littorchen. 

Vulkanischer  Sand,  hirsekorn-  bis  erbseogrosse  LavabfOckchen,  (ihis- 
Scherhcn  und  -Splitterchen,  gemengl  rnit  ZUITI  Theil  schr  scharfkantiucn  Krysiallcn 
von  Augit,  Leucit,  Glimmer,  Melanit,  Sanidin,  Olivin  u.  s.  \N.  Sie  /.cichnon 
sich  durch  die  erstaunliche  Menge  \on  (ilaseinschlussen.  Mikrolilhcn  und  Iccrm 
(I,  is-  und  Darnpfporen  aus.  Aschen  und  Sande  unterscheiden  sich  nnr  durch 
die  Dimension  dcr  zusammenselzenden  Theilchcn. 

Lapilli  iRapilli),  haselnuss-  his  \\allnussgrosse  Schlackenhrocken  von  po- 
nisci  oder  hlasiger  Beschaffenheil  und  brauner  oder  schwar/er  Farhr. 

Vulkanische  Bornben,  rundliche,  keulenformige  oder  ellipsoidisch  ge- 
slaltete,  fa  list-  his  ilber  kopfgrosse  Lavamassen,  welche  in  noch  halhflQssigcm 
Xuslande  durch  die  Luft  geschleuderl  ,  in  Folge  rasch  rotirender  Be\\<!gung  solche 
(ieslalt  erlangten. 

Vulkanische  Blocke,  mehrere  Fuss  im  Durchmesser  haltende  L,I\,I- 
hlocke.  welche  in  ihrem  Inneren  eine  compact  slcinartige.  n.ich  Ansscn  /.u  eine 
schlackig  blasige  Beschaffenheit  besitzen. 

Him  ssteinsa  nd  und  Bimssteingerbl  le,  lose  Anhiiuhmgen  \  on  gro'ssr- 
ren  und  kleineren  liimsslcinstiickcn  in  dcr  rmgebung  \on  Vulkancn.  In  Deulsch- 
land  \erbrcilen  sie  sich  von  den  erloschenen  Kralercn  des  Laadicr  Sees  bis 
n.idi  Nassau,  j.i  bis  nach  Marburg  und  (liessen. 

i..  Familic    Saiidsteine,  Conglomerate,  Breccien. 
t.'.i    Sitndsteiii. 

Dcr  Sandslein  beslehl  aus  Ko'rnern  von  Ouar/,  seiche  durch  cin  mincra- 
lisches  Bindeinillel  \crkillet  sind.  Die  (Iriisse  dieser  Kiirner  \ariirl  schr  und 
erreichl  die  eiucr  klcinen  l;,rbse;  iibersleigt  sie  diese,  so  enlslchen  Cooglonaeratft. 
.le  nadi  del-  (iro'sse  del-  Kiirner  nnterscheidel  man  grob-  und  1'einko'rnige  Sand- 
sleine.  His\\eil(>n  besil/en  die  (Jnar/kiirner  Kr\slallgcslall  und  trelen  dann  zu 
kr\slallinisehein  Ouar/sandstcin  zusammen  sielie  sub  '.•  .  Das  Cement  des 
Sandsleines  isl  sehr  \erschiedenailii:  mid  bedingl  Farbe  und  Iliirte  des  gau/.en 
(lesleines:  bci  kieseligem,  kalkigem  und  thonigeiu  Mindemillel  sind  (Iran  und 
YVriss  die  llaupirarben,  eisenschiissige  Ccmenlc  fiirben  gelb,  braun  und  rolh. 
bilnminose  diinkelgrau  bis  sch\var/,  glankonilisdic  griln.  Auf  Sch\\anknngen 


II.    Petrographische  (imln-ir  s!i 

del  Meni;e  (It-s  Hindcmillels  licruht  dec  I  IKTLMIII:  dcr  Sandsleinc  in  andere 
(iesteine:  dnrch  /uuahino  desselhcn  uehen  sic  in  Thon,  k;ilk  nnd  Mcrucl  niter, 
dureh  sein  /urileklrelcn  \\crden  die  Sandsteino  /n  loscu  Sandcn.  /.ulaHi^e 
(icmcuiMheile  sind  nelx-n  (iliinmerMaltchen  nnd  FeldspathkOrncheD  namcnllich 
Hlei-  nnd  Kupfercr/.e  Commern  .  Sani:erhauscn  .  (ilicssO.  Die  incision  Sand- 
slrinc  sind  sclir  dcutlich  ucsrhiclilcl,  sclir  hiinfii;  iinch  \<ni  scnki'cclilcn  Kliiflcn 
dmvhsH/.l.  \\odnrcli  On.idci--  nnd  Siinlt-nltildnni;  hcirilnslii;!  \\ii'd  nii;idcrs;ind- 
stcin  dcr  s.u-lisisclirn  Scli\\t'i/.  .  \(tn  Adci'sltiicli ,  'h-ulVlsiiuuicr  ,un  ll;iry.i-;nidc  . 
Die  Siindslcinc  \M'cliscll,i-crn  mil  Srliirl'crlhonrn.  'riionschiclri'ii.  Mci^cln.  K;ilk 

Sicinknlilcnlldt/.cn  n.  s.  \\ .  nnd  sind  das Bauptraaterial  vieler Fonnationen. 

.Ic    n.icli   dcr   Niilnr  dcs    Hindcinillcls   unlcrsclicidcl    man: 

llioniiicn    Sandslcin,    hriin  Anhauchen    charakteristiscb    Ihonin    i'ic- 


Sandslcin    mil    \  id    Ilioni^   kdJkjgen)    Hindcinillcl  : 

kalki.ucn   Sandslcin,    das  (Icnicnl    isl    kohlcnsanrcr   Kalk ,    llirils    als 
Kalk.    llicils    als    Kalks|>alh.      Isl     nchcn    kulilciisaiirciii    Kalk     anch    Mi 
gnesia-Carbonal    voi-handcn.    so  cnlslclil   d  olom  it  ischcr  Sandslcin; 

(I  kicvcliurii  Sandslcin  <ilas\\ackc)  mil  hornslcinai'li^cin,  sclir  fcsh  in 
(Icincnic.  die  nnaivkiii'iici-  hcsil/cn  dann  sclir  hiinlii;  Kr\slalM'onn  (sul>  9). 
Knmmt  in  Hankcn  und  in  loscn  Blockcn  inncrhalli  dcr  Sandalda^cninucn  dcr 
Braunkohlenformation  M>I-: 

0)  c  i  sc  nscliiiss  iuc  n   Sandslcin.    das    Hindcmillcl    hcslcht    ans   l^iscn-- 
ii\\d    ndcr   I'.iscnoxNdhvli'at    in    inni^cr   NCfhindtinii    mil    Thou    odor    Kalk     nnd 
I'arhl   den   Sandstcin   dnnkcli;cll».    roll)   odcr   hrann ; 

fj  bnuminosen  Sandslcin,  das  hindcmittcl  bostehl  ans  hidiinonrcichcin 
Tlionc  odcr  Kalko  odcr  ans  Asphalt. 

'l.\\  den  Onar/.korntTti,  \\clchc  das  llanplmalcrial  dcs  Onar/.sandslcincs  hil- 
dcn.  Lcscllcii  sidi  niclil  scllcn  Kiirncr  odcr  Hlallchon  andcrcr  .Minci-alsul»stan/cn 
in  s()  roichliehcr  Mcn^c,  dass  auch  dadnirh  eharaklcrislische  Variolfitcn  cnlstohon; 

ii]  (J I  i  m  me  i  sa  ndsl  ci  n  (Micopsammil)  ,  glimnierrcichor  und  dadurch 
etu.is  scliiclcriuci-  Sandslcin; 

h)  (Jrllnsandsl  ei  n  daiikoniliseher  Sandsloia),  nchon  don  Onar/koi'iiern 
eisrlirinen  hirsei: : rosso ,  schics.spulNcrahnliclK'  Kornchcn  von  spangritnem  In's 
dnnkcl  lauchiii-ilncin  (ilankonil  .  durch  \\clehc  das  (ioslein  jc  nach  dci-  Mcn^c 
dersell»en  melir  odcr  \\cniucr  inlensi\  i;r(ln  iidarbl  \\ird.  Nach  Mhrenlx-rii's 
UntersuchungeD  heslehen  dicsclhcn  meisl  ans  I •'oraininircrcn-Slcinkcrncn.  Das 
('.eineiil  isl  kalkii:.  mei^clii;  nnd  ihoniL:.  Die  Ilanplcnl\\  iokluni;  dcr  (Jrilnsand- 
slciiie  lalll  in  die  Kreiderormalion. 

1)  Arkose    (Foldspallipsammil  .    cin    l;clds|)alh  -  Onarx-  (Ilimmcr-Sandslcin. 
Koi-ncr    \on   ui'ancm   Oiuuv. .     \on    rolhliehcm ,    y.nweilcn    kaolinar(it:cni   Orlhoklas 
nnd   (ilimmci-|>l;iUclicn.    sind   durch   cin   (lionises,     kjudini^-s   odcr   kicscliues   (Ic 
incnl    \erlinndcn.      Die    Arkose    trill   als  (ilicd    dcr  Slcinkolilcn-,    dcr   Hunlsand- 
stein-.    dcr  Tertiarformation   auf. 

Kndlich  l>c/eiehnet  man  die  \erseliiedencn  Sandslcine  jc  nach  ihrer  Stcl- 
luiii:  in  dcr  hirmalionsrcihc.  /,.  B.  als  Oldrcdsandslone.  Cnlmsandslein,  K(^upcr- 


1)11  II 

>,md.steiu,   Liassandstein,   Ililssandstein,   Bralinkohlensandstein,   Molassesandstein, 

-   nach    ihrcr    yerslciuerungsfuhruug    /..    H.    als  Spiriferensandslein .    \Valchieii 

sandslein,    Scliilfsamlsleiu,    Niiiniiiiilileiisaiidstein.  Cerilliiensandslein,  Hlallersand- 

slein,    •   -   nach    aiisge/.eielmelen   Aufschlussptinktef)     und     Vorkommen.    /.    H.    als 

Polsdamsandstein,    Calskillsandslein,    Yogesensandslein,    Deistersandslein   u.  s.  \\ . 

70.     Conglomerate. 

Die  Conglomerate  beslchen  aus  a'bg  e  r  u  n  d  e  t  e  n  Stiieken  (Kollslueken. 
(ie.seliieben  irgend  cines  .Minerales  oder  Geslcines,  \\clche  (lurch  ein  liindc- 
mittel  lest  \creini;:!  sind.  Die  .Mannigfalligkcit  der  Conglomerate  isl  schr  i;ro>s 
und  beruhl : 

•I)  auf  der  pet  rogra  ph  ischcn  N"  e  rsc  h  ie  d  e  n  h  e  i  t  der  /um  Congln- 
meral  \erbiindenen  15  o  1 1  s  til  ckc  ,  \\onaeh  man  Ouarx.itconglomerat ,  Kalkslcin- 
oonglomeral .  Granitcongleraeral,  Gaeisscongloineratj  Grttnsteinconglomerat,  Tra- 
chytconglomerat,  Masallconglomeral  und  endlich  gemengte  (polygenc)  Conglo- 
mcrale  unlcrscheidel ,  welche  lelzlere  Fragmented  der  vcrschiedensleii  Gesleins- 
artcn  umfassen  : 

2)  auf    dcr    Verschicdenarligkeil    des     die    Hollsliickc    verkiltemlen 
Cemcnles,   welches  cine  kalkigc,   tlionigc.    kieseligc,   sandige.    eisensehussige 
HesehaU'enheit    bcsitzcn    oder   aus   cincin    sehr   feincn ;    gcschliimmtcn    Gesleins- 
schutl(>  beslehcn  kann; 

3)  auf  der  Grossc  der  Hollsliickc,    wonach   man    mchr   oder    \\cniger 
-grobe  Conglornerale  unlcrscheidel: 

4)  auf  der  grosseren    oder   geringcren  Menge  des  Bindemitlels ,    \\el- 
ehes  \or  den   Hollsliieken  voru alien,   auf  der  andern  Scilc  aber  auch    von  die- 
scm   fast  \ollkomm<Mi   Ncrdrangl  wcrdcn  kann: 

•">  auf  dem  Grade  der  Festigkeil,  mil  wclchcr  die  Rollsliicke  und  das 
Cemcnl  zn  cincin  Gcslcinc  vereinigl  sind. 

Aus  den  x.ahllosen  Modificalioncn  dcr  Conglomerate  verdiencn  als  besonders 
wichfigc  Yarielalen  luM-vorgchoben  /u  wcrdcn  : 

a  das  Conglomcral  des  Ho  t  hi  i  cgc  ndc  n  ikurz  Rothliegendes  genannt), 
ein  Conglomerat  von  wallnuss-  bis  iibcr  kopfgrosscn ,  zum  Theil  vollkommen 
kugelninden  Geschicbcn  von  Quarz,  Hornstcin  ,  Kieselsdiieifer ,  Granil .  Cneiss. 
Glunmerschiefer,  Fclsilporphyr,  nebsl  scheibenloi'migen  IMaltcn  von  Thonsehieler. 
Test  zusammcngchallen  von  cinem  slark  eiscnschilssigcn ,  sandigcn,  zum  Theil 
kieseligen  HindemitteL  welches  dem  Gan/cu  cine  rothbraune  Farbt1  \crlcihl. 
Dicse  Conglomerate  bilden  in  Deiitsehland  die  llanptniasse  der  unlcrcu  d\assi- 
schcn  oder  permisehen  Formation; 

h)  das  Grauwaekcnconglomerat  oder  die  Grauwackc,  ist  x.usam- 
menuesel/t  aus  abgeriindeten  l;ragmcutcn  son  Ouarx.,  Thonsehieler.  Kicselschie 
fer.  l-'eldspalhkornern  .  zum  Theil  auch  (ilimmerblattehen .  sehr  fcsl  cemenlirl 
(lurch  ein  x.iihes,  kicscligcs  oder  kieselig  Ihonigcs  Hindemitlcl  .  \\clchcs  let/- 
lere  oft  (lurch  I'ein  \erllieille  Aiilhi-aeilsliiubehen  dunkelgclai-bl  \\ird  und 
dadureh  die  dunkelgraue  Farbc  des  (lesammluesteines  bcdingl.  Die  Varielalen. 
\\elehe  reicli  an  sich  parallel  lagennlen  (llimmerblallchen  sind.  bcsitzcn  cine 
mehr  oder  \\enii:er  deiitliche  dickschieferige  Slruclur.  Die  cigeutliclic  (irauuackc 


.  (ieoldjjr.  01 

(lurch  h>iner\\erden  Hires  Kornes  in  die  aiisserordentlich  leinkorniuen 
(i  rau\vaekenschiefer  Ubcr.  GclaniU  l»ci  diesen  d;is  Ihoniue  Bindcmittel 
/inn  U»er\\iepMi.  sn  enlslchl  die  dichlc  (Jrauuacke.  ein  homoizen  erschci- 
nendes.  verliiirleleni  Tlmne  ahnliehes.  meist  urau  ueliirbles  Geslcin.  Die  C.r.in 
xNackengcslcinc  spielen  in  der  silurisehcn ,  desonischen  uiul  uuteren  Kolilen- 
Ciilin  Formation  cine  ^iclitiize  Nolle  Boltmen  .  Voiijtland,  liar/.  Thilringen, 
We>l|>lialen  : 

c  Nil-fill  u  c  .  cin  licmengles  (louizlonierat,  bostoheiul  aus  stark  ahjieriin- 
drlen  Hdllsliickcn  \<>n  nicisl  jurassisclicn  Kalksteincn  und  Sandslciiicn.  /\\  isclicn 
siilchcn  \<>M  (irau\\ackc.  Kiesclscliicfi'r,  Quarz,  Grauil,  (Inoiss,  Scrpcnlin, 
(iahliro  u.  s.  \\..  KusammengehaHen  durcli  cin  Cement  von  \\eisslicliem,  izellt- 
licliein  oder  rnlhlicliein .  meriicliiicni  Kalkstcino.  Die  Nairellluc  ist  cin  stcllen- 
\\ei.se  sclir  machines  (ilied  der  Tcrliiiri'onnalion ,  wolcho  die  luirdliclicn  und 
nurduestlichen  AlpeiiNorher^e  /usannncnscl/.l :  . 

d)  Pudd  inysle  i  n  Flintcongloinoral).  abizcrundelc.  nuss-  bis  faustgrosse 
(Icrbllc  von  iiclbcin,  brauncin  oder  schvvarzeni  Keuerslein  licgcn  ansserordcnt- 
lich  fesl  verkiltet  in  cinein  fcucrslcin-  oder  hornsteiniilinlielicn  Ccincntc  \on 
^("Iber  oder  iiraucr  Karbc.  In  der  Silurforniation  Englands; 

e  goldfUbrendes,  sog.  blaucs  Conglonierat,  ein  festes,  sc%li\\ci- 
/i  rs|)n  uuli.ucs  Conglomerat  von  blaugrauer,  unler  dem  Einflusse  der  Alnio- 
spjirilicn  braun  \\  erdcnder  Farbe  aus  bis  cenlncrschweren  Geschieben  und 
Hlockcn  von  Ouar/,  Kalkstein ,  (iranit,  Oriinslein,  Serpenlin;  Gliinmersehiefcr, 
Tlionschiefer  u.  a.,  \vclchc  durch  ein  schr  festes,  kieseliges,  von  Schwefclkies 
iinprai:nirtcs  Hindcmiltcl  von  blaulich  grauer  Farbe  zusainniengekiltct  werdcn. 
Nebeii  deii  aufiie/.ahllen  (leseliicben  trill  Gold  in  bcdtmtender  Menge  auf;  das 
Hindcmitlcl  unifusst  nichl  nur  kleine  Korner,  Blatter  und  Bleche  des  edlen 
Melalles,  sondern  /.alilre.iche ,  erbscn-  bis  nuss-,  ja  laubeneigrossc  RollslUckc 
de.sselbcn,  so  (la>s  sielleiuvcisc  ein  fbnnlichcs  Goldcongloinerat  entstcht.  Diesc 
i — 6  M.  ni.iclilige  Coniilomerallajze  findet  sieh  in  einein  terliaren  Flusslictlc  am 
\\  estaldianiic  der  Sierra  Nevada  in  Californien. 

Die  Geschiebe  inanclier  flonglomerate,  nainenllich  solche  von  Kalkstein, 
/ci-en  x.nweilen  die  merkwUrdige  Erscheinung  gegenscitiger  Eindriicke.  Sn 
sind  /..  B.  fast  allt>  Kalkuesi-liicbe  In  der  Nagelflue  von  Bappeis\\  \  I  mil  oft  so 
Helen  l-'.indrilckcn  an  enlgcgeniicsel/len  Seilen  verselien ,  dass  hiinlig  nur  cine 
sclir  dilnm*  Seheide\vand  Ubrig  blcibt.  Diesc  Geschiebe  haben  bisvvcilcu  \\jr- 
deruin  in  denjenigen  (icsclueben  Kindriicke  verursacht,  voii  welchen  sic  selb.st 

solelie    erliallen    haben. 

'  I .    Hrccciou. 

Breceien  bcstchcn  ans  cckii:en.  schai'fkanli^cn  Bruchslilcken  von  Mincralien 
oder  (iesleinen.  welche  (lurch  ii'gend  ein  Bindeinitlel  fesl  mil  einander  \cr- 
einiut  sind. 

Hirer  Enlslcliungsu ei.se  nach  nniss  man  die  Breceien  in  Zusammcn- 
sc  h  \\  e  m  m  u  ngs-  und  B  e  i  b  u  n  g  s  b  reeci  e  n  liennen.  Mi'stere  beslelien  aus 
/:usaimnenuesch\\enimten  Gcslcinsfrai:meiilcn .  \\elclie  durch  chemisdie  oder 
meclianische  Absiil/c  des  Wassers  /u  einem  neueii  Ge>leinc  \erkiltel  \\orden 


Ill*  II. 

sind.  Die  Breceien  ,smd  mil  den  CongloiQ6rat6D  aul  das  en-sir  \er\\. mdt 
mid  gchen  dnreli  Abrundung  dcr  Keken  und  Kanten  ihrci1  (Jcslcinsbrnclislnckc 
m  Cnn-lnmer.ite  liber,  .lene  v\ic  dicsc  besil/en  cine  ansserordcnlliche  .Mannig- 
lalligkeil.  \Nclchc  \  or/.ugs\\  eise  aid  dcr  pell  (tgrapliisclicn  Vcrschiedcnarligkcit 
dcr  Brnclisliickc  und  dcr  Beschaffcnheil  des  BindemiUels  beruhi.  Man  unier- 
schcidcl  ilcmnach  Onary.ilbreccicn,  Kalksleinbreccicn.  (iriinsleinbreccien.  Tr,icli\l- 
brcccicn,  (Ineissbrecien  n.  s.  v\ .  mil  tlionigem.  kieseligem.  kalkigem.  eisen- 
schiis.sjgcm  Bindcmillcl,  welches  lel/terc  endlich  auch  noeh  aus  reineni  (ies|,-iiis- 
schntl  bcslchcn  kann. 

Als   bcsondcrs  eigenlhiimliche    Varicliilen   sind    her\  nr/.nlicbcn  : 

a)  Ouarzbrocken  le  Is.     Ouar/it-   und   llornslcinl'ragiuenle    ucrden    (lurch 
•  Jii.ii/   oder  Kiscnkicscl    Icsl   \crbiindcn.      Die  Spalten   /\\ischcn  den  Bruchsliickcn 
sind   haulig   dureli  Ouar/.-,     \melh\sl-  mid  Kiscnglanxnielalle   inerusiiri  :    Selmar- 
/.enbcrg   im    Kr/gebirg,e : 

b)  Tapan  hoa  nca  nga,    /oil-   bis   fuss-rosse.    eckigc   Bruchsliicke    von   M.i 
gneteisener/.,    Kisenglanx,    Braimcisenstcin   \\crdcn   dnrch    ein   Cement    von    Bolh- 
eiscnslcin.   Brauneisenstein   oder  Kisenncker  zusammengekillel.     Als  xuialli^c  Kin- 
sehliissr   \\erden   Gold,   Topas,    Diamant ,    Bulil   gclnnden.      Dieses  (iesicin    bildct 
in   dcr   IVosinz   Minas  (Jeraes    in   Brasilicn    cine   \\eil    .insgedelmle  obcrll.ichlielic 
Dcckc: 

c)  llaselgebirge,   Thone,   \\elche  mil   Fragmcnlen  der  benachbarh-n  ' 
sleinc  angefulll    sind    und    die  Sleinsalxbildungen    in    den    nordlichcn  Alpen    xu 
bcgleiicn   pllcgen  ; 

d)  Knochenbreecie ,   Kalksteinbruchstiickc -und  Fragmcnle   von  Conch\- 
licn.    natncntlich    abcr    son    Knochcn    und    Ziihnen    von    Wirbelthicrcn    \\crdcn 
(lurch    ein    ciscnsclnissigcs .     sandig    thoniges    und    sandig    kalkiges    Bindemillcl 
mchr  oder  \\eniger  lesl   verbunden.     Solche   Breceien    \on   Bhinoccros-.    Ilirsch- 
und    IMerdeknochcn   linden   sich    /.    B.    in   den  Spalten   des   Kalkslcingebirges    am 
miUcllandiselicn  Mccrc .    solche    von  Knoehen    des  Ursus   spelaeus ,    dei1  Jhacna 
spclaca   namcnllieh   in   Iliihlcn.   so    in    der  von  Muggendorf.     in    der  Baumanns- 
hbhle,   in  der  Adelsbcrgcr  (Ji-otte    und  \iclcn  anderen,   —   und   endlich    solche 
von  Replilien-  und  Fischrestcn,   das  Bonebcd,   als  eine  nur  einige  Centimeter 
miichtige   Lage  in  der  Grenxbildung  xwischcn   Kcupcr  und  Lias. 

Beibiingsltrcceicn  nenut  man  scharl'cckige  (Jesieinsfragmentc .  \\clclie 
dnrch  crnplixcs.  kr\stallinisclics  <'ieslciiisiiiatcrial  schr  lesl  \crkittet  sind.  7\\ci 
Fiillc  des  Abstamniens  der  Bnichsliicke  sind  mnglidi:  cnl\\cder  \\iirdcn  sic 
durch  die  aufsleigcndc  Krupti\ masse  \on  dem  Nebengesteine  losgerissen .  sind 

frcmdarlige  (Jesteinseinschliissc  in  dem  lcstgc\\  ordencn  Kruptixgestein.  - 
sic  (Mitslandcn  durch  Zerlriiinmerung  dcr  bcreils  1'estgew ordencn  Ober- 
Iliichc  durch  nachdringendc.  noeh  ililssige  (ieslcinsmasse.  Dann  isl  das  Material 
dcr  BruchslUckc  und  des  Ccmcntes  idcnlisch  oder  hoehstens  (lurch  die  Cmss,. 
des  Kornes  verschieden;  Breceien  erslcrer  Art  linden  sich  hiiulig  an  dendren- 
y.en  \nn  (Iranilcn  z.  B.  bei  Rcixenstcin  im  Fiehtelgebii -ge  .  F»'lsitpnr|)li\r  (z.  B. 
bei  Wcndisheim  in  Sachscn;,  Sxenit  (z.  B.  bei  .Mar«|iieUc  am  Lake  Superior. 
7.  B.  bei  Sales!  in  Bohmcn  .  Brcreien  \  mi  idcntischer  Zusammcns(>txung 


II.    iVtrourapliische   Geologic.  93 

der  Hnichsliieke  und  des  (lementes  sinil  namentlich  bei  den  Pelsitporphyfen 
('/..  H.  bei  Priedrichsroda  und  Oberhol'  iin  Thiiringer  \Yalde.  Niedeck  in  den 
VuLirsen  iiml  den  Diabaseu  (Voiijlland.  Thiiringen,  liar/  bekannl. 

Die    Hreccien.     souohl     die    Zusammenseh\\emmungs-     \\ie     die    Reibunu.N 
breecien.    neliiiien  nur  gerinuen  Anllieil    ;in    der  /usammeusel/ung  der  Krdknisle. 

:i.   Fnmilif.     ThoilgcstciilC. 

Die  Sehlamm-  und  Them-    (oder  limalischen)  Gesteine  bositzen  ein  ei'diizes 
limiio^enes    Ansselien  ,     heslehen     ;uis    I'einen  ,  Sliiuhkiirnclien    nnd    Seliiippelien, 
den   lliiek.sliinden  der  Verwitterunii,   naincnllk-h  folds])alhreiclieii  (iesteine. 
'•>.    Kaolin. 

Der  Kaolin  ist  cine  aus  sohr  feinon,  slauhartigen  ,  ecdiiKMi  Theilehen  be- 
steliende,  /.eiTeililiehe,  ineisl  iiltl'iirhonde  Masse  von  vorhoiTschend  \veissei'.  i;ell>- 
lielier  odei'  riithlieher  1'arhe.  In  seiner  reinsten  Form  isl  der  Kaolin  /ueii'aeli 
kieselsanre  Tlumerde  mil  2  Atomen  Wasser  und  dem  entsprechend  47,0")  Kiesel- 
siini-e,  --  39,21  Thonerde,  —  13,74  Wasser,  einc  Zusammenset7Ainc;,  welche 
jedoch  p-osseren  Seh\vankun^(>n  unlervvorfen  ist.  Gewohnlich  ist  der  Kaolin 
•  lurch  lieiLieinenute  Glimnierbla'ttchon  und  Quarxkorner  verunreinigt. 

Der  Kaolin  ist  das  Residuum  der  Feldspathzersetzung,  so  dass  namenllich 
Granile.  (ineisse  nnd  I'orphxi'e  das  Material  zur  Kaolinbildung  geiielten  h.ilien 
und  delude  dieser  Gesleinsarleu  die  Ileimalh  der  Kaolinlagerslalten  sind  ,  so 
l»ei  (lai-lsh.id  in  Itohmen  ,  bei  Schneeberg  in  Sachsen,  in  tier  Umgegend  von 
Halle  und  Allenburg. 
7:5.  Thon,  Lrlini,  Loss. 

Der  Thon  ist  eine  in  trockenem  Zustande  erdige,  milde  und  zerreibliche, 
an  der  Zunge  klebende,  in  feuchtem  Zustande  plastische  Masse  von  weissei1, 
-i.uier.  iielMich  izriinliclier,  bi'auner  oder  blauer  Farbc.  Die  Thone  sind  wasser- 
haliiiie  Thonerdesilicale,  \\elchen  Spuren  von  Kalk-,  Magnesia-  und  Kisenearbo- 
iialen  beiiz»'meni;l  sind,  ein  geschlemmtes,  zusammengeschwemmtes  Zersel/ungs- 
product  feldspallireiclier  Gesteine.  Von  zufalligen  Besl.mdllieilen  sind  Knslalle 
und  Kr\stalliii-uppen  von  Schvvefclkies,  Slrahlkies  und  Gyps  zu  er\viilmen  ; 
I'erncr  nniLisst  er  niclit  selten  Concretionen  von  Spharosiderit  ,  Thoneisensiciii 
nnd  Kalkmergel  und  sehr  hiiuliu  \\ohlerliallene  organische  Reste.  Aus  deu 
nrspriinglichen  Ablageruni:en  von  Tlionen  wurden  iin  Laufe  der  Zeit  (lui'ch  den 
Di'uck  der  auf  ilmen  laslenden  Gesleinsscliiclilen  lesle  sleinarlige  nnd  s<'hiele- 
Masse  n  ;Schieferthone)  .  Als  die  \\ichligslen  Varielaten  des  Thones  sind 


a)  Topl'ert  lion  ,   die  reinste  Vaneliit,   \\ciss,    hellgraublau   und  sehr  pla- 
slisch,    brennt  sich  roth  : 

b)  eisenschtissiger    und    gl  i  minerreicher   Thon    mil    liedeulendem 
EisenoxydgebaH,    deshalb    gell)    oder  rothbraun  ,    oder  mil    sehr    \  iel    Glimmer 
Itliittehen  : 

<•     I)  i  t  nni  i  nnsei    Thon.    dunkelgrau   bis  sch\\;ir/:     bleichl    beim   (iliiheii: 


',( 1  II.   Petrographischc 

•  I  Sn  I/I  lion  .  hiluminoser.  mil  Kochsalx.  impriii:mrler  Tlion.  Mcdcilcr  der 
Steinsalzlagersttttten ; 

c      A  l;i  n  n  t  li  mi  .    hiliiiiiiimxer.   mil  Sch\\  cl'clkicsllieilclicn    impr;ii:iiirlcr  Thon  : 

I  Sc  |>  I  a  r  i  e  n  I  h  on.  cin  an  kalkig  thonigen  und  mcrgcligcn  Nicrcn  ivichcr 
Tlion  : 

•j.  Uasa  I  I  1  lion  \\ackenlhon  ,  sichc  snl>  •">:>.  paii.  7-i,  <l;is  Kn<l|>roiiuct 
tier  /ersel/uni;  des  Fcldspath- Hasallcs ,  heslehl  \\esenllich  ;ius  \Nasserhallii:eni 
Tbonerde -Stiicat  und  1st  ,-ils  Residuum  der  Basaltc  /.u  belrachten .  uelchcn 
durch  koblensSurehalUge  \\asser  K;ili,  Nalron,  Kalkerdc  und  cin  Theil  des 
l''.ist'iio\\duls  und  dcr  Kicsclsiiurc  rnU'illirl  \\ordrn  sind  : 

li)  \Vjil_kci-dc  riillcrsciirdi),  cine  crdiiic ,  llioniilinliclic ,  cl\\.is  fclliiic. 
mi  Strichc  i:l;in/cndc ,  durchiiiis  nil-lit  pljistisclic ,  sondcrn  ini  \\asscr  /.crhro- 
ckclndc  .Masse  \on  ^cIMirli  Brunei'  his  oUvengrOper  h'iirhc.  Sic  isl  ehcnfalls 
cin  \vass<'rhalliiics  Thonerdesiliral ,  \\clchcin  conslanl  cl\\as  .Magnesia,  und  last 
slcls  cl\\as  Kalk  und  Kiscno\\d  hciiicmciii;!  isl.  Sic  Liclil  aus  dcr  Xci'scl/.unu 
\nn  hiahascn  und  Gahhro  hcrxor  und  isl  namcnllicli  hci  l{oss\vcin  in  Sacliscn. 
in  Slcxcriiiark,  in  Kiii>hind  (luillci'scarlli,  cin  (Jlicd  dcr  dorliizcn  .luralonnationi 
eotwickeU. 

Die  Tlionc  sind  nainentlich  in  den  jiingeren  Forniationen  voin  Jura  an  cnt- 
\\ickcll  und  wcrdcn  nach  ilii'cr  Stellung  iin  Scliiclilcnsxslcnic  so\\ic  nacli  ilnvr 
VersteineniDgsfUhrung  z.  B."als  Wealdenthon ,  Hilsthon,  -  Amattheentboae 
und  Ornatcnlhonc  Itc/eichnet. 

Isl  dcr  Tlion  durcli  I'cinon  Quor/sand  und  (Jlinunci'hliiltchcn  so\vic  cl\\as 
Kiscn  \cninrciniiit,  so  verliert  er  seine  Plastieitat ,  fQlilt  sich  rauh  und  inaucr 
an  und  \\ird  /urn  Lehin.  Besit/t  dieser  einen  Gelialt  von  kohlensaurcin  Kalkc, 
hrausi  cr  also  mil  Siiuren,  so  nennt  man  ihn  Loss.  Sehr  izc\\ohnlicli  uml'asst 
dicscr  ciiicntliiiiulich  t;c.slallclc  (lonrrelionen  von  Kalkmergel  (Lossina'nnrlicn. 
l.o.sskindclj  sowic  xahli'eiche  Resle  von  Land-  und  Siiss\\  assert  I  lieren.  Lelim 
und  Loss  hilden  inachtiiic  oluM-flachlichc  A*biagerangen  an  Bergabha*ngen  und 
in  Thalorn,  -  -  der  Loss  nainentlich  iui  Rhcin-  und  Donaulhalc. 

An  manohen  Localitiitcu  sind  die  Thone  in  Folge  der  Einwirkung  von 
Kohlcnhriinden  oder  hasaltischen  Eruptionen  iiehrannl  und  licfrillet  und  y.u  uan/ 

eiirenlliilinlichen  Gcsteinen  umuewandell  \\orden.   \velche  man  Porcel  la  n-  und 

% 

Basaltjaspis  nennl.     Diese  besitzen  eine  zieiuliche  lliirlc.    muscheligen  Bruch, 

scliNNachen  l-'eltulan/   und   graue  oder  rolhe,   /uni  Theil   gellanuntc  oder  ucstrcifte 
Kiirhung.      l)utt\\cilcr  hci  Saarhillcken,  Sichcngehirizc,  Zwickau,  Teplil/.  Bilin). 

Anljaii;_'s\\eise  mag  hier  des  Tschernoseni  gedacht  \\erdcu.  l'"s  isl  dies 
cine  Arl  sclmar/er.  Tciner  Rasenerde  mil  G  bis  10  IVocent  oriianischer  Sul>- 
slan/,  \\elche  eine  ausscrordcntlichc  Verhreitunj;  im  eenlralen  und  siidlichcn 
Hussland,  in  Sihirien.  so\\ic  in  den  Pi-acrieu  dcs  sildlichen  Noi'daiucrika  hat, 
\\o  sic  stcllen\\cise  c-ine  Miiehligkeil  von  7  Meier  crreichl. 

'  i .  Schieferthon. 

her  Schicrcrllion  isl  ein  inildcs.  /.ieinlicli  wcirlics.  scliiclViiies  (icslcin.  \\elchcs 
aus  \erhiirtclcni  Thone.  inikrosko])ischcn  (iliiiinici-hlallchcn  und  Uuar/.sliiuhclicn 
hcsleht.  Mr  isl  uc\\ohnlicli  gran  his  sch\\ar/.  ucfiirhl  und  nielil  selten  rcich  an 


II.    Petrographteche 

|)|];ni/liclit'ii  mid  Ihicrischen  Hcslen.  Schsx  ddkies  isl  cin  sehr  ucxxolmlichcr 
y.ulalliiier  Gemoniitheil  desselhen.  Als  S  c  h  i  c  fc  r  I  el  I  e  n  Ix'/eiclmct  m.in  die 

roihen  iind  Imnieii,  als  Bran  dschiefer  von  liiimncn  imprSgnirto  Schiefertfione. 

Die  Srhicfcrlhonc  sind  aiisuc/eiclmel  iicscliichlct.   sic  \scehscllaiicrn  mil  Kalk- 
sieinen .   Sandsleinen,    .Mcrueln   und   KohlenfiOtzen   iind  iicxsinnen   namcnllich   in 
dcr   kohlen-.    I  i,is   .    \\caldcn      und   Tcrliarformalion   cine   l>edeutcnde   Knlssick 
limi:.    sxahrend  Schieferletteti  namenilich    im  Kothliegenden    und  Bunlsandsteio 

\  ci'lft'tcn   sind. 

7'i.  TlioiisdiiH'er. 

Dt-r  TlKiiiscliicfcr  ist  cin  ausgezeichnet  schieferiges,  luirlcs  Thonticslcin  \on 
UK  is|  -i;uicr  odcr  scli\N;ir/cr,  (lurch  cincu  iici'iuucn  (icluill  ;in  koliliucr  Suhshiny. 
hcr\nri:chr;iclitcr  I-'jirlic.  y.u\\cilcn  durch  Kiscno\\d  ucll>.  i^riin,  roll)  ^cnirbl.  Ant' 
dcin  Mruchc  niiill  .  hoiuoiicn  und  ;inschcincnd  niclil  kr\st;illiniscli.  Schr  iic- 
\\iihnlirli  mil ScbwetelkieskrystaJIei)  iinti -Concrelionen,  fcrnci'  mil  Ou;ir/-Ncsicni, 
Triiiucru  und  Sdiiiiircn .  sonic  K.ilkslcin  -Knollcn  und  cudlicli  oriiiinisclicn 
Itcsicn.  Die  mikroskopische  Uritersuchung  silurischcr  und  devonischer  Thou- 
schicl'cr  hiil  cri:c!)cii.  d;iss  .sic  uichl.  \\  ic  iniiu  bishcr  ul;iuhlc.  hlos  ;ius  kl.islischcn 
und  |)clilischcu  (Icslcinsclcnicnlcn  bcslchcu.  nicht  Icdii^lich  dcu  crhiirlclcn.  I'ciu 
/.crricliciicn  Schl;iiiiiu  praeexlstirender  l;cls;irlcn  diii-slcllcu .  sondcrn  dass  sic 
inikroskopischc  kr\slallinischc  und  kr\stallisirlc  (icincniilhcilc  in  sich  cnlhaltcn, 
\\clchc  tifl  soiiiii-  die  haii|)Ls;ichlichstc  Hollc  bci  dcr  /usainnicusct/.uiii:  jcncr 
Schicl'cr  .spiclcn.  Dicsc  inikrokrNslallinischcn  Ucslandlheilc  sind  :  i^clMich  hraunc 
Niidclchcn  augenscheinlicb  \on  Hornblende,  nlle  dcr  iirsprtinglichen  Srhieferuni;s- 
cltcuc  parallel  Liela^crl.  un'inliche  odcr  irelNirhe  (Jliiniuerliifelehcn,  -  o\alc 

odcr  rundlichc  Ouary.kiirncheu  mil  xahlreii -hen  PlftssigkeitseinschlUssen.  Die 
Hiinder  dcr  Ouar/.ausscheidunpMi  verflicssen  fonnlich  in  die  uniuclicudi>  Ge- 
stcinsmassc:  um  sic  slelicn  /uucilcn  radial  a  uncord  note  /arte  (lliiniucrhliitlchen 
allscilii;  heruin. 

Die  eheniisehc  Xiisaininenselxunii  des  Thonsehicfers  isl  (Mne  seh\\ankcnde, 
doeh  eriiicltl  cine  Liriisscre  An/aid  von  Anahsen  foL-cndcn  Diirehschnitl  :  Kicscl- 
siiure  .'i'JjOO,  Thoncrde  :JI),00,  Kiscnoxyd  und  Kiscnoxxdul  7,40  - 

Magnesia  2,80,  --  kalkerdc,    t.JiO,   —  Kali  3,50,  —  Nalron  1,10,  —  Glilhserlusl 
Hiluincn   und    \\asser)    4,00.    - 

Nchen  dciu  uciucincn ,  an  acccssorischen  (icnicnulhcilen  reiehcn .  \\eni;: 
clicnschicrcriiicn  ThonschicfiT  unlcrsehcidcl  man: 

a)  Darh-  und  Ta  fc  I  s  c  h  ic  i'c  r.  die  reinslen,  sclii1  chcnschiereriuen  Varic- 
talcn  tl<-s  Tlmn.schicl'crs,  die  sich  Icichl  in  diinnc  Tafeln  s|)altcn  lasscn.  ei'slere 
son  urauer,  lel/.lere  \on  sehssarxer  Farl>e.  (St.  Goar  am  Hhcin,  l.chstcn  im 
Tliiirintici1  \Valdc,  (loslar  am  llar/e); 

l>)  G  ri  fIV  I  sch  icl'cr.  rcinc.  fcsle  Thonschierer.  \\clchc  .sich  in  l;oli:e 
des  Xusammcntretens  son  i:c\s  iihnlichci-  und  I'alseher  Schieferun^  in  izrill'clfiirmiizc 
Sliiniicl  spallen  lasscn.  Sininelicr^  in  Thdriiiiicn)  : 

c)  NVcl /sell  i  cl'cr.  cine  iiclhliehc  odcr  uriinlich  iiraiic .  jzan/  lioinoticnc. 
son  Kiesclsaurc  ilurclidriiniicnc  ThoiiM-hiclcrniasse.  (Ardcniicn 


II.      IVtl-dlMMIllliM-llC    <M'<l|<»»ic. 


il  /c  i  cli  urn-  Kdilen-  Schiefer.  feinerdigc,  \veidic.  milde,  sdmarxc, 
sehr  kolilcnstolVrcidie  Thonsdiieler.  (llaselbaeh  ini  Thiiringcr  \\al<l< 

e)  Alan  nsch  iefe  r.    \<m   knhligen  Snbstanxen    mid   \on   Sdi\\d'clkics  ini- 
pr.ignirte   Schider   son    srh\\;irx.lidier  Farbe.      Dcr  Kohlcnsloll'  ersdieint    xuucilen 
als   Anlhracil    in    bunt    angdaufenen    Iliinldicn    und   Sdmppen    ;iuf   den   Klilflen 
uiid   Spalten    dcs  (Jcsteincs.      Aus    dcr  Ycr\\  iUerung    dcs    Sdmefdkicscs    gdicn 
Kiseimtriol,  sowie  Alnun  hervor.       Mrit  lirul»;icli  ini  Voigllando)  ; 

f)  Granwaokenscbieier    und    dirhtr   (ir;m  \\  nckc.      siclic    sub.    70, 
1)),   cine  ausseronlrntlirli   I'cinkiirnitic  l>is  dichlr.    scliit-rcriiic.   /inn  Thoil  liliniincr- 
rcic-lic,   /inn  Tlicil   vollkommcn  thoDsdiieferarUge  Varictiit  dcr  Gr;niN\;ickc. 

Dor  Thonschiefer  ist  ausgczeichnct  iiescln'clitct  .  \vecliscllai:crl  mil  Kicsd- 
scliicfcrn,  KalkstciiHMi  .  Sandsteinen  ,  Grauwacken  ,  und  ist  naincnllidi  in  d<-r 
silurisduMi,  devonischen,  zuin  Theil  auch  noch  in  der  carbon  isc)u>n  ,  nur  aus- 
nalnnsNvcist1  in  jiiniicren  Fonnationen  enhvickdl.  Seine  Scln'eferuni:  fiillt  nidi! 
iminor  mil  tier  Schichtung  zusammen,  sondi-rn  durclisd/l  die  Tlionsdiicfcr- 
inassc  gan/  unal>liiin^ig  von  diesor,  CMIIC  Erschoinung  ,  \vdchc  als  falsdic  mlcr 
transMM-sale  Schieferung  be/.ciduid  \vird  (siehe  sub  Archileclonische  Goolouic,. 

Thon,  Schit'ferlhon,  Thonschiefer  und  Thonglimmerechiefer  iiehen  in  dn~ 
ander  iiber  und  lassen  sich  nur  in  ihren  *Exlremen  unterscheiden.  Der  echte 
Thongiiminerschiefer  besitzt  ein  enlschieden  kryslallinisdies  Gefiige,  umschliessl 
x.ahlrcidie  xufiillige  Gemengtheile  und  gehdrt  uamenllich  der  huronischen  .  pri- 
iniiiven  SchieferformatioD  an.  Der  Thonschiefer  ist  im  Bruche  matt,  fest,  aus- 
uc/.ddind  sehiefrig,  besitzt  sehr  ge\volmlieh  falsche  Schieferung,  ist  oft  \cr- 
stfint'runizsreidi,  filhrt  aber  nur  \venig  zufalligc  Gemengtheile  und  udio'rt 
naincnllidi  der  iilteren,  der  weiche  milde  Schieferthon  endlidi  dcr  mitileivn 
und  jilngeren  Formationsgruppe  an. 

4.  Familie.   Tuffe. 

Die  Tuffe  sind  zum  Tlicil  crliiirtdc,  xcrsclxte  vulkanisdie  Selilainmmasscn. 
/um  Theil  vulkanisdie  Zusammenschivemmungsgebilde,  d.  h.  Trtlmmergesleine, 

dcicn   M.ilcri.il    in  Form    von    vnlkanisdicn  Aschen,    Sanden    und   I>apilli  durdi 
uilkanisdic    Kruptionen    geliefert    und    spiiter    dureh    Mil\\  irkmiL;    dcs    \V;is>crs 
/.IIS.HIIIIICII   i:csdi\\cmml,    gesdiiditel  und  zum  Theil  stark  zerselxt   \\urde. 
7(i.    1'orpliyrtnlf.    (Thonstein.) 

Ucr  Porphyrlulf  isl  ein  didiles.  im  IJiiielie  crdiizcs.  hiintcs.  in  scincn  l;arben 
unizcniciii  \\cdisdndcs  (icstein,  aus  sdilainmartigcni  1'orpliNr-  oder  Felsilsdiull 
licr\ori:cL:;ini:cn.  Kr  mnsdilicsst  nidil  scllcn  krysl.illinisdie  (J^iaiv.kiirncr.  Kcld- 
sp;illikr\st;illc  odcr  Glimmcrbliittdicn  .  xu\\cilcn  audi  Hrocken  von  l'nrph\r 
tliidnrdi  in  Porphv  rbrecde  iibergehcnd)  und  endlich  PflanzenversteinerungeD, 
bcsondcrs  \crkicsdtc  Haiimstiimme.  Die  din-disclinilllidie.  dieinische  /usaminen- 
sclxniiii  dcr  PorphNrlufle  ist  der  der  Felsilporph\re  ausserordcntlidi  iilmlidi 
und  Iwiriigt  :  Kieselsiiure  77,00,  •  Thonerde  12,00,  Kiseii(.\\d  :>.<•>(). 
Kali  4  —  '^,00,  -  Niitron  1,00,  —  Kalk,  Magnesia  und  Spuren  \<»n  \Vassei-. 
Die  I'oi'itliNrtiilte  sind  xuni  Theil  sehr  dcutlidi  dilnn  g(  sdiiditct  und  trctcn 
/.  H.  im  erzgebirgisdbeo  Hassin  als  dlicilci  dc>  uniercn  Rothliegendeo,  l»ci 


Urdnit/    in    Miilmirn    nnil    bei    Do'Mcn    unsveil    Dresden    in    Wrbindun^    mil    Por- 
plnren   auf. 

77,  <<riiiis1nii1iift'. 

Der  (iriinstein-  oder  DiabastutV  isl  em  didiles.  ini  Brudie  entires  A^reual 
\iui  feinem.  sand-  odcr  staubartigeiYi  Grttnsteinschutt  von  meist  sdimnty.ii:  primer 
l;arbe.  weldies  \on  kohleiisaurem  Kalke  inniii  imprii^nirl  isl  Die  (IrUnslein- 
lufle  sind  liiiulii:  sdiieferk  und  filhren .  abueselien  von  iM'osseren  (iriln- 
steinbrocken ,  nichi  selien  oruanisdic  Hcsic  s<>  suldic  drr  Devon  formation 
l»«-i  Planschwiti  in  Sadism'.  Sclir  ^cwiilinlidi  iiclu'n  sic  durdi  das  Aullrclt'ii 
und  die  Ueberhandnahme  (lioni^cr,  edit  sedimepUirer  Beimengungungep  in  <ir.ui 
\\,K  krnsdiicl'cr  Ubcr  und  liildcn  ini  siidisischon  Voiiillandc ,  in  OboiTrankci), 
in  l)i»\onsliiiv  /wisdicn  silurisdicn  und  dcNonischcn  (icslcincn  inaditiiic  Ah- 
laizrninucn,  \\cldic  mil  cdilcn  Diahascn  in  cnizsU'in  Zusaninicnlian^c  sldicn. 
In  Siidlsrol  bildcl  rcinkiinii^cs.  ^csdilnnnilcs  Aiiizilporpliyriiialcrial  cine  rei:d- 
niassiirc  Fokc  von  diinncn 'rulVsdiidilcn,  \vcldic  das  Aussclicn  von  bald  lorkcren, 
li.ilil  fcstcn  korniiicn,  sdiwar/.cn  SandslciiHMi  l»csil/.cn  und  /wischon  den  Schich- 
(en  der  olteren  Trias  einLjesdiallel  sind. 

78.  Schalslein. 

Der  Sdialslein  isl  der  llauplsadie  nadi  ein  sdiieferiiier,  von  kolilensaurem 
Kalke  iin|)i-ii;4nirler  DiabasluH',  ^einenut  mil  Kalk-  und  Thonsdilamm.  Die  (Irnnd- 
masse  dessellten  ist  i'einerdi^.  sdiieferii;,  itrUn,  i;rau,  iU'llilidi  oder  rotlilidi  ue- 
I'.irlit  odcr  luinlirelleckl  und  durdi  und  durdi  von  kolilensaurem  Kalke  und 
xum  Tlieil  von  ChlorilsdiUppdien  iinpriiu;nirt.  Dieselbo  unusdiliesst  platlc  Hrudi- 
stilcke  \on  'riionsdiieler,  spiirlidie  Krjslallc  und  Korner  von  Fcldspalh,  und 
Korner,  l.aicen,  Nesler  und  Triimer  von  Kalkspalh.  Witlern  diese  Ictzteren  aus, 
so  enlslelien  lodiei'iize,  sdiwammii;e  (iesleine,  die  Bl  a  tterstei  nsch  iefer. 
Die  miltlcre  diemisdie  Xusaiiiineiisel/un;:  der  Sdialsleine  bclriii'l:  Kieselsaure 
:{'..  10,  Tlionerdc  13,  10,  -  Kisenoxyd  5,  SI),  —  Eisrmi\\dul  2,40,  —  Mag- 
iii  >i, i  I.<i0,  --  Kali  2,40,  — Natron  2,  HO,  Carbonate  von  Kalk,  Magnesia, 
Kiseno\\dul.  Man^anoxjdul  33 — 34,00,  -  NVasser  -5,10,  Phospliorsiiurc 

Spur,  —  spedlisdies  (iexviclit  2,0  -  2,8.  -  Man  kann  foli;cndc.  Varicliileu 
iles  Sdialsleines  unlersdieidcn  : 

a     norm  al  e  i-   Sdialslein  ; 

b  ma  ndelslei  na  I'l.iuer  Sdialslein,  mil\iel  kornern,  Knollen  und  Linsen 
von  Kalkspalh; 

c)  Sehalstei  nbreccie,     von    netzlormii;cn    Kalkspalhadern    durchzogeo, 
\\odurdi   die  (irundmasse    in   eekiiie  Sliicke   /.erllicilt    \\ird; 

d)  Se  ha  I  slei  ncongloine  rat; 

r     porj)  h  ^  rarli  |j;er  Scha  Isle  i  n  ,    mil  eingespreogton  Labradorkrvslallen. 

Die  Sdialsleine  slchcn  auf  der  einen  Seilc  mil  den  Diabasen.  auf  der 
anderen  mil  devonisdien  edilen  Sedimenlargesteinen  in  enj:sler  he/ieluing  und 
\ermitleln  den  I CberLiani:  y.\\  isrhen  beiden.  .Mandie  Sdialsleine,  so  ini  Nas- 
sauisdien,  fuliren  dexonisdie  Versleinerunuen.  Die  Sdialsleine  sind  namentlieh 
De\one  \.is>.nis.  dcs  llaiv.es  und  dem  Silure  liiilimens  eiiiiiesdiallet. 

i'ir  Jner,  Elemented.  Geologie.  7 


'.is  II.   Petrograpitische  Geelogie. 

Tii.  Tutte  <ler  trachytischen  uml  basalt  isclum  (icsteine. 

.1  Trach  \  Uuf  f ,  ein  l)iild  loekerer.  It.ild  dichter  und  fester  Tuff  von 
zerkleinertem,  /utn  Theil  zerselzlem  traehylischern  .Materiale.  welches  bald  eine 
kreideartige,  erdige,  bald  eine  kornige  sandsteinartige,  bald  cine  feinbreccien- 
arlige  Beschaffenheit  und  vorherrsehend  lichtgraue  oder  lichtgelbliche  Farben 
boii/i.  Die  Masse  umschliesst  nicht  selten  Kryslalle  von  Sanidin,  Hornblende 
und  Magiieteiseiierz,  sowie  fremdartige  Gesleinsbrocken,  enthalt  auch  zuweilen 
pllanzliche  Rcste.  ferner  Schnilre,  Nester  und  Triimer  von  Opal  (edler  Opal 
unvu'il  Kascliau  in  Ungarn)  und  geht  durch  Aul'nahme  von  Trachytgerollen  in 
Trachytcooglomeraf  ul)er. 

Die  Hauptlagerorte  des  Trachytluffes  sind  das  Siebengebirge,  Centralfrank- 
reich,  die  Mii^ancen,  die  I'mgegend  \on  Schemnitz  in  Ungarn. 

b)  Fhonolithtnff.  ein  weisserbis  briiunlich  grauer  Tuff  von  zerkleincrtein. 
phonolilhisehein  Material?,    welches   eine  nitirbe,    erdige    Beschaffenheit   besitzt, 
iiewohnlich  \er\\ilterte  Bruchstiiche  von  Phonolith,    sowie   Krystalle    von  Augit, 
Hornblende,   Sanidin,    (rlinnner   und   endlich   fremdartige   Gesteinsbrocken    um- 
schliesst   und    durch  Aufnahme  von  abgerundeten  Phonolithfragmenten  in  Pho- 
nolithconglomerat  Ubergeht.     Im  Hegau,   bei  Teplitz. 

c)  Bims stein  tuff  und  Trass,  ein  weisses,  gelbes,    graiies,   erdiges  bis 
diehtes,   sieh  rauh  anfiihlendes  Aggregat  von  zerriebenen  Bimssteintheilchen,   oft 
Brocken    von   Trachyt   und  Birnsstein,    ferner  Glirnmerblattehen ,    Sanidin-   und 
(iranatkrystalle  uinschliessend    und    mil   Bimssteinconlonierateii    eng    verkniipft. 
Am  Laacher  See,  bei  Schenmilz  in  rngarn,  in  der  Auv(>rgne,  in  der  Umgegend  von 
Neapel  dorl  Puzzolan  und  Pausilipptuff-genannl  ,  aufTenerifTa  (dorlTosca  genannt  . 
Eine  locale  Varietal  des  BiinssleintuH'es,  \\elche  in    den  Thalern  der  I'mgebung 
des  Laacher  Sees    (Brohlthal    und  Nettetlial     machlige  AblagerungtMi  bildel .    isl 
der  Trass   (Ducksteii^ .     Er  ist  eine  unrein  gelblich  graue.   erdige  Masse,  welche 
Fraginente  von  Bimsslein,   (Irauv\aeke,   Thonschiefer,   Basalt,   Lava,  und  Krystalle 
von    Sanidin,    Augit,     Hornblende,     Glimmer,    Hauyn,    endlich    auch    verkohlte 
Baumstiiinme    und    Aste    umschliessl  -und    /ur    Darstellung    des    hxdraulischen 
Mbrtels  verwandt  wird. 

d)  Alaunstein,  ein  weisser  oder  gelblicher,  erdiger  Trachyt-  oder  Bims- 
steintuff,    welcher  von   Alunit  in  feinen  Kb'rnchen  und  KrystiJ lichen  impra'gnirt 
oder  in  Giingen  und  Trilmeru   durclisclivviirmt   wird.     Bei  Tokai  in  Ungarn.    in 
der  Amergne,  bei  Tolfa  in  Italien. 

e  Basal tluff,  ein  diehtes  oder  erdiges,  schmutzig  graubraunes  Aggregat 
von  fein  zerriebenem,  ziemh'ch  zersetztem  Basaltmatei'iale,  \\elches  Brocken  von 
theil\\eise  zerselzlem  Basalte,  lenier  Krystalle  \on  Olivin,  Augit.  Hornblende. 
Glimmer  und  Magneteisenerz ,  sowie  Adern  und  Nester  von  Kalkspath,  Ara- 
gonit  und  Xeolithen,  endlich  organische  Resle  umschliesst  und  mil  Basaltconglo- 
merat  eng  verkniipft  ist.  Vergesellschal'tel  mil  diesen  und  \\ecliselliii:eiii(l  mil 
Basalldecken,  zum  Theil  als  Glied  der  Braunkohlenlonnalion.  lindet  er  sirli  am 
Vogelsgcbirge,  im  nordlichen  Bohmen,  am  llahiclits\\ald  bei  (lassel. 

I  I'eperin,  ein  schmut/ig  graubrauner.  feinerdiger.  \\eirher  Tuff,  in 
\\elchem  /ahlreiche  Kr\stalle  \»m  Glimmer.  Augil.  I.eiicil.  Magneteisenstein  \er- 


II.    Pelrographische 

theilt  liegen.  \\elcltcr  aiisserdem  cekiize  Bniclisliicke  \ou  \\eissem.  kornigem 
Kalkstein,  Basalt  mid  Leucitophyr  umschliesst.  Der  Peperin  bildet  cine  inai-liiige 
ueschiditete  Ablagerung  ini  Albaner  (ichiruc. 

g)  Piilagonit  tuff,  fin  izrscliichlclrr,  hrauncr  KasalttufT,  welcher  zalilrcidic 
klt-inc  hirtikt'lclicn.  cckiuc  Kiirncr  mid  Brocken  des  in  seinein  Ausscrcn  an 
KolnphoMimn  (M'iiiiuM'iidcn.  lioniuLiclhcii  his  hrauiKMi  I'ala^onitcs  umschlicssl,  dcr 
xu\\filcn  /.inn  \or\\,ilt»'mli'ii.  ja  so^ar  zum  einzigen  Bestandihrilc  des  Geslcincs 
\\cnlt-n  kann  Pa  I  ago  u  i  t  f  c  Is) .  Diesc  Varictiit  des  Basalltuftes  1st  \vahr- 
schcinlicli  durch  Umwandeiung  dieses  letzteivn  \\ahrcnd  cincr  liingci'cn  Sub- 
mersion miter  den  Meeresspiegel  enlstanden.  Ausserordentliche  Verltreilnnt: 
liat  der  PalagoniltufT  auf  Island,  ferner  auf  Sicilien,  den  cannrischen  Inseln, 
den  (ialapagos.  Derselbe  ist  jedoch  auch  in  der  Eifel ,  am  Habichlsvvalde. 
in  Nassau  naehge\\iesen. 

h  I.e  ueit  tuff,  ein  dunkel  gelblich  grauer  Tuff,  dessen  feinerdige  Grund- 
massc  \ci\\itterte  schneevveisse  Leucile  und  neben  diesen  Krystalle  von  Augit, 
(Jliiiiiner.  Sanidin.  sowie  BruchstUcke  von  Noseanphonolith  und  devoniselien 
Scliielern  mnsehliessi.  In  der  Unigebung  des  Laacher  Sees. 


Dritter  Absclmitt. 

Dynamische   Geologie. 


Die  dynamische  Geologie  ist  die  Lehre  von  den  Kriiften,  unter  deren  Mit- 
wirkung  das  Gesleinsmalerial  und  die  Oberftachenverhallnisse  der  Erde  eni- 
slanden  sind  und  noch  entstehen ,  sie  ist  die  Lehre  von  den  Agentien  in  dcrn 
Ent\\  iekelungsproeesse  der  Erde.  Als  solche  mllssen  nnincntlich  der  Vulka- 
nisnius,  die  inechanische  und  chemische  Thiitigkeil  des  Wassers  und 
die  Thiiligkeit  des  organischen  Lebens  gelten.  Filr  die  grossartige 
\Yirksamkeit  aller  aber  ist  die  Liinge  der  geologischen  Zeilriiumc  ein 
Rauptfactor. 

Der   Yiilkaiiisimis. 

Begriff  (les  Vulkailismus.  Unler  Vulkanisinus  verstehen  wir  den  Inbe- 
grill' aller  aus  dein  gluthfltissigen  Erdinneren  auf  die  Krdkrusle  wirkenden  Thiitig- 
kcilen  und  Kral'tjiusserungen,  -  -  den  Inbegrill'  aller  Koactionen  des  Iniifren 
unseres  1'la'nelen  gegen  seine  Rinde  und  Oberfla'che. 

Es  l)elliiitigt  sich  der  Vulkanisinus  nichl  nur  durch  Eruptionen  ge- 
schin  ol/ener  Geste  ins  masse  n  und  durch  Dampf-,  Gas-  und  lieissc  \\asser- 
ausslriimungen  und  AusbrUche  aus  Alofetlen,  Funiarolen,  Solfalai'en 
und  Gey  sirs,  sondern  aueh  und  /war  in  viel  haufigerer  und  einflussreicherer 
Weise  dureh  Erdbeben  und  /uni  Theil  mil  diesen  verkniipl'U-  Ni  \eau- 
verii  n  der  un  gen  \\eiler  Gebiele  ,  ja  gftttxer'C  online  nte,  so\\  ic  cndlich 
duri-h  iiirlir  odcr  \veniger  langsame  llebungen  einxelner  l.andslrichc  /  ti  (ic- 
l)irgs-  und  II  ii  hen  /  Ugen. 

1.  Vulkane  und  ihre  Thatigkeit. 
Hegriff  eines  Vulkanes.     Ein  Vulkan  ist  cm  llach--  oder  steilkegelfbrmiger 

Berg  odd-  Iliigcl,  der  durch  eincn  (lanal  mil  dcm  I'lrdimicrcn  in  Vcrltindung 
slclil  odcr  gcslanden  hat  mid  mancherlci  gaslormigcn ,  I'cslen  ,  bcsonders  aber 
glutbflUssigen  Malerialien  /mn  Ausgangc  <licnl  ndcr  gcdient  hut. 


III.    Bynamische  (Jeoiouir  KM 

N, ich  ilnvr  Haiiarl  und  Knt>ldmnus\\  eise  unterseheidet  iii;in  mil  K.  v.  See- 
bach  g  e  sr  h  i  fill  c  t  c  und  h  om  out'  n  e  Vulkane. 

i    Die  geschichteten    oder  Strato      Vulkane. 

§.  1.  Charakter  derselben.  Die  Straio\ulkane  hestehen  aus  mehr  od«-i 
\venii:er  regdm.i.vMgen  l.agen  oder  Sehichten  von  ausgeworfenem  oder  aus- 
gdlossenem  yulkanischem  Materiale,  wdche  von  einer  durch  den  Vcrbin- 
duniiscanal  mil  dern  Krdinnorn  reprasentirten  Axe  aus  nach  Ausseri  /n  ge- 
neigt  sind. 

l»i<-  Form  der  ineislen  Stratovulkane  ist  die  eines  mehr  oder  \\eniger 
si, irk  abgestumpflen  ,  tlachen  oder  steilen  und  auf  seinem  Gipfel 
kf^i-ls.  N.icli  ihrcr  l-'-nlstclHiti^sweise  ist  diese  Gestalt  der  Stratovulkane 
Scli\\.iiikiiiiui'ii  iinttMAvorfen ,  jeder  vulkanische  Ausbruch  vennag  eine  voll- 
Verandenmg  der  Conturen  hervorxubringen.  Eine  ganz  eigenthilm- 

l-orinaushildunt;  sind  die  Rippen  und  Furchen,  vvelche  von  dent  (lipfel 
in.iiii'liei'  /.  R.  javanisrlier  Vulkane  allseitig  ausstrahlen ,  die  Abhange  hinab 
laufen  und  nach  dena  Fusse  des  Berges  immer  tiefer  und  grosser  werden.  Ihre 
l<'.ni>telmng  ist  die  \\irkung  des  sich  gerade  auf  Java  oft  in  wolkenbruchartigen 
Massen  eiuiesscntlen  Regenw«ssers.  Ebensowenig  vvie  die  Conturformen  sind 
die  Di  men  si  on  en  der  \  ulkanenkegel  constant;  eine  fortgesetzte ,  gema'ssigte 
Tliatigkeil  erhohl  im  Allgemeim-n  den  Berg  durch  die  ausge\vorl'tMien  IVodncie, 
hel'tiue  \n>liiiiclic  hingegen  pflegen  ihn  theilweise  zu  zerstoren.  So  ist  der  Vesuv 
in  den  let/ten  iO  Jahren  um  etwa  150  Meter  gewachsen ,  -  -  die  Hekla  im 
.lahre  IS  Hi  um  150  Meter  niedriger  gevvorden.  Ueberhaupt  aber  schwanken 
die  Mohen  der  verscliiedenen  Vulkane  in  eben  den  weiten  Grenzen  wie  die 
der  nicht  vulkanischen  Berge.  Es  gehoren  einige  Vulkane  zu  den  hbch- 
sien  Gipfeln  der  Erde ,  der  Aconcagua  erreicht  22,434  Fuss,  der  Cotopaxi 
17,742,  «ler  Aetna  I0,ioo,  der  Pic  von  Tenerifla  11,408  Fuss  Hohe,  - 
andere  erheben  sich  kaum  :{()  Meter  ilber  das  Territorium ,  auf  das  sie  aufge- 
sel/t  sind. 

Als  der  \\icliiigste  Theil  der  Stratovulkane  ist  der  Canal  anzusehen, 
\vddier  durch  die  I'este  Krdkrusle  bis  auf  das  gluthtlltssige  Erdinnere  reicht, 
\\o  tier  Ansgangspunkt  der  \ulkanischen  Thaligkeil  7.\\  suclien  ist:  er  bildet 
den  Wei:,  auf  \velchem  liasformige  oder  glulhllilssige  Knijilionsmaterialien  aus 
der  Tiefi-  bis  /.ur  I'lnloberllache  gdangen.  V.r  isl  Ubrigens  nur  bei  im  /n 
stanch1  der  Thatigkc-il  hdindlidien  Vulkanen  ollen.  d.  h.  flir  vulkanische  Pi-o- 
ducfe  passirbar,  bei  erlosehenen  oder  im  /ustande  dc-r  Huhe  bc'lindlichen 
Vnlk.inen  hingc-gc-ii  isl  er  durch  erstarrle  l.a\cn  \erstopft.  Seine  obere,  meist 
trichler-.  kc'ssc-l-  oder  Idlcrformig  er\\c'ilei-le  Miindung  heisst  der  Kraler,  an 
\\eldieni  man  \\iedennii  den  Kralerrand ,  die  Kralerwiinde  und  den  kraler- 
boden  miterscheidel.  Vic-lc1  Vulkane  besil/.c-n  ausser  dem  meist  cM-niralc-n, 
/.u\\cilen  alter  aucli  auf  dcm  Abhange  geleuenen  nodi  einen  /\\cilen  llaupl- 
kralc-r  oder  x.ahlreiche  radial  angeordnele  Nehenkratere  mil  da/.u  izc-liorigc'n 
pai'iisitischen  Kc-gdn.  So  hat  der  Pic  von  Tenerifla  und  der  Mauna  l,oa  z\\ei 
Hauplkraterc' .  so  sind  ferner  am  Aetna  700,  am  Vesuv  30  kleinere  Eruptions- 


G  cologne, 

schlilnde   ge/iilill    \\urden.     Kinigcn   dcr   hoehsten  Slralox  nlk.ine   lehll   ein   eigent 
licher   Kraler.      Hire   Krnptiimsersdieimmgen    crfnlgen    ans  Spallen.    die    sidi   an 
den    Abliiingen   dcs   Kegcls   bildcn,    so  am   grosscn    Ararat,    am  Anlisana   in  Sild 
Amerika    u.    a.      Die  Diinensinnen    dcr  kralere    sind    ansserordeiillich   imgleich: 
\on   ciner  sclmachcn   Vcrlicfnng  anf  deni  Gipfel   dcs  Vulkancs   bis  zn   schrollen. 
kesscllormigen    Reeken    \on   3000,    .'iOOO   nnd   (5000   Meter   Durclnncsser  sind   alle 
(irosscn    \erlrclcn.      Dcr  Kraler  des   Slromboli    inisst  gegen   (570,    dcr  des   \Vsn\ 
t'n'O  .     des    I'opocalepell     1700,     dcs    Kilanea    auf    lla\\aii    cl\\a    -V|00     Meier    im 
Durchincsscr. 

§.   2.    Material   dcr  Vulkaneukegel   und   daraiil*  basirtc  Kiiillieiliini: 

der  Stratovillkane.  Die  Malerialicn  dcr  slralovnlkaniselien  Kegel  sind  Knip 
lionsproducle,  \vclchc  sich  inn  den  Ausbruchscanal  anhiinftcn  nnd  inchr  mler 
\\enigcr  schncll  zu  cinein  Merge  anwuchsen.  .Ic  naehdcin  nun  enl\\eder  inn 
Lava,  Tuff  oder  \iilkanisclier  Sclnitl  nnd  Sand,  jcdcs  fur  sich  allcin.  mler  alle 
drci  genicinsam  an  deni  Aufbau  dcr  Vulkaneiikegel  Theil  genoininen  habcn. 
sind  die  Charaklerc  dersclben  \ersdiicden,  so  dass  man  diesclbcn  gclrcnnl. 
a  Is  Lava-,  Tuff-,  Schutt-  und  gemisehte  Vulkaneiikegel  bclrachlen  muss. 

Die  Lavakegel  \erdanken  aus  dem  Kraler  fliessenden  geschinolzenen  (ic- 
slcinsmasscn  ihreu  fi'sprung.  welchc  sich  bci  dcr  ihnen  eigcncn  LeichlHiissigkeil 
uni  den  Eruplinnscanal  hcruin  ausbreitelen  und  sich  seJbsl  auf  wenig  genciglen 
Kbenen  fortbewegten.  Die  Folge  davon  \var  die  Bildung  ausserordcntlich  flacher 
Kegel,  deren  Bbschung  gewohnlich  nur  3  bis  10  Grade  betragl  und  die  ans 
lauler  einzelnen,  \venig  geneigten,  fasl  horizontal  liegenden  Lavaba'nkcn  bcsichen. 
Die  grossen  Vulkane  auf  den  Sandwich -Inseln.  der  Mauna  Loa  und  dcr  Manna 
Kca.  bcide  gcgcn  i3ol.l  Meier  hoch,  sind  solche  La\akegel  mil  cinein  durchschnitl- 

j.  lichen  Abfall  von  H  bis  <s 

Graden,  sodassdci'Durch 
inesser  des  Mauna  Loa  (500 
Meter   miter  scinem  (ii|t 
felilber  i  dculselicMeilen 

Kig.  !i.  Frolil  der  beiden  Latakegel  M.  Loa  uud  M.  Kea  uuf  Hawaii.  betlVigt  .    DicNN  iillde  seiner 

bciden  Kralcrc,  \on  deuen  der  seitliche  (der  Kilauea  dcr  /.\\cilgrossle  dcr 
Krde  isl  .  stiir/cn  in  /\\ci  Terrassen  senki-cchl  ab  und  sind  aus  horizonlalen 
Lavabanken  aufgebaul. 

Die  Tuffkegel    cut 
slehcndiidurch.  das^brci 
artigcTnlVmasscn  ddcrmil 
licissem  \\asser  gcmenglc 


,  Ki_-.    |(i.   1'rolil   il''-    Kr;iti'i~   Kilanea   l^lo. 

i;ri.st-tfr  I>iirclini''ss<T  Mini   Mrtcr.   Tii-fi'  'JlKt  bis  li.SO  M^tcr.  Lapilli.   Sallde   Ullll  AsellCII 

ans  dem  I'j'iiplionseanalc  Irclen.  sich  anfanglich  zu  eiiieiu  \\alle  rings  inn  den- 
sclbcn  anhaufen  nnd  sich  spaler  slromarlig  ilbcr  den  so  gebildeten  kralerrand 
crgiesscn.  Hires  breiarligen  /uslandes  ucgen  <  rl'orderl  ihre  l;orlbc\\egung  cine 
veignng  dcr  I'lilerlage  als  diejcnigc  der  Lavakegel.  Sic  bildcn  dem- 
Sdiidiien,  die  unter  15  bis  30  (iradcn  uach  Aussen  fallen.  Audi  das 
Innere  des  ge\M>lmlich  tcllerforniigcn  Kralerbassins  \\ird  \un  soldicn  Tunsdiidilen 


au.Nurkloidol,  \\olrho  dann  llach  iiach  dom  Kniptinnscaiialc  xu  gonoigl  sind. 
Dorarligo  TnlVkogol  rcsiilliron  namenllich  in  Foliar  soillichcr  Kruplion  grosser,  in 
der  Nalie  dos  Moeres  gologener  Yulkano. 


Fig.  11.  Profit  eine-i  Tuffkegels. 


Fig.  12.  Profil  Pines  Scliuttkegel*. 
(Assumption  -  Island.) 


Die  Sell  ut  I  keg  el  \\erdon  (lurch  Aiihaufung  dor  mis  dem  Kruptions- 
eanalo  in  fast  senkrechter  Richlung  und  zuwoilon  bis  xu  erslaunlichcr  llohe 
emporgegctteuctartea ,  daun  in  unmitielbaror  Umgebunu  dcs  Schliindcs  zurilek- 
fallendon  losen  Milkanischcn  AuswOffKbge  ^childol  und  bcslohen  dcinticnuiss 
.ins  HlookiMi  \<MI  I.a\a,  schlackiiicn  Lavaklmnpon,  vulkanischon  BoinlxMi,  l.apilli, 
vulkanisclicn  Sandcn  und  Aschcn.  l)i(>S(\s  Malrrial  isl  schirhlen\\cisc  m>sondcrt, 
so  dass  l.aia'ii  von  grohoin  und  fcinein  Haufwerko  mil  cinandcr  al)\vccliscln. 
Die  /urilekfallenden  Auswtirflrage  liaulcn  sich  mil  dcr  Zcil  zu  Kegeln  an,  derm 
Seiten  und  sehiehtenartit:e  Lai^en  35  — 15  Grad  Ncigunti  nach  Aussen  hcsil/cn 
und  deren  Kratere  ili<>  Form  rngrr,  sloilor  und  schlotahnlielior  Schlilndo  baben 
liu.  12).  Die  Seluillkeiicl  sind  in  dor  erslcn  Zoil  naeh  ihrcr  Enlstchung  sclnNaiv. 
neliinen  aber  allinahlich  in  Folt:e  \\eiterer  Oxydation  ihrcs  Gehaltcs  an  Kisen- 
<>\\dul  cine  rothbraune  Farbung  an. 

Die  Kogol  von  gcmischlcm  vulkanischcin  iMalorialc  bestehen 
aus  abwechselnden.  inehr  oder  \\cniijer  iiiachtigen,  schichtenartij:  aiis^ebreiteteii 
Lavaslrninon  und  l.a^en  von  losen  Ausvvilrflingen,  \\olchr  \\iederuin  von  Lava- 
uaiiuen  durehsel/i  \\crden  kbnnen.  Diese  stMikreehlen  Lavagangc  sind  ztmi 
Thoil  Ausfilllungen  \on  radial  voin  Kraler  ausstrahlonden  Spaltcn ,  vvclche-  bis- 
\vrilrn  inehrcrc  Hundort  Meier  I  Jingo  orroichon.  In  dcr  Aufeinanderfolgc  des 
\erscliiedenartit:en  Maleriales  Jierrsehl  keinc  Gesetzmassigkeit.  Bald  vvird  dor 
uiilcre.  llacliero  Thoil  des  Vulkanonkcgols  von  Lava  und  soinc  obero,  sleile 
I'arlie  \on  llauf\\erk  uebildel  'so  bciin  Aetna  :  bald  bostohl  dor  Kralorrand 
aus  solider  l.a\a  und  dio  Basis  dos  Borgcs  aus  loscn  Auswilrfliniron.  Xur 
<llasse  dor  uoinisohton  Keuel  t;ehoron  dio  incislen  Vulkano ,  so  doi1  Vesu\  ,  der 
Aetna,  dio  Vulkane  dor  l.aaehor  Gogond. 

§.  :t.  Untergrund  der  Vulkano.  Die  Gestoinc,  durch  welchc  sioh  die 
\ulkanisehe  Thatigkoil  Halm  brach.  und  auf  \\elehon  die  Vnlkanonkogol  para- 
silisch  aufgesettt  sind.  golioron  don  inannigfaohslon  Arlen  und  don  vorseliieden -- 
slcn  goolniziselien  l-'ormationen  an.  Sic  sind  thoils  selbsl  erupli\or  Natur  und 
selbst  bereits  friilier  aus  der  Tiefc  emporgodrunucn.  llieils  sind  sic  sodimen- 
tiiren  rrsprungs  und  Glieder  der  ijcschieliteten  (iesteinsreiho.  Auf  (iranilen 
ruhon  dio  Vulkane  dec  Au\ergne  und  <-iii  Thoil  doror  son  Quito,  auf  Diabas, 
Diorit  und  Porphyrit  die  Vulkano  dor  Canarischon  Inseln.  auf  (inciN>.  (iliminei 
und  Talkschieforn  die  Vulkane  des  Vivarais,  Volay,  so\\ie  des  l^lbrus,  auf  pa- 
laeo/oischeu  Sehiofern  und  Grauwacken  die  Vulkano  dor  Kifol  und  des  Laaehor 
Sees,  auf  tortiiiren  Sehichlen  der  Aetna  und  dio  Nou- Seolandisohen  Vulkane. 


III.     l)\  ii.miiM-lii'    li 


Hesonders  \\idiiigc  Sdiliisslnlueninuen  gcstatien  die  LageniDgsverhsHnissc! 
der  gesdiidilelen  (iesleinc.  \\o  diese  \<>n  \ulkanisdicn  MJISSCH  dnrdisctyl  mid 
nlirrdci-kl  \\cnlrii.  Mini  n.ihin  1'riilicr  mil  I..  von  lindi  mid  A.  \un  HIIMI|MI|(|| 
in  den  iiicislt-M  Fallen  ;ui.  diiss  die  vulkanisdie  Thiiligkeil  cine  centrale  Kr- 
liebiinu  dcr  rings  inn  den  Kruptionslierd  bclindlichen  (ieslcinc  /.nr  l-'ol;je  ge - 
haltl  halte.  in  dcr  \\Visr .  diiss  die  ;nil' den  benadibarlen  sedimcnliircn  Sdiidi- 
ten  gelagerlen  TuhV,  Aselien  und  Sdmlllagen  Hire  ufiu-i^te,  von  dcr  Ansbnidis- 
c.ssc  abfaUeode  LILIC  durdi  die  licl)cndc  kriill  ciiiLiccn^lcr.  \(ir/iii:licli  |i;isl'(ir- 
nii^cr  l'j'iipli()iis|ir(idiiclc  crluillcn  hiittcn.  An  cincr  dcr.ii'lii:cii  AiilVidiliini; 
h.itlcii  unlicdingt  ;mch  die  die  Grundliiuc  do  \  iilk.iiiisdirn  M.ih  ri;ils  liildcndcn 
-cdinicntiircn  (Icstcinc  'I'hcil  ticlmien  mtissen.  Mil  diosein  Krlnnlcrniss  stimuli 
die  Beobjichlimu  nicht  iiberein ;  viclmclir  ci'uicbl  sidi  ,nis  dcrsclltcn.  d.iss 
die  Lagernniisvcrluiltnissc  dcs  Untergrundcs  dcr  Vnlkiincnkcucl  \on  den  l^rnp- 
lionscrscheinungen  nidil  in,  (ici'ingstcn  Itccinflussl  \\ordcn  sind.  Rcispidc  d.i 
filr  liefern  die  trotz  zablreidicr  vulknnisdicr  Durrlihiiidic  vollkoniincn  iniLzcsinri 
(d.  h.  in  ihrer  friiheren  Stellung)  gebliebenen  Ldgerungsverbdllnisse  dcr  Sdiic- 
Iri  und  Quarzile  der  Laacher  Gegend ,  sowie  der  Kalkstcinc  und  Sdiicl'cr  dcs 
Kli.isberges  auf  -Sanlorin.  Damil  l';illt  audi  die  Theoric  son  dcr  KiiistdiniiL' 
IZCNN  isser  Kratere  und  der  steilgeneigten  Stellung  vulkanisdier  Sdiiditcn  dni'di 
Mrhebung  (Theoric  dcr  Krhebungskratere  . 

Ans  Obigem  ergeben  sich  /.\vei  \\ichtige  geologische  Resnltate :  I)  Die  \ul- 
kiinisdic  Tliatigkeil  ist  unabhangig  von  der  geognostischen  BdsebaffenheH  cincr 
(legend,  i lire  Ursa che  muss  deshalb  eine  von  jener  nnabha'ngige,  liclcr  liegende 
scin.  2)  Die  I.agcrungsverhaltnisse  des  Untergrundcs  \  ulkanisdier  (iebictc  sind 
durch  \ulkanisdie  Eruptioncn  niclit  gestort  vvorden ,  namentlidi  ;ibcr  ist  mil 
diesen  lelzteren  keine  centrale  Aufrichtung  der  die  Vulkaneukrgel  bildcnden 
Lavii-  und  SchuUschichteo  verbunden  gewesen. 

§.  i.  Kingformige  Umwallungen,  Einsturzkratere.  Kine  ansdieinend 
zosammengesetztere  Form  als  die  bisher  beschriebenc  ndimen  die  Vulkane  .m. 
\venn  ihrc  eigentlichen  Eruptionskegel  in  grosserer  oder  geringei'cr  Mnll'ci -nung 
von  einer  ringformigen  Urnvvallung  umgeben  sind.  Dieser  Ring\\all  besleht 
aus  Lavabanken .  \veldie  mil  Tutt'-,  Sand-  und  Sdintlsdiiditcn  \\echsellagern 
iiinl  \\  ic  diese  n;idi  Aussen  gcneigt  sind,  naeh  Innen  /u  abcr  sleil  ;il>sliir/.en. 
so  dass  sic  einen  weiten  Kcssel  iinisdilicsscn.  innerhalb  (lessen  sidi  dcr  l-j-up- 
tionskegel  aufgebaut  hat.  Der  Monte  Somma  ist  cine  soldie.  Ireilich  nur  Ilieil- 


Fiu.   i:».     Pr,.til  eines  »lt«rcii  Stratovnlkanf  s  I.MIIPS  KiiiRwullcs)  un<l  oinrs  jiinRprpn  Kruptionskegels 
in  <lr,n   Kinsturzkrater  de«  ertiterrn.     a.   VrrsHir^tn   alt-r  -iiAlnvulkan.     l>.   Ausfnlluiiu'  and   AoscbanD 
kratcrs  .lfi.-srlli.-n    durch   Schull    \<>ii   d.-n    k  r;it.TW»iid.>ii.      C.    N''ii'T   B«ptlWI8k«g«l. 
,/.  Spiliiii.'Mlar-Scliicliti'ii  di's  Uiitorj;ninclos. 


\\eise 


erliiillenc    riniiforinige     rin\\allniig    des     cigetitlidien     Vcsu\kegels.       M,m 
frilher.     \\ie    im    voriuen    I'arjiizraplien    i-r\\;ilint,    die    Knlsteliimg    dieses 


Ill        l»\n;ilili>dli'     (i 

an»i  ren    kratcr\\allcs    .ml    ccnlrale    lle|iuni:cii    \iui    la  >l     liori/nnlal    ahuelauerlen 
Sehiditen     \ulkanisdien     l'rs|n  unues    y.unick     und     nannle     die    anueblidi     durcli 
Hcrslun:-1    der    Sehiehlen      in    der    AM-     der    Krliebuni;     enlstandene    KinsenkmiL; 
'•Krliebuni:skraler         M.III    hal   jedodi    diese    iius.srreu    DmwallungeD    .ils    niclits   an 
deres    aur/ul'assen  ,    diMiii    ills     Kesle    eincs    alleren    und    /.inn    Theil    \ersliiryteu 

Stnatovulkanenkratersj    in  dcs>cu  Mine  sidi  die  Eruptionsproduete  cinen  ncuon 
\\  cu  balmien  mill  ciiicn  ncuen  ErupUooskraler  iiiiHtiuih-n. 

(j.  '•'>.  Waart'.  \\  <ilnvnd  die  eiuenlliclien  Slr;ilo\  ulkiiiu>  ails  einein  Seliult- 
odei-  l.;i\.ikem'l  heslelieii.  ill  \\elehein  dcr  Kr;ilcr  cin.ueseiikl  isl,  Irclen  in  \  ic- 
Icn  Milkiiiii.M-licn  deuendi'ii  kcsscliirliuc  kr.ili'i-eiiisenkun^en  iilll'.  \\elchc  cnl- 
\\edei  iiur  \<MI  einein  u.in/.  nicdrijicn  \\iille  \on  Tull'  mid  Honihcn  iniii:cl»cii 
Mini,  ndcr  sclhst  dieses  cnlhehren  und  nur  dnreli  einen  Kr;in/.  von  Hruelisliicken 
ihrc>  Nclicnuesiciiics  nniuiirlel  \\erden.  nic  alter  Lii\cn  zun»  Ausllusspunktc 
uedient  lialx-n.  Sie  hcsil/cn  moist  o\alo  oder  \ollkoniincn  kreisriinde  I'mrisse, 
sind  liiiuliu.  ;ilier  nielil  imnier  mil  NViisscr  iiiiiictullt  und  hildon  dann  reiiel 
in.i.sM.-e.  nur  sellen  mil  ciucm  /.u-  oder  Ablluss  \crsehene  Sceheeken.  M,m 
lie/ciclinet  sie  ills  k  e  s  s  e  i  k  r  a  t  o  re  oder  Mil  arc.  liber  Hire  Entslelinniisucisc 
lierrschen  \erschiedene,  noch  nieht  eodgttHig  cnschiodcne  Ansichlcn,  indem 
sie  /nm  Theil  als  dureli  |-!\|ilosion  unterirdiseher .  lioeli;j:es|i;mnler  (iiis-  und 
Dampl'  Ansainmlnnuen  liersoi'izelnvieliU*  ».Minenlrielilen<  l^xplosionsknitere  .  /.nm 
Tlicil  .ils  EinsturzvertiefungeD ,  \er;iidasst  dnreli  Ahselimcl/cn  dcr  tict'cren  (ie- 
sleins|tartieu  und  dadurch  hedintilc  l.oekernnii  des  SeliiehU^xerbandcs  hcli-iieli- 
lel  \\erden.  \\  ie  m, MI  aueli  uher  iliren  ITrspruns;  dcnkcn  iniiijc ,  so  seheinen 
sie  doeli  das  crslo  Stadium  in  dcm  hildunL;s|)roeesse  dcr  Slr.ilo\  ulkiinc  /n  re 
|tr,i>entiren.  indem  /\\  iselienlormen  y.uiselien  den  liohen  \ulkiinenkeiieln  und 
den  dcr  rm\\alluni:  cnllielircndcn  Kcsselkr;ileren  den  i;enetischcn  Xusamnien- 
liiini:  liridei  lu-knnden.  M.i.nr  uud  Slr;ito\  ulkanc  sind  dcmuach  (lurch  ,ill 
m.diliche  llieruanue  \crlnmdcnc  Ausltildnnusslul'cu  cin  und  derselltcn  ICnt\vickluuizs- 
reihe.  dcr  in  dcm  Maaiv  (lurch  l.ockci'iuiii  dcs  Cesteines  gedffnete  \\Cii  iiah 
\  er.inliissniiu  /.u  \\iederliollcn  I'lruplionen  \ou  (iascn  und  Lavon  uud  somit  dureh 
iillniiiliehc  Anhaufuni;  dcr  \ulkiiniselicn  I'rodnele  y.um  Aiifhau  cincs  Slrato- 
\iilk. ine^.  Audi  Peutsehland  hesil/l  in  den  \ulkaiiischcn  (ichiclcn  dcr  1'lil'el 
und  der  I  mueuond  \oii  Laach  cine  An/.ahl  soldier  Maarc.  Die  Itckiiimleslen 
sind  d;is  I'lilxcrmaar  hci  (lillciileld,  das  NN'eiiil'clder  und  d;is  (icmiindener  Miiar 
hci  Daun  .  \vcldic  in  de\onisehe  <irau\\aeke  uud  Thonsdiicrer  ciniicscnkl 
sind.  Audi  dcr  l.aadicr  Sec  sclhsi  \\ird  \on  .Manchcn  I'iir  cin  Maar  ge- 
hiillen.  Hirer  Schniihcit  \\ei;cii  beriihml  siud  y.\vci  mil  Wasser  ucliillte  Kr;i- 
Icrkcssd  mi  Alkmer  (iehirge.  del1  See  son  Alkino  nnd  der  \on  N'emi  : 
HUQSerordenllicb  reidi  isl  ferner  .lava  an  a'linlidien  .  den  Maaren  analoiicn 
Mlduogen. 

§.  (i.  I  nters«'i'isrlu'  Vulkane  und  Viilkancniiisolii.  Hei  dem  ul»er- 
\\ieucud  iirossen  Ai'calc.  \\cldics  das  \\asser  iiul  l-lrdeii  eiunimml,  isl  y.u  ci'- 
\\iirlcu,  dass,  so  \\  ic  auf  dcm  Iroekenen  l.andc,  audi  aid'  dem  .Mccresi;rnndc 
\ulkaniselic  Kni|tlioiien  sliilllindcn .  in  l-'olge  deren  VulkancnkcLiel  enlslehen. 
Di(>  iirosse  Mchr/ahl  dcrsclbcn  mai:  die  Ohci'lliidic  des  Meeres  j^ar  nidil  errei- 


Illli  III.     iKn.imi.M'lio    (n-olo-ic. 

chen.  \\alirend  andore  dioselbe  liocli  iiborragon  Vulcaiio.  rino  dor  liparischcn 
Inseln.  H!»  M.  .  der  Kosiniii.  /wisohon  Nipon  und  .leso.  232  .M.  ,  und  ondlieh 
noch  andore  sich  nur  mil  ilirem  Kraleirande  fiber  den  Meero&apiegel  erhoben. 
In  lot/torem  Falle  \\orden  \ollkommon  gesohlossene.  moisl  abcr  ;in  einor  Stollo 
untorbroelione .  ringforinige  Vulkaneninseln  gebildet.  Dieselbon  uinschliessen 
fin  kreislormigos  odor  elliptisehes  Seebeeken.  in  (lessen  Milte  niclil  selton  oin- 
zolne  kleinere  Inscln  erschoinen  .  \\clohr  oinen  jUngeren.  eenlralen  Krnptions- 
knilor  ropriisciUiron.  Solcho  Kratorinseln  sind  /icnilich  /ahlroich.  jodoch  in 
Foljio  der  loichten  Zerstorbarkoit  ihres  loson  Malcrialt  s  /.nin  Thoil  so  vcriiant:- 
lichor  Natiir.  dass  si<-  liiiuliu  dor  xorsliirondcn  Goualt  dor  Wouon  nidi!  /,ii  \\idor- 
>l(ihon  xonniiiion  und  dann  nach  kurzoin  Dasoin  \\iodor  \orsoh\vinflon.  Nnr 
\\onn  ilinon  duroh  solido  I.a\aniasson  Halt  gegeben  \vird.  uowinnon  diosollion 
an  HosUind.  Santorin  ini  i-i-ioohisohon  Arohipol,  Deoeplion  Island  Slid  \Valos  . 
Amslordain  Island  sind  ausgozoichnoto  Bcispiclo  solcher  Kralerinsoln .  \\ahronrl 
dio  iin  Jahro  IS.'H  ini  niiltollandischen  Meere  zwischen  Sicilicn  und  Panlollaria 
onlslandono  vulkanisrho  Insel  Fordinandoa.  dio  unler  fort\vahrondor  Kruption 
bis  /u  7^  M.  Hoho  gowachson  war.  nach  halbjahrigoin  Besk'hon  \viodor  \or- 
schuand. 

§.  7.    Kiiiiniliclio  Verkniipfuiig   cler  Yulkane.    Vulkanenreihen    und 

Vlllkanengrupp^ll.  Dio  Vulkano  Irolon  onlwedtr  isolirt  als  Einzoh  ulkano  odor 
in  oiucr  grossoron  Anzahl  vergcsollsohaftet  auf.  Die  Gruppirung  dor  lolzloron 
scheint  oinor  gowissou  (ioselzmassigkeit  zu  unlerliegen ,  \volohe  sioh  ent\\oder 
in  oinor  reih  (;  n  form  ige  n  Anordnuug  oder  einer  haufenformigo  n  7.  li- 
sa in  mo  u  d  rii in  gang  dor  oinzolnon  Individuon  kimd  giebl.  Nach  der  raum- 
liohon  Ko/iohiing  <lor  Vulkano  /,u  oinander  untorscheidot  man  doninaoh  Vul- 
kanonroihon  und  Vulka  u  en  g  ruppo  n. 

\iilkanenreihen  sind  dor  Inbegriff  einor  gross*'^1!!  An/ahl  von  Vul 
kanon.  seiche  in  oiner  Linie  an  einander  gereiht  sind.  Die  Reihenvulkano 
erheben  sich  entwoder  als  vulkanische  Inseln  Uber  den  Meeresspiegel  Ktirilen. 
Alouton,  Antillcn),  oder  sio  stehen  auf  deni  Riicken  oinos  (iebirges  oder  Pla- 
loaus  und  bildon  dossen  Gipfel  so  die  Vulkanenreihen  \on  Quito,  Bolivia  und 
.Mexico  .  Dio  Zahl  der  zu  einer  Reihe  zusanunenlretonden  Vulkane  schwankl 
lu-lrai  lillich.  Die  Vulkanonroilio  von  Chili  bcsteht  aus  33,  die  von  Kanischatka 
aus  :{S,  dio  dor  Aleuton  aus  48  Vulkanen.  EbensoNsonig  horrscht  eine  Rogol- 
massigkoil  in  dor  (Irosso  dos  Abslandes  z\\isoh(Mi  don  einzelnon  Individuen  der 
Vulkanonroiho.  In  manchen  Fallen  sk^hen  die  Kegel  so  dicht  "neben  einandor. 
dass  sio  sich  mil  ihrer  Basis  borilhren,  in  anderen  betriigt  ihr  niilllerer  Abstain! 
•  i  Mrilcn  so  in  der  Vulkanonroilio  \  on  Chili  ,  in  nooh  anderon  \i  so  in  dor  von 
Mexico  .  Anch  die  Liinge  dor  Vulkanenreihen  schwankt  zwischen  \veiten  (iron- 
/on.  Die  chilenische  dehnl  sicli  £iO,  dio  poruanische  105,  die  der  Aloulon 
170  Moilen  aus;  fasst  man  dio  Vulkano  an  dor  Westkilste  Mittol-  und  Siid- 
Amorikas  als  eino  oin/igo  Reiho  auf.  so  orroicht  dieselbe  oine  Ausdolmuni:  \<>n 
fas!  I  (MM)  Moilen.  Die  Linio .  auf  wolohor  die  Vulkano  /.u  einor  Reihe  ange- 
ordnoi  sind,  hat  onl\\oder  auf  ihrer  ganzen.  ol'l  seltr  bodeutondon  Ausdohnung 
einen  geraden  Verlauf,  oder  sie  ist  ot\\as  uebo^en.  Die  sclion  melirmals  or- 


III.    byitainisciic  (ii'do^ie.  107 

\\almle  Vulk; menreihe  \iiii  (ihili  isl  Irol/  Hirer  Lirossen  l..mue  lasl  Millkoinmen 
iieradlinii::  elienso  die  \oii  .Mexico.  Als  ansue/.eidinele  Beispiele  btgenfbrmig 
uekrumniter  Heihen  komieii  die  Aleulen,  Kurilen  uiul  <lie  kleiuen  Antillen  uel- 
tcn.  Kine  itutliilliue  KiuenthUniliehkeil  dieser  \ulkiii\isclien  liiselscliimreii  isl  es. 
il.iw  sic  slels  die  eon\exe  Seile  ihres  Hourus  dein  otVenen  Meere.  die  Ollnunu 
des  Hoizens  deiu  r'esllande  /uwenden.  /u\\eilen  lauleii  /.\\ei  soldier  Ynlkanen- 
rrihrn  parallel  nelien  rinandrr  her  so  in  der  Anserine,  ini  lloclil;inde  MIII 
Ouito.  mi  \\eslliclien  Theile  \on  .la\a  . 

Das  deset/.  der  reihenforiniuen  Anordnm«n  der  Vulk;ine  Irill  nichl  nur  ini 
drnsseii.  \\  ie  .111  ol»ii;en  heispielen  erliiulerl  .  lier\or,  sondern  innchl  sich  ;uicl) 
ini  Kleinen  ;in  der  (inippirnnu  der  p;inisiliscli  deiu  HauplN  ulkiiiicnkeuel  iiul 
Nil/eiiden  Nelienkeiiel  uellend,  \\elche  el)enf;ills  liiinfii:  in  ueriidliniiier  Kiclilnni; 
iiiieiiiiinder  uereihl  sind.  Klu-nso  \\ie  diese  .ml  Hissen  des  llaupl\  iilkiiues  x.iir 
Aiisluldiini:  ueliinut  sind.  so  isl  ;nicl)  die  iiesely.iniissisie  Anordiuini;  der  urossen 
Heilien\iilk;me  diirdi  Spjilten  in  der  Krdkrusle  Itedinut.  deren  oll'ene  Stellen 
di<>  <Mj;enllichen  Krupli(tiKSc;iiKile  der  Vulk;ine  hilden.  Mil  dieser  Deiilunti  mid 
drin  rnisliinde.  diiss  die  Vulk;moiireilien  x.mn  liriisslrn  Thrile  auf  die  Kiislen 
4lrr  (loiiliiirnle  ln-schriinkl  sind  mid  diesen  ini  All^emeinen  panillel  liinlen. 
sliininen  ;nicli  unsere  Ansiclilen  (liter  die  l<;nlsl(>liiuii:s\\rise  drr  (Iniilinriile 
ulterein.  \\elchr  ;ils  ^eliol»ene  l';irlirn  drr  iiehorsleiien  Krdknistr  aiir/iifcisson 
sind.  mid  deren  Ahlrennmiu;  \on  dein  sulniuirinen  Arr;ilr  cine  Sp.illenltildmii; 
Miriiiisueu.uiuen  sehi  muss.  An  einer  frUlierrn  Stelle  'pnt:.  10)  isl  hereils  her- 
\oruehohen  \\orden,  diiss  die  heiden  urossen  (loiitineiiliilniiissen .  \\elche  das 
l;e^tl,ind  der  h'.rde  miiliissen  ,  in  I'iisl  rechleni  \\inkrl  auf  ihrr  l.an^srichtllliu 
dun  h  liefe  hiichlen  mid  \Yas.srrstrassen  in  eine  nordlirlir  mid  cine  sildlichr 
Haltle  ueiheill  vvordoii.  Dass  diese  Trennung  keine  oherflarhliche  ist,  sondern 
,ml  Sp.iltenliildnnuen  in  der  Krdkrusle  heruhl  .  darauf  deutet  der  Rrirhlhuni 
jener  Dislricle  an  Vnlkanen  Inn  :  die  Hnchl  /.uischen  \ord-  mid  Sild-Ainrrika 
mil  den  kleinen  Anlillen.  das  Millellandisclie  Meer  mil  den  Vulkanen-(ie- 

hielen   der   liparischen    Inseln.    Siciliens.    der  apenninischen    Hallmisel,    der  i:rie 
chisclien    Inseln   mid    Kleinasiens.      -  das   Holhe   Merr   mil   seinen  VnlkaiH-ninseln 
mid   KiisleiiMilkunen,      -   die  (Iren/.klufl   /.\\ischen  dein  asialisehrn    mid  austra- 
lischen   (ionlinenle    mil    .lava,    (lelehes   u.    s.    \\ . 

V  n  I  ka  n  en^rup  pen  sind  Veri;esellscliidlmiuen  melirerer  Vulkane  ,  cnt- 
\\eder  dime  dass  denselben  iri;end  eine  erkennliare  Iteuel  /u  (irnnde  lietil. 
oder  so.  dass  eine  An/.alil  \on  Viilkanrn  radial  mil  einrii  ^rosserrn  (lenlral- 
\nlkan  ^eordnel  isl.  \\elcher  sich  (lurch  seine  llohe  mid  die  Xahl  seiner 
l-j-nplioneii  \or  den  iil>rii;en.  /.urn  Theil  erloscheiKMi .  kleineren  Vulkaneuke»elu 
.nis/richiiel.  I'iin  solches  Verhallniss  isl  xieinlich  sellen  mid  naiiKMillich  am 
\lna  mid  in  der  (irnppe  der  canarischen  Inseln  ausiiepriigt,  in  v\ richer  Irl/.- 
leren  drr  I'ic  \on  Tenrrilla  die  Molle  des  llauplvulkanes  spiell.  Heispieie  mi- 
reuelmassii;  liaufriiloriniiirr  (iruppiruni;  liefern  die  (lalapaizos.  so\\i-  die  lipa- 
rischrn-  Inseln. 

§.  N.  Lage  der  Yulkane  init  Bexug  auf  Land   mid  Meer.     Kinc  }>e- 

deulsaini'   I'.ixeheinmiii  ist  die  Abhaiiiiiiikeil   der  tlialijzon   Vulkane  von  der  Nalie 


Ills  HI.    DviiiiiiiiM-lio    (i 


\\  .iv-erllachen.      Die    bei    \\eitem    rneislen    der  existirenden    Ynlkane    lie 
,uil     Ins.  'In.      die    anderen     fas!     alle     langs     der    Meereskilste     mid   einige 
in     der     Nahe     i:russer    Hinriengewjisser.      Nur     seheinbare     Ausnahmen 
machen  die  iin   Inneren  em/elner  Continente    gelegenen  ,    crloschenen    Ynlkane. 
inir  scheinbar.     \veil    ihre   Thatigkeil    in   /eilen   I'iillt  .    \vo   sich   das   Men1   liis 
in    ihiv    N.irlilt.ii  sch,  ill    erstreckte     oder    Seen     sich    in    Hirer    Nahe     ansdelmten, 
deren   Gren/en   (lurch    spatere   i;e<»|oi;isehp   Vorga'nge    verrilckt    \vurdon.   Sn   lie-en 
die   Viilkane   des   l.aacher  Sees   and   der  Eifol    heute   W   Meilen   von   der  Meeres- 
kiKie.    \\elche   sich   vor   verhallnisjpinassifi  noch"  kuiven  Zeitriiumen   nur  in   \\eiii- 
uen   Meilen   KnU'ei-nnni:   \on  derselben  hin/op.    Ahnliches  u;ilt   von  den  erlosche- 
ncii    Nnlkanen    der    Rocky    Mountains  und  der    ihnen  parallelen  westlichen  Ge- 
l>ii-i:s/iii:e.   an    deren  Fuss    sich    gleichfalls    \vahrend    der  Tertiar-    und   Dilnvial- 
/eil    .Meeresbuchten    und    weite    Sils.s\va.sserllachen    ausbreiteten.      Auch    in    der 
Nahe  der  Vulkane  des  cenlralen  Frankreichs   isl   die  einstige  Existenz    inehrerer 
Seebecken  nachgewiesen.  Wahre  Binnenlandvulkane  beh'nden  sich  nur  im  Inneren 
Asiens  in  der  noi'dwestliehen  Mandschurei    und    auf  deni  Thian-Schan  Gebiriie 
sd\\('ii   vom  Meere  entfernt,   als  dies  bei  der  jetzigen  Vertheilung  von  Land  nnd 
\\a->er    iimulieli    isl.      Doch    auch    hier  hat    man  Grilnde,   ein  postterliiires  ,isi,i- 
lisches  Binnenmeer  annehmen  zu  dilrfen.     Trotz  einiger  Ausnahinefalle    ist  die 
He^el.  dass  die  ihiiligen  Vulkane  an  die  Nahe  grosserer  Wasseransammlungen  ue- 
Imnden  sind,   cine  wohlbegriindete.  Von  den  225  Vulkanen,  welche  sei!  der  .Milie 
des  \origen  .lahrhunderts  Eruplionen  gehabt  haben,  liegen  I  •")•")  auf  Inseln  und  nur 
70  auf  Continenten  und   von  diesen  die  Mehrzahl  direct  an  der  NeereskUste. 
§.  9.     Geographische  Vertheilung  der  Stratovulkane. 
I.   In  Europa. 

a.  in  Den  tsch  land. 

1)  Vulkanengebiete  der  Eifel  und  des  Laacher  Sees,    letzteres   allein    mil    »o 

Vulkanenkegehi  und  zum  Theil  ziemlich  bedeutenden  Lavastromen.  Sie 
sind,   soweit  menschliche  Nachrichten  reichen,   nicht  thatig  gewesen  ; 

2)  der  Roderberg  bei  Rolandseck  am  Rhein  mil  einem  flachen,   800  M.    hal- 

tenden  Krater; 

3)  der  Ka  in  tnerbil  hi  bei  Eger,  ein  25  M.  hoher  Schlacken-  und  Schultke::el  : 
i     ein  kleiner  Vulkan  im  SUdosten  von  Ma'hren  an  der  Bistrizka  : 

5)  drei  Vulkane  an  der  Gren/.e   \on  nste.rreichisch  Schlesie'n  ; 

6)  Resle  eines  Vulkanes  im  Ries  bei  Nbrdlingen  in  der  rauhen  Alp. 

b.  in  Siebenbtiryen. 

Mehrere  Kralere  und  Maare  bei   \V  a  s  c  h  a  r  h  e  \  . 

c.  in   Frunkri'icli. 

\)   Das  Vulkanengebie  Uler  Auvergne  mil  43,  bis  235  M.  hohen,    erlosehenen 

Vulkanen; 
2)   das    Vnlkanengebiet  des    Velay    und    Vivarais,    ersieres    mil  iiber    li>(> 

Kraleren.    lel/.teres  mil  (i   Vulkanenkegehi  : 
:t     Vulkane    mil    l.avaslnimen  ,    so\\  ie    ausuedehiilen   TnlVbildungen    l>ei    Agre, 

VaUos  und  Montpellier. 


^  lit.     l)\ll,lllliscllf    (ieoliiLiie.  11)11 

d.    in   S/iunicn. 

I     YulkaneiiLjeliiet    \on    Cal  .1  In  n  i  en    mil     II   ausge/eiehnelen    Sehultkeizeln  ; 
2)   die  Colunibretes   I  use  In   y.\Nisehen   Yaleneia    mid   der   Insel   Majorea. 

«'.    in    / la Ht'ii. 

I      Die   K  uiz  ,MI  e  t-ii,    t-inc   kleine   Yulkanenreihe   bei    Padua: 
2)    die  r'nmarolen  von  I,  a  rd  «•  1 1  o  in  Toseana.  namentlieh  Borsiiure  enl\N  iekelnd  ; 
;l     d;is  Cimini   Gebirge    bei   Yilerbo   mil   einem   Kraler   inul    von   SrhhrktMi 

mill    l..i|)illi    lii-ili-ckt: 
i     d. is  AlhiiinT  (Jcltiriic  bei  Rom,    Iliiuptkcud  Monic  (lavo,    1000  M.  liodi. 

Ks  \\ird   uin^chcn   \<m  der 
!i)   (lain  pa  j;  n;i    mil    /ahlivirlirn    Krateron,     Laviistoincn  ,    Schull-    und    Tiill- 

bildnnpMi : 

6)  Rocca   in  u  n  fi  n  a  .   mil  ^rossein  Kraler,   in  diesem    IIOIIIO^MUM*  lu'uptions- 

kegei; 

7)  die  phlciirai.se  hen   KeUler  mil  27   Kraleren; 

S)   der  Yulkan  Vullur  und  der  Kniler  l>ago  diAnsanlu  in  ostlicher  Ricli- 

lun-    \on    Neapel  : 
9)   Vesuv,   3720  F.  holier,  kegeli'bnniger,  noeh  thiiliger  Vulk;m  mil  llieiKveiser 

riniiformiiitM-  Umwiillung   (Monle  Soinina) ; 

10)  Inst-l   Is cliia    mil    dem   l^poineo   und   noch  12  kleineren  Vulkanenkegeln ; 

11)  Sici  I  i.i  n  is  dies  V  ulkan  e  ngebiel  mil  dem  Atna    (10,200  F.) ; 

I;'     l.ip  a  i  ische    I  use  In    mil    den    llauplvulkanen    Slromboli,    Vulciino    und 

Lipari. 

f.   an/  den  (/ricchischen  Inseln. 
(Santorin,   Milos,   Kimolos,   Polinos  und  Nisyros.) 

II.  In  Afrika. 

a.  auf  dem   Conliiicnlc. 

<)   am   Huscn  \un  (iuinca  die  Cameron  Berge; 
2)   an  dei-  \\YstkUsle  unler  10°  s.   Br.   der  thalige  Vulkan  Zambi; 
'•\    an    dei-  Oslktlsle,    einige   Grade   sddlich    vom  Aqualor,    ein    ausgedelmles 
(u-biel  erloschener  Vulkane. 

b.  auf  den   Iiisclii. 

1)  Madeir.i  mil  mehreren  Kraleren; 

2)  <lie  ca  n  a  ri  sc  h  en   Inseln   mil  7   vulkiinischen  Inseln,   unler  dieseu  Te- 

neriir;i,    I'alma   und   (Iran   (liiiiitriii ; 

3)  die  capverdischen  Inseln,   14  vulkanische  Inseln; 

4)  die   isolirlen   Yulkiineninseln   Fernando  Po,    Aseension,    Si.    Helena; 

5)  Mad ai:as kar  mil  mehreren  Vulkanen; 

6)  die   Inseln   Bourbon   und    Mauritius. 

7)  die  Yulkaneninseln  des  Rolhen  Meeres,  so  namentlieh  I'erim  und  Sebair. 

III.  In  Asien. 

a.   auf  dem   Conliin'iilc. 

1)   Kleinasien;   grosses  vulkanisches  Gebiel  mil  30  erloschenen  Vulkanen; 

•2     tier  Taurus   mil  dem    ArsJii  |);ii:h: 


I  1  0  III.     DyiUMiiisrlir    ( i 

3  /NNisrhen  sc  h  \\  ;i  r/ c  in  mid  kaspisrhrm  Mr  err  drr  S;iil>;ui  l)agh  mid 
drr  Ararat  Armenien  ,  sowie  drr  Klbrus  i'Kaukasu>  : 

4)  siidlich   \oiii   kiispisrlirin   Mrrrr   drr   Demawend: 

5)  Vulkanengehiet  der  Ostkiisle   \on   Arabien.    so\\  ie  die   rmgegend    \on   Me- 

dina  und  das  Yoriiebirge  Aden    mi!  zahlreichen  Ki'atrren   und  Kruplions- 
ke£eln : 
II     die  Vulkanengebirlr  der  Mandsehurei   mid  Turans  in  Cenlralasien. 

b.  auf  den  Inscln. 

\     Harren  Island  im  Meerbusen   \on  Bengalen  mil  einem  thiiligen  Vulkanr: 

2)  Sunda-lnseln;  Java,    das   grossartigste  Vulkanenland    tier  Erde.    mil 

liber   100  zum  Theil  noch  thatigen  Vulkanon.     Sumatra  mit    ID   Vul- 

kanen,   darunter  7  thatigen; 

•'!     Molukken;   Celebes  mil    II   Vnlkaneii :   Gil  olo  und  Terna  te  mit  thii- 

liizrn  Vulkanen. 

An  die  Molukken  schliesst  sich  von  Stid-Osten  koniniende  westaustra- 
lische  Reihe  von  Vulkaneninseln  an.  Zu  dieser  gehbren  naiiienllicli 
Neu-Seeland.  Vorztiglirh  grossartig  sind  die  vulkanischen  Krsclieiiumuen 
auf  der  Nord-Insel  mit  deni  an  kochenden  Quellen .  dampfenden  Fu- 
marolen  und  Solfataren  reichen  Seedislricte.  In  der  rmgegend  \<m 
Auckland  sind  61  Vulkane  vorhanden.  Ferner 

die  n  e  u  e  n  H  e  b  r  i  d  e  n  .  Santa  Cruz,  die  Salomons  Inseln  und  N  e  u  - 
Guinea  mit  zahlreichen  erloschenen  und  einigen  bestandig  tliiitigen 
Vulkanen. 

i  Philippine!!.  Die  Hauptinsel  Luzon  selbst  mit  3,  die  Halbinsel  Cama- 
rines  mit  10  zum  Theil  stets  thatigen  Vulkanen; 

•i  Formosa  mit  4  Vulkanen;  3  von  ihnen  bestandig  in  Thaligkeil.  nahr 
der  Ktiste  einige  submarine  Vulkane; 

<>    Japan;   Nipon  mit  6,  Jeso  mit  17  Vulkanen: 

7  die  Kurilen.  eine  vulkanische  Inselreihe,  welche  neben  sehr  /ahlreirlien 
erloschenen  10  tha'tige  Vulkane  besitzen  soil.  Sie  sind  die  Forfset/ung 
einer  Vulkanenreihe  auf 

H    Kamschatka  an  der  Ostkiiste  mit  38  oder  mehr  Vulkanen.    unter  diesen 
12  thalige,   --   im   Inneren  eine  /\\eite.    noeh    \\rnig    bekannte  Vulka- 
nenreihe. 
IV.    In  Amerika. 

I)  Die  Aleuten,  eine  bogenfonnige  Reihe  von  zum  grossen  Theile  dinvhaus 
Milkanischen  Inseln  mil  i?<  thiiligen  Vnlkanen  : 

•2    die  Halbinsel  Alia  ska  mit  5  Vulkanen; 

3  die  Vnlkanengebiete  der  pacifist-hen  Kiiste  \  nn  Nordamerika  mil 
grossartigen  l.a\aderken  und  -Slronien  und  /ahlreichen .  nodi  \\enig 
hekannlen  Vulkanen.  welt-he  namcntlich  im  ndrdlirhen  Californien ,  in 
Nrsada  und  Arizona  eine  \\irlitigr  Rolle .  spielen ,  so  der  l^liasberg 
Hi. 7:18  F.j,  Ml.  Fairweath.'i-  li.<>03  F.},  Ml.  Urignirr  \\.1W  V. 
Masla  I'eA  I'..'.'.;'  F.  .  I  ;is.srn.s  |»,.;ik  Hi..",:  7  F.  : 


III.     l>\  nami-rlir    Cn'oloLiir.  I  1  | 

4)  die  Vulkanenreihe  \<m  Mexico,  crstrrcki  sit-h  in  Mt-westtichoe  ftiehtang 

I  ill  Mrilrn  laiii:  mil  II  un'issrrrn  Vulkanrn.  1'ir  \on  Ori/aba  I  <>. ('>();>  F.), 
Popocatepetl  (10,702  F.),  Xorullo: 

•">  die  Volkanenreihe  \on  Out  r;i  lamrrika,  190  Mcilrn  laiiij;,  mil  Uber 
•')<>  Vulkanrn; 

6)  die  Vulkanrnrrihrn  \<>n  N cu-Gra nada  und  Qui to ,  die  b'stliche  mil  dem 
Antisaiui  I7,«;>6  F.),  Cotopaxi  IT. 712  F.)  und  Sangay  ^16,080  F.),  die 
\\rstliclir  init  drm  Pinchincha  (14, 940  F.:  im  Ganzen  20,  meist  thiitige 
Vulkanr : 

7  dir  Vnlkanrnrrilir  von  Bolisia  und  Obrr-Peru,  mil  15  sehr  holim 
Vulkanrn.  drr  (llinquibamba  und  Saliama  sind  Uber  6600  M.  hoch ; 

X  dir  Vulkanrnrrihr  von  Chile  enthalt  bri  einer  Ausdehnung  von  iibrr 
.Mrilrn  M  grftssere  Vulkanr.  deren  hochster  der  Aconcagua  (22,434 
ist.  Kinr  sildlirhr  Fortset/unii  dirsrr  Vulkanrnrriho  crstreckl 
sii  li  bis  nach  Pataizonien.  (Jeberhaupt  schrinl  /.\\ischrn  den  aufizr/alilten 
slid-  und  crntralamerikanischen  Vulkanrnreilirn  durch  zum  Theil  mas- 
scnhaltrs  Aul'trrlen  \ulkanisrlirr  Kruplionsprotlukte  eine  Verbindunu 
hei*gestellt  zu  sein ,  so  dass  man  sir  in  Hirer  Gesammlheil  als  eine 
rinziiie  Vulkanrnrrihr  von  gegen  1000  Meilen  Liinge  auffassen  darf. 
An  der  Oslktlste  des  ainri'ikanischen  Conlinenles  bilden 

'.'    <lir  klriurn  Antillen  eine  bogenfbrmige  Inselreihe  mil  zahlreichen  Vul- 
kanen ,    so   namenllich   die   durchaus    vulkanischen    Inseln   Martinique, 
St.   Vincent  und  Dominique. 
V.  auf  drn  oceanischen  Inseln. 

a.  im  (itldinlischen  Oceanc. 

1)  die  Azoren,  eine  Doppelreihe  von  9  Vulkaneninseln ; 

2)  Island,  neben  Java  und  Neu-Seeland  der  grossartigste  Schauplatz  vulka- 

nischer  Erscheinungen.  Fast  vollsUindig  aus  vulkanischen  Gesteinen 
brstehend,  mil  26  theilvveise  slark  thaligen,  grossen  Vulkanen,  so  der 
llrkla  (4961  F.),  dem  Oroefa  (6000  F.  ,  sowie  mil  heissen  Spring- 
<|ucllen  (z.  B.  dem  Geysir). 

b.  im  wdischen  Oceaiu'. 

1)  Neu-Amslr  rdam  und  St.  Paul,  ringfb'rmige  Kraterinsrln  im  sildlirh- 
slrn  Theile  des  indischen  Oceanes. 

c.  im  fft-ossen  Oceune. 

1)  die  Sandwich  Inseln,    vor/Uglich  Hawaii  mil  dem  Mauna  Loa.    Mauna 
Kra  mill  drmKilauea,   ausgezeichnet  durch  die  Grossartigkeit  und  lid 
tigkeit  Hirer  Eruptionen ; 

•2    dir  .Ma rian en  mil  9  Vulkanen,  davon  3  thiitig; 

M     dir   I- rr  udsrhaftsin  seln,   einige  dieser  200   Inseln  mil  Vulkanen; 

i  die  Ge  sell  sch  a  ft  si  use  In,  11  Inseln.  unter  diesen  Tahiti  mil  rinrm 
Iibrr  3000  M.  hoheii  Vulkane; 

•">     dir   (iala  pagos,    rinr  Vulkaiirnin.s«'li:nippr    mil    inchr    ills    -.'(inii    Kratrrnt. 


1  1  2  III.      Ihliaillischc    (ieiiliii-it'. 

(I.  im  sildHchen  Polarmecre. 

1)  die  Nen-Shc!  l;i  nds  Inseln  in  dcr  \iihe  des  Polarkroises  in  der  Fort- 
selxung  der  chilenischeD  Yulkanenreihc.  Deception  Island,  cine  Kra- 
lerinscl  \on  ausgexeiehnet  rtagfftnniger  (it-stall; 

L*  Krcbus  mid  Terror,  x\\ei  liber  3000  M.  hohe  Vulkane  anfdem  polarcn 
I'Vstlandr  ;  ersterer  Ihiilig. 

§.    10.     Rrloscliene  und  tliiitige  Siraioviilkane.     Nichl   !m-i\\;iliivnd   und 

bcstiindig  ent\\oichen  aus  dem  Canalo,  inn  (lesson  Munching  sidi  die  Strato- 
vulkane  aul'gohaul  habon,  aus  dcr  Tide  jteraufsteigende  glulhflttssige  odcr  uas- 
lonniiic  Malcrialicn,  \iclniclir  sind  die  derarliiien  Eniptionserschefnungen  dun-h 
iii'ossei-e  odcr  ueriii^crc  I'aiisen  uiiterln'odien  ,  Nviihrcnd  dei'en  dcr  Ki'alciranal 
\nllsliindii:  Ncrslopl'l  isl  ,  ja  bei  vielcn  ,  selbst  den  ineisUm  der  SlraloMilkane 
hilt,  so  laiii^e  inensdilidie  Niichriditen  /.uriickreichen,  (tin  Ausbrudi  nichl  statl- 
jjjefunden.  Man  be/eidinel  dieselben  ills  erloschcn  ini  llei^ensatx  xu  denen, 
von  deren  Eruptionsthiili|j;keil  wir  Kiinde  besil/en,  den  Ihiiti^en.  Diese  I'n- 
tei'sclicidunii  isl  deshiilb  eine  sehr  unsidiere,  \veil  die  Zoilmasse,  \\elehe  man 
hierbei  in  Anwendimg  brin^en  kiinn,  in  versehiedenen  (lejjendcn  sehr  \er- 
sehieden  i^ross  sind,  in  manchen  Fallen  nur  \\enige  Jahnehnte  oder  .lahrliun- 
derte  /uriickreichen,  -und  selbsl  dorl,  wo  sie  belrachllidi  sind,  doch  innner 
noch  versehwinden  ini  Vers^leidie  mil  den  Zeilriiiiinen  ,  von  deren  Heizinn  die 
Bildunij;  der  ersten  Slralovulkiine  datirt.  Man  hat  denn  auch  vide  Vulkanen- 


als  erloschen  belr;ichlel  ,  -his  inn  so  furchlbarere  Kruplionen  den  Nanicn 
y.u  Schanden  machlen.  So  erfolgle  dcr  Ausbrudi  des  VOSUNS  ,79  n.  Chi.  . 
(lurch  \\elchen  Hercuhinuin  und  Pornpeji  vernidilel  \vurden,  nach  dcr  liiihc 
\icler  .lahi'hunderle,  \viihrend  deren  jener  Vulkan  als  la'ngsl  erloschen  i-all. 

Dodi  audi  ein  thiitigor  Vulkan  befindel  sidi  nidil  forUviihrond  im  Xiistande 
der  AufregUDg,  vielmehr  slelll  sieh  dieser  nur  von  Zeil  zu  /oil,  nach  liingeren 
oder  kiir/ercn  Perioden  der  Ruhe,  gewissermaassen  als  cine  i:e\\altsaine  I'nler- 
breehung  del1  normalen  ,  sleligen  und  ruhigen  vulkanischeo  Thiiligkeil  ein. 
Auf  der  iinderen  Seile  erslirbl  auch  in  als  erloschen  belrachleten  Vulkiinen- 
dislriclen  die  vulkiinisdie  Thaligkeil  nichl  giin/lich.  Ilcisse  oder  kohlensiiurc- 
reichc  Wasscrquellen  und  (lasausslriiinnnijjen  sind  die  lelzlen  ,  unsdieinharen 
Niieh\\irkungen  der  grossarligen  FM'ciiinisse  I'riihcrer  /eilen.  So  trill  in  der 
I'niiielmnji  des  Laachcr  Sees  die  Kohlensiiure  an  un/iihligen  Punkten  ,  bald  ills 
freies  Gas,  bald  an  Wasser  gebunden  als  Siiuerling  /u  Tiige  ;  besonders  reidi- 
lich  sind  solche  Kxhiihilionen  in  dem  lief  eingeschnittenen  Brohllhale  Norhandcn. 
Eine  einxiize  Sauerquelle  bei  Hurirbrohl  fiihrl  der  Atmosphiirc  in  jedein  .lalire 
jjc-eii  120,000  CM.  Kohlensiiure  xu.  Ganx  Ahnlidics  isl  in  dem  Yulkanen- 
dislricle  dcr  l^ifel  und  des  nordlichen  Bohmcns  Bilincr  Saucruasscr  der  Fall, 
-  iiuch  das  (Hebiel  erloschener  Vulkane  in  dcr  Au\eri;ne  isl  reich  an  Kohlen- 
siiure-l'Ahalalionen,  \\clche  somil  ue\\  issernuiiissen  dcr  Icl/.lc  Act  \ulkanisdier 
Thiitigkeit  sind. 

§.  11.    Die  nor  in  ale  Thiitigkeit  der  Stratovulkane  hesichi  in  don  Aul- 

und    Abslei^en,     in    der    \viillenden    BCVSCIMIIIU    der    gluthfllissigen    La\;i     inner- 
hall)   des  Kralerschlundes.    in   dem  rulii^en,    y.um  Thcil   cnnlinuirlidien 


III.    DyiKimisrhc   <iroln-ic.  I  I  3 

der  Lav. i.  in  clt'iu  Aussthiim-M  \mi  (iason  and  Diimpfen  <ius  Spalten  des  Vul- 
kanes  odor  aas  doui  mil  llii.ssigor  Lava  gel'illlten  (lanale,  and  in  let/terem 
Fitllo  aas  Sehlaekenauswiirfen.  Dio  ue\\olinliehsten  Merkmale  .stetigor  \alka- 
niseher  Thiitigkoit  innorhalh  dor  Valkano  sind  die  Kxlialalionon  gasl'iininger 
IVudurte.  Das  lioi  \Voiloni  \nrwaltondste  dor  lel/.leren  isl  \Yassordampl'.  dor 
ot'l  y.isohond  and  brausend  aas  allon  Kliifton  and  Spalton  dos  Valkanos  hervor- 
brielit  and  dann  die  aas  dem  lol/.toroii  aalsleigende  Danipfsiialo  hildot.  \\elrln- 
il,i>  \\eilhin  siehtbaro  Konn/.oiclion  oiaos  thiiligon  Valkanos  ist  and  sioh  /..  H. 
Itoiin  \'esa\  IS:':'  :jaoo  uiid  mohr  Motor  hoch  orliohon  kann.  Soli\\ol'«'l\\ass»'r- 
>tofV.  soli\\ofrlii:o  Siiuro.  Scliuct'cldainpr.  ChlorxvassorstolV.  Kolilonsiinro .  \Vas- 
vrr>toIVi:as  and  Hursiiaro  sind  die  i:o\\olailiohsten  Bogleiter  oiler  Stoll\'ortrolor 
dfs  \\'ass«-rdain|)l'os.  Aas  dor  Zorsoi/uiiii  des  Sch'AotoKNasserstoffes  und  aus 
dcr  Saltlimation  dos  Sch\vofols  gohon  die  gfeD&rbigea  Incrnstato  \ua  Sdiud'cl 
lior\or.  \\clclio  die  Wiiado  dor  Kraloro  und  Spalton  \ioior  Sli-alo\nlkane  be- 
dookoa.  In  iilinlioher  \\'cisc  koannon  Sahliaiations-  und  Xorsct/.aiiusprodiu-lc 
\nii  ^hloi'Noi'liindunurn  Kochsalx.  Salaiiak,  EisenohlOfid  u.  ;i.  als  rindcnartiizo 
Inrrastationon  vor.  Der  Eisengkmz ,  welcher  in  gliinzendon  Sclmppen  und 
Krxstallca  dio  Lava  der  erloschonon  und  lliiitiuon  Valkano  bodeckt.  1st  das 
Zdrsetningsprodoct  dos  Kisonohloridos  na't  AVasserdampf,  wobei  sioh  Sal/siiaiv 
bildot.  Huliondo  Vulkane ,  doron  Thiiligkeit  auf  die  Exhalation  von  Sclmol'cl- 

i->tcill,  Sch\N('tVId;iinpfon  und  sch\\ cfoliuor  Saure  beschrankt  ist,  nonnt 
man  Sol  fa  ta  ren  .  Kuiilonsiiure  producirende  Kratere  und  Valkanonsoliluohlon 
Mott'tlou,  AusstromaiiLissU'llrn  von  vorwaltendem,  mil  Gasen  gemischloni  \Vas- 
-t'l-dainpf  Fu  marolon. 

Steigen  die  genannten  Gase  und  Daiapfo  innerhalb  der  guthflilssigen  Lava- 

M.  \\flohe  den  Canal  und  einen  Theil  des  Kraters  ausfilllen,  empor,  so 
werdon  sich  die  Erscheinungen  des  kochenden  Wasser  einstellen,  (il)er  dessen 
Oborflaoho  Dampfblasen  Wassertheilchen  niehi-ere  Fuss  hoch  emporreissen.  Nur 
ist  die  (n-\\alt,  mil  welcher  die  durch  die  Lava  sich  drangenden  (Jas-  und 
Kampl'lilason  oxplodiron .  \veit  grosser,  so  dass  z.  B.  die  diinnfliissige  Lava, 
welclio  im  Kilauea-Krater  zuweilen  einen  See  von  i  englichen  Quadrat-Mcilon 
(in'issc  bildot,  in  10  bis  12  M.  hohen  Slrahlen  ernporspritzt.  Bei  ziihfliis>ii:i'r 
l.a\a.  \\d  dom  Ent\\oioho!i  dor  Diimpfe  und  Gase  ein  noch  grosserer  Wider- 
stand  eatgogrniiosct/t  \\ird,  \\o  sie  sich  demnach  zu  enormen  Blasen  ansam- 
moln  miissoa,  am  lol/.toron  /.a  iibor\\  indi-n,  ist  die  (iowalt  der  zur  Oberlliidic 
uolangenden  oxpludirenden  Gase  so  bedoaU'nd,  dass  die  ScMacfcenfragmeote 
r.iuscndo  \on  Fuss  hoch  in  die  Luft  geworfen  \\crdca,  auf  ihrom  \Vogc  in 
1  nkc  raschor  Dotation  kagelige  Geslalt  annolnaon  and  als  \alkaaische  Bom  ben 
riiiLis  uin  don  Krater  /uriiokfallen. 

Mil  der  Entwicklung  und  dem  Emporsleigon  von  Gasen  und  Dampfon  in- 
nerhalb des  Kratercanales  und  der  damit  Hand  in  Hand  gohondon  Aasdchniing 
dor  Blasen,  je  niohr  sie  sich  dor  Oborlliiolie  niiheni ,  sleht  das  jilnf/licho  Auf- 
\vallon  und  das  darauf  folgende  Zuriicksinken  der  Lava  im  Kralorselilande  im 
Zasammenhang,  eine  Erscheinung,  ftir  welche  in  einem  Probirrbhrchen  sieden- 
dos  Wasser  ein  orliiulorndos  Analogon  bietet.  Wioderum  ein  Resultat  des  Em- 

Credner,  Elemented.  Geologic.  >  *5 


Ill  III.    Dyiiamix'he 

porwallens  der  L;iv,i  1st  ihr  I'lierknehen.  in  Foke  dessen  sic  sich  an  den  nie- 
driizen  Stellen  des  Kralerrandes  liber  denselben  ergiesst,  wodurch  sehichten- 
artige  Systeme  von  La\alaLfern  gebildet  \\erden. 

§.  12.  Zustand  der  Eruption  der  Stratovulkane.  Student  sich  die 
besehriebene  normale  Thatigkeit  der  Vulkane  zu  einem  ungewbhnlichen  Grade. 
ist  naiiMMitlich  die  Gas-  und  Dampfentwicklung  iin  Kratercanale  erne  besonders 
enerui.sdie.  so  tritt  der  Vulkan  in  den  Zustand  der  Eruption.  Dann  werden 
aus  den  von  den  emporsteigenden  I)anipfl)lasen  in  die  Hfthe  geworfenen  Aus- 
wttrflingen  den  Himmel  verdunkelnde  Aschen- und  Sandregen,  die  sonst  ruhig 
liber  den  Kraterrand  rieselnde  Lava  bricht  sich  jetzt  in  verheerenden  Slrbmen 
Bahn.  Besonders  furchtbar  sind  die  Eruptionserscheinungen  bei  Vulkaneu. 
deren  Canal  in  Folge  langer  Ruhepausen  von  erkaltender  Lava  verstopft  ist 
(z.  B.  AusbrUche  des  Vesuv  i.  J.  79  und  1631).  Dann  mtlssen  sich  Lava  und 
Darnpfe  neue  Bahnen  aufreissen  und  gelangen  zugleich  auf  ihrem  Wege  'zur 
Oherlliiehe  in  Regionen,  welche  das  Wasser  als  Schauplatz  seiner  Thatigkeit  in 
Anspruch  genommen  hat,  wo  es  in  Tausend  Adern  und  Hohlriiunien  circulirt. 
alle  Gesteinsporen  erfullt  und  mil  grb'sseren  Ansammlungen  in  unterirdischen 
Spallen  und  Hbhlen  und  durch  diese  augenscheinlich  mil  den  benachbarten 
Meeren  in  Communication  steht.  Bei  der  Bertlhrung  mit  der  gluthfliissigen 
Gesteinsmasse  wird  das  Wasser  plbtzlich  in  Dampf  umgesetzt,  Explosion  erfolgt 
auf  Explosion,  die  Lava  wird  in  Atome  zerstaubt,  zischend  dringt  der  Dampf 
aus  dem  Krater,  und  Wolken  von  vulkanischen  Aschen  und  Sanden  werden 
hoch  in  die  Luft  geschleudert.  Unter  dem  Ringkampfe  erzittert  die  Gegi-nd. 
rollender  Donner  dringt  aus  den  unterirdischen  Regionen  empor.  Endlicli  ist 
der  Widerstand  des  Wassers  tlberwunden,  in  Dampfform  ist  es  entwichen  und 
das  benachbarte  Erdreich  vollstandig  ausgetrocknet :  da  offnet  sich  eine  Spalte 
an  der  Seile  des  Vulkanes,  hellleuchtend  bricht  die  flilssige  Lava  hervor  und 
stilivt  sich,  zuweilen  mit  der  Schnelligkeit  eines  Sturmwindes,  die  Bergal)hiinge 
hinab,  in  die  Gefilde  und  nach  den  Wohnstatten  der  Menschen! 

Als  eigentljche  Bedingung  der  Furchtbarkeit  der  Eruptionserscheinun^fn 
t'ino  Vulkanes  ist  demnach  eine  aussergewohnlich  starke  Gas-  und  Dampfent- 
uicklung  zu  belrachten. 

Anfiinglich  schwache,  immer  heftiger  werdende  Erhebungen  des  Boden>. 
dumpfes  untei'irdisches  Rollen  und  Donnern,  das  Austrocknen  der  benachbarten 
Brunnen.  das  Vei>iegen  der  Quellen,  das  Schmelzen  des  Schnees.  welrhrr 
inanche  Vulkanengipfel  bedeckt,  sie  sind  die  Vorlaufer  einer  Eruption,  deren 
Schreeken  sie  den  Bewohnern  der  rmgegend  ankiindigen.  Das  Ziltern  der 
I'.nle  >teigert  sich  zum  heftigen  Sehwanken.  das  Rollen  wird  zum  furchtbaren 
(.el.riill  und  Getbse,  krachend  zerberstet  der  Kraterboden.  glUhende  Lavabroeken 
\\erden  umher  geschleudert  (Boml)en,  Lapilli  ,  blitzschnell  erhebt  sich  eine 
schwarze  Rauchsiiule  gen  Himmel,  die  sich  an  ihrem  oberen  Ende  ausbreitet 
^Pinie  und  im  Dunkel  der  Nacht  die  Gluth  der  Lavamassen  im  Grunde  des 
Kraters  \\iederspiegelt,  so  dass  sie  wie  eine  Feuersaule  erscheint.  Diese  Pinie 
besteht  aus  Gasen,  Wasserdampf  und  feinen  Theilehen  vulkanischen  Staub«-s 
un<l  verdankt  ihren  t'rsprung  den  mit  enormer  Gewalt  sich  empordriingenden 


III.    Dyuamisolie  (Jeolo-ic.  1  15 

und  die  Lava  emporpressendon  Gason  mid  Hampton.  Bei  dm  ausserordonllioh 
rasi-h  aufoinander  folgeiidon  stiinnisehen  Gas-  und  Dampl'oxplosionen.  welehe  sirh 
Slossweise  duivh  die  gluthlliissigen  Lavamassen  Halm  brerhon.  v\  onion  let/tore  in 
almliehor  \\Yise.  wie  das  aus  einem  Ge\\ehiv  abgeschossene  Wasser,  in  ausser- 
ordentlich  /.ahlivi,  he  TniptVhen  /erstiebt  und  orstarren  zu  einem  Sleinslaub,  den 
vulkanisehen  .When  und  Sanden.  Daher  rtlhrt  der  Heiehlhum  dor  letzleron 
an  selbstandigor  odor  von  don  Krxstallen  eingeschlossener  Glassubstanz ,  die 
aim  erhselungsN  olio  gegensoitigo  rmhUllung  dor  oinzolnen  Krystalle,  dit>  Un/.ahl 
dor  (iasj)oron  innorliall)  dorsolbon:  ziigloioh  abor  deuten  diese  Erscheinun^cn 
darauf  hin,  dass  dioso  Krystallo  schon  als  feste  Korper  aus  dom  Krater  ausuo- 
\vorfen  soin  inilsson .  so  dass  dio  Lavamasse,  welche  der  ZersUlul)un;j!  anhoini 
(iol.  oinon  Soliinol/lluss  darstollto.  in  welchem  die  Krystallausscheidung  l)oroits 
l»oi:onnon  hatte.  Bei  ununtorl)rochener  Aufeiuanderfolge  der  Explosionen  stei- 
iiou  die  dadurch  producirten  Asclion  und  Sande  zu  einer  senkrechten  Saule 
2  bis  tlber  3000  M.  hoch  in  die  Luft,  wo  sie  sich  gewb'hnlich  zu  einer  aus- 
godohnten  Wolkonscliicht  ausbroiton  und  von  den  "Winden  viele  Meilen  \veit 
\\  euizofulirt  wordon.  uin  zuni  Theil  in  entfernten  LUndern  als  verheerendo 
Aselieni-egon  niodorzufallen.  Vom  Vesuv  im  Jahre  512  ausgevvorfone  Ascho 
fiel  in  Constantinopel  und  Tripolis;  die  Asche  des  Atna  wird  oft  bis  nach  Afrika 
gotragon.  Hesonders  abor  liiiufen  sich  die  Aschen  und  Sande  in  der  Unige- 
Imnu  des  sit>  producironden  Vulkanes  selbst  zu  erstaunlichen  Massen  an  (Ver- 
soliiiHung  von  llereiilanuin  und  Pompeji).  Fallen  die  ausgoworfenen  Lapilli, 
Sande  und  Asehon  in  das  benachbarte  Meer,  so  werden  sie  zu  horizontalen 
Sehiehlen  ausgebreitet,  welche  weit  ausgedehnle  und  mMchtige  Complexe  bildon 
kiinnon  und  nioht  solton  die  Uberrosto  von  Meeresbewohncrn  umfassen.  Die 
\Yassordampfe,  welche  in  so  enonnor  Menge  von  den  Vulkanen  ausgestossen 
werdon.  v«'rdiolilon  sich,  sobald  sie  in  hohere,  kiiltere  Niveaus  der  Atmosphiire 
golangen,  zu  Wolkon.  die  sehr  liautig  stark  elektrisch  sind  und  sich  untor  Blitz 
und  Donnor  als  gewaltige  Platzrogen  auf  den  Vulkan  und  (lessen  Abha'ngo  er- 
giosson.  \vo  sie  die  dort  angoliauften  Aschen  und  Lavablbcke  in  Form  von 
Schlaininllulhon  mil  sich  fortftlhren.  Zu  ihnen  gesellen  sich  niclit  selten 
NVassorstriiino.  \\elelie  von  der  Entleerung  von  Kraterseen  und  unterirdisclien 
\\"asscrbohiiltorn  horrilhren. 

Dio  niiohsto  Folgo  der  Thatigkoil  der  Vulkane  ist  die  Vergrdsserung  ihror 
Kegol.  dadureli  dass  sich  ihre  Aus\\urfs])roducto  rings  urn  den  Krater  anhiiufon 
und  so  zuni  Waohson  dos  Vulkanenberges  beitragon.  Dadurch  dass  Grosso 
und  HesohalVonheit  der  Auswllrflinge  inconstant  sind,  dass  also  grobos  mil  lei- 
neni  Materialo,  Bomben ,  Lapilli,  Sande  und  Aschen  in  stetem  \Vechsol  zur 
A!)lagorung  golangton .  wurde  der  schichlonarligo  Aul'bau  dor  Stratovulkano 
orzougl.  rntorinoorisohe  Eruptionon  und  daduroh  bodinglo  locale  Anhaufunuen 
von  Vulkanensehult.  \\oloho  sieh  allniiililich  Uber  den  Sj)iogol  dor  See  erhebon. 
sind  die  IV.saoho  der  Entslohung  dor  vulkanischen  Inseln. 

Das  vulkanische  Getb'se,  die  Erdboben,  die  Aschenregen  und  Boinbon- 
auswiirfe  erreichon  ihron  Iliiliepunkt  kurz  vor  dem  Augenblicke,  in  welchem 
onlsvoder  aus  detn  Krater  selbst,  oder  aus  Spalten,  welche  sich  am  Abhange 


116 


III.    I)\n;iii)i<c!iL' 


dt-s  Vulk, iiifs  bilden,  die  Lava  hervorbridil,  tun  als  I.a\astrom  dm  Beru  hinab 
in  die  rniiiebuui:  xu  Iliessen  und  dorl  nicht  sclten  \\eit  au.sgedehnle  l.a\al'dder 
x.u  bilden.  Die  Geschwindigkeit,  mil  welcher  sidi  cin  soldier  Strom  bewei:!. 
ist  von  dcm  Fliissiiikeilsgrade  dcr  l,a\a.  NOII  dcr  Meui:r  dcr  nadidraii^enden 
Lasamasse  und  \on  der  Nei^iing  und  Besdiall'enheil  des  Unterurundes  abhaugii;. 
Manehe  besonders  dunnllussiize  Sln'ime  sdiossen  stcile  Abhiinge  mil  dcr  Sdincl- 
liukeit  dcs  \Vindcs  hinab,  bei  anderen  ist  derm  Hcucunnu  kaum  mcrklidi  und 
U'ti.iid  nur  \veniiie  Fuss  iimerhalb  eincr  Stundc.  Kbmso  \crsdiicdcn  ist  die 
Xcitdaucr,  \viilircnd  dcrcn  sich  cin  Lava^trom  iilicrliaupt  iui  Zustaudc  der  Fort- 
lie  wc'uuni.;  iH'linden  kanu,  und  tlie  in  ein/elnen  Fallen  x\sei  Jahre  iibcrti'iflt. 
Uahinueui'ii  sind  Lavastroine  selir  hiJufii;  nocli  -20.  ;iO.  ja  40  Jahre  nacli  ilirem 
Aiisljruehe  iin  Inneren  noch  vollkominen  uliihcnd  oder  xeitien  \\eiiiLislens  eine 
selir  bedeutende  Wurme,  \viiJirend  ilire  Oberflache  liinusl  die  Temperatur  d.-r 
Atinusphiire  angenoininen  hat  und  mil  Flechteu  bewachsen  sein  inaii.  Ms  lie- 
ruht  dies  auf  der  ausserordentlich  geriniren  \\iinueleituni;sfahii:keit  der  erstarr- 
ten  Lava,  weldie  liereits  die  uoch  fliessenden  Lavastrome,  wie  mil  einem  Pan- 
zer bedeckt,  inuerhalb  dessen  die  Fortbe\veuuny  der  gluthflUssigeD  .Masse  statt- 
liiulet,  und  der  sich  in  gleichem  Schrilte  mil  dem  Fortsdireiten  dcs  Stromes 
\erliinuert.  Daher  sind  auch  die  Erscheinungen,  welche  sich  in's  Meer  ergiessende 
Laven  l)ielen,  nicht  so  furchtbar,  \\ie  man  erwarten  sollte,  und  daher  ist  es 
luiiglich,  dass  sich  Lavastrome  ilber  Schneefelder  ergiessen,  ohne  diesen  ihreu 
Uniergrund  vollkominen  wegzuschmelzen.  Die  Quantitat  der  Gesteinsmassen, 
\velche  durch  Lavastrome  der  Erdoberfliiche  zugefilhrt  werden,  ist  zum  Theil 
ganz  enorm.  Auf  Island  z.  B.  sind  Lavastro'me  von  8  bis  10  deutschen  .Meilen 
Lange.  2  bis  3  Meilen  Breite  und  30  bis  iO,  an  manchen  Stellen  bis  230  M. 
Dieke,  ferner  eiu  Lavafeld  von  100  DMeilen  Grbsse,  auf  Hawaii  ein  Lavastrom 
von  14  deutschen  Meilen  Lange  bekannt. 

b)  Die  homogenen  Vulkane. 


g.  14.  Trofil  des  Scheidsberges  bei 

Be  magen. 
a.  prismatisch  abzesonderer  Basalt; 

.iltgruss  nnd  -haufwerV; 
c.  Jevonischer  Thonschiefer. 


Fig.  lo.  Profil  der  Basaltkuppe  des  Ziegenberges 

am  Habichtswalde. 

a.  Basalt:  b.  Basaltconglomerat; 

c.  loser  Sand;  d.  plastischer  Thou: 

e.  Braunkohlenflotz,  4-5  Met.    machtig;  ira  Contact  mit  dem 
Ka-;ilte  verkokt. 


§.  13.  Charakter  der  liomogeneu  Yulkane.  I  nter  soldu  n  \ersteht  man 
ulockenfiiriuige  Kegel,  kuppenformige  Hiigel  oder  domformiiie  Ties,  .sov\ie  deeken- 
lonnig  ausgelyeitete  Kuppen  eruptiven  rrspniugs,  deren  Gesteinsniaterial  cine 
gleieharlige  pelrograj)hische  BeschalVenheit  besitzt .  denen  ein  Krater  fehlt  und 
deren  ursprllnglicher  Eruptionscanal  durch  eiue  solide  Gesleinsmasse  vollkommen 
.nisuel'ullt  und  goschlossen  ist.  Hierher  gehun>n  die  Basalt-,  TradiU-,  Pliono- 
lith-  und  Andesit-Ke-el,  -Kuppen  und  -Dome  aller  Vulkaneugegenden  der  Hrde 


111.    IKiumix'lie    Geologic.  1  17 

und  somit  aucli  die  des  zu  lertiiirer  Zeit  vulkanisehen  Deutsehlands  and  des 
nordliehen  Bohmens.  Als  besonders  charakteristiseh  und  allgemein  bekannt 
sind  beispie!sv\eise  /u  nennen  :  anter  den  t ra ch  yt  isehe n  und  a  tides  i  - 
tischen  Vulkanen  die  Kappen  des  Lohrberges.  D.'achenl'els.  KUhlsbnmnen  iiu 
Siebengebirp-.  der  Kegel  des  Pay  do  Dome,  der  gloekenformige  Pay  de  Sar- 
eoai  in  der  AaNergne.  der  isolirt  aas  der  Ebene  hervorragende.  domformige 
Kelemenhegx  and  die  Kappen  von  Deda  .  Nag)-.MihaK  in  t'ngarn  and  zahl- 
reiehe  andere  Kegel  and  Kappen  der  Trarhyt-  und  Andesitgebiete  I'ngarns. 
Siebenbiiruens.  der  Eaganeen.  des  \Vester\valdes.  der  Eifol.  der  Andes:  anter 
den  phonolit  hischen  Vulkanen  dt>r  glockenfonniiie  Millesehaaer.  der  spitx- 
keLieHunuiiie  Kletsehenberiz.  der  xackige  Felsen  des  Borzen  l>ei  Bilin.  siiinmtlieli 
ini  nordlichen  Biihmen.  der  Heldburger  Schlossberg  bei  Coburg.  die  Milseliarg 
in  der  Bliiin.  die  Kegcl  des  Hegau  in  Baden,  der  steile  und  spitxe  Hartent'elser 
Kopf  in  der  Kifel  and  xahlreiehe  Pics  iin  Velay.  so  der  zuckerhutformige  Gerbier 
des  joncs:  anter  den  basaltischen  Vulkanen  eine  grosse  Anzahl  Kuppen 
d»xr  Eifel.  so  der  Hohen  Aeht.  tier  Niirburg.  des  Hohen  Kelberges;  der  schbne 
Keuel  des  Karpfenhiihl  bei  Dettingen  in  der  schwa'bischen  Alp;  die  Slopfels- 
kappe.  die  kappenformigen  Kegel  des  Gebaberges  bei  Meiningen,  der  Gleieh- 
berge  hei  Boinhild.  der  blauen  Kuppe  bei  Eschwege,  des  Dolmar  in  Thllringen. 
der  Sehlossberg  von  Stolpen  in  Sachsen  u.  v.  a.  Bei  nur  \venigen  homogenen 
Vulkanen  ist  die  gangartige  AusfUlluug  ihres  urspriinglichen  Eruptionscanales 
oder  Schlandes  siehtbar  oder  naehgewiesen,  so  der  der  Basaltkuppen  des  Drui- 
tlensteines  bei  Kirchen  unweit  Siegen,  des  Schlossberges  von  Stolpen  und  der 
sich  naeh  unten  Irichterformig  zusammenziehenden  Dolerilkuppe  der  Pllasler- 
kaate  iin  Thilringer  XN'alde. 

Nieht  selten  hat  sich  das  zu  solchen  homogenen  Vulkanen  aufgethUnnte 
eruptive  (iesleinsmaterial  an  seinen  Bandern  strom-oder  deckenartig  ill)er 
die  naelisie  I'mgebung  ausgebreitet,  so  dass  mil  den  Vulkanenkegeln  lavastrom- 
ahnliche  Ablagerungen  verknUpi't  sind  (Phonolithausbreitungen  an  der  Milse- 
liari:  in  der  Rhb'n,  bei  BrUx  in  Bo'hmen).  Diese  Erscheinung  vennittell  zu- 
gieich  den  t'bergang  der  typisch  kegelfb'rmigen  homogenen  Vulkane  zu  der 
(I  eekenart  ige  n  Mod  ificat  ion  derselben.  d.  h.  zu  den  oft  Uber  Tausend  Meter 
iniiehtigen  and  sich  Uber  Hunderte  von  Quadratmeilen  ausdehnenden,  ziemlieh 
horizontal  ausgebreileten  und  zurn  Theil  zu  gewaltigen  Complexen  tlbereinander 
gelagerlen  Deeken  von  vulkanischem  Gesteinsmateriale.  Dieselbea  slehen  in 
engslor  genelischer  Verkndpfung  na't  zahlreiclien,  den  Untergrund  durchset/.enden 
(iiini:eii.  \\elche  -als  ausgefiillle  Eruptionscaniile  oder  -spalten  /a  betraehten 
sind.  aas  \\elrhen  sieli  die  ulathfliissiuen  (i<-sleiiisinassen  ergossen  und  in  ihrer 
N.ieldiarsehal't  aasbi eiteten.  Augenscheinlich  \var  es  demnach  der  FlUssigkeits- 
grad  des  EraptiMiiagmas.  \\elcher  es  bedingte,  dass  sich  lelzlerer  entwedcr 
zu  eineia  Kegel  aufstaute.  oder  naeh  den  Seilea  aasweieliend  aasbreitete.  I);is 
hedeulendste  Vorkniiinieii  letxterer  Art  ist  in  Deklian  in  Vorderindien  bekannl. 
\vo  iibereinander  gelagerte  Basalldeeken  ein  Plateau  von  1000  bis  1300  M. 
M'ereshiihe  and  etxva  \->. 000  DMeilen  Gro'sse  bilden.  Auch  die  Ktiste  der 
Kerguelens  Insel  \vird  von  Uber  3'iO  M.  iniiehtigen  Basaltlagern  zusaiiiinenge- 


III.    |)\  iiiiiiiischf   (i 


set/I;  ganz  Ahnliclu'S  1st  auf  dem  FaenVr  and  auf  Island  der  Fall.  Das  cm 
Arral  \on  40  DMeilen  bedeckende  Yogelsgehii^e  1st  das  bedeutendsle  dcr- 
arligo  deulschc  Vorkominen,  uuter  denen  ilbrigens  die  Uher  llundcrl  Meter 
marhtigen  Hasalldecken  des  llabiehtswaldes  und  des  Meis^ners  besonders  in- 
structiv  siiul. 

Bei  dor  Eruption  der  Gestein.smasse  der  honiogenen  Vulkane  \\urdc  das 
duthlliissige  Material  zugleich  in  sich  neu  bildende  oder  bcreits  vorhandene 
Spalten  gepresst.  Auf  diese  Weise  ausgeflillt,  wurdcn  dieselben  zu  den  Basalt-. 
Phonolith-  und  Trachytgangen,  welche  in  der  Umgebung  von  Basalt-,  Phonolith- 
und  Traclntkegeln  das  Xebengestein  zu  durchschwiirmen  pflegen  'z.  B.  in  den 
vulkanischen  Districten  von  Nordbb'hmen  und  des  Siebengebirges)  . 

§.   14.    Structur  der  honiogenen  Vulkane.    Hbchst  charakterisiisch  fur 
die  kegelfb'rmigen,   sowie  filr  die  ausgebreiteten  »homogenen  Vulkanea  sind  deren 
Struciurverhaltnisse,    welche   aus   der   Zusammenziehung   des    erkaltenden,    bis 
dahin  uluthflUssigen  Magmas  resultirten,  und  in  Folge  davon,  dass  diese  Erkal- 
tung  von  den  Grenzflachen  der  Gesteinsmasse  ausging,  sehr  oft  in  einem  ganz 
bestiminten    Zusammenhange    mil   deren  Lagerungsform  stehen.     Die    Volumen- 
verringerung  des  erstarrenden  Eruptivmagmas  bedingte  nehmlich  zweierlei  Ab- 
sonderungsformen,  einerseits^eine  bank-,  platten-  oder  schichtartige,  andererscits 
eine  prismatische  oder  saulenformige.     In  der  Anordnung  dieser  Schichten  und 
Saulen    lasst    sich    sehr    haufig    ein    bestimmtes    Gesetz    nachweisen  ,     indein 
die  Lage  der  Platten    und  Ba'nke    der  kouischen    oder   glockenformigen  Gestalt 
des  honiogenen  Vulkanes   entspricht,    die   Saulen    hingegen   meist  rechlwinkelig 
auf  den  Grenzflachen  der  betreffenden  Gesteinsmasse  stehen.    In  ersterem  Falle 
zerfallen   die  Bergkegel    in   lauter   tutenartig   oder  glockenfbrmig  ilber  einander 
liegende   Schalen,     welche   allseitig   steil   abfallen,     auf   dem   Gipfel   aber  sich 
zicmlich  flach   legen.     Diese   der   ausseren   Form   entsprechende    Structur  zeiut 
sich  namentlich  bei  Phonolithkegeln,  so  besonders  ausgezeichnet  am  Heldburger 
Schlossberge,  am  Hohentwiel  und  Hohenkriihen,  am  Milleschauer,  am  Teplitzer 
Schlossberge  und  an  vielen  anderen  Kuppeu  Xordbbhmens,    sowie  solchen   des 
Velay.    tritt   aber   auch  bei  Andesilkegeln,    z.   B.    dem  Puy   de  Sarcoui   in  der 
Auvergne  auf.     Andere  homogene  Vulkane   sind  zwar   plattenfbrmig,    bankartig 
und  schichtcnahnlich  abgesondert,   doch  aussert  sich  in  der  Richtung  der  Kluft- 
flachen  keine  bestimrnte  Gesetzmassigkeit,   vielmehr  verlaufen  sie  bald  horizon- 
tal, bald  wellig,   bald  ganz  ordnungslos,    wie  es  bei  vielen   Trachyt-,    Andesit- 
und  Liparitkegeln  der  Euganeen,  Centralfrankreichs,  der  Ponza-Inseln  und  Islands 
der   Fall    ist.     Stellt   sich   bei  kegelfbrmigen    honiogenen  Vulkanen    prismatische 
Adsonderung  ein,    so  zeigt  sich  nicht  selten  eine  gesetemftssige  Anordnung  der 
Gesteinssiiulen,   d(;r  zu  Folge  die  letzteren  cnlweder  l)iischelfbrinii:  nach  Aussen 
di\eiviren.   also  \om   Innern  aus  nach  alien  Punkten  der  Oberflache  hinlaul'en. 
oder  kegelfiirmii:.    nach   dem  Gipfel  zu  convergirend.    i:estellt  sind.      Bei    vulka- 
nischen Decken  treten  die  diekplattige  und  die  jirisniatisehe  Al)sonderung.sfi)rm  sehr 
i:e\\Ghnlich   vergesellschaftet  auf,    die  Plallen  sind  dann  horizontal    gelagert.     so 
dass  die  Trennungskltlfte  ]>arallel  der  Oberlliiehe  laufen,   und  beslehen  aus  lau- 
ler    dicht    aneinander    und    rochtwinkelig    auf   den    Ablosunuslliichen    stehenden 


III.    1>\  nainisclio   tiiM>|o_:ii>.  1  19 

Siiulen.  Es  isl  dies  hoi  fast  alien  Hasaltdecken,  al>er  aiieh  l>ei  snlchcii  \on 
Andesit,  Tracliyt  und  Liparit  dor  Fall. 

§.    t').    Yerkuiipfuiig  der  lioinogeneu    und  geschichteteu    Yulkane. 

Im  Gt'iionsat/  /u  don  aus  Schicliten  dor  \erseliiedenartiusten  \nlkanisolion  Pro- 
ducto  allmahlieh  und  mil  /ahlroiohon  I'lUerlnvrhiiniien  aulueluuton  Stratus  ulkanon 
lie/eiclinet  man  das  GeMoinsmaterial  dor  in  diesem  Absehnitte  botraehtclon 
\ulkanisohon  Ho  rue  und  Deekeii  als  homogen,  um  dadurch  auszudriicken,  dass 

\\is.sormaasson  aus  oineni  Guss  durch  eine  Masseneruption  ontslanden  ist. 
Kino  vollkominene  und  duivhiiiingige  Gleichformigkcit  hesitzl  dassolbe  jedoch 
nicht,  \ieliuelir  \\ird  dioso  duroli  Abanderungen  in  dor  Structur  unterbrochon, 
welche  auf  den  innigen  Zusammenhang  zwischen  homogenen  und  Stratovul- 
kanen  hin\\oison.  Es  sind  dies  Breccienbildungen  irn  Contacte  der  vulkanischen 
mil  doin  Nebengesteine ,  von  welchem  erstere  BruchstUcke  losgerissen 
und  unischlossen  ha  ben,  —  es  sind  Tuff-  und  vulkanische  Schuttablagerungen, 
doren  Auswurf  der  Eruption  der  gluthfliissigen  Masse  voraus  odor  mil  ihr  Hand 
in  Hand  iiin;.1,  deron  Menge  jedoch  im  Vergleiche  mil  ahnlichen  Producten  der 
Stratovulkaue  verschwindend  klein  ist,  und  endlich  siud  es  Mandelsteinbildungen, 
welche  eine  ursprtinglich  porose,  schlackige  Beschaffenheit  des  Gesteines  voraus- 
sot/.on,  \vodurch  sich  dasselbe  gewissen  Laven  der  Stratovulkane  naherte. 
Tulle  und  Conglomerate ,  welche  augenscheinlich  nach  Art  der  Aschen,  Sande 
und  Boinbeu  der  Stratovulkane  durch  Gas-  und  Dampfexplosionen  innorhalb 
des  vulkanischen  Schlundes  entstanden,  sind  sehr  gevvohnliche  Begleiter  der 
homogeneu  Trachyt-,  Andesit-,  Basalt  -  Vulkane.  Mandelsteinstructur  zeigen 
namontlich  viele  Basalte.  Noch  scharfer  wird  der  enge  genetische  Zusamnion- 
hang  zwischen  geschichteten  und  homogenen  Vulkanen  dadurch  hervorgehoben, 
dass  Vulkane  im  Verlaufe  ihrer  Thatigkeit  mil  dem  einen  ursprilnglichen  Typus 
allmiihlich  den  zweiten  combiniren  konnen.  Santorin  war  aufanglich  oin  uo- 
schichteter  Vulkan,  desseu  Kraterrand  die  Inseln  Thera,  Therasia  und  Aspro- 
nisi  luldoto.  orst  spiiter  tauchten  in  dem  Centrum  des  von  der  See  eingenom- 
menen  Kraters  die  homogenen  V:ulkane  ernpor,  deren  Spitzen  die  Kaimono 
Inseln  bilden.  Ganz  ahnlich  erhebt  sich  im  Vulkaue  von  Astroni  bei  Noapol 
innerhalb  eines  aus  Schichten  von  Bimssteintuff  bestehenden  Kraters  ein  iiber 
fi»>  M.  hoher  Trachytkegel.  Ein  drittes,  ganz  analoges  Beispiel  liefert  die  Rocca 
monlina.  Derartigo  Vulkane  sind  als  combinirte  bezeiohnol  worden. 

£.   16.  Eutstehung  der  homogenen  Vulkane.    Es  ist  fruher  gezeigt  wor- 

don.  dass  die  cliarakteristische  architeklonische  und  petrouraphische  Besohall'on- 
hoit  dor  Stratovulkane  wesentlich  durch  den  Conflict  zwischen  sich  aus  dem 
Vulkanenschlunde  draniiondon  (iasen  und  Diimpfen  einerseits  und  der  dilnu- 
tliissiiion  l.a\a  andororsoits  botlingt  war,  dass  die  Hauplmeiiiio  des  .Malcrialos 
dor  Stratovulkanenkegel  ihre  eigentliche  lose,  schutlartige  BeschafFenhoit  don 
sich  im  Zustando  dor  Thatiiikeit  des  Vulkanes  continuirlich  wiodorholondou 
Gas-  und  Dampfexplosionen  verdankl.  Sind  domnach  Gas-  und  Dampfroioh- 
thum,  sowio  DiinndUssiiikeit  und  verhaltnissin,i»ii:r  Armuth  an  f.a\a  die  Be- 
diiiuung  zur  Entstehunt:  eines  Stratovulkanes  um  einen  die  Communication  rnit 
doin  Enlinnoron  vcnnittelnden  Canal,  —  so  entstohon  homoiione  Vulkano  l>oi 


120  III.      l>\li;imiselie    (Icnln-io. 

armliclier  GaseniNNieklung  ;ms  ziihlliissiger.  ausserordentlich  reichKch  strOmender 

La\a.  \\clchc  di'iu  Dmvhbruel)  der  i:eriiigeii  (ias-  iiiul  Dampfmengen  eincn 
solehen  Widerstand  entgegensel/t.  d;iss  die  Miigliehkeit  der  Bildung  betriieht- 
licher  .Ma.ssen  M.II  Ausvuirfliiigen  nichl  gegeben  \\ar.  War  die  l.a\a  dcr  gas- 
arinen  Eraptionscaottk  bereits  ihrem  Erstarrungspunkte  nalie.  wemi  sic  die 
Krdol>erllache  erreirhte.  so  stautc  sic  sich.  conlinuirlich  und  inasscidiatt  empor- 
dringend.  zu  Iltigeln  und  Koi-clii,  den  SOL;.  Do  m  vulka  nen  aut .  \\ai-  sic 
leichtfltissiger,  so  hreitete  sie  sich  zu  vulkanisclicn  Decken  aus.  l).i» 
die  eintMi  so\vohl.  \vie  die  anderen  das  Product  einer  einzigen.  ununlei'broche- 
nen  Eruption  sind,  wird.  ausser  durch  die  Gleichartigkeit  des  Gesteinsmate- 
I'iales.  durcli  die  Cieselxiiiassiiikeit  hewiesen,  welche  die  AbsonderunL'sl'onnen 
dei-  izan/en  Hei-irinasse  Ix'horrselit  und  welche  nur  durch  die  Gleichzeitiukeit 
der  l^rstarruni:  der  letzeren  erkla'rl)ar  ist. 

Dadurch,  dass  man  die  Basalt-,  Trachyt-  und  Phonolithkegel  als  Vulkane 
erkannt  und  in  Folge  davon  den  frtiheren,  nur  die  Stratovulkane  umfassenden 
Begriil'  eines  Vulkanes  erweitert  hat,  ist  eine  enge  Verkniipfung  ZNviselien  den 
vor  unseren  Augen  aus  dem  Erdinneren  emporgedbttngten  vulkanischen  Pro- 
dneten  der  Jetztzeit  uud  den  Eruptivgebilden  la'ngst  verflossener  Perioden  her- 
gestellt;  eine  Porphyrkuppe  des  carbonischen.  eine  Melaphyrdecke  des  dyassi- 
schen  Zeitalters,  eine  palaeozoische  Granitdecke  ist  mil  Bezug  auf  die  Art  ihrer 
Kntstehung  nichts  anderes  als  ein  Trachylkt^el  oder  eine  Basaltdecke.  sie  sainmt- 
lich  gingen  aus  vulkanischen  MassenergUssen  hervor,  welche  entweder  von 
gar  keinen  oder  unhedeutenden  Tuff-  und  Schuttauswtlrfen  begleitet  waren. 

2.  Heisse  Quellen. 

Es  isl  bereits  bei  frllherer  Gelegenheit  (pag.  7  u.  8  gezeigt  worden,  dass  aus 
der  Teufe  aufsteigende  Quellen  eine  urn  so  ho'here  Temperatur  besilzen.  je  tie- 
I'eren  Hcgionen  sie  entstammen,  eine  Erscheinung,  welche  auf  der  Zunahnu1 
dei  Krdwanne  in  der  Richtung  nach  dem  gluthfliissigen  Erdinneren  zu  beruht. 
Da  diesc  Teiiiperaturzunahme  auf  durchschnittlich  je  33  M.  einen  Grad  Celsius  be- 
trii^t.  so  muss  demnach  im  Allgemeinen  Quellen,  welche  ihren  Zufluss  aus 
einer  Tiel'e  \  on  mehr  als  3300  M.  erhalten,  Siedehitze  innewohnen.  Diese 
hohe  Temperatur  ist  dem  zu  Folge  als  eine  Ausserung  des  Vulkanismus  auf- 
zufassen.  In  der  That  ist  das  Hervorbrechen  heisser  Quellen  vorztlglich  auf 
\iilkanische  Gegenden  beschriinkt,  wo  ja  filr  die  Communication  zwischen  I;.nl- 
oherfliiehe  und  Erdteufe  gentlgende  Bahnen  gebffnet  sind.  Fast  sammtliche 
liekannte  Vulkane  werden  von  heissen  Quellen  begleitet,  deren  Xahl  ofl  stau- 
neneri-egend  ist,  -—  doch  brechen  solche  auch  xu\\eilen  weit  enlfernl  von  irgend 
einein  andei'en  Zeichen  \ulkanischer  Thiitigkeil  hervor. 

l>a  he'isse  Wasser  eine  griissere  LOsungsf^ihigkeit  besit/en.  als  kalle .  s«» 
liescli\\ci-cn  sirli  die  meisleii  heissen  Quellen  durch  AoslaugUDg  ihres  \eben- 
gesleines  mil  mineralischen  Substanzen  und  sind  dann  zugleich  Mineralquellen. 
\\eldie  sich  nidit  selten  ihrer  Last  beim  Erreiehen  der  Erdoberfliiche  entle- 
digen.  Die  gewiihnlichsten  ihrer  Heslandtheile  sind  Carbonate.  Sulfate.  oder 


III.    l>\r.,imi-rhc    t'ii>o|.ii;ii'.  121 

Chlorverbindungen  von  Calcium.  Magnesium  oder  Natrium.  so\\ie  Kieselsiimv 
and  Kiseno\ydiri.  von  wdchcu  sidi  aamentlich  koblensaure  Kalkerde,  Kiesd- 
siiure  mid  Kis.'m>\\dh\dral  am  Austrittspunkte  dor  Quellen  ausscheiden  und 
zu  oft  ziemlich  miiehtigen  und  ausgedelmlen  AblagefQngen  Veranlassung  geben. 
Die  Hilduug  \<>n  KieseltntV  geht  am  grossarligsten  an  den  heissen  Quellen  1>- 
lands  und  Neu-Seelands  vni-  sicli.  Auf  Island  stannnt  der  Kieselsiiuregchalt  tier 
dortigen  Ge\sir\\asser  aus  der  /ersd/uMg  des  weit  \erbreiteten  Palagonittutl'es. 
In  Kolge  der  Vfrdunstiint;  ties  hcissen  OupHNV;|SS|>i's  l»leil)t  die  bis  dahin  in 
kolilt-nsain-en  Alkalien  und  als  Ihdrat  iieloste  Kiesclsiiure  als  Kiesellufl'  und 
Opal  /.uiiick  nnd  liildrt  uin  die  Quellen  herum  Rintlen  und  Stalaktiten,  aus 
\\elcheu  >ich  )>ald  kleiue  Kratei'c  aufhauen,  bald  grosse  Becken  hilden ,  odi-i- 
\\t-lcln1  sicli  endlich  x.u  rundcn  Schiicliten  von  grosser  RegelinassiizktMt  gestalten. 
Vit>l  raseher  als  dei'gleifhen  Kieselabsa'tze  gehen  die  Niederschla'ge  vou  kolil<Mi- 
.sauivni  Kalke  und  vou  Kisenoxydul  aus  kalk-  und  eiseucarbonatlialti^cn  hcissen 
Out-Urn  \or  sich.  \\i(>  /..  B.  die  Ablagerungen  von  Sprudelsteiu  und  Pisolilh  der 
Carlsbader  Thennen  und  die  sclmelleu  Incrustationeu  der  in  diese  Quellen 
izclc^ten  Gegenstande  beweisen.  Das  Carlsbader  Wasser  enthiilt  ausser  kolilcn- 
sanicni  Kalkc  unter  anderen  auch  etwas  Fluorcalcium  und  zwar  \  Theil  in 
300.000  Theilen  Wasser  aufgelo'sl :  diese  anscheinend  verschwindend  kleine 
MiMii:f  sunimirt  sicli  iin  F.aul'e  cincs  .lahres  /u  etwa  12,500  Kilogr.,  \velche  den 
dortigeii  (iesteineu  rnl/ngeu  und  in  gelostem  Zustande  an  die  Eroberfliichc 
gcst-lialVl  \verdfii. 

Ganz  besonderes  Interesse  erregen  die  Dampfquellen  und  die  intennil- 
tircndcn  heissen  Quellen  oder  Geysirs.  Erstere  beslehen,  \\it-  dcr  Name  sagt. 
in  Darapfstrahlen .  \\clchc  /inn  Theil  mil  brausendem  oder  brilllendein  Ge- 
riiusche  aus  einer  trichterformigen  Offnung  hervorbrechen  und  namentlich  auf 
Island.  .la\a  und  Ncu-Sceland  ha'uligr  Mrschcinungen  sind,  \vo  sie  mil  Geysirs 
Ncrucscllscliaftct  aiil'trelen,  wahrend  kochend  heisse  Quellen  an  ausserortlcnllich 
zalilrciclicn  Orten  Uber  die  gauze  l^rtloberflache  verbreitet  sind.  Die  berUhni- 
(esle  und  am  genauesten  untersuchte  interniitlirende  Springquelle  Islands  ist 
der  <ie\sir.  Er  liegt  sUdvvesllich  von  der  hochsteu  Spitze  der  Hekla  in  Mitten 
einer  Kbene  am  Fusse  des  Harnafell.  Durch  allmahlichen  Absatz  der  in  seinem 
Wasser  anlgelbsten  Kieselsaure  hat  sich  derselbe  rings  um  seine  Ausiniindnnu 
eineii  llaclien  Kegel  \on  el\\a  10  Meter  Iliihe  uutl  gegen  70  Meier  Durclimesscr 
aulgebaut,  in  (lessen  Gipfel  ein  (laches  Mecken  von  2,3  Meter  Tiefe  und  18 
liis  20  Meter  Durchtnesser  eingesenkt  ist.  An  der  tiefsten  Stelle  des  letzleren 
miindet  ein  3  .Meter  \\eiler  cylindrischer  Canal,  dessen  Wiinde  aus  Kieseltufl' 
bestehen  und  \\  ie  [tolirt  erscheinen..  Das  Wasser.  welches  das  Hecken  ausfilllt. 
i.st  -e\\uhnlich  ruhig  und  zeigt  76  bis  89  Grad  C.,  wiihrend  es  innerhalb  des 
Canales  in  32  Meier  Tide  iiber  120  (irad  C.  besil/l.  Allein  von  Xeil  /.u  Zeit. 
gewohnlich  alle  24  bis  30  Stunden  trill  cine  iiussrrsl  lieflige  und  grossarlige 
Wassereruption  ein.  welcher  mehrere  kleiuere  Kruptioneu  \orausgehcn.  Lcl/- 
tere  beginnen  mil  starkem  unterii'dischein  Donner  und  ErschUtlerungen  dcs 
Bodens,  worauf  das  Wasser  bis  /.um  Hande  des  Beckens  auCsteigt,  aufkocht 
nnd  hoch  empoi-\\allt,  bis  endlich  cine  niiichtige  Wassersiiule,  von  Dampfwolken 


122  III.     iKii.iiiiix'li,- 

eingehiillt  pfeilsclmell  l»is  30,  ja  4<>  Meter  llohe  emporschiesst, -urn  nach 
.Minulcn  zurilckzusinken.  Die  Ursache  dieser  Kruptionen  1st  darin  zu  suchen, 
(lass  das  Wasser  am  Rodcn  der  Rohre  unter  dt'in  Drucke  dcr  aut'  ilun  lastendrn 
\Vassersiinle  iiber  100  Grad  C.  erliit/.l  \\erden  kann.  \\iihrcnd  sicli  dassclbe 
,111  ihrer  Miindung  bedeutend  abkuhlt.  Sobald  nun  in  Folge  der  Dampfan- 
haufimg  in  dcr  Tide  Wasser  \<>n  liohcrcr  Temperatur  rasch  in  obere  Tlicilc 
der  Rohre  gedriingt  \vird,  tritt  eine  der  Abnahme  des  Druckes  entspivrhende 
Temperaturerniedrigung  desselben  auf  100  Grad  C.  ein,  \viihrend  der  Ueber- 
schuss  der  Wa'rme  xur  Bildiing  von  Dainpf  verbraucht  \vird,  \vodurch  die  al>- 
^ekiihlten  Wasser  der  ObtTfla'che  zum  plotzlichen  Kochen  gebracht  und  zugleii-1) 
das  ilber  dem  Kxplosionspunkte  beiindliche  Wasser  der  Rohre  in  die  Luft 
ueworfen  \vird.  Naeli  einiger  Zeit  hat  sich  das  Wasser  an  der  Oberflache 
\\ieder  abgekuhlt,  bis  eine  zweite  Danipfexplosion  eine  ueue  Wassermasse  in 
ein  hoheres  Niveau  des  Canales  treibt,  wodurch  sich  die  Eruptionserscheinunuen 
\viederholen. 

Eine  zweite  grosse  intermittirende  Springquelle  Islands  ist  der  Strokr, 
\\elcher  kaum  100  Schritte  vom  Geysir  entfernt  gewb'hnlich  alle  2  bis  3  Taize 
eine,  dann  aber  gewaltige  Eruption  zeigt. 

Noch  viel  grossartiger  wie  die  Island's  sind  die  heissen  Quellen  Neu-See- 
lands.  In  eineui  einzigen  und  zwar  kleineren  der  dortigen  Quellengebiete,  dem 
bei  Tokanu,  sind  auf  dem  Raume  von  2  englischen  Quadrat-Meilen  ilber  500 
Dampf-  und  heisse  Quellen,  mehrere  gewaltige  Sprudel,  mil  kocheudem  Wasscr 
i:efiillte  Kessel,  Kieselsinterkratere,  welche  sich  periodisch  fallen  und  leeren,  be- 
kannt.  An  den  Ufern  des  Waikato  sind  auf  eine  Entfernung  von  etwa  I  Meile 
76  intermittirende  und  constinuirliche  Spring-  und  Dampfquelleu  vertheilt  und 
\verden  von  zahlreichen  kochenden  Schlammpfiltzen  begleitet. 

Als  Folgerung  aus  den  letzten  Abschnitten  ergiebt  es  sich,  dass  die 
Verbreitung  der  Vulkane  und  heissen  Quellen  auf  der  Erdoberflache  eine  all- 
gemeine,  von  den  physikalischen  Verhaltnissen  und  der  geognostischen  Zu- 
sammensetzung  der  Erdoberflache  vollkommen  unabhiingige  ist.  Wir  sehen  Vul- 
kane auf  alien  Continenten  und  in  jedein  Oceane,  unter  alien  geographischt-n 
Hreiten ,  nahe  den  Polen  und  unter  dem  Aequator,  wir  sehen  sie  auf  Hoch- 
plateaus  und  Gebirgsrilcken  und  unter  dem  Niveau  des  Meeres  und  entllich  in 
ihrem  Auftreten  an  keine  Gesteinsformation  gebundeu ,  bald  auf  dem  iiltesteii 
llni]»livgesteine,  bald  auf  dem  jtlngsten  Schwemmlande  aufsitzend.  Aus  diescr 
vollkommenen  Unabhiingigkeit  des  Auftrelens  der  Vulkane  von  den  VerhaltnissrM 
dcr  Krdoberflache  ergiebt  sich,  dass  die  Ursache  ihrer  Thatigkeil  ausserlialb 
d-'s  licreiches  dieser  letzteren,  also  in  tieferen  Regiouen  des  Krdbalies 
/.u  snclicii  ist.  Ferner  l>e\veisst  ihre  allgemeinc  Vcrbreilung  iibcr  allc  Thcilc 
der  Krdc  das  Uc  h  c  ra  1 1  v  or  handen  s  c  i  n  ihrer  materiellcn  Ursache  und  cnd- 
lic-h  lassen  die  Uebereinstimmuni:  dcr  Auswurfsproducte  auch  dcr  \<>n  cinandcr 
cntl'criitcii  Vulkane,  die  klentititt  des  Banes  dicscr  ielzteren  sowie  ihrer  Eriij)- 
tiiinscrsfheiiiungcii  auf  eine  (icmeinsamkeit  ihres  Ursprunges  schliessen.  (ianz 
ahnliches  lasst  sich  von  den  heissen  Quellen  sagcn.  Unter  alien  Zoneti .  auf 
Inseln  und  inmitten  der  Continenle  dringen  sic  aus  dcr  Ticl'c.  Alle  diesc  Um- 


III.    DyiKimisrlie 

stando   ueisen  darauf  hin,  dass  die  orssahnlon  \  ulkiini.schen  Krscheinungen  nichts 
andoivs  sind,   als  K  ra  K  ii  usseru  i»  1:0  n    des  g  I  u  t  hf  I  iiss  i  go.  n  E  rd  i  n  nero  n. 

3.    Vulkanische  Erdbeben. 

§.  I.  Begriff  derselbeil.  Dor  Monsch  1st  gewb'hiit  die  Erdkrusle  als 
elwas  Slanvs,  Vnbeuediohos  zu  botraditon  und  nennt  den  Boden,  auf  dem 
CM'  \\;mdelt.  Knheste.  Allein  fast  von  Tag  zu  T;IL:  \\iederholen  sieh  Erscheinungen, 
\velche.  olmohl  sich  nur  sclten  zu  enlsetzlicher  Furehtl)arkeit  steigernd,  den 
Irrthum.  dor  in  jener  Bezeichnung  iiegt,  vor  ihm  aul'dookon  sollten.  Es  sind 
ilios  dio  Erdsto'sse.  Nit-lit  als  ob  sie  ausiiahmsweise  Paroxymen  dor  vulka- 
nischen  Kiimirkung  auf  die  Erdkruste  wiiren,  es  sind  vielmehr  Erscheinuiiiion. 
\\ok-lio  sich  zweifelsohno  fort\\iihrond  an  irgend  einem  Punkte  der  Erdo.  bald 
liior.  l»ald  durt  iroltond  mat-hen,  fast  la'glich  beobachlet  \verden  und  auch  Deutsoh- 
lattd  nirlit  fivind  sind.  Glilcklichenveise  uur  sellen  steigern  sie  sich  zu  den 
furchtbarsteu  der  irdischeu  Schret-kuisse,  den  Erdbeben. 

Die  als  Erdstosse  und  Erdbeben  bezeichneten  Erschiltterungen  verdanken 
zuoiorlei  ganz  vorschiedenartigen  Kriiflen  ihreu  Ursprung;  auf  der  einen  Seite 
dein  von  unten  herauf  wirkenden  Vulkanisnms,  auf  der  anderen  der  Einvvir- 
kuni;  dor  Atinospharilien  auf  gewisse  den  Untergrund  einer  Gegend  bildende 
(iostfiue.  Nur  die  Betrachtung  der  vulkanischen  Erdbeben  gehort  an  diese 
Stollo.  L'nter  solchen  versteht  man  Kraftausserungen  des  gluthflilssigen  Erd- 
inneren ,  \\olche  sich  in  Erschiltterungen  und  Schwankungen  grosserer  oder 
kleinorer  Theile  der  Erdkruste  und  mil  ihr  der  Meere  kund  giebt.  Mil  diesen 
Howeuungen  konnen  Spaltungen  und  Niveauveranderungen  des  Bodens  ver- 
bunden  sein. 

§.  2.  Intensitiit  iind  Art  und  Weise  der  Bewegung  des  Bodens.  Die 
howogung,  welche  durch  ein  Erdbeben  dem  Boden  mitgetheilt  vvird,  aussert 
sich  an  dosson  Oberflache  sowohl  in  sehr  verschiedener  Starke  wie  auf  sehr 
\«-rs«'hirdene  Art  und  Weise.  Die  haufigsten  und  ungefahrlichsten  der  hierher 
i:oh(irigfn  Krsdioinungen  sind  die  Erzilterungen  des  Erdbodens,  wie  sie  sich 
u.  A.  auch  in  Zusammenhang  mil  den  Eruptionen  der  Vulkane  filhlbar  machen, 
iilior  t  rst  bei  den  heftigeren  Erdbeben  tritt  die  Art  der  Bewegung  in  der  Knl- 
inasst-  doutlicher  hervor.  Dieselbe  kann  entweder  eine  vvellenformig  sch wan- 
ken  do  ;undulatorische)  oder  eine  stossforiuige  (succussorische)  sein.  In 
ersterem  Fallo  \vird  die  Erdoberflache  in  abwechselnden  Zonen  einer  Ilebuni: 
und  einer  Senkung  unterworfen  und  dadurch  in  eine  wellenfdnnii:  \\ogende  Be- 
\\ogung  verselzt,  welche  so  stark  sein  kann,  dass  sie  dem  Auge  wahrnehmbar 
\\ird  nnd  dieselbe  Empfindung  wie  die  unruhige  See  hervorruft.  Solche  undu- 
l.ilorisclio  Knlboboii  vt-rbroiton  sich  Uber  sehr  grosse  Haume,  besitzen  aber 
nur  dann.  woim  sie  besondere  Grade  von  Heftigkeil  on-oicln-n,  grossere  Gefahr- 
lichko.it.  Am  verliccj'ondstoii  wirkon  \\ollciifiinnige  Beben  beim  Ziisaiiiiiioii- 
trcHon  mehrerer  sich  krou/cndon  undulatorischen  Bowegungen.  in  FoLo  (lessen 
sich  der  Boden  in  wirbelndem  Zustando  /u  bolindon  sclioint.  Diese  Modili- 

oation  dor   wollenformiuen  Erdbeben    hat    man    als    rolatorisch   bezeichnet.     Die 

\ 

succussorischen  Erdbeben  machen  sich  in  von  uuten  nach  oben  senkrecht  \\ir- 


I  2  I  III.    I>\ii;imisrlit>   (ieolo-k1. 

kcndcn  Stussen  flihlbar.  sn  diiss  dcr  hoden  in  cine  hefliiie.  .nil'-  und  nieder- 
sl..s>ende  Be\Negung  geriilh.  Sic  \\irken  ausserordenllich  zerstr.rend.  sclileudern 
lliiuscr  ;ius  ilircn  l;und;uiiciilcn  cni])or.  maelien  Felsblocke  auf-  und  nicdi-i- 
springen  und  haben  Mcnschcn  inehrere  Inindert  Fuss  hod)  in  die  Hbhe  uc- 
\\orfcn. 

§.  3.  Fortpflanzungsweise  der  Erdbeben.  Die  von  cincm  Pnnkt.  ;ms- 
gehende  F.rsehutterung  des  Bodens  dnrdi  Erdbeben  kann  sich  in  dcr  Wci^- 
iilicr  \\eile  Landslriehe  ausbreiten,  dass  sie  sich  entweder  allseilig  odrr  nach 
cincr  Birhtung  hin  fortpflanzt.  In  crstcrem  Falle  nennl  man  die  Krdbeben 
cent  rale,  in  let/terein  line  a  re.  Bei  centralen  Erdbebcn  breiten  sich  die 
Krsrlmtlenmgen  in  radialen  Richtungen.  also  nach  Art  dureh  einen  in'.s  \Va>ser 
i:e\\iirrenen  Stein  enstandener  Wellen  in  sich  er\\eiternden  concentrischcn 
Linien  aus .  in  \velchen  die  Intensitiit  der  Heweizung  mil  der  Enlfennuii:  voni 
Mittelpunkle  abnimrnt.  Ebenso  \vird  der  erschutterte  Landstrich  innerhalb  an- 
niihernd  kreisformiger  Conturen  fallen  und  deshalb  Ireffend  als  E  rschii  tie- 
run  gskreis  bezeichnet.  Bei  sich  ofters  vviexlerholenden  Stdssen  veriinderl 
das  Erschiitlerungscentruin  nicht  sellen  seine  ursprdugliche  Slellung  und  rilckl 
in  einer  bestiminten  Bichtung  fort.  Derartige  centrale  Erdl)eben  waren  dit' 
\<m  Lissabon  im  Jahre  1755,  von  Calabrien  1783,  in  den  Bheinlanden  18 IS 
und  1846.  Die  linearen  Erdbeben  pflanzen  sich  nur  nach  einer  Bichtung 
innerhalb  eines  langen  schmalen  Landstriches  fort,  den  man  Erschtille- 
rungszone  nennt  und  welcher  meist  durch  den  Verlauf  eines  Gebirgszuges 
oder  einer  Meereskilste  bestimmt  wird.  Die  Erdbeben  Sild-Amerikas  besohva'n- 
ken  sich  gewohnlich  auf  die  Zone  zwischen  der  westlichen  Ktlste  des  Conti- 
nenles  und  den  Andes,  sowie  auf  die  Nordseite  der  Ktlstenketlen  von  Vene- 
zuela und  Neu-Granada.  Innerhalb  dieser  Striche  tlbten  die  bekannlen  Erd- 
heben  von  Quito,  Lima  und  Caracas  ihre  furchtbarste  Wirkung  aus.  Erd- 
beben endlich.  deren  Erschdlterungen  nicht  von  einem  Punkle.  sondern  von 
einer  ganzen  Zone  (der  ErschUtterungsaxe)  ausgehen  und  sich  von  dieser  aus 
gleichrniissig  nach  einer  Bichtung  wie  geradlinige  Wellen  fortpflanzen .  nennt 
man  tra  ns\  ersale. 

Die  Krkenntniss  der  Nalur  eines  Erdbebens  und  dessen  Zugehiirigkeil  zu 
einer  der  drei  genannlen  Classen  beruht  auf  Beol)achlung  ihrer  Forlpflanzunus- 
richlung  und  des  Zeilpunktes  ihres  Eintriltes  an  thunlichst  zahlreichen  Pnnkten. 
wodurch  cine  graphische  Darstellung  des  Foi'lschreilens  ihrer  Bewegung  IIHIL:- 
lich  geinachl  \vird.  Es  geschieht  dies  durch  Seismographen  genannte  In- 
strniiHMUe. 

§.  i.    Abhiingigkeit  der  Erdbeben  von  den  geogiiostischen  Verhiilt- 

Ilissen.  Die  Fiihigkeil  des  Bodens,  die  lokalen  l^rschiillerungen  \\eiter  foil- 
zupllan/en.  bei'uht  sowohl  auf  der  petrographischen  BeschaH'enheil  desselben.  \\ic 
auf  seineni  geologischen  Han.  Ks  ist  oll'enbar,  dass  in  der  Intensilat  und  dcr 
Ausdchnung  der  Erschtillerungen  auffallige  Unterschiede  hervorlrelen.  je  nach- 
dem  dcr  I'lilei-grunil  aus  lockeren  oder  feslen .  massigen  oder  geschichleten. 
/erkliiftelen  oder  stetiu  ansgedehnten  Gesleinsmasscn  beslelit .  je  nachdem  er 
('infurmig  \on  ein  und  demselben  Gesteine  oder  von  verschiedenartigen,  \\cch- 


HI.    l)\n;mitsrhe   (ieulo^ie.  12") 

solndeii  Felsarlen  uebildet  \\ird.  In  Gebielen  \on  zusammonliangendcn.  feslen 
und  gleichartigen  ("leslemsm.issen  werden  sich  die  Erscliiittorungen  des  Bodens 
iileichl'iirmiu  and  weithin  forlpllan/en .  wiihrend  sic  sii'h  da,  \vo  dor  Boden 
aus  lose iu  Sande  uiul  Gehille  oder  aus  y.erkliil'leten  (iesleinen  beMeht ,  in  un- 
deiehmiissiger.  \er\\orrener  und  des  losen  Zusaininenhanges  und  der  i:rn>- 
seren  I5e\\eglielikeit  allor  Tlieile  \\euen  in  furchtbarer  \\eise  kundgeben.  Be- 
sondtTS  zeigl  sifh  dies  .111  solrlicii  Slelien,  wo  Decken  von  lockeren  (iesleinen 
aul'  einem  feslen  Felsgrunde  aul'lauern.  Selbsl  hci  uerin^cu  Kr/ittcnmi:cii  dcs 
Ift/tei't'ii  uerallien  die  losen  Massen  ulierhalb  dessolbe.n  in  fonnlich  sprini:eiide 
lie\\euiuiL;.  deren  l.el>hal'tii;keil  mil  dec  l.oekerheit  des  Zusaininenliaiiues  \\iichsl. 
Fast  jedes  Krdbeben  liel'eil  lieleue  1'iii-  die  Abhiinuiijkeil  dor  Intensilat  der  1-j- 
M-liutterunuon  \nn  tier  Sti'uctur  dos  Unteriirundos.  Hire  \Virkuni;  \\ar  viberall 
da  .mi  /.orstinvndslen,  wo  lose  Seliulluesieine  aul' solidem,  niassigen  Fels  Jauern. 
da  alter.  \\o  letzterer  y.u  Taue  trill,  uniileieh  iioriiiiier.  Daiie^en  \\erden  lesle 
(ieltirj-'sulieder  die  Sch\\  ini;uniien  und  Kr/ilteruiiiion  ,  dureh  welelie  sie  in  Be- 
\\euiuii;  ueset/.l  werden,  unuleieli  \\eiler  l'ort}>ilan/.en  als  lose  Sand-  oder  Schutt- 
inasM'ii.  Doeh  auch  die  AusdehnuiiL;  und  somit  die  Conluren  des  Erscliutte- 
nuiLisareales  der  Erdbelien  sind  vom  geologischen  Uau  der  Unterizrnndes  ab- 
h.iiiLiiu.  So  uiiissen  vorzugsweise  Spallen  und  Risse  in  der  Gesleinsinasse  die 
Fortpllan/inii:  iler  Bodeuerscliiittenini:  seli\\;iehen  oder  vollslJindig  luMiiinen.  Eiuen 
iilmliclien  Einlluss  muss  der  rasehe  \\frlisel  der  Gesleinsarlen ,  gestb'rte  Schieh- 
tnni:  und  diseordante  I  lierlaueruni;  ansiiben,  Frscheinungen,  vvolehe  namentlieli 
duivh  Geblrgsbildungen  bedingt  sind.  In  Folge  dessen  beslinnnen  Gebirgs- 
ketten  uewijlinlich  aueh  die  Greuzen  fur  die'  auf  einer  ihrer  Seilen  enlslan- 
denen  Erdbeben ,  welehe  sich  daun  liings  derselben  hinziehen,  ohne  sie  zu 
ilbersehi-eiien,  wodurch  sie  zu  liuearen  Erdbeben  werden. 

§.  >.  Fortpflaiizuiigsgeschwmdigkeit,  Dauer,  Hiiufigkeit,  and  Ausdeh- 
llUUg  der  Erdbeben.  Die  mitllere  F o r I p fl a n z u n g s g e s c h w i u d i g k e i t  der- 
Krdbeben  \vird  naeli  der  Zeitdauer  geschiitzt,  welehe  zwischen  dein  Eintrille 
der  Me\se^ung  an  zwei  enlfernten  Punklen  vertloss.  Auf  diese  Weise  be- 
>tiiiinit»'  man  die  Geschwindiukeit  der  Erschiitterungswellen  des  Erdbebens  in 
Nurdaiuerika  im  Jahre  1843  in  ihrer  Hiehtung  gegen  West  auf  005  Meter, 
in  der  nach  Ost  hingegen  auf  908  Meter,  des  Rheinisehen  Erdbebens  von 
IN  it!  auf  470  .Meier,  des  Ussaboner  Erdbebens  von  1755  auf  ooO  Meter  in 
der  Secunde. 

Die  hauer  der  Erdbelten  liiingt  von  der  llauligkeit  der  raseh  aufein- 
ander  folgenden  Stosse  ab ,  von  denen  jeder  einzelne  nur  eine  einzige  oder 
iianz  weni^e  Seeunden  in  Anspnieh  niinml.  Die  verheerendsten  Erdbeben 
\\aren  das  \Verk  einrs  Augenbliekes.  (laracas  \\ard  ISU>  innerhall>  30  Se- 
kunden,  Oppido  und  rmgebung  I7N3  in  2  Minuten,  Eissabon  binnen  5  Minuten 
\nii  driuid  aus  zerstb'rl :  am  It).  August  I80N  kamen  in  Ecuador  durch  ein  I'j'd- 
beben  innerlialb  I  •>  Minuten  40,000  Meiisclien  urn.  I{ei  anderen  liin^ei1  andauern- 
den  Enlbeben  hal>en  sicli  mehrere  llnnderl  Stosse  in  kurzen  Zwischenraumen 
\\iederholt.  15ei  dem  Erdbeben  von  Honduras  1856  zalilte  man  in  einer  Woclie 
|t>S.  bei  dem  von  Lima  im  Jahre  IT'Hi  innerhall)  o  Monaten  451  Stosse.  Auf 


r2»i  111.    DyiiamisHie 

die  eigeniliohen  hefligen  uiid  \erhcerenden  Paro\\smon  pllegen  sich  in  liin- 
geren  odor  kiirzeren  Pausen  Naehschwingafigeil  oin/.uslcllen  .  vxelche  sich  oft 
Worhon.  ja  Monato  lang  NN  iedorholen,  allmahlich  iniiner  schwacher  \\crden  und 
allniiililich  ganz  aufhbren.  Nach  dem  calabnschen  Erdbeben  I  rat  <>rsl  nacli  last 
einem  .lahrzehnt  cine  giin/.lieho  Beruhtgung  des  Erdbodens  ein.  Das  Knlbebon. 
\\elehes  1766  (luniana  zerstorte.  set/to  die  Erde  14  Monale  lang  und  zv\ar  an- 
fiinglicli  (lurch  stiindliche  Slb'sse  in  Bewegung. 

Die  Hiiufigkeit  der  Erdbeben  isl  eine  tiberraschend  grosse,  bositzen  wir 
doch  allein  aus  den  Jahren  von  1850  bis  57  Nachrichl  Uher  4620  Knl- 
Itehen.  von  diesen  kommen  'L.  B.  auf  Unteritalien  und  Sicilien  509,  auf  Miltel- 
italien  196,  auf  die  pyreniiische  Halbinsel  77.  auf  Frankreich  105.  auf  die 
sch\\ei/.er.  savojer  und  piemonteser  Alpen  1005  (darunter  freilich  /ahlreiclie 
nicht  vulkanische).  auf  die  Ostalpen  81.  Aus  der  Zeit  j;om  Anfang  des  neunten 
.lahrhunderts  bis  1845  ist  uns  Kunde  von  559  Erdbeben  Uberliefert  \vonlen. 
welche  sich  im  Rhein))ecken  ausserten.  Am  reichsten  an  Erdbeben  ist  jedocli 
Stldamerika.  Dort  sind  sie  so  hiiufig.  dass  man  annehmen  darf,  dass  sich 
jener  Continent  besliuulii:  an  irirend  einem  Punkle  in  Bewegung  belinde : 
wurde  doch  die  Stadt  Lima  seit  ihrer  GrUnduug  zehnmal  l)is  /u  ihrer  giinzlichen 
Zerstb'rung  von  Erdl)eben  heimgosucht. 

Die  Gr5ss e  des  Areales,  tiber  welches  sich  Erdbeben  auszudehnen  im 
Stande  sind.  ist  zum  Theil  eine  ausserordentliche.  So  zerstb'rte  das  Erd.J>eben 
von  Lissabon  nicht  nur  viele  Sta'dte  in  Marokko,  sondern  reichte  bis  nach 
Skandinavien.  Massachusetts  und  den  kleinen  Antillen.  Liueare  Erdbeben.  >•> 
eine  Anzahl  der  chilenischen,  dehnten  sich  auf  eine  Erstreckung  von  I'io 
Meilen  aus. 

§.  6.  Seebeben.  Wenn  Erdbeben  auf  dem  Grunde  des  Meeres  statlfinden. 
so  pflanzen  sich  dieselben  durch  die  ganze  Tiefe  des  Oceanes  fort ,  so.  dass 
dieseiben  als  mehr  oder  \\'eniger  heftige  und  gefiihrliche  Stosse  an  seiner  (31)er- 
tlaehe  empfunden  \verden.  Dabei  l)leibt  letztere  auf  offener  See  vollkominen 
ruhig,  man  sieht  koine  wellenfbrmigen  Bewegungen:  am  Strando  hingt^en 
trill  oin  plb'lzliches  Zui*ilck\veichen  und  dann  oin  slilrmischos  Sleigon  des  Meeres 
ein.  welches  grosse  SchiH'e  \\oil  in's'  Land  werfen  (Si.  Thomas)  und  Stiidte 
uborllulhon  kann  (Callao,  Conceplion).  Gewbhnlich  boginnl  die  Boxvogung  mil 
einem  RUckzuge  des  Meeres,  in  Folge  dessen  die  Unliefen  hervorlroten.  Schiffe 
auf  den  Grund  geralhen,  Hiifen  und  ganze  Moeresbuson  irocken  gelegt  \\rnlen. 
Die  Dauer  des  Rllckzugos  sohwankt  im  Millol  zwischon  5  und  35  Minulen: 
boi  dem  Erdbeben  von  Santa  dagegon  (18.  Juni  1678)  zog  sich  das  Moor  so 
\\eit  man  sehen  konnle  zurtlck  und  brach  erst  nach  24  Slunden  Alles  ver- 
heerend  wieder  herein.  Bei  dem  Erdbeben  von  Pisco  (1690)  zog  sich  das 
Moor  -1  Meilen  weil  zurtick  und  kehrte  erst  nach  3  Slunden  wicdor.  Wie  ein 
\Yasserberg  stUrmt  das  Meer  gogen  die  Ufer  an.  stoigt  10.  20  ja  in  oinzolnon 
Fallen  bis  70  Meter  liber  seinen  normalen  Stand,  wirft  SchiH'e  iiber  den  Ilafcn 
\\-eg  und  reisst  sic  \\eit  landeinwiirts.  Krdbeben  von  Kustcnlandern  pllanzi1!! 
sich  auf  dem  Moore  nit  auf  ausserordentliche  Enlfornungen  fort.  So  orzouglo 
ein  Knlbeben  dor  chilenischen  Ktlste  oino  Welle,  welche  don  Ocean  bis  zu 


III.   Dynamische  Geologic.  127 

don  Sandwich  Inseln.   eine   Entfernung  von  1200  deutschen  Meilen.    diirchmaass 
und   auf  Hawaii   das   Dorf  llilo   iibertluthete. 

§.  T.  Wirkung  der  Enlbebeil.  Heftige  Erdbeben  gehbren  zu  den  zer- 
stiirendsten  Naturereignissen.  YSYnige  Sto'sse  geniigen.  uiu  Tausende  von  <ie- 
biiuden  in  Trtlmmerhaufen  zu  \er\\andeln  und  Tausende  von  MenscluMi  zu 
vernichten.  Die  Zerstb'rimg  A  on  Mendoza  durch  das  Erdbehen  von  1861,  das 
furchtbarste  dor  Neuzeit.  war  innerhall)  einer  einzigen  Minute  vollendel.  — 
in  wenig  Augenblieken  kamen  9 — 10.000  Menschen  durch  das  Erdbeben  von 
Caracas  inn.  —  ein  einziger.  der  erste  Stoss  des  calabrisehen  Erdbebens  17^:5 
verwandelte  den  grb'ssten  Theil  der  Ha'user  aller  Stadte  und  Dorfer  seines  Er- 
selultteruNi:skrcis«'s  in  Srlmtlhaufen.  Sehr  verderblich  a'ussern  sich  auch  die 
Wirkunuen  der  Erdbeben  dadurch,  dass  sich  Erd-  und  Felsmassen  von  den 
Ht-rufii  losliisen.  in  die  Thaler  stilr/en  und  dadurch  FlUsse  in  ihrem  Lauie 
heininen  und  /.u  rebersehwennnungen  zwingen.  Spaltenbildungen  sind  hiiuiiLrc 
Foliien  der  \\ellenformigen  Bewegung  der  Erdoberflache.  Die  Spalten  haben 
bald  einen  geradlinigen.  bisweilen  einen /iekzackformigen.  selten  einen  krumni- 
liniuen  Verlauf.  entstehen  oft  in  sehr  grosser  Anzahl,  schliessen  sich  jedoch 
zuin  Theil  direct  wieder.  indem  sie  Alles.  was  sie  in  ihrem  Schlunde  ver- 
schlunuen.  zerquetschen.  Die  geb'ffnet  bleibenden  Spalten  zeigen  sehr  hiiufig 
ciiu-n  autlallenden  Parallelismus,  in  anderen  Fallen  laufen  sie  strahlenformig 
von  eineni  gemrinsaiuen  Mittelpunkte  aus,  in  noch  anderen  trat  zugleich  eine 
Vei'^ei-fung  der  Gesteinslagen  ein,  so  dass  die  eine  Seite  der  Spalte  gehoben. 
die  andere  gesenkt  \vurde.  So  zerbarst  bei  dem  F>dbeben  von  Galabrien  ein 
dickinaueriger  Thurni  durch  cine  verticale  Spalle  in  zwei  Hiilften,  von  welchen 
die  eine  an  der  anderen  5  Meter  hoch  aufwiirts  geschoben  wurde.  Mil  diesen 
Spaltenbikluniien  slehen  gewaltsame  Ausbrtlche  von  Wasser  und  Schlainni  in 
Yerbindung.  was  offenbar  darin  begrUndet  ist,  dass  unterirdische  wasserreiche 
Schichten  und  \Yasseransaminlungen  durch  die  Erschtltterungen  der  Erdkniste 
eine  starke  Compression  und  Spannung  erleiden,  in  Folge  deren  sie  beim  Hersien 
der  dariiber  befindlichen  Erdschieht  mil  Gewall  zu  Tage  dringen.  Zu  den 
einflussreichsten  \Yirkungen  der  l'>rdbeben  gehiiren  die  Niveauveriinderungen. 
denen  grb'ssere  oder  klcinere  Areale  unterworfen  werdeu,  und  die  im  niiclisten 
Capitel  ill  re  Besprerhung  linden  sollen. 

§.  8.  Beziehiingeu  zwisclien  Erdbeben  uud  vulkauischen  Ernptioneii 
uiid  zwisclien  Erdbeben  und  Gestim-Constellation.  Zweifellos  stehen  \  iele 
vulkanische  Ausbrllehe  mil  ErderschUUei-ungen  in  Yerbindung,  welche  die 
eigenllieln1  Eruption  einzuleiten  und  vorzubereiten  pdegen,  sich  zum  Theil  liber 
Uundert  Myilen  \veit  forlpilanzen  und  in  vielen  Fallen  einen  ausserordentlich 
lieftigen  Charakter  annehmen,  bis  sie  durch  die  erfolgende  vulkanische  Eruption 
unterbrnchen  werden.  Hier  ist  also  der  Ziisaminenhang  z\\i.schen  Erdbeben 
und  Yulkanenthiitigkeit  so  klar.  dass  er  die  Yeranlassung  \\iirde  L';m/.  im  AII- 
gemeinen  die  Yulkane  als  Sicherheitsventile  der  Erde  aufzufassen.  deren  (ie- 
bflnetsein.  also  deren  Eruption  einen  sicheren  Schutz  gcgen  \erheerende  Erd- 
beben gewahre.  Die  heftigsten  und  furchtbarsten  Erdbeben  sowohl  Europas 
wie  Amerikas  fallen  jedoch  mit  Eruptiouen  nicht  zusammen,  oder  gehiiren 


12s  111.    iKii.iinisrlic    i: 

uerade  selii-  vulkanenreichen  Bczirken  an.  \\elchenachjenerAnsielii\uiid. 
\almvreignisse  geseliilt/t  sein  sollten.  Aul'  der  anderen  Seile  eiinlgten  die  enl- 
selzliehen  Erdbeben  \on  l.issabnn  uiid  Calabrien  in  nicht  \ulkanisehen  (iegenden 
mid  oliiu'  Ausbrueh  benarlibarter  Yulkane.  Aus  alle  dem  geht  her\<>r.  dass 
fine  bestimnile  (ieselzmiissigkeil  in  den  Beziehungen  x\\  isclicn  \ulkanisehen 
Krnptionen  und  Erdbeben  nicht  stattlindet.  Die  (iesammtivsnltale  der  an!'  die.se 
Yerhaltnisse  beziidiehen  neueren  Benbachlungen  IS.'id  — oT.  lassen  sic-li  in  fol- 
m'lidf  Siitze  znsaninKMil'asst'n  : 

I  Die  uritsslc  Xalil  \on  I'>i%dl)('l>en  und  die  hel'tiL'stcn  faiiden  in  dicsei-  Zcit 
in  Liiiulcrn  stall,  in  \vfk-lu'ii  sicli  llialiiic  Vulkane  hclindcn. 

;'  Vulkanisrlic  AusbrUchc  cr»'ii:ncteii  sich  inehrnials.  ohne  class  dainil  in 
Xusaimncnhani;  slchcndc  Krdltt'ltcn  ln'inerkl  \\urden. 

:i  Vulkanisclu'  Ansltnirlu'  schiitxcn  hiswcilcn  die  nahc  L-clegenen  Gc^cndcn 
vor  Erdbeben,,  oft  aber  sincl  sie  auch  gerade  die  Veranlassuni;  zu  solcht-n. 

Xicinlich  \\ahrscheinlich  hingogc-n  dilrfte  der  Einiluss  der  (lonslellationcn 
•  l«'s  MoiuU's  /Air  Sonne  und  Krde  auf  die  Erdbeben  sein,  so  dass  die  Urs.iche 
der  U't/leren  in  Springflullien  des  gluthlliissigtMi  Erdkernes  d.  h.  in  <! 
Boslivb_en  zu  suclien  sein  \viirde,  der  Anziehung  der  Sonne  uud  der  des  Mondcs 
zu  folgeu.  In  diesein  Streben  \vird  er  von  der  festen  Erdkruste  gehennnl, 
Ubt  also  auf  diese  stellemveise  einen  Druck  aus  und  sucht  sie  zu  heben.  1st 
der  Andrang  des  Erdkernes  starker  al§  die  Festigkeil  der  Kruste,  so  \vird  letzl- 
tere  stoss-  oder  \vellenforniig  gehoban.  Xachdies  er  Theorie  wiirde  der  Strich 
der  Erdoberflache,  der  den  Gipfeln  der  Fluth\velle  entspriclit,  also  die  lieisse 
Zone,  der  vorzilglichste  Schauplatz  der  Erdbeben  sein,  wiihrend  die  lleftigkeit 
und  Ha'ufigkeit  derselben  nach  den  Polen  zu  abnehnien  muss,  eine  Forderung, 
\\elclie  ini  Allgeineinen  durch  die  Erfahrung  besliiligt  \vird. 

4.  Permanente  Hebungen  und  Senkungen  des  Bodens. 
§.   I .    Instantane  oder  saeculare  Hebungen  und   Seukungen.    Au- 

haltspnukte  fur  Constatiruug  (lerselbeil.  In  engstem  geneUschein  Zusaininen- 
hange  mil  den  Erdbeben,  zum  Theil  als  deren  Ursache,  zum  Tlieil  als  deren 
Wirkung  stehen  die  permanenten  Xiveauveranderungeii  des  Bodens,  Erschei- 
nungen,  welchen  der  grcisste  Eintluss  auf  die  Entwickelungsgeschichte  der  Erd- 
ol>ertl;ichengesiallung  zukomint.  Niveauveranderungen  konnen  sich  als  He  bun- 
gen  und  als  Senkungen  und  z\var  grosserei1  oder  kleinerer  Theile  der  l.rd- 
kruste  geltend  rnachen  und  sich  entwi-der  riu-k\veise  oder  unmerklich  lang- 
».MII  vollziehen,  also  instant  an  oder  saecular  sein. 

In  Folge  der  Allgemeinheit  dieser  Schwankungen,  aus  Mangel  an  einem 
an  der  Bewegung  des  Festlandes  unbrtlieiliglen  Beobachlungspunkh-  gehen  diese 
stetigen  Oscillationen  an  dem  Bewohner  des  Binnenlandes  unvermerkt  voriil)er 
uiul  warden  iiberhaupt  selixvei1  naehxveisbai'  sein,  \venn  nicht  der  Meeresspiegel 
ein  unveriinderliches  Niveau  einniihme,  an  \\elchem  sich  die  Hebungen  und 
Senkungen  der  Conlinente  \valirnehmbar  maelieu  und  inessen  lassen.  Fels- 
ritle,  \\elclie  tViihor  von  Wasser  bedeckt  \varen,  tauehen  empor,  Kilstenstriche 
\\aclisen  an  Breite  in  der  Richtung  nach  dem  .Meere  zu.  einstige  Hafenpliilze 


III.  Dyoarntsche  Geologie.  I'J!<) 

werden  landeim\iirts  geschoben ,  llache  Meeresanne  vollsla'ndig  unfahrbar  ge- 
macht,  Korallen-  uiul  Ansterbiinke  Irocken  gelegt.  Andere  t'fer  mid  mil  ilnuMi 
llucli\\,il(ler  mill  menschliche  Bantcn  senken  sicli  allmiihlich  miter  den  Spiegel 
dt's  benachbarlei)  Oceans,  bis  sicli  die  \Yasser  fiber  ihiHMi  schliessen. 

Soli-lit-  llebungen  und  Senkungen  aussern  sicli  der  Nairn1  der  Saehe  nac-li 
durcli  rmgestaltuiig  der  Kiislenlinien .  ebenso  \\  ie  dies  bei  Kbbe  uiul  Flulh 
der  Fall  isl,  am  BuffeMigSten  an  llachen  I  Tern  und  wiirden  an  sleilen,  felsiizen 
<iestaden  s|uii-los  Tbrtibergefaen,  wcnn  das  Mrer  niclit  scllisl  daraul'  hcdachl 
\\iiiv,  unverkennbafe  Mcrk/.t'iclicti  iibcrall  da  zui-iU-k/ulasscMi ,  \vo  (\s  cinsl 
uciicn  die  I  Icr  ucbi'andot  lial.  Durcli  d(Mi  Anpi'all  dcr  Woiiou  hat  cs  die  b'ols- 
\\iinde  nntcruasclicn  und  die  Klippen  dallirHtvkl,  es  hat  HaufNNerkf1  \«m  runden 
Kieseln  aiil'iz-'lliiinnl  und  Muschel-  und  KorallenbruclisUioke,  so\\ie  Seelanize  /u- 
sainineni:escli\\eiiiinl,  km1/.,  jene  eiiienthiiinlichon  Sirandlnlduniien,  \\elch(>  den 
Ocean  \\  ie  ein  Sauin  umijiirU'n,  (M'/tMi^t.  Ilebl  sich  dor  (loiilinenl,  so  enl/.ielit  rr 
diese  S  I  r a  n  d  I  i  n  i  e n  dein  Uereiclie  des  Meeres  ,  rtlckt  sic  landein\\arts  und 
\erse(/.l  sic  in  die  Holio  von  Hundei-ten  son  Motern.  Unlerdessen  vvirft  das 
Mcrr  neue  SliMudhildun^en  auf,  urn  diesplhon  oine  nach  d«r  andfren  einein 
^Schicksale  anlieiinfallen  /u  sehen.  Als  anscheinend  liorixonlalc  Ter- 
imisaumen  sie  dann  die  Abhan^e  der  sleilen  Meeresktislen,  -  l»ei  der 
I  11  \eriinderlichkeit  des  Seespiegels  ein  sicherer  Massslal),  um  \\ie  viel  sich  die 
kiisle  in  junusler  Xeil  iiehoben  hat.  Der  Kinwurf,  dass  dioselben  nicht  auf  die 
llebuiiii  des  Festlaudcs ,  sondern  auf  das  Sinken  des  MeeresspiegHs  zurilck- 
/ufiihren  seien,  \\ird  durch  die  z.  B.  an  der  KUste  von  Norvvegen  heobachtete 
Thalsache  enlkriiftigt,  dass  die  Slrandlinien  nicht  innner  unter  sich  und  init 
dei-  Oberlliiche  des  Meeres  parallel  laufen,  sondern  zuweilen  eonvergiren,  was 
nur  (lurch  cine  undeichtnassiue  llebung  der  Kiisle  erkliirlich  ist. 

§.   2.   Beispiele  YOU  Helmngen.    In  gfossarligster  Weise  haben   sicli    in- 
stantano  Hebungen    an    der  Weslkiiste    von    SUdamerika    bethiitigt.     So   erlitten 
die  Kiisiensliiche  Chiles    im  Jahre  1750    eine    von  Erdbeben   begleilele  llebung 
von  H  Meter,   der  alte  Ilafen  von  Conception  \vurde  unbrauchbar,  ja  die  Schille 
kiinnen  sich  ihni  seitdein  nur  bis  auf  1  '/.2  Meilen  niihern,  Sandsleinfelsen,  welche 
bis    dahin    3  bis  4  Faden    unter  dem  Meeresspiel    gelegen,    erhoben    sich    (iber 
diescn.     Im  .lahre    IS2^    hob  sich    die  KQste  von  Chile  und  Peru  auf  eine  Kr- 
slreckung    von  240  Meilen    um    etwa   \    Meter,   so  dass  eine  Reihe  von  Auster- 
biinken   blos^elegt  vvurde.     . \linliches    wiederholle   sich   1S:}.'i  in  migefahr  den- 
selben  (iciienden,   am  aiifl'allcndslen  aber  auf  der  Insel  St.  Maria.    Diese  wurde 
bei    I1  _,  Meilen  Liinge  an  ihrem  SUdende  ?,G,   in  der  Mitte  3  und  an  der  \ord- 
spit/.e  :<,.'{  Meter  gehoben.     Schon    in  frUheren  Zeilen    haben  Hebungen  an  der 
\Yesikuste  Siidamerikas  stallgefunden,    Uber   welche  wir  /war  keine  geschichl- 
lichen   Nachrichten   besit/en,    welche  aber    in  alien  Slrandlinien  sicherere  Xeuii- 
nisse    als    in    mensrhlichen    Ueberlieferungen    hinlerlassen    haben.      In    manchen 
Theilen   von  Chile    und  Peru    wicderholen    sich    diese    Xeichen    eheinaliger  Kin- 
wirkung  des  Meeres  4,  .">,  ja  0  oder  7  mal  ilbereinander,  entsprechen  also  ebcn 
su\iel    pliit/lichen  Hebtiniisperioden    und    darauffolgenden    Slillsliinden  und    ei- 
slrecken  sich  an  ein/elnen  Stellen   7  Meilen   well   in  das  Feslland.    Die  obersten 

C  re  ilner,  Elemente  d.  Oeologie.  <J 


I3i>  IH.    DytiamisclTe  Geotogte. 

dieser  Strandlinien  ziehen  sieh  in  100  bis  ino,  ja  slellemveise  /..  B.  bei  Valparaiso 
in  400  his  fast  i.">0  Meter  Hohe  iiber  dem  heutigen  MeereSOTVeatl  liin  :  -  um  eben- 
so\irl  haben  sich  jene  Kiistenstriche  im  l.aufe  der  let/leu  wenigen  Jahrhunderte 
gehoben.  Von  htiehslem  Inleresse  isl  die  Auffindung  ernes  Maiskolbens  und 
baumvNollener  Faden  innerhalb  einer  auf  der  Insel  S;m  Lorenzo  \<>r  Callao 
2K  Meter  tiher  den  jetzigen  Meeresspiegel  geliobeiien  Muschelbank,  cin  Kund. 
\\flclici1  bt'SNcist,  dass  diose  hcdciilcndc  llchiini:  in  /citon  slandfand,  \\iilirtiul 
dcren  die  BcNMihncr  ji'iu-i1  Kiislon  licrcits  Ackci'ltau  und  Industrie  trieben. 

(Ian/  iihnliclie  EfSCheiBangen  hat  man  in  Europa  beoharhtet.  So  sind  auf 
Sit-ilion  bis  7.11  00  Meter  Mecivshohe  Strandlinien  mil  Aus\vasohuni;(Mi  und  Poli- 
nmi:rn  der  Felsen,  Muschelanhiiufuniion.  GerOUablagerangen  and  Bohrmusclicl- 
loVhcrn  Ix'kannt  und  ehen  solche  Bilduniien  an  dor  \\Cstkiislc  von  (irossbri- 
tannien  in  10,  ?•>  und  gegen  lioMrterHohe  nachiiewiesen.  Letztore  izeuinnen 
dadurch  an  Interesse ,  dass  sie  nichl  horizontal  laufen ,  sondern  landeiinviii  ts 
ansteigen,  so  dass  sie  dort  alhnahlich  iiber  430  Meter  Iliihe  erreichen.  Die 
grosste  Beriihmtheit  aber  als  Beweismiltel  fiii-  abwechselttde  Senkungen  und 
Hebungen  des  Bodens  hat  der  Serapis-Tempel  bei  Puzzuoli  un\veit  NVapel  1-1 
lanct.  In  den  dichl  an  der  Meereskiisle  gelegenen  Huinen  desselben^beliiulen 
sich  noch  drei  13, 3  Meter  hohe,  aus  je  einem  Sliicke  gearbeilete  .Marniorsiinlen. 
welche  nach  Wegraumung  des  sie  uingebenden  vulkanischen  Sandes  jetzt  1'rei 
dastehen.  Die  Oberflache  ihres  untersten  Theiles  isl  bis  zu  \  Meter  Hohe  glatl 
und  unverlelzl  .  dann  aher  innerhalb  einer  3  Meter 
hohen  Zone  von  zahlreichen  Liichern  von  Modiola  litho- 
phaga  durchbohrl,  in  welchen  die  Sehalen  diesei-  Bohr- 
muschel  liaufig  noch  erhalten  sind.  Die  obere  Partie 
der  Saule  ist  \\iederurn  vb'llig  unverlet/.t.  Die  (ie- 
sainmtheit  'der  hier  vorliegenden  Krscheinungen  be- 
ueist,  dass  sich  der  Landstrich  mil  dem  Serapis  Tempel 
in  Kolge  einer  mil  Krdbeben  und  Aschenregen  \er- 
l)undenen  vulkanischen  Eruption  um  wenigstcns  7  Mett>r 
gesenkl  hat.  In  diesem  Niseau  \erl.)lieb  der  Tempel 
langere  Zeit,  \\iihrend  weloher  die  Bohrmusrheln  ihren 
Wohnsil/  in  dem  Theile  der  Marmorsaulen  aufschlugen. 

Kig.  10.    Rui^d^  Serapis      wpk>h,T     /AN  is,.,1(in     |lrr     ;    M(.1(>r     hohon    J)ock(>     von    v,,|- 

kanischem  Sande  und  dem  Wasserspiegel  lag.  Erst  spiiter  erfolgle  \\iedei-um 
eine  Ilebung,  in  l;olge  deren  der  Tempel  si-m  heuliges  Niveau  erhiell. 

Am  genaueslen  von  alien  sind  die  durch  Niveauveriindernngen  bedingten 
l;.rs( -lieinungen  in  Skandinavien  untersuchl  worden.  Die  Kilsten  dieses  Landes 
belinden  sich  /um  Theil  noeh  gegen\>iirtig  im  Zuslande  <ler  saecularen  Ilebung. 
nachdem  dieser  in  vorhislorischen  Zeiten  mehrere  inslantane  Ilebungen. 
unterbrochen  von  liingeren  Slillsliinden,  vorausgegangen  \\aren.  Behufs  (ion- 
slatirung  dieser  Oscillationen  hat  man  an  vielen  l-'elsen  der  Kiiste  und  der 
Inseln  \\'a>sermarken  eingehaucn,  dieselben  in  mehrjahrigen  Zwischenriiumen 
untersuchl,  \virklich  Niveauveriinderungen,  nehmlich  Ilebungen  \\ahrgenommen 
und  dieselben  auf  I  Meter  im  .lahrhundert  feststellen  /u  kiinnen  geglanbt. 


III.    [Kiiamisclic  (ieolo^ie.  1  ',i  | 


rntersliii/.uni:  I'anden  diese  Heobadilungen  in  dem  Kmporlaudien  von  klippen 
.111  Slellen.  v\o  man  IViilirr  die  See  nidil  brandon  sail.  Auf  viel  grossarligere 
llebunuen  in  dor  Vor/cil  weisen  die  /.ahlreichen  alien  Slrandlinien  nnd  lerrasson- 
alinlichen  Tlionablaiierunuen  liin.  \\elclie  von  Sdialen  nodi  jel/t  in  der  Osl- 
see  oder  an  der  norwegisdieii  Kiisk'  lebender  Muscheln  angefiilll  sincl  (Meeres- 
lerrassen  .  Dieselben  \\iederholen  sieh  in  meluvren  \i\eaus  ubereinander 
und  ko'nnen  bis  200  Meier  Moeresliolie  orreidien.  Dass  dicsclhcn  wcdcr  ganz 
parallel  nodi  \oll.sliindii:  liori/.milal  laufcn,  sondcrn  landcinwiirls  anslciiion  und 
/uulfidi  divri'LiiivM.  isl  IxTiMls  <»bcn  cr\\iilint  wordon.  Diosc  llcbunii  Skandi 
navifiis  *>•(/(  >idi  unlcr  dcr  OslstM-  bis  y.ur  Kiistc  Itnsslands  fort. 

Von    den    Inscln    dos    Slillcn    und    dos  IndisduMi  Occancs    miiucn   hicr  nur 
Ni'U-St't'land   und  (icxlon   als   Xcu^nisso   sacculai'cr  Hcbunizcn   an^cfidirl 


Kir  Terrassenbildungen  dor  Oslkiisle  crsliJionanuUMi  I'^ilandcs  \\eison  auf  oin  Aul- 


inn  .'ioil  bis  l-'iOO  Meter  in  postlertiiirer  Z(Mt  liin,  \\iihrend  die  \\Ysl- 
kiiste  in  Senkuiii:  beiirill'eii  isl.  Mbenso  sind  Korallenbiinko  der  Ktlslo  Gey- 
Ions  bereils  /u  beti'aehllicher  Mohc  ilbor  den  Meeresspieuel  i^ehoben  ^'orden 
und  \\erden  bei  foilschreitender  Heue^uiiL;  bald  die  Insel  mil  dem  Fesllande 
verkniipfen. 

§.  :J.  Beispiele  YOU  Seilkuilgeil.  Die  Mehrzahl  der  iin  (ianzen  nicht 
selienen  Senkuiii^en  kleinerer  Theile  des  Erdbodens  slelil  mil  dem  Vulkanismus 
niehl  iin  /usaininenhange,  sie  sind  vielmehr  die  l-'olije  des  /usamniensturzes 
unlerirdiseher  llohlriiuine,  des  sieh  Sel/ens  lockerer  Gesleinsmalerialien,  des 
Eintroekenens  friilier  \\asserreidier  Schlammschichlen  ,  des  Rutschens  einer 
(iebirizsmasse  ant  Abl(isuiii;sll;ielien  und  anderer  iihnlidier  Vorgiinsj;e,  \\elche, 
iin  enizslen  Zusanunenliauge  mil  den  nidil  \  ulkanisehen  Krdbeben  slehend, 
bei  (ielejieiilieit  dieser  besprochen  \\erden  sollen.  Die  neuere  Xeit  lieferl  in- 
dessen  y.iemlieh  \iele  Heispiele  von  plolzliclien  Bodensenkungen,  als  deren 
(irunduisadie  nur  der  Vulkanisinus  i^edaehl,  vverden  kann.  Uei  dem  grossen 
l-irdbebeii  Mm  l.issabon  sank  der  ij;rosse  marmorne  llnl'endamm  plol/lieh  in  die 
I'ii-l'e.  -  auf  Jamaica  \\urde  iin  .lalire  i69i  rin  grosserer  Landslrich  mil  den 
darauf  Itelindlidien  (Jebiiuden  iiber  I  ){  Meter  lief  in  das  Meer  versenkl,  -  bei 
dem  Krdbeben  im  Mis.sisippi  Thale  18!:}  fanden  bedeutende  Jiodensenkunyen 
slall.  An  /.-dilreidien  I'unkleii  der  Kilste  Knglands,  der  Normandie,  der  Bre- 
taiiiie,  \e\s-.leise\s  und  Nordcarolinas  sind  submarine,  also  unler  die  Ober- 
Iliidie  des  Meeres  iiesunkeiie  Wiilder  bekannl,  welche  fill'  Senkungen  jener  Land 
slriehe  spre<-lien,  die  vor  \erliiiltnissmiissii;  ersl  kur/.er  Zeit  stattfanden.  Audi  die 
Kiisle  der  Nordsee  belindel  sieh  im  Xnslande  saeeularer  Senkuni.',  ein  Theil 
Hollands  lieul  bereils  unler  dem  Niveau  de>  Meeres,  (lessen  Kindriniien  nur  dnrch 
kiinsllidie  liaiilen  abjiehallen  \\ird;  das  A  real  des  /uider-Sees  \\urde  ersl  vor 
fiinf  .lalirlmnderlen  von  den  Kliilhen  bedeck),  und  eine  grosse  Znhl  der  Kilslen- 
inseln  /.\\iselien  Texel  und  Kibe  nnd  an  der  \\Cstkiisle  Sddes\\ii:s  sind  vviihrend 
unseivr  Zejtrechnung  versdi  \vunden  odei-  liaben  bedeulend  an  (iriisse  verloren. 
Kbenso  sinkl  die  \\Vstku.ste  (Ininlands  langsam  unler  di<^  (Ie\\;isser  derDa\is 
slras.se,  so  dass  die  1'fiihle.  an  \velche  die  eiiiL;e\\anderlen  Knropiier  ilire  Kiiline 
/u  befesligen  pflejilen,  bereils  unler  dem  \Vasse-r  \erveli\Mindcn  sind.  Weiler  im 

9* 


i;V2  III.    l)yn;iini>clic 

Norden   trill  jedoch  cine  enlgegeniifSflzlf  BfWegung  fin,   die  sicli  in  zahlreichen 
alien  Slrandlinien  kundgiebl. 

Gerade    so    vsie    das    massenhafle  Vorkonuncn    von  Seethienvslen    in    be- 
dfiitcnd    huh  ere n    Niveaus,    ;ils   jene    gelebl    haben    koniu-n,    cin    nntrilgliches 
Be\\eismitiel  fiir  Ilcbungcn  von  Landstrjchan  abgiebi,  go  wird  auf  der  anderen 
Seile    durch    das    inassenhafle  Aul'lrelen    von    1'roducten    organiseher    Thiiligkeil 
ii  11  It-  r  ha  1  b  dcr  I.ebeiissphiire   ilir<-r  Krzeuger  oino  Senkung  dos  Bodcns  be- 
\\ifsfii.      So    dculfl    das  Material    und    dor    Ban    der  Korallcninseln    des    slillen 
Oceanos  darauf  bin,   dass  sich  dor  Grund  dieses  Mecres  soil  langen  Zoilriiuinen 
iin  Zuslande  saecularer  Sonkung  befindel.    Difsc  Tbeoric  la'ssl  sicli  nuf  folgfiidi" 
\\fisc  bcLjriindfn.     Die  Korallenlhiert'licn,    die    bei    doin  Aufbau    dor  Korallfn- 
insfln  lliiilii^  iicwcscn  sind,  'ko'nncn  nur  bis  zu  einer  Tiefc  von  40  Meier  unler 
doin  Wasserspiegel    lobcn.     Trotzdein   besleht  das  Material  dieser  Inseln  bis  zn 
so  ausscrordenllicli  grosser  Tiefc,  dass  ilir  das  Loth  nicht  mebr  zu  folgen  vor- 
inair,   ausschliesslich  aus  abgeslorbenen  Korallen.    Diese  mtlssen  demnaeli  durcli 
Senkung  aus  dcr  ihnen  zuin  Leben  angewiesenen  oberslen  Meereszone  allniiihlieli 
in  jene  Tiefe  gelangl  sein.    Ein  solchcr  Vorgang  zwang  die  sich  ncu  cnl\vickeln- 
dfn  Generationcn  von  Korallenlhierchen,  um  nicht  aus  ihrer  Lebenssphiire  ge- 
rissen.   also  ihrer  Existenzbedingungen  beraubt    zu  vverden,    zur  fortvviihrendcn 
Ansiedelung   auf  den   oberen  Randern   des  sinkenden  Korallenrifles,    zwang  sie 
also  dazu,    ihre   Banten   stall  in    die  Brcite   nach    oben    zu   richten.     Die  Folge 
dieser  Senkung  und  der   dadurch   bedinglen  und  geleilelen  Thatigkeit   der  Ko- 
rallenthierchen  war  die  Enlstehung  der  nach  Uunderlen  ziihlendcn  ringforniigen 
Koralleninseln   (Alolls).    Jede  derselben  enlsprichl  einer  versunkenen  Insel,    um 
welche   sich   die   Korallenthierchen    angesiedell   und   ursprilnglich    ein   Saumrifl' 
aufgebanl   hatten,    welches   sich    direct  an   das   Ufer    anlehnle.       (fig.    17,     1. 
1.  und    fig.    18,   a.)      Es   begann    die    saeculare   Senkung    des   Meeresgrundcs 
und  mil   ihm    der  Insel  und  ihres  Rifles,    wrelches  sich  dadurch  allmahlich   zu 

einem  BarriererifT  umge- 
staltele.  (figr'IT,  2.  2  und 
fig.  18,  b  c).  Die  Insel 
verschwand  bei  forlgesel/.- 
ter  Senkung  unler  dein 
Meerosspiegcl,  die  Koral- 
lenlhierchen hingegen  er- 
hiellen  ihre  Baulen  slels 

tig.  17.     Pronl  durch  cine  Koralloninsel    in  den  einzclnon  Htadien  ihrer 

dnrch  Senknng  bedingtcn  Entwickelung.  in       deinselben      Mef  IVSlli- 

vean,  so  dass  dieselben,  mag  auch  ihr  Unlergrund  in  sleler  Senkung  begrill'en 
sein.  noch  immer  die  Oberfliiche  des  Meercs  crrciclien  und  hier  die  Alolls 
biltien  (fig.  17,  3.  3.)  Das  Senkungsfeld  auf  dem  pacifischeu  Meeresgrunde 
seheinl  g(>gcn  1200  Meilen  Liinge  und  100  Meilen  Breile  zu  besilx.en. 

Durch  saeculares  Versinkcn  ganzer  Conlincnle  unler  den  Meeresspiegel 
erkliirl  sich  auch  die  ilberraschende  \Viederholung  cliarakleristischer  I;aunen 
line  I'loren  auf  weil  von  einander  enlfernlen  Inseln.  Lelzlere  miissen  als  die 
durch  ihre  Hohe  von  dem  Unlerlauchen  gercltelen  Teberresie  eines  ehemaligen, 


111. 


Etisammenhftngcnden  Fesllandes  aul^efassl  \\crden,  aui'  \\elche  sich  eiu  Theil 
der  h.'\\ohner  des  untergegangenen  Areales  /airuckge/ogeu  und  sicli  dadurch 
erhallen  haben.  So  \\cisl  /.  II.  das  gcmein- 
same  und  ausschliessliche  Yorkomiiien  \  on  Fuchs 
alVen  und  FaulalVen  auf  Madaga.skar,  den  Sey- 
chellen,  den  Malediven  und  CON  Ion  aid  eineii 
\erseli\\undenen  (lonlinent  Inn ,  (lessen  let/.le 
S|Hiren  sicb  in  jenen  Inseln  und  ihrer  Fauna 

..     ,  .,    -.  i  i..  •    i        I-  Kii;.  IS.    Feejeo  KorullPiiiiisplu  ,   ;il  (ioro  mit 

linden.     Aui    der   anderen  Seite   erklarl   sicli    die  Banmriff,  b)  Avgau  mit  Barriereriff,  c)  Explo- 

...  .-    i     •.     i       i-i  it-  ring  Isles   mit  sehr   ontferntein  lt;irrii'ivntV, 

lolille  \erschiedeiiarllgkeil    dcrHoretl   Umlraimcn  ,n  N,lmuku,  eine  Lagune  mit  c-iin-r  cin/.i^-n 

benachbarler  Inseln  aus  ihrer  bereits  frlihzdtig 

eil'oliMeii  Seiikung,  Treiinung  und  dadurch  bedinglen  gegenseilig  unabhiingigen 
Knl\\ickelung  ilirer  Be\\ohner.  Wo  sich  durch  Senkungen  Thoile  des  Fesi- 
landes als  Inseln  von  diesem  Irermten  und  dadurch  ihre  Bewohner  vor  der 
Yerdriingung  durch  einwandernde  Thiere  und  Pflanzcn  schUtzlen  ,  vermocliten 
sich  allerlhiimliehe  Formen,  die  auf  dem  Festlande  la'ngst  versch\\  unden  sind, 
/.u  erlialten.  Solclu;  Frinnerungcn  an  die  geolouische  Vergangenbdit  sind  namenl- 
lich  in  Auslralien  und  Neu-Sceland  bewahrl  \vorden. 

§.  I.  Hebungen  und  Senkungen  in  friiheren  geologischeiiZeitriiiimen. 
Die  Oberlliiche  siimmllicher  Conlinente  bildete  in  friiheren  geologischen  Zeil- 
riiumen  eineii  Theil  des  .Mccresizrundes  und  ist  erst  allmiihlich  zum  Fesllande 
emporizehoben  \\orden.  Noch  kurz  vor,  vielleicht  sogar  l)ei  dem  ersten  Auf- 
Irelen  dcs  Menschen  war  der  griissle  Theil  des  nordlichcn  Kuropa  und  Ame- 
rika  vom  Mcere  iihci  llulhct,  welches  durch  Ilebung  des  dadurch  auch  an  Aus- 
dehnung  in  horizonlaler  Hichlung  p'winnenden  Festlandes  nach  und  nach  in 
seine  jelzigen  C.ren/.en  /urilcki;cdriingt  wurde.  In  den  weiten  Sandllachcn  der 
norddcutschen  Kbene,  den  auf  ihnen  zerstreut  liegenden  erratischen  Blocken 
und  \\enn  auch  seltenen  Beslen  seiner  einstigen  Bewohner  hat  jenes  Meer 
iinvei  kennbare  Spuren  seiner  friiheren  Herrschaft  zurQckgelassen.  In  Gesleins- 
formationen,  die  aus  noch  iilleren  geologischen  Zeilriinmen  herriihrcn,  mchren  sich 
die  An/cichen  ciner  frUlieren  allgemcinen  Wasserbedeckung ;  ganze  Gebirgs- 
y.iluc  sind  grossenlheils  aus  Beslem  einstiger  Meeresbcwohncr  odor  aus  Gesleinen, 
\\elche  x.ahlreiche  solchc  umschliessen ,  zusammengesetzt,  weilo  Plateaus  und 
llochebenen  im  Inneren  der  Continente  bestehen  aus  urallen,  jetzt  in  Stein  um- 
gewandelten  Korallenbauten ,  Muschel-  und  Crinoidenbiinken;  sclbst  die  Uicher 
von  Holiriniischeln ,  wenn  auch  bereits  wieder  durch  jllngeres  Gesleinsmalcrial 
ausizcfiilll,  die  Gerollanhiiufungen  an  der  cinsliuen  l;lutligrenze,  heute  zu  Gon- 
glomeralen  verkittet ,  fchlcn  nicht  inmilten  des  Festlandes.  Noch  vor  verhiilt- 
nissnusslL:  km/en  Xeitriiumen  waren  manche  und  /war  gerade  die  hochsten 
Gebirge  der  Krde  noch  Mecresboden,  waren  ihre  G«>sieine  noch  schlammiger, 
mil  den  Thicren  des  Mceres  gemenglcr  Bodensalz.  Krst  (lurch  langandanernde 
Hebungen  wurde  der  einslige  oceanisclu?  Grund  /.um  Festland  und  zum  Hoch- 
gebirge.  Diese  Ilebung  ging  aber  nicht  gleichfbrmig  und  constant,  sondern  mit 
Unterbrechungen  durch  Stillstande,  ja  durch  neu  eintretcnde  Senkungen  vor 
sich.  An  zahlreichen  FrscheinuiiL'en  liisst  sich  diescr  Process  der  Niveauver- 


I :!  I  III.    |)\ii;imisrhc  (reoloijif. 

iindcrunu  dcr  alien  Continents  verfolgen.  An  kcinem  I'unktc  dcr  i:co|oi:isch  be- 
kanntcn  Erde  ist  die  Heihc  dcr  unler  Mithiilfe  dcs  Mecrcs  .  also  aus  Niedcr- 
schlagcn  aus  dcmsclbcn  entStandenen  gefcchichteten  l-'ormationcn  cine  \<>llsl;indiiic, 
ubcrall  IVhlcn  ciii/clnc  \\ichligc  (lliedcr  dcrsclhcn  ,  an  den  ineistcn  Slcllon 
sogar  dcrcn  Mchr/ahl,  ;in  \iclen  sind  iiur  cin  odor  zwei-  Fonnatinncn  nnd 
nodi  d;i/u  inn-  llicil\\cise  /ur  Ablagcrung  gckommen,  oft  Insert  die  jiingsle 
direct  ;iuf  der  iillcsicn  Formation,  \\iihrcnd  alle  X\\  ischenglieder  fchlcn.  Solchc 
l.iicken  in  der  Schichlenrcihe  cnlspreehen  periodischcn  Emersinncn  grosscrcr 
odcr  klcinci'cr  Tlicilc  des  diiinaliizcn  Mecres^riindcs  iiher  den  W;issei\spicL'c], 
in  Foliic  dercn  /.\\;ir  rings  um  den  iicliohcncn  Landslrich  conlinuirliclic  .\icdci-- 
des  Mccrcs  ciTol^len  ,  auf  ilun  sclbsl  jcdwh  nicht  slallfindcn  koiuitcn. 
ueniiiLZcn  dieses  cinslii:cn  Fcstlandcs  durch  jiin^crc  Schichtcnreilicn 
hcN\ciscn  spiilcrcs  /nriicksinkcn  dcs  in  das  Trockene  izchohcncn  MeereSgrundes  in 
soin  friihercs  Niveau,  und  cndlich  seine  jelzii^e  Lage  oherhalb  des  Mecres- 
spicgels  eine  none  Ilelumi:. 

Fernere  Beweisniittel  stctiiici-.  \\cnn  auch  lanizsamcr  NiNcaiiveriindcrungen 
dcr  Erdoberfltlcbe  \\alircnd  verflossener  geologischcr  Perioden  Ireten  uns  in 
dcr  WecbseilagemBg  rein  mariner  Schichtenreihen  mil  Land-,  Surnpf-  und 
Siisswasserbildnngen  enlircucn.  Sandsleine  mil  Resten  von  Landpllan/cn  und 
Flotzen  von  Steinkohle,  vvelche  aus  der  Vervvesung  von  Farnen,  Calamitcn 
und  Sigillarien  oder  von  Conifercn,  (lycadeen  und  Equisetaceen  hervorgegangen 
sind,  Schichten  ,  auf  welchen  sich  noch  die  Fussabdriicke  der  Thiere  erhalten 
haben,  die  am  Meeresstrandc  ihre  Xahrung  suchlen,  Schichten,  anf  welchen 
man  noch  die  Wellenfurchen  der  Ufer  uralter  Oceane,  die  Eindrticke  von\elt- 
lichcr  Hegentropfen  erkennl,  sie  werden  iiberlagert  von  machtigen  Formationcn, 
dcren  Ueichlhum  an  Hcstcn  von  Bewohnern  der  Ticfscc  auf  einen  occanischcn 
Trsprung  dcrselben,  also  auf  bedeutende  und  \\icderholleSenkunucn  dcs  vor- 
rnaligen  Fesllandes  und  auf  eine  spatere  neuo  Hebung  desselben  in  sein  jct/.i- 
i;cs  Niveau  schliesscn  lassen. 

Mil  diesen  zum  Thcil  schr  ausgedehnlen  llcbungen  und  Senkungcn,  mil 
dieser  sich  forlwiihrend  gellend  inachcnden  Umgeslallung  der  Conturcn  dcr 
Erdoberfliichc  gingen  stele  Veriindcningen  der  I.ocall'auna  und  -Flora,  das  Vcr- 
drangtwei'den  der  iiltercn  und  di(>  Eimvanderung  eirier  bcnachl)ar(en  Hand  in 
Hand.  Bei  cintretenden  Scnkungen  slcllten  sich  stall  der  bisherigen  contincn- 
taJen  Thier-  nnd  IMlanzenwell  zuersl  die  Bewohner  der  Siimpfc  cin  ;  \  or  dcni 
hcrcindrin^ciuhMi  Mecrc  vcrsclm  andcn  auch  dicse;  die  Organisincn  dcs  Brak- 
\\.isscrs.  dann  die  dcr  scichlcn  Sec  und  noch  s[>iiler  die  d('s  oll'encn  Oceancs 
\\andcrtcn  cin.  Bei  Hcbunucii  dcr  von  YVasser  bcdcckten  l.andslriche  zti  I'Vsl- 
land  fand  die  imiuckdirlc  fteihenfolge  in  dcm  Wcchsel  dcs  or^anischen  I.clxMis 
stall.  Dcr  Thier-  und  IMlan/encharaklcr  cin  nnd  dersclben  Slellc  der  Erdoltcr- 
Iliichc  \\ar  dcinnach  ,  ganz  abgcschen  von  den  mil  dcr  Xcil  rortscfircilcndcii 
Ver&nderungen  dcs  organischcn  (lesaminthabitus  dcr  I-'-rdc,  roi'ldaucrndeji  und 
darofagreifendei)  \Vandcluni:cn  und  -c-cnscitit:cn  Ablosungen  unlcruorl'cn. 

Die  gegcimarligc  Vcrlhcilnng  von  Land  und  Wasscr  so\\  i<-  dcr  Thier-  und 
IMlan/.cnwell  isl  als  d;\s  Hcsultal  dcr  Icl/lcn  Ereignissc  dcr  bcscliriclicncn 


III.    !)\iKimiM'|ie  (ieolo-ic.  1  :>."> 

Art  auf/.ufassen.  Sell  Jahrlausendcn  mag  dieses  Itild  cine  ge\\issc  Stahililiil 
behauptet  haben  und  mag  sic  I'ilr  uoch  ehen  so  lange  Zeitriiunic  bcuahren: 
cs  \\ird  jcdoch  die  Xeil  konmicii.  \M>  die  (lonturformcn  dcr  (iontinente  andore 
gc\\ordon  >ind ,  wo  die  Yerlhcilung  von  Festland  und  Ocean  mil  der  jet/.igeu 
koine  I  bcrcinslimmung  mehr  zeigen  \\ird. 

§.  o.  Elltsl cluing  dcr  Conlineilte.  Es  ist  eheu  ge/.eigt  worden,  dass 
sicli  die  Krdkrusle  in  fhiheren  gcologischon  1'erioden  fast  stels  im  Zustaiule 
grossartiiier  Ilchunizen  und  Scnkun^eii  hefunden  hat.  Diese  Bewogliclikeit  des 
anscheinend  Stan-en  und  eincn  I'esten  Widersland  Entgegensetzcnden  mtlsste 
unei-kliirlich  srheinen .  \\enn  nichl  die  geringe  Dicke  der  Erdrinde  N\iihrond 
IVillierer  Zcilalter,  nainenllicli  a  her  Spaltenhildungon  in  BerUcksichliizung  ue- 
/.oiien  \\iiidcn,  \\elclic  die  Krdkruste  durchsctzen,  die  einzelnen  Hebungs-  und 
Scnkungsfelder  \on  einandcr  trennen  und  dadurch  Niveauveriinderungen  dei- 
selhen  erleiehlern.  Man  lial  (Irund  an/unehinen ,  dass  die  ErstaiTunizskruste 
der  Krde  anfiinglicli  glfichiniissig  von  den  Gewiissern  des  iiltesten  Meeres  be- 
dcekt  ge\\es(>n  sei.  Die  Ahkiihlung  der  Erde  hatte  eine  Verrinizerung  des  Vo- 
Ininens  /ur  Folge,  mil  \\elehcr  Spaltenbildungcn  in  der  Erdkrusle  und  Sen- 
kunucn  einzelner  Parlicn  der  let/.teren  in  Verhindung  standen.  Das  Nicder- 
sinken  iler  Hinde  auf  dem  griisslen  Theile  der  Oheriliiehe  des  gluthfliissigen 
kernes  veranlasste  eine,  wenn  auch  verhiiltnissiuiissig  sehr  unbedeutende  He- 
hniii:  der  ilbrigen  Schollen.  Durch  den  gleichzeitigen  Einlluss  beider  entgegen- 
L:eset/ler  Ilewegungen  in  versehiedenen  Regionen  wurde  der  erste  Anstoss  /.ur 
Sclieidung  V(jn  Land  und  Wasser,  zur  Bildung  der  Mcere  und  des  Fesllandes 
uc-.  hen.  Die  horizontalcn  Conluren  der  heuligen  Continente,  von  denen  jc- 
doch die  llaehen  Kilstcnzonen  als  ihre  vom  Meere  bedecklen  Rander  nicht  ge- 
trcnnt  \verden  dtirfen,  waren  also  bereits  im  Beginne  dcr  Geschichle  des  Erd- 
halles  im  Allgenu-inen  \orge/eichnet  und  erlilten  nur  dadurch  Modificalionen, 
dass  die  forldauerndon  llebungen  nicht  gleichrnassig  in  den  ganzen  Hebungs- 
feldern  vor  sich  gingen  und  ebenso  durcli  zahlreiche  giinzliche  oder  theilweise 
Siihinersionen  dcrselben  unterbrochen  \\nirden.  In  lelzterein  Falle  boNNeuicn 
sich  ha'ufig  submarine  Schollen  der  Krdkruste  in  entgegengesetzleni  Sinne,  \\o- 
diirch  gleichzeitig  grosse  Begionen  des  Meeresgrundes  in  Land  verwandcll  \vur- 
den.  \\iilirend  sicli  das  frilhere  Kestland  unler  den  Meeresspiegel  senkle.  Hier 
helud  es  sich  mil  den  oceanischcn  Sedimenten ,  Nvelche  naeh  \vieder  einge- 
tretener  llchiing  die  hori/.ontalen  und  \crlicalen  Conluren  der  tlber  dem  Me(>re 
helindlichen  Thcilc  der  (lontinentalmassen  in  so  ausgedehnlcr  NVcisc  heeinllussen 
mid  so  \\esenllichen  Antheil  an  der  Xusainmcnsel/.ung  der  ausseren  l^rdkruste 
nchmen  solltcn. 

\\iihrcnd  heim  Auftauchen  ganzer  Continenle  griissei-e  Theile  der  Erdki  iistc 
eiiier  llebung  unlei'lagen ,  \\urdcii  hei  l-lntsteluing  der  (icbirge  kleinerc,  bc- 
schriinklere  Zonen  von  einer  beschlenniglen  Erhebung  hclrollen.  \\clch(>r  Spal- 
lungeu  del-  Erdkrusle  voraiisiiegangen  scin  musslen,  um  eine  derartigf!  Be\\ci:- 
lichkeil  zu  ermoglichcn.  Aus  der  Abhangigkeit  der  Gebirgsrichlung  von  dem 
Yerlaulc  der  kiistcn,  souic  dcr  Gehirgshohe  \on  der  Grosse  des  angrenzenden 
Oceans,  ferner  aus  der  Anlagerung  von  llochland  an  die  conlinentalen  Al)hiinge 


der  Gefoirge  uehi  her\ur.  d.i>s  die  meislen  und  hOchslen  Gebirge  cr.st,  nachdem 
il;is  Festland  bereits  seine  hciiligen  I'mrisse  angcnnmmcn  hallo  ,  entstandet) 
sind,  d;iss  mil  andereii  \Yorlen  die  Cmilineiile  alter  sind  a  Is  diese  Gebirge. 
Die  mil  der  Knlstehung  der  Continenle  und  Gebirge  verkniipflen  Sliirungen 
der  LdgeniDgSVertmltniSse  der  Gcstoino,  so\\ie  die  Addition,  \velche  sich  l»ei 
drr  spjitoron  Herausbildiiug  der  GebirgsgliedermiL'  und  iiberhanpt  der  Ober- 
RgehenverhilUllSSe  der  Conlincnlc  bethaliiilon,  sol  Ion  in  einein  anderen  Capitol 
besprochen  \vmlen. 

§.  6.  Auscheineude  (iesetxiiiiissijt'keit  in  den  Conlurformen  der  Con- 
tinente  und  dein  Verlaufe  dor  tJebirge  ini  /iisaniinenliange  mil  deren 
Flltslehmmsweise.  M,\n  i;laul)t  in  don  Conlurl'ormen  der  (!onlinonl(> ,  sn\\ie 
in  dein  Verl.iufe  und  dor  Verlheilnnu  der  (Jobiriio  eine  ^e\\isse  (Jesel/iniissii;- 
keit  /u  cM'hliokon ,  \velehe  sich  in  folgonden  Punkton  jiin  auffiilliyslen  kund/u- 
i:el)on  scheint : 

<)  die  (lonlinonlo  sind  nacli  ihron  Kdslon  zu  uehii'iziLi,  in  ihrein  Inneron 
alter  Nei'liiiltnissmiissiij;  niodrig; 

'2  das  hbchsle  Kilslongobiri:o  liogt  an  dom  grb'sstcn  Oceanc,  d;is  unbodeu- 
lendoro  nacli  dom  kloinoron  Moore  zu ; 

3)  die  Vulkano    sind    moist   auf   die    Moorosktislo    boscliriinkl ,    ini    Innoren 
dor  Continenle  sind  sic  Sellenheiten; 

4)  fast  alle  Vulkane  oines  Continonlos  concenlriren  sich  nacli  tlom  urosslen 
Oceane    zu ;    so    liegen   die    moisten  Vulkane    Asions    und    Aiucrikas    am    slillon 
Oceane.   don  sie  vollstandig  umgurten; 

5)  die  Lagerunysvorhiiltnisse  der  Schichten  haben  an  den  Continontalktislen 
grossailigo,   in  Inneren  der  Conlinente  fast  keine  oder  verhaltnissniassiii  goringe 
Sldrungen  erlitlen; 

6)  die  KUslenlinien,  Gobirgskelten  und  Inselroihen  besitzen  in  don  moisten 
Fallen  eine  nordb'stliohe  oder  eine  nordweslliclio  Richtung; 

7)  die  Conlinentalmasscn  der  Erdc  sind  durch  Meeresarme  odor  liofo  Mee- 
resbuchton    in  je    eine  nbrdliehe    und  eine   sildliche  Iliilfle  gelheilt;   diese  tron- 
nonden   (iowassor   sind   reioh    an   Vulkanoninseln   (Ostindien,   Rothes  Moor,    Mil- 
lollandisches  Meer,   Kleine  Antillon,   siehc  pag.   10). 

Auf  dieson  niohl  ab/.uslroilendon  LIbereinstirnmungen  oder  (Jescl/niiissig- 
koiton  in  don  Conturlbrmon  der  Erdoberflache  fuss^n  Dana's  Ansichton  iibor 
die  EolsfefauDgsweise  dei-  Continenle  und  Gobirgo.  Naoh  ihm  ist  dleSpalliinu 
der  Erdkrusto  nacli  bostimmlon  Richlungon  dcs  geringslon  Zusammenhanizos 
P'schehen.  Diese  Riebtungeo  laufon  nacli  N\V.  und  NO.:  \vo  sie  collidiron. 
kiinnon  die  sonst  geradon  Union  zu  Curven  svorden.  Durch  Ilobung  oin/.elnor 
dioser  von  Spallen  gotronnlon  Folder  und  Senkung  der  anderon  enlstanden 
gloich  anfangs  die  Oceane,  Conlinonto  und  grbssoron  Insoln  ungofiihr  in  ihren 
lieiitiizen  hori/.diilalen  rmrissen.  Die  Conlinenle  orsclieinen  dahor  moist  als 
Dreiecke  mil  nacli  Sudon  izeridileler  Spit/.e.  Dor  durch  das  Niedersinken  di  s 
-i.^slen  Theilos  der  Krdrindo  auf  die  gohobenen  Schollen  ausuoiiblo  Druck 
hiil  sich  namentlich  auf  doren  Riinder ,  auf  die  Kiislon  goiiussert  und  hal  die 
hier  anstohondon  Gestoinssdiichten  aufgeriohlol ,  geknickt  und  gefiiltelt,  die 


III.     Dvnaiiii-rlir    ( ii-oln-jp.  l'>7 

kustenreuionen    selbst    aber    gehoben,     \\eshalb    diese    meist    holier   MIK!   als   tl;is 

Innere  der  (loniiiienie.  Wo  sich  au&gedehole  Partien  seokten,  \\  urde  ein  grosse- 
ier  Druek  mil'  die  y.unaehsi  lie^eiulen  Kilsten  ausgeiibl,  als  wo  kleiuere  dies 
Ihalen.  Deshalb  lichen  mi  dem  gnisstcn  Oeeane  die  lioelisten  Gebirge,  und 
dcshalb  ist  /..  M.  diis  Slillc  Met  r  von  lioheren  und  sleileren  Gebirgen  hcurcn/.t 
ills  this  iitlmilisdir.  In  Kol^c  dieses  sUirkeivn  Seiteiidruckes  sind  h(>i  dec  forl- 
diiiu'nideii  llelmii-  tier  Kiisleniiehiri-e  und  Knickung  dor  dort  anstehenden 
Sehirhten  neue  Spalti-n  und  somil  neue  VQFbiodUD^WjBge  mil  dent  Krdinneren 
enlslanden,  dureli  wolclu1  sieh  \iilkanische  Kriifte  einen  Ausweg  suchlcn.  Da- 
lier  \\ii-tl  last  tier  giui/.e  Stille  Oce;in  von  einein  Ki'iin/e  von  Vulkancn  nin- 
gehon.  /eihveilii;  \vnrde  ein  bosonders  starker  Druck  auf  die  Klislenliinder 
tier  Conlinente  iuisgclibl,  \\odiircli  elwas  Nveiter  von  der  KUste  enlfcrnlc,  ihr 
;d)ei-  parallele  (iel'irue  einporuehtiben  \\urden.  KiiKMii  solchen  aussoriiowohnlicli 
staiken  Diutke  \crdanktcn  im  teitjiircn  Zeitaller  die  Rocky  Mountains,  die 
Andes,  die  1'yreniien.  Alpen  u.  a.  ihre  h'-rliehuntz.  Die  Hauptmomcnle  in  Dana's 
Theoi-ie  sind  somit: 

a.   Spa  I  Icnbildung  in  gcselzniiissiger  Richlung; 

I),  lleliuni;  tier  einen,  Senkung  dor  anderen  Schollen  der  Erdkrustc  und 
dadurcli  Seheidung  von  Land  und  Mcer,  --  Entslehung  der  Con- 
tin  e  n  t  e ; 

c.  in  lolize  des  von  Sciten  der  im  Sinken  bcgriffenen  Theile  der  Krdrinde 
und  der  sie  bedeekemlen  Oceane  ausgeUblen  Seilendruckes  auf  die 
Miinder  der  Continente :  Erhebung  der  Gebirge,  dcren  Hb'he  in 
einern  bestimmlen  Verhallnisse  zur  Grb'sse  des  angrenzenden  Oceanes 
steht, 

Mogen  die  GesetzmUssigkeilen,  auf  \\elchen  diese  Ansichten  beruhen,  auch 
n ur  stheinbare  sein,  so  sleht  doch  nach  allcm  friiher  Gesagten  fest,  dass  es 
die  von  dein  i;lutlilliissii:en  Krdkern  her;uif\virkende  vulkanische  Kraft  ist,  wel- 
elier  die  Krde  die  Seheidung  von  Land  und  Wasser  und  dadurcli  auch  ihr 
hiiehsl  organisirler  Hewohner,  der  Mensch,  die  Moglichkeit  seiner  Existenz  ver- 
diinkt,  -  -  cs  ist  der  Vulkanisniu's,  welcher  die  Einfbrmigkeit  der  ursprllnglieh 
fast  vollkommen  ebencn  Continente  unterbrach,  einzelne  Theile  zu  Gebirgcn 
(Miiptirdriinule  und  die  stagnirendcn  Wasser  zwang,  sich  Wege  nach  deni  Meere 
y.u  bahnen,  \velehe  y.u  Adorn  des  Verkehrs,  ja  zu  Bedingungen  menschlicher 
Civilisation  \\erden  sollten,  --  es  sind  endlich  die  Niveauveriindcrungen  vul- 
kanisehen  Ursprunges,  \\elehe  ganze  Faunen  und  Floren  zum  Wandern  zwan- 
iien  und  deshalb  den  grossten  Einfluss  auf  die  Verbreitung  der  Organismcn 
ausgetlbt  ha  ben. 

Die  geologische  Thatigkeit  des  Wassers. 

1st  auch  der  Kinlluss  des  Vulkanismus  auf  die  GesUiltung  der  I-lrdobcr- 
Iliielie  und  dadurch  auf  die  Organisation  der  Erdbewohner  kauni  zu  iibcr- 
sehiilzcn,  so  ging  doch  die  Geologic,  begeisterl  fUr  das  gcwallige  Agens,  darin 
7.11  well.  In  der  geheimnissvollen  Thiitigkeit  der  unterirdischen  Krafte  glaubte 


]'.\^  III.     iKiiainisrlie    Geologic. 

man  die  alleinige  I'rsaelif  <lrs  ausseren  Habitus  dor  Erde  orkannt  zu  habon: 
man  selirieb  die  Mannigfalligkeil  in  den  Tnirisscn  dor  Continente,  dor  Insolrcihon, 
\\elchc  dioso  lol/loron  umgiirlen,  die  (iliederung  dor  Gebirge  in  Tliiilcr  und 
Iliihon  \ulkanisrhen  P;m>\\  smeii  /u  und  nialte  sicli  Ho\ohitionon  aus,  \velehe 
die  Erdo  in  ihron  Gnmdveslon  rrscliiitterl  und  umgeslallel  liiitton.  In  dor  Yor- 
liebe  fUr  das  Wundcrbare  eitirte  man  iilicrall  das  Gosponst  drs  Yulkanismus, 
indcin  man  os  verschmiihlo,  an  dor  Hand  niiolilornor  Beobachkmgeo  oino  don 
natilrlichon  yorgiingen  entsproehrnde  Lbsung  dor  geologischon  Hiilhsel  /.u  lindon. 
Man  glaubte  ;uis  grnssarligeu  \yirkungen  auf  grossartigo  Krafliiussorungen 
scliliosscn  zu  iniisson.  und  \\ar  ondlich  iihorraschl,  in  dom  Allos  durchdrin- 
gondon  Was  sort  ropfen  das  Element  /u  erblicken,  dessen  stille,  abor  nim- 
mer  still  stehondo  Tliiiligkoil  die  Ilauptursache  dor  houligen  Oberfliiohengoslal- 
tung  der  Erde  ist. 

An  der  einon  Stclle  zerstorond  und  furtfiihrend,  an  der  anderen  absotzond 
und  noubildend,  ist  dem  \Vasser  die  Aufgabe  gestellt,  dem  Vulkanismus  onl- 
gegen  zn  arboiten,  unmireissen ,  was  vulkanische  Kraft  aufcoUiiirmt.  aus- 
zuebenen.  \\as  sie  .emporgedrangl  hat.  Das  Endziel  seiner  Thiitigkeit  ist  es, 
die  urspriingliche,  regelmassige,  von  Berg  und  Thai  nicht  unterbrochene  Gestall 
der  Erde  \viodorhorzustellon.  Die  Annahine,  (lass  das  Wasser  nur  in  fliissigoin 
Zustande  eine  Rolle  in  diesem  Kreislaufe  spiele,  ist  eine  Tauschung.  Derselbe 
Drang  nach  der  Tiefe,  \volcher  das  Wasser  zum  wichsligen  geologischen  Werk- 
zeuge  geslaltct,  wohnt  auch  dernEise  inne.  Wir  haben  demnach  das  Wasser 
so \vohl  in  fllissigem,  als  im  feslein  Zustande  mil  Beziehung  auf  seine  geo- 
logische  Thatigkeit  zu  betrachlen. 

1.    Das  fliissige  Wasser  als  geoiogisches  Werkzeug. 

Das  ganze  Kreislauf  des  Wassers  ist,  abgesehen  von  seinen  Ptlichten  gegeu 
die  organische  Natur,  ein  geoiogisches  Werkzeug,  dessen  einschneidende  Wii- 
kung  auf  seinem  Streben  beruht,  von  der  Hb'he  nach  der  Tiefe  zu  gelangen. 
Als  Hegentropfen  auf  den  Schauplatz  seiner  irdischen  Thatigkeil  gefallen,  begin n I 
cs  sogleich  mil  Uberwindung  aller  Hindernisse  sich  einen  Weg  nach  dom  ticf- 
>ten  Punkle  der  Erdoberflache,  dem  Meere,  zu  bahnen.  Der  Grosse  und  Schwie- 
i-igkoit  der  Aufgabe  des  Wassers  entspricht  die  Viollaltigkeit  der  Mittel,  \velche 
ihm  /ur  Erfiillung  derselben  zu  Gebote  geslellt  sind.  Reichl  seine  mecha- 
nise he  Kraft  zur  Zerlrtiinmorunii  und  zur  Transporlirung  dor  Gesteinsmassen. 
welche  sich  ihm  in  den  Weg  stellen,  nicht  aus.  dann  kommt  ihm  seine  Fiihig- 
keit  zu  IlUlfe,  gewisse  Bestandtheile  der  Gesteine  chemise h  aufzulbsen,  zu 
/ersetzen  und  aus/.ulaugen  und  daduroh  den  Fols  in  seinem  innerslen  (iettiue 
zu  lockeru,  und  sind  beide  vereint  zur  Bcwultigung  der  Hindernissse  zu  schuaoh, 
sti  gcsellt  sich  ihnen  der  Frost  zu.  Dann  nimmt  das  Wasser  seine  festo  Form 
an  und  dehnt  sich  bei  dieser  Gestaltsveriindorung  mil  so  unwiderslohlieher 
(ii-\\alt  aus,  dass  es.  in  Felsspallen  eingeschlossen,  die  -(iesteino  zerlrummerl. 

D.T  XVoi:,  wolohen  das  \Va>ser  oinsehliigl,  um  aus  den  Bergen  in  die 
Kbenc  und  von  da  zum  .Mooi'o  y.u  gelangen.  isl  ein  dnppeller.  Ein  Theil  sucht 
sich  unlerirdische  Bahnen,  ein  anderer  folgt  dor  Oberlla'che  dcs  Bodons. 


III.    iHiiainisrlie   (u'ologie.  I  '->9 


Aus  dcr  llebung  eines  l.andslrichcs  zu  einem  Cebirge  ging  niclil  umnit- 
telbar  (I.  -is  hcr\or.  \\;is  licutc  als  ;ib\M'chslmigsrciclies  (ian/cs  \<>r  mis  liegl, 
-  der  Vulkaiiisnnis  licferle  \iclmehr  nur  cine  rolic,  ordmmgslos  von  Spaltcn 
durchsetzie  GesieinMiiasse  :  dicse  in  ein  gegjiiedertes  Gebirgssystem  uftimgestalten, 
liegl  dmi  NYas-er  ub.  Her  ersle  Megenguss  leitele  die  Arbeit  ein.  Die  gel'al- 
lencii  Tropfen  streben  nacli  dcr  nachslen  Bodoneinscnkung.  /arle  Hillcn  liiutcr 
sich  zuriieklasscnd  :  /inn  Kirsclbacli  \ereinl.  schncidcn  sie  sicli  \Yasscrisse  in 
das  (lesfein:  als  (irlurgsbach  sllirzen  sich  die  gcsamniolton  (l<nviisser  in  vor- 
handcnc  Spalton,  enlfalten  hicr  die  i^an/e  Kraft  Hirer  Falllha'tkkeil  und  Nxilhlcn 
sieh  liefe  Srlilurlilen  in  die  l-'elsen.  Die  Biielie  \ereinen  .sicli  y.nin  BeriiStroine, 
\\clclier  di(>  Schluclil  /inn  (iebirusllial  ersM-itcrt,  die  Bergslriiine  y.\\  Fliissen, 
deren  Helt  sich  /inn  Tliale  ansdehnl,  aus  welcheni  sie  in  die  Niederung  trelen, 
inn  duivli  diose,  indein  sie  anderc  (ieNviisser  in  sieli  aufnclnnen,  dein  Meere 
als  Strum  x.nxiilliessen  :  ein  knnstreiches  S\slem  von  Wasscrcanalen,  dessen 
y.arlesle  Aste  sich  im  lloeliiiebirge  vemveigen,  urn  jed<'ii  Wasserlropfen  anf/u- 
l'aiii:en,  nut/bar  /u  machen  und  dein  Mecre  xuxufilhren.  In  den.  ursprling- 
liehen  ('iel>ii'L'sabfall  schneidcn  sich  die  Wasser  ein  solehes  System  ncbcn  dein 
anderen  ein;  Schluchten  und  Thaler  unterbrechen  jetzt  in  mannigfachster  Ge- 
stallmiiz  die  frliher  gleichtonnig  ausgedelmlen  Abliiinge,  als  deren  Uberbleibsel 
nur  nodi  di(>  Felsrdcken  und  Felsgrate  stehcn  geblieben  sind,  welche  die  ein- 
/elnen  Tliider  trennen.  Hire  oberen  Begren/mi|zslinien  deuten  das  vordeni  all- 
i:enieine.  miunterbroclit'iie  Niveau  des  Bergabfalles  an. 

I>i(  Bildung  dw  Thaler  durch  lliesscnde  Gewiisser  ist  nicht  das  Endziel 
Hirer  Thiitigkeit,  sondern  nur  das  Miltel  xur  Erreichung  eines  Zweckes.  Soil 
das  Meer  dureh  Absiitze  fortwiihrend  neue  Schichten  und  durch  Anschwem- 
inmiLieii  neues  Feslland  schaflen,  so  bedarf  es  eines  Ersatzes  dcr  Him  dureh 
vulkanische  llebunjien  enlzogeiuMi  Sul)stan/.en,  —  dem"  Bache,  deui  Flussc  isl 
die  Aul'^abe  /u  Theil  ge^orden,  diese  Zufuhr  nnd  Neuversorgung  zu  be\\erk- 
slelligen.  In  dcr  Erfilllung  derselben  spielen  Thalltildlingen  eine  doppelle 
Mdlle,  einerseits  sind  sie  die  AnuritVspiinkte,  welche  sich  das  Wasser  zur  Zer- 
stiirung  der  (iebirge  gevviihll  hat,  also  die  Liefcrungspltitze  des  Gesteinsmatcria- 
les,  andrrerseifs  zugleieh  die  Caniile,  in  welchen  die  gewonnenen  Gesteins- 
Irilnuner  dem  IVstlando  enlluhrl  und  dem  Meere  zugefUhrt  werden.  .Icder 
Beuenguss,  jeder  (  ie\\  illerschauer  komml  den  Gebirgswassern  zu  Htllfe,  indcm 
er  von  den  absehUssigen  BergabhiingtMi  I'clsblOckc  loslbst  und  dein  Bache  zu- 
fiihri,  dcr  sic  entweder  direei.  oder  nachdcm  sie  der  Frost  in  klcine  Sllieke 
gesprengl  hal.  mil  sich  fortschiebt.  Durch  ge^enseitige  Keibung  runden  sieli 
die  Fragmente  alt  und  \crliercn  zugleieh  immer  melir  an  Griisse,  bis  sie,  am 
I  n»c  dcr  (iebirge  aiigeki>mmen,  zu  Kies,  Sand  mid  zuin  Theil  zu  den  feinen 
Schlammllieilchen  /erinalml  \Minlen  sind,  \\clchc  die  Triibung  der  Flilssc  be- 
\\irken.  Selbsl  an  schr  saiiften  Thalgehiingen  sind  die  Begenuasser  unabliissig 
Ihatig,  sandigcs  mid  (>rdiges  .Material  /u  rauben  und  den  Striimen  zuzufUhrcn. 
In  Folge  der  allgemeinen  Verbreilung  der  IJcgcn  mid  der  dadurch  bedinglen 
Bildung  \nn  Iliessenden  \\asscrn  ist  dcr  gnisstc  Theil  der  Oberlliiche  des  Fesl- 
landes  in  einer  Be\\egung  naeh  dem  Oceane  bcgrill'cn.  in  \velchem  sich  die 


I   10  III       iKiiiimi.M-hr 


Sukslan/en  /u  feinom  Sehlamme  niedrrselilatieii,  inn  .illniiihlich 
zu  Geslein  xu  orhiirlon  mid  itn  Laufe  dor  /oilriiiiino  von  Nonem  iiber  dm  Spie- 
gel (It's  Moeres,  x.uin  Theil  y.u  liolien  Gebirgen  gehoben  zu  \verden.  l);is  Ma- 
lorial,  aus  \\elehern  dio  Krdkrusle  aiifgcbaut  1st,  bolindet  sich  soinit  in  eiiiein 
ilDUBterbrochenen  Kreislaufe,  —  einem  Kroislaufo,  den  iliiu  dio  Halm  dos  Was- 
sors  \orschroibt,  wolrhos,  iiu  Mooro  angelangt,  in  Dunstform  zum  Gebirge  zu- 
i  -ufkkehrl,  uiii  dort  von  Neuoni  seine  Wamlerung  in  die  Tiefe  anzutivim. 
Daboi  stehl  ihm  aber  ausser  dem  Wege  auf  dcr  Oberfluchc  der  Krde  noch 
oin  zweiter  oH'on.  Durch  feinc  Spallen,  durch  Poren  des  Gesteines  dringl  us 
in  das  Innere  dor-  Gebirge,  um  an  dercm  Fusse  oder  in  der  Ebene  als  Ouelle 
wiedor  an  das  Tageslicht  zu  trelen.  Auch  aut  diesor  seiner  unterirdischen 
Hahn  liogl  das  Wassor  eri'olgreich  seiner  Aufgabe  der  Zerstbrung  ob  und  vcr- 
sioht  sich  /u  dicsem  Zvvecke  mil  ciner  neuen  Wafle,  indcm  es  begicrig  die 
Kohlensauro,  mil  der  es  in  Contact  gelangl,  aufsaugt.  So  ausgerilstot,  ont- 
faltel  das  Wasser  ini  Verborgenen  eine  so  grossartige  Thaligkeit,  dass  uns  da- 
liir  jeder  Maassstab  fehlt,  und  vervvandelt  das  Innere  der  starren  Erdkruslo  in 
rine  Woikstalt,  aus  vvelcher  die  wichtigsten  geologischen  Erscheinungen  hor- 
vorgohen.  Zuorst  dra'ngt  es  sich  in  die  Poren  der  Gesteine,  -  -  sclbst  die 
dichtesle  Felsart  kann  ihm  den  Zutrilt  nicht  wehren,  —  und  dann  beginnt  os 
den  Process  der  Auflbsung  und  Zerselzung,  welchem  ini  Laufe  der  Zeit  fast 
alle  Mineralsubstanzen  verfallen. 

Beladen  mit  fremdarligen  Stoffen,  setzt  das  Wasser  seinen  Weg  vveiter  fort, 
um  frischen  Kraften,  nehmlich  neu  eindringenden  Gewassern  Platz  zu  machen, 
\\clche  das  begonnene  Werk  der  Auflbsung  und  Zerselzuug  aufnehnicn.  Voi- 
der andauernden  Thaligkeit  der  mikroskopisch  kleinen  Wasserlrbpfchen  ver- 
scliwinden  ausgedehnte  Gesteinsmassen,  an  ihrer  Slelle  enlslchen  untcrirdischc 
Jlohlraunie,  an  deren  Erweilerung  die  Wasser  so  lange  arbeiten,  bis  ihre  Docko 
die  auf  ihnen  ruhende  Last  nicht  mehr  zu  tragen  vermag.  Dann  brichl  die 
Hbhle  in  sich  zusammen,  Stbsse  erschUltern  die  Erdoberflache,  der  Boden  \vird 
von  Spalten  durchsetzt  und  beginnt  sich  unter  erdbebenartigen  Erscheinungen 
zu  senken. 

Die  Minerahvasser  selbst  sammcln  sich  in  der  Tiefe  in  Spalten  und  llohl- 
riiumen  an  und  brechen  von  diesen  unterirdischen  Reservoirs  aus  als  Quollon 
hcrvor.  Dann  ist  ein  Theil  ihrer  Aufgabe  gelbst,  sie  haben  den  Gebirgen  oine 
bfdcuionde  Mengc  ihres  Materials  entzogen  und  in-  ihreni  Inneren  ebenso  zcr- 
slorend  gewii'kl,  \vie  di<^  Biiche  und  Strbnie  auf  deren  Oberflache.  Hire  Ar- 
beitsfahigkeil  als  chcmisch  lhatiges  Agens  erlischt,  sobald  sie  mit  atmosphariseher 
Luft  in  Berilhrung  kommen,  dann  entweicht  ein  Theil  der  Kohlensauro,  die 
onti'Uhrten  Substanzen  scheiden  sich  aus  und  lagern  sich  am  Fussc  der  Gebir^c 
odor  ilberhaupt  an  der  Quellonmiindung,  fern  von  ihrer  ursprUnglichcn  Hei- 
inatli,  ab.  Doch  am  Ziele  ihrer  Wanderung  sind  sie  noch  nicht  angelani:!. 
Die  unlerirdisehon  Wasser  haben  sie  nur  dem  Schoosse  der  Erde  cntftlhrt,  um 
sio  dor  zerstiirenden  l-'.in  wirkung  von  Seiton  dor  Iliossenden  Tage\vasser  zu 
uberliefern.  Binnen  Kurzem  mbiien  sie  diosom  Schicksale  verfallen,  begcben 


III.    l)ynaini<clie   lii-olo^ie.  1  \  I 


sich  von   IS'euem  auf  die  \Yanderung  uiul  treten  als  Schlainm,   Sand  und  Kies 
ihren  Weg  nach  dem  Meere  an. 

Die  Gebirgsquelien  entledi^en  sieli  jedoeh  ihrer  mineralisclien  Last  l»ei 
ilircin  Auslrille  ;tn  die  Taiiesoberfliiclit'  nieht  volislfindig  ,  eine  geringe  Men^e 
von  foemdarUger  Subsian/  und  /.war  n&mentlich  von  kohlensaurem  Kalke  bleibt 
\ielniehr  gelost  zurik-k  und  \\ird  von  ihnen  dem  izemeinsamen  Ziele  aller  (ir 
\\iisser  zugefiihrl.  Da  dies  in  Tausenden  von  Slrbinen  geschieht  ,  so  iniissic 
di-r  Oc-ciiii  inncrhall)  kurzi-r  Zcilriiunic  /u  oincr  »i!\valligen  Solution  von  doppell 
kohU'nsaurcni  Kalkc  \\erdon.  Dies  /.u  vorhindorn,  \virkcn  Milliardon  von  Mo«>- 
resfoe  wobnern  ,  deren  Lebensaiifgabe  es  isl,  den  kohlensaurcn  Kalk  ,  \velcluT 
aus  dem  Inneren  cler  Conlinente,  vielleichl  aus  den  ho'chsten  Berggipfeln  stanunl, 
nai-lidfiu  (>r  in  grlostom  Zuslande  \veile  Strecken  durchwanilert  ,  vvicdci1  dem 
\\'.-i-scr  /u  onl/iflu'ii  ,  als  fcste  Substanz  auszuscheiden  und  als  Material  ftir 
Gesteinsbildttngen  aufzuspeiohcrn.  Diese  iin  llaushalte  der  anorganischen  Na- 
tur  so  wichtige  Pllichl  liegl  namentlich  den  Mollusken,  Echinodennen,  Korallen- 
lliiercn  und  Fora  min  iferen  ob.  Die  Auslerbanke  der  atJantischen  Kliste  sind 
aus  Kalk  aufgebaul,  wclcher  zum  grossen  Theile  aus  dea  Alpen  und  anderen 
Boohgebtrgen  slainmen  mag  ,  —  die  Korallenriffe  des  Stillen  Oceanes  iniigen 
ihr  Material  xuiu  Tlieil  der  Andeskette  verdanken;  auf  der  anderen  Seite  sind 
diese  Gebirge  zum  Theil  wiederutn  nichts  anderes,  als  ilber  den  Meeresspiegel 
uehobenc  Baulen  von  Seethieren  ,  —  kurz  ,  diese  wie  jene  reprasenliren  nur 
Sladien  in  dem  Kreislaufe  des  Stoftes. 

Aus  dieser  Skizze  der  Belheiligung  des  Wassers  bei  dem  Enlwicklungs- 
processe  der  Erdoberflache  und  der  Wege,  auf  denen  es  seine  Aufgabe  ver- 
I'olpt,  uehl  hervor,  dass  die  Thaligkeil  des  Wassers  einerseits  eine  chemische, 
andererseits  eine  mechanische  ist  und  in  jedem  dieser  beiden  Falle  wiederum 
(iestein  zcrslbrend,  Mineralsubstanzen  fortftlhrend  und  Gesleins- 
malerial  absetzend  sein  kann. 

a)  Die  chemische  Thatigkeit  des  Wassers. 

§.  1.  Das  Wasser.  Die  Wasserdllnste,  welche  den  Luftkreis  unseres  Pla- 
nolon  erfullen,  schlagen  sich  auf  die  Oberflache  der  Erde  als  Regen,  Thau  und 
Schnce  nieder.  Diese  enthalten  elvvas  Kohlensaure,  namentlich  aber  Sauerstofl" 
und  StickstofT,  welche  sie  aus  der  Atmosphiire  absorbirt  haben  ,  und  ihnen, 
wenigslcns  den  beiden  erstgenanntcn.  verdanken  die  Wasser  einen  grossen  Tlieil 
Hirer  Zerselzungs-  und  Auflosungsfahigkeit.  Ihr  Kohlensiiuregohalt  isl  ursprtlnglicli 
ein  ausserordentlicli  geringer,  trotzdem  aber  durch  Kalkwasser,  selbst  im  Schnce 
nac-hweishar.  Kr  wird  jedoch  bedeutend  vermehrt,  sobald  die  Wasser  in  die 
an  vervvesenden  vegelabilischen  Restcn  reiche  obere  Schichl  der  Erde  dringen, 
\vo  sie  die  durch  Faulniss  der  organischen  Subslanz  enlstehende  Kolilensiiure 
aut'nehmen.  Endlieli  siiltigl  sich  das  Wasser  mil  der  Kohlensaure,  \\elehe 
aus  dern  Inneren  der  Erde  euiporsteigl,  und  \\elcher  dasselbe  auf  dem  \Yei:e 
nach  der  Tiefe  begegnet.  Ausser  Sauersloff,  StickstolT  und  Kohlensaure  fuhrt 
das  Sickcrwasser  von  der  Erdoberilache  organische  Subslanzen  mil  sich  in  die 
Erdleufe,  \vo  sie  in  Folge  ihrer  reducirenden  Einvvirkung  auf  die  Oxyde  ein 


I  12  (II.     l)\n;imi«-he 

\\irhtiges  Klement  ill  dem  durch  chcnlirende  Ge\\ii>ser  in's  \Veik  gesolztcn 
Umwandiungsprooesse  der  Gesleine  bihlen.  In  soldier  Geslall.  beladen  mil 
SauersiotV,  kohlensiimv  mid  organist-hen  N 'erbindungen ,  isl  das  Wasser  ein 
goologisches  Werk/eug,  (lessen  zersel/endem  mid  aui'liisendcm  Kintlus.se  keine 
l-'dsarl  irn  La  life  der  /eil  \\iderslehl.  Heitn  Eindringen  in  die  Gesteine  ver- 
liert  das  Sieker\\  as><  r  l>ald  seinen  SauerstolV  und  die  kohlensiinre.  i'alls  in  den 
Ge.xieinen  Kcirpor  vorhanden  sind,  \\elche  Yerbindungen  mil  diesen  Gasen  ein- 
gehen  kiinnen.  Dafiir  aber  niminl  os  solclie  .Mineralsuhstan/en  aul',  \\-cK-lio  in 
ilini  enl\\eder  an  nnd  fiir  sich  ,  odor  mil  Iliill'e  der  Kohlen.siitire  lii>licl)  sind, 
\vodurcl)  es  in  den  Stand  i:esel/,l  \vird,  \\eileiv  Zersel/untien  oder  neuc  liil- 
dunuen  /u  veranlassen ,  \venn  es  \veitor  in  die  Ticl'e  drini:l.  —  Der  von  den 
alnins|)liiiri.selion  Niedersclila^en  absorhirlc  Si  io  k  s  I  o  IT  izolil  mil  den  minern- 
liselien  Korpcrn,  xwischen  denon  or,  \om  \\asser  in  die  Tiel'e  liefulirl .  circu- 
lirl,  kerne  Yorbindmiijen  cin,  sondorn  \vird  bis  /urn  Wiederaustrill  der  (x)uell- 
T  in  Absorplion  gehallen,  macht  sicli  dann  \cm  ilini  Irei  nnd  kelirl  indie 
Atmosphiire  zuriick. 

§.  -2.  Durchdriugliclikeit,  Aufloslichkeit  und  Zersetzbarkeit  aller 
(icsteine  (lurch  AVasser.  Die  Taue\\asser  Irelen  ihren  \\eiz  nach  der  Tiefe 
an:  dabei  folgen  sie  nichl  allein  den  Spallen ,.  Klilften  nnd  Schichlungsfliichen 
der  Gesleine,  sondern  sie  dringen  in  diese  lelzleren  sclbst  ein.  Die  Ma--e 
allcr  (iesteine  isl  von  feinen  mikrosko})ischen  Poren  angefulll  und  \on  einem 
Nel/.e  ieiner  Haarspallen  durchzogen,  in  welche  das  Wasser  um  so  leichler  ein- 
sickerl,  je  grosser  dieselben  sind  und  je  bedeulender  der  Druck  isl ,  den  die 
auf  ilnn  lastcnde  Wassersaule  ansiibt.  Wio.  gross  die  Wassermen^e  isl.  \\elohe 
mi  Inneren  der  Gebirge  circulirl,  zeigl  sieli  in  den  Slollen  und  Seliiiehten  vic- 
ler  Berg\\erke,  von  deren  Wiinden  und  Firsten  das  Wasser  iropfl  und  riesell, 

-  dass  feinkornige  \vie  grobkb'rnige  Gesleine  durchdringlieh  sind,  \\ird  in  der 
vollslandigen  Zerselzung  mancher  Basalle  zu  Wacken ,  in  der  Kaolinisirung 
maiK  her  Granile  offenbar,  und  dass  Fliissigkeilen  iliren  Weg  in  selbsl  anschei- 
neiid  vollkommen  liomogene  Mineralmassen  finden,  ergibl  sich  aus  der  ktinsl- 
liehen  Fiirbung  der  Chalcedone  und  Acliale,  kurz  keine  einzige  Gesieinsart  sel/.l 
dem  einsickernden  Wasser  einen  absolulen  Widerstand  enlgegon. 

KbcnsoNvenig  wie  cine  vollkommene  UndurohdringlichkcMt ,  existirl  eine 
\ollkommene  I'nzerselzbarkeil  und  Unnuflbsliehkeil  irgend  eines  (iesteines  durch 
Wasser.  Wiirde  auch  der  Chemiker  ein  Mineral,  \\elc-hes  er  mil  NVasser  I*.-- 
handell  hat,  von  dem  er  aber  wedcr  durch  Reagent ien,  noch  dnrch  Abd;impt'en 
Spnren  in  lel/.terem  nachweisen  kann,  ein  unlosliches  nennen,  so  ist  doch  d;i- 
mit  der  Beweis  seiner  absoluten  Unloslichkeil  noch  nichl  gefiihrt,  denn  l>ei 
hohen  Graden  der  Verdiinnung  reagiren  Reagenlien  nichl  mehr  und  der  Uilck- 
sland  nach  dem  Abdampfen  kann  so  unbedeulend  sein ,  dass  er  dem  Ange 
enlgehi.  Findet  aber  der  Geologe  ein  Mineral  in  der  diesem  nichl  zukommen- 
den  Kryslallform  eines  anderen ,  nach  unseren  Krfahrungen  unlbslicln-n  Mine- 

r.iles  cjii,-  Pseudomorphose  dieses  lelzleren  .  so  beucist  dies,  irotz  der  an- 
scheinenden  Unloslichkeil  des  lel/.teren,  dass  (ie\viisser  das  verdriingte  Mineral 
im  Laufc  der  .lahrlausendc  aufgelosl  und  \veggefiihrl  halten ,  oder  dass  mil 


III.  n\n;\mi.s<i,t>  (iooloi.-io.  I  1:5 

llull'e  (It-s  Wassers  cine  lanusame  I  nmandlunu  der  .Masse  slatluel'unden  hat. 
Die  Pseudomorphosen  sind  also  UawandhtngSfMrodocie  urspriiiifjieher  Mineral- 
kiirper,  wohei  diese  d.ild  i:e\\isse  lU-Mandlheile  \erloren,  liald  solche  neu  auf- 
L:emimmen  hahen,  odcr  \\obei  ein  Austausrh  ein/.elner  Bestandtheile  oder  end 
lich  fine  iziin/.liche  Yerdranuung  tier  einen  Subslanx  durch  cine  andere  stall 
uefunden  hat.  Ihr  Sludiuiii  hat  /u  den  \\ichliiislen  Uestiltalen  iiber  die  I  in 
WftndltingSprooettC  ini  MtoeraJreicbe  ircl'uhrt  ,  li'it  namcnllich  die  l.oslichkri! 
\idcr  (icstcinscUMiifiilc  dai^fllian ,  dii>  filr  deu  Gheiniker  gewuhnlich  als  un- 
Idslich  ii«'lttMi.  l-'iir  Icl/.lcros  spivchen  vorzugswoise  diejeni|j;on  1'scudotnorphoscn, 
lici  \\«'lcht'ii  das  rinwandliinizsprodiicl  keinci-lci  cluMiiische  Bc/ii'hunii  inolir  xu 
dciii  urspi-iiniilichon  Mineralo  besilxt.  llierhcr  m-horen  die  Pseudomorphism 
\on  RraiMu-i.scnsti'in  nach  Ouar/.;  von  Zinnslein  nach  Fcldspalh ,  Sch\vcfclkics 
nacli  Ouar/.  und  HotliiziiltiutM1/.,  (Jnar/  nach  Flussspalh  u.  s.  \v.  In  hohoin  Maassc 
koinnit  drin  \\assor  l»tvi  dicscn  rni\\aiulliingen  sein  (Ichait  an  Kohlcnsiiun1  /u 
Staltfii.  /u  iian/  ahnlichcn  Itesullalcn ,  \\  ic  die  lloobaclilimi;  der  naliirlichen 
Vori:iini:c.  hat  das  Kxpcrimont  gefiihrt.  Ks  xeigte  sicli  nchinlich,  dass  l;cld 
spiithe,  Epidot,  (Jlimmor,  Turnialin,  Augit,  Hypersthon,  Hornblende,  Olivin, 
(ihlorii.  Talk  u.  s.  \v.,  also  anscheinend  unlb'sliche  Mineralien ,  in  feingepul- 
/usiamlf  und  beini  i'lx-iLiii'sscn  mil  kohlensiiurehaltigem  oder  selbst 
\\asscr  so  srhnrll  \on  jliescin  aniiegi-iffen  wurden,  dass  schon  die  erslen 
Tropfen  dcr  ablillrirten  I'lilssigkeil  Spuren  eincs  jenen  Mineralien  enlstannnen- 
den  Alkalis  odcr  einer  alkalisehen  I'.rde  x.u  erkennen  gaben.  Die  Krtahrung 
Ichrt,  dass  ausser  Gol<I  und  Platin  kauin  irgend  ein  in  kohlensiiurehalliiieiii 
\\'.isser  al)solul  unlosiiclies  oder  un/ersel/bares  Mineral  exislirl,  dass  nanientlich 
alle  die  .Mineralien,  \\elche  einen  \\esentliehen  Anlheil  an  dem  Aufbau  der 
l-'.rdkruste  nelunen,  dem  xersetxenden  und  losenden  Einflusse  der  Sicker\vasser 
nicht  \\iderstehen  kiinnen.  Die  Folge  davon  isl,  dass  sich  lelztere  mil  mine- 
ralisclier  Siibslan/  beladen  und  diese  mil  sich  I'ortluhren ,  dass  also  die  ur- 
spriinulich  reinen  alniosphiirischen  Wasser  von  ill  rein  Laufe  durch  die  Gesteiiie 
als  Mineralquellen  auf  die  Erdoberdache  zui'iickkehren ,  und  dass  endlieh  iin 
I.aufe  der  lancen  geologischen  Xeilriiuine ,  seil  denen  das  Wasser  durch  die 
(iesteine  liltrirl,  gan/  enonne  Ouanlitiiten  von  Substanxen  dem  l'>rdinneren  enl- 
/oiien  und  der  Erdoberllache  xiiizefuhrl  werden.  Die  Mineralien  verlieren  aber 
nichl  nur  durch  die  Wirkuni;  des  Wassers  mehr  oder  weniger  von  ihren  He- 
slandtheileii.  sondern  sic  erleiden  auch,  vvie  uns  die  Pseudomorphosen  be\vei- 
sen ,  vollsliindige  Yeriiiideruniien  in  ihrer  ursprilnulichen  ZusammeDSOtZUBg. 
Diese  Veriindenmiien  und  die  (ieset/.e,  nach  denen  sic  vor  sich  gchcn ,  sollen 
in  dem  Folgenden  betrachtet  \\crden. 

§.   3.     Die  hydro-cliemischen  Processe.     Die  in  die  Gesteinc  der  Erd- 
krusle  einsickernden ,    Kohlensiiure ,    SauerstotV  und  organisehe  Subslan/.en  mil 
sich   filhrenden   Wasser  leilen  folgende  hydro-chcmisclu1  Voriiiitiiie  ein: 
I)   Auflosung. 

(Ian/,  abgesehen  von  einer  Reihe  sehr  leichl  loslicher,    in   der  Nalur  eben 
aus  diesem  Grunde    selten    und    nur    an    besonders  geschUlxlen  Punkten    \or 
kommender  Sal/.e     Eisenvitriol ,   Kupfervilriol ,  Alaun,   Salpeler  u.  s.   w.),    sind 


Ill  III.       D\  IKIIIlisl'llC    (l 

rs   namentlich   vier  Gesleinsarlen,    aul'  \\  elehe  die  almosphiirischen  Wasser 
liisend   uiul   wegfiihivnd   einwirken:    G\ps,    Sleinsal/,    Kalkslein   unil    Dnlomit. 

Dor  Gyps  niinml  oinen  niehl  unbodeulenden  Anlhoil  an  dem  Aufltau  der 
Krdkrusle.  in  welehor  or  miichligc  Stoeke  und  Kiiilagerunijoii  bildot,  and  iiber 
doren  Obei-llarlio  or  sich  ill  Goslalt  gan/or  Iliigolrcihen ,  Bergkupp<Mi  und  an- 
selmlieher  I'elsmasson  erhobt.  Daraus  gehl  hervor,  dass  solbsl  seine  nnr  ihoil- 
\\eise  yerniehlung  und  NVeiil'iihrung  von  dcin  gnisslen  Kinflusse  ant' den  Schicli- 
tenhau  niul  die  (leslalt  der  ErdoberflSche  sein  muss.  Da  Oyps  ein  in  'Hid 
Tlieilen  Wasser  losliches  Sal/  ist,  da  cr  fei'ner  dern  auflosenden  Anurill'e  des 
\\assei\s  niclii  nur  auf  seiner  Oberflacho ,  sondern  aucli  in  znhllosen  Kliil'len 
und  l;iiiicn  ausgesetzt  ist,  wclchc  das  Geslein  in  Folge  seiner  \veiler  unlcn  v.u 
hesprechenden  Enlstehungsweise  nach  alien  lUehtungen  durchziehen,  so  ergiehl 
sich,  \velche  hedeulenden  Massen  dieser  Mineralsubstanz  in  verhaltnissmassig 
kurzen  Zcilraunien  in  Solution  enlfilhrt  werden.  Wenn  man  die  miUlerc  jiihr- 
liche  Rcgenmenge  auf  \  M.  annimmt,  so  stellt  sich  heraus,  dass  das  auf  einen 
(iypshcrg  fallende  atmosphiirische  Wasser,  falls  es  sich  vollstandii;  mil  C.yps 
salligt,  jahrlich  1,10  Mm.  von  demselhen  abnagt.  Nach  dieser  Berechnung  \Aiirde 
ein  33  M.  hoher  Gypsberg  bios  in  Folge  der  Aufldsung  durch  atmosphiirische 
Wasser  on  seiner  Oberflachc  in  30,000  Jahren  vollkornmen  verschwunden  sein, 
ein  Process,  welcher  durch  die  Belheiligung  des  in  den  Kluften  thiitigen  Sicker- 
wassers  noch  bedeutend  beschleunigt  wird.  In  Folge  der  unlerirdischen,  aus- 
laugenden  Thatigkeit  des  Wassers  bilden  sich  nach  und  nach  grosse  Hohlriiume. 
die  Gypsschlolten. 

Bedeutend  leichter  als  der  Gyps  fallt  das  Steinsalz  dem  Wasser  zur 
Beute  und  wiirde  aus  seinen ,  zuni  grossen  Theile  aus  den  palaeozischen  Zeit- 
altern  stamnienden  Lagerstatten  la'ngst  vollstundig  entfiihrt  sein,  falls  es  nicht 
zum  Theil  durch  seine  conslanlen  Begleiter,  nehmlich  wasserdichte  Thonschichten, 
vor  Auflosung  und  Wegfiihrung  geschiitzt  ware.  Sie  sind  die  Bedingungen 
seiner  Existenz  als  Glied  der  sedimenlaren  Schichtenreihe;  deshalb  ist  denn 
auch  wohl  die  Mehrzahl  aller  uns  bekannten  grosseren  Steinsalzablagerungen 
von  Thonen  bedeckt.  In  der  bertihmten  Steinsalzlagerstalte  von  Stassfurt  slel- 
len  diese  den  Abschluss  gegen  das  Wasser  so  hermetisch  her,  dass  die  dor- 
tigen,  aus  dem  permischenZeitaller  stammenden,  also  jedcnfalls  Millionen  von  Jah- 
ren alien  Ablagerungen  von  Chlorcalcium  und  Chlormagnesium,  welchc,  an  die 
Lufl  gebrachl,  durch  Anziehung  der  Feuchtigkeit  derselben  zerlaufen,  vollkommon 
Irocken  geblieben  sind.  In  ahnlicher  Weise  sind  die  Steinsalzc  von  Wieliczka 
(lurch  allseilige  I'inhullung  von  Thon  gegen  den  Zutrilt  des  Wassers  conservirt. 
Urspriinglich  \varen  wohl  fast  alle  Steinsalzlager  in  dieser  Weise  geschiit/t, 
erst  in  Folge  von  Schichtenslorungcn  und  daraus  hervorgehender  Spaltenbil- 
dungen  wurden  sie  den  Wassern  /ugimgig  gemaehl,  —  dahcr  die  Hiiuliukeit 
starker  Soolquellen.  Jedoch  verdankcn  viele  der  lelzteren  ihrcn  Salzgehall 
nicht  Lagcrn  Son  rcinetn  Sleinsalz,  sondern  Salzthonen,  deren  Salzgehall  sie 
('xlrahirpn. 

ruler  den  Gesleinen,  welche  einen  noch  wesentlicheren  Antheil  an  dem 
Auf  ban  von  Gebirgon  nehmen,  ols  Gyps  und  Steinsalz,  ja  solche  oft  ausschliess- 


III.     l>\  ll.mil-dir   (,,•(,!«  |   I.". 

lich  /iixaiiimeiisci/en.  isi  cs  dcr  Kalksiein,  \\eldicr.  ganz  abgesehftn  von  sei- 
ner niedianisdien  /ei-storuui:  uud  Forllnhrnni:.  in  den  l»elr;iditlidisicn  Menken 
vom  \\asser  auc-icliist  \\ird.  I'Yeilich  isl  der  Kalkslcin.  je  nadi  seiner  mehr 
enliven  odor  inclir  krsslallinisehen  Hesdiallcnhoil,  nur  in  900  liis  iJOOO  Theilcn 
kahlensUurehalUgem  und  nodi  \id  unliedculemler  in  reinoni  \Yasser  liislidi, 
docli  \\inl  dicse  i:cri  111:0  Lo'slii hkoil  dnrdi  die  cnorinc  Ouanlitiit  dcr  in  dor 
Tide  Coracle  ;in!'  den  Sehidilniiiis-  und  Kliil'lllac-hen  dcr  Kalksloinc  circiilircndcn 
\\.issci'  crscl/.l.  Die  Hcsnlljilc  sind  dcsh;ill>  iibcrr;isdicn<l :  so  li.il  in;in  ;nis 
dci  .Mcnui-  do  \\.issci-s  dcr  ;ins  dcin  Tculohuriccr  \\;ildc  und  dcr  ll.i.n  cnl- 
>lroiucndcn  I'liissc  und  ilirciu  (iclmllc  .in  kolilcns;iiircin  Kiilkc  hcrcdmel.  d.iss 
dicscllu'n  jcncn  (icl»irucn  jiilirlidi  cino  Quantitiil  Knlkcs  cnt/.iclicn .  \\cldic 
cincin  \\  iirfcl  von  inclir  ;ils  :{:$  M.  Scilcnliin^c  cnts])ridil.  Dcslialh  sind  ;uicli 
llolilcn  und  Krdliille  schr  i;c\\  oltnlidic  MrsdicinuiiLicn  ini  (icl»iclc  \on  Kalk- 
stein  forma  tioneo. 

Audi  Do  loin  ilsp;i  I  li  isl  in  IVcilidi  schr  unhclriidillidicn  Menken  durcli 
\\.i>vcr  liislidi,  so  class  Doloinillaizcr  alliniihlich  der  ZetBtttSUDg  und  NN'ciiriiliruni; 
\on  Scilcn  circulircndcr  (icuiisscr  anhcinirallcn  nuiiicn.  Viol  cinllnssrcidicr 

;ils  dicscr  Icl/lc  Vori;ani:  isl  indcsscn  die  Auslauizuiiii  dcs  kolilcnsanrcn  kalkcs 
ails  doloiiiilisdicn  (ic.slcincn,  \\cldic  anl'  chcn  dicscr  schr  iinl>odcnlciiden  Liis- 
lidikcil  dcs  Dolomilhspallies  licruhl.  und  in  Idolize  dci'cn  cine  relati\  c  Anrcichc- 
rnni:  dcr  ursprUngiicheB  (icslcinsarl  an  kohlcnsaurcr  Magnesia,  die  Doloinili- 
siruns;  derselhcn  \or  sich  iiehl.  Die  Itesliindiize  \Vci-luliruni;  dcs  kolilensanren 
Kalkcs  \crnrsadil  die  ea\crnose  nnd  |)oriise  Slrudur  dcs  /urilekltlcihendcn 
Doloniiliicsteincs  nnd  /uizh'idi  die  Xcrslornnii  dcr  Kalkschalcn  seiner  oi'iianisdieii 
Ucsle.  Hei  \vciter  ^chender  Kinu  irknnu  \on  Scilcn  dor  (io\\iisscr  \\ird  dicse 
|iorii«>e  BeschafTenheil  \\icdcr  \crsch\\indcn,  donn  so\\ic  das  Wasscr  ktMiicn 
knlilriisaiircn  Kalk  inchr  lindel.  ui-eil't  os  die  doloiiiilisdicn  Theile  sclhsl  an 
nnd  sel/.l  dicscllx-n  in  den  I'oren  liol'cr  liclcizeiier  Stcllen  krystalliniseh  \\icder 
ah.  Aid'  dicse  \\eise  izeht  das  poriise  (ieslein  alliniihlieh  in  kr^stallinisehcn 

Dulo mil    iiher.     Die    I'liiuandluiii;  niaiinesiahalliLiei-  Kalkslcine  in  Dol ile  crl'dLlo 

Miinil  anl'  hvdroeheniisdicin  •  \Voiio  in  der  Uidilunu  \on  dor  Ohorlliicho  naeh 
dcr  1'icl'c.  /ri;ji  sich  deshallt  ohen  am  sliirkslcir  und  niininl  nach  nnlcn  .ill 
in. ihlidi  ak  Dnrdi  dicscii  Process  \\urdc  cin  Itis  dahin  deullidi  t:esdiiehlclcs. 
\  er.sleiiieruiiiisroichos.  dichles  (ieslein  x.u  cinein  unticschidilclcn  oder  sohr  uu- 
dciitlidi  LJCM  liichlclcn,  \crsleinernnL:sleercn,  schr  deullidi  kr\slallinisehen :  x.n- 
L'lnrli  alter  |iedin;jli-  diesc  l'ni\\  andluiii:  dnrdi  I  Milliilinin;j  des  Kalkirehallcs 
ilc--  (ie>lcinos  cine  ansdicincnd  schr  hclriichlliehe  Yolunicnverriiiizoruiii;  des- 
>cl|»en.  Dicse  |-'.i  kliii  un^s\\cise  der  Doloinilcnlslchun^  isl  iiliri^ens  nichl  aid 
.illc.  s, m, Inn  nur  .ml  sul<-h<>  l.illi  an\\ (>ndl>ar,  in  dcncn  nainenllidi  die  mil 
dies, 'in  Voriiauiio  Hand  in  Hand  uchcndc  .MasscnNcrniinderuni:  des  urs|)riin;.r- 
lidien  (icslcincs  nadi\\ cish.ir  isl. 

;'     I   MI  \\  a  n  d  I  n  n  u   \\asscrlrcier   in    \\  a  sse  r  h  a  I  I  i  i:  c    M  i  n  c  ra  I  i  e  n. 

Das  \\asxM-  der  Alnios|>harc  \\ird  schr  allijeiiioiii  von  den  ueslcinsluldenden 
Mineralien  ault:ciioiiiiiien.  so  dass  es  anl  die  rniNNandhuiLi  dersclhcn  don  ui'iisslcn 
l.inlluss  iitisserl,  sclhsl  \\enn  andcrc  i:cii|n;jiM-hc  Aiicnlien  nichl  /ur  Mil\\  irknnu 

C'reduer,  Elemeute  d.  Ueologie.  In 


1  Hi  III.     l>\  n  iniisciif  li 

gelangen.  So  iirhmrii  Silieate  und  Melallo\}de.  \\  ie  /.  15.  Orlhokliis,  Sanidin, 
Albit,  Oligoklas.  (ilinmier.  Hornblende,  Audi.  Magneteisenslein ,  Eisenglan/. 
dichler  Iliimalil,  Psrolusit  und  Braunil  ini  Liu.fi'  liingeivr  /eilriiume  Wasser 
eheiniseli  ;iuf,  olme  eines  von  ihren  Elemenlen  x.u  \erlieren.  In  gmssarligem 
Maassstabe  1st  /..  B.  die  riiiwandlung  des  Kiseno\\des  in  Kiseno\\dh\  di  at  ;iuf 
der  Inscl  Elba  vor  sich  gegangen.  \vo  der  Kotheisenstein  von  kilnstlichen  Enl- 
bltfSSlingSStellen  aus  iin  Laufe  \\eniger  .lalirliundcrli'  bis  lief  in  die  fe.slr  .M,i^.- 
liini'in  in  Brauneisenstein  iHBgeWandelt  \\ordcn  isl.  Kiner  dcr  eneri;is<'list»'ii 
und  roliicnscliucrslcn  dcrarti^cn  Vortiiin^-  isl  die  Umwandlun^  des  Anhydrites 
in  (i\|>s.  also  des  \\as.sfi-IViMcii  srhNNcfrlsaiireu  Kalkes  in  wasserfaaltigeD,  \Nobei 
erslei-er  ein  Viertel  seines  (Je\\  iehles  Wasser  aufniininl,  ein  Process,  der,  local 
dureh  p'\\isse  Hediniiuiiiien  begtlnsligt,  so  rasch  vor  sich  ttehen  kaun,  dass 
z.  B.  die  zu  Bex  im  Canton  Wallis  auf  die  Grubenhalde  gestilrzlen  Anhvdiitstiicke 
bereits  nach  8  Tagen  beginnen,  sich  zu  Gyps  umzugestalteu ,  uud  dass  die 
Stollen,  welche  durch  den  Anhydrit  fiihren,  durch  Auflilahuni;  des  an  ihren 
\\  iinden  in  Gyps  Ubergehenden  und  durch  diese  Wasseraufnahme  sein  Volumen 
vennehrenden  Anhydritgesteines  fast  unfahrbar  werden  und  von  Zeit  zu  Zeit 
naeligehauen  werden  milsscn.  Auch  ohne  die  fordernde  Zwischenkunft  des 
Mensehen  erfolgt  diese  Umwandlung  und  zwar  iin  grossartigsten  Maassstabe  an 
den  gewaltigen  Anhydritmassen,  welche  slockformig  zwischen  den  Schichten 
der  Dyas,  Trias  und  Tertia'rformation  eingelagcrt  sind.  Die  atmospharischen 
Sickerwasser  haben  die  Oberflache  dieser  Sto'cke  bis  zu  wechselnder  Tiefe  in 
Gyps  umgewandelt,  der  wie  ein  Mantel  den  noch  unveranderten  Anlivdi  itkeni 
umgiebt.  Die  liierdurch  bedingte  Volunienverinelirung  hat  die  Auflreibung, 
kniekung  und  Uberslllrzung  der  tlberlagernden  und  benachbarlen  Schiclilen 
zur  Folge  gehbt,  eine  Erscheinung,  welche  frUher  Veranlassung  gal),  den  (isps 
fllr  eruptiv  zu  halten. 
3)  Oxydation. 

Die  atmospharischen  Wasser  enthaiten,  wie  bemerkt,  Sauerstoff  in  zieni- 
lich  betrachllicher  Menge;  alle  Substanzen,  welche  eine  Verbindung  mil  diese m 
Gase  eingehen,  werden  deshalb  oxydirt,  wenn  solche  Wasser  mil  ihnen  in 
Contact  komnien.  Doch  spielt  der  Sauerstoff  bei  den  Umiinderungspror 
inneilialb  der  (Jesteinsmassen  der  Erdkruste  eine  Rollc  von  geringerer  BedeatUDg, 
als  man  anzunehmen  geneigt  sein  sollte.  Auf  einem  Oxydationsprocesse  beruhl 
die  Umwandlung  des  Spatheisensteines  (kohlensauren  Eisenoxydules)  in  Braun- 
eisenstein  (Eisenoxydhydrat),  wobei  einerseils  das  Wasser  die  Kohlensaure  aus 
ihi'er  Verbindung  mil  dem  Risen  auslreibt  und  selbst  deren  Slelle  einnimmt, 
wiihrend  /ugleich  das  Eisenoxydul  durch  Aufnahme  von  Sauerstoff  in  Eisen- 
o\\d  Ubergehl.  Es  ist  dies  ein  Vorgang,  welchem  die  oberen  Partien  aller 
(iiinge  und  Lagerstiillen  des  Spatheisensleines  unter\\oi-l'en  sind.  deren  Aus- 
gehendes  oft  bis  zu  bedeutender  Tiefe  in  Hrauneisenstein  umge\\andelt  wurde. 
wiihrend  in  noch  griisserer  Teufe  der  Spatheisenstein  unveriinderl  geblieben 
ist.  Die  ()\\dalion  Iteginnt  an  der  Oberlliiche  der  kr\stallinischen  Aggregale, 
die  liehlgelbe  I'.irbe  wird  briiunlich,  dunkelbraun  und  zulelzl  selbst  sch\\ar/. 
allmiihlii-h  sclireitel  diese  rm\\andlnng  in  die  Masse  selbst  und  in  die  Tiefe 


III.     1>\  n.mii>che    (icolouie.  147 

vor.  Der  ;uis  ilir  herMiruehcnde  Braiineisenslein  isl  poriis,  \\cil  der  Ycrlusl 
dcr  Kohlciisiiurc  den  Belrai:  des  aufccnominenen  \\assers  mid  Sauerslolles  ilber- 
sh-JLil.  so  diiss  d;is  urspriiudiche  Yolumen  des  Kr/cs  inn  unuel'ahr  ein  I'iiiiHel 
M-rininderl  \\ird.  /uweilen  bleibl  die  iiussere  (iestall  des  Spathcisenslcines 
noch  fine  Xcil  lani:  in  dem  Hrauneisenslein  erhallen.  so  d;iss  let/lercr  die  rhom- 
boedrische  (ieslalt  des  Spallieisensteines.  jedoch  die  siimmtlirlicn  iiliriucii  I'liut'ii- 
scluilitMi  dcs  Brautteisensteinea  Ix-sii/t.  Beupiele  I'iir  den  besohriebefneB  Process 
licfcrl  d;is  in  Briiiinciscnslcin  Nci'u^ndclli'  AiiSLiclicndc  der  Sp;illiciscnslcin- 
sloctc  MIII  Kiinitlicn.  dcs  Ihci'^es  ini  Ihir/c,  d.is  Sliihllicr^cs  ini  Thilrinin'r 
\\;ildc  mid  viclcr  ;mdcrer  l-jscncr/lii^crstiillcn.  Auf  dicscr  'rcndcnx,  dcs  Kiscn- 
o\\dnlcs.  diin-li  Aurii.iliinc  MIII  Saucrsfoll  in  liiihcrc  ()\Ml;itionsslufcn  illici/n 
ii»'licn,  licrulil  .inch  die  KI-.SI-IHMIIUIIL;.  d;iss  die  (lurch  Bisenoxydulsalze  bediiiL-le 
(iunkelgrtlne  liis  sch\\;ir/e  h'iirhunu  \ielcr  Steine  .•dliniihlich  in  cine  rolhe  odcr 
In-.iunc  abci-iiehl.  Kbenso  iinlcrlicucn  aiich  die  Carbonate  des  Mani:aiio\ \dulcs 
dcr  hiiheren  ()\\dalion.  sti  dass  sich  dcr  roscnrolhc  Maniranspalh  schon  in  den 
Mineraliensammluntren  alliniihlicli  hriiunt.  Als  Kndprodukte  dieses  Processes  re 
sulliren  Pseuddinorphdscn  MHI  I'xrolusit  nach  Maniianspath. 

I'crncre  ()\  \dalionsproccssc ,  \\  ic  sic  innerhalli  der  Krdkruste  vor  sich 
Lichen,  sind  die  Unnvandluni:  di'r  Schwefelnietalle  in  schwefelsaure  Melallo\\de. 
Da  allc  Sch\\erelnielalle  lieini  Zutrilte  saucrslolVhalli^er  (lc\\iisser  alliniihlicli  dic- 
seni  Schicksale  \erfallcn.  so  \\iirdcn  MelallsulfaU;  sehr  liiiuiii;  vorkoinrnen,  \venn 
nicht  die  nieislcn  dersellien  leiehl  liislich  in  Wasser  \\iircn  und  '  von  dieseni 
lorliiefilhrl  \\ilrden.  So  \vird  l-asenkies  /n  Eisc.nvilriol,  welcher  (lurch  \\cilerc, 
chen  licschriclienc  '  OxMlalionsvoriiiiniic  in  Brauneisenslein  illxM^ehl ,  \\dliei 
SclixNclelsiinre  frci  \\ird:  dicsc  \\ird  von  etwa  in  der  Na'he  liclindlicheni  Kalk- 
stein  aufLzeiioiiiiiien  so  dass  sich  ^;>ps  liildel,  oder  von  kalkhaltiuen  Wiissern  forl- 
Lieriihrl.  Als  ein  Oxydationsproducl  der  Blende  resullirt  Zinkvilriol,  aus  Kiipl'er- 
kies  Kujifcrvilriol  und  Kiscnvilriol,  aus  Bleiiilan/.  Blei\  itriol,  aus  Speisskobalt  Ko- 
hall\ilriol.  Aus  Zrrsei/uni:  der  durch  Oxydation  aus  den  Sclnvefelnietallcn  enl- 
slehcndcn  schwel'clsauren  Melalloxydc  verinitlelst  Wasser,  \velc.he  Carbonate  von 
Alkalien  oder  Mrden  enlhallcn,  izehen  k  oh  1  ensu  u  r  c  Metalloxyde  hervor,  in- 
dcin  die  Alkalien  oder  alkalischen  Krden  die  Sch\\cfelsiiure,  das  Mctalloxyd  hin- 
iiei:cn  die  durch  Zci  sel/uiiL;  der  Carbonate  freiijewordene  Kolilensiiure  er^reifl. 
Aid"  diesc  YYcise  cnlstchen  nanientlich  Weissbleier/,  Malachil,  Kupferlasur  und 
Zinkspalh.  I'Jidlich  lichen  aus  der  Zersel/.uni;  und  Oxvdalion  MIII  Sch\\efclinclallen 
Melallo\\de  hervor.  \\clche  dann  das  Miilterinincral  in  l-'orin  cines  I'einen 
incruslircn,  nach  berijmanmschcr  Ausdrucksucisc  aus  ihin  »hcraus- 
sind.  Auf  dicse  Wcisc  koiiuul  Mol\  lidiinocker  auf  Mol\  bdiini:lan/, 
Antiinonockcr  und  Anliinonbhtlhe  aid  Antinioiiizlan/.  Arsciiikhliillic  aul  Arsenik 
kics  in  iieiiclisch  bediiiLiler  Vei'LiescllschaflunL:  \or. 

Die    VerbreiluiiL;   dcr   durch    elien    licschriebenc    ()\\dalioiisprocesse  belroll'c 
neil   Mineralien    isl    cine    \erhiilliiissiniissiLi   beschriinklc.     mid    deshalb    der   N'or- 
izani;  selbsl    mil    Be/uij;  auf  die  (ieoloiiii-   des   Mrd»an/.en    \<>n    nur   \Neniii    Bcdeu- 
tuiiii.      Ahnliches    i;ill    \on   deu    1'roducU'ii    der   ()x\da(ion     des    Krddles.     aus 
lel/.leren   durch   Aul'nahme    MHI   Sauer^loll   /ucrst   das  y.iihc  ICrdpecli  und 

10* 


I  IS  III.    l>\ii;iiiii>Hic  (i 


il.uiii  del1  t'esle,  inusclicli-  breehende  Aspliiill  wird,  \\iilirend  dorl,  \\o  dicse 
pflanzlichen  und  thierischdn  Zersetzongsproducte  (it-sicine  imprttgoiren,  in  Folge 
liiiiiieren  /utriltes  atmosphiirisclicr  Lull  cine  \  ollkommi-nc  <)\\d,ilion  dcs  Koh- 

IcnsiolVcs  y.u  entweichender   Kohlehsa'nre  siaitlindci.     In  FoLc  d;i\(in   bleidicn 

die  urspriiiiLjIicli  sehwar/en  ,  von  Bitumen  gelriinklen  (lesleine  .in  dcr  Lufl 
xicmlich  rasch,  so  (lie  Asphall-Kalksteine  von  l.iimner  bei  Hannover,  deren 
Oberfliiehe  vollkommcn  \\ciss  \\inl,  \Niilii-ciid  d;is  Innerc  dcr  Gestcinsslilckc 
scli\\;ir/ln'aun  1st. 

4)  Ro  due  lion. 

Ver\vt'si>ndc  or;j;;inische  Sul>st;in/cu  und  ihrc  Zersetzuogsproducte  (nanicnl- 
lich  Koblenwasserstofie)  scheinen  die  oinzigen  Hcductionsmiltel  ininei-aliscln-r 
Stotlc  7.u  scin.  Sic  \\erden,  wie  oben  gezeigt,  von  den  Sickervvassern  in  die 
Krdlii'fe  izefiihrt,  so  dass  ilir  reducirender  Einfluss  nichl  nur  auf  die  Krdobcr- 
Iliiehe  beschrttnkt  ist.  Durch  ihre  weitere  Zersel/jiiiiz.  also  duivh  Hildung  von 
Kolilensaure,  wird  nainentlich  den  Eisenoxydverbindungen  der  zu  dieseni  Pro- 
eesse  nolhige  Bedarf  vou  Sauerstoff  entzogen,  also  z.  B.  Eisenoxydhulral  /u 
Kisem>\\dul  reducirt.  Die  aus  diesern  Zersetzungsprocesse  der  vegelabilischeo 
Masse  entstehende  Kolilensaure  verbindet  sich  mil  dem  Eisenoxydul  zu  kohlen- 
sauivm  Eisenoxydul,  aus  dem  sich  wiederum  beim  Zutrill  der  Luft  Eisenoxyd- 
lijdral  bildel  und  niederl'iilll,  um  spa'ler  eine  neue  Reduction  zu  erleiden. 
Ebenso  wird  auch  Eisenoxydsilicat  durch  faulende  organische  Subslan/en  und 
/\v;ir  zu  Eisenoxydulsilicat  oder  Eisenoxydulcarbonal  desoxydirt.  Die  Reduclion 
dcs  Kisenoxydhydrales  und  des  Eisenoxydsilicales  isl  in  geologischer  Beziehung 
\(in  grosser  Wichligkeil.  Wir  sehen,  wie  die  Eisenoxydulsilicale  in  den  ki\- 
slallinischen  und  klaslischen  Gesleinen  forlwahrend  einer  Oxydalion  unlerwor- 
I'en  sind,  die  zum  Theil  deren  Zerselzung  bedingl.  Wilrde  diesein  Proec^>c 
nichl  eine  Reduclion  enlgegeuwirken,  so  milsslen  nach  und  nach  alle  Eisen- 
oxydulsilicale  aus  dem  Mineralreiche  verschwinden. 

In  ganz  ahnlicher  Weise  wie  Eisenoxyd  zu  Eisenoxydul,  werden  schwefel- 
saure  Melallsalze  durch  Enlziehung  ihres  SauersloiTes  zu  Schwefelnietallcu  re- 
ducirl.  Die  Zink-  und  Bleierzlagerslallen  z.  B.  Oberschlesiens  scheinen  von 
Zink-,  Blei  und  Eisensalze  fQhrenden  Quellen  gebildet  worden  zu  sein,  deren 
Melallsalze  durch  biluminose  Subslanzen  eine  Reduction  erfahren  haben.  Am  h 
die  im  Mineralreiche  vorkommenden  gediegenen  Melalle  scheinen  zum  iin»ssen 
Tlicile  das  Product  analoger  Reduclionsprocesse  zu  sein.  (Siehe  sub:  Das  or- 
uanisrhc  I.eben  als  geelogisches  Agens.) 

5)  (la  rbona  I  l»i  Id  unge  n  (lurch  Zerselzung  von  Silicalen. 
Kohlensiiui'ehalliiic  Wasser  zersetzen    die  Silicale  von   Kalk,    Kali,    Natron, 

Kiseno\\dul  und  Manganoxydul  bei  ge\N(ihnlieher  'reinpcralur,  \vnbei  (lai'bu- 
nal<-  dieser  Basen  gebildel  \\crden  und  Kieselsaure  IVei  wird.  An  dcr  Zusam- 
inensci/.tin-  dcr  llauptmasse  der  Erdkrusle  nehmen  Feldspalh,  Augit,  llnin- 
blende  ciiicn  bedeulenden  Anlheil.  Diese  bcstehen  aber  aus  kicsclsaurer  Thon- 
erde  dder  kicselsaiirer  Magnesia  ncbst  Alkali-.  Kalk-.  Eiseno\\dul-  oder  Man- 
gdDoxydnlsilicaten  und  \\cnlen  deshalb  von  der  Kohlensiiure  der  Sickerwasser 


Ill      I>\  ii.uiUM'ho    (it'ohiuic.  I  1  '.I 

/or>elzt.      Ks   re.xiiltireii  (larhonale   utid   zugleich   \\inl  Kie.xolsaure   ausgesehicdcu, 
\viihrend  die  I'.ist  nnlttslichen  Silicate  \<>n  Thonerde  und  .Magnesia  zurttckWeibeiL 
Das    Krauson    mil   Sauren,     \\elehos    ni.ui    hoi    \ielcn    OTSprttDglich   koine  Carbo- 
nate   enthallonden    Diahascn,    Basalton   mid   Melaplmvn    hoohachlot ,    deulet   ;in. 
diiss    dieso   UrowaudJuilg   hereits  bogonnen    hat.      Die   IVoducle   diesor  lolzloren, 
die   Carbonate ,     \\erden    \on    den   (ieuassern    \ollslandig    ausgelaugt    und   \veg- 
:r|iihrl,    •-  ganx.   /ersel/le  ( M-steine   ItiMiisen  dahcr  niehl   niehr  mil  Siiuren.      Die 
ausgescbiedene    Kieselsiiure    1st    in    10,000    Thcilen    \V;isscr  loslich :     es    ueniiut 
ileshalb  das  die  ZeraetUDg    l>e\\ii-kende  \Vasser,    solmld  es  sehr  kohlon.siim-ei'eicli 
i^l  .    iil.sn  sehr  r.iseh   \\irkl.    nielil  zur  Fortfithrung  der  gcsammtcn,    in  i 
Sehi'ille    mil    dieser  Zei'sel/uiiL:    IVei    wei'denilen    Kiesolsiiuro. •     In    diesem 
lileiltl   der  ^riissh1  Theil  der  lel/leren  /ui'iiek.      Isl  jedoeh   dns  Wiisser  nur  arm 
.in   Kohlensiiure,    so    gohl   die  Xerselx.uni:  langsam    vor  sich,    die  izoringc  Meni;e 
del1  aiisuesehiedenen  Kiesdsiiure   \vird   ^eliist    und   mil   den  kohlensauren  Alkalien 
mid   l-lrden    riirlireluhrt.      In   Fnlge    der  ZcrsclxiniL;    der  /usainmen^-set/ten  Sili- 
eale   dnrcli  k(thlens;iurehallii;e  \Ya.sser  \\erden  denmaeh   die  Carhonale   dor  olten- 
yrn.innlen   Hasen .    sowio    oin  Thoil   der  Kieselsanre   entfernl.      Als  lelzler,    fast 
iiiiaimi-eirharer  ZerseteUDgSTttckstaad  der  ansizelanglon  Ciosloine   l)leil)on  (lie   \\as- 
><  I'liallJLien  Silicate    von  Tlionei'de  und  Magnesia  zuriick ,    deren  ei'sleres  wedcr 
\on   kohlen.s;iiirehaliii;eni   \Vasser.    iinch  von  kohlensauren  Alkalien,    deren  letz- 
teres    nur   sehr  schwer   und   erst,    wenn    alle  Uhrigen    zerselzbaren  Suhstan/en 
ausuelaui;!   sind.    /.ersetzt   \vird.      Die  \\asserhaltigen  Silicate  der  Thonerde  sind 
als  I'hnn   und  Kaolin,   die  der  Magnesia  als  Sei-pentin,   Speckstein,   Talk   hekannt, 
die^e  sind  denmaeh  die  zuniekbleihenden ,   di<^  Carhonale  die  \veggofuhrlcnPro- 
dncie  des  Xerset/.ungsprocesses  vieler  gomonglor  kryslallinischer  Gesleine  dureh 
k(»hlens;iur(>haltige   Sicker\\asser.      (Jesteino,    deren    Hestandtheile   in  diesem  von 
der  Oberflache  naeh  Innen  /u  forlschreitenden  Vorgange  hegritl'en  sind,   helinden 
sich     im    Zuslande    der    Ye  rw  i  t  le  ru  n  g.      Mil    dieser    gehl    cine    Auflockerung 
der  Felsmassen    und    endlich    ein  Zerlallcn  derselben    zu  Grus  Hand  in  Hand. 
F.mige    Heispiele    mogen    zur   iM'Iauterung   des  Zersetzungsprocesses    der  Silicate 
dieiuMi.     Als  die  vveitverhreilelsleii   und  deshalh  auch    in  ihrer  Zersctzung  ein- 
BussreicfasteD  Mineralicn,   welche  dem  oben  bcsehriehenen  Vorgange  untoiANorl'en 
sind,    dilrften    zu    nennen   scin :    Orlhoklas,    Oligoklas,    Labrador,    Hornblende. 
. \ngit   und   Oli\in. 

Der  ()  i-l  hnk  I  as,  dor  hauligste  Verlicter  der  Feldspathfamilie ,  ein  Haupt- 
he>i.indiheil  des  (iranils,  (Jneisses,  (iranulites,  Syenites,  Fclsilporplnros,  be- 
•leht  aus  I  Atom  Thonerde,  1  Atom  Kali  und  f>  Alomen  Kieselsanre.  wobci  jedoch 
l.i>l  immer  ein  kleiner  Theil  des  Kali  dnirh  Nalmn,  Kalk  nder  Kisenoxydul 
\erlrelen  \\ird.  Seine  hereehuele  Zusammensetzung  1st:  Kieselsaure  65,2, 
Thonerde  Is,  I,  Kali  16,7.  Die  als  Kaolinisirung  he/eichnete  Zerselzung  des 
Orlhoklases  is!  eine  sehr  izeuohnliche  Krscheinung.  Sie  beginnt  auf  der  Aussen 
seile  des  orthoklasftihrenden  Gesleines  und  gewohnlieh  auf  der  Oherlliiche  der 
Ki  \-lallindi\idnen.  Diese  verlieren  zuersl  ihren  (ilanz,  \\erden  matt,  ihre  fleisch- 
rothe  Farbe  geht  in  eine  \veisse  iiher,  es  hildel  sieh  eiiu>  mil  dem  Fortschreiten 
des  Processes  an  Dii  ke  zunehmende  Rinde,  Spaltbarkeit,  Ilartc  und  Zusanimen- 


Kill  III.      l»\  MiUIMM-hc     I  iculll^if. 

li.ilt  uelten  \erlnren.  aus  dem  I'esieu  krystallinischen  Feldspath  u'-hi  ein  \\CIN-SCN. 
erdiiies  Tlioni:e>lein  .  der  kaolin,  her\or.  Diese  l'iii\\,iii(lliiiii;  beslehl  darin. 
d.i^s  das  K;ili  nebsl  (Inn  et\\.i  \orh. imlenen  kalk,  Vilrnn  oder  Ki.seno\\dul  durch 
ItoUeosfturehaltige  Wasser  in  (larbonate  ttmgewandett  und  ebenso,  \\ie  ein 
Theil  der  .iiis^eseliiedenen  Kieselsiiurc.  lortueliilu  l  werden,  die  Eurttokgebiiebene 
kieselsaure  Thonerde  hinueuen  -2  Alome  \\  ,isser  auhiimmt.  Die  niclit  -rli.slc 
und  rult'Ulirtc  Kicsclsiiiiro  h.il  /,ur  Mildiin^  \on  Clonci'diniicu  \on  ()p;il,  (lliiil- 
crduii  und  Mnrnstrin  Vci'.iul.isMinL:  uciiclx-u ,  uclclic  sidi  in  dm  Kaolioablage- 
ninizi'ii  vieler  Localitttien  linden.  Xuuciillirli  sind  cs  die  (ii-.initc  und  Porphx  re, 
\\elehe  dureli  /erset/.uni;  ihi'es  l;elds|)iitli-(;enieniillieiles  y.uerst  in  ilirern  iuneren 
uelitckerl  \\vrden,  d.inn  /u  (Ii'iis  /erliillen  und  endlieli  Anliiss  x.ur  Hil- 
von  KaoliaablageruDgeD  liobon.  Aus  (imnil  hervorgegangen ,  linden  sie 
sieli  in  grosaertigstem  M;i;isssliihe  /,.  H.  IHM  Cjirlslnul,  hei  Selineehei'i;  in  Siielisen, 
hei  LiiiKtiics  in  l-"r;inkreieh ,  bei  St.  Auslcll  in  Connvjill;  au§  der  Zersel/unu 
des  Felsilporphyres  resullirten  die  von  Riiscplms  bei  Allenburg,  die  von  Mori 
und  Trotha  bei  H;ille. 

DcrSanidin,  eine  Varieliit  des  Ortlioklas,  verli'itt  diesen  lelzteren  in  den 
jiinueren  BrupUvgesteinen;  er  ist  demnaeli  eiu  llauptliesliintlllieil  der  Ti-aeliNle 
und  rhonolitlie  und  \vird  durch  die  na'mlirlien  /ers»ay.uni:sprocesse,  \\ie  der 
Ortlioklas  der  Porphyre  und  Granite,  in  Kaolin  umgewandeH,  \\ie  es  bei  .ue- 
\\issen  Phonolitlien  in  Bohnien  und  Traclnten  in  Tnuarn  der  Fall  ist. 

Der  Oligoklas  unit  62,8  Kicselsaure,  23,1  Thonerde  und  14,1  Natron, 
von  \veleheiu  lel/leren  ein  Theil  durch  Kalkerde ,  Kali  oder  et\\as  Maune- 
sia  ersetzl  \vird,  bildet  einen  vvesenthchen  Geineniitheil  des  Granites,  l-'el- 
silporph\res,  Gneisses  und  Trachytes,  in  wclchen  er  neben  Ortlioklas,  und  des 
Dioriles,  Melaplmvs,  Andesites  und  Basaltes  ('?),  in  welchen  er  olme  jenen  \nr- 
knniiiit.  Der  Oliiioklas  verfallt  seines  izerin^eren  Kieselsiiure-Gehalles  \\euen  der 
Kaolinisirunu  nocli  sehneller  als  der  Ortlioklas,  deshalb  licgen  oft  in  ein  und  deni- 
selben  llandsliieke  neben  nocli  vollkoinnien  unzersetzlen  und  deshalb  stark 
izlan/.enden  Orthoklasindividuen  solche  von  bereits  niatlen.  enliven,  also  schon 
mi  Zustande  der  YerwesuiiiZ  beurill'enen  Indi \iduen  des  Oliuoklases.  Das  die- 
>ein  entfiilirle  Carbonat  ist  \\esentlieh  kohlensauros  Natron. 

Labrador  mil  i'y'J,(\  Kieselsiiure ,  -2\),H  Thonerde  (zuni  i;erini:en  Theile 
dnn-h  Kiseno\\d  \ertrelen),  12,1  Kalk  und  4,5  Natron,  ist  ein  llaupliiemeni:- 
theil  des  Diabases,  des  Gabbros  und  llypersthenilcs,  sowie  gewisser  Dolerite  und 
T.-isalle  '  .  Seiner  Kieselsiiureanuulli  und  seines  Kalkreichthumes  \\eizen  [si  der 
Labrador  der  am  leirhteslen  /erselzbare  aller  urossere  Verliroitunii  besil/.enden 
I'eldspathe.  Namenllich  ist  es  die  Kalkerde.  welehe  dureli  die  Kohlensatire 

-i<-kei-\\;issers  bis  zuni  izanzlichen  \frsch\\inden  aus  ilirer  Yerbinduni:  mil 
der  Ki«'selsiinre  juisueseliieden  und  \\ euuelulu-l  \\ird,  erst  dann  seheint  die  X«-r- 
set/.ung  des  Nalronsilieates  und  die  Auslaiii:uni:  der  entstelienden  (larbonate  xu 
beginnen. 

DieAuuile  sind  /urn  uriissten  Theile  tlidnerdehaltiij;  und  daruiii  Mi>diun- 
Lien  \on  Hisilieat  und  Bialiuuiiiat  \on  Kalk.  Majjnesiii.  Kisi-no\\dul  und  Li^en- 
n\\d.  Der  Auuit  bildet  einen  \\  esentlielieii  he>tandtheil  des  Diabases.  Mela- 


111    n\ ii.uniM iir  ('icdiu-ic  i.. i 

phvres,    Andesjio    in\(|    Basalles.      Bei    seiner  Xersct/unt;   \er\\amlell    der  /.uue- 
luhrte  Sauerstoff  das  Eisenoxydulstlical  in  EiseBo&ydsilical,  \\elehes  durch  Koh- 

lensiiure  nidil  /crset/.l  \\erden  kiinn,  d,i  diese  mil  Kiseno\\d  keine  Verbindtmg 
eingehl  ,  \\ahreud  sir  die  Kalksilieale  in  Kalkearbonat  und  sehliesslieh  auch  das 
.Magnesiasilieat  /inn  urossten  Theile  in  .Magnesiacarbonal  uimandelt  und  enl- 
liilirl.  Als  Besiduum  des  vollsliindig  /erset/.len  Augites  bleibl  also  etseoschttesiges, 
\\.isNerhaltigcs  Thoncrdesilieat  mil  cl\v;is  Magnesiasilical  /.uriick.  7u  i^nnx  ;ilm- 
HfsnllitiiMi  lilhrl  die  voUstHodige  /rrsrl/.iinu  dcr  II  orn  I)  I cndo ,  nur 
diesr  im  Alkniicincn  scli\\  ici'iucr  /.ll  \rr\\itlcrn  .ils  dcr  . \uuil.  \\;is,  da 
die  YriAvittrrunii  durcb  GartxMMitbHdang  crlblglj,  seincn  (Irimd  darin  liat,  dass 
die  lliirnhlcndc  \veniiier  kalk  cnlliiiil  als  jcnrr. 

Oliviu,  t'in  Magnesiacisenexydulsilicat,  \vorin  die  Magnesia  iiher  das  Kisrn- 
n\\diil  strls  vorwallet,  cin  hiirhsl  eharaklerislisclier  /nlalli^er  Hcsiandlhcil  dcs  H,i- 
s.ilu-s,  IV'i'iuT  arccsMnix'li  im  (lahhro,  zi-i'scl/t  sk'h  x.icmlicli  rasch,  indoni  sirh  zu- 
crst  das  Kiscnoxulul  /u  Kisriunxd  o\\dirl  und  Wasscr  aui'ninunl,  woduirli  die 
h  licliUriinc  l-'arhr  dcs  Olivines  /ucrsl  dunkc'lhraun,  dann  ockeryrll)  \\ird. 
/.crsct/t'ii  die  kohlensiiiirchaltiueu  NVasser  die  kieselsaurc  Magnesia  /u 
Magnesiacarbonat  und  Kieselsaure  und  entl'ilhren  crslcrc  vollstiindig,  lel/,tei-e 
/.inn  Tlieil.  J)as  Vorkominen  von  Pseudoinorphosen  von  Scrponlin  nach  Augil, 
llonililende.  naiuenllich  hiiuliii  aher  nach  Olivin,  beweist  Ubrigcns ,  dass  die 
;:en.iiiiiteii  (iesteinselemento ,  wic  spiitor  gozeigl  werden  \\ird,  nobon  der  er- 
\\iilinlen  \ollstandiiren  Xersc'l/ung  zu  eisenschilssiiieni  Tlion  cine  llin\vandlung 
in  wasaerhalUgea  Magnesiasilicat,  nelnnlicli  in  Serpentin  oder  Speckstcin  crleiden 
kdiuien.  Auf  ahnlichc  Weise  konnen  Chloril  und  Gliinmer  aus  ihncn  liei 
voi^gehen. 

Der  Zersel/ungsprocess  von  Kalk-Nalronfeldspalh,  Augit  und  Olivin  durch  die 
Tage\\asser  i;elil  in  grossartigsleni  Maassstal)c  in  dcm  woscntlich  aus  jenen  drei 
Mineralien  /usaniineni:esel/.len  Hasalte  vor  sich.  Die  kohlensiiurehaltigen  Was- 
MM-  driiii:en  in  die  anscheinend  dichtc  Basallmasse  und  beginnen  die  in  dercn 

•  iesh'inseleineiilen  enlhallenen  Silicate  von  Kalk,   Natron,   Kali  und  Kiseno\\dul 
in  Carbonate   iim/uwandeln.      In  dicsein  Zuslande  braust  der  Basalt  bci  Berilh- 
rung  mil  Siiuren.     Anliallendc  Circulation  dcr  Sickcrvvasser  in  diesern  carbonat- 
lialtiizen  (iesieine    hedingt   die    allniahliche    Auslaugung    der    let/leren ,    /uglcich 
aber  eine  tlieil\\eise  Fortt'ilhrung  der    aus  ihren  Verbindungen  ausgcschiedenen 
Kieselsaure.      Dann  beginnt  auch  die  Zerselzung  der  kieselsauren  Magnesia   und 
die   Fortfiilirung  des  cnlslehenden  Carbonates.     Den  Hackstand  bildet  die  Thoii- 

•  rde,     \\elche    naliirlieh    relativ    an   jMenge    sehr    /ugenonunen    hat,    die    tlbriue 
Kieselsaure  und  das  aus  ()\\dalion  des  I^iseiioxulules    oder  Eisenoxydov \dules 
bervorgegaogene  £iaenoxyd;  sie  repf^aeotiron  mil  Wasscr  vcrbunden  als  eisen- 
.sr|iiissii;es,  \\asser-  und  /.uin  Tlieil  auch   inaunesiahaltiges  Thonerdesilicat  (Basal l- 
\\acke   und  Waekentlmn     das   nnlosliche   Besiduum   des  Xerset/.ungsprocesses  des 
llasaltes,   \\eleher  ursprilnglich  bestand  aus:    43 — 50  Kieselsaure,    \  1  — 16  Thon- 
erde,    II — 15   Kisenoxulul  und  Kiseno\yd,    10 — 12  Kalk,    i  —  9  Magnesia,    1 — 2 
Kali,   3  —  5  Natron,    1  —2   \\ass.-i . 

§.  i.    Hydro-chemisehe  Processe.     Fortsetzung.     Aus  dem  obcn  Ge- 


.s.iiilcn  ut'lil  hcr\or.  d.iss  dnrdi  direcle  Losing  oder  (lurch  \  or.iiis-dicmlc  Zer- 
scl/nn.u  mid  diinn  crlolueiide  Losing  .Mineralsolnlioneii  udiildcl  \\erden.  unlcr 
dencn  (licjcni^cu  \(»n  (Ihloriiiilriiini  ,  schwefelsaiirpni  Kalk  .  sdi\\erd.s;mrer  M,i 

^noi.i.  doppdi  kobleosaurem Kalke,  doppdi  kohleiisaurer  Magnesia,  kolilcns.iurem 
Eisenoxydul,  tohlensaurem  Maogauoxydul,  kcrfitensaurem  N.iiron.  kohleusaiirem 
K.ili.  .sdi\\erds,iiircni  Kiseno\\dul.  scli\\dels.iiirem  Kupler  und  Kiesdsiiure  die 
\\exriillichslen  sind.  Die  Losiingen  \Nenlcn  /inn  Thcil  ohnr  \\citcrc  \fr 
iiiidcniiiuen  y.u  erlridcii  mid  (ilnic  ncuc  VrrlMiidiiML'rn  und  /(•rsci/iiii-icn  cin- 
/ii^t'hcn  ills  .Mim'r.il<|iirlleM  y.u  Tauc  ddcr  in  unlrnrdisrlir  Mdih  .mine  (rclcn 
uiul  dorl  iin  (loiilacic  mil  dcr  ,ilui(»sj)liiirisclK>n  Luft  durcli  Vcrlusl  ciiic>  Thcilcs 
dcr  Kohlcnsiiurc  ndcr  durcli  VerduostUOg  (It's  Wiissois  ihrc  Bestandtbeiie  \\icd<T 
,il>srl/cii.  Andcrc  jcnci'  l.nMinuci)  ;ili<T  Icilcn  ilirccl  uciic  clicinisclir  YoriMiiiic 
ciilNscdcr  ucuciiscilii:  uulcr  sich  odrr  (lurch  Min\\  irkuni;  iiul  Irslc  .Miucnilsul)- 
sliiii/cii  cin,  kur/  ut'l»('ii  Vrr;tnl;issung  zu  nciicn  uiossiirli^cn  (icslcinsxcriin- 
•  Irniu.utMi  iin  Knlinncrn.  Die  \\  ichliiislcn  dcr  ;iuf  dicsc  \\Ci.sc  iu's  l.chcn  •-<  - 
nifciifii  V<iri:iiui:c  .sind  lol^ende : 

1)  Kolilcusiiiiro   Alkitlion   xcrsclxcn   kicsclsiiiircu   K.ilk.      I-j-slcrc   uchcii   /.    \\. 
;ius    /crscly.iiui;    dcs    Orlhokhs    und>  Oligpklas    hcrxoi1:     koiniiicn    sic    ;iul    ihrciu 
Wcuc   durcli   die  (ic.siciuc    in    Heriihniu.u   mil  Kiilksilic;itcn  .    so    hes\irkcii   sic   cine 
/ersel/uni:    (lersell)cn,     HUS    \\elcher    kolilensaurer   Kalk    ciiierseits     und    kiesel- 
s.uire  Alkiilicn  andrersoils  hervorpchen.     Uei  dcr  sonstigcn  Ahnlichkeit   von  K;ilk 
and  M;ij;iiesi;i     dui'fle    in;m    er\\;irlen,     dass   Jilich    kieselsaure    .M;ii;iiesi;i    der   Zer- 
set/uiii;  (lurch   Alk;iliciirl)oii;ite   \erliele.      Dersellte   \Vidersliind    jcdoch  .    \\clchen 
dieses  Silicat  der  Einwirkung  kohlensaureluilliger  Wasser  eiilgegensel/.l  .     inacht 
sich    auch  g<'gen    fine  Zersetzung    dureh  kolileusaiire   Alkiilicn    uclleud.      Darauf 
liernhl   die   Hiiuliukeil  ,     in   \\elcher    \\as.serhal I iizc   Maunesiasilicale   als   Hesiduuiu 
\ielcr  in  Xersei/ung  l»ei:i-illener  Mineralien  auflrelen ,   indent  das  IfagnesiasiKcat 
in  sich  slets  anreicherndcr   Menge  y.uriiekhleil>l ,    \\ahrend    andere   Hesliindlheile 
zerset/t    und   ausgelaugl  \\erden. 

2)  Kohlensaure  Alkalien    zersel/.en    in    der  Siedehil/e .    sou  i(>    liei   ^cuolin- 
lichcr  Teniperatur   Fluorcaloiuin    (Flussspath) .      Ks    cnlstehen   kohlensuirer    Kalk 
und   leichl    idsliche   Fluoralkalien.      (l)aher    die    Pseudoinorpliosen    \on    Kalksp.ilh 
u.ich   Flu.s.sspath).      Rildel  sich   aid'  diese   Wei.se   cine   Liismiu   \on   Fluornatrium, 
so   isl   die.se    \\iederum    ini   Slande ,    Kalksilicat  x.u  zersel/en.     \\ol»ei    kiesels.iures 
N.iiron     nii'l     neiier    riiisvspalh    eiilslehen.      (iehl    ,ius    der   /ersel/uiiLi    di-s    Icl/.t- 
;jeMiiiinlen    Miner, ilcs     diucli    kohlens.uires     Kali     Fluorkalium    hervor,     so    k.inn 
diesi-s    bei    Kiinvirkiing    aiif    kieselsaure   Thonerde  -kieselsaui-es    Kali    und    Fluoi'- 
.ihiiiiiniiim   er/.eiiL'cn.        llaiiliges  Voi-koinnien    von  To|>as   in   zersel/.lem  (ir,nul   . 

3)  Koininen    die   anf  olten     suit    I      angedenlele    \N'eis(>   eiilsl.indcnen    kiesel- 
.s.uiren  Alkalien    auf   ihrein    \\eileren  Wege    mil    sch\Nerels;iui'eni    Kalke.    .schuefel- 
s.iurer    M;ii:ncsi;i.    ( ihloiv.ilciuiii    und   Chlorinauuesiuiii    /.usainiuen .    so   hilden    sjr|| 
kieselsanrer   Kalk    urtd    kieselsaure    M.i.-nesia    cincrseils   und    scliNNerdsaiire    Alk;i- 
lien.    Chloikiiliiini    odcr   (ililorn.ilriuin    andererseils. 

4)  Die   kiesds.-iiiren    Alkalien    sind    ferncr    iin    Slande,     -erinuc   Mengen    von 
Tlioiierde   ,nis   kiesds.iui-er   Thom-rde   /u   exlraliiren. 


III. 

•">  Kie.selsaures  K.ili  y.ersely.l  Chlornatrium,  cs  Itildct  sich  kiocUmivs  Natron 
mill  <:iilnrk,iliiiiii. 

(\  Die  kicselsaiiren  Alkalien  y.erset/en  doppell  kohlensaure  Magnesia :  cs 
enlslehen  kieselsaure  Magnesia  mid  kohlensaure  Alkalien.  Die  kieselsanrcn  Alka  • 
lien  del'  l;eldspalhe  komieu  dcshalk  \\enn  sie  lanijere  /.eilramne  liiiidiiivli  mil 
doppell  kohlensaure  Magnesia  hallii;en  \\';issern  in  Berilhruni:  komnien  ,  dmvli 
kicsels.mre  Magnesia  ersel/.t  \\erden. 

7  Die  kieselsaiireu  Alkiilien  /.ersel/en  doppell  kohh'MSiiuiTS  Kisen(»\\dul  : 
es  i-esnlliren  Kisen<>\\dnlsilie;it  mid  kohlen.siiui'e  Alkalien.  Didier  die  Hdufigkeil 
rsleren  (lei1  (ii  iinenle  in  llolilriimiieil  ver\\  idernder  (lesleine,  MI  des  Mola- 
|>li\r.  Di.dt.is.  Basalt,  SUNN  ie  in  Sandsleinen  ,  ill  \vclelien  dnppell  knlilensam'es 
Eisenoxydul  halliue  \Vassei'  circnlifen  mid  kieselsaure  Alkalien  (lurch  sieli  /ei 
sel/ende  Feldspallilhcilehen  i-cliclVil  \\erdcn. 

s  \\IMIII  cine  I.Msuiiii  von  kieselsaurcin  Natron  mil  doppell  kohleiisaui'ein 
Kalke  in  BerUhrung  i^elanul  ,  so  \\ird  miter  Bildmi^  \on  kolilensaui'ein  Nati'on 
mid  kolilensaiirein  Kalke  Kieselsaure  ausjj;eschieden.  Daher  ilic  Psendiniiin - 

11   \on  Ouarx  uach   Kalks|)ath. 

9)   Kieselsaui'er    Kalk    win!    (lurch    schwelelsaim-    Magnesia    und    Chlonna- 
y.ersct/.t.      Ivs    enlslehl    kicselsamv    Maiiiiesia    und    schwerelsaurer    Kalk 
oder  Cblorcalciurp, 

I 'i     Kieselsaure    Tlmnerde     uird    (lurch    schwerelsaureii    Kalk    oder    (]hlor 
calcium    y,ersel/.t.      Kicselsaurei-    Kalk    und  schwel'elsaure  Thouerde    oder   Chlor- 
.iliiminium   \\erden   i;el)ildct. 

i<)  Kieselsaure  Thoiierde  \\ird  (lurch  schwelblsauro  Magnesia  oder  (llilni- 
m.i^nesimn  /ersel/.t.  Kieselsaure  Magnesia  und  schwcfelsaure  ThoiHM'dc  oder 
Clilor.ilmnininni  hilden  sich ,  --  em  Process,  vvclcher,  wie  die  llauliiikeit  \on 

INeud.n plinscn    l.rueist,    sclir   gowohnlich    hei    Uiuwandluiii:    \<>n   Keldspath. 

Auuil.    Hornblende,    Turmalin    u.   a.   Miueralieu    in  Serjx'ntin ,   Specksjein  oder 
Talk   \ur  sich    izelit.      Die  enlslehende    schwei'olsaurc  Thonerde    mid    das  Chlor- 
aluiiiiniuin    sind   liislich    und   \\ei'den   forli^eliihrt ,    wiihrend    die   kieselsaure   Ma 
unesia   /.uriickhleiht. 

I;'  l.isenii\\dli\diMi  wirkl  /erset/end  auf  kiesolsauro  Thonerde.  Koninien 
(ie\\assi-r.  in  \\elchen  doppell  kohleusaui'cs  Kisenoxvdul  i-eliist  isl,  in  Beriihi  IIIIL; 
mil  kie.M'Isamv  Tlnnierde  eiithalleiiden  Mineralien,  und  wird  jtus  crsleren  (lurch 
Vnlnahme  von  Sauerstnll  mid  Wasser  l'jseiio\\dhydi-al  aus^escliieden  ,  so  isl 
dieses  l»ei  der  urosseu  \ 'crwandlschal'l.  welche  Kieselsaure  und  die  ()\\de  de.s 
I  i^rn-,  /ii  einaiider  hahen ,  mi  Slaude,  der  Thonerde  einen  Theil  der  Kiesel- 
saure x.u  enl/ielien  und  sich  mil  dieser /u  kieselsaurein  Kiseiu»\\d  /.u  verlunden, 
*M»  da^s  Doppelsilicale  \on  'I'honerde  mid  Miseno\\d  enlslehen. 

\ucli  kieselsaurer  Kalk  und  Natron,  sowie  kieselsaure  Magnesia,  let/- 
lei-e  alter  nur  in  hiichst  uei-in-eni  Maasse,  NNerden  (lurch  Kiseno\ulh\diMl 

zerselzt. 

|:$)  Sch\\ere|s,Mire  Alkalien  und  scliwefelsaure  alkalische  Krden  werden 
durch  r.iulende  or^anische  Siil>slan/.en  /,u  Sch\\ere|,ilkalien  und  Sohwefelver- 


I  .">  I  III.      D\  ll.mil-rll''   (  icoloiiif. 

bindungen  der  alkalischen  Erden  /ersel/l.  S»»  \\ird  <i\p.s  (lurch  moorige  Wa»er 
theilueise  in  Schxxefelealcium ,  von  Bilumcn  impra.miirler  schxxelelsaiirer  Barxt 
HI  p.iiii  in  Schwefelbaryum  umgexxandelt. 

I  'i  Difsc  Scfawefelverbindungen  <lrr  Alkalien  uud  alkali.schen  Krden  /er- 
sel/.en  knhlensaures  Eisenoxxdul  sou  ie  Eisenoxydhydral  unler  Bildnng  von 
Schxxefelkies.  Wcim  deshalb  Gexxasser  schwefel^aUFCD  Kalk.  doppell  kohlen- 
saures  Eiseno\\dul  und  organische  Snbslan/en  enlhallen  ,  so  sind  iiiich  den 
Geseizen  l:$  und  15  dir  BedingUDg^p  /.ur  Hilduni:  von  Schucl'dkics  iiciichcn. 

l->  Doppcll  kolilcnsiiurcr  K;ilk,  \vie  t-r  durch  die  Sirkcrujisscr  /.  B.  dcin 
K;ilks(cin  odcr  den  l.iihrador  halliiien  Eruptivgesleuien  cnlfiihrl  \\ird,  bildcl  mil 
Bchwcfelsaurem  Blcio\\d,  Eiseuoxydol,  Kupforoxyd  odcr  Zinkoxxd  cincrscils 
<i\ps.  .indcrcrscils  kohlcnsanrcs  Bleioxyd,  Kiscnox\dnl,  Kupr«M-o\\d  und  Zink- 
n\\d.  Aul'  dicsc  Woisc  cntslohcn  nanientlich  KuplVrlasur,  Malachit,  \Vcissblci- 
erz  und  Zinkspnth  als  ZerseteUQgsproducte  von  Kupfcrkics  und  Zinkhlcndc. 
\\clcho  sich  vorhor  durch  Aufnahmc  von  Saucrslofl'  in  schvvofclsaurc  Metallsalzc 
mngewandelt  hatlon. 

l(>  Kicsclsaurcs  Zink-,  Kupfer-,  Nickel-  und  Silbcroxyd  wcrdcn  durch 
kohlensaurehallige  Wasscr  zu  kohlensaurcn  Mct<illo\yden  /ersei/.l  und  dieso 
iielist  eineni  Theilc  dcr  ausgeschiedcnen  Kieselsaurc  fortiieiiihrl. 

•17)  Kicselsauros  Zink-,  Blei-,  Kupfer-,  Nickel-  und  Silheroxyd,  ferner 
kohlensaures  Kupfer-,  Blei-,  Silber-,  Zink-,  Nickel-  und  Kobaltoxyd  sowie 
Eisenoxydul  und  Manganoxydul  werden  von  Schwefehvasserstoff  zersetzl ,  %\o- 
bei  sich  Schvvefelinetalle  bilden  ,'und  in  ersterem  Fallc  zuuleich  Kieselsaure 

•  k  u 

ausgeschiedeu  \\ird.  Die  sub  16  und  17  ausgesprochcnen  Gesetze  crgeben 
die  Moglichkeil ,  dass  Metalloxyde  aus  dem  Nebenizestein  ,  in  \\elcheni  sie  i'ein 
iinpriiiiiiirl  auflreten ,  ausgelaugt,  in  Spalten  gefUhrt,  hier  als  Schwefelinelalle 
ansgeschiedcn  und  in  Gangform  concenlrirt  \\erden  konnen.  Sobald  sic  je- 
doch  mil  Sickerxvassern  in  BerUhrung  gelangen,  werden  sie  von  Neuein  in 
Ibsliche  Vcrbiiidungen  umgcwandell  und  zum  The! I  forlgefiihrl. 

Aus  dem  Inhalte  der  letzlen  Seilen  gehl  hervor,  dass  das  Wasscr  die  Auf- 
gabe,  dern  Gebirgsinneren  Material  zu  cntziehen ,  in  der  vielfaltigslen  und  er- 
folgreiehslcu  Weise  zu  erfiillen  bestrebl  ist.  Viele  Mineralsubslanzen  lost  es 
direct  Sleinsalz,  Kalkslcin),  andere ,  die  ihm  \vidcrsU?hen ,  wandelt  es  vorher 
in  losliche  urn  Schwefelkies  in  Eisenvilriol,  Kuplerkies  in  Kupfer-  und  Eisen- 
xilriol,  Anhydril  in  Gyps,  inn  sie  dann  zu  entl'Uhren,  noch  andere  unlosliche 
zer.selzt  es  niittclsl  seines  Kohlensa'ure-Gehaltes  und  l)emachligl  sich  allcr,  dann 
Ibslichen  Elenienle  (der  Alkalien ,  des  Kalkes,  des  Eisenoxyduls  und  eines 
Theiles  der  Kieselsaure  der  Feldspiilhe) ,  so  dass  xvenigstens  eine  theiKxcisi1 
Enfuhrung  des  urspriinglich<in  Gesleines  stallfmdet.  Noch  maunigfaltiger  isl 
der  zerselzende  und  losende  Einlluss  der  durch  solche  Processe  enlstehenden 
Solutionen.  So  xvird  das  anscheinend  alien  Zerselzungen  xviderstehende  Thon- 
erdesilicat  nieht  nur  von  kieselsanren  Alkalien,  freilich  nur  in  geringen  Mengen 
gelo.st ,  sondern  auch  von  schwofelsaurem  Kalke  und  Chlorcalcium  zerselzl, 
\\iihrend  Kalksilicat  ausser  durch  kohlensiiurehallige  Wasser  durch  kohlen- 
saure  Alkalien,  und  Flussspath  ebenfalls  durch  letztere  in  die  leicht  Ibslichen 


III.          l>\  II.IIIIIM'lll'      (lIMllllLIIC.  I,"!,") 

l-'luoralkalien  uml  kohlensainen  K;ilk  mni:o\\andclt  werden.  Ktirx.  liberall  trill 
die  Temlen/  <lcs  \\.issers  hers  or.  cnt\\eder  die  Gesteioselemenle  dheci  /n  losen 
oder  narh  Zerset/uni;  nnlosliehcr  Verfoiodungen  \\eiiii;steiis  cinen  Theil  der- 
selben  /u  enlfiihren.  (icwisse  Beaelionen  ue^eiiseilii;  .ml'  einander  ciimir- 
kender  Mtneralltisungeti  \civ.umTii  fivilirh  diesen  Process  der  AuslaiiiMini:  da- 
dureh,  diiss  von  iieueni  sehuer  losliche  Yerbinduni;en  enlslehen.  Diescr  Um- 
st.ind  trill  /..  B.  nil,  v\o  kieselsanrc  Alkiilicn  mi!  srli\\t'IVIs;iiirrr  M;ii:ncsi;i  odcr 
Chlorniagoesium  in  Hcnllirnni;  ^'liins^cn ,  \\olxM  kicsclsiinrc  Magnesia  ^childct 
\\ird.  I'crncr  \\o  dmrli  Scli\\  cfcluassci'slofV  ails  kolilnisanrcn  nnd  kiesclsamrn 
Mflallsal/.cn  ScliNxcfclinclallc  i^'lalll  \vcrdcn.  Solclu;  Voriiiiniit'  liallcn  den  \HS 
bugungsprocess,  NNclchcni  die  l-j-dki-ustr  iinU'rworl'ni  1st,  /\\ar  aul',  hcsclirankcn 
ilni  C|\N,IS.  ulciclitMi  iiin  alter  ht-i  \Vrilem  niclil  ans.  In  den  wasscrlialliiirn 
Silicalcn  der  Tlionerde  mid  Magnesia  selicn  \\ir  die  nur  in  geriiiijem  Maassc 
an.nn'il'harcn ,  nirht  ahi-r  die  "iinzlich  nnloslicln'n  Hilrkslande  dcr  Kxlraclions- 
proccssc  dcr  (icslcinc  \or  uns. 

§.  ;i.  Untcrinlisclui  AbsJitzc  aus  Mincralsoluiioneii.  \Vcnn  die  durch 
AuslaQgUDg  dos  Gefoirgsioneren  von  Scilcn  rcincr  odcr  koldcnsiinrclialli^cr 
\Va-scr  ciilsiaiidcncn  Minoralsolutioncn  mil  alinosphariscluM'  Lull  in  Ucriilininiz 
uclani;cn ,  \crdunslct  cin  Thcil  dcs  \Vasscrs  odcr  dcr  Kohlcnsiuire  und  die 
.inlucliisicn  Mineralsabstaoien  schcideu  sich  griisstcnilicils  ans.  Zu  diosem  Vor- 
u.ni^c  hiclcl  sich  in  Spallcn.  llolilcn  unil  Druscnraimien  iniu'rhall)  dcr  I'lrd- 
k  i  nslc  u  ltd  endlieh  anf  dcr  I'lrdohcrllachc  sclbsl  (lelciionlioil. 

Die  Mincralal»siil/.c  in  Druscn-  und  Bl  asonra  urn  en  hahcn  dcshall)  cine 
l^rossc  Hcdcnlunij:,  \\cil  sic  cin  liild  dor  Zorselzuni^s-  und  Auslaui^ungsproccssc 
^clx'ii.  \\clclic  inncrliall)  des  Gestcincs,  in  deni  sie  auflrelen,  vor  sich  Delicti. 
Am  Ichrrcichslen  si  ml  deshalb  die  MandelslcinlHlduni-iMi  in  y.usainmengcscUtcn 
kr\slallinisclicn  <Jcslcincn  \\  ic  Mclaphyr,  Basalt,  Phonolilh,  Diahas.  Die  Blascn- 
IMIIIMC  dcr  Mclaphyre  siml  von  Grllncrde,  Chalccdou,  Quur/,  Anicthysl,  Zeo- 
lilli(>n,  I'rehnit  und  Kalkspath  ansgefUllt  oder  incruslirl.  (Icwiihulicli  bildel 
die  (iriinenle  cine  leine  Uinde,  welchc  die  Wiinde  des  llohlraumes  auskli'idel. 
Ivs  niiissen  dcshall)  die  Gesleinsgemongtheile ,  vvelche  Eisenoxydul-  und  Ma- 
iiiiesiasilicate  enlhallen,  zuerst  zersetzt,  nebst  Thonerdesilicalen  fortgelilhrt  und 
/in  BilduiiL:  jener  Rinde  verwandt  vvordcn  sein.  In  diesem  Falle  ist  also  dio 
Xcrscl/jiiiii  des  Autjilcs  oder  der  Hornblende,  von  welchen  jene  Silicate  slainincn 
niiissen,  dcr  des  Oliu.iklas  und  Labrador  vorausi;ei:angen.  Dann  wurden  let/.- 
lere  und  die  ilbriucn  Kalksilical  enlhallenden  (iesleinseleinenlc  nnlcr  Bildnni: 
von  Kalkcarbonal  /.erscl/.l ,  \\elches  letzlen^  cnlucder  ini  Gesleine  zurilckblieb 
oder  falls  cine  genUgende  Menge  kohlensiiurelialliiicn  Wassers  vorhandcn  \\ar, 
ausm'lauiil,  in  die  IMaseni'iiniiie  uel'dlirl  und  dorl  abuescl/.l  \\nrde.  so  dass  diese 
nicht  sellen  \ollkoniinen  \on  Kalkspath  ausgeftlllt  siml.  Wurde  jedoch  anch  bei 
frischen  \\  asser/.ullilsscn  die  Kohlensiinre  von  der  Zci'sclxuni:  der  Sicicale  ab- 
sorbirt,  so  filhrlen  die  Ge\viisser  die  durch  lel/.ler\\iihnlen  Process  frei  gcwor- 
dene  Kieselsiiure  \\e|4  nnd  den  Blasenriimnen  zu ,  auf  deren  \Vanden  sich  die 
Solution  ausl)reilele.  Vcrdunslele  das  NVasscr,  so  schied  sich  die  Kieselsanre 
ans  nnd  bildcte  dilnne,  concenlrische  Chalcedon-Lagen  von  verschiedener  Fiir- 


l."»(i  III        l>\  ll.llllix  lie     fi 

bung.  Tral  spaler  cin  sehnellcrer  Zulluss  \on  .sich  lorl\\,ilirend  erneucrnder 
Kie.sekinre- Solution  fin.  \\elclie  den  Hiiuni  inncrhalb  dor  Chalcedon- Kruste 
ganx  ansfiillle,  sit  \\nrde  die  Verdunstung  aiisserordrnllich  beschrankl ,  die 
Aiisscheidnng  der  Kieselsiiui v  \erxiigert.  nnd  die  Moglichkeil  xur  Ausscheidung 
vollkommener  Quarz-  oder  AmetliNst-Knslalle  gegeben  .  \\ie  sic  haufig  (I. is 
Innere  der  Chalcedon  -  Drusen  erfilllen.  Auf  diese  Altsiil/.e  der  kieseligen  Snlt- 
sliin/.en  lolgen  die  der  Zeolithc,  so  des  Natrolilli,  Skolexit,  Desniin,  Slill)il, 
Analeim,  Chabasit.  Sic  verdiinken  ihr  Matcrifil  den  Silieaten  \on  K;ilk,  Natron, 
Kali  uiul  Thoiiordo,  \\elehc  bei  der  Zcrsetzung  der  Silicatgesteine  von  Sci- 
li-n  der  (leuiisser  aus  Mangel  an  Kohlensiiure  nirht  \ollsUindiii  in  (larlmnale 
omg^wandelt,  sondern  /inn  Theil  als  Silieate  forl^el'Qhrl  \\urden  und  l)estehen 
gewissermaasen  aus  regnerirler,  wasserfaalUger  Feldspaihsobslanz.  Deshalh 
linden  sieh  diese  Zeolithe  nnr  in  den  Hohlraumeii  von  Gesteinen,  welche  leicht 
/ cr.se | /I »are  I;eldsp;ilhe  enlhalten,  nieht  aber  in  Orthoklas-Gesleinen  \\ie  Granil 
und  Polsitporphyr.  Aus  diesern  Grunde  kommen  auch  natron-  und  kalkhahi^e 
Zeolithc  hiiufiger  vor  als  kalihallige.  Je  nachdem  die  Gowiisser  in  gewissni 
IVi'ioden  treie  Kohlensaure  entliiellen,  fiihrten  sic  den  Druseni'auinen  kohlen- 
s.nnen  Kalk  xu,  dessen  Absatz  dann  mil  dcni  der  Zeolithe  wechselt. 

In  den  Phono  Ml  hen  widcrsteht  zwar  der  Sanidin  als  Kalileldspath  der 
Zersetxung  harlnackiger,  dahingegen  begilnstigen  zvvei  andere,  natronreiche  und 
sehr  leiehl  zers(>ixbare  Gernengtheile ,  der  Nephelin  und  Nosean ,  die  Bildung 
von  Zeolilhen  und  zwar  namenllich  von  Natrolilh,  \\elcher,  b(>i:leitet  von  Des- 
niin, Apophyllit,  Chabasit,  Analcim,  Kalkspath  und  Hyalith  fast  liberal  I,  u<» 
I'honolithe  aultreten,  die  Drusen-  und  Spaltenriiume  dieses  Gesteines  auskleidet, 
\\ahrend  deren  ringebung  oft  fonnlich  ansgelaugt  erseheint.  Sehr  hiiufig  findet 
eine  forinliehe  gesetxrnassige  Aufeinanderfolge  dieser  Mineralien  statl.  Kalk- 
spalli  ist  dann  gewbhnlich  die  jiingste,  Analcim  die  alteste  Bildung,  z\\isehen 
\\elche  die  Entslehung  von  Natrolilh  und  Apophyllit  falll. 

Ebenfalls  sehr  reich  an  Miueralabsiitxcn,  die  von  der  Zerselzung  und  Aus- 
laugung  des  Nebengesleines  herslaiDtnen.  sind  die  llohlrauine  der  mandolstein- 
arligen  Basalte.  In  ihnen  haben  sich  Chalcedon,  Opal,  Ilyalilh.  Qn^rz,  Ame- 
th\sl,  Kalkspath,  Aragonit,  Sphaerosiderit,  Dolomitspath ,  Grilnerde,  Desinin. 
Slilbil.  N.itrolith,  Analcim,  Chabasit,  Apoplnllil,  llarmotom ,  Laumontil,  Prehnit 
nnd  andere  Silicate  angesiedelt.  Auch  bei  ihnen  liisst  sich  eine  geselxm.issiue 
Heihenlnlgi-  ihrer  Kntsteliung  beobachtcn.  So  folgt  der  Kalkspath  in  den  Basalt- 
mandeln  des  bohmischcn  Willelgebirges  stets  ersl  auf  die  Zeolithe.  ini  Sieben- 
geliii-ge  auf  Chaleedon  und  Sphaerosideril.  An  sehr  vielen  Punklen  jedoeh  ist 
dci-  \ci\vitlernde  Basalt  reich  an  Schniiren  und  Neslern  von  reinem  kohlen- 
saurem  Kalke.  also  Kalkspalh  und  Aragonit,  \\iihrend  Silicate  fehlen :  hier  \\ar 
dtMiinaeh  die  Bildung  und  Fortfiihrunng  \on  Kalkearl>onat  dnrcli  kohlensiinre- 
halligc  NViisser  der  aussclilicssliclie.  bei  dem  Voru alien  der  Zeolithe  jedoeh  die 
Anllosung  der  unxersel/.ten  Silicate  der  \\esenlliclie  Vorgang.  \\.ihrend  dort.  svo 
Chalcedunc  nnd  Huarx  <lie  Hanptausfiillungsinasse  bilden,  sUsse,  also  von  Kohlen- 
s.nire  IVeie  \\.isvcr  die1  dnrch  Zei'setximg  der  Silicate  freigewordene  Kiesels;niic 
fortfUhrlen  und  ausschieden. 


III.    D\  n.lmisclic   llenlo^ie.  ^57 

(Ian/    iihnlich    wie    in   Drusoiiriimnon   koimlen    die  dem   GebirgSlfiDern   eul- 

gtamroenden  Solutionon  ihrcn  Ilineralgehalt  in  Spa  I  ten  abseteen,  Durch  all- 
miihliohe  Ansl'i'llliing  der  lety.tereii'  cjitsldien  M  i  ne  ra  I  gii  n  ge.  Diese  I'iilnvu 
entwcder  nnr  Kalkspath,  Ouary.,  Sclmerspath  odcr  Flussspalh,  odor  aber  nebcn 
dieseu,  j.i  selli.sl  aussehliesslieh  Kr/e,  YOU  \\elchen  die  des  Kiseiis,  Hides,  Kupfers 
mid  Silbers  die  -evNolmlichsten  sind.  Der  Kalkspath  stamml  onlwodor  von 
der  direeleu  Aullosuiii;  der  Kalkslcine  daher  die  Hauliukeit  \on  Kalkspalh  in 
Spaltrn  dor  KalkstcinfonnatioiuMi,  odcir  von  dor  /rrsrt/.unu  dor  Kalksilicalc  dcs 
Nchfiiiiostt'iiu'S.  Dcr  Ouary.  ist  oin  Al>salx.  aus  (Jowiisscrn,  \\olche  sich  bci  dcni 
Id/I  i-i-Nviilinlon  I'roccssc  mil  der  freiwerdenden  Kiost'lsiiiiro  holadcn.  Der 
Srlmrrspalli  schcinl  sirh  aus  (JuclhNasscrn ,  welchc  kohlensauron  liaryl  enl- 
liidtcn  mid  mil  scliNM'Iclsaiirc  Alknlien  fllhronden  Gewassern  /usainnu'iikainon, 
odcr  aus  Clliliu  l»ar\ um-Losung  ln>i  Vennischung  mil  schwefelsauren  Kalk  odcr 
sclisNt'lVlsaurt1  .Magnesia  lialliiicn  Wassern  ausiicscliicdtMi  zu  hahcn.  Der  I-'Inss- 
spalh  iK-lanut  in  die  Gani-spalUMi  dndurch ,  dass  kohlonsaurc  Alknlien  die  zu- 
I'iilliiicn  Flusss[)a(hi;i>inoni:lli('il(>  des  Nebengesteines  zerselzlen,  wodurcli  sich 
l-'limralkalien  bildelen,  \vclche  als  Losung  in  die  Spallrn  ud'iihrt  und  liier,  falls 
sic  mil  Kalksiliraton  in  Berilhrnn^  kainen,  die  Auscheidung  von  Flussspalh  veran- 
lasslfii.  r«>brigens  isl  dieses  Mineral  auch  in  26,923  Theilen  reinen  Wassers  los- 
lich  und  Linn  doshalb  auf  dii'eclem  Weg*'  zuin  Absalze  in  Spallen  gelangen.  Kben- 
so  \\ie  in  Mandcl-  und  Di-iiscnriiuuicn  kiinnen  auch  Silicale  und  zwar  naiut-ul- 
lich  /t'olilhc.  in  (J;ini:en  auflrelen,  wohin  die  Elemente  zu  ihrer  Bilduui:  in 
ijeloslein  Zuslande  iicfiihrl  werden.  So  sind  die  Andreasberger  Silbererzgttnge 
rcich  an  llannoloin,  Apophyllit,  Analciiu,  Slilbil  und  Desmin,  —  die  Kii|»ler- 
uiinuc  am  Lake  Superior  in  Nord-Amerika  an  Apophyllit,  Analcini ,  IVehnil, 
l.aiiinoiilil. 

Das  Auftreten  von  Erzen  in  Gangspallen  isl  dadurch  bedingt,  dass  los- 
lirhr  MeUillsal/.e  durch  Gewa'sser  in  jene  gefUhrt  und  darin ,  falls  sic  mil  ge- 
\\lssen  anderen  Subslany.cn  yAisaminenlrert'en,  als  schwerlosliche  Schwefcliuclallc 
mill  .Mciallu\\dc  abitcschieden  werden.  Geschiehl  lelzleres  nicht,  so  sind  sie 
an  dicscr  Sidle  fUr  die  Krzbildunu  \crloren  und  werden  \on  den  (Je\\iissern 
\\eii.-i  mil  fortgenommcn.  Die  Silicate  von  Zink,  Kupfer,  Nickel  und  Silber 
sind  in  rcincm,  kicsdsaures  Hlei  in  kohlensaure  Alkalien  haltigem  Wasser  liis- 
lieh.  Kniiimcn  dahcr  diese  Silieale  in  den  (iebirtzsizesleinen  vor,  so  kounen 
sic  dureh  (Jeuiisser  in  die  Gangspallon  gefUhrt  werden.  Ganz  ausserordeut- 
lidi  \\ii~d  diese  Auslaugung  dadurch  erleichlerl,  dass  kohlcnsiiurcliallii:e  \\assei 
diest-  Silicate  /.erset/cn  und  die  so  gebildolcn  darbonale  mil  der  aus^cschiedenen 
kiesdsiiure  in  die  Spallenraume  bringen.  Kndlieh  kuuiien  sich  auch  durch 
<)\\d;iiioii  von  mi  Nebengeslein  eingcsprenglcn  SdixNel'dmrtallen  sch\\el'clsaurc 
.Meiallo\\de  ^I'.iscn-,  Kupfer-,  Zink-,  Nickel-,  Kobali\ ilriol)  bilden  und,  well 
nisverordcntlich  leichl  loslich,  den  Spalten  /uslroinen.  Hier  land  also  e-incrscits 
cine  Ansammluiii;  son  Silicaten ,  darbonalcn  und  Sulfalen  von  iMdalloxydeu 
stall,  auf  der  anderen  Seilc  \%ar  die  .Mndidikeil  dcs  Zulrilles  von  ScliNNelel 
NN.is.serstou"  halliizcn  (icNNiissern  geboleu.  seiche  ihren  Geliall  an  dieser  Schwe- 
felverbindung  ineist  der  Zerset/ung  sch \\efelsaurer  Salze  durch  faulende  orga- 


I  ,">*>  III.    Dynamisi-lie   (Jeologie. 

nisrhc  Snbslan/en  \erdanken.  Famlcn  die  gcringslen  Spuren  dieses  (iases 
/ulritl  zn  den  Meiallsal/.solulionen.  so  sdiicdcn  sicli  SchwefeltneCalle  aiis.  l);is 
so  hauligc  Yorkoinincn  znsainmengesclzlcr.  Schuefelmetalle  set/I  \or.in>.  dass 
aut-li  in  den  deuiisscni  mrhiviv  Melallsal/.e  in  gcineinschaftlichcr  Ldsung  \\aivn. 
\\..  rs  in  (iangen  an  Sdi\\elcl\\asserslofV  fehlle  ,  da  schiedcn  sicli  die  Kr/.c 
in.  hi  ills  SchwefelmeiaUe,  sondcrn  als  sdiweHdslidie  iMctallsal/.c.  als  (larbonale 
mill  Phosphate  odcr  in  Ycrbindung  mil  Melallsaurcn  aus,  oder  sic  kainen  gar 
iu>  hi  /inn  Aksal/e,  sondern  \\unlen  in  \\iisscriger  Losung  fortgefiilirt.  So  siiul 
di.-  (liinuf  \<m  Brauneisenslein  und  Spathciscnstcin  enlstandcn.  Kohlcnsaures 
Kisi'in>\\dnl  ;:inii  ans  del1  /crsct/nni:  dcr  Silicate  dieses  Metalles  hcrvor  und 
\Mirdc  in  die  (Janizspallen  L't-fiihrt.  \\o  es  sicli,  je  nachdcin  die  atmnspiinsclic 
I. nit  Xulrilt  hatlc  odcr  nicht,  als  Eisenoxydhxdrat  hraiineiseiislein  odcr  als 
kolilens.inres  lliseno\\dul  (Spatheisonstein)  abset/.tc.  -  Die  liesclirichcnc  I'-nt- 
steliunLjsxvcisc  s-e\visscr  Mr/i;iini:c  durch  Kxtraclion  dcs  NeheiiLrcsteincs  ist  jedoch 
nicht  auf  die  Genesis  siininitlicher  (ian;je  aus/.udclinen.  Viele  dcr  let/tcren 
vcrdankcn  \ielniclir  M  i  n  era  1  que  I  len  ,  welehe  aus  der  T  i  e  f e  cinpor- 
uestieizen.  ihren  Ursprunii. 

In  i^anz  analoser  Wcise  \\  ie  auf  Spa  Hen  konnlen  die  mil  Mincralsubstanzen 
hcladeiien ,  unterirdisch  eirculirenden  (Ie\\iisser  auf  Hohlen  IrelVen  und  hier 
cinen  Theil  ihrer  Last  abselzen.  Am  ge\vohnlichslen  war  dies  mil  LosmiLien 
von  do])pelt  kohlensaurem  Kalke  der  Fall,  aus  \velchem  sic-h  bei  dcr  Vcr- 
dunstuni!  des  Wassers  oder  nach  Verdriingung  der  halb  gebundenen  Jvohlcn- 
siiure  durch  die  atniospharische  Luft  kohlensaurcr  Kalk  ausscheidel.  Diesel 
bildcl  dorl .  \vo  die  Solution  ziemlicli  reichlich  iliesst  und  sich  auf  den  \Van- 
dungen  der  Hohle  ausbreitet,  mehr  odcr  \veniger  dicke  Incrustationcn.  an  Punklen 
al)er,  an  denen  die  Wassertropfen  so  langsatn  fallen,  dass  sie  an  der  Iliililen- 
decke  hiiniieu  bleiben ,  bis  sich  ein  Theil  des  Kalkspathes  ausscheidel,  resul- 
tiren  ciszapfenartigc  Gebilde  von  Kalksinter,  die  Stalaktiten.  An  den  Stellcn. 
\\d  die  fallendcn  Tro])fen  aufschlagen,  findet  der  Absatz  des  let/ten,  bis  dahiu 
noch  in  Losung  befindlichen  Restes  von  kohlensaurem  Kalke  stall,  der  zur 
Rildung  von  Sta  lag  in  it  en  Vcranlassung  giebt.  Diese  \\achsen  alliniihlich  in 
die  lli)he,  also  den  Stalaktilen  entgegen,  bis  sie  sich  zuweilen  mil  diesen  ver- 
eincn  und  dann  Ka  1  ksin tersii u  1  en  (Orgeln)  bilden.  Nichl  immer  ist  e> 
rlioinbn(;drischer  kohlensaurer  Kalk.  Kalkspalh,  welcher  auf  diesem  \Vcge  zuin 
Absal/.e  gelangl,  sondern  zuweilen  auch  und  zwai'  \vahrscheinlich  in  hike  der 
Verunreinigung  der  ursprilnglichen  Losung  durch  frcindartige  Sulistan/.cn.  Ara- 
gdiiit.  Dies  ist  namentlich  in  der  Hohle  von  Antiparos  dcr  Tall.  Ildhlcn  im 
Kaikstein^ebirgc,  in  \velchen  sich  Slalaklilen  linden,  sind  ausscrordentlich 
hiiulig.  .lede  dersell)en  ist  ein  lehrreiches  Hcisjiicl  dafilr,  dass  (ie\\;isscr.  \\elche 
durch  Spalten  und  Klill'tc  dcs  Kalkslcines  sickcrn ,  mil  lliilfe  frcier  Kohlcn- 
sa'iire  kohlcnsanren  Kalk  audosen  und  denselben  in  Hohlriinincn  in  Folge  lang- 
samei-  Verdunslung  dcs  \\'a>>crs  und  dcr  Kohlensiiure  \vicdcr  abset/.en.  S.-l 
tener  sind  die  Falle,  \vo  in  Hohlen  SchwefelmeiaUe  in  iihnlichcr  Wcisc  wie 
in  Spallen  /ur  Abiagerung  gelanglen.  Die  grossartigslen  hicrher  gehdrigcn  Vor- 
kiunmnisse  sind  die  Ulciglan/- .  S4-h\\cfclkics-  und  /inkhlemleabsat/'-  in  den 


III.    l)Nii;mii«-lie   lieulou'ie.  !">'.) 

lldhlen  (Ics  dolomitischen  Silurkalkes  der  Bleiregion  ;mi  obercn  Mississippi,  an 
deren  \\andunuen  sir  nicht  nur  als  I'ussdirke  Kruslen  aul'livten,  sondern  auch 
in  liniendicken  l,auen  nut  Kalksinter  abvvechselnd  die  regelmassigslen  Slala- 
kliten  bilden,  vvelelie  dann  aid  dem  Otierhruclie  lauter  concentrische  Binge 
jener  Kr/e  mid  /vvischen  diesen  solche  von  Kalksinter  /eigen.  Khcid'alls  ver- 
haltnissmiissig  sellene  Erscheinungen  sind  die  von  krystallisirlen  Mineralab- 
siit/en  und  /.war  vor/.Ufdirli  von  Hci^krv stall  ansiickltMilclcn  Holilm  ill)  Granitt', 
die  s..u.'iiannU'ii  Krxstallkeller.  Sic  linden  sicli  /.  B.  ini  (iranite  dcr  Alpcn, 
nanit-ntlich  in  Savoxen  und  der  Schvvoi/.  Ht-sonders  l»«M'iilnnt  sind  die  Kry- 
slallhiililen  des  /inkensloekes  mi  lierner  Olterlande  und  jene  des  \  ieselier 
Thales  und  von  Naters  im  Canton  Ohervvallis,  \velche  let/lere  Ouar/.kiyslalle 
MIII  inehr  als  einein  Meier  Ihnrhmesser  L'eliel'ert  hat. 

§.  (').  Miiieralquellen  und  deren  Absiitze.  Diejoniiien  in  Liisuns;  l>e- 
tindlielien  MineiMlsnlistan/en".  welelie  \veder  in  Blasenriiunien  noch  in  Iliihlen 
oder  Spalten  /urn  Altsal/  p-laniittMi,  fiiliren  die  Ouellen  der  K  rd  oherl'l  ii  c  li  e 
/u,  auf  vvelclie  die  \\asser  urspriinizlicli  als  reines  Heyen\vasser  niederiiefallen 
\\aren,  uiu  jel/l  nacli  erfolureich  zurlickgelegter ,  unleriixlisdier  Laufbahn  als 
Mineral(|uellen  /u  derselben  zurUckxukebren.  Hier  an^olanLit  entledigen 
si«-  sidi  last  alter  ilirer  Bestandtheile.  Am  reichsteu  an  solchen  sind  die  Sauer- 
(|iielleii.  \\elche  in  der  Kohlensiiure  ein  ausserordentlicli  wirksames  LOsuniis- 
iind  Xerset/iniiisinittfl  l>esit/en,  \viilirend  die  "owolinliehen  sUssen  Quellen  viel 
\\eniiier  niineralische  Substan/en  mil  fortfllhren.  Sehr  selten  finden  sich  Quell- 
\\asser,  \\elehe  nicht  weni^stens  Spuren  von  ChlorUren,  in  den  meislen  Fiillen 
von  Chlornatrium,  neben  diesein  von  Chlorkalium  und  Chlonna^nesiuni  /eiuen. 
Ks  ist  dies  selbsl  bei  solcheu  der  Fall,  welche  aus  Granit,  Porphyr,  S\enit? 
Basalt  und  Traehvl  emporbrechen.  Quellen,  welche  einen  so  bedeutenden  I'roeenl- 
sal/.  von  Chlornatrium  aufgelttst  enthalten,  dass  sie  sich  zur  Gewinnung  von 
Kochsal/.  eiiinen ,  bezeichnet  man  als  Soolquellen.  Neben  ChlorUren  sind 
Brom-  und  .lodverbinduiiLren  als  Bestandtheile  vieler  Minerahjuellen  bekannl, 
dasselhe  gilt  von  Fluoralkalien  und  Fluorcalcium.  Von  Sauerslollsal/.en  sind 
do|tpell  kohlensaurer  Kalk ,  doppelt  kohlensaure  Magnesia,  kohlensaures  Kali, 
Natron  und  Eisenoxydul  die  hiiufigslen ;  sie  resulliren  zum  grossen  Theile 
aus  der  Zerset/ung  von  Silicatgesleinen.  Die  Grossartigkeit  dieses  Processes 
lii-lil  aus  Fiilgcndrni  hcrvor :  10,000  Pfund  Wasser  eines  Sauerlinges,  \vclchc 
nur  1,:i  I'l'und  kohlensaures  Natron  (eine  verhiillnissiniissig  sehr  unlu'lriichl- 
lichc  Meii-c)  cnlhallen,  mussten  zur  Erlangung  dieses  letzteren  6,5  Pfund  Na- 
tronlVldspalh  zersetzen.  Eine  derartiize  Mineralquelle,  welche  (wie  z.  B.  eine 
solehc  in  der  rmgrliuiii;  von  Burgbrohl)  in  24  Slunden  76,302  Pfund  Wasser 
liefert ,  verlangt  dahcr  ftlr  diese  Zeit  die  vollsliindige  Zcrsetzung  von  49,6, 
mithin  filr  ein  .lahr  von  18.104  Pfund  Natronfelds|>ath ,  urn  die  in  ilini  enl- 
haltcnc  Menge  von  kohlensaurem'  Natron  ervverben  v.\i  konnen.  Da  nun  die 
Zahl  der  kohlensaure  Alkalien  fUhrendon  Sauerlinge  ausserordentlich  bedeulend 
ist,  so  kann  man  auf  die  cnorinc  Tragvveitt'  des  (lurch  sie  einp-lcileten  Zer- 
scl/ungsproeesses  schliesseii. 

Niiehsl   den  ChlorUren  sind  unter  den   in   rcinem   Wasser  liislichen  Mineral- 


Hill  III.     IK  iKimisdie    (it'o|oi;ic. 

subslati/en  die  BCbweCelsauren  S;il/c  die  hiinligslen  und  \\allen  ill  mandien 
MineraNpiellen  N  or  den  iibrigcn  BesUtndtheileD  \<>r,  MI  das  sdiNvdelsaiirc  N.I 
Iron  in  den  (!;irl.sli;iili'r.  .Marienbader  und  Franzensbader  Quellec  und  derG\ps 
iii  sclir  Nielen  Ge\\asserii.  IMiosphnrsaiire  lindcl  sirh  ,m  Alkalien  odcr  K;ilk 
gebundcn  /iemlidi  liaulig,  Nvenn  .ideich  in  geringeren  .Menken  in  Rboeralwassefn, 
als  pliiisphorsaiire  Tlionerde  niclil  scllen  in  slacken  Saucrlingcn.  Kiesclsaiirc 
Alkalien  koiiuiH'ii  in  Nieleii  OuellNNiissern ,  weldic  ;ius  Gran  it-,  Gnei.ss-  odcr 
PorphyrantergrUDd  licrNorhrcchcn  .  NNCIIII  aucli  incisl  nnr  in  L;crini:cr  .Mcn^c 
vor;  viel  seltcncr  cnlliiiltcn  sic  Silicate  \oii  K;ilk,  Ma^ncsi;i,  Tlinncrdc  odcr 
Kiscno\\dul. 

.Ic  narli   ihrcni    liiiiiicron  odcr   kiir/crcn   VcrNVoilen    in    loslichcii    (icslcincn. 
werden  die  (JcNviisscr  niclir  odcr  weniger  von  diescn   mil   sicli   fiilircn  .    --  i:c- 
siilliulc  Solutioncn  jcdocli  sind  nur   von  Kochsalz  und  <i>ps  hckannt.      Nai-li^-c 
\\icscn    sind    bis  jetzt   in    den    GeNviissern    dor   Krdoberlliichc    folizcndc    Stollc. 
welche  siiinintlich  durch  Extraction  der  Gcslcinc  doiiliin   eclaniil  sind  : 

\)  Snlzbnsen:  Natron,  Kali,  Lilhiou,  Kalkcrdc.  Magnesia,  Sti'onliancrdc. 
BarUerde,  Thonerde,  Eisenoxydul,  Manganoxydul,  Zinkovyd,  Kupforoxvd :  Xinn. 
Blei,  Silber,  Antinion,  Arson,  Nickel,  Kobalt,  wabrscbeinlieb  ancli  als  Oxulc. 

2)  Sa'uren:     Kolilcnsaurc,     Schwefelsaure,    Salj)clcrsiinrc,     Hiospliorsiiurc. 
Borsaure,   Kieselsaure,   Schwefelwassersloffsaure. 

3)  Salzbildner  uud  Metalloide:   Chlor,    Brom,  Jod,   Fluor,   ScliNvcfel. 
Quellabsal/c  von    kohlensaurem  Kalke  gelioren    zu    den    gewtthnlichsten 

Ersclieinuniieii,  von  denen  die  an  Kalkslein  reichen  Gegenden  Deutecblanda 
/ahllose  Bcispiclc  licfern,  unter  welchen  die  Erwa'hmmg  der  KalktulVablage- 
rungen  NOH  Cannsladt,  von  Tonna  bei  Gotha,  von  Weimar,  von  Vlotho  geniigl. 
Kauni  irgend  ein  Land  vermag  indesseu  so  ausgezeiclinete  Kalksintcrahsiit/c 
aufx-UNNcisen  als  Ilalien,  wo  die  kalkreiche  Kelte  der  Apeninen  das  .Material 
diescr  Traveiiinablaiieruiiiien  liefert.  Am  reiclilichsten  und  grossarligslen  gclil  die 
TraNcrlinbildung  an  den  Cascaden  von  Tivoli  vor  sich.  Audi  Absiit/.e  Nun 
KisenoxydliNdrat  bilden  sieli  an  zahlreichen  Punklen,  so  in  der  Umgeluing  des 
Laaelicr  Sees  vor  unseren  Augen  aus  Eisensiiuerlingen.  Man  hat  bci-echnet, 
dass  die  Mincralijuellen  jener  Gegend  in  1000  Jaliren  ein  Kisenockerlaiier  NOII 
ungdahr  f/s  Quadrat-Meile  (Jrb'sse  und  '/3  Meter  Miirliligkeil  abscl/.t-n  kiinnen.  Au^- 
der  bercils  erwiilinlen  Sool<piellc  N  on  Neusalzwerk  in  \\~eslplialen  set/en  sich 
sclir  belraclilliclie  Mengen  \on  Kalksinter  und  Kisenocker  jedoeh  in  sehr  1111- 
deiclien  Verhiiltni.ssen  ab.  In  der  Niihe  der  AusllussoH'nunii  schliigt  sich  I'jsen- 
o\Ndh\dral  nebst  wenigem  kohlensaurem  Kalke  nieder.  N\iilirend  in  gi'osscrer 
EnUernung  von  jenci-  kolilensaurer  Kalk  vorherrsdit.  Dies  ist  die  l;olge  da- 
NOII,  dass  der  Absat/.  des  l'.iscii()\\dliN(li-ates  durdi  doppelte  \Virkung.  neliin- 
li<-h  durdi  Verlliidiligung  der  Kolilensiiure  und  gleidi/.eilige  lioliere  Oxulation 
des  KisrnoxNdules,  -  der  Absat/.  des  kohlcnsauren  Kalkes  alter  nur  durdi 
VerflUchtigeD  der  halb  gebundencn  Kolilensiiure,  also  langsaincr  Nor  sidi  gelil. 
1.^  /.eigt  dieses  Bcispiel  .  \\  ie  sidi  aus  ein  und  dcrselben  Ouelle  Lager  oder 
(i.in-c  bilden  kiinnen  .  Nvddie  tlieils  aus  Eisenocker,  tlieils  aus  Kalkslein  be - 
sldicn.  hie  Soiilipifllc  NIIII  .Nen>al/.\\crk  brinut  jjilirlieli  :{7»i  Kubikineler  koMcn- 


III.    Ihnamisrlie  <ieoloL;ie.  161 

samvn  Kjilk  uml  IT  Knl.ikmctcr  Kiscno\\dh\drat  ;mf  die  Krdoberfliiehe,  kurz 
erfQlll  die  HediniMinuen  /ur  Bildung  der  n.aehtiuslen  Kranneisenstcin-  und  Kalk- 
spalhablan.-rmuicn.  \\.-nn  soldi,-  (ieuiisser  .lal.rtauscnde  Ilicssen.  In  iihnlk'her 
\\eise  uie  kohlensaurer  K.-.lk  l.ilden  sich  /..  B.  in  Obersehlcsicn  und  l>ci  Stoll- 

IMM-  nnlcrn  Aachen  aus  den.  dorliiien  F.  r/la^crstalten  enlqucllenden  Wassern 
[Derustate  von  /inkspalh.  NVben  Carlumaten  sind  Quellahsat/.e  \oi»  Kieselsiiure 
sirl.r  |»;IL-.  I  :M  -  ifpn  F.i.scnkk's  (/.  B.  bei  Burgbrohlj,  naiiH-ntlicli  abcr  von  Gyps 
bekantrt.  Letatere  mtstch.-..  nb.'i-all  da,  wo  gypshaltige  Gewllsser  verdunston ; 
dalu'i  lindfii  sirh  (ixp>kiN>iallr  und  Gypsiucrustate  so  haufig  in  Thonlagern, 
in  Mcrtirln.  in  (i.-riill-  und  Sandal. laucnrngt'ii,  an  den  Wandungen  von  Gruben- 
baiiUMi  und  liiiiiis  dcr  MenvskUste. 

§.  7.  Dem  Meere  zugeftthrte  Mineralsubstanzen.  Die  mineralisch.  n 
Subsian/.-n.  \N,-|(-|M-  sich  aus  ihren  wSsserigen  Losungen  Weder  in  llol.lrau.nrn 
defi  Kidinnrivn.  nodi  lu-i  dein  Austritte  der  Quellen  an  die  Tagesoberflad>«- 
absrl/.rn.  \Nrrdm  di>n  Biichcn  und  Flitssen  und  von  dicst-n  dem  Meere  zuge- 
liil,n.  Aus  der  rntcrsudinnu  /.ahlivi.-l.ci-  StrOme  hat  sich  herausgestellt,  dass 
miter  alh-n  ihren  anoi-anischen  Bestandtheilen  der  kohlensaure  Kalk  in  grosster 
M,,^,.  No.konnnt,  so  dass  z.  B.  der  Rhein  in  100,000  Theilen  seines  Wassers 
'.i .Hi  Tl.iMh-  dieses  Carbonates  oder  bis  75  Procenl  der  Gesaramtheit  seiner  ge- 
lii>i«-n  H.-standtheile  enlhiilt.  Kohlensaure  Magnesia  findet  sich  in  den  FlUsseu 
„„,.  in  dor  "rrinii.'ii  Mrnj:.',  in  welcher  dieses  Carbonat  in  dcr  H.-izcl  den  Kalk- 
steineo  beigemisohl  1st;  .»ur  dort,  wo  die  GewSsser  dolomitische  Gesteine  durch- 
sdbeideo,  wird  ihr  Gehalt  an  kohleusaurer  Magnesia  bedeutender.  Der  Be- 
trag  ilM  s,!iNNt-l.-lsau.vn.  kalkt-  kniiunl  in  vielen  Fliissen  dem  an  kohlensaurem 
Kaik.-  nah.-.  in  .'in/eliH-n  FiilltM.  iilnM-triH't  er  ihn  sogar.  Ahnliches  ist  .nit  der 
srlmHHsau.vn  .Maiin.-sia  der  Fall.  Die  Menge  der  (Chlortlre  jedoch,  welche  dem 
Mr»-iv  /u-Hulul  N\rrd«-n,  ist  eine  seh'r  unbedeutende  und  mehrt  sich  daher  in 
vie!  ii.M-iiiiieivin  Vrrhiiltnissr  als  die  gcnannten  Sauerstoffsal/e ;  noch  viel  unbe- 
n-achtlirhrr  isl  dt-r  Silicatgehalt  der  FlUsse. 

Die  minrralisrhen  Bestandtheile  der  letzteren  sind  grossen  Schwankunuen 
unH.n\orf»M».  In.  Soinnu-r  und  Winter,  also  in  dcr  trockenen  Jahreszeit  und 
j,,  d.-r,  wo  dcr  Bnden  mil  Scl.nci-  und  Kis  l.cdc.-kl  ist,  sind  es  nur  die  Quel- 
Irn.  welche  die  Fliisse  speisen,  dann  ist  der  Mineralgehalt  derselben  am  be- 
denln.dsirn.  /ur  n;,ssen  .lalires/eit  l.in^egen,  wo  die  Regen-  und  Schnee- 
I.ei  Wcilc.n  mehr  als  .lie  OuclluasM-r  betragen,  sinkt  der  Gehalt  an 
Heslandlheilen  I.erab  und  wi.il  xnn  d,-n  merk.nisrh  suspend.rlen 
Tlieilchen  stark  ilbrr\>oi(en. 

Di,.  Ouanlitiil  dcr  NO.I  den  FlUssen  den,  MC.M-C  /u-cfiihrten  mineralischen 
Iteslandll.eile  crsch.Mnt  auf  den  .M'sten  Klick  schr  .,nl,e(l,-utend,  stellt  sich  je- 
,|,,,.|,  in  ih.vr  Nxah.vn  GfOsse  da,  .  .sul.ald  man  die  eiioriiien  Wassermassen  ... 
lvll,K.hl  iieht,  wetehe  sini,  dem  Oceanc  zustromen.  Da  FlUsse  wie  der 
Ulu-in  die  Donan,  die  Hl.une  ,.,,d  di.-  Klb.'  .niiidestous  '/^  minerahsche  Sub- 
stan/e'n  in  au^elttstem  /i.slande  enlhallen ,  so  fuluvi.  sic  den.  Meere  in  8 
.|;,hrcn  sovicl'/.u.  als  das  (lewicht  iluvr  jiil.rlichen  Wassermasse  betragt,  - 

Credner,  Klcmonte  cl.  Oeologie. 


i:enilt:ende  Menuon  IHII  mi  I  .a  ul'e  liini:erei  i:eologischor  /eilriinmo  d;is  Material 
(In-  machligsion  Kalkstoin-  und  QypsformationeD  /u  licfern. 

Iin  Meeres\\asser  selbsl  sind  bis  jelzl  abgesehen  \nu  Saiiersloll'  mid  \\.is- 
Nersloil.  sou  io  organischon  Substanzon  folgonde  Stoll'c  iiadiLieu  iesen  \\orden 
Chlor,  \\elches  niichsl  den  Be$tatodtheilen  des  Wassers  die  L'riissle  .MeiiLie  dor 
mi  Aleero  \orkommenden  Klemenlo  ;iusin;iclil ,  Hnun .  .lod.  Fluor.  Sdi\\  fl'd 
(;ds  Srli\M'l'cls;iinv  und  Schwefelwasserstoff  ,  Phosphor,  KohlciislolV  ;ils  frcif 
oder  .'in  K;dk  und  Ma^ncsui  izfluindcnc  Kolilcnsiiurc  .  Siliciuiii  ;ils  Kirsrlsiimv  . 
Bor  (als  Borsiiuro],  Sill)cr  (;ils  Chlorsilbcr),  Kupl'cr,  /ink,  Blei,  Kol»;ill.  Nickel. 
I;.iscn7  Miin^an,  Aluminium,  Miiiinosiuni  niichsl  Chlor.  Scliucl'clsiiiire  und  N;i- 
triuni  iini  gewiihulichsten},  Calcium  (meist  als  kohlens;nircr  und  phosphorsaurer 
Kalk  odor  als  Fluorcalcium),  Strontium,  Baryum,  Natrium,  Kalium  und  cndlich 
hiichst  wahrscheititich  Arson  und  Lithium.  Von  diesen  29  GrundsloH'on .  also 
fast  dor  Ha'lfte  dor  bis  jotxt  bokannlon  sind  Chlor,  Schvvefelsauro ,  Calcium. 
Kalium,  Magnesium  und  Natrium  die  wosentlichslen  und  Ix-ti-a^cn  /.\\ischon 
3,21  und  3,84  Procent  des  Mooreswassers.  Dor  (lohalt  dos  letztoron  an  I'osti-n  Ito- 
standlhoilon  ist  cin  conslantor  und  schvvankt  nur  local  in  Folge  der  ungh-ichon 
Vordunstung  in  vorschiodenen  Breilongradon,  der  Schmelzung  grosser  Kismasson 
in  den  Polarxonen  und  des  Zuflusses  grosser  Strb'me.  So  ist  die  Ostseo  als  cin 
\t-rdiinntes  Meereswasser  7Ai  betrachten ;  daher  rilhrt  ferner  der  an  dor  Kiisic 
goringori>  Sal/.gohall  dos  Ocoanos ,  auf  der  anderen  Seite  ist  dor  dos  Miltol- 
liindischen  Meeres  etwas  bedeutender  als  der  des  Atlanlisch'en  Oceanos.  Nodi 
viel  grdsser  ist  die  DifTerenz  des  Salzgehaltes  des  Weltmeeres  und  soldier  Bin- 
nonmeere.  welche  zvvar  ZuflUsse ,  aber  keine  Abfllisse  besilzen  und  sich  dor 
/ustromenden  Wasser  bloss  (lurch  Verdunstung  entledigen.  In  Folge  davon  con- 
contriren  sich  nach  und  nach  die  ihnen  in  starker  Verdttnnting  xugfluhrton 
Minoralsubslanxon  wie  dies  namentlich  im  Great  Salt  Lake  in  Nord-Amorika 
und  im  Todton  Meere  der  Fall  ist.  Das  Wasser  des  lolzloren  onthiilt  ct\va 
2-2  I'rocent  Salze  aufgelost,  untor  welchen  Chlormairnosium  boi  \Voitom  vorwallot. 
\viihrond  Chlornalrium,  Chlorkalium,  Chlorcalcium  und  Brommagnesiuro  inohr 
zuriioklroten,  und  ist  augenscheinlich  eine  durch  Vordunslung  von  Meeroswassor 
entstandone  Mutterlauge. 

§.  8.  1 1  oh  Ion  hi  Id  mm  en.  Erdf  iille,  Erderschiitterungen  und  Schicliten- 
storungeii  in  Folge  der  unterirdischen   Thiitigkeit '  des  Wassers.    Wio 

orfolgreidi  die  Gewiissor  ihror  Aufgabe  nachkommen ,  dom  Innoron  dor  Krd- 
kruste  soviel  wie  mo'glioh  mineralische  Substanzen  zu  ont/iohon .  ergiobt  sich 
nidil  allein  aus  der  Quart titiit  ihrer  Absatze  und  des  inineralischen  (lehallos 
des  Fluss-  und  Meeresuassers,  sondorn  in  \iel  augenscheiolicherer  \V(>ise  aus 
dom  Massenverlnsle  des  (ieldrusinneren  selbst,  ferner  aus  dom  Kinllnsso  dioser 
Yolumenvermmderung  auf  die  Lagerungsverhaltnisse  dor  uber  den  boirollenon 
I'unklon  lioiiondon  Sdiichlen,  so\vie  auf  die  Gostaltung  dor  Krdoberllache.  Die 
aulViilligslon  dorarliuen  Krschoinungon  sind  Bildungon  \on  llohleiu  und  in  Folgo 
<lr>  /usaimnenstur/os  derselbon  KrdorschiUteninuen ,  SchichtenstdningeD  und 
Enifalle. 


III.    l)\  inmische 

1'iiter  den  Gesteinen.  sselche  einen  bedeulenden  Anllieil  am  Aufbaue  der 
F.rdkruste  nehmen.  Miid  cs  Kalksleiu .  Dolomil  und  G\ps.  sselche  in  griisslrr 
Menu.-  s,,m  YYasser  auluelost  sscr.len.  sie  sind  deshalb  auch  die  eigenlliehe 
lleimalh  derllohlen.  Die  meislen  der  lel/.teren  beslchen  aus  gessolbiihnlichen 
\\eitiin-en,  s\dche  (lurch  c.mal-  oder  spaltenlnrmige  Sehliinde  mil  einander  in 
Yeibindmig  slehen.  Diese  NYeitungen  Hegeii  eulweder  alle  in  demselben  M- 
\ciiu  oder  in  \crschicdcnen  lloheii  elagen-oder  slul'ensseise  iibereinander.  Die 
\\iinde  der  meislen  Kalksleinhohlen  sind  mil  Snlaklilen,  die  tier  (Is  psschlollen 
mil  (.spskrsslallen  uber/.ogen.  Der  Boden  s  icier  isl  mil  thoniuem  oder  lehmi- 
irem  Sclilammr  bedeck!  .  in  \\elchem  Skelellheile  son  Karen,  llsancn  u.  s.  ss . 
/usseilen  in  soldier  Menge  enlhalten  sind,  dass  man  sie  danaeh  als  Knochen- 
hohlen  be/eiehuel  hat.  Die  berilhmlesten  Hiihlen  im  Kalksleiu  sind  die  Adels- 
herp-r  Grnlle  in  Krain .  die  son  Casllelon  in  Derbyshire,  die  von  Anliparos, 
die '  Baumanns  und  Biels  Iliihle  im  llar/e ,  die  Kluterl  und  Dechenhohle  in 
\\eslphaleii.  -  dem  .luradolomit  uehort  die  Muggendorfer  und  Gailenreulh.-r, 
-  dem  /echsleindolomit  die  l.iebensleiner  liohle  an,  Hiihlen  im  G\ps- 

luhrenden  Gebirge  (is psschollen)  sind  im  grossartigsten  Maassslabe  (lurch  den 
Mansfelder  Ber-baii  aufgeschlnssen ,  wo  sie  den  sich  an  den  liar/  anlegendeu 
li.md  der  /cchsleinl'ormalion  in  \\eilausuedehnlen.  /.nsammenliangenden  und 
/.urn  Theil  mil  Wasser  anuefiillten  Systemen  dureh/iehen. 

reberall  dorl .  wo  die  Wanduugen  der  Hohlen  nicht  (lurch  einen  Panzer 
son  Kalksinler  izeschiit/t  sind,  arbeiten  die  Gewasser,  unterstUl/t  durch  Biielie, 
well-he  nicht  sellen  in  denselben  ihre  unterirdischen  Wego  verfolgen,  an  deren 
VergTttftseruDg.  Namenllich  ist  dies  bei  den  von  Wasser  gefulllen  Gypsschlollen 
dei  Fall,  NNO  lel/leres  unabliissig  losend  auf  alle  Seiten  des  Hohlraumes  wirkl. 
Die  Weiiunv:  und  die  Tiefe  soldier  Hohlen  iiimmt  so  lange  zu,  bis  ihre  Decke 
nichl  mehr  im  Slande  ist,  die  auf  ihr  ruhenden  Gesteinslasten  zu  tragen  und 
mil  diesen  /.usamm.-nl.richt.  Lag  der  Schauplalz  dieses  unterirdischen  Kreig- 
ni>s, •>  n,  I.  so  mag  sich  seine  l'.in\sirkung  nicht  in  sichtbarer  Weise,  sondern 
eiu/ii:  .lurch  stossartige  ErschUtterungen  auf  der  Erdolxjrfliiche  belhiiligen, 
lag  ei  der  lel/leren  naher,  so  bildeten  sich  ausserdem  in  Folge  des  Gesleins- 
na.-hsluiv.es  Spa  lien  oder  trichter-  und  kesselformige  Verliefungen,  Krdfiille, 
unter  alien  I'mstiinden  aber  wird  die  ursprUngliehe  Lagerung  der  Ubor  d.-n 
/.usammenbrechenden  llohlriiumen  belindlichen  Schichten  gestOrt  werden.  /ahl- 
reiche  locale  Krdbeben ,  wie  sie  kalk-  oder  gypsreiche  Gegenden  heimgesucht 
l.,i|, en,  scheinen  dureh  derarli-e  EinslUrae  und  Senkungen  erz.-ugl  svorden  /.u 
sein.  Ilierhrr  diirfte  das  Krdbeben  des  Visp-Thales  in  Wallis  im  Jills  und 
Au-usl  1855  zu  rechnen  sein,  welches  tlber  einen  Monat  andauerle  und  die 
Bildung  MUI  Spalten  in  ansl.-henden  Gesteinen,  in  Kirchen  und  Iliiusern ,  den 
l-iin.sluiv.  snn  M.mern  und  das  llerabrutschcn  von  Felsmassen  /ur  Folge  halt.-. 
Da  in  jener  (legend  nicht  Nsemuer  als  20  gypsfuhrende  Ouelh-n  h.-kanni  sind. 
dcivn  cine  allein  dem  Krdboden  im  Laufe  eines  -lahres  Uber  200  Kubikmeter 
G\ps  enlxiehl.  so  liegl  es  nahe,  in  der  mass.-nhaflen  Knlfuhrun^  dies.-s  (iestein.-s 
und  den  dadureh  bedinglen  unterirdischen  Kinsliirx.en  die  Ursache  dieses  wie 
zahlreicher  anderer  Krdbeben  zu  suchen,  deren  im  Laufe  der  lelzten  V/2.\^r- 

11* 


Mil  III.    Dynamteche  (Ifnin^ic. 

hunderte  (bis  1854)  in  der  Seh\\eiy.  1 010  beobachlel  vvorden  sind.  Nur  muss 
sich  der  Geologe  hiiten .  sole-la-  Ansiehteii  x.u  verailgemeiaeni  und.  \\ie  fs  ge- 
M-hehen,  iinf  die  Entstehung  aller  Erdbeben  ;iii\\t'iidtMi  x.u  \\ollen.  —  die  \ul 
k;i  ni  sch  c  Na  I  iir  der  Me  hrza  h  I  d<>  r  ye  rs  I  o  re  n  d  s  I  e  n  und  grossarlig- 
si  en  Erdbeben  uuterliegl  n  n  r  ge  r  i  n  tic  in  Zweifel  siehe  pag.  \-r>> 
und  127). 

Die  Erdfiille  sind,  \N  ie  durrh  ilirc  Entslehnng  bedingt  \\ird,  ebenfalls 
.ml  <i\ps,  Kalkstein,  Dolomil  ,  und  Steinsal/.  nihrende  Gegenden  besehriinkl. 
innerhalb  soldier  aber  selir  jj;e\\()linliclH'  I'lrscliciiiungen.  So  linden  sidi  in 
dem  Kalksteingebirge  von  Krain,  Illyrieh,  Kroalien  und  Ualnnilien  iin/.iildiue 
Ki'dtalle ,  von  denen  die  griisslen  700  und  mehr  Meier  Duirliniesser  erreirlien. 
l-lbenso  liiiufijj;  sind  sie  iin  Gebiete  des  Teutoburger  Waldes  und  der  lla;n. 
auf  dem  Kalksteinplatenus  des  I)e,])arleinenl  des  Doubs,  der  Haule-Saone  und 
des  Jura  in  Frankreich ,  sowie  in  dem  Kreidek-rrain  des  nordliclien  Jutland, 
iin  Kohlenkalk  Missouris,  sowie  des  Gouvernements  Tula  in  Russland  .  v\o  sie 
Uberall  der  Weglaugung  des  kohlensauren  Kalkes  ihren  Ursprunti  \erdanken. 
\viihrend  die  Krdtalle  am  ymzen  SW.  Rande  des  llar/es  und  bei  Liineburi: 
durdi  Einsturz  von  Gypsschlollen  entstanden  siud.  Viele  sole-he  aus  der  Sen- 
kung  der  Erdoberflache  »hervorgegangenen  Verliefungen  sind  von  Wasser  aus- 
gefilllt  und  in  Teidie  und  Seen  umgewandelt  worden.  So  die  Seen  bei  Speren- 
berg  in  der  Mark  Brandenburg,  bei  Segeberg  in  Holslein,  die  zahlreichen  »Teu- 
felslocher«  und  Pingen  am  siidlidien  Harzrande  und  wahrsclieinlidi  der  Salzige 
und  Siisse  See  bei  Eisleben.  Durch  Auslaugung  eines  machligen  Salzslockes 
soil  das  Becken  des  106  Klafler  tiefen  Konigssees  am  Ostfusse  des  \Vazmann 
enlstanden  sein. 

Wie  zu  erwarten,  sind  Schichtenslorungen,  Spaltenbildungen  und 
\ 'erwerfungen  im  Gebiete  der  (iyps  oder  Stcinsalz  flihi'enden  Formalionen  iiber- 
all  da  selir  gewdhnlich,  wo  Stb'cke  und  Flotze  jener  leichlloslidien  Mineralien 
von  anderen  sedimentaren  Schichten  bedeckt  werden,  welche  beim  Zusammen- 
brechen  der  entslehenden  grossen  unterirdisdien  Holilungeu  borslen.  sich  senken 
und  auf  diese  \Veise  Knickungen  und  Vervverfuntien  erleiden  musslen.  Min 
hochst  lehrreiches  und  nur  diese  cine  Deulung  zulassendes  Beispiel  fiir  den 
erwiilmlen  Vorgang  lieferl  die  Gegeud  von  Eisleben.  Ilier  lagert  auf  dem  Con- 
glomerate des  Rolhliegenden  so  regelmiissig  wie  ein  Teppidi  und  flir  grosse 
Miichen  so  eben  wie  eine  Tischplatte,  weim  audi  hie  und  da  von  Yerwerfungen 
durchselzl,  das  etwa  2  bis  3  Meter  miichlige  Kupferschieferflot/ .  welcho  das 
Object  des  Mansfelder  Bergbaues  ist;  auf  dasselbe  folgl  die  eigenllirhe  /t-di- 
slein-  und  auf  diese  die  Bunlsandsteinformation.  Man  kann  sicJi  kaum  \er- 
\\ocrenere  Lagerungsverhiillnisse  ausmalen ,  als  es  die  der  lelzt  genannlen 
Si  hiclitenreihe  an  derem ,  auf  dem  Ausgehenden  der  Zedisleingruppe  ruhenden 
Raode  sind.  Ilier  sind  die  Schiehten  in  Zwischenriiumen  \ou  nur  vvenitien 
Sehriiien  auf  den  Kopf  geslelll,  geknickt,  gebogen,  zerlrUmmerl  und  \er\\orfeu. 
Da  der  elvva  SO  bis  120  Meter  darunter  liegende  Kapferschi^fer ,  abgesehen 
von  einigen  localen  Slorungen,  seine  urspriingliehe  Lage  June  hal,  so  kann 
diese  XerslUckelung  des  Bunlsandsleim-s  keinr  Aussei-iing  des  \on  unlen 


165 


,,,„•!,    ol.cn    \virkenden    Yulkanismus    soin.       Hie    1'rsacho    der    Sohiolilonslonmii 

muss    violmchr    x.\\  isehen   Umilsandslein    und    Kupfersduofer    lioiion    uiul    1st    in 

dm  (i)pscn   der  /\\  isehen   heide 

uela^crten     /eelisleinuruppe     x.u 

suchen.      Wo    dieso    letztere    zu 

Tatjo   ausiiint:.    heiiann   drr  IVo- 

0688    <l<-r  Auflosnni:    und    \Yoi:- 

]•         Fie.  19 
ftthrung     deS    GypSCS    dureh     Oie 


Schiehte  n  storn  ngen  i  m  Bnn  tsandsteine  der 
Huhnebur^  bei  Eisleben. 


. 

,  .  a)  Rothliegendes.  b)  Knpferschiefor  nnd  Zftclisteln.    c)  Asche,  Dolo- 

SchlOtten   reSUJtllten,     mit,  rothe  Menrel  mit  Gypsstocken  und  Schlotten.   d)  Buntsandsteiu. 

e)  Erdfiille. 

von  dt'iu-n  die  mien  in  zusain- 

lu.Miliiinucndcn.  \\cit  ausgodehntcn  Systcmen  noch  hcut  den  Unlcrgrund  joncr 
i;(-(>nd  duivh/icluMi,  \viiluvnd  nndere  zusammenbrachen  und  den  Nachsturz 
dcs  (lariiluT  lii'iiriuhMi  HiinlsjindsttMiics  zur  Folge  batten.  Vielleicht  hiitte  dieser 
nnrh  lan.-.'iv  Xril  \\ie  ein  Gcwdlbe  die  auf  im  ruhende  Last  gelragcn  ,  wcnn 
or  nicht  hereils  dadurch  zorrisson  und  zerborsten  worden  wHre,  dass  derGjps 
hoi  seiner  Kntstohuii"  durch  Umwandlung  aus  Anhydrit  und  der  damil  \or- 
hnndenen  Ausdolinung  seine  Decke  sprengte  und  deren  Zusammenhalt  so  lockerlo, 
dass  ilu-  /usainnionsturz  unbodingt  erfolgen  musste,  sobald  der  Gyps  -wcgge- 
filhrt  \\urde. 

Audi  hoi  der  Enlstchung  des  Dolomites  durch  Auslaugung  des  kolilonsau- 
i-en  Kalkes  aus  sehuarh  dolomitischcm  Kalksteine  geht  der  Natur  tier  Sacho 
nach  oine  solir  helriielitliche  Volunionvorringerung  vor  sich.  Die  auf  ihm  ruhon- 
den  Soliiohton  inusslcn  sich  dcmnach  sonken,  —war  der  Dolomitisirungsprocess 
,-in  localer,  so  ging  diese  Senkung  hochst  ungleichfo'rmig  vor  sich,  die  ursprUng- 
lich  horizonlale  Lage  der  Schichten  machte  einer  gestorten  Platz. 

b)  Die  mcchanischc  Thatigkcit  des  Wassers- 

Dass  die  Oberflache  des  Festlandes  ihre  mannigfaltige  Gliederung  /inn 
.ii  Tlieilo  dor  zorstorend  en  ,  fortftlhrenden  und  wiedcrabselzo  n  - 
ii  mooliaiu'sohon  ThSitiiikeil  des  Wassors  vcrdankl,  ist  bereits  in  doin  oin- 
leiienden  Theile  dieses  Abschnittes  genUgend  hervorgehobcn  worden;  es  hleihi 
deinn.ieh  nur  noch  uhrig,  die  einzelnen  Phasen  des  Erosionsprocesses  und  die 
Grossartiiskoit  der  gesammten  Voruan^e  durch  die  Mitlheilung  einiger  Bcobaoh- 
tunizen  /u  heleiiclilen. 

§.0.  Die  fliessenden  Gewiisser.  Die  Iliessenden  Wasser  slaninion  aus 
,|<-r  Atmosphiiro,  doren  WassordUnsle  sich  als  Tropfon  Qiedereohlagen  ,  \veleli«> 
sicli  dann  sainmeln  und,  doin  (icsd/c  der  Schwere  folgend,  nadi  der  Tide 
Iliosson.  Kei  einer  durchschniltliehon  llflhe  dor  jilhrlichcn  alinosphiirisclien 
Niodorsohliii:!'  \mi  I  M.  fiillt  in  10,000  Jahren  ein  Moor  von  10,000  M.  Tiofo 
auf  die  Krdo  nieder.  urn  doin  Oceane  zu/.uslriinion  uud  sich  von  Nouein  in 
DaniptTonn  /.u  orhohon.  Nainenllieli  sind  os  die  llocht»ol)irgo,  an  \volohon  sich 
das  atinosphJirisolio  Wassor,  el\\a  \\ie  der  llaueli  des  Alhoms  an  kalton  (iogcn- 
jsliindon.  \ordiohtcl.  Ihre  tlhor  die  Sclnn'«>i:ron/o  hinaus  ra-ondon  ,  mil  (llel- 
schorn  und  Firn  bedocklen  Gipfel  bilden  deshalb  Reservoirs  von  gefrorencm 


Hit)  III.    [)\n;imiM-lir  (  I 


\\clchc  lie.xonders  tl.iiin  dcr  Klicne  ihre  Ynrralhc  milthcilen  .  \\enn 
<li»rl  l»ci  dcr  Ilit/e  (lex  Summers  dcr  Vcrbraiirh  ,m  Wa.xser  (lurch  (lit-  \Yrdun- 
xlmiu  mid  (lurch  dfii  Hedarf  dcr  Vegetation  am  grosslen  isl.  In  niedrigen 
(iehirgen  isl  cs  die  IMlanzendcckc,  welche  in  iihnlicher  \Vcisc  condensirend  aid' 
diis  \\";isscr  \\irkl.  d;isscll»c  in  nasser  und  regneriseher  /oil  aufsaugl  nnd  \er- 
Ilicill  nnd  dadurch  cine  hcstiindi^e  Fcnchliiikeil  dcs  Bodens  und  den  Uuellen- 
reichlhnni  desselhen  iinlerlijill.  \\iilircnd  ;uif  dein  n;ickten  l-'elsboden  cine  Milche 
Ansammlung  und  ailmfihliche  Abgabe  nidit  slallfinden  kann,  \iehnelir  strnmen 
hier  die  Re^en\\asser  direct  in's  Thiil  und  \ernrs;ichen  hier  (lurch  ihren  nnue- 
slihnen  Andnin^  tJbersch\veininnni;en. 

.le  naehdein  der  Krdboden  mehr  oder  ueniucr  wasserdurchlassend  ist, 
driniien  urtissei'e  oder  yeriiiizere  Menken  des  alniospliiirisclien  \Vassers  in  den- 
sclbcn  ein,  uni  tin  tiefon  Stellen  der  I'j'doberfliiehe  als  Quellen  \vieder  /,u  Taize 
m  treton.  Die  grdssle  Zahl  der  let/teren  /eiul  sich  dahcr  am  Fnsse  der  (Je- 
birize  nnd  y.\var  dorl,  \\o  \\asserdichlc  Thonscliieliten  das  tiefere  Kindi-inuen 
dcr  Gcwasscr  abhalten.  Andere  steigen  aus  der  Erdticfc  auf.  Diese  Erschei- 
uiini;  isl  dadurch  bedingl,  dass  geneigle  wasserfiihrende  Schichlen,  \velehe  mil 
\\asserdicliten  \vechsellagcrn,  von  Spalten  durchsetzl  sind  ,  auf  denen  die 
(icxsiisser  von  der  auf  ihnen  ruhcndcn  \Vassersiiule  einporgcpresst  \\crden. 
Zapfl  man  solche  \\asserfiihrende  Schichtcn  (sandige  Gesleine,  kliiftige  Kalk- 
sleiiu1),  die  keine  naliirliclicn  Abfliisse  besitzcn,  durch  Bohrlocher  ab,  so  cnl- 
slchcu  arlesischc  Brunncn.  Letzlere  kb'nnen  iiberall  dorl  crbolirl  \verden. 

D 


Fig.  20.  Artesischer  Brunuen. 

A  und  B  wasserdichte  Thonlager.  —  M  wasserfuhrende  Saiidlage. 
D  artesiscbcr  Jtrunneii. 

\\o  cine  mehr  oder  \\eniger  sleil  aufgerichtele  Schiclil  einer  porosen  oder  zer- 
kliiflelen  Gesleinsarl  von  z\vei  \\asscrtlichlen  Schichlen  eingesehlnssen  ist.  \\elche 
das  Knl\\cichen  des  \Vasscrs  naeh  Oben  und  Unlen  \erhindern  l;ig.  :><);.  NVird 
die  obere,  imdurchdringliche  Schiclil  durchbohrl,  so  sleigl  das  Wasser  nach 
dem  (ieselze  der  Ihdraulik  cmpor  und  kann  sich  sin-ingbrnnntMiarlig  iiber  die 
Krdolierfliiche  erheben. 

Dcr  \Vasserreiehlhum  der  Oucllcn  isl  naliirlich  \on  dcr  Menge  der  almo- 
sphJirischen  Niederschliige  auf  dem  Arcale,  aus  \\elehen  jene  geniihrl  \\erden. 
abhiinuii:.  deshall)  weehsell  in  (iegenden  mil  Irockenen  und  Regen-Zeiten  das 
I •'lie-.scn  nnd  Versiegen  der  Ouellen  periodiseh  al>.  Kine  ganz  iihnliche  V.i'- 
scheinnng  /.rigt  sich  bei  den  II  u  nge  rb  run  n  en  .  \\elche  nnr  so  lange  XVasser 


III.  >  f 


IU.I',.,.,,.    (,ls  der   sou   dem  pesrlm.ol/.eueu  Srlmee   slammende   mid   in  Spallen   u.ul 
nnlerirduschen   llohlriiumen  anuestaute   Wrath  anhall. 

Die    Ouell\\asMT    sammeln    sieh    /.u    Biiehcn  .    diese    /...    FliiSM-u    uml    Slrii 
„„.„   an     'inn    sieh    endlich    in  Oeeane  oder  in   Binnenmeere    /...   eruiesseu.      Die 
Wassermenge   eines   Mnsses    uinl    hrdinui     I.    dun-h    die   dross.-  des   A.vales. 
welches  derselbe  entwWat;    i    dun-l,   die  QuatfiMM  de?   H)f..df0Mp  Area!  i:.l- 
InuU'ii    Regen*,    Th,,ur>    ,m«l   Srlnuvs:    :»     iln.vh    .las  Klima    des  FlussurLu-trs, 
im|,.in    heissb    TrmpcraU.r     and     tnu-konr    Alinospliiire    die    VcnlnnsU...-     .u,d 
,lrs|,,,ll.    dm    \\ass.M-NcM-lust    hi-ilnsligen:    i)   durch   den    geoloyis.-hcn    Ifciu    des 
Flussgebietea,    indem    ein    NieJIaeh  gestbrter  Schichtenbau  Spaltc-n    und   Kllilie 
i.n  Gefolge  hal,   duivl.  >Nel«-he  die  NVasser  in  die  Tide  sinken;    ehenso  ent/.i.'l.l 
wndigcr  Untergrunji    den  Siromen  AVasser;    5)   durch  die  01)ernachengestaltunu 
,„„!    VegeteUoDSverhttltoiSw   d.-s   (Jebietes,    indeiu   Gcbirge   un.l   Waldreirhili.m. 
(lit-    Niederaohlage,     ehene     und     waldlose    Gcgenden    die    Yerdunstung    ver- 

nu'hrcii. 

Dir  (iriisse  des  Flnssuehietes  ist  nallirlieh  cine  sehr  verschiedene  ,  c 
,lriil«-ndsl«-n  sind  die  des  Amazonenstromes  und  des  Mississippi  mil  106,000 
m,d  c.l.iOO  geogr.  Quadrat-Meilen,  wahrend  das  des  Rheines  nur  ein  Areal 
Vpn  i080  Quadrat-Meilen  enUMissei-l.  Dcmgemass  isl  auch  die  von  diescn 
1  HisMMi  dc-in  Mcere  zugefilhrte  Wassermcnge  cine  ausserordcntlich  versehiedene, 
iuden.  >u  -I.  /.  H.  aus*"  dem  Mississippi  im  Laufe  eines  Jahres  durchschnilllieh 
7i:{.0no  Millinnen  Klun.  Wasscr  ergiessen,  wahrend  bei  Bonn  jahrlich  nur  cUxa 
63  :i70  Kbni.  Hheimvasser  vorbeislronien. 

Kin  anderer  Hauplfaclor  dcr  mechanischen  Thiitigkeit  dcr  Hiessenden  ( 
svaaeer  ist  ausscr  ihrer  Wasscrnienge  ihr  Gefalle,  durch  dessen  Grosse  die  Ge- 
schwindigkeit,  mil  welcher  sich  das  Wasser  bewegt,  bedinizt  Nvird.  Das  Gefalle 
,|n  Fltisse  ninnnl  von  ihrem  Ursprunge  bis  zu  ihrer  Mundung  ab,  und  da  d.e 
l,ilV,.,vn/.  /uisrl.,,,  dm.  Falle  des  oberen  und  unteren  Theiles  ihrcs  Laufes  urn 
so  grtteer  ist,  jc  hoher  jene  entspringen,  so  ist  sie  bei  den  Alpenslromen 
;,m  'betriiehtlichslen.  Da  nun  sowohl  die  unterwUhlende  und  zerstorende,  als 
am.|,  di,-  transportii^de  Kraft  des  Wassers  von  der  Starkc  seines  Stroraes  ab- 
hiin-t.  da  ferner  die  Quellen  'racist  in  Bergen  und  Jliii:.-lketlen  enlspringen, 
wo  die  Thalsnldi-n  siark  gencigt  sind,  wahrend  in  den  Ebenen  das  Gefalle  nur 
>,.hr  unbrdeulend  ist,  so  folgt  daraus,  dass  die  oinschncidcndc  und  fortfuhrendc 
Thiili-keii  d.-r  (.cxNiisser  namentlich  in  den  gebirgigcn  Gcgenden  /.u  llause  ist, 
NNiihrend  sieh  der  Unterlauf,  wo  die  Gesehwindigkeit  all.uahlicl.abnini.nl,  dnreh 
Absiil/e  des  dem  Gebirge  cnlfUhrten  Geslei.isn.ateriales  auszciehnct. 

§.  JO.  Erosion.  Der  mechaniselien  muss  durch  die  chemisehe  Thiitiiikm 
(|rs  Wassers,  (lurch  die  VerxNillerunj:,  x..rii.-arbeilel  %%.M-den.  Auf  einer  Thal- 
s,,hle  NHU  -lattein,  un/.ersct/tem  Granite  NvUrde  der  schnellst  stroiucudo  Baqh 
M-lbsl  in  tenge^l  /ritr.mmrn  k;ui,n  uirrklirl,,.  Spuivn  hinterlassen.  Krsl  wenn 
das  Geslein  unler  dem  z.-rsct/cndcn  Einllu>M-  der  Knhlensaurc  zu  Grus  und 
Sand  /.erfallt,  wenn  es  miirbe  gewordcn,  zerfresscn  und  angenagt  ist,  wenn 
Gesteinsfrau.urule  durch  die  ffli-ssmden  Gewiissor  in  Bewegung  gesel/A  nud 
als  Schliffmittel  lu-nut/t  wqrden  Mtpnoi,  l'«^i»ni  die  mechanischc  Erosion.  \\c- 


168  III.    I)>iiaiiiisclic    <ii'<>|Mi;ic. 

senllich    \\inl     sic    imlerstiit/t    (lurch    die    Eiuenschal'l    do    \\  >ich     Itcim 

(iefrieren  aus/mU'hnen.  Geschicht  (lies  in  (icsleinsspallen .  sn  -eniii:!  dicscV 
Vorgang,  um  die  Felsen  zu  /.crlriiinincni.  l);i  ;illc  Kliiflc,  Poren  und  llaar- 
s|>;iltcii  dcs  (loslcines  \mi  \\asser  angefullt  sind,  <l;i  sicli  I'crncr  dicscr  Process 
in  gemiissigtcn  Kliinatcii  in  jedem  llerbsl  und  Friihjahr,  auf  llnehgebir^en  alter 
I'asl  in  jcder  Nachl  \\icdcrholt,  so  spielt  or  bei  dcr  incclianisclicn  (icslcins- 
zerkloinerimi:  cine  nicht  zu  unterschalzende  Rolle.  Von  Felswiindon  .  wclehe 
lioch  (liter  das  Belt  des  nahcn  Baches  emporragcn  und  seinen  dirokten  An- 
griffon  enl/ogen  sind,  sltlrzen  hoi  cinlreleiidein  Thau\\eUer  Blocke  und  Schiilt- 
niassen  herab,  deren  sich  jelzt  erst  die  fliessenden  Wasser  bemachtiiien  und 
sic  fortschiel)cn.  Die  Abrundung  der  in  dem  Bottc  des  Baches  oder  l:lusscs 
forthe\veglen  GesteinsfraiinitMile  erfolgt  theils  durch  das  gegenseitiue  Aluvihen. 
indem  die  kleineren  schneller  als  die  grosseren  fortgeschoben  \verden,  theils 
durch  ihre  Reihung  an  deni  felsigen  Belte,  wodurch  zugleich  auch  dieses  em- 
dirt  Nvird.  Sell)st  die  feinsten  aus  dieser  Zerreibung  resultirenden  sch\\elieu- 
den  Theilchen,  wclche  mil  der  ganzen  Gesclmindigkeit  des  betrefTenden  fliessen- 
den Nassers  fortbewegt  \\erden,  vvirken  noch  polirend  auf  das  Flussbell.  Je 
grosser  die  Gesch\\7indigkeit  des  Baches  oder  Stromes,  desto  bedeutender  is! 
sowohl  seine  Transportfahigkeit ,  \vie  die  Erosion  seines  Bettes,  —  daher  die 
grosse  erodirende  und  transportirende  Wirkung  sell)st  unscheinbarer  Gel)iri:s- 
bache  ini  Vergleich  nut  langsain  fliessenden  Strdmen,  und  daher  die  unter- 
\\ilhlende  Thatigkeil  der  Wasserfalle,  durch  welche  nicht  selten  ein  /usamnion- 
brechen  der  Felswimde,  Uber  vvelchc  sie  sich  stiirzen,  und  ihr  allinahliches  Xu- 
rtlckziehen  bedingt  isl.  Auf  diese  \Veisc  schreiten  die  Niagarafalle  jahi'lich 
etvva  */3  Meter  rtlckwarls  und  auf  ahnliche  Vorgange  la'sst  sich  die  Entstehung 
der  Thaler  der  Elbe  und  ihrer  NebenflUsse , •  wie  sie  die  sachsische  Sehweiz 
bilden,  zurllckftihren.  Dieses  Labyrinth  von  grotesken  Felsinassen  \var  ur- 
sprdnglich  eine  monotone  Ebene  von  horizontal  liegenden  Sandsleinen  und 
dehnte  sich  ini  Niveau  des  Konigsteines  und  Liliensteines  gleichformig  aus.  Auf 
diesera  Plateau  stronite  die  Elbe,  dainals  augenscheinlich  noch  der  Abfluss  eines 
bohmischen  Seebeckens,  und  sttirzte  sich  ungefahr  in  der  Gegcnd  \on  Pirna 
idicr  den  steilen  Rand  des  Sandsteinterritoriutns.  \\elches  sich  dort  aus  dem 
Flachlande  erhel)t.  Seine  Wogen  iinterwiihlten  das  Gestein,  es  brach  zusain- 
inen,  der  Wasserfall  rtlckte  stromaufwarts  und  /og  sich  unaufhaltsain  niehr  und 
?nehr  in  das  Sandsteinplaleaii  hinein,  bis  es  dieses  ganz  durchschnitton  hatte. 
bis  oberhalb  Telschen  der  lelzte  Danuu  des  bohmischen  Elbsee's  zusamincii- 
slilrzte  und  der  See  sich  durch  die  tiefe  Schluchl  cnlleerle.  Das  neue  Hell 
der  Elbe  liegl  Uber  270  M.  liefer  als  das  ursprttngliche.  Durch  diese  .\i\eau- 
\ciiinderung  erhicllen  auch  die  NebendUsse  des  Hauptslromes  none  (ielegenheii 
zur  Ausilbung  ihrer  Falllhaligkeit .  -  ihre  filiher  nur  oberlliiclilichen  \\asscr- 
l.iul'e  sclmittcn  sich  lief  in  den  Sandslein  zu  jenon  Srhluchlen  ein,  welche  sich 
heuie  in  labyrintlu'scheni  Gewirre  zwischen  den  unlxM'Uhrt  gebliebenen  Fels- 
Partien.  den  Huinen  eines  zerstorlen  Landslriches.  hindurchwinden. 

Ein   andcres,    noch    grossarliizercs   Beispiel    der    enxlinMiden   Thaliukeil    des 
Wassers  liefert  das  Schluchlens\slem  des  Colorado  in  Arizona.     Die  Oberilache 


III.     iKiiamischr    Cicnlo-io.  M>*> 

dieses  ToiTitorinnis  slfiul  \om  .Meere  iius  in  \\eit  aii^edelmten.  leiTassenarlit;en 
Plateaus  l.is  /.u  iiber  3000  M.  Mooreshohe  jin.  An  dom  Aiifbau  dorsclben  hal 
die  p-sammlo  palaeo/.oischc  mul  /HIM  Theil  iiudi  die  meso/oische  Schichlcn- 
i-eihe  theikenommon.  Sic  nihen  in  hori/.onlalor  Lain-  auf  Granit.  In  eine  dio- 
ser  llochehonen  hat  sioh  dor  Colorado  soiii  boruhintes  Sohluchlonsystoni  cin- 
"ONxuhll.  Der  llanplstrom  fHessl  auf  ohva  <><>  gooi:r.  Moilon  1, Jingo  in  einem 
1000  2000  M.  lit-IVn  Canal,  \vclclicr  sonkn«flit  durcli  dio  Scdiiiu'iiliir-Fonna- 
lioinMi  und  nodi  200—300  M.  lief  in  don  Hranit  eingesclniitlfn  ist  und  in 
\vol.-lioii  x.ahliviclir  Nchensohlui'hlon  von  derselben  Tiefo  und  Ausdelmuni;  oin- 
mttnden. 

In  andoron  (Jouondon  sind  uanzc  bis  400  M.  machtigc  Scliidilcnsvslcnic 
voin  \Vass(>r  /crstbrl  und  \\-oiigofilhrl  worden,  nur  einzelne  Schollon  sind  unlor 
lu-Miiulrrs  i:nnstii:on  Vorliiillnisson  dor  allgemeinon  Zcrstoruni:  onls:ani;«'n  und 
doulon  die  (iriisso  dor  slalliiofundenen  Erosion  an.  Der  Natur  des  Voriiaiii-os 
nacli  \vird  dorsolbo  nainontlich  durcli  loichle  Vor\\iltcrl>arkcil  dos  Gesleinos 
hoiiilnsliizt.  so  dass  ihni  xoiv.iiulich  ilmniiio  oder  kalkige  Sandsteine,  sandigo 
Mcruol  und  siark  thoniize  Kalko  vorfallon.  So  war  frUhei4  der  ganze  Gnoiss- 
nnd  Sohiofordislriol  stidlich  vom  Lake  Superior  auf  100  M.  Hb'he  von  untor- 
siluris.-licn  Sandsteinen  und  sandigen  Dolomiten  bedeckt.  Heute  sind  diese  bis  auf 
rin/rlno  kloin<-  1'artion,  dio  ilber  jene  Gogend  regellos  zerstreut  sind,  versclnvun- 
dcn.  \Vio  sclindl  solclio  Erosionon  vor  sich  gohon  kCnnen,  beweist  eine  durch 
den  Sinioto  in  Sk-ilion  Norursaclitc  Scl)luclitonl)ildunLr.  Dioser  Fluss  wurdc 
im  .lahrc  1603  boi  oiner  Eruption  des  Atna  durch  einen  Lavastrom  abgodanmil. 
.Ict/.t.  nach  2'  2  .lahrhunderton,  hat  or  sich  durch  ,den  harten,  solidon  Basalt  be- 
ivits  oinen  Canal  von  20  bis  35  M.  Tiefe  und  12  bis  18  M.  Breilc  gowUhlt. 
Dass  der  I'rsprung  sehr  vieler  und  die  jotzige  Erscheinungsweise  saniinllichor 
Tliiilor  und  Sclilnditt-n  von  der  Erosion  durch  fliessende  Gewasser  und  nidil 
otxva  von  Spaltenbildungen  in  dor  /rrborstenden  Erdkruste  herzuleiton  isl,  ijohl 
nanioMllioh  aus  der  Abhjingigkeit  des  Vcrlaufs  der  Thiiler  von  der  grossoivn 
ndrr  uoringoron  Widorstandsfahigkeit  des  Gebirgssteinos  hervor,  indera  die  sohr 
ungloicho  clicinisehe  und  niechanisoho  Zorstb'rbarkeit  des  GestoinsmatcM-iales  auf 
dio  UiohliiMg  <les  Flusslaufes  veriindernd  einwirkte;  so  lasson  sich  dcnn  sohr 
hiiutii:  die  pliii/liohon  KrUiMMMiniion  der  FlUsso  'auf  das  Auflreten  besondors 
losler  oder  bcsoiiders  lockcrcr  (losloinsscliichtcn  zurUckftihron. 

Eino  dirocto  1'olge  der  Erosion  von  grosser  Traguoilc  sind  die  Bergsch  I  ipfo. 
doren  iMiiontliolu-r  rrspniMi:  darin  x.u  suohoM  isl,  dass  /.\\  isclion  andeir  Schich- 
tcn  golagerte  Thonlagor /orsolxl  odor  /u  hrci  ervsciohl  \\erdcn ,  so  dass  die  liber 
ihnen  liogoudo  (lobirgsiMasse,  falls  dio  Sohichlon  uacli  dein  Thale  zu  oiid'allen. 
ihren  Hall  \orliori  und  sich  auf  der  izmeiuton,  srhlUpferigen  Balm  in  BO\\OI:MMI: 
set/I,  inn  das  Thai  oft  ftir  urosso  Erslrocknni:  /u  \erschUUen.  Ahnliche  Itnlschun- 
ucn  oreigMcM  sich  aiif  uonoiLilon  Schichlcn  \<»n  loichl  boweglicheni  Sando.  for- 
nor  ebenso  an  der  Mooroskiisle  %\ie  in  den  l-'lusslhiilorn. 

§.  II.  Transport  uiid  Absiitze  voii  Seiten  fliessender  Gewiisser.  l.s 
isl  schon  hor\ orizehoben  wordon  ,  dass  die  TransporllaliiL'koil  des  Wassers  son 
der  Schnolligkoit  der  Bewegung  desselben,  also  von  der  Grosse  seines  Gcfalles 


!7H  III.      l 

abhangii:  isl.  Dem  /u  hilge  ist  aneh  der  (Inn  (iebiri;e  .uiLjelictri^p  ( )|)t-i-|;iul 
der  Klilsse  dci-  Sehauplal/  der  i:rnssarlii:slen  (iesleinssehube.  Namenllieh  wer- 
den snlehe  diirch  aussergewiihnlieh  slarke  \Vasserllnllien  b0rVOTgeforacht^  \\  ie 
sic/.  B.  iin  .lahre  ISIS  das  Banien-Thal  iin  I'nter- \Yallis  heinisiirhlen  mid  dorl 
cine  Tniiiimermasse  von  ilber  100  .M.  Iliihe  und  Granitbliieke  \<m  last  'iO  Khin. 
Inlialt  \or  sicli  her  gesehoben  haben  sullen.  (Jan/  abgesehen  \on  diesem  in 
seiner  Grosse  fast  einzig  daslehcnden ,  almormalen  Ereignisse,  isl  die  Bilduni: 
von  sehr  bedeutenden,  oft  inehrere  Tansend  Meter  breiten  Schuttkegeln  an  sol- 
chen  Slellen  ,  \\o  liefe  Schluchten  in  Invite  Thaler  ausiniinden,  eine  sehr  ge- 
\vohnliehe  Krseheinunii.  tlberhanpt  \\erden  die  WildbHche  oft  durch  hel'tige 
HeiieniiUsse  mid  \Volkenbrilehe  so  gesch\\ellt  und  mil  Gesteinsinassen  iibei'laden. 
dass  sie  \\ie  t:e\valligc  SclilannnstniiiK1  ans  den  Schluchten  hervorbreehen  und 
enorme  Felstrtlminer  mil  sich  fllhren,  im»  sie,  sobald  sie  in  eine  Thalei \\eile- 
runii  gelaugen,  wo  die  Kraft  der  ersteren  abnimmt^  liegen  zu  lassen  und  auf- 
/uhaufen.  Unter  normalen  Verhaltnissen  werden  nur  Sand  und  Schlainni  \on 
den  GebirgsbSchen  schwebend  fortgefiihrt,  die  grosseren  Gesteinsstiicke  hingeizen 
auf  ihreni  Koden  Ibrtgerollt  und  fortgeschoben.  Dabei  komrnt  der  L'nistand  in 
Belracht,  dass  die  ineisten  Gesteinsarten ,  welche  an  dem  Aufljau  der  Gebirge 
einen  izrosser<>n  Antheil  nelimen,  nur  ein  specifischcs  Gewicht  von  2,0  bis  -V.I 
besitzen,  so  dass  sie,  iin  Wasser  liegend,  fast  um  die  Halfte  ihres  Gewichtes 
erleichtert  werden  und  somit  einer  geringeren  Kraft  bediirfen,  um  fortbe\\-egt 
zu  werden.  Durch  andauerndes  Rollen  und  Aneinanderreiben  dieser  anfiing- 
lich  eckigen  Gesteinsbruchslucke  werden  dieselben  allmiihlich  zu  abgerundelen 
Geschiebcn  oder  Gerollen,  wobei  zugleich  feine  im  Flusswasser  schwebende 
und  dasselbe  IrQbende  Theilchen  gebildet  werden.  Schieferfragmenle  nehnien 
keine  kugelige  oder  eiformige  Gestalt  an,  sondern  zerfallen  in  Flatten,  deren 
Keken  sich  allmiihlich  abrunden.  Am  leiehtesten  werden  Geschiebe  von  thoni- 
gem  oder  kalkigem  Sandsteine  bei  ihrem  Transporte  zerkleinert  und  zcrstiirl 
und  zerfallen  bald  durch  Auflosung  ihres  Bindemitlels  in  losen  Quarzsand. 
Daher  fiihren  FItlsse,  welche  Sandsteingebirge  durchschneiden ,  grosse  .Alassen 
dieses  lelzteren  mil  sich.  Je  weiter  Geschiebe  von  einem  Flusse  fortirefiihrt 
werden,  desto  mehr  nehmen  sie  an  Grosse  ab.  Anfanglich,  also  iin  Ilochge- 
birge,  zuni  Theil  bis  20  Gtm.  gross  und  scharfeckig,  runden  si(>  bereits  in  kur- 
zen  Strecken  ihre  Kanten  ab;  in  die  Strome  gelangt,  verlieren  sie  in  demsel- 
ben  Verhiillniss,  wie  ihre  Entfernung  von  dem  Ursprungsorle  zunimmt.  an 
(iriisse,  bis  sie,  falls  der  Lauf  der  FlUsse  nicht  allzu  kurx.  ist,  als  Sand  und 
Sehlamm.  namentlich  aber  als  schwebende  Theilchen  (Silt,  Flusslrilbe  an  dessen 
Mtlndung  gelangen.  Die  Quantitiil  dieses  feinen  Detritus  isl  xuin  Theil  iiber- 
rasehend  gross.  So  flilirl  der  Mississippi  dem  Golf  von  Mexico  jahrlich  eine 
solche  Masse  von  Schlainni  zu,  dass  dieser,  \\enn  er  si  eh  x.u  einer  /usammen- 
hiiiiLrenden  Ablagerung  absetzen  sollte,  eine  englische  Quadrat-Meile  el\\a  90  M. 
hoeh  l)edecken  wtlrdc.  Die  jiihrlichen'Sedimenlc  des  Ganges  werden  auf  235 
Millionen  Kbm.  geschiil/l,  \\elehe  ein  Lager  von  26,600  M.  La'nge  und  Bi'eile 
und  '  ;  .M.  Dieke  geben.  Die  Niederschliige .  \\flehe  die  Donau  bei  ge\\i>hn- 
liehem  \Vasserstiinde  jiihrlieh  dem  sclmarzen  Meere  /.uwiil/.t,  \\iirden  eine  Scliichl 


Ill     1»\  iiainiM'lic   (ifnlo^io.  ••• 


\«jii  I.™  Ouadrat-.Meilen  und  1/3  M.  Dicke  bilden.  der  Ithein  lulirt  bei  Konn 
jiihrlich  lienun  sclmebende  Theilehen  \orbei.  inn  rim-  Scliichl  MHI  1956  M. 
Jin  Ouadral  und  '  :.  M.  Dicke  ab/.ulai;ern. 

\Yo  die  IMS  diiliin  slarke  Neiiiung  der  Hussbellen  und  deshalb  die  Strom- 
-esch\\indiukeil  und  Transporll-ihigkeit  der  (icNNiisser  cine  ^erinuere  \\ird.  sel/en 
sich  die  (icrolle  iih.  Ks  isl  dies  der  Nalur  der  Sadie  nach  nainenllich  dorl 
d,T  hill.  NMI  die  Fliisse  aus  den  Gebirgen  in  die  Kbene  livtrn.  In  Folge  die- 
scr  Al.l.iucrunu.Mi  .M-lmlu-M  die  Slroinr  alliniililieli  ilir  Belt,  versanden,  brechen 
,,us.  siiir/.-n  sii-h  iil'er  ihiv  lifer,  graben  sich  cin  neues  Belt  und  lassen  das 
.illeiv  /iixveilen  Irocken  xuriick.  Urn  dies  xu  verhilten  und  sich  und  ihre  Fluren 
\,.r  derartip-n  I  berschu  emmungcn  zu  sichern  ,  dammen  die  Bewohner  der 
Slrnniihiiler  die  I'ler  der  Fltisse  ein  und  erhohen  diesc  Dainine  in  demselben 
Verbtfltaisse,  in  \\elrhem  si.-h  der  Boden  der  Strbme  erhebt.  So  erei^nel  es 
sich.  dass  niclii  nur  der  Spiegel  der  lel/teren  ,  sondern  sogar  der  Grand 
(fes  riu^bellesallinjihlich  ein  hi.lieres  Ni\eau  crhiill,  \vie  die  beiderseitiiien  Thal- 
ebenen.  Dies  ist  z.  B.  l.ei  dein  Po  der  Fall,  welcher  sich  im  Laufe  der  Xeit 
sn  selir  iib.-r  die  Nicderunji  erhoben  hat,  dass  jetzt  das  Niveau  der  Stadt  IVr- 
rara  unler  dein  des  nahcn  Po-Betles  liegt. 

So  lantie  die  Ufer  der  Strome  durch  Dairunanlagen  noch  nicht  kUnstlich 
ivuulirt  und  eingeeni:!  \\aren,  ergossen  sich  deren  Wasser  bei  jeder  Hochfluth 
in  die  Slruintlialer.  so  dass  dicse  ofl  \veile,  nieilenbreite  Seen  bildeten,  in 
\\clchen  sich,  je  uach  dec  l^ntfernung  derselben  von  dem  Gebirge,  Kies,  Sand 
und  Schlainin  ahsetxten.  Je  niedriger  die  Ufer  sind,  destq  mehr  wird  das 
llache  ITerhind  mil  Detritus  UberschUttet.  Vertieft  sich  im  Laufe  der  Zeit  das 
Hell  des  Stromes  durch  Erosion,  so  werden  auch  die  ursprUnglichen  Alluvial- 
ahlaiieruujzen,  wclche  auf  bciden  Seilen  der  Fltisse  mehr  oder  weniger  breile 
Xonen  bilden,  \vieder  vcrnichlel,  uni  neuen,  liefer  liegeuden  Plalz  zu  machen. 
Bleiben  schinale  Slreifcn  der  alien  Gerollablagerung  an  den  AbhSngen  der  bc- 
uacliharlen  Thaluehanizc  /AirUck,  so  werden  diese  als  Flussterrassen  bezeiclmet. 
So  beweisen  die  Anhaufungen  von  Rheingeroll,  270  M.  tiber  dein  jeteigen 
Kheinspiegcl,  dass  der  Rhein  sein  Belt  seit  ihrer  Ablagerung  uiu  ebensosiel 
\crliel'l  hal. 

Dort,  wo  die  FlUsse  ihre  \\  assennassen  in  Seen  oder  in  das  Mcer  crgiessen, 
bilden  sich  uiitei  uexsissi-n  Bedingungen  durch  den  Absatz  mechanisch  fortiie- 
lahrten  (;esteinsiualenales  Deltas.  Die  Seen,  welche  von  den  aus  dem  Ge- 
birtte  tretendeu  Fliissen  durchslrb'ml  werden,  dienen  deshalb  als  AbklHriiDgfl- 
hccketi,  in  \\elche  die  (iewiisser,  mil  Schult  .,  Schlanun  und  Sand  beladen. 
einlreten  und  \\elche  sie  vollkommen  klar  ui\d  ohne  cine  Spur  mechanisch 
suspendirler  Theilchen  \erlassen.  Diesem  /wecke  dient  beiin  Ulieiu  der  Boden- 
se<\  der  \ier\\  aldstiUter  See  bei  der  Reuss,  der  Brienzer  und  Thuner  See  bei 
dei  Aar.  der  (lenfcr  See  bei  der  Rhdne.  Die  Delias,  welche  die  Slrome  an 
ihr<Mi  KinmUndunusslellen  bilden,  bestehen  aus  al>\M-cliseliideii  Sand-,  Kies-  und 
I.eliiulauen.  uelche  einiiesdwi'inmte  Resle  von  Pflan/en.  Land  und  Siisswasser- 
Ihii'ren  in  iinisserer  oder  ueringerer  Menue  einschliesscn  und  zum  Theil  reizel- 
miissiue.  alUeili-  llach  abfallende,  zum  Theil  aber  auch  und  z\\ar  naiuenllich 


172  III.    iKnamisclii'  (icolo-ir. 

l>ei  iiii  llochlliithen  reichcn  Slromen  lioclist  \cr\\orrcn  gclagerte  Schichlen  bil- 
deii.  Die  sclmcren  (lescliicbe  \\erden  unlcr  noniialen  Ycrhaltnisseii  direct  ;iti 
dcr  Milndung  des  Flusses  abgesetzl  ,  wahrcnd  S;nul  uiul  Schlamm  \\eiter  und 
die  feinen  sclmcbemlen  Theilehen  bis  zu  noch  grnsserer  Entfermmg  I'orlgeftihrl 
werden.  Die  Sonderung  des  Gestcinsinaleriales  nach  der  KorngriKse  \\iirde 
eine  gleiclimassige  und  durehgehende  sein,  wenn  die  Stromschnelligkeit  der  in 
d(Mi  See  tretenden  Geuiisser  sich  stets  gleich  bliebe,  da  sie  aber  in  gewissen 
Xeiten  durch  Anschwellen  dcr  Stroiuc  vcrurosscM't  ,  in  anderen  durch  Abnahnic 
der  \N"asscrniciii:c  verringert  wind,  so  werden  auch  zeit-weilig  grossere  Gescliiclic 
und  grober  Sand  so  \\eil  in  den  See  geschleudert  ,  als  unter  anderen  Bedin- 
uunucn  die  fcinsten  Schlanimtheilchen  gelangen  \verden.  Daher  die  Abwcclis- 


lung  grobor  Kies-  und  feiner  Lehmschichten.  Die  entstehenden  Deltas 
die  Gestalt  sehr  flai-lier  Kegel.  So  erstreckt  sich  das  Delta  der  Aar  bei 
Einlritt  in  den  Brienzer  See  etwa  1100  bis  1200  M.  weit  in  diesen  lotzteron 
hinein  :  die  abgelaeerten  Schuttmassen  bilden  nahe  der  Flussmiinduni:  eine 
Boschung  von  30  Grad,  die  jedoch  mil  der  Entfernung  von  jener  imnier  flacher 
\\ird  und  sich  allmahlich  an  den  fast  horizontalen  Boden  des  Sees  anscluuiegt. 

Die  Bildung-  von  Delias  an  der  Ausmiindung  grosserer  Strdnie  in  das  Meer 
\\  ird  nur  dort  vor  -sich  gehen,  \vo  letztere  durch  vor  ihnen  liegende  Uferwiillc 
oder  Diinen  geschiitzt  sind,  so  dass  hinter  diesen  der  Absatz  der  Flusssedi- 
inenle  in  Ruhe  vor  sich  gehen  kann,  ohne  von  dem  Andringen  und  Ausstro- 
men  der  Fluth  und  Ebbe  gehindert  zu  werden.  Deltabildungen  setzen  mil 
anderen  Worten  einen  flachen,  wenig  geneigten  Meeresgrund  an  den  Flussiniln- 
dtmizcn  N  oraus,  \\elcher  durch  einen  Uferwall  von  dem  offenen  Meere  geschie- 
den  ist.  Dadurch  werden  Lagunen  gebildet,  in  welche  voni  Flusse  Sand, 
Schlainm  und  schwebende  Theilchen  gefiihrt  und  dort  in  ahnlicher  \Veise  \\ic 
in  einem  ruhigen  Binnensee  abgelagert  werden.  Durch  fortgeselzte  Xiederschlage 
werden  die  Lagunen  allmahlich  ganz  oder  theilweise  ausgefullt,  so  dass  sich  der 
neugebildele  Boden  im  Lauf  der  Zeit  ttber  das  Meeresniveau  erhebl  und  ein 
llaches,  von  sich  verzwreigenden  Flussarmen  durchfurchtes  und  seichte  Seen. 
die  Uberreste  der  Lagunen,  umfassendes  Land  bildet,  an  desseu  Meen-sufern 
sich  die  sandigen  Uferwalle  erheben.  Nur  ausnahms\\  <•!><•  und  /.\\ar  liaupl- 
siichlich  in  Folge  von  Menschenhand  aufgefiihrter  Strombauten  Qberschreiteq 
die  Deltaabsatze  diese  Uferwalle  und  treten  in  das  offene  Meer  vor.  Die  be- 
deutendsten  Deltas  sind  die  des  Rheines,  der  Rhone,  des  Po,  der  Donau  ,  des 
Nil,  des  Ganges  und  des  Mississippi.  Als  erlauternde  Beispiele  der  Dellabil- 
duui:  iiuigen  an  dieser  Stelle  kurze  Beschreibungen  des  Delta  des  Nil.  des 
Hheiues  und  des  Mississippi  Plalz  finden. 

Das  Delta  des  Nil  ist  eine  vollkomrnen  horizontale  Ebene  von  22,194  Qua- 
dral-Kilonieler  Grb'sse  und  von  der  Gestalt  eines  Dreieckes.  Die  naeh  dem 
.Miltellandischen  Meere  zuge\Nandle  Basis  desselben  bildet  einen  weiten,  naeh 
die>i-ni  zu  convexen  Bogen  und  ist  gegen  d;i>  .Meer  zu  von  einem  sich  iilx-r 
da>  Delta  crhcbenden.  nur  stellenxNeise  unterbrochenen.  ebenfalls  bogenformigen 
Damm  \nn  DUnensand  und  sandigem  .  /.urn  irmssen  Theile  \on  Fnraminiferen 
gebildeleii  S.md>tcin.  dem  U'erN\all.  der  iiberhaupt  die  Moglichkeit  der  Delta- 


HI.    IK  ii. Unix-he   (uMilouie.  '  ';>> 

bilduim    bedinglf,    begren/t.      Das    Delta    selbsl    isl   \on  den  beiden.    sii-h   wd- 
r;,i-|i    verwtfgenden    Armen    d«-s   Nil     dem    sou    lloselle    mid   dem    NOI.    Damielte 
durchschnitten  und  \un  \ier  grossrn.   sehr  seichlen  l.agunen  unlerl.roehen,  NNelehe 
(.INN(1    r.uO   Ouadral-Kilomeler    einnehmen.     M.MI    Meer    diuvli    den    U.'nxall   gi-- 
t  remit   sin.l.    nur   Nermittelsl   sel.maler   rnlrrbrerliungen   dieses    lel/teren   mil  je- 
,„.,„   omimmiieiren.    ininier  n.el.r  von   San.l    und  Sel.lamm  angel'ilUt  uud   deshalb 
einst    Nollkon unen    N  ersrlm  inden    werden.      Das    ga  .!/,«•   Delta    beslel.l    bis  /.U    U 
o.ler    i:i    M.    Tifle   aus   l.(»ri/.onlalen   Seliieliton  eines    IHM   den   |)eri..disehen    I'ber- 
selnviniHniiuen    dt-s   Nil  al.uesel/.ten  leinen.    brauni'..llien  l.el.ines.    m.ler  NN  ,'lchrii 
si.-li   Ablauen.nu.'i.    \..M   M.-eressand   ansbrcilen.      Die   Absat/e    dcs  NikNassers   ini 
(.ebiete   des   Delias  we.'den    anl    (i  I    Mm.     ini   Liiufo    von   100    Jahren    geschiil/l. 
Aus  alle  den,  uel.t   he.'vor.    dass  der  Nil  ursprUntili^  i"  «''»«  But'ht    mtind.-t,-. 
uel.-he   na.-li   den.  Meere;zu    \on   i-im-in   ri'erwalle   beuren/.t    NMird.-    und    \seMie 
.tllmiihlirli   \nn   Nilsehlannn  juisgefUlll  und  so  zuin  -Nildella  uinii«-\\iind«'ll  \\unU-. 
In  turn/  iilinlieher  Weise  sind   die   Deltas  des  IV)  und  der  Hhone  entstanden. 
.meli  sie  besit/.en  einen    dem  Meere  zuiiouandlen   fferwall.     Auch  die  Al»laue- 
inn-  des  Hheindella   \\urde  durch  einen  solchen  ermOglicht,    nur  wurde  dieser 
i,,   i-oli-,.  der  allniiihliehen  Senkung  der  norddeulschen  und  hollandisc-hen  Kiisle 
,md  daduivli   bedinuter  EinbrUche    des  Meeres    an  vielen  Slellen    durchbroclien 
nnd   ist  deshalbjet/.t  tlieilNNeise  durch  Seen  vom  Fesllande  gelrennt.      Die  Inseln 
in,  Norden  des  Xuider  Sees  und  liiniis  der  friesischen  KUste  bis  zur  EinHrtlnduBf 
der  YVeser  -ehiiivn  diesein  ausuedehnlen  DUnen\\alU-  an.     Zwischen  ihnen  und 
dem    Festlande    dehnten  sieh    ursprUnglich    flache,   langjjezogone  Lagunen    aus, 
deren   »«.deii   \mi  diluvialem,   mil  nordischen  Geschieben  gemengteni  Sande  ge- 
bild.-t  \\anl.  aul  \\eleliensiehdieschlammigenund  sandigen  Anschwemmungen 
des  Hlieines.    der  Maas   und  der  Schelde   abs'el/len    und  alliniihlich   die  Lauune 
iuislullu-n.      Sn  entstand  durch  forlgesel/te  Ablagerung  des  Flusssclilamnies  und 
«|;./.\\i.M-li.-n  fallende  Torfbildung  das  uber   60    M.  machliiie  Hheindelta  und  <lie 
Mar.sehliinder  der   benachbarlen   KUsle. 

D.IS  Ih-lta  des  Mississippi  besitzt  uber  320  Km.  Liinge,  Uber  300  Km.  Breile. 
l.esteht  aus  iiussersl  tlachcm,  niedrigem  Lande,  welches  jedoch  vviihrend  des 
-inssien  Theiles  des  Jahres  von  einer  trUben  Fluth  uberschwenunt  ist.  Das 
Delia  \\ird  ausser  durch  den  Ilauptstrom  des  Mississippi,  welcher  sich  kura 
VOC  seiner  AlUndung  in  den  (iolf  von  Mexico  in  •">  Anne  thrill,  von  einer  be- 
druleuden  An/.ahl  sich  vielfach  verzweigender  Nebenarme  ,Ha\us  durchschnitlen 
und  N.in  Siimpl'en  und  (lachen  l.auunen  unterbroehen.  Die  Miiehli-keil  der 
Della-Abs;il/e  l»eiriigl  gegen  200  M.,  ihre  Anschwennnung  und  Abliigrrung  gehl 
jediM  h  >o  sclmell  vor  sich,  dass  in  kUr/ester  Zeil  die  bedeutendsten  Veriinde- 
nin^en  der  C.mturt'ornien  des  Delta  hersoriiebraeht  \\erdcn,  ja  dass  die  Sand- 
biinke  der  siid\\cstlichen  Haiipliniindiiiig  des  Mississippi  jiihrlich  in  einer  Hreile 
\<>n  l^lii  M.  urn  mehr  alsil2M.  vorrticken  sollen  und  demnaeh  der  urspriing- 
liehe  ri"er\\all  liintzst  \er\\isehl  und  ilberschrilten  ist.  Dies  m;ig  seinen  (irund 
darin  haben,  dass  die  Fluthhohe  ini  niexieanischeii  tioll'e  cine  ausserordenllieli 
geringe  ist  und  nur  elwa  •/:»  ^'-  '"''^'K1- 

(Ian/    anderer  Art    sind    die    Krscheinungen    in    Flu.sMniinduniren .     welehe 


1  7  I  III.     IK  li:iliiisrli(>  <ieoloi,'ie. 

nicht  son  U'eruiilleii  umgiirlet  \\erden.  sondern  frei  mid  olVen  sind  und 
Aeslnarien  genannl  \verden.  In  sie  driingl  sich.  x\as  in  andereii  Fallen  durch 
die  DttnenwttHc  verhmderl  \\ird,  die  Fluthwelle  em,  strbmi  dcm  Fhisswasser 
dfl  :.'<)  oder  inclir  .Meilen  weit  landeiimiirls  enlgegen.  slant  sit-  \\ie  cin  \or 
dringender  Damm  auf  und  \er\\andell  deren  He\\egung  in  rim-  dt-r  unrmaleii 
enlgegengesel/le.  Mil  dcm  Wcchsel  der  (le/.eilen  beginnl  sich  die  Flulh  .•iiieii 

aiis     dein   Slrome    y.uriicky.uy.iehen.     seine     his    dahin   uesl.-iiiten    \V;I.SMT  strii n 

mil  erliulileni  (iel.ille  der  MiindunL!  xu  und  ivissen  die  \\iilirend  der  l-'lulli/eil 
;il»L;esetzten  Selihinuu  und  S;indiu;issen  mil  grosser  <ie\\;ill  n;icli  dein  Meere 
und  \\eit  in  dieses  liinein.  stiill  sic.  \\ie  hei  l;lussiniinduni:e!i.  die  duivh  ri'er- 
\\iille  izeseliiit/l  und  mil  l.aiiiineu  ruhiiien  \Vassers  \ei-selien  sind,  y.u  Delias 
aii/.nliiinl'en.  So  bedinid  es  der  Mangel  eines  rferwalles,  dass  der  Ama/.onen- 
slruin  truly,  der  unueheueren  Menge  von  Schlamm  und  Sand,  mil  \V(»leher  seine 
\\asser  heladen  sind.  kein  Delta  bildel,  sondern  dieselhen  in  das  oll'ene  .Meer 
hinaus  1'iilirt.  Hier  fallen  die  groben  Theilchen  nieder,  der  feinen  Triibe  aber 
bemiielttigt  sich  der  von  Afrika  quer  durch  den  Ocean  kommende  .Meeresslroiu 
und  Iriiiit  sie  in  der  Richlung  nacli  den  Anlillen  zu  fort,  bis  auch  sie  sieli  all- 
miililieh  /u  Boden  senken  und  Schlammal)lagerungen  bilden.  In  anderen  l;all<in 
\verden  die  1'einsten,  meehanisch  ini  Meereswasser  suspendirten  Theilchen  in 
hilize  des  holien  specifischen  Gewichtes  des  lelzteren,  sowie  der  durch  Stiirme. 
dureh  die  Gezeiten  oder  durch  Stroiuungen  hervorgebrachten  Bewi'guniieu  des 
Meeres  zieinlich  weit  in  die  hohe  See  hinausgefilhrt  und  liefern  hier  das  Ma- 
terial des  sich  auf  dem  Grunde  der  Oceane  ablageruden,  ausserordenllich  fei- 
nen, kaum  fiihlbaren  Schlamines.  Durch  die  Wechsehvirkung  /Avischen  der 
Stroniunii  der  Ebbe  und  Fluth  einerseits  und  der  Fliisse  andererseits  kann  je- 
doch  auch  die  Entstehung  von  in  die  See  vorgeschobenen  Uferwiillen  bedinul 
\\erden,  vvie  am  Schlusse  des  niichsten  Paragraplien  gezeigt  werden  soil. 

§.  I?.  Die  mechanische  Tliiitigkeit  des  Meeres.  Nur  der  beweute 
Ocean  Ubt  eine  mechanische  zerstorende  oder  Iransportirende  Thiiligkeil  aus. 
Die  Meereswasser  werden  durch  die  oceanischen  Strom ungen,  die  (ie- 
zeiten,  Sturmesw ogen  und  Wasserbeben  in  den  Zustand  der  Hewe- 
gung  verselzt. 

AVerden  m auch  die  oceanischen  Stro'mungen  durch  die  Geslall  und 
die  Lage  der  Meere,  innerhalb  deren  sie  sich  geltend  machen,  auf  die  mannig- 
faltigste  Weise  modificirt,  so  bleibt  doch  das  allgemeine  Gesetz,  \\clchein  sie 
liberal  1  unlerworfen  sind,  das  nehmliche  und  bethiiti^l  sich  in  alien  Oceanen 
durch  folgende  Erscheinungen  : 

1)  Sowohl  in  den  nordlich  wie  sildlich  vom  Equator  gelegenen  Meeren 
machl  sich  cine  \\irbelahuliche  Meeresslromung  bemerklich.  \\elche  innerhalb 
der  Tropen  von  Ost  naeh  \Vesl  gericlitel  isl,  durch  die  Westkiisle  der  Oceane 
(also  die  Ostkdste  der  Continenle  von  ihrem  urspriiiiglicheu  Laule  abgeleukl 
\\ird  und  sich  auf  der  sildlichen  Halbkugel  naeh  Siiden.  auf  der  niirdlicheii 
Hemisphiire  naeh  Norden  wendet.  uni  von  hier  (lurch  die  gem;issii:le  /one  ynm 
Aecjuator  /uriickxiikehren  und  ihre  alle  Hichlung  son  Ost  naeh  West  wieder 
einzusehlagen. 


III. 


2)  die  sieh  rilckwiirls  \\endende.  also  um  West  naeh  Osl  ^friehtflf  Stro- 
king UieHt  sich  in  zwei  Anne,  deren  einer  sirh.  *fc  el.en  hemerkl,  den.  A.iu;,- 
(oriaistron.f  wieder  /uireselll.  wiihivnd  d.-r  andf.v  den,  Pole  /ulliesst  mul  von 
(lor!  ;ils  Polarstrom  naeh  den  Tropen  zurilekkehrl. 

:i  Der  xrrsrl.if.li-n.-n  Sehwere  d.-s  kalten  Polarslromes  un.l  d.-s  NMirmeren 
\qi.al..n;.l.slrnmf>  wegOT  n.-hmen  difSf  beiden  StriimungeM  in  d.-n  Meeresredo 
,„-...  NNO  si.-  sifl.  tiviifii.  xersehi.-dene.  aratere  tifffiv,  Ift/u-iv  l.nhf.-.-  Nisf.ms 
ein;  .l.-r  A.|iiiitori;»lsln»in  lli.-sst  dfshalb  Uhfr  ilfii  sit-li  in  fnt-fiifnufscl/tfr 
Itichliinu  l>«-  \\fUfnd.Mi.  U.-NN  isM-rmaassfn  untf  rs.-f  isclif  n  Folarslroin  liiimfiz.  l.fl/.- 
ifivr  trill  nur'jin  dfit  Kilslfii  dfs  Ffsthuules  oiler  an  seichlen  1'ntiflVn  an  die 

Ol.crlliiflif. 

S..\\olil  die  Wjisser  des  Allantischen,  wie  des  Stillen  und  Indischen  Offa- 
,,,-s  sind  dfi-arliiii-n  Slroinun-f  n  unlciAvorfcn.  In  drr  niirdlifh  von.  AqualOf 
-flfu.Mifn  Iliilltf  dfs  Atlantischon  Oceanfs  \vird  der  naeli  NV.-sifn  -.-rifhlflr 
Sirnin  duirh  dif  \\fslindisfhc  Inselreihe  nach  Norden  abgelenkt  und  fliesst  iiim 
in  nordostlidifr  Rifhluni^  als  Golfslrom  in  fini-cr  Kntfornung  von  der  Oslkilsle 
N.,rdanifrikas  his  nacli  «len  Neufundlandbiinken,  urn  sieh  von  hier  aus  suif 
l-nropa  x.u  \vfnd.-n.  Unlfrm^s  llu-ilt  er  sieh  in  einen  sUdostlichen  und  ein.-n 
nonlosilifhiMi  Ann.  Erslnvr  slrbml  wieder  nach  den  Tropen  und  schlifsst 
dainit  dif  Slrumungsellipse,  deren  Mittelpunkt  die  rait  zusaininengeschwenunten 
Tan-.-n  hfd.-fkl.-  Saritasso-See  bildel.  Der  zvveile,  nordliche  Arm  des  Golf- 
sirniiif.s  fliesst  z\\isfhfii  GrossbriUinnum  und  Island  der  Kusle  Norwegens  enl- 
lanu  und  kfhrt  an  der  Ostkusle  Gronlands  und  durch  die  Davis  Strasse,  Eisbergf 
mil  sieh  livilw-ml,  nach  der  nordamerikanischen  Ostkuste  zurUek  und  folgt  ihr 
I,  is  nafh  \Vesiindien  und  die  Ktlste  von  SUdaraerika,  wo  er  sieh  alhnahlich  verliert. 
Die  Ost-West-Slroinung  das  Atlantischen  Oceans  slidlich  vom  Aquator 
l.i.-l  sifh  in  der  Niihe  des  sUdamerikanischen  Gontinentes  sttdlich  nach  Rio 
.lan'fin.  /u  und  von  da  sUdosllich  auf  das  Cap  der  guten  Iloffnung,  um  von 
dnrt  ans  in  abiickahllem  Zustande  nach  den  Tropen  zui-uckzukehren. 

Im  paciiisrhen  Oeeane  wiederholt  sicli  dasselbe  Spiel,  die  Kuste  von  Japan 
\\ird  \on  cinein  n5rdlichen,  die  von  Australien  von  einem  sUdlichen  Aqualo- 
rialsirnnif  bespUlt,  vvelcher  letztere  bei  seiner  Ruckkehr  nach  den  Tropen  dif 
NV.-slkiiMf  SUdamerikas  berUhrt  und  bedeulenden  EinOuss  auf  deren  Klima 
ausiil.l.  Mffivsslromungen  vcnniltfln  Uberhaupt  cine  Ausgleichung  der  exlr.-- 
ni.-n  Tfni|)fraluivn  \\.-il  fiillf  rnli-  r  ocfanis.-lifr  Regionen,  indem  die  tn>]>isclien, 
anliin-lirli  \\fsl\siiitsgeFichtetenStr8me  an  die  Meere,  welche  sie  durehfliessfii, 
und  dif  Kiisien,  welche  sie  bespUlen,  Wiirme  abgcben  und  dann  in  ahii.-kilhl- 
UMII  /.ii>iandf  in  dif  a.|iiaiorial.Mi  Zonen  zurQekkehren,  um  dort  die  irnpischf 
Ilit/.f  x.u  mildern.  Die  Hedeulung  dieser  klimalischen  Beeinllussung  von  Seilfii 
d.-i'  .Mffi-f.s.stn.immufii  trill  in  den  grossarligcn  Sterung.-n  des  nonnalen  Ver- 
laufes  d.-r  o.-eanischen  Isothennen  am  ilbfn-aschfndstfn  hervor.  Durch  den 
Golfslrom  \\erden  die  nordallanlischf  n  Isolhermen  \\eit  nach  den  Polen  zu  hin- 
ausiiedriiniil.  wiihivnd  die  Isolh.-rinen  d.-r  gomiissiglen  Zone  an  der  \Vesl- 
kvisif  SUdanifrikas  durch  den  zuruekkfluvnden  und  stark  abgekUhllen  paci- 
tisfhen  Strom  bis  Uber  den  Aquatcr  hinaus  gerUekl  wenlen. 


Die  einfachsle  AusSeTUDg  (Iff  (le/eilen  M  das  periodische  Steigen  des 
Meeres  ,ni  den  Kiislen  das  Kindringen  der  Fltithxxelle  in  die  Fliissc  und  das 
y.eilxxeisc  Aufstaueii  der  lel/.leren  und  endlich  die  regdmiissig  \xiederkehreiide 
Dbeifhllbling  der  llachcn  Meeresufer.  xxdche  d.niii  ;ils  Sal/mars<  -hen  be/eidmet 
xxerden.  Die  Unite  del-  Huth  belriigl  in  der  Mille  des  Ocranc.s  \\eniger  als 
an  den  (lonlinenlen  und  xxird  liier  durch  d;is  Coin  ergiren  /.xxeier  Kiislen 
/\\ischeii  xxelche  sich  die  Fluth  driingt.  nodi  \  erun'issert.  L««tzlere>  i>t  /..  B 
ini  liolf  NOD  Ciililornien  und  nodi  iirnss;irlii.'er  in  def  Kuiulx  B;i\  tier  l;;ill.  \\o 
sie  Hi  bis  :Ji  M.  crreiclit,  \\iilirend  sie  in  der  Mille  des  Allanliselien  Oceanes 
/.  H.  in  St.  Helena,  kaiini  I  M..  an  der  Oslkiisle  Nordainerikas  -2  i  M.  l»e- 
iriiiil.  l)i<-  dnrcli  die  Flulh  er/.eui-le  Stromim^  ist  nanienllich  dorl  cine  heftiije. 
\N(»  sich  die  \\  a»er  dmvli  eine  en^e  (')Hiiuiii:  driinu»Mi  iniissen,  uin  in  ein  \sci- 
le>  liasin  (tdcr  eine  Ha\  7Ai  iiclanizen.  In  d»Mii  TsieTi-taiiiZ  Flus*  in  (lliina  stiir/t 
sich  (lit-  Flulh  \\ie  ein  sich  \or\viirls  l»e\Ne^ender  NVasseiiall  \on  I  Meile  Breile 
und  \<>u  10  M.  Ilohe  16  Meilen  \\eit  mil  finer  Schnellii;kcit  \on  •"•  .Meilen  die 
Stunde  hinaul'.  uni  sich  hei  eintretender  Kl)he  elienso  plot/licli  y.uriickzuy.iehen. 
Ahnlirlie  l-.i>clieinungen  sind  in  der  Fmidx  Ba\  nnd  den  in  diesellie  niiindenden 
Fliissen,  soxvie  in  deni  Aina/.onenstroin  hekannl.  Audi  die  sich  in  Fol^e  del 
einlrelenden  Kbhe  /uriick/.iehenden  \Vasser  bexxirken  oi't  eine  aiisseronlenllich 
reissende  SlriJinung. 

Durch  \Vinde  und  Stilrme  herVorgel>rachte  Wogen  und  Sti'oinunucn  er 
hallen  die  Oberlliiche  des  Oceanes  in  steter  Bewegung  und  hexxirken  dadurch 
die  hramlung  an  der  Kiisle.  (lurch  xxelche  die  /ersliel»len  \Vellen  :}<>  und  inehr 
Meter  hodi  izexvorfen  werden  konnen.  In  \Veslschottland  anuestellte  Versuche 
/eiiileu.  dass  die  von  den  Wogen  ausgeiilde  Kraft  in  Soiuineriniinaten  durch- 
schnittlich  27i8,  in  den  Wintcnuonaten  jedoch  9387  Kgr.  aut'  den  Quadrat- 
Meter  betrug.  Da  sich  die  von  den  Winden  gegen  die  Ufer  gexvorfenen  und 
ln-andenden  Wasser  unterhall)  der  nachsten,  bereits  ansliirnienden  Welle  /uriick- 
/.ielien,  was  auch  bei  den  xon  Winden  hervorgebraditeii.  gegen  das  Land  ge- 
richleten  Striiinungen  der  Fall  ist,  so  enlsleht  eine  rnterstrb'niung  in  entgegen- 
gesel/ler  KidiUing  als  die  der  Oberflache. 

§.  13.    Zerstorende,  transportirende  uud  wiederabsetzende  Thiitig- 

keit  des  MeereS.  Die  niechanische  Thatigkeil  des  Meeres  kann.  xx  ie  die  der 
Iliessenden  (iexxiisser.  cine  /erstoreiide.  transportirende  und  abset/.ende  sein. 
Dei-  /erslbrende  Kfl'ecl  der  See  auf  ihre  Kiislen  beruht  auf  del'  Iliihe  del1  Fluth. 
;uil'  der  Hichlung  und  Schnelligkeil  der  Fluthxxelle.  auf  der  Hichtung  der  xnr 
xxallenden  Winde  und  Stiirme,  auf  der  (Jexvalt  der  NVogen.  auf  dcr  pelrngra- 
phischen  Beschall'eidieit  und  dein  geologischen  Han  der  1'fer,  soxvie  auf  den 
Onnluren  und  der  Sleilheit  derselbon.  (iranil.  (Ineiss.  Sxenit.  Hasalt  xxider- 
slehen  dein  Anprallc  dcr  Wogen  besser,  als  Sandstcin.  Mergel  und  Kalkslein. 
—  an  flachen.  sandigen  Kiislen  trill  niehi1  die  aufbauende  I'liiiligkeit  des  Mee- 
res  herx»»r  und  eine  an  Vorgebirgen  und  Huchlen  rcichc  Kiisle  xvird  durch  die 
Vei'inelirnng  der  Angrill'spunkle  unler  sonst  gleicheii  VcrhiiltnisM-n  eine  v|.irker»- 
Xersliirung  nnd  Veriindei'ung  erleiden .  als  geradlinige  Slrecken.  Die  Wi.gen 
do  ()ce;ine>  xxirken  mil  der  y.crstorenden  Krafl  eines  \\  .is^.-rfalles  auf  die 


III.     Dynainisclie   Cioolo^itv 


Kilsten     uelrhe  unler  diose.n   Kinlh.sse  bestandiuen  Yerandenmgon    nnlerv,o,-!en 
siml      Die    Steilen   IVlswande    dor  lUVr,    die   Schrdffen   1-Vlsklipprn    an    .lor   Sec- 
kilslo   verdanken    ilnv  ConU.ren    der   Krosinn    d.-r    Wogen,    welehe   d.eselben    an 
ih,vr    Basis    i.nlrrwuhlen,    so   dass    die    oberen    I'arlien    derselben   nachstiir/en. 
|)i,ser  Hruehsliieke    bemaehli^en  sich   die  Wellcn,    /.erkleinern  sic,   runden   ihrc 
Bcken   und  kanten   al,    und    sehaiVon   auf   diese  Wrisi-  die  Rollstueko,    den  Kic: 
i,,ul    Sand.    v,ie    sir   die  Kiiste    mnsiiumen,     und    den    feinen  Scl.lanuu    der    an 
manclu'ii    St«.|lrn    al^.-si-Ul    wird.     Dio  (ii-sladr  .Irr  Inscl  Helgoland,    SONY..'    die 
IHsi-rn  Kil^l.-n  von  Norfolk  und  Suffolk    in  England  zeigen,    wie  grossarlij?  die 
.er^frende   Marl,,    dea   MO...VS   1st.    Im   Laufe  dor  Jahro    1S21-1N-..   rtlckten 
,lir  Irt/.l'-enannton  KUsten  niehr  als  1G  M.  landeinwarts,  zuglcich  nalnn  d.o  Vrtu- 
fun-  dos  '  Mooivsuruiulos  so  zu,  dass  Frcgatten  von  ttber  CM.  Tiefgang  Ubor  one 
SU-'llr  scgeln  konnton,    wo  sich  vor  48  Jahrcn  ein  Pels  von  23  M.  Iloho  orhob. 

Was  die  Thaligkoit  des  Ocoanes  als  Transportmitlel  der   in  densell 
-vfiilu'ton  Sand-  und  Schlammmasscn  bctrifft,    so  boschrankt   sich  diesclbo  fast 
alh-in  auf  schinale  und  flnche,   von  don  Wellen  aufgewUhlte  KUstonstnche,   und 
•war    isl    sic    bier    darauf   gorichlet,    die   aus   don  Flussmtlndungen    herausgo- 
s,.hxv.Minnl.Mi  Schutt-  und  Schlammmassen  an  die  Ufer  der  Goutinente  zurUc-k- 
/iiliviU-n  und  dieselben  dort  abzusetzcn.    Weder  Ebbe  und  Flulh,   noch  Slur- 
mrsN>o»on   dienon    zur  Verbrcilung    des  Flussschutles   und  Sandes,    im   Gegen- 
U,,.il..  drtngen   sic  diosolbon  an  die  Kuslen  und  bcfreien  das  Meer  von  jnecha- 
nisrhen  Verunreinigungen.    Deshalb  kbnnen  sich   auf  dem   eigenllichon  MIMMTS 
m-undc  koine  klaslischen  Gestoino,    %vio  Sandsleine  oder  gar  Conglomerate  b,l- 
',len,    dcron  Ablagorung   auf  die  KUstcnzoncn  beschriinkt  bleibt.    Nur   die    von 
den   Wassern    in   Suspension    gohaltencn    feinslcn    Schlammlheilchon    erhalten, 
begUnstigt  durch  die  Strbtnungon  des  Moercs,    eine  weilero  Verbreitung  in  d.o- 
scra,    vortheilen    sich  jedoch   iiber   so   enorme  Areale,    dass   ihre  Anhaufung  zu 
niiU-iitii:.-n  Al.lagerungen   sehr   langsam   vor    sich   geht.     Die   Sand-    und  Kies- 
n.asse.i,   Nvelehe   die  Fliisse    dem  Occane   zufUhren,    verniehrt   um    die  Producle 
dn-  /rrsloivndrn  Meerosvvogcn,    wrrdrn   von    den  Wellen  zu  Ufenvallen  aufge- 
wwfen,    wo  die  Wogen   unabliissig  an  ihrer  Zorkleinerung  arboik^n,    die   femcn 
Sandkornchen  mil  sich  zurUcknehmen  und  an  dem  Fusse  des  aus  don.  zurilck- 
l.lribondcn    grobercn   Materiale    bestehenden  Dammes    wiedor    ablagern.     Auch 
an  dem  Ausgange  flacher  Buchten  thurmen   sie   sich  auf  und  verwandeln  dies,- 
alliniihlirh  zu  Binnensccn  odor  Lagunen.    MUndon  FlUsse  in  diese  let/leren  ein, 
so    win!,    wie    lYiiher   gezt-igi,    «leren   Absaizen   Gclegenheit    zu  Deltabildungen 
und  allmiililielier  vulliger  AusfUllung   der   Lagunen    gegeben.     An   alien    Kiislen, 
,m  d.-nen    sich  uberhaupl   Raum    zu   ihrer  Ausbildung  lindH,    /eii^en  sieh  diesc 
Uforwalle,     In  Dcutschland  zieben  sie  sich    von  Schleswig   die  Nordsce    ontlang 
bis  naoh  Holland,  an  den  Gesladen  der  Oslsee   treten   sie   als  Nehrungon   zwi- 
Khen    den  La-unm    der   FlussmUndungen    (den  Haffcn)    und   der    offenen    See 
auf.     Solbstan  Stollen,   wo  diese  rferwiille  durch  1-lussmUndungen  unlcrbrorhon 
sehoiuen,   sind  die  Ltlckon  nur  oberlliiehliel.,   indom  eine  Sandbank,   die  Bar  IT, 
in  dor  Forlsctzung  des  Ufei-walles    die  MUndun-    der    moisten  grosseren  StrOme 
tinor  durchzieht. 

40 

(  '  i  i-  A  ii  o  r  ,  Elemento  tl.  Geologie. 


178  III.  iHinmi.M-lie 

Niruends  >ind  diese  Mii^oclinbeiien  untl  VOID  Fe^tlande  (lurch  einen  Stricli 
llachen  \Yassers  getrennten  ITcrwidle  so  vollkoiiiiucii  9USg$bild@t,  ^  ie  an  der 
()>tkiisle  Nordamerikas  von  Long  Island  bis  Florida,  und  x.\var  iKimcnllicli  in 
dcr  Nachbarschafl  dcs  Cap  llalteras.  Hire  Hildung  lasst  sicli  hier  ganz  beslimmt 
auf  die  \Yecliscl\\irkuiii:  dcr  (ic/.eilen  und  der  ausseriieublmlich  /alilreichen 
Flilsse  und  Strbme  /.uriickfilhren.  In  lelzlere  dringl  die  Flulh,  staut  sie  an, 
ilbcrsehwemmt  das  benachbarte  Flachland  und  bringl  die  Wasser  eine  Zeit  lang 
z u in  Slehcn.  In  Folge  davon  gelangen  ilire  Sand-  und  Schlaniniinassen  zum 
Absatz.  Bei  einlretender  Ebbc  beginnen  die  Flusswasser  sich  in  Bev\egung 
zu  setzen,  ihre  Niederscblftge  wieder  aufzuwuhlen  und  nach  dem  .Meere  /u 
schallen.  Auf  den  llaelien  Kiisten/onen  angelangt,  breiten  sie  sich  aus,  hnbcn 
den  \Yidersland  der  Meereswogen  zu  bekiimpfen,  verlieren  dadurch  ihre  bis- 
herige  Sehnelligkeit  und  selzen  ihre  Schlamm-  und  Sandlasi  von  Ncueni  ab, 
-  es  entstehen  die  vorgeschobenen  Uferwalle.  Die  Enlfcrnung  dersel- 
ben  von  der  MUndung  der  Flilsse  hangt  von  der  Grosse  und  dem  (iefalle  dieser 
lelzteren,  so\vie  von  der  Hbhe  und  Starke  der  Fluth  ab.  Innerhalb  der  neu- 
gebildelen  Lagunen  (Sounds)  geht  ein  continuirlicher  Ausfiillungsprocess  vor 
sich,  weleheni  die  flachen  Kilstenstriche  am  Atlantischen  Oceane  und  am  Golfe 
von  Mexico  ihre  Entstehung  verdanken.  Bewirkt  jedoch  die  aus  dem  Flusse 
y.uriickkehrende  Ebbe  cine  sehr  starke  Strb'mung  innerhalb  der  Lagune,  so  be- 
nagl  und  zerstbrt  diese  die  Innenseite  des  Uferwalles,  wahrend  die  Anschwem- 
mung,  also  Vergrosserung  desselben  vom  Meere  her  ununlerbrochen  vor  sich 
geht.  Auf  diese  Weise  riicken  die  Uferwa'lle  langsam  in  den  Ocean  vor  und 
werden  gefolgt  von  den  an  Ausdehnung  zunehmenden  Flussmarschen.  So 
wachscn  die  Continente  an  der  einen  Stelle,  wahrend  sie  an  der  andcren  der 
Zerstdrung  durch  die  brandenden  Wogen  ausgesetzt  sind. 

In  manchen  Gegenden  vvird  das  Material  der  Uferwalle  dureh  kalkhaltige 
Ge \\iisser  zu  einem  Conglomerate  verkiltct  und  dadurch  zu  einem  festen  Ge- 
sleine  umge\vandelt,  meist  aber  bleibt  es  eine  so  lose  Anhaufung,  dass  die 
von  der  See  wehenden  Winde  den  feinen  Sand  von  den  groben  Gerbllen  und 
Kiesen  Irenncn,  ihn  zuDiinen  aufhiiufen  und  als  Flugsand  landeinwiirls  Irei- 
ben.  Die  Dilnen  sind  ode,  nackte,  langgezogenc  Hiigel  oder  zu  mehreren  par- 
allel hinter  einander  liegende  Hilgelreihen,  welche  10,  20,  ja  60  M.  Hbhe  er- 
reiehen  und  dadurch  entstehen,  dass  der  Wind  den  wahrend  der  Ebbe  trocken 
geleiilen  Sand  hilgelartig  zusammenfegt  und  vor  sich  her  Ireibt.  In  Folge  da- 
von sind  die  Dtlnen  in  einem  besliindigen  Vorriicken  in  das  Feslland  beg  rill  en 
und  sind  im  Stande,  fruchlbare  Flurcn  in  ode  Sandhtigel  zu  verwandeln,  ja 
allmahlich  ganze  Dbrfer  zu  vergraben,  von  denen  nur  noch  die  Spilzen  der  Kireh- 
thilrme  und  .Kamine  hervorragen. 

I  berall  zeigt  es  sich,  dass  die  augenblickliche  Erscheinungsweise  der  Erd- 
oberlliiehe  nur  ein  vergiingliches  Bild  in  dem  rmgeslallungsprocesse  unseres 
Planelen,  nur  eine  momentane  (Jruppirung  des  ruhelos  wandernden  Stofles  ist, 
weleher  nur  scheinbar  eine  gewisse  Slabilitat  bewahrt. 

Kin  Ereigniss,  welches  sich  im  Laufe  der  Kntwieklunusgeschichle  der  Erde 
oftmals  \\iederholle,  war  das  allmiihliehe  Unlertauchen  eines  Conlinenles  unter 


1IF.     Dynainisrlio  Gooloi^io.  17!) 

den  Spiegel  des  Meercs,  welches  sich  iiber  ilin  ausbreilele  und  sofort  seine 
Thiiligkeit  auf  dessen  cinstmaligor  Oberllache  bogann.  In  demselben  Maasse, 
wio  os  sirh  auf  Kosten  des  Fesilandos  vergmsserte,  riickte  cs  seine  sandigen 
DUiion  inimer  weiler  landeinwiirts.  glich  Thaler  uuU  Yerliefungen  wenigstens 
/inn  Theil  aus  und  stolllo  ebono  Fliichon  her,  .bis  allmiihlich  jede  Stelle  des 
iianzon  Continents  einnial  Kilsto  gewesen  und  als  solche  vorn  Meere  bearboitot 
und  umgestaltot  worden  war.  Gebirgige  und  felsige  Partien  untcrwusch  und 
bonaiito  os  und  sudito  mil  doin  so  hergeslellten  Gerblle  und  Sand  die  Thaler 
iius/ufiillon,  kiir/.  os  arboileto  darauf  hin,  alle  Unebenheiten  mb'glichst  auszu- 
dciohon,  oine  Tendonz,  welche  auch  seine  Niederschlilge  verfolglen,  nachdoiu 
d;is  oijisliao  l-'ostland  hereils  zum  Grunde  des  Oceanes  geworden,  und  welche 
ondlich  von  Neuem  hervortral,  sobald  sich  der  Meeresgrund  \viederuin  langsain 
xuin  l-'estliind  orhob,  vvobei  von  neuem  jeder  Punkt  desselben  eine  Zeit  lang 
Kiisto  und  dor  ausgleichenden  Arbeit  der  Brandung  ausgeselzt  war.  In  alien 
Hiohlungon  \vird  das  Wasser  seiner  Aufgabe  gerechl:  auszugleichon,  was  dor 
Yulkanismus  aufgethilnnt  und  die  Oache,  ursprtlnglich  von  Gebirgen  noch  niohl 
unlorbrochene  GesUilt  der  Erde  wieder  herzustellen. 

2.    Das  Eis  als  geologisches  Werkzeug. 

Die  Mitwirkung  des  Eises  auf  die  Gestaltung  der  Erdoberniichenvorliiilt- 
nisso  lial  sich  dor  Nalur  der  Sache  nach  weniger  durch  VVassereis,  als  dutch 
dit1  grosseren  Ansammlungen  von  Landeis,  welche  man  als  Gletscher  bezeich- 
not,  goltend  mac-hen  konnon. 

§.  1.  Weseil  der  Gletscher.  Glclscher  sind  Eisstrome,  welche  in  don 
Firnschneefeldern  enlspringen  und  sich  in  langsamem  Flusse  thalabwUrts  be- 
woi-cn.  Ilir  Miitoiial  besteht  aus  festen,  harlen  Eiskb'rnern  (siehe  pag.  32), 
\\olche  zu  einer  compaclen  Masse  verschmolzen  sind.  Lelzlere  ist  nach  alien 
Kirht linden  von  ausserordentlich  feinen,  sich  nel/formig  kreuzenden  und  ver- 
/weigondon  Haarspalten  durchzogen.  Das  Gletscher-Eis  entsleht  aus  Zusammon- 
schmelzen  des  Firn-Eises,  dieses  duroh  Abschmelzen  der  Firnschnoekryslallo  /u 
rundon,  losen  oder  durch  Eiscement  verkitleten  Kb'rnern.  Die  Heimalh  des 
Firnschneos  sind  dio  hiichslen  Partien  des  Ilochgebirges,  sowie  das  Innore  des 
polaron  Festlandes,  wo  er  sich  als  Niederschlag  der  almospharischen  Feuchtig- 
k(>it  bildof.  In  geringeren  Hahen  und  in  polaren  Gegenden  in  grb'ssercr  Niiho 
des  Meeres  bildcl  er  sich  zu  Firn-Eis  und  in  noch  lieferen  Niveaus  zu  Glolscher- 
l,is  HIM.  Die  Firnschnecfelder  sind  domnach  die  Eisroservoirs,  aus  denen  die 
Gletscher  enlspringen  und  crniihrl  werden,  so  dass  sich  Gletscher  und  Schnee- 
folder  zu  einander  verhalton.  wie  ein  Fluss  zu  dem  See,  welchem  er  Abfluss 
\orsehalVt.  Ks  bewegt  sich  also  auch  die  Firnmasso  fort  und  fort  thalabwiirls, 
bis  sic  in  oben  angegobenor  Woiso  in  Glelschereis  umgewandelt  wird  und  dann 
als  solches  die  Howegung  forlselzt.  Es  sind  demnach  zwei  Bedingungen,  von 
denon  die  Entslohung  der  Gletscher  abhiingig  isl,  erslcns  die  Existonz  kessel- 
formigor  Erweilerungon  der  Thalenden,  deren  Boden  nur  eine  geringe  Noigung 
bositzt.  und  zwoitens  dio  Lage  diosor  Kessel  obcrhalb  der  Schneelinie,  so  dass 

12  * 


]sn  IFF.    l>M>.iiiiiM-lif   fn-i.l.. 

sich    d.irin  izrosse  M.I»I-I»    des  Kirn    anhiiufcn  kiitmen,    ohne    alljiihrlicli   W< 
schmelzen. 

§.  2.  Bewegllllg  <ler  (Jletsclier.  Die  (ilelschernusse  dcitcl  imaufliallsam 
tint!  besliindii!  lhalalw  in  I-.  Sic  bclindel  sich  in  eincin  plaslischen  Zuslande, 
in  Folge  dessen  ilirr  Be\\( -^iin^en  durdi  Yerengungen  ilnvs  Belles  nder  I'nehen- 
heilcn  drs  Bodcns  nieht  \erhinderl  werden,  viclniohr  schmicL-l  sic  .sich  den 
lel/.teren  an,  quilll  durch  Engpasse  hindurch  und  breilet  sich  l>ci  KrucitcruiiL: 
drs  Thales  wieder  aus.  Trill  ciner  vorrilckonden  GletscheTmasse  cin  Fdscn- 
riff  in  den  Weg,  so  schiobl  sic  sich  an  demselben  in  die  Hohe  und  Uber  das- 
selbe  himveg;  in  iihnlicher  Wcisc  driiiiL't  sie  sich  Felsenabluin^c  liinab  und 
spallcl  sich  dabei  in  verschieden  geslaltHc  Kisblb'ckc.  Mehrere  Glelscherslrome 
konncn  sich  zu  eincm  Haupltiletscher  vereinigen  und  verschmel/cn  dann  zu 
einer  einzigen  Glelschermasse.  Uber  das  Wesen  der  Gletscherbe\\ci:uni:  stchen 
folgcnde  Thalsachen  fest.  Die  von  der  Hohe  nach  der  Tiefo  uciichlctc  I3e\ve- 
gmii;  des  Glelscher-Eises  isl  eine  regelmJissige  und  beslandige,  nie  ruck \\eise  vor 
sich  gehendo,  \\elche  nicht  nur  auf  den  Sommer  beschriinkl  ist,  sondern  sich  auch 
\\iihrcnd  des  Winlers  belhaligt.  aber  in  lieissen  Jahreszeilen  slarker  als  in 
knllcn  isl  und  namenllich  durch  Regen  und  Schneeschmclzen  begiinsligl  wird. 
Kbcnso  Irilt  auf  sleilen  Senkungsllaclion  bei  sonst  gleichen  Vcrhaltnisscn  eine 
Beschleunigung  der  Bewegung  ein.  Die  gesammle  Gletschermasse  belheiligl 
sich  jedoch  an  dieser  steten  Forlbewegung  nicht  in  gleichem  .Grade,  es  verha'll 
sich  vielmehr  der  Glelscher  in  dieser  Beziehung  durchaus  \vie  ein  Slrom,  in- 
dem  seine  inilllere  Zone  schneller  vorriickt,  wie  seine  Hiinder,  seine  Ober- 
fliiche  schneller  als  sein  Boden.  Eine  quer  ilber  einen  Gletscher  gezogenc  u<-- 
r;idc  Linie  bildel  sich  deshalb  nach  einiger  Zeil  zu  einer  erst  flachen,  dann 
sich  immcr  sUirker  krQmmenden  Kurve  aus. 

Die  Griisse  der  Gletscherbewegung  ha'ngt  von  der  Masse  des  Glelscher- 
Eises  und  der  Sla'rke  der  Neigung  seiner  Unterlage  ab,  schwankl  demnach  in 
weilen  Grenzen  und  belragt  zwischen  15  Centimeter  und  1,30  Meier  liiglich. 
Nininit  man  als  gewohnlichsles  Maass  derselben  20  bis  30  Centimeler  pro  Tag 
an,  so  enlsprichl  dies  einer  jahrlichen  Bewegung  von  etwa  75  bis  <10  Melt T. 

Das  Maass  der  Glelscherbewegung  ist  jedoch  nicht  nur  bei  verschiedenen 
Glelschern,  sondern  auch  bei  den  einzelnen  Sectionen  der  Langenerslrekung 
ein  und  desselben  Glelschers  in  Folge  der  wechselnden  Neigung  des  Glelscher- 
beiics  cine  verschiedene.  So  bcwegen  sich  gewisse  Glelscher  in  der  Mille 
bedeutend  rascher  als  an  dem  unleren  Ende,  \\odurch  eine  Zunahme  der  Dich- 
li.^kcit  des  Eises  nach  unlen  zu  bedingl  \vird.  Die  Bewegung  des  inillleron 
Theiles  des  Aargletschers  verhall  sich  zu  dem  seiner  unleren  Endpartic  NNic 
•  !7  7.11  2.};  in  Folge  der  dadurch  stalKindenden  Compression  wiegt  ein  Kubik- 
meter  Eis  vom  Ende  dieses  Glctschers  72  Kilogramm  mehr  als  ein  solcher  aus 
der  Mille  desselben. 

Die  Fiihigkeil  des  Glelschers,    sich   zu  bewegen,    beruht   auf  der  Plasliciliil 

i'-    Eises,    \\elehe  das  Glelsdicr-Kis  in  Folge  der  dasselbe  durchsclisviinnenden, 

i-  enthaltcndcD  Haarspallen  und  in  Folge  seiner  kiirnigen  ZusdmmensetsuQg 

in  i-rhiihlein   Maasse  besilzl,    namenllich  aber  auf  der  Leichligkeit,    mil  weh'her 


I   W   1 

III         It .     . .  I , . ,     j  1 ,  t.  ll  I  I '  •  1 1 1 


dasselbe    ...    Slttcke    brirhl    i.ml    sirl.   .lu.vl.    Zusainin^nfrlefen    dor  Conlao.llarhon 

wieder   /n    einer  gleichformigeii  Masse    voreint.     Efo    in  Bewegung   bounilonor 
Glelscher  befindet  sich  i...  /iiMand.-  des  bestandigon  ZersWckelns  und  Wieder- 

MMviiiiulxN.Td,-!.*.    Am   aullalli^lon   ist   diesef  Vofgang  do,    wo  sich  o,n  Glrlsrh 
iUn-i-  cine  Felswand  siur/i  un.l  an  dereq  Fusse  >u  oinom  HaufWerke  NO, 
slnrkon   /orlrummorU    werig   unlorhalh   die*6S  PttrikteS   ftbef  W&der  als  fflde 

li.lo    EusainmeDhangende  Gteischehnasrt  erscheint.     Kiiic  dcrarlige  BeweglM 
keii  der  einielneti  ThriU-  dos  (ih-isi-hc-r-Eisos  bcPahigl  den  Gletecher,  .Inn  gtf- 
walUgeo  D.-u,  kr.  den  .soi.u-  eigeQe  Mn.ssr  narh  union  ausiihl,   ui  folgen  and  voi 
hoi,,.,-  url.-urncn   I'nnklcn   na.-h  ticfereii  /u  glcitcn. 

§.3.     riilt'iT  (Jreu/c   der  Oletschcr.     Die  Brwrgung  dor  (iU-tsdu-.    , 
Biufelao  aur/nfasseii,   als  oh  oin  llialalmarls  grrichUstes  VorrUi-k.-n  deS  nnl.-i-on 
GleUcborendes   mil  (U-rsrllu-n   Nn-kntlpfl  Wflre.      Kin  solchcs  trill  iiur  .lann  oin, 
wenn    .U-r    Kinlluss    dor  hon-sdu'iulon  Tcmp.M'alur   cin    steles  Forlsc-l.ro 
Gtetecbers   naoh    ,lon.  Tiol'lando    /u    ^slaltet ,    also    nur    in    polaivn   Co^ondon, 
svalnvnd  in  dor   uonu.ssi-ton    un.l  heisscn  Zone    iln-cr  Ausdohnunj-   nach    unte 
(luirl.  dio  NNiirn.oro  Tomperalur  eino  Groiuo  goscl/l  wird.      Diosos  Nivi-an,   die 
S-liiiu-lzlinic    (nichl    zu  verNvechseln    mil   der  Schncelinie),    kann    dor  (il<-lscl.or 
,,i,.|n  ttberschreilen,   indcm  sc«in  Ende  in  dcnisclbcn  Verhallnisse  abgeschraolzeto 
NNir.l.   in   welcbem   (llolsolionnasso  zuslrUmt.    Die  Glelschergren/e  licgt  de.nnaol. 
iu  (|.iu  Nireau,   wo  bcido  Klon.onlo  oinander  das  Glcichgcwicht  hallen,  so  dass 
,lir  Sd.noolinio  dor  Glelscher   oft  liber  Tauscnd  Meter   ausserhalb   der  Schncc- 
linir  y.u  snohenisl.  Do, •rnl.-.-i'rindelwaldglclschcrdriiiglUbcrlSOOM.uiilcr  Ictztero 
sor.     Ganz  constant  ist  die  Schraelzlinic  nicht,  ist  viol.nehr  je  nach   dor  Vor- 
M  l.i.Mlonhoit  der  Tempcraturverhaltnissc    in  den  auf  einander  folgonden  Jahren 
gcringen    SrhxNankungen     unterworfen.       Trelen     ktlhlc ,     fcuchlc    Jahrc     cin, 
wShrend    dorcn    viel   Fimschnee    gebildet    wird    und    wenig   Eis    abschrnilzt, 
M    rU.kl  der  Glctscher    wciler   ins  Thai    hinab,  ist   in    warmcn  Sonnnern 

d-is  Absrhinclzcn  Ubcrwic«cnd,  so  ziehen  sich  die  Glctscher  schcinbar  zurttck, 
uml  es    u.M-don  Theile   des  Thalos  entblosst,    welche    frUher   von  Eis   bedeckl 

\\aron. 

Die  Meereshb-he  dor  Sch.nel/linic  der  Glctscher  wird  vorzugswo.s 
dir  'riMnporalurdinercnzcn  der  vcrschiodonon  Jaliroszeilcn  heslimint.  Sic  licgl 
.h-mnarh  in  Ho-ioiu-n,  wo  /NNar  sohr  kalle  Winter,  abcr  heisse  Sommor  horr- 
s,-l.on,  hiihcr  als  an  Orion  mil  kiihloron  Soinnicrn,  -  -  sic  niihort  sich  mil  an- 
deren  Worton  mil  dcm  Fortschrcilen  nach  den  1'olen  hin  immcr  mohr  dom 
Nivran  «l.-r  Bee,  Feraere  b«-slin.mond.-  r.-saohon  dor  llol.o  dor  Sclm.ol/Jinio 
si,,d  in  dor  hViohlirhkoit  dor  almuspharischcn  NiedcrschlJIgr  innorliall.  dor  rfh- 
/..•Inon  Glolsrhonvdonen  und  deshalb  nnoh  in  der  Richlnn-  dor  dort  herrsohon- 
don  Wind.-  7,u  suehen.  Stroichen  letztere,  ehc  sie  zu  den  Glclscho.  n  ijolaniioii, 
ilbor  woilo  Wasscrfliichen  und  b.-ladon  sich  auf  ihivm  \Vo-o  mil  Fouchligkcil, 
so  brwirkon  sir  oil.  Moral.,  iiokon  dor  Solnnel/lini.-.  Ks  roi.-hon  aus  diesom 
Grundo  am  Siidabhan-o  dos  Ilimalaxa  dio  Glctscher  liefer  hinab,  als  anf 
dor  Nonlseilo,  \\.-loho  nur  von  den  trockencn  Landwinden  Cenlralasiens  be- 
strichen  wird. 


I  V2  III.     |)\  ii.iiniM-lie    (i 


Die  Scliiiit'l/linic  der  Glelseher  des  Irnpisehen  Ameiika  lieiit  iin  AILemeinen 
iti  riner  .Meere.xlmlie  \on  iOOO  —  5000  Meter,  am  Himalaya  rcielit  sit-  bis  iUluil 
Meter  hinab,  in  den  Alpen  isl  sic-,  \venn  man  von  einigen  Ausnalmicfallen 
.ibMehl  so  /.iehl  .sieli  der  I'nlergrindclwaldglelscher  his  zu  einer  Meereslibhe 
von  nntcr  1000  Meier  hinab),  in  I'.MJI)  .Meter  llohc  zu  suchen,  in  Norwe^en 
he.Ml/.l  Me  JTO  Meier  Meereshbhe,  in  Lappland,  Island  und  Grbnland  und  in 
deiii  sildlichsleii  Theile  von  SUdamerika  schicbcn  sich  die  Gletscher  in  die 
See  liincin. 

§.  4.  Yerbreittillg  der  Gletsclier.  Glelscherbildungen  sind  gcbunden  an 
Geizenden,  wo  sich  kalle  Winter  und  kllhle  Sonnncr  irn  Kreislaufe  wieder- 
holen,  wo  zweitens  die  Massen  almospharischer  Niederschliige  bedeutend  und 
endlieh  die  Bedingungen  fUr  cine  Bewegung  auf  geneigtem  Unlergrunde,  durch 
IU)denerhel)ungen  gegeben  sind.  Diesen  Erfordernissen  enlsprechen  die  llocli- 
gebirge  der  heissen  und  gcmassigten  Zonen  ,  die  Gebirge  der  kalteren  Land- 
slriche,  sowie  die  Continentc  der  Polargegenden.  Sie  sind  es,  welche  die  Yer- 
breitungsgebiele  der  Gletscher  uinfassen.  In  Asien  tragen  nur  der  Kaukasns 
und  der  Himalaya,  in  Sildamerika  nur  die  hbchsten  Spitzen  und  das  slldliehe 
Knile  der  Andes  \vahre  Glelscherfelder.  1m  sildlichen  Europa  sind  es  die 
Alpen  und  Pyrenaeen,  ini  Norden  dieses  Continentes  namenllich  die  zuisehen 
60  und  70  Grad  n.  B.  gelegenen  Gegenden  Nor  we  gens,  welche  von  den  weit 
ausgedcbnten  Schneefeldern  ihrer  Gebirgsplateaus  machtige  Gletscherstrome  in 
ihre  Thaler  und  Schluchten  senden.  Die  Gletscher  der  Schweiz,  deren  Zahl 
gcgen  400  betriigl,  nehmen  allein  einen  Flachenraum  von  50  Quadrat-Meilen  ein, 
einige  derselben  erreichen  bei  einer  Machtigkeit  von  270  Meter  eine  La'nge  von 
21  .,  Meile.  Die  Gletscher  der  Pyrenaeen  sind  im  Verhaltniss  zu  denen  der 
Alpen  von  nur  untergeordneter  Bedeutung.  Sie  sind  auf  die  Nordabhani:e  der 
hbchsten  Theile  des  Gebirges  namentlich  zwischen  den  Thalern  der  Garonne 
und  dein  Val  d'Ossone  beschrankt.  Auch  dje  skandiuavischen  Glelscher  er- 
reichen nicht  die  gewaltige  Ausdehnung  vvie  die  der  Alpen.  Der  machtii4ste 
derselben,  der  Lodal  Gletscher,  ist  etwa  eine  Meile  lang  und  650  bis  850  Meter 
breit.  Auch  Island  und  Spitzbergen  besilzen  grosse  Gletscher,  wahrend  das 
ganze  Innere  von  Grbnland  von  einer  machtigen  Eisdecke  Ubcrlagert  ist,  von 
welcher  aus  ,  abgesehen  von  zahlreichen  ,  verhallnissina'ssig  kleineren  ,  haupl- 
sachlich  filnf  niiichtige  Eisstrbme  in's  Meer  ziehen.  Der  grossartigste  derselben 
ist  der  Humboldt-Gletscher,  welcher  an  der  Slelle,  wo  er  in  die  See  tritt, 
eine  Breitc  von  9  deutschen  Meilen  besitzt.  In  ganz  iihnlicher  Wi-ise  drin;-en 
aus  der  schluchten-  und  fjordreichen  Siidspilze  Siidamerikas  ungeheure  Glel- 
sclierniassen  hervor.  Ein  an  hbchst  interessanten  Erscheinungen  reieher  Glel- 
scher befindel  sich  im  Kolzebue-Sund  iui  frUher  russischen  Nordamerika. 
Er  ist  von  einer  Lehmschicht  bedeckt,  auf  deren  Oberllache  Weiden,  Haide, 
Moose  und  Flechten  Uppig  wuchern  ,  wahrend  sie  Skelettheile  VOID  Mammuth, 
Pferd,  Rennthier  und  Bisamochsen  umfasst,  wie  sie  aus  deni  Diluvium  anderer 
Gegenden  bekannt  sind. 

FrUher  und  zwar  in  der  Eisperiodc,  welche  der  Jet/t/eil  vorausging,  be- 
sassen  die  Gletscher  eine  viel  grbssere  Verbreitung.  Aus  den  llaiipllhalern  der 


III. 


183 


cincn     liillten     diis    vvcile 


Yollsliindi"      also    his    /.it 


Alpen  tralen  niiirliliiif  Kissln.nie  in  dir  Kbene 
Thai  y.uischen  .lur;i  und  dein  crsluenannten  C 
|:i;iO  .Meter  llohr  aus,  andere  dran-en  ilbrr  «!.-..  Uodensee  bis  weil  nach 
HaM-rn  uiul  Sclmaben  vor.  Von  den  Siidabhanuen  dcr  Alpen  slirj-.Mi  Eis- 
MKr>srn  bis  in  die  IV^Nicderunu  hinab.  Sclbst  Grossbrilannirn  uiul  Skandi- 
oavidn  ahnelWti  in  der  Kis/eii  in  itr/.uii  auf  ihro  GietecbcirbedecWbg  uiul  «lir 
Ai.sdc'hnuni;  iluvr  Clrlsrht-i-  bis  /.urn  M.'.Mv.sspii'iirl  (Inn  lu-uti^n  Foucrland 
und  (ironland. 

§.  :,     You  den  Bewegungen  dor  (illelsclier  abhiingige  ErscluMiuiiigcu. 

Drr  Vor.s.'l.ub,  NvHcluMi  das  Eis  dor  Aufgabc  ilrs  WasstM-s  Irislel  ,  indcin  rs 
Il,,,1(|  in  i|;uld  mil  ilun  dio  (Irbiruc  ab/ulra^n  bollisscn  ist,  olVcnbarl.  sicl. 
..MI  auiicnlalliiislen  in  doin  Transports  von  Gesleinsmassen  anf  dcin  Hiirki-n  dor 
r.  \«.n  den  l-Vlspartirn,  /wise-hen  \velchon  sich  dicsc  hindurch  driiniicn, 
x.uin  Thoil  in  Folgo  dt-r  (JostiMns/tTspallung  durch  den  Frost,  zum  Thcil 
in  Foluc  dcr  /.(M-stiiivndcn  Ccwalt  dcr  Lawincn  grossorc  oder  kleincre  Trllinincr 
aul  dir  (Molschcrobcrflachc,  wo  sic  sich  zu  vcroinzollon  Ilaufwcrkcn  ansam- 
nu'ln  NvilrdiMK  Nvcnn  d«-r  Gletscher  stillsUlndc,  -  -  dadurch  aber,  dass  er  untcr 
,1,-in  r.sprungsorte  dor  Gestcinsbruchstiickc  langsam  vorbci  zicht,  ordnon  sich 
.lirsc  in  laniio,  dor  Bowegung  und  don  Randern  des  Gletschcrs  parallcle  Rcihon, 
cs  (Milst(>hon"dic  Seitcnmorilncn.  Mil  solchcn  Gcsteinsmassen  bcladcn  sctzl 
dr.-  (ilrtsrhrr  seine  ihalabwiirts  gcrichtete  Wandemng  -fort.  Vereinigen  sich  aul 
ihivin  Wcgo  /\\(M  Risstromc  zu  einom  Hauptglelscher,  so  Irelen  zugleich  dio- 
jciuiicn  ihrer  Seitenrnoranen,  wolcho  auf  den  mil  cinandor  beim  Contacte  vcr- 
schinelzendcn  Randern  der  beiden  Gletscher  lagern,  zusammon  und  bildcn  dann 
auf  doin  Mittclnirkcn  des  neu  entstandenen  Hauptgletschers  cine  Mittclmo- 
rano  Da  jeder  Vereinigung  von  zwci  Gletscherstrb'men  eine  Miltelmoranc 
efllspricht,  so  ist  man  im  Stande  aus  der  Anzahl  diescr  lelzteren  auf  die  Zahl 
dor  nach  und  nach  zu  eincm  Mauplglctschcr  vereinigtcn  Nebengletschcr.  7.u 
schlicsscn.  An  seiner  Grenxlinie  angelangt,  schmilzt  das  Eis  des  Gletschers, 
seine  Hclasluni:  sttirzl  auf  die  Thalsohle 
und  hiiufl  sich  hior  im  Laufc  dcr  Xcii  /u 
eini'in  oft  mehrere  llundert  Fuss  lu.hcn 
Wall,  drr  Knd-  odcr  Stirnnioriino 
auf,  —  cine  Station  auf  dcr  Wandcriing 
dcr  (icstcinshnichstiirkc  von  dcni  Imrh- 
slcn  Hcrucsizipfcl  nach  dciu  Mccrc. 

Die  (lesh-insbruchstucke,  \\clche  die 
Seiten-  und  Mittclmorilnen  zusamincn- 
setxen.  also  mil  der  Gletscherobcrfliiche 

fortbeWegt     WUrden,      habcil    Sldl     dlirdl- 

aus     frischc     Bruchllachen     und     scharle 


Fig.  21.  1  \ind2Seitenmoriincn  d«B  OUtMttert  A.  :'.  uiul 

I  Scit-nmoniiien  dos  Ulotsrhcrs  IS.  :,  Mittflmoranc,  ent- 

Ktandcn  duroK  Veteinigttiig  derGtotaolMl  A  und  K  und 

dcr  BeiUnmo«ia«B  ~i  uml  :;. 


Kauton  und  Ecken  erhalten,  da  sio  auf  ihrcin  Wcge  mil  festen  Gesfeinsmassen 
nicht  in  Contact  kamen.     Urn   so   griissere  Geataltsveranderangefi  erleiden  die- 

jeniizcn  Triiinnicr,    \velcli(>    in    die  S|iallen  /wischen    deni   (ilelscher  und  seinen 
felsiiren  ri'er\Niinden  oder  z\>ischen  ihn  und  die  Thalsohle  geralhen.      Sie  werden 


I  S  I  HI.     |)\  niiini-rli.' 

unter  <i<'in  iMnckc  dcr  imurheiiercn  F.ismasse  ,  \\clelie  ,iuf  ilmen  l.istcnd  sirh 
I'orlltcNM'gl,  cntNNcder  7.U  Sand  /ei  ricben  ,  ndcr  doch  abgerundcl,  i:cglattct  und 
an  Hirer  Obcrlla'chc  mil  Icinen  Slreifen  versclicn.  Sic  bildcn  fine  (iciiill-  und 
Schlammschielil  unlrrhalb  dcs  u,m/cn  Kisslromes  ;G  r  un  d  in  o  rii  n  e)  und  \\crden 
an  der  imtcrcn  Gren/.e  dcs  (ilelschers  yon  diesem  ausgeslossen  odcr  Ihcilueisc 
durcli  ihni  entsti  onicndc  Glelseherbiiche  uls  deren  TrtlFic  fortgefttbrt.  In  crslrrt'iii 
Kallc  liiiulcn  sic  sich  in  Geueioschaft  mil  dein  Milld-  und  Scitrnnioiiiiicn- 
inatcrialr  /u  den  Kmlmorancn  an.  I)ics(^  heslclicn  soinil  aus  cckiiion,  sclmrf- 
kanliiicn  Brucbstticken  und  a  lip  •rundclcn,  iicsircil'tcn  Holl.slilckni  und  sind  An- 
BammUlOgeD  allcr  dcr  Gcstcinsarlen ,  \vclchc  innorhall)  dcs  Berciehrs  dcr  (ilcl- 
schcr  anslclicii.  Die  Quantiliit  dcs  durch  (ilclsclicrbiiclic  \\cui:csc)i\\  cinnilcn 
Matci'ialcs  isl  so  hcdculcnd,  dass  z.  B.  dcm  Aar-(Jlclschcr ,  \\clclior  ini  Monal 
August  cl\va  y  Millionen  Kubikmetor  \Yasscr  pro  Tag  zu  lie  fern  pflcszl,  in  dw- 
selben  Xeit  2Si37i  Kilograinin  Sand  enlflihrl  wcrdcn. 

Durch  densclben  Vorgang,  nus  \\clcheni  die  Grundmoriinen  resullircn, 
\\crdcn  grossc  Fliichen  dcs  Fclscnbcltes.  in  \vclchcin  dcr  Glctscher  dahinulcitct, 
ulalt  gcschcucrl  und  vollslandiu  polirl  (Sch  1  i  f  ff  lachcn).  In  die  Oberfla'clic 
dieser  Schlille  hat  dcr  Glclschcr  die  Richlung  seiner  Bcwogung  vcnnitlclsl 
bcsonders  harlcr,  an  scinein  Boden  cingefrorencr  Gesleinsfragnienle  in  Gesiall 
zablloser,  feincr,  gcradliniger,  mchr  odcr  minder  parallclcr  Ritzen  und  Streifen 
cingegrabcn. 

Die  gcologischcn  Erschcinungcn ,  \velchc  aus  der  Bevvcgung  dcr  Glelscher 
hcrvorgchcn,  sind  nach  alle  dem  so  charaktcristisch,  dass  die  Ausdchnung  und 
Miichligkeil  chcmaligcr,  seit  langer  Zeit  vecscfawimdeiier  Glelscher,  dcr  Weg, 
den  sic  gcnommen,  aus  den  unvcrkcnnbarcn  Spurcn ,  die  sic  zuriickgelassen, 
genau  feslgestcllt  werden  konnen.  Man  seize  den  Fall,  dass  sich  die  mitllere 
Tcnipcralur  cincr  glelschcrreichcn  Gcgend  erhohe  und  zu  gleicher  Zcit  die  Mcncc 
der  den  Firn  liefernden  Niederschlage  sich  vcrringcre,  so  wtlrden  dicsc  ViM1- 
iindcrungen  zur  Folgc  habcn,  dass  einerseils  die  Schmclzlinic  hohcr  hinaufriickl, 
andercrscits  der  Zufluss  von  Gletschermatcrial  vvcgen  einlrcU'iiden  Mangels  an 
Firn-Kis  aufhort,  —  die  Summa  dieser  beiden  Resultatc  %vird  das  vollstandige 
\Yrseh\vindcn  dcs  Glclschcrs  sein.  Das  jetzt  bios  gelcgtc  Thai  \\ird  sich  als 
alles  Gletscherbelt  kcnnllich  machen  durch  SchlifTQuchen  an  den  Thahviinden 
in  der  ganzen  Hohe  dcr  einstigen  Glelschcrmiichtigkcit,  durch  Grundmoiiincn 
und  SchlifHlachen  auf  dcr  Thalsohle  in  der  ganzen  Ausdehming,  durch  F.nd- 
und  Seitcntnoranen  an  den  Grcnzen  und  Riindern  dcs  einstigen  (ilctschcrs, 
und  endlich  wird  die  GcsleinsbeschafTcnhcit  des  Moriinen-Malcriales  ein  Bild 
von  dcr  gcognoslischen  Zusammensctzung  dcs  einstigen  Glctschei^chiclcs  und 
zugleich  Auskunft  Ubcr  die  Herkunft  und  den  Wcg  des  verschwundcncn  Glct- 
scherslroincs  gcbcn.  Auf  dcr  Beobachtung  dieser  Meikmale  bcruht  unscrc  ge- 
naue  Kennlniss  der  im  vorigen  Paraizraphen  erwahnlen  ausgedehnlcn  Glelschcr 
dcr  Vorzeit. 

§.  6.  Eisberge.  In  polaren  Gcgcndcn  ist  die  Sonimer\va'rme  cine  so  ge- 
ringe,  und  ilussern  die  Sonnenstrahlcn  so  \venig  Kiniluss  auf  die  Eisniasse  der 
Gletscbcr,  dass  diese  nicht  nur  bis  zur  See  hinabsleigcn ,  sondern  sich  sogar 


HI.    DMiaiuiscliL-    <;.'til.ii;.t'  185 


,„„•!,    ueil    ...    diese    l.inaussehieben.      Die  Glelseher.sln.me    ru.-ken    anlaniili.'h   tiuf 
drill    Mee.vsiM.ii.de   der  Fjords   in   derselben   NYeise   NN  if   aid'  dem  .Festlande   vor, 
his   die   m.ler   \\asser  belindliehe  Kisnusse   in   Fnlge   ihres   i:eringen   spceilisehen 
(ieuirl.les   von   dt-in   Glelseher  abbrirhl   «»der  dureh   die  \Yo-en    los-erissen   \\ird 
und    iin    .lie    Oherll.iehe    des    Meeres     emporsleiizt.      Dies.-    (ilelscherbnichsliieke 
si. H!    .lir  Bisherge,      Dicselben    ragen    /uwcilen    70    his    100    Meier   hoch    uber 
den     Wasserspieuel    empor:     des     ^erini:en     speeilisehen    Gewichtes     des     K.srs 
wegeo   IM-IIM-I  jedocb    ilirsr    /.Jtlil   nur   ',  s  i»»ir  (lesaiumlholio  (ler  Kisbcip-.      D;« 
nun   in.   Ni.rden    des  iiilanlisclien   (KrJins    solche    ;tn-clrollen    hat  ,     ^elrhe    hri 
I    hi>   J   M.-ilen    Limtfe    und   Hivile    7.:»   MeU-r    l.ocli    einp«»rraglon ,    so    liissl    sich 
(llll   di.-  i:.-\\alli.ue(;n.ss(!  v icier  Kisberire  sehliessen.      Tolare  Slron.un-cn   tiviben 
diesrlben  \\eil  in  den  ollenen  Ocean   humus,   so  dass  sic  noch  auf  dem  36.  und 
M.   Cn.de   imi-dlirlier  Hreile  aniielroffcn  \verden.     Die   schNviininendcn   Eishn-e 
des  allanliseheii  Meeres  stranden  schr  gcwiilnilich    auf   dor  Neufundland-Bank, 
NX,,    sie    unter    dem   Kinlluss    des  Golfslromes    und    der    Luflwiinnc    selnnel/eii. 
NVie  die  Clelsel.er  der  Ilochgobirgo,   sind  die  der  Polargcgonden  oft  mil  Sdiull- 
massen    heladen ,    xvolche  von    den  Eisbergen    in    enlfernte  (leyenden    gelragen 
\\i-rden  und  beim  Si-hmelzcn  derselben  auf  den  Mecresgrand  sinken.     Man  hat 
aid  den.  arktisehen  Tlieilc  des  Atlanlischen  Oceanes  Kisbcrge  beobachtct,   wclchc 
i:,oii  M.-ie.    iin    Tinfange    maasscn,    30  bis  70  Meter    uber    den   Meeresftptegt) 
raulen    und    mil    Ablaiicrungcn    von    Lchra    und    Felsblockcn    bcdeckt    waieu, 
,lrivn  (iesan.nil^eNNiehl  auf  1  —  2  Millioncn  Centner  gcschiil/l  wurdo.      Slranden 
solel.e  Eisberge  auf  Felsklippen    oder   streifen  dieselben  auf  ihivm  Wege  iiber 
seiehle  felsigQ  Slellen  des  Meeresbodens,   so  sind  sie  im  Slande  dieseiben  ver- 
niillelsl  des  auf  ihrcr  Unterscite  eingcfrorcnen  Sandes  in  iihnlicher  Weise,   \\  .e 
di,-    (ilelschcr,     ihr    Belt    glatt    ssu    poliren,     sowic    mil    grosseren    Geslcins- 
frauiiM-ntcn    in    der    Richtung    ihrer    Bcwcgung    Ritzen ,     selbst    liefe    Furchen 
uud  Hinnen  in  die  Gesteinc  auszuscheucrn.     Derartige  Kisbergscliliire  sind  auf 
d,M    nordlicluMi    llemisphiire   auf    die    nOrdlichcn    Abhiingc    und    die    Gipfel    der 
llii-el  und   Kiippen,   also  auf  die  dem  Anprall    der  Eisberge    ausgesolztc  Stoss- 
seiie  .lersclben,    hesehriinkt,   sviilirend  ihro  sUdlichen  Abfalle    rauh    und    /.aeki^ 
urbli.-b.-n    sind.     In    grossartigster  Weise    treten   dicsc   Erscheinungen    in  dem 
Distriele  slidlich  vom  Lake  Superior   in  Nordamerika    auf.     Dort    sind    jje\\isse 
^allp«»lirl«'  I'elsklippen  mil  lauter  parallelcn,    mehrerc  Fuss    tiefen  und  breilen 
I MMrl.en  hedeekt,    \velchc  augenscheinlich   durch   eincn   dort  gestrandflten   Eis- 
!„.,-  .'in-jesii.it  worden   sind,    auf  (lessen   Hoden  gross,-  ( Mmr/.ithliieke   einuelrnn-n 
ua.vn,    und    der  von   der  Ebbe   und   Fluth  tUglich  mehnnals  urn  eittige  Fuss 
uehobcn  und  gcsenkt,  also  auf  seinem  gcneigtcn  Untergrundc  bin  und  her  ge- 

zouen   \\nrde. 

I'ine  iihnliehe  Rolle  wic  heute  die  Neufundland-Bank  hat  Nvahrend  der 
Eiszeil  die  j.-lxiii.  nordeuro|>Jiischc  Ticfcbcnc  gespiclt,  damals  eine  seiehle  Kiisten- 
zoue,  bcdeckt  von  einem  Mcerc.  auf  welchem  sieh  /ahlreiche,  von  den  skandi- 
navisehen  Glelschcrn  abslamincndc  Eisber-(-  lu-rumlumn.elten.  Mit  Gosleins- 
fraumenlen  befrachlet  strandelen  sie  auf  dem  sandigen,  llael..-..  M.-eresbodcn 
und  hinlerliesscn  als  Denkmale  ihrcr  Fahrtcn  die  zum  Theil  gewaltigen  crra- 


1  S<>  111      l)\  naiiiisi  lie1  Crulo-ic. 

I  i  sell  en    hlncke,    \\ie  sic   in   unziihlbarcr  Menge    auch    in    dcr  norddeut.sclicn 
NicdeniiiL;   zerslreul    licgen. 

Aus  alle  driii  gchl  licrvor,  dass  sich  die  Thiitigkcil  dcr  Glclscher  und 
clicnso  dcr  von  ihnen  ahstanmienden  Kisbergc  in  doppelter  Hichlung  gellcnd 
maeht  :  1 1  in  der  Abrundung  und  Polirung  dor  ursprllnglich  rauhcn  und  zarkigcn 
Feteoberfltichen ,  2)  im  Transports  von  Schultmasscn  und  Felsblocken ,  sowic 
in  dcr  Wiederablagerung  dersclhcn  an  einer  andren  Stcllc.  Man  hat  nanienl- 
lich  die  ersto  dicscr  \Virkungen  liber  die  Bcobachtung  hinaus  tlberschalzt,  in- 
dcin  man  so  \\cit  ging,  den  Glelschcrn  die  Ausfurchung  go\visser  Alpenlhiilcr, 
die  Aiisfeilung  der  I-jorde,  die  Aus\v(ihlung  der  Alpenseen  zuxusclireiben,  - 
Ansieliten  ,  welcho  jetzt  als  \viderlegt  gclten  dtlrfen.  Manchc  Gletscher  huben 
jcdoch  in  der  That,  wenn  auch  auf  ganz  andcrc  Wcise  als  durch  Ausschaufe- 
lung,  zur  Bildung  von  Seen  beigetragen,  in  dem  ihre  Erdmoriinen  \vie  klinsl- 
liche  Damme  Gebirgsthaler  absperrten  und  die  Wasser  hintcr  sich  aufslauten. 
Auf  diesc  Weise  ist  z.  B.  der  Garda-See  entstanden. 

Das  organische  Leben  als  geologisches  Ageiis. 

Eine  drilte  der  Einzehvirkungen ,  als  deren  Gesammtrcsultat  die  augen- 
Mickliche  Beschaffenheit  der  Erdoberflache  aufgefasst  werden  muss,  ist  das 
organische  Leben.  Ahnlich  \vie  das  Wasser  und  meist  in  cngem  Zu- 
sammenhange  mil  diesem,  macht  es  sich  in  bestandiger  aber  stiller  Arbeit  fast 
auf  dem  ganzen  Erdenrund  geltend. 

§.  f.  Mannigfaltigkeit  der  geologisehen,  durch  organische  Thatig- 
kelt  vermittelten  Vorgange.  Die  Pflanze  treibt  ihrc  Wurzelenden  in  die 
fcinen  Gesteinsspalten ,  erweitert  diese  durch  ihr  Wachslhum  mil  der  Gewalt 
eines  Keiles  und  ist  im  Stande,  grosse  Felsblb'cke  aus  ihrer  Stelle  zu  rilcken 
und  diese  ahnlich  wie  das  gefrierende  Wasser  von  dem  Rande  eines  Abgrundes 
oder  eines  steilen  Bergabhanges  in  die  Tiefe  zu  stiirzen,  wo  die  mechanische 
Thatigkeit  des  Wassers  ihren  Zerkleinerungs-  und  Fortschaffungsprocess  be- 
ginnt.  Die  vermodernde  Pflanze  bereichert  die  atmospharischen  Ge\vassci- 
mit  Kohlensaure  und  befahigt  sie  dadurch  zu  der  grossen  Arbeit  der  Ge- 
steinszersetzung  und  -Losung.  Der  Verwesungsprocess  der  Vegetabilien  und  die 
Zersetzung  ihrer  bituminb'sen  Yerwesungsproducte  \virkt  rcducirend  auf 
o\N(lische  Mineralsalze  (siehe  pag.  148),  so  dass  durch  ihre  Venniltelung  aus 
schwefelsauren  Metallsalzen  Eisenkies ,  Blciglanz  und  Zinkblendc  enlslchcn. 
So  findet  sich  Bleiglanz,  zuweilen  auch  Z  i  nkblende  als  Anflug  auf  Stcin- 
kohlen  und  als  AusfUllung  feiner  Risse  und  KlUfte  innerhalb  derselben,  SONMC 
in  bituminosen  Baumstammen,  ja  sinterartig  und  rindenfdrmig  an  altem  Grubcn- 
holze.  Ebenso,  nur  weit  haufiger,  kommt  Sch  we fe  Ikies  vor,  dcr  manche 
Sleinkohlen  und  Braunkohlen  vollstandig  impragnirl  und  cin  sehr  gc^vohnliches 
Versteinerungsmiltel  fossiler  vegctabilischer  Reste  ist.  Auch  Kupferglanz 
isl  bei  Verwesung  von  Pllanzcnresten  ausgeschicdcn  worden,  wic  das  Vorkonnncn 
der  Frankcnhcrgcr  Ahren  Zweigendcn  einer  Conifcrc,  nchmlich  von  Cupres- 
sites  Ullmanni)  beweist. 


111.    l>\n,iiiii>rlie 

Die  XerseUmi-:  MIII  Metallsalzcn  dureli  faulende  oru.miseho  Substan/en 
k.inn  jodoeh  nodi  \\oiter  go  hen  und  y.ur  Rildung  von  ge  d  iege  n  <•  n  Motallen 
liiliron.  C,e\\isso  Coniferenholy.or  dor  d\assisclten  Formation  von  Frankenlier;.: 
in  Hessi-n  heslchen  in  ihrem  joly.igen  1'ossilen  Xnslandc  aus  almoeltselndon  Lagen 
von  Kupfcrglany.  und  einor  kohligon  Masse  und  unifasscn  slellenwoise  kloine 
zaitc  Schiippchen  von  gediegenem  Sillier,  \\elehe  aiigonscheinlich  durch  lle- 
duelion  \on  kieselsamvin  odor  kolilonsaurem  Silhero\\d  duivli  das  \or\\csondo 
llol/  luM-voriit'iianiion  sind.  Lhci'iascliendc  Hcsultak'  oinos  i;an/  ana  lotion  I'ro- 
Oessra  \\urdon  l»ci  DucktoNMi  in  Tennessee1  bcobachtol.  Kin  Theil  dor  dorlition 
Kiipferiinilx'n  \\ar  wiihronil  dos  aniorikanischen  BUrgerkrieges  orsotlon ,  und 
/.\\ar  onlhiolten  die  nicht  gowiilliiiton  Wasser  aus  der  Zersel/ung  von  Kupi'er- 
uiid  Kis«Mikies  horvortioiianiionon  Kupfcr-  und  Kisonvitriol  in  Auflosung.  Nach  dor 
Wiodi-reroH'nuni:  der  Ouln-n  /eitito  es  sich ,  dass  im  Laufc  jonor  wenigen  Jahiv 
an  urvNJssen  Slollcn  dor  unU-r  NVasst-rbedeckunti  verwesenden,  zur  Zimnierunii 
honutxlen  llolzor  fast  zolllangc  Trauben  von  gediegenein  Kupfer  sich  angosel/l 
hatton. 

In  gjin/  iihnlichor  Weise  \vie  pflanzliche  konnen  auch  in  Vervvesung  be- 
tirilVono  tliiorischc  Substanzen  eine  Reduction  von  Metallsalzldsungen  bcvvirken, 
\\nliii  \\ir  in  dem  so  gewohnlichen  Vorkominen  des  Schwefelkieses  als  Ver- 
sloiiifrunt:sinillel  von  Ammonilen,  Gasteropoden,  Brachiopoden  und  Zweischalern, 
in  dem  des  Bleiglanzes  und  der  Zinkblende  in  den  Ilohlraumen  vieler  Mollus- 
ken-Reste  zahlreiche  Beispiele  besitzen.  Eine  hb'cbst  instructive  Illustration 
dieses  Voruanges  liefert  der  Kupferschiefer  des  stldlichen  Harzrandes  (pag.  37 
und  16i,  sowie  histor.  Geolog.  sub  Dyas).  Der  Kupferschiefer  ist  augen- 
seheinlich  als  ein  Susserst  feiner,  unserem  Silte  ahnlicher  Schlamm  innerhalb 
der  liuchten  des  dyassischen  Oceanes  /ur  Ablagerung  gelangt.  Letztere  \\aron 
von  heterocercalen  Ganoidfischen  Palaeoniscus ,  Platysomusj  dicht  bevolkert; 
aus  noeh  nicht  bekannten  Ursachen  wurden  diesen  seichten  Mecresbueliteii 
Solutionen  von  Kupfer-,  Eisen-,  Silber-,  Nickel-  und  Kobalt-Salzen  zutiefilhrt, 
\\olehe  geniigten ,  die  GewSsser  sowie  die  in  ihnen  lebenden  Fische  zu  ver- 
uiflen,  deron  cdnvulsiv  zusammengekrUmmte  Leiber  uns  in  iliren  Urnrissen  er- 
halten  sind  und  auf  eine  derartige  Todesart  hindeuten.  Die  Fischleichname 
sankon  zu  Tausenden  in  den  den  Boden  bedeckenden  Schlamm  und  beganncn 
/.n  \ei\\esen.  Durch  diesen  Process  lieferten  sie  einerseits  das  Bitumen,  mil 
welt-hem  die  Kupferschiefer  slark  impragnirt  sind ,  andersetts  leiteten  sie  die 
Reduction  der  Metallsalze  ein,  welche  sich  als  Sehwefelmetalle  in  kleinen  1'ar- 
likelelien  niodorsclilugen  odor  die  Fischkdrper  selbst  tlberzogen.  Kino  Krsehei- 
iHint:  bedingte  die  andere:  der  Reichthuin  des  Kupferschiefers  an  Fischresten, 
Bitumen  und  Erztheilchen ,  die  drei  eharakteristischen  Eitientliiiiuliclikeiten  dos 
(lesloines,  sie  slehen  in  ontistom,  iirs|)rUnglichem  Zusammenhanue. 

Aher  nicht  inir  die  sdiwel'elsauren  Metalloxyde ,  auch  sch  wefelsa  ure 
Alkalion  und  alkalische  Krden  werden  durch  faulende  organische  Sub- 
stan/en  rcducirl,  so  dass  Schwefclmotalle,  Schwefelalkalien  und  Schwefel- 
verhinduntien  von  alkalischon  Krden  enlsleheiF  (siehe  pag.  154).  Aus  dieser 
Xer>ei/nti^  u(>hl  zugleich  Sch wefel vvasserslof f  hervor.  ein  Gas,  welches 


Iss  III.     |t\n, Unix-he 

den  weitreicbendsten  Kinlluss  aul  die  Umwandlungsprocesse  im  Mineralreiche 
.msiilil.  Mr  \\ird  \on  den  in  der  Tide  eiretilirenden  \Yas.sern  absorbirl  uml 
gelangl  /inn  Thcil  mil  diesen  .m  die  EtTdoberfl&che,  \\<»  sic  dann  als  Seliwel'el- 
qudlen  bezeiehnd  \\crden  und  von  denen  die  v\iehligsien  die  von  Aachen, 
Milson,  Ncnndorf,  Baden  (bci  Wien),  Wcilbach  und  Hurlschcid  sind.  Aus 
iiiiinehei)  dieser  SchwefeJquollen  scheidel  sich  in  Folgc  dcr  Zerselzung  dcs 
Sdi\\efel\\assersiolles  bei  Bcrilhrung  mil  dor  Lufl  Schwcfel  in  Form  eincs 
\\ei.sson  oiler  gelblich  grauen  Sehlammes  tib.  lin  Lnufc  der  Zcil  konnen  diese 
Schwefelablagerungen  bedcutende  Diinensionen  annchincn.  Zu  ihrcr  Mnlslchnng 
sind  iibcrall  dorl  die  Bedingungcn  gegcben ,  \vo  mil  Bilumen  gel  rankle  G\ps- 
lagersliiUen  auflrelon.  Ein  anderer  Tlieil  des  SdiwcfelwassersloIVs  gelangl  mil 
den  nnterirdischen  \Vassei-n  in  Spallen,  in  denen  er  schr  liauflg  Ansammluogen 
son  kieselsanren  and  kolilensaurcn  Melallsalxen  Irill'l  unct  dcron  Ausscheiduog 
als  SeliNNefelmelailc  bewirkl,  also  bci  der  Bildung  von  Erzgangen  lliiiliir  ist 
(siehe  pag.  1  .'i4  und  157). 

Die  Beispiele  filr  die  engcn  Beziehungen  zwischen  organischem  Leben  und 
einzelnen  Vorgiingen  in  dent  Enlvs ickelungsprocessc  dcr  Erde  lassen  sicli  leielil 
vermehron,  ohnc  sic  annahernd  zu  crschopfcn.  Den  slcligcnSlod'auslausch  xNvisdicn 
organiseher  und  unorganischcr  Nalur  zeigl  jcdoch  \voh  1  kaum  irgend  cine  an- 
dere  Subslanz  dcullichcr  als  die  Phosphorsaure.  Aus  dcm  Minci'alreiche  gehl 
sie  in  das  Pflanzenreich,  aus  diescm  in  das  Thierreich  ilber,  um  bei  dcr  Fiiul- 
niss  der  Thierlcil)cj'  dem  Erdboden  zuriickgegcbcn  zu  wcrdcn.  So  liabcn  denn 
die  meislen  phosphorsauren  Mineralicn  ihren  Kreislauf  durch  das  Thier-  und 
Pilanzcnreich  gcnommen.  Die  Landpflanzeu  enlziehen  diese  Saurc  dem  Boden 
und  den  in  ihm  circulirenden  Gevvasscrn ,  die  Fucoiden  und  Korallen  dem 
Meercswasser,  die  \Virbellhiere  cmpfangen  sie  mil  dcr  Nahrung  in  so  hohern 
Grade,  dass  sie  zu  einem  Hauplbestandlheile  der  Knochen  dcr  lelzlcren  \\ird 
und  dass  z.  B.  die  Knochen  eines  Rindcs  elvs:a  13,3  Kgr.  phosphorsaure 
Erden  enlhallcn.  Durch  Faulniss  der  organischen  Subslanzen  und  durch  Aus- 
sdieidung  aus  dcnselben  kehrl  sie  wieder  in  das  Mincralrcich  zuriick,  um  Male- 
rial  zur  Bildung  ncucr  phosphorsaurer  Salze  zu  liefern,  vvie  es  z.  B.  das  Yor- 
kommcn  von  Vivianil  in  den  Knochen  eines  vor  Jahrcn  in  einer  obcrschlcsi- 
schen  Blci-  und  Zinkgrube  verungliicklen  Bergmannes  zcigl. 

Gross  isl  fcrner  der  Einfluss,  welchen  die  Vegelalion  auf  die  Bildung  von 
K  a  1  kablagerungen  ausilbl.  Solchc  Pflanzcn,  wclche  im  Wasser  ^adisen, 
enlziehen  diescm  die  Kohlcnsiiurc ,  welche  an  doppcll  kohlcnsauren  Kalk  nur 
schwach  gcbnnden  ist,  um  sie  zu  SauerslofT,  welcher  cnlvveichl,  und  Kohlen- 
slofT,  welcher  zu  ihrer  Erniihrung  dienl,  zu  zerselzen.  Die  Folgc  davon  isl  die 
Ausscheidung  vom  kohlcnsauren  Kalkc,  welcher  Incruslale  auf  der  Oberllaehe 
dcr  Pflanzen  bildel.  Auf  diese  Weise  und  z\var  namcnllich  durch  Vermitlclung 
von  Sumpfmooscn  und  Charen  enlslehen  vide,  zum  Thcil  schr  miiehlige  Kalk- 
lulTlager.  Ganz  ahnlich  bringt  die  Lebcnslhaligkeii  der  Dialomcen  durch  Ans- 
sdn'idnng  der  in  ausscrordcnllich  geringer  Quantital  im  \Vass er  gelostcn  Kiesel- 
siiure  miiehlige  Sedimenlgebildc-  hcrvor.  Die  zierliehcn  Kieselpanzcr  der  Dia- 
lomeen  setzcn  trolz  ihrer  mikroskopischen  Kleinheil  von  Gallionclla-Schalen 


III.    DvnnmisrliP  Goolopio.  189 

nehon  41,000  Millionen  anf  oinen  Kubik/oll)  dicke  l.aizer  von  Kiosolordo  jjan/ 
ausschliesslich  /usammon  uml  bilden  boi  Bilin  in  Bi.hmon  erne  his  1,5  Motor 
rnHchtige  Schicht  von  Polirschioler ,  I  MM  Oberlohe  im  Ltlno.burgisclien  cine  Ms 
10  Meter  miiehtiuo,  iiber  250  Schritt  langc  und  150  Schrilt  brcile  Ablagermii: 
von  Kieselguhr  mul  nehmon.  wonn  man  von  vielen  iihnlidien  Vorkommen  al>- 
siehl,  an  der  Zusammonscl/imi:  cl.-s  Grund  und  Bodons,  auf  welchem  Berlin 
-.-haul  1st,  einrn  bedoulonden  Anlhoil,  \velcher  4  bis  5  Meter  unter  Tage  aus 
einem  bis  tlber  30  Meter  inilchtigen  schwarzon  Tlion  besleht,  welcher  zu  2/;t 
scin.  i  Mas.M-  aus  Dintomeen  zusnmnicngesetzt  ist.  Man  hat  ferner  berechnet, 
da.vs  sieh  im  Hafen  von  Wismar  jiihrlich  elvva  650  Kubikmotcr  kieseliger  Or- 
iianisinenrestt'  ahset/en. 

Kudlii-h  berulit  auch  die  Bildung  des  Raseneisensteines,  welcher  in  dor 
norddeutsehon  Niederung,  in  Holland  und  Polen  in  weithin  ausgedehnten  Lagen 
aufiriti,  darauf,  dass  cisenschUssigen  Quarzsanden  (pag.  148  sub  4)  durch  ver- 
wesondc  Pflanzen  Kisonoxyd  enlzogen  und  in  Eisenoxydul  reducirt  wird,  desson 
sicl.  Knhlensiiurc  und  QuellsHure  hallige  Wassor  bemachtigen,  urn  es  nach  Nie- 
deniniien  /u  fuhren,  wo  die  eisensalzhaltigen  Wasser  stagniren ,  und  wo  das 
Rteenoxydul,  durch  den  Sauersloff  der  Luft  zu  Eisenoxyd  oxydirt,  niederfallt. 

In  V;»>*  andcrer  Art  bcthiiligt  sich  die  Exislenz  und  Wirksamkeit  der 
Hnhrimisc  licln  auf  die  Gesteine.  Sie  durchldchern  die  felsigen  Meeresufer  und 
boroiten  dein  Ubcrall  zerslorenden  Wasser  und  dem  zerspaltenden  Temperatur- 
wechsel  none  Angrifl'spunktc.  Der  Biber  zieht  seine  Damme  quer  durch  die 
Thiiler,  staut  die  Bache  zu  grossen,  oft  seeahnlichen  Teichen  an,  cntwiissert 
die  SUmpfc  durch  kunstvoll  angelegte  Kanale  und  giebt  dadurch  Anstoss  zu 
\\andclungen  in  der  Vegetation  und  der  Neubildung  von  Wasserlaufen.  Die 
Bedeutung  aller  derartigen  Ausserungen  thierischen  und  pOanzlichen  Lebens 
und  Absterbens  vcrschwindet  jedoch  im  Vergleiche  mil  den  Resultaten  der 
eigentlichcn  Gost  ein  smaterial  liefernden  Lebon  sfu  nctionen  der 
Organism  en.  Dieser  bewunderungswurdige  Einfluss  auf  die  unorganische 
Natur  /eii-l  sich  am  grossartigsten  bei  den  Thieren  in  der  Abscheidu  n  i; 
dcs  Kalkes  aus  dem  Mecre,  —  bei  den  Pflanzen  in  der  Absorption 
der  Kohlensaure  und  der  Assimilation  und  Aufspeicherung  dcs 
K  ohlenstof  fes. 

a)  Kalkabscheidung  aus  dem  Weere  durch  thierische  Thatigkeit. 

Dem  Meore  \\rrden  wie  pag.  161  gezeigl,  durch  die  Strome  fort\viihr(-nd 
gewaltige  Quanliliiten  von  doppelt  kohlensaurem  Kalke  zugefUhrt.  Man  sollte 
doshalb  ervvarlen,  dass  das  Meer  allmiihlich  zu  einer  gesattigten  Kalklosung 
iioNMn-«leii  sei,  aus  welcher  sich  endlich  der  kohlensaurc  Kalk  ausscheide  und 
niedersehla»c.  In  der  That  aber  enthiill  das  Meereswasser  nur  0,0001  kohlen- 
sauren  Kalk,  mithin  kauin  den  zehnlen  Thcil  von  dem  Betrag,  wclchcn  das 
Wasser  in  Auflosung  zu  crhalten  vermOchle  und  kommt  trotz  dor  bestiindigen 
Zufuhr  von  neuer  Solution  dem  Saltigungspunkte  nicht  niiher.  Die  Erlinllunu 
dieses  stolen  Gloichgowichlcs  des  im  Meereswasser  aufgclosten  kohlensauron 
Kalkes  ist  eine  Aufgabo  dor  MooresboNvohner,  vvelche  zur  StUlze  odcr  zum 


P.)l)  III.    l>\n;imisHi(> 

Srhul/.e  iluvr  Wciclilhcilc  cin  kalkiiit's  iiincivs  Gerilsl.  nder  eine  Kalksrhale 
absniidern.  Zu  diesem  Zwerke  ent/.iehen  sio  dem  Meere  den  spars;iin  vor- 
Ilieillen  kohlensaiiren  Kulk  ,  inn  ilin  in  ihrem  Kbrper  almilagcrn  his  er  enl- 
\\eder  fine  y.usammenhiingende  Masse  ndcr  mv/.iihlige  lose  in  dcr  Haul  eini:e- 
lagerle  Kalkstiil>rhen  oder  -Seheibelieii  bildet.  Durcli  derarlige  Lehensfmiclionen 
zeichnen  sichnamentlich  die  Poly  pen  (Korallenthierchen),  die  EC  h  in  ode  r  men, 
die  Mollusken  und  die  F  or  am  in  i  fere  n  aus. 

§.  2.  Die  Bauteii  der  Polypen.  Das  Gedcihen  der  riffbildenden  Korallen- 
lliiere  setzt  eine  niilllere  Temperatur  des  Meereswassers  von  2.">  his  M0°  C. 
voraus,  obvvohl  inanche  derselben  ausnahmsweise  20  ja  16°  C.  erlraiicn  kiinncn. 
Ihre  wahrc  Hciinalh  ist  deshalb  namenllich  die  Zone  zwischen  dem  nordlichcn 
und  siidlichen  28slen  Parallelkreise,  falls  nichl  ortliche  Ursachen  wie  obktlh- 
Irnde  Polarstronie  und  auf  der  anderen  Seile  die  erwanncnden  Atjualorialslrijim' 
die  Grenze  etwas  verrilcken.  Innerhalb  dieser  oceanischen  Striche  siedeln  sic 
sieh  iiberall  da  an  den  Ktlsten  an.  wo  nicht  feinschlarninige  I'fer  oder  die 
Miindun^cn  grosser  Slro'mc  das  Meereswasscr  durch  Trilbung  desselben  fiir 
sie  unbewohnbar  machen.  Am  verbreitetsten  sind  die  Korallenbauten  in  den 
tropischen  Theilen  des  Stillen  Oceanes ,  wo  neben  unziihlbaren  Korallenbanken 
und  Kiistenrid'en  290  wirkliche  Koralleninseln  bekannt  sind.  Ahnlich  isl  die 
Verbreitung  derselben  im  Indischen  Oceane ,  dessen  Inseln  und  Continental- 
kiislen  einen  ausserordentlichen  Reichthum  an  Korallenrifl'en  aufzuweisen  haben. 
Die  Laktdiven  uud  Malediven  sind  die  grb'ssten  Koralleninseln  der  Welt.  Im 
Atlantischen  Oceane  bestehen  die  Bermudas,  die  Bahama-Banke  und  -Inseln, 
sowie  ein  grosser  Theil  Floridas  aus  Korallenbaulen.  Dass  die  Lebenssphare  der 
riflbildenden  Korallenthierchen  auf  eine  Zone  zwischen  dem  Meeresspiegel  und 
elwa  M  bis  40  Meier  Tiefe  beschrankt  ist,  wurde  bereits  pag.  132  erwahnl. 

Die  Polypen  wohnen  nicht  nur  colonienweise  zu  Tausenden  auf  einem 
Stocke  zusammen ,  sondern  es  pflegen  sich  an  giinsligen  Ortlichkeiten  zahllose 
Slbcke  neben  und  aufeinander  anzusiedeln  und  dann  die  Korallenbanke  und 
-Riffe  zu  bilden.  Die  rill'hauenden  Korallen  gehoren  zahlreichen  Arten  und  schr 
verschiedenen  Geschlechtern  an,  namentlich  aber  sind  die  Genera  Madrepora, 
Poriles,  Aslraea,  Maeandrina,  Millepora  und  Fungia  stark  vertrelen.  Porites-Arlen 
konnen  Slbcke  von  7  bis  9  Meter,  Aslraea  und  Maeandrina  solche  von  3  bis 
5  Meter  Durchmesser  aufbauen ,  von  welchen  jedoch  immer  nur  die  aussersle 
5 — .jQ  Mm.  dicke  Schicht  Jebenden  Individuen  zum  Sitze  dient,  vvahrend  die 
inneren  Partien  verlassen  und  abgestorben  sind.  Die  Dimensionen  der  Koral- 
lenbaulen  sind  im  Yerhallniss  zur  Grbsse  der  Baumeister  derselben  ausser- 
ordcnllich.  Die  Breite  vieler  Riffe  belriigl  einige  Slunden  und  ihrc  Hbhe  100, 
300,  ja  mehr  als  GOO  Meter.  Manche  ringfbrmige  Riffe  umschliessen  ein  Was- 
serbecken  von  30,  40  und  mehr  Meilen  Grbsse,  gewisse  Barriererillc  im  Weslen 
der  Feejee-Gruppe  und  an  der  Nordkdste  Auslraliens  sind  100  bis  500  Klafler 
breit  und  40  Meilen  lang. 

Wenn  die  Korallenbaulen  den  Meeresspiegel  erreichen,  so  beginnen  die 
\V(iL:cn.  iilmlich  \\ic  Slui'inxvinde  im  Walde,  ihiv  zersliirendc  Thiiligkeil.  Sie 
hrechen  Zsveige  und  sonst  ausgesel/.le  Parlien  vom  Rande  des  Korallenrill'es 


III.    lKn;mii>rlit'  (u'oln-io.  101 

los,  schleudern  sie  auf  deren  Hiieken  und  zerlrilnunern  und  zerreiben  dureh 
ihr  steles  Spiel  diese  grosseren  Fragmente  /u  Sand.  Diest-n  brciU-n  die  \Vel- 
Icn  drirhmassig  Uber  das  Hill'  aus  oder  lluirmen  ilin  x.u  vereinzelh-n,  diiiifn- 
ahnlichen  Haufcn  an.  lnz\\ischen  hurt  das  Wachslhum  der  Korallen  nichl  auf, 
sie  crsetzen  den  Verlust,  siedeln  sirh  auf  und  ilber  den  TrUuimern  wieder  an 
und  verfestigen  so  den  losen  Bau  zu  einem  \\idcrslandsfahigen  Ganzen,  dessen 
Hilcken  in  Kolge  der  Thiiligkeit  von  Wind  und  Wogen'  eine  flache  Krhebung 
iiber  den  Meeresspiegel,  ein  Kora  llenrif  f  oder  eine  Ko  ra  lie  n  insel  bildet. 
Die  Korallenbauten  sind  1)  Sautn-  (KUslen-)  Riffe,  welche  KUsten  unmitlel- 
bar,  und  ohne  einen  Zwischenraum  zwischen  sich  und  den  Ictzteren  zu  lassen, 
uniLUirlen.  -2  Da  in  in-  (Barriere-)  Riffe,  welche  von  der  nahen  Kilste  dureli 
einen  Streifcn  Meeres  gelrennt  sind  und  sicb  ineist  ringformig  um  aus  ihrer 
Mitte  hervorragende  Inseln  ziehen.  3)  Lagunenriffe  (Atolls),  ovale  oder 
krcistonni^c,  x.uin  Theil  vollkommen  geschlossene  Riffe,  welche  eine  l;lache  ru- 
higen,  stillen  Wassers  unigeben.  Diese  sammtlichen  Formen  der  Koralleninseln 
sind,  \vie  pag.  132  gezeigt,  nur  verschiedene  Phasen  ein  und  desselben  durch 
Senkung  des  Meeresgrundes  bedingten  Vorganges. 

§.  3.  Muschel-  uiid  Foramiuiferen-Biinke.  In  ganz  ahnlicher  Weise  \%ie 
Korallentliiere  sorgen  die  Mollusken  fur  die  Ausscheidung  des  kohlensamvn 
Kalkes  aus  dem  Meere,  den  sie  zur  Herslellung  ihrer  Schalen,  Gehause  und 
Sehulpen  bediirfen.  Der  Effect  ihrer  darauf  gerichtelen  Thiiligkeit  ist  nicht  so 
auffallii:,  \\ie  die  bis  an  den  Meeresspiegel  reichenden  gigantischen  Baulen  der 
Pohpen,  steht  jedoch  hinter  diesen  der  allgeineinen  Vertoreitung  der  Mollusken 
\veuen,  im  Gegensalze  zu  der  beschrankteren  der  riftbauenden  Korallen  wohl 
kauin  zuriick.  Am  augenseheinlichslen  geht  die  Ausscheidung  von  kohlensaurem 
Kalke  durch  Mollusken  dorl  vor  sich  ,  wo  letzlere  in  Menge  vergesellschaftet 
Muschel  ba nke  bildcn.  Ausser  den  sandige  Ufer  licbcnden  Erycinen  und 
(l\ivnen  sind  es  nainentlich  einmuskelige  ungleichklappige  Zweischaler,  also 
Austern,  Kainin-  und  Miessmuscheln  (Oslrea ,  Peclen,  Mylilus),  welche  sich  in 
grosser  Anzahl  neben  einander  ansiedeln,  sich  zuin  Theil  auf  dem  felsigen 
Grunde,  zuin  Theil  an  einander  anheften  und  dicht  gedrangte  Massen  bil- 
den,  in  deren  LUckcn  und  auf  deren  Oberflache  sich  zahlreiche  anderc  Mol- 
lusken, sowie  rohrenbaucnde,  also  ebenfalls  kohlensauren  Kalk  abscheidende 
Annelidcn  nainentlich  Serpula)  einnislen.  Diese  Serpeln  konnen  durch  Uppige 
Wucherung  so  Uberhand  nehmen,  dass  sie  das  Wachsthum  der  Mollusken  be- 
eintrachligen ,  endlich  ganz  erslicken  und  schliesslich  fllr  sich  allcin  machlige 
Biinke  bildeu. 

Die  kalkbildende  Thatigkcit  der  Foraini  nifcren  fallt  um  so  mehr  in's 
Gewicht ,  als  sie  os  vorzugswcisc  sind,  \\elcl\e  enorrne  Areale  des  liefsten 
Meeresbodens,  den  man  bis  vor  kurzem  fUr  lodt  und  unbelebt  hielt,  bevolkern 
und  hier  machlige  Ablagerungen  eines  formlichen  Kreideschlammes  bilden. 
Derartige  Schichlen  werden  z.  B.  auf  dem  Boden  des  nbrdlichcn  Allantischen 
Oit.iiics  an^ehauft,  hestehen  aus  85  Procent  kalkiger  Foraminiferen-Schiilcn, 
und  /.war  vorzilglich  von  Globigerina,  und  dehnen  sich  von  Irland  bis  Neu- 
fundland,  also  mehr  als  350  Meilen  weit,  so  wie  bis  ilber  die  Azoren  aus. 


102  III.     l)\ii.iinisclic    (JiMi|oi;if. 

I'berhaupt  aber  linden  sich  Foraminiferen-Schalcn  ;in  manclien  Kilsten  und  an 
violon  Punklen  des  Meeresgfimdes  in  sulrher  Mcnge  mil  dem  sjindigen  und 
kalkigen  Sclilainiii  geniengt,  dass  ihnen  cine  bcdeutemler  Antheil  an  dor  Zu- 
saminensel/uni:  gewalligcr  MasM-n  \(in  Krdmalerial  zukomml.  In  der  Yor/.eil 
|ic-.isv,.n  sie  dieselbe  gesteinsbildende  Y\  "ichligkeil  wic  jelzl,  vielleirht  noeh  in 
hoherem  (irade,  wie  aus  dgr  Betrachtnog  dcr  zoogenen  Gesteine  Petrogenelischti 
(iculiiizic)  hervorgehen  vvird. 

In  iihnlichor  Weise  wie  Mollusken  und  Foraminifcren  verbrauchen  di<' 
Echinoderincn  xur  Ilcrstollung  der  schildformigen  odor  kngcliiicn  Schalc 
dcr  Kcliinidon,  dcr  Gcrilslc  und  Kalkstiilirlicn  dor  Seoslornc,  dor  feincn  Kalk- 
pliiltchcn  und  Ankcrchen  in  der  Haul  der  llololhunen  grosse  Quantila'ten  von 
kohlensaurern  Kalke,  welcher  ausschliossliclilich  dem  Meore  enlstainmt  und  haben 
auf  dieso  Wcise  das  N'orwallende  Material  ganzcr  Biinke  und  Schichtencomplexe 
geliefert,  auf  deren  Besprechung  im  Abschnitte  iiber  zoogcnc  (Jcstcim-  vci- 
\\icson  werden  muss. 

Fiir  die  Deulung  des  Ursprunges  vieler  Kalkgesloine  ist  feslzuhallcn, 
dass  die  Foraminiferen  namentlich  die  kalkabscheidenden  Organismen  dcr  Ticf- 
see,  die  Korallen  die  der  beschriinkten  Meeresliefen,  und  die  llauplmasse  dcr 
Mollusken  und  Echinodennen  die  der  Kiisten  und  flachen  Meorbuchlcn  sind 
und  frilher  waren. 

b)  Aufspeicherung  von  Kohlenstoff  durch  pflanzliche  Thatigkeit. 

§.  4.    Per  Verkolilimgsprocess  und   die   kohlenbildendeu  Pflanzen. 

Aller  KohlenslofT,  der  auf  der  Erde  in  der  Pflanzenfaser  und  in  den  Kohlen- 
gesteinen  enlhalten  ist,  ist  aus  der  Zerselzung  von  Kohlensiiure  hervorgegangen, 
und  die  Lebensthatigkeit  der  Pflanzen  ist  es,  welche  die  Kohlcnsaure  der  At- 
mosphare  entzogen,  assimilirt  und  das  Product  dieses  Processes,  den  Kohlcn- 
sloll'  geliefert  hat  und  noch  liefert. 

Den  grossten  Theil  des  Pflanzenzellgewebes  bildet  die  Holzfaser,  welche 
aus  Kolilenstoff,  WasserslolT  und  Sauerstoff  beslehl  und  beiin  Ilolx,  abgeschcn 
von  einem  geringen  Gehalte  an  Slickstoff  und  Asche  fast  durchga*ngig  aus  .'id 
I'nu'ciit  KoKlenstofT,  6  WasserslofT  und  41  Sauersloff  besleht.  Bei  ihrer  unter 
besrhranklem  Luftzulrille,  in  Gegenvvarl  von  Wasser  und  in  gewohnlicher 
Teniperatur  vor  sich  gehenden ,  ausserordentlich  langsamen  Zersetzung  \  i  r- 
moderung,  Verkohlung)  verbindet  sich  cin  Theil  des  Kohlenstofles  mil  Sauer- 
sloff /u  Kohlensiiure,  ein  anderer  mil  Wasserstoff  zu  Sumpfgas  und  cl\\as 
olbildendem  Case  (?),  welche  entweichen,  und  endlich  ein  Theil  des  Wasserslolfes 
mil  Sauerstofl' zu  Wasser.  Nun  ist  aber  in  der  entstehenden  Kohlensiiure  I  (ic- 
wichlstheil  Kohlensloff  mil  22/;j  Ge\v.  Sauerstoff,  im  Wasser  \  Gew.  Wasscr- 
slolT  mil  8  Gew.  Sauerstoff,  in  Sumpfgas  3  Gew.  Kohlensloff  mil  1  (ic\v. 
Wasserstoff  verbunden,  so  dass  die  Zerselzung,  deren  Producle  sie  sind, 
namenllirh  auf  Koslen  dcs  Wasserstofles  und  Sauersloffcs  vor  sich  gcht.  Diese  beidcn 
Klemenle  wenlen  dcr  vrnnodernden  Pflan/.enmasse  \  icl  rascher  und  reichlicher  cnl- 
/dgen  als  der  Kohlenslolf,  \viihren<l  xugleich  einc  Anreicberung,  cine  relative  Vcr- 
nn'hrung  des  lel/leren  slalllindel.  Der  Venuudei'ungs-  odor  Vcrkohlungsprocess 


III.     IK  nnmisrlu- 


193 


arbcitct  demgemass  daranl'  hin.  aus  dcr  uewiilmlichen  Pllanzensubstan/.  ini  l.aulr 
dci-  /cit  iviiu'ii  Kohlcnstofl'  hcr/nstellen.  Pllan/.liclic  Masscn  \on  den  Sedi- 
nicnlen  dcr  Meerc  bedcckl  unterliegen  diescr  Zerset/unii  ausscrordentlieli  laiii:- 
*am.  da  ihni'M  (lit-  Hcdinininuei)  /ur  Fiiulniss,  nclmilich  die  Mogliclikcil  dcs 
Zntrittcs  dcr  atmospharisdien  l.ul't  und  dcs  Kiit\vcirhcns  dcr  gaslormiiren  IVo- 
duclc  nur  in  liodist  hcscliriiiiktcin  .Maassc  iicizchcn  sind.  So  hat  dcnn  die  von 
cincr  iiiaclitiizcn  Scliiclitcnrcihc  hcdccklc  Slcinkohlo,  trotxclcin  dass  Milliuncn 
von  .lahrcu  scit  ihrcr  Alila^cnini:  \  cruangen  soin  niogen,  ihre  Zersetxuni:  nodi 
nidit  \ollcndct.  rort\N;ihrcnd  cntucichen  aus  ihr  Kohlenvvassersloffe  (sehlagende 
\\rticr  als  ihrc  Xcrsct/.un^sproductc  uiul  dcuten  an,  dass  dor  Process,  \\cl- 
chcr  auf  Ausschciduni:  allcr  llilditigcn  Bestandtlieile  und  ant  D.n-sirllunii  dcs 
rcincn  KolilcnstotVcs  gcriclitct  ist,  sich  noch  in  vollein  Gauge  befmdet.  Sein  Ziel 
crrcirlit  cr  erst,  \\enn  Anthrncit  und  Grapliit  hervorgebracht  sind;  in  dicsen 
scinen  Kndproducten  liegl  der  Kohlensloft'  brach  und  gefesselt  in  der  Krde. 
bis  ihn  der  Menseh  filr  seine  Zwecke  benut/end  zu  Kohlensiiure  verlircnnt 
und  ilin  so  der  Atmosphare  wiedergie))t,  von  wo  aus  er  seinen  Kreislaul  \on 
Ncucin  beuinnl.  Die  Lange  der  geologischen  Zeitriiume  erselzt  somit  den  freien 
Zutritt  von  I.ufl  oder  den  Einfluss  hbherer  Temperaturgrade,  so  dass  der  Koh- 
IcnstolVrcichthuni  der  Kohlengesteine  in  demselben  Maasse  zunimnit,  je  alter  die 
lel/teren  sind.  Torf,  Braunkohle  und  Steinkohle  sind  einzelne  Stadien  des  be- 
>pr»ichcnen  Vcrkohlvinusprocesses  der  Pflanzenmasse,  Anthraeit  und  Graphil  die 
Kndprodnrtc  dessclbcn,  wie  aus  folgender  talicllarischci-  Zusaiiimensiellunj; 
liervor-geht : 


Ueologisches  Zeitaltor. 

Kohlengesteiii. 

BVMWOMMetemg  in  100 
Theilen  nach  Abzug  der 
Asche. 

C. 

H. 

O.  a.  N. 

.It  txlxcil. 

Holzfaser. 

3i,65 

5,25 

42,10 

Diluvium. 

Torf  aus  Irland. 

60,02 

5,88 

34,10 

TcM'tiar. 

Braunkohle  von  Coin. 

66,96 

5,25 

27,76 

\ 
Braunkolilr  M-III   Mi-is^nci1. 

72,00 

4,93 

23,07 

Erdige  Braunkohle  von  Dax. 

74,20 

5,89 

19,90 

CarbiiiiiM-ln'   I'-Tioilc. 

Mitumiimstt  Steinkohle  von  Saarbriirkm. 

81,62 

3,30 

14,50 

Cannelkohle  von  \Vit.;iii. 

85,81 

5,85 

8,34 

Hartle\kohle  von  Newcastle. 

88,41 

5,61 

5,97 

Bituiuiiiuv  Sirinkolilr   vmi   KsciivM-ili-i-. 

89,16 

•V-1 

6,45 

(ijirlidiii-clif,  (Ji-Noiiisi-lir. 
silurisclic  J'criode. 

Antbraoft. 

94 

8 

3 

Hui-iinisrlic  und   lauriMi- 
tische  Perindr. 

(Jraphit. 

100 

i 

0 

Credner,  Elemente  d.  Geologic. 


101  HI.    1>>  n.'iini^ciio   dt'ii]... 


Lt»cal  winl  dcr  Verkohlungsprooess  bfschleuniut  I  durch  dit'  Bildung  xahl- 
rt'ichcr  Spallrii  in  Folge  \onSpallungen  und  Zenvissungrn  der  kohlent'iihrenden 
l-'nnnatinnt'u  :  *  (lurch  Zersliickelung  ausgedehnter  Kolilent'elder  in  Folge  \on 
Sto'rungeu  do  <;ebirg>l»aues  und  von  Erosion;  in  beiden  Fallen  \\ird  der  Zu- 
irill  tier  aimospharischen  Lul't  und  das  Entweichen  dor  entstehendt-n  (i.ist-  er- 
leichtert  und  drr  Yerkohlungsprocess  dadurch  befbrdert.  Deshalb  sind  die  Koh- 
len,  wo  sie  horizontal  und  ungestbrl  liegen,  meist  bituminb's  und  werden  innner 
inagerer.  jt1  auttallendere  Biegungen  sie  erleiden,  und  endlich  zu  Anthracit. 
wo  dif  sliirkslen  Faltungen  und  Zerreissungen  stattgefunden  haben,  —  daher 
<lif  von  der  bituminb'sen  Steinkohle  des  in  seiner  ursprilnglichen  Lage  befind- 
lit-licn  appalachischen  Bassins  durch  Hebung.  Knickung  und  Erosion  getrennten 
Anthracitbecken  Pennsylvaniens,  sowie  die  kleinen  Anthracitschollen  auf  dem  Er/.- 
gebirge;  3)  durch  Erzeugung  holier  Temperatur  in  Folge  der  Eruption  gluth- 
flilssiger  Gesteine,  welche  die  betrefl'ende  Kohlenforniation  durchsetzeli  :  so  ist 
die  Braunkohle  des  Meissners  im  Coatacte  mil  Dolerit  und  Basalt  in  anthracit- 
ahnliche  Kohle,  die  Steinkohle  von  Waldenburg  in  der  Berdhrung  mil  Melaphyr 
in  Anthracit  umgewandelt.  In  alien  diesen  Fallen  ist  der  Verkohlungsprocess 
in  Folge  localer  Beeinflussung  der  Zeit  vorausgeeilt. 

Aus  dein  durch  die  Lange  der  Zeilraume  begunstigten,  langsamen  Verkoh- 
lungsprocesse  der  Pflanzenrnasse  gehen  demnach  auf  der  einen  Seite  Kohlen- 
gesteine,  auf  der  anderen  entweichende  Gase  (Kohlensiiure,  Sumpfgas  und  ol- 
bildendes  Gas)  hervor.  Ebenso  al)er,  wie  sich  bei  dem  Zersetzungsprocesse 
vegetabilischer  Substanzen  gasformige  Kohlenvvasserstoffe  bilden,  so  entstehen 
auch  flilssige  und  feste  \ferbindungen  von  Kohlenstoff  uud  Wasserstofl'.  \\'w 
Naphtha,  Petroleum  und  Ozokerit.  Diesen  Vorgangen  verdanken  viele  Erdol- 
quellen  ihren  Ursprung,  viele  bituminose  Gesteine  ihren  Bitumengehalt.  \vah- 
rend  andere  Bitumenstoffe  aus  der  Verwesung  von  thierischen  Substanzen  her- 
vorgegangen  zu  sein  scheinen.  Kein  Zweifel  al^er  kann  tiber  die  Abstammung 
solcher  fltissiger  Kohlenwasserstoffe  obwalten,  wo  sie  als  Erdb'l  direct  aus  der 
Steinkohlenmasse  hervorschwitzen  und  sogar  ausfliessen,  wie  in  den  Gruben- 
bauten  von  Dawley  und  The  Dingle  in  der  englischen  Grafschaft  Shro]x  \\n 
das  Erdb'l  fbrmliche  Traufen  bildet,  gegen  welche  sich  die  Berglrute  durch 
\orgcstccktt'  Bretter  schtitzen  mussen. 

Da  die  Ablagerung  und  Anhaufung  von  spiiter  zu  Kohlengesteinen  uniur- 
wantlelten  Pflanzenmassen  sehr  verschiedenen  geologischen  Zeitraumen  aniic- 
hbren,  und  der  Gesaniiuthabitus  der  Pflanzenwelt  in  jeder  Periode  eintM*  vollkom- 
menen  Umgestaltung  unterlag,  so  wai'cn  auch  die  das  Material  der  \erschic- 
dcnarliLicn  und  verschiedeualterigen  Kohlengesteine  liefernden  Floren  jedesmal 
andere, 

Der  Torf  besteht  namentlich  aus  verfilzten  und  zusamniongejMvsstfn  Moo- 
sen,  von  deneu  das  Sumpfmoos  Sphagnum  und  Hypnum  die  wesentlichstefi 
sind.  Beide,  besonders  aber  Sphagnum,  besilzen  die  Eigeuschaft,  weitcr  nach 
ultt'ii  fortzuwachseh  und  neue  \Vurzeln  zu  treiben,  wiilircud  die  unteren  Theile 
der  Pflanzen  absterben.  Da  sie  somit  im  Stande  sind,  die  Torfbildung  be- 
slandig  weiter  fortzusetzen  uud  auf  den  abgestorbenen  Moosschichten  neuc  xu 


III.   Dyoamische  (.ifuln-ic.  \9o 

producircn,  so  bringen  si«>  rim>  sletigf  /unahmo  der  Miichligki-il  dor  Torfinoore 
h.'ruir.  Die  F.xisten/  der  let/teren  1st  ;m  bedeule-ndr  Mrngen  \on  Fourhligkeit 
gebmitliMi.  es  konnte  deshalh  cine  sole-In-  Krhohung  der  Torfmoore  Uber  ihr 
llrsprttngliohes  Ni\eau  nichl  stattlinden.  VNenn  nirht  siiininUiche ,  an  ihrer  Zu- 
sammiMisftznng  bolheiliglon  Moose  ausserordentlieh  hygreskopisch  wiiren  und 
die  Ffurhtiiikoil  der  Luft  in  hohoiu  Grade  an  sich  zo'gen  und  fest  hieltcn.  Bei 
der  l"ii)\\andlmiu  des  Mooses  in  Torf  verliert  es  sein  vorfilztes  Ansehen,  \\ird 
.srhNverer.  brik-kelig,  erdii:  und  schluinmig,  deutlich  erkennbare  Pflanzentlu-il.- 
\crsch\\  indt-ii.  st>inc  Farbi'  ireht  in  oiiu1  anlanglich  braune,  dann  dunkelschwarzo 
iib.M-.  linden  solche  Torfbildungen  in  SttnipftMi .  \velche  hinter  DUneii  lifucn, 
statt  und  \vei-dcn  sie  bei  dem  LandeimviirtsrUcken  der  letzteren  von  Sand  be- 
dc.kl,  so  \\andoll  sich  dor  Torf  unter  dem  Drucke  der  auf  ihm  lastenden  Sand- 
hUiii-l.  \\elche  zugleich  den  Process  der  Vermoderung  verlangsamen ,  in  eine 
braunkohl«Mi;ihnliche  geschichlete  Masse  um. 

Die  Brnunkohle,  das  Kohlengestein  der  Tertiiirzeit,  besteht  wesentlich 
aus  den  unler  Luftal)schluss  verwesenden  Resten  von  Coniferen  (Taxites,  Pi- 
niles.  SiMiunia,  Cupressinoxylum),  Palmen  (Palmacites,  Sabal,  Flabellaria)  und 
Laubhoi/AM-n  Hclula.  .luiilans,  Quercus,  Cinnamomum) .  Siehe  Historische  Geol. 
Terliiirfonnal.  Braunkolilenl)ildung. 

Dir  Steinkohle  dcr  Krc  id e formation  (Wealdenkohle  z.  Th.)  verdankt 
ihr  Malcrial  iippiu  \vuchernden  und  sich  dadurch  schnell  anhiiufenden  Cycadccn, 
Coniferen  und  Baumfarnen.  Siehe  Histor.  Geol.  Kreideform.  Wealden. 

Die  Steinkohle  und  der  Anthracit  der  carbonischen  Formation 
sind  \cr\\ csriidc.  ihrcm  Endziel  bereils  ziemlich  nahe  gerllckte  Massen  von  rie- 
sigen  Gefiisskryptogamen :  SigiHarien  (und  Stigmarien),  Lepidodendron ,  Cala- 
m'ilrn  und  Farnen,  nebst  sparlichen  Araucarien,  Palmen  und  Cycadeen.  Siehe 
llisl.  (ieol.  Carbon.  Formation,  Bildung  der  Steinkohlenflotze. 

Die  Anthracite  desSilur,  z.  B.  der  Isle  of  Man,  kb'nnen  nur  aus  Aluon 
t-nlslandon  sein,  da  sich  in  den  Thongesleinen  der  Silurformation,  \velche  sich 
zur  Consoniruiii:  der  fossilen  Pilanzen  so  trefflich  eigneten,  bisher  noch  kcinc 
Spur  von  Gefiisskryptogamen  oder  noch  holier  stehenden  Pflanzen  uclundcn 
hai.  und  ebenso  haben  die  Graphitschiefer  und  Graphilflotze  der  huronischrn 
Schicfcr-  und  lanrentischen  Gneissformalion  augenscheinlich  denselben  Ursprung. 
Sifhc  Mist.  (ieol.  Laurent.  Formal.  Organisches  Leben-.  ^ 

§.  >  (iasquellen  als  Producte  der  Zersetzuug  vegetabilischer  Sub- 
stanzeu.  Die  Kntwickluug  der,  wic  si»cbci\  gr/rigl.  aus  dem  NYrkohliin.^- 
proci'sst-  lH-r\nriZ«'hiMidrn  Kohlciisiiurc  und  Kohlon\\asscrst(.il'uasc  isi  slcll.-nucisc 
ciii,-  >..  ivi.-hlirh*',  dass  sie  zur  Enlstehuni:  lormlichrr  Gasquellen  die  Vi-ran- 
la>suni:  girbt.  So  sind  denn,  ganz  abgesehen  von  den  Gas-Exhalationen  fast 
aller  Vulkanen-Dislricte.  an  zahllosen  Punkten  der  KrdoberllaYhe  AusslrUmnnucn 
%,,!!  Si-h\Nercl\\a>ser.sloir,  Kohleiisiiuiv.  Sumpl'uas  und  olbildendem  Gase  bekaimt. 
deren  1'rsprunu  ein  organisclu-r  ist.  Am  auflalligslcn  siud  die  Kohlen\\ass<-r- 
slolV(iiu-lU'n.  \\cil  diese,  in  Brand  grsh-rkl.  hohe,  mUchtige  Flammen  von  bald 
g«'nniier.  bald  bedeiitendcr  Leuchtkrait  l.ilden  und  dann  als  Erdfeuer  be- 
kanul  sind.  Die  zahlreichsten  und  bcrUluntesten  derarligen  brennenden  Quellen 

13- 


1  *.)(>  III.    DyimniiscliP   Clcul. 


sind  die  \on  Baku  mid  drr  ganzen  Halbinscl  Abscheron  am  ka>pischen  Mecre. 
t'crner  die  der  Apeninnen  in  Ober-  und  .Mitlelitalicn.  In  den  Olgegenden  Nord- 
amerikas  enlstromen  \iclen  der  x.ur  (lew  innung  des  Petroleum  angdcgten  Hohr- 
li'dier  Kohlenwas.ser.stoH'gase  mil  brauscndcm  .  zischcndein  ,  weithin  Imrbarem 
Geriiusche.  Ziemlich  gewOhnlicfa  sind  ansserdem  K(>lilciiwasserslofVc\li;dalioiien 
,»us  Steinsalx.lagern  ,  welche  zum  Theil  so  bedeulond  sind,  dass  sic  /.  H.  bei 
Szlatina  in  rngarn  x.ur  Ueleuchtung  der  Grube  verwandt  werden:  auch  das 
l»ci  dor  Saline  Gottesgabe  bei  Hhcinc  sich  cnl\\ickclndc  (ias  \\urdc  zu  llciz- 
/.\\cckcn  \cr\\andt:  in  China  versiedel  man  auf  i:c\visscn  Salinen  die  Soole 
\crmitlelst  der  mil  ihr  empordriogeiniee  brennbarcn  (iasc.  Das  Knislcrsalx. 
\on  \Viclicx.ka  cnthiilt  brennbares  Kohlenwasserstoffgas  in  stark  coinpriinirteni 
Zustande. 

Die  Ouantitiit  der  Kohlensiiure,  \velclie  aus  der  Zcrselzunu  \on  1'llan- 
/eninassen  resultirt,  ist  ausserordenllich  J)clrachtlifh.  Fast  alle  \Vassen|uelIen 
bnniien  dieses  Gas  aus  der  Tiefe  mil  sich  hervor,  um  dasselbc  der  .  \lmospliarc 
zuzufUhren.  Auf  der  andern  Seite  produciren  die  an  der  Erdoborlla'clic  \er- 
\vcsciulen  IMlanzen  el)uufalls  Kohlcnsiiurciias  .  \velches  die  Rei:en\vasscr  auf- 
saiiiien  und  mil  sich  in  den  Boden  fiihren.  Durch  ihren  Kohlensiiure-  (Jchalt 
\\crdeii  sie  in  den  Stand  gesetzt  .  zahlreiche  Mineralien  aufzuldsen  und  zu  zcr- 
selzen.  um  sie.  nachdem  sie  grbssere  Gesteiiismassen  durchsickert  haben.  cnl- 
\veder  als  Mineralquellen  an  das  Tageslicht  zu  fdrdern,  oder  sich  ihrer  bercits 
in  Hdhlen  und  Spalten  durch  Absatz  \\ieder  zu  entledigen. 

§.  6.  Sclilaiiinivulkniie  als  Resultate  orgauischer  Zersetzuugen.  Die 
SrldamniMilkane  oder  Salseu  stehen  in  engsteni  Zusammenhangc  mil  (iasquellen 
und  zwar  besonders  solchen  von  Kohlen\vasserstoffgas.  Diese  gehen  ,  \vic  im 
\orii:en  Paragraphen  gezeigt,  aus  der  Zersetzung  von  organischen  Substanx.cn 
hervor,  sind  die  Destillationsproducte  im  Zustande  langsamer  Verbrennung  Vcr- 
kohlung)  begriffener  Pflanzenmassen.  Denmach  sind  die  Schlammvulkauc  .  so 
schr  ihr  Ban  und  ihre  Thatigkeit  denen  echter  Vulkane  ahnelt,  nicht  Reactionen 
dcs  gluthllussigen  Erdinnern,  \vie  diese,  sondern  Producte  dcs  gewaltsamcn 
Hervorbrechens  aus  Organismen  erzeugter  Case.  Mil  deni  Ausslromcn  der  Ictz- 
teivn  ist  sehr  gewdhnlich  das  Ausfliessen  von  flilssigen  Kohlenwasserstoften 
Naphtha  und  Bergbl  vergesellschaftet. 

Die  Schlammvulkane  bilden  kleine  llache,  kegelfbrmige  Hiigel.  \veh-he  mci>t 
nur  l>is  ein  Meter,  zuweilen  30  bis  50,  ja  in  einigen.  wenigen  Fallen  150  und 
niehr  Meter  Hd'he  erreichen.  Sie'bestehen  aus  thonigcm  Schlannn.  der  \\iihrcnd 
ihrcr  Thiitigkcit  in  zahfltissigem  Zustande  sich  befindet,  bei  lang  amlauernder 
Uidie  jedoch  austrocknet  uud  von  unzahligen  Rissen  und  Sprilngen  dureli/o^en 
wird.  Auf  dem  Gipfel  der  Schlammkegel  beh'ndet  sich  eine  trichterlormigc 
Kratervcrtiefung.  auf  deren  Boden  sich  eine  Anzahl  kleiner  OHhungen  .  die  ci- 
gentlichen  Eruptionscanale  ,  befinden.  Wahrend  des  uewdhnlichcn  Xii^l.nides 
gleichmiissigcr.  ruhiger  Thiitigkeit  dieser  Schlamimulkane  entslromt  dicsenOll- 
nungcn  mil  elwas  Kohlenoxydgas  oder  Kohlensiiure  gemischles  Kohlenwa»er- 
vtotlgas,  welches  einen  mehr  oder  minder  starkeii  Strom  bilden  kann.  Haben 
sii-h  in  dem  Kraterbccken  atmosphiirische  Wasser  angesammelt  .  wclehe  einen 


III.    |)\nami-rhr   (ii'olo-io.  '*" 


Theil  des  Thoncs  aiifwvichcn  und  mil  diescm  cine  breiartiuc  Mass.-  bilden.  so 
vxird  diese,  falls  dUnnlliissii:.  .lurch  die  cmpordrinucndcn  Gase  in  einer  wal- 
|,.nden  Bcu.-.mi:  crhaltcn .  falls  xiihtlUssig ,  brim  Zerplal/en  der  sic!,  an  dcr 
Ohcrfliichr  bildendcn  gfwWH)  (iashlascn  ninliorgosdiloiidorl.  In  Geuendcn,  wo 
Nidc  kleinc  Schlanunkep-l  sich  befindcn.  \Ncichldic  ganze  Thonmasse  zu  cin.M.i 
gro^en  SchlammpfilWe  auf.  wddu-r  an  dcr  Stcllc  .  NVO  die  Gase  entstromen, 
sich  in  broddndcr  Hfwrgung  hclindcl.  Im  Zustande  dcr  Aufregung,  welcher 
frcilich  nur  scltcn  cinlritt  nnd  nur  kurze  Zeit  andauert.  zeigon  sic  don  Eruptionen 
dcr  Stratovulkanc  ganz  ahnlichc  !•  rsrlu-inun-cn.  Unterirdischer  Donnor  und  crd- 
|u.|.cnartigc  Krschiitlcrunircn  dcr  r.nuchunir  verktinden  das  Eintrct»-n  fines 
lu-lti-cn  AuslH.ichcs.  Der  Schlamm  im  Kraterbecken  erhitzt  sich,  cine  Dampf- 
siiulc  crh.-bt  sich,  die  mit  Energie  emporgestossenen  Dampfe  und  Gase  schleu- 
,[(.rn  Schlamm  und  Steine  umher  und  liber  30  M.  hoch  in  die  Luft.  und  prcsscn 
cndlich  Strome  \on  \\armcm  odcr  heissem  Thonschlamm  hervor,  vvelche  Koch- 
sal/,  aul^.-li.st  und  Naphtha  in  oft  l)etriichtlicher  Menge  beigemengt  enthaltcn 
nnd  sich  zmveilt-n  auf  l-.ntfcrnungcn  von  »/2  bis  S^gen  1  Meile  weit  ergiessen. 
fl.crhaupl  hdindcn  sich  in  der  Nahe  dcr  Schlammvulkane  fast  regehnassig 
/inn  Tlu-il  s(>hr  l>cdcut«>ndc  Erdblquellen .  Producte  desselben  Processes,  wie 
die  Gase  der  Sclilammvulkane. 

Das  Yorkonuncn  der  Schlammvulkane  ist  auf  Sicilien,  Italien ,  Island,  auf 
die  (icizcndcn  dcs  Kaukasus,  die  dcs  kaspischen  Meeres,  auf  Java  und  Trinidad 
lu'schrankt.  Einer  der  berlihmtestcn  ist  die  Macaluba  unweit  Girgenli ,  cin 
llauptschlainmkfgrl  von  50  M.  Hohe,  auf  dessen  flachcr,  1/2  Mi8lia  im  l'"lf;"^ 
mcsscndcr  (lipfeiflachc  mehr  als  100  kleine,  zum  gr5ssten  Theile  thatige  Schlamm- 
vulkane VNar/.enfbrmig  aufsitzen.  Am  westlichen  und  ostlichen  Ende  des  Kau- 
kasus auf  der  Insel  Tainan  und  an  den  Ufern  des  kaspischen  Meeresl  sind 
dics<>  Salscn  in  soldier  Zahl  und  Grossartigkeit  concentrirt,  dass  jene  District 
darin  mil  kcincr  anderen  Gegend  der  Erde  verglichen  vverden  kannen.  Audi 
an  ihnen  trill  die  Alihiiniiiiikoil  der  Schlammvulkane  von  grossen,  unlcrirdi- 
schrn  llcrdcn  dcr  /ersetzung  von  organischen  Substanzen  in  ihrcr  stetcn  Vcr- 
-..sdlschaftunii  mil  Naphthaquellen  auf  das  deutlichste  hervor. 

Die  Zeit  als  geologischer  Factor. 

Die  \Virksamkcit  der  Kriifte,  welche  sich  als  llauptaLicnlicn  in  dcm  Knt- 
wickluniisprocesse  der  Erde  bcthiili-en,  bedarf  zum  grossen  Thcile  -c  wal  I  iuc  r 
/,-ilraume,  urn  ihren  Einfluss  auf  die  Geslaltung  der  Enloberfliichc  \\ahr- 
ndmiliar  y.u  machcn.  Di<'  Liiniir  dicsrr  Zcilriiumc  isl  cine  so  aiisscrordcntlichr. 
diiss  uns.  die  \vir  nach  .lahren  zu  rcchncn  ^cxvohnt  sind,  jedcr  hcslimmlr 
Maassslab  liir  dit-s«'lbcn  fchlt.  Um  einen  solch.-u  x.u  gr^inm-n,  hat  man  \  cr- 
Slicht.  die  I.aiiiie  dcr  .Id/t/.eil .  also  dcs  Zcitraumcs  ah/.iisrhiitzen ,  seit  dessen 
Hciiinn  das  organisdir  l.eb.-n  auf  Enlcn  srim-n  heutigen  (Jcsainmlcharaklcr  an- 
-cnommcn  und  scildcm  nidit  \vcsenllich  \rriimli-rt  hat,  Derarlige  Berechnun- 
'.;«'n  crgclxMi  so  enorm  grossc  Zahlcn ,  dass  man  zu  zogern  versucht  ist.  ihre 
Wahrhcil  an/.u(>rkcnncn.  \venn  man  berucksiditigl.  dass  sic  sich  allein  auf  die 


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III.    I)\ii;iiiii-clir    (i 


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.Ict/t/cit  Ite/iehen.  und  d.iss  dicsc  nur  eine  i-inzii:e  dcr  ueuiss  naeh  Ilundcricii 
zahlenden  IVriuden  in  dcr  EntwioklungSgeschichte  dcr  Erde  und  ihrer  Bewoh- 
ncr  ist.  Man  schcutc  sieh,  wie  gesagt,  die  cnnnnen  Zahlen,  die  aus  dieseii 
Factoivn  rcsultiren ,  anzuerkennen,  obwohl  man  langst  ge\\iihnt  ist.  einen  an- 
deren  X\\cii:  dei-  Nalurwissenschafl ,  (lie  Astronomic,  \\elche  mil  dcr  (ienlode 
so  zahlrciche  Berllhrungspunkte  hat,  mil  dem  menschlichen  Geiste  vollkommen 
umfassbaren  Grossen  rechuen  zu  sehen,  wenn  sie  den  Durch- 
messer  der  Erdenbahn  als  Maasseinheit  fiir  vide  kdsmisdie 
Entfernungen  benutzt. 

\\cnn  es  gelingen  sollte,  geologische  Vorgange  mil 
berechenbaren  astronomiselien  Anderungen  in  Beziehung 
zu  bringen ,  so  wiirde  es  moglich  sein,  auch  fttr  die  Geo- 
logic ein  absolutes  Zeitmaass  feslzustellen.  Bis  jetzt  aber 
fehlen  uns  derartige  Anhaltepunkle :  wir  konnen  deshalb 
nur  versuchen,  einige  Vorgange  der  Jetztzeit  auf  ihre  Dauer 
abzuschatzen,  und  miissen  uns  fiir  Ereignisse  friiherer  Pe- 
rioden  mil  einer  Bestimmung  ihres  relativen  Alters,  d.  ii. 
mil  der  Beantwortung  der  Frage :  frtiher  oder  spaler,  alter 
oder  jiinger  als  andere  Vorgange  und  Erscheinungen '.'  be- 
gniigen.  Fiir  ersteren  Zweck  hat  man  namenllich  die  im 
Zustande  des  stetigen  Zuriickschreitens  begriffenen  Niagara- 
Falle  benutzt. 

Der  Niagara  ist  der  Ausfluss  des  Erie  Sees,  wendet 
sieh  in  nordlichem  Laufe  nach  dern  Ontario  und  stellt  so 
eine  sechs  Meilen  lange  Verbindung  beider  Seen  her.  Fast 
genau  in  der  Milte  zwischen  diesen  Wasserbecken  bildet 
der  Fluss  die  55  M.  hohen  Niagara -Falle.  Von  diesem 
Punkte  an  schiesst  das  \Vasser,  stall  wie  bisher  auf  einem 
Plateau,  in  eiuer  tiefen,  engen  Schlucht  mil  seukrechten 
Wanden  fiir  I J2  Meilen  dahin,  urn  bei  Queenstown  in  die 
offene  Ebeue  des  Ontario  Sees  zu  treten  uud  sieh  dann 
in  langsamem  Laufe  bis  zu  diesem  zu  bewegen. 

Der  Landslrich   zwischen  Erie-    und  Onlario-See   be- 
steht   aus   den  Schichten    des   oberen    Silur,    welche   sehr 
flach  gegen  Sliden,   also  nach  dem   Erie-See    zu  einfallen, 
so  dass  ihre  Schichtenkople  gegen  den  Ontario  zu  gerieh- 
tet  sind  und  nach  diesem  zu  eine  schrod'  abfallende  Fels= 
wand    bilden.     Sie   bestehen    in    ihrer   oberen    Miichtigkeil 
aus  feslem,   compactem  Kalksteine,   in  ihren   unteren  Lagen 
•21  M.     aus  Schiefern    und    unterhalb  dieser  aus  Mergeln 
und  Sandsleinen.      In  diesen  silurischen  Schichtencomplcx 
^^^  hat  der  Niagara  vom  Falle    bis  nach  Queenstown    eine  70 

bis  80  M.   tiefe  Felsschlucht  eingeschnitlen.     Die  Felswand 

d  I  Fig.    -22),   Uber  welche  sieh  der  Fall  stiirzt .    beslehl    deshalb  in    ihrer  un- 
teren Ha'lfle.  aus    verhaltnissmassii:    wcichen    Schiefern ,    in    ihrer   oberen  Hiilfte 


III.     IKnaim-rlie    (ieolojjir. 

aus  Kalkslcin.  Am  l;u»c  des  Falles  \Na.xelu-n  die  wiihlenden  Wasserniassm 
die  lorkt-ivn  Schiefer  aus  uncl  unterminiren  dadureh  den  Kalkstein ,  \\elcher 
xtilckweise  herunterltrieht,  so  dass  die  \Ya>sertalle  langsam  stromaufwarts  riirken. 
Ahnliehes  siini:  friiher  \«>r  sirli.  Antandieh  hat  sic-l\  dor  Niagara-Fall  iil.cr  die 
IVIsuaiid  Iti-i  Queensto\\n  direct  in  die  Ontario-Ebone  iieslur/.l,  in  Foliie  der 
unterwuhlemlen  Thiitigkeit  seiner  Kluthen  ist  er  jedoch  ini  l.aul'e  der  Zeit  his 
y.u  seinein  jet/iuen  Standorte  zuriU'ki:eN\  ichen,  so  class  jeder  Punkt  dcr  Fels- 
sehlueht  z\\isehen  diesein  and  seinein  ersten  Fallorte  bei  Queenstow  n  zeitweilii; 
die  Wasserfalle  bosass.  Kdnnen  \vir  das  Maass  ihres  jiihrlichen  RUckschreilens 
alisi-hiit/en,  so  sind  wir  ini  Stande,  aus  dieseni  und  der  Distan/,  welche  sic 
zuriickleuten ,  die  Zeitdauer  zu  berechnen,  die  das  gesamnite  ZurUckvveichen 
in  Ansprucli  nalnn.  Man  schiitzt  das  jahrliche  ZurUckschreiten  auf  hochstens 
8^33  M..  so  dass,  da  die  Schlucht  12,000  M.  (•!  i/2  Meilen)  lang  ist,  wenn  nicht 
einzelne  Stillstiiiufe  durch  Auftreten  von  ha'rteren  Schichten  eingetreten  sind, 
\\elche  das  Zeitinaass  noch  um  vielcs  vergrossern  wtlrden,  wenigstens  36,000 
.lahre  verstrichen  sind,  seit  der  Niagara  begann,  seine  Schlucht  durch  RiU-k- 
\\aitsiiu-ken  der  Fiille  auszuwUhlen.  Nun  kennt  man  aber  auf  dem  Plateau, 
in  'Welches  die  Niaizaraschlucht  eingeschnitten  ist,  und  zwar  auf  beiden  Seiten 
der  let/teren,  Geroll-  und  Sandablagerungen  niit  Schalen  von  Unio-,  Melania- 
und  Paludina-Arten,  welche  heute  noch  in  jenen  Seen  leben,  und  die  nur  al»- 
uelauert  \vorden  sein  konnen ,  ehe  die  Fa'lle  so  weit  nach  dem  Erie  zu  hinauf 
iieriiekt  waren  und  ehe  die  Schlucht  ausgewtthlt  war.  Die  Zeitraume,  die  znm 
F:inschneiden  der  Schlucht  noting  waren,  also  36,000  oder  wahrscheinlich  mehr 
.lahre.  uehoren,  wie  aus  der  Identitat  der  subfossilen  und  noch  in  derselben 
Gegend  f»n-Uebenden  Mollusken  geschlossen  werden  muss,  der  Jetztzeit  an. 

Die  Lange  dieser  Zeitraumes  lasst  ahnen,  welche  Zeiten  darUber  hingingen, 
die  der  Colorado-Fluss  (pag.  168)  sein  60  Meilen  langes  und  bis  2000  M.  tie- 
fes  SehluehiensNsiem  zum  Theil  in  dem  hartesten  Granit  auswUhlen  konnte. 

Auf  Zeitriiume  von  iihnlicher  Grosse  lasst  das  Verhaltniss  zwischen  Koral- 
lenhauten  und  Korallenwachsthum  schliessen.  Das  Wachsthum  der  riflbauenden 
.Madreporen  betriigt  etwa  2  Cm.  im  Jahre,  da  jedoch  die  oberen  Enden  der 
K.irallen/.weige  von  den  Wellen  abgebrochen  und  durch  das  Spiel  der  Wogen 
allmiihlieh  zu  Korallensand  zerkleinert,  /.um  AusfUllen  der  Hohlraume  und  somit 
dazu  l>enut/.t  werden,  den  locherigen  und  iistigen  Korallenbau.  in  einen  com- 
paeten  Korallenkalk  umzuwandeln ,  so  wird  das  Wachsthum  der  gesammlen 
Oberfliiche  dos  Korallenbaues  kauin  I  Cm.  bctragi-n  konnen.  Ks  giebt  Ko- 
I'alleninseln  \on  600  bis  700  M.  Ho'he,  welche  unter  den  oben  angenoinmenen 
Verhaltiiissen  70,000  Jahre  gebraucht  haben  wUrden,  um  zu  dieser  Hohe  an- 
zuwaehsen.  Die  Mo'glichkcit  der  let/teren  verdanken  die  Koralleninseln  saecu- 
laren  Senkungen  des  Meereshodens  siehe  pag.  132);  sehen  wir  nun,  dass 
sich  z.  H.  Skandina\ien  I  M.  im  .lahrhundert  emporhebt,  und  wollten  wir  die 
Senkuni;  des  (irundes  des  Stillen  Oeeanes  nach  iihnlichem  Maasse  abschiilzen 
wie  jene  lleltung,  so  resultiren  als  Zeitraum,  innerhalb  dessen  jene  Senkung 
von  600  bis  700  M.  vor  sich  uini: .  etwa  66,000  Jahre,  also  ahnliche  Zahlen, 
wie  die  aus  Berechnuni:  des  Korallenwaehsthuines  erlialtenen. 


200  II.    iKnamisriie   (  ' 


Mine  noch  andere  Zeit.seli.it/un;:  hat  man  mil  Bezug  auf  (lit-  KorallenrilTe 
\erMieht.  \\elche  Florida  jelzt  unii:el>en.  Kin  grosser  Theil  der  Kiisten  dieser 
llalbinsel  ist  von  vier  conccntrisch  aufeinander  folgenden  KorallenriiTen  um- 
giirlet.  \un  denen  fines  nach  Volleudung  des  anderen  vom  Grunde  des  Meeres 
aus  aufgebaut  \\urde,  und  welche  erst  in  Folge  einer  langen  Reihe  von  ahnliehen 
Hani.  -n  enlstanden  zu  sein  scheinen,  deren  Gesammtheit  jetzt  die  flache  Halb- 
insel  Florida  hildet.  Die  Ausbildung  jedes  einzelnen  dieser  jiingsten  Ritte  hat 
\\enigstens  8000,  aller  vier  zusammen  inithin  32,000  Jahre  erfordert,  und 
bestiinde  Florida  auch  nur  bis  zum  See  Ogeechobee,  2  Breitengrade  weiter  nord- 
\\iiiis.  aus  lauter,  wie  jene  vier,  durchschnittlich  1  Meile  \veil  aus  einander 
liegenden  Riffen,  so  wtirden  200.000  Jahre  zu  dessen  Bildung  noting  gevvesen 
sein.  Und  in  dieser  ganzen  Zeit  sind  die  bauenden  Korallen-  und  anderen 
Thierarten,  deren  Reste  in  den  Korallenrift'eu  sleeken,  ini  Golfe  von  Mexico  die 
nehinlichen  gebliel)en. 

Wenn  solche  Begebenheiten  in  Zeitraume  fallen,  wahrend  welcher  die  zoo- 
logischen  Zustande  der  Erde  stationar  und  unverandert  blieben,  welche  Zeit- 
riiuine  ino'gen  wa'hrend  der  zahlreichen  tertiaren  Perioden,  innerhalb  deren 
sieh  Flora  und  Fauna  fast  durchga'ngig  und  vollkonunen  iinderten,  verflossen 
sein.  Und  welch  eine  untergeordnete  Stellung  nehrnen  \viederum  die  tertiaren 
Perioden  in  der  Chronologic  der  Erde  ein  ! 

Eine  Idee  von  der  Grosse  der  geologischen  Perioden  hat  man  sich  auch 
durch  Abschatzung  des  Zeitraumes  zu  verschaffen  gesucht,  welcher  erforderlich 
war,  um  die  gewaltigen  Quantitaten  von  Kohlenstoff  in  der  Steinkohlenformation 
aufzuspeichern.  Die  Vegetation  unserer  \S"a'lder  liefert  in  100  Jahren  eine  ge- 
niiuende  Menge  Kohlenstoff,  um  eine  Schicht  von  16  M.  auf  der  Oberflache 
do  von  ihnen  bedeckten  Bodens  zu  erzeugen.  Die  Gesammtma'chtigkeit  der 
Steiiikohlenflbtze  von  Saarbrtlcken  betragt  113  M.,  so  dass  unter  ahnlichen  Be- 
dingungen  mehrere  Jahrhunderltausende  zur  Ablagerung  des  dortigen  Kohlen- 
materiales  erforderlich  waren.  Yergleichen  wir  ferner  die  Pflanzenwelt  der 
oberen  iproductiven)  mit  der  der  unteren  Steinkohlenformation  ,  so  stellt  sieh 
heraus,  tlass  von  der  letzteren,  aus  104  Arten  bestehenden  Flora  zwar  alle 
(ienera,  aber  nur  yio  der  Species  in  die  productive  Kohlenformation  Ubergehen. 
Dii-ses  fast  vollstandige  Aussterben  einer  Flora  spricht  flir  die  La'nge  der  Zeit. 
xvelche  man  der  Bildung  der  einzelnen  Abtheilungen  der  Kohlenformation  zu- 
schreiben  muss.  Zieht  man  aber  erst  die  tolale  Verschiedenheit  der  carboni- 
sehen  Flora  und  der  jurassischen  und  dieser  und  der  tertiaren  in  Belracht. 
ixler  \ergleichl  ein  von  Thieren  belebtes  Landsehaftsbild  der  Silurperiode  mit 
einem  der  Jura-,  der  Diluvial-  und  der  Jetztzeit  ,  und  abstrahirt  man  von  pe- 
riodischen  SchdpfuiiuseinuriHen  in  die  KnlNNieklungsgescliichte  der  Krde  .  SO 
ullnet  -icli  dem  Blicke  eine  Vergangenheil,  ftir  deren  Abschatzung  uns  die  Kraft 
fehlt.  \Vie  verschwinden  gegen  sie  die  \\enigen  Tausend  Jahre.  l>is  zu  \\elchen 
die  .Nachrieliten  iiber  unser  eigenes  Geschlecht  zurtickreichen  !  --  Alle  geologi- 
schen Zeitberechnungen  kiinnen  desiiall)  \veiter  nights  be/\N«-eken.  als  uns  zu 
uberzt'ui:en,  dass  \vir  in  der  EntwickiungSgeschiehte  der  Krde  mit 
u  neriness  I  ie  li  gmssen  Zeitriiumen  /.  u  reehnen  haben. 


Yierter  Absclmitt 

Petrogenetische  Geologie. 


§.  I .  Aufgabe  der  petrogenetischen  Geologie.  Naehdem  in  den  letzton 
beidon  Absehnitton  dor  pelrographisehe  Charakter  der  Gesteine,  welehe  die 
Krdkrusif  /u>;muuonse%tzen,  sowie  die  Kriifte,  welche  Uherhaupt  einen  bilden- 
den  und  liostaltomlon  Einfluss  auf  die  Erdrinde  austiben .  geschilderl  \vordon 
sind  .  lieirt  die  l-'raue  nahe,  auf  welche  \Veise  jene  Geslomsarten  (lurch  Vor- 
mittoliiii!;  dioser  Krafie  ihren  gegenwiirtigen  Zustand  und  petrographischen  Ha- 
bitus erhaltoii  ha  ben?  Mil  der  Beantworlung  dieser  Frage  beschiiftigt  sicii  die 
petroiioiietisrhe  Geologie,  die  Lehre  von  der  Gesleinsentstehunu. 

Die  Entstehung  irgend  einer  tellurischen  Gesteinsart  ohne  Mitwirkuug  ent- 
\vod.-r  des  Vulkanisnms  oder  des  Wassers  1st  undenkbar,  --  imd  in  der  That 
lasst  sicli  auch  die  Bildung  aller  Gesteine  auf  die  Thatigkoit  cines  -dieser  bei- 
den  Agention  xurUckfiihren.  Je  nachdem  dies  der  Vulkanismus  oder  das  Wassor 
i.st.  werdeii  die  (lesteine  ihrer  Entstehung  nach  in  eruptive  und  sedimen- 
tiire  getrennt. 

A.    Die  Eruptivgesteine. 

§.  2.  Entstehung  der  Eruptivgesteine.  Die  Eruptivgesteine  sind  in 
glulhfliissigem  Zuslamte  aus  der  Tiefe  der  Erde  hervorgetreten  und  an  dor 
Erdi.borllaoho  odor  nahe  derselben  mehr  oder  vyeniger  rasch  erslarrt.  Die  An- 
Nvesenhoit  \on  oluiinisch  gebundenein  oder  von  Uberliit/.loni  Wasser  oder  ond- 
lich  von  Wassordjiinpfcn  isl  boi  diosor  Knt.steliungs\M-iso  niclil  ausgeschlosscn. 
(liirl  iin  C.oiienthcilo  auf  das  beslimmleste  \nrausgesol/.l  NVoi'don.  Auf  eino 
Mit\\irkung  ilo>  \Vassei\s  Itoi  Bildung  der  Eruplivgesleino  aiioh  in  don  IViihoivn 
neologisohon  /.eitallorn  weist  schon  die  Analogic  mil  (l«-n  Kniptionsorsoheiimn- 
uen  dor  hoiiiiucn  Vulkano  hin.  Jede  Eruption  isl  mil  enormen  Dainpl'ausslrii- 
nmngen  und  I'Aplosionen  \orbundon  und  .-l.ouso  onl\\  ickoln  <lio  Laxastriiine 
soll.sl,  bis  sio  erkalten.  aus  ihron  Hissen  und  Spallon  urosse  Mengen  von 
\Vasserdiiinpfen.  Die  fliissige  Lii\aiuasse  muss  deshall)  von  Uberhitztem 
\Va>ser  odor  Wjissordampf  iiiipriignirl  soil),  wenn  sio  sioh  auoh  in  erslarrteiu 


2<!'2  vi.    Pelrbgenetische 

Xu>i;iM(lf  l'a>l  vollkoiniucii  \\asserlVei  erueisl.  Der  WassiTgehall ,  der  duivh 
MaiischanaKsen  in  zahlreichen  EnipUvgesteineD  nariiiieuiesen  isl.  k;inn  mi  uiul 
I'iir  sirh  nichl  ;ils  maassgebender  Be\\eis  t'iir  die  MiUvirkung  des  Wassers  bei 
Hildung  derselben  angesehen  \\enlen,  da  er  rrsl  spiiter  einiiednmgen  sein 
mag.  -  -  in  vielen  Eruptivgesteinen  sind  jedoch  die  Belege  fUr  die  Tlieilnalune 
drs  Wassers  ;m  ihrcin  Bildungsv0rgange  gewissermassen  versieinert  erhalten. 
nelimlieh  in  Geslalt  mikroskopiseli  kleiner  Ilohlriiume ,  welche  wasserige  Solu- 
lionen  z.  B.  von  Chlornatriuin  uinschliessen.  Diese  FlttssigkeitseinschiUsse 
siehe  pag.  27)  sind  in  den  Quarzen  fast  aller  und  in  den  Feldspathen  vidcr 
Granite  und  Syenite  in  unzithliger  Menge  vorhanden  und  enthalten  zum  Tlicil 
klt'iiu>  Luftbljischen ,  welche  sich  beim  Drehen  des  DUnnschliffes  bin  und  her 
hr\\vgen,  und  neben  diesen  nicht  sellen  kleine  WUrfel  von  Kochsalz,  wolche 
lose  in  der  Losung  liegen  (siehe  pag.  27).  Gegen  die  Annahme,  dass  die 
in  den  Poren  befmdliche  FlUssigkeit  erst  im  Laufe  der  Zeit  in  die  Hohlraunie 
eingedrungen  sei,  spricht  namentlich  der  Umstaud,  dass  sie  in  den  Hohl- 
riiuinen  so  hermetisch  abgeschlossen  ist,  dass  sie  selbst  beim  heftigen  Erhitzen 
nicht  entweicht,  was  der  Fall  sein  wilrde,  wenn  sie  durch  Haarspalten  oder 
Caniile  einfiltrirt  worden  ware. 

Die  Annahme  eines  dampfbeladenen  oder  durchwasserten  Zustandes  des 
sehmelzflilssigen  Gesteinsmaterials  findet  eine  weitere  Unterstiltzung  in  dem 
Vorkommen  von  ausgeschiedenem  Quarz  in  vielen  Eruptivgesteinen ,  cinem 
Minerale,  fUr  dessen  Entstehung  durch  Abscheidung  aus  einem  rein  glulli- 
flilssigen  Gemenge  weder  kilnstliche,  noch  natilrliche  Vorkommnisse  sprechen, 
\\iihrend  es  auf  der  andern  Seite  gerade  der  Quarz  ist,  dessen  Reichthum  an 
Wasserporen  auf  eine  Mitwirkung  des  Wassers  bei  seiner  Bildung  hindeutet. 

Auch  eine  Reihe  eigenthtirnlicher  Erscheinungen  im  Contacte  gewisser 
Erupti^  gesteiue  mil  ihrem  Nebengesteine  (die  Contactmetamorphosenj  finden 
ihre  befriedigende  Erklarung  allein  durch  den  Wassergehalt  ersterer.  Man 
kann  nur  annehmen,  dass  das  iiberhitzte  Wasser,  das  sich  bei  der  Abkiihlung  der 
Eruptivmassen  ausschied,  mit  Mineralsubstanzen  beladen  in  das  Nebengest^in 
eindrang  und  zur  petrographischen  Umbildung  desselben  Veranlassung  uali. 
Eine  wesentliche  UnterstUtzung  h'nden  diese  Ansichten  in  den  Untersuchungeg 
Daubree's,  aus  welchen  die  grosse  mineralbildendo  Kraft  des  iiberhitzten  Wassers 
hervorgeht.  Durch  Einwirkung  des  kt/teren  gelang  es  ihm  u.  A.  Quarz  und 
Feldspath  darzustellen ,  und  Obsidian  in  eine  feinkbrnige,  trachytahnliche  ,Ma>st- 
uinzuwandeln. 

Eruptivgesteine,  bei  deren  Entstehung  Wasser  in  uberhilztein  oder  dainpf- 
rnnnigeiii  Zustande  eine  Rolle  gespielt  hat,  bezeichnet  man  wohl  als  h\dato- 
|>  \rogen.  Ehe  sich  die  Ansiclil  eines  solchen  h\datopyrogenen  Ursprnn.-cs 
der  Eruptivgesteine  allgerneine  Anerkennung  verschafll  hatte,  wurde  es  ver- 
sucht,  die  Widersprilche  gegen  eine  rein  uluthllussi-e  Knlstehuni;s\vei>e  der- 
selben,  welche  in  ihrer  mineralischen  Ausbildung  zu  liegen  scliienen,  durch 
die  Aiuiijlinie  zu  beseitigen ,  dass  sie  ursprilnglich  zu  amorphen  oder  dichten 
ii  erstaiTt  seien  und  erst  im  Laufe  der  Zeit  durch  hydro-chemische  Pro- 
•  esse  ihren  heutigen  petrographischeo  llalulns  erlangt  hiitten.  Die  ZurUck- 


IV.  ivir»'-:eiiciiM-iie  Geologic.  203 

des  krxstallinisclien  Charakters  der  Granite,  Porplmv.  Trachyte  und 
iihnlieher  selUst  \m\ii  vulkanischer  Gesteine  der  .lel/lzeit  aut'  einen  derarliizen 
Voicing  \vird  schon  iluivh  die  Thatsache  widerleiit,  dass  vor  unseren  Auuen 
entstandene  l.avi-n  unmittelbar  nacli  ihrer  Krkaltunu  ebenso  \ollkoinniene 
Kr\stallindi\iduen  einschliessen  .  \\ie  \\ir  sit-  in  den  alteren  Eruplivgesteinen 
vorfinden. 

Was  die  Bilduni:  der  \erschiedenartiuen  eruptiven  .Mineralijeinenge  be- 
(rillt.  so  liat  Hun  sen  /.uersfr  mil  hesoiulerem  Bezug  auf  die  vulkanischen  Ge- 
steine  Wands  und  Transkaiikasiens.  spiiter  mil  Anvvenduug  auf  iiltere  Erupliv- 
die  Ansieht  ansuesprodien ,  dass  dieselben  Mischungen  zwcier  ur- 
Nonnalniassen  seien ,  welche  aus  getrennten  vulkanischeu  Herden 
.ilotainmten  und  sich  ill  verschiedenen  Verhaltnissen  mengen  konnten.  Die 
z\v«'i  t-xtreinen  und  x.ugleich  ursprUnglichert  Glieder  der  auf  diese  Weise  ent- 
standenen  und  i:enetisch  verknlipften  Gesteinsreihe  \\erden  als  noriual- 
t  raeh\  tiseli  und  norm al-p yro \euisch  bezeichnet.  Ihr  Unterschied  be- 
I'uiit  iin  Wesentlichen  auf  ihrem  Kieselsaureizehalte ;  das  normal -trachytische 
Misehuni:sinaterial  ist  sehr  kieselsaurereich  ^76 — 67  Proceut),  das  normal- 
(»\ni\enisehe  sehr  basisch  und  somit  armer  an  Kieselsiiure  (48 — 47)  Procent), 
so  dass  das  Sauerstoffverhaltniss  der  Sa'ure  und  der  Basen  bei  den  ersteren 
:',(>. .»<)T  also  "> :  1 1  bei  letzteren  3:  1,998  (also  3:2)  ist,  wahreud  es  bei  alien 
ultrii^en  vulkanisehen  Gesteineu  z^ischen  3:0,579  und  3:1,948  sehwankt,  so 

-ie  als  Mischungen  jeuer  beiden  extremen  Glieder  zu  betrachten  sind. 
Line  anspreehendere  Ansieht,  welche  durch  Sartorius  von  Walters- 
h  an  sen  vertreten  wird ,  geht  davon  aus,  dass  in  der  Tiefe  der  Erde  eine 
allinahliche  Diehtiiikeitszunahrne  und  durch  diese  bedingt  eine  allmahliche  Aende- 
i  uni;  der  materiellen  Beschaffenheit  des  guthflilssigen  Inneren  stattfinde.  Nach 
jenem  Geologen  stammen  die  beiden  von  Bunsen  beanspruchten  ursprilnglichen 
Mischuniisinateriale  nicht  aus  gesonderten  Herden,  sondern  repriisentiren  sehr 
\\eit  von  einander  liegende  Glieder  dieser  stetigen  Reihe  von  verschieden- 
artiiien,  sebmelzfltlssigeo  Materialien ,  deren  Charakter  sich  nut  zunehinender 
Tide  iindert.  Je  nach  der  grbsseren  oder  geringeren  Tiefe,  aus  welcher  die 
eruptive  Gesteinsmasse  hervordringt ,  wird  denmach  ihre  Zusammenselzunu; 
cine  verscbiedene  sein. 

§.  3.  Charakteristische  Eigenthiimlichkeiten  der  Eruptivgesteine. 
Die  I'.ntsclieiduni:.  ob  ein  Gestein  eruptiven  Ursprungs  sei,  ist  in  vielen  Fallen 
mit  ScltNvieri^keihMi  \erknUpft,  da  die  alteren  als  Eruptivmassen  angesproche- 
nen  (iesteine  \on  den  jilngeren  edit  vulkanischen,  bei  deren  Entstehungsacle 
der  Mensch  Zeu.ue  \\ar.  in  vielen  Be/ieliunizen  abweichende  Erscheinungen 
darbieten.  (ie\\is>e  Structur-  und  LaL-erungsverhaltnisse  sind  jedoch  so  allue- 
inein  an  eine  eruptive  I'.iilsiehun^su ei-e  Lielmnden,  dass  sie,  \\enn  auch  nicht 
jedes  fUr  sich  allein,  so  doch ,  sobald  sie  ihrer  Mehrzahl  nach  an  eine  in 
Gesteine  auftreten,  als  inassiieliende  Anhaltspunkte  filr  deren  Genesis 
dicnen  kiinnen.  Als  solche  durch  eruptive  Enlstehung  bedingte  Charaktere 
konnen  angefUhrt  vverden  : 

I)   massige    Structur,    al«o    das   Fehlen    eehler  Scliichtuni;   oder   Schie- 


201  IV.     lVtri>:;i'!iftisrlif    <i 


t'enini:.  \\ie  sic  hei  Sedimentgesteinen  ausgobildot  \\inl.  \\emi  aueh  pliitten- 
fiirmige  Ahsondoninuen  uiul  Andeutungen  einor  ParaUelstructor  nicht  vollstiin- 
dig  ansgesehiossen  sind. 

2)  A  I»\N  esen  h  o  i  t  von  orga  niseho  11  Kesten.  wiihrend  let/tore  ;ils 
y.ahlreiche  zufiillige  EinschlUsse,  selbst  als  Geslein  bildendos  Material  den  Se- 
dimeiiiuestcinon  einen  ganz  bezcichnenden  Habitus  verleihen,  ohne  dass  jedoeh 
alle  gesehichteten  Gesteine  reich  an  ihnen  sein  milssten. 

3  Sii  ul  c  n  I'tir  in  iuc  odor  sphac  roidische  Absonderung.  \velcln1 
It't/lcro  Itesonders  bei  Vcnvitteruni:  des  Gesteines  hervortritt. 

i  Glasige  .  l)lasige,  schlackige  oder  mandelsteinartige 
St  ructur. 

•")  Fluctuationsst  ructur.  \vie  sie  sich  in  glasigen  und  halltiilasiizcn 
dcstcinen  (Pechstein.  Obsidian  ,  sovvie  in  der  glasigen  Zwischendr^ngongsmasse 
kdrniger  Gesteine  (Basalt,  Melaphyr)  zeigt. 

ii  (ilaseinschlUsse  in  den  krystallinischen  Mineralelementen  eruptiver 
Gesteine,  welche  nur  als  von  den  sich  ausscheidenden  Mineralindividuen  uin- 
schlossene  Theilchen  des  gluthfliissigen  Magmas  aufgefasst  werden  konnen. 

7  Durchgreifende  Lagerung,  also  das  Durchsetzen  anderer  (ic- 
steine,  welches  in  Form  von  Giingen  oder  Stocken  gescheheu  kann  und 
die  Moglichkeit  weilcrer  ftlr  die  Eruptivgesteine  bezeichnender  AusbilduiiL:>- 
formen  und  damit  der  Entstehung  von  Kuppen,  Decken  und  Strom  en 
und  in  gewissen  Fallen  auch  der  Stratov  ulkane  bietet. 

8)  Zerspaltungen   des   Nebengesteines    und    in    Folge    davon    st-it- 
liche    Inject  ion  en    der   Eruptivmasse    in    let/teres    Apophysen).    sowie    Zer- 
malmung   desselben    durch    die    emporgepra'ngte    Eruptivmasse    und    in    Fobe 
davon    Bildung    von    Reibungsbreccien,     sowio   Umhilllung    einzelner    von 
dem    Erap*fvgestein    oft    aus'  grosser  Tiefe    emporgehobener   Nebeni:*'- 
sleinsbruchstucke  ,    endlich  St  auch  un  gen   und   Win  dun  gen    der  Schichten- 
i-nden,   mil  denen  das  Eruptivgestein  in  Contact  und  Conflict  getreten  ist. 

9)  Reibungsflachen    oder    Frictionsstreifung    an    den    Wiindm 
der  Eruptionsspalten. 

10  Fe  i  ner  \verd  en    des   Kornes    nach    den    beiderseitlgeD    Hc- 
grenzungs-,     also    Abktihlungsflachen    zu.      wo  'sich    in    Folge    s»>lir 
rascher  Abkiihlung  sogar  glasige  Structur  einstellen  kann. 

11  In  seltenen    Fallen    Spa  1  tenbildungen    und    Stbrungen    des 
Schichtenbaues  in  der  Niihe  eincelnep  Braptivgesteihe,  dime  class  sie  jedorli 
imiiier  als  I-'dlgen    der  Eruptionen   aufgefasst    werden    dtlrften  ,    sondern    \iel- 
melir  als  der  Eruption  vorausgega  n  gen  und  diese  tlberhaupt  ennOgtichende 
Hodingungen   /u   betr;icliten   sind. 

12}  Contact  meta  morphosen  ,  welche  sich  y.uweilon  von  Seilen  der 
Kruptionsmasse  ant'  d;is  Nel)eni:esteiti  geiiussert  haben  und  sich  dann  in  Form 
von  FrittuiiL-eii.  Verglasungen  .  Verkdkungen.  rmkr\stallisirunL;  und  Material- 
/.ut'iilirunueii  li\d;ild-(l)erinisclie  lmpragnatif)nen  kmid  geben. 

Teller  den  erupti\en  l"rs|>rung  einer  grossen  Heihe  von  Gesleinen  kann 
nielit  der  i:eriiiLi>te  Xxveifel  oliw;il(en.  <ienn  wir  selien  sie  in  gluthflttssigem 


IV.   Petrogenetische  (ieoiniM.c. 

Ziistande  hemu-breehen  und  zu  kryslailinisi-hen  (iesleineii,  zu  basaltisehen 
oder  iraehUiselien  La\en  erslarren.  Bei  anderen.  deren  Bilduni:  in  die  Zeit 
\iii-  dcin  Aut'lrelen  drs  Mensclien  lallt.  1st  die  Idenlitiit  Hires  pelrographischen 
Charaklers  und  Hirer  l.ai:enini:s\  erliiillnis.se  init  donjenigen  der  \<>r  unseren 
Augen  entslehenden  l.a\en  cine  so  \ollstiindige,  dass  wir  Hmen  dieselbe  Ur- 
sprungs\\eisr  \\ie  diesen  /ugi'slrhen  mUssen.  Ilierher  gehoren  die  Basaltr. 
Trachyte  und  Phonolithe  der  homogeneu  Vulkanc,  sit-  nebst  den  Laven  dcr 
Stiat(i\ulkai>t-  \\crdeii  uacli  den  I'unkten  iluvs  IlcM'vorbrechens  vul kanische 
ndcr  jilnutTf  Kru|>li\i:esleiiie  uenannt.  Durcli  dio  lioinoiienen  Vulkane  sind 
dirsrll.eii  mi:  xerkniipt't  mil  den  iilteren  E  rupti  viiestei  n  e  n,  welche  uan/ 
alinlicli  \\ii-  diese  in  (iiinuen,  Stockon,  Kuppen  und  zuin  Tlioil  \\eit  aus^edehn- 
u-ii  Deeken  /.\\iseiien  nieso/.oisclieii  und  palueo/oischen  Formationen  aul'trelen: 
in. in  pfleute  sie  als  plutonisch  zu  bezeichnen  und  glaubte  anneliinen  zu 
inussen.  dass  sir  die  lief  ini  Inneren  tier  Erdkrusto  unter  hoheiu  I)ruck»-  er- 
Ntarilen  Theile  von  Lnvaei-uiessun^en  seien,  deren  obere  Partien  ini  Laufe 
d«-r  Xi-il  /.erstoi-l  und  weiiizeiulirl  waren,  eine  Ansicht,  welche,  wie  die  de'eken- 
f>rnu>-  Ausbivitunsi  der  Diabase,  Melaphyre  u.  A.  auf  dern  einstmafigen 
Mretvs-i-unde,  ferner  die  Vergesellschaftuiig  der  Diabase  und  Porphyre  mil 
lullen.  endlich  die  Haufigkeit  von  RollstUcken  eruptiver  (sog.  plutoniselier 
(ifsteine  in  nur  \vonig  jUngeren  Gonglomeraten  beweist,  eine  irri^e  isl  und 
iiur  da/.u  diente,  eine  unnaturliche  Scheidewand  zwischen  den  vulkaniseheii 
I'rodueten  der  Jet/tzeit  und  tleneu  vertlossener  geologischer  Perioden  auf/.u- 
lieliten.  Ks  (Miipliehlt  sich  deshalb,  den  Ausdruck  plutonisch  gauzlich  aus/.u- 
merzen  und  dafilr  die  Bezeichnung :  altere  Eruptivgesteine  zu  wahlen. 

Ein  Vergleich  des  petrographischen  Charakters  dieser  beiden  verschieden- 
alteriizen  Ueihen  von  Eruptivgesteinen  ertziebt  das  interessante  Resultal,  dass 
die  jiiiiLieren  ue\\  issennaasseii  nur  spatere  Wiederholungen,  neue  Auflagen  der 
iiHeren  Mineralcoinbinationen  sind.  Dem.  Granit  und  Felsitporphyr  mil  dem 
F.-lsitfels  und  Peehstein  entsprechen  die  kornigen,  porphyrarliizen  und  fel- 
sitischen  Ouaiv.traelix te  mil  dem  Perlit  und  Obsidian  (alle  aus  Orthoklas  ml,  r 
Sanidin,  Oligoklas.  Quarz  und  dimmer  beslehend],  dem  Diabas  die  Plagioklas- 
l.asalte  und  Dolerile  (Plagioklas,  Augit,  Magneteisenstein);  dem  Diorit  und  Por- 
phvrit  der  llornblende-Andesil  (Oligoklas,  Hornblende  und  zum  Theil  Quarz 

Verhiillnisse    \\elche  aus  der  bereits  in  dem  pelrographischen  Theile  dieses 
l.elu-biu-hes  gegebenrn  Tabelle   (pag,   4H;    liervorgehen. 

§.  :\.  Eruptive  Natnr  der  basaltischeii  und  tracliytischen  Gesteine. 
Die  Erupt ionsproduct*-  der  heuligen  Slratovulkane  sind  zum  Theil  gellossene 
und  spiiter  erstanle  Massen,  die  Laven,  zum  Theil  lose  AtewQrflmge,  nehm- 
lich  Selilaekenstueke,  Lapilli,  Aschen.  Die  LJIM-II  erseheinen  an  ihrer  Ober- 
tliiclie  als  seldaekige,  naeh  ihrem  Inneren  zu  aber  als  kornige  oder  |>orpli>r- 
artiue  (iesteine.  deren  kr\  stallinische  Ausbildunusueise  mil  der  Langsamkeit 
der  Abkuhlung  und  Ersijirrung  an  Deulliehkeil  zugenommen  hat.  Die  wcseni- 
lichen  (lemenutlieile  der  Laven  sind  enl\\eder  Augil .  Plagioklas,  Nej)helin. 
Olivin  und  Leucil ,  oder  Sanidin,  Oligoklas  und  Hornblende,  wonach  man  sie 
als  basallische  und  Irachylische  in  zwei  Gruppen  Irennl.  SHiumtliche  Laven 


2(M>  IV 

tier  .lelztzeit  beslehen  z\\ar  aus  Silicaten.  enlhallen  jedoeh  k.'ine  ausp-.sehiedene 
freie  Kieselsiiure,  also  keinen  Ouarz.  llir  Wasser^ehali  ist  trotz  der  grossen 
Rolle.  \\elrhe  d.is  \\~asser  bei  ilnvr  Kruption  spiell.  nur  ein  sehr  ueringer. 
PetrographtSCh  lassen  sich  die  ;ius  den  jetzt  thiiliiien  Stratovulkaiien  ijellosM-iien 
Laven  von  den  versrliiedenen  Ba  >a  I  t  ue  st  e  i  n  e  n.  Andesiten  und  Tra- 
cliyten  der  homogenen  Yulkane  der  Tertiiirzeit  gar  nit-lit  trennen  .  nur  ist  in 
sehr  \ielen  Trachyten  auch  Quarz  als  krystallinischer,  wesenllicher  (ieinent:- 
theil  vorhanden,  was  den  Beweis  liefert,  dass  aus  vulkanischen  Silic;it^cinen- 
uen  unter  i:e\vissen  Umstiinden  wahrend  ihrer  l-j-slarrung  die  Oberscbttssige 
Kieselsaure  in  Form  von  Quarzkrystallen  ausgeschieden  \verden  k;inn.  D;is 
\\enn  auch  sellene  Vorkommen  von  Wasserporen  innerhalb  der  triichytichen 
Quarae  spricht  dafiir.  tliiss  es  tlein  gluthflilssiiien  Magma  heigemengtea  Wasser 
war.  welehes  hei  dessen  Festwerden  die  Quarzausscheidunu  \ermittelle.  Dass 
durch  tlie  wahrend  der  Tertiarzeit  hervordringenden  Basalte  und  Traelnte 
eiiientliche  Krater  und  lose  Auswlirflinge  nicht  gehildet  wurden.  beruht.  \\ie 
pau.  I  ^0  gezeigt.  auf  ihrer  Zahflilssigkeit,  der  zu  Folge  sie  sich  aufstauten  und 
die  Eruptionsspalle  verstopften,  andererseits  auf  der  geringen  Betheiliuunu  \oi, 
(iasen  und  Dampfen  an  der  Eruption,  wodurch  sich  der  Mangel  an  Auswurf- 
lingen  und  somit  einer  Schichtung  jener  Vulkane  erkliirt. 

Kilhlten  sich  die  genannten  vulkanischen  Eruplivmassen  sehr  rasch  ab,  so 
entstanden  glasartige,  homogene.  oder  wenigstens  homogen  erscheinende  Ge- 
steine  wie  Perl  it.  Obsidian  und  an  ihrer  Oberflache  die  schaumig  zelli^en 
\arietiiten  derselben ,  die  Bimssteine.  Der  Wassergehalt  mancher  solcher 
natiirlichen  Gliiser  ist  ebenfalls  als  ein  Resultat  der  raschen  Erstarrung  anzu- 
sehen.  in  Folge  deren  die  Entweichung  der  Wassertla'mpfe  verhmderl  wurtle. 
wahrend  diese  bei  langsamer  AbkUhlung  allmahlich  ausstromen  konnten. 

Ahgeseheu  von  der  Gesteinsalinlichkeit  der  Basalte  und  Trachyte  mil  den 
echten  Laven  sind  es  die  Lagerungsverhaltnisse,  durch  welche  die  eruptive 
Entstehung  der  ersteren  auf  das  untriiglichste  be\viesen  wird.  Diesell»en 
steigen  als  Gange.  welche  sich  zum  Theil  vielfach  verzweigeu,  durch  das 
Nelienizestein  und  bilden  an  dessen  Oberflache  angelangt  ent\\eder  Kuppen 
oder  l>reiten  sich  in  Form  von  horizontalen  Decken  aus.  Die  (iangmasse  um- 
sehliesst  nicht  selten  GesteinsbruchstUcke.  welche  aus  der  Tiel'e  stanunen  und 
durch  die  Gluth.  der  sie  ausueset/.t  \\aren.  verglast  oder  gebrannt  erscheinen. 
Manche  Basaltgiinge  z.  B.  Islands  sind  genau  wie  gewisse  Laxagiinge  untl 
Strome  ties  Vesuvs  nach  ihren  Bejirenzuni:sllachen  zu.  \vo  die  AbkUhlung 
schneller  vor  sich  ging,  als  glasarlige,  oder,  wenn  die  mittleren  (ianiizonen 
grobkornig  sind,  als  dichte  Massen  ausgebildet.  Dasselbe  ist  an  Quarztrachxt- 
uiiiiLien  beobachtet  wortlen .  in  denen  sich  ausserdem  eine  den  Saalhiindern 
parallele.  schieferige  Sti*uctur  enlwickelt  hat.  Reibungsflachen  an  den  Wan- 
dunuen  des  Nelienuesteines  sind  an  manchen  Punkten  hekannt  (so  auf  Island, 
bei  Sieuen'1.  Auch  Umwandlungserscheinun^en  im  (lontacte  der  Traclnte.  na- 
mentlich  aber  der  Basalte  mil  dem  Nebenue.steine.  \velche  der  Einwirkuni: 
holier  (iluth  zugeschrieben  \\erdeu  miissen.  sind  an  sehr  zahlreichen  Punkten 
benbachtet  worden.  An  den  Basalt  angrenzentle  Sandsteine  sind  von  diesem 


IV.    IVtro.UtMietUrh''   ',  M-uluuit'.  207 

\erhiirtet.  uel'rittel  uiul  \eruiasl  i«lrr  iilmlirh  \\ie  (lestellsteine  in  Hoehofen  mil 
prismatischer  Absond.'riuu:  \erschen.  Thorn-  in  Porcellanjaspis  mngewandell 
uiul  Braunkohlen  verkokt  \\orden.  Aehnliehe  Krscheinnnuen  hat  man,  \\enn 
auch  seltener.  iin  Contacte  mil  den  Trach\ten  beobaehtet.  Yerhaltnisse .  wie 
die  «.|,,MI  beschriel.enen.  siml  rbi'iisu  \\rnii:  \\ie  die  pelrographische  Yer- 
kniipfuni:  «ler  Ba>alte  und  T  radix tp-sleine  mil  den  heutigen  Laven  einer 
anderen.  als  einer  eni|»ti\en  Deuluni:  lahii:. 

§.  »>.  Eruptive  Natur  gewisser  Granite,  sowie  der  Felsitporphyre, 
Syenite.  Melaphyre,  Diorite,  Diabase.  Aehnliche  Belege,  wie  die  el>en 
inituetheilten.  stehon  uns  behufs  Beweistulirunij;  des  eruptiven  Ursprunges  der 
Irtilier  als  plutonisch  bezeichneten  Gesteine  zu  Gebote,  deren  Hauptreprasentant 
der  Granit  ist.  Bereits  bei  Gelegenheit  der  petrographischen  Beschreibung 
desselhen  (pag.  49)  ist  hervorgehoben  \vorden,  dass  gewisse  Vorkoniinen 
dieses  (lesteines  als  iniichtige  Glieder  der  altesten  sedimentSren  Schichtenreihe, 
nehmlich  der  laureutischen  oder  Ur-Gneissformation  zu  betrachlcn  sind,  \viih- 
rend  andere  als  erupliv  bezeichnet  \vurden.  Nur  letztere  konnen  an  dieser 
Stelle  in  Betraeht  kommen. 

Petrotiraphisch  ist  dieser  Granit  durch  ge\\isse  (neuseelandische)  krystal- 
linisrh  k5rnige  Quarztrachyte  mil  den  vulkanischen  Gesteinen  in  Zusainmen- 
lunu  geln-iu-ht.  Wie  bei  diesen  erklart  sich  die  Ausbildung  der  Mineralindi- 
\iduen,  sowie  der  Quarzreichthum  des  Granites  durch  die  Mitwirkung  von 
iilierhit/.ten  \\assern  oder  Wasserdiiinpfen  bei  seiner  Eruption  und  allmiihlicben 
(.esteinsuerduni;.  wofUr  die  Wassorporen  der  Quarae  und  F.ldspathe  zahlrei- 
c-her  (iranite  sprechen.  Eine  solche  hydatopyrogene  Enstehungstheorie  lost 
auch  den  Widerspruch  gegen  einen  eruptiven  Ursprung  des  Granites,  \veli-lier 
in  der  Krstai  runusfolge  der  Granitmineralien  zu  liegen  schien.  Davon  ausgehend, 
das  am  sch\vierigsten  schmelzbare  Mineral  bei  eintretender  Al)kUhlung 
auch  zuerst  erstai-re.  lititte  sich  nach  den  verschiedenen  Graden  ihrer  Schmelz- 
harkeit  zurrsi  nuaiv..  \iei  spiiter  Feldspalh  und  endlich  Glimmer  aus  dem  ue- 
ineinsaiiien  Mauina  ausscheiden  mUssen.  Die  Beolmchtung  der  Aggregation  der 
<'iiv/elnen  granitischen  Bestandtheilc  lehrt  jedoch  in  vielen  Fallen  gerade  das 
(ieiientheil.  Diese  Thatsache'  wurde  oft  als  Beweismittel  gegen  eine  Entstelmnij; 
des  Granites  auf  erupli\rm  Weire  angewendet.  Auf  der  einen  Seite  machte 
j,.(|ocli  Hun  sen  ilarauf  ant'merksain ,  dass  der  Erstarrungspunkt  eines  ftlr  sich 
allein  ues<  lini.)l/enen  Korpers  nicht  derselbe  ist,  wie  der,  bei  welchem  er  aus 
seinen  Liisiingen  in  anderen  Korpcrn  fesl  wird.  sondern  in  letzlerem  Falle 
aU88€f  \on  dem  Drucke  hauptsiiehlich  von  dem  relativen  Verhiiltnisse  der  sich 
ueliisi  haltenden  Snhstan/.en  hedinut  \\ird:  auf  der  anderen  Seite  xenn.iuen 
sirh  nai-h  I)aul»i-ee  die  Silicate  miter  dem  KinllusM-  des  mit  granilischer  M.-INSC 
tieinenLzten  Wassers  in  einer  Reilu-nfolge  aiis/uscheiden.  \\»>lche  nl't  ihrein  Schniel/.- 
punkte  /imider  liiuft.  Kndlich  hat  X  irk  el  gezeigt,  dass  in  echten  l.a\en  so- 
wohl  der  Augit  Leucitkrystallchen.  \\ie  der  Leueit  Augilkrystiillchen  umschliesst. 
Danach  hat  sich  bald  der  leicht  sclimel/bare  Augil.  bald  der  schwer  sclimel/.- 
baiv  Keucil  xnerst  ausgeschieden .  es  findet  also  eine  bestimmte  Reihenfolge 
in  der  I;.rstarrung  der  Mineralelemente  der  Lava  nicht  stall.  Die  aus  der  Er- 


Oils  IV.    IVtn^cncliM-hr    (i 


der  Granilgemengtheile  ahgeleiteten  Ucucise.  dass  diodbcn  nicht 

.HIV  gluthlliissii:em  Materialc  anskrxstallisirl  scicn  .  hahcn  demnach  ihre  Stiil/.c 
verloren.  Niclils  alter  ist  mehr  <l;i/.u  angethan.  die  AttSSdbeiduUgsf^higkeit  des 
granitischen  Onar/es  ;iirs  cincr  geschmol/enen  .Masse  x.ii  cr\\ciscn.  als  das  Vor- 
koimiien  /ahlreicher  (ll.iscinsclilUs.se  iin  Quarze  \iclcr  KrupliNgestcine.  /..  H.  dcr 
IVchstcinc  \on  Arran. 

Ronnie  auch  aus  dem  pelrographischen  Cliaraklcr  dcr  (iranitc  nur  so  vicl 
uorlilosscn  \\crdcii,  dass  cr  mil  den  an  cin  EruptivgQStein  zu  slcllcndcn  An- 
fordenin.m'n  nicht  iin  \Yiderspruch  stcht,  so  \sciscn  die  LagerungSverhSllQUM 
i:c\\isser  Granite  denselben  mil  grdssler  Bestiinintlu'it  einen  Plal/  untcr  dcr 
Zahl  iler  cruptiven  Gesteine  an.  Die  Krupti\iu-anite  durclisct/.cn  in  /.inn  Tlicil 
schr  iniichtigen  Giin^en  und  Stocken  das  Xebengestein  und  vei7.\\«'iucn  sich  in 
dicscin  durch  \veitreichende  Apophysen.  Sie  haben  BruchslUcke  des  Nelicn- 
jcstcines  von  oft  eolossalen  Dimensionen  losgerissen,  diese  urnschlossen  und  in 
vielen  Fallen  mil  sich  in  ein  hoheres  Niveau,  ja  inanche  Schollen  ant  ihrcni 
Riicken  hoch  liber  deren  einstmalige  Lagerstatte  gehobcn.  Die  Wandunuen  des 
Ncbcngesteines  dieser  Granitgange  sind  nicht  selten  glatl  i:eschciiert  und  mil 
vielen  geradlinigen  Furchen  versehen,  —  Reibungserscheinuneen  ,  \velchc  dem 
izcwallsainen  Hervordringen  von  granilischem  Materiale  in  einer  Spalte  zuge- 
schrieben  \verden  iniissen.  In  manchen  Fallen  sind  auch  wohl  die  der  ur- 
spriinglichen  Spalle  zugewandten  Schichlenkopfe  verbogeu,  geknickt  odcr  jjc- 
gewunden,  oder  es  ist  der  Granil  zwischen  dieselben  hineingepresst  \vorden. 
Auch  die  petrographische  Ausbildung  der  granitischen  Gangaosfdllungsmasw 
selbst  harmonirt  vollkoininen  mil  gewissen  in  Basaltgangen  beobachleten  Thal- 
sachen.  In  der  Mitte  grobkornige  Granilgange  und  Slocke  werden  im  Conlacle 
mil  dem  Nebengesleine  feinkornig,  ja  felsilisch,  oder  uehmen  eine  scliwach 
flaserige  Slruclur  an,  wahrend  bei  Apophysen,  welche  sich  von  der  Hauplgra- 
nitmasse  aus  in  das  Nebengeslein  verzweigen,  die  Grbsse  des  Kornes  mil  der 
Machligkeit  derselben  abzunehmen  pflegl,  Umsliinde,  welche  von  dcr  Sclmcl- 
ligkeit  der  Abkiihlung  und  Erstarrung  des  glulhflUssigen  Gemenges  abhiingig 
\varen. 

Von  Wichligkeit  fur  die  Deulung  des  Ursprungs  der  besprochenen  Granite 
sind  die  Contactinctamorphosen  derselben.  Kalkstein  wurde  an  ihrer  Grenze 
in  Marmor  umgewaudelt  oder  mil  den  mannigfaltigsten  Mineralien  impriiunirl, 
Thonschiefer  in  Fleckschiefer,  Chiastolithschiefer  u.  a.,  zuweilen  al>er  auch  in 
Hornfels  melamorphosirt,  Alles  Vorgiinuc.  \\clchc  nicht  nur  auf  hohc  Wiirmc- 
i;rade,  sondern  namenllich  auch  auf  die  Zufuhr  granitiseher  Mineralsnlistan/cn 
in  Form  von  Losungen  in  den  uberhit/.ten  Eruplivgewasscrn  tics  Granites 
schliessen  lassen.  —  Aus  der  Gesammtheit  aller  dieser  Beobachtungcn  geht 
als  Resultat  hervor,  dass  an  dem  erupti\en  Ursjirunge  gewisser  Granite  nicht 
•.it  -/.Nvcifelt  werden  darf. 

Die  librigen  alteren  krystallinischen  .Massengesteine  zeigen  in  ihrem  petro- 
gra|)hischen  llabilus,  in  ihren  Lagerungs-  und  Contactvcrhiiltnissen  /.inn  grossen 
Theile  solche  Analogien  mil  dem  Granite,  dass  man  ihnen  dieselbe  Ursprungs- 
\veix-  \\ic  diocin  /nci'kennen  muss. 


IV.    IVtio^cnctiM'lif    (lenitive.  209 

Dcr  Fe  Isi  t  porph  \  r  isl  ein  Aggregat  derselben  Mineralspecies  wie  der 
Granit  mid  untcrscheidcl  sich  \<>n  diesem  nur  in  der  Art  der  petregraphisofaei) 
Ausbildung  derselben.  I'.s  M-heint .  als  \\enn  sich  in  Folge  einer  anfanglich 
sehr  langsamen  Abkiihlung,  viclleielit  \\iilirend  des  Emporsleigens  dcr  gluth- 
Ililssigen  Masse  \\oliii  /crbrochene  Feldpathkr\  stalle  ini  Porphyr  spreehen), 
die  griisseren  Krystallindi\  iducn  ausgeschiedcn  hiitten,  \vlihrcnd  die  dichte  Gruiul- 
inassc  hciin  Ki-rciclicii  dcr  Krdoberllache ,  Uber  welche  sich  der  Felsitporphxr 
hiiulii:  dcckcnartii;  aushrcitctc.  rasclici1  crstarrtc,  das^ciicn  bci  tileichmiissig  fort- 
daucnidcin,  lanusainciii  Fcstwcrden  cin  ijranitisches  Gefiliic  aniicnommen  halicn 
\\iirdc.  I'.s  sicht  soinit  dcr  Fclsitporphyr  in  deinselben  Vorhiiltnisse  /.uni 
(Iranilc.  \\ic  porpli\ risdicr  Quar/trach\t  zu  seinen  krystallinisch  kornigen  Varie- 
tiitcn ,  und  ist  in  Handslilcken  oft  kauin  von  den  echlen  vulkanischen  Quar/- 
(racliUcn  /u  untcrscheiden. 

Die  PelsUporphyrggnge  durchsetzen  in  zurn  Theil  rneilenlangen  und  dann 
schr  machligen  Gangen  oder  gcwaltigcn  Stb'cken  die  Schichten  der  palaeozoisclicn. 
sclicn  der  jttngeren  Formationen,  oder  altere  Eruptivgesteine,  senden  Apophysen 
in  das  Ncbcngestein  und  unifassen  BruchslUcke  desselben  oft  in  solcher  Menge, 
dass  porpliNrischc  llcibungsbreccien  entstehen,  und  nehmen  nach  ihren  Begrcn- 
/un^slliiclicn  zu  nicht  selten  saulenfdrmige  oder  plattenformige  Absonderung  an. 
CoiitaeUeiiiiulcnmgen  von  Seiten  der  Felsilporphyre  sind  weniger  hauh'g  und 
ha  ben  sich  nanientlich  in  Umwandlung  der  angrenzenden  Steinkohle  zu  einer 
koksiihidichen  SubsUinz  bethiitigt  (so  auf  der  Fixsterngrube  bei  Altwasser  in 
Schlesien  .  Eine  andere,  sehr  gewohnliche  Lagerungsform  der  Felsitporplnre 
ist  die  als  Kuppen,  Lagergange  und  Decken.  Dieselben  slehen  an  irgend  einer 
Stelle  init  \\irklichen  gangarligen  Gebirgsgliedern  in  Verbindung  und  haben 
l»is\\eilen  sehr  bedeutende  Ausdehnung  und  Machtigkeit.  Die  Porphyrdecke 
von  Botzen  und  Meran  in  SUdlyrol  bedeckt,  ebenso  wie  die  des  Leipziger  Krei- 
scs,  cin  A  real  von  20  Quadral-Meilen.  Beide  sind  an  ihren  Randern  von  Bruch- 
stiicken  des  Nebengesteines  angefdllt  und  dadurch  breccienartig  ausgel)ildet. 

Als  cigenthUinliche,  durch  rasche  Erstarrung  des  gluthflUssigen  Magmas 
bedingte  Modificationen  des  Felsitporphyres  sind  Felsitfels,  Pechsteinpor- 
l>li\r  und  Pechstein  zu  betrachten.  Die  beiuen  letzteren  sind  naltlrlichc 
(iliiscr.  dcren  Gchalt  an  Wasser  ebenso  wie  der  der  Obsidiane  durch  Verhin- 
derung  dci  Vcrdainpfuiii:  in  Folge  raschen  Erkaltens  enno'glicht  wurde,  und 
\\eli-he  die  ini  Felsilporphyre  l)ereits  krystallinisch  gesonderten  Bestandtheile 
iHK-h  mi  Zustandc  eines  liomogenen  Magmas  enthalten.  Audi  Tuffbil- 
d  nn  gen  haben  die  Kruplionen  der  Felsilporphxre  begleitet  und  das  Material 
der  Thonsteine  (Felsittufle)  geliefert.  * 

Die  Syenite  stehen  mil  den  Graniten  in  so  engem  und  zuin  Theil  durch 
I'bcrgiinge  \crniittcltcin  Zusanunenhange ,  dass  ihnen  dieselbe  Ursprungsweise 
nicht  abgesprochen  \verdcn  kann.  \Vir  linden  sic.  wie  bereits  pag.  55  mit- 

getheilt.  genau  wie  den  Granil  in  Fun iichtiger  Zwischenlagerungen  zwischen 

sNenitischcn  (iiicisscn:  auf  der  anderen  Seite  sind  stock-  und  gangfonnige  Vor- 
koiiunnisse.  sowie  Contaelmetamorphosen ,  z.  B.  Umwandlung  \on  Kalkstein  in 
.MariiKir  auf  Sk\c,  fiir  die  erupli\e  Natiir  dcr  ilbrigen  S\cnile  charaktcrislisch. 

i' re  ilnc  r,   ElementP  il    tii"iln',;ii'  j^ 


210  IV.   PetroiitMietUrho 

Die  Diorito,  Melaphyre  und  Porp  h  \  ri  le  sind  durch  die  Unrnlilonde- 
Andesito  init  den  Traelnlen,  die  Diabase  mil  den  Doleriteu  und  Plagioklas- 
Basalten  petrographisch  ;iuf  das  innigsle  verkntipfl  und  in  einen  genolischcn 
Xusammonhang  gebracht ,  \\elclier  dadurch  einc  noch  grossere  \Vahrschoinlich- 
keit  erhiilt,  dass  sich  die  charaktoristischeu  Lagerungsformon  der  iibrigrn  Krup- 
ti\gesteine  bei  don  Dioriten,  Molaphyren  und  Porplm-iten  \\iederliolen.  Sic 
treten  als  Giinge ,  Sto'cke,  Kuppen  an  die  Erdobordiicho ,  zeigen  haufig  nach 
ihren  Grenzlliichcn  xu  platten-  oder  siiulenformigc  Slruclui1  oder  ein  Foiner- 
\\erdeu  ihres  Kornes,'  sind  zum  Theil  als  .Mandelsleine,  also  urspriinglich  als 
Schlackensteine  ausgebildet.  uniliiillen  hier  und  da  gowaltsam  losi:espren<zi»' 
Hnichsiiicke  der  anuren/.enden  Schichlen  und  haben  diese  let/teren  hisweilen 
durch  Kin\virkun»  hydro-chemischer  Processe  mil  Hlllfe  ihrer  Eruptiv^cv 
metaniorphosirt  (z.  B.  Verkokung  der  Steinkohle  durch  Melaphyr  im  Saar-(ie- 
biete,  Um\vandlung  der  Schieferlhone  durch  Melaphyr  in  dem  Bandjaspis  ahn- 
liche  (lebilde  bei  Ilinenau).  Sie  treten  ebenso.  wie  die  Diabase,  sehr  geuohn- 
lich  als  Lager  auf.  welche  sedimentaren  Schichlensystemen  regelmifssig  einge- 
schaltet  sinci,  mil  ihnen  wechsellagern  und  an  alien  Biegungen  und  Knickun- 
gen  det'sclben  theilnehmen  (so  in  Nassau,  im  Voigllande,  Bohnien,  Xe\\-.lersc\ . 
am  Lake  Superior).  Es  kommt  auch  vor,  dass  Ga'nge  plotzlich  in  Lager  iiber- 
gehen  und  sich  dann  wieder  als  Giinge  emporrichlen.  Solche  Lagerungsfor- 
men  ko'nnen  nicht  befremden,  da  \vir  sie  bereits  bei  den  Basallen  und  Felsit- 
porphyren  kennen  gelernl  haben.  Auch  die  Tuffbildungen  dieser  beiden  (ie- 
steine  finden  \vir  l>ei  den  Eruptionen  der  Augilporphyre ,  Melaplnre.  nament- 
lich  aber  der  Diabase  wieder.  Die  Melaphyre  im  Rolhliegenden  von  Bolnnen 
sind  grosslentheils  echle,  lavaartig  geflossene  Strdme  und  stehen  mil  un/\vei- 
felhaften  gangarligen  Durehbrilchen  in  ersichtlicher  Vei'bindung.  Die  I'mge- 
bungen  der  letzteren  sind  dann  gewb'hnlich  wahre  Aschen-  und  Schlackeu- 
felder. 

Lassen  sich  auch  noch  mancherlei  nicht  leicht  zu  beaiU\\ortende  l-'ragen 
mil  Bezug  auf  die  Theorie  von  der  hydatop\n>geneu  Entslehungs\\eise  der 
Granite,  Syenite.  Griinsteine,  Melaphyre  und  verxvandter  Gesteine  geltend  ina- 
chen,  —  in  der  Ansicht  von  dem  eruptiven  Ursprung  derselben  stimuli  die 
grosse  Mehrzahl  der  Geologen  iiberein.  Ihre  Anschauungen  Uber  die  Modali- 
taten  dieser  Voi'giinge  \\erden  freilich  stels  je  nach  der  Richtung  der  \\issen- 
schaftlichen  Sludien  der  Einzelnen  und  je  nach  der  G rosso  ihres  Beofoachiangs- 
st  hatzes  auseinander  gehen. 

Zu  den  aus  glnlhflussigoni  Zuslande  durch  Abkiihlung  in  den  leslen  ilbor- 
gegangenen,  der  Nalur  ihifs  Ursprunges  nach  aber  nicht  zu  den  eruptiven. 
als  aus  dem  Erdinneren  emporgedrungenen  Gesteincn  gehdrt  die  ersle  Er- 
starrungskruste  der  Erde.  Hal  man  auch  zeitweilig  ge\visse  Gneisse  als 
Repriisentiinten  dersolbon  ansprochen  x.u  diirl'ou  geglaubl,  so  sind  doch  die 
iiltosten  Krstarningsgcslcme  noch  an  keinem  1'unkle  der  Krde  mil  Sicherheil 
nachgewieson.  \iclmelirseheinen  die  als  solehe  beanspruchton  Gneisse  der  iilte- 
sten  Sedimentiirroniiation  anzugehoren .  N«MI  \\dclier  die  Mrstarrungskrusle 
liberal  I  izleichm.issiL!  bedeekt  \\ird. 


IV. 


B      Die  SedimentargesteLne. 
§.  7.     Entstcluiii!:   und  Material  der  Sediment  iinn'steiiie.    Als  Sodi- 

m.-ntiirgesteim-    br/rirhnet     man    Minoralaggregato  .     \velchc    enlNNcder    ;uis    eiuri 

wasserigen  Uteung  ausknsiallisin  oder  aus  rnecfaanisdien  AbrtRMM  des  Wassers 

befvorgegangMl  sind.  Die  Meiston  derselben  sind  Ablagorungon  des  Mrcrrs, 
wjihrond  Srhichlrn.  die  dmvh  Ouellen  und  Flusso.  in  SUmplon  und  Seen  ge- 
bildet  \\nrden,  nur  cine  untergeordneto  Stellung  einnehmen  ,  \vie  sich  dies 
.ins  den.  \Yi-deirhr  der  duivh  das  Meer  und  die  sUssen  Gewiisser  oinuenoinn.enen 
Aiv.ii,'  eruiebt.  M.in  reelinet  luerlier  lediglich  Bodensatze  chemischcn  oder 
m«vh,imsi-hen  rrsprun^os,  schliesst  aher  Gangbildungcn  und  Ilohleninerusta- 

tioneii  aus. 

Das  .Material  aller  Sediinentiiriiesleine  stainmt  von  der  ZerstOrunii  iilterer 
Ix-reils  \<>rhamlener  Gesteinsinassen  durch  die  chemische  oder  mechaniselie 
Tliiitijik.-it  des  \Vassers.  rrspriiniilieh,  also  in  jenen  entlcgencn  Zeitriiunien. 
uiiluvnd  deren  sich  das  erste  Wasser  auf  der  ErdoberflHclio  eomlensirte  ,  \%ar 
dfese  /erstiirende  Thiiliijkeit  auf  die  Krstammgskruste  des  Haneten  beschriinkt. 
l-irst  naehd(>in  ilir  das  Wasser  StolVe  enl/ogen  .  eine  '/oil  lanii  in  Auflosiinu 
udcr  Su>pensinn  orhalton  und  in  einer  veranclerten  Gestalt  wieder  abijosot/l 
halte.  narhilein  terner  oniplivo  Masson  die  Krdkrnste  dmvlibrochen  und  deivn 
Oli.Tlliiehe  n-reicht  hatten  .  inaehte  sich  cheniisehe  Zerset/Ain»  und  Aul'losimj:. 
so\\ie  nieclianische  Wegselnvemmung  auch  auf  sie  geltond,  um  neuhildend 
\\irkon  zu  kbnnen.  Dio  jungen  Gcsteinsproducle  verfallen  demselben  Schick- 
salr.  Das  Matorial  der  ursprOnglichen  Erslarrungskruste  befindel'  sich  doninach, 
\\i«-  aus  der  Schildoninii  der  geologischen  Thatigkeit  des  Wassors  im  vori-en 
Al.sdinitle  horvorgoht.  iin  stoloin  Kreislanl'e  und  ersehoint  unaufhorlich  in  neuem 
i.rvs.md.'  und  in  neuer  Form.  Vermehrt  und  vorviollaltigt  wird  dieses  iilteste 
(u-steinsinaterial  oinerseits  durch  die  zahlreichon  ICruplivgebilde  ,  wio  sie  soil 
d.-i-  I'.nlstehung  der  ersten  Krstarnnigskrusle,  IVeilieli  in  vorhiillnissmiissiL;  s.-lir 
uoringor  riiuinlichor  Ausih'hnung,  liorv(irgi-ti-rton  sind,  anderei-seits  durch  die  Koh- 
Icnsiiure.  \velche  jilliniihlich  dor  Atinosphiiro  enlxogon  \vurde,  und  dann  als 
M.lchc  oder  als  KohlonstofV  und  Kohlenwasserstoff  einen  wichligon  Anthoil  an 
drui  Aufbau  dei-  sediinentiiren  Seliiclitenivilie  naluu.  Ahnliches  gilt  votn  Wasser, 
wrlrlio  sirli  in  glrirhoni  Selirilte  mil  der  AbkUhlung  der  Krdr  aid'  dieser  ron- 
drnsirtr  und  \.-nnrhrle.  Auf  dieser  sioh  slols  \\iederholenden  Heproduclion 
drs  minrralisrhcn  Sloll'os  beruhl  (lie  \  ••rhiillnissmiissigo  Kinformigkeil  des  prlro- 
graphisclu-n  Habitus  der  scdinientiiren  Scliichtenreilie.  so%vie  die  riiniiiL-lirhkeit. 
im  Allgomoinon  das  Alter  einrs  Srdimenlargesteinos  an  soinom  petrograpliisdien 
Charaktrr  /u  rrkrnnen. 

Dio  1'r.M-osse  drr  clirmisi-ln'n  und  moohanischon  /erslonmg.  des  Transposes 
und  Wiederabsat/.es  des  (Irsteinsmaterialrs  durch  das  Wasser  sind  in  \orhor- 
grh.-mlon  Ahsrhnitlon.  nainenllirh  pag.  138  und  fnlgrndr.  l.rs.-hrieben  \v(»rdon. 
Aus  jenei'  S.-hildoning  gohl  /.ugleicli  horvor.  dass  die  (  irstrinsbildunu  ontxNedrr 
in  dom  einlachen  Wirdrral)sal/r  goliislor  odor  lurlgH'nhrlrr  Substan/.en  bostrhrn 
kann  odrr  abrr,  dass  sir  der  V.-rmillrliing  \«.n  Orgaiiismni  bedarf.  In  ersterem 

14* 


212  IV.    IVtrom'iu'tisrhi-    (Jcolouir. 

Falle  erscheint  d;is  Gestein  ;ils  cine  Host-  Anhiinfung  von  .Mincralstofl'en  untl 
vvird  mincrogcn  gcnannl,  in  lelzlerem  isl  es  \\esentlieli  oder  ausschliessli^h 
aus  den  Ueberresten  organischer  Kb'rper  zusaininengr.seizl  nnd  \\ird,  je  nach 
dfin  diese  soleho  von  Thieren  oder  von  Pflanzen  sind,  ills  zoogen  oder  ph}- 
togt'ii  bezeichnet. 

§.  8.  Charakteristische Kennzeichender Sediinentiirgesteine. 
satze  zu  den  Eruptivgcstcinen  niachen  sich  die  Gesteine  sedimenUiren 
als  solche    dadurch  kcnnllich,    dass   folgcndc  Kennzeichen    Hirer  Mehrzahl   naeli 
\fn'int  an  ihnen  vorkommen: 

1)  Schichtung,  also  der  Aufbau  einer  grb'sseren  Gesteinsinasse  aus  lauter 
einxelnen  zuin  Theil  vollkoinmen  verschiedenarligen ,  durcli  parallcle  Fliiclicn 
lu'iii-enzten  Lagen,  Schichten,  Banken,  wodurch  sich  eine  successive  Ablagerung 
und  Bildung  des  Gesteines  kundgiebt.  Hand  in  Hand  mil  ihr  pflegt  ciiit-  den 
Schichtungsfliichen  parallele  schieferige  Structur  der  Gesteinsrnasse  /u  gclu-n. 
Schichtung  vereint  mil  Schieferung  sind  untriigliche  EigenthUinlichkeilen  der 
Sedimentttrgesteipe. 

2).  Das    zum    Theil    den   Rest    des   Gesteinsinatcrialcs    Uberwiegende    Vor- 
koininen  von  Rol  Is  ttickeu,    deren  Entstehungsweise  ohne  Beihillle  dc.s   \\  ;is 
sers  nicht  gedacht  \verden  kann. 

3)  Das  Auftreten  der  Reste  von  Thieren  und  Pflanzen,    welche  von 
Schlamin  umhiillt  entweder  als  Abdruck  erhalten    oder  in  Mineralsubslanz  um- 
iit-wandelt  wurden. 

4)  Durch  das  Auftreteu  von  Wellenfurchen,  ferner  der  Eindriicke  von 
Regentropfen  und  der  Pseudomorphosen  von  Kochsalz  auf  der  Ober- 
tliiche  der  Schichten. 

§.  9.  Minerogene  Sedimentargesteine  mechanischen  Ursprunges  l'i-- 
trographische  Geologic  sub  67,  69,  70,  71,. 72,  73).  Sie  beslehen  giinzlich  odei- 
doch  voi'vvaltend  aus  den  mineralischen  ohne  Mitwirkung  organischer  Kiiipci 
zum  Absatz  gelangten  Fragmenten ,  Gemengtheilen ,  Auslaugungsproducten  und 
Verwitterungsrlickstiinden  alterer  Gesteine,  ohne  dass  jedoch  Einschlilsse  \on 
organischen  Ueberresten  vollkoinmen  ausgeschlossen  waren.  Sie  werden  dein- 
nach  von  durch  das  Wasser  zerkleinerten,  zerriebenen,  nach  ihrer  Grosse  ge- 
sonderten  und  geschlaminten  Bruchstilcken  alterer  Gesteine  gebildet,  welche  dei 
Mehrzahl  nach  durch  ein  weit  jilngeres  Cement  verkittet  sind. 

Die  hauptsachlichsten ,  die  Ubrigen  bei  Weitem  Ubervviegenden  Glieder 
der  sediinenla'rcn  Schichtenreihe,  die  thonigen  und  sandigen  Gesteine  und  nt-lx-n 
ihnen  die  Conglomerate  und  Breccien  gehb'ren  dieser  Abtheilung  an. 

Mil  Bezug  auf  Entstehung,  Transport  und  Absatz  des  sie  bildenden  Ge- 
steinsschultes  rnuss  auf  den  Abschnilt  ilber  »meehanische  Thiitigkcit  dt-s  \Vas- 
sers«  pag.  165  ver\\iesrn  werden.  Aus  der  ZertrQminerung  der  Gesteine  durch 
den  Frost  und  durch  Bergstiirze  gehen  Haufwerke  von  eckigen  (lesteins- 
bruchstdcken.  durch  Forlschwemmung  und  dadurch  bedingte  Abrundung 
der  lelzteren  RollstUcke,  durch  forlgeset/len  Wei  tor  I  ran  sport  und  damil  Hand 
in  Hand  gehende  Zerkleinernng  kiesartige  Korner,  endlich  noch  kleinere 
S;i  nd  kiiriii- r  ln-i-\or.  \\  iihivnd  die  leinsten  Sell  I  a  in  in  I  li  e  i  leh  e  n  in  noch 


IV.    IVImp'iii'liM'lir    (iculrt-ic. 


K  iitf.-numu  ii.-liM.mMi  uml  als  Srl,lanm,s.-l..rl,l.Mi  abgesettt  urrd.Mi.  Dir 
Gfttsse  der  Grslrinsfranmrntr  nimint  drmnaoli  mil  drr  Entferoung  von  ihrrm 
r.-spnu^sorlr  ah.  ihrr  Abrundung  hin^rn  in  iih-ichom  Sohrillr  zu.  Durch  die 
M>lagerung  drr  Hollslil.-kr  und  Kornrr  rnlslrhrn  lose  Accumulate.  Warden 
dir  Zwischenraume  z*isrhrn  ihivn  rin/.clnm  Grrbllrn  uml  Kbrncrn  durch  cm- 
geschwemiates  frim-s,  thoniges  oiler  sandi^rs  Material  oder  durch  den  Absatz 
rinrs  kalkinrn.  kirsrligrn  oder  eisenschUssi^-n  Cementes  aus  eifadringendeo 
Ilineralaolutionen  ausgetellt,  so  dass  die  sonst  losen  Fragmente  zu  einem  mrhr 
od.-r  ^eniger  l.-strn  (u-strim-  xcrkittrt  wcrden ,  so  cntstchcn  aus  dem  llmif- 
xxrrke  vonedugwi  Fragmenten  Breccien,  aus  dcncn  von  RollstUcken  grblxMv 
O,|,T  I.MII.MV  Conglomerate,  aus  den  Ablagerungen  von  Sand  Sandsteine, 
uahrcnd  dir  Schia.n.nscliichlon  zu  Lchm  und  Thon  verhartcM!  odor  duivli 
rrlM-rla-rrum:  andoivr  (u-stcinsmasscn  und  den  dadurch  auf  sic  aiisgcublni 
Dn.ck  /u  fcs'trm  Thon  und  Schiofcrlhon  und,  falls  sie  kalkhaltig  vvaren,  zu 
M  cm. -In  und  Mergelschiefern  zusammengepresst  wcrdcn. 

/u  den  St-dir.icnt.Mi  morhiinischcn  Ursprunges  gehb'ren  auch  gevvisse  Tuffe, 
(.rstrin.-  /.u iU.M-haH.M-  Entstchung,  indcm  ihr  Gesteinsmaterial  in  Form  von 
\s,-li(-n.  l.apilli,  Sanden,  Bomben  uud  TrUmmcnverk  aus  Vulkanen  oder  Spal- 
tni  d.M-  Krdkrustc  ausiievvorfen  vvurde,  also  direct  dem  gluthflUssigen  Erd- 
inm-iTn  .Milstannnl .  NvahiTiul  sie  ihre  Ausbreitung  zu  ausgedehnten ,  gleich- 
lormiu.Mi  Schichten,  also  ihre  Lagerungsform,  ihre  nicht  seltene  Versleinerungs- 
fUhruog,  Urn-  iheilwnse  Zersetzung  dem  Meere  oder  Seen  verdanken,  in  vvclche 
sir  nicd.M-ti.'lon. 

§.   10.    Minerogene  Sedimentargesteine  chemischen  Ui-sprnnges. 

sirher  als  solche  erkannlen  Gesteine  spielen  von  der  Silurperiode  ab  bis  auf 
uns.MT  Xoil  mil  Bezug  auf  ihre  Miichtigkeit  eine  verhaltnissmassig  untergeord- 
,u,lr  Uullr  ii.  drm  Aufbau  der  sedimentaTen  Schichtcnreihe.  Chemischen  Nieder- 
s.hla-.Mi  dmvh  lo.-al.-  Vrrdunslung  von  Solutionen  oder  durch  eingctretene 
Kcartion  MM'dank.M. .  st.-ls  ab-.-sehen  von  Mineralbildungen  in  Drusen  und 
SpallrnraunHM.  Kalktuff,  Travntin,  Erhsenstein,  Rogenstein  sowie  mancho  kor- 
ni-r  Kalksli-im-  und  Dolomite,  ferner  Kiesrlsinter,  kryslallinischcr  Quarzsand- 
siri.i.  gewisse  als  normalo  Kml^mm^Mi  auftretende  Spalhelscnsteine  und 
Brattneiaensteine,  Anhydrit,  Gyps  und  Steinsalz  zvveifellos  ihren  Ursprung.  Von 
,|i«-s.Mi  isi  dir  Bildung  NOU  Kalktuff,  Travertin  und  Brauneisenstein  ben-its 
,ui!  S.-ile  160,  die  von  Kii-srlsinler  und  l-j-bsc-nslrin  |>au.  161,  die  Entstehunu 
,1,-r  Minrrallosunurn  aber,  aus  d<Mi«-n  si.'h  di<>  sJimmtli.-hen  gcnanntcn  Gesteins- 
arten  ausgeschieden  hab,-n,  pag.  U3  u.  f.  besprochen  vvorden.  Es  blcibt  des- 
halb  nur  norli  ubriji,  den  Bildungsproces.s  rtuas  (-inuehrnd«-r  /.u  betrachtrn, 
(1,is  NN.-lrh.Mii  dir  l.au.M-statt.Mi  von  St.-insal/.  (Jxps,  Anhvdrit,  und  krystalli 
nisclicm  Ouar/sandsl.Mii  h<M-\oi-.^anu.Mi  sind. 

Dir  l.a-rrstatten  von  Sleinsalz  sind  dmvh  unmittrlbaren  Absalz  aus  dem 
Mr<M-<\s\\assrr  oder  den  Grv\;is>rrn  NOII  Binnensccn  hrrxorurjiaiigrn,  von  deron 
in  Lbsunu  vorliandenen  Bestandlhrilrn  Clilornatrium  das  hauplsachlichste  war. 
durcbschniUttche  Sal/grhall  drs  MC.MV,  brlriJgt  3,527  Procent,  welcher 
wie  loLt  Nrrtheill:  Cldornalrium  75,786,  --  Chlormagnesium  9,159,  - 


211  l\  .    I'l'I 

Chlorkalium   3,<)o7,    —    Bromnatrium     1.1*1.  sch\\elclsaurer   k.ilk    i.(il7. 

sch\\cfelsaure   Magnesia   .">..">!>7. 

In  ruhig  slcliciidcn  Sal/.losungen  sinkl  die  durch'  Yerdunslung  des  Wasscrs 
,tn  Hirer  Oberlliichc  entslehcnde  starkere  Soolc  zu  Bodcn  uiul  saiimiell  und  rei- 
ehcrl  sich  hicr  an,  so  dass  cine  /unalinic  des  Salzgehalles  von  dcr  Obcrflache 
nach  der  Tide  staltfindet.  In  ollcncn  an  Strbnmngcn  reichen  Meeren  kann 
cine  soldie  Concentration  nichl  \or  sirli  gehcn.  da  einerscits  in  Fokc  dcr  Slro- 
mungen  cine  slctc  .M  engung  dcr'/^iitrciclicii  und  sal/anucn  (icwiisscr  slattlindcl. 
andcrcrscits  die  Flilsse  das  \<'rduii>lcndc  \Vasscr  \\icdcr  crscl/cn.  In  Binncn- 
niccrcn  jcdoch,  besondcrs  in  solchcn ,  wo  wenig  und  z%\ar  scllist  Kochsal/ 
halliiics  FlussxNasscr  xuslronit ,  findol  dcrsclhe  Vor^anj:  \\ic  in  cincm  (il;isi:c- 
fa'.ssc  stall,  \Nic  hior  scnkt  sich  tiuch  in  ihncn  cine  ucsiitti-lc  Sleinsalzlosuni? 
auf  den  Boden,  aus  \veleher  Sleinsal/  auskr\slallisirl  und  durch  allinaliliclic 
Anhiiul'iuiiz  cin  Salzlaiier  bildet.  Im  Friihjahr,  wenn  die  Zuflilssr  durcli  sus- 
pendirle  Kalk-  und  Thonlheilchcn  uelriihl  sind ,  schlagen  sich  auf  dcr  Slein- 
salzablagerung  Schichlen  von  Kalk-  und  Thonsedimenlcn  nicdcr,  \viihrend  zu- 
ulcich  des  durch  die  Frilhlinuswasser  verslarklen  iirosseren  Zuflusscs  \NCUCII 
kein  Steinsdx  aus»eschieden  \vird.  Ini  Soinnier  hiiiL'cuen.  \\u  inehr  \\ 
verdunslel  als  zugefiihrl  \\ird,  cntstchen  ausschliesslich  SteinsalzablagcruiiLzen. 
im  Laufc  der  Jahre  somit  Schichleniolucn  von  al»\\eehselnden  Sleinsal/-.  Thon- 
und  Kalkschichlen.  Enlhall  das  Wasser  cincs  Beckons,  in  wclcheni  ein  soldier 
Verdunslungs-  und  Ablagerungsprocess  vor  sich  geht,  schwct'clsaurcn  Kalk.  so 
mussle  sich  dieser,  da  der  Salligungspunkl  dcs  Wasscrs  durch  sch\vcfels,uircn 
Kalk  frilher  eintritt,  als  der  durch  Chlornali'iuin.  ausscheidcn.  ehe  der  Absalz 
der  Kochsalze  beginnt,  der  erst  dann  anhob,  als  das  Meeres\\asser  zu  einer  uc- 
saUigleren  Koehsalzlosung  eingedunslel  war.  Daraus  erklarl  sich  ciiu-rsciis. 
dass  die  t'nlerlage  der  Steinsalzlagerslatten  sehr  gewohnlich  (i\ps  oder  Anh\- 
drit  ist,  sowie  dass  entsprechend  dem  Beginnc  des  zeitweise  unterbi-ochencn 
Verdunstungsprocesses,  (»yps  und  Anhydrit  in  Zwischenlagen  zwischen  den 
einzelnen  Salzschichten  auftrelen  wie  in  Stassfurt).  Absalze  von  schwefel- 
saurem  Kalke  Uber  solchen  von  Steinsalz  rtlhren  deshalb  slels  \on  ncucn 
WasserzuflUssen  her.  Finden  sich  G\ps-  oder  Anhydrillager  als  alleiuige.  niclil 
von  Steinsalz  beuleitele  Ablauerungen ,  so  isl  entweder  die  Verdunstung  nicht 
bis  zum  Satligungspunkte  des  Chlomatrium  vorgeschritten,  oder  das  abgesetzle 
Sleinsalz  ist  durch  zufliessendo  Wasser  wieder  in  den  aufgeloslen  Zustand  zu- 
rilckgefUhrt  worden.  Ftlr  die  Erscheinung,  dass  sich  schwefelsaurer  Kalk  bald 
wasserfrei  als  Anlmlrit.  bald  mil  Kr\slallwasser  als  Gyps  absented,  bieien 
dit>  Krfahrungen  der  Chemic  genilgende  Analoga.  Die  das  cine  oder  andere 
bedingende  Ursachc  diirfte  in  dcr  Grdsse  des  Druckes  zu  suehen  sein  .  indein 
ein  solcher  von  10  Alinospharcn  hinreichl,  den  schwefelsauren  Kalk  aus  seiner 
Losung  als  Anhydrit  auskryslallisiren  zu  lassen.  Dicse  Verhaltnisse  sind  auf 
dcni  Boden  eines  107  Meter  tiefen  Sees  gegeben. 

Enthaltcn  eudlich  die  Wasser  des  Binnenincercs,  auf  dessen  Boden  die 
Slcinsalzablagerung  vor  sich  geht.  ausser  Kochsalz  und  sclmefelsaurem  K.ilke 
noch  leiehler  losliclie  Salze ,  wie  Chlormaguesium .  Chlorkaliuin,  ChloiTalciuni. 


|\  .     IVIiouiMirliM-lir    licolouir.  215 

xt.|,NNclrls,,urcs  Kali.    solmolrkamvs  Nalmn   unil   sohuofolsaiiro  Magnesia    in  Solu- 
Uon      SO   xxmlrn   Sich   di,-.so   in   den   dmvl,  Yenlunslnnu  an  Menue   almohinendon 
GMVlfwn  concenlriwn  uiul  bei  **»  Ansselieidnnu  des  nrsprunuhrhen  un.l  duroh 
f,,ridanrrnd..  /iillusso   einueluhrlen  Chlornatrinm-Cehalles   allmahlioh  aim  Mullor- 
,all,M,   |,j|d,.,,.    aus  welohoc  sir   sirl,   ersl   bei  deren   vollslamliuer  Vordunslung  als 
IrsiV   Masse  auvsrheiden    and    /.u   Bod.-n    sinken.      Aus    dom   Kinirookenen    omos 
m-spnin-'lich    saJzige   H.-stamltl.ciir    rnlhall.Mulcn    Hi.nuMnn.MMVS  ,    (lessen  Zuihlssc 
,li,'s..||...|i   norli    s.-Vn.rh.vn.    wUnl,-    nacli    .li-in   rlu-n   (icsa^lrn   lim-orp-hrn  :    /.u- 
un.rrs.   cmc   Ahla.rn,,^    von  tiMKS,    .lariib,-r    rin   S.-hirht.MK-.m.pl.x    VM   Sl,,n 
^    ,,,il    .lunn,-n    l.aurn    von   Th»n,    Mor^l    odor    (lM>s    uiul    endlu-h    /n    IteH 
cine    M.laarrunu    <lrr    an.    U-i.-hlrsh-n    loslichcn  Schwefelsauron  und   llal«.l(lsal-/.(-. 
Kin     aj,,,/'    analouor    Voruanji    isl    dor    Siiulcpnurss    dcr    Salincn.      Kr    lu'iiinnl 
mi,    (',ilUM-   An.virh.M-un-    der    Soolo    dmvli  Ahdunslunii,    vvolxji   sich  Gyps    als 
IManiH-nsh-in  ahsrl/.t  :     lu-i    iurlucscl/tein   Kiukc.-htMi   lalll  n-incs  Kochsalz  n.eder, 
^aluviul  <lir  I.M.-IU  liislit-lion  Salzf.  in  der  Multcrlaugo  hlcibon  und  bcini  \MMUM-- 
r(l,-ls,-|u-(MU-nd.-n  Ahda.nptcn  sich  clu-nlaUs  ausscheidcii  wUrdon. 

Kin  horhsl   instruc-liNcs  Bcispiel   auf  die   beschriebenc  Weise   entslaudcner 
s^l/la-crsliittcn  isl  die  vonStassfurt  (siehe  historische  Geologic,  sub  Dyas,  Zechsloin- 
,,,-upp',-  .      (.an/   almliclH-   Salzlaiior    Nvilrden  heutigen  Tai^es  daduivh    enlst.-h(Mi, 
,'|;,ss  das  Koihr  Me.T   durch  Sandbankc  oder  KorallonriJVc  gegen   den  Ocean   zu 
^....Mlaiiiint    «  ilrdo.     Faelisch    aber    jjrlil    ein    solcfeer    Abla^run^sprocess    im 
To'.llcn  Meere    vw  sich.     Die  Gewasser   dcs  Ictztcron  hefinden    sich    mi  Z\i 
sl;lnd(-  ei»er  in  Folpo  lang  andaucrndcr  Verdunstung   salzigcr  Wasscr   enlslan- 
dcncn     Multerlauqe,    deren  grosser    Brommaiinesiuin-Gehalt   daraui    huidculet, 
dass  sich  aus  ihr   Leivits    viel  Ghlornatriuin    abgeschiedcn    hat.     Da   dieser  See 
n,,r    /ullussc,    abcr   koine    AbflUsse   bat,    so   kann   das   zu^lilhrlc  Wasser    nur 
din-ch    Vcrdunslnnu    riilNM-irhou    und    lasst   dcmiiach    seincn   Salzgehall   in    ihm 
/uru.-k       Dor  -Inr.lan.    d.-r  HaupUHiss  dor  sich   in  das  Todle  Moor  (M-u,csscndcn 
(irxxasscr    isl  unvorhalliiissiiiassij!  rcich  an  aiil«oloston  Hoslaiidtlioilon  und  zwar 
vorzugsweise  an  Chlornalriuin  und  Chlormagnesiuui  ,   von  denon  er  in    »00,0( 
Tlu-ilcn  von  dm,  oinon  52,  von  dom  andcrcn  25  Theile  enlhiill,   und  mil  Nvolclu-n 
,-,-  ,|ic  den  See  bildondo  Laujio  lurlNNahrcnd  anrcichert.    Aus  dicscr  l.al  s.ch  zuon 
srhNx.-ri^anrrrKalkiindSlrinsal/  ausucschiedcn,  vvahrendChlonna^n.-sunn  zurUck- 
|,lit.|,     >,,„  Ncrlicrtabcr  das  Wassor  sc-inc  I'ahi-keit  Kochsalz  .u  Ittscn  in  doinsHbrn 
(iradc    inxN.-lrhc.nscmChlonnauncsiu.n-lM-halt/uninnnl,  die  Abla^-rnnu  vonSt 
sal/,  -olil  .loshall.  bri  dor  jol/ijr.-n  IVschallcnhcit  dos  Wassors  dos  Todlon  Meeres 
mmi;((,|.|)1,),|1(-n    VQF    si,-h,    da    ihn.    dicsrs  Sal/,    .linrh    don  -Ionian    und    seme 
nbri-on   Xi.llu.ssr    immerfnrl    /uu<-lilhrl    Nxinl.    Irol/dc.n    dcr  K.u-hsal/^-hall    de; 
srlbcn    nur  S.  H    bis    15,^  I'm.-cnt   botriiizt.      NVir  sehen   son.it  in.  Todlen  Mccrr 
Hm-    d.nrh    V.-nliinslui^    ^    ^W*M    bodinjllo    rontinuirlirlio.  Sh-insal/b.ldunu 
und  /.u-loich    die    Kntslehnnu    .-iner  MullrrlauKc    xor    tins,    aus    deren    srhhess- 
|K.lu,m   Kintrnrkr.,...,   b,-i  Huai.r.n  Abschlnss  allcr  Zullllsso  cine  wcsentl.ch  aus 
danohon    aus   Chlornatriun,  ,   Chlorcalciuni  ,    Chlorkabupi    und 


Broinmaiinesinin   bcstchcndr   Sal/.abla^n.nu   resultim. 

(iiin/.    \hnlichcs  uir    in,  Tndtrn   Mooro  uohl   in  d.-m  Ellon  und  den.  Bogdc 


2 Hi  IV.   Petrogenetisohe  (icnin^ir. 

Sec  vor  sich,  \\elche  /,\\  ischen  \Volga  und  Ural  in  einer  \\eilen  Steppe  liciren. 
in  dcr  sich  ein  Sal/^ebirue.  der  Tschaplschalschi,  erhcbl.  Aus  diesein  Iliessen 
cine  Anzahl  von  Salzbaehen  den  genannlen  Seen  zu.  Da  sic  keincn  Ablluss 
hal)en  und  das  aufgenonmiene  Wasser  durch  Verdunslurig  cntfernl  \\ird,  so 
scl/t  sich  das  Kochsalz  /n  einer  leslen  Bank  ah.  Die  Biiehc  filhrcn  den  Seen 
ausser  Chlornatrium  auch  Chlorkalium,  Chlormagnesium  und  sehwefclsaurc  Mag- 
nesia, sowie  zur  Frtlhjahrszcit  Schlamm  zu.  Lclzler  bildel  jdcmnach  diinne  Lagcn 
zwischen  den  Kochsalzausscheidungen  des  Sommers,  wjihrend  die  Icichllbsliehen 
Salze  das  Seewasser  bis  zur  concentrirlen  Mutterlauge  angcreichert  haben ,  \\elchc 
enthitlt:  schwefelsaure  Magnesia  5,32,  —  Chlornatrium  3,83,  --  Chlorkalium 
0,23,  --  Chlormagnesium  19,75,  -  -  Wasser  70,87.  - 

Die  der  geologisehen  Vergangcnheit  angehbrigen  Steinsalzlagcr  milssen  auf 
ganz  ahnliche  Weise  cntstanden  sein,  reprasentiren  also  einstmalige  Binnen- 
meere  oder  durch  Hebungen  oder  Sandbanke  von  dem  Oceane  abgeschniUene 
Mceresbuchten ,  deren  Zuflusse  Salz  in  Lbsung  enlhielten ,  jedoch  geringer 
waren  als  die  Verdunstung  in  dem  Wasserbecken.  Daraus  gcht  hervor,  dass 
die  Bedingungen  zur  Bildung  von  Steinsalzlagern  gegeben  waren,  so  lauge 
ein  Meer  die  Erde  bedeckte  und  Continente  existirten.  In  der  That  vcrtheilt 
sich  das  Vorkommen  des  Steinsalzes  auf  die  gesammte  Formationsreihc,  wie  in 
der  pag.  33  gegebenen  Tabelle  gezeigl  worden  ist. 

Die    hier   mil  Bezug  auf  ihre   Entstehung   zu   belrachtenden   Kalksteine 
sind  kbrnig,  dicht  oder  oolithisch.     Der  Unlerschied   zwischen   den   beidcn   er- 
steren  ist  nur  ein  relativer   und   liegt   nur  in  der  Grbsse   der  das  Gestein  zu- 
sammenselzenden    Kalkspath-Individuen ,       -    unter   dem  Mikroskopc   Ibsen   sich 
auch  die  anscheinend  vollkommen  dichten  Kalksleine  in  ein  Aggregal  von  Kalk- 
'spathrhomboedern  auf.     Sowohl  die  sogenannten  dichten,  wie  die  kornigen  Kalk- 
steine cnlhalten  stets  kohlensaure  Magnesia   entweder  nur  in  Spuren,    oder    in 
reichlicherer  Menge,    so  dass  sich  eine  Gesleinsreihe  derselben  aufstellen  la'sst, 
in  welcher   der  Magnesiagehalt  sich   allmahlich  von   weniger  als    1   Procenl   bis 
zurn  Maximum  von  21,75  Procent  steigert.    Zwischen  den  echten  Dolomiten  und 
den  Magnesiahaltigen  Kalksteinen  und  reinen  Kalken    lassen  sich   somil   scharle 
Grenzen  nichl  ziehen.    Daraus,  sowie  aus  der  engen  Verkntlpfung  und  der  Aim- 
lichkeit  ihrer  Vorkommnisse  geht  denn  hervor,  dass  normale  und  magnesiahalligc 
Kalksteine  keine  wesentlich  verschiedene  Entstehungsweise  gehabt  haben  kbnnen. 
V  Durch   Vermittelung    thierischer    und   pflanzlicher  Thatigkeit  allein   kbnnen   die 
Kalksteine  schon  deshalb  nicht  entstanden  sein,    weil   vvir  solche  Gesteine   und 
zwar  Ablagerungen  von  enormer  Machtigkeil  und  Ausdehnung  kennen,  wahrcnd 
deren   Bildung    eine  Existenz    organischer   Wesen    selbst    im    gtinstigsten   Falle 
von    geringer   Bedeutung    war.     Ftlr    solche    Kalkstein-    und    Dolomilbildungcn 
ist    die   Annahme    cines    ausschliesslich    chemischen    Niederschlages    die    allein 
zulassige.     War   solches  wShrend   der  iiltcsten   geologischen  Perioden    dcr  Fall, 
so   konnte    nach    alien   jetzt   herrschenden    Ansichten    und   Erfahrungen    dieser 
Praecipitationsprocess  nicht  plbtzlich  aufhbren ,    sondern  selzte  sich ,   w  enn  auch 
vielleicht   in  abnchmendem  Grade ,    durch   die  folgenden  geologischen  Perioden 
bis  zur  Jelztzeit  fort.     Wa'hrend  aber  die  Kalksteine  uud  Dolomite  der  allcslcn 


IV. 


/eitalter  reme  oder  fast  rcme  chemischc  Praccipitale  ware...  menii.M.  sich  ill 
die  cntsprechenden  Product.-  der  n.-uereu  Zeiten  mehr  und  mehr  kalkige  Ursle 
orniinis.-l.rr  (lescl.uple  eiu.  sn  .lass  sic  in  manchcn  Kalksteinen  bei  Weitem  NO.' 
den  ch.-mischcn  Niederschliiuen  dominiivn. 

Filr  .lit'   Ansehauuni:.    dass    die   Mehr/ahl  aller  Kalkstcinschiehlen    und  der 
grtteste  Theil    der  grsammli-n    als  (dieder  dor  sedimentaren  Schichlenreihe   auf- 
tretendcu   kalkstemmassen  als  cluMuischor    Nicdrrsrhlai;    aus    den.    Mcero,    nicht 
,,|,n-    atis.M-hli.-sslich    als    orijanischcs  Ansscheidungsproduct,    wio    niaiichr    (leo- 
lo-n.  fur  modirli  halirn,    m   bolrachtcn   sci,    sprichl   auch   die    mikroskopische 
Untersachung  d.-rsclhcn,   wclclu'  lolu-t,   (lass  unseiv  ^cwbhnlichcn  dichlcn  Kalk- 
SI.MIU-    teineswegs  dnivlivu-i:  ans  /rrklrinertcn  nnd  feingcricbcncn   Thiors.-hal.-n, 
s.md.M-n   VOfXUgSWeiae  aus  KalkspathrhoinboedcrdR-n  bcslohcn.     Diesc    leUUcmi 
sind   nicht  ct\\a  (lurch  cincn   rinknslallisirunjisprocess  aus  dcm  Schalcndclrilus 
luM-sorucuanucn.     da    man    ncbcn    ihnen  zahlreiche,    zum  Thcil  ausserordcnllich 
/.arlc    orgamacbe    Hcsl<-    \\ohlcrliallcn    anlrilVt,    sind  viclnichr    diivclc    chcmische 
Absai/c.      Alinlichcs  ;:ilt  vom  Dolomit,   desscn  sogcnanntc  dichtc  Varietalcn  aus- 
ur/rirhiu'l    klcinkr\stallinische    Slruclur    bcsitzen.      Da    die    kohlensauren    Kalk 
al.s,  hcidcnden  Organismen  nur   hochst  geringe  Mengen  von   kohlcnsaurer   Mau- 
IICM,.  ..l.snndern,    so  ist  auch  die  Annahme  der   Entslehung   dcr  Dolomile   und 
stai-k  maai\rsialialtigcr   Kalkstc>inc    durch   thierische  Vcrmillclung  abiicschnitten. 
Dicscr  rinsiand    S.AMC    die  krystallinische   Structur  der  Dolomite,    die   wicder- 
holtc   Wcchsdlaizcnmi:  Ict/.lcrcr  mil  Kalksleinen  und  endlich  Absatze  von  dolo- 
initisrhcii  (icstcincn    aus    FlUssen    und  Quellen,     wic    sie    vor   unseren   Auijcn 
\«»r  sich  ychen,    sio  sprechiMi    auf  das  Uberzeugendsle  fUr    die  Entstehunii   dcr 
Dolomite    und   dolomitischcn   Kalkslcine   aller  Formationcn    auf  dcm  Wcgr  drs 
diic.icii.   clicniischcn  N7iederschlages,   wenn  sich  auch  spater  in  manchen  dicscr 
(;<>stcin<-  n(»cli  Process.-  bethatigten,  durch  welche  der  Dolomitgehalt  angereichcrl 

\\urde. 

Durch  einlaehe  Ausscheidung  des  kohlensauren  Kalkes  und  der  kohlensauren 
Magnesia  aus  den  im  Meere  in  Usung  befindlichen  Bicarbonalen  dieser  Krden, 
M,.|,I  die  Hilduiii:  der  gesteinsaufbauenden  Kalkspath-  und  Doloinithspalh-Krvstiill- 
,hcn  nichl    \or    sich,    vveil  keine   der   Bedingungen,    unter  welchen    die  Ab- 
.chciduni:  dcrselben  aus   ihren  Losungen   erfolgt,    dort  gegeben   ist.     Bei  kalk- 
absct/cnd.-n  Quellen  fmdet  cine  Verdunstung  von  Wasser  und   eine  Vertluchti- 
-II.IL;   der   nur  halbgcbundenen   Kohlensaure    und   dadurch  eine   AusscheiduiiL: 
d.-s'  kohlensauren   Kalkes  stall.     Von  dem  Wasser    unserer   hculigrn   .Meere    je- 
do.h  miissten  75  Procent  verdunsten,    ehe  sich  kohlensaurer   Kalk   abscheiden 
uiird.-.  cin  Vorgang,  der  sich  nur  bei  einem  eintrocknenden  Binuenmeere  dcnkcn 
lassl.     In    Folge  VerflUchtigung   der   halbgebundencn    Kohlensiitin-    mil    auf  der 
Oberllache    unserer  Meere    verdunslendem  Wasser    kann   eine   Ablayeninu    von 
Kalkstcin  chcnso  \\rnig  statUindcn,    \\eil    der   ab-esehiedene    kohlensaure    Kalk 
von  den.    freie    Kohle.isaure   cnthaltcndcn  Wasser   der  lieleren  Meeresschichtcn 
>  sogleich  wiedcr  aiif-elosi   uerden  \\iir.l.-.     Durch  Abscheidung  aus  Meeren  wic 
die  heutiuen    .seheint    dcshalh    «lie  .Modichkeil  %on  KalkMeinbildungen    nicht   ge- 
geben   ^ii    scin.     Hochst   wahrscheinlich  ist  dies  jedoch  von  den  Oceaneu    der 


IV.    Petrogeoetisehe  (irnin^u-. 

alleslen  Perioden.  Damals  \\aren  die  almospharischen  .N'iedcr.schla'ue  kohlen- 
saurereicher  ;ils  jelzt,  d;i  sic  ihren  \Veg  (lurch  ciucii  l.uflkreis  inachen  musslen. 
in  \\clch(Mii  sich  die  ganze  Knhlensaiire,  die  hculc  in  den  Carbonalgesleinen 
ills  solchc,  in  den  IMliin/cn  und  den  Kohlengesleinen,  sowie  ini  Di.mi.mt  als 
kiihlenslolV.  ini  Hilumen  als  Kohlenwasserslofl'  der  Erde  einverleihl  ist,  noch 
in  gasl'tii-imgem  Zuslande  \erlheill  belaud.  Diese  ;in  Kohlensaure  reichen  Hegen- 
\\avser  \\irklen  auf  die  Kalk-  und  Magnesiasilicate  der  Erslarrungskruste  in 
holtem  (irade  zerlegend  ein  uud  filhrten  dein  Mccre  stark  concenlrirle  Solu- 
lionen  von  Kalk-  und  Magnesiaearbonalen  zu,  wo  sich  lot/lore  in  l;oli:e  der 
stelen  Verdunstnn^  des  \Vassers  sannneln  und  anreichcrn  Timsston.  Mei  dent 
Manuel  an  Kalk  absumlernden  Tliieren  und  IMlanxen  Irat  endlich  der  (loncen- 
iralionsurad  ein,  hei  \velcheni  sich  die  Kalk-  und  Magnesiacarboiuile  als  dolo- 
niilische  Kalksleine  ahschieden.  Die  Bildung  der  letztercn  lassl  sich  ferner 
auf  die  Wcise  denken,  dass  eine  Zersel/ung  des  Chloivalciums  und  Clhlor- 
inaiinesiiuns  ini  Meei'essNasser  (lurch  die  von  der  Zerselzuug  der  Silicaliiesieine 
luM-rilhrenden  Carbonate  und  zwar  nauienllich  (lurch  kohlensauix's  \airon  slall- 
land. 

Was  schliesslich  die  Hoi^ensteine  und  Oolithe  belrifl'l,  so  kann  ilber 
deren  niinerogene  Enlstchungsvvcise  ein  Zweifel  nicht  .olmallen ,  da  ihre 
concentrisch-schalige  und  radial- faserige  Slruclur  keine  andere  Deutung  nioglich 
inacht.  \venn  auch  der  erste  Anstoss  zuni  Beginn  des  lagenweisen  Absal/.es 
von  einein  l>ereils  vorhandenen  minerogenen  oder  zoogenen  Kornchen  ausge- 
gangen  sein  mag.  In  der  Bildung  des  Erbensteines  von  Carlsbad  sehen  \vir 
einen  ganz  analogen  Process  sich  vor  unsern  Augen  betha'tigen. 

Die  krystallinischen  Quarzsandslcine  besitzen  eine  zieinlich  grosse 
Verbreitung  in  der  sediinentiireu  Schichtenreihe  der  Erdkruste.  Es  bestehen 
nicht  nur  ganze  Schichten  und  Schichtensysteme  (in  der  Braunkohlen-,  Quader-. 
Buntsandslein-,  Kohlen-,  und  untersilurischen  Formation)  aus  lauter  inehr  oder 
\\eniger  \ollslandig  ausgebildeten  Quarzkrystallen,  sondern  sehr  haulig  xeig(Mi 
sich  auch  krystallinische  Quarzindividuen  in  grosserer  oder  geringerer  Anzahl 
deni  echten  klaslischen  Sandsteine  vieler  Formationen,  sowie  den  Ouar/ilen 
des  vorsilurischen  Schichtensysteines  beigemengt.  Die  gesleinsbildenden.  scharl- 
kanligen,  klaren,  zuni  Theil  fast  farblosen  Quarzc  konnen  nur  (lurch  direcle 
chemische  Ausscheidung  aus  einer  Losung  von  Kieselsaure  oder  (lurch  Re- 
aclion  von  z.  B.  schwach  kohlensa'urehaltigeni  Wasser  auf  ausserordentlich  MM- 
dilnnte  Alkalisilicalsolulion  hervorgegangen  sein. 

§.  II.  Zoogene  und  phytogeue  Sedimeutgesteine.  In  dem  Absdmitte 
Uber  den  Einfluss  des  organischen  Lebens  aul'  geologische  Voi-giinge  isl  pag.  189 
ge/eigl  \\ordcn,  dass  die  Thatigkeit  vieler  Thiere  daraul'  gerichlet  isl.  durch 
Abscheidung  von  kohlensaurem  Kalke,  den  sic  zu  ihreni  (leriiste  odei1  (lehauso 
benulzen,  den  Kalkbicarbonatg-^halt  dos  Meeres  in  slelein  (Ileichgewichle  zu 
erhalten.  Dieselbe  Aufgabe  wie  heute  lag  ihnen  auch  in  friihoren  Perioden  ob, 
\vir  linden  deshalb  in  alien  Formationen,  vvelche  iiberhaupt  Kesle  organischer 
Wesen  fuhren,  theihveise  oder  fast  ganz  ausschliesslich  aus  kalkigen  Theilen 
ihrer  Korper  uebildete  Kalksteine.  Die  \\esenllirhslen  der  gesteinsbildenden 


IV.  -       tnii', 


Tim-re  un.l  dor  vorxNieuond  (lurch  ilire  Yern.illehmi:  horM.rue^murnfu  kalk- 
sieine  siiul  nun.  u-.n/.'  ab^el.en  xnn  den  Norsteinerunusreiehen  Kalken  uiul 
ihren  Kinselilusson.  loluende 

Foraminiferen  ,  die  N  u  m  n.  ul  i  t  enk  ,.  I  k  o  und  Mi  1  ioli  t  henka  I  k  e  des 
Terliar.  die  Se  1.  r  e  i  hk  re  i  d  e  und  der  K  re  i  do  t  u  ff  dor  crolaeoiselien  l'<,rmali..n. 
dt-r  r'usulinenka  Ik  dcr  russisehen  unit  nordamerikanisclien  Kolilenl'ormalmn. 

Spongion,    die    Spo  us;  ion  ka  Ike    d.-s    \\eissen    Jura    von    Franken    und 

Schwaben. 

Polypen,  dor  Koral  Irnkalk  des  weissen  Jura  in  Hamio\er,  Sohwabeo 
uiul  Knuland.  die  Korallcnkn-idc  Jiillands  und  Seelands. 

Echinodormen,  die  K  n  cr  i  n  it  en-  (Trochi  Ion-)  Kalko  dor  Trias,  dio 
C  rinoidonka  Iko  dor  nnrdamerikanisclien  Kohlonronnalion. 

Molluskcn,  dio  Torohralolbanke,  Gervillio  n  bii  nko  dos  Mus.-l.ol- 
kaikos.  (n-Nphaoonkalko  dos  Lias,  Cyrcnonkalko  des  \Voaldou.  Ilip- 
puritonkalko  dor  Kroido.  C  o  r  i  Ihionka  Iko  und  L  ilor  i  n  o  1  1  o  n  ka  I  k  o  ilrs 

I'orliiir. 

Wiirmer,  dor  Sorpulit  dos  Doislcrs,   Brv  ozocnschichten  dcr  obercn 

Kroido   son  Maslrioht  und  Nc\v-Jorso\. 

Audi  in'\>issr  NVirbelthicrc  haben  durch  Anhauluni;  iliror  Skololthoilr 
und  Hirer  Kx.-reinente  (Koprolithen)  zur  Bildung  von  Gosleinssoliiohlon  lasl 
,.usohliossli<-h  l.oiuetrauen.  So  boslolit  das  Honcbed  dor  ..horslon  TriaS  ans 
Kn.M-lien-  und  /alinlrauinenlen  von  Froschsauriern  (Lal»\rinthodonlon  und  C.a- 
iK.idlischon,  -  dio  Knochenbreccic  auf  dein  Boden  nianohor  llbhlen  aus 
Skelottlioilon  von  Biiren  und  lhanen,  diejenige  in  Spallen  der  ilalionisol.on 
und  urioohisohon  Kalkiiobiriio  aus  Rhinoceros-,  Hippopotamus-  uiul  llirsrli- 
rosUMi.  —  dor  (Juano  aus  Excrementen  von  Vogcln. 

Der  Nouolahilisolio  I'rsprimii  dor  Hraunkohle,  Stcinkohle,  des  Anthracil<>s 
und  (Irapliil'rs.  dor  Naphlha  und  dos  IVln.leum,  des  Bilunions,  vieler  Brand- 
sohioler.  des  Aspaltrs  isl  pau.  l(.l->  Ix'sproohen  wordon.  Nobon  dioson  llaupt- 
ir|,r.isentiinlen  drr  p  li  >  loiir  n  o  n  GcsltMiir  treton  einiue  andore  mil  Hilll'o 
ptlan/lioln-r  [.ol.enstliatiukoit  vor  sich  gegangene  Gesteinsl)ildungon,  nchmlich 
die  aus  Diatomeenpanzcrn  bcstchenden  Kiosokulir,  Polirschiefer,  Tripel  sUirk  in 
den  Bmtergrand. 

C.    Umgewandelto  (metamorphischej  Qesteine. 

55.  12.  Begriff  (lCS  MetamorphisniUS.  Schon  aus  oborllik-lilioliem  Vrr- 
-loiclie  x.\\i>olion  den  sohlaniiuiiion  oder  sandigen  AI)siUzcn  oiner  MecreskUste 
und  einem  iian/  /Aseilollos  auf  dicselbe  \\ei.se  enist.mdonen  Schieferthon  und 
Sandsloin  /..  B.  dor  Juraformation  orgiobt  sich,  »lass  in  den  (lostoinsniassen 
soil  Hirer  Ablaurnmi:  i:o\visse  Ver.inderun^en  v..r  sich  geganiirn  sind  ,  die 
einorsoits  in  oinem  Vorhiirtunus-  und  Verdiolitun-sproeoss<>  duroli  don  Druck 
von  Seiten  mnehliuer  ilberlauornder  Scliioliteneoniplexe.  andc-rsj-its  in  der  Ver- 
kitlunt;  \on  einzolnon  Sandsteinkornehen  duroli  eine  alliuahlirh  eiedriageodfl 
Mineralsolution  bostchon.  Solehe  Veranderungen  haben  alle  SediinenUiriiestoino 
der  Krdki-usto  erlilton,  sir  sind  os,  \velchc  Ulwrliaupl  dio  Existonz  von  Ge- 


220  l\ 

Memsarlen  iin  (iegensaly.e  zu  den  urspriinglichcn  losen,  \\eichen  Mceresnieder- 
schlauen  bedingen.  Deshalb  I'assen  wir  jene  Vorgiinge  als  zur  Gesleins- 
werdung  unerliisslich  nblhige  aid  und  bezeichnen  die  durch  ihre  Yerniiltlmiu 
enlslandenen  (loteine  nicht  als  umgew.andelle,  sondern  als  urspriingliche.  Den 
Ausdruck  umgewandbh  oder  metamorphisch  pflegt  man  erst  dann  an 
y.uuenden,  uenn  ein  ursprllngliches  (iestein  aus  iruend  einei  I'rsache  cine 
Dtagestaltung  seiner  chnuischen  Zusammensctzung,  seiner  mineralischen  Con- 
stitution oder  seiner  Struclurverhallnissc  erfahren  hat. 

Bei  Gelegenheit  der  Belrachtung  der  chen)ischen  Thiiligkeil  des  Wassers 
ist  die  Gcsteinsuinbildende  Tendenz  desselben  genllgend  hcrvorgehobeii  uorden. 
Es  zeigte  sich,  urn  nur  einige  der  auflalligslen  Beispiele  zu  wie<lerholen.  dass 
durcli  den  Process  der  Audbsung,  Zersetzung  und  Fortfuhrung  gewisser  (le- 
sleinsbestandtheile  cine  Lockerung  des  GefUges,  das  Zerfallcn  vieler  bis  dahin 
I'ester  (iesleinsarten  hervorgebracht  vvurde,  dass  durch  diesen  Process  schliess- 
lich  aus  Granit,  Porphyr  und  Gneiss  Kaolin  hervorging  (pag.  150  ,  als  Resi- 
duuin  der  Zersetzung  von  Basalten  Basallwackc  und  Basalllhon  zuriiek- 
blieb  (pag.  151),  und  dass  aid  der  andercn  Seite  durch  \Yiederabsatz  der  aus- 
uelauglen  Mincralsubstanzen  in  Blasenraumen  desselben  Gcsteines  aus  schlacki- 
unn  Eruplivgeslein  Maude Isteine  wurden  (pag.  155).  Man  hat  sich  jedoch 
gevvbhnl,  wenn  gleichwohl  ohne  besondere  Berechligung,  diese  VerUnderungen 
und  Umvvandlungen  nichts  als  Aeusserungen  des  Melamorphismus  y.u  bezeich- 
nen, sondern  diese  Benennnng  allein  auf  solche  Vorgange  anzuuenden.  die 
uenn  auch  zuwciien  mil  theihveisen  Zerselzungen  verbunden,  zur  Bildung 
eines  neuen  und  oft  krystallinischen  Gesteins  filhrtcn ,  welches  nichl  s(ilten 
selbsl  vviederum  einer  spateren  Zersetzung  untervvorl'en  sein  konnte,  was  bei  den 
obengenanntcn  RUckstanden  der  Vervvesung  gevvisser  Gesteine  kaum  der  Fall  isl. 

Als  nachvveisbare  Ursachen  der  Metamorphosirung  gewisser  ursprUoglicher 
(ieslfMiie  hal  man  erkannt:  I;  Mineralquellen  und  Sickerwasser,  2  \ulkanische 
Gas-  und  Dampfevhalationen,  3)  Erdbriinde,  4)  Eruptivgesleine.  Die  dutch 
solche  Ursacheu  hervorgebrachten  Umwandlungen  sind  locale  Erscheinunuen. 
\\eil  die  den  Anstoss  zu  denselben  gebenden  EinflUsse  ihre  Grenzen  habeu. 
sich  in  der  Niihe  ihres  Ausgangspunktes  am  energischsteu  bethtttigeo  und  sich 
in  uleichem  Schritle  mil  der  zunehmcnden  Entfernung  von  diesem  \erringern 
und  endlich  verlieren.  Diese  Erfahrung  fiihrte  zugleich  zur  Entdeckung  der 
melamorphosirenden  Ursachen.  Nur  die  Uberzeugendslen  Grilnde,  also  souohl 
der  Nachweis  der  Ursache  des  Umwandlungsvorganges,  als  die  Beobachtuog 
inniger  durch  allmahliche  Ucbergiinge  erwiesener  Verknilpfung  des  umgeuan- 
dellen  (iesleines  mil  dem  urspriinglichen  Mullergesein  geben  die  Bere< -litii:uni:. 
ein  Gestein  ftlr  melamorphisch  zu  bezeichnen. 

§.  13.  Nachweisbare  Oesteinsuniwaiidlungen  durch  Mineralquellen 
und  Sickerwasser.  Der  wichligsle  der  hierher  gehorigen  Process^  ist  der  der 
Dolom  ilisirung  magnesiahaltiger  Kalksteine,  d.  h.  ihre  Umwandlung  in 
Dolomit.  Die  Mehrzahl  der  verschiedeuni  Erkliirungsueisen  di(>ser  Krscheiuung 
haben  nur  hislorisches  Inleresse,  unter  ihnen  sind  nur  zwei  als  solche.  denen 
grbs'serc  Wahrscheinlichkeil  zur  Seite  stehl.  her\nrzuheben  ; 


1\       IVtroia'lli'tische    lifolo-ie 

1)  Auf  n.aiznesiahaltii;e  Kalksteiue  \Nirken  kohlensauivl.altigr  Wasser  ein. 
extrahiren  mehr  Oder  weniger  Uhlensauren  Kalk  als  hicarhonat  mi.l  lassen 
rmllu-li  Dolon.it  oder  ma-nes.areirhen  Kalkstein  /muck  Slflhe  pig.  1*8 

diese.,.  PTocesse    der    retatifOT   Anreichen.nu    dea   KagnesiagetaUes    ftioes    ur- 

spriliiiili.-l.    srlnsach    dolomitisehen    KalUesleines  gfl.t    in    r'nlgi'     d«-r    WegftlhJMng 
des  Kalkcarhonate.s  cine   Vnlunu-mrrringi'rnng   Hand   in   Hand     pag. 

:'     Bine    Utettng   ?dB    Ul.U-nsau.vr  .Ma-nosia   in   kol.lensiinn'lialtiu.Mn  \\asst-r 
NNirkt   anl   u.-NNi.lmlirhr   oder  he.vits    .naunesiahalti-c    KalkshMm-.    rnl/i.-ht    iliiicn 
knhUM.sj.uivnKj.lk.     wetebet    t-rhohlii-l.    liislk-lin-    1st    ais   Ma^U'smc-arlmnat     und 
sel/t  d.iliir   K.ilk-Mau.H-sia-Carhonat   al>.     Dieser  VoriiJ.nu   l.raucl.l   niclil   nut  cn.cr 
VoJumenverringernBg   vcrl.nndcn  /u  win   niul  beruht  daraui;   dass  di,-  d,,|)|»(.U- 
Ulilrnsamv  Mauncsiasolution  anlanus  ans  d,-n,    dolomitisi-l.cn   Kalkstcin    kohlcn- 
sauren  Kalk  aufhiimnt,    his  sic  sid,  soNN.-it  ^csatti^  hat,   dass  sic   krysteHini- 
sc-hcn   Dolomit  ahsct/t.      In  dcn.sclbcn  Maasse  ahcr  Nsic  dieses  gesohieht,    wirkt 
Bie      da  ihr  Uchall  an  Kohlcnsiiure  unverandert   bleibt,    von  Neuc.n    ai.lliiscnd 
auf'dcn   Kalkstcin  fin  and  tahrt  deshalb  so  lange   fort,  Dolon.it   ausznsd.eidcn, 
his  sic  ihivn  ucsaiiunlcn  Gehalt  an    kohlcnsan.vr  Magnesia    eingebUsst   hat   nnd 
cine  gesftttigte  Anlliisunii  von  doppelt  kohlensaurem   Kalke  bildet.     Aus   dicser 
NNi.-d  sid.  an   Orlcn,    wo   die  Kohlensiiure  entweichen  kann,    schliesslich    aiu-1. 
kohl.M.saurcr  Kalk  ahsetzen.     Ihre  vollkommenste  Bcstiiliunnii  lindct  die  Ansicht 
Uhcr   <liesen    Von-aim    der    Doloinilisirung    in    i:cwissen    Pseudomorphoscn    von 
Kitt.M-spalh   narl.   Kalkspath,    wobei  der  ursprUnglichc  Kalkspathkn stall  ^m    dcr 
Uherllarhe  ai.s  in   kiirniii  krj stallinischen  Dolomit  uiniiewandi-lt  NN urdo,   wShrend 
der  Kalkspathkern  oft   noch   erhalten    blieb.     HOchst  instructiv    als    Rrlauterung 
und   »r\N«-isn.iltel  fur  den  nehmlichen  Process  ist  ein  in  der  Nahe  von  Tharand 
aufm-schlossenes  Dolomit vorkommen.    Dort  troton  zwischen  Thonschiefe.-n  lagerr 
tenmge   KalkMe,,./.<.nen    anf    und    neh.n.'n    in    der   Nachbarschaft    der    dorti^en 
h,rph>r.-  den  Charakter  ausgedehntcr  Breeciengebilde  an.     Diese  bestehiMi  aus 
klemeren    und  -rosseren,     schai-rkanti-en    KalksteinlVaiiinenten ,     uelche     dinvh 
,-in,.    krsstallinische    zum    Theil   drusige    Dolomitmasse   zusa.nn.eni:ckittet    sind. 
M.Mstenti.eils  ab.-r  sind  diese  BruchstUcke  selbst  ganz  oder  theilweise    in   Dolo- 
,,.il    •Brannspath     u.n^-Nsandelt.      Hier   isl   also  das  lockcre   HaulxNcrk   von  Kalk- 
steintram.nern   \on   cinem  inagm-siahaltiiien  Kohlensiiuerlini:  durchstriin.t  worden, 
NNelehcr  souohl  die   NVrkittnnii  der  Hrnehstiickc    (lurch    krystallinisehen  Dolon.il 
.,ls    and.    deren  allmahliehc  Umwandlunj;    in  Dolomit  verursj.chte.      \Vir    hah.-n 
,,ls(,  jet/l  dreu-rlei   Processe    kennen    iielernl.    (lurch    NNclchc  Dolomite  entstehen 
kiinlu.n       |)     dnrrh    direcle    chemische    Anssrli.-iduni:.     ;>j    (lurch    l-Mra.-tion   dcs 
kohlcnsauren  Kalkuehaltes  eines  magnesiahalli-cn  Kalkslcincs,  :i,  (lurch  AusU.nsch 
\,m    ueu-cruhrteni    Ulileiisaurem    Kalke   gri-.M.   /.uuefuhrlc  kohlcnsaure   Magnesia. 
Nrhrn    der   Dnloinitisininu    der   Kalksleinc    isl    die    rmwandluni:    dcs   Anhy- 
drites  in   (iNps    (lurch  Aufnahme    von    NVj.ss.-r    cin    herxorraLiendcs    Beispiel    des 
,|un-h     atn.ospharisrhe     und    Sickeruasser     hedin^ten     Meta.norphisn.us ,     ,jcd(,ch 
schon   in   -enU-ender  Weise     pag.    H  «i     hcsprochen   Nvorden.     Dasselhe    gill    N..I. 
der   Metamorphose   des   Spalh.-isenst.-inrs    und    SchNNcL-lkieses   in    lirauneisensl,-,,, 


pag.     I'M 


222  IV.     iVtro-tMiHisrliP 

Hierher  gehiirl  endlieh  die  tTmwandlung  \on  Augil,  (iliinmer.  Hornblende. 
•  Iranat.  Diallag.  ()li\in  nnd  dhondrodil  I'iihrenden  (iesleinen .  .il.so  \or/iiglieh 
Kklogit.  Olivinfels.  Diabas.  (Jabbro.  Hornblendesehiefer.  Diorit  in  Serpent  in. 
Dieses  (iestein  repriisentirl  das  Knd/.iel  eines  Proee>se.s,  \\elclier  auf  die  Har- 
sh-Hung der  duivh  fern  ere  Ver\\iUerung  wenig  tmgreifbarefl  \\asserhalligen 
kieselsauren  .Magnesia  hinarbeitet.  Dieses  geschieht  nielit  allein  dadnrch.  dass 
diese  Yerbindung  als  Hesidunin  eines  ZersetzungS-  lind  Auslaugeproeesses  diirch 
kohlensiiurehaltige  (lewiisser  /nrilekbleibt ,  soiulern  nanientlieli  (lurch  Aus- 
scheidung  derselben  aus  Losungen  von  Magnesiasulfal.  -earbonal  oder  -chloriir. 
sobald  sie  init  kieselsanren  Alkalien,  Kalkenle  niul  Thonerde  in  BeiiilininLi 
konnnen. 

§.  14.  Nachweisbare  (xesteinsnniwaiidlungen  durch  vulkanisclic 
Diinipfe.  Den  Krateren  der  Vulkane,  so\vie  den  Sj)alten.  welehe  in  den  \nlka- 
nischen  (leuenden  den  Krdboden  dui'ch/iehen.  entsti'iinien  Kohlensiiure,  lieisse 
\Vasscrdiinipfe.  Chlor\vassersto(T,  Schwefelwasserstofl'  nnd  seh\\efelii:o  Siinre. 
Nanientlieli  ist  es  die  Selnvefelsanre.  das  Oxydationsproduct  der  beiden  letxt- 
izenannten  (iase.  \\elche  bci  ihrer  Kin\\irkung  auf  das  Nebenueslein  rascher 
als  die  Kohlensiiure  die  Kieselsiiure  aus  ihren  Verbindunuen  anstreilit  nnd  mil 
den  Basen  sicli  \ereiniuen<L  zahlreichen  neuen  Substanzen  rrspruni;  iziebl.  lin 
Alluenieinen  %verden  die  (iesteine  dadurch  gebleicht,  ihre  dunkele,  oft  sch^ar/e 
Farlte  »eht  in  eine  7Aim  Theil  blendend  \\cisse  oder  gelbliche  uber.  ihre 
Festigkeit  nininit  ab,  sie  werden  poros,  inorsch  nnd  xorreiblich  nnd  \er\\an- 
dt'ln  sieh  endlieh  in  tuft-  oder  thonartige  Massen,  von  welchen  7)is\veilen  die 
Krxslalle  der  weniger  leieht  angreifbaren  Mineralien  in  unzersel/.leni  /nstande 
unisehlossen  \\crden.  Bcsondei*s  energisch  und  tiefeingreifend  \\irken  der- 
artige  Xersel/.nngen  dort,  wo  die  Ausstroinungen  von  gasartigen  Substanxen 
dni'cli  /jigleieh  mil  hervorbrechende  Wasserdiiinpfe  oder  heisse  Quellen  unter- 
stilt/t  NNt-rden.  Im  grossarligsten  Maassstabe  geht  diese  Um\\andlnng  an  den 
Palagoniltnflen  verschiedener  Localitiiten  Islands  vor  sieh .  \vo  sie  durch  xahl- 
reiche  mil  Gewalt  aus  den  Gesteinsspalten  des  PalagonitluHbodens  hervor- 
braiisendt1  Strahlen  von  seh\vefeliger  Siiure,  Seh\vefel\vasserstoH'  und  \Vas>er- 
diiinpl'en  in  abweehselnde  La  gen  von  bunlen  und  weissen  Thonen  \erwandelt 
werden.  Aehnliclie  l-lrseheinnngen  sind  auf  Java,  auf  der  Insel  Vuleano.  in  der 
Solfatara  bei  Xeapel,  am  Pic  von  Teneriffa  in  Enlwieklung  begrifl'en. 

Als  \eubildungen  aus  den  sanren  NVasstM'diiinpfen  und  den  aus  dein  (ie- 
slein  extrahirten  Stotl'en  set/en  sieh  Ihalith,  Alaun.  l-'.isenkies.  Sclmefelkies 
und  /.umal  (iyps  ab.  So  vermoehte  eine  anhaltende  Kin\\ifkung  der  Fmnaro- 
len  auf  traehylisehe  (Jesleine  aus  denselben  einen  M>llst;indigen  Alaunstein  her- 
xustellen,  \\  ie  es  im  Beregher  Comitat  in  I'ngarn.  ferner  in  Tolfa  gesehehen. 
Kbenso  gehen  nicht  selten  mil  der  Unnvandlung  der  vulkanischen  TuH'e  in 
thon;ihnlieh<'  Massen  ansehnliehe  (iNpsbildnngen  Hand  in  Hand.  Die  gan/.e 
/erset/.le  TutVniasse  \\ird  dann  von  weissen,  faserigen  (i\psti%ninern  duivh- 
xogen.  odei-  umfasst  Schiehlen,  Stocke  oder  bliitlei'ige  Krystallgruppen  dieses 
Minerales  Island.  l.i|)ari.  i  Koiiunt  Kalkstein  in  der  Niihe  del-  Fuinarolen  oder 
\on  Schwefelwasserstoff  haltigen  nnellen  vor.  so  wird  die  Kohlensiiure  desselben 


IV.    IVtroijonetisrhc    Cirolo^ic  223 

(lurch  Sclmelclsaure  ersct/t  und  das  (icsicin  y.um  Theil  unter  Liloichy.eitii;cr 
Ahlairenmi:  von  Schvs del  in  <i\ps  umuevNanddt.  So  isl  an  dcr  Soll'alara  hoi 
Neapd  am  Sec  Aunano  mul  an  dcr  (irotte  des  S.  Calouero  aiif  Lipari  ans  Kalk- 
Mein  dci-  ivinsle  Alabaster  cnlslandcn.  —  cin  Ke\veis  daliir.  dass  dassclhe  .Mineral 
das  I'roducl  iiianiii^i'altiucr  \  crschicdcnartip'r  Processe  sein  kaini  :  hahcn  vsir 
doch  hcrcits  ucsehcn.  da>s(i\ps  dinvli  direeten  Nicderschlaii  pai;.  16fi,  dnrcli 
uci:cns('ilii:c  /rrsrt/uni:  von  koliltMisamvin  Kalk  und  Sulfal(Mi  von  Kison, 
kiipt'cr  und  /ink  pau.  t'ii.  durch  rin\\andlunii  dcs  Anhvdi'it  (p;i».  I'M., 
(lurch  Xcr/cl/un-  \ulkanisclirr  Tuffo  durcli  l;iniiai-.>lcn  und  cndlich  (lurch  IMII- 
\\irkuni:  von  Scli\M>l'el(|uollcn  und  huuarolcn  aul'  Kalkstcin  ontstolu-n  kann. 

§.  Jo.  Oesteinsuniwandlnngen  durch  Kohlenbrainde.  1  l«)i/c  \on 
Stcinkohlcn  und  Hraunkohlcn  izcrathcn  l>is\voilon  durch  Sclhslcnt/.iindung  in 
Brand  und  \\crdcn  dann  lanusam  und  allmiihlich  in  oft  hcdcutcndcr  Ausdch- 
nuiiiz  \(M"/chr(.  Kin  nalilrliche  Kolizc  dicsci-  ICrschcinung  1st,  dass  die  (Jesleine, 
\\clche  das  llaniionde  und  I  jciicndc  dcs  brennendon  Kohlenflot/os  sind ,  also 
naincnllich  thoniizc  Sandsteine,  Schiefcrthon  und  Thone  durch  einen  solchcn 
Mi-dhrand  in  iihnlichcr  \\cisc  Itccintlusst  und  M'randcrl  \vcrdon,  \\  ic  die 
l,(>hin/.icizel  im  Feucr  eines  hivnncndcn  Ziegelofens.  Sic  wcrden  liiniiere  Xeil 
einer  sehr  •liohen  'rein])cratur  aiisuesel/l  und  \verden  da  her  notlnvendiiicr  \Veise 
i-flirannl,  uefrillcl.  \erschlackl  und  tlieilwoise  auch  verulasl  und  /urn  Theil 
in  hlauL-rauen.  rothlichen  odcr  huntuellannnUMi  IN)  reel  I  an  jaspi  s,  zuin  Thcil 
in  hlasiL-e  Schlacken.  \\elclie  rVairinontc  von  iichranntom  his  halhizescluuol/cneni 
Thon  und  SchieCcrlhon  uinschliessen,  iiniiicwaiHlelt.  Solche  Gestcinsveriinde- 
nniiien  sind  hei  l)utt\\eiler  unlVrn  Saarhriicken.  hei  X\\ickau  dureh  hrennende 
Steinkohlcnllol/.e,  hei  Ahtrode  in  Hessen,  hei  Bilin  und  Karlsbad  in  Hohmen, 
hei  Xiiiaii  in  Sachsen  durch  ausgebrannte  Braunkohlenlager  vor  sieli  uci:an-en. 

§.  1fi.  Naclnveisbare  Verandenmgen  durch  Eruptivgesteine.  Hei  dcm 

-luthflUssiuen  Zuslande.  den  die  Kruptixuesteine  hesassen,  als  sie  von  deiu 
Krdinnercn  aus  in  die  Spalten  der  Krdkruste  injicirl  \\urden,  isl  \ orausy.usety.cn. 
dass  sie  aul  ihr  Neheni:estein  sowohl,  \vie  auf  die  \on  ihnen  uinschlossen(M) 
Fraunienle  des  lel/tei-en  cine  Kin\\  irkuni:  ausgcilht  halx'n.  Dergloichcn  in  dcr 
That  heohachlele  Vcriinderuniicn  \\erden  als  Con  tactmetanio  rp  h  ose  n  be- 
y.eichnet,  sind  jcdoch  nicht  so  hauliL:.  als  man  er\\arten  sollte.  An  un/iihliizen 
1'unklen.  svo  man  den  Contact  eines  erupli\en  und  seines  Neheniiesteines  heoh- 
acht.-l  hat.  /i-ii:l  sieh  \ielmehr  koine  Andeutuni:  ciner  l'ni\\andlunii  des  lelx- 
tcren.  ohne  dass  man  sich  dicse  Ki-scheinunu  hei  dcr  Kmptindlichkeit  mancher 
hcnachhartei-  (lesleinsiuassen  ueuen  Ilit/c  crkliiren  kiinnte.  Die  demnach  ver- 
haltnissmiissii;  seltcnen  (lontactmetamorphosen  lasscn  sich  y.um  Theil  aus  den 
liohen  Temperatururaden  der  i»lullilliissii:en  Krnpli\  masse  herleiteu,  zum  Theil 
aher  scheint  den  dcm  erupti\en  Mauma  heiLiemeiiizleii  ilberhily.lcn,  \\;isseri»cn 
Solutionen  ein  Hau|)tantheil  an  dcr  .Mctaniorphosiruni;  des  Neheni-esleines  y.u- 
y.ukommcn.  Durch  hohc.  dcm  NchciiLicsteine  mitiictheille  Temperalur  \eran- 
lasslc  (lontacterscheinuni-'cn  hcstehcii  in  der  Kriltuni;.  Verkokuniz,  HrennuiiLi. 
HiistuiiL:.  Veriilasuiii:.  I'mkrvstallisirunL;  und  siiulenlormiL'cn  Ahsondei  IIIIL;  des 
Nehenizesleines 


221  IN'.    I'i'li  (>L:rncli>rlip    (JtM»|(ii;ic. 

Die  Ersrheiming  dci  Verglasung,  Frit  lung  mid  H  re  n  n  u  n  g  zeigl  sicli 
in  \tiiy.iiglicher  Deiitlichkeit  bei  den  BruchsUicken  von  Thon.sdiiel'er  und  Grau- 
\\arke.  \\elrhe  diuvli  die  Yulkane  der  Vonler-Kilel  und  des  Hoderberges  ober- 
h.-illt  Bonn  itn  Yerein  mil  Bomben.  Aschen  und  Lapilli  ausgeworl'en  \\orden 
sind,  lerner  bei  dciirn  von  Glimmerschiefer,  Quarx  und  Gneiss  aus  don  vul- 
kanisrlien  SchlackenanhttU&ingei)  des  Kammerbilhl  bei  Eger,  welche  /uni  Theil 
mil  einer  lormlichen  Glaskrusle  bedeekt  sind.  Ganz  ahnliehe  Einvvirkungen 
lialu'n  die  Hasalle  auf  ungivnzende  Sandsleine,  Mergel  und  Schieferthone  aus- 
^ciil>t,  haben  die  Sandstoini'  enllarbl,  xu  oincr  cniailiirti^cn.  ^liinxcnden  Masse 
iiclVillel  (x.  B.  an  der  Hlauen  Kuppe  bei  Eschwe^e),  haben  das  thoniii-kalki^c- 
Hindcinittel  gewisser  Sandsleine  xu  Glas  geschrnolzen,  wahrend  die  Ouar/korner 
unversehi'l  iiel)lieben  sind  (Oberellenbach  in  Niederhessen),  hal)cn  Tlione  und 
Meiizel  in  Porcellanjaspis  (x.  B.  bei  Weida  in  Bayern),  sowie  GranillVaij;- 
inenle  in  schlackige  Massen  umgewandelt,  deren  Feldspath  gesclimolxen  und 
den  Glimmer  gebrannt  (x.  B.  am  Puy  de  Dome).  Endlich  haben  ge\\isse 
Dolerite  Islands  eine  vollstandige  Schmelxung  der  angrenxenden  Tulle  und 
I'honolithe  xu  einer  obsidianartigen  Masse  verursacht.  Ahnliche  Erschei- 
nungen  des  Contaetmetamorphisinus  sind  bei  Trachyten  viel  vveniizer  hiinlig. 
bei  1'orphyren  und  Melaphyren  aber  selten,  bei  Griinsteinen  \Aohl  kaum  und 
beini  Granit  und  Syenit  noch  gar  nicht  nachgewiesen. 

Dahingegen  haben  sowohl  Basalt,  Trachyt  und  Phonolith,  \\ie  Melapli\r 
uiui  Porphyr  an  einer  grossen  Anzahl  von  Punkten  Veranlassung  xur  Verko- 
kung,  d.  h.  zur  Umwandlung  von  Braunkohle  in  Steinkohle  und  Anthracit 
und  von  Steinkohle  in  Anthracit  und  graphitische  Substanx  gegeben.  l-^iiie 
sell r  gewohnliche  Folge  der  von  dein  gluthflUssigen  Eruptivgesteine  ausgehenden 
Krhitxung  des  Nebengesteines  ist  seine  prismatische  Absonderung,  wie 
sie  sich  in  ahnlicher  Weise  bei  den  den  Schmelxraum  umgebenden  Gestell- 
steinen  der  Hochb'fen  auszubilden  pflegt  und  im  Gontacte  von  Basalt  mil  Bunt- 
sandstein  (Wildenstein  bei  Btidingen),  Quadersandstein  (bei  Zitlau),  Thon  und 
Braunkohle  (arn  Meissner),  von  Trachyl  mil  Steinkohle  (Commentry),  von  Pho- 
nolith mil  Braunkohle  (im  nbrdlichen  Bohinen),  von  Felsilporphyr  mil  Dolomit 
(Toseana),  mil  Kohle  (Allwasser  in  Schlesien),  von  Melaphyr  und  Kohle  (Sulz- 
baeli  in  der  Pfalx)  beobachlel  werden. 

Ebenfalls  nichl  sehr  sellen  isl  die  von  Eruptivgesteinen  ausgehende  Um- 
wandlung  gewohnlicher  dichler  Kalksleine  in  xum  Theil  schneeweissen,  kry- 
stallinisch  kornigen  Marmor,  vvobei  die  Schiehlung  verloren  geht  und  die  et- 
\\aigen  oi-ganisehen  Resle  desselben  verwischt  werden.  Dies  ist  x.  B.  aul  der 
Insel  St.  Jago  am  Griinen  Vorgebirge  durch  einen  Lavastrom  gesehehen.  \NO 
er  mil  einem  ganx  jungen  Kalksleine  in  BerUhrung  gelangte,  ganx  almlii-hes 
wiederholt  sich  auf  der  Insel  Ralhlin  an  der  Kilsle  von  Antrim  in  Irland.  Ilier 
uerden  die  Sfhiehten  der  Kreide  von  x\vei  parallelen  Basaltgiingen  dergestalt 
durchsetxl.  dass  diese  durch  ein  12  M.  breiles  Z\\  isehenmittel  von  Kreide  \on 
einander  getrennt  werden  Fig.  23).  Diese  ausserdem  noch  von  einem  C|\N;I 
(>.:?  Meter  niiichtigen  Basallgange  duivlisrlmittene  /one  ist  \ollsljindig  in  Marmor 
umgewandelt.  Dasselbe  ist  mil  der  ansserhalb  del1  Hasallgiinge  belindlichen 


IV.    lVlroi_:eiieti>.e!if 


225 


Kreide  ;mf  oino  Kntferuunu  \on  iiber  I  M.  t:eselielien  .  \on  \\n  ;ius  oin  uan/. 
allmahlielier  I 'her^aiii:  in  die  t:r\\iilinlirho  Kreide  slaltlVndct.  Die  Yerslcineruii- 
sind  in  dor  umkrvslallisirlen  Kividr  spurlos  \  er.sehu  undrn.  In  t:an/.  ana- 


Fig.  Z».    Kreide  im  Contact  mil  Rasalt  \vl  Marmor  nmgowandelt  (Grundrigs). 


lo-er  Wrisr  sind  p-wisse  Kalkstrinr  drr  I'xrenaen  und  Skandinaviens  dnreli 
(iranite  und  S\enite  in  .Marmor  umtjoNYandolt  \vorden.  Dasselbe  \\iederhoU 
sieh  .in  \rrsrhirilrurn  Punklrn  drr  Insrl  Sk\r,  \\o  i:r\\i)hnlirlirr ,  Aiuinonitrn 
und  (ir\|)liarru  fiilirrndrr  Kalkstrin  im  Contaclr,  mil  Syenil^ranit  und  syrnili- 
srlirm  l-'rlsitporphjr  in  srhnrr\\  rissrn  kr\staHinisclu'n  Marmor  ilhrr^rlil. 

Allr  dirsr  (lontacUN  irkuniicn  drr  ICruplixizrstrino  auf  ihr  Nrhrui;rstrin  las- 
>rn  .sirli  aus  drr  mrhr  odor  wonit^er  lang  andaurrndrn  Krhil/ung  dessell)en 
hrrlritrn.  bosondors  \\run  man  annimml ,  dass  das  Wu'rmeleilungsvrnnoiirji 
drs  Nrhrn^rstrinrs  durcli  Vrrmillrlimii  d(>s  soino  I'orrn ,  Fu»on  und  Scliirli- 
rrlullrndrn  Wassrrs  \rriirnssrrl  und  dadurch  don  Contarlrrscliri- 
die  Miiiilirhkril  oinrr  iin'issrrrn  Vrrhrriluni-  i?ojj;ol)on  wurdo.  Namonl- 
lirh  Iiei  rnikrNsl.illisirunii  des  Kalksteinos  scheinon  erhilzte  Wasser  rim-  ^r- 
sentliche  Hollo  als  Vehikel  dor  vom  I;,rupti\^esloino  ausLielienden  liohen  Tom- 
peralmvn  i;ospiell  /.u  hahen.  Anderer  Art  ahor  \\aron  die  aJs  hydatolher- 
miseli  he/.eielmoleii  Ausserun^Mi  dor  Conlaetinelainorplio.se,  wio  sio  durcli  das 
Kindrintion  dor  \on  dein  l;.ni|)tivmai;ma  emporgofUhrlen  Uberhitzlen,  Nviissori^on 
Solulionen  sielie  pat:.  201)  ill  dom  Noliengostoino  hervorgobracht  wurden.  Diese 
liei««>en  l.osuut:en  draiit;on  in  die  Poren  dor  l>enaehl>arton  Gestoine  und  voi- 
millollen  niehl  nur  eine  rmkr\  slallisiruiit: .  sondern  solzlon  /ui^loieli  ilire  mi- 
noralisehe  Last  alt  und  \er\\andelteii  daduroh  nichl  nur  die  Struclur,  sondern 
die  iiosammlo  elieiniselie  /usaininen.set/.unt:.  die  jian/.o  mineralisehe  (lonslilulion 
der>ell»on.  Am  aiii-enlalliiislon  selieint  sich  dieser  Vorgang  dorl  holhiiti^l  /.u 
lialten,  \\o  uewolmlielie  Kalksleine  dnreh  (Iranilo  nichl  nur  in  Marmor  umiio- 
\\andell  uurdeii.  \\.is  aueli  wold  olino  Vormilleluni:  dor  Kruplivwasser  t:e- 
sehelion  kann  ,  sondern  \s  o  y.ut:leie!i  eine  [mprflgnatMHl  dor  (lonlaet/oue  dossol- 
hen  mil  fivmdarliiien  Mineralion,  namonllieh  kalkliallit:on  Siliealen,  \\  io  (iranat. 
Vosusian.  Kpidul,  Hoi  nhlende .  (ir.immalit,  danohon  Spinoll,  Flussspalh ,  (ilim- 
iner  slallirorunden  hat  iPjronaon,  Skandiiiavien ,  Alpon).  Audi  siiul  Hoispielo 
lioschriehon  \vorden.  \\oKalksleine  /.um  Theil  lerliiiron  Alters)  im  Conlaele 
mil  I5.is.ilt  \oiiOli\in  uiuMlat:neteisenei7..  im  (ioiitaete  mil  I.eueitlava  von  Leu- 
cil  und  Sodalitli  impriit:nirt  sind  (lout-iors  in  Fraiikreieh,  Monl((  Somma  .  Kino 
iilmlielie.  dun-li  die  \om  (iranile  abslammeiiden  l'>ru|tti\L;e\viisser  heuirkle,  auf 
Krliit/.unt;  des  .Nehen-e.steine.s  und  Xufuhr  ueuer  Mineralsuhslan/.  Iteruhonde 
(lontaetinetaiiiorpliose  isl  die  I'IIIXN andlunt:  \nn  (Jrau\\aeko  und  (irau\\acken- 
selnefer  in  Ilornfels,  \vie  sio  hesonders  in  der  Uingehung  des  Brockens  slall- 

Credner,  Elemente  d.  Oeologio.  15 


226  IV.    lVlroi;i>ncti>che  Geologic. 

grfunden  li.it.  Yor/iidich  schiin  sind  dieso  Contactersfcheinungen  mid  der  all- 
mahliehc  I'beriiani:  des  sehr  harlen  .  splitleriiien  llornl'elsos  in  uewohnlieho 
Grauwacken  am  Hehboriier  Graben  bei  Andreasberii  x.n  beobachten.  Die  rm- 

\\andlunii  der  letctgenannten  SddUneQtttrgestoine  in  llornfels  h.u  nicht  in  einer 

Fritlunii  mid  Yerdasuni:  derselben ,  sondcrn  namentlich  in  Hirer  ImpriiiMiation 
mil  Lrranitischeil  EruptivwaSSGTn,  v\olcho  (lit1  Kcstandtheile  des  Granites  in  1  .it- 
si!  mi  hielten,  slalliierunden.  In  l"nli:c  d;i\i>n  1st  del1  Kifsrlsiiurcgchiill  (K-s  (ir;m- 
wackenthonschtefers  brdrutcnd  \cnnclirl  \\ordcn.  Gnniiil,  Tuniuilin  und  1-Vld- 

spathkrystcQlchen,  sovvic  GlimmerblUlichen  ImU-n  sidi  ausgeschieden^  kur/..  die 
inineralische  und  ehemische  Constilulioii  dos  Nebeogesteiofl  ist  \ciiindrri  \vordcn. 

Kinc  iindtM'f  durch  Vcrinitlclun^  dor  Kiiiptivwasscr  des  (iranilc.s  Itodinutc 
(Itiiilactcrschoinun^  ist  die  rnmandlunu  dor  Thonschiofer  in  Flecksehiefer,  l:rucht- 
scliierer.  Knotcnschiet'er ,  (larbonschiefor,  Chiastolithschiefor ,  feldspathfiihrende 
("ilinimerschiefer,  und  Cornuhianit.  Bei  alien  diescn  Metainorphosen  lieuinnt  dor 
iieNNiihnliche  Thonschiofer  in  dcr  Richtunii  nach  dcin  (iranite  /u  ein  fcinschup- 
piizcs,  krystallinisches  Gefiljie  an/unelunen,  Lamellon  von  Gliniiuer  und  Kurn- 
chen  von  Ouar/  treten  allniiililich  doutlich  l\ei'\or.  sie  \verdon  zahlreicher  und 
nehinen  an  Grosse  zu  und  zugleich  enlwickeln  sich  in  dein  (Jcsteine  uluitkele 
Flocken .  wei/.enkdrniihnliohe  oder  bUschefformige  Concretioncn  einer  falunit- 
artiiien  Sul)stanz,  oder  ahor  Krystalle  von  Chiastolith  und  Feldspalh,  l)is  dcr 
urspriiniiliehe  Thonschiet'er  /,u  scinein  (lontacle  mil  dem  Granit  als  ein  charak- 
leristischer  (Ihiastolilhschiefor  oder  feldspathlulirendei'  Gliinniorschiefcr  erscheinl. 
Diese  rinwandlunLrsprodiicte  uniizeben  solche  Granitmassivs,  \\elche  inselartii: 
aus  eincni  Schieforterritoriiini  horvoiraijcn  ,  nicht  sellen  allseitiu  in  Form  einer 
holartij4en  Zono.  Dies  ist  vorzilglieh  bei  den  Granilparlion  Corn\\alls  dor  Fall, 
dasselbe  \\iederholl  sich  in  dor  liretaiine  und  in  den  l'\reniien,  so\\  ie  in  dein 
Schiefergebifge  Sachsens.  und  /v\ar  am  linken  Elbufer  in  tier  I.inie  \on  \\"ee- 
senstein  nach  Leuben.  Die  Breite  soldier  Uinwandlungszonen  schwankl  zwischen 
4000  und  30  bis  40  M. 

Der  Beanlworlunsi  der  Frage ,  ob  ge\\isse  ki-\slallinische .  sich  an  Granil 
und  Svenit  anlehnende  Gcsleine  diesen  ihren  kr\stallinisclien  (lliarakler  dein 
S\enil  und  Granit  \erdanken,  also  von  diesen  inetaniorphosirt  sind.  muss  die 
I  .^Istrllniii:  der  erupti\en  Natur  des  (iraniles  \  oi-ausiiohen.  In  der  Nachbar- 
schal'i  niancher  der  lanreiitischen  oder  Urgoeiiisformalion  angebOfiger  (inciss- 
izranile  trelen  kr\  slallinisclie  Kalksleine  auf.  \\(>lche  i-erade  italic  dein  Gnnlacte 
mil  jeneii  reich  an  accessoi'isi-hen  ( JeincnLZlheilen  .  jedoch  jiinuer  sind  als  die 
benachbarten  Gncissiiranile  nnd  diese  uleiclil'iirmiL:  iiberla^ern  oder  mil  solchen 
oder  deren  schit'1'erij.'cn  GesleinsNarietiilen  \\ •echsellai:ern .  \M>  also  Kalkslein 
und  Gneissi:raml  /nsammcni:ehorii:e  Gliedcr  eines  Scliiclitencomplcxes  bilden. 
Solche  nainentlich  aus  Nordanierika  beschriebene  Vorkoniinen  \\erden  /.ii\\eilen 
.ils  Ixpisehe  Heispiclc  der  h\ dalolhermischeii  (lonlaeliiiotainorplinse  durch  Granil 
aul^el'iihrl  .  sind  es  aber  ebenso  \\enii:.  \\  ie  ire\\isse  Gneisse  und  (iliniiucr- 
si-hiel'er.  \\elche  iih'ichfalls  als  Glieder  del1  laurenlischen  GneissfortttafioD  in 
\i-ibindiniL:  mil  Granilen  uleichen  I 'rspruiii.rs  und  Alters  auftrelen. 

\\eseniliclu'  rnlersliil/inii:    hat    die    Lehre    \oiii    hylatolliermi.schen  Con- 


IV.    IV'tm^iMirtisrhe  Geologic.  227 

lactmelaiimrpliismus  in  jje\\  issen  \on  Daubree  angestellten  Experimental)  uehin- 
deii.  welche  sich  ;iuf  die  Wirkiini;  iiberhil/ler  \Vasser  auf  Miueralai^reiMle 
nnd  Mineralsubslany.cn  ilberhaupl  be/.iehen.  Auf  :Jt>0  Grad  H.  erhil/.te  und 
langere  Xeil  auf  diesem  Tomperatargracle  erhaltene  reine  \\asser  \\andellen 
Obsidiansliicke  y.u  einem  feinkorni^en  krsstallinischen  Trachyt,  Glas  in  eine 
kaolinarliue.  namenllich  aus  (Juar/.krv.stallchen  und  \Yollastonilnadeln  bestehcndc 
Masse  inn.  Xu  iVrntMvn  Vcrsiifln'ii  NM-iulrh'  man  slatt  rcinen  Wassci's  Thcr- 
mal\\asst'r  \un  IMnnibicivs  an.  dcsscn  hcdt-ntcndcr  (ichalt  an  MiiHTalsiiltslan/.i'ii 
nnd  /\\ar  Nnr/nu^wcix-  Alkalisilicalrn  sclion  darans  licrvorging,  class  sich  aus 
HUM  in  dt-n  IlOhlnnurn.  KuLrt-n  und  POIXMI  alli-iimisclicn  Manci-\\ci-kcs  jciuvs  Ba- 
df.s  Chahasit,  Apoph\  Mil.  ll\alitli.  I'lussspath,  Aragonit,  Kalkspatli  u.  a.  Mine- 
ralicn  ahset/tMi,  dass  also  durch  ilnv  Vcnniltcluiiii  c'in  der  Zeolith-  und  Car- 
lionalbildunii  innorliallt  dcr  Mandclstoiiu-  analoger  Process  cingeleitet  wird. 
Solchc  durch  Ahdampfen  cunccntrii'te  Thennahvasser  wandcltcn  in  iibcrln't/.lcni 
/uslandc  Kaolin  in  l-'cldspathki-Nstallc  um  ;  in  der  kaolinischcn  Masse,  in  welche 
die  (ilasi'iihi-e  /ersel/l  \\orden  \\ai~,  hatlen  sich  Diopsidkr\ sliillchen  ausgebildel, 
-  lauter  Miuebnisse.  \\elche  .sich  zu  Gunsten  der  hydatolhennischeu  Conlacl- 
inelamorphose  auslc^gen  lassen. 

§    IT.     Die  Theories  vom  allgeiueinen  Metainorpliismus.     Wir  liaben 

Itishei-  eine  Heihe  \on  (iestc-inen  l)elraclilel,  deren  lTr.spning  nnd  jel/.ige  Er- 
selu'inuni:s\>eise  \\ir  mil  ansclieinender  Sicherheit  erklaren  konnten.  Neben 
diesen  aber  exisliren  niiichliiie  Schichlenreilien  \on  (ineissen,  Gliinmerschiefern, 
llornblendescliiefei'n,  Chloritscliiel'eni,  Talkschiefei'n  und  Granulit  mil  /\\ischen- 
iielagerlen  (Iraniten  und  Syenilen,  Uber  deren  Enlstehungs-  und  Ausbildnniis- 
\\eise  die  Ansichlen  der  Geologen  noch  unklar  und  unbeslininit  sincl  und  /nin 
Theil  Nveit  auseinander  jiehen.  .lene  (Jesleine  bilden  nicht  nur  die  Uber  30,000 
Meier  machine,  als  laurenlisch  und  huronisch  be/.eichnele  Gneiss-  und  krystal- 
linische  SchieferfuriDution,  also  die  ;ille>,teii  nns  /.UL-iinglichen  Gesleinsbildnni;en, 
siiiidern  WiederholeD  sich  in  verschiedenen  jilniieren  I'erioden  als  izleichtni'inii; 
zwischengelagerte  Schichleni'eihen  /AN  isehen  ecliten  und  versleinenin^si-eiclien 
Sandsteinen.  Kalksleinen  und  Schiererlhonen.  \\  ie  dies  /..  B.  im  Silur  Nor\\e- 
Ljrns.  im  Silnr  \on  Schottlaiul.  im  DeMtn  des  Taunus.  im  Jura,  in  der  Kreide 
uml  im  l.ociin  der  Cenlralal})(M»,  im  Jura  der  niirdlichen  Apenninen  del-  Fall 
isl.  Die  ursprunglich  sedimeutiire  Knlstehungsweise  aller  dieser  Gneiss-  und- 
nanienllich  der  kr\  stallinischen  Schielei-cmnplexe  kann  nichl  be/\\eit'ell  \\erden: 
in  Dbereuutifnmiing  mil  der  Si-hichleiiabsonderiiiiiz  \\iederholen  sich  zahllose 
NVechsellauerungen  der  verschiedenafftigBleil  (iesleine;  die  <loloinilisehen  Kalk- 
sleine  der  \i»i->ilui-isehen  Schierei-rorinalidii  sind  so  deullich  geschichlcl .  \\ie 
It -iassiseln'r  \\ellenkalk;  /.\\  ischeii  ihnen  11'eten  reueliniiNsi^e  Lai^er  \(»n  QuaivJl, 
(lonuloiiierateii,  i:rnben  Sandsteinen  und  Thonschiereni  auf;  Hire  Sehichluiii:s- 
ll.ichen  >ind  an  i:e\\i»en  l.uealil.ilen  \mi  den  deiilliclislen  \Velleiifurchen  be- 
deekl  :  >ie  >elbsl  \\  ecloellaLierii  in  i:rii>ster  Heiielinjissiiiki-il  mil  geschichleleii 
(ineissen,  (ihlorit-.  Talk-.  Glimmer-,  uml  llornblendeseliierei-n :  /\\  isehen  diesen 
lieien  Emlagerungen  son  (iranil.  Kli»l/e  son  iMagneleiseneiv.  und  (iraphit  auf; 
endlich  uehen  sie  in  versteineruugsfUhrende  Silurschichten  iilnsr  oder 

15* 


228  IV.     Pi'tm^iMirlixche    (icnlo-ic. 


erl  /\\ischcn  die  fnssilreichen  (loinplexe  jiiiigcrer  Forinalioneii. 
-  alles  Krscheimmgcn.  \\elche  i'iir  cine  sediiiienlare  Knlslehung  tier  belrel- 
lenden  Gncisse  mid  krvslallinischen  Sohiefergesteine  sprechen.  Ihi1  heuliger 
Gesteinscharakler  isl  jedoeh  nach  Ansiclil  der  Mehr/.ahl  dcr  Genlogen  uiclit  dcr 
UrSplHlngliche,  vielmehr  \erfiel  das  anfiinglichc,  sedimenlare,  klaslische  .Material 
ini  La  life  drr  Xeil  cincr  I  nmaiidlnng,  cincr  iMelamorphose.  aus  \\elclier  die 
krvslallinische  Slrnelnr  iiinl  del1  pelrographische  Hal)itus,  wie  ihn  <lie  (iiiei-- 
NIK!  krvslalliniselie  Seliiel'erreilie  lieiile  x.eii:!.  resultii'le.  Uber  die  Nalur  mid 
die  I'rsaehe  dieses  die  kr\  slallinisdie  Aiishilduni:  l>ediii|4enden  UinwandluiiLis- 
processes  LTchen  die  Ansichteii  \\eil  aiiseinaiider  nnd  enllx-lircii  /inn  Tlieil  noch 
jcjilichcr  sicliercn  Btigrtinduogi 

Die  jet/iize  I'.rscheinungsweise  dcr  hesjtroclienon  nielamorplnschen  Schich- 
Icnetiinplexc  \\ird  jc  nach  dein  vcrschiedcnen  Slandpunkte  der  CieoloiiCMi  \on 
den  Kiiu'ii  als  das  Kesnltat  dcr  vom  gluthllussiijen  Krdinnern  hcraiif\\irkenden 
liolicn  Ti'inpei'alur,  von  den  andcren  tils  das  Resultal  In  drocheniischcr  1'rocesse. 
d.  h.  eheinischer.  durch  Sickerwasser  ein^clcitelcr  Von;ange,  mil  anderen  Wor- 
(en  einerseils  als  eine  Reaction  des  Ynlkanismns.  andererseits  als  einc  solche 
der  Atiiiospliiirilien  l)etrachlet.  In  ersleivin  Fa  lie  war  der  Metainorpliisnins  des 
urspriiniilielien  Sedinienlannateriales  die  l-'oke  eincr  langsam  wirkenden  Er^ 
hil/.ung  durch  die  innere  Erdwlirme,  wodurch  unter  zugleich  staUfindendein 
Drucke  der  ul>crlagerden  Schichlencoinplexe  eine  Schmelzung  dcr  untersten 
nnd  cine  innere  rnikrystallisirung  der  em  hoheres  Niveau  einnehnieudcn  (Ic- 
slcinsmassen  bedingt  war.  Bei  diesem  Processe  \vird  einerseits  den  \\assern. 
wclchc  anfiinglich  die  Poren  der  Sedimentgcsteine  anfQllten,  die  WJinneleitungs- 
fahigkcit  derselben  vergrb'sserlen  und  somit  als  Vehikel  fiir  die  Wa'rme,  /nuleich 
aber  in  ihrcni  iiberhilzten  Zustunde  als  Auflosungs-  und  Zersetzungsmitlel  dien- 
len,  tindei'ci'seits  den  (lascn  und  Diiinpfeu,  welche  dem  gluthfliissigcn  Krdki'rne 
enlweichen  und  das  Geslcin  durchdringeu  ,  als  uingestaltenden  Ursachen  cine 
grosse  Rolle  zugetheill. 

Diese  Theorie  setzt  voraus,  dass  bedeutende,  vom  Erdinneren  ausgehendc 
Tcinperalurcii  alliniihlich  in  ein  hoheres  Niveau,  nehmlicli  in  das  (lurch  die  Se- 
dinicnlablageruniicn  dcr  iilleslen  Oeeane  eingenonnncne,  liinaufgcn'ickl  seien, 
nnd  erkliirt  dies  dadurch,  (lass  in  Folge  einer  Krlib'hung  der  Erdoberfla'che  durch 
Ablagerung  niiichtiger  Scliiclitens\sleine  die  conslanlcn  Tenipcraluren  der  Krd- 
ki-uste  (chlhonisothcrmen  Fliichen)  naeh  oben  gestiegen  seien.  Auf  diese  Weise 
\\crdcn  die  Teniperalnren  der  ursprilnglich  oberfliichlichen  Gebilde  durch  Aus- 
t'iillung  eines  el\\a  15300  M.  tiefcn  .Meereslieckens.  also  durch  Ablagerung  eines 
eben  so  inacliligeii  Scliiclil(Micoini)le\es  uni  I  DO  (Irad  (1.  siehc  pair.  7  geslei- 
gerl.  Der  durch  solche  \\iirineeiii\vii-knnucn  eingeleilele  und  ini  La  life  Janger 
/.citriiuine  vollendete,  sng.  Inpngcne  odcr  plulonische  Metainorphosirungs- 
process  iindet  sein  Analogon  in  gewissen  Erscheinungen  der  Contactinelainor- 
|)hosc,  denen  /u  Folge  z.  B.  Thonschieler  durch  die  Kin\\irkung  des  cruplixen 
(iraiiilinaginas  in  (lliininerschiefei1,  Chiaslolilhschiefcr  und  Gneiss  uingc\\andclt 
\\urden.  Auf  der  anderen  Seile  bleibl  nach  dieser  Theorie,  \vcnn  sic  allgeinein 
auf  die  Deulung  des  L'rsprunges  der  geschichteten  krystallinischen  Silicatgesleine 


i\     PetrogenetisctM  <;«'nin-ii>.  229 

anue\\andt  \\ird.  die  ThaKidie  vollsiandig  unerklcfrlich,  da.v,  (l<nnple\e  \nn 
echien  Gncisscn  mil  uraniiiselien  EinlagemngeD,  so\\jc  \on  krystallinischen 
Seliiel'ern  auf  unveranderten  versteinerangsroiohea  Sediroentfirschichton  auirulien 
iinil  \dii  solehen  direct  iiml  deichlormiL:  uberlagerl  \\crden. 

Im    Gei;ensal/    /.u     dieser  Ansiclil    iiber    den    Ausgnngspunkf    und    die    Vor- 
U.illLie    (lex    Melaiiiitrpliisimis    uaii/.er    SchiclilcnsN  sleme    abslrallirt  die    hydroel.e 
misclie  Thcorie  des  alkemeincn   .Mctamorphismus  \on  einer  [tlutonisclien  Ilil/e- 
eiimirkuni:.    erkennt    in    lanuandaucrnder   I)iircli\va'ssermig    die    Irsache    dieses 
um.s.sarliuen   GeMeinsuiiiNxandlungsprticesses   und   selireiltl   diesei1  di(>   slalluelialtle 

substantielle  Verttnderuiig  und  Umkr^stallisirtMig  der  metamorpfaischen  Sehicli- 
(en  7.11.  Danacli  ist  dieser  Vnriiani;  die  sich  in  der  Knltiefe  l>e(hiiti»ende  I''oi1- 
set/unji  der  in  den  oherllaelilirlien  Ni\eaus  der  Krdkrustc  als  Zerset/iini:  nnd 
Aullnsunii  >ieh  izellend  maclienden  elieniischen  Tliiitiiikeit  des  Wassei's  sielie 
P.IL;.  lil  u.  1'.).  I.el/.teres.  Kulilensiiure  und  SauerslolV  enlhallend.  driiiiil  nacli 
seinein  Niedersclilniic  ans  der  Almospliiire  (lurch  die  (iesieine  nalie  der  Hrd- 
olterlliiclie.  \\o  Jlmi  dureli  slatllindende  Oxydalionsprocesse  der  Saiierstoll'.  (lurch 
Xerset/iini:  ue\\  isser  Silicate  die  Kolilensiinre  ent/oizen  \\ird,  bis  heide  (lase, 
naclidem  das  \Vasser  oinen  laniieron  \Veg  in  die  Tiefe  /uriickiidoi:!,  allmiihlich 
uan/  aiif-e/ehrl  sind,  und  jene  Zersel/nnizen  aufhiiren  milsscn.  Dahiiii-etzen 
halien  .sieh  die  (ie\\;isser  mil  lOslichen  MiiUM-alsubstanxen  l)elad(M»,  >v(il<ilu>  in 
tieler  lifiiendcM  Scliichten  anizelanizt,  Veranlassung  zu  Gostoins\eriinde!MinLien 
iielten  >iehe  pa».  132).  Auf  diose  Weisc  in  Losung  /uizelulirle  Alkali-  und 
Kalk>ilicate  \erltiiulen  sidi  mit  l)oreils  vorliandenen  /u  /.usjininienueset/len  Si- 
licaten  (z.  B.  Foldspath,  Glimmer),  \velchcsicl),  da  dieser  Process  iiusserordcnl- 
lieh  langsam  vor  sich  geht,  krystallinisch  ausschciden.  Enthallen  einfaclio  Si- 
licate. \\elclio  sieh  mil  einander  V(>rl>indon,  Kieselsiiuro  in  griisserei1  Mengc, 
als  di(>  aus  denselben  cnlstelienden  Doppelsilicale .  so  (M'folgt  l>ei  diesem  Vor- 
^aii^e  cine  Ausscheidung  des  Quarzes.  Die  hydrochemischc  GestcinsmeUimor- 
l>hose  bestelil  demnach  in  der  Zufuhrung  von  Minerallosungen  aus  obcrlliicli- 
licheii  Ni\eaus  in  liefere,  ferncr  in  dem  Vollx.U|j;  gegenseitiger  \Yrbindungen 
und  /ei-set/ungi-n  /\\ischen  jenen  Solulionen  nnd  dem  durch\\;isserlen  Gesteins- 
materiale  und  endlich  in  der  daraus  hervorirelienden.  langsamen  und  deshalb 
kr\stallinisclien  Neuliildung  \on  .Miner;ilien,  also  in  Summa  der  vollslandigen 
I'liiueslaltunu  der  cliemischen  Zusammenset/uni:.  der  pelrograpliisehen  Consli- 
lution  und  der  Strueturyerhallni>se  des  urspriin^liclien  Gesteines.  Dieser  Pro- 
cess erforderl.  \\enn  auch  unler.sliil/.t  durch  den  Druck  Uberhpern<ler  Scliichten 
und  die  Tcmperatur/.unalune  dcr  Krdliclc.  enurine  Zeilriiume.  Die  I'ol-ericli- 
tige  (]onsei|uen/.  dieser  Tlieorie  isl.  dass  •/..  B.  aus  ein  und  demselben  Kalk- 
sleine.  jc  nacli  dcr  Natiir  der  in  ihm  circiilirenden  Mineralsolutionen  und  der 
dadureh  einuelcitctcn  cliemisclien  Proccssc.  sich  an  der  cinen  Stelle  ein  l'\ro\en- 
nder  Am|ihiboli;esteiii.  an  dcr  anderen  ein  (iranal-  odcr  I'ipidittgeslein,  an  einer 
drittcn  ein  Ouar/-  odcr  l-'ehlspalliueslein  enl\\iekeln  kann. 

Dcr  llaii|)lcin\vurf  gegen  di<-  Tlieorie  \mn  hydi-ocliemisclien  Metamorphis- 
mus  berulil  daraul'.  dass  si,,  liin-.-iv  /eilraume.  als  /,.  H.  vom  Silur  bis  jel/.l 
\erllosscn  .sind.  fiir  die  rm\\andliini:  der  (iesieine  in  l-'olge  allgemeiner  Durrh- 


IV.   Pdtrogenetfeche  Geelogta. 

\\,is>enmg  vnraussel/l.  denn  allc  Formalionen  \om  Silni-  his  jety.l  hclinden  sich. 
wo  sic  ii  or  in  ;il  ausgobildel  sind,  noch  niclil  ini  /nslande  des  Melamorphosirl- 
scins.  Nun  cnthallen  aber  allc  palaeOCOfSehen  Formatinnen,  so  namcnllich  aueli 
diis  direct  ;mf  die  kryslallinische  Sehiel'erl'ormation  I'nluende  cambrische  mid 
silurische  SchichlensNslem.  Uollstiicke  souohl  \oii  Gneissen.  ills  auch  \on  kr\- 
stallinischen  Selnd'crn,  \\elelie  jzrnau  dcnselbcn  Habitus  bcsil/cn,  \\ic  ilir  Mut- 
lergeslein.  Dor  beanspruchle  lang\vierige  iMelamorphosirungsprocoss  der  vor- 
silurisclu'ii  Fonnationen  war  also  bciin  l-jiitrill  dcr  I'lrdc  in  die  silurisclic 
I'ci'iodc  hci-cils  vollendot,  kann  dcslialh  kcinc  laiiizcn  /citraunu?  in  Ansprucli 
ucnoiiiiiHMi  liahcn.  \\iirc  aber  dieses  l.ctxtcrc  dcr  Fall,  so  iniissliMi  alle  uusei'c 
palaco/oisi-hon  Fonnationen  sehon  liingsl  in  krvst;>lliuisehc  Seliicfcr  und  Gncisse 
inn^e\\;indelt  sein. 

Ausser  dicsern  und  dem  oben  gegen  eine  plutonischc  Mel;inior])hosc  an- 
uefuhrten  (irundc  (Exislcnz  von  Gneiss-  und  krystallinischcn  Schiefercomplexen 
zwischcn  uiueriinderlen  verslcinerungsfUhrcndcn  Schichten)  habon  cinii;e  (ieo- 
logon  noch  cine  Anzahl  anderer  Einwllrfo  gellcnd  geinacht,  \\clelic  sic  \oran- 
l;i»en,  sich  dajzcuen  zu  orkliiren,  class  ilberhaupt  eine  derarliiie  alkenieinc 
Metaiiiorphosirung  der  alteslen  Sedinientiii'iicslcinc  stettgefanden  liabc.  diiss  \iel- 
inelir  ihr  heutiger  Gesteinscharakter  ein  urspriinglicher  sei,  nrspriing- 

lich  in  eben  dem  Sinno,  \>  ie  dies  Wort  von  Schieferthonen,  Conglomeraten. 
Sandsteinen,  Mergelschiefern,  Rogensteinen  u.  a.  gebraucht  wird.  Von  diesen 
KiiiNNiirfen  mbgen  neben  den  oben  berUhrtcn  noch  folgendc  I'lalz  linden: 
i)  Uberall,  wo  die  vorsilurische  Formalionsgruj^pe  bekannl  1st,  sei  cs  in  Indien 
oder  Skandinavien,  in  Canada  oder  in  Bayern,  liliedert  sic  sich  in  derselben 
\Veise.  besitzt  sic  gleiehen  pelrojiraphischen  Aul'bau,  liihrcn  ihre  ein/.clnen 
Scliieliten  diesclben  aecessorischen  (ieincnizthcilc,  wiederholen  sich  in  ihr  die 
nehinlielien  \\ 'ei •lisellagerungcn  dcr  verschiedenarligslen  (iesleine.  Dit-se  voll- 
kommene  Ubereinslimmuiii;  des  pelrographisehen  Charaklers  cincr  idter  :50,00(l 
.Meter  niachligen  Schiclitenreilie  kann  nichl  das  Product  eines  dem  \Veehscl 
und  Zufalligkeiten  ausgesetzten  ])urch\\asserungsproeesses  sein.  -2)  Die  soxvohl 
in  diinnen  I.amellen,  wic  in  miichligen  Schiclilencomplexen  wcchselnde  (ie 
sl(Mnsl)esehall'enlieil  der  (Ilieder  der  Gneiss-  und  ScbieferfMUiation  steht  immer 
in  voller  Ubereinstimmung  mil  der  Schichtenabsonderung,  Ix'ides  sind  von  cin- 
ander  abhangige  Verhallnisse.  Es  hat  sich  mithin  das  Material  successive  ge- 
anderl  mil  der  Andenmg  der  Bedinguniicn,  \\elchc  der  schichtcMimiissiucn  Ab- 
l,ii:enmg  zu  Grft'de  liegen.  Aus  einei'  hydrochernisehcn  Melamorphose  hingc^en 
\\iirden  in  Folge  des  slofTliehen  Umtauschcs  ziemlich  deirhartige,  nichl  ;il»ei 
oft  in  gcringen  Abstiinden  ihi'en  Habitus  vollslandig  andernde  Gesleine  hervor- 
ue^angen  soin.  3)  Die  durchweg  den  Schichtungsllachen  parallcle  AiKirdimim 
der  (llimnierblattclicn  und  dcr  llornblendesanlcn  ini  (ilimmer-  und  Hornblende- 
scliiefer,  das  sich  Anschmie^cn  der  (ilimmerlamellen  an  acccssorische  Kr\slallc, 
z.  B.  an  Granat,  lasst  sich  allein  dnrch  eine  chemisclie  I'raedpation  dicscr 
Gemeogiheile,  nichl  (lurch  cine  h\droclieinisehe  llcriinsbilduni;  aus  festem  Ge- 
sleinsmaleriiilc  crkliiren.  4)  Die  Ansiclil  \erein/.eltcr  Gcologen,  d.iss  der  kr\ 
slallinischc  Habilus  der  Krupti\gesleine  ein  secundarer,  crsl  allmiihlich  ;nis  cinem 


IV.      I'rtl'n^iMICli-rllC 

nrspriinulirh  lioniouencn  her\  urueuanizen  sei  .  sticss  iiul'  alluctneinen  \Yiderspnieli. 
\M-il  man  sicli  mil  Hecht  izcizcii  (lit1  Idee  slriiuhle.  <l;iss  sich  /..  B.  ein  /.oil  ;;rns.scr 
Sanidinkrystall  in  dcr  stanm.  widerslands(ahii;en  Uhriiien  (Jesleinsmasse  hiiUe 
Plat/  versehallen  uiul  allmahlich  \\achsen  konncn.  Kin  rnterschied  /\\  ischen 
diVsi-n  alluomein  MTv\orlonen  Ansichten  nnd  der  \on  der  allmahlichen  Aushil- 
dmii:  MIII  Tunnalin.  (initial,  Spinell.  Until,  Klnssspalli.  Apatil.  Slanrolilh  u,  a. 
in  eincm  r.'.siru  Scdiinriil.irui^lfiiic  in  hdp-  liMlniclu'iuisclKM-  Mctainurpliosi-  isl 
iiirlit  crsiditlicli.  Hal  man  I'cnuM-  mil  Hcchl  1'ilr  die  licrcits  \or  Kr,slaiTiiii!4  dcr 
X\\  isclicninassc  fi-r«>lt;li'  Individiialisinini;  dcr  I  cldsp.illikr\  slallc  dcs  I'lirphjres 
nnd  Traclnlo  da>  Vni-knninitMi  MHI  /.crhroclicncn  und  von  Gnindinassc  ^t'lrt'iin- 
Icn  Ortlidklas-  nnd  Sanidiiikryslallcn  L;cllcnd  i:cmac|il.  so  kann  dicscllic  Sclilnss- 
l(»li:cruni:  mil  lU'/iiu  anl'  die  rr\\ahnlcn  acccssoriscli  in  dci1  (Inciss-  nnd  Scliic- 
rci-lormalion  aiiftrclcndcn  ^rystaUi^dividuen  in  Ansprncli  UCIKIIIIIIICII  \\crdcn. 
anch  liit-r  linden  *\c\\  /.crlirochene  Xirkon-  und  (Jranalkrxslalle ,  dcn-n 
t-nlt-  ivp-nsriti^  M-rsflitilicn  nnd  von  Goslcinsmassc  izt-trcnnt  sind. 

Xclit-n  dcr  ohcn  crlaulertcn  Thcoric  dcs  allucmcincn  .Mclamorphismns  lii.ssl 
sich  die  Ansichl  von  der  Ursprllnglichkeit  dor  altesten  Sod  imciil- 
I  n  i  in  a  I  iouon,  vsie  folgl,  darslollen: 

AIIN  dcni  Xnslandc  dcr  Millkoimncncii  (ilnllilliissiiikcil  iiing  die  Erdo  durch 
Aiissir.ililunu  \on  Wiirmc  in  don  Wcllcnraum  in  das  Stadium  dcr  Schlackcn- 
liildmii:  iiltcr.  in  I'uluc  dcrt-n  sic  sich  mil  ciner  Erstarrunuskriislt-  licdccktc. 
I'nlcr  dcm  Dnit-kc  t-incr  Atniospliarc.  in  \M-lclicr  sich  dt-r  sammtlichc.  hcnlc  in 
Kohlcn-  und  Carfoopatgesteineji,  so\\iti  in  tii^anix-hcii  \\Cscn  iicl'csscltc  Ktihlcn- 
slulV  als  Ktililciisiiuro.  allcs  Wasser  dor  hcutigon  Krdtiherfliichc  nnd  Kruslc  in 
(ias-  nnd  Dampffonn  vtMlhcill  hcl'and:  unter  doni  Druckc  tlicscr  AtiiKispliiirc  \\ar 
di«'  (Itindcioaliiiii  dcr  \\"asscrd;im|)rc  /.n  \Vasscrschon  hci  Tom{)oralurtMi  moulicli, 

unit-r  tlcncn  sich  ln-i  den  heulim-n  alm(isi>harisch<>n  Yerhallnissen  das  Wasser  um- 

i 
gckehrl   in  Dainpf  \er\\andcll.      Die  Knldlierflachc  hcdeekte  sieh  mil  eincm  Mccn- 

MIII  iilicrhil/len  \Vasscrn.  Diesc  \\  irklen  ill  liochsl  eneriiiseher  \Veisc  y.erset/.cnd 
nnd  Itisend  auf  die  mincralischen  Ueslandlheile  der  l-j'slarrunusknisle.  In  hike 
allma'hlicher  Ahkiihluni:  dieser  crstcn  Mccrc  \crltiren  sic  ihre  Solu^ionsfa'higkeit, 
(In-  his  dahin  in  I.nsuui;  helindlichen  Snhslanxen  sehieden  sich  aiis  nnd 
liefcrten  anlanulieh  das  kr\slallinische  .Malt-rial  der  (ineiss-  nnd  (ilimmersehic- 
fer.  spalcr.  jc  mehr  naeh  eiimelrelener  Ahkiihliinu  die  ehemisehe  l>ildnnus\\eise 
finer  mechanischcn  I'l.il/  machle  .  das  Malerial  dcr  rrlhtinschii-rer  und  dann 
der  uexMihnliehen  Tli<iiisehii-rci .  Nichl  y.u  iihersehen  ist  hicrliei,  dass  der  Kr\- 
stallisationspunkl  dcr  Eahlreichen,  dan^ils  in  Sulution  helindlichen  Mineralsnli 
siaii/.en  M.II  dein  relali\en  Verhallnivse  der  i;lcich/.ciliL;  ^eluslen  nder  sich  in 
I.IISHIIL;  hallenden  Snlislan/.en  ahhini:  nnd  danach  einem  slclen  NVeehsel  unler- 
\\iirrni  \\ar.  In  den  I  rinecren  iinderle  sich  dies  \crlialluiss  je  nach  den  mehr 
oder  XM-ni-er  raseh  nnd  masscnliaH  erfiil:jenilen  Alisselieiduugcn  CMi/elner  Mi 
neralkiirpcr .  sn\\  ie  naeh  der  in  nndeichcm  Schrille  \nr  sich  ueheiiden  Anrei- 
ehcrnni:  dersclhen  an  \crschiedcnarliuen  Miiicralsnhslan/.en  (lurch  neiie  Xer- 
sol/.unucn  nnd  l.osuu^en.  Die  I  nke  des  iiicoii.slanlen  Vcrhiillnisses  dcr  ueloslcii 
Hcslandlheile  des  heisscn  I  rmecres  \\ar  dcr  uherra.schendc  \Vceh.sel  der  resnl- 


IV.     IVtroLMMlt'lisrlir 

tirenden  Gesteinsablageningen ,  so\\ie  die  Moglichkeil  .  da>,s  siHi  Mineralknrpei-, 
die  in  reinem  \Yasser  ganz  \ersdiiedene  Krystallisationspunkte  liaben  ,  gleieh- 
zeitig  oder  in  umgekelirler  Heiheiifdge  ausseheiden  konnten. 

Dass  iiuch  unsere  erhien,  verstemerungsftthrenden  »klastischen«  palaeozoi- 
sdien  Thnnsdiiel'er  nichl  diuvliaus  aus  /iisaimneiigeselmemmlen  Triunmeniiale- 
riale,  sondern  /.uni  Thcil  ;\us  urs  piln  i;l  i  ch  k  r  \  sl;i  1 1  i  n  i  sch  c  n  Aussclici 
duiiiicn,  aiis  klcincn  HonihlcndcsJiiilclK-n ,  (JlimnirrlilaUdirn ,  Quiirxkornclirn 
^n-ich  ;inFliLssiiikoitseinschlUsson  und  mitdtni  benachbarten Gesteinselementeo  \cr- 
(licsscnd  und  vi-rsNjirliscn}  hcstcluMi,  1st  crsl  ktlrzlich  durch  Zirkel  niicliizcxN  Irscn 
und  untcrstiitzt  die  Theorie  von  der  nrsprttaglich  krxslallinisclicn  Knlslrhunu  ;m- 
dcrcr  Scliichtoncoinploxo.  In  dor  roiidniiissiizcn  Aufeinanderfolge  von  den  (Jncisscn 
/uni  (JliinnuM'schiefcr,  von  dicscm  zuin  Phyllit  und  cndlidi  \<>n  Icl/.lci-cm  /n 
den  vcM-sldiKM'iingsrddicu  palaeozoischen  Scliioforn  hat  man  somil  nur  dn  mil 
dcr  Zeit  sich  inalc'ricll  iinderndes  AusscheidiingsVenndgeti  und  oine  Verschic- 
dcnhdl  dcr  die  Ausbildung  dor  ausgeschiedcncn  Masse  bedingenden  iiusseren 
Verliiiltnisse  zu  erblicken ,  ein  Nachlassen  der  rein  chemischen  und  eine  Zu- 
nahnie  der  niechanischen  oder  der  unter  Yermittelung  der  Organisinen  \or  sicli 
uehenden  Malerialbildung,  mil  \\elcher  eine  Verringerung  der  NeiLiunii  '/.ur  Bil- 
dung  von  krystallinischen  Gemengtheilen  gleichen  Schritt  halt. 

Fiir  die  Anha'nger  der  Ansichl  einer  hj^latop^Toy(MH'ii  |{ilduni;s\Neise  der 
Eruplivuesleine  und  ihrer  hydalothermischen  Contactindaniorphose  sollt(>  diese 
Theorie  von  der  UrsprUnglichkeit  des  krystallinischen  azoischen  Gesteinsmate- 
riales  nichls  befremdendes  haben.  Nehmen  sie  doch  mil  Bezug  auf  die  l^nt- 
steliunii  des  Eruplivgranilcs  an,  dass  cine  Mischung  von  gluthfliissiirer  Gesteins- 
masse  und  iiberhilztem  Wasser  durch  Abktihlung  zur  krystallinischen  Ausbil- 
dung gelangt  sei  :  die  Enlstehung  der  sedinientiireii  Gndsse  und  Granite  \\ai- 
ein  an/iloger  Vorgang,  nur  dass  iiberhilzle  Wasser  nicht  die  Neben-,  sondern 
die  Hauptrolle  spielten.  Die  Eruptivwasser  des  Granites  (»granitischer  Saft«), 
welche  das  benachbarle  Gestein  mil  Feldspalh-,  Glimmer-,  Spinell-,  Hornblende--. 
Turmalin-  und  Quarzkrystallen  impragnirten,  waren  ahnliche  Solulionen,  \vie  die 
ilb(M'hilzlen  Ge\\;tsser,  aus  denen  sich  die  ersten  aus  den  nehmlichen  Miiu-ralien 
bestdienden  Sedimenle  krystallinisch  ausschieden. 

Locale  und  sporadische  Einlagerungen  von  krjslallinisehen  Siliralgesteinen 
zwischen  versteinerungsfilhrenden  klastisehen  Sedimenlgesleinen  diirften  sii-h 
als  das  Resullat  der  Einwirkung  von  Mineralqucllen  auf  frische,  noch  schlam- 
migc  Sedimenle  erkliiren  lassen. 


Flintier  Abschnitt. 
Architektonische  Geologie. 


Ms  1st  die  Aufgabe  tier  archilcklon  ischen  Geologic,  zu  erforst -hen, 
.ml  \\cldic  \\Visc  die  (icsleine,  dercn  Zusammensetining  uiul  KnlslelmiiL;  in 
IViilicren  Akselmillen  hcsproclien  \\nnlc,  xiun  Aufl>;ui  der  I'eslen  Krdkrusle  be- 
iinl/.t  \\orden  sind.  \\elche  Form  die  ein/elnen  Bauslcinc  bcsil/.en,  und  \\ic  sic 
mil  cinander  zu  einem  grossen  Ganzen  verknilpft  sind,  --  kurz  sic  soil  den 
Ita  ii|)hi  n ,  die  Architcktur  dcr  Krdc  ergrtinden. 

Die  Mrdknislc  1st  aus  Gobi  rgsgliedcr n  aufgcbaut.  Untcr  einein  Ge- 
hirusdiede  sei'siehl  in;in  cine  tirosscrc,  durch  ihr  Material,  ihre  Form  und  Lage- 
nmi:  individualisirte  d.  li.  als  selbsUndigea  Ganze  charakterisirtc  Gesteinsmasse. 
Miileriiil.  1  orin  und  Laiicrung  cines  Gesleincs  sind  aber  das  Gesammtresultat 
dcr  EntstehimgSWeise  dessclben  und  jc  nach  ihreni  sediinenlaren  oder  ci'up- 
li\en  rrspruniie  so  dmvhaus  verschicdcn ,  dass  die  Gcbiiviilieder  nacli  dicser 
ihrer  Kntslehuiii;  und  den  da\nn  abhiini:ii;en  Vcrhiiltnissen  in  gesehi  c  li  I  e  t  e 
nnil  massive  liesnnderl  \verden  milssen.  Zu  ihncn  ^esellen  sich ,  riiiiinlich 
freilieli  cine  selir  unhTiicordnete .  nalionalokonoiniscli  aber  ausserordenlHch 
\\iclilim-  I5olle  spielcnd.  die  plat  t  e  nforin  ige  n  Miner  alma  88  en,  die  Mi  ne- 
ra  lua'nue. 

.1     Die  geschichteten  Gebirgsglieder. 

§.  I.  Die  Sdlicllt.  Die  Lieseliielilelcn  (lebirusdiedcr  bivslehen  ans  einer 
reiielmas.siucn  Heihenfolue  \on  anf  einander  lai:eniden  Sell  i  c  li  I  e  n  .  unlcM'selKMilen 
sieli  al.so  \nu  den  iiN'^siiien  durch  den  Hesil/.  riner  Seliichlniii:.  Mine  Scliiehl 
is)  cine  dureli  anniilicnid  parallele  Fliielicn  lie^n-nzte  (Jesteinsmasse .  in  dcr 
Kc-.'I  \on  scdimenla'rem  rrsprun::e.  Hire  IJc^rcn/imL'slliiclicn  licisscn  Schieli- 
t  unusflaehen.  Dcr  filr  echle  i;escliiclitclc  (Icstciiu'  lie/.ciclmcndc  I'arallclismns 
ist  nicht  allcin  in  dcr  iieizenseiti^en  Laiic  dcr  Scliicliinn-sllaelicn.  snndcrn  sclir  ge- 
\\iilmlicli  aueh  in  dcr  I'arallelMniclnr  dcr  Sehiehlenmasse  selbst.  so  in  Sehicfc- 
:.  in  heller  oder  dunkeler  Streifung,  in  verslcincrimgsiviclicn  Zonen,  in  grob- 


•i:\  I 


\     \rchitektonische  (I 


nder  feinkornigen  Slreilen  und  in  Lagen  \  on  Rollslileken  ausgesproehen.  Kino  %er- 
hjiltnissniiissig  sollone  Ausnahme  von  dieser  Regel  bildei  die  I)  i  a  _uo  n  a  I  s  e  h  i  c  h- 
tuiii:,  \\elohe  auf  Sandsteine  he>elir;mkt  isl.  Sio  beslehl  darin.  dass  sich  innerhalb 
einer  \on  parallelen  Sehichlungsllachen  begrenzlen  Sandsleinbank  eine  (Jiier- 
sehiehlung  und  -Streifung  zeigt,  welche  die  Hank  (|uer  durchselzl  siehe  (i.-.  :' i 
und  dor  Wirkung  \on  Kbbe  und  Flulh  zuzuschroiben  isl.  In  andoren  Sand- 

sleinen  von  der  Kohlonformation  herab  bis  zu 
deneii  der  jiingslen  IVrioden  ist  nicht  selten  eine 
ungl  eiehforinige  Paralletstructuf  in  der 
Weise  ausgebildet,  dass  sie  innerhalb  kurzer 
Distanzen  plo'tzlich  absetzl  und  ohne  alien  Uber- 
gang  eine  ganz  andere .  Richtung  annimml  lii:.  l-'i  . 
In  ein  und  derselben  Gesteinsschicht  konnen 
dann  viele  kleine  S\stenie  von  Parallelstruelur 
unlerschieden  werden,  welche  regellos  durch 
einander  liegen  und  gewohnlich  auch  kleine  Ver- 


Fig.  24.  Diagonalschichtung  (discordante 

Parallelstructar)  im  Sandsteine  (b.)  von  Snh- 

Icr  Neudorf  ira  Thiiringer  Walde. 


schiedenheilen  des  Kornes,  der  Farbung  und  Zusammenaetzimg  erkennen  lassen. 
Das  Sehichteninalerial  ist  in  den  meisten  Fallen  das  Product  eines  Ados 

des  ineehanischen  oder  chemischen  Niederschlagsproccsses  aus  Wasser  oder 

wasseriger  Lb'sung,  \\iihreinl  die  Schichtungs- 
kluft  einer  Unterbrechung,  einer  Pause  in  dieseiu 
Vorgange  enlspricht.  Auch  dann  \\enn  Schiehten 
vulkanischen  Eruplionen  ihren  Ursprung  ver- 
danken,  (wie  bei  den  geschielitelen  odor  Slralo- 
vulkanen)  sind  sie  das  Product  eines  von  union 
nach  oben  forlschreilenden  Bildungsacles.  \vel- 
unterbroehen  \\urdo.  Die  Dieke  einer  Sehiehi. 


Kiuf.  25.  Uugleichforraige  Parallelstructur. 

rlior   (lurch    einzclnc    Pauscn 


also  der  rechlvvinkelige  Absland  ihrer  beiden  Sehichluniisflachen  \vird  als  ihre 
Maehtigkeil  bezeichnel;  sie  schwankt  zwischen  dein  Bruchtheile  eines  Xolles 
und  vielen  Fussen  und  bleibt  sich  selbst  bei  einer  und  derselben  Scliieht 
nioht  imnier  vollkoinmen  gleich,  nainenllich  nininit  dieselbo  nach  ihren  Hiin- 
dei-n  /.n  zienilich  gloiehmassig  ab.  In  diesein  Falle  niiln-rn  si.-li  die  Scliiolidin.-s- 
Iliiolien  niehr  und  mehr  bis  sic  sich  cndlioh  sehneiden.  Dioso  Krsolieinuni:, 
das  sich  Auskeilen  einer  Schicht,  -  maolii  sich  in  der  Hegel  nur  b<>i 
Vergleiehunuen  dor  Maehtigkeil  einer  Sehichl  an  niehreren  \on  <>inander  enl- 
fernlen  Punklon  benierklich.  Trill,  sie  in  der  Weise  auf,  dass  eiii(>  (iostoins- 
masse  son  nur  geriiigen  Diinensionen  allseiliu  NOD  ilir  belroH'on  \\ird.  .so  er- 
halt  diose  lol/.lere  eine  linsenlorinige  (ieslalt  und  heissl  dann  Ion  lieu  hire 
Ki  nlaueriinu.  Sind  die  Cnjiluren  soleher  I'-inlaueninuen  sehr  umvuolin.i^iu 
oder  unbestimmt.  und  Ix'silzen  diese  .uleiehzeilii;  bedoulonde  Dimonsidiion.  so 
noiml  man  sio  s  I  oek  I'o  r  in  i  go  l;.  i  n  I  a  i;e  ru  n  ue  n  oder  Stiicko  /..  H.  \on 
(.xps.  Sal/.  .  Besomlers  injichlige  Seliiehlon  cordon  als  Hiinko.  S«-liichlen 
\on  leehiiiseh  nul/barem  (iesloinsmalerialo  als  Fliilze.  z.  H.  Sti-inkoliloiillnl/. 
l\u|»rersehierorlli.l/  .  \\enn  ihre  Miiehli^keil  koine  sehr  uh-idibleibondo  ist.  als 
l.-iuer  (z.  13.  KisensleinlapT  be/.eiehnet.  ob\\ohl  diese  t'nlerschiede  niohf 


V.     Aivliitektnnisclie 

slreni:  goliandhabt  uorden  Die  Slelle.  wo  rim-  Sehiehl  die  Krdol.erllaeho 
acfaneidet,  wo  also  riii  reehlwinkelber  .xl. -i-  .srhrauer  (Juers.'hniU  der  Sehiehl 
entstoht.  heisst.  f.-ills  dieselhe  oine  uenekle  odor  h.,ri/,outale  LIL-O  l).-sil/t  .  ihr 
Ausueheudes.  tails  SM  sehr  steil  autuerirhlel  isl  ,  odor  Nerliral  Stehl,  dor 

S  r  hie  lit  en  kopf. 

Die  Obor-  und  I'ntersoilo  einer  Sehieht  \\ird  iluivh  die  Schich  tu  n  u  s- 
fl  lie  hen  uebildol.  deren  obere,  die  (iivn/.e  nacli  der  niichst  jiiniicn-n  Schicht 
DiH-hfliiclM-.  deren  union'  dio  S  o  h  1  fliic  li  o  liouannt  wird.  Die 
iohon  sind  p-Nsol.nlu-h  ol.on  mid  jilall ,  Wolon  ahor  /uwoileu  I'.r- 
«l;«r,  woloho  in  inniiistoin  /usaininonhangc  mil  der  Bildunu  drr 
S-hirhlon  stohon.  llirrluT  u.-hoivn  dio  \Vollonfun-lion,  Roiionln.pfonspuron. 
l.oisten ,  I'seiidoiiioi-plioson  von  Sloinsal/M  Thierfiilirlon  nnd  inan- 
andoiv  Spuron  uriianisdion  l.ohons.  An  llaolion.  sandij:.-n  odor  solilain- 
MoiToskilston  hiUU-u  sioh  dnrch  das  Spiel  der  Ebho  und  Fluth,  iluivh 
deii  \\.-llonsoliIii-  dor  Sro .  lan^oslivckto  \Nollonlonni-o ,  llaoho  Krhohunsion 
und  YertiolimLMMi.  l-'.rliiirtot  eino  solcho  Sand-  odor  SchlainuiM-liiohi  und  wird 
son  Nouoni  NOU  Sodinionlon  bodookt .  so  \\ordon  diese  Wellenfurchen  aid 
dor  Karhlliiolio  (lor  Sohicht  in  ihrer  wirklichen  Gestalt  und  auf  dor  Sohllliioho 
,1,-r  narlisi  jiinuoron  Schiohl  in  Form  oinos  Abdruokos  orhallon  blciben.  In 
di-r  Thai  linden  sio  sieli  auf  don  Sohiohlun-slliirheii  violor  Sandsleine,  (irau- 
waok.-n.  rhniisehi.M'or,  Ouar/ito  und  kiosoliiicr  I'liseiier/o  solbsl  dor  huroni.selirn 
Schiororl'oniialion  in  I.  :/.torer  an  ein/elnon  Stollon  an  der  Siidkuslo  des  Lake 
Suporinr.  Nnrdainerika).  Auf  der  Oberllacho  mancher  sandi-er  und  ih.miuer 
(M-M.Miissoliiohl.Mi  siud  kleino  rundlicbe  Eindrilckc  zu  beobaohton,  welolio  durch 
,|,-n  AnlVolilai:  \on  «ot;onlr«>pftMi  auf  dio  damaligen  schlanimigen  nnd  sandiuon 
ITer  \\iiluvnd  der  Kbbo  horsorgobracht,  von  der  emdrin^ondon  Kluth  mil  Sehlaimn 
bi-dookl  und  auf  diese  \\eise  orhallen  wordon  sind.  In  Folge  des  Trockoiious 
ciuer  IViselien  Schlammsehiehl  wiihrend  der  Kbbo  bildon  sioh  aeftxf&flfloige 
Kissr  ;iuf  ilin-r  OluM-llarlic,  welcho  von  don  Sedimenten  der  na. -listen  t'lutli 
\\icderausuelulll  \\erdouund  dann  an  der  Unlersoile  dor  nougobildeten  Sohiehl 
in  l.rislenlnrm  horxorlreteu.  In  ahnlioher  \\eise  uerden  die  l;ussspuron  dor 
Thioi-e.  \\el.-he  sich  iil»er  den  inicli  plastischon  Sehlaimn  l)owoi^l  habon,  oonser 
\irl.  Selir  oft  sind  die  S.-hiehtuui;sllaehcn  von  don  Hoslon  der  Ho\\olmor  drs 
M.M-ITS.  ,ui>  ilom  die  Sedimente  al^clri^rl  \\nrdou,  liedeekl.  Iliiulii:  isl  eudlieh 
die  Krsolieinuni; ,  dass  /\\i'i  (.rst.-iussehiehton  durch  dUnne  Zwisolienl.iL-en  von 
andercm  Material.-,  diiroh  emeu  Hoslri;  uelreuul  \\erden. 

§.  2.  Scllichtenreiheu.  I'nlor  einor  Seliichl<-nroiho,  Sdiirhloni;nippe  ..der 
cinoni  Sehielili-n.sNsleine  \erslehl  man  eine  yloiolilnrini^e  concordanle  Aul 
rin.mdorfoli;e  \on  Sehiehlon.  Die  Xu.sainmon^ohiii'iLikoit  der  lel/.leren  isl  weder 
allein  dureh  uleidie  VersleiiifruniislnhrunL: .  nooli  aussehliosslioh  duroh  liloioh- 
..rliue  prlroiirapluM-lio  Hosoliallonlioit .  s.nulorn  dureh  ^l.-ieli/oili^>  I'aralloliliil 
<;ieiehf<>rmi::keil.  Concordanz)  der  ein/.elnen  ulterlauernden  Sehiehlon  bedingl. 
Line  Seluehlonreihe  isl  demuach  das  IVoduel  eiues  /usaiiiiuenhangenden.  uiiLce- 
slbrlen  Ablai:oruni:s\  or^aiiLies  aid'  deni  (irundo  oinos  Mooros-  odor  Seebeekeus. 
Die  iihor  ir^-nd  oiner  Seln.  ht  nder  Schichlongruppe  betindliche,  also  bei 


23C)  \     \rchttekt6nische  Heoloijf. 

Dorraalen    Verh^Unissen    jiinucre   Ablagerung,    ncnni    in.in   das   lla 

(lit-    inilci-     ilir     belindliche    I'arlie     der    Seliiehlenreihe     das    I.  i  eg  e  11  d  e     jener 

ills  Hori/oni  ani;enommenen  Sdiichi  odor  Schichtengroppe, 

Die  Vcrkntipfung  der  einzclnen.  petn>i:rapliiseh  oft  durehaus  vorsehiedeneri. 
/.u  einem  S\slein  veraeseilschafteten  Sehichlen  kiinn  cine  mehr  oder  \\eniuor 
enue  sein.  Am  loscslen  isl  dieselbe  dorl,  \\o  gan/.  heterogene  Gesteinsschiehlen 
geselzlos,  pliilzlich  und  ohne  i'l»cri;;iiiu  mil  cinjuidcr  NM-rlisolhi^rni.  Dcr  in- 
niuslc  /iisiiinincnhiini;  \\ird  dui'ch  den  ;i  1 1  inii  111  i  die  n  Chortia  n  L:  ilircs  M;ilc 
rialcs  hcriiostcllt.  So  nthmen  in  ihren  unteren,  also  iiltcn-n  Schichlcn  cciMrnl- 
itnne  Sitndsteinc  nach  ihroiu1  Hangenden  zu  melir  und  niohr  thoniizcs  Hinde- 
millel  aiif,  bis  diosos  vor  den  Sandkorncrn  vorvvaltot  und  sic  allniiililich  u;iiix. 
vordriiiiiil,  so  class  die  jdngstcn  Schichtcn  als  reine  odor  sandiuc  Srhirl'crllione 
dastchon.  Conglomerate  gehen  durch  nach  irgend  einer  Richtunir  (Mnlrrlende 
Vci  kleinorung  ihrer  Gerolle  in  Sandslcine ,  Kalksteine  durch  Aufnahnie  und 
ritci'liandnehnien  ihres  Thongehaltes  in  Mergel  und  Thone,  Gneissc  durch  Y.u- 
riickli'clcn  des  Feldspathes  und  Ausbildung  cincr  schieferigen  Structur  in  Glim- 
nicrschiefer  ilber  u.  s.  w.  Bci  der  Yerkntipfung  pctrographisch  vcrschicdciK-r 
Schichlcngruppen  oder  einzelner  Schichten  durch  Wechsellagerung  sfelh-n 
sich  zwischen  den  Schichten  einer  Gesteinsart  anfangs  spSrliche  und  diinnc 
•Lagcn  einer  anderen  ein  und  nehmen  in  der  Richtung  nach  dem  Ilangendcn 
odei'  Liegenden  an  Zahl  und  Machligkeit  zu,  bis  sie  durch  allmiihliche  Yerdrim- 
uiing  der  frilher  dominirenden  Gesteinsart  schliesslich  das  alleinige  (icbii^s- 
malerial  bilden.  Solche  Verknilpfung  durch  Wechsellagerong  ist  namentlich 
bei  krystallinischem  Kalkstein  und  Glimmer-  oder  ChloritschietVr  beobachlcl 
worden.  Ganz  ahnlich  aussert  sich  die  Yerknilpfung  petrographisch  verschiede- 
iici-  Schichtengruppen  durch  in  irgend  einer  Richtung  Uberhandnehniendc 
Goncretionsbildung.  Anfa'nglich  sparliche  und  unansehnliche  lenliculiire 
Concretion^massen  nehmen  grossere  Dimensionen  an  und  schliessen  endlich  das 
Gcsteinsmaterial,  in  welchem  sie  frtlher  eingelagert  schienen,  vollkommen  aus. 

Ebeuso  wie  in  der  Richtung  nach  dem  Hangenden  und  Liegenden ,  so 
konnen  solche  Anderungen  des  Gesteinsmateriales  auch  innerhalb  ein  und  der- 
selben  Schicht  sich  einstellen.  In  ersterem  Falle  erlitten  die  Ablagerungsvor- 
hiillnisse  in  einem  Meeresbecken  im  Laufe  der  Zeit  eine  Umgeslaltung .  in  lel/.- 
terem  Falle  waren  sie  gleichzeitig  an  verschiedenen  Punkten  desselben  Al>- 
lagcrungsareales  verschieden.  Es  kann  dann  eine  ganz  eigenthtimliche  Ver- 
knilpfung der  resultirenden  gleichalterigen  aber  verschiedeoartigen  Seliielit(>n 
slalliinden :  die  auskeilende  Wechsellagerung  (fig.  26).  llier  sind 
zwei  Gebirgsglieder  z.  B.  Kalkstein  A  und  Sandstein  B  in  grosserer  Knirernuiig 


Fig.  26. 

von    einander  rein  und    selbstsliindig  ausgebildel .    allein    in  der  HichtunL:    n 
dem  Sandsteine  zu  beginncn  die  Sehichlen  des  Kalksteines  allmiihlich  seh\\iirher 


237 

zu  werden  und  sieh  schliesslich  aus/ukeileM ,  \\ahrend  sicli  x.uuleicli  /.s\  ischcn- 
-rcilcn.le  l.a-en  M.M  Sandstein  cinslcllcii  und  an  Miichtiiikeit  y.imehincii,  his 
sic  die  Schichtenreihe  sian/.  allein  /usanmicnscl/cn.  Can/  diesclhc  Krschcinunj: 
hietet  sirh  nalilrlich  drni  Mcohachlcr  dar.  \venn  er  \on  H  nach  A  /.u  i:rhl. 
nui-  .lass  hicr  dcr  Sandstein  das  Nerdrimute.  und  der  Kalksloin  das  \  erdrani:cn.lc 
Gebirgsglied  1st. 

§.3.     Scliichlculaixc;  ScliicMeiistorungeii  (lurch  Aufrichtung.    All*' 

mil  llulfe  des  \Yassers  aid'  dem  (iruiulc  \on  Mccrcs-  odor  Scchcckcn  ahiic- 
srt/l.Mi  SrhiclitfM  halUMi  ursprUniilii'li  t>iiu«  liori/ontale  oder  nur  schr  \\vniu  g^- 
nt'iulc  M-IINX  fhcndr  Laur  inin-.  VcrliaUiiissinassii;  nur  sclttMi  halu-n  sic 
sirh  difst-lltf  l)t>\valirt  (so  die  silurisrhrn  Scliiditcn  dcs  nord\\cstliclicn  Husslands. 
dcr  OuiHlcrsaiidstcin  dcr  siirlisischen  Sclmciz,  die  Koldenfonnation  dcr  \vcsl- 
lichcn  Kohlcnfcldcr  von  Nord-Aincrika  u.  a.  in  den  ineislcn  l-allen  ahcr  liahcn 
sic  dicsclhcn  mil  einer  secundiiren  vcrtauscht,  d.  h.  eine  Schi  rh  tea  slorun  i; 
crliltcn. 

Die  Stiirunu  der  urspriin^liclien  Laiierun^sfonn  dor  Schichten  ofl'enharl 
sidi  I  durch  dcrcn  Anfrichtunii  mil  Vcrbleib  ihrer  ebeuflachigen  Ausdeh&UQg, 
:'  .lurch  ilirc  HicLiunii,  Kallnnu  odcr  Knickuni?,  3}  durch  ihre  Zerspalluniz. 
/crlriiininci-iinu  und  VcrN\crfun^.  Die  Ursache  solcher  Storungen  des  Schichlen- 
hancs  dcr  Krdkruste  siiul  zu  sucheu  1,  in  localon,  mehr  odcr  \Ncnii:cr  cner- 
-is.hcn  vulkanischcn  Hehun-en ,  ,p;1^  l28);  2>  in  seitlicher  Prcssung  durch 
Kniportivilmni!  henachharlei-  Landstriche .  nainentlich  aber  durch  Zusamraen- 
/.ichnni:  dcr  sich  ahkuhlenden  Erdkrusle;  3,  seltener  und  in  beschranklem 
.Maas>>lah('  in  l<u  alcn  Eruptioncn  pa-.  204)  ;  4,  in  der  Volumenvermindcruny 
lic-ender  SchichU>nreihen  in  Folge  ihrcs  Austrockenens,  ihrcr  Auslaugung  (wie 
hci  LicNvissenDolomitisirungsvorgangen  pag.  165)  oder  ihrer  Verkohlung ;  5,  in  der 
Wcduhruiii:  -an/.er  (ichirusjzlieder,  so  von  Gypsslocken,  Salzeinlagerungen  durch 
das  \\asscr  (paj:.  IGi);  6,  endlich  in  der  Volumenvermehrung ,  wulche  durch 
Aufnahme  von  Wasser  von  Seilen  uewisser  Gesteiusarten  (bei  Umwandlunu 
von  Anhulrit  in  (i\ps  pau.  1 40'  vor  sich  goht. 

Hci  cinfaclK-r  St  hi<  htcnaufrichtung  haben  die  Schichten  stall  der  anfanit- 
lidi  hnri/onlalcn  cine  nichr  oder  weniucr  ucnci-le,  oft  sogar  senkrechte,  zu- 
\\cilcn  sclhst  illu'rin-kipptt-  Stcllung  erhalten.  Dass  diese  nicht  ihre  ursprung- 
lichc.  sondcrn  eine  erst  spiiler  riniinioiiiniene  isl,  dafUr  spricht  ausser  unsercn 
Vorstelluniien  \<»n  dcr  Scdinicntl)ildunu  an.  h  das  Vorkommen  von  flaclilinscn- 
od(M-  platlcnl'ormiuen  HullsUickcn  in  slcilstehenden  Schichten,  wo  sie  Uber  ein- 
ander,  ihre  schari'cn  Hiindcr  einander  /.u^ckehrt,  ihre  uriisstcn  A\cn  parallel 
den  SchichluniislliicluMi  lieiiend ,  an-eordncl  sind.  In  dieser  Slellunu  kiinncn 
sic  uninnglich  ahuclauerl  \\(M'dcn  sein,  inUssen  diesi'lhc  \iclinclir  crsl  spiiler 
erhalten  hahen.  Zu  dem  nehndichen  Schluss  filhrt  die  horizonlale  oder  stark 
t:cneiutc  I.aize  fossiler,  noch  an  ihrein  \\  ur/.e I \\erke  haflender  Haiiinstiiinnic, 
vu-Irhc  icrht\\iiikeliL:  auf  stcil  aufi:frirhl«-l»'n  Schichlen  slehen.  Sie  verlauschlen 
ihre  urspriinglich  \erlicalc  Slrlluni:,  nachdcni  sic  schon  liiiii-sl  von  Gesleins- 
nialorial  umhullt  wordcn  \varen,  in  Koliic  der  Aufrichlung  der  Schichlen  mil 
iuer  horizontaien. 


\  .   A!rchitektonische 


Senkredile  Scliiclilfii  he/eidiucl  man  ;ils  auf  dein  Kopfo  sie hen d: 
sel/te  sich  <lir  Be\\egung  der  I'nlerlage,  ;ius  welrher  diese  \ertirale  Stellung 
henorging,  nodi  \\eiter  forl.  so  gelangte  die  belrolVcne  Sdiidilenreilte  /u  einer 
Uberki  ppten  l.agerungsform,  indent  die  iiur  wenig  erhobenen  Scliiclilcii  spiiter 
von  den  nadisdiiebenden  .Massen  cmporgedriingt.  immer  slciler  aufgeridilel  mid 
endlidi  iilKTstilr/.l  wnrd.cn,  so  dass  jel/t  d;is  Unlcrslc  y.u  Oberst  liegt.  Soldie 
Kreignisse  haben  /.  B.  die  Sdiidilengrnppe  des  Ilarxrandes  hei  Goslar  mid 
Oker  hetrollen  .  \vo  die  Kreide  vom  \veissen  Jurn  und  dieser  \oin  hraiinen 
Jura  und  Lias,  lel/terer  \on  den  iilteren  Formationen  his  zuni  DCMHI  iilter- 
lai;ert  \vird.  \viilireiul  urspriiiiiilicli  iierade  die  uniirekelirle  l.aueniii^slolue  slalt- 
I'and.  Aeluiliehes  lial  sich  in  dor  sachsisch-bohmisclien  Scliwei/  /iiizetra^en, 
\\o  \\cisser  Jui'a  in  das  Nivean  des  cretaceischen  Ouadersandsleines  iiedriinirl 
\\iifde.  so  dass  er  die  Riinder  dieser  Fonnalionen  (/..  11.  hei  llolmstein  iiher- 
laiitMl.  Auf  die  nelnnliche  Weise  niogen  manche  der  wimderbaren  Lai:ei-ini^s- 
\erli;illnisse  der  alpinen  Schichtenreihe  entstanden  sein. 

\\ 'ei •hsellaueni  IMMIII  Kintritt  eincr  derarliizen  Aufi-ichluni:  hereits  test  ue- 
\\ordene  ( lesteinsschiehten  :l"iiz.  27  A  und  C)  mil  solchen  von  plastischer  nodi 

l)iei?sainer  IlesdiatTenlieil  (B),  ein  Xusland.  in 
\\eldiein  sidi  'i.  B.  ;>ls  Schlainm  ahuesel/ie 
Thone  lange  Zeit  erhalten,  so  enlsteht  ein  Driin- 
gen  ihrer  Masse  von  ohen  nadi  nnten ,  die 
ganxe  hangende  Sdiiditenreihe  wird  das  Be- 
strehen  erhalten  ,  auf  der  sdiiefen  Khene  her- 
Fig.  27.  sebirhtenRtanchung.  ahzugleileii.  Dadurdi  \\erden  die  tietslen  Par- 

lien  der  nodi  plaslisdien  Sdiidilen  aufgeslaut  und  xusannneiiizepresst  und 
nehiuen  in  l-'olge  da\on  die  auft'allendsten  VN'indunuen  und  l;allun^en  an,  Irot/.dein 
sie  /uisdien  Banken  von  vollkoininen  paralleler  l.aue  einuesdilossen  sind. 

Von  grosser  geologischer  so\\  ie  lechnisdier  Widiligkeit  1st  die  Be- 
st i  in  in  u  n  g  der  I. age  oder  Stellnng  aufgerichleter  Sehiditen.  Diesdhe 
\\irtl  niiiglieh  durcli  Fesllegung  /.\\eier  auf  der  ()l»erfliiehe  der  lel/leren  ge- 
/ogeiu'ii  geraden  l-inien.  7u  der  einen  derselfien  \\iilill  man  die  in  der 
SdtidiUmgslliidie  ge/.ogeiie  Hori/ontaliinie  Slreidilinie ,  s  t.  Fig.  §8),  zu  der 

/Nxeiten  die  Linie  der  griissten  Neigung 
der  Sehiehtungslliiehe  gegen  den  lloi  i/.onl 
Falllinie,  f  a  der  heislelienden  Fig.  : 
heide  stt'lien  reehl\N  inkelig  auf  einander 
I'nler  der  mil  dein  (loiupas  auf/uneh 
nienden  Iliuunelsriehtung  der  Slreidi- 
linie \erslehl  man  das  Slreichen  der 

Sdiidil,     uuter  ihrem    Fallen    die   \ei 
nt  Streioknngalini* ;  / n  Palliate. 

gung  derselhen    gegen   eine    llorizonlale. 

Bei    der    Besliniinung    des    Fallens    hat     man     die    Hichlmig     dessclhen    und    die 

6    des   Fallvxinkels    fesl/uslellen.      Bei    liori/.onlal    liegeiiden    Sdiidilen    kann 

naliirlidi    \\edcr   \oii    eineiii   Slreiehen    nodi   einein    I'allen    di<>    liede   sein,     denn 

sie   slreidien    nadi   alien    \\ fllgei:enden    /.ugli-idi    und    hahen   gar  kein    Finlallen. 


\  .    Arrliitcktoni-die  (leolodr. 


239 


Die  Miiehtiiikeit  einer  anfVeriehteten  Sehiehtenreihe  erhall  man,  indem  man 
rntueder  (i»Mi  reeht\\inkeliuen  Abstain!  der  Briiivn/uniislljidirn  der  ein/elnen 
Sdiiehten  missl,  oder  indem  man  die  Ansdehminu  iluvs  Ans^ehenden  in  ivdi- 
tcm  \\inkel  auf  ihr  Slreiehen  misst  nnd  den  Fallwinkel  beobaditel,  dnreli 
triiionometrische  Heivehnnnu  ans  diesen  Factoren. 

Das  Streiehcn  ireneiuler  Sehielilen  kann  fiir  write  St reckon  constant  blei- 
ben  uiul  fine  last  uormlliniizo  iniuleiv  Kidilnniz  behanpU'n,  oiler  aber  s.-in.- 
Kirhtiin;z  hoslandiu  in  doinsclbcn  Sinne  iiiulern,  d.  h.  fiiu-n  HO^.MI  odcr  cine 
in  si.-h  /urUfklaulViule  krumim'  Linio  hoschroiln>n.  In  ersterein  Falle  sprichl 
man  von  u  e  ra  d  I  a  u  t'e  ndt>  in  ,  in  lot/tnvm  von  urn  la  uf  en  do  in  Schirhlonbau. 

§.  i  Scliichteiistorungen  (lurch  Faltuugen  Oder  Bieguiigeii.  Die  liiei 
/u  hetraehlenden  l.aueruniisverhaltnisse  sind  nur  eine  complicirtere  Form  der 
cluMi  l»cseliriel>enen  rinscitiuen  Aufrichlung  der  Schichlen  in  Folge  lokaler 
Senknnuen  o<ler  lli'lmnsn-n  des  Unloriiruiules,  sowio  seitlichen  Druckes.  Man 
li:U  aueli  liier  \\ieder  naeh  dein  Slreielien  der  Sehiehten  einen  gerad  1  aufe  n- 
d(>n  nnd  einen  u  in  la  u  !\-  nden  Ban  derselben  zu  uiilerscheiden.  Faltungen 
t-iner  S<  hielitenroihe  aussern  sidi  dadurch,  dass  entweder  die  ccntralen 
IV.rlien  oder  die  \\  ii  n  d  e  r  des  von  dor  Schichtenstorung  betroffenen  Areaies 
,-ine  Aulireil.uni:  erleiden.  1st  der  Schichtenbau  ein  geradlanl'ender,  so  ent- 
stelit  im  er>teren  Fallr  eine  im  OiKM-seiuritte  rinn  e  n  form  ii»e ,  iin  /\\eilen 
|.-j,H,,  rj||(>  salh-H'oriniiiJ-  liii'iiunii  jfder  ein/elnen  Gcsteinsschicht ,  ersiei'e 
l.a-ei-unusforii)  neiint  man  eine  synklinaie,  lelztero  eine  antiklinale 
Srliidilen/one.  In  dem  Profile  einer  rinnonforinigen  oder  sattelarti-en 


Fallc  ersrln'int  jede  Scliiclitenreilie  /.weimal  nnd  /.\\ar  in  c 
Rirlitiini:  \\  idrrsinnii:  einfalh-nd.  Diese  l)t>iden  Tlieil.'  eiiu-r  Schidilen- 
/.onr  he/eielinel  man  aK  Flili-rl.  Di«-  l;lu>-l  einef  Ssnklinale  fallen  einandei' 
/.n,  die  einei-  Anliklinalc  von  einander  ah. 

Die  liriden  i:enann(en  l.a^ermiLisfoniicn  kiinnen  sieli  bei  ansiredehnlen 
Srlm-litensyslemen  in  tnclirfaelieni  \Vedisel  \\iedeilmlen,  so  dass  diese  in  gross- 
arliuem  Maasssi.ilx-  Licfallel  ersdieinen  nnd  einen  <  omb  i  n  i  rl  e  n  Sdiidilcnban 
/t-iL'rn.  Kin  liennrra^endes  Heispiel  i;e\\  alti^ei1  derai'tiuer  Faltnntzen  liielel 
dtT  L'eoloiiisdie  liaii  des  O^rns  der  Vei-einiuteii  Staaten  V011  Nordamerika,  \\  ie 
cr  in  der  hirmalioiisleliiv  sid»  earbonisdu'  Formation  besehriebcn  werden 
\\ird.  Hei  der  anliklinalen  su\\olil  \\  ie  bri  der  s\  nklinalen  LiiH-riiniislorm  kann 
ferner  der  Ni-ii.MinL's\\inkrl  der  beiderseili^Mi  Flii-el  x.\\  isrln-n  \\eniLren  nnd  '.HI 
(iraden,  der  Sdiidilniban  selbst  /Nsiselien  lladien  Fallen  nnd  anf  dem  Kopl'e 
slehenden  Sdiidilen/.onen  srlmanken.  l.et/.letv  l-'.rsi •lieiiiiini:  slellt  sidi  nament- 
lidi  hiinlii:  bei  den  alleslen  Sediineiitrirlormalidiien  der  lanrentisdien  nnd 
Imn.nisdien  (ineiss-  nnd  S.-liiderformation  .  jedodi  an.-li  bei  den  Ablauernni:s- 


\  .      \rdiitrktolli-di.- 


produrlen  jilngerer  IVrioden.  \or/ilglich  dorl.  wo  sir  am  Aufbau  von  (Jebirgen 
Theil  nehmen,  cin.  l);inn  beslehl  iliis  gan/e  Schichlens\  >lein  ;ms  lauler 
scharf  nisammottgeakauchteo  anliklinalen  und  ssnklinalen  Fallen.  deren  Fliigel 
p;ir;illcl  i><lrr  fast  parallel  neben  einander  lieuen.  Mini-  soldie  Uaiiarl  kann  /u 
der  Tiiusdiuni:  fiihrcn,  (lass  man  cine  machine,  gleichfo'rmige  und  regelmiissige 
Allfeinaoderfolge  von  Sdiiditen  \or  sich  /u  haben  ineint,  \\ahreml  cs  doch 
nur  cine  inehrfacli  ^elallete  und  /usainnieii^epressle  Scliichlenreilie  isl  ,  dei'en 
(ilieder  sieli  inelinnals  wiederhoieQ.  Die  in  liesliniinli-n  BntfeFDUDgeD  retiel- 
miissii:  erl'olLrende  Wiederkelir  identisdier  Fonnationsglieder  ,  \\ohei  dei-en 
llanuendes  und  Lie-endes  in  enl^eueniiesel/len  Uidilun^en  hei-\ortreten,  (d,  e, 
h,  a  und  a,  b,  c,  d  in  I;iii.  30)  liisst  uieist  mil  /iemlidier  Sidierheit  auf  das 

Vorhandensein  soldier  Sdiiditensliirun^en 
si-liliesseu.  Die  Aufrichlun^  und  Ziisaniinen- 
pivssuni:  dcr  FalU'iilliiizel  kann  selhsl  nodi 
\\eiter  als  zu  einer  verlicalen  SU-lluui:  der- 
selben  filhren,  es  stelll  sich  dann  in.l'ol^e 
grossarliiioi-  Ucberschielnuiizen  eine  iiber- 
PattUttg  fin,  weldie  bis  /,1,-iner 


kanil 
* 


.1  rnt,,v  Krtco^anatus, 

b)    Krpide  mit  Cjipn.tma  ammonia,    i-J  Nummu- 
liten-Schichten    (Untres  Tertiar),    d)  Fucoiden- 

Schichten. 


x  \\eimal  Ubereinauder,  jedoch  so,   dass 


id  en  Satlel-  und  ftfoldenbildtiBg  geheo 
1  •'!;_'.    31).       In    lelzlerein     Fall    \\ieder- 
ein     und    dieselbe    Schiehtenreihe 
die  sie  zusammensetzenden  Schichlen  in 
umgekehrler  Reihenfolge  auflrelen. 
Eine  andere   (lurch   slarke  seitlidie 

Fig.  31.    Ueberkippte  Faltnng.  ZuSillllimMlplVSSUnii      bedin-te     ex- 

treme, aus  der  verlicalen  hervorgeheiide  Lagerungsform  anliklinaler  Si •liidilen- 
zonen  ist  die  facherform  ige  Stellung  derselben,  \veldie  namentlich  an 
den  iilleslen  krystallinischen  Gesteiuen  Skandinavicns  und  der  Alpen  beobachtel 
\vorden  ist. 

In    Folge    der  besehriebenen    Faltungen    slellt  sich    nidil    sellen 


bersluniz   der  Siittel    auf   ihreni  Rilcken  ein.   \sodurch  diesen 


enllang 


eine  Auf- 
laufende 


:.'•- 


SpalUingsthiiler  enlslohen. 

Die  Deuluug  complieirler 
Faltun^sverhiiltnisse ,  namentlich 
verlicaler  Sallelbilduni:en.  \\ird 
noch  dadnrdi  ersdi\\ert ,  dass 
die  obere,  die  Verbindung  x.\\i- 
schen  lieiden  Fliigeln  herslellende 
Parlie  der  anliklinalen  Fallen,  der 
Sa  t  le  1  rilrke  n  .  (lurch  Denuda- 
lion  bis  zu  grosser  Tiefc  zerslorl  und  \\rggefuhrt  ist,  so  dass  beide  Sallel- 
flUiH-1  als  selbstandige ,  zusammenhanglose  Sdiiditenrcihen  ersdieinen  sidie 
Fij:.  :}():.  Man  pflegl  soldie  SaltHlalten,  weil  deren  Riicken  ilher  der  ji'l/ig.-n 
Krdnbeilladio  /.\i  suchen  isl.  als  Lu  ft  salt  el  /.u  be/.eidinen.  Anliklinalc  und 
s\nklinale  Faltungen  der  Schichten  in  kleinsteni  Maassstabe,  die  sich  in  kurzen 


Fig.   32.     Profil    im    SchweizerJura,    rechts    ein    Spal- 
timpsthal,  links  Faltungsthaler. 


V.    Archit.'ktonisclic 

Zwisi-honrJlmne  dicht  aneinander  godrangl  wu'drrholen,  be/.oirhnct  man  als 
wellenfur.ui-c  Kaltungon,  rigeHftSCI  NYindun-en  Flu.  '.U  und zick- 
zackfbrm  i:o  K  n  i  eku  ngen. 


Fig.  :t,t.     Schieliteuwindungen  des  Kieselschiefers  bei  Lautonthal  im  Harze. 

Wir  haben  bis  jetzt  die  geradlaufcnden  Fallungen,  also  langgestreckte, 
rinnen-  oder  sattclfonnige  Biegungen  dcr  Schichtenreihen  betrachtet.  Ben 
umlaufendem  Schichtenbau  stellen  sich  die  aus  gleichartigen  Stbrungsursachen, 
also  llrlmngen,  Senkungen  und  Zusammenpressungen  hervorgehenden  Lagerungs- 
vcrliiillnisse  cinerseits  als  bassin-  (beckcn-j  odcr  muldcnf  brmig,  anderer- 
seits  als  kuppt'lforniig  dar.  Boi  Becken  odcr  Bassins  habcn  wir  synklina- 
len,  bei  Schichtenkiippoln  antiklinalen  Schi(^enbau  vor  uns  ;  in  erslerem  Falle 
repriisentiren  die  einzelnen  Glieder  der  Schichlenreihe  lauter  in  einander  ge- 
setzte,  mchr  odor  weniger  tiefe  Teller,  so  dass  die  Schichten  alle  einem,  dem 
liefsten,  Punkte  zufallen,  bei  letzlerer  Lagerungsfonn  lauter  meist  sehr  flache 
Glocken  oder  Kegel,  welche  allseitig  von  dem  Gipfel  wegfallen.  Zichen  sich 
derartige  Bassins  oder  Schichlcnkuppeln  in  die  Lange,  crhalten  also  eine  sehr 
langgeslreckte  Ausbildung,  so  cnlslchen  kahnformige  (synklinale)  oder  um- 
gekehrt  kahnformige  (antiklinalc)  Schichlensysleme,  welche  allmuhlich  in  die 
rinnen-  und  sattelfbrmigen  Faltungen  Ubergehen  und  Mulden  und  Sattel 
genannt  werden.  Sind  Bassins  und  Mulden  nichl  allseitig  geschlossen,  sondern 
beschreibt  die  Streichungslinie  einen  mehr  oder  weniger  ^ebttneten  Bogen,  so 
bezeichnet  man  wohl  solchc  halbumlaufcndc  Schichlencomplexe  als  Mulden- 
buchten  und  Satteljiichcr.  Inter  Muldenlinic  versteht  man  die 
Linie,  nach  wclchor  die  Schichten  cincr  Muldc  odcr  Muldenbucht  einfallen, 
also  die  Verbindung  der  tiefslcn  Punku-  all.-r  \rrticalt-u  (Jucrschnitle  einer 
muldenformig  gebogenen  Schicht,  --  unler  Satlcllinie  die  Linie,  von  wel- 
cher  aus  die  Schichten  eines  Sallels  oder  Satteljoches  wegfalleu,  also  die  Y.T- 
bindung  der  hbchslen  Punkte  aller  vertikalen  Querschnitlc  ciner  satlelfbrmig 
gebogenen  Schichl.  Die  Mulden  sind  bis\N«-ilen  in  ihren  steileren  Flilgeln 
zickzackfbrmig  geknickt  oder  gefaltet,  ausserdem  nicht  sellen  an  ihrcn  Hiindern 
durch  abwechselnde  Muldenbuchten  und  Satl(>lj<)clu-r  -rdirdert.  Ausgezeich- 
nete  Beispiele  fUr  diese  Verhaltnisse  liefert  besonders  die  Sleinkohlenformation 
und  zvvar  namentlich  Westphalens,  Belgims.  Nordfrankreichs  (siehe  carbonische 
Formation,  architeklonische  Verhilltnisse)  . 


Ciedncr, 


\ 

Die  Mulden  besitzen  /.u\\ei!eii  sehr  bcdeutendc  Tiefen.  so  die  Steirikolilen- 
iinilde  von  Ltlttich  eine  solche  von  Uber  I:>:?<1  Meter,  die  von  Kbersdorf  in 
Sachsen  eine  solche  von  Uber  1300  Meter,  endlich  die  von  Saarbrilcken  eine 
soli-he  von  Uber  7000  Meter. 

§.  5.  Seliichtenstorungen  (lurch  Spaltungen  und  Verwerfungen.  I  in 
engsten  genetischen  Zusammenhange  mil  der  Aufrichtung  und  Faltung  ganzer 
Sehiehtensysteme  und  zwar  enlweder  als  deren  Folge  oder  als  die  sie  ermiig- 
lichende  Bedingung  standen  Zerberstungen  und  Zerreissungen  der  Gesteins- 
ablagerungen,  also  Spaltenbi  Id  ungen.  Durch  sie  getrennte  Gebirgslheile 
verloren  ihren  ursprUnglichen  Zusammenhang,  so  dass  jeder  fUr  sich  von  lo- 
calen  Bewegungen  und  Schichlenstorungen  betroffen  werden  konnte,  wahrend 
der  andere  davon  verschont  blieb-  Die  dadurch  hervorgebrachten  VerrUck un- 
gen ihrer  gegenseiligen  Lage  bezeichnet  man  als  Verwerfungen  oder  Dislo- 
calionen,  die  Spalte,  welche  die  Moglichkeit  der  Bewegung  und  zugleich 
die  Bahn  derselben  geliefert  hat,  als  Verwerfungsspalte,  Disloca  tio  ns- 
spalte  oder  Sprungkluft  (Fig.  34).  Die  Verwerfung  ist  in  den  meisten 

Fallen  dadurch  vor  sich  gegangen,  dass 
jg>  sich    der    hangende    Gebirgstheil     nach 

der  Tiefe  bewegte,  also  auf  der  Spal- 
tenwand  des  Liegenden  a  b  w  ii  r  t  s 
rutschte.  Sellen  und  nur  unter  be- 
sonders  gtlnstigen  Verhaltnissen  als 
solche  zu  constatiren  sind  die  Fa  lie,  wo 
eine  Emportreibung  des  liegen- 


«'  b'  spfnghohe.  (jen  Gcbirgslheiles  stattfand.  Die  Grosse 

der  stattgehabten  Niveauveranderung  bezeichnet  man  als  Sprung  ho  he.  Die- 
sel be  ist  a'usserst  ^rschieden ;  bald  belriigt  sie  nur  einige  Zoll,  bald  mehrnv 
Fuss,  erreicht  nicht  selten  einige  Hundert,  ja  zuweilen  Tausend  und  mehr 
Fuss. 

Wie  zu  erwarten,  Ubte  die  rutschende  Bewegung  grosserer  Gebirgsglieder 
iiuf  die  Spahenwande  eine  mehr  oder  weniger  auflallende  mechanische  Ein- 
wirkung  aus,  in  Folge  deren  dieselben  geglattet,  polirt  und  in  der  Richtung 
der  Bewegung  mil  Frictionsstreifung  versehen  sind  (Ru tschf iHchen,  Spie- 
gel), wiihrend  die  angrenzenden  Schichtenenden  einerseits  aufwarts,  andei-er- 
seils  abwiirts  geschleift  und  geknickt  wurden.  Der  durch  diese  Vorgiinge  ge- 
liel'erle  g  robe  re  oder  feinere  Gesteinsschutt  fullt  gewohnlich  die  Verwerfungs- 
spallen  gangartig  aus. 

Letzlere  tivten  oft  in  ein  und  dersell)en  Gegend  in  gro'sserer  Zahl  ver- 
gesellschaftet  auf  und  sind  dann  entweder  zugleich  oder  mil  grbsseren  zeit- 
lichen  Tnterbrechungen  entstanden.  Sie  streichen  theils  parallel,  theils  duroh- 
sehneiden  sie  sich  unter  rechten  oder  schiefen  Winkeln  und  verursachen  in 
diesern  Falle  eine  vollkornmene  ZerstUckelung  der  •  betrellenden  Partien  der 
I'rdkrusle,  welche  nicht  selten  mil  einer  gegenseitigen  Versehiebung  aller  po- 
Ivrdrisrlirn  ZerklUftungsstUcke  verbunden  ist  'Fig.  :{•')  .  La u fen  die  Ver- 
\\erfungsspalten  parallel  oder  fast  parallel,  so  konnen  sie  die  Veranlassung  zur 


\    Architekioniftche  Geolopie. 

Ansbildung  eines  treppen  I'.i  rmi  ge  n  Srliiehtenbaues  (Fig.  :U>  geben,  duivh 
welchen  eine  scheinbare  Aufeinanderfolgi-  und  regelmiissige  Abwechslung  ahn- 
lieli  /nsaminengesel/ter  Seliiehten- 
reihen  heTVQTgebracht  \\erden 
mag,  \\aluvml  doeh  nnr  die  He- 
petition  ein  und  dessellien,  alter 
in  kurzen  Zwischenriiumen  ver- 
\\orfenenSchichlenoomple\esvor- 


Fig.  30.  a,   l>,  c,  il    Filial   oinos   trepnonfdrmig  verworfenen 
Kolilcnflotzos. 


Fig.  :!5.    Violfach  zerstficVolto  und  vcrworfeno  Steinkohlenforma" 
Da    die     meisleil     GeblpRSkettCD  tion  von  Auckland  in  Durham. 

A,  B,  C  Kolilcnflotze. 

hervorgeeangen   sind   aus   gross— 

arti-eii  Erhebungen  der  Erdkruste  liings   einer  oder  mehreren  Spalten,    so  sind 

Verwerfungen  von  bedeuten- 

den   Dimensionen    am   Fusse 

von   Gebirgsketten   sehr   ge- 

wiihnliche       Erscheinungen. 

Mil  ihnen  slanden  Schichten- 

aufrichtungen ,    ja    Uberkippungen ,     sowie    Faltungen    in    engstem    Zusammen- 

hange.      Gebirgige    Gegenden    sind    deshalb     die    Heimath     der    grossartigsten 

Schichtenstorungen. 

§.  6.     Lagerungsverhaltnisse  zweier   Schichtenreihen   zu   eiuander. 
Eine  altere  Schichtenreihe  kann  von  ein§r  jUngeren   gleichformig  (concor- 
dant   oder    ungleichformig    (discordant)    Uberlagert   werden    (Fig.    :J7). 
Bei     gleichformiger     Ueber- 
lagerung  herrscht  ein  gegen- 
seitiger    Parallelismus     ihrer 
einzelnen   Glieder.    die  jUn- 
Schichtenreihe    besitzt 
Lageruns:,   also  das- 
selhe   Streichen    und   Fallen, 

Wie    die    altere,    ISt    VOn    den-    Fig.  37.     i»«™..i«-l,or  San,lstPin  <l.  uberlacm-t  siluriscUc  Schiefor 

selben  Slbrungen  betroffen 
worden  wie  diese,  so  dass 
die  Grenze  zwischen  beiden  nur  in  deni  Wechsel  ihrer  petrographischen  Be- 

sclialVenheit  oder  ihrer  VersteinerungsfUhrung  ihn-s  palaeontdo-ischen  Charak- 
teis  hervortrilt.  Zwei  concordante  Scliielitenreihen  slelien  demnach  in  dem- 
selben  Verhiiltnisse  zu  einander,  wie  x.wei  unmitlelbnr  auf  einander  folgende, 
normal  auf  einander  liegende  Schichten  und  weisen  auf  eine  ruhige  und  unge- 
stiirte,  oft  stetige,  durch  keine  grosseren  Pausen  nnlerbrochene  AblagenuiL: 
ihres  Materials  hin.  Bei  discor  danlcr  reberlaurrung  lindet  dieser  Paral- 
lelismus nicht  slalt,  vielmehr  bedecken  die  jilngeivn  Schichten  in  beliebiger 
Lage  mil  anderer  Fall-  und  Streichungsrichlung  die  iilleren  (Fig.  :{<S  A  und  B) 
oder  lehnen  sieh  mil  ilirem  Ausgchi-nden  unler  ahweirhenden  l.agenmgsver- 
hiiltnissen  an  das  Ausgehende  einer  iilleren  Sehiclilenreihe  an  (Fig.  :i<S  (1;.  Die 
»riisst  miiuliche  Discordanz  lindet  dann  stall,  wenn  die  Schielilen  des  einen 

Hi* 


211 


V.    \rc1iiirktonischc  Geologic. 


(iebirgsgliedes  reeht\\inkelig  mil'  denen  de>  andcivn  ;ml'lagern.  I'ngleichformige 
I  "eberlagernng  beueisl,  d;is  xwischen  die  Aushildung  dcr  iilteivn  und  jilnge- 
rcn  Schtcfateoreihe  cine  I'.msc  fiillt,  wahrend  deren  erslriv  \  on  Schichten- 


Fig.  39.    Silurischer  Saml  stein  (6)   umlagert  huroni- 

schen  Qnarzit  (a)   mantelformig.    Diluvium  (<•).    Bei 

Marquette  am  Lake  Superior.  Nordamerika. 


Fig.  :iv     l>i  sc  i.  rdan  te    I'  b  e  rl  ager  ung. 

storungen  belroffen  \vurde.  1st  eine  Schichlenreihe  zugleich  zweien  oder 
mehreren  Gebirgsgliedern  discordant  aufgelagert,  so  dass  sic  aus  dcrn  (Jchich- 
des  einen  in  das  des  anderen  hinUbergreift.  so  sagl  man,  dass  sir  ilber- 
greifend  gelagert  sei. 

Als  besondere  Falle  der  discordanton  Uebcrlagerung  sind  hervorzuheben : 
1  die  mantelformige  Utnlagerung,  die  altere  Schichtenroiho  Irilt  als 
viilliu  abgeschlossene  ,  selbsliindigp  Partic  hervor,  urn  wclcho  sicli  die  jiiniicn'ii 
SchichU>n,  allseitig  von  diesem  cenlralen  Kerne  abfallend.  mantelformig  ango- 
lageit  haben  Fig.  39);  9}  die  bassin  fdrmige  Rinlagerung  (siehe  I  IL-.  5s 

B  oben  ,  eine  jUngere  Schichtenreihe 
fttllt  eine  Verliefung  in  einer  alteren 
aus;  3j  die  deckenformige  Auf- 
lagerung,  eine  liorizontale  Schichten- 
reihe lagert  auf  den  Schichtenkopfen 
einer  alteren  auf  und  bedeckt  sie  in 
grosser  raumlicher  Ausdehnung.  Isl  die- 
selbe  durch  spatere  Erosion  zerstiiekelt. 
in  lauter  einzelne  Partien  getrennt  oder  zum  grossen  Theil  zerstort  worden  .  so 
spricht  man  von  sc  ho  lien  for  m  i  ger  A  uf  1  a  gerunu. 

§.  7.  Relative  Altersbstimmiing  der  Schichtenstorungen  und  der 
Oebirge.  Der  Zeitpunkt,  in  welchem  dia  ursprtinglichen  LaGerungsverhiiltm 
einer  Schichtenreihe  anderen  Plalz  gemacht,  also  eine  Slorung  erlitten  haben, 
l;isst  sich  nur  relaliv,  d.  h.  mil  Bezug  auf  andere  Vorsiiinge  des  Knt\\icklnniis- 
processes  der  Erde  beslimmen ;  es  lasst  sich  mil  anderen  Worten  nur  fesl- 
slellen,  ob  das  storende  Ereigniss  zugleich,  frilher  oder  spiiter  \vie  ein  ;in<l<-ivs 
slallgefunden  hat.  Die  relative  Altersbestimmung  der  Schichtenstoruncen  l»e- 
niht  auf  folgenden  Grundsatzen,  die  aus  dem  (Jesagten  hervorgehen  : 

\)  Aus  dem  Meere  abgelagerle  Schichten  haben  ursprdnglich  eine  hori- 
/ontale  oder  fast  horizontale  Lage  besessen. 

2)  Schichten,  welche  unter  anderen,  als  horizontalen,  also  in  sleilen.  ize- 
falteten,  geknicklen,  ver\vorfenen  Lagerungsverhaltnissen  angetrollen  \verden, 
haben  eine  Stiirung  (lurch  Hebung,  Senkung  oder  seitlichen  Druck  erfahren. 
:'.  Dort,  \vo  in  dieser  Weise  gesto'rte  Schichten  von  horizontal  liegenden 
Schiehien  (iberlageil  \\erden,  hat  der  Acl  der  Schichtenstorunii  nach  Bildung 
der  iilteren  und  vor  Ablagei'iing  der  jiingeren  Schichlenreihe  stattgefunden. 

So  fall!  die  Aufrichtung  der  in  Fig.  'M  wiedergegcliciicii  silurischen  Schic- 
fi'i  vor  die  Ablagening  dcr  dc\onischen  Sandsleine.  mil  anderen  Worten  in 


\. 

(I, is  Knde  der  Silurperiode.  denn  die  Scliiditen  des  Devon  lagern  horizontal 
auf  jcnen  auf,  sind  iilso  erst ,  nachdem  die  Aiifriehtung  vollendel  war,  /air 
Ausbildunii  i;elangl.  (Ian/,  iihnlich  lassen  sieh  die  in  Fig.  :J<>  ini  Profit  darge- 
stellten  LagerungsverhMiUiiaia  deuten  :  sic  beweisen,  dass  die  dorligen  huro- 
nisehcn  Ouarzite  vor  Beginn  der  silurischen  Periode  aufgerichlel  worden  sind. 
Das  relaii\e  Alter  einer  Schichlenslorung  lasst  sich  nalurgemass  um  so  genaucr 
trst>tfllcn.  jc  licriniiiT  tier  Alli-rsuntcrscliicd  /wischcn  der  aufgcrichlctcn  mid 
liori/.onlal  licucndon  Sohicfatenreibe  isl,  am  genaucston  also,  \vonn  bcide  un- 
initlclhar  auf  cinandcr  t'obcudcn  KormatioiuMi  angchoren,  \vie  dies  in  den  bei- 
den  ol>»-n  angeliihrh-n  lU'ispiclcn  dc-r  Fall  war.  Wiire  hingegen  der  silurische 
Schicfer  von  Siirar  1'oinl  1  iu.  :57  stall  von  devonischen  t.  B.  von  Iriassischen, 
-ilsu  hoi  \Vcitom  jiingc'ivn  Sandslcinen  bedeckl,  so  wUi'dc  di(>  Aufricliluug  der 
•  •rstricii  ini  VcrliiulV  und  an  irgend  cinein  Zeilpunkte  der  devonischen,  carbo- 
nisclu'i),  dyassischen  IVriodc  slaligefunden  haben  konncn,  welcher  nichl  nahcr 
/n  lir.stiiiiincn  isl,  es  \\iirdc  also  ein  so  cnormer  zeillicher  Spielrauin  gelassen, 
i|.i>s  \dii  cincr  Allcrsl)cstimmunii  nichl  mehr  die  Rede  sein  konnle. 

\\  ic  schon  oflers  beinerkl,  \erdanken  die  Gebirge  besonders  energisclicn, 
oil  duicli  vorhergehende  Spallenbildungen  ermdglichten  oder  erleichterlen  Ile- 
bungen  oder  Fallungen  einzelner  Parlien  der  Krdkrusle  ihren  Ursj)rung,  sind 
(IcniiiiH  h  dor  Ausdruck  grossarliger  Schichlenslorungen.  Da  wir  unler  bestiinm- 
Icn  Vcrliiillnisscn  in  den  Stand  gesel/l  sind,  das  relative  Alter  dieser  letzteren 
lesl/.tislellen,  so  ist  dadurch  zugleich  die  Moglichkeil  der  relativen  Alters- 
best  iniiuung  der  Gebirge  gegeben.  Wenn  wir  also  dichl  am  Fusse  einer 
(iebirgskelte  cine  Schichlenreihc  stark  aufgeriehlel,  einc  andere  horizontal  dar- 
iiber  lichen  sclicn  ,  so  kann  mil  Hecht  der  Schluss  gezogen  werden,  dass  die 
Krhebnni:  der  Kdie  n;icli  der  Hildung  der  in  Folge  dieser  Begebenheit  aufge- 
riclitcten  Schielilen  stallfand  und  bereits  abgeschlossen  war,  ehe  die  jilngeren, 
hori/ontal  liei;enden  sibgelaiierl  \\urden,  dass  sic  also  in  den  /wischen  der  Bil- 
diinL:  beider  Schiclilenrcificn  liegenden  Zeitraum  falll.  Da  jedoch  die  Gebirijc 
nieht  ans  ciiicm  cin/iL-en  llebungsacle  IICIA 01  uc^;mgen,  also  nichl  wie  mil  einein 
Hueke  emporgesliegeo  sind.  da  vielmehr  ilire  Ki-hebun^snrsaelie  in  einer  gan- 
/cn  Beihe  sieli  sueeessixe  \viederholender  oder  lang  andauernder  Bewegun^en 
/n  Miclicn  isl,  von  denen  jede  einzclne  die  sieli  in/ANisehen  abgelaiierl  habende 
Schichl  crurilV  und  soinil  die  Anhaltspunkle  fitr  Conslatirung  jedes  ein/.clncn 
llc|»iiii-s\nru,uiL'cs  \er\\isehle.  so  muss  sieh  die  relative  AIlersbestimmuni»  der 
(iebiriie  meisl  auf  die  der  let/ten,  das  Gan/e  absehliessenden  llelmnu  besehriin- 
ken.  In  viel(Mi  Fallen  ist  es  aucli  niiiglich ,  den  '/eitpnnkt  des  Beginnes  der 
llebuiiiisaete,  ;m.s  \\el<-lien  ein  (iebiriic  hen orjiiiii: ,  /.u  lixiren.  Die  lelzle  und 
sclilicssliclic  llcl.iiiiii  der  Alpen  fand  in  der  /weiten  Hiilfte  des  Terliiir  siail  : 
die  Krhebuni:  des  llar/es  hcii.iiin  .nn  |-;nde  d<-r  earbonisehen  IVriode  und  daiiertc 
bis  /.urn  Schlusse  der  Kreideperiode  .  denn  cincrseils  sind  die  obercarboniselien 
und  diassischen  Sehiehten  ini  ci^ciitliehen  llar/Liebiriir  nieht  mehr  /.ur  Abla- 
uciiin^  -elanul  das  A  real  des  spiiteren  llar/.es  \\ar  also  bereils  Uber  den  iMee- 
resspiegel  gehoben  .  andererseii.s  i>i  die  Kreideformalion  noch  von  den  mil  der 
llebung  verkniipftei)  SchiehtenstorunL;rii  betrollen  mid  /\\ar  vollstandig  ilber- 


.'  |i,  \ 

gekippl  \\nnlcn.  Die  Krhchuiig  de>  Thilringer  \Valdes  f;illt  in  die  7eil  zwisriien 
die  Ahlagerung  der  ohercn  D\,is  mid  dcs  l.iiis.  Anderc  (Jehirge,  z.  H.  die 
Huron  Mountains  in  iS'ordamcrika  ,  hallen  ihre  Krhehung  hereits  vor  Bcgimi 
dcs  siliiiischen  /oilallcrs  crliUen  ,  denn  die  Ahlagerungen  diescr  IVriudo  licgen 
horizontal  auf  den  Sdiichtenkdpfen  dor  huronischen  Schiefer. 

§.  S.    Transversals    Scliiefermur.     Die   fnlsche   odor   lr;insvers;ile  Sdiic 
I'rnint:  luvstclil   diirin,   dass  die  schicfcriiic  Slrnclnr  und  dainit  vcrhundonc  Spoll- 
h.irkeit    dcs    (icsleines    und    z\v;ir    njinientlich    dor    palacozoischcn    Thonschirler 
und  (Iniinvackonscliiofer  nicht  dcr  Schichlung  parallel  liiuft,   sondcrn  die  Schich- 
len    unlcr    eineni    grdsscrcn    oder    kleincrcn    Winkol    durchschncidet  (Fig.    iO). 

Die  falsehc  Schieferung 
ist  zusveilcn  so  vollkom- 
nicn  ausgehildet,  dass  die 
urspriinglichc  Schieferung 

Fig.  lo.  Transversalc  SuhicferuuK-  i  o    i  •    i  .  i         u 

und  Sclnchtung  durchaus 

\i'i  \\ix-hl  und  cs  nur  dann  tniiglich  vvird,  letzlere  als  solche  zu  erkennen  und 
von  erslerer  /.u  unlerseheiden,  \\enn  ein  natilrlich  dcr  Schtchtung  stels  cnl- 
sprrchender  \Vechsel  von  xcrscliiedeiiiirtiijjcm  Gosteinsmateriale  oder  vcrschic- 
dener  Farbe  die  nolliigcn  Anliallspnnkle  j:iehl.  Hal  sich  die  ursprilngliclie 
nehen  der  falschcn  Scln'eferung  erhallen,  so  zeigt  das  Geslein  zvvei  Systcinc 
\on  Schieferungsrichtungen,  die  einander  durchschneidcnd  griffel  for  m  ige 
SpallubgssiUdLe  hcrvorhringen.  Die  falsche  Schieferung  lassl  sich  nichl  sellcn 
in  crslannlicherBeslandiukeit  undRcgelniassigkcit  durch  ganzcSchichlungssysteine 
und  ansgedehnie  Gebirgskellen  verfolgen,  ohne  in  ihrer  Richlung  irgendxvie 
\(tn  dcr  l.aue  dcr  Schichlen  hccinflusst  zu  \verden.  Mogen  lelztere  Uach  oder 
sleil  aufgericbtet  oder  zu  den  rnannigfachsten  Satleln  und  Muldenformen  zu- 
sainniengcfallel  scin,  die  Richlung  und  Neigung,  unlcr  welcher  die  falsche  Schie- 
I'cnnii:  die  (Jesleinsreihe  durchsclzl ,  hlcihl  dicsclhe.  Nur  ein  Zusainnienhang 
cxislirl  /\\ischen  ihr  und  dcr  Schichlung  und  heslehl  darin.  dass  die  falsche 
Sebieferung  an  slarkc  Slorungcn  der  Schichlung  gehunden  isl,  und  dass  heide 
--ii-ls  ein  und  dicselhe  Slreicliungsrichlung  hchauplen  ,  vvoraus  hervorgchl,  class 
die  Ursachc  der  Schichlenfallung  und  der  falschcn  Schieferung  idenlisch  sei. 
Augenscheinlieh  isl  sic  das  Resullal  einer  durch  gewalligcn  scillichen  Druck 
vcrui'sac'lilen  Hic'hlungsvcriindei'ung  der  kleinslen  Theilchen,  in  Folgc  deren  sic 
sich  rechtv\inklig  auf  die  Richlung  des  Druckcs  slelllen.  Das  Mxperiincnl  hc- 
sliitigt  diese  Annahine.  Man  knelelc  zahlreiche  Schiippchen  von  Eiscngliinniei- 
in  \\eichcn  plaslischen  Thon,  so  dass  sic  in  demselhen  regellos  vcrlheill  \varen. 
und  unlcruarf  dies(>  '1  honmasse  einein  slarken  einseiligen  Druckc.  Dic>cr 
halle  zur  Folgc,  dass  alle  Gliinincrlaniellcn  sich  parallel  und  zwar  rechlwink- 
liu  auf  die  Druckrichlung  anordnelen. 

b)  Die  massigen  Gcbirgsglieder. 

Die  massigen  (ichirusulicdei-  sind  ihrcr  gressen  Mehrzahl  nach  erupliven 
I'rsprunges,  sind  mil  anderen  Worlen  auf  Wegen  des  gi-ringsten  Widcrstandes, 
iilso  auf  Spiiltcn ,  in  glulhlliissigcni  Zuslande  aus  dcni  Erdinneren  durch  die 


V.   Arclntt'ktom-clif 


247 


Kidkruste   IMS  auf  deien  Oberllaehe  cmpoi-edrunuen    und    h.dien   dadureh   we 
muslens    in    ihren   Wurzeln    d  ure  h  a  re  i  f  en  de    Laizerunu    erhalten.      Dmvh- 
greifcnd  tu-laarrle  Gesleine  durehsel/,cn   andere  Gebirgsglieder    ganz  unabliitnuig 
von  deirn   Besel.atVenheil,   Schiehtuni:   und   Struelur,    und    behauplen    innerlialb 
eines  jeden    deiselben    ihre   Kiuenschallen   -an/,   un\  erandert. 

§'.  (.i.  Lagemngslorimm  der  massigen  (jtobirgsglieder.  L)ie  oberllaeh 
li.-hen  Au>bilduni:sfurmcn  der  Kruplivuesleinc  haben  ihrc  Wurzeln  in  der  Erd- 
kiusle,  \\elehe  sie  als  Gauge  und  Slbcke  durchselzen.  An  der  Krdobcr- 
flaehe  anuelani;!.  slant  sich  die  Eruptivinasse  enlweder  zu  Kuppen  auf,  oder 
l.reiu-l  sieh  zu  Decken  und  Stromcn  aus,  welche  bei  \\ie.derholten  Erup- 
iiuiieii  fbnnlifhe  Sehi  ehtens  \  sic  me  oder  von  Mecresniederschlagen  bcdeckte 
bilden  konnen. 

I  Giin.ao  sind  von  Geslein  ausgefullle  Spalten,  demnaeh  niehr  oder  we- 
plallniftiriiiiur  (iesleinsmasscn ,  wclche  gcschichtulc  sowohl ,  wic  inassige 
Felsarlen  unler  den  vcrsehiedcnslcn  Winkcln  durchselzen,  und  sind  demnaeh 
der  T\pus  duirhgrcifcndcr  Lagcrungsformcn.  Die  Contaclflachen  zvvischen  Gang- 
masse  und  Nel>cngcstcin  ncnnl  man  Sa  a  I  ban  der.  Die  Gangmasse  umfasst 
hanlig  losgcrissenc ,  zum  Thcil  aus  ticferen  Niveaus  emporgehobene  Fragmcntc 

\.-beiiL;e>icinos  und  dringt  auf  der  anderen  Seile  zvvischen  die  Schich- 
lungsllaehen  und  Kisse  der  lelzleren  und  bildet  dann  seilliche  Injectionen  (Apo- 
physen,  Verz \\figungcn).  Schon  frUhcr  (pag.  "204;  vvurdc  auf  die  hauligc  Er- 
M -heiiuing  aufmerksam  geniacht ,  dass  die  Slruclur  des  Ganggosleines,  in  der 
Mitle  seiner  Miiehligkeit  grobkoTnig  zu  scin,  in  der  Richtung  nach  dcin  Ncbcn- 
ueMein  feinkornig  zu  wcrdcn  ptlcgt  und  cndlich  in  der  Niihe  der  Sualbiindcr, 
also  aul  den  Abkllhlungsflachen ,  sich  ganz  dicht  zeigt.  Die  GUnge  konnen 
mehrere  hundcrt  Meter  Machtigkeil  und  mehrerc  Mcilen  Langencrslreckuny  er- 
rcichcn,  erslere  wcchselt  jedoch  an  vcrschicdenen  Stellcn  ein  und  dcssclben 
Cannes,  je  naehdem  sich  Anschvvellungcn  oder  Verschrnalerungen  dessclbcn 
einslellen. 

Main  he  Distriftc  sind  sehr  reich  an  Gesleinsgangen ;  diese  konnen  dann 
entwcdcr  parallel  laufcn  ,  oder  radial  von  eincm  Punkle  ausslrahlen  ,  wie  bci 
Vulkanen,  oder  sich  gcgcnscilig  durchsetzcn, 
\\..bei  sie  sich  nicht  sellen  verwerfen.  In  lelz- 
teiem  Fa  lie  ist  der  durchsetzcnde  oder  vcr- 
werfendr  <iang  nalUrlieh  der  jungere  (siehe 


•2  Stiiekr  sind  eruptive  Gesleinsmas- 
>en  \on  irn-Liularem  Ouerschnittc  und  von 
.ill  liedeulenden  Dimensionen,  welehe  das  \e- 
iM'nuesteinmildurehureifenderLagerungdureh- 
sel/en.  Ihre  Form  ist  iiussersl  versehieden; 
bald  niihcrn  sie  sieh  der  Gangform,  sind  also 
J-CNN  issermassen  als  machliue,  aufgi-blahle  und  kur/e  (liingi-  zu  betraelHen. 
bald  ist  die  Ansfhwcllung  Hirer  e.-nlralcn  I'arlie  so  bedeulend ,  dass  ihr  Uori- 
zontaldurchschnill  ellipsoidische  Geslall  erhiill,  bald  isl  lelzlerer  inchr  oder  we- 


VprM.hieden;iltPri,P  ,;rillliu, 
'M 


V.    Airliitcklonix'lif    (i 


niger  kreisfurmig,  endlich  sind  ihre  Oonluren  gan/  unrcgelrnassig  und  ihre  !)i- 
mensionen  diinn  niclil  sellen  enorrn;  in  diesem  Falle  bry.richnel  man  sic  als 
(\phonische  Stiicke.  Ahnlich  \vie  von  den  Giingen  laul'en  auch  von  den 
Stiicken  sehr  hiiufig  Apoph\sen  his  y.u  belriiehtlicher  Entfernung  aus.  Die 
ansge/.eichnetslen  Bcispiclc  soldier  Stiickc  licfeii  der  Granil,  wo  er  in  grb'ssrivn 
Kriiplivmassi'ii  innerlialli  des  (ineisscs,  Glinunerschiel'ers  und  Thonschiefers 
auftrilt. 

3)  Kuppen   (honiogcnc  Vulkane)  vverdcn  die  isolirlen  kegel-  oder  glocken- 
fbrmigen   Aufslauungen   cruplivcn  .Gesteinsmaleriales    genannt,    als    deren   jelzt 
verstopfle  Eruptionscanalc  sich    die  Giingc    und    gangfdnnigen  Slocke  erweisen. 
Ihr  Zusammenhang  mil  dicsen,  namentlich  abcr  ihre  Structur   'siehe  pag.   11  8) 
unterscheidet  sie  von  kuppenfbrmigen  Reslen  theihveise  durch  Erosion  vernich- 
leter.   ursprUnglich  weit  ausdedehnter  Decken  und  Strome.     Porphyr,  Trachyi, 
Phonolith  und  Basalt  bilden  am  hiiufigsten  solche  echten  Kuppen. 

4)  Strome  nennt  man  in  Erstarrung  iibergegangene,"  ursprUnglich  gluth- 
(lilssige  Gesleinsmassen,   \velche  sich  von  ihrem  Eruplionspunkle  aus  stromartig, 
d.  h.   mil  selir  vorherrschenden  Liingendimensionen  ,    abwarts   ergossen   haben. 
Auf  steil  geneigtem  Untergrunde  sind  sie  meist  schmal   und  nur  wenig  mach- 
tig  ,    wahrend  sie  auf  sich  sanft  abflachendem  Terrain   eine  grosse  Ausbreitung 
und  Miichtigkeit  gewinnen  kb'nnen  (siehe  pag.  116).     Hierher  gehbren  die  Lava- 
strbme  der  Jetztzeit,  sovvie  die  vorhistorischen  und  tertiaren  Basalt-,  Trachyt-, 
und  Phonolithstrbme. 

•  5)  Decken  sind  eruptive  Gesteinsmassen,  \velcheeineallseitige,  betracht- 
liche  Ausdehnung  besitzen  und  andere  Gesleine  horizontal  Uberlagern.  Die 
Hr-ionzungsfluchen  dieser  Decken,  niimlich  deren  Ober-  und  Unterflache,  lau- 
fcn  im  Allgemeinen  parallel,  lassen  jedoch  haufig  rnehr  oder  weniger  bedeu- 
tende  Unebenheiten  wahrnehmen,  was  namentlich  an  der  Unterseite  der  Fall 
sein  muss,  weil  sich  in  deren  Form  nolhwendig  alle  die  Unebenheiten  der 
Aullagerungsflache  wiederholen.  Nicht  sellen  folgen  solche  Decken  in  grosser 
Anzahl  auf  einander  und  bilden  dann  fbrmliche  Deckensy  steme  (s.  p.  117), 
welche  sich  von  sedimentaren  Schichtenreihen  mil  Bezug  auf  ihre  Lagerungs- 
form  nur  durch  ihren  Zusammenhang  mil  gangarligen  Gebirgsgliedern  unter- 
scheiden. 

6)  Lager  von  eruptiVem  Gesteine  sind  ursprUnglich  deckenfbrmige  Aus- 
breilungen  auf  dein  einstmaligen  Meeresgrunde  oder  der  frUheren  Erdoberfliiche, 
welche  durch  fortgesetzte  Niederschlage  des  Oceanes  von  sedimenlaren  Schich- 
ten  bedeckt  wurden,  also  jetzt  gleichfbrmig  in  die  sedimentiire  Schichtenreihe 
eingeschallet  erscheinen,  aber  ihrem  Ursprunge  nach  ebenfalls  an  irgend  einem 
Punkte  rnit  einem  Eruplionscanale  in  Verbindung  stehen  oder  gest^nden  haben 
mUssen.  Sie  sind  slets  alter,  als  die  sie  Uberlagernden  sediintMilaren  Schich- 
ten.  Sehr  haufig  sind  sie  mil  zum  Theil  versteinerungsfUhrenden  Tufteinla- 
ut'iiinizen  verkniipft  und  wechsel  lager  n  mil  sulehen.  An  den  Slbrungen  der 
Srhiclitetireihe  haben  sie  natUrlich  in  demselben  Maasse,  wie  die  sedimen- 
tiiren  Sobichteo  Theil  grnommen.  Vor/.ugs\\eise  sind  cs  Diabas.  Porphyr  und 


V.    Aivtiitektonix'he   (li-nloiiif.  249 


Melaph\r.  \\eldie  als  l.auer  anftreten,  und  ;iuf  \velche  zurttrk/ukommrn.  sidi 
in  (Inn  Abschnitte  ilber  l-'nrmalionslehre  uemiL'sam  (ielet;enlieit  bielen  \\inl. 
La  i:eriia  nue  shul  plattenfonniue  Parallelmassen  von  Kniplivuesleiii. 
\\elehe  entweder  \on  rinrr  i:r<t>sen  iiang-  odcr  stockfb'rmigen  Eruptivmasse  ;ms 
/.uisehen  die  Sehichten  des  Nebenuesleines  eingepressl  \\nrden,  oder  dadmvli 
entstanden  sind,  dass  ant  einer  Spalle,  welche  nicht  ganz  bis  zur  Erdoberllache 
rcichlo  ,  gluthtklssiges  Material  empordrang  und  von  hior  aus  eincr  besonders 
deullich  ausizesprochenen  Schirhtungskluft  bis  zu  Tage  folgtc  und  somil  nur 
<-in«'  inodilicirto  (ianulbrin  roprasentirt.  Ein  Lagergang  1st  demnach  slots  jiii)- 
m>r.  als  siMii  liangendes  Nebengestein,  von  welehem  er  auch  nicht  seltcn  Inii:- 
nuMitc  cinsolilicsst. 

8)  AuswUrflinge.  Durch  die  bei  Eruptionen  staltfindcnden  Explosioncn 
drr  du.rch  die  gluthflUssige  Masse  empordringonden  Gase  und  Dampfe  \vird 
diese  zu  vulkanischer  Aschc  zerslaubt  oder  in  Geslall  von  Lapilli,  Bombcn 
und  zum  Theil  klaftergrossen  AuswUrflingen  aus  dem  Eruptionscanale  in  die 
Hbhe  geschleudert.  Auf  die  Erdoberllache  zuruckfallend,  hiiufen  sic  sich  ent- 
\\cdfr  utn  den  let/teren  zu  eineni  Stratovulkane  an,  oder  gerathen  indie  nahen 
(icNviisser,  von  welchen  sie  zu  horizontalen  Lagen  ausgebreitet.  mil  echlen  Se- 
diiiH-ntcn  untermischt,  imjLaufe  der  Zeil  theilweise  zerselzl  und  dadurch  zu 
Tuffen  werden.  Diese  lind  nicht  ausschliesslich  das  Produkt  der  jtlngslen 
\tilkanischenThiiligkeit,  sie  spielen  vielmehr  bereits  seit  den  palaeozoischen  Pe- 
rioden  eine  wichlige  Rolle  in  vielen  Formalionen  ,  in  welchen  sie  als  normal 
zwisohengelagerte  Glieder  auftreten  (z.  B.  Diabastufle  im  Silur,  Devon  und 
Culm,  —  Felsitporphyrluffe  in  der  Dyas  u.  s.  w.). 

Alle  die  Lagerungsformen  der  eruptiven  Gesleine  werden  bei  Besprechung 
der  vulkanischen  Ereignisse,  wie  sie  sich  im  Verlaufe  der  einzelnen  geologi- 
schcn  Perioden  belhiUigt  haben  ,  eine  eingehendere  Erlauterung  durch  Beispiele 
und  Profile  linden. 

§.  10.  Die  Structurlbrineii  <ler  massigen  Oesteine  sind  die  Besuliau 
der  bei  eintrelender  AbkUhlung  und  Feslwerdung  der  gluthllUssigen  (Jesleins- 
m.isse  erfolgenden  Contraction.  Aus  lelzlerer  gingen  innere  ZerUfiftnbgen  des 
(iesteines  und  aus  diesen  mehr  oder  weniger  regelmiissig  gestaltete  Geslcins- 
kbrper  hervor.  Diese  Absonderungslbrmen  sind  entweder  unregelmassig  poly- 
edrisch  oder  saulenforrnig  oder  plattenfbrmig. 

Uei  unregelmassig  pol  y  ed  r  is  cher  Absonderung  durchschneiden  die 
XerklUftungsllachen  das  Gestein  nach  verschicdenen,  iranx,  unbeslimmten  Bich- 
tungen,  wodurch  regellos  gestaltete,  von  ebenen  Flachen  umscldossene,  schail- 
kanlige  Gesteinssliicke  enlstehen.  Diese  Slructurform  gehorl  zu  den  haulitrslen 
Erscheinungen  und  isl  bei  fast  alien  Graniten,  Porphyren  und  Diabasen  anzu- 
Ireften. 

Zerfallt  das  Gestein  in  lauter  mehr  oder  weniger  langgeslreckte  prismaliselie 
Korper.  \\elelie  dielii.  wie  Bienenwaben,  neben  einander  slehen,  so  nennt  man 
es  siiulenfb'rmiu  a  b^e.sonde  rl.  Die  (ieMeinssiiuleii  sind  gewbhnlich  fUnf- 
oder  sechsseitig,  ihre  Seitentlachen  sind  meisl  ebenllaehig  und  glatt.  Die  Win- 
kel,  untcr  denen  sie  zusammenstossen,  zind  vollstiindL'  nnbestimmt.  Der  Durch- 


250 


V.   Architektonische 


der  Suilen  betr.iul  \\enige  Centimeter  hi»  .'i  ,  ii  uder  7  Meter,  ihre 
Lani:e  his  ilber  Mill  Meter,  (iewohnlieli  sind  >ie  gerade ,  seltener  bogenformig 
gekrttBUDt  Am  h.inlksten  und  srhonMen  ausgrbildel  x.eij;t  sirh  die  saulen- 
fdrmige  Absonderung  HID  Basalle,  niiehsldem  bei  Porphyren ,  selten  hri  Dioril, 
.Meliiplnr.  (.r.uiit  und  Syenit.  Zuueilon  si-Ill  sioh  eine  Quefuliedei  IIIIL-  dcr 
Siiuleii  dt-s  BnsiilU-.s  ein.  <|er  zu  Folge  sic  in  Umter  cinzelne  auf  ein.nidri- 
.slehnide  Sliicke  uelheill  \verdeii.  Die  Trcniuingsflaclion  dieser  Glicder  sind 
enl\\eder  ebtMillaelii!;  und  sctzcn  in  grdsscrcn  oder  kleincrcn  Zwisclienriiuiiien 
recliiwinkliu;  durch  die  Siiulen  hindurch  (Fig.  i^  A  ,  oder  sic  haben  einerseits 


fig.  42.    Gegliederte  Basaltsiulen. 

eine  concave ,  andererseils  eine  convexe  Endfla'che  und  sind  so  auf  einander 
geselzt.  dass  die  gewblblen  Enden  des  einen  Gliedcs  in  die  Endverliefungen 
des  nachslen  hineinpassen  (Fig.  42  B).  Scllener  isl  die  in  Fig.  42  fl  \vieder- 
gcgebene  Absonderungsform,  der  zu  Folge  die  Basallsaulcn  aus  lauler  abge- 
slunipflcn  Doppelpyramiden  aufgebaut  zu  sein  scheinen  (Casseler  Le\  boi  Bonn  , 
\\elche  an  anderen  Localilaten  (Kasegrollc  in  der  Eifel)  die  Gcslalt  zusamnien- 
gepresslcr  Ellipsoidc  annchmcn. 

Bei  sainmllichcn  Lagerungsformen  der  Eruptivgesleine,  und  zsvar  vorzugs- 
vveise  der  Basalle,  Trachyte,  I.aven,  Porphyrc  und  Melaphyre  kann  sich  saulcn- 
lonnige  Absonderung  einslellen,  welche  dann  rechlwinklich  auf  die  AbkUhlungs- 
iliichen  der  Gesleine  gerichlet  isl.  Dcshalb  slehcn  die  Siiulen  bei  Decken. 
Stroinen  und  horizonlalen  Lagern  vertical,  bei  Kuppen  rechl^inkelig  auf  der 
Oberiliiclic  oder  dem  Untergrunde  derselben ,  falls  nicht  eine  unregelniassige 
Gruppirung  slalllindel  ^sielie  pag.  118),  bei  Gangen  rechl\vinkelig  auf  deren 
Saalbiindern. 

Bei  pi  atlenfbriniger  Sliuclur  isl  das  Kruplivgestein  in  lauler  lafelarlige 
Parallelmassen  abgcsonderl.  Man  beg«-gnel  dieser  Striiclurfonn  ziemlich  oft  beiin 
Granil,  der  sich  dann  in  sehr  niachlige,  meisl  horizontal  liegende  Banke  jilie- 
dert,  sowie  beiru  Porphyr.  \iel  aiisgezeichneler  jedoch  beim  Basalt  und  namenl- 
lieh  beiin  Phonolith.  Der  inerkwilrdigc  Zusammenhang  zvischen  ihr  und  der 
(icslall  gewisser  Erupli\'geslein«'  trill  vorzugsweise  l>ci  phonolithiselieii 
Vulkanen  hcrvor,  \velche  ein  S\stern  von  concentrisch  ill>er  einan- 
'•sliilpten  Schalen  reprasentircn,  die  allseilig  von  der  Art  des  Herges  ab- 
fallen  (siehe  pag.  UN).  Decken,  Strome,  sowie  Gauge  zeigcn  ebenfalls  plal- 
lenfbrmige  Absonderung :  auch  hier  pflegen  die  Platten  den  Gesteinsgrenzen, 


V.  Aivliitt'ktonix'hr  (leolo^ie.  251 

also  in   erMercm    Falle    der   Tauesnbertlache.    bei   (ian-en    den   Saalbandern    par- 
allel  zu  liegen. 

Kugeliue  Absonderung  isl  /ahlreichen  uiui  \ersehiedenartigen  Krupliv- 
ursirinen  eigen,  Irill  jedoch  in  vielen  Fallen  erst  bci  Beginn  der  Verwiltorung 
hen  or.  Dann  erscheint  das  Gcstoin  aus  lauter  zuin  Thcil  nielcrgrosscn  Kugeln 
zusammenueset/.t,  \\elehe  in  nmeeiitrisch  -selialige  Lagcn  abgesondert  sind.  Be- 
simders  bri  Diabasen,  Basaltcn  und  Trachyten,  abcr  auch  bci  Porphyr  and 
(iranil  ist  dicso  Structurforni  ausgcpragt. 

c)  Die  plattcnffirmigcn  Mincralmasscn     Mincralgangc  , 

§.  1 1 .  Wesen  und  Entstohung  der  Minoralgange.  Mineralgange  sind 
tluirh  successive  Absiitze  aus  Mincralsolulioncn  vollig  oder  thcilweise  ausgefullte 
wiihrend  wir  unter  Gcsteinsgiingcn  vom  Erdinncron  aus  mil 
Masse  injicirte,  also  aus  einem  Acle  des  Fcstwcrdcns  hcrvorge- 
gangcne  Gcsteinsplatlcn  verslandcn.  Wic  allc  Spallcn,  sind  auch  diejcnigen, 
wclche  zur  Bildung  von  Mincralgiingcn  Vcranlassung  gaben,  durch  unglcich- 
Inriiiiize  siiecularc  oder  instanlanc  Ilcbungen  oder  Senkungcn,  sowie  durch 
soillichc  ZusammensUiuchung,  endlich  abcr  auch  durch  Verringerung  dcs  ur- 
sprdnglichen  Voluincns  eines  cruptivcn  Gebirgsgliedes  in  Folge  seiner  AbkUh- 
lung  cntslanden  (Fig.  43). 

Die  Mineralldsungcn,  aus  denen  sich  die  AujTullungs- 
masse  der  Mineralgange  allmahlich  krystallinisch  ausschicd, 
staninicn  entweder  von  der  Auslaugung  des  Nebengesleines 
durch  in  diesem  circulirende,  ursprUnglich  atmosphtirische 
Wasser  her,  wclche  sich  in  die  Spallcn  zogcn  und  hicr  an- 
saniinclten  (siehc  pag.  157),  oder  von  Mincralqucllcn,  wclche 
aus  der  Kidlirfc  aut  den  aufgerissencn  Spaltcn  als  kUrzestcn 
und  offenslon  Wcgcn  in  die  Htthe  sliegen.  In  Folge  von 
clicinischen  Reactioncn  der  sich  in  den  Spalten  inengenden  Mine  in  sad-Carolina. 
verschicdenarligen  Solutionen  oder  von  Verdunstung  des  VVassers  und  der  die 
Losbarkcit  vielcr  K«rpcr  vermittelndcn  Kohlensiiure,  endlich  in  Folge  des  Zu- 
flusses  scli\v<-frl\vasserston'haltiger  Tagcwasser  tral  cine  krystallinische  Ausschei- 
dung  der  gelbsten  Mineralsubslanzen  und  soniit  einc  allinahliche  giin/.liche  oder 
thcilweise  AusfUllung  des  Spaltcnraunios  ein.  Deshalb  sind  die  dem  Nebcn- 
gcsleine  benachbarlen  Partien  der  Mincralgange  zuersl,  die  milllcrcii  Zoncn 
zuletzt,  sowic  die  Gangniineralicn  schr  hiiulig  in  der  Gmizflarhe  dcs  (ianizcs 
parallclcn,  sich  auf  jeder  Scite  in  gleicher  Ordnung  \\iederholenden  Biindcrn 
abgesetzt  worden,  und  ebcn  dcshalb  sind  in  der  Hegel  die  Krystallspit/.en  gegen 
die  (iaii^inillc  gerichlet.  Fand  nur  eine  theilweise  AusfUllung  d«-r  Spaltc  stall? 
so  ist  gcwbhnlich  in  der  ccntralcn  Gangzonc  ein  Raum  von  verschiedener  Liingi- 
und  Brcitc  often  geblicben ,  dessen  Wandungen  von  Kryslallen  ausgekleidct 
sind.  Ks  sind  dies  die  Gangd  ruscn  und  Driiscnriiu  me,  \\elche  zuwcilcn 
(so  zu  Andreasberg  und  Joachimsthal)  10  und  nichr  Meter  im  Streichen  ui:«l 
Fallen  erreiehen. 


2.V2  V.  Arcliilcktnm.sclif  (icologie. 

§.  I-',  (ijlllioerlliiUllisse.  Das  Gestcin,  in  \\elchem  cm  Mincralgang  ;i  u  f- 
selzl.  licissl  scin  N  ebengeslei  n.  Yon  dicsem  isl  die  Gangmasse  cnl  \\cder 
bios  durch  etfie  Abltfsungskhlft,  d;is  Saalband.  odor  eine  sehr  schmale  Thon- 
lage,  (k-ii  Best  eg  getrennl ,  kann  aber  ;mch  mil  dcmselben  fesl  vcrbunden, 
ange\\  a  chsen  .  scin.  Die  Saalbander  sind  xum  Thcil  rauh  und  uneben,  zum 
Theil  bilden  sic  glalle,  bis\\eilen  selbsl  spiegelige  Flachen,  welche  ol'tniiils  in 
dcr  Bichtung  des  Falles  des  Ganges,  inilunter  auch  in  einer  andcrcn  Hich- 
tung,  sogar  horizontal,  gcstivifl  und  gcfurdit  sind,  eine  Erscheinung,  dercn  I  r- 
sprunii  in  Senkungcn  und  Hutschungon,  bei  horizonlalcr  Slrcifung  durch  seil- 
licho  Bcvvegungen  der  durch  die  Spaltcn  aussor  Zusatnmenhang  gesol/lcn  (ic- 
slcinsinassc  zu  suchen  ist. 

\\ic  l)ci  andcren  Gebirssgliedern  unterschcidet  man  auch  bci  Mincral- 
uiiiiiicn  Hangrndcs  und  Licgendes,  Slreichen,  Fallen  und  Miichligkcit,  HegriU'e, 
vvelche  boreils  IVilher  ihre  Besprechung  erfahren  haben. 

Die  A  n  da  ue  r  der  Mineralgange  im  Streichen  ist  eine  sehr  vcrschiedenc, 
von  kurzen  Schniirchen,  welchc  die  Gesteine  durchziehen  bis  zu  nioilcn\\cil 
sidi  crslreckenden  Gangen  sind  alle  Langendimensionen  verln;len.  Kbenso  kann 
ilnv  Slreichungsrichtung  bald  geradlinig,  bald  bogcn-  odcr  hakenlbrmig  sein  und 
gleichem  Wechsel  ist  der  Falhvinkel  unterworfen.  Nach  der  Gi'bsse  des  lelz- 
teren  unterscheidet  man  wohl  schwebende  Ga'nge  mil  eincm  Fall\\inkcl 
von  0  bis  15°,  flache  Gauge  mil  einem  solchen  von  15  bis  45°,  lonn  lagi  gc 
Gauge  mil  einem  solchen  von  45  bis  75°,  steile  Gauge  von  75  bis  89° 
und  cndlich  saigere  Ga'ngc  von  90°  Fallen. 

Auch  mil  Bezug  auf  die  Machligkeit  herrschl  bci  den  Mineraiga'ngen  die 
grossle  V'crschiedenheit,  so  dass  sie  sich  zvvischen  papierdttooen  Kliiflchcn 
Tellurkliiiie  von  Ofienbanya  in  Siebenbiirgeiij  und  slelleimeise  ">l)  bis  GO  Meier 
m;ichtigen  Gangen  Bleiglanzgiinge  von  Clauslhal  im  Oberharz)  be\\c^en.  An 
einem  und  demselben  Mineralgange  \vechselt  die  Ma'chtigkeit  sowohl  im  Slrei- 
chen als  auch  im  Fallen,  ier  verdrllckt  sich  und  thut  sich  \\icder 
auf),  nimmt  zum  Theil  nach  der  Tiefe  x.u,  xum  Theil  aber  auch  ab,  slehl 
bald  in  geradem  bald  in  umgekehrlem  Vcrhallnisse  zur  Kr/filhrung,  so  dass 
sich  dicsc  mil  dem  Ma'chligervserden  des  Ganges  bald  vermehrl.  bald  vermin- 
derl,  --  lauler  F>scheinungen,  \\c|fhc  x\var  in  bestimmlcn  Gangdistriclen  einer 
ucuisscn  (icscizrnassigkeit  unterworfen  sind,  aber  keine  V era  1 1  uc  m  cine- 
rung  gestation. 

llautig  iheilen  sich  die  Mineralgange  in  ilircr  Sti-cichungs-  oder  Fallricli- 
tung  in  mehrere  Trilmer,  sie  xerschlagen  oder  xertriimern  sich. 
urn  sich  (Linn  entweder  allmiihlich  im  Nebengesteine  zu  verlieren  oder  sich 
wieder  zus  am  me  n  z  use  h  a  a  i  c  n.  Nicht  sellen  Ircnnen  sich  Triimer  an  irgend 
cincr  Steile  vom  Hauptgange,  xiehen  sich  in  das  llangendc  odcr  l.iegende  und 
keilcn  sich  hier  enl\veder  aus  (als  hangende  oder  liegende  Trilmer 
odcr  Icgcn  sich  wieder  an  den  llaii|)tgang  an  als  Bogenlrumcr  oder  lanlcn 
cndlich  nach  eincm  bcnachbarten  (Jange.  urn  sich  mil  diesem  /.u  vereincn 
;Dia  go  nail  rilmer). 

Kin   Mineralgang  Iritt  sellen  allein   fUr  sich,    \ielmelir  mcislcns  mil  andcren 


V.  Archilektniiisrlu'  fleologie. 


253 


vergesellschal'tel  auf.  Diese  ziehen  sich  dann  in  griisserer  oder  geringerer  Paral- 
lelitiil  oft  \veit  nebeneinander  her:  cine  solclie  y.onenweise  GangvergBSeDfletafr* 
tung  \vird  als  Gangzug  bezeiclmel.  Yereinigen  sich  /.wei  dieser  Gauge,  so 
schaaren  sic  si  eh,  logt  sich  der  cine  an  einen  anderen  an,  so  \vird  or  von 
dicscni  geschleppl,  durchschnciden  sie  sich  gegenseitig,  so  durch  set/,  en 
sic  oinandor  und  Itiltlcn  cin  Gangkreuz. 

§.  13.  Yerwerfimgeii  der  Miiieralgiiiige.  Verwerfungen  eines  Mineral- 
LMtiiies  cnt.stehcn  dadureh  ,  dass  dieser  iiu  Verein  mil  seinem  Nebengesteine 
von  einor  Spalle  durchsct/l  \\ird.  Die  anf  solche  Weise  gelrennten  Gebirgs- 
iiud  Ganglliiuel  konnen  unabhiingig  von  einander  von  einer  Bewegung  belroffen 
wenlen,  \\odurch  die  getrennlen  Gangenden  gegen  einander  verrdckt,  also  ver- 
\\(irfcn  werden.  Meist  hat  ein  Abwiirtsrutschen,  eine  Senkung  des  Ilangetiden 
auf  deni  I.iegenden  stattgefunden.  Die  verwerfende  Spalle  kann  zugleich  die 
\Cianlassung  zur  Bildung  eines  jUngeren  Mineralganges,  des  sogenannlen  Ver- 
\vcrfers  geben,  falls  sie  sich  nicht  ganx.  schliesst,  und  falls  Uberhaupt  die 
B(>dingungen  zum  Zufluss  von  Mineralsolutionen  vorhanden  sind.  In  diesem 
Fallc  crhiilt  die  Ausfilllungsmasse  des  Verwerfers  gewohnlich  einen  anderen 
Charakter  als  ihn  der  verworfene  Gang  besitzt. 

Neben  den  eigentlichen  Verwerfungen  eines  Ganges  durch  einen  anderen 
iider  durch  eine  Spalte  kommen  den  Verwerfungen  ahnliche  Storungen  in 
deni  NCilaufc  der  Mineralgange  vor,  die  sich  nur  dadurch  erklHren  lassen, 
il.iss  (ianuspalien  bei  ihrcni  Entstehen  auf  steile,  (lache  oder  entgegengeselzt 
einfallende  Ablosungsfliichen  oder  Klilfte  trafen ,  diesen  als  Flachen  des  ge- 
riiiirsien  Widerstandes  eine  Strecke  weit  folglen  und  dann  in  Hirer  ursprung- 
liehen  Hichlung  vveiler  in  die  Hb'he  fortselzten.  Dorarlige  Ga  ngauslenkungen 
sind  hiernach  nicht  die  Folgen  von  VerrUckungen  der  fertigen  Mineralgange 
auf  spiiter  entstehenden  Kluflen,  sondern  Ablenkungen  von  ihrer  Hauplrichtung 
bei  dem  F.nlstehen  ihrer  Spalten  auf  bereits  vorhandenen  DiscontinuitiUen.  Auf 
ilie>«-  Weise  erkliirt  sich  die  gegenseitige  Verwerfung,  die  gleiche  Ausfdllung 
und  die  vi)llige  Verschmelzung  der  AusfUllung 
x.weier  sich  verwerfenden,  also  anscheinend  ver- 
schiedenalteriger  Giinge,  ferner  sich  oft  in  kurzen 
/\\ischrnraiimennachganzentgegengesetzlenBioh- 

Mi  \\icderholende  kniearlige  Knickungen  der 

r,  s(l\\it-  di<>  Krscheinung,  dass  sich  die  ge- 
Ironnlen  Fliigel  eines  Mineralganges  schmil/.artig 
an  cine  Verriickungsspalte  anlehnen  und  mil  dieser 
cine  Sirecke  weit  schleppeii  ifig.  44  a)  und  end- 
lii  li,  dass  sich  der  eine  Gangflugel  in  der  Niihe 
einer  S|)alte  vielfach  zertillmerl,  wiihrend  der 
andere  nur  ein  GangslUck  bildet  (fig.  ii  b). 
Solelie  GangaoaleDkungen  sind  namentlich  aus 
den  (iaiiL'distrit  ten  von  Andreasberg,  Przibrain, 
\ng\ag  und  Clausthal  bekannt  geworden. 

\Vie  nadi    der  Beschreibung   der  Spiegelflachen    und  Frictionsstreifung   auf 


Fig.  44.  G  an  trail  s  1  <•  11  ku 


2f>4  V.    Arcliilfkloniscln- 

den  (iangspallemviinden  nichl  anders  zu  erwarlen,  haben  spiilor  ausgefdllte  und 
diidurch  zu  Mineralgiingen  gewordene  Sp«ilten  zuweilen  die  Veranlassunii  o;ross- 
arliger  Verworfungen  von  Gebirgsgliedern  gegebon.  So  sind  auf  den  Bocks- 
\\irscr  (iangspalton  (im  Oberharzo)  die  Schichten  des  Culm  bis  in  das  Niveau 
d«'s  nnlorslon  Devon  herabgcrutscht,  haben  also  eine  Verwerfung  von  niohr  als 
500  Meter  erlillen  (siehe  sub  carbonische  Forniation,  fig.  180). 

Die  \vichtigsten  und  lehrreichslen  Miiieraluanii-Vorkonnnen  werden  IKM  Be- 
s|)n'ehung  der  Formationen ,  in  denen  sie  aufselzen,  also  in  den  Kapiteln  tlber 
Format ionslehre.  et\vas  eingeliondere  Erwiihnung  linden. 


Sechster  Absclmitt, 
Historische    Geologie. 


a)  Einleitendes. 

§.  1.  Die  Aufgabe  der  historischen  Oeologie  1st  die  Erforschung  der 
Bntwfcktangsgeschichte  der  Erde  und  ihrcr  Bewohner;  sie  erblickt  ihr  End/.iel 
darin,  den  Krdball  von  den  erslen  Stadien  seiner  Existenz  durch  die  einzelnen 
Phasen  seiner  allmiihlichen  Herausbildung  bis  zn  seiner  jetzigen  Gestaltung  zu 
verfolgen . 

Die  jeweilige  ErscKeinungsvveise  unseres  Planeten  ist  das  Gesammtresultat 
aller  frUheren  Einzelvorgange  auf  demselben,  —  deshalb  nimmt  die  Mannig- 
falligkeit  in  der  Gliederung  der  Erdoberflache  zu ,  je  Linger  sich  die  ver- 
schiedenartigen  Einvvirkungen  auf  diese  lelztere  bethatigen  konnlen.  Zugleich 
aber  eriiflhel  diese  allmiihliche  Sunimirung  der  Einzelvorgiinge  und  ihrer  Be- 
sullate  bis  dahin  schlummernden  Naturkriiften  ein  Feld  fUr  ihre  Thiitigkeit  und 
bringl  dadurch  grbssere  Mannigfaltigkeit  in  die  umgestaltenden  Ursachen. 

Um  sich  dieses  Entwicklungsgesetz  an  einem  Beispiele  zu  vergegenwartigen, 
stcllc  man  sich  einen  weilen  Ocean  vor.  Durch  vulkanische  Kraft  wird  ein 
Theil  seines  Grundes  (Iber  den  Meeresspiegel  gehoben :  es  erfolgt  cine  Schei- 
(lutii:  von  Land  und  Wasser.  Ein  Strich  des  neu  gewonnenen  Festlandes 
\\ird  zur  Gebirgsmasse  ernporgedriingt  und  die  ErdoberflHche  in  Gebirge, 
Ebrne  und  Meer  gegliedert.  Die  bis  dahin  slagnirenden  Wasser  bahnen 
sich  NVcuc  nach  der  See,  es  entstehen  Flussysteme,  —  sie  rrhalh-n  /u- 
gleich  (iclciicnheit  zur  Austibung  ihrer  thalbildenden  und  modellirenden  Thii- 
ti^kfit  :  zu  deni  frUheren  Landschaftsbilde  gesellen  sich  Schluehten  und 
Thaler,  abgerundete  BergrUcken  und  steile  Felsgrate.  Auf  ihrem  Wege 
nach  der  Tiefe  fuhren  die  (licssenden  GewJisser  Gesteinsmaterial  mil  sich  fort, 
scliNvemmen  es  nach  den  Mdndungen  der  Strome  und  bilden  dorl  Deltas,  und 
endlich  bedeck!  sich  der  nackte  Felsgrund  unter  dem  zerstorenden  Einflusse 
iler  Atinosphiirilien  nnt  Geriill,  Grus  und  Erde,  --  kurz,  durch  Sunimirung 


2f>li  VI.    Ilislorisclio 

rinandcr  bcdingender  Einzelvorgiinge  ward  dcr  ebene  Mrnv^rund  zu  einer 
iibwcchslungsrnrlH'ii  Landschaft. 

\\cit  uriisscr  ;ibcr  als  in  dem  gewahllen  Beispiele  1st  die  Mannigfaltigkeit 
dcr  Vorgange,  deren  Gesammtheit  man  als  den  Entvvicklungsprocess  unseres 
Planelen  bezeichnel.  Die  gluthflilssige  Erde  bedeckt  sich  mil  ciner  Er- 
sta  rungkruste;  auf  dieser  condensirt  sich  das  Wasser,  welehes  bis  da- 
liin  in  Dampffonn  die  Alrnosphare  angefilllt  hatte  und  beginnt  seine  chemi- 
sche  zersetzende  und  aufldsende  Thaligkeit  auf  den  Felsgrund  auszuiiben. 
Durch  vulkanische  Hebungen  entstehen  Continente,  und  erst  jelzt  ist  das 
\\.isser  im  Stande  eine  mechanische  Einwirkung  gellend  zu  machen ;  unter 
seinem  Kreislaufe  gliedert  sich  das  Festland ,  wahrend  seine  Niederschlage 
ncuc  Gesteinsschichten  bilden.  Unterbrochen  wird  die  Gleichfdrmigkeit  dieser 
Vorgiinge  durch  Kraftausserungen  des  gluthfltissigen  Erdinnern ,  welche  sich 
einerseits  in  Niveauveranderungen  einzelner  Theile  der  Erdkrusle,  an- 
dererseits  in  vulkanischen  Eruptionen  bethatigen,  und  welche  nicht  nur 
eine  stete  Umgestaltung  der  horizontalen  und  verticalen  Conturen  des  Fest- 
landes,  sondem  auch  eine  Vermehrung  des  Gesteinsmaleriales  auf  der  Erd- 
oberflache  im  Gefolge  haben.  Inzwischen  hat  sich  die  Erde  mehr  und  mehr 
abgektihlt  und  so  niedere  Temperaturgrade  angenommen,  dass  sich  organi- 
sches  Leben  auf  ihr  entvvickeln  und  ausbreiten  konnte,  um  bald  den  Rang 
eines  der  wichligsten  geologischen  Factoren  einzunehmen.  Nach  andauerndem 
Verluste  der  Eigenwarme  der  Erde  beginnen  sich  in  Folge  ungleich  intensiver 
Sonnenbestrahlung  klimalischeVerschiedenheiten  bemerkbar  zu  machen, 
und  jetzt  erst  ist  die  Moglichkeil  gegeben,  dass  das  Wasser  auch  in  seinen 
festen  Zustand  iibergehen,  also  Eis  bilden  und  dadurch  ein  neues  geologisches 
Werkzeug  liefern  kann.  In  dem  Entwicklungsprocesse  der  Erde  gesellt  sich 
demnach  ein  geologisches  Agens  nach  dem  anderen  zu  den  bereits  fmher 
thatigen,  —  die  ebenso  zahlreichen  wie  verschiedenartigen  Aeusserungen  der- 
selben  summiren  sich ,  —  die  Mannigfaltigkeit  der  tellurischen  Verha'ltnisse 
nimmt  zu,  je  la'nger  diese  Summirung  andauert,  —  in  jeder  jtingeren  Periode 
herrscht  eine  grbssere  und  in  der  Jetztzeit  die  grosste  Mannigfaltigkeit  in  der 
Erdgestaltung. 

Nun  ist  aber  das  organische  Leben  abhangig  von  der  Beeinflussung  von 
Sciicn  der  umgebenden  anorganischen  Welt,  —  es  ist  der  Ausdruck  der  Yer- 
haltnisse,  in  deren  Sphare  es  sich  enlwickelte.  Die  allmahliche  Umgestaltung 
der  telluriscben  Erscheinungen  spiegelt  sich  deshalb  \vieder  in  der  Umpragung 
des  Gesarnmlhabitus  der  Floren  und  Faunen,  welche  unter  ihrem  Einflusse 
L'cdichen.  Wie  die  Gestaltung  der  Erdoberfla'che  selbst,  so  wurde  auch  der 
Gesammtcharakter  der  Erdbewohner  durch  Summirung  dieser  Einflusse  im 
Laufe  der  Zeitalter  ein  abwechlungsreicherer.  Diese  grbssere  Mannigfaltigkeit, 
zu  welcher  das  anfanglich  einfache  organische  Leben  in  gleichem  Schritte  mit 
der  Herausbildung  des  Erdballes  heranreifte,  iiusserte  sich  einerseits  in  Ver- 
iiicliiunu  der  Zahl,  andererseits  in  der  stufenweise  ansteigenden  Entwicklung 
der  organischen  Formen ,  und  gipfelte  sich  in  dem  Reichthurne  und  der  Yoll- 
kommenheit  der  Jetzlwelt. 


YF.    HUlorisdu'   Ccolo-ie.  £~>9 

§.  2.     Darwin's  Tninsniiifatioiistlieorie.  Die  aut'  den  Ict/.tcn  Sciten  l>c- 

Ionic  Thatsache  der  alliniililidicn  l'mi:eslaltuni:  und  Yenollkommnunij:  des  irdi- 
schen  organisehen  I.ebcns  mi  I  .a life  dcr  geologisehen  Xeilriiume  und  in  dem- 
sclltcn  Schritlc.  in  \\clclicni  die  (Jliedorung  dcr  Krdoberlliiehe  an  Alnnnigfallig- 
kcil  y.unalim.  slclil  in  cincin  geuisseu  Xnsammonhange  mil  den  Hcsultatcn  dcr 
gosammlen  morphologischen  \Yisscnschaflcn  und  dcr  BfttWickelungSgeschicbte 
dcr  tliicrischcn  und  pllan/.lichcn  Kin/.dwcscn.  lu  dcr  tVbereinslimmung  dcs 
Banplancs  xahlrcichcr  und  mannigfachcr  Organisrnon,  in  den  Krscheinungcn  der 
Metamorphose,  in  dcr  Thalsaciic.  dass  sicli  in  auf  cinandcr  folgendon  Kmbryonal- 
/.uslandcn  Ziigo  dcr  einfacher.  sovs  ie  dcr  vollkommener  ori:anisirlcn  (iruppcn 
dcsM'lhcn  T\pus  wiederspiegeln,  s|)richl  sich  die  Minhcidichkcit  dcs  ucsaniintcu 
Organisatien^anes  d(M-  Lcbcwescn  aus,  -  -  sio  hat  ilircn  Ausdruck  in  dcm 
allmalilichcn.  slut'cn\\ ciscn  Erscheinen  aller  Typen  dor  erdboNvohncndcn  Oriia- 
nismcn  ucfundcu.  cin  Xusannncnliant:,  \vclchen  Darwin  durch  seine  Trans- 
mutations- und  Descendenz-Theorie  zu  erkliiren  versucht. 

Als  Kernpunkle  der  Darwin'sclion  Hypolhese  sind  drei  NYalirnehinuniien 
an/usehcn:  die  ersie  ist  die  Vererbl ichkeit,  wonach  sich  die  Charaklere 
dcr  Kltern  auf  ihre  Nachkoininen  iiberlragen,  •  -  die  zweile  ist  die  Veriin- 
derl  ieli  keit,  durch  \\elche  diese  Charaktere  bei  ihrer  Vererbun»  in  irjiend 
einer  niit/liehen.  gieichgQltigea  oder  sehiidlichen  Richtung  urn  ein  Minimuni 
Niiriiren  konncn.  --  die  dritte  ist  das  Ueberleben  der  am  Northeilhai'testen 
ausiieslalleten  lndi\iduen  in  dem  Kainpfe  uin's  Dasein,  der  sich  einstellen 
muss,  da  melir  Naehkommen  erzeugl  \\erden,  als  moglicher  Weise  forlleben 
kdnncn,  \veshalb  alle  Thiere  und  IMlan/.en  sovvohl  unler  einander  \vie  mil  den 
iiusscren  Existeozbedinguogen  urn  ihre  Krhaltunii  ringen.  Die  grosste  Aussicht 
diescn  Kampf  zu  bestehen,  die  anderen  Individuen  zu  Uberleben  und  sich 
forlzupllanzen  hat  die  am  meisleu  begUnstigte,  also  die  mil  passenden  Ab- 
iindcruniicn  \om  cltcrlichcn  Typus  versehene  Nachkommenschaft.  Hier  trilll 
also  die  Natur  cine  Ausvvahl  untcr  Ncrschicden  vorlheilhaflen  Abanderungeii 
und  l>egiinslii:t  \ 01  V.UL:S\\ cisc  die  Forlpflaiming  der  mil  nUlzlichen  Abweichun- 
L-'en  \crsclicncn  Individuen  auf  Koslen  der  anderen.  Aus  gleichem  Grunde 
summircn  sich  diese  niltzliclicn  Abiinderungen  bei  sj)iitcren  Naehkommen,  bis 
sic  endlich  /u  merklichcn  rnlersehieden  heranreifen.  Selbstxersliindlieh  ist 
die  Niit/lidikcii  jcder  Abandoning  von  der  Beschailenheil  der  Jiusseren  l.cbcns- 
bedinganged  abhiiiiiiig,  die  loriuiihrende  Anpassung  der  vorliandcncn 

l.<'bensfonncn  an  diese  aiisscren  Verhiiltnisse  \vird  von  Darwin  als  n  a  I  ii  r- 
lichc  /in-Ill  uni:  bezeichnet.  Das  .Maass  soldier  mil  wiederholter  Fortpflanzimu 
\crbundcncr  Abiinderuiii:  isl  unbegren/.l,  nach  Tauscndcn  von  Gencrationen 
kann  deshalb  cine  anfanulich  kanin  ddiuirbare  Ab\\  eiehung  \om  elterliehen 
T\|)iis  inn  das  lauscndfaehe  gehiiuft  erselieinen.  und  aus  dcr  anLinulii-lien,  \on 
dcr  I'l'lorm  kaum  uiilerseheidbareu  Varietal  cine  \ollkoinmcn  \ersehiedenarlige 
l;orm  enlslandcn  scin.  Da  nun  abcr  cinerscils  die  mi!  den  hcrNon-a^endsten 
Abweichungen  vcrschcnen  Indi\iduen  die  grossl*;  Aussichl  auf  Fortbesland  und 
Fortpllan/ung  haben.  \\.ilircnd  die  .Mitlelfornn-n  erlic^en  und  erloschen ,  -da 
andcrcrscils  Ab.indernngen  in  einer  (i«!geml,  Ljige  und  (icsdlschaft  niit/.lich.  in 

CreJuer,  Klemente  d.  Geologie.  17 


258  VI 

eincr  anderen  hingeLien  schadlieli  sein  konnen.  so  stellt  sicli  cine  I)i  s 
dcs  (lhara  klcrs  fin,  dcr  zu  hdiic  aus  finer  Grundform  Abaiiderungen  in 
i:aii/.  \erscliiedener  Uieliliinu  enlslclicn,  forldauern  und  sicli  mil  dcr  Zeil  zu  ein- 
ander  \ollkoinmen  uniihnliclicn  Foriiicn  heraiisbilden  konnen.  Dieses  Enlwicke- 
lungs-  und  FortbiidungSgesatiS  erklarl  die  (iemeinsamkeil  dcs  I'l'sprun^es  nior- 
pliolouisch  seliarf  gcschiedencr  Fornien,  ja  die  Abslammung  aller  oriianisdier 
\\"esen,  die  aid'  Erden  uelebl  liaben  und  nocli  lcl)en,  von  eineV  rrfonn  und 
lulirl,  consequent  \\eiler  vcrfolgl,  zur  llypotliese  \on  der  Generatio  aequivoea, 
d.  h.  von  dcr  Moglichkcit  dcr  Enlslehung  organischer  aus  unorganischer  Malcrie. 
Die  (icoloLiie  besliiliut  ini  Alliicnic  i  u  en  die  Tlieorie  von  dern  natiir- 
lielicn  Vervollkommnungsprocesse  unddor  fortsclireiienden  Entwickelung  der  Erd- 
lic\\oliner  und  /.eiiil,  dass  im  Grossen  und  Ganzen  ein  sleliiici-  l-'ortseliritl  dcs 
iicsa  nimlcn  Orgaitismus  von  cinfachen  und  nicderen  zu  complicirlcrcn 
und  hb'licrcn  Slufcn  des  Lebens  slattgefundcn  hat,  wenn  unsere  \Vissenscliafl 
aiieli  niehl  ini  l-'nlfcrntcsten  im  Stande  ist,  die  zahllosen  Uebergangsformen  und 
VerbinduDgsglieder  zwischen  den  Thicr-  und  Pflanzengruppen,  weder  der  auf 
einander  folgenden  Perioden  noch  ein  und  desselben  Zeitalters,  nachzuwcisen. 
Dies  mag  seinen  Grund  darin  haben,  dass  nur  Organismen  mil  llarlgel)ildcn. 
sowie  nur  diejenigen  Landbewolmer  Spuren  ihrer  Exislenz  hinlerlassen  halicn. 
\\elehe  zufallig  vom  Wasser  ergrifi'en  und  von  Schlamm  bedeckt  worden  sind, 
dass  ferner  nur  gewisse  Sedimente  den  Versteinerungsproeess  begiinsliglen,  an- 
dere  aber  z.  B.  grobe  Sandsleine  und  Conglomerale)  die  Mb'glichkeit  der  Kr- 
hallung  fast  vollstiindig  ausschlossen.  So  ist  uns  denn  nur  ein  ausserordcnt- 
lich  kleiner  Bruchtheil  der  frtiheren  Thier-  und  Pflanzenwelten  iiberlielert  \\orden 
und  von  diesen  Reslen  ist  wiederum  nur  ein  versclmindend  kleiner  Theil  zu 
unsercr  Kennlniss  gekommen.  Die  Urkunde,  welche  wir  von  der  Enhviokelunu 
der  Erdbewolmer  besitzen,  ist  deshalb  hochst  lilckenhaft,  sie  ist,  urn  mil  Lye  11 
und  Darwin  zu  sprechen,  »eine  Geschiehte  der  Erde,  die  unvollstiindii:  i:e- 
fiihrt  und  in  allmahlich  wechselnden  Dialecten  niedergeschrieben  \\urde,  von 
der  auch  nur  der  letzlc,  bloss  auf  einige  Theile  dcr  ErdoberflUche  sicli  bc- 
/.ieliende  Band  auf  uns  gekommen  ist.  Doch  auch  von  diesem  Bandc  isl 
nur  hicr  und  da  ein  kurzes  Kapitel  erhall«n  und  von  jeder  Scite  sind  mir 
liier  und  da  einige  Xeilen  iibrig.  .ledes  Wort  der  laugsam  \\cchsclnden  Sprachc 
dicser  BeschretbUDg,  melir  odcr  Nvcniiier  \erscliiedcn  in  den  auf  einander  fol- 
uendcu  Absclinilten.  \\inl  den  anscheinend  plolzlidi  umgewandelten  Lebens 
forme  1  1  cnlspreelien.  \\clche  in  den  unmitlelbar  auf  einander  licgendeii  alter  der 
Zeit  iluvr  Eiilsleliung  nach  \\eil  \on  einander  ^elreiutlen  hirmalionen  hegraben 


§.  3.  (ieologische  Perioden  uud  Forinatiouen.  Auf  der  Thaisa.lie.  dass 

in  den  jiinueren  (iesleinsalilatieruiiueii  die  Xahl  der  Thier-  und  IMlaii/.enlormcn 
\\aehsl,  dass  ferner  der  organische  (iesammleharakler  der  Vorzeil  cincr  forl- 
schreilenden  VervoUkommnUDg  und  mil  dicser  cincr  Annalicruni:  an  den  der 
lelzU\cll  unlcr\Norfen  ist.  dass  also  cine  furlwiihrcnde  rmgesijiltuiii:  dcr  Fauncn 
und  Floren  slatt^et'imden  hat,  auf  diesen  Thatsaclini  lieruhl  die  Einlheilung  der 
Bntwickelungsgeschicbte  dci  l.nlc  mid  direr  Heuolmer  in  cine  An/ahl  Perioden. 


VI.    Ilistoiisrhr    r.oolo-ie.  2.r)9 

Be/eiehnend  1'iir  jcde  derselben  isl  das  ersle  A  nitre  ten  ge\\isser  holier  organi- 
sirler  Thier-  und  l'llan/ent\  pen.  /ii^Icicli  abor  d;is  Do  in  i  n  i  re  n  anderer.  be- 
reits  in  dci'  vori^en  Periodc  ant'  der  IHiline  e  rsr  li  i  en  e  n  IT  Ge- 
sehleehter  und  Familien.  \\elrhe  erst  jet/1  das  Maximum  ihrer  Entwiekelung 
erlangeu.  und  endlieh  das  Krloschen  von  Porinen,  welche  fdr  friihere 
Xeilen  cha  rak  ler  isliseh  \\aren.  Die  Producte  dor  gesteinsbildenden  Thalig- 
keil  xviilii'cnd  jt'dt's  cin/t'liicn  dirscr  /citabschnitlc,  also  die  Schicht€ncom])I('\c, 
\\clclir  Nviihrt'ud  dcrx-llu'ii  xur  Ablagerung  gelangton,  ncnnt  man  Formationen. 
Dicsc  sind  dcninadi  I'iir  uns  die  Hcpriisriitanten  tier  geolo^ischen  Perioden  und 
unisclilicsscn  in  ilirci-  GesteiDsmasse,  gewisserBaaassen  als  Inschriften  und  Dcnk- 
nn'in/.cn  aus  dm  Xcitcn,  \\clchru  sie  ilire  Enlstehung  verdanken,  die  Reste 
ilci-  dainali^t'ii  Tluor-  und  lMlan/(Mi\\ clt.  Zwischen  diese  Terstcincningsfilhrendc 
filic  halx-n  sidi  die  glulhflUssigen  Producte  der  vulkanischen  Kriiflv 
liahcn  sic  in  (iang-  oder  Slockform  durchsetzt  und  sich  auf  ihncn 
ausgcbrcitcl  odor  zu  Kuppen  aufgestaut.  Wie  nun  der  Hisloriker 
di(>  Silten,  d(Mi  (-ultuiv.usland,  die  politischen  und  religiosen  Verhaltnisse,  kurz 
die  Cieschiclite  der  altesten  Volker  aus  den  Ruinen  ihrer  Bauten,  aus  den  Schrifl- 
/.iiiien  und  Hild\\efken  an  deren  Mauern,  aus  den  im  Schutte  begrabenen  Ge- 
riitlisehallen.  Wallen  und  Mtlnzen  entziffert,  auf  ahnlichem  ^Yege  sucht  der  Geo- 
l(»ge  die  Spui-en.  \\elche  verschvvundenc  Zeitalter  in  ch^r  Erdkruste  /urtifk^e- 
la>sen  lial»en,  mit  Bezug  auf  die  Entxrid^ungsgeSchichte  der  Erde  zu  deuten. 

Das  urosse  Ziel,  welches  uns  vorschwebt,  ist  nocli  niehl  erreicht,  -  isl 
diK-li  selhst  die  Oberflache  unseres  Planeten  nur  theilweise,  mancher  unserer 
Continente  fast  nur  in  seinen  Conturen  bekannt,  wie  viel  vveniger  das,  was 
in  der  Tiele  \erborgen  ist  und  was  der  Aufschltisse  durch  die  eindriugende 
(lixilisation  und  dinvh  den  naeli  uiUerirdischen  Schiilzen  suchenden  berginiin- 
niselien  Unternehmungsgeisl  liarri. 

§.  i.  Orenzcn  der  Formation  iiach  oben  und  uuten.  Unter  einer 
K(trinati(in  \erslehl  man  den  Inliegriff  einer  An/ahl  von  Schichten,  welche  sieli 
dadureli  als  ein  xiisammeiiLielmriges  Ganzes  darstellen,  dass  ihr  palaeontologiseher 
(lliarakier  d.  h.  der  Gesamintcharakler  der  in  ihnen  eingeschlossenen  orga- 
nischeii  Hesle;  dureh  die  ganze  Miichtigkeit  des  betreffenden  Schiehlencomplexes 
liinduivli  im  Wese  n  1 1  ic  lien  derselbe  bleibt.  Die  Formationen  sind  also  die 
ein/.elnen  iJagen  der  miichtigen  Schichten reihe,  aus  welcher  die  itussere  Erd- 
krusie  \oi-\\iegrnd  besteht,  -  l;.i;iLen,  \\elehe  ilire  Begrenzung  nach  oben  und 
nnlen  dureh  die  Enlwickelung  neu  erscheinender  und  das  Ausslerben  bislang 
\nrliandenei  oi'gjinischer  Formen  erhalten.  Der  Vorgang  dieser  Urawandelung 
des  ui-iianiselien  (iesaimiitrharakters  \\i\r  ein  alliniililieher  und  nnunterbrochen  \<>r 
sieh  gehender.  kein  pliit/lieher.  durch  Alles  umgestaltende  Revolutionen  her- 
\dii:eru!eii(  i.  -  die  Grenzen,  welche  wir  nach  der  Verschiedenheit  ihrer  orga- 
nischen  Hesle  /\\iselien"  den  Formationen  ziehen,  sind  deshalb  willkUrlich  und 
hesit/en  iil>erliaupi  nur  da  einige  Schiirfe,  wo  durch  NiveauverSnderungeu  des 
Meeresgrundes  I'nterln •echungeii  in  dem  Absatze  der  Sedimente,  also  Lllcken 
in  der  Si  Im  litenreihe  entstanden.  Wiiren  hingegen  die  sammtlichen  Forma 
i  inn.  11  son  dei  aliesteii  bis  zur  jUngsten  an  irgend  einem  Punkte  in  Itlcken- 


VI.    Historisrhe 

loser  Yollsliindiukeii  /iir  Ablagerung  gelangt  \\as  alter  nirgends  dor  Fall  isl  , 
so  \\iirde  der  Yersuoh  einer  (Jliedorung  dieser  maehligen  Seliichtcnfolge  in 
cm/t>lnr  Forinatioiu'ii  ein  \orgoblichor  scin,  <-s  \\iirde  vielmelir  der  Weclisel 
dcs  palaeontologischer  Charaklers  von  den  iilloren  iiiich  den  jilngeren  Forma- 
lionen  dnrcli  iilliniililielie  Dberg&Ilge  last  iininerklicli  gemaeht  wcrden. 

§.  ij.  Horizontale  Ausdehnung   einer  Formation   uiid   Yerschieden- 
artigkeit  gleichalteriger  Formationen.    Das  Yerbreitungsgebiei   einer  For- 

mation. also  eines  ini  \\"esen(lielien  gleichen  palaeontologist-lien  (lharakler  bci- 
bohaltondon  Schichtencomplexes  isl  niumlich  Iteschrankt  einerseits  durcli  die 
Ansdehnuniz  ties  Meeres-  oder  Stisswasserbeckens.  in  \\elchem  sie  /.ur  Ablaize- 
rung  ijelaniite,  andererseits  dadnreh,  dass  sich  eine  in  doichom  Maasse  mil  deni 
\\achsen  des  AHauerun^sarealos  zunehmende  Ungleichheit  der  Lebensverhiilt- 
nisse  und  somit  der  Faunen  und  Floren  einstollte,  wodurch  der  maassgebende 
palaeontologische  Gesammtchai'akt*1!1  der  sich  hiederschlagenden  Schielilen  ein 
local  durchaus  verscbiedenartiger  wurde.  Die  Bexvohner  des  Brak\\asser> 
sind  \ersehieden  von  denen  des  offeuen  Meeres,  die  dcr  heissen  Zonen  von  denen 
polarer  Regionen,  die  der  Uferzonen  von  denen  des  tiefen  Oceanes,  --  deicli- 
Sedinienle  ein  und  desselben  Wasserbeckens  konnen  deshall)  in  \er- 


sehiedenen  Gebieten  ihrer  Ausdehnung  die  in  den  Sehlainin  sinkenden  l.eirh- 
naine  durchaus  verschiedener  Floren  und  Faunen  uinhiillen.  Dasselbe  war  in 
der  Vorzeit  der  Fall,  so  dass  der  palaeontologische  Charakter  einer  ttber  grosse 
Areale  ausgebreiteten  Formation  nicht  nur  in  verticaler,  sondern  auch  in  hori- 
zontaler  Richtung  Veranderungen  erleidet,  indem  ein  uud  derselbe  Schichten- 
complex  hier  die  Reste  der  Bewohner  der  hohen  See  oder  des  tiefen  Oceanes. 
dort  die  Bewohner  des  flachen  KUstenmeeres  und  endlich  an  einein  dritten 
Punkte  die  tTberbleibsel  einer  Fauna  und  Flora  des  Brakwassers  und  der  Silnipfe 
umschliesst.  Mit  einem  derartigen  \Vechsel  des  palaeontologischen  Habitus  i:elit 
eine  Unigestaltung  des  petrographischen  Charakters  der  betreffenden  Schichten- 
reihe  Hand  in  Hand,  da  l)eide  von  ahnlichen  Bedingungen  abhangig  sind.  In 
der  Nahe  der  Ktisten  werden  Gerolle  und  Sande,  weiter  von  ihnen  entfernt 
thoniger  und  mergeliger  Schlamm  und  noch  mehr  seeuiirls  unter  der  Mitwir- 
kung  kalkabsondernder  Organismen  Kalksteine  und  Kalkschlamni  zur  Ablaize- 
rung  gelangen  und  im  Laufe  der  Zeit  Conglomerate,  Sandsteine,  Schiefertlione, 
Mergel  und  Kalksteine  bilden,  von  denen  die  ersteren  die  Reste  von  Brak- 
••r-,  ja  einge8ch\vemmteil  Landl>e\\ohnern.  letztere  oceanische  Fonnen  uin- 
schliessen  werden.  Derartige  Verschiedenheiten  des  palaeonloloiiisehen  und 
petrographischen  Habitus  einer  Formation  bezeichnet  man  als  verschieden- 
arlige  Facies  derselben  und  zwar  in  dem  ehen  geuiihlten  Beispiele  als 
litorale  und  oceanische  Facies.  Sehr  grossartig  niaeht  sich  diese  doppelte 
Ausbildungsweise  z.  B.  bei  der  SteinkohlenformatioD  Nofdamerikas  ueltend. 
In  ihrein  oslliclien  Verbreilunusuehiete  besieht  dieselbe  ans  groben  Conglo- 
ineralen,  \\clche  nach  \\eston  zu  in  Sandsteine  mil  fossilen  Land-  und  Snni])t- 
pllan/.en  iihergehen  und  besit/l  in  diesein  Xuslande  eine  lilorale  Facies.  Noch 
\\eiter  nach  dem  Mississippi  zu  werden  die  (longlomerale  und  Sandsteine 
\on  Kalksleinen  mil  inarinen  Hesten  \ollstiindig  \erdriingl.  \\odurch  di(>  For- 


VI.    Historic-lit'  (icoloizic-.  '2(\\ 

ni.itinn    cine    orranische    Facies    erliiilt.      In    einein    u;m/.    almlirhen   Yerhiillnisse 
steht  die  steinkohlonliihrende   \Yealdenbildung  zur  tinlerslen  Kreideformation. 

Klimatisehe  Unlersehiede.  .Meere>slroinungrn.  gro'ssere  oder  gcringere  Klar- 
lieii  des  Meerwassers,  mehr  oder  weniger  belrachtlichc  Tiefc  und  felsige, 
sandige  oder  srhlammige  BeschaH'enheit  des  Meerdsgmndee  bedingen  cbenfalls 
cine  zuin  Theil  vollkominone  Verscbiedenartigkeit  benachbarler  Faunen,  also 
die  Ausbildung  verschiedenartiger  Facies  der  Formnlionen. 

§.  c>.  Alterfsbeziehungen  zwischeu  Formationen  yon  gleichem  palae- 
Olltologischem  Habitus.  Die  Umgeslaltung  der  Thier-  und  IMlaii/eimell  itn 
l.aul'e  der  einander  folgenden  Zeitaller  fand  nichl  gleichzcilig  auf  dein  gan/.en 
Krdenrund  stall.  Kinerseits  \\aren  die  localen  Verhallnisse  der  Umwandlung 
oder  Kiinxanderung  mehr  oder  \veniger  giinstig,  andererscits  verslrichen  ge\\al- 
lige  Zeitriiuine,  elie  neu  auflretendc  Formen  von  ihrer  ursprilnglichen  Heimath 
aus  allseilig  sich  ausbreilclen,  und  cndlich  ging  der  Entwickelungsprocess  der 
B»'\\  ohner  isolirter  (lontincnte  und  abgeschlossener  Meeresbeeken  ganx  uiiab- 
hangig  von  dein  auf  und  in  aiuleren  vor  sich.  Daraus  folgl,  dass  der  orga - 
nisctie  (lharakter  der  Krdobei-llaehe  nach  \\iihrend  derselben  Zeilraunie  ein  local 
\erschiedfner  war,  dass  die  Entwickelung  des  gesammlen  Organismus  an  einein 
Punkle  bereils  weil  forlgesclu'ilten  scin  inochtt1,  \\iilirend  derselbe  in  einein 
anderen  Bildungsraume  zurilekgeblieben  war  und  sieh  noch  auf  einer  Stufe 
befand,  \\elrlio  anderorts  bereits  durehlaufeu  \\ar.  Formationen  brauchen  deshalb  | 
li-oi/.  Identiliit  oder  ausserordenllieher  Ahnlichkeit  ihres  palaeontologischen  (ie- 
samtulcharaklers  nicht  gleicha I ter ig  zu  sein,  konncn  vielmehr  unabhangig^' 
von  einander,  spiiler  oder  frtlher  zu  derselben  Slufe  der  Ausbildung  gelangt  sein. 
\\"<MHi  also  die  Rede  davon  ist,  dass  die  Kreidefonnalion  z.  B.  in  Norddeulscli- 
land  und  (lalifornien  nachgewiesen  sei,  so  soil  dadureh  nur  ausgedrilckt  werden, 
d,is>  sich  dortselbsl  (iesleinsablagerungen  finden,  welche  zuin  Theil  iden- 
lische,  zuin  Theil  sehr  iihnliche  organische  Reste  unischliessen ,  wodiTrch  sic 
sich  als  homologe  oder  aequivalente  Bildungen  darstellen,  mil  anderen 
\Vorlen  gleiche  Siufen  in  der  Entwickclungsgesehichte  der  Erde  repriisenlinMi, 
\\iihrcnd  die  Frage,  ob  sie  glcichallei 'i.u  sind,  nicht  enlschieden  werden  kann. 

Die  durch  die  neuere  Erkenutniss,  dass  gleiche  Formationen  nicht  gleich- 
allerig  zu  sein-  brauchen,  drohende  Verwirrung  ist  nur  eine  scheinbare.  Der  I 
Mm \\ickelungsprocess  der  Krde  nahm  im  Allgemeinen  Uberall  denselben  Ycr- 
lauf  und  durchschritt  Uberall  dieselben  Stadien.  In  Folge  davon  findet.  selbst 
in  den  wr.it  gelrennteslen  Bildungsriiumen  ein  und  dieselbe  Ubereinslimrnende 
Licset/iiiiissige  Aufeinanderfolge  von  Formationen  stall,  soweit  dieselben  Uber- 
haupt  zur  Ablagerung  gelangt  sind.  Daher  besitzen  aequivalente  Formationen 
gleiches  relatives  Alter;  die  devonische  Formation  ist  Uberall,  wo  man  sie 
krnnt,  jiinger  als  die  Silurformation  und  alter  als  die  Sleinkohlenformation,  sic 
lagert  deshalb  dort,  wo  alle  drei  vertreten  sind,  zwischen  den  beiden  anderen ; 
die  Tertiarformation  ist  in  Asien,  Amerika  und  Europa  fast  die  jUnste,  die 
laurentische  Gneissformalion  die  alteste,  also  unlersle  aller  Fortnalionen.  ()l» 
aber  z.  B.  die  nordamerikanische  Devonformation  einige  Millionen  Jahre  frUher 
oder  spater  als  unsere  deutsche  zur  Ablagerung  gekommen  ist,  kann  uns  gleich- 


N  I.    Ili^tonsche 

scin,    dii   wir  j.i   in   der  BntwickellingSgeschichte  der  Krdr  iiberhaiipl  keine 
Anbaltspunktfl  zur   Auwrmlmii;  absoluler  /eitniaasse   besil/.en. 

§.  7.  VnlmltspuiiUe  fur  die  licisfiiiiuiiing  des  geoloirisrlicn  Alters 
von  Schichtencomplexeil.  Aus  dem  Inhallc  dcr  letzten  Seiien  gdii  hen  or, 
i|.i->  /.ucierlei  Hiilfsmillcl  zu  Gebote  stehen,  um  d;is  ueoIoiMsehe  Alter  cincs 
Sebicbtencomplexies  odcr  eincr  eiiuelncn  Schicht,  also  dcren  Zugehoriizkcii  zu 
finer  dcr  Formationen,  in  \velche  wir  die  sedimentare  gesammte  Schichtenreihe 
iilicdcrn,  zu  eiitscheiden  :  die  Vers tcin erungsf  Uhr uni;  d$r  peiaeontologische 
Habitus)  und  ilic  L;i  ,m-r  u  ngs  verhalln  i  ssc.  Da  letztere  nur  dorl  zur  (icl- 
tunu  i;clani:cn  konnen,  wo  inchivrc  Forniationcn  in  vcrgoscllscli;iftcU-r  I.aiicriuii: 
,-uiltrelrn,  \\crdcn  in  den  nieislen  Fallen  die  ori-anischen  Restc,  wclchc  dcr 
fragliche  Schichtencoinplox  uinschliesst,  den  Ausschlair  ycbcn  mtisscn.  I);i  j(>- 
doch  die  Yeranderungon  des  Gesamnileharakters  der  vorweltlichen  Faunen  und 
Floren  \\cdcr  ruckwcise  statlt'andcn,  noch  sich  in  einer  vollstandigen  Verdriin- 
1:11111;  des  bisher  Beslandenen  dureh  neue  Erscheinungen  kundgalicn,  vielmehr 
nur  einzelne  Foruien  neu  auftraten  oder  sich  Ciir  aussterbende,  ihnen  nahe  \cr- 
wandte  Arten  einslelllen,  so  sind  auch  nicht  alle  fossilen  Resle  einer  Forma- 
tion charakleristisch  fiir  dieselbe.  Diejenigen  aber,  deren  Exislenz  aid'  einzelne 
Perioden  besclirankt  war,  \\elche  also  beslimrnten  Sehichlenconii>lc\en  gan/. 
ausschliesslich  angehoren  und  somit  fiir  diese  letzteren  bezeichnend  sind,  nennl 
man  Leitfossilien.  So  sind  die  Nunimuliten  Leitfossilien  der  Tcrtiiirronua- 
tion,  die  Hippurilen  der  Kreideforniation,  die  Belemnilen  der  Jura-  und  Kreide- 
fonnation,  die  Sigillarien  und  Sligmarien  der  oberen  devonischen  und  der  Stein- 
kohlenforniation,  die  Graptolithen  der  Silurformation. 

Friiher  glaubte  man  in  dem  petrographischen  Character  der  Fornialionen 
bezeichnende  Merkmale  zur  Identified  rung  derselben  zu  besitzen.  Fiir  locale 
rnteisuchungen  giebt  /war  die  Ahnlichkeit  der  Gesteinsbeschaffenheit  glcicher, 
aber  gelrennt  auftretender  Formationen  einen  wesentlichen  Anhaltspunkt  ab,  - 
im  Allgemeinen  jedoch  besitzt  der  petrographiscbe  Habitus  einer  Schichtenreihe 
an  und  fiir  sich  keinen  Werlh  bei  der  Altersbestimmung  derselbeu.  Einer- 
.seits  wiederholen  sich  nchmlich  genau  dieselben  Sandsteine  und  Kalksteine  zum 
Theil  auch  Mergel,  Thone  und  Conglomerate  in  fast  jeder  Formation  von  der 
allesten  bis  zur  jtingsten,  besitzen  also  nichts  Characteristisches  fiir  eine  be- 
stimnite  Elage,  -  -  andererseits  bleibt  der  petrograpbische  Habitus  eincr  \\cil 
ausgedehnten  Ablagerung  selbsl  in  horizontaler  Richtung  nicht  constant,  hat 
vielmehr  an  verschiedenen  Punkten  ihrer  Verbreilung  cine  durchaus  verschiedcn- 
artige  Ausbildung  erlangl.  So  mag  eine  Schichtenreihe  von  Conglomerates  in 
ihrer  Streichungs-  oder  Fallrichtung  in  Sandslein,  dieser  in  S-hieferlhone  und 
Mergel,  und  diesc  endlich  in  Kalkstein  iiberuehen.  Noch  entscbiedener  trill 
die  Vertjchiedenarliiikcil  der  ficstcinsbcschiin'cnhcil  ulcicher  Formationen  hervor, 
wenn  deren  Ablagerung  in  getrennten  Bilduiiiisriiumen  \<>r  sich  ging,  \\olin 
die  petrographische  Unahnlichkeit  der  Gesteine,  w;elche  die  Kreideformation  in 
ihi-cii  verschiedenen  VerbreUongsgebieten  zusammensetzen,  ein  trcll'liches  Bei- 
spiel  liclcrt.  Auf  RUgen,  bei  Calais  und  Dover  isl  weisse  Schreibkreide  mil 
Fcucrsteinknollen,  in  der  sSchsischen  Sehweiz  Sandstein,  in  Hannover  und 


\  I.    llistorisrhe  (Icolo^ie.  "2(>'.> 


Braunschweig  .Mergelkalk  und  plastischer  Thon,  in  Frankreieh,  Hekien  und  dem 
osllirhen  Nord.imerika  Glaukonitmergel.  im  weMlichen  Calil'ornien  kr\  ^tallinisclier 
Sehiefer  das  \<>rw  allehdc  .Material  der  Kivideformalion,  eine  griissere  Schwan- 
kung  in  dem  pelroiiraphi.schen  Charakter  also  kaiim  denkbar.  Dennoch  gebcn 
sieh  alle  diese  \erschiedenen  Ablagerungen  dureh  die  gemeinsame  Fiihrung  ein- 
/.elner  identischer  and  zalilrciclicr  nahe  verwandler  Thier-:und  IMlanzenformen, 
so  namentlit-h  dureh  ihren  Beiehlhum  an  gewissen  Cephalopodengeschlechtern 
wie  Seaphiles,  Crioceras,  Anc\loceras,  Baculites  und  Turrilites  als  gleiche  Pliasen 
in  der  Knlwickehinusgeschichte  der  Krde,  also  als  gleieho  Formalionen  zu  er- 
.  I'berhaupt  abcr  zeigen  die  organischen  Besle  verschiedener  Ablage- 
eine  urn  so  grb'sserc  Verwandtschaft,  je  naher  sie  sich  in  der  Aufein- 
i  der  Sedimenliirformalionen  slehen ;  so  haben  z.  B.  Jura  und  Kreide 
die  Familien  der  Ammonilen  und  Belemniten,  -  -  Silur  und  Devon  vielc  Trilo- 
biten  und  Cephalopodengesehleehter  gemeinsam,  Silur  und  Kreide  aber 

nichl  die  gcrinpste  Ahnlichkeil.  In  diesen  Beispielen  Irill  die  Wichtigkei^ 
welche  die  organischen  Besle  einer  Formation  i'lir  deren  Altersbestimmung 
und  Yergleichung  mil  anderen  entfernlen  Ablagerungen  besilzen,  am  sprechend- 
sien  vor  Augcn. 

So  entscheidend  der  palaeontologische  Habitus  fur  die  Slellung  eines  Schich- 
lencomplexes  in  der  Formationsreihe,  fUr  das  geologisehe  Alter  einer  Formation 
is|.  so  lassl  uns  doch  dieses  Kriterium  in  ue\\  issen  Fallen  in  Slich.  So  giebl 
es  Schichtencomplexc  und  /.war  solche  von  ausserordentlicher  Machtigkeil, 
\\ahretul  deren  Ablagerung  organisches  Leben  noch  nichl  exislirle,  oder,  falls 
bcreits  crslanden,  noch  cine  sehr  unbedeutende  Bolle  spielte.  Jedenfalls  sind 
in  diesen  altesten  Formationen  der  Erdkrusle  Besle,  deren  Ursprung  vollkommen 
/.weifellos  ein  organiseher  \v;ire,  noch  nichl  bekannl.  Auf  sie  kann  das  Haupl- 
kriterium  filr  die  AHersbeslimmung  von  Sedimenlargesleinen,  ihr  palaeonlolo- 
uischer  Habitus  keine  Anwendung  finden,  jedoch  sind  ihre  La gerungs verbal  l- 
nisse,  ihr  Auflreten  an  der  Basis  aller  Formalionen,  im  Verein  mil  ihrem 
eigenlhUmlichen  und  sich  auffallig  gleichbleibenden  pelrographischen 
Charakler  Erscheinungen,  welche  sie  auf  das  Unlriiglichsle  kennzeichnen. 

Ganz  Ahnliches  ist  bei  zahlreichen  anderen  Schichlencornplexen  der  Fall, 
welche  entweder  /.MI  lirhaltung  von  organischen  Beslen  nichl  geignel  vvaren, 
oder  deren  lUldung  unter  Verhallnissen  vor  sich  ging,  welche  organisches  Leben 
In.-.d  aiisschlossen.  Unter  solchen  Umstanden  geben  die  Lagerungsbeziehnnu'  n 
dei  Ira-lichen  versteinerungslceren  Schiehlenreihe  zu  anderen  versleineruii|4s- 
lUlirendcn  den  Ausschlag  bei  der  Entscheidung  uber  ihre  Zugehorigkeit  /.u  dcr 
eincn  oder  der  anderen  Formation.  Diese  Melhode  der  Altersbestimmung  be- 
ruhl  auf  der  Thalsache,  dass  die  Aufeinanderfolge  der  Formalionen  Uberall  die- 
selbc  ist,  dass  also  uquivalente  Formationen  gleiche  Stellung  in  der  gesammtcn 
Schichlemcilie,  also  gleiches  relatives  Alter  besilzen.  Trill  z.  B.  cine  machlige 
veiMcinerungsleere  Schichlenreihc- /wischen  der  oheren  Silurformation  und  der 
unteren  Steinkohlenformalion  auf,  so  muss  sie  der  Bepriisenlan!  der  devonisehcn 
Formation  sein,  welche  sieh  an  einer  anderen  Stelle  dureh  ihren  Reichthum 
an  gevvissen  Korallen  (z.  B.  Calccola,  Cysliphyllum)  und  Brachiopoden  (z.  B. 


•H\  1  M.    lli>|Mi-isdii>  (i 

Stringocephalus,  Spirifer.    I'ndles  .  ,m  einer  nodi  anderen  (lurch    d;is  ,mssdili< 
liehe   Aiil'tivlrn    \oii   abenleuerlieh   geslallelen   Fisdien     Cephal.ispis.     IMeridilhys. 
llnloplydiius     kenntlieh    madil. 

§.  R.  (iliederuiii:  der  Entwicklungsgescliichte  und  der  entsprechon- 
den  Schichienroihe  der  Erdkruste  in  Periodeu  und  Formationen.    Vue 

bereils  IVilher,  namenllieh  ini  Paragraph  2  erwahnt,  haben  die  Yeranderungen, 
\\ddie  die  phvsikalisdien  YerhiilliUsse  derKrdobei'lliidir  \\;ihnMid  ihrer  aMmiihlieht'ii 
lleraiishildung  /.u  Mirer  jcl/.ii;cn  (icslalluni:  crliltcn,  ilircn  Ausdruck  in  der  slc- 
tcn  Ycrmdirunu  dt-f  T\pcn  und  in  der  Yervollkommnun^  des  (lesaniinldiarak- 
ters  dei-  die  Erde  bevblkernden  Tliier-  und  PflanzengestaHen  uefundcn.  Naeli 
den  \\esentlidisten  Verandcrungen  des  lel/.teren  /erfallt  die  Knl\\  iekelunusuf- 
sdiidile  der  Krde  und  Mirer  Be\vohner  in  eine  Anx.alM  Perioden,  \veldie  C|HMI- 
so\  iel  Forinalionen  (Milspredien.  Diesi-r  ICnl\\  ickduniisprocess  des  orsianisdien 
Lehens  ist  in  foliiender  Tahelle  tiraphisch  dargeslellt,  in  welcher  die  vertiealen 
l.inien  die  wiehtigslen  Thicr-  und  Pflanzentypen  und  die  horizontalen  l-'elder 
die  Zeitabschnitte  re|)r;isen(iren,  in  welehe  die  (jesdiidite  der  l-lrde  in  Fokc 
des  stui'enweisen  Erseheinens  der  ersleren  /erfa'Ml  sielie  [)au.  1^''>  . 

Mil  dem  aMnialilichen  Krscheinen  hoher  organisirler  Formen  auf  deni  Krd- 
ItaMe  i;(>hl  eine  Anniiherunii  des  vorweltl  ichen  Gcsaminl  e  lia  ra  kt  e  r.s 
an  den  der  .letztwell  Hand  in  Hand.  Von  dem  Leben  in  dem  altesten 
aller  Oeeane,  avis  \velchcm  sich  das  urspriingliche  Material  der  laurenlisehen 
(ineissfonnation  niedersehlug,  sind  uns  zu  undeulliche  und  fragliche  Spuren 
erhalten,  um  allgemeinere  Schliisse  zu  geslatten.  Ausserordenllich  fremdailiu 
aber  und  einein  I.andschaflsbilde  unserer  Tage  wenig  vergleichbar  war  der 
irdisehe  Sdiauplal/,  wahrend  der  silurischen,  devonischen,  carbonischen  und 
(hassisehen  Formation.  Abenteuerlichc  Formen,  wie  die  Trilobiten,  die 
(iraplolithen.  (Ijslidecn  und  gepanzerten  heterocercalen  Fische  bevolkerlen  die 
Oeeane,  \\abrend  die  Continente  anfan^lidi  naekt  und  lodt  waren  ;  erst  spiiter 
liedeckten  riesenhafte  Fame  und  Schachtelhalrne  in  ausgedehnten  Dschungeln 
und  in  iippiuem  Waehslhume  das  Feslland.  Die  l^ntwiekelung  der  Reptilien. 
das  Dberbandoehmeo  der  Cycadeen  und  Coniferen,  das  ZurQcklreten  der  (Ie- 
ffiisskryptogainen,  das  Erscheinen  der  ersten  Saugetliiere  und  Yb'trel,  sie  berei- 
ten  sehon  auf  die  dem  Auftrelen  des  Menschen  vorausiiehende  I;.nt\\  ickluiius- 
slufe  des  organischen  Rciches,  auf  das  Zeitalter  der  Palmen .  auiiinspermen 
Dikpiyledonen  und  riesigen  Saugethiere  \or.  Nach  dieser  ihrer  grbsseren  oder 
geringeren  Almlidikeit  \hres  palaeonloloL'isdicn  (lhai-akters  mil  dem  der  .ld/,t- 
\sclt  \en-inigl  man  die  ein/.elnen  Fnrmalionen  x.u  \  ier  (iruppen : 

IV.  Die  kaenozoische   Formationsgruppe,  bestehend  aus  Alluvium,   I)ilu\ium 

und   Tertiiir; 
III.    Die    mesozoische    Formationsgruppe,    bestehend    aus    Kreide-,    Jura-    und 

Triasformation ; 
11.  Die  palaeozoische  Formationsgruppe,  bestdiend    aus   l)\as.    Sieinkohlen-, 

I)e\on-   und   Silurl'nrmation  : 

1.    Die  azoJSChe   Formationsgruppe,  bestehend  aus  der  huronisehen   Sehiefer- 
\ind  der  laurentiselu-n  Gnei.ssforiuatiun. 


VI.     llislonsrhi1 


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CarhonisclH' 
Formation. 

Dcvohiscln- 
Formation. 

Silurischc 
Formation. 

Huroniscbe 

Formation. 

Laurentische 
Formation. 

Periode 

<\c-  I)omiiiii'<'n>  ilcr 
Wni-ml)liJtri-.  Mn/.iiLilicli 
ilrs  MIMI-I-III-II. 

des  Dominirens  der  An- 
^io^pennfu  und  drrSau- 
L'fthifi-e  ;  der  cr-l-' 
llensoh. 

de-<  UaXimiUDfl  der  I'.nt- 
\vicklunji  der  Coniferen, 
Cycadeen  und  Reptilien  : 
die  ersten  Vogel  und 
Saugethiere. 

des  Maxinmins  der  hiit- 
Nvicklungder  Gofasski'N  p- 
tojzamen;  die  ersten  Ani- 
phibien  und  Reptilien. 

des  Dominirens  der  \\ir- 
bellosen  Thiere  ;  ziemlicli 
zahlreiche  Fische  (Pan- 
zerganoiden)  ;  die  ersten 
Gt'fiisspflanzon. 

der  ausschliesslicliiMi  Al- 
i.'cn  und  wirbellosen 
Thiere;  die  ersten  ver- 
einzelten  Fische. 

der  ersten,  noch  zweifel- 
haften  Spuren  organi- 
schen  Lebens. 

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Auf  der  anderen   Seite    li.it    man    die    ein/.elnen   Formalionen    narli    iierini;- 
I'iliiiueren   Srh\\ankuni:en  ,    \\elche   sicli   in   dcin   oriranischen   Charakter  ein/elner 

Schichtencompleie  kundueben.  in  \\eiiere  Unterabtheilungen,  Fta^-n  mid  Xonen 

uebraeht,    fUr  deren  jcdr  LICNN  issc  I'llan/cn-  und  Tliicrfornicn  oliaraklcrislisrh  sind. 
al.sd   als   I.cilfos.xilicn   dicncn   kiiniKMi. 

Daiiacli    izlicdcrl    sicli    die    Licsaiiiintc   Schicbtenfolge    dci'   l-lrdkruslc  ,    sowril 
sic   IMS  jcl/.t   Itckannl    isl,    \\ic   in    licifol^cndcr  Tahcllo   wicdcr^cizclx-n.     Dicsrlhc 
\\inl  in  don  konuncndcn   Ahsclinillcn  ihrc  Krkliiruni'   linden. 
(.linlcrunsr  dor  sediinentiiren  Schichtenreihe. 
Kaenozoische  Pormationsgruppe. 
A  1  1  IM  i  u  ni. 
I>  i  I  il  v  i  n  in. 
Terli  a  rfo  rmat  ion. 
Pliociin, 
Miociin, 
Oligocan, 


Mesozoische  Formationsgruppo. 
k  roict  eforination. 
Scnon, 
Turon, 
Cenomari, 

I,,  Mill. 

Ncocom  oder  Hils,   nehst  VVealrlon. 
.1  u  ra  for  mat  ion. 

Oberer  oder  woissor  Jura    (Malm  , 

Mittlerer  oder  hrauner  Jura    Do^er  , 

I'nteivr  oder  sch\\arzer  Jura   (Liasy. 
T  r  i  a  s  f  o  r  in  a  t  i  o  n  . 

Keuper, 

Mnscli,>lkalk, 

Buulsaodsteio. 
Palaeozoische  Formationsgruppe. 

I'er  in  ist-li  <>   Formation   uder  Dyas. 

Zechsteingrappe, 

Rothliegeode^. 
(larboni  se  he   oder  Slei  n  k  oh  le  n  formal  ion. 

Product  ive  Sleinkohienfdrniation, 

Fldlxleerer  Sannstein    (Millstone  yritj, 

Culm   und  Kohlenkalk. 

|)e\onische   Formation    (Old  red   Sandston«-  . 
S  i  Inri  sehe   Formation. 
Azoische  Formationsgruppe. 

Huroni.sehe   S  e  li  i  e  1'e  r  I'o  rma  t  i  o  n     mil    der  cambrischen   Form.   . 
Laurent  isc%  he  (J  neissformal  ion. 


VI.     Hislonsehe    (iedld^ie.  "207 


Ahsfamiiiuim  mid  t'riihexler  Xustand  tier  Erde. 

Kanf.-rlie    IKpolhese.) 

luser  uan/es  Planelens\slem  \erdankl  sein  Dasein  einer  einheillichen 
Knlstehuni:.  In  seineni  urspniiiLilichen  /ustande  \\nrde  dasselbc  durch  einen 
\un  West  nach  Ost  rolirenden  Nehellleek  von  uugemein  holier  Temperalur  rr- 
prasenlirl.  (lessen  renlralen  Kern  die  Sonne  bildete  und  dessen  iiusserste  (iren- 
y.e  \\eit  iiher  die  Halm  des  entfernteslen  unserer  heutigeu  Planeten  hinaus- 
reidile.  Duivh  YA'anueausslrahluni;  in  den  kalten  Wellenraum  orfolule  seine 
Al»kiililnnu.  somit  Zusaininen/.ielmng  and  in  Folge  davon  Beschleunigung  der 
Uoi.ition  des  rrnelx'lflrekcs.  Sohald  alx-r  l(>l/.tere  eine  gewisse  C.ivn/e  iilx-r- 
sehritl.  trat  die  Bilduni;  von  aequatorialen  Ringen  ein.  seiche  in  Folgc  unglei- 
eher  Hesehall'enlieil  und  Erkjdtung  zerrisscn  und  sich  in  eiim-lne  Ncbelhallen. 
deren  jeder  \on  \\Cst  nach  Osl  rotirte,  auflosten.  Aus  jedem  der  let/.teren  uini: 
ein  Planet  ln>r\or,  jedoeli  konnte  sich  bei  jodoin  dersdben  der  nolmilidie  Vor- 
uanu  der  Kiniibildung  wiederholen  ,  —  daher  die  Trabanlen  der  Planeten  und 
die  Salnniriiige. 

/.n  den  enlscheidenden  He\\eisen  fiir  dio  Richligkeit  dioser  von  Kanl  zuersl 
,ni>L:es|M-oc|ieneii  .  \on  l.aplaee  41  .In  lire  spiiter  \\iederliollen,  \\tMin  aueli  sell)- 
i;e\\onnenen  Tlieoiie  grhort  die  I'bereinsliininung  der  Revolutions-  und 
nii  der  IManeten,  die  geringen  Nei^unuen  und  Ivxcentriliiten  ilirer 
Halm,  die  K\islen/,  niclil  eonsistenler  Satnrnrin^e,  die  gegeiiNViirlige  gluthflttssige 
HesehaH'enlieit  der  Sonne.  die  speelral-anaK  tiseh  naehuewiesene  Ideiilitiit  ge  \\is- 
>er.  den  Sonnenkorper  x.usanmiensel/.ender  Klcinente  mil  solchen  unserer  I'irde 
mid  endlich  die  Gleic'hartii-keil  der  Bestnndlheile  der  Meleoriten  und  dei;jein>'n 
inheres  I'laneten. 

Von  der  kant'selien  Thettrie  ausgeliiMid,  lassen  sich  bei  t'ortdam-rnder  \\  Jinne- 
.ni»tralilunu  naeh  /olliier  fUnf  Knl\\  ieklnngs|)liasen  der  von  den  erwahnten 
Nebelballen  alisl.uiiineiiden  Weltkorper  imlej'scheiden  : 

1.  1  si,-  Phase,  die  des  gliihend-gasi'orm  igen  Zuslandes,  reprasenim 
dureh  die  planetarisclien  N'ebel. 

/  \\eite  Phase,  die  des  gltihend-flUssigeii  Zustandes,  reprasentirt 
dureh  die  l;i\sterne  mil  constanter  Helligkeit. 

Phase,  die  der  Schlackenbi  1  dung  oder  der  allmtthlicheo  I'-"' 
einer  kallen.    nicht  leuchtenden  Oberfliiche.     Im  Stadium 
des   Ubergaiiiies    ails    der  /\\eiten    ill  die    di'ille   I'hase   beliudet   sich  die   Sonne. 
Die   dritle  Phase   \\inl  reprasenlirl  dureh  die  l;i\slerne   mil   \erandcrlicheml.ichl 
i:lan/.e   und   mil    rothcr,    ihrem  Rothiiluth-  Zustaude   enlspreehender  Karbe.      Dei 
rberuani:    \ou    der  drillen    x.ur    \ierlen    Phase   \\iirde    sich   bei    einem    Fixsterne 
imserem    Hlicke   dureh   sein   allmahliches   \"erseh\\  iuden   bcmerklieji  machen. 

Yierle    Phase,     die  der    ue\\  ;illsamcn    /crbersluug    der    Dereita    erkal 
lelen   Oberllache  dureh   innere   (iliithinasse    und   dadurch    bedingle   Kruption   der 
lel/.teren;     ein    KreiLMiiss  .     \\elehes    sieh   (lurch    das    plotzliche  Aufleiichten   eines 
neuen    Sternes  otl'enbarl. 

Fiiut'le  Phase,  die  der  rorlschreitenden  Verdiekuni:  der  KrstarruiiizskrustCj 


VI.    Histntisrhe 

;mf  weleher  sich  die   \Yasserdilnsle  condensiren  ,    mid  sehliesslich   \ollige   Krkal- 
lung  des   llimmelskorpers. 

I'nsere  Krde  hat  die  \ier  ersten  Sladien  des  kosrnisehen  \''.\\(\\  ieklunus- 
proeesses  duivhlanfen  und  ist  in  die  fUnfte  Phase  eingelreten.  -  ein  Krgebniss 
BStrottomischer  und  astrophysischer  Beobaohtongeb ,  v\elehes  die  Geologic  in 
drr  Geslall.  dciu  speeilischen  Gevsiehle.  den  TempgraturverhaltnisseD  des  Inneren 
der  Krde  bcsliiligt  sieht. 


b)  Foriiialioiisklire. 
Die  Fundamental -Formation   vErstarrungskruste  , 

Der  Begrifl'  eines  Meeres,  aus  welcheni  sich  die  erslen  Sediniente  nieder- 
schlugen,  setzt  einen  feslen  Boden  voraus,  auf  \\elchem  es  sich  aushreilen 
konnle.  Niedersrhla»e  erfordern  ein  Fundament,  Sedimenle,  nioijen  sie  aus  che- 
inischer  Solution  oder  mechanischer  Suspension  resultircn,  niUssen  ihr  Material 
praeexistirenden  Gesteinen  verdankcn.  Aus  alien  dicsen  Belrachtungen  folgl, 
dass  die  ganze  Rcihe  der  sedimenlaren  Formalionen  von  einer  noch  alteren 
niehl  sedimonta'ren  Gebirgsfonnation.  der  Grund-  oder  Fundamental-For- 
in  a  lion  gelragen  \verden  muss,  und  diese  kann  nicht  anders  gedaehl  \verden. 
denn  als  urspriingliche  Erslarrungskrusle  des  einst  glulhflUssigen  l^nlhalles. 

Ks  erscheinl  XAveifelhafl,  oh  diese  primitive  Kruste  irgend^o  an  der  Krd- 
oherfla'ehe  unserer  Beobachlung  zugiingig  ist.  Vielleieht  miissen  die  untersten 
Gneisscomplexe  der  laurentisehen  Formation  als  die  Producte  der  oberflachlirlien 
Erstarrung  des  gluthflilssigen  Planelen  angesprochen  werden,  doch  selbst,  \\enn 
\\ir  von  dieser  Moglichkeit  absehen ,  sind  wir  im  Stande,  gewisse  Schlllsse  auf 
ihre  minero-chemische  Zusammensetzung  ziehen  zu  kb'nnen.  Die  Masse  unseres 
Krdballes,  seine  atmospharische  Hiille  mil  eingeschlossen ,  ist  von  Anfang  an 
his  jetzl  dieselb(>  gel)lieben;  sein  Material  hal  sich  weder  verringert,  noch. 
\\eiin  wir  von  der  geringftigigen  SubstanzzufUhrung  durch  Meteorilen  abslraliiren, 
Ncrmehi't.  Neubildungen  von  Gesteinen  beruhen  vielmehr  uur  auf  Umgeslal- 
tnnii  von  frilher  vorhandenen  Felsarlen  mil  Hiill'e  der  Gewasser  nnd  Almo- 
sphiirilien,  oder  auf  Erstarrung  von  gluthOiissig  emporsteigenden  Gesteinsmassen. 
Das  .MahM'ial  jeder  jilngeren  sedimentiiren  Formation  geht  somit  aus  der  Zer- 
slbrung  und  Regenerirung  allerer  Schichten ,  sovvie  der  Eruptivgebilde  hervor. 
\\elehe  sich  in/.wisehen  her\  orgedrangt  haben.  Dit*  gesammte  Sfhiehlenreihe 
von  dem  altesten  Complexe  l)is  zu  den  Absiit/en  unserer  Ge\\;isser  \erdaukt 
deshall)  die  llaiiptmasse  ihres  Materiales  der  Xei'storung.  Aufbereitong  und  Ver- 
arbeitung  der  ni'spriingliehen  KrstaiM-nuiiskniste.  Diese  let/.tere  muss  deslialh 
di<'  Suiiinie  der  Suhstan/.en  enthallen  haben.  aus  denen  die  sedimenliire  Kor- 
mationsreihe  aufgebaut  ist.  Der  vor\\ altende  Hestandtheil  der  (iesammtheit  un- 
serer  Sedimentiirgesteine  ist  die  Kieselsiiure.  Dieselbe  nimmt  zum  Theil  in 
der  (iestalt  von  Qua  r/.  als  Onarxil.  Sandslein  und  Sand,  /.inn  Theil  verbniiden 
mil  Biisen  in  der  Form  von  Silieaten  einen  so  \orhen\sehenden  Antheil  an  der 


VI.    Ilistorisrho   <Joolo<;ie. 


200 


/usammenset/ung  der  Schichlen  .  dass  alle  Hasen  zusaimneiigenommen  nur 
Bruchtheile  des  Belraues  dieser  Siinre  siiul.  Kieselsiiure  sowohl,  wie  Basen 
entstammen  /.inn  griissten  Theil  der  Krslarningskruste  der  Erde ;  \\eil  aber 
dieselben  in  dem  nrspriinglich  glilthfltissigen  Ziislamle  unseres  IManelen  niclit 
neben  einander  beslelien  kdiinlcn.  nhne  Silicate  /.u  liildcn,  so  muss  die  II;uij)l- 
iBgskrastjB  aus  Silii-aten  und  zwar  der  Uberwiegenden 
aus  saner  en  Silica  ten  bestanden  liahen. 


A.    Die  azoische  Formationsgruppe. 

(Primili\(\   vorsilurische,   eozoisrhe  Formationen ;   Urgebirge.) 

Die  a/oisc-lic  Fonnalionsgruppe  l)esleht  aus  einer  ilber  30000  M.  rniirh- 
Sohichteiureihe  von  krvsUilliniselien  Gesteinen,  und  zwar  in  ihrer  unteren 
lliillte  \or\vaIhMid  aus  Gneissen ,  Hornlilendeschiefern ,  Quarziten  und  krystal- 
linischen  Kalksteinen,  in  ihren  oberen  Nivcaus  namentlich  aus  Glimmer-,  Chlo- 
iit-.  Talk-  und  Thonschiefern,  zutn  Theil  auch  Conglomerate!!.  Charakteristiscli 
fiir  dicsc  Formationen  isl  ihr  Reiehlhum  an  gleichalterijien  Erzlagerstiitten.  Or- 
ganise he  Heste  sind  nur  in  den  oberslen  Horizonten  derselben  mit  Siclier- 
heit  oachgewiesen ,  sind  jedoch  sehr  sparlic'h  und  bestehen  in  den  AbdrUcken 
einiger  Fucoiden ,  ferner  den  Resten  einiger  Crinoiden  und  Spuren  von  Anne- 
liden.  Amli  in  den  Kalksteinen  der  tieferen  Niveaus  glauben  einige  Geologen 
Heste  sehr  niedrig  organisirler  Thiere  (Eozoon)  erkannt  zu  haben,  —  eine  An- 
sieht.  \velehe  \iel  \\iderspruch  erfahren  hat,  —  und  schlagen  deshalb  vor,  die 
his  dahin  als  azoisch  bezeichneten  Schichtencomplexe ,  weil  in  ihre  Bildungs- 
x.eit  die  Morgenrothe  organischen  Lebens  gef»llen  sei ,  »eozoisch«  zu  nennen. 


Hedelberg 


Wetterberg 


Silberberg 


Fig.  45.    Profit  d«s  Gneiss-  end  Glimmerschief^rgAbiet^s  bci  Tischenrenth  und  Waldsassen  im  Bayerischen 

Waldgebirge. 


, 

\>  (ilimmergneiss, 
c  Granulit, 
d  Serpentin. 
p  Hornblemiegnpiss, 
f  Sj^nititicher  Granit, 


Laurentische  Gneisgformation. 
±c"reCKfer'     }H«ronische  3ohieferforB,ation. 


Die  azoische  Formal  iniisiinippe  lagert  als  Product  der  Thiiligkeit  des  uriil- 
lesten  Meeres  umiiitlelbar  auf  der  Erstarningskrnsle  der  Krde  auf,  ohne  dass 
ihr  (loiitart  bis  jel/.l  beobaclilet  \\nrden  \\iire.  und  \vird  von  den  versteinerungs- 
fUlii'endeu  Schiehten  der  nnlersten  Silurformation  ungleiehformig  (ibei'lagert. 
wodurch  beuiesen  \\ird.  dass  sie  \nr  dem  Silur  zur  Ausbildung  gelangle. 
Hire  Verbreitung  scheint  sieh  liber  das  gan/e  FrdtMirund  zu  erstrecken,  jedoch 
ist  sie  zum  gi-ossen  Theile  dureh  Iberlatienm^  jilngei'er  Formationen  \erborgen. 


270  VI.    Ilislorisdie 

Nadi    bereits    angedeuleten     petrographiscben     rnlerschieden     diedort     sicli     die 
a/.oische   Gruppc   in 

II.    die   huronisdie   Sehieforforination, 
I.    die   laurentisdie  Gneissfonnation. 

Die  laurentisdie  Urgneissformation. 

Petrograpllisclier  Charakter.  Das  Gesteinsmalerial  dor  laurentischen 
oder  rruneissforrnation .  der  iillesten,  unseren  Beobachtungen  zugangigen  sedi- 
mentaren  Sdiiohtongruppe ,  bosloht  wesentlich  aus  Gneissarton ,  welche  durch 
Abiinderungen  in  ihrer  Struclur  auf  der  einen  Seite  in  die  entspreehenden 
Schiefcr,  auf  dor  anderen  in  granitische  Gesloine  Ubergehen,  oder  mil  solchen 
\vedisellagern.  Untergeordnel  treten  ausserdem  zwischen  den  horrsdiendon 
Gneisson  kr\slalliniseher  Kalkstein,  Dolomit,  Quarzit ,  Serpentin,  Magneteisen- 
stein  und  Graphit  in  Lagern  und  Zonen  von  grosserer  oder  geringercr.  oder 
mohr  oder  weniger  gleich  bleibender  Machligkeit  auf. 

Die  zahlreichen  Varietaten  des  laurentischen  Gneisses  lassen  sich  in  x,\\ei 
Hauptgruppen,  die  Glimmer-  und  Hornblende -Gneisse,  zusammenfassen .  jo 
nachdem  ausser  Feldspath  und  Quarz  entweder  Glimmer  oder  Hornblende  als 
driller  \\esentlicher  Gemengtheil  vorhanden  ist.  Das  gewbhnlichsto ,  in  alien 
Verbreilungsgebielen  vorwaltende  der  laurentischen  Gebirgsglieder  ist  dor  Glim- 
mergneiss  in  alien  seinen  durch  Abiinderungen  des  Gefiiges  bedingten.  in  dein 
petrographischeu  Theile  dieses  Lehrbuches  bereits  beschriebenen  Modifikationen. 
Man  hal  deshalb  besonders  flaserige,*  schieferige,  lagonweiso  zusammengosot/lo  und 
slongoligo  Gneisse  zu  unterscheiden.  Die  Zahl  dieser  Varieliiten  \vird  nodi  daduivh 
\einiehrt,  dass,  iihnlich  wie  Hornblende,  auch  Chlorit,  Talk  und  Graph  it  fur  den 
Glimmer  eintreton,  gewissermaassen  Vicariren  kb'nnen.  In  Folge  davon  erscheinen 
neben  dein  Hornblen degne iss,  freilich  moist  nur  unlorgoordnot,  Chlorit-. 
Talk-  und  Graphi  I  gneiss  in  zonenartiger  Wochsellagerung  mil  dom  Glimmor- 
iineiss.  Auch  Dichroit  kann  sich  als  \\esentlichor  Gemengtheil  zu  Quarz,  Feldspath 
und  x.uriiektrelendem  Glimmer  gesellen  und  dann  mil  diosen  (so  bei  Bodenmais 
in  BaNcrn  und  in:  siidisischen  Granulitgebirge)  Dichroit  gno  iss  bilden. 

Durch  Xunahmo  des  Glimmers  nirnmt  der  Gneiss  schieferige  Struct nr  an 
und  gohf  durch  gleichzoitiges  Zurtlcktrolen  des  Koldspaihes  und  Ouar/t^s  in 
Glimmerschiefer  uber.  Auf  der  anderen  Seite  kann  der  Gneiss  seine  I'arallel- 
slructur  \oll.sliindig  \erlieren.  indein  die  Glimmorbliittchen  cine  ganx.  re^elloxe 
I. age  annehmen.  In  l;olgo  dieser  Veriinderung  dos  Goftiges  gehl  dor  Gneiss 
x.uorsl  in  Gneissgranit  und  endlich  in  x.uin  Theil  selbst  porphyrartij-'on  Gran  it 
iiber.  Belcher  dann  in  miiditigen  I'arallolmasson  x.\\  ischen  dein  (ineisse  einge- 
lagoil  und  x.uin  Theil  (lurch  ("beruiin^e  mil  ilnn  ong  vorknilpfl  ist.  Die  I'.i- 
sdieinung.  dass  der  (ineiss  in  Fol^e  des  N'erlnsles  seiner  I'arallelstructnr  in 
Granit  ,  so\\ie  iimgekelirt  durch  riu-rhandnehmen  des  die  Parallelslruclur  be - 
dingendeii  Minoralos  in  Glimmerschiefer  iiber^ehl  .  dieselbe  l^rsdieinung  sehen 
\\ir  sidi  bei  den  Hornblende-.  Talk-.  Chlorit-  und  Graphiti:neisson  uiedei'liolen. 


VI.   Historische  Geologic.  271 

I'.s  stehen  also  die  hetretlenden  M'hieferiiicn  mid  granitisclien  (iesteine  in  dem- 
selben  Verha'ltnisse  /u  den  enlsprechenden  Gneissen,  \\  ie  Glimmersehieler  mid 
Granit  /HIM  Glimmergneiss.  Dureh  solclie  juif  allmahlicher  Anderung  des  Gefiipes 
heruhende  Dbergttoge  isl  der  Ke\\eis  ijelielert,  dass  die  Meiirzahl  der  mil  dem 
(ineisse  \\  erlisellaiiernden  (Iranite  der  laurentischen  Formation  gleichen  Zeiten 
mid  iihnlichen  BUdungSprocessei)  ihren  Unsprung  verdanken  wie  die  tibriuen 
Glieder  dieser  Gehiriisforinalion,  dass  sic  also  nicht  als  Laiirrgilnge  und  somit 
spiiten  injicirle  Eruptivgestelne  gedeutet  wenden  dtlnfen. 

Dass  das  Misehunusverhiiltniss  den  Gemengtheile  den  zur  launenlischen 
('•neisslamilie  gehorigen  Gesleine  aussenondentlich  vaniirt,  und  dass  in  Folge 
da\<in  ganz  neue  Felsanten  enzeugt  wenden,  tnilt  besondens  in  dem  Venwandt- 
sehat'ts\erhallnisse  des  Gnauulites  zum  Gliinmensclnefen  lienvon.  Wie  sich 
duneli  Mehrung  des  Glimmers  aiif  Kosten  des  Feldspathes  und  Quanzes  aus 
dem  (ineisse  (llimmenschiefer  en t \vickelt,  so  entsteht  dunch  Verschwinden  des 
Gliinniens  (iranulit.  Dieses  Gestein  besleht  nun  noch  aus  linsenfonmigen,  la^en- 
arti^en  oden  schiefenigen  Lamellen  von  Onthoklas  und  Quanz,  kann  aber  dunch 
das  Hin/ulivten  von  zaldneichen  Glimmenblattchen  wiedenum  in  Gneiss  tlben- 
^ehen.  Dieses  dem  Gneisse  so  nahe  venwandte  Gestein  enscheint  hien  und 
da  im  (iebiete  den  laurenlischen  Fonmation  als  untergeondnetes,  regelmiissiij; 
eiliiiesehieliteles  GebiniZSillied  (Fig.  46),  SO 

-l>ei  Aschallenlmng,  im  Egenlhale,  bei  Knumau 
in  Buhmen.  kann  aber  auch  weite  Yon- 
breitungsgebiete  fun  sich  allein  einnehmen, 
so  im  siichsischen  Granulitgebiete.  In 

Seliotllaild      und       Skaildinavieil      Spiell      die  Fig.  46.    Gneiss  a)  nnd  Granulit  b)  in  regelmassiger 

,       Wechsellagerung  bci  Rodenbach  im  ostbayerischen 

II  ii  1 1  e  fl  i  n  t  a     erne      nicht     unbedeutende  Grenzgebirge. 

Hdlle  als  (iestein  der  launeiUischen  Fonmation.  Dieselbe  ist  als  eine  sehn  feinkdnnige, 
diehl  erseheinende  .Modification  der  Gneiss-Granulit-Gesteinsreihe  zu  betnachlen. 
filter  den  untergeordneten  Gebingsgliedenn  der  laurentischen  Fonmation 
isl  der  k  r\  s  t  a  1  Ii  n  i  schc  Kalkslein  das  intenessanteste.  Dieser  bildel  his 
:{  oder  ini)  Meten  machtige  Schichtencomplexe  zwischen  dem  Gneiss,  /eiclmel 
sich  dnrch  seine  krystallinisch  kbnnige  Struclur,  sowie  durch  seinen  Reichlhum 
an  accessorisehen  Mineralien,  von  allem  an  Vesuvian,  Granat,  Epidot,  Apatit, 
/irkon,  Turmalin,  Flussspath,  Gnaphil,  Kupfenkies  und  Sclnvefelkies,  May- 
netei.M'iistcin,  Tilaneisenstein,  Xinkoxyd  aus.  Viele  den  laurenlischen  Kalk- 
sleine  sind  dolomitisch,  seltener  sind  reine  D(»lomito.  Sie  sind  zum  Thcil  anl 
das  deiitlichste  gcsehicliiei,  \\echseln  mil  Lagen  von  Quarzit  und  Hallellinl.i 
alt.  tihalleii  /ii\\eilen  eine  bandarlige  Parallelstruclun  dunch  das  zonenweise 
Auftreten  der  erwiilmtcn  accessorisehen  Mineralien,  hauptsiichlicli  von  Graphil. 
Serpentin.  l'\n»\eii  und  Apatil.  /\N  ischen  Gneiss  und  Kalkslein  iindel  oft 
eine  eii^e  VenknUpfuni:  durch  Weelisellagemng  von  schwMchenen  Gneiss-  und 
Kalksleinlaiien  stall.  (Jan/  analog  der  Lageruni:s\\eise  des  kryslallinischen  Kalk- 
steins  isl  die  des  Kryolithes  zwischen  gnniiliindisch.-n  (ineisscn.  Quarzit, 
glasig,  ktirnig  oder  schiefenig  (Fig.  47)  und  ebenso  Senpentin  tneten  in 
his  Uher  100  Meter  miichti^en.  mei>t  scharf  gcschichtelen  Zwischenlagern,  der 


272 


VI.    lli-tnnsclic 


Serpentin  nieht  .seltcn  \  un  Chlorit-  und  Talksehiefern  hedeitet,  in  ;illen  Ilori/.onten 
der  laurentischen  (ineissivihe  aid',    \\iihrcnd    Graph!)    und   /.war  enlueder  y.iem- 

lich    rein  oder  mil  thoniiier  Snl>- 

sw 


stan/  gemenijt  und  dann  hiiuli.u 
M-hiel'erii:..  llot/arti^e  Kinlai:ernn- 
lien  hildet.  Besonders  bedenl- 
sam  fiir  die  sedimenliire  Enl- 
stehungsweise  der  laurentischen 

f/  /        ('  f  '  i '  f 

Gesteinsreihe  isl  das  Vorkommen 

Fig.  47.   Profil  dnrch   den  Pfahl  i  in  ostbay  e  r  i  sc  h  e  n  /^  i 

Grenzgebirge.  VOI1  C  O  II  g  I  O  111  C  1' a  I  e  II      Itllier- 

a.  Gneissgranit  in  Augengneiss  ubergpheiul.  i     lu  J  1U  T      r<  II 

b.  Halleflinta  mit  Orthoklas-Ausscheiduugen.  halb  dersclbcn.    Ill  Canada    DCO- 

I:  Qu'arSde"  p!ffi£'  bachtelc  man  einen  Uber  300  Me- 

f.'  Sic^SZt^iss.  ler  machtigen  Schichtencomplex, 

in  welchem  abgerundete  Su-nit- 

und  Dioritfragmente  von  einem  mehr  oder  weniger  vorwaltenden,  (piar/iiien. 
lilimmerreichen  Bindemitlel  zusammengehalten  werden,  in  Michigan  mehrere 
Conglomeratlager,  welcke  aus  Rollstilcken  von  Gneiss,  Granit  und  Quarzit  in 
talkig  sandiger  Grundmasse  bestehen,  in  Vermont  eine  Zone  von  ganz  aim- 
lichen  Conglomeraten,  bei  Kongsberg  conglomeratahnliche  Sandsteine,  welche 
mit  laurentischen  Gneissen  und  Schiefern  wechsellagern . 

1-jn  sehr  gewohnlicher  accessorischer  Gemengtheil  der  laurentischen 
Gneisse  und  zwar  vor  Allem  der.  Hornblendegneisse,  sowie  der  Syenite  ist 
Magneteisenstein,  welcher  sehr  gewbhnlich  die  genannten  Gesteine  in  feinen 
Kbrnchen  impriignirt.  Manche  Zonen,  ja  einzelne  Schichten  der  Gneissforma- 
tion,  mbgen  sie  nun  aus  Gneiss  oder  aus  ihm  verwandten  Gesteinen  bestehen, 
sind  dadurch  als  erzfiihrende  Gesteinszonen  ausgebildet,  dass  ihre  Gesleins- 
massen  oft  in  meilenweiter  Erstreckung  mehr  oder  weniger  reichlich  mit  Erz- 
theilchen  impriignirt  erscheinen.  Solche,  dem  Streichen  der  Formation  parallele 
erzhaltige  Schichtenzonen  heissen  Fallbiinder.  Die  Mineralien,  welche  in 
ausserst  feinen  Theilchen,  gewissermassen  wie  Wolken  von  Krzpartikelehen 
in  das  Gestein  eingesprengt  zu  sein  pflegen  und  auf  diese  Weise  Veranlassung 
/ur  Bildung  von  Fallbandern  geben,  sind  hauptsachlich  Magneteisenera,  ferner 
Schwrefelkies,  Kobaltkies,  Kupferkies,  Zinkblende  und  Zinnstein.  Als  derail iue 
Erscheinungen  sind  z.  B.  zahlreiche  Magneteisensteinimpragnationen  in  Skandi- 
navien,  Schottland  und  Nordamerika,  die  Kupferkies-  und  Zinkblende-ImprHgna- 
lionen  von  Kongsberg,  endlich  gewisse  Zinnsteinlagerstiitten  des  Erzgebirges 
anzufUhren.  Inuerhalb  solcher  Impragnationszonen  kann  eine  Concentration 
der  fein  eingesprengten  Erztheilchen  zu  massiven,  lenticuliiivn ,  flOtzartigen 
oder  unregelmassL'  gestaltelen,  also  stockformigen  Erzlagerstiitlen  statllinden. 
welche  dann  in  der  Weise  in  dem  Fallbande  eingelagert  sind,  dass  die  Flachen 
ihrer  gro'ssten  Ausdelmunii  der  Schichtung  des  Neben^esleines  parallel  liegen. 
Besonders  ist  es  Mauneleisenerz,  aber  am-h  Sch\\efelkies  und  Kupferkies, 
welche  derartige  durch  die  sie  umgebende  IniprtFgnationszone  mil  dem  (ie- 
sleine  \er\\achsene  Mr/laizersliitten  bilden.  Die  laurenlischen  (ineissdistriete  \on 
Skandina\  idi  Canada  und  New -York  liefern  hei.spiele  fur  solchc  Vorkommnisse. 


VI.    Historische  Geologie. 


273 


Aehnliehe  F.r/.lagerstatlcn  kiinnen  auch  auftrelen,  ohne  an  Fallbitnder  ge- 
bunden  zu  sein.  Sic  bilden  dann  selbstiindige  (icbirgsglieder  der  Iaurenli- 
schen Gneissformatiou  und  haben  entweder  die  Form  unregelmiissiger  Flolze 
oder  die  lenlicularer  Kinlagenmgen.  In  ersterem  Falle  sind  die  Grenzflachen 
soldier  Kr/lagerstatten  nichl  sellen  sehr  sdiarl'  ausgepriigl  und  verfolgeu  mei- 
lenucil  die  grille  I'arallelitiit ,  sowohl  unler  einander,  wie  mit  der  Schichtung 
der  angrenxenden  (incissgesteine  (Fig.  4-8).  In  ihren  Lagerungsverhaltnissen 
vollkommen  Sphaerosideril- 


sc 

llut/.cii  /uisdicii  den  Schidci'lhonen  jUngeror 
Fonnatioiicn.  Am  i;e\volmlidisten,  so  in 
Sdilcsien  (z.  B.  bei  Schmiedeberg) ,  im  Erz- 
gclMrgc,  in  Ha^crn,  Norwegen,  Nordamerika, 
trill  Magnctcisciistoin,  bei  Bodenmais  in 
MaNt'i'n.  in  Canada  und  Skandinavien  aber 
andi  Hotliciscnera,  Kupferkies  und  Schwefcl- 
kics  untcr  den  eben  beschriebenen  Verhalt- 
nisscn  iiuf.  Ausserdem  sind  Lagersliillen  von 
Holhzinkerz,  Willemil  und  Franklinil  bei 
Franklin  in  Nc\\ -Jersey  als  accessorische  Be- 
slandiiiassrn  drs  iaurenlischen  Kalksleines  oder 
BMzartige  Kinlagcnniiicn  in  dcnisdhcn  Itekannl. 


\ 


Fig.  48.  Magneteiseusteinflotze  der 

King  Mine  in  New-Jersey, 
a  Ausgezeichnet  flaseriger  Gneiss, 
b  Magneteispnstein  mit  Apatit,   1,3  M. 
c  Glimmerschiefer. 
d  Magnetpispnstein  mit  Apatit,  3  M. 
e  Gneiss. 

f  GemengflvonMagneteispn,  Feld*i«:ilh  innl 

Qnarz. 
g  Gneiss. 

Andeutniigeii  organischen  Lebeiis  wSihrend  der  laureutischeu  Periode. 

Die  Fiille  und  die  .Mannigraltigkeit  der  Formen,  in  welchen  das  organische  Leben 
in  der  sog.  IVimordialzone,  dem  untersten  Niveau  der  Silurformalion  plolzlich 
und  ansdicinend  unvorbereitel  auflrilt,  zusammengehallen  mil  der  Thalsache, 
dass  von  diesein  Zeilpunkle  an  eine  forlwahreude  Vermehrung  und  Vervoll- 
der  Thier  -  und  Pflanzenwell  durch  allmiihliche  slufenweise  Ein- 
,  hitiier  organisirler  Formen  statlfand,  macht 
die  \\ahrsdiciidichkeil  gross,  dass  bereils  wiih- 
rend der  azoischen ,  also  vielleichl  sogar  schon 
wiihrend  der  Iaurenlischen  Periode  organisches  Le- 
ben, \\enn  auch  in  den  niedrigslen  Typen  exislirl 
halte.  Miigen  nun  die  damals  zur  Ausbildung  ge- 
langcndcn  (icslciiiMiiiiterialien  oder  die  vorausge- 
sel/.len  Thier-  und  I'Man/.enformen  nidil  zur  ErhaU 
lung  der  let/.ieren  geeignet  gcwesen  sein,  organische 
hesic  >ind  \ns  jetzt  in  der  Iaurenlischen  Gneiss- 
formal  inn  mil  iiberzeugender  Sicherheil  noch  nicht 
naclig«'\\ie.s«-n  \\orden.  Kine  Anzahl  namhafler  Na- 
lurforscher  glaubl  jedoch  in  Eozoon  can  a  dense 
Da  VNson  Fig.  i«)  die  Resle  eines  der  iilleslen  or- 
ganischen \Vesen,  welches  die  Erde  crzeugl  hal, 
zu  erkennen.  In  den  kryslallinischen  Kalksleinen 

(lanadas.    Scliotllands  und   Ba\orns  koinrnen  in  verworren  Ubereinander  liegen- 
den   Neslern    von    iiber  Kubikfuss  (irosse    parallel    wellige,    unregelmiissig   con- 

Ci  r  ,1  n  f  r  ,   Klpinrntp  d.  Gpolocip.  lv 


Fig.  40.    Kammern  von  Eozoon  cana- 
Dawn.     Stark  vergrossert. 


274  VI.   Ilistorisdie  Geologie. 

eentrisehe,  mil  Lagen  von  kornigem  Kalke  aim  ediselnde  Hiinder  mid  Slreifen 
von  Serpenlin  vor.  Diese  gcbiinderlen  Serpentinballen  liaben  ge\\  isse  Geo- 
logen  als  Hcsle  einer  riesigen ,  von  ihnen  Eozoon  genannten  Foraminifere  und 
die  Kalksleinlagcr.  in  weldien  sic  angehiiuft  sind ,  als  den  neueren  Korallen- 
biinken  odcr  Nummou'tenfelaen  analoge  ForaminiferenrifTe  anspredim  zu  diir- 
fcn  geglaubt.  Nach  ihrer  Ansicht  vergriisscrlen  sich  die  Eozoen  durdi  Zu- 
wachs  Ubereinander  folgender,  flacher-unregelmassiger  Kammern,  welche  durdi 
Kalklamellen  getrennt  waren,  aber  vermittelst  regellos  vertheilter  Kanale  und 
fein  verzweigter  Rohrensysteme  in  Communication  standen.  In  fossil  em  Zu- 
stande.  sollen  die  Kalklamellen,  --  die  Scheidewiinde  der  einzelnen  Kaminern, 
—  in  Form  kornigen  Kalkes  erhalten,  die  Kammern  selbst  aber,  sowie  die 
Communieationscana'Ie  und  -Rohrchen,  welche  zu  Lebzeilen  des  Thieres  von 
dessen  schleimiger  Leibessubstanz  (Sarkode)  eingenommen  waren ,  durch  Ser- 
penlin und  ahnliche  Mineralien  ausgeftillt  worden  seien.  Der  organische  Ur- 
sprung  des  Eozoon  ist  jedoch  noch  zweifelhaft  und  wird  von  urtheils&higer 
Seite  bestritten. 

Fdr  die  Existenz  pflanzlichen  Lebens  wahrend  der  laurentischen  Zeil, 
welches  sich  ausschliesslich  auf  Algen  beschrankt  haben  miisste,  glaubt  man 
in  dem  Bitumengehalte  einiger  krystallinischer  Kalksteine  und  Gneisse ,  in  dem 
Vorkommen  von  Asphalt  uud  Anthracit  innerhalb  mancher  Gneisse  und  Eisen- 
erzlagerstatten  der  laurentischen  Formation  Skandinaviens  (siehe  Fig.  50),  vt)r- 

zugsweise  aber  in  zahlreichen  Graphilflotzcn, 
welche  mit  den  laurentischen  Gneissen  wech- 
sellagern,  gewisse  Anhaltspunkte  zu  besitzen. 
Und  in  der  That  ist  die  Analogic  zwischen 

"I™       ~*~^,          J^T       dem  Auftreten    vieler   dieser   Graphitlager   uud 
Fig.  oo.    Bitnminoser  Gneiss  von     dem  der  jimseren  Kohlengestcine  eine  so  grosse, 

Vermland  in  Schweden. 

a  Gneiss,  zum  Tbeil  Gneissgranit.  daSS    die    VerStU/OUIlg    liallC     llCgt ,     111    deill    (il'a- 

b  Bituminoser   Gneiss   und    Glimtnprschie- 

forUOM.  machtig,  durch  Bitumen  achwarz       phite    daS    Endl'CSUltat    deS  VerkolllungSprOCCSSCS 

;,'pt';irbt;  ein/elne  Lagen  enthalten  10  Pet.  ..  ... 

einos     glanzkohlenahnliclien     Minerales,       ZU    ei'blicken ,      durdi     Weldien     die    llol/.laser     II) 

welches  dem  Gneiss  in  scbr  kleinen  Korn- 

chen  beigemengt  ist.  Braunkohlc ,    Steinkohlc   und   Anthracit    umge- 

c  Hyperit  (Diorit?)  des  Nulleberges. 

wandelt  wurde.    x 

Miichtigkeit  uud  architektonische  Verhiiltuisse.  Die  Miichiigkeii  der  in 
ihrem  petrographischen  Charakler  oben  kurz  geschilderten  laurentischen  Gneiss- 
formation  betragt  in  Canada  uber  10000  M.,  in  Bayern  elwa  30000  .M.  - 
Stellen  sich  auch  dem  Studituu  der  a  re  h  i  t  ektonischen  Verhaltnisse  der 
laurentisdicn  (Jneissformation  in  F"olge  der  Unbesiiindi-keii  der  petrographischen 
Kiiientliiiinlidikciten  ein  und  derselben  Schichtenzone,  ferner  in  Folgc  der 
steilen,  oft  verticalen  Aufrichlung  der  Schichten  bedeutende  Sohwierigkeilen 
enlgegen,  so  diirfte  dodi  dicselbe  auf  zwei  Bauptlagerongsformen  zuriiek/u- 
filhren  sein.  Die  eine,  z.  B.  im  Gneissgebiete  des  Krzg(>l)irges.  ferner  in  dem 
.der  Umgebimg  von  Bergen  erkannle,  liissl  sidi  als  eine  k  n  ppc  I  form  i  ge, 
die  zweite  in  Canada,  Brasilien  und  in  zahlreichen  Dislrielen  Skandina\  iens 
\rrirclcne  als  cine  ausgedehnle .  \\eil  forlsel/ende.  zctnenarlige  Lagerung 
be/cidmen.  Im  ersleren ,  aber  selleuen  Kalle  /.eigl  sidi  in  den  milllereii  He- 


VI.   Hislorisdie 


275 


cities  jeden  dorartigen  (Ineissterrains  cine  nahezu  liori/ontale  Sehiehten- 
laue.  \\iihrend  sidi  nach  den  Grenzen  zu  eine  slcilc  Stelluni:  mil  naeh  Aussen 
iierichtelem  Fallen  gellend  niaclit.  Bei  zonemirtigen  LagerungsverliJillnissen  sleheu 
•  lie  mannigfachen  Sdiiehleneomplexe  in  steiler,  synklinaler  oder  antiklinaler. 
oft  auch  verticaler  Stelhni"  nebeu  einander  ,l;ig.  51.)  Dergleidicn  Schidilen- 

zonen  von  laureniisdien 
Gesteinen  besitzen  oft 
sehr  bedeutende  Aus- 
dehnune.  So  erstreckt 
'  h  T  h  -•]••  ' 

' 

GllPlSS-       Gr;init-     iinrl 

S    ' 

Glimmerschieferfonna- 


•••• 

Fig.  :-l.    ArchitektonUclio  Verlialtnisso  der  laurentisclien  Gneissformation  der 

Gegend  von  Grenville,  Canada. 
a  krystallinischer  Kalkstf  in. 

b  Gneiss  und  Quarzit. 


tion  in  nordostlicher  Riclitung  iiber  250  p'o^raphische  Meilen  well,  \viiluvnd 
ein  <vl  .Meilen  lances  Profil  quer  durch  die  Audeskette,  wenige  Grad  nordlidi 
\oiii  Aqnafanr,  in  seiner  tzanzen  Ausdehnung  vertical  oder  fast  vertical  stehende 
Seliiehlen  der  laurentisclien  Gneissfonrnation  zeigt,  Die  Gneisszone,  welche 
das  iieoloiiisrhr  Skelet  des  appalachischen  Gebirgssystemes  und  soinit  der  ganxen 
ostlichen  lliill'te  des  nordamerikanischen  Gontinentes  bildet,  erstreckt  sich  voni 
Siaale  (ienr-ia  aus  l>is  nach  der  Mtlndung  des  Lorenzstrornes  und  besitzt  somit 
cine  Liinize  \on  etwa  300  deutschen  Meilen. 

LagervngsrerhiltBlaM  der  laurentischen  zu  den  iibrigen  Forniatio- 
nrn.  Die  laurentische  Gneissformation  ist,  wie  bemerkt,  die  untersle  unserer  Be- 
obachtuni:  zugangige  Gesteinsgruppe.  Das  Fundament,  auf  dem  sie  ruht,  wird 
voraussichtlich  die  ursprUngliche  Erstarrungskruste  der  Erde  sein,  wahrend  sie 
selhst  als  Basis  der  Ubrigen  Sedimentformationen  zu  betrachten  ist.  Sie  wird 
nicht  si-Hen  von  der  niichst  jUngeren  Formation,  den  huronischen  Schiefern, 
iiewolmlidi  al>er  von  viel  neueren  Gebirgsgliedern  ,  so  dem  Silur,  der  Stein- 
knlilenformalion  oder  von  noch  weit  jUngeren  Schichtencomplexen  ungleich- 
forniiii  iiberlagert. 

Bei  dem  Mangel  an  charakteristischen  oder  deutlichen  organischen  Resten, 
\veldie  als  lin^erzeig  Uber  die  Stellung  der  laurentischen  Gneissformation  in 
der  Schicliteni-eiiie  diencn  kiinnten,  sind  ihre  I.aizerunizsverlialtnisse  in  dieser 
Ilinsichl  die  allein  niaass^ehenden  ,  besonders  da  sich  Gesteinsreilien  von  sehr 
jihnlidiem  pelroLirapliisdieiii  Charakier  in  jUngeren  Formationen  vviederholen, 
also  der  leixiere  aueh  nicht  immer  sichere  Schlilsse  auf  das  Alter  des  helrelVen- 
den  Sehiditencomplexes  erlaubt.  Lageruniisverhiillnisse  hinueiien,  \\ie  die  in 
I  -ij--.  52  und  53  wiedergegebenen,  konnen  mil  Bezug  auf  das  Alter  der  lauren- 
lisehen  (iiiei»lniiiiaiionen  nur  eine  Deutung  erfahren. 

l-'ij:.  •">:?  stelli  die  -iedlojiisdieji  Verhiillnisse  <les  Sin  i  th'sc  h  e  n  Kisen- 
berges  in  Michigan  dar.  Eine  huronische  Schichlenreihe,  besleliend  aus  Onar/il- 
scliiel'ern.  Cliloritsdiiel'ern.  H.ilhri.M-nsirin.  .laspis  und  Diabasen  bildel  in  diesem  I'alle 
eine  sleile.  eniie  Mulde  in  einer  einslmalii:en  liel'en  sdimalen  Budil  innerlialb  der 
laiirentisdien  (ineissformation  d.  \V\v  Scliidilen  des  ostlichen  FlUgels  dieser 
huronist  hen  Mulde  slreichen  von  N.  nach  S.  und  wenden  sich  dann  in  voll- 
slandiuem  llalbkreise  zuerst  nach  W.  und  dann  nach  N.,  \\oliei  sich  ihr  Kin- 

18  * 


276 


VI.    Ili*tori.xrln>   Geologic. 


fallen  \on  einem  \\estlichen  in  ein  nordliches  iinii  /ulelzl  in  ein  b'stliches 
vera'nderl  ,  \\iihrend  sich  das  Streichen  und  Fallen  des  laureniischen  Gneisses 

in  seiner  nordwestlichen  Bichiung  gleichbleibt, 
so  dass  die  discordanle  Gberiagerung  des- 
selben  durch  die  liuronischen  Schichlen  ;in  de- 
re  n  sildlichem  Wendepunkte  ihr  Maximum  er- 
reicht. 

In  Fig.  53  ist  ein  Profil  aus  dem  Staale  Ne\\- 
Jersey  wiedergegeben.  Laurentische  Hornblende- 
gneisse  «,  deren  Schichten  vertical  nebeu  ein- 
ander  stehen  ,  werden  hier  von  flach  mulden- 
forrnig  gelagertem  Potsdam-Conglomerat  6,  dein 
altesten  Silur,  discordant  bedeckt  ;  ebenso  ist  eine 
nordwestliche  Flanke  von  Unlersilur,  Polsdam- 
Conglomerat  6,  Kalkstein  c1,  Thonschiefer  d 
ilberlagert.  Ganz  analoge  Verha'ltnisse  \\ie- 
derholen  sich  an  zahlreichen  Punkten  Clanadas 
siidlich  vom  Lorenzstrome,  sowie  Skandinaviens, 
•L.  B  an  dem  Kinnekulle  in  Westgothland.  An 

Fig.  52.    Smith's  Eisenberg  in  Michigan,  sud- 

lich  vpm  Lake  superior.  alien    diesen  Localitaten   werden  Vertreter    der 

a  Rotheisenstein;  .  . 

bJaspis,    Eisenkiesel    und  Diabasxwischen-    laUI'entlSchen    Formation     VOtt     hurOniSClieil    U(l('l- 

c    Quarz'it-  und  Chloritschiefer  ,   sammtlich    untei'silurischeil  Schichteil    Ullgleichlonilii:    Ul)(M¥- 

huronisch;  .. 

d  laurentische  Gneissforraation.  lagert  ,     mUSSCI!    also    DlCOt    lllll'    IrUlUM1    ills    (llt'St* 

gebildet  wprden  sein,  sondern  auch  bereits  eine  Storung  Hirer  ursprUnglicbeo 
Lagerungsverhaltnisse  erfahren  haben,  ehe  huronische  oder  untersilurische  Scdi- 
mente  abgesetzt  wurden. 

cwfras^,  j)je  Yerl)reituug  der  laurentischen  Gneissfor- 

malion  ist  eine  sehr  allgemeine,  indem  diese  auf 
der  ganzen  damaligen  Erdoberflache  zur  Aushil- 
dung  gekommen  zu  sein  scheint.  In  alien  izriis- 
seren  Landercomplexen,  von  welchem  \\ir  iiber- 
haupt  geologische  Kenntnisse  l>esit/.en  .  trill  die- 
ihres  Gesammtcharakters  auf. 


Fig.  53.  Untersilur  discordant  anf 
schen  Hornblendegneissen 
Copperas  Mt.,  New-Jersey. 

selbe   und    zwar   mil 


constanter  Gleichformigkeit 
Ein  grosser  Theil  des  Fichtelgebirges,  des  Erzgebirges,  des  Riesenucbirues  und 
Holiniens  besteht  aus  Gliedern  der  laurentischen  Gneissformalion.  Von  dem  siid- 
\\rsllichen  Bohmen  aus  erslreckt  sich  eine  Schichtenzone  iiber  den  Bohmer  und  den 
H;i\eri.sclicn  Wald  bis  zur  Donau,  \\elche  zum  grossen  Theile  der  laurentischen 
(Jruppe  anizehorl.  Dasselbe  Alter  muss  dem  sachsischen  Granolitgebirge,  \\clclies 
sich  am  Nordabfalle  des  Erzgebirges  z\\  ische.ii  Rochlitz  und  Chemnitz  ausdelmt. 
zugesprochen  werden.  Laurentische  Gneisse  und  Gneissgranile  selzen  i'erner  die 
Centralalpen  zusammen,  ebenso  sind  sie  in  Scholtland  und  auf  den  Ilebriden,  am 
grossarligsten  in  Europa  jedoch  in  Skandinavien  und  Finnland  \erbreilel.  In  .\ord- 
amerika  tritt  das  laurentische  S\slcm  in  /\\ci  Zonen  /.n  Tage  ,  deren  nordliche 
sich  aus  der  arklischrn  Begion  in  sUdostlicher  Riehding  bis  zum  olx-rcn  Missis- 
sippi und  \<>n  da  in  iisllichcr  Bichlung  durch  Minnesota  und  Wisconsin  nach 


VI.    Historische  Geologie.  277 

dem  Superior-,  Huron-  und  Ontario-See  und  nordlieli  \oin  Lorenz-Strome  hin 
his  /urn  ;itl;mtisehen  Oreane  erstreekt.  Die  iiudere,  die  appalachische  Gneiss- 
/.oue  beginnt  ;iu  deiu  Sildul'er  tier  l.on-n/.inilndung,  liiuft  in  stldwestlicher  Rich- 
lunii  parallel  dein  (irslade  ties  Meeres  diireh  siimiutliehe  atlantische  Staalen 
his  naeli  Alahaiua  liinein.  Ausserdein  treten  noch  einige  isolirte  laurcntische 
Areale  \\estlieh  vom  Mississippi  auf.  In  Stldamerika  besitzt  die  laurentische 
Formation  in  deiu  brasilianisrhen  Kilslenuebirge,  in  Venezuela  und  den  Andes 
eine  enornie  Yerbreitung.  Auch  in  dern  siidosllichen  Theile  Afrikas,  in  Japan 
und  in  Ueuualen  ist  dieselhe  nachgewiesen,  endlich  besteht  der  grb'ssle  Theil 
von  Gronland,  so\\eit  dieses  hekannt  ist,  aus  laurentischen  Gneissen. 

Die  hnronische  Oder  Ur-Schieferformation. 

I>.is  ki •\slalliiiische  Schiefersystem,  die  cambrische  Formation  zum  Theil.) 

Auf  den  laurenlischen  Gneissen  lagert  die  huronische  oder  krystallinische 
Schielerforniation  und  besteht  aus  einer  Uber  8000  Meter  ma'chtigen  Schichten- 
reihe  von  vorwaltenden  Glimmerschiefern,  Quar/iten,  krystallinischen  Kalksteinen 
und  zahlreichen  Erzlagerstatten,  welche  dieser  Schichtengruppe  eine  bedeutende 
teehnisehe  Wichligkeit  verleihen.  Es  sind  also  grossentheils  dieselben  Ge- 
steine  v%  ie  sie  hereits  in  der  laurentischen  Formation  auftreten,  jedoch  herrschen 
jet/.t  die  schieferigen,  also  feldspatharmen,  vor  den  kb'rnigen,  flaserigen,  feld- 
spatlireichen  vor,  wiihrend  frtlher  das  umgekehrte  Verhiiltniss  stattfand.  An  Stelle 
tliesei-  kryslallinischen  Gesteine  treten  in  Canada  und  England  zum  Theil  wenig- 
stens  Conglomerate,,  welche  zu  den  Schiefern  und  Kalksteinen  des  Ubrigen  Nord- 
amerikas  und  Europas  in  dem  Verha'ltnisse  einer  iiquivalenten  Uferfacies  stehen. 

Petrographischer  Charakter.  Die  Hauptgesteine  der  huronischen  Schie- 
ferformation  sind  Glimmerschiefer  und  Th  onschiefer.  Ersterer  ist  stets 
ausge/eielmet  geschichlet  und  besteht  zuweilen  fast  allein  aus  nur  lose  neben 
und  auf  einander  liegenden,  zum  Theil  Quadratzoll  grossen  Glimmerschuppen. 
In  anderen  Fallen  ist  er  so  quarzreich,  dass  er  sich  dem  Quarzite  niihert,  und 
endlieh  geht  er  zuweilen  durch  Aufnahme  von  Feldspath  in  Gneiss  Uber.  N7icht 
selieu  treten  in  ihm  knoten-  und  flachlinsenfdrmige  Nester  von  Quarz  auf, 
\\elrhen  sich  die  Lagerung  dieses  Glimmergesteines  anschmiegt,  wodurch 
dasselhe  eine  grossflaserige  Struclur  erhalt.  Von  accessorischen  Bestandtheilcn 
sind  Keldspath,  Staurolith,  Hornblende  und  Turmalin,  besonders  aber  Granal 
liiiiilii:.  NVic  hei  dcu  laurentischen  Glimmerschiefern  kann  auch  bei  denen 
tier  huronischen  Formation  der  Glimmer  durch  Hornblende,  Chlorit  oder  Talk 
verdriingt  \\enlen,  so  dass  Hornblende-,  Chlorit-  und  Talkschiefer 
enlslelien.  \\clche  ineist  unlergeordnel  zonenweise  zwischen  den  Gliminerschieferu, 
oft  aber  auch  als  selhstandigc  miieliliu'e  Schichtencomplexe  innerhalh  huro- 
niselier  Terrains  auftreten,  so  am  Grossglockner  und  Monte  Rosa,  im  Ural  und 
in  Brasilien.  so  in  den  slldlichen  atlanlischen  Slaaten  und  am  Lake  Superior 
in  Nordamerika ;  wird  der  Glimmer  durch  Schuppen  von  Eisenglanz  ganz  oder 
theilweise  \erlreien,  so  entstehen  Lager  von  Eisenglimmerschiefer,  wie 
sie  in  dem  Schichlenbaue  Brasiliens  und  Georgias  eine  Rolle  spielen.  In  ge- 


278 


VI. 


Geologie. 


\\i>-rn  Disirioton.    so   iin  Scli\\ar/.i-   Thalc   in  Thilringon.  .1111  Michigamini  in  Michi- 
gan Irclen    1'orp  \  roi  d  »• .    <l.  li.  Schiefer  von   feinkornigor  his   folsitischcr  ( irnnd- 

iii.is.-o   mil    porplm'iseh  ausgesohiedenen   Quar/-  und  Peldspalh-Individnen    als 

(ilieder  der   huronischcn   Schieferrciho   ;iul'. 

Dor  Thonschiefer  (Phyllil)  setzt  in  manchen  der hurooischep Territorien 
die  oberen  Ni\eaus  dicser  Formation  zusanimen,  in  anderon  hingegcn  trill  cr 
/vsischen  dem  Glimmersehiefer  und  dessen  Verwandten  zonen\\risc  unlerge- 
ordnot  auf.  Nicht  si'lh-n  nnischliessl  er  ausserordentlich  zahlreiche  Chiastolith- 
und  Oltrelil-hidividuen  und  vvird  dadurch  zum  Chiastoli  t  h-  und  Ottre- 
lilschiofer.  Kann  er  auf  der  einen  Seile.  als  ein  in  seinein  Kornc  /in 
aussersten  Feinheit,  fast  zur  Dichte  zusammengesunkener  Glimmerschiefer  auf- 
in'fiissi  Nvcrdcn,  mil  dem  or  ausserdem  durcli  DbergSoge  in  Vorl>indnni;  stcht. 
so  1st  (M-  auf  der  anderen  in  seiner  mineralischon  ZusammenseUung  und  soinnn 
(iduiie  kauin  zu  unterscheiden  von  gewissen  Thonschiefern  der  palaeozoisdim 
Formationen  und  \vird  doshalh  mil  Rechl  als  ein  pelrographischcr  Vormilleler 
x.uisclien  den  aUesten  krystallinischen  und  den  verBtoinenmgsftthrenden  palaoo- 
/oischen  Schichtengruppen  betrachlet.  Innerhalb  der  huronischen  Thonscliiolcr 
trdcn  zuweilen  linsonformige  Quarz-  und  Feldspathausschoidunizcn  anf.  diMirn 
sich  die  Thonschiefer-Flasern  anschmiegen,  so  dass  eine  Gneiss-Varictiii.  dd 
Ph\  I  litgiM'iss,  enstehl,  \velcher  z.  B.  im  Bayerischen  WaJdgebirge  in  der 
regelmassigstcn  Weise  mil  echlen  Thonschiefern  wechsellagerl  ^siehe  fig.  54). 

Roientiaiitmrr  Jfaif/ 


; 


Fig.  M  Profil  in  dem  huronischen  Schiefergebiete  des  Fichtelgebirges. 
a  Qaarzitschiefer. 

b  Thonschiefer,  wechsellagernd  mit  Pbyllitgneiss. 
c  Thonschiefer. 

Eine  sehr  wichlige  Rolle  spielen  die  Kieselgesteine  in  der  huronischen 
Schicbtenreihe  und  von  diesen  zuersl  die  Quarzile,  welchc  ulasiu  odcr  kornig 
scin  konnen  und  in  lo/lercm  Falle  zuweilen  zu  ConglomorattMi  \\rnlm.  So  Itc- 


das  ohcrhuronische  oder  caml)rische  Syslem  Britanniens  und  die 
huronische  Formation  Canadas  zum  grossen  Theile  aus  ofl  sehr  groben 
<!on  i:  In  in  oraton.  Lol/len-  sind  zusammeng<isetzl  aus  erbsen-  l)is  kopfci 
Hollstiickcn  \on  Ouai'/il,  Kisenkiesel,  (int-iss  und  S\rni(,  mil  zum  Tlu-il  nur 
\\rnii:  kiosoliii-ihoniucr  (iruiulmasse.  Audi  /.\Nisoheu  den  GUmmerschiefeni  der 
Hoinan-Banatoi-  (Ii-onzo  und  der  sudlichen  atlanlischen  Staaton  von  Nordame- 
rika  troten  Conglomerate  auf.  Die  eigenllifhen  Quarzile  sind  moist  scharf 
^rsrhichlet,  zeigen  z.  B.  in  Michigan  sehr  deutlich  ausgepriigle.  ill)er  gi'o^sc 
Flin-lien  \t-rlti-oilclc  und  sich  von  Schicht  zu  Schichl  wiederholende  NN'fllcn- 
furchen  und  uolion  durcli  L  borhandnehiHen  dor  schiofcrigon  Struotur.  \\olche 


VI.   Historische  Geologie.  "279 

namontlich  (lurch  Glimmer-  und  Talkbesehlage  ant'  den  SphichtUIlgsflicfaen  her- 
voruebradil  \\ird.  in  Ouar/ilsehiefer  iiber.  Zu  diesem  steht  dor  .llacolumil 
in  oinoni  sohr  nahon  vorwandlschafllichen  Vorhallnissc,  indoiu  or  cine  Quar- 
y.ilvarietat  repriiscnlirt.  doron  Hiogsamkeit  auf  ihrem  lockcren,  kbrnig  schiefe- 
riiion  GefiiiM1  mid  ihivin  Hoiclilliuino  an  feinen  Glimmer-  und  Talksehuppon 
beruhl.  I;.r  ist  ebeusoNNohl  in  Hrasilien,  wo  or  soino  llauplcntwickelung  findet, 
wio  in  Virginia.  Carolina  und  Georgia  in  Nordamorika  das  MuUorgestein  von 
Diainanlon  und  lulirl  aus.serdem,  wio  spaler  uo/oiut  \\enlen  wird,  in  beiden 
Heuiunen  Gold.  I'nlor  ahnliclion  Vorhaltnisson  wit:  tlio  Quarzilo  orseheinen 
innorhalb  manrhor  huronist'her  Gebiete  Kieselschiefer  uud  in  ihror  Hogleitung 
Alaunsfliiclcr. 

llanliizt1  und  xuin  Thoil  sehr  machtigc  Einlagerungen  im  Gebiete  tier  huro- 
nisdion  Sdiicfcrfonnatiou  biltlen  grobkrystallinisclu:  bis  feinkbrnige  Kalksteiue, 
Doloni  i  to  und  dolomilische  Kalksteine  von  weisser,  rblhlicher  oder  grauer 
Fiirbung  und  inohr  odor  weniger  regelniiissiger  weillaufiger  oder  enger  Schich- 
tunii.  So  trill  nalio  (lor  nnlcron  Grenze  der  huronischen  Formation  von  Michi- 
gan cine  600  bis  1000  Meter  machtige  Gruppe  von  ausserordentlich  dcutlich 
iiosohiohtolon.  hior  und  da  mil  dtlnnen  Quarzillagon  wechsellagernden ,  dolo- 
initiM'hon  Kalksloinon  auf  (Fig.  55,  c). 

In  Yorbindmig  mil  tlorarligon  Goslei- 
non  stohon  nidil  sollon  Kalk  gli  miner- 
sohiol'oi'  und  Ka  I  k  111  onschi  efer,  wel- 
dio  nichl  nur  an  vieleu  Localilalon  mil 
don  Kalkstoincn  xu  wodisollagern  pflegen, 

Miiulorn  ailt'h  deulliche  Obergange  in  dieSC       Fig.  55.    Unterlmronische  Schicbten  inderMeno- 

...  .  ,.         ,  monee-Gegend  in  Michigan 

VerlOlCen    laSSen.      indem    die     tlUnnon    La-         a  Laurentischcr  Gneiss,-  \>  huronischcr  Qnar/it,- 

.  .    ,  c  Kalkstein  KKK)  M.  —  d  Ilotheisenstein  250  M.  - 

inolloil    Oder  Membranen    VOn   IhonSChieier        e  Chloritsclnefer  450  M.  -  t  Bilurischer  Potsdam- 

sandstein  rait  primordialer  Fauna. 

Oder    \on    Gummer,    Chlonl    und    Talk, 

\\oldio  dio  oinxclnen  Lagen  trcnncn,  nach  und  nach  vollstandig  verschwinden. 
Ainphibolite  sind  t>benfalls  haufige  Erscheinungen  in  huronischen  Gebielen 
und  /\\ar  (rolon  diosolbon  in  zuin  Theil  weit  ausgedehnten  Lagern,  vor  allem 
/\\  isdion  (llimnier-  und  Chloritschiefern  sowie  Quarziten,  sellener  in  Thonschiefer- 
lonains  auf.  Flotze  von  Graphi tschiefern  sind  sehr  gewbhnlich  zwischen 
dio  huronisdion  (Jliinniorschiefer  Europas  und  Nordarnerikas  zwischengclat;oil. 
Audi  Sor  pen  line  sind  in  manchcn  huronischen  Terrains  ha'ufig,  so  im  Ural, 
in  Sohnitland.  in  Schlcsien,  wo  sie  als  LiJgerstdcke  und  als  \\oil  ausiiodohnto, 
abor  nidit  sohr  rogoliniissiiio  Lauor  vorkoinmen.  Wahrend  in  diesem  Gesloino 
nichl  sollon  Chromeisenerz  in  TrUinern  und  N'estern  gefunden  wird  und  zahl- 
roidio  l.ai:oi-stalton  \nn  Hraunoisenstein  mil  den  Kalksloinon  dor  huronischen 
Formalion  in  Vorbinduni;  slehcn,  trill  Holhoisenerz  in  Form  ansclmlidior 
Sdiiditonoomplexe  als  selbslandigos  (iobirgsLiliod  auf.  so  in  dor  izrossarliuston 
Woiso  auf  dor  Insel  Elba,  ferner  im  nOrdlichon  Wisconsin  und  auf  der  Oberen 
llalbinsol  \(m  Michigan.  Die  berUhmle  Buenerzlagerst^tte  \on  Rio  Marino 
auf  Elba.  \  un  \\olcher  die  herrlichen  Eisenglanz-Drusen  stainmen,  die  unsere 
Sammlungon  sdnniiokon,  bildet  eine  geschichtete,  unrogelmassig  lenliculiirc  Masse, 


280  VI.    Hislnrisrhe  Geologic. 

lager!  auf  Ouar/it-  und  Chloritsehioforn  imf  mid  \\inl  von  Kalkslein  bedeck! . 
In  Michigan  ilborlagort  dor  Rotheisenstein  siohe  Fig.  •")•")  die  unlerliunmiselion 
Ouar/ilo,  Kalksleine  und  slellenwoiso  ;iuch  Ghioritscbiefer  in  einer  iiher  ;?•">!>  M. 
miiehtigen  Gruppo  von  dllnnscnieferigen  his  dickbankigen  Schichten.  \on  donou 
anno,  kioselige  mil  eisenreicheron  bandartig  abwechseln.  In  einzolnen  Zonen 
dieses  Scliichtciicoinplexes  verlieren  sicli  jedoeh  dio  Jaspislagen  vollslandig,  so 
dass  ahhauwUrdige,  bis  20  M.  machtige,  flotzartige  Einlagcrungen  von  reirhcm 
Rotheisenstein  entstehen.  Von  Interesse  ist  dio  Thalsachc,  dass  auf  den  Sciiich- 
tungsflachen  manchcr  Rotheisensteine  Wellenfurchen  und,  in  Wech8ellagerun| 
mil  don  genannten  Erzen,  sehr  gewohnlich  eisenschdssige  Quarzit-,  Eisenkiosol- 
und  Jaspis-Conglomerate  beachlot  wurden. 

Magneteisenstein  bildet  zwischen  den  Thon-,  Talk-  und  Glimmerschio- 
forn  vieler  Gegenden,  so  z.  B.  des  norddstlichcn  erzgebirgisclu-n  Schioferterrains 
bei  Bcrggieshilbel,  wenn  auch  keine  selbstandigen  Gebirgsglieder,  so  doch  zum 
Theil  sehr  machtige  Lager,  welche  die  Geslalt  flach  linsenfbrmiger  Nester  oder 
ausgedehnler  Flotze  besitzen.  Unter  ahnlichen  Lagerungsverhaltnissen,  wenn 
auch  seltener,  treten  Schwefelkies  und  Kupferkies  und  dann  gewohnlich  \<T- 
eosollschaftet  auf.  In  diesem  Falle  ist  die  theilweise  Sonderung  der  Schwol'ol- 
kioso  und  Kupferkiese  in  verschiedene,  bei  aufgerichteter  Stellung  der  Schich- 
ten  tlbereinander  liegende  Etagen  bemerkenswerth,  deren  untere  aus  vorwal- 
tendem  Kupferkies,  deren  obere  meist  aus  Schwefelkies  besteht.  Zu  den  gross- 
artigsten  Vorkommen  dieser  Art  gehoren  die  Kupfererzlagerslatten  von  Duck- 
to\\n  in  Tennessee  (Fig.  56).  Dieselben  sind  ausgedehnte,  Uber  500  M.  lange 
und  bis  150  M.  machtige  Impragnationszonen  von  Kupfcr- 
kies-  und  Schwefelkieseinprenglingen  mil  lenticularoin, 
massivern  Erzkerne,  welche  in  einer  gewissen,  von  Vir- 
ginia durch  Tennessee  bis  Georgia  verfolgbaren  Zone  staffel- 
artig  vor  einander  liegen.  Allen  diesen  lenticularen  Lager- 
stiitten  ist  die  Anordnung  der  sie  bildenden  Mineralien  zu 
vier  durchaus  verschiedenen  Horizonten  gerneinsam,  \<m 
Fig.  5«.  Knpfererz-  denen  die  bcidcn  obersten  a  und  b  als  Producto  des  Zer- 
'  towl*11  setzungsprocesses  von  Seiten  der  Atmospharilien  auf  die 

gcschwefelten  Erae  zu  betrachten  sind  und  aus  Brauneisen- 
stein    und   oxydischen   Kupfererzcn   bcslehcn,    wiihrend   die 
dritte  c  als  die  Etage  des  vorwaltenden  Schwefelkiesos  und 
' ' ''"^irt'von^rS'die   tiefste   d   als   die   des  Kupferkieses   bezeichnet    \\erdon 

kann. 

Ein  anderes  nulzbares  accessorisches  Mineralvorkommen  der  huronischen 
Formation  isl  das  Gold.  Die  freilich  meisl  sehr  unbodoutende,  also  dann  in 
terlmisohor  Beziehung  unwichtige  Goldfilhrung  fast  aller  huronischor  Sehiefer- 
dislricto  isl  constatirt  uud  in  manchen  Gegenden  Veranlassuiiii  zu  einer  /ieiu- 
lidi  ans^cdrlinlen  bergmiinnischon  Gewinnung  gewordeu ;  so  in  den  atlantisehen 
Slaalen  Nordamerikas,  vor  Allem  in  Nova  Scotia,  Virginia,  den  beidon  (laro- 
linas  und  Georgia,  woselbst  das  Gold  auf  dreierlei  Weise  auflritt.  Zuerst  in 
destalt  diinner  Drahlo,  zackigor  Bldttchen,  kleinor  arborescirender  Btlschel  und 


VI.    Historische  Geologic.  281 

VBtSOgenef  Krystalle.  ^-rtheilt  in  der  Mass,-  nder  auf  den  Sd.iehlungsflachen 
i;e\visser.  (iuivl.  iiussere  Mcrkmale  nidil  /„  untersdieidender  /.men  der  Talk- 
schiefer.  Quarzitschier.T.  liaenlumilr.  Chlorit-  und  Glimmersdiiefer.  Auss.-r  in 
tYeiem  /..stand,-  Unimt  /weitens  das  Gold,  -  -  und  das  isl  an.  trewohnlichsten 
(I(M'  Fal1-  ;MI  Sdmefelkies  und  dessen  /ersely.ungsproduct  ,  das  Eisenoxyd- 
Imlral.  p-luimlen.  als  linprii-nalion  in  den  genannten  Gestcincn  vor.  Die  gold- 
halliuen  Sdm.'ielkirse  kbnncn  entweder  in  der  ganzen  MiidiligkiMt  ^'N\isS(T 
S«-liirhi«'iic(,nipl«-\»'  ulcidiniiissi-  xertlu'ill  s.-in  oder  sich,  und  zwar  am  hiiulin- 
sh-n  innci-halh  drr  Talksc-lii,-lei-.  ahnlii-h  \\i«.  die  beschriobenen  Kupfererzc  \«»n 
DucktoNvn.  /u  imissi>m,  univ»i.|iniissig  linsonfdrraigen  Erzkernen  concentriivn. 
l-ndlidi  kann  das  Gold  in  eiuer  Matrix  von  Quarz  auftreteu,  der  entweder  die 
(ioialt  Mad.  linsenformiger  Nester  oder  fldtzartig(M-  BHnke  annimmt,  und  in 
di.-s.Mi  cnl\\rdor  frei,  aljein  fUr  sich  vorkommen,  oder  mil  Kupferkies,  Blri- 

Xinkl.l.Mide,   Tellium  isinnlh    vergesellschaftet  oder   auch   an  Schwefelkios 

cn  scin. 

Organische  Reste  sind  in  der  huronischen  Formation,  deren  petrogra- 
pbische  Cliaraktorislik  eben  kurz  gegeben  wurdc,  mil  Sicherheit  nur  in  deren 
oborstrin.  meist  aus  Thonschiefer  bestehendem  Horizonle  erkannt  worden,  so 
Ann.-lid.-n-Spurcn  (Rohren  von  Arenicolites  didymus  und  A.  sparsus),  Crinoi- 
d(Mi-Stirli:lioder  in  Vermont  und  Massachusetts,  sowie  in  Bayern  und  Bohmen, 
I.T.I.M-  Hcsir  N«jn  Fucoiden,  nehmlich  Oldhamia  antiqua  und  radiata 
in  Britannicn. 

Die  architektonischen  VerhJiltnisse  der  huronischen  Formation  sind, 
ahnlich  \\ic  die  der  Gneissformation,  hiiufig  hbchst  verwickelter  Art.  Beide 
ch.-n  g.Miannten  Fonnaiionen  treten  meist  in  Verbindung  mil  einander  als  lang- 
iiestr.-cki«'  Zonen  oder  als  isolirte  Territorien  von  unregelmiissig  abgerundeten 
ConUnvn  iimerhalb  des  Gebieles  jUngercr  Schichtengruppen  zu  Tage.  Das 
Sk.-l.-t  dirstT  Inseln  von  kr\s(allinischen  Sedimenlgesteinen  bilden  gewohnlich 
laun-niix-hc  Gneisse,  dessen  AusfUllung  hingegen  und  beiderseitige  Flanken 
di.'  luironisdicn  Schiefer  (siehe  Fig.  57  und  58).  Wird  schon  durch  derartige 
Lagerungsverhaltnisse  ein  mul- 

den-  oder  inuldenbuchlformL'rr  liirdielwanJ    Jfohe  Schar«ck 

Ban  bedingt  ,  so  \\ird  dieser 
durch  sich  vielfach  wiederho- 
1(111(1(1  Kllickun8en,  also  dmi 

untcrgeordnete          •  /  "   ;v  .,'•,:* 


S\  nklilial-  Und  Antiklinalbilduil-         Fig.  57     Pr.ofil  dnrch  die  ccntrale  Tanernketto. 

I.  uneisograuit  nnd  Gneiss,  laurentisch  ; 

gen  nodi  oervortretender.    Da/.u          2-  Kry»tainn.  Kaikstein,  \ 

:t.  GhmnierBChipfer. 


.  . 

sid)     schr      hflllfifi      Itis  '•   KalkKliranierschiefer,    >  huronisch. 

5.  Chloritschiefer, 
illS    Klcinslr    geheOde,     /ick/.ick-  "•  Quarzitechiefer, 

iihnliclic    Falluniicn    und    Windiiniicn    der  Schichten,    so  dass    das 
der  sxnklinalen    und  anliklinal.Mi   Archil.  -klur    zu  den    diar,.klcrislisdicn   Ij^.-n- 
tiiUmlit  hkcit.-n  des  Huron  gcrechnet  \\crden  muss.     Der  Fallwinkcl  dieser  ver- 
schiedenen  Mnldenlln-d  kann    freilich  ein  sehr  verschiedener  sciu,    so  dass   die 
betreffenden  Sehiditen    auf  dem  Kopfe   slehen  oder  sehr  flach   gegen    einander 


282 


VI.    llistori>clit> 


einfallcn    konnen.      Tritl   die   liuronisclie   Schict'crl'ormalion    rin^s    inn   die   Blinder 
fines   laurenlischen    (ineiss-rlMcles  ;iiil',    so    lindel   I:C\N  olmlich   cine  roanlelf&rmige 

Uinlagcrmii:  stiitt ,  \\ol»ei 
die  huronischcn  Schiel'er 
voni  (ineissc  \\eg.  also 
\on  Innen  naeh  AUSMMI 
fallen. 
Die  LagenmgSYerhttt- 

ni>><'      der      huronischen 
SchieferformatioD  und  dcr 


-f  itut .    \fri'i  it. 

V\f.  ">V  1'rofil  (lurch  die  E  i  sen  region  von  Negannee  inj 

M  i  c  li  i  g  a  n. 

a  laurentis-clip  (incissformation. 
6  hnroniscbe  Scbiefer,  Quarzite,  Kalkstcine,  Kispnsteiue,  Diabase. 


Obrigen   Sedimcntarforma- 

\\eiscn   erstcrer  auf  das  Z  \\cifellosesle   ihren  Plat/,  zi(Miilich   iiahe  dcr  Basis 
dcr  uesammten   Schiclilcnreilie  an.      An   sclir   vielen  Punktcn   isl   die  discordante 
Oberiageniog  huronischer,    in  England  eambrischer  Gebirgslieder    durch    unler- 
silurische  Gebilde  beobachlbar.      Die  in  Fig.   59  und  55  \viedergei:el>enen   Pro- 
file mogenals  erlauternde  Bcispiele  diencn. 
In    ersterem    lagerl   dem   unterslcn    Silur 
angehb'riger    Sandslein    ilach    geneigl    aul 
den  Schichtenkopfen  huronischer  Ouar/.ilc. 
Seine  urspriinglich  zackiiien  Cnnturen  sind 
von  der  silurisciien  Brandling   abgcrundct 

Fijr.  :»!>.     Huroniscbe  Qnarzite  a'disrordant  fiber-       Und    VOn  den  Wogen  deS  SHui'llU'CreS  glall- 
\on  iintersilurischem  Sandstein  6  bei  Marquette  .      .  . 

am  Lake  superior.  geleckl  \\<»rden.   Schr  charaklerislisch  sind 

die  durch  Fig  55  erlauterten  Lagerunusxcrhiillnisse:  hier  lagert  die  huronische 
Schiehlenreihc  auf  den  laurentischen  (Jneissen  und  wird  von  Potsdam-  (unler- 
silurischcin)  Sandstein  discordant  iiberlagert.  Ebenso  interessant  ist  ein  deni 

vorigen  benachbarter  Aufschluss  (Fig  60).  Er  zei-l. 
dass  die  Spalten,  \velche  sich  von  tier  Oberlliichc  do 
Huron  in  die  Tiefe  erslreckeu,  von  den  Sedimcnlcn 
des  silurischen  Meercs  ausgefilllt  worden  sintl.  und 
dass  sie  jetzt  als  Sandstein-  und  GonlomeratgBnge 
die  huronischen  Schichten  durchselzen,  nach  oben  zu 


Fig.  60. 
a  Hur"iii>c-hprkieseligerKotbeisen- 


ctein, 

uiit-  r>ihuischer  Sandstein. 
der  Menomouee-Kogion. 


AHS 


aber  mil  aiisgcdelinten  hori/onlalen  Ablagerungeo   des 
pi-iinordialen   Silur    z.    B.   mil  Dikeloccphalus)    ini  Zu- 


sammenhang  stehen. 


Die  Verbreitung  der  huronischen  Formation  isl  cine  ei\\as  ueriniiere. 
als  die  dcr  lauronlischen  (ineisse,  indcm  ein/.clnc  Partien  dicser  Formation  l>e- 
reiis  iiher  den  huronisclien  .Mecrcsspiegel  gehobcn  uc\\escn  sein  iniissen.  \\orauf 
\vir  u.  A.  aus  deni  niassenliaften  Auflreten  von  Conglomerate!!,  /.  li  in  Eng- 
land und  Canada.  >chliessen,  \\elchc  als  Kiislcnbilduuiien  die  Ivxislen/  \on  Fcst- 
land  hedingen.  Die  Ausgchcnden  dcr  huronischen  Formation  sind  meisl  an 
die  laurentischen  Gneissgebiele  gebunden,  \vie  bei  Erlautei'iing  der  archilck- 


Vci-liiillnisse  bercils  crxvahnt  \\urde.  In  Europa  sind  die  bedeuteml- 
slen  Verbreilungsgebiete  der  huronischen  Schiefcr:  die  Tyroler,  Sal/burger, 
Olicrkarutlicner  und  Schwei/.er  Alpcn,  der  OsUibfall  des  Bohmer  Waldcs  und 


VF.    llistonsdie   Geologic. 


283 


idier  die. 
azoischcn  Formationen  verschiedener  Districte. 


For 

Ma\ern   und 

matin- 

ISrilannien 

Nord-Anif  rika 

Andere  Lander 

nen 

Iliilimen 

Silur 

Barrand's     KI.I 

Carnlirischcs 

lluronischf  Schie- 

Die  I  i  Ilionsehiefer  und 

und   B.      Prabramei 

Svstem,    Long- 

ferformalion   von 

rriilinimerschiefer     des 

Schiefer    mil    Anne- 

m\nd     (irnppe. 

Canada  und  .Michi- 

Krxi«eliiri:es,  FiehlelLif- 

liden,  Criimidccii. 

Conglomerate, 

gan,  sn\\  it-  der  al- 

birjies  ,     Riesen^el)irt;es. 

Fnraminileren. 

Quarxit   und 

lanlischcn    Slaalen. 

der  Sudeten,  Brettfgne, 

Hi-rex  nischc     Thon- 

srhiclcr   I'rthonsch.) 
\\cclisellaijernd    mil 

Schiefer  mil  oid- 
liamia    und    Are- 
nicoliles. 

Reicli  an  Eisen-, 
Kupfer-  und  Gold- 

lagersliidiMi,   im 
oberen  Niveau  mil 

in   Filmland,   Skamlina- 
vien.     Die   azoisehen 
Quarzite    und    Schiefer 
des  Tlnirini.'er   Waldes, 

Cljloritscliif  IV  r     und 
Kalksteinen. 

Anneliden  und  Cri- 
noiden-Resten. 

die  phykodenfiilirenden 
Schiefer  von  Saalfeld, 

H 

llcrcNnisclicr    (Him 
me  rsrhietcr  I'riili  m- 

(Unteres  Taconisdh's 
w>  stem  v.  Emnions. 

viele   kryslall.   Schiefer 
der  Centralkette  derAl- 

• 
— 

mcrscliiefer). 

Coldbrook-Group  in 
New-Brunswick.) 

pen,  die  der  Roman-Ba- 
nater  Militar.^renxe,  der 

ii. 

Sierra    Nevada   in  Spa- 

'- 

nien,  das  Schiefersv  stem 

•- 
.       ' 

am  siidliclien  Ural,  das 

~    '= 

Itacolumil-  und  Eisen- 

-    £ 

~     ~ 

glimmersrliieter    fu  li- 

re nde   Schiefergebiri-'e 

:l 
en 

Brasiliens,  die  .-I'lilfnli- 

C 

i-enden    krystall.  Srhie- 

o 

fer  Yenezuelas,  die  siid- 

re 

imerikanischen  Cordil- 

a 

leren,  die  vorsilur. 

Schieferfnrmaliiin   vtm 

c 

!h 

Trinidad,    die   kr\slall. 

Schiefer  von  China  und 

a 

Bengalen,  sowie  dfs 

o 

/ 

sudo'sll.   Afrika. 

5 

Discordante  Ueherlagerung. 

" 

uraiif  (iiif  js>for- 

l-mulanumtal- 

.^nciss  Sflinll 

Laurenlische  For- 
mation Canada's, 

Die  Urgneisse  des  Erz- 

niatinn. 

lands   und   <|  " 

Icr    1  nii:c|)uii-    der 

4.'fS,    Midirens.    Schle- 

£ 

Bojiscbe  udi-r  Imnle 
Gneissformation. 

ll"liriden.  (>l' 

Hudson-Bay,    Gron- 

lands.    \\'i>.  (Misins 
und  Mirrhi^aus,    so- 

sifiis,  —  die  Ciicisse  dcr 
Cenlralkellf   dcr  Alpen, 
—  die  (iranil-liiif  iss- 

Wic  der    i^anxen    at- 

Reihe    der    Roman  -  Ba- 

u- 

lanlisclicn   Knsten- 

nalfr-(;irn/c,    der    Ur- 

j2 

Staalen. 

gneiss  \nn  l;innland  und 

1 

Skandioavien.     Das 

Gneiss-Kaikxteia-Ge- 

c 

1 

Jirgc  d.  (i.ildffldfr  MID 

laratalin  Veiif/uelaund 

H 

dfrer   MIII    \alal    in 

\frika  ,   —    die    (inciss- 

•  irmatinn    auf  Trinidad 

md  der  lirasiliaiiischf  n 

kUSteogebirge  u.  s.  \\. 

284  VI.    HNtnrNrhe  Geologic. 

(Ics  Ma\erisehen  \Yalduebirgos,  der  siid\\  estlirlie  Tlicil  des  Er/gebirges  .  die 
rmgebung  dcs  siirhsisehen  (iranulilgebirges.  die  Sudden.  Skandinax  ien.  SHiotl- 
land  mid  die  SieriM  Nevada  in  Spanien  :  -  in  Nurdamerika  die  Dislride  in 
der  rmgebung  des  Lake  Superioi1  und  die  siiniinlliclien  allantisclicn  Staaten  : 
-  in  Sfldamerika  Brasilien,  Venezuela  und  die  Andes.  Audi  in  At'rika .  in 
Bengalen,  .Japan  und  China  sind  huronische  Schiefer  in  zum  Theil  grower 
Ausdehnung  narhgew  ieseu.  Die  i'bersicht  liber  die  Verbreitung  und  Aqniva- 
len/.  ein/elner  azoischer  Schichtencomploxe  in  don  verschiedenen  \Velltlieilen 
\\ird  durcli  mnsteliende  Tal)elle  erleichlerl  \verden. 

Vulkanisclie  Erscheinungen  wiihreud  rtes  azoischen  Zeitalters  und 
ini  (iebiete  laurentischer  und  huronischer  Formationen  uberhaupt.  Voll- 
kommen  analog  den  Lavaergtisson  spiiloror  geologischer  Perioden  und  so  auch  der 
.lelzlzeil  durchbrachen  bereits  wahrend  der  laurentischen  und  huronischen  Periode 
alulhfliissige  Gesteinsmassen  die  damals  noch  diinnere  Erdkruste  und  breiteten 
sich  7,u  Decken  von  zum  Theil  sehr  bedeutender  Ausdehnung  auf  dem  damaligen 
Meeresboden  aus,  erstarrten  und  wurden  von  den  Niederschlagen  der  Oceane 
bedeckt.  Derartig  hervorgedningene  Eruptivgesteine  erscheinen  deshalb  als  den 
azoischen  Schichtencomplexen  gleichfbrniig  zwischengeschaltete,  plattenartiue  Kiu- 
laueruniicn,  gleichsani  als  integrirende  Glieder  der  laurentischen  und  huronischen 
Srhichtenreihe,  sind  von  denselben  Storungen  der  ursprilnglichen  Lagerungs- 
\erhiiltnisse,  vvie  diese  ,  betroffen  worden  und  nehmen  deshalb  an  alien  Bie- 
gungen  und  Knickungen  der  benachbarten,  oft  diinngeschichteten  Gesteine  Theil. 
In  solcher  Gestalt  treten  vorzugsweise  Diabase  auf.  So  sieht  man  in  der 
Eisensteinregion  am  Lake  Superior  (siehe  Fig.  58)  in  Nbrdamerika  grohkornigen 
bis  aphanitischen  Diabas  im  Verein  mit  den  eisenschilssigen  Quarziten  und 
Rotheisensteinen  der  huronischen  Formation  eine  dreifach  \viederhollo  synklinale 

Schichtenstellung  einnehmen.  Nebenslehendes  Profil 
(Fig.  61)  giebt  ein  Beispiel  einer  solchen  huronischen 
Mulde,  welche  ihre  Lagerungsform  bereits  vor  Absalz 
des  untersten  Silur  innegehabt  haben  muss,  da  sie 


stellemveise    von    Schichten    der    letzteenannten    For- 

Flg.  61.   Huronische  Diabas- 

EiniagemngbeiNeganneein  iliation    zicmlich   horizontal,    also    discordant    bedeckt 

.Michigan. 

:iKi.-c!ischussige  Quarzitc  mit  Eisen-  \Vird. 
przlagersiatten.     b.  Diabas-Einlage-  4       i         i    .<•..-         IT    i  r- 

rung,  500  M.  machtig.    c  Eisen-  Auch   plattenlormige  Lmlageruugen   von  Lruptiv- 

•i*  Qnarzite.     d  Unter-Silur.  „         .  .     .  .  ,     ,,       j  ,.  /-.       • 

branit   scheiniMi   innerhalb    der   laurentischen   Gneiss- 

I'eihe  nicht  selten  zu  sein,  jedoch  ist  ihre  Trennung  von  den  Gneis-tiranilen 
sedimentarcn  Ursprungs  bis  jel/.t  \\enig  im  Auge  behallen  worden  und  in  der 
That  zum  Theil  auch  sehr  seh\\  ierig.  Die  Haupteruption  der  Granite  fand  je- 
denl'alls  erst  in  spalerer  Zeit  stall. 

.Mil  solehen  gleieharligeu  Y.\\  isehenlagern  von  Eruplivgesteinen  stehen  gang- 
odei-  stockformige  Durchbrilche  im  engslen  ursaclilichen  Zusamnienliange,  \\enn 
auch  nur  selten  in  naehweisbarer  Verkniipfung.  An  zahlreicheu  Punkten  iiires 
Auflrdens  \\erden  die  Schichlen  der  azoischen  Foriualionen  MMI  Krii|»li \ge.slei-- 
nrii.  und  z\var  vorzugsweise  von  Granit,  Sjenit,  Diorit  und  Diabas  durehsdzl. 
Vor  die  Ablagerung  des  Silur,  also  in  die  azoische  Periode  sclbst ,  fa' lit  jedoch 


VI.    Historic-he  Geologie.  285 

der  rrsprung  nur  ueni^er  derselben.  ihre  .Melir/ahl  1st  vielmehr  erst  in  \\eit 
.Npiileren  /eitrjimiien  cmpurgednmgen.  Der  definitive  Nadmeis  des  vorsiluri- 
sehen  Alters  ge\\isser  erupti\er  Granite  und  Diabase  ist  nur  in  solehen  Fallen 
/.u  t'iilnvn,  wo  auf  ihren  Ausgehenden  altsilurische  Schichtcn  auflagern.  In 
nebenslehender  Fig.  (>•*  isl  cin  Granil  a  dargeslelll,  \\clcher  von  zwei  Dia- 
basgiingen  1)  durchsel/.l  und  iin  Vcrein  init  diesen  von  untersilurisehem  Sand- 
steim-  c  iiberlagert  \\ird,  ohnc  dass  Granit  oder  Diovil  in  den  Sandstein  eindrin- 
gen.  \ielmelir  ist  die  Oberlliiche  heider  erslgenann- 
len  (iesleine  dinvli  \Voiienein\virkuni:  vollstiindig 
die  das  Silnr  xur  Ablagenmg 


\\erden     ferner     die     laiirentischen    Schichlen    von  «iun«cher  Sandstein. 

Canada  durcliset/l.  Das  iilteste  derselben  ist  ein  korniger  Diabas,  \\elelier 
70—100  Meter  iniiehti-e  (Jiinge  im  Gneisse  bildet  und  ausgczeichnet  horizon- 
tal siiiilenlninii-e  Ahsoiiderung  /eigt.  Diese  Diabasgiinge  wcrdcn  in  ihrein 
Verlaut'e  \on  aiisgedelinlen  SuMiitstoeken  abgeschnitten.  in  deren  Gebiete  wie- 
doruin  noch  jiiiiiit-iv  Stocke  und  Giingo  eines  typischen  ,  rollibraunen  Felsit- 
porphNivs  aultrelen,  \\eldier  nicht  sellen  BruchstUcke  von  Gneiss,  Diabas  und 
Synii  nniscliliesst  und  dann  zuweilen  den  Gharaktur  einer  Breccie  aniiiniinl. 
Die  Mruplion  dieser  drei  (u-sleiiie  gehorl  dem  axoischen  Zeitalter  an,  da  die 
milersiliirisrlien  Schi.-liien,  welche  sieli  auf  dem  laurentisehen  (ineisse  abgelagert 
lialn-n  ,  von  jenen  Diabas-,  Syenit-  und  Felsitporphyrgiingen  nicht  durehset/.t 
\\erden. 

Lagerungsverbalthisse,  \vie  die  eben  beschriebenen,  sind  nicht  hiiulig,  doch 
lassen  aueli  die  ausserordentliclien  \\iiidiingen  und  Knickungen  ,  welche  viele 
Schichtencbmplexe  der  azoisdu-n  FormatioiKMi  in  der  Niihe  ^ewisser  Granil- 
stiicke  und  Giinj-e  erlaluvn  habeu,  schliessen,  dass  die  Eruption  mancher  Gra- 
nite /u  einer  Zeii  erfol-te  ,  in  wdcher  das  Gesleinsinaterial  der  laurentisehen 
l;uniialion  nodi  nidit  \ollkoininen  slarr,  sondern  noch  plastisch  und  biegsam 
\\ar.  /NNeiTellos  jedoch  fiillt  die  grosse  Mehrzahl  der  Kruptionen  von  Gesteinen. 
\M-ldie  die  azoischen  Schiditenreihcn  durchselzen  ,  erst  in  die  devonisdie  und 
•  •arl.nnisclie.  ja  xiiin  Theil  in  noch  spiitere  Perioden.  Als  Beispiele  soldier 
gang-  Oder  Stock&nniger  Granite,  Diorile,  Diabas*',  Sxenile  und  Porpl^re,  \veldie 
/\\ar  a/.oisdie  (ie.sidiie  durchselzen,  also  jilnger,  \\  ie  diese  sind,  deren  Kni|)- 
tionszeil  aber  nicht  niiher  zu  beslinmien  isl,  nnigc  an  die  (Jranitstoeke  des 
l-'.r/gi-bir-es.  des  l-'idilrlgebirgrs,  des  biihinisch-baxerisdien  \\aldes  erinnerl 
\\.-rden.  \\eldie  ins.'lfiirinig  aiis  dem  (iebiele  der  Gneisse  und  kr\  slallinisdien 
Schieler  lier\<»rtrelen  ;  hierher  -diiii'en  lerner  die  Granil-,  lelsilporphyi--  und 
Diorilgftnge  im  nordnsllichen  erzi-ebirj-ischen  Sdiieterierrain,  dor  Gang  von  grob- 
korni-ein  (iranite  im  (iliinincrsdiidrr  von  Z\\iesd,  der  ber\liruhremle  |\.»- 
inatitgang  von  Langenbielau  in  Sdilesien,  -  -  die  Graniliiiini-e  im  sadisisdien 
Granulil,  im  ui'alisdien  Chloritsdiiefcr,  die  Dioritgange  und  -Stiicke  im  Glinnncr- 
sdiidrr  und  Gneisse  ThUringens,  des  Bohmer  Waldes  und  des  Urals,  die  Fel- 
sitporphyre  des  Krzijebirg«'s  und  /.ahllose  andere  stock-  und  gaiii«lorini!.'e  Vor- 
komiiH-n.  Sdir  ge\Ni»linlidi  ist  die  KrsduMiiung,  dass  solche  KrupliMiiassen 


286  N  I.    IIMni-iM-li.: 

ijanii-  odd-  aderformii^e  Ansliiiifcr  in  das  NeluMigeslein  aussenden  und  uiniie- 
kehrl  Brudistiirke  odcr  Schollen  der  duivhbroehenen  Gneisse  uiul  kr\slallini- 
seheu  Sehiefer  uinfiisscn. 

Kiniiie  diese  eruptiven  Parlien  innerhalb  a/oisdier  (Jrlwte  Ix-sii/cn  in 
l;oke  ihres  Kr/.reiehtluunes  aussergewohnliches  iieoloiiischcs  Inleresse.  I'liter 
ilmen  nelunen  die  zinnerzfuhrenden  Granite  von  Gcyer  eine  hervorragende 
Slellung  (Mil.  Das  auf  clem  erzgebirgischen  Gncisse  aufgelagerte  Gliinmersdiie- 
!eri:ebiet  jencr  Gegend  \vird  von  drei  inselformig  an  die  TagesobeHliiche  ire- 
tenden  Granitstocken  durchsetzt,  welche  in  der  Tiefe  zusammcnzuhangen  scliei- 
uen.  Der  dortige  Granit  zeichnet  sich  durch  seine  Glimmerarmuth  aus,  i:chl 
abcr  auf  der  andereu  Seite  durch  ZurUcktreten  und  Versclnvinden  des  l-Vld- 
spailies  stellenweise  in  nonnalen  Greisen  tiber.  Als  accessorische  Gemengtheile 
liilncn  diese  granitischen  Gesteine  Topas,  Turmalin,  Flusspath ,  Ap.ilit  und 
/inner/.  Bei  seiner  Eruption  hat  er  Schollen  des  Nel)engesteines  losgcrisscn, 
umhullt  und  so  eine  Reibungsbreccie  gebildet,  zugleich  aber  in  dem  eincn  iler 
drei  Granitslbcke,  und  zwar  dem  »Stockwerke«  von  Geyer,  nahe  dem  Contacle 
mil  dem  Glimmerschiefer  eine  Uberaus  grosskryslallinische  Structur  angenommen, 
so  dass  ein  riesengranitartiger  Mantel,  »Stockscheider«  genannt,  den  feinko'rnigen 
(iiiinit  des  Centrums  umlagert.  Dieser  Geyer'sche  Granitstock  wird  nun  von 
un/iihligen,  y4  bis  4  Zoll  machtigen,  zugformig  gruppirten  Gangen  durch- 
sehwjirmt,  welche  zum  Theil  in  den  ihm  benachbarten  Glimmerschiefer  fort- 
set/.en  und  Quarz ,  Topas,  Arsenkies  und  Zinnerz  filhren  und  auf  beiden  Sei- 
len  \on  mehreren  Zoll  breiten  Impriignationen  (Zinnzwitter)  begleitet  \\er- 
den.  Ausserdem  durchziehen  solche  Impragnations-Zonen  (Fallbander)  auch 
nnaltliiingig  von  den  Gangen  die  Granitmasse,  welche  auf  diese  Weise  zu  einer 
slockwerkartigen  Zinnerz lagersta tie  wird.  Unter  in  vieler  Bezielmug  ahnlielien 
Verhiiltnissen  treten  Zinnerze  bei  Altenberg,  Graupen  und  Zinmvald  auf.  Bei 
Ziunwald  ist  Greisen,  welcher  den  Gneiss  des  Erzgebirges  in  Gemeinschaft 
mil  Granit,  Granitporphyr,  Felsitporphyr  und  Basalt  durchsetzt,  das  Multei-gestein 
dcr  Zinnerz vorkommen ,  indem  .er  einerseits  von  flach  lieirenden  und  deslialb 
lliii/.iihnlichen,  untereinander  und  der  kuppelformigen  Oberfliiche  des  Greisen- 
sinckes  parallelen.  bis  0,3  M.  machtigen,  andererseits  von  jiingeren,  schmiileren, 
kluflartigen,  senkrechten  Gangen  durchsetzt  wird.  Die  ei-sieren  enthalttMi  in 
I'.mdiirlker  Anordnung  Quarz,  Ltthionglinnner  und  Zinnstein:  die  lel/.leren 
*'\\\(\  meist  taub,  dagegen  sind  sie  von  Impriignalionszonen  von  Zinner/  und 
Wolfram  begleitet. 

Bei  der  \\iilirend  der  azoischen  Zeit  verhiiltnissmiissii:  nodi  unbedeulenden 
Mcichtigkeit  der  Krdkruste  lassen  sich  ausser  Gesteinseruptionen  nodi  andere 
lU-aetionen  des  glulhflussigen  Erdinnei'en  auf  diese  Id/lcre  er\\arlen.  Sie  liaben 
sich  in  doppelter  Weisc  belhiitigt;  einestheils  durch  die  ue\\allsanie  Sliiruni: 
der  ursprilnglichen  Lageruiiii  in  eine  steile,  im  t:i'ossar(ii:en  Maassslabe  aiif- 
Lieridilele.  gcknickte  und  gebogene  Schichtenstellung,  sowie  ferner  und  auuen- 
sdicinlidi  im  /usaininenlianize  mil  den  ehen  ei'wiilinten  Vorgiiniien  durch  lle- 
biini;  eines  Theiles  des  damaligen  .Meercs^rundes  tilx'i1  den  Spieuel  des  Occanes, 
also  dui'ch  Bilduni:  des  crsten  Fcsllandes.  Rir  die  Wahrlieil  dieser  Annahmen 


VI.     Historisehe  Genlock-.  287 

sprichl  eine  Fiille  \oi!  Heobaehlunuen.  Die  undeiehlormiiie  rberlauerung  der 
laurentisehen  uiul  Imronisclu'M  Formationen  (lurch  das  Silur,  eine  I berlauerung, 
uelche  ihr  Maximum  da  erreieht,  v\  o  hori/onlale  Silurschiehten  das  Ausgehende 
\erlieal  stehender  a/.oiseher  Schichtcn  bedecken  /.  H.  in  Skandinavien  und 
Michigan:  >iehe  Fig.  55,  •"•'.'.  <'><»  mid  (» I  .  be\\eisl,  dass  die  Umgeslaltung  der 
urspriingliehen  l.agenmg  der  let/leren  bereits  \  or  Kintrill  dor  silurischen  Periode 
abgesehlossen  \\ar.  Striehe  von  untersilurischen  Conglomerate!)  und  lirohen 
Sandstciiu'ii.  \\clrln-  sidi  an  die  laurontischen  und  liuronischen  Gesteins/.oiicn 
anlc^cn,  kiiimcn  nur  als  Kiislenbildunuen  an  den  Gestaden  der  azoischen  Cdn- 
liiifiitt'  iit'dt'iilft  NMM-dt'n ,  .und  obonso  sct/.cn  die  Weltenfurdien  und  die  Quer- 
scliichtunu.  \\it-  sic  namcntlich  in  so  vielen  nordamerikanischen  huronischen 
und  silurischon  Sandsteincomplexen  zu  beobachten  sind,  seichte  Gevvasser  und 
H.H-lic  sandiizc  ITcr  vnraus.  l)cniiZ«Miiass  war  am  Ende  des  azoischen  Zcitallcrs 
mil  dcm  Hcizinn  der  silurisdion  Periode  die  Scheidung  der  Erdoberflache  in 
l-'cslland  und  Mccn-sspii-iiol  bereits  vollzogen;  --  in  Form  langgezogener,  b'der, 
stancr  I'dsrille  ragten  die  azoischen  Inseln  Uber  den  silurischen  Ocean. 

Als  altestc  Scdimcnliir-tiosliMnc  \\urden  die  laurentischen  Gneisse  und 
ImmnisrhtMi  Sdiicicr  von  der  Summe  aller  der  Hebungen,  Senkungen  und  Slo- 
rungcn  luMroflVn ,  \\elche  sich  im  Verlaufe  sammtlicher  spiiterer  Perioden  auf 
die  Knlkrustc  iiusserten. 

Abu't'sdien  von  /.urn  Thcil  hochst  verwickelten  Lagerungsverhaltnissen 
liallen  dcrartige  Dislocationen  in  sehr  vielen  azoischen  Territorien  Spal  I  c  n- 
bilduniicn  und  diese  die  Bildung  von  Erzgiingen  im  Gefolge,  dcrcn 
rrsjirungszcit  1'reilich  nur  in  den  seltensten  Fallen  festzustellen  ist.  Auf  solche 
\Vcix-  \\inde  das  Erzgebirge  zu  einem  der  wichtigsten  und  beruhmtestcii 
(iaiiLidisti  icte.  Das  \or\vallend  aus  Gneiss  uud  Glimmerschiefer  gebildete  lloch- 
plaicau  dcs  I ,i-zgebirges  ist,  und  dalier  stamml  sein  Name,  die  Heimath  zahl- 
rciclu-r  Kr/la^-rstattrn ,  von  dtMicu  ciniizc  Zinueravorkommen  bereits  oben  l;.r- 
\\iihnunu  i:rrund<'n  liaben.  rnabh;ini:iii  von  diesen.,  sowie  von  zahlrciclicn 
lioth-  und  BrauneisensteingaDgen  zieht  sich  von  Meissen  aus  Uber  Freiberg, 
Marienberg  und  Annalx-rg  bis  nach  .loachimsthal  eine ,  freilich  Itickenhafte 
Xiinc  \(»n  Silber  und  Uleier/.  lulirenden  (iiingen,  in  siidwesllicher  Richtung 
srliriii;  iilxM-  den  breiten  l.iiniisriieken  des  Gebirges.  Innerhalb  dieser  Zone 
bilden  sic  ( ian^/iiuc .  <  lan^ruppen  und  /.rrslrciile  (iiinge  von  der  viellalligsten 
StreiclmiiLisriclitung.  Das  vs  ielilii:sle  l-'.r/iiebiet  isl  das  der  rmgegend  \on  Krei- 
\HT.l.  In  dmi  dmligen  (ineisse  set/en  sehr  \erseliiedeliarti^e  (liingc  auf: 
I  die  edlen  Ouarzgange,  \on  denen  dort  Uber  150  bekannt  sind;  sic 
beslehen  \orlierrsehend  aus  weis.sem  Quarz ,  Nebeni;esteinsbruchstUcken  und 
neben  die>en  aus  Silbeivr/en  .  also  \ oiv.u^sNN ei.se  Holhgiill iu .  (ilaserz.  gediegen 
Silber.  Mrljinglaiix.  u.  a.  2)  Kiesige  Hloigiingr  ,iiber  300)  aus  Quar/, 
I'.lriglanz.  Wende .  Seh\\efelkies .  Kupferkies,  Arsenkies  beslehend.  :\]  Kdle 
Hleigiinge  el\\a  iOO  ;ms  liraunspalli .  Manuanspath ,  Q\mn  und  silberhalti- 
gem  UleiLilan/.  zmveilen  aueh  HoIhgiilliL:  und  Silberglanz  beslehend.  4)  Ba- 
r\lisehe  IHeigiinj;e  ^ungi'lahr  U'»  mil.  Seh\\erspalh  .  Klussspatli,  Ouar/, 
Mleiiilan/.  lilende.  Kupl'er-  und  Seh\\cl'elkies  in  lagenarliger  Anordnuni:. 


288  VI.    Ili-toiisHie  Geologic. 

.">  K  u  pf  ere  r/Lia  ML:  e.  Kupferkies.  Bmitknplerer/,  Fahler/  u.  ;i.  Knpl'erer/.e  ent- 
haltend.  I)i(>  StreichuBgsrichtUDg  dieser  Gauge  1st  cine  si-lir  verschiedenartige, 
l>,-ild  cine  Monl\\eslliche.  nordiisllidie  oder  IT  in  nordliche.  dndi  irilt  gewOhnlich 
cine  LU'iissere  Anzahl  gleichstreicheiider  Ganiie  x.n  Xiigen  /nsammen,  die  sicli 
daiin  grgenscitii:  kren/en  mid  sich  an  solchen  Slellen  (lurch  besondereii  Kr/- 
n-iclitlniiii  aus/.eichncn.  Von  den  zahlreichen  Felsitporphyrztigen  jener  (ii-Limd 
\\erden  die  Giinge  zum  grosslen  Theile  dnrcliselzt ,  sind  ;ilso  iiltcr  als  ci->lcr«'. 
nur  ausnafamsweise  trilt  das  uniizt^kchrlc  Vcrhiiltniss  ein.  Moiilicli.  dass  I'oi'- 
phyreruptiooeD  und  GangspaltenlMldung  in  geaetwchem  Zusammenhange  stdicn. 
Ausserhall)  dos  Kr/iidn'i'Lu-s  sind  als  azoischc  Erzgafig-Districte  hd.spids- 
/u  ciANiilincn  die  rinLU'bung  von  Kupferl)erg  in  Schlesien,  \\o  kuplci-. 
n/,  Silhororze  und  Schwefdspath  ftlhrende  Giinge  inncrhallt  liuroMisdicr 

Glimmerschiefer,  Thonscliiefer,  nainenllich  aher  im  Diorilscbiefer  in  dci-  Nadibar- 

• 

sdiaft  von  Felsilpoiphyren  aufselzen.  Ferner  der  District  von  Przibram  in 
Holnnen.  wdrhcr  aus  den  Thonsdiid'cni ,  Oi"11^'1''11  und  Grau\sackc!isandstd- 
MCM  des  oberen  Huron  (Schieferzone  A  und  B  Barrande's)  besldit ,  die  \on 
xahliTichen  Grtinsteinpartien  und  Krzgangen  durchsetzt  werden.  Als  Ganit- 
ausfiilliniLisinasse  trilt  Quar/  und  SdiNNcrspath,  nainentlidi  aber  Rolhgultii:. 
(ilascr/,  Sprodglaserz,  gediegen  Silber  auf.  Auch  in  dcm  altbertthmten  Silber- 
districte  von  Kongsberg  in  Norwegen  sind  vorsilurisdie  und  z\\ar  laurenti- 
sdic  Schichten  das  Nebengestein  der  dortigen  Gange.  Die  Unigegend  \(»n 
Kongsberg  besteht  aus  sleil  aufgerichteten  Gneissen,  Glimmerschiefern ,  Horn- 
blende-, Chloril-  und  Talkschiefern ,  sowie  Quar/iten ,  welche  von  Gabbro 
durdiset/.t  werden.  Innerhalb  zweier  bestimmter  Zonen  dit-ser  (Jcstcinc  sind 
dicsdbon  von  ausserordentlich  kleinen  Einsprenglingen  \on  .MaLinctkifs. 
Sdt\\drlkies  und  Kupferkies  impragnirl.  Kins  dieser  Fa  I  Ibiinder  l>t-sil/.t 
riiva  (i.'i,  dass  andcre  400  Meter  Ma'chtigkeil.  Die  Gange  streichen  rechtwinkelig 
diin-li  die  Schichten  des  Xebengesteines  (Ost-West),  stdien  sehr  steil  und 
sind  nur  \venige  Zoll  ma'chtig.  Merkvviirdig  1st  die  Beeinflussung  des  Kr/- 
rdcliihiMnes  dieser  Giinge  durch  das  Nebengeslein.  Sind  nehmlich  diesel- 
ben  ausserordentlich  arm,  soweit  sie  sich  im  Umben  Nebengesleine  betinden. 
so  bereichern  sie  sich  mil  gediegenem  Silber,  Silberglanz,  Holhgiillig  u.  a. 
Silbererzen,  sobald  sie  in  die  Fallbiinder  hineinsel/.en ;  nur  innerhalb  ilieser 
sind  sie  abbauwiirdig .  ja  haben  dieselben  sogar  nodi  eine  Strecke  \\eil  nn't 
gediegenem  Silber  impriignirl.  Diese  Heispide  niiigen  gtMiiigen.  uin  das  gang- 
fonnige  Aufsel/.en  \nn  l-lr/.en  innerhalb  laurenlischer  mul  huronischer  'IVrrilorien 
y.n  illnslriren. 

B.   Die  palaeozoische  Forniationsgruppe. 

Die  palaeo/oische  Foroiationsgruppe  isl  eine  fiber  loOOO  i\l.  Miidiliukeit 
erreidicnde  Sdiichlengnippe  von  vorherrschenden  Graii\\ackeM.  Thonschiefern, 
Sandsteinen,  Kalksteinen  mid  (Idiiuloniei-alen ,  in  deren  nnlersien  llori/onlen 
das  uruaiiisclie  Leben  einerseits  in  zuni  Theil  iiberraschendein  Forinenreich- 
thuir.e.  andererseits  in  ausserotdentiich  Lirosser  An/ahl  der  hidividuen  anl'lrill. 


VI.   Hishirisclic  (Jt-oloirif.  289 

Die  or^anisrhon  Reste  der  palaoo/oisrhen  Formalioiisi!ruppe  enlfornon  sich 
dwchgjftngig  in  ihrem  iiusseren  Habitus  und  ihrem  innorn  Bau  weiter  von 
den  OriMnismen  der  Jetzt/.cit,  als  die  fossilen  Resto  dor  jUngcren  Formationen, 
daher  iluv  Be/oiolmuni;  als  pal.ieo/oiseh.  Mil  solehen  jUngon-i1  I'erioden  odor 
^ar  dcr  .lei/.t\\eli  idenlisehe  Arten  sind  unter  ilmen  nieht  nachzuweisen.  Ma- 
rine OriMnismen  sind  (lurohaus  \orhoiTschend,  doch  sind  nanientlich  in  den 
hoheivn  also  jilniieron  \i\oaus  dor  palacozoischcn  Foi'iiialionsj^ruppo  Stiss\\asser- 
iind  Landhewoliner  nit-lit  ansiieschlossen.  Die  Pf  lanxcn\vel  t  erliiill  ihren 
|i,il;ien/(iisi-lien  (iesaiiiinteliar.iklei-  durch  die  vorherrschende  Enhvickelung  /.inn 
Theil  i-iesii.'*'!1  (i  e  i'ii  s  s  k  r  \  ]>  t  o^a  in  e  n  nainontlich  a  us  dor  Fauiilie  dor 
C;il.niiilen,  Farno,  Sigillarion  und  Lepidodendron.  Die  Monokolyledonen  sind 
.iiif  \\cniije  Arlen  Itosohriinkt ,  \\iihrond  die  Dikotyledonen  noch  i^iinzlich 
fell  I  en.  Die  IMlan/.cnfamilien ,  vvolchen  die  palaezoischen  Rosto  angohoron, 
hilden  houto  nur  noch  einen  verschwindendon  Bruchtheil  unserer  Flora;  diese 
orhiill  \iolniohr  iliron  eharakteristist-lien  Habitus  durch  das  Vorwiegen  der  Di- 
kotyledonen ,  denen  1!l/2o  dor  jetzt  lebenden  Pllanzenarten  angehoren.  --  Die 
i:n»sso  Hauptinasse  dor  palaeozoischen  Thiere  waren  Mollusken,  Korallentliioro 
und  Echinodermen.  Von  don  Mollusken  sind  die  Gephalopoden  und  Brachio- 
j»tidon  am  eii:eiuliunilielislon  ausgebildet  und  durch  eine  grosse  Anzahl  jelzt 
beivit.x  seit  lan^en  Zeitraiinien  erloschener  Geschlechter  vertrcten.  Als  solche 
sind  die  (ialiunizen  Orlhocoras,  Cyrlocorus,  Lituites,  Clymenia  und  Goniatites, — 
lerner  Spinier,  f.oplaena,  Orlhis ,  Produclus,  Pentamerus  und  Stringocephalus 
zu  nennon.  Von  den  Polypen  sind  die  Zoantharia  rugosa  und  tabulala  mil 
den  \\ichligen  Gattungen  Cyalhophyllum,  Stroptolasma ,  Cyathaxonia,  Gysli- 
ph \lluni,  Zaphrehtis,  Calamopora,  Halysites,  Syringopora  auf  die  palaeozoischen 
Zeitalter  bosehriinkt.  Dassolbe  ist  der  Fall  mil  den  datnaligen  Vertretern  der 
lleliinodennen,  den  Blastoideen,  Cystideen  und  zahlreichen  Geschlechtern  der 
oiiionllichen  Crinoideen  z.  B.  Actinocrinus,  Poteriocrinus ,  Rhodocrinus  u.  a. 
Die  (iliedertliioro  \\erden  in  den  palaeozoischen  Fonnalionen  vorzugs\veiso 
durch  die  Trilobiten  reprasentirt ,  eine  Farnilie,  welche  bereits  lange  vor  dein 
Ro»inn  der  mesozoischen  Periode  erlischt.  Von  Wirbelthieren  sind  allein  die  Fische 
in  izriisseror  llaufigkeit  der  Individuen  und  narnentlich  grosserem  Fonnenroich- 
thuino  enl\\iekel(.  (ian/.  oiiienthUinlich  sind  fUr  die  palaeozoische  Periode  die 
lielenM-eivalen  (ianoiden  (z.  B.  Palaeoniscus,  Amblypterus,  Platysomus),  und  die 
Lropanzerten  (i.moiden  (z.  B.  Cephalaspis,  Ptoriohthys  und  Coccostous) ,  \\iili- 
rend  die  iichien  knochonfischo  noch  giinzlich  fohlen.  Ausser  -  durch  Fist-he 
sind  die  \\irbellliiere  nur  noch  durch  eine  sehr  l)es(-lir;inkle  Anzahl  von  Rop- 
lilion  und  z\\ar  ausschliosslich  batraehiorarliiion  Sauriorn  \t-rlreten.  Die  Kxi- 
stenx.  von  \.iLieln  und  SiiUiiothieron  \%ar  NNiihrend  der  palaeozoischen  Xeilaller 
nnrh  Nollkoiniiifli  ausL'cschlnssen. 

(i  I  iederu  IIL:  dcr  palaeozoischen  For  in  a  t  ions  gr  u  pp  e.  Bis  y.um 
.lahro  is:','.i  plicate  man  die  m;iohtii:e  Sdiiclilenreihe,  \velchc  sich  uninillelbar 
an  die  huronischcn  Schicfcr  anschlicssl  und  von  dcr  Stoinkohlenformation 
iiberlauerl  \\ird,  als  (JebdrgBftgftgebirgt  oiler  Gra  n  \\  a  cken  f  or  ma  lion 
y.n  be/eielmon.  Die  moist  sehr  \er\\iekelten  l.aL;enin^s\  erhiillnisse  dersolben 

CreJner,  til  fin  CM  to  d.  Ueologie.  J9 


uiid  s»-ine  anscheinende  Aniiulh  ;ui  organisehen  He>len  ersdmerlen  eine 
Gliederung  dieser  Schichtencoipplexe  ansserordenUich.  Dieselbe  \\~.\r  Murchi- 
son  vorbehalten,  \\clcher  sic  nnch  Hirer  I.agerungsfnlge  und  ihren  organischen 
llesten  in  z\\ei  Formalionen  sonderte.  Die  iillere  nannle  er  n.tdi  dem  Yolks- 
slamme,  \\elclieiii  die  I'r-IJeNvohner  dcs  HauptentxN  ickelunirslernnn  in  Kngland 
.•mgehiircn,  die  silurische,  die  jihigeiv  n;icli  der  Gral'schaft  Devonshire 

die  devonische.  Durch  Beobachtungen  auf  dein  europiiischcn  und  ameri- 
knnischen  Contincnte  \\urde  dicse  Zweithcilung  dcs  frtihcrcn  Uebergangsgebirgefl 
hcstiitiiit  und  in  l;olce  davon  alkeniein  anei'kannl.  Die  cesaniiutc  palaeo/oisclie 
Si-liiehteni:rui)pi'  /crfiillt  dcmnach  in  vier  selbsliindige  Fornitilionen  : 

1)   die  si  I  u  rise  he  Formation,       I 

, 
z)   die  de  vonische  r  ormation,    ) 

.{    die  carbonisohe  oder  Steinkohlenf ormation, 
4)   die  Dyas  oder  permische  Formation; 

Die  silurisclie  Fornication. 

Als  silurische  Formation  bexeichnet  man  eine  bis  iiber  GOOD  M.  miiehtiize 
Schiebtenreihe  von  vorherrschenden  thonigen  und  sandigen,  so\\ie  untergeord- 
nelen  kalkigen  Gesteinen,  welche  auf  den  laurentischen  Gneissen  und  huro- 
nischen  Schiefern  auflagern,  von  der  devonischen  Formation  tiberlagcrt  \\crden 
und  zum  Theil  reich  an  organischen  Resten  und  zwar  ausschliesslich  an  sol- 
chen  von  einstigen  Meeresbewohnern,  also  von  Tangen,  Korallen,  Graptolitlien. 
(Irinoideen,  Brachiopoden,  Cephalopoden  und  Trilobilen  sind.  \\idirend  I.and- 
und  SUsswasserorganismen  noch  nicht  auflrelen. 

Der  petrographische  Cliarakter  der  silurischen  Sehichtenreihe  ist  x\\ar  kcin 
constanter.  vielmehr  in  den  verschiedenen  Bildungsgebielen  des  Silur  ein  vei- 
schicdener,  doch  lasst  sich  ira  Allgemeinen  annehmen,  dass  Sands  t cine, 
Thonschiefer,  Grauwacken,  und  Grauwackenschiefcr ,  in  manchen 
(legeiiden  aucli  Kalksteine  die  vorherrschenden  Gestcinsarten  sind,  zu  \\c\- 
chcn  sich  als  untergeordnele  Gebirgsglieder  Conglomerate,  Quarzite,  Kicsel- 
sehiefcr,  Alaunschicfer,  Merge)  und  Dolomite  gcscllcn.  Der  verschiedenartige 
petrographiache  Hal>itus  der  silurischen  Formation  in  ihren  cinzelnen  Bildungs- 
riiuinen  \\\n\  (lurch  das  Vonvalten  oder  Zuriicktrclen,  sclbsl  Nichlvertretenscin 
von  Gesteinen  bcdingt.  \\elchc  in  anderen  (legendcn  geratle  die  umuekchrle 
Hollc  spielen. 

Die  Silurformation  i.st  im  AlliZemeincn  zicmlich  reich  an  1-^r  xl  a  gerst  ;i  t  le  n  . 
so  dass  deren  Bildung  nainenllich  im  jel/igen  \ordamerika  eine  l;.igenlhiim- 
lichkeit  dcs  silurischen  /cilallcrs  gc\Miscn  zu  sein  scheinl,  welehe  sich  ge\\is-i-i- 
masseii  noch  ans  der  huronischen  I'eriodc  her  erhalten  hal.  Ks  sind  nainenl- 
lich \ei-schiedene  Fisencrzc,  so\\  ie  Kupl'er-.  Hlei-  mid  Xinker/e.  \\elche  in(ie- 
sialt  \(>n  Kli>|/.eii.  Impriignatioiicn  und  unreizelmii^siiren  Kinlagei'iingcii  als  inle- 
grirende,  also  gleichaltcrigc  (ilieder  der  SilmTormalinn  bekannt  sind.  Hierher 
die  l.aii.T  \..n  onliihischem  KisciH-rzc  im  Silur  von  Biihmen  und  Nc\\~ 


VI.   Historiseln1  (Jcoloinc.  291 

York,  die  Stiieke  von  Sp.ilheisenslein  im  Tyroler  Silur,  die  zahlreiehon  und 
ausiiedehnlen  Fliil/o  von  Brauneisenslein  iin  nnlersilurisehen  Dolomite  des  grossen 
appaladrischen  Thales  \<>n  Nordamerika.  die  (ialmei-  und  ZiokblendekgersWtten 
\oii  Friedens\ille  in  Pennsylvania,  die  Bloiglan/lldt/e  \on  Austin  in  Virginia. 
Lel/lere  bilden  drei  unrcgelmiissiii  lldl/artige  Kr/Iagerstiillen,  deren  MiicliliiAeil 
/\\iselien  :{  und  7  seh\\,inkt,  z\\isehen  weilliiufig  geschichteten  Doloinilen 
und  bestehen  in  der  Tiefo  selbst  aus  oinern  /.alien  Dolomite  mil  Ouarz-,  Kalk- 
spath-  und  Bleiulanzknollen,  Nestern  und  SchnUivn ,  wiihrend  ihr  Liegendes 
slels  \nn  ciner  slellen\\eise  fast  melermiicliligen  Lage  von  Zinkblende  ein-e- 
nommen  \\ird.  Naeh  der  Oborfliiche  zu  ist  der  Bleiglanx  7.11  Weissbleicrz  und 
I'Nromnrpliil.  die  Zinkhlende  /.u  (Jalinei  und  Zinkspalh  zersetzt.  Der  Schichten- 
e(»ni|)le\.  \\elchem  diese  erzfUhrenden  Dolomitbanke  angehoren,  isl  sattelfdnnig 
izeltogen.  so  dass  letztere  in  seclis  Ausgehenden  /.u  Tage  treten  und  auf  jeder 
Srite  der  anliklina|t>n  Axe  divi  naeh  der  enlgegengeselzten  Richtung  einfallende 
l;liliiel  bildon. 

Nielil  ohne  Interesse,  ja  solbsl  von  technischem  Werlhe  ist  das  \venn 
;uicli  sellono  Vorkommen  von  Anthracitflol/en  zwischen  silurischen,  zum 
Tlu-il  (irapiolithen  fuhrenden  Schiefern  Schotllands,  Irlands  und  Porlugals.  Das 
M;ilei  ial  dieser  Koblengesleino  kann  nur  von  Seelangen  abslammen,  da  \\iihrend 
der  Xeit  seiner  Ablagerung  htther  organisirte  Pflanzen  noch  nicht  existirlen. 
Audi  das  Dasein  iii'iisseivr  Stein sa Izei n  1  age rungen  im  Schoose  der  Silur- 
lonualion  kann  nicht  bezweifelt  werden,  da  aus  lelzlerer  zahlreiche  Sal/.qiiellen 
z.  B.  bei  Salina  und  Syracuse  im  Staale  New -York,  ferner  bei  Sagina\\  im 
St,i;ile  Michigan  enlspringen. 

Die  Stollung  der  silurischen  Formalion  an  der  Basis  der  versleinerungs- 
reiehen  Sedinientiirfonnationen  ergiebt  sich  l>ereits  aus  ihren  Lagerungsvei-- 
liiillnissen.  Wie  schon  frilher  an  Profilen  aus  Skandinavien  und  Nordarnerika 
sielie  I  iu.  55,  >'.).  60  und  01)  dargelhan,  liberlagerl  die  silurische  Schichten- 
reihe  die  lanrenlische  und  huronische  Formalion,  isl  also  jUnger  als  diese.  X\\ar 
ist  diese  Oberlagerung  in  den  incision  Fallen  eine  ungleichformige,  zuweilen 
sind  j.'dndi,  so  namentlieh  in  Nassau,  Bohmen  und  ziim  Theil  auch  England 
die  huronisehen  Thonschielcr  mit  don  silurischen  so  innig  verkntipfl,  dass  eine 
seharlr  (iivn/r  /uisehrn  beiden  nichi  ge/ognn  werden  kann.  Seine  ohere  Be- 
uivn/imu  erliiill  das  Silur  dureh  die  devonische  Formation  und  /war  lindet  in 
l'.nro])a  souohl  \\ie  in  Arnerika  ein  allmiihlicher  i'bergang  der  einen  Scliichlen- 
i/ruppe  in  die  andere  stall. 

IndenuiYhiiekioilisclieilVcrllSiltliissend.-rSiliirrormalion  herrschl  in  deren 
versrhirdeiirn  Yerhreituiiizsiiebielen  nur  \\enig  rbereinslimmiing.  In  g«'wissen 
ti.-i-endrn.  so  in  den  Kl.enen  Husslands,  in  dent  Flnss-ehiete  des  Mississippi, 
in  Srimeden  haben  die  silui -iselien  Seliieliim  keine  Veriinderung  ihrer  ursprilng- 
liehen  Lagerung  erlillen.  Sie  befinden  sieh  dorl  in  einer  Aiisdeliiiung  \on  mehreren 
Tansend  Onadralmeilen  in  hori/ontaler  oder  fast  hori/.nntaler  I.age,  haben  somil 
nur  ihr  Niveau  in  Folge  sa.-cular.-r  llebiing  \eriiiid.Tl,  sind  mit  anderen  \Yorlen 
naeh  ihrer  Ablai-eriiiig  auf  d.-in  (Jrunde  des  silurisehen  Oi-ean.-s  laiiL-sam  Uber 
den  Meeresspiegol  gehoben  worden .  ohne  eine  \\.-snilielie  Ycriinderung  ihivr 

19* 


•2<)2 


VI.    Ilisturisrlic  <  Jed.  une. 


Sdiiditenslellungen  y.n  erleiden.  In  den  meislen  Fiillen  ihivs  Ytsrkommeiis  bildet 
jedodi  die  silurisdie  l;ormation  in  Folge  ge\\altsamer  Stonmgeii  steil  aufgt  — 
rielilete,  geknickte.  gd'altde  oder  (lurch  grossarlige  Disloeatitmen  /en 
Sdiidilensvsleme.  also  midden-,  saltel-.  fiidieiit'irmige  oder  senkredilsldiende 
/onen  der  \erschiedenarligslen  Dimensionen  und  Formen.  Nodi  \ers\ickdler 
und  oft  vollstiindig  \er\visdit  \\erden  diese  archilektonisdirii  Yerliiillnisse  (lurch 
das  fiir  manclie  der  palaeo/oisdien  Formalionen  so  diaraklerislisdie  Auflrelen 
der  transsersalen  Schieferung. 

Der  palaeoutologische  Charakter  der  Silurforination.  Die  Flora  und 
Fauna  des  silurischen  Zeilallers  \\ar  ausschliesslidi  marin.  So  gdtoren  denn  die  im 
Yergleich  zu  den  silurischen  Thieiiormen  nur  schr  spiirlidien  Yertreter  des 
Pfa  n/enreiches  siimintlich  den  Fucoiden,  den  Sedangen,  an.  Hires 
mangelhaflen  Erhallungszustandes  wegen  ist  ihre  Bestimmung  oft  sclnvierig 
und  ihr  palaeonlologischer  Weiih  deshalb  ein  ge ringer.  Sie  erlangen  jedodi 
(lurch  grosse  Anhaufung  der  Individuen  in  einzelnen  Schichtenzonen,  so  /.  B. 
dem  Fucoiden  -  Sandsleine  Schwedens  einige  geognostische  \Yichligkeil  und 
haben,  \vie  oben  angedeutet.  stellenweise  sogar  das  Material  zur  Bildung  von 
silurischen  Anthracilflb'lzen  gelieferl. 

Die  \vichtigsten  Fucoiden  Gattungen  der  Silurfonnation  sind  Dictyonema 
und  Chondrites,  nainentlich  aber  Arthrophycus,  als  deren  weilest  \er- 

breilete  Species  angefiihrt  \verden  kdnnen :  Dic- 
tyonema Hissingeri  Go  pp.,  Chondrites 
antiquus  Sternb.,  welche  in  den  silurischen 
Schiefern  Bbhmens,  Skandinaviens  und  Britanniens 
ha'ufig  vorkommen,  so\vie  Arthrophycus  Har- 
lani  Hall,  (Fig.  63)  ein  lederartiger  Fucoid  mil 
ursprttnglich  walzenrundern.  quergegliedertem,  sich 
vielfach  verzweigendem  Slamme,  \\elcher  gan/.e 
Schichlungsflachen  gewisser  silurischer  Sandsleine 
Nordamerikas  bedeckt. 

Eine  viel  mannigfalligere  Enl\\ickdung.  einon 
Fig.  fa.  Arthrophycus  Hariani.  viej  groSSeren  Formen-  und  Individucn-Reiclilhuiu 
hat  die  Thier\\  elt  bereits  wahrend  der  Silurperiode  erlangt.  Die  bis  .jet/I 
bekannte  silurische  Fauna  besteht  aus  fast  9000  Species,  nehmlich  161  IVoto- 
zoiin,  507  Coelenteraten ,  500  Echinodennen,  155  Anneliden,  16M  Trilobiten. 
318  Entoinostraceen ,  441  Polyzoen,  1650  Brachiopoden. 
168  Monomyariern,  541  Diimariern.  358  Heteropoden  und 
Pteropoden,  895  Gasteropoden,  1451  (lephalopoden  und 
37  Fischen.  Unter  den  niedrigst  stehenden  Thieren  sind 
die  Spongien  unzweifelhaft  verlretcn.  Iin  (legensalz  /u 
denen  spaterer  Zeilalter  \\aren  sic  nichl  festgeuadisen.  son- 
dern  frei  und  besitzen  deshalb  eine  griissiTt-  Itegelmiissig- 
keil  der  Form.  I'nler  ilmen  isl  nainentlich  Asly lospongia 
praemorsa  Roem.  hervor/uheben,  \\elche  aid'  (iottland,  in  Tennessee  und 
als  dilnviales  (ieschiebc  in  der  norddeulschen  Ebene  in  gn'isserer  Iliiuligkeit 


VI.    Histuri>clic 


naehgeuie.M-ii  ist.  Sic  lial  cine  last  \ollkommen  kugelige  <ieslall  und  vertiel'to 
SclioitoKlaehe,  son  \\clelier  unregelmassig  \erlaul'ende,  dicholoniirende  Furolion 
aussii-ahlen.  Von  fast  derscllien  liodoulung  ist  A  u  I  oco  p  i  n  in  a  n  r  a  n  I  i  u  in 
H  oo  in.  a  us  den  i  Silur  \on  F.sthlaml  nnd  a  Is  nordisches  (ieseliiehe.  ferner  As  I  raeo 
spongia  meniscus  Sail,  aiis  dein  Silur  von  Tennessee.  I.et/Jgenannlei 
sohoibonlormigo  Sch\\amiu  /eiehncl  sioh  dureli  die  Kegolmassigkoit  und  Fiillo 
seiner  sechsstraliligen  Spioulao  aus. 

Die  Ilauptmassc  der  silnrischen  K  oral  Ion  gehort  zu  dor  Aldheilung  dor 
/oanlliaria  rugosa.  deren  Slernlainellen  slots  \  ior,  nio  al>or  sechs  S\  slenie 
hilden.  I'uter  ihnon  bosit/en  tlie  (icselilechtcr  0  m  pli  \  in  a  ,  Aeorvularia, 
S  \  r  i  n  gop  h  \  1 1  uin,  (!  \  a  I  ha  \  o  n  i  a  die  grb'ssto  Vorbreilung.  Als  hosondors 
he/eiclinende  Arlen  nuigon  hior  angolulirl 
\\erden:  C  \  a  ill  a  \  o  n  i  a  Dalmani  lulu. 
el  II.  Fig.  65),  cin  kloinor,  hior  stark 
\  ergrosserler.  au>ge/eielinot  kogollormiger 
Ivorallenstoe  k  mil  Soplalfun-ho  und  lioliem 
Millelsaulehen  :  ferner  O  m  p  h  \  m  a  ;Cya- 
lliopliN  I  him  lurbinalum(ioldr.  Fig.  66). 
Fast  ehcnso  /alilreieh  \\iodio  /  o  a  n  I  h  a- 
ria  rugosa  sind  die  Z.  tahulata  im 
Silur  vortrolon;  ihro  Stornlainollon  sind 
vorkiinunorl,  daliingegen  Querbb'don  in 
grosser  Vollkoinnionhcit  entwickcll.  Namonllioh  sind  die  Galtungen  Galamo- 
pora  und  Syring<»|)ora  durrh  ihren  Arlonroiohlhum  bezeichnend,  slcigcn  jo- 
dooh  aueh  bis  in  das  Devon  hinauf,  —  Halysites  hingegen  ist  ausschliesslich 


g,  «5.  Cyathaxonia 

Dalmani  Kd w. 


Fig.  66.   0  m  p  h  y  m  a 
turbinatu  in  Hold  f. 


Fig,  68.  Halysitcs  cajtenu  laria  L  inn. 


C  a  1  a  ra  o  - 

>ra    Go  1 1 1  a  nti  cfa 
1,  .1  m. 

n  naturi.  t;r  -    ,      >j | uriseh   iiiul  deshalb  ein  iroffliohos  Loitfossil. 


•ssert, 

uin  'li-1  I'uron  nnd 
l\"idewande 


IHe    \\icliligslcn 

Arlon  sind  :  (1  a  I  a  m  opo  ra  (Fa  vosi  tes)  Golt  I  a  n  d  i  ea  I.  a  in. 
(Fig.  07  nnd  II  a  I  ysites  ca  1  en  n  I  a  ria  Li  n  n.  Calenipora 
e  sell  am  ides  (ioldf.i  Fig,  C.S  .  Der  Knrallenslnek  der  erslenMi  beslehl  aus 
dieht  nobon  einander  slehendon  langprisinalisclieii  Xellcn.  \\elehe  /alilreiche  ho- 
rizontale  Oncrboden  bosit/on  und  dureli  I'oron  in  den  Seitenuiinden  mil  einander 
in  Vorbindung  slehen.  Hoi  der  /.\\eiter\viihnlen  Art  sind  lauler  im  Oiierschnille 
ovale  Hnlnvn/.ellen  mil  ihrein  selunaien  Kudo  \er\\aclisen  nnd  \\  10  (ilioder  cincr 
Kette  aneinaudergeroihl.  HorizonUjle  Qiiorbuden  sind  ebonfalls  vorhanden. 


VI.   Historic-he  <  ii 


Zu  den  eigenlhtLinliohstea  nrpmiselien  Krselieinuiigen  der  silunsclicii  IVriode 
Liehoren  die  (I  ra  pi  ol  i  I  hen  ,  \\elrhe  man  ills  den  Se  r  I  u  I  a  r  i  en  ahnliehe 
BntwidkelimgSStadien  \on  Medusen  deiilel.  Bei  ihrer  ^roxsen  lla'uligkeil,  Hirer 
aufValligen  und  leirhlkennllielien  Form  und  ihrer  iinsscliliesslich  silurisrhen  Ver- 
hreiiung  sind  sie  eins  der  \\ iehti^sien  ErkenntiDgsmerkmale  der  Sihirablagerungen. 
Die  (i  r;ipt  o  lithen  hestehen  ;uis  einein  Kanale,  welcher  der  TrSger  d«r  ganzeo 
PolypeDcdonie  is!  und  ;m  \\elrhcni  sich  Xellen  enl\\  ickeln,  mil  ilim  in  olVener 
Verltindunu  stelien  und  \vie  die  Ziihne  eincr  S;ii:e  hervortreten.  Die  GViiplo- 
lilhen  sind  eiU^eder  i:r;idliniu  oder  y.n  einer  konischcn  Spirale  aufuerolll  :  \iele 
der>ell)CM  \\iiren  urspriinulich  /u  je  /.\\eien  an  ihrei-  Basis  veruaclisen  I  iu.  7<> 
und  7o)  ;  cine  An/.ahl  solclior  i:al»eliuer  Korprr  scheinl  /uucilen  radiiil  urn  einen 
ueiueinsainen  Mitlelpuiikl  ueiii'diiel  ue\\esen  zu  scin  (Fig.  76),  andere  liinp'uen 
\varon  sell)stiindig  und  dann  mil  einein  uinuekelirt  kej:elforniii;en  Ori-ane. 
dem  sogenannlen  Fussc  versehcn,  \\clcher  JUT  der  GabelUngsstelle  dcs  Polypen- 
slockcs  haftele.  Die  Reste  der  Graptol  i  llion  liourn  fast  slets  in  iiross,er  An- 
zahl  vergesellschaftct  auf  den  SchichlunusHaehen  der  silurisehen  Schiefer  und 
sind  in  diesein  Falle  slark  zusainmcngcilrilekt :  in  sandigen  und  kalkigen  Go- 


Fip.  T.i. 


Fig.  74- 


r-        -..  F'g'  75' 

Fi«.  ''•'.  Fig.  7'> 

Fig.  till.  I. is  7ii.    Graptol  it  hen. 

ii'i.  M»iu>KrapsDs  priodon  Bronn.    -    <H  niul  ".'>.  Monogr.  gcininus  Mis.    -  71.   Mnnngr.  turriculaturs  Harr.        11.   I>i|>lo- 
.rr.ip-us  pnstis  His.  —  73.  Diplogr.  folium  His.  —  74,  Rastrite*  peregrinu.>  Barr.  —  "n.  Monograji>u-  Logani  Hall. 

sleinen  sind  sie  /Avar  sellener,  a  her  dann  in  naliirlicher  NVolhunu  erhallen. 
Die  \\ichliizslen  Graplolilhen  -Gatliingen  sind:  .M  on  ogr  a  ps  us.  die  Axe  nur 
auf  einer  Scile  mil  zahniihnlichen  Xellen  \eisehen,  z.  B.  M.  priodon  Bronn 
(Fig.  09  ;  ferner  M.  lu  rrieu  la  t  us  Barr.  Fig.  71)  u.  M.  geminus  His. 
Fig.  7<>  ;  Diplograpsus,  auf  beiden  Seilen  mil  Xellenforlsiil/.en,  /..  B.  D.  fo- 
lium His.  Fig.  73)  und  D.  pristis  His.;  emllieh  Hastrites,  mil  langen, 
zarlen,  vollig  gelrennl  und  senkrerhl  auf  der  Axe  stehenden  Xellen,  /..  B. 
R.  peregrin  us  Barr.  (Fig.  7i. 

Von  den   Keh  inodermen  sind  die  Seeslerne   und  Seeigel    und /Avar  1'e- 


VI.   llistori*i-li<' 


ri  s  c  hoec  h  in  iden       durch     so     \ereinxelte    lndi\  idiien     verlrelen,     dass    diese 

ohne   Kinlluss    aid'   den   (iesainmlhabilus  der  silurisehen    Fauna    Meilien;    dahin- 

Lieuen   uehoren   die   (Irinoiden    /.u    den    eliaracterislischsten    Krseheinuniien   des 

silurisehen   Xeilalters.      So   ist    die   Crinoidcn-  Abtheiluni;  der    (Ixstideen,    als 

deren  T\pus  die  (lallnnu  K  c  h  i  n  o  s  p  h  a  e  r  i  I  e  s  i:ilt,    last  ausschliesslieh  siluriseli. 

1'nler  diesen    iritl     nanienllieh   der  kuiielrunde   Kelch   von 

Fch.    aiiranlium    Wahlenb.      (Fit;.    77)    in  zahlloser 

Mrnue    dci-    Individuen    im    nbrdliehen    Kuropa    auf.      Die 

Ubrigcn  Cysltdeen-Gattongen,  also/.  H.  Cry  ptocrinus, 

Ca  r\  oc\  s  t  il  es,    Kc  h  i  not1  n  cri  nus ,  lie  mi  cos  miles 

komnieii  nur  \erein/ell  und  in  beschriinkler  gcographiseher 

\'erl>reilunu  vor.    Die  iichlen   (}  ri  n  oi  deen  mil  i»rossen 

xusammenuesel/len  Armen   und   radial  angeordnetOD  Kalk- 

lalelehen   hahen  ebenfalls  bereils  im  Silur  eine  bcdeulende 

Entwickeluog   erlaniil.      Verhidlnissmassig   sehr  verbreilel    Fig 

sind  die  (iallunuen    (i  \  a  I  ho  e  rinus ,    U  i  m  erocr  inus ,    ^» 

I.  ecanoer  inus. 

I  nter  den  verschiedenen  Al)Uieilungen  der  Mollusken  spielen  die  Hra- 
ebiopodon  und  Cephalopoden  die  \vieluij4sie  Uollc  in  der  silurisehen  Fauna, 
und  y.\\ar  von  ersleren  namenllieh 
die  (ieschlechler  l.e|)(aena,  Lin- 
iiula,  ()  bo  I  us,  H  hynchonclla  , 
Terebralula,  Alrjpa,  vor/ui;s- 
\\eise  a  her  Orlhis  und  Penlame- 
rus.  Orlhis  isl  im  Silur  durch 
iil»er  i.'io  Arlen  verlrelen,  \on  denen 
loLende  ihrer  t;rosscn  goograj)lii- 


iin  ranti  urn  Wall  I. 

und,     A  After,      9-CM- 

uitalpyramide. 


"V    O  rtli  is  o  I  eg  a  n  tu  1  a 
Da  I  in. 


Fig.  80,   Orthis  lynx  Kichw. 


Ycrhreitun^  \vegen  hervor- 
/iiliehen  sind  :  Orlhis  clegan- 
t  ula  Da  liu.  V\£.  78)  —  Orlhis 
\  «  -perli  I  io  So\\  .  Fiu.  7'.))  —  Or- 
lhis I  \  n  \  Kichw.  (Fig.  SO). 

Die  (iallmiii  Te  nla  nier  us  1st 
liis  aid  einiL:(>  Arlen,  welehe  in  das 
De\un  hinaur.slciLien.  aul'  die-  silu- 
ri>che  I'drnialion  beschriinkl  und  in 
dieser  in  el\\a  ill  Species  bekannl. 
Von  denselben  I»esit/.(  nainenllieh 
I'e  nl.  i  in  er  u  s  K  nii;  hi  i  S«>\\  . 
l-'it;.  Nl  eine  i:rosse  Verbreiluni:  ill 
Deulschland  ,  F'-iiiiland  ,  Sch\\eden 
und  Hussland.  An  Sfeinkernen  trill 
das  hohe  miitlnv  Septum  der  go* 
\volblen  Penlaineriis  -  Schale  in  Form  einer  liefen  Spalle  her\or  ''Fii:.  S;'. 
Atr\  pa  relicnlaris  Linn.  l-'i;:.  H:{  lx-sil/1  die  p-ossle  Verbroilung  unler  alien 


!'<•  n  ta  in  <•  t  u 
Ste  i  M  k  c  r  n. 


* 


296 


VI 


Thieren   (Iff  siluri.sclit'ii    Formation,    isl  jednrli  dic.ser  und    deal  Devon 

St  ro  p  h  omcna    deprcssa    S<>\\.        Fig.    X't      knmint    drr   \urigen  Art  .111   Xalil 

der  Fundorle  fast  gleich.    und  sleigl   ehcnl'alls  in   d.is   l)r\mi. 


Fig.  83.   A  trypa  ret  icu  1  ar  i  B  Lin  n. 


Kit;.  ^.!..:  Untersi|uriKc)ir>r   S:i  M  il .- 1  c  i  n 

mil  Litngula  prim  a,    darnnter   Lingula 

an  t  i  q  ua. 


Die  \\ohlerhaltencn.  hornigen  Sc-halen  von  I,  in  gala  und  ()  bolus  sind 
hesondors  ini  unlcrcn  Silur  sehr  haufig,  so  l.ingula  antiqua  Hall,  iin  IVti.s- 
dani-Sandstoino  Nordanicrikas  und  Obolus  Appollinis  Eich\\.  iin  iiltcslcn 
silurischon  Sandsteino  Russlands. 

Uio  Zweischaler  stchen,  verglichon  mil  den  Brachiopoden  und  Opha- 
lopoden  an  Wichtigkeil  in  der  silurischen  Fauna  schr  zurtick.  AussohliessUch 

silurische  Goschlechler  dllrften  sich  kaum 
nachweisen  lassen.  Cardiola  isl  duroh 
ein  Dulzend  Arten  repriisenlirl  und  von 
dii'son  Card,  inlerrupla  Sow.  am 
verbreilelslen  und  leichteslen  kcnntlidi. 
Auch  Area.  Nucula  und  A'vicula 

Fig.  86.   Cardiola  inte  rrnpta  So  w. 

sind  verlrelon.   Die  silurischen  G as tero- 

poden  gehbrrn    moisl   don    Gescblechtem    Plourolomaria,    Murchisonia 
Tur ho,    Capulus   an;    ausschliesslich   silurisch  isl  die  Gallung   Maclurc;i 


Fig  .  87.  M  acl  u  re  a  L  og  an  i  Sal  t.   a  Gehause;  6  Deckel.  Fijr.  *•*<.  T  o  n  t  ae  u  1  i  le  .-  annul  atu 

Schloth. 

liesit/.i    ein   links  gewundenes  (icliiiuso,    umfassende  \Vin- 
und  drshalh  vollkommcn  verdeckle  Spindel,  so\\ie  cine  grosse 
ganzrandige  MUndung  und  endlich   einen  g;m/.  eigenthiimlichcn,   ko- 
lggregarea.a   nischcn  Deckel.     Maclurea    isl   hesonders    iin    amerikanischen    Silur 
stark   vertrelen   und  zwar  durch  26  Species,    von    denen  \\ir    nur  M.   Logan  i 
Sailer  (Fig.  87)   hervorheben.  —  Als  Rbhrenschalen  von  Pteropoden  d<'iilcl 
in, in  die  Tenlaculilen  (Fig.  88),  welche  in  unzahliger  Menge  die  Schichlungs- 


VI.    llistorisrhr 


297 


iladien  L:e\Mvser  siluriseher  KalkMeine  nnd  Thonseliieler  bedeekcn.  Ilierher 
'•odmel  man  auoh  Theca  [Fig.  8»),  \\oldn-  ill  et\\a  ;i<l  Spedes  sehr  \erl»rei|e| 
iin  Silur  1st. 

Die  CepbaJopedei]  sind  im  Silur  atissehlicssliel)  durch  Nautilocn  ver- 
Irelen,  —  die  Ainmoiieen,  \Neldie  m  juniieren  Formalionen  oino  so  aussorordoni- 
lirli  \\ichtiuo  Hollo  spielen.  i-rsi-liciiu'ii  rrsl  iin  Devon.  Von  don  Nautileen  <>r- 
roiclil  d.-i.x  (ionus  Orilmrri-jis  l.croit.s  m  Silur  das  Maxiinuin  soinor  Knl- 
\\iokolunu.  (ian/.  ci-.-iilhtiiiilioh  sind  I'iir  die  silurisdu-  (lni|)|)(>  diojoni-on  Formon, 
I'oi  N\rloh,-n  dor  Si|.ho  sdir  »ross ,  porlsduiurartii;  und  /urn  Thoil  iin  Innoron 
Mlit  '•'"«•>»  '••"lialon  od«-r  diilriilonniiicn  Apparat  vorsolion  isl  und  die  man  ids 
Ormocer«S  und  lluroni..  \on  Orllioccras  jiolroiml  hal.  Auch  dio  (iallun-cn 
Phragmooeras,  Trodioooras,  C  y  rtoooras,  Kiluitcs  nnd  Nautilus 
sind  iin  Silur,  /inn  Thoil  in  y.aldroiohon  Arlon,  solir  vorhroitol. 


Fig.  95. 


Fig.  91. 

Silnrische  Cophal  opden. 

-  tenuifllum  Hall.  Fig. !«.  Orthoccras  Ludense  Sow. 

OrtkoMM  duplex  W.ihl.-nl,.  V\K.  -tj.  Cyrtoceras  annulatum  Hull. 

<  irthoceras  juncenm  Hall.  Fig.  95.  Lituites  cornu  arietis  Sow. 

KiiH-n  aussorordontlirh  grosscn  Fonnon-  and  Imlividuen  -  Iteichllmm  onl- 
\\iokoln  dio  Trilobiten  iin  Silur.  Man  kennt  in  dicser  Formation  boroils 
I:".  Konora  mil  ul.or  1000  Artcn,  so  dass  dor  cigenllicho  (iosaininfoindnick 
dor  silurischcn  I'.nin.i  \\c.srnili<-li  von  dieser  erloschenen  Crustacoon-Familic 
Die  Trilobilrn  sind,  \\i<-  izcsagt,  CrusUiceen  und  /.war  die  niirhsicn 
dor  honti.-on  MlaltfUsser,  also  des  in  unsrivn  IM'iit/t-n  li-bondm 
A  pus  und  Branehipus  Dio  Krlialunii;  d.-r  Trilobiten  boschriinkt  sidi  in 
don  boi  Wcitom  moish-n  I  iillcn  auf  den  Rtlekonpan/er.  Dicser  xorlallt  so\vohl 
der  Liiniio,  wio  dor  Uroilo  nach  in  droi  Absrhnillo,  wolior  dor  Name  riilirl. 
3Ian  unloisdioidi.-l  ein  halbmondfonnigos  Kopfschild,  inchr  oder  weniger  zahl- 


2'.)s 


VI.    lli.storisdu:  (irologie. 


rciche  Mnislringc  nnd  ein  Sohwanzschild.  .ledcr  dicser  Ktfrperabschnilte  be- 
sil/l  cine  milllere  j»c\\n||)lc  Axe,  bcim  Kopl'seliilde  Knpl'biiekel  i:en;innl  ,  mid 
/wei  llarliere  Seilenllieile  nder  I'leiiren.  /u  heiden  Srilm  dcs  Ko[)fhnekels 
lichen  I  KM  \iclen  Trilobilen  iinselieinend  racellirlc  Aiigcn.  Miinelic  Trilohiten 
hahiMi  das  Vermoiicn,  sieli  /.nsammcn  t\\  kngcln.  Die  \\  icliti^sh  n  und  mien 
rcielisicii,  ;uis.M-lilicsslieh  silurischen  Trilol)ilcn-(ioschlcchtor  sind  l';i  ra  do  x  i  dcs 
;Fii:.  «Mi',  Olcntis  (Fig.  100),  Agnoslus  IML:.  102',  Asaphus  Kiu.  (.»7  . 
Mlaenus  (Fig.  98),  Tri nucleus  (Fig.  99)  und  Calymene  l;ifz.  101). 


Fig.  «J7. 


Fig.  Uli. 


Fig.-W. 


Fig.  101. 


100. 


Fig.  !JS. 


Fig.  102. 

y 

Fig.  101. 

S  i  1  u  r  i  so  h  o  T  r  i  1  o  l>  i  t  >  P. 

•MI     I'.u.nl..  \idfb  bohemicus  Barr.  —  '.IT.   Asaphns  tyraniius  Mun-li.         '.is.    lll.ii'im.-   iMvisii  Salt.   —  '.»'.».   Trinurleii;. 

' 


coneentrieni  K.it 


UMI.  Olrnu.s  inicrunis  Salt.         MH.  I'alvni.MK-  lilumrnl.aclii  Hrgn.;   n  ausgestreckt,  6  zu.- 
gerollt.       102.  A^n,.,~iu>  integer  Beyr. 


/u  den  Cnisliicccii  -cliiirl  Icincr  die  in  den  ohercn  silurisehen  Schii-IUrn 
\\eil  \crhrcilele  Hc\richia,  ein  klciner  Selialenkrebs  mil  ahiiorimdcl  \ier- 
sciiiiirn  Kl;i|»pen,  diese  mil  hbckcriii-  \vaiv.igor  Oherlliiehe. 

Vtui  \V  i  rlx'l  Ihieren  hat  man  in  don  untercn  Ni\cans  des  Silnr  l>i.s 
jotzl  ki-ine  Spur  cnldeckl.  ersl  in  den  oberslen  Ilori/ontcn  dieser  l'unii;ili(.n 
er.srhrincn  Hcsle  der  iillesl  iK-kanntrn  Wirbellhiere  mid  /war  haiarligcr  knor- 
pelliselie  ai\riindich  gaiiz  vcreinzolt  (Pleraspis,),  dann  in  so  izrosscr  Iliiiiliiik.-il 
d.iss  Flossensliicholn  mid  cmaillirlr  Ch^nnselmppen  in  Kngland  rinc 


VI.   llistunsrlir  (irolot^ie.  2'J'I 

form  I  iche  l.a-e  MHI  Knodicnbrcede  hone-bed  MHI  fivilich  an  den  meislen  l.oeali- 
1. 1 1- 'ii  niir  I  /oil  .Maehtiukeil  gerade  aufderCren/.e  /.  \\ischen  Silur  tind  De\on  hi  Men. 
Zweitbeflimg  der  silurischen  Formation.  Die  aufge/iihlien  Ycrlreter  der 
sUurischen  K;u HIM  udioren  niclil  sammllidien  llori/.onlen  dcr  Siliir!'ortii;iti«iii  L:C- 
meinsam  ill),  kommen  also  nidit  in  alien  silurisdien  Sdiiditencomplexen  \er- 
geselisohaftel  \or,  sondern  repriisenliren  \idmehr  cine  Aufcinanderfoke  von 
sit-li  -ep-nseitiii  ahlosenden  Faunen.  Auf  dieser  Yersdiiedonheit  des  palaeon- 
loloui.schfii  Charaklcrs  in  \ rrschu'dnuMi  Nivcaus  dcr  silurischen  Formation  hr- 
nilil  dci-cn  dctailirlr  (ilifdci-uiii;  in  i-inxelnc  Uuterabthcilungen  und  zahlrcirhc 
/ont-ii.  cine  (ilii-ch-runi:,  \\t-lclic  frcilich  nur  locale  Gellung  besitzt.  So  lasscn 
sicli  /.  H.  die  l"nteral»llieiluni:en,  in  \velche  Murchison  die  silurisrlic  Fonnalion 
des  \\estliclien  Kn^lands  /.erleL'te.  in  dein  bohmischen  Silur  nichl  \vieder  er- 
kennen.  In  alien  l.andern  jedocli ,  in  \\elchcn  die  Silurformalion  in  eini^ci  ~ 
inaassen  Nollslandiuer  Knlu  ickelunii  naeli-e\\  ir.sen  isl,  also  besonders  in  Kni;- 
liind.  Hohinen,  Skandinavien  nnd  .Nordainerika  hal  man  /\\ei  llauplabtheilunuen 
\oM  allpMiieiner  (Jilliitkeil  lixiren  konnen  und  dieselbe  als  Unlersilur  nnd 
Ol»r  rsil  ur  be/eichnel.  Der  organise-no  Gcsaniinlcharakler  dieser  beiden  Un- 
lerofelheUuagen  bleibt  im  Allgcmeinen  ilbcrall  gleich. 

Die  \\esenilieli.ste  Kiuenlliiiinlichkeit  des  UntersilllT  besteht  in  seinem 
Ueichihume  an  i:c\\  is>,-n .  an.Nx-liliesslicli  auf  die  betreflende  Schichlengnipjie 
be.seliriinklen  Trilobilen.  Die  \\ieliiiiislen  der  hicrher  gehorigcn  Ge.schlechler 
Mild  I'a  i  .1  d  o  \  ides,  Trin  nolens  und  Agnostus,  sowie  Asaphus,  Olcn  us, 
Dike  Ineepha  I  us,  <1  o  noce  ph  a  I  u  s  u.  a.;  keines  derselben  sleigl  bis  in  das 
Obei'silur  hinauf,  ihre  iMehr/ald  isl  sogar  an  die  unlerslen  Niseans  des  I'lilcr- 
silnr  die  Primordial-Zone)  grbumlcn.  Ferncr  fiillt  die  llauplenlwickelunii  der 
lira  ptol  i  1  hen  noch  in  das  Hereieh  des  Unlersilur,  ebenso  das  Maximum  der 
llanli^k.  ii  der  C>  slide  en,  \viihrend  die  iiehlen  (Irinoideen  erst  sehr 
sparsam  aul'irelen.  Kine  jzrosse  Rolle  sj)ielen  aach  die  Orlhocera  tile  n , 
namenllieli  aber  sind  die  mil  kuueliii  aul'iiebliihlein  Sipho  vcrsehciien  Fonm-n 
.MISS,  liliesslj(  Ii  imiersilnriscli.  Dasselbe  gilt  von  der  Gatlung  Lituites.  Unter 
den  Hrarliiopoden  \\iep-n  Orlliis,  Leplaena  und  S I  rop  ho  m  ena  un\er- 
hallni.ssin.issi-  \,,r.  Auch  Lingula  ist  sehr  hiiulig,  und  O  bolus  isl  auf  das 
rnler.sjlnr  beschriinkl. 

I'.is  Obersillir  isl  vor/ugsueise  dureh  das  \ollstandige  Fehlen  der  eben 
als  speeiliseh  unlersiluriseh  aufge/ahlleu  Trilobilen  -  Geschleehler  bexeichnel. 
An  Slelle  dii-ser  ;:e\\inneii  die  (iaUnngen  Phacops,  Bnuileus,  CalNinene 
nnd  llomalonotus  grossi-re  llauligkeil,  /.um  Tlieil  selbsl  das  Maximum  ihrer 
I'lnlNNiekelung.  Audi  die  im  I  nter.silnr  slellen\\ei.se  so  ausserordentlieh  \er 
breilelen  Csslideen  nelniMMi  >clmell  ab,  woliinizeuen  die  bis  dahin  sellenen 
ii«'hlen  Criuoideen  an  Form-  nnd  lndi\  idnen  -  Heielitlnim  /.unelimeii 
und  erne  urosse  lieileuluni:  erhallen  ;  /iiL-leidi  treten  die  ersten  Hlasloideen 
auf.  Von  liraeliiopoden  ei>fheinl  Spirifer,  aii.sserdem  spielm  .\lh\ris, 
(ihoneles  nnd  Pentamerus  eiii(>  \\ielitige  Holle.  Dem  oliersten  Silur  ge- 
horen  endlieh  die  iillesien  Wirbeltliierresle,  die  erslen  Fisehe  an. 

Kine   Cbersichl   iiber    die    spei-ii-llcrc  Gliederung   der  silurischen   Formation, 


i'.OI)  VI      Hi.-torisrlir  (i 


\\n     sic    sieh    III    don    \cT.scliirdeiien    BirdungSfgUinen    dn     Irl/.lrivn     crgcbcn     hill, 

mid  this    gegen>eiiigr    Aliersxrrliallnis.s   der    ein/.elnen    Untetttbtheilungen    \\ird 
in   der   beigogebeneii    Tabclle   gcbrachl  wcrdcn. 

Die  i^oojrrapliisclM'  YcrlMTitiiiig  der  Silurformatioii.  Das  Si- 
lur  besii/t  in  Kuropa  y.vsei  fo&gaoogedebnU  Verbreilungsgebiete  von  vor- 
seliiodonem  (lliarakler  Hirer  SpecialfaUDeit.  Das  cine  bcgreifl  d;is  norduesl- 
liclic  Kni'u|>;i  von  dor  IVlschoni  l)is  iiiich  (lornuall  ,  das  andcro  I'oliit  dor 
l.iingsjixo  Kuropiis,  von  Moiiolowsk  bis  naoh  J'orluiiiil.  Jones  i.sl  (lurch  die 
ludlisch  -  skandiiiiiNisclic  ,  diosos  (lurch  die  boliinischo  l-'acios  soinor  Fauna 
charaktorisirt  ,  orstcroin  gchdrcn  die  silurischon  Torrilorion  Britannicns. 

Skandinavions   und   Husslands,     lol/loroni   die   Hcihiuens,    dos   llarxcs,    Sachsons, 
Thiirin^ons,    dor  I  'm^e^cnd   von   llof,    Frankroichs,   Spanions  und  Porluizals  an. 

In  Britannien  besitzl  das  Silur  seine  HauplenhNickoliini;  in  Wales,  i>l 
abor  auch  ini  siidlichen  Schottland  und  ini  nbrdliehen  Theilc  dor  irischon 
Insel,  sowie  an  der  Sttdkiistc  von  Cornwall  bokannt.  Die  englischon 
Geologen  gliedern  die  silurische  Schichtenreihc  ihrer  lloiinalh  in  /ahlreicho 
rntei'abllioiluniion,  denen  jedoch  selbst  fiir  England  koine  allucnieiiK1  (iiilliu- 
keil  /ustehl  und  dercn  hauplsachlichsle  sich  in  der  beiliegenden  Tabelle 
\\iodergegeben  linden. 

In  Norwcgen  lassen  sich  vorziiglich  z\vei  grosse  Regioncn  der  Silur- 
formation  unterscheiden,  nchmlich  die  von  Christiania  und  die  VOID  Mjb- 
sensee.  Narnentlich  ini  Christiania-Bassin  ist  die  silurische  SchichlonroilK*  so 
vollstandig  entNvickelt,  dass  die  meisten  in  England  nachge\\iesonen  I'nler- 
ablhoilungen  ihre  Aequivalcnte  fmden.  Eine  noch  grb'ssere  I'bereinstinnnung 
liorrscht  jedoch  zwischen  der  norv\  egischen  und  schwedisohen  Silurfauna.  Die 
Voibreitung  des  Silur  ist  in  Schweden  auf  die  siidlichste  Partie  dieses  Lan- 
dcs  beschrankt.  In  West-  und  Osl-Gotland,  in  Smaland  und  Schonen  li-elen 
die  f.lieder  der  untersilurischen  ,  auf  der  Insel  Goltland  hingegen  die  der 
obersilurischen  Schichlenreihe  in  ihrer  urspriinglichen  ,  also  hori/ontalen  odcr 
fast  hori/.onlalen  Lagerung  auf.  Den  dortigon  laurentischen  Gneiss  iibcrhigcrl 
(siehe  Fig.  103)  ein  gelblicher  harter  Sandslein  a)  mil  viel  Fucoidon,  auf  ihn 


tb 


Fig.  ln:(.    S  i  1  ur  (a,  6,  t,  d)  auf  lanrentischem  Gneisse  a',  ttberlagert  von  einer  Trappdecke  e,  an  dpni   KiiiiickiiHe 

am  Wener  See. 

folgen  cl\\a  20  M.  maohtigo  Alaunsehiefer  b)  mil  vielen  primordialen  Trilobilon. 
Kalksicino  c  mil  zahlreichen  Orlhoceralilen,  EchinosphiirittMi  und  Trilobiton 
.Illaenus  und  Asaphus  und  ondlich  Thonschiefcr  d^  nut  ftnssenordentliob  \iol 
Graplolilhon,  —  Alles  unlersiluriseho  (iobildo.  In  Gollland  hingogon  (rill  nur 
Oborsilur  auf,  besleht  dort  aus  Schioforn  und  Kalkstoinen  und  fiihrl  in  auf- 
fjillondcr  ( "boreinstiminung  mil  don  englischen  Wenlock-SehichUsn  /.  B.  Ilal\- 
-iirs  calonularia,  Calamo})ora  (ioltlandica.  Penlamorus  galoaius,  Orlhocoras  an- 
nulalum  u  s.  \s . 


VI.   llistorisdic 


no  i 


In  koineni  Theile  von  Europa  besilzt  die  silurische  Formation  cine  solche 
Ausdehnung  \\ie  in  Uussland.  Dorl  \crbivilct  sic  sidi  von  Petersburg  aus 
cincrscits  nach  \Vcstcn  liings  dcr  Siidscilc  dcs  Finnischen  Meerbusens  diirch 
gan/.  Esthland  und  .\ordli\land  bis  auf  die  Inscln  Dagoc  nnd  Osel,  anderer- 
scils  narli  Ostcn  an  dcr  Siid-  und  Siidoslscitc  dcs  Ladoga-See's.  Hire  Sdiich- 
len  lagern  fast  vollkoniincn  horizontal  und  hcstehcn  aullalliger  Weise  /inn 
Tlicil  aus  Tinmen,  loscn  Sandcn ,  biluminosen  Schiefcrn  und  thonigcn  Kalk- 
steinen,  so  dass  ihre  petrographische  Beschall'enheil  eher  nn  die  jtlngsten,  als 
an  cine  dcr  iiltostcn  Scdimentfonnalionen  erinnert.  Widirend  in  der  Um- 
gegewl  von  Petersburg  nui1  das  Untersilur  xur  Ausbildunii  liolani^l  isl,  la'sst 
das  silurische  Territorium  von  Ksthland,  Livland,  Dagoe  und  Osel  eine  i:,m/ 
\ollsl.:iiidii;c  Knt\\iekelunjjj  der  Silurformation  erkennen.  Aueh  an  den  vbeider- 
scitiiien  Ablallcn  dcs  Ural  erscheinen  silurische  Schichten  in  langgestivrktcn 
/(incn,  sind  jedoch  steil  aul'izcrichtct  und  bcdculcnd  dislocirt. 

Viel  bcschriinktcr  ist  die  Vcrbrcilung  des  Silur  im  miltlercn  Europa. 
Am  vollstiindigslen  cnlwickelt  und  am  speciellsten  untersucht  ist  dassclbe  in 
Huh  in  en.  Hier  bildet  dasselbe  eine  elwa  12  Meilen  lange  und  2  bis  M  M. 
Incite  clliptische  Mulde,  deren  FlUgel  einer  gerneinsamen  llauptaxe  /ufallen, 
welche  von  Prag  Uber  Berauu  in  der  Richtung  auf  Pilsen  liiufl.  Dieses  silu- 
rische Hassin  lagert  auf  einem  machligen  Schichtensysteme  von  fossilfreien 
ihuronischen)  sog.  Przibramer  Schiefern  und  diese  auf  Graniten  und  Gneissen 
auf,  \vie  aus  beifolgendem  Prolile  hervorgeht. 


Skrry 


Prziliram 


Ginetz 
Fig.  104.  Profil  dnrch  die  boliraische  Silurmulde 

Or.  Granit  und  Gneiss. 

A,  B  EUgen  der  azoischen  Schiefer ;  K,  A',  f>,  H  Ktagen  des  Obersilur ; 

Ct  D,  V  Etagen  des  Untersilur ;  A'  Kreide,  —  S  Steiukohlenformation. 

Harronde   gliederte    die    in    obigem    Profile    vviedergegebene   Schichlenrciln 
in   :{   llauptiiruppen: 

I     .i/oische  Schiefer   (obersles  Huron). 

I-. i  age  A  und  B. 
;>     I'ntersilur. 

I'.tiige  C.    Primordialzone    mil  Paradoxidcs    bohciuit  us,   Conocephalites, 

l-lHipsoccplialus. 

Etage  D.      Conglomerate  und  Sandsleine,    Etage  I)1   Schicfer  mil.  Asa- 
plms,  Ogygia,  Trinucleus,   Illaenus.     Sparsame  Orlhoccraliten.   sehr 
zahlreiche  (Ivslideen,   cbcnso  Orlhis  u.   S.    \\ . 
:\)  Obersilur. 

Elage   1C.      Kalkslein    mil    sehr   /ahlrcichcn  Trilobilen    (Calyinene.    lll;ic 
mis,    Acidaspis.    I'rocliis  ,    Maximum   dcr   Knl\\  ickclmig    dcr  Cepha- 
lopoden,    sehr    viel   CrapNm'lhcn     Ciilamopora   (iotllandica,    Ilalysilcs 
oatenularia. 


302  VI.   lli>t..risrlic 

Ktage    F.     Kalkslein,    slarkc    Abnahmc    dec    (lephalnpoden  ,    Maximum 

dcr  F.nlNNickelnng  tier   Braehiopoden. 
Ktage    (i.    Kalkslein:     Flage    II.    Schiofor    mil    schr   iirmliehcr    Fauna, 

nchinlicli  wenigen  Arlen  von  Proelns.  Phacops,  Orthoeeras. 
Mine  schr  beachteriswerthe  Krsehcinnng  inncrhalh  dcr  Slim-formation  Boh- 
mcns  besieht  darin,  dass  zwischen  dcr  normalen  silurischcn  Schiehlenreihc 
cin/clnc  Complexe  eingeschallel  sind .  \vclchc  Vcrtrctcr  cincr  fremdarligcn 
Fauna,  nehmlich  Vorliinfcr  cincr  in  ihrcr  (iesammtheit  erst  s])iilcr  crschcincn- 
dcn  Tliicr\vcll  cnthallen.  Diese  Erscheinunjzen  hal  Barrandc  (iolonicn  i:c- 
nannt  und  auf  die  Weise  erkla'rt,  dass  er  /rilwrilig  sich  \vicdcrholcndc  Kin- 
wandcrunszcn  aus  hcnachbartcn  silurischen  Meeresbcckcn  annalmi.  dcrcn  ori:a- 
nischc  EntNvickclunfi:  rascher  als  im  hb'hmischen  Silurmccrc  vor  sich  gcizan- 
iion  \\.\r. 

In  Deutschland  scheinen  nur  einzelne  Glieder,  keine  vollstiindL'civn 
Schichtenreihen  des  Silur  zur  Ent\vickclung  gelangt  zu  sein.  In  dcm  stidlidi  \on 
Saalfeld  gelegcncn  Thcilc  des  Thilringer  Waldes  ist  ein  recht  inlerressantes  Silur- 
lerrilorium  bekannt  gcworden ,  welches  in  einer  Gruppe  von  Graptolitlicn- 
fiihrcnden  Kiesel-  und  Alaunschiefern  einen  unzweifelhaft  obersilurischcn  Ho- 
rizont  bcsilzt.  Die  dorlige  Schichtenreihe  des  Silur  gliedert  sich  \\\e  folgl  : 

II.  Obersilur,  ilberlagert  von  Unterdevon. 

7   und   fi,   Tentaculilenschiefer  und  Nereitenschichten  mil  Chondrites,   Palaco- 
phycus,    Leptaena,    Orthis,    Strophomena ,    Rhynchonella ,    Spirifcr. 
Tentaculites,  Nereites,  Beyrichia,  Phacops,  Harpes  u.  a. 
.'),   Graptolithenschiefer,    13  M. 
'i.   Kalkstein    (Ockerkalk)   mil  Cardiola  intcrrupla.   Orthoccras,   Nautilus. 

Spirifer. 

3,  Kieselschiefer  und  Alaunschiefer. 
1.   Untersilur.   500  bis  600  M. 

;?  und  I  ,  Leimbachcr  Scliiefer  und  Griffelschiefer  von  Stcina  mil  Og\i:i.-i 
und  Asaphus;  unlerlagert  von  den  obcrhuronischcn ,  phykodcn- 
fiihrenden  Quarzitcn  und  Schiefern. 

Auch  ein  bedeutender  Theil  des  Harzcs  nnd  /wnr  vorziii:s\\cisc  das 
l-'liissgfbicl  dcr  Bode  nnd  Sclkc  \vird  von  dcr  silurischcn  Formal  ion  gcbildcl. 
In  dicscr  haben  Beyrich  und  Lossen  folgende  von  obcn  nach  unicn  aulgc/iihllc 
l;.la!_'fii  imlcrschicden  : 

4)   die  Zorgcr  Schicfcr. 
:{     die  Ilaiiptkiesclsehicfer, 
3)    die   Wiedcr  Schicl'er. 
1)   die  Tanner  (Iranxvackc. 

Nur  die  Stufc  del1  \Viedcr  Scliiefer  umsehliessl  cine,  wcnn  auch  nichl 
rcichc ,  doch  mannigfaltii:  zusammengcsclzlc  Fauna,  naeh  \\eldier  die  gc- 
sammle  Sehichlenfolgc  den  ICtagcn  F,  (1  \md  II  in  dcr  Barrandc'schcn  Kin- 
Iheilung  des  biilnniveheii  Silnrgebirgcs  glrieli/.iislellcn  isl  .  ;i|sn  einer  Xeit  cnt- 
slamml  .  die  jiingcr  isl  ;ils  die  englisi-lien  (>Iiersiliiri<rlieii  \Vcnlnek-  nnd  Lndlou- 
Bildiing«-n,  derm  Aei|iii\  ulente  in  der  Slule  ]•]  der  li..lnnischcn  Kinthcilnng  /.u 


VI.    llisturisrlic  CJcoluiric.  303 

suchen  sind.  Die  Klaize  der  Wieder  Schiefer  lu-stoht  aus  Thonsdriefern,  in 
\\eldien  uiiterp'nrdnet  KinlaiztTimtren  von  Kalkstein,  Kieselschiet'er,  Grauwackc 
und  quarzitischen  (iesleinen  auftrelen.  Die  Kalkstein-Eiolagerudgen  sind  Iheils 
linsenformiiie.  nacli  dem  Streichen  und  Fallen  sieh  rasch  auskcilende  Massen. 
Ilieils  limber  forlslreidiende  sclimale  Lager,  —  bald  sind  es  grosse  abbau- 
wiirdige  Massen,  liald  kleine,  nur  \\enige  Fuss  mcssende  Linsen.  Sic  fUhren 
/..  H.  am  Sehnei-kenberge  und  Sdieerenslieg  bei  Harzgerode,  bei  Ilsenburt;, 
\Vieda.  /urge  und  an  amleren  Orten  Verstoinerungen,  so  Trilobiten  (Dalmani- 

•  iasteropoden  Capulus  .  Hrachiopodon  (Spirifer),  Cephalopoden  (Goniatites  . 
Ausserdem  linden  sidi  in  den  Schiefern  dieses  Niveaus  bei  Laulerberg,  Har/.- 
uemde  und  Zorgo  (Iraplolilhen.  Was  die  Verbreitung  und  Geoleklonik  des 
llar/ei  Obersilur  Iteli'illl,  so  durchliiuft  die  Tanner  Gramvaeke  den  Bar/,  in 
ununterhroehener  l^rstreckung  von  Laulerberg  in  der  Richtung  iiber  Braunlage, 
Benneekenstein,  Hnssclfelde,  Allrode  bis  zum  Selkethal  nordlich  von  Ilarx- 
m-rode.  Nordlich  und  .siidlich  dieses  Zuges  treten  die  jUngeren  Schichten  im 
grossen  (Ian/en  in  syniinetriseher  Anordnung  auf,  und  zwar  in  Gestalt  dreier 
LziiisscKM-  Mulden.  Z\vei  derselben,  erslens  die  nach  SUdwest  geb'ffnete  grosse 
Mnlde  Neusiadt,  Stiege,  Benneckenstein,  Lautcrberg),  und  zweitens  die  nach 
Oslnordosl  gebffnetc  kleinere  Mulde  an  der  unteren  Selke  liegen  im  Siiden 
der  Grau\\aekena\e.  Nodlicb  von  dieser  dehnt  sieh  eine  drille  Mulde  aus, 
deren  Innersles  von  den  devonischen  Gesleinen  \on  Elbingerode  und  Riihe- 
land  gebildet  \Nird. 

I'eiiKi-  sind  am  Nordl'usse  der  Sudeten,  sowie  im  sachsischen  Voigt- 
lande  und  in  den  reussischen  FUrstenthUmern  graptolithenfuhrende  und 
deshalb  silurische  Schiefer  nacbgewiescn  und  bei  Hof  trelen  silurische  Schieb- 
lenetimjilexe  mil  untersilurischer  Fauna  auf.  In  den  Salzburger  Alpen  zicht 
sidi  eine  sclimale  Zone  siluriscber  Thonschiefer  rnit  Cardiola  inlerrupta  und 
Orllioeeratitdi  die  cenlrale-  Gneiss-  und  krystallinische  Scbieferzone  enllant^ 
\om  Inn-  bis  zum  Sal/atbale.  Auch  in  dor  ostlicben  Forlselzung  dieses  Slri- 
elies  helinden  >ich  noob  einige  silurische  Areale. 

In  1  rankreich  bat  die  Silurformation    auch    keine   schr   grosse  Verltivi 
I unt;:     hauplsiirhlieh    trill   sie   in    der  Hrelaizne   auf   und    boslehl   dort  vorberr- 
s.-liriid  aiis  Sandslein  mil  untersiluriscbeii  Trilohilcn.   sowie  aus  unlei silurisehen 
'rimiischiffrni.     Auch    in    Spanit-n    und    Portugal    sind    Glieder    dos    Silur    anl'- 
gefondm. 

Die  i-r(is.sarlii:>lr  VcrbiTiluiii'  hat  das  Silur  in  No  rd  a  m  (>  r  i  k  a.  Ks  isl 
Iteivil.s  IViiher  hervoit:elioben  worden ,  dass  das  geologiscbe  Gerippr  dieses 
C.iiiliiirntrs  Mm  /.\vci  lamvn<is<  h-huronisehen  Gesleins/.onon,  der  appalaeliisehen 
und  der  canadiselirn  trcbild«'l  \\ird,  \\elchr  sieh  an  der  Mdnduug  des  I.nrenx- 
slKimes  mit  einander  vereinen.  Der  Winkel  /\\isehen  diesen  beiden  iill<-.s|in 
(ie.slems/onen  \\urde  von  einem  silurisehen  Meerlmven  einiieiK.mmen  ,  (lessen 
Sedimenle  heiile  in  h.nn  paralleler  Riinder  an  dem  \\eslliehen  Kusse  der  Aile- 
Lihanies  und  dem  sildlidien  Hand*-  der  canadisdien  Gneiss/onr  /.\\  Ta»e  aiis- 
udien.  urn  sidi  dann  diirdi  Wisconsin  nnd  Minnesota  nadi  dem  noch  un- 
nnleisurhlen  Noi'd-WeshMi  /u  \\enden.  /uin  L-nisslen  Theile  aber  von  jiiiiL-eren 


VI.    Ilistorisclif  <u'ol<>!_rir. 


Formalioneii  bedeekt  siml.  Ausscrdem  trelen  silurisehe  Territorion  von  an 
ordenlliehen  Dimensionen  isolirt  in  dem  Plachlande  zwischen  Alleghanies  und 
dem  Mississippi.  I'erner  cine  An/.nhl  silurischer  Areale  in  Canada,  den  enii- 
liehen  IYo\  in/en,  den  arklisehen  Rcgionen  und  iin  Gebiele  der  Koek\  Moun- 
tains ;iiil'.  Als  lypisch  gilt  filr  alle  diese  Ablagerungen  die  (iliederunp  do 
Siliirs  von  New-York. 

Kur/  bemerkl  soil  nur  noch  \verden,   dass  -silurische  Sehiehtm  und  Faunen 
auch  in  Sildainorika,   Al'rika,   Asien  und  Neuholland   nachgewiesen  worden  sind. 
Die  Glirdrrmiii  dor  silurisclien  Formation  in  ihren  vcrscliicdciu-n  Hilduniis- 
riiuinon  ist  in  beifokonder  Tabollo  ilborsiclillich  xusammengeslellt. 

Viilkanische  Erscheinuiigen  und  Oangbildungen  im  (jebiete  silu- 
rischer  Territorien.  Mil  der  im  Vorhereehenden  beacfariebenen  silurisclicn 
Schirhleim'ihe  stehen  Eruptivgesteine  in  engster  BezichunLZ.  Ivs  sind 
dies  sowohl  weit  ausgedelinte  Einlagerungen,  vvelche  an  dem  gan/on  Schicli- 
tenbau  der  Silurformation  Iheilnehmon,  \vie  Slocke  und  Ga'n^c,  \velclic  dir 
It'l/U'iv  durchsetzen.  Diese,  namentlich  Granite  und  Syenite,  sind  nalurge- 
iniiss  jiingeren  Ursprunges,  als  ihre  sedimentiiren  Nebengesteine ,  —  .i<'n«'> 
vor/ugsweise  Diabase,  gleichalterig  mil  der  Schichtenreihe ,  in  \vHcluT  sic  ein- 
gesclialtet  auftreten. 

Die  Diabase  sind  die  vulkanischen  Gesteine  der  altesten  geologischen  Zeil- 
alter  und  demnach  auch  der  Silurperiode.  Nach  ihrem  Empordringen  aus  der 
Tiefe  haben  sie  sich  deckenartig  tiber  betrachtliche  Slrecken  des  damaligen  Mee- 
resbodens  ausgebreitet  und  sind  spater  von  jiingeren  silurischen  Sediinenten 
bi'dcckt  wordcn ,  so  dass  sie  einerseits  den  Unebenheiten  ihres  Untergrundes 
Uberall  folglen,  wiihrend  sich  andererseits  die  jiingeren  silurischen  Schichten 
den  Umrissen  ihrer  Oberflache  anschmiegten.  Als  integrirende  Theile  des  si- 
lurischen Systems  mussten  die  Diabaseinlagerungen  an  den  in  spateren  Zeit- 
riiumen  vor  sich  gehenden  Aufrichtuugen  der  urspriingtich  horizontalen  Scdi- 
menle ,  sowie  an  Storungen  des  Schichtenbaues  iiberhaupt  theilnehmen.  Mil 
dem  Empordringen  der  gluthfliissigen  Diabasmassen  gingen,  anscheinond  ganz 
in  derselbcn  Weise,  wie  in  den  jiingsten  geologischen  Perioden,  in  Verbindung 

mil  den  Basalt-  und  Trachytausbriichen 
Eruptionen  von  vulkanischen  Aschen. 
Sanden  und  Lapillis  Hand  in  Hand. 
Dieses  losen  vulkanischen  Materiales  bc- 
miichligten  sich  die  silurischen  Wogen, 
ebneten  es  zu  ausgedehnten  Schichten 
und  vermenglen  es  zum  Theil  mil  ihren 

a  liiabas-Lager,  .        \    *     n 

I,    Silurische   Th.>n.schiefer,  im   Contact  mil  dem   Dia-     ClgCnen    Sedimenteil,     SONVIC    den    Kesten 
base  metamorhposirt  lei.  .     ,.  ...    . 

ihrer  Bewohner.     Auf  diese  Weise  eni- 
standen  die  nicht  sellen  versteinerungsfiihrenden  DiabaslutVe,   GrUnsteinschiefer, 

St-h;ialsteine  und  Diabasbivccien .  die  auf  der  einen  Seite  in  sedimenliire 
Grauwackenschiefer.  auf  der  anderen  in  achle,  kornige  Diabase  iibergelien. 
eine  Krselieinung.  diireh  \\elehe  die  (lleieli/eiliukeit  zahlreicher  Diabaseniptio- 
nen  und  ge\Nisser  silurischer  AlilagtM'unLM'ii  ausser  /\\eil'el  L-esetxl  \\ird.  Dei- 


Fig.  lO.i.  Profil  sudwestlich  v  o  11  Allrode 
im  Harze.    Siebe  .Seito  :t(Hi. 


VI. 


305 


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Xalilivid  -I,),.  Ciinoid 
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sins,  llomaioiiotus,  Trin 
Ecliiiuispliai-riti's.  /.  It.  am 
zahlreiche  Orlliis.  ()rtl 
/.  H.  duplex.  \a^iiialini 
Graplolillicn. 

I'aradoxidcs,  Coiiorrplialu 
Stus,  Oleniis.  <iraptolithc 
fiiila,  z.  B.anliqua  11.  prim 
Ins  Apollinis.  Arthropl 

arrandc- 

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<'r»- ilner.  Kli>m(>iitp  il.  IJ....I.MM.-. 


306 


VI.    Historisrhc 


artigo  Diabasgosleino  spielcn  in  \ielcn  Silurlcrrilorion,  so  in  denen  dcs  Marxes. 
Hiilimcns  und  Englands  cine  niehl  unxvichtige  Hollo.  Die  llarxcr  silurisdien 
Diabase  sind  in  Ligorn  von  xerschiedonor  Miiclitigkcit  den  Sc<liincntiirgcstcincii. 
namentlicli  Tlionsdiiefern  x\\  ischongciagorl.  maohcn  idle  \Vindungcn  und  Knickun- 
gen  derselben  mil,  und  xcigen,  abgeselien  von  localen  Ansehxxollungen  und  cinom 
oflmals  rasdien  Wechsol  dor  Miichtigkcil.  cine  don  sodimcnliiron  Scliiclilcn 
durcliaus  conforme  Lagerung. 

Diese  Diabase  liallen  innerlialb  der  silurisclion  Schichtenfolge  dcs  Harxes 
x.xxci  giinx  beslimmte  Niveaus  inne,  in  deron  oberem  sie  sich  durch  ihre  apha- 
nilisehe,  in  deren  unterom  aber"  durch  ihre  kornige  GosleinsbesehafTonheit, 
sowic  durch  ihre  hiilleflint-  und  felsiliihnlichon,  sohr  barton  und  dichton  Con- 
taetgebilde  auszeichoen.  Letzteres  ist  narnentlich  bei  Hasselfeld  an  dcr  Hap- 
bode,  bei  Altenbrak  und  xxvischen  Allrode  und  Troseburg  der  Fall. 

In  der  silurischen  Formation  Bohmons  treten  Diabase  \<>rxugsxvoiso  in 
Woehsellagerung  mil  Graptolithen-Schiofern  auf  der  Grenxe  xxvischen  Ober- 
und  Unlorsilur  auf,  so  dass  ihr  Ausgehondes  um  das  ganxe  Bassin  der  oboren,  xxc- 
sentlich  aus  Kalk  beslchcnden  Fonnationsnbtheilung  einen  formlichen  Gtlrlel  bildel. 
In  aussergexxohnlieh  grosser  Miiufigkeit  treten  lager-  und  deckenarlige. 
soxvie  gangformige  Diabase  in  dein  Silurbecken  von  Christian  i  a  auf:  ebenso 
breilen  sich  in  Wostgotland  horixontale  Diabasdockon  liber  doin  Untersilur 
aus  (siohe  Fi».  103  e}. 

Die  bedeulendsto  Ent- 
xvicklung  haben  die  Dia- 
base,, und  xxvar  nanienl- 
lich  die  versleinerungsfilh- 
renden  Diabastufl'e,  in  der 
englischen  Silurforma- 


Fig.  106.    Profil  durch  die  Golli-Hills  (Wales). 

a  Untersilnri.sche  Scliiefer;  —  b  Lager  vcn  Diabas  und  Diabastnft'; 

c  Gauge  und  Stiicke  von  Diabas. 


lion  erlangt.  Die  lel/.lcfcn 
und  oin  Theil  der  echten  Diabase  xvechsellagern  dort  in  griissler  Hegclmiissig- 
kcil  und  in  einer  Gesiimmtmiichligkeit  von  Uber  2000  M.  mil  den  untersilu- 
rischen  Schiefern  und  Sandsleinen ,  xviihrend  die  Eruption  andcrcr  gang-  und 
sloekl'iirniiger  Diabase  einer  elxxas  spiileren  Zeit  angehb'rl. 

In  ganx  iihnlicher  Woise',  xvie  Diabase,  treten  auch  Fe  Isi  tporph  x  re. 
•/..  H.  in  dein'  unlerslcn  Silur  von  Bolunon  bei  Skrey,  von  Norxxcgen  bei  Chri- 
sliiinia.  soxxie  von  Nord- Wales  in  Wechscllagerung  mil  Tlionschiefern  auf 

Holies  Intoresse  bcsilxen  die  Eruptixgcslcinc,  xxelche  xxxischcn  den  xvahr- 
M-hcinlich  unlcrsilurischen  Siindsteinen  am  Siidufer  dcs  Lake  Superior  in 

Nordamerika  einuela- 


V\t!.  1(17.  I'  rnf  i  1  (lurch  K  ewe  on  aw  Point  im  Lake  Superior. 
:i  I. ;ik.' Superior;  —  Untersiliirische  Samlstcinn  und  Coiiglomorato.  ;  — 
r  Mel:ipli\  rlajjcr  wpclisrllagernd  mil  ManJelsteincn  und  C'ongloin^inton. 


in  Geslidl  einer  Scliich- 
tcnreihe  von  almcclt- 
selnden  Diorilen,  Mcla- 
phyren  und  Mclaphyr- 


niiindclslciiicn  mil   untergeordneten  Conglomeratbiinken  /wischcn  \ersleinerungs- 
leeren    Sandslciiirn    und    Cdnglofneraten    auf.    so    dass    ihrc    Eruption    und    die 


VI.    llislorischo 


307 


Hildung    (Ics 


henachharicn  Nebengesleines 


augenscheinlich 


11  eh  lit 


Fig.   10S.     Prnfil  (lurch  don  llrli- 

bcrg  b  o  i  Andteasberg. 

;i  (invuit;  —  b  Grauwackon   und  Thoii- 

schiofer,  im  Oontacte  mit  dcm  tlranit  iu 

Hornt'cls  verwandelt. 


in  dieselbe  Periode 

i'iillt.  Als  \ollsliindige  oder  lheil\\eise  Auslullung  der  .Mandeln  in  ge\\issen 
dieser  Helaphyrmandelsleintagec  stdlt  sich  neben  Kalkspath,  Quar/,  und  Zeo- 
lilhen  gediegenes  Kupfer  und  Silber  ein. 

An  st'lir  y.ahlreichen  Loealitiilen  ist  die  siiurischo  Formation  (lurch  Gauge 
und  StoVke  vonGranit  undSycnit  duirlisct/t  \vorden.  \vcnn  ancli  die 
tiom-n  dit'st'r  l»cidcn  (icstt'insarltMi  nur  in  scllcncn 
I-'iillcn  in  dit1  Silurpfriodt-  sclhsl.  sondtM'ii  ineist  in 
spiitt'iv  XcitriiniiH'  i'allt'n  inoiicn.  Als  H(MSj)icl  finer 
t'ruj>(iv(>n  (Jranilmassi1  in  silurischt'in  (ichiclc  inai: 
tier  (iranitsldck  tics  Kcliherijcs  im  Harzc  angcfdhrl 
\\cnlrn  siclic  1'ii;.  I  OS  .  An  dieser  Stellc  hat 
dt-r  (iranit  silurisclic  Thonschicfer  untl  Grauwackcn 
dinrhscl/l.  Unichstiickc  dcrsdhcn  losgerissen  und 
mil  seiner  Masse  uinhilllt ,  cine  i»e\\altiiie  Scholle 
ties  Nelx-n^esteincs  auf  scinem  RUcken  in  die  Ilohc 
uchoben,  so  dass  diese  jelzt  den  Gipfel  des  Reliberiies  bildet,  und  endlidi  /ahl- 
rcidie  Apophysen  in  das  Nebciiiiesldn,  und  /war  namenllidi  in  die  aufla- 
iicrndc  Sdiolle  gcprcsst ,  sowic  nicht  nur  diese  letzlere,  sondcrn  audi  die  l>c- 
nadiliarlcn  durdibroclienen  Thonschiefer  und  Grauwacken  in  Ilornfels  unige- 
\\andelt.  —  Auf  der  Insel  Arran  an  der  Kllste  Sdiottlands  selzt  ein  gcwal- 
liger  (iranitsloek  zwischen  untersilurischen  Schiefern  auf,  weldie  ihn  inantel- 
formiii  uniizeben.  und  in  die  er  zahllose  Giinge ,  nnmentlich  aber  kleine, 
/ierlidie  Apophysen  von  Millimeter-  bis  fast  Meterdicke  aussendet,  so  dass 
die  Sdiiefer  \on  GraniUidern  gam  durdisdiwiirmt  werden. 

I'lilcr  ganx,  iilnilichen  Verhaltnissen  durchscl/en  iniiehtige  Granitstiicke  den 
(ineiss  iintl  die  auf  ihm  auflagcrnden  silurisehen  Schiehlen  be4  Chrisliania  und 
an  maiH'hen  andercn  I'unklen ,  ferner  Felsi  tporph  y  re  in  sieli  nel/torniii; 
krcu/entleii  (iiiiii-en  die  silurisehen  Thonsdiieler  der  scholtisdien  Grafsehafl 
Argyie. 

Ausser  (lurch  Eruption  glulliflUssijier  Gesleinsmassen  olVenbarte  sich  die 
ThiitiLikeit  des  Vulkanisnius  \viihrend  der  Silurperiode  tlurch  Nrveau verii nderun- 
^en  ein/clncr  Theile  der  damaligen  Krdkrusle.  Waren  diesellten  saccularcr 
Xalur.  so  aiisscrlen  sic  sich,  abgcsehen  von  sdiwicrigcr  nacluvcisbaren  Sciikun- 
gcn,  (lurch  llebungen  ein/dner  Farlicn  des  silurisehen  Mecrcsbodcns  iiber  den 
Spiegel  des  Oeeanes,  so  dass  dit!  Ablagerung  tier  silurisehen  Sedimcntc  an 
soldien  Stellen  unterbrochen  svurde,  die  silurische  S<  hiditenreihe  ihre  vollstiin- 
digc  Ausbildung  also  nicht  erlangle.  Die  I.agerungsform  des  Silur  \vurde 
durdi  solche  langsame  und  gleichmiissige  Hel)ungen  nicht  beeinflusst .  blicb 
\iclmehr  die  urspriinglich  horix.onlale.  Solche  einfadie  .\i\eaiiveraii(leriiniren. 
mit  \\elchcn  ein  Waehsen  der  damaligen  Continenle  Hand  in  Hand  ging. 
haben  /..  li.  die  untersiluris.  hen  Areale  l)ei  Petersburg  und  in  Weslgotland 
crfahrcn.  \vclehe  vor  Reginn  tier  oliei'silurischen  I'eriode  bereils  als  Fcstland  tla- 
standen.  Xuin  Theil  jedoch  \varen  diese  llebnngeii  ein/elncr  I'arlien  der  lu'd- 
krusle  mil  Schichtensliininizeii  \erkniipft,  \on  dencn  naiiieiitlidi  an  soldien 

20* 


308  VI.    Ilislorisrhe 

Pimkten  naehgevNiesen  \\erden  kaim  .  dass  sie  in  die  siiurisclio  Poriodo  lielon. 
\\u  untersilurisrhe  (lomplexe  ungtefctifOttnig  NOII  obersilurisehen  oder  do\oni- 
sehen  Gesleinen  iiberlagerl  \Nerden.  \\ie  dies  ;in  manehen  Punklen  Nord- 
amerikas  und  Kilt-lands  der  Fall  isl.  Die  grossarligen  Verwerfungen.  Knickun- 
gen  und  Bieiiimgon.  welche  gewisse  silurische  Sehiehienreihon  erlitten  liaben. 
miigen  ebenfalls  xuni  Theil  noch  in  die  Silurperiode  fallen,  moist  alter  gehiirl 
ihr  Ursprung  jilngoron,  niclit  Iteslininiharen  Xeitriiumen  an. 

Als  eine  Aeusserung  des  Vulkanismus  und  z\var  zum  grossten  Theilo  als 
oinc  Folge  inslanlaner  Hebungeo  oder Seitikungen  isl  die  Bildung  von  Sjialten 
zu  betrachten,  \\clc-he  das  Gestein  in  grbsserer  oder  iierin^ei-er  Brstrecknng 
his  /u  mchr  oder  weniizer  bedeutender  Ticfe  durchsetzen.  Daduivh  dass  die- 
sell)en  sp liter  dureh  Al)satzo  aus  Mineralquellen  zum  Theil  mil  l-jv.en  ausge- 
ftllll  \vurden,  gabeu  sie  Veranlassung  zur  Enlstehung  der  Krziiiiniie.  deren 
\Vii-htiiikeil  als  Lagerstalten  zahlreicher  technisch  nulzbarer  Mineralsubslan/en 
einleuehtet.  Kinige  instructive  Beispiele  solcher  gangfdrmigen  Kr/vorkonmien 
innerhalb  silurischer  Terrains  mb'izen  hier  ihren  Plalz  finden.  Der  altberilhmte 
Silbeilieruxverksbe/.irk  St.  Andreasl)erg  im  Hai-ze  liegl  am  slidliehen  Ab- 
lianue  des  Rehberges  und  Sonnenberges,  eines  Gra  nil  dickens ,  an  (lessen  stld- 
\vestliche  Riinder  sich  eine  schmale  Zone  siluriscber  Thonschiefer  und  (iran- 
\\aekenanlegt  (siehe  Profil  108),  welche  nach  Silden  zu  ihre  Begrenzuni:  dui<h 
eine  machtige  Diabaseinlagerung  erhalt.  In  dieser  silurischen  Zone  setzen  die 
Andreasberger  Gange  auf.  Es  sind  dies  einerseits  Eisenstein-  und  Ku])ler- 
kiespinge,  andererseits  Silbererzgange ,  welches  durch  ein  drittes  Gangsyslem. 
die  faulen  Ruscheln  scharf  getrennt  werden.  Lelztere  sind  iniichlige  taube. 
mil  Thonschieferbruchstilcken  ausgefilllle,  mil  einem  Lettenbesleg  versehene 
Gange,  welche  in  ihrer  Liingenerstreckung  ein  langes,  schmales  Ellipsoid  l>il- 
den,  sich  in  der  Tiefe  vereinigen ,  und  somit  eine  keilformige  Thonschiefer- 
partie  mantelartig  urnfassen,  deren  Schichten  von  0.  nach  W.  slreichen  und 
mil  70  bis  80°  gegen  S.  eiufallen.  Die  Silbererzga'nge  setzen  nur  innerhalb 
des  Ruschelellipsoides  auf  und  haben  deshalb  eine  geringe  Ausdehnung,  sind 
wenig  mjichtig,  jedoch  bis  zu  einer  bedeulenden  Tiefe  aufgesch lessen.  Hire 
Haupluangmasse  isl  Kalkspafh.  Die  wichtigslen  in  diesem  einuelagerten  Kr/e 
sind:  Bleiglanz ,  Zinkblende ,  Rothgiiltig,  Anlimonsilber,  Arsensilber  und  ge- 
dieLien  Arsen ;  sie  werden  von  Apoplnllit,  Harmotom,  Desmin ,  Stilbit  und 
Flussspath  begleitet.  Die  Silberer/gange  gehoren  zvvei  Streiehunirsrichtuii^eii. 
einer  nordlicheren  und  einer  \\cstlieheren  an.  fallen  geuen  N.  und  izeiien 
NO.  und  kreuzen  und  venverfen  sich  deshalb  ofters,  doch  Itleibt  sich  die 
Haiiptgangsausfiillung  in  alien  Giingen  gleich.  Di(>  Ruscheln  schneiden 
entweder  die  Giinge  gerade/u  ab,  oder  schleppen  dieselben  eine  Strecke  weil. 
In  keinem  Falle  aber  set/en  die  Silberer/giSnge  Uber  eine  der  beiden  (H-«-IIZ- 
ruscheln  hinaus.  Die  Eisenstei ngiinge  treten  ausserhalb  des  durch 
die  Ruscheln  umschlnssenen  Kllipsoides  auf,  sind  mil  derbem  Hotheisenstein 
und  (ilaskopf  ausuefiillt  und  bilden  im  Verein  mil  einigen  Kupferkies-  und 
KoballgUngen  eine  Xone  /iemlich  parallel  der  Gren/e  des  Granites. 

Die    Uuerksi  I  berl  a  gn-slii  Men     \on    A  I  in  a  d  e  n     in    l^slremadura     sind 


VI. 


(Jange  \ou  Uber  ('»  M.  Miichtigkeil.  \\elchr  silurische  Thonschiefcr  und  Ouar/ile 
durchselzcn  uiul  fast  durehgangig  aus  Ouarz  uiul  diehlem  oder  enligem  Zinno- 
ber  bcstehen. 

In  den  silurischen  Terrains  der  amerikanischen  Continenle  zcichnen  sich 
z\\ei  Be/.irke  (lurch  die  (Irossartigkcit  ihrer  gangfftrougen  Krzvorkommnissc  aus, 
die  Kupferregion  am  Lake  Superior  und  die  Bleiglanzregion  am  obcrcn 
.Mississippi,  ruler  erstcrer  verslelit  man  nameutlich  die  fclsigc  Land/ungo 
Ke\\eena\\  iscuaunl  .  \\elche  von  dor  Sdd-KUslc  des  Ohercu  See's  in  Fnriu 
eiues  Hi  deulsclie  Meilen  lauuen  Monies  naeh  N.  vorspringl  und  ihrcr  Lauge 
naeli  in  drei  Zonen  /.erlalll ,  <>ine  oslliche  YOU  Uulorsilur,  cine  luitllore  von 
bereiix  nl.rn  hesehriehenen  Melaph\ren.  kupferfuhrcndcn  Mandelsleinou  und 
(ion^loiiieralen  und  eiho  \\esllielie  von  SandstcMiien  mil  cinigcn  Melaplnr- 
lauern  siehe  Profil  107).  In  rcchlein  \Viukel  auf  ilirc  Langcnerslreckuug  \vird 
die.se  llalhinsel  von  /alilreichen ,  scnkrcchlen  Giingon  durchsctzl,  welche  in 
ihrei-  Machtisikcil  zwischon  vseniiien  Ccnlimclcrn  und  10  Melcrn  scliuanken  und 
in  einer  vor\\alteud<'n  Kalkspath-,  Prohnil-  und  QuarzausfUlluug  im  Verein 
mil  /.ahlreichon  HruohslUckeu  des  Nebcngesteins  gcdio genes  Kupfer  in  bis 
/,u  I'). IH)0  (lent.  seliNNcren  Massen  umschliessen. 

Die  \oi-h(M-er\\ahnle  Bleiglanz region  dehnl  sicli  in  deni  nach  SO.  olFenen 
\\inkel  aus,  welcher  von  deni  Wisconsin-  und  Mississippislrom  gefonul  \\ird, 


ip.  III'.).     I1, 1  ei  g  la  nzjtange  und  -HOhlen  a  im  un- 
(•  r  ihiri»chen  Lti'luinitc  b  am  obcren  Mississippi. 


Fit?.  Ho.     »Schlot«   i-iiipr  I'.lci-Uii/.huhle  am 

obercu  Mit-.-i.s.sippi.  incrustirt  von  lileiglau/.  a 

mid  KalkKinter  b. 


iiimml  I-'D  denlselie  Ouadralnioilcu  Fla'fhenraum  ein  und  gehorl  (|<MII  sildlichen 
Wisconsin,  dem  n<)rd\\csllichcn  Illinois  iind  dem  iiussersieu  Oslen  von  .Iowa 
an.  Dcr  Trenlon-Dolomit,  ein  (Hied  dor  dorligcn  untersilurisehen  Schichlen- 
rcihc.  \\ird  dnrcli/n^rn  und  durchsel/.l  \on  un/ahliuen,  \erlicalcn,  hori/.onlalen 
und  diaunnalen  Spallen  und  umschlicsst  j:eraumigejl6'hlen  voii  unreuelmassigcr 
odcr  ul(tckenloiinii:er  (ieslall.  Diese  sind  ausgekleidel  odcr  ausi-efUlll  (lurch 
Hleiulau/.,  /inklilende .  Kuplerkios .  Scli\\  elelkies .  (ialmei,  Kisenocker  und 
Kalksinler.  Die  Dceke  vieler  HleiiJan/.hnhlen  bielel  ein  aussersl  unregelmassigcs 
Anschen  dar.  Von  ihr  laufen  kcgelformige  llohlriiumc,  sog.  Schlble  aus.  \\elchc 
zuin  Theil  \on  einer  l,ai:c  IHciglanz  ausuekleidcl  und  dann  \on  Kalkslalaklilcn 
inkruslirt  sind  (siehc  Fig.  110).  Der  Process  der  Auslillluiig  dcr  Spallen- 
riiume  innerhall)  der  silurischen  Dolomite  ging  noch  in  den  neueslcn  geologi- 
schen  /citriiumcn  vor  sich.  Der  hochsl  inleressanle  Fund  \on  (lurch  uroli- 
krystallinischen  Bleiglanz  zusauuuen  gekitlelen  uud  von  solchem  inkrustirlen 


;i|l)  VI.      !li>tnri.srhr    (i 

Elcpha'sknochenbruchstUckcn    in  zu  Tage  ausgehendcn  Gang.spallen.   liefert  hirr 
filr  den   sprechendsten    Heueis. 

Itiirkhlick   auf  das  silurische  Zeitalter.     Ks   1st  ein   frcmdartiger  An- 

bliek.  welehen  miser  Planet  \\iilnvnd  der  Silurperiode  dem  Auge  dcs  Gco- 
logen  bielet.  Fasl  das  gan/.e  Krdenrund  1st  voni  \Viisscr  bedrckl,  Uber  dcsscn 
Spiegel  sich  nur  cinzclnc  felsigc  Inscln  erheben.  Sie  enlbehren  noch  des 
Schmuckes  einer  Pflan/endccke  und  des  I.ebens  lliici'isclicr  Hcwohncr,  --  lodl 
und  slarr  slehcn  sic  da!  l);is  Meer  hiriil  abenteuerliche  Fonncu ,  Trilobilen- 
sclnvjinnc  tuiiinicln  sich  an  seiner  Oberflaehc,  zahllose  Graptolithen  ftillen  seine 
seielilen  Slellen  an,  fonnenreiehc,  beschaltc ,  zuin  Theil  riesige  CephalopodfMi 
belebea  die  hohc  Sec.  --  Korallcn  von  fremdaiMigein  Tjpus  Huiiosa  und  Tabu- 
la l;i  ha uen  ausgedehnle  Banke  auf,  —  heute  langst  ausgestorbene  Brachiopoden- 
Gallungen  und  arnilose,  vieltafelige  Crinoideen  (Cystidea)  wuchern  auf  d<-m 
Meeresgriinde1;  crsl  nahc  dem  Schlussc  der  Silurzeit  erscheinen  aueh  seltsam 
geslallctc  Fisehe,  die  ersten  Wirbelthicre,  auf  der  WellbUhne. 

Der  Gesammlhabilus  der  silurischen  Thienvelt  war  auf  der  ganzcn  Erd- 
oberlliielie  derselbe  und  nach  dieser  Ubereinstinunung  zu  schliessen ,  inussen 
aucli  die  Tenipcralurverhaltnisse  \vahrend  der  Silurperiode  Ubcrall  iin  Allge- 
ineinen  die  gleichcn  gewesen  sein,  —  alien  Breilen  voni  Pol  bis  zuin  Aequalor 
\\iir  ein  wannes,  froslloses  Kliina  genieinsam.  —  Cbcrhaupt  aber  findet  der 
Mangel  an  Mannigfaltigkeit  in  alien  irdischcn  Vorgangen,  die  grosse  Kinfiieh- 
heil  in  tier  Krdoberllaehcngestaltung  ihren  Ausdruck  in  der  Monotonie  der  si- 
lurischcn  Fauncn.  Dass  in  dicscn  Verhaltnissen  die  Ursache  der  Einfonnigkeit 
der  unler  ihrem  Einflusse  sich  enUvickelnden  organischen  Well  zu  suehen  ist, 
trill  besonders  deullich  darin  hervor,  dass  sich  an  solchen  Slellen  der  siluri- 
schen Erdoberlla'chc,  \vo  deren  Gliederung  bereils  cine  eUvas  grossere  Mannig- 
faltigkeit besilzt,  Localfaunen  ausbilden.  Dies  isl  z.  B.  in  dem  bbhmischen 
Silurbeeken  geschehen ,  welches  fast  rings  von  GneissriH'en  umgcben ,  \\  ahr- 
scheinlieh  nur  durch  einen  schmalen  Arm  mil  dem  grosscn  silurischen  Oceane 
in  Verbindung  stand  und  in  \velchem  sich  unter  derartigen  local  abweicbenden 
Yerhallnisscn  cine  Fauna  von  Uber  2800  Artcn  herausbildete,  \\elche  z\var  das 
allgerneine  silurische  (ie[>r;ige,  aber  nur  207  Species  mil  der  der  ilbrigen  gleich- 
zeitigi-n  .Mrere  genieinsam  halle.  Dieses  einfache  Faclum  dculel  bereils  auf 
die  Dillcren/jrung  der  organischen  Well  hin,  \\elche  sich  im  Latife  der  /eilen 
durch  Summirunu  von  verschied<Miarlinen  Einiliissen  einslellen  sollle. 


Die  devoiiisclic  Formation. 


Als  dcNonisehe  Formation  bezeiclmel  man  cine  slellenweise  Uber  :{(MIO  Mdn 
.Miichligkeil  errcMchende  Schichlenreihe  von  \orherrsch<Miden  sandigen,  thonigen. 
.sn\\ie  kalkigen  Gesleinen,  \\cldie  auf  der  silurischen  l-'onnalion  aufruhen .  \<m 
der  carbiinischen  Formation  ilberlagert  \\erden  und  die  Resle  der  erslen  (Je- 
riisskryptogamen  und  Cnniferen,  ferner  solche  von  Korallen,  Crinoi«h'n  und 


VI.    Historisohe 


:\\\ 


.Mollusken,  sou ie  son  Trilobilen  und  von  bereils  zahlreiehen  Fisehen  unisehliessen. 
Da  in  ihr  die  ersten  (lonileren.  Fame  und  (lalamilcn.  die  Fisehe  alter  zuersl 
in  grb'sserer  Mannigfalligkeit  erseheinen.  beyeiehnel  man  die  devonisehe  For- 
mation als  die  der  ersien  G  efii  ssp  1 1  a  nzen  und  der  Fischo. 

Der  petrourapliische  Charakler  der  dexonisehen  Sehiehlenreihe  isl  im  gros- 
sen  Ganzcn  ziemlieh  einlormig,  wenn  auch  in  den  einzelnen  Enlwickelungsgebic- 
ten  tlieser  Formation  ineonslanl.  Sandsteine,  (Conglomerate,  Grauwaeken,  Thon- 
.sehiefer  und  Kalksleine  bilden  das  \viehligste  Material  der  dcNonisehen  Sehiehlen- 
s\. steme.  innerhalb  tleren  die  beiden  erstgenannlen  Gesteine  in  manehen  Gegen- 
tlen  i..  B.  Nordamerikas  und  Englands  eine  \or  den  ilbrigen  bei  NVeitem  her- 
Norragende  Itolle  spielen.  Naeh  tliesem  ihrem  Ittealen  pelrographischem  (lharakler 
\\urde  tlorl  die  devonisehe  Formalion  als  Old-red-sandslone  bezeichnel. 
In  VVeslphalen,  Rheinpreussen  und  dem  Harze  hingegen  beslehl  nur  die  unlere 
Gruppe  tier  desonisehen  Schichlenreihe  aus  sandigen  Sehiefern  und  Sandsteinen, 
-  die  miltleren  und  oberen  Flagen  hingegen  aus  Kalksteinen  und  Thonsehiefern. 
Ganz  eigenthUmlirh  isl  das  Auftreten  \on  versleinerungsi'Uhrenden  Kalkslein- 
nieren  und  -linsen  zwischen  Thonsehiefern.  so  tlass  erslere  fasl  vvie  Mandeln 
in  den  letzleren  erseheinen.  Naeh  ihrer  Zerslbrung  durch  die  Almospharilien 
erhiill  das  Geslein  ein  Ibeheriges  Ausschen  (Kramenzelkalk).  Einen  von  dem 
normalen  \ollkonimen  ab\\eiehenden  pelrographischen  Charak'ler  besilzl  die 
DcNonformalion  in  dem  Taunus.  wo  sie  durcli  eine  Sehiehtcnrcihe  von  zurn 
Theil  Serieil  und  Albil  ftlhrenden  Gneissen,  Glimmerschiefern,  Ouarzilen  und 
Fisenglimmersehiefern  repriisentirl  wird,  welehe  mil  versleinerungsluhrendcn 
GraiiNNaeken,  Kalksteinen  und  Thonsehiefern  slraligraphisch  und  pelrographiseh 
auf  das  innigslc  \erbunden  sind. 

Sellen  und  in  nur  hbehsl  unlei'geordneler  Wcise  Irelen  Sleinkohle  und 
Anlhraeil  in  \\enig  miiehligen  Flblzen  und  Neslern  zwischen  der  devonisehen 
Sehichtenreihe  auf.  Dahingegen  gehbren  die  grossarligen  unlcrirdisehen  Pclro- 
leum-Be.stM'\ oirs  im  nbrdliehen  I'ennsxlvania  dem  obcrslen  Devon  an,  indem 
sieh  Frdiil.  im  Verein  mil  Salzwasser 
und  Kohlen\\asserstotlgasen  in  Spal- 
ten  nnd  llohlriiumen  des  obcrde- 
\onisehen  Sandsleines  angcsammell 
hat.  Flblzarligc  Einlagerungen  \on 
iMililliisehem.  tliehlem  .  oder  kalki- 
gem  Ht>lheisenerz,  und  entllieli  lin- 
sen- und  tlbl/fbrmige  Lagerstiitlen 
\on  Seli\\cl'clmelallen  sind  als  (ilie- 
der  der  dc\oni.sehen  Schichlenrcihe 
bckannl.  hie  gntssarligste  und  be- 
riihmlesle  dersclbtMi  isl  die  des 

Rammelsberges   bei   Goslar.      Sie   bildcl  eine   <t(M)  Meter   lange    und 
maehlige.    im    Allgemeinen    linsenltirmige    Einlagerung   oder   riehlig< 
Vei'binduni:    kleinei 


f\u  minds b 


« 

.  111.  1'  r  o  f  i  1  v  o  in  K  a  m  in  o  1  s  b  c  r ; 


a 

li  i  s  (i  i)  s  1  ,-ir. 


scnbavlier  Schicfer  niit  liiisoiilViniiii'rn  Kinla 
(I  Uunt.-ainl.-tcin:       c  .Mii.-rlii'lkiilk. 


I  .is    GO    Meter 
r  zusammen- 

.r    ^.,  .,„  ,      unregelmiissiger     Linsen     y,\\isehen     tle\onisehen 
Thonsehiefern   fsiehe  Fig.    Ill)   und  beslehl  aus  einem    sehr  feslen.    compaclen 


•1  I  '2  \  I.      I 

<icincni:e  \on  Sehvvelelkies.  Kupferkies.  Blciglan/  und  Zinkblcndc.  I'erncr 
Ireien  in  dcm  dcvonischen  Kalksleinc  \Veslphalens  x.  B.  bci  Union  und  l.ser 
Inlm.  ferner  bei  Aachen  ibbdlKWtirdigC  Nester  \on  /ink-  und  Blcicrxen  auf. 
Kornigcr  Mauueleisenslein  bildel  y.vv  iselien  den  dcvonischen  albilrcichen  (im-is- 
.sen  der  Taunuskelle  untergeordnele  und  in  dern  Oberdcvon  von  Oslcrreichich- 
Selilesien  ziemlieh  bcdeulende  I.ager.  In  den  meislen  ilbrigen  Fallen  einer 
ButtBSteinafiibruilg  dcr  dcvonischcn  Fornialion  stelil  diesellu-  in  einer  so  eiiLien 
iienetisehen  He/iehinii;  xu  ^e\\ isscn  Krupli\ izesteinon  jcner  gcologischcn  Te- 
riodc,  dass  sic  zuglcich  mil  dicscn  besproclien  \verden  intlssen. 

Die  Stcllung  der  Dcvonforniation  in  der  sedinientiiren  Scliirlitenreihe  er- 
girlil  sieli,  L-anz  abgesohcn  von  ihrer  Vcrsteinerungsl'Uhrung,  aus  ihren  L  a  Be- 
rlin iis\  e  riiiiltnissen,  indem  sic  auf  dcr  Silurfonnation  aufrulit  und  seihst 
vNieder  von  den  unlcrstcn  carbonischcn  Schichten  l)odcckt  \vird,  also  /\vis<-hen 
beide  einxni'eihcn  isl.  Die  ConUictvcrhaltnissc  des  Devon  mil  den  beiden 
ilnu  benacliliarton  Fonnalioncn  sind  kcineswegs  an  alien  Aufschlusspunkten 
dessellu-n  wnhminelnncn,  sehr  deutlieh  aber  ist  z.  B.  die  gieiclilonniue  I'ber- 
lauening  des  oberen  Silur  durch  das  Devon  an  zahlreichen  Orten  des  Oslens 
von  Nordainei'ika,  ferner  die  Dberlagem&g  des  Devon  durch  die  Steinkohlen- 
fonnalion  am  Nordabialle  des  Hheinischcn  Schicfcrgebirgcs  bei  Aachen.  Stoll 
berg  und  an  dcr  Ruhr  aufgcschlosscn. 

Uber  die  architektonischen  YerhSiltnisse  dcr  dcvonischcn  Fornialion  uili 
dasselbe  \vie  Ubcr  die  des  Silur.  Sellcncr,  dann  abcr  in  Arcalcn  von  grosser 
Ausdehnung  /.  B.  in  Nord-Ncw-York  und  Pennsylvania  sind  ihrc  Schichlcn  in 
der  urspriinglich  horizonlalen  odcr  fast  horizontalen  J.age  gel)licbcn,  ineisl  hin- 
Liei:cn  stcil  aufgcrichlel,  gcbogcn  und  gebrochen  so  irn  llarz,  in  der  Kil'el,  iin 
Fichtel^ehiiv*1),  Schirhtungsvcrhiillnisse,  wclchc  /uiu  Theil  dureh  das  Aul'lrelcn 
cincr  ausgezcichnclon  transversalen  Schiefcrung  vcrdunkell  odcr  \er\visehl  \\erdcn. 

Palaeontologisclier  Charakter  (ler  devouisclien  Formation.  H« 
schriinkl  sich  das  organischc  Lcbcn  in  dcr  Silur/cit  auf  das  .Meer.  so  eiv.enuen  in  dcr 
de\onischen  Pcriodc  auch  die  Conlincntc  Organismen,  frcilich  ausscliiiesslidi 
Pllanzcn.  Die  devonischc  Flora  isl  noch  ausserordcnllich  tbrnienarin  und  spiir 
lii-h.  Von  den  Fucoidcn  gcwinnen  nianche  Irolz  schlcchtcr  lOrlialluug  durch 
die  IliiufiiAcit  ihrer  Individucn  licdculung  z.  B.  llaKserites  Deehenianus  in 
L;e\\issen  Xoncn  des  Bhciiiischcn  Thonsrliiel'ers  und  Fueoidcs  caiida-L:;ilii  in 
den  iilleren  dcvonischcn  Sandslcincn  von  New- York.  Die  horlist  spiirliehe 
l.andvei:ei;i  lion  der  Dcvonzcil  oll'cnbarl  cine  sehr  Lirosse  Ahnlielikeit  mil 
der  spiilcrcn  Slcinkohlcnllora.  mil  vvclchcr  sic  nichl  nur  die  meislen  (iener.i. 
.sondern  auch  ein/eine  Species  iicmcinsani  hal.  Die  dcvonischcn  Landpllanxcn 
gchbren  den  Gefiissk  rv  plogarncn  und  Conileren.  sovvie  den  zvvisehcn 
bcidcn  (Jruppcn  slchenden  Siizillarien  an.  .Nehen  den  Sliimmen  diescr 
Ictxlcren  isl  uns  das  (il/igc  \Vurxelv\erk  dcrsclbcn,  Sligmariii  fiooidcs 
Broni:.  i(us  der  Dcvonxeit  ubcrliclcrl.  Dit-  (lonifcrcn  sind  durch  llolxresle 
Aporo\ylon  und  Dadovvlon  Arauc;iriles  vcrlrclcn.  und  \on  (icfiisskrv  plo- 
L:;  mien  sind  das  (lenus  (lalamilcs  und  (lessen  als  Aslerophv  Miles,  Annularia 
und  Splieiiophvllum  aulueriihrlc  /vveiue  und  Blallcr,  1'ei'ner  L  e  p  i  dod  c  ndron- 


VI.    lli>tori>r!ii'    (i 

Arlen.  so\\ie  x.ahlrcichc  r'arne.  Cylopleris.  Nenropleris,  Sphenopleris  mid 
Pecopleris  aiiluet'miden  \\onlen.  Alle  diese  lonm-n  \\  icderholcn  sich  in  der 
earbonisclien  Formation  mid  \\crdcn  l»ei  Hespreelmnii  dieser  uenaner  abuc 
handell  \verden.  -  rein  de\oniseli  liiii^r-cn  .  \\emi  aneli  .ml  (laii.idji ,  New- 
York  und  Ohio  Itt-scliriinkt .  \vo  cs  jcdoch  in  iiusscronlnUlirlici'  ll;inlii;k«'il  vor- 
koiinnl.  j;i  iiMinclic  SchichU'ii  uiin/,  iinlulll,  isl  das  l\co|)odi(Mi;ilinliclic  ('.cnus 
I' si  I  o  |)h  \  I  on  D;i\\  s. 


Fig.  II 2.     I'silopliy  to  n    Daws. 

VntiTii'li  rlirr    li"]i/"iil:il>T  Slamin   niit  million  Narlion  unil  cylimlrisclicii  Wuiv.f  In  ,          U  SUiiiiiiliiiicli>tiick  ;  — 
r  /wci^on.l.-;  —  <1  SUtnm  nud  Zwcige ;   —  e  Zwcigbiischol ;  —   f  Fructilicatiiui ;        g  Kestuuriiic   I'lbu/.-' 

•  nach  Dawson. 


Von  XiiLichofi^cn  der  nirdrigslen  Ordnung  tics  Thiorrcichcs.  den 
•sind  uns  aus  tier  Dcvonzcil  verliiillnissinassig  nur  sehr  spiirliche  Heslr  illier- 
lidcrl  \\ordcn.  Kino  grosse  Verbrcilung  muss  Heee  pta cu  1  i tcs  Ncptuni  Del'r., 
wahrschiMiilich  cine  riesigc  Foraininiferc,  hesessen  habcn.  Dicscr  scheibenfbrnifge 
Korpcr  crrcichl  '.)  Zoll  iin  Dnrcluiicsser  und  ist  auf  l)ciden  Seilen  mil  rliom- 
hischcn.  in  cxccntrisclicn  Iteihen  rctielmiissii;  angeonlnclcn  I'Vldcni  hcdcekl. 


113. 


C'  yathopli  yllnm  helian  th  oi  tics    G  u  1  d  f  . 
a  Einzelzollo;  —  b  Stock. 


dcrcn  jr  /\\ci  lir^cnilhcrslchcndc  dnrch  cine  Ho'hrc  \erl>nndrn  sind.  Die  Korallcn 
sind  (lurch  ihrc  p.ilaro/.oischrn  Kamilicn,  die  /nantharia  rugosa  ,  lahulala  und 
Inhulosa  rrichlidi  mid  miter  den  ersleo  naincnllich  (lurch  die  (latluny  <l\a- 
thoph  \  1  1  n  in  vcrlrclcn.  (1.  h  c  I  i  a  n  Ihn  i  d  e  s  (ioldl.  l"\^.  \  \:\  koninil  sowohl 
in  kreisnindcn.  flach  hicouischcn  Kin/el/.ellen,  mil  sehr  /ahlrcichen  glcichslarkcn. 
bis  in  das  Centrum  ties  Kolchos  reiehenden  Seplen,  als  andi  in  plaUenloriui^en 


31 


VI.   Hislorische 


Slbcken  mil  polxgonalen  Kelchcn  \\eit  \erbreilcl  \or.  Audi  (i  \alli.  raespi- 
tusiim.  cin  gabettgfer  Stodk,  ist  recht  bo/oichnend  I'ilr  das  l)e\on.  Kin  ausge- 
zeiehnctes  l.oilfossil  der  desonisehen  Srhirhlen  isl  Ca  Iceo  l;i  sandalina  Lain. 
Fig.  III.  cine  DecfceikoniiB.  Ausser  (lurch  ilircn  slarkeirund  genau  schliessen- 
dcn  Deckel,  \\clchcr  durch  cine  Grube  mil  dcm  Septum  des  Kelches  arliculirl, 
zeichnel  sic  sich  durch  ihre ,  frcilich  meist  uiilcr  dcr  ausseren  lljiulbcdcckuu;: 
vcrhor-cno,  licdcrjirliuc  Stivifiin»  ;iul  dcr  -cwolhtcn  Scilc  ;iu.s.  Kinc  \\citc 
Vcrltrcilung  iin  Devon  Deutschlands ,  8p;uiicns,  Enylaiids  und  Nordnmcrikas 


Fig.  114.     Calceola  sandalina  Lam.  I'i;,'.  115.    1'lc  u  rodicty  u  in 

p r o b  1  e  in  a t  i c  u ra  Ooldf. 

auch  das  Genus  Cysliphv  Hum  und  /war  durch  die  Species  (1.  vesi- 
co  lus  u  in  Phil.,  welche  sich  durch  ihre  last  c\lindrisehe  Gestalt  und  die  A  us - 
fttlloog  des  Kelches  durch  blasiges  Gewebe  charakterisirt.  Von  den  Zoanlharia 
tabulala  sind  durch  ihre  lliiiifigkeit  wiehlig  C  a  hi  in  op  or  a  pol  yinorpha  Goldf. 
mil  \\al/enrunden,  dicht  an  einander  gedranglen ,  durch  reihenslandL'e  Poren 
verbundenen  Rohren/ellen,  ferner  das  iminer  nur  als  Sleinkern  erhallene 
Pie  u  rodicty  u  in  p  roble  malic  u  in  Goldf.  (Fig.  115'  und  endlich  Alv  oolites 
suborbicularis  Lam.,  dessen  PoKpenstdcke  andore  Kbrper  lauenformiu  iibcr- 
\Nuchcrn.  Halysilcs  catenularia,  die  charakteristische  Kct- 
tenkoralle  des  Silur,  fehll  im  Devon  vollstiindig.  Aulo- 
pora  r  opens  E.  und  H.  (Fig.  I  16],  welche  sich  kriechend 
auf  andcren  Korallen  ausbreitet,  isl  !>esoiulers  in  Deulsch- 
land  hiiufig.  Dcr  ganzliche  Mangel  an  Graplolilhen  isl 
im  Gegmisatze  zu  deren  massfnhal'lcm  Aul'lrelen  im  Silur 
ein  charaklerislisfhes  negatives  Kenn/eichen  des  Devon. 

Die  Echinodermen  werden  im  dcvonischen  Zeitaller  last 
ausschliesslich  durch  Crinoiden  und  z\\ar  durch  eigentliche.  mil  grossen  Armen 
\crsehcne  Crinoiden  verlrelen.  als  dereu  wichligsle  devonische  Geschlechter 
und  zwar  vor/ugsweise  in  dem  Kalke  der  Eit'el  \orkommend  Gupressocrin  us 
(Fig.  H7),  Eucaly  ptocrinus  und  Ilaplocrinus  (Fig.  MS  gellen  kbnnen. 
Sehr  hiiulig  sind  im  Devon  vieler  Gegendon  die  ausseren  Abdriicke  der 
Crinoiden-Saulenglieder,  so\\ie  die  i  micro  Ausfiillung  des  Nahrungskanales  di-r 
Sa'ule  und  des  sclieibenlormigen  Zuischenraumos  x.\\isehen  je  z\\oi  (iliedern, 
Sleinkerne.  \\elche  I'riilier  als  Schi'aubensleine  bezeichnel  \\urden.  Die  Hla- 
stoideon.  welche  in  der  na'chst  jUngeren  Formation  zu  oilier  so  grossen  Knl- 


ll'i.    Aulopora   ro- 
l>e  us  E.  u.  11. 


VI.    Ili-tori-Hif 


\\irk»'lmiu  url.murn.     sind   1111    l)r\nn    iiur    sclir   u'irin/.rll    y.u    linden.     \v 
die  (]  \  si  hire  n  .    iin  Silur  so  iir\\i>lmlich.    l>is  anl'  riiir  <'in/.ii:<>  Form 
Hhrn.imis   Itncin.     \crs(  liNMiiulcn   sind. 


3  1  f  > 

aliriMid 


•j^> 


KiK'.  117.     C'uiircs^ncrinu.s  Crag»na  (iuldf. 
tt  Kekh  mil  Arini'ii,  von  tier  Seite  ;    ._  (,  Saulenglicder. 

I'ulrr  <|»MI  Molluskcn  hcrrsclicn 
nodi  iiMiiicr.  \\rmi  ;uicli  nichl  in 
so  auHiillimM'  NVcisc  \vio  iin  Silur, 

*J  7 

lira  c  hi  op  od  en  und  Gophalopo- 

dcn   ini   Vcrlijillnissc  zu  don  Z\vei- 

scl.i.l.-n.     und    (iasleropodon     slark 

vor.     NitiiK-nllich  licfcrl  <li«-  l^rachio- 

[>o(l<-n-(;.i(liin-  S|)irir«T.    ohwohl  |H»i   Wcilcin   niclil    iiussclilicsslicli    dcNonisch, 

\irlc   I'iir  die  Scliiclilcn  dirscr  I'crj,,,!,.   rhiiniklcrislischc  l;onncn   und  /,\\;tr  lani»- 

tliiui-li.-c    in    die   Hivilc  licxoiicnc   Arlcn;    so   Spirifcr    speciosus    Phil,     im 


^  IIS.  IIaploerillU8  m 

Vo"  ll"tc"'  vo"  dor  Suil°  und  vo"  ol)Cn- 


Km-    H'.i.    Spirif  er  disjunc  tub  Sow. 


i;!--.  i-i'.  Bplrlfer  macroptervK  Goldf. 


Fii:.  121.  Stringoccplialtib  Burtini   Deft.  (sUrk  vcrVlciiicrli. 
is'  Ventrales  Septum,  s'  Dors-ales  Septum,  c  Schk'it'i1,    «  Uabeliger  ForUat/.. 


N  I.    IliMorix-lit'  (i 


millloren  DcMiii.  S|)ir.  d  i  s  j  u  n  I  u  s  So\\.  Verm-uili  Muivli.  l;i,-.  !!'.»  ails 
seronleiitlieli  be/.eiclinend  fur  die  obere  Ablheilmii:  des  l)e\on  uud  in  Deulsch- 
l.iinl.  Kusslaiid.  UeLien,  Frankreicli,  Kngland  uiul  -Nordamerika  \erbreilet, 
endlieli  Spir.  marrop  I  c  rus  (loldf.  (FiL;.  I .'"  an^  dcin  uiilci-slcn  |)c\on. 
l-jn  aiisschlicsslifli  devoniscbcs  Brachiopodcn-Gescblecht  isl  Slringocepha- 
his.  (lessen  ciuxiiic  lickanntc  Arl  St.  H  u  r  I  i  n  i  I)  e  fr.  (Fiu.  k' I  /u  den  uriisslcn 
Brachiopodeo  udiurt.  Mil  dicsci-  Art  gemeinschaftlicb  and  wie  sie  auf  das  mitt- 
Icrc  Dcxdii  licsclininkl  tritt  I'licilcs  i:  r  \  p  li  u  s  Dcl'r.  auf.  Sdir  lic/eichnend 
siiul  ferner Athyris  conccnlrica  Bueh,  Orlhis  idraiiona  F.  Hom.  und 
Ortliis  strialulii  iSchl  olh. ,  sowic  It  h  \  nclionc  1 1  a  parallelepipeds 
Hronn.  und  R  h  \  lu-honclla  cul)oidcs  So\\.  Von  dm  \ci-liiillnissiiiassiii 


Pterinea  lae  vis  Goldf. 
SleinVern. 


Fig    liJ.     Megalodon   c  u  c  u  1 1  a  t[n 
l>t i(k>  Schalen  vim  Vorn. 


sdir  sdi\\acli  Ncilrctciicn  /NU-isrlialcni  hcsii/cn  die  Ciatluuucn  Nucula  und 
IMcriiM'a  Fit:,  k'^  in  den  unlorsten  devonisclien  (irau\\acken  und  Sand- 
sieineiu  I.ueina  itni!  M  cgalodoD  {Fig.  k^5  bingegen  in  den  mitteldevonischcn 
Kiilksloiiion  lliuiliiikeit. 

Die  Pteropoden  \vcrden  tlurcb  riosijie  Conularien  so\vie 
durch  Tenlaculiten  vortrelon,  die  Gasteropodcn  vorauus- 
\voise  durch  Kuoinphalus  (Fig.  126:  Pleuroloma  ria , 
Turbo,  Macrochcilus  (Fig.  124)  und  Mu  rchison  ia  1  i.- 


I 


Fip.  \~i:>.    Muruhiso-     Fig.    VJI 
nia  bi  gran  ulo&». 


Macrochcilus    snbcostatus.     Fig.  12fi.   Euomphalns   Leonhardi. 


VI.    Ili^loi  i-rlic    Goolouio. 


Die  Cephalopoden  besit/on  obonso  \\io  iiu  Silnr,  so  anoli  iin  Devon  in  dem 
(iosrliloehte  (!  \  rt  oooras.  nooh  molir  alter  Orlhooeras  /ahlroielio  Kepriison- 
tanton.  AllSSChliessHch  dexoniseh  liini;oijen  ist  das  aul'  die  oboro  Ablheilunii 
diosrr  Formation  bosoliriinklo  (iomis  (II  \  men  i;i  [Fiii.  127),  mil  venlralem 
Si|)ho.  drvsrii.  Arlcn  /.  II.  Cl\m.  lac\  iizala  Miinsl .  nnddhm.  Scdi;\N  ic-ki,  d'Orb. 
trt'll'liolie  LciU'ossilicii  do  |)e\on  Itilden.  In  dem  nclmilit-luM)  llorixontt1  crrcii-lil 
das  (icschlcdit  (Ionia  I  ilcs  Fii:.  128)  mil  dorsalcm  Sipho,  dcr  Vorliiufcr  dcr 
in  don  moso/oisclicn  l-'ormationon  oino  so  uiclilii^o  Rollo  spiolondon  Ammo- 
nilon,  in  don  Arlon  (Ion.  I'olrorsus  Bnoli,  Gon.  intuinescehs  Boyi1.,  (ion.  snlmanti- 
limis  Schlolli.  n.  a.  soino  llaiip 

Die  doNonischon  Vorlroter  dor  Cru- 
.slacoon  sind  (!>pridinen  (Schalon- 
krohso  nnd  Trilohi  ton.  l.ot/toro  ho- 
sil/on  lu-i  NVoilom  nichl  molir  die  Man- 
niiifalliiikoit .  dnrch  \\olche  sie  der  si- 
lurischen  Fauna  oin  so  cMgenthtlniliches 
(irpriim1  \orliohon,  violmolir  doulol  das 
Krliisolion  dor  i^rossen  Mehrzahl  iliror 
•  it-scliloolitor  anf  don  nahon  Untor^ansz 
dor  iian/.on  Familio  liin  .  \\oloho  im 
DoMtnauf  P ha  oo ps,  (Fig.  129)  Homa- 
lonotns  Fiiz.  130)  Bronteus  und 
oiniizo  andoro.  \\onii;or  \vichtige  Gat- 
Iniiiion  hosohriinkl  isl.  Die  bohnon- 
lormiiion  .  last  miki'oskopiscli  kloinon 
Sclialon  dor  C  \  p  r  i  d  i  n  on  (Fig.  131) 
l)o<lookon  in  /ahllosri  Mon;.'o  die  I'liiolion 
dor  naoli  ilmon  Ix-nannton  ol)ordc\oni-  Fig.  ji27.  ciymenia  Sedg.wicki  ,ro,i,. 

si-lii'ii    ^cliii-lil.Mi  a  von  dpr  S(>itn;       l)  von  vorne;  —  c  Eine  Kamm 

morschci.lpwand  vora  Mii.-k.Mi  aus. 


l-'ip.    l'2>>      ii  ..  Mint  i  tr-  i  ni  n  ,11,    ,,.,MI        Ki;r.   l'2'.i.     I' li  :ir  np  s  1  a  t  i  f  ro  ns     Fig.   1:W.    Horn  al  on  ,,t  ,,      .  ,  m  . 
I"'M  Bron  n.  tu  i  J:  iirin. 


Die  Wirbeltbiere  ImVlion  anoli  \\iilirnid  dor  do\onis<-lion  iVriodo  i-in/.i 


VI.    lli>|i>n>rln> 


mid   ;illt'in   iiuf  iluv   nicdrii:stcn  Ycrlrclcr.    die  F  i  sc  li  r   ln>sclininkl.  '     \\rlclir  sich 
(lurch    cine    uniiciiu-inc   Knl\\  ickclunii    dcr    liculc    hcrcils    sell    l;mi;cn    Xcil.illcrn 


fig.  1.11.    Cypridina  sc  r  r  at  o-st  r  i  a  t  a  San  d  li.    (Natfirlichc  GrOssc  nnd  stark  vorurrp^sort.) 

fast    vollkommrn    iinsiiivslorbenen     helorocercalen    Gnnoiden    nuszeichncn.      Hire 
g    \\ird    onl\v«'dcr    von    mil   Selmiol/    illxT/.o^cucn    rlioinhisclifii    odcr 


11  o  s  I  a  n  r  i  r  t  P  d  P  v  o  n  i  s  c  li  P  F  i  s  c  li  p. 
Fig.  WL     Hpriohtliys  Millpri  1'and.  Fig.  1115.     lloloiilxrliius  m.liilivsimus  AgaRR. 

Ki"    i:t:i      (Vnlialaspis  Lyolli  AgaRs.  Fiu'.  \ '•>>>.    <' »«e«»  deelpteiw  Ag« 

Fiu.   l.'.l.     (Ntooloi.is  nacli  I'andPr.  Fig.  1:17.     llMTCfttettektgn  Hewb. 


S;iinlsli-iii 


mil  Kcplilii-n- 


x\\.u    Ti'liTpi'liin-Ki'stiMi  \\irtl 


liii 


VI.    Ilistorisrhc  (uMiloiiit'.  319 

runden  Knochcnschuppen,  uder  MHI  einem  Millkommenen  Panxer  von  Knoehen- 
lalelii  iiebildel,  \\ahrend  ihre  Sch\\  an/llnsseu  durch\M>:z  unijleichlappiu  sind. 
Zu  den  ersteren  iiehoren  ()  s  I  en  I  ••  p  i  s  Vlii.  |:Ji,  II  <>  1  <>  p  I  \  c  li  i  u  s  r'iu.  13-;>), 
y.u  lel/.leren  Pte  r  i  r  It  t  li  \  s  l;iiz.  I:?-'.  /\\  ischen  heiden  slehen  die  mil  einem 
i:e\\alli»en  Kopfsehilde  MTseheneii  Cephalaspis  (Fig.  133)  und  Macropeta- 
lichlh\s  Fiji.  1:57  . 

I  hriucns  \\cist  d;is  Vorkoiiiiiifn  \on  FlosstMislaclu-ln  darnuf  Inn,  dass  die 
d«'\oiiisi-lu'ii  MctTf.  iilinlie-lj  \\ if  es  in  dcr  spiitcstcn  Silnr/cit  dcr  Fall  \\ar. 
andi  MMI  liaiarliiicn  Knorpt'llisclien  hclcht  \\urden. 

Dreith(kiluiiu:  der  devonischen  Scliicliicnrcihe.  Fast  iihcrall,  wo  die 
Dt'Noiiftiniiation  y.u  cincr  xollslandi^crcn  Knt\\  it-kclunii  i^claiiLil  ist,  liissl  sicli  in  ilir 
fin  nifhrfarhfr  Wccliscl  ihrcs  palafontolo^isolifii  (lliaraktci's  wahrno hnicn,  dfin  /n 
Foliif  die  dfMHiisrlif  Schiclilfnrfihf  iianx  allufiiifin  in  divi  durch  den  vcrscliif- 
dfiiarlitifii  Habitus  ihrcr  Fauiu'ii  von  oinandor  al)\%('ic-lif ndf  Abtlifiluuiifn  xcrfiilll. 

Das  untt-rf  l)f\on.  fin  Schichlf  Hcoinplc  \  MMI  vorvvnltondon  Sandslfincn. 
^andiiicn  Sfliifffrii,  (irauwai'kon  und  Gontiloincralfn  \vird  cliaraktcrisirl  durch 
sfint-n  RiMchthuiu  an  Hcstfn  MMI  Spirifer  macroptorus  und  Spir.  nnicronalus, 
durch  Iluinalonoliis-Arlfn,  durch  die  Slfiiikcriif  \on  Pic unidict\um  problcnia- 
ticuin  und  durch  mclircrc  IMfrinca-Spfcics. 

Das  inittlcrf  Dc\on,  vorualtcnd  aus  Kalksteinen  bestehond,  bfsitxt  unlf  r 
siiinnitlichcn  divi  Abthc iluniif n  die  ntannijj;fachste  und  fonncnrciclistc  Fauna. 
\\clchf  naiiicntlich  von  Korallcn  (Calainopora,  Cyatho])hylluin,  Calccola.  Aulo- 
pora  ,  Hrachiopodfii  Strinszoccphalus.  Uncites,  Spirifer  speciosus  und  (iaslero- 
podfii  (Murchisonia,  Macrochcilus)  »f])ildet  wird,  zu  denen  sich  Cupr(\ssocrinus, 
.MfLialodon,  Cyrtoccras,  Hronteus  u.  a.  i^esfllen. 

Das  obere  Devon,  aus  Schiefern,  Kalksteinon,  Sandsteinen  und  Flaser- 
kalken  xusainineiiiieselxt.  isl  der  Horixont,  in  wolchem  die  Clynienien  und  Gouia- 
titen  ihre  Hauplcnlwicke IIIDLI  erreichen  :  nusserdeiu  treten  als  charakteristischr 
Leitfossilien  IMiacops  latifrons.  Spirifer  disjunclus  Vcrneuilii,  ferncr  Cypcidinen 
in  xahlliiser  Men^e  auf. 

.lede  dieser  drei  Haupti;ruppen  iiliederl  sich  in  den  verschiedenen  (leliieten, 
in  denrn  sic  xur  Ausbilduni;  izelantit  sind,  in  cine  Anxahl  von  Horixonten, 
\velclie  /urn  Theil  nur  locale  Hedeutuniz  besitxen  und  ilber  \\elche  in  der  sjiiiter 
fbtgenden  T.ibelle  cine  I'bersiclil  i.'fi:fbfn  ist. 

Old-rcd-saiidstoiie-Fncies.  An  eini^cn  Localiliiten,  nanientlich  in  Sild- 
\Vales  und  in  Schottland  hat  die  devonische  Schichlenuruppe  cine  \(in  der 
hesrhriebenen  t\piselien  abweichende  Ausluldun^  erfahren.  Dort  ersclieint 
dieselbe  der  Haiiptsache  nacli  als  cine  etwa  3000  Meier  miichtiize  Congtomerat- 
und  SandstetnbUdang,  \\clclier  cine  braunrothe,  von  einer  Kisenoxydbeimen- 
liiinu  herriihrende  Kiirbuni:  eiiienlhilnilich  isl.  Ihr  palacontologischer  (lharakler 
\\cicht  \on  dein  eben  bes|)rochenen  dadurch  so  vollstiindii:  ab,  dass  sic  \veder 
Korallen.  Mrachiopoden  und  Clephalnpoden  noch  Trilobilen  fUhrt.  dai^eiten  xuni 
Theil  aiisserordentlich  reich  an  Reslen  von  Ganoid-  und  Knorpelfischen,  nanientlich 
MMI  Cephalaspis.  (ioecosteus.  IMerichthxs,  Osleolepis,  Diplerus  und  Onchus  isl, 
\\elche  in  der  normalei)  de\onischen  Schiehlenreihe  nur  ausnahmswe isc  odcr 


321) 


VI.    llistocisdio    (leolotiie. 


sparsam  vorkommeu.  i'hriizens  beweisen  ganz  abgesehen  von  izewissen  Ana- 
logien  zwischen  dem  Old-rcd-sandslone  Knglamls  und  der  de\onisdien  Sdiiditen- 
rcihe  Russlands  und  Nordamerikas  die  LagefUngSVerh&tnisse  des  Old-rod- 
sandstone,  dass  dersdbc  cine  Aqtlivalentbildirag,  cine  locale  Fades  der  Devon- 
I'ormation  isl. 

Die  geographische  Yerbreitnng  der  Devonformation.  Die  dcNonisdu 
Formation  ist  in  Europa,  Amcrika,  Afrika  und  Asien  nacliLre\\  iescn.  Das  ausge- 
dehnteste  dcvonische  Tcrriloriuin  Deutschlands  isl  das  Rheinische  Sehiel'er- 
Liebirge.  Es  umfasst  cinen  iirossen  Theil  HlKMiipreussens,  \Vcslplialens.  Nils- 
sails  und  erstreckt  sich  nach  Relgien  hinein.  i'hcrrascheiid  ist  die  Tliatsaclie. 
dass  ein  Theil  des  Rheinisclien  Devongebietes,  die  Taunuskelte.  von  Gneissen 
und  krystallinischen  Schiefern,  welche  pelrographisch  vollkommen  der  azoisclien 
Formation  entsprechen,  zusammengesetzt  wird,  \vahrend  in  der  Lenne-Geuend 
schichtenartige  Parallelmassen  von  Schieferporphyroiden  zwischen  den  echl  se- 
dinicntaren  devonischen  Gebilden  eingelagert  sind  und  zum  Theil  gam  iihnlidi, 
\\ie  die  Ottrelitsdiiefer  und  die  granit-  und  hornblendefilhrenden  Sdiicferiie- 
sleine  dor  Ardennen,  die  Resle  devonischer  Organismen  (Spirifcr  inaci'oplenis, 
Ilomalonolus)  umschliessen.  —  Das  Unterdevon  wird  in  dem  Rheinisclien  Sdiic- 
fergebirge  durch  die  Grauwacke  von  Goblenz  (Rheinische  Grauwackc  iv- 
prasentirt.  Es  ist  dies  eine  Schichtenfolge  von  Grauwacken,  Sandsteinen,  Quar- 
ziten  und  Thonschiefern,  welclie  die  filr  das  Unterdevon  diarakteristischen, 
oben  augeftihrten  organischen  Reste  fiihren.  Ihr  Liegendes  wird  an  mam-hen 
Stellen,  so  am  Rilcken  der  Hohen  Venn,  von  krystallinisdien  Thonsdiiefern  und 
Quaiv.iten  gel)ildet  (siehe  Profil  Fig.  138),  welche  als  silurisch  angesprochcn 

Aachen  Burtsclieid  Halm  Eotchen  Montjoie 


Fig.  138.  1'rofil  von  Aachen  nach  dem  Hohen  Venn, 

a  Kryslallinisclie  Thonschiefer;  —  b  und  c  Grauwacke  des  Unterdevon  :  —  d  Eifeler  Kalk;  —  c  Oberdevun  : 
f  Kohlenkalk;  —  g  Productive  Steinkohlenformation. 

\\crden.  Diese  Schichlenfolge  des  Unterdevon  wird  von  Ringen  bis  Bonn  vom 
Rhein  durchbrodien  und  breitet  sich  zu  dessen  beiden  Seiten  mil  aufl'allcndcm 
Gleidibleiben  ihres  pelrographischen  und  palaeontologischen  Charaklers  aus. 
In  Nassau  wird  die  untere  Ablheilung  des  Devon  von  sandigcn  Schiefern  und 
ijuarzilischon  v^andstcinen  mil  den  nehmlichen  organischen  Rcslcn,  \vie  die  Rhei- 
nisdie  (iraiiNNackc  liehildel  und  dort  als  Spi  r  i  fer  e  n  -Sa  n  d  s  t  e  i  n  be/.eidinrl. 


Mannagrn 


Birgel 


Gerolstein 


Fig.  139.    Profil  der  Eifcl. 

b  Unterdfvonisolio  Grauwacko;  d  Eifoler  Kalk; 

c  Sdiiefcr  und  Sandstoin  ;  in   ISunlor  Sandstoin. 


Das    .MiiteldcMin    bestdil    im    lUieinisdien    Sdiiefergebirge    aus    Kalksleinen, 
eln    und    Dolomilcn.    dem    Kil'eler   Kalke.      Derselbc    liil<lel    auf  der  linkeii 


VI.   Ili.-loriM'l.o  (ieoloLMf.  ;i2l 

Klieinseite,  in  der  Fitel,  seehs  ^nis.sere  und  dm  kleinere  ellipsoidisdie  I'arlien, 
\\elelie  der  (iraimarke  iiiiililrnt'iinnii:  eiii-  und  aulVelap-rt  sind  (sielie  1'rolil, 
'•'.-•  |:{-'  •  1"  dieser  mittelde\onisdien  Sdiielitenreilie  lassen  sicli  i{  Ni\eaus, 
die  /one  des  S|.iriln-  nilirijuiiauis,  die  eigenUicben  Calceola-Kalke  und -Mei-el 
und  y.uol.erst  die  kalke  mil  Sn  in-oeeplialus  Burtini  untersdieiden.  Dei  F.ileler 
K.dk  i.st  sdir  reidi  an  oriMiiisrheii  Keslen  des  Milteldevon.  Auch  hei  Aaclu-n 
und  in  lU'kit-n  (/.  H.  IMM  (Ji\t'l  und  Convin  sind  dit'sc||)cn  ScluclHcn  cntuirkrlt 
und  d.-n  idiriut-n  di-MtuJM-lu-n  (irhildrii  rciZt'lniiissii:  y.\\  iscliciiLirla^ri'l  >icli.- 
I'mlil,  I  i:.'.  158).  Auf  dt-r  i«-cliteii  Hlirinscitc  ist  das  MitU'ldevon  et\>as  andrrs 
iiusuchildt't,  iihlnii  cs  aus  Sandstrincn  und  Tlionscliiefern  bestebl,  wclclic  /\\ar, 
al.i:f.st-||t.|i  \un  finii^cn  untcr^fDi-diu-tcn  Kalkcinla^ci'unLit'u,  ])elro»raphisch  den- 
j«'iiiiu-n  di-.s  l'nlt>rdcv..n  iilinlicli  sind,  aluT  die  oriianisclien  lU'str  <lcs  Kifeler 
Kalk.-s  fiilnvn  und  den  \\cilcn  riaohenr.iuiu  von  der  Si«^  lys  in  die  (iciiend 
sun  Klherfeld ,  Iserlitlin  und  Brilon  einncluu.'ii.  In  Nassau  erl.iniien  mittel- 
d.-Minisclir  vStrin^oc*'|»lialen-)  Kalksteine  I.ei  Diez,  Dillenburg,  Herborn  yrdssere 
Vfihreitun-  und  \\erden  von  Sclialsicincii  und  blaiiizrauen  Thonschiefeni  \Vis- 
senbacher  Sebiefern  ,  leUtere  mil  zahlfetcben  Orthot-eras-,  sowie  Goniatites-Arlen 
unteit.'iill,  \\.-li-li,.  Schielitenm'he  sicli  an  die  Spirileivn-Sandsleine  ansdiliesst. 
Das  Oberdevon  \vird  in  dem  Hheiniselien  Scliifl'crucltirue  \nr/uus\veise 
duivli  Kalke  und  ScliirlVr  mil  Cl\  inciiien  und  (ioniatilen,  noch  gewiibnlidier 
durdi  olivengrUge  Sdiiel'er  mil  Spiril'er  disjunctus  (Verm-uili  repriisentirt  (Cly- 
iiH-nien-Kalk  und  Verneuili-Sdiifhlcn  .  I.el/teres  ist  nainentlich  auf  dciu  linken 
Hlieinuler  d.-r  Fall,  von  \vo  aus  sie  sidi  nadi  Brli:irn  \erbreiten.  Aul  der 
redihrii  Hli.-insdlr  irden  als  gleicbalterit^e  Schichlen  die  K  ra  in  en  z  el  k  a  I  ke, 
Schiefertbone  mil  linsenfonnigen ,  Clymenien  und  Gonialilen  fiibrenden  Kalk- 
iiinvn.  nanientlidi  y.\\isdicn  der  Honne.  Dieniel  und  Edcr  auf.  In  Nassau 
sind  die  ek-eiiilieheii  Kramenzelkalke  kaum  \orlianden,  sondern  durcb  Sdiieler 
mil  <:\piidiiia  senal<»-slriala  (C  y  p  ri  d  i  n  e  n  -  S  di  i  e  I V  i )  \eMivlen. 

In  der  Knl\\  iekeluni;  des  l)e\on  im  niii  dliehen  Theile  des  Harzes  /ei-t 
sidi  eine  aullallende  r.-b.-rrinsliininuni:  mil  den  Itbrinischen  und  insbesondere 
mil  den  Na.vsauiscli.-n  deidialteri-en  Bildungen.  Die  de\  <,ni>,-|i,.  Formation  trill 
dort  in  y.N\,.i  L-rossereii  isolirten  I'artien ,  eiue  in  der  U'-end  /.\visdien  Laulen- 
ll'.'l  und  (ioslar,  die  andeie  in  der  Fmueluini;  \on  I'll.in-erode  aul.  Das  he- 
N(H1  Nl>"  KN'ini-'ei-ndi-  und  Mill, eland  la-erl  auf  ol.ersilurisdien  Sdiid.len 
und  niiiuiil  das  IniK'iv  der  nordlidien  llar/er  Silunnuldr  sirli.-  pa-.  :!():{  ein. 

Ivs     .^lie.lrrl     si.-lij      xX  j,,    folgl; 

Oberdevobj  Iber-er  Kalk  und  Spiriler  disjunelus-Sdiiel.ltM),  in  ersleivm 
\iele  Iliiblcii,  /.  H.  die  Baiiii.anns-  mid  Hidsholile ,  -  Sdialslein ,  —  C\pri- 
dineu-Sdiierer. 

.M  illeldex  on:  Sli  in-o.-eplialeiik,.lk  mil  \  iel  |-;iseiisleineiiilai:eruiiueii  .  reidi 
an  K..rallrn,  liradiiopodon,  Trilobilen,  audi  mil  Slrini:oeep|ialus  Burlini.  \\is- 
seiil.,i.'lier  'I  li..iisdiieler  mil  Ortho.vr.i.s  triangular*-  am  |{iidi<>nber^e. 

l'"«ler<le  \  on:  Klbinin-nidrr  (irauuaeke  olme  oiL-aniselie  lirsle,  Spiri- 
ren-Sandslein  mil  S|)iril'er  marn.plerus,  /.  B.  an  den  l)ivi  Aniieii. 

Auf  dem   Oberharxe   (rill    die  devonische  Foriualion  in  drei    isolirlen    I'ar- 

>\  n  e  r  ,  Elemeote  d.  Ueologie. 


322  VI     Ilislmisrhe  Geologic. 

lion  x.ii  Tage  ,  mill  y.\\ar  I  /uischen  Ocker  uiul  Innerste  am  Nordrande  des 
Gobirges,  2)  in  Yorbinduni:  mil  ausgedehnton  Lagorn  von  Diahas  am  sogonann- 
tcn  Grlinstoinzugo  in  (It-stall  einer  schmalen  /one  /.wise-hen  Oslerode  und  llarz- 
burg,  :!  am  Iberge,  der  sich  \vio  cine  Insel  milieu  aus  den  Gulmschichicn 
erhebt.  Dcr  Sp  i  riferen  -Sa  n  ds le i  n  mil  Spirifcr  macroplerus,  Ilomalonolus 
gigas,  I'lcrinca  u.  a.  nimrnt  don  osllichon  Thcii  dcr  Dcvonparlic  cin  und  set /I 
I'asl  anssclilicsslich  die  Berge  zv\ iseheii  Ockcr,  Goslar,  Bockswiese  und  Ober- 
schulenberg  (/..  B.  den  Rammelsberg  uiid  Kahleberg)  zusammen.  Seine  Schich- 
Icn  sind  in  viele  Mulden  und  Siiltel  gefallet.  An  den  Spiriferensandslein  schlicsscn 
sich  Calceola-Schichten  eng  an.  Es  sind  dunkelgraublaue,  thonige  Kalk- 
stcinc,  \\clclic  mil  kalkigen,  dUnnschieferigen  Thonschiefern  wechsellagern  und 
Calecola  sandalina,  Cupressocrinus  urogalli,  Spirifer  speciosus,  Phacops  lalifrons 
filhren.  Die  \\ichtigsten  Aufsclilusspunkte  tlieser  Schichlen  sind  das  Schalkcr 
Thai,  der  Auerhahn,  tier  Bocksberg ,  der  Bammelsberg.  In  Folge  einer  voll- 
stiindigen  Uberkippung  der  dortigen  Schichtencomplexe  unterleufen  die  Cal- 
ceolascbiefer  slellenweise  die  Spiriferensandsleine,  so  am  westlichen  Fliigel  des 
von  letzteren  gebildeten  grossen  Saltels.  Ein  hoheres  Niveau  als  der  Calceola- 
srhiefer  nimmt  der  durch  die  Grube  Weinschenkc  bei  Buntenbock  und  am 
Polslerberge  aufgeschlossene  Stringocephalen-Kalk  mil  Orthoceras  lineare, 
Bronlcus  signatus,  Stringocephalus  Burtini  ein.  Er  ist  mil  Rolheisenstcin-, 
Bi'auneisenstein-  und  Magneteisensteinlagerslatten  vergesellschaftet  und  beglei- 
tet  den  Grilnsteinzug.  Noch  zvveifelhaft  ist  es,  ob  gewissen,  von  F.  A.  Romer 
als  Wissenbacher  Schiefer  bezeichneten  Schichten  mil  Bactrites  gracilis, 
Gonialites  subnautilinus,  Gon.  retrorsys,  Gon.  lamed.,  var.  complanatus  u.  a., 
Schichten,  welche  sovvohl  im  Liegenden  des  Grttnsteinzuges  an  der  Kuckholz- 
klippe  bei  Clausthal,  als  in  weiter  Verbreitung  zwischen  Gosslar,  Langelsheim 
und  dem  \Vinterberge  aufgeschlossen  sind,  eine  mitleldevonische  Stellung  zwi- 
schen Galceolaschichten  und  Stringocephalen-Kalken  oder  ein  oberdevonisdies 
Niveau  anzuweisen  ist;  wahrscheinlich  vvird  man  sich  jedoch  fiir  letzteres  zu 
enlschliessen  haben.  Die  Schichten  des  Oberdevon  (Kramenzelkalke,  Clymenien- 
kalke  und  Cypridinenschiefer)  umgeben  die  grosse  Oberharzer  Devonpartic  im 
Ostcn,  SUden  und  Wcslcn  und  fdhren  als  Kramenzelkalk  bei  Schulenberg  Area 
chmeniae,  Tentaculites,  Phacops  laevis,  —  als  Domanikkalk  bei  Altcnau 
(iardium  palmalum,  Goniatites  retrorsus,  --  als  Cypridinenschiefer  bei  Lautcn- 
thal  Cyj)ridina  serrato-striata.  Dem  Niveau  des  Oberdevon  gehorl  auch  die  Kalk- 
masse  des  Iberges  und  Winterberges  bei  Grund  an  ,  welche  nach  alien  Rich- 
tungen  von  EisensteinlagersUilten  durchschwarmt  \vird  und  ausserordenllich 
rcicli  an  organist-hen  Resten,  so  an  Terebratula  elongata ,  Rhynchonella  puiiiius, 
Rhynch.  cuboitles,  Gonialites  intumcscens,  Spirifer  simplex,  Conocardium  Ira- 
pezoidale,  Acervularia,  Cyathophyllum  u.  s.  w.  ist. 

Im  osllichen  Thtlringen  sind  bei  Saalfeld  als  unzwcifclhaflc  dcvonische 
Gebildc  Clymcnien  und  Gonialilen  fuhrende  rothc  Knolenkalkc  aufgeschlossen. 
In  ganz  iihnlicher  Weise,  wie  bei  Saalfeld,  wcrdcn  bei  Elbcrsreulh  und  Hof 
m  Fie  h  lelgobirge,  ferner  in  Oberfranken  und  in  den  Reussischen 
Fttrstenthtltnern  die  Graplolillicn  filhrenden  obcrsilurischcm  Schiefer  von  (]  I  \  me- 


VI.    Ilislmisrhe    InMilo-ir.  323 

nienkalk   mid    Cyprid'inenBchiefer    uherlap-rt.     In    Sehlesien    ireien 

hei  Freihurt:  und  hci  Kun/rii<loi-f  /wei  isolirle  Kalkmassen  ;ius  dem  (Jehiele 
der  Clli  information  lier\or.  \\elrhe  u.  ;i.  Spiril'er  dixjunelus.  Alrspa  iviieularis, 
Hlmielionella  euhoides.  Meeeplaeuliles  Nt'|iliini.  Aulopora  repens  1'Hlnvn  uiul  ;ils 
unieres  OherdeMin  anuesprorlini  \\onlen  sind.  In  Polen  (b(>i  Sievsier/, 
Demhnik  uiul  kielee  sind  milleldevoniselie  (Jehilde  sielier  erkannl.  In  Oster- 
rei  eliiseh  -  Sell  I  ex  i  en  und  Miihren  hilden  die  Yertreler  idler  drci  llanpl- 
ahllieiluniien  dcs  Devon  eine  his  iiher  .'?  iM(Mlen  hreile  und  el\\a  7'  -,  Meilen 
I.IIIL;I'  /one,  \\elelie  sieli  von  Xiiekinanlel  in  siidlieher  Hidilmm  his  Slernher^ 
in  M.iliren  erslreekt.  Hei  l-'-hei'sdorf  in  der  (li-al'si  hall  (ilatx  sind  ohei'drvoniselie 
Kalke  nachgewiesen  \\orden. 

In  Uritannien  lial  das  Devon  eine  doppelte  Anshildunizsueise  ei-falii-en. 
indeni  dorl  sowohl  die  I \piselie,  an  Korallen,  Mollnskon  und  TrilohihMi  reielie, 
\\ie  die  liselifiihrende  Old-red-Saiulslone-l-'acies  verd'elen  ist.  Krslere  lial  iliro 
llanpleiiluickelnni:  in  Conivsall  mid  De\onsliire ,  \vo  sie  /nerst  als  selhsliindiue 
liiiinalion  erkannt  mid  henannl  \\  urde,  heslehl  voiv.niis\\eise  ans  i;n'inen  Seliie- 
feni ,  Onar/.ilen  und  Sandsleinen ,  /uisehen  \vclclion  hlau^i'aue,  niarniorarli^e 
kalksleine  eiiiizesdiallel  siiid ,  mid  ijliederl  sicli  elxMifnlls,  \venn  niich  niclil  so 
sehai'f.  \\ie  die  Illieiniselie  Devonfonnation  in  Ohcrdcvon  (Cl\  inenienkalke  mid 
Spiril'er  disjuneliis-Seliieferj  ,  Millelde\on  Striniioeeplialenkalk  und  Caleeola- 
sehiefer;  und  I  ntenlevon  Spirit'erensandslein;.  Der  ()  I  d-rod  -  Snnd  s  tone 
isiehe  p.  :}|9)  ist  in  dem  lieuliuen  Siid\\ales  und  den  anuren/.enden  Tlieilen  MIIL:- 
lands,  sowie  in  Seliollland,  aid'  den  Orkney-  und  Shollands-Inseln  ent\A  irkell. 

In   Skandinavien   \\erden   pewisse  Sandsleine   und  Conyi erale,    \velelie 

die  jiliii-'sten  siluriselien  Seliiehlen  lileieliniiissi^  uberln^ern,  mil  \Valirseheiiili<'li- 
ki  ii  als  Aeqiiivalenthilduniien  des  Old-i-ed  ijedeutet. 

In  Hussland  Jreten  devonischo  Schichten  aid'  dem  enormen  b'liielien- 
iMiiine  \on  elwa  7000  Ouadralmeilen,  und  /.war  in  /wei  Zonen  /u  Taire,  deren 
eine  .xieh  MID  kurland  in  nordosllicher  Hiclilun^  his  Archangel  erslreckl,  wall- 
it  nd  die  /.\\eile  \on  kurland  siidiisllieli  his  iiher  Tula  hin.ius  \erliiufl.  hn 
nissiselien  Devon  linden  sicli  die  lieiden  sonsl  iielrennlen  Faeies  der  de\oni 
M-heii  Scliiclili-nreilie  veroinl,  indeni  das  .Milleldevon  und  das  nnlere  ()hcrde\  on 
den  normalen  ,  das  ..h.-rsir  |)e\on  liin-i'iien  den  Old-red-Cliarakler  hesil/l, 
reii-h  an  Heslen  \on  l'"iselien  ,  /..  B.  von  Iloloptyehius ,  Aslerolepis ,  Plendiili\s 
isl  mid  hei  unizeslorler,  fast  liori/milaler  Scliiehlunii  i:an/  reiielmiissiir  von  der 
(Miiioniselien  l-'ornialion  uherlauerl  \\ird.  Ausserdem  lej:t  .sieli  aucli  nodi  an 
die  \\Vslllanke  des  I'ral  ein  schinali-s  hand  von  de\  oniselien  Scliicliten  an. 

Aneh  in  Nord  .1111  eri  k  a  ,  mid  /  \\jir  namenllieli  in  (lessen  Oslen,  lial  das 
Devon  eine  \\eile  Verhrcilniii:.  Ahiiclaircrl  innerlialh  der  llaeh-lrouloi •mi^en 
Mnlde  \on  Silnrscliielilen .  deren  iisllielier  Fliiiiel  in  den  Alle^lianies ,  deren 
niirdlielier  mid  \\estlielier  Hand  in  den  llachen  r>odenei-|ielimii;en  von  Nord- 
Ncw-Vork.  Ohio,  kenliiek\  mid  'I'enne.ssee  /.u  Taiie  Irill.  also  tax  I  riniis  miiLie- 
hen  von  der  in  eoneenlrisehen  Xonen  nosgehenden  siliiriseheu  l;orniation,  - 
und  \\iedermn  selhst  xiiin  Theil  Uherlai;erl  von  dem  carhonisehcn  Systeme, 
h<-i:leilel  das  Devon  die  xilip  isclien  (icsleiue  der  Alleulianies  in  l;onn  eines 

21* 


:'.'2  I  VI.     Ilislnnsclir 

sdimalen  Uandes,  gelangl  aber  ;ils  breiler  S;mm  des  nordliehen  silurisclicii 
und  ;i/.oiscli(Mi  Terrains  iin  Inncron  dcs  Conliiienles  zu  griisserer  \Yiehtigkeil. 
Audi  in  <];m;id;i.  Nova  Scotia  mid  \ew-Hnmswiek  Iritl  Devon,  mid  /\\;ir  in 
lel/tgeiiannler  PHAIII/  reich  an  IMlanzenreslen  ,  n.mientlielt  solehen  von  I'silo- 
pli\leii  auf.  Almlieli  \s  ie  in  Uussland,  \\ird  aucli  in  Nordamerika  die  oberste 
Abtheilung  der  devonisehen  Formation  dnreli  Old- red-Sandstone  mil  llolo|»l\- 
cliius  gebildel,  \\iilirend  die  nnleren  Niveaus  I'rodnele  der  holien  S<-f  sind 
und  lanizllii^eliizc  SpiritVivn ,  Hh\  ndionclla ,  Alrxpa.  Orlliis,  Goniatit(>s,  C\rlo- 
ft-ras,  Cyalhopliyllum,  Cystiphyllum,  Calamopora ,  I'hacops ,  jcdodi  nur  \vcnii:c 
mil  ciiropiiisrlien  idcntischo  Artcn  fiihron.  Die  (ilicdcnmg  und  I'aralldisininL; 
dci'  dcvonischen  Fonnationen  der  ohcn  ln'sproclicncn  Tcrrilonen  isl  in  anlic- 
licndtM1  Taln-llr  cntlialtcn. 

Ynlkiiuisclie  Erscheinungeii  im  Gebiete  der  devonischen  Forniationen. 

Die  submarincn  Eruptionen  ,  aus  denen  diejenigen  Diabas-  und  Diabaslulldn- 
lagerungen  hervorgingen ,  wie  sie  bei  Besprechung  dor  vulkanisclu-n  V.r- 
scheinangen  der  Silurperiode  gest-hilderl  wurden,  beschrankten  sidi  nidil 
auf  dieses  Zeitalter,  sondern  wiederholen  sich  mil  noch  grossercr  l^nergie  in 
der  Periode  des  Devon.  In  den  Schichtenreihen  der  meisten  devonisdu-n 
ICi  i  itorien  Europas  spielen  deshalb  ursprilnglich  deckenartig  auf  dem  devoni- 
schen Meeresgrunde  ausgebreilele ,  jetzt  flach  linsenformig  oder  schichlon- 
almlich  z\\  ischengelagerte ,  stellenweise  kuppenarlig  aufgeslaule  Diabasgesleine 
eine  vvichlige  Rolle.  Sie  sind  dann  mil  den  gleichallerigen  Sedimentschichten 
diii'di  luffartige  Zwillergesteine  zum  Theil  auf  das  innigsle  verbunden,  i:an/ 
allgemein  aber  parallel  zwischen  sie  eingeschallet,  so  dass  in  Folge  mil  dn- 
iindcr  abwechselnder  Rildung  der  beiderlei  Gesleine  eine  rcgdmiissiuc 
\\ Cdisellagerung  zwischen  versleinerungsfiihr(>nd(Mi  und  ursprilnglidi  L:luih- 
Iliissigen  Formationsgliedern  stattfindet,  wiihrend  eigentliche  (iiinge  und  Sliifkc 
von  devonischen  Diabasen  zu  den  Seltenheiten  gehoren.  Diabaslager  uicdcr- 
holen  sich  zwischen  den  devonischen  Schichlen  nichl  selten  mehrfaeh  iiber- 
einander,  eine  ganz  ausserordenlliche  Enlvvickelung  aber  erreichen  die  Dia- 
1>asluffe  und  Schalsteine  in  vielen  Devongebielen.  Besonders  ist  dies 
drr  l-'all  in  iler  (legend  von  Dillenburg  und  NVeilburg  in  Nassau,  \vo  sidi, 
abgesrlicn  von  zahlreichen  Wechsellagerungen  der  devonischen  Schiefer,  Kalk- 
steine  und  Diabase,  Ubergange  der  lelzteren  durch  DiabastrtUnmergesleine  und 
Sdialsleine  in  Stringocephalenkalk  beobachlen  lassen.  1m  Des  one  \Vest- 
phalens,  des  llarzes,  des  Fichlelgebirges  und  Englands  \\iederholen  sidi  die 
iiehmlichen  Erscheinungen.  Auch  mil  ihren  lie^enden  und  haniiend<>n  Sedi- 
menlsdiidilen  parallele  l-jidagerungen  von  Dior  it  sind  z.  B.  bei  Wissenbaeh, 
soldie  von  Gabbro  bei  (iladenbadi  im  Nassauisdien  bekannt.  AuHalliger 
\\fise  liingegen  linden  sidi  derartige  eruptive  Glieder  der  devonischen 
Sdiiditenreihe  weder  in  den  grossen  Devonterrilorien  des  Mississippi-Beckens, 
nodi  in  denen  Russlands. 

In  engem  genelisdiem  Xusammenliange  ^mil  den  Diabasen  der  genannten 
Uexonterritorien  stelien  H  ot  h  <>  i  sen  e  rz  e  ,  \\elehe  fast  ilberall  da,  wo  Blaller- 
st.-ine  oder  Sdialsleine  an  Kalkslein  grenzen,  zur  Ausbildiing  gelangl  sind. 


VI 


825 


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326 


VI. 


l-'iur.   1-10.    a  l)e  v  on  isc  her  Schalstein  mit 

b  riiospkoriteiiilagernngeu  im  Dillenbur- 

gi  so  he  n. 


sirh  mil  dem  Kalksleine  inniu  Nerbunden  zeiiien  und  nidil  sellen  dieselben 
Yer.sidnenuigen  fiilncii  \\  ie  dieser.  Solche  RotheLsenerzldgerstgtlen  sind  lid 
Hrilnn  in  \Ve.xlphalen,  bci  /urge,  Blhingerodc,  Hiibcland  und  Clauslhal  im 
llar/.e.  bei  Amnenau ,  \Veilburg  und  Dillenburg  n.  ;i.  <>.  d;is  Object  eines 
,III\L:.  delmten  Hergbaues  und  kommen  dorl  nicht  sellen  mil  Hraiinciscnsiein 
gemeinschaftlicb  vor.  Die  in  den  miUeldevonischcn  SchalstcaoeD  In-i  Konius- 

IMTI:  itn  Dillenbur^'sdien 
den  Rotheisensleim-  sind 
hallii;  und  mil  vcr/.oijen  linscnloi'- 
miizcn  Phosphoritcinlagerungen  \er- 
urx-ll.scluil'iri  l-'ii:.  I  iO). 

Abgesohcn  von  den  siihniiirincn 
Diidnis-,  Dioril-  und  (Jnhhi-oiius- 
hriichcn ,  \\clclie  hei'cils  \\.iliiTiid 
des  Absalzes  dor  devooischen  Scliidi- 
ten  slatlfanden,  \\aren  gc\\iss(!  De- 
vonlerrilorien  nicht  sellc'n  nodi  in 
s|i,itt'i'en,  zum  Tbuil  den  jiiniislen  Perioden  /ii/.ui'edinciidcn  Xeilaltern  der  Sdiau- 
plal/  von  Eruplionen  ylulhlliissiger  Gesleinsmassen ,  \\eldie  die  devonisdien 
Sdiichlen  lieule  gang-  odor  slockforniig  durchsetzen,  ohne  dass  es  liberal  I  nmi:- 
lidi  ist,  den  Zeilpunkl  des  Emporbrechens  derselben  zu  fixiren.  So  \\ird  d.is 
DCMIII  von  Nova  Scotia  von  einem  niachtigcu,  inehrere  Meilen  langen  (Jranit- 
/iiLic  durdisdinillen  und  stellenweise  bedeck  I,  welcher  Fragmenle  des  benacli- 
barten  devonischen  Grauwackenschiefers  uinjschliessl. 

Aus  den  devonischen  Schiefern  (Killas)  der  Ilalbinsel  Cornwall  erln-ben 
sidi  in  einer  von  ONO.  nach  \VS\V.  streiehenden  Kelle  vier  grossei'e  und 
zahlreiche  kleinere  Gra  nitstocke,  \velche  zahlreidie  Verz\\ei:;un;;eii  in 
das  Nebengeslein  aussenden  und  selbst  Schieferbruchstiicke  einschliessen.  Sie 
und  mil  ihnen  die  Killas  \verden  wiederum  von  Felsitporph  y  rgii  n  ge  n 
l->lvans)  durchselzl,  \\elche  nichl  selten  Kupferkics,  Schwefelkies  und  Xinn- 
slcin  enthaUen.  Ein  13  M.  miichliger  Gang  von  q  ua  rz  f  ii  h  re  nd  e  m  Diabase 
durdisetzl  bei  Ehrenbreilenstein  die  Coblenzer  Grauwacke.  I-'e  Isi  (  porph  \  i1 
Irill  in  einzelnon  Kuppen  aus  dem  Nassauisehen  Devon,  Basal  I  durdisd/t 
d.i^  Devon  des  Hhdiilandes  in  Giingen,  hat  sieh  auf  ihm  zu  Kuppen  aulur- 
staut  oder  deeken-  und  stromartig  ausgcbreitel.  Die  Tracli  \  I  kegel  des  Sieben- 
gi-birues  und  endlidi  die  ganz  jungen  Lavastroine,  Tufiablagerungen  und  KiMlcre 
der  Laacher  (iegend  gehoren  einem  de\onischen  Territorium  an,  dessen  Sdiidi- 
Icn  ihr  Material  in  gluthfldssigeiu  Xuslande  durchbrochen  hal. 

Nodi  einllussreidier  als  durch  (iesleinseruptionen  ausserlen  sich  die  vul- 
kani»dien  Kral'le  aul  die  devonisdien  Ablai;eningen  in  i;e%\allsamen  Srhidilen- 
sti)runi:en  ,  in  l-'uLc  dcrcii  an  Stelle  der  ursprtiDglich  horizcuilalen  Lagerungs- 
I'orm  slcil  oder  vertical  "aufgeriditet*' ,  gekniekle  und  durdi  Verwei fungsspalten 
/erri.^M'iie  Sdiiditciis\  v-iciiii1  >idi  \ielfach  \\icdci-liolende  Mulden  und  S.illel  ge- 
Irelen  sind.  Der  enorme  Druck ,  \velelien  derartiLie  Dislocalionen  geNNalligei- 
Sdiir|iten^\sleiiie  \  oraiisscl/en  ,  scheinl  die  V«'ranlassnng  zur  Ausbildung  der 


transuM-salen  Sdiidenm-  -exvesen  y.u  sein,  die  in  vidcn  de\onisdien  Schiefer- 
iidtiden  die  dgentlidie  Schidiluni;  mehr  oder  \\eni.-er  maskirt.  Kinc  fernerc 
Foljje  soldier  ScbichlonfittfningOfl  \\aren  Spa  1 1  en  hi  I  d  n  n»  en  und  iiiich  deren 
allmiihlidier  Ausfullung  mil  .Mincralsubslan/.en  ti  .1  n  i:  ('<>  r  in  ;i  I  i  o  n  e  n.  Auf  devo- 
nisrlirm  Arcale,  ;ilso  in  de\  oinsdiem  Nebeniicsleine  sel/en  beispielsv\  eise  fol- 
uende  Gauge  aiif:  der  mehr  als  70  Fuss  iniiehlige  stoekformigo  Spalheisen- 
.sleingani:  von  Milsen  iin  Sirizru'srlicn,  die  Kupfernickcl .  Nickclgliinz  und 
Kuplrrkirs  fuhrciidcn  (;im»r  von  ()lu>r\\n]d ,  die  Kupferkicsiziin-c  bei  DiJIcn- 
1'iii-u,  die  Mjinji.-iiirr/i'jiiii'c  hci  Kimcmde,  die  Bleiiihin/giingc  von  llolzappcl, 
die  Kupfcr-  und  Zinncrx^iii-e.  \\clclic  die  devonisehen  Scliiefer,  (Ji-iinitc  und 
Fdsiiporplmv  vi.u  (;«»i'n\viill  duivlKsetx.cn  und  in  ihrer  Verln-eidin-  nn  die 
Vihe  der  l.-l/.l-en.UH.Ien  Kni|)li\i:esleii)e  ^ehunden  sind .  Iheilweise' sogar  im 
Conliiele  \,,n  Gninit  und  d(>\(,niscli(Mi  Schietci  n  jnifsel/iMi.  Dicselben  \\crdni 
IKM  riinT  duirhsclinillliclien  Miichligkeil  von  -I  M.  10  und  inelir  M.  iniichiii;. 
In  einer  (Jan-nnisse  von  scli\\;ir/licli  griinein  Chlorit  und  Ouarz  fiihren  die 
einen  /inner/,  fein  ein-espren-t  oder  als  Auskleidung  von  KlUflcn  und  Dru- 
senrainnen  und  sind  die  jiingeren  Cliinge,  die  anderen  Kupfcrkies  in 

Vsirrn  nder  inassigcii  1'artien.  Es  ereigncl  sich  jedoch  aueh,  dass  (Jjing*., 
welchc  in  ihrer  oberen  Teufe  Kupfererze  fuhrlcn  und  auf  diese  ab-ebaut 
\Mirden,  diireh  gegensn'lijie  Venlriiiigung  der  Erze  sich  in  grdssercr  Tiei'e  xu 
Xinnsleinlaueisliitlen  um^-slallclcn.  An  Slcllcn ,  \vo  die  besdmcbenrn  C.iinge 
diiivh  l-VlsiiporpliNi-iinj-e  setzen ,  niimnl  nichl  nur  ihre  Milchligkcil,  sondern 
•  inch  ihr  Ki-xreidithuin  /u ,  cine  Krseheinung,  welchc  sich  auch  dort  wiederholl, 
\\o  sich  vcrsdii(>den  streidiendc  Krxgiinge  kreuxen  oder  schaaren. 

lliickblick.     In   der  Silurxeil   war    das    Leben    anscheinend    noeh   auf  die 
Mrrre    beschrankt;  die  Continente   warcn  iin  Vorgloich    mil  der  anfiinglich  fast 
all-eineiiien    \S  assci -bedeckiing    aiisserordentlich    unbedeutend.       Wiihrend     der 
«l.-v<»nisdic-n  Periode  \\adisen  sic  sovvohl    in  Folge  langsaiucr  Ilebung  des  Lan- 
des,   als    andi  sleler  Ansdmemmung    von  Seiten    des  Meeres    und  nehmen  xu- 
gleidi  compliriricro  Conluren   an;       -    bis  dahin    todt,    bcgZhnen  sie   sich    mil 
IMlan/i-n,    mil  Coniferen,   Farncn,   Sigillarien    und  Lepidodcndre^n ,    den    ersten 
landbc\\n|m,-ndrn   Oruanismen   zu  sclimUckcn ,     spiirliehen    Forrncn ,    welchc    in 
d.-r  niichsim  ^M.logisdi.-ii   1'eriode  zu    einer  spiiter   nie   wieder  ern-idil.'n   Fnlle 
und   Hiescnhafiigkoit  dcr  Individuen  gelangen  sollten.     Thiere  schcint  das  Fcsl- 
land  der  DCNOH/CJI   n«.di    nidil    hervorgebracht    zu    habcn ,    \\iilirend    cine    faM 
volHloinmdoe,   allmiihlichc  Umgeslaltung  der  Meeresfauna    von    station  ging.     Sie 
\cnndn-i    sich    urn    zahlreichc   Ganoid-   uud   einige   Knnrpcllischc;    die    ersten 
Andeiiiuniien  d.-r. \ninm neen ,   die  Goniatitcn ;   die  Gattungen  Productus,   Unciles, 
Siringiicephalus,    Cljn.cnia  crschcinen   auf   dcr  WeltbUhne,    nebcn    ihnen    eine 
An/alil   neucr  Crinoiden-  und  I'decypodcngenera ,   Cupressocrinus ,    Rhodocrinns 
I'olmocrinus,       -  Mci»alod«.n,    1'lcrinca,    Nucula.      Dahingegen    habcn    sich    di,. 
Fainilicn  der  r.rapldilhcn   und  dcr  Cystidccn,   ferncr  ausser  den  Trilol»iicn  der 
lYi.nordialfauna    die    C.-schlechl,-,-    Cahnicne,     Agnostus,    Acidaspis ,    Asapinis, 
Illaenus,    endlich    das  Ccphalr)pnden!iiis   Liluitcs,    .s..\\i.-   di,.   Kellenkoralle   Ha- 
lysiles    iiberlebt   nn,|  sind   I.ercils    ausgcslorben.      Kurz    der   Gcsanimldiaractcr 


:;-js  vi. 

dcr  silun.xclieii  orLNinischcn  Well  hat  cine  Wandelang  erfahren  .  in  welcher,  als 
Gan/cs  aiifget'asst,  die  hichischnur  cines  slul'cn\\ci.scn  Fortschrittcs  (lurch  Ein- 
filhruni:  holier  oruani.sirler  Thicr-  uiul  Pllan/entx  pen  nicht  zu  vcrkenneii  isl. 


Die  carfoonische  odor  Striiikohlenformation. 

I'nter  der  Re/eichnung  der  earbonisehen  oder  SteiokoblenCormaiion  \cr- 
sleht  man  einc  aus  Kalksteinen,  Grauwaeken.  Sandsleinen  , 
Thonschiefern,  Schieferthonen  und  Steinkohlen  bestehende 
\\t'lrhe  in  maiu'hen  Gchieton  ihrer  Ausbilduni;  ilber  7000  M.  Miicliliirkrii  rr- 
rciclil.  da  \\i»  sic  in  (iemeinschaft  mil  devonischen  und  dyassischen  (ii-bildcn 
auHrill  ,  das  Ilanucndc  dor  crslcron  und  das  l.iciiondc  dcr  let/tcrcn  l>ildcl. 
Ihre  Ablagerunc;  falll  in  eine  Zeil,  in  \\ richer  aid'  den  Continonlcn  Fame, 
Calamilen,  Sigillarion  und  Lepidodendren  rt.\i  eint-r  iii(>  \\iodorerrcichtcu 
BotwickeluDg  tiolanglen,  in  \volch(M%  fcrncr  die  cr.stcn  Keptilion  und 
die  oi'sten  landbewohnenden  Thicro  auf  dein  irdischcn  Schauplalx.  crschienei), 
\\iihrond  sich  die  Fauna  der  gleicfazeitigen  Meere  durch  ihren  Reichlhuin  an 
Crinoiden ,  Producten  und  rugosen  Korallen  charaklerisiil.  Die  carbonische 
Formation  is  demnach  der  Reprasentanl  des  Zeitalters  der  Gefasskryplo- 
gamen,  so\vie  der  erslen  Replilien  und  In  f  la  t  h  inenden  Thiei*. 
Das  Vorkommen  zahlreicher,  machfiger  und  aosgedehnlar  Ablatierunizi-n  von 
Steinkohlen  innerhalb  der  hierher  gehdrigen  Sehichtenreihe  rechllei  tiut  die 
Renennung  Sleinkohlenformalion,  \\enn  auch  noch  andere  Formationen  (Letlen- 
kohlengruppe ,  Wealden,  D\as)  Steinkohlenllotze  fiihren. 

Der  petrogaphische  Character  der  carbonischen  Formation.  In  i:e\\  i>- 
sen  BildungsrSuDien  der  carbonischen  Formation  \\inl  deren  Sohicbtenfolge durcfa 
miichtige,  nur  undeutlich  gcschichlete  Ablageruagen  last  vollkommen  \er>iei- 
nerungsleerer  Conglomerate  eroHhel,  welche  nach  oben  durch  VerfeinerttUg 
dcr  sie  zusammcnset/enden  GesteiiislVauinentc  in  Sandslein  iiberizehcu. 
Diese  besitzen  bald  grbberes,  bald  feineres  Korn .  ge\vbhnlich  einc  \veNxe, 
gi-;iue  oder  gelbliche  Farbung  und  meisl  ein  kieseliges  und  thoniges  15iii(|e- 
niillcl,  und  machen  das  vor\vallcndc  Material  der  carbonischen  Formation  und 
/.\\ar  namentlich  dercn  oberer  lliilfle  aus.  Grauwaeken,  G  ran  \\  a  ck  cn- 
schiefer  und  Kic seise hicfer  bilden  gemeinschartlich  /..  M.  in  Devonshire, 
ini  Oberharze,  in  Nassau  und  Wcstphalen  die  unlercn  Ilori/.onlc  dcr  carboni- 
schen Schichlenreihe.  Schiefer  Ihone  Ireten  \orziiLis\\eisc  in  NVcchscl- 
lat:crung  mil  den  Sandsteinen  und  Steinkohh'nlltit/cn  der  eigentlichen  Kohlen- 
formalion  auf  und  sind  /.inn  Theil  angefulll  von  den  \vohlcrhallenen  Hcsien 
dei  carbonischen  Flora,  \\iihrend  die  masscnhafte  Anhiiufuug  der  Ict/.lcren  das 
Material  dcr  Steinkohlenllot/c  liefcrle.  Durch  den  Verkohlliogsprocess  i:ii)g  die 
urspriiiiiiliche  Form  der  Kohlcnpllan/en  innerhalb  dcr  Sl<-inkolilcnllot/.e  nicislcn- 
theils  verloren,  erhiclt  sich  da-eiren  in  den  dariiber  und  darunlcr  liegendcn 
Schiefcrlhonen  in  stauncnsNNcrlher  Dciillichkcil.  Die  Kohlenllot/.e  dcr  carbo- 
nischen Formation  bestehen  enl\\eder  aus  Steinkohle  in  alien  ihrcn  (lurch 


VI.     Hisloi  i-clir    (ii'tiloLMc.  ii'J'.l 

Slructiir  und  (ilanx.  hcdiniilen  Yariclaten,  oder  aus  A  M  I  It  r,i  c  i  |  , 
al-o  dem  iiiichst  hdheren  Stadium  dcr  Yerkohlung  MMI  IMlau/enmasse.  Kin 
mid  dassellte  Flnl/.  kann  an  dcr  cinen  Sidle  aus  Steinkohle.  an  dcr  anderen 
,nis  Anlhracit  bestdien.  je  nachdem  die  Lagci  uiiLzsverhaltnisse  den  Xcrsdx.ungs- 
process  beschleunigtgn  oder  nidil.  In  Folue  davon  existhi  juich  zwischcn  bei- 
dcn  Verkohlungsproducten,  \\ie  nidit  ;mdors  /n  cr\\;irlcn,  cine  ununtorl)rocli('nc 
l{cilic  Mm  M-rmitlrlndcn  /\Msi-ln'iii;.lif(l»'rn.  In  ongcM-  Vcrhindnn^  mil  den 
Slcink(ililcnll(it/(>n  slrhen  niclil  scllcn  Al»l;ii:cningen  von  Ih'onigem  Spharo- 
sidcrit.  Dicscr  lindol  sicli  (>nl\\rdcr  in  isolirton ,  abor  x.um  Theil  dichl  vor 
und  nclx-nciiiiindcr  lic^cndcn  linscnlnnni^cn  Nicivn  odcr  in  /usarnmcnlmnucn- 
dci!  H.inken  /.\M'schen  den  mil  Kohlenllolzen  verizescllschaflclon  Schicfcrlhoncn, 
\\ie  dies  \or7.u-s\\cisc  in  dcr  carhonischen  Formation  von  Saarhriicken,  Siid- 
\\ales,  Slall'ordsliiro,  Pennsylvania  dor  Fall  isl.  Kino  noch  (Mitzerc  Verhindnni: 
dor  Kohlon-  und  Fisenslcinahlaucnin^en  \\ird  durch  den  Kohle noise n- 
Stein,  oin  (ionieniie  von  beidcn,  wie  es  z.  H.  im  Hulir^ebielo  vnrkoinmf, 
hcr^csiellt.  Trelen  Kalkstcinc  innrrhalb  des  carbonischcn  Sandslein-, 
Scliiclerlhon-  und  Sleinkohlencomplexes  nur  in  iinlcrgourdnotcii  Schichlen  aid, 
so  L'.-wiimi  dieses  Gostcin  einc  ansserordentliche  Bedeutun»  dadurch,  dass  es 
in  inanclien  Cci:eiiden  eine  solbstsliindi»<»  untcrc  Abtheilung  dcr  carbonischcn 
rnnnalion,  den  Kohlenkalk  bildol.  An  dem  Aufbau  dieser  unlcren  Ni\«-aiis 
bclhciliiic!)  sich  ausscrdein  noch  (iyps,  Dolomil,  Anhydrit  und  Sic  i  n  sa  I  /,. 

Lageruiigsverlialtnisse  dcr  carbonischeii  Formation.  Uberall  da,  \\o 
die  palacozoischc  Formalionsgruppe  in  vollsliindiger  Knl\\iekelun-  auftrilt,  <-r- 
scheinl  das  carbonisdic  S\slein  zwischen  d<;rn  Devon  und  der  Dyas  cinge- 
sdiallel,  indcni  sic  erslere  Formation  iiberlagert,  von  letzterer  aber  dbcrlagcrt 
\\ird.  So  folgen  in  Devonshire  carbonischc  Gcbilde  vollkommen  gleichformijj, 
ant  edit  (lcv(.nisd)e  Schichlcncoinploxo ;  die.  nntere  Ablheiliuiii  der  earbonisdicn 
h.rniaiinn  1,,-nl  i,,  Sdiottland  concordant  auf  dem  Old-red-sandstone,  in  Wesl- 
phidcn  iiiil*  dem  obcrdcvnnisdien  Kramcn/.clkalk ,  in  Pennsylvania  nnd  vielen 
andercn  (i.^cnden  Nordamerikas  auf  dem  Calskill  und  Chcmung  Sandstcin. 
Aul  dcr  andercn  Seilc  lic-t  die  D\as  von  Kansas  -und  iiberhaiipl  dcr  bsUioken 
AN.dlc  dcr  lliM-k\  Mountains  so  vollkommen  gleichformig  auf  der  carbonisdicu 
Formation  und  1st  mil  ihr  durch  X \vischcnbildimgcn  so  eng  verkntlpfl,  dass 
scharfe  (ircii/.'ii  y.\\isdicn  l.cidcn  nichl  /u  x.iehen  siml.  In  iihnlicher  \\Cisc 
sclili.vsst  sich  das  Ho|ldici_'cndo,  also  die  unlere  D\as  mancher  Punkte  Deulsdi- 
lands  in  c.,nc(.rd.mler  l.a-erung  an  die  Slcinkiihleiitormalinn  an.  Dassclbe  isl 
in  Knjjiand  der  Fall:  ebcnso  liiiuli.u  jcdoch  \\erden  carbonisdie  Schichlen  \ou 
unlerd\;issis«-licn  discordant  iiberla-crl,  odcr  ilbcrlagi-rn  das  devonische  System 
ungleichfbnnig,  \\as  ffuf  SchichtensWrungen,  die  in  den  Begiun  und  in  das  Kude 
derSletnkoblenpefJode  fallen,  hindeulcl.  Die  carbmiische  Formation  rcilil  sich  dem- 
nadi  als  drilles  dcr  palacox.oischcn  S\sleme  in  die  sedimenliire  Schichtenreihe  ein. 

IWe  arcbilekfoiiischeii  VerhSiltnixse  der  carhonischen  Formation  sind 
\vegen  ilirer  Bexiehungen  x,u  dem  Abbau  dcr  Sleinknhlenllnlxe  sehr  genau  cr- 
lorsdit.  Die  carbonischcn  Sdiiditcns\ slcme  besit/.cn  gcxMihnlidi  ciiu;  muldcnahn- 
hche  odd-  hassin.irtii:c  l.a-ei-ungsfnruL  \\c-lche  jednch  nadi  dcr  (irosse  des  Areales 


VI.     Hislol  l-^-Ill1 

Ulid  liach  Maas>gabe  anderer  Kinlliisse  sehr  VerSChiedeDiUcfa  ausgebildrl 
k;inn  ,  so  d;i.ss  sit-  /.\\  ischen  llaeh  lellerartiger  und  slcil  aulgerichleler  Lagerung 
scliNvankl  und  durch  secundarc  Slo'rungen  YeiA\crfungen  und  knickinigen 
melir  oder  \\eniger  inodiliciil  \\ird.  Die  Lagerungsforni  der  nicislen  ganx 
llachen  Rassins  mag  durch  die  trogarlige  (lestall  ihrcs  Untergruodes  bedingl 
\\nrdcn  scin,  die  steilc  SchichtonsteUling  anderer  Muldon  jedm-h  isl  durch 
scillichen  Druck  her\orgr|>raeht  \\nrden.  ;ilso  d;is  Resultal  vulk;niisrlirr  Kr 
scheimmgen  und  \\ird  lx-i  Hcsprccluini;  dirscr  Icl/teren  Kr\\;ihiuinii  linden. 
Die  jirossiirligslcn  11;ieh  lellerfonnii;en  cjirboniselien  Heeken  liirut  d;is  Innere 
von  Nordamcrika  und  Hnssliind.  Hire  S<  Iiichlen  lieiien  tiher  niehrere  Tausend 
QttadraUBoilen  fasl  \ollkoniiiieii  liorixonlal  oder  kauin  inei-klich  \\ellig  und 
steiizen  nur  naeli  den  Hiindern  /.u  llacli  an.  Dassellte  \\iederliolt  sich,  \\enn 
aucli  in  kleiiHM'ein  Maassslalu;  /.  R.  in  den  irliindisehen .  oltefselilesischon  und 
Saai'hiiicker  Sleinkohlenbassins.  Dort  \\o  der  ohere  sleinkolilenfiilirende  Seliich- 
leneoinplex  nichl  xur  Ablayenini-  gelanizle,  sind  die  slratii-i'apliiselien  Verhiill- 
nisse  der  unleren  Ablheilung  dor  carbonisclien  l-'onnalion  iKohlenkalk  und 
Culm)  \vesenllirli  diesdlH-n  \\  ie  die  des  Silur  und  Devon,  indeni  ihnen  cine 
stt'ilo,  \ielfacli  iiesiorle  ScbiphtenstelluDg  Bigenlhttiulidh  1st. 

Der  palaeontologische  Charakter  der  carbonischeu  Formatioii.  Zu 
welch  reieher  I^nlwickelung  sich  auch  die  spiirliche  IMlan/emvoIl  des  de\oni- 
sclien  Zeilallers  \\jihrend  der  carbonischen  I'eriode  emporselivsinizl,  ini  Vei-yleiehe 
mil  der  MaonigfaUigkek  der  Floren  der  Jetzl\vell  1st  sic  ausseroi'denllieJi  formen- 
arin,  denn  nichl  nur  I'ehlen  die  angiospermen  Picotyledooen  noch  vollsliindig.  auch 
die  Cycadcen,  Coniferen  und  Palmcn  sind  nur  sparsam  verlrelen,  die  IMlan/.en- 
\vell  soniil  fasl  ausschliesslich  auf  Kryptoganien  bescliriinkt,  --  den  (lallungen 
Calamiles,  Lepidodeudron  und  Sigillaria  und  der  Familie  der  Fame  gehoren 
ihro  llauplrepriiscnlanlen  an.  Rei  solchcr  Fornienannulh  ollbnbarl  sich  die 
rppigkeil,  der  carbonischen  Landdora  in  deni  massenbaften  Auftreten  der  In- 
dividuen  und  in  den  ricsenhaflen  Dimensionen ,  welchc  sic  erlanglen.  Durch 
A n ha' u fung  der  abslerbenden  und  /u  Boilen  sinkenden  Pflan/.en  \\uide  das 
Material  geliefcrl ,  aus  \velchein  sich  durch  allmahliche  Vennoderung  die  Slein- 
kdhlenllo'l/.e  herausbildelen ,  deren  bedeulende  Zahl ,  Maelitigkeil  und  Ausdeh- 
diinu  die  Veranlassung  xur  Renennung  der  liier  beli.ichlclen  Formation  gab. 

Die  Flora  der  Steinkohlenpcriode  tragl  das  (lepriige  einer  lro|»isclnMi 
Sumpf-  und  Morasl— Vegetation  und  \var  demnach  auf  die  llachen  Niederungen 
der  carbonischen  (lonlinente  bescliriinkt,  \velche  sie  dschungelarlig  iiber- 
\\ucheilc.  1'nler  ihren  Vertretern  spielen  die  Calami  ten  cine  llauplrolle, 
von  dencn  Slamme,  Wur/elsliicke,  Z\seige,  Rla'Uor  uiul  Fruclificalionen  er- 
halten  sind,  deivn  Zusainmeugcliurigkcil  freilich  uur  in  den  scltenslen  Fiillen 
na«-h\\«'isbar  ist.  Man  pflcgt  deshalb  die  hieher  gehorigen  Sliimnie  unler  der 
He/.eichnung  Calamiles,  alle  Zweige  und  Hlallreste  als  C  a  I  a  in  oc  lad  us  xu 
vercinen,  xum  Theil  aber  auch  lelxtere  unter  dem  Nainen  A  s  loroph  \  1 1  i  1  e  s  . 
An  mi  I  aria,  Sj>  hon  oph  y  1 1  um  anxufilhren.  .Die  Schafle  von  Calamiles 
>i«  lie  1  ig.  I  i  I  besiixen  einen  cenlralen  und  xahlreiche  peripherische  Lufl- 
gange,  sind  liingsgefurcht  und  quergegliederl ,  lasscn  h.uilig  die  Narben  der 


lir 


331 


X \\eiue  erkennen    und    enden     naeh    unlen    keuellormii: :     sie    erreielien     i  I)    nnd 
mehr   Fuss   l.an.-e   und  :{    Fuss   Dieke,     sind   alter    in    den    meislen   Fallen    l.rett- 
artiii    Kuaammengcdrttckl    und    hahen    im    Verein    mil    ihren    X \\eiiien    fast    aus- 
sehliesslich     das     .Material     vieler    Steinkoldenllol/.o     i:eliel'erl.        Die     \\  ielitii^slen 
Arten    von    Catamites,    mil   \\elelien    die   Mehr/ald   aller  iibriuen    Species    y.u    \er- 
einen    .sein    diirl'ie,    sind   Cal.    approximates   hron.-.    mil    kur/en   (iliedern    (Fit,-. 
lil),    Cal.    Sucko\\i    Rronj:.    mil    \veileren    Gliedern    und    breilen 
Cal.  eannaeformis  Seldott). 
mil    sehr    lanpen   (Iliedei'n 
und  selimalen  l.an^srippen 
Fii:.     I  12)  ,    -        alle    drei 
aiissenirdenllieli  liiinliii  und 
in  Kuropa   sowolil.    \vie   in 
Nordamerika  \\eit  \crl»rei- 
tet.     Selir  eharakleri>ii.sc|| 
fiir  die   untere  Aldlieilmi- 
der    carhonisehen    Forma- 
tion    iM     Cal.    transilionis 
Copp..     hei    weleliem    die 
l.rmi:st'iirclieii    jedes    Cdie- 
des     ijenau     auf     die     des 
foli-euden      passen.         Die 
Xweige  der  Calamileii  und  Fig.  in.  .-.«..«. 

llerell     \\  irlekrindi"«>   Kl:il  VlK'   "]'     Ci.llanl'tes    upproximatus  Brong.    —   Fig.   112.     Cal. 

HI.U-    cunuaeformis  Schloth.   -   Fig.  143    Untcre.s  Ende  eiues  Schaftes  vc 
lev     (FiLZ.     111.     |  }..",.     ||0)  Cal.  Suckowi   Brong. 

werden  nad,  ,!,.,-  Form  dicser  lelzleren  A  s  le  ro  ph  }  1 1  i  les,  mil  schlanken,  spil/.en 
Hlallern.   S  p ti  e  n  o p  h  \  I  I  u  m  ,  mil  umgekehrl  keilfdrniigon  und  A  n  n  u  la  r  i  a  ,  mil 


'"      * 


III,. 


Fig.   III. 

•;•'"•    "  •   i:r,.i,g.         Fig.  M5      Sphonophyllum   Sc  h  1  o  the  i  m  i    Brong. 
»»    I  "••     \iiiiul.iriafortili      s  t  .•  r  n  Le  rg. 

slu.npren.  an  der  Kasis  \erNNaeliseiien  Hlallern  henannl.  Die  Fame  der  Slein- 
kohlenperiode  ua.en  /urn  groSSen  Theile  l,aun.arli»r  GeWflchse  mil  2  his  ){  !\|. 
lanuen  \\edeln,  lei,|(T  isl  aiiuli  l)ei  ilmen  die  /iisammen-el.oriMkeil  der  in  fossi- 
lem  Xuslande  slels  -.-ironnl  vorkommenden  ,  \\emi  aiidi  IVeili.'l,  mil  andcrcn 


VI.     Ill-Ion  -i'lic   (ii-'t|i»t:ir 


Artrii  UCIN.MI-I  beis&fnmenliegen(fen  Sininkr.  Hlaitsiirlp  mid  Ulatifr  nur  aus- 
imhmN\\risr  /ii  iTkrniH'ii.  Ol.\\nhl  die  l-'arnr  ini  All^-iiiciiicu  IHII  cincii  ;jc- 
rinui'ii  Anllicil  /.n  dcni  M.ilci'i.ilc  dcr  Stcinkdlilc  udicfcrl  lialx-n  ,  sn  hrsirlim 
doch  cin/rliM-  l;|o|/.<-.  xi  lici  X\\ickau.  l';isl  an.ssdilirs.vlicli  ans  l-'arnslriiiikru 


_Jj    Fig.   117  —  l.YJ.     Carl...  n  i  .sch  o  Fame, 
l-'i-.'.  1  IT.    Siihom.pteris  Gravenhorsti.  —  Fig.  1 1*.    N^uropteris  Loshii  Brong,  —  I.-J.T.  |  |«i.    Od'i 
Sclilutheimi  Drong.  —  Fig.  150.  Pccoptr-ris  arlmrr^cpiis  (i.'.pp.  ;  a  vergn.s.sprte  Fieder.  —   Fig.  l.'.J. 
eleganti  Lesq.  —  Fig.  I.Y2.  Alotlii.j.tr-ris  L..nclirti.lis  St,  :  i 

d 


"! 


:.'ill:iri:i  I'.iowni  Ii.iw-.  ir.-.-t.inrirt  i;        '<  Alxtruck  von  Si^.  oculata  Brong.;   —  i   Sig.  Voltzi : 
•  I  Stigin.tri.i  li..-.'iili-s  Hi 


\  I.    Historiscbe 


Caulopleris  .  mil'  dcncn  in. HI  oft  noch  die  Hlatlnarhcn  mid  auf  dicsen  die  (ic- 
I'.i.sslmndel  erkenut.  \\ahrend  dcr  Schielcrlhon,  \\clehcr  die  Flol/.e  /.u  hcdcitcn 
pMcLM  ,  /inn  Theil  \oii  den  Ucslcii  von  Farnhlaltcrn  izanx.  an^clulll  isl.  Nach 
ihrer  \cr\atnr  hat  man  die  Hlaller  dcr  fossilcn  Fame  in  /ahlrcichc  (ieschlcchler 
getheilt;  \on  diesen  sind  die  in  dcr  carbonischen  I'eriodc  verbreitetsten  uiul 
artcnrcicl^lfii  >iclic  l-'ig.  -147 — 1">2):  S  p  h(>  n  oj>  t  c  ri  s  ,  N C  u  ro  p  t  <>  r  i  s  ,  Odon- 
Lopteris,  l'«-fop!  cri.s  ,  C  \  loplcris  und  A  I  c  t  li  o  p  t  c  r  i  s. 

l-'.ini'  norli  LHns>crc  Hcdcutuiiii  als  die  (lalainitcii  nnd  Farm-  Itcsil/cn  in  dcr 
carluiiiisclu'ii  rilan/.cn\\elt  die  S  i  ii  i  1  la  rie  n  und  L  c  |>  i  d  o  d  c  n  d  re  n.  Hcidcs 
!•">  lti>  -'ii,  ja  iihei-  30  M.  luniie,  his  %  M.  dicke ,  nrspriinulicli  c\  lindrisclic. 
in  \crsleinertein  Xuslande  u'e\\olinlicli  brellarli^  /iisainnienizcdriickle  Sliiinnie. 
Diesellien  \cr/\\eii:cn  sicli  izaltelis^,  \varen  mil  schhmken ,  linearen  Hliiltem 
besetzt,  \\elclic  urosse  Hlattnarhen  liintcrlassen  lial>en.  Die  beiden  ^cnann- 
len  (ic.seldecliter  liillcn  cine  l.iickc  /.\\  iselien  den  Coniferen  und  (ielasskrx  plu- 


I'ii,'.  1M.    I.  .' 


n  ;    i. 


Kij,'.  l.'i."..   8t» mm stQck  Ton 
].••  pid.  elegaDS  lirong. 


L.    I'.  1  ;i  tt  n  ar  be  n   \  ..  n 
Lcpiilodendron. 


Ljamen  aiis,  indein  sic  sicli  in  ihrer  inneivn  Struclur  den  crsleren,  in  ihreni 
alliieincincn  llahilus  den  Ict/.tcrcn  niihcrn.  Die  Ohcrlliiche  von  Sii^i  Maria 
'.FL.  I  •">:'.  ist  (lurch  vcrlicale  Furchen  in  abgeruitdete  l.ani:sleislen  iielheill, 
auf  \velchcn  sicli  die  Hlatlnarhen  helinden.  Die  sicli  vielfach  ijahelnden, 
sicli  allseitii:  \oin  Slaiiiinc  hori/.onlal  aushivilenden  ,  his  ;}<)  Meter  laiiizen, 
cylindrischen  \Vur/eln  sind  mil  kreisrunden  Narhen  \erscheii  11-.  l.'i.!  r/  , 
an  \velcheii  lineare,  hlatliihnliclie  I  ihrillcn  ansil/.cii,  die  ein  dichtes  vervvorrc- 
ncs  (icvsehe  hilden.  Die.se  \\"ur/,eliiste  von  Si^illaria  sind  Sliumaria  he- 
nun nl  vvorden.  Die  Sliiinnie  von  l.c  p  i  d  e  n  d  ron  I  !L:.  !')'•)  sind  auf  ihrer 
Ohcrlliiche  mil  rhonihischen ,  lanccltlorniitreii  oder  hcxaiioiialen  Narhen  dicht 


331 


YF.    Ilislnnsrh)1  Geologie. 


bederkt ,  \\elehr  sicli  spiralig  inn  den  St;imm  ziehen  und  mil  langen  linearen 
Bl.illern  besct/t  \\aren.  Die  gabeligen  Z  \\eige  Irugen  ;ui  ihrem  Knde  gm.s.sr 
exlindrisehe  Fniehiiihren  (Lepidostrobus  .  Die  earbonisehen  G\eadeen  und 

Gnnil'eivn  stcht'ii  mi  lliiuligkeil  del1  liulividuen  und  nodi  mehr  der  Formen 
\\eit  hinler  den  danialigen  Farnen ,  Galamilen  ,  Sigillarien  und  I.epidndendren 
/murk:  erstere  linden  in  Noegge  ra  I  li  i;t ,  die  (loniferen  in  den  Ilol/.ern 
I'iniufi'  Araucarion  (I)adox  y  I  o  n  ,  Ara  uea  ri  tes)  ihre  N'erlreliinii.  Kine  iie- 
\\isse  Modification  dor  Steinkohle,  die  Faserkohle,  scheint  zum  grosson  Tlieile 
ans  soleliem  Araucarienhol/.e  hervorgegaitgen  /.u  sein. 

Wiihrend  die  angefiilirlen  IMlan/.en  ausscldiesslirli  den  Strand-,  Sumpf- 
niid  irniiieiiseebildnngen  der  Sleinkolilenfornialion  anueliiircn,  sind  die  y.ahl- 
reichen  Hesle  der  carhoniselien  Fauna  bis  auf  einiiie  l{<>ptilien .  Siiss\\asscr- 
liselie,  Arlliropoden  und  Zweischaler  nuf  die  Gcsteine  niarinen  Ursprungs  l>e- 
seliriinkt,  Von  den  niedrigsten  Thieren,  den  Protozoen,  kennt  man  nanientlieh 
eine  bis  weizenkorngrosse  Foraminifere,  Fusulina  cylindrica  Fiseli. 
(Fig.  I  •')"),  \velche  in  dem  Kohlenkalke  von  Russlnnd ,  Ohio,  Illinois,  Kansas 
in  ungeheurer  An/alil  der  Individuen  auflrilt.  Den  carlfonischen  Korallen  i>t 
durehweg  noeli  ein  palaeozoisclicr  Ilabilus  eigen ,  sic  gehoren  also  nusschliess- 
lich  j_len  Zoantharia  ragosa  und  labulata  an.  Von  ersteren  sind  die  Gallungen 
Lilh  ostrotion  (Fig.  1o9),  Amplcxus,  Lonsdalia,  Cyathaxonia  als 
fast  ausschliesslich  carbonisch  zu  nennen.  Unter  ihnen  zcichnen  sich  nainenl- 
lich  Li  th  o  sir  olio  n  basa  I  liforme  Phil,  und  A  nip  lex  us  cor  a  1 1  o  ides  So\v. 
dureli  ihre  Iliiufigkeil  und  grosse  Verbreilung  in  Deulschland,  Kngland,  Belgien, 
Uussland  und  den  \\eslliehen  Slaalen  von  Nordamerika  aus.  Von  Tabnlaien 

sind  Gala  in  o  p  o  r  a  ,  Mi  c  h  e- 
linia  und  Chaetetes  (Fig. 
158)  vorzugsvveise  Nviehlig, 
ohne  allein  auf  die  earl>oni- 
sehe  Formation  besehriinkl 
zu  sein,  \venn  sieh  aueh  die 
Melirzahl  der  Arlen  von 
(lhaetetes  und  Mieheltnia  in 
dieser  Gi'uppe  finden.  Die 
Grinoideen,  und  zwar  so- 
\\olil  die  eehlen  annlragen- 
den  \vie  die  Blasloideen 
erreiehen  im  Kohlenkalke  d;i> 
M.iximum  ihrer  Entuieke- 
lung;  die  vertieale  Verbr«  i- 
tung  der  lelzh'ren  I'iilll  sogar 
fasl  ausschliesslich  in  die  ear- 
bonische  I'ormalion,  \\eshalb 
sie  zu  den  be/.eiehnendslen 
organtschen  lit^ten  der  lel/.leren  7.\\  reehnen  sind  Die  griissle  Bedeulung  bpsilz»-Ji. 
inn!  /\\ar  Nor/ugN\\eise  f(ir  den  nordamerikanisehcn  Knhlenkalk.  die  (ialliniijen 


1.     Fusulina    cy  li  nd  rica  Fisch.    (naturlii-hn  (ir.is.se   nnd 
vergrossert,  durch  theilweise  Entfernung  der  Schale  sind  die  Kaininer- 
wande  sichtbarj. 


Fur.  IVi.    1,  it  liostrotion 
a  1  t  i  for  in  p  I'll  i  1. 


VI.     llistorix'hc  Geologic. 


335 


C  \  ,i  t  lion-inns  V\ii.  IGOj,  A  c  t  i  n  ocrinus  (Fig.  1(H),  Poteriocrinus  (Fig. 
Amphoraeri  n  us  und  1'  I  a  t  \  c  ri  nu  s  ,  nainenllich  nber  Pen  la  t  re  in  a  - 
tiles  Fig.  1C-'},  461).  Die  Children  haben  sidi  bereils  ilberlebt  und  sincl 
ausgestorbeii.  Die  nbrigen  Ahllieilungen  der  Kehinodermen  sind  nur  sp.-irsjiin 
und  /\\;ir  durch  Set»igel  von  .uissrlilit'sslioh  pahieozoischein  Habitus  (Pc- 
rischoi;rhin  i  dcu  vcrdvlen.  Hire  Schaale  /AMiiillt  in  30  bis  50  Heilien  von 
/urn  Theil  seclissciiiizcii  Tiil'i'lciicn .  \\iiluvnd  Itei  alien  spiitorcn  und  auch  den 
jei/ii:en  llcliiniden  die  Xahl  der  Asselreihen  20  nie  Uborsleigl.  Zu  diesen 
paiaeo/.uischen  Kehinidcn  gehoren  Archaeocidaris  mil  langen  Stacheln, 
NNt-lchc  anl'i:ros.sen  \Var/en  aufsitxen  and  Palaechinus  (Fig.  165),  dessen  Ober- 
Miiehe  mil  kleinen ,  kiirnigen  Wiirzchen  bedeckt  ist;  crslerer  nanientlieh  aus 
Hussland  und  l-jiizland,  lot/lerer  aus  Missouri  in  besonderer  Sclionhcil  bekannt. 
Unler  den  iMollusken  der  earbonischen  Gruppe  macht  si'ch  ein  iminer  ent- 
scliiedeneres  Xuriiektreten  der  Brachiopoden  und  Ceplialopode.n  benierkbar. 


Fig.   Hill 


Fig.  161. 


Fig.  IG'2. 


inns  cllipticns  Sr,,iil. 


Trnt/drin  iiefern  Ix-ide  Abtlieilim-en  noch  zahlrciche  fUr  den  Kohlenkalk  be- 
/.ei.-lmende  Fonnen  ,  unter  <lenen  von  ersinvn  naniontlich  Produclus,  Spi- 
rifer  und  Spiri-era,  von  let/teron  Orthoccra  s,  .Nautilus  und  Gonia- 
tUi'-s  -r.issere  Wirliii-keit  besii/.-n.  Pmduclus  sc  rn  i  re  tic  u  1  a  t  us  Flem. 
(Fii;.  !(>«;.,  prod,  uiiianieus  Sow.,  Prod,  scabriculus  Sow.,  Spirifer 
glabtM-  Mart.  (Fig.  107)  und  d.-r  !>!•<  '/2  Puss  breile  Spir.  slriatus  Mart. 


\  I.    lii.Morisrlie 


.Fit:.  K'.N  liehiin-n  /u  den  charakterislisciien  Leilfossilien  der  earbonischen 
l;onnalion  nnd  crhallen  (lurch  ihre  \\citc  hori/.ontale  Vcrhrciluni: ,  •-  sic  sind 
aus  Kuropa,  Asicn,  Amerika  und  Auslralien  lickannl,  -  -  doppellc  Bcdciilunu. 

Z\\eischalcr  sind  in  dcr  Kohlenl'ormalion  in  ben-its  grosser  Zahl  und 
.Mannid'alliukeil  cnlhallen  und  izclioren  den  (lallun-cn  I'cclen,  Avicula, 
(Ion  oca  r  (I  i  u  in  I'ii:.  I  (i'.l)  ,  Po  s  i  d  on  o  in  ya  an,  von  denen  bcsondcrs  die 
let/tuenannle  cine  in  den  Thonschiei'crn  dcs  Culm  ausserordoitlich  hiiuliiie  und 
I'iii-  sic  bc/.cichnende  Species  1'os.  Bccheri  Bronn  (Fig.  170)  licferl,  deren 
conc.'iilriscli  izcrippte ,  pa|)ierdiiiinc  Sclialen  manclic  Schichtuni;slliichen  L'anx. 
bcdeckcn.  In  den  Sehicfcrllionen  und  Kohlenllolxen  dcr  productive!)  Slein- 
kohleni:i-uppe  sind  Schalcn  von  SQss\\  assci-inuschcln  .  Tnio,  (A  nl  h  i~a  c  o  s  ia  j 


i-V.  M,S. 


Fig.  107. 


Fig.  1(50. 


Fig    17(i  Fig.  171.  Fi«-  !"-• 

Fig.  IWi.    I'rodiictus  Bembrtiealatfe  Firm.  -  FiK.  Hi7.    Spirifer  glal.nr  Mart.  -  Fig-  1«is.  SpirilV'r  .triatus  Mart. 
Fig.  1MI.  (•..n.-ranlii.!!!  M\\,rw  Sow.  -  Fi«.  I7M.   I',,Mdonomya  Heelieri  Br.  -  lig.  1,1.    Bellero,,hon 
ru-t:itus  Sow.  —  Fig.  172.  Goniatitos  sphaeilCUB  Haan. 

•»  * .  i          • i_ /~i . « J  „**.     /^  ^f-^.K)^,.!!  i  .M»     cinri     jli<»     nAntnli^rif 


nichl  selten.  Die  cnrbonischen  Gasteropoden-Gosehlechlei-  sind  die  nehnilichon 
\\ii-  die  dcs  Devon:  die  \sichliijslensind  Pie  u  r  o  to  ma  ria  ,  Turbo,  Natica, 
niiineiillich  iilii-r  Kuomphalus.  Zu  den  lletcr()podcn  ^inl  lie  1 1  c  ro  pli  o  n 
(l;iii.  171)  -erechnet .,  dcssen  unuckaniiiicrtc.  Ar^.nauta-iilinliclic  Sclmlc  cine 
sclir  ^eNNiilinliche  l;.rsclieinung  in  manclien  Kolilenkalkcn  isl. 

Von  Ccphalopodcn  sind  0  rt  hoce  ras-  A  rl  en  von  /Aim  Theil  ricsiizcn 
Dinicnsioncn  ini  Kuhlcnkalk  nichl  scllen,  und  Nautilus,  sowie  Goniatilcs 
iluirli  hc/<-ichuende  Arlcn,  crslcrc  diirch  solclte  mil  scharfen  l.iin^sreifen  \cr- 
hvlen.  Das  dein  Kohlenkalke  und  Culnir  ^enieinsanie  Vorkoiiuncn  von  Co- 
nintilcs  si.haericus  Ha  an  fcrenistria  Phil.)  (Fiir.  172y  isl  finer  dcr  He- 
\veisc  i'iii'  die  Aeijuisalen/  l)eidcr. 

Die  Tri  I  obi  I  «-n  sind  bis  juif  «-inii:r  wenige,  kleine  und  sparsani  vor- 
koiniiirnde  Arlcn,  \\clchc  nainenllicli  der  (ialluiiii  Phillipsia  (Fig.  17:5,  an- 
,mst:estorl>en  nnd  \\erden  licreils  dureh  einitze  Species  \on  Liniulus 


VI.   Historische  Geologic.  337 

rrs«'fy.i,  \\clche  von  d;i  ;d>  bis  y.ur  .Ictzt/rit  fortlobt.  In  den  Resten  einer  Anzahl 
von  anderon  ArlhmpodtMi  treten  zugleich  mit  einigen  Arten  von  Pupa  die  ersten 
Spuren  landbewohnender  und  lulia  t  Innender  Thiere  aut'.  Sie  sind 
der  \atur  dor  Sache  nach  fast  ausnahmslos  auf  die  produclive 
SteinkoblenformaUoo  beschninkt  und  gehoren  Scorpionen,  Tau- 
srndfu.sson,  Schaben,  Termiten  und  Locustiden  an. 
\\<>!iloi-li;i!teno  I  liigel  von  letzteren  haben  sich  namentlich  bei  Wetlin, 
Saarbriirkm,  in  Kngland,  Nova-Scotia  und  Illinois,  die  Reste  einer  Fig.  m.  .Phil- 
tvliten  Spinnr  in  Oberschlesien  aefunden  Upsia  pustu- 

,  lata  Schloth. 

rboniaoben  Fische  vertheilen  sich  auf  die  marine  und  kohlenfuhrende 
Schiehteograppe  der  Steinkohlenformation  und  sind  einerseits  echte  Knorpel- 
fisrl.e,  andererseits  Vorliiufer  der  Zechsteinfische,  nehmlich  bet  eroce  rca  1  e 
tleinschuppige  Ganoiden.  Von  ersteren  (Gtenodus,  Psammodus,  Cochlio- 
AWj  \.-naej.nthus)  haben  sich  gewOhnlich  nur  Zahne  und  /urn  Theil  fusslange 
Floss, -nsl,-i< -lu-ln,  -  -  von  letzteren  (Palaeoniscus,  Amblyplerus),  auch  vollslandige 
AbdrUcke  orhalten;  Knochenfische  hingegen  sind  noch  gar  nicht  vertreten. 

In  der  carbonischen  Periode  wird  die  Thierwelt  durch  das  erste  Auftreten 
drr  Hop  til  ion    urn  einen   neuen  wichtigen   Typus    bereichert.     Diese    Reprii- 
senlanlen  der    altesten    luftatlimenden  Wirbelthiere    vereinigen    in    ihrem   Baue 
nod.  iH-wissfCharakterc,  welche  spater  nicht  mehr  cornbinirt  erscheinen,  sondern 
sidi  inn  d,.n,  Mannigfaltigerwerden   des   organischen  Lebens  zu  Gruppeneigen- 
ilnimlirhkeiten  herausbilden.     Die   carbonischen  Reptilien   geho'ren  bis   auf  eine 
9pec4ea  sammtlich  derFamiliederFroschsaurier  oder  Labyrinthodonten 
an,   welche  zwar  gevvisse  Charaktere  mit  den  Echsen  gemeinsam  haben  (grosse, 
konische,  in  Zahnhohlen  steckende  Zahne,  Schuppenpanzer)  im  Ubrigen  sich  aber 
durch  ihre  kurzen  Rippen,  grossen  GaumenlOcher,    doppelten  Hinlerhaupls- 
izdcnkkopf)    den    Balrachiern    am   nachsten    anschliessen,    wiihrend    ihre  ZHhne 
daduroh,   dass  deren  Zahnsubslanz  sich  gekrosartig  nach  Innen  fallet,  eine  ra- 
Struclur  erlialten.     Man  kennt  bis  jetzt  acht  Galtungen  mit  \  I  Arten  car- 
">m>,  her  Labyrinthodonten,    deren  Mehrzahl    der    productiven   Koblenformation 
-Scotia's  entstammcn,   wo  sie  im  Inneren  ursprunglich  hohler,  spater  durch 
MH!    und  Schlamm  ausgefullter  aufrechtstehender  Sigillarien-Strtlnke   gemein- 
»»m    mit    Pupa    und    einem    Tausendfusse    aufgefunden     wurden.       Besonders 
siandii-  si, ,d  dieResle  vonHylonomus  und  Dendrerpeton  erhallen    — 
•nek.    b.-sassrn    den    allgemeinen    ausseren    Habitus    und    die    Bedeckung  'der 
Scbuppen-Ecbsen,  den  Schlldelbau  der  Batrachier  und  radialfallige  Zahne-  erstere 
-- 


'•"."I'!"  kaum    '  ,  Fuss,   letztere  bis  2  Fuss  Lange.    Auch  in  England 
.eletlhe.le    carbonischer   Froschsaurier    enldeckl,    und    als    Anthraco- 
Pholidogaster  u.    s.   w.    beschrieben   worden.     Von   Labyrintho- 
icheinen    die  Fusseindriicke  herzuruhren,    welche  sich  auf  den  Schich- 
lungsflachen    der  Steinkohlensandsteine    von  Pennsylvania   und   Nova-Scotia   in 
ichl   unbelrttchUicher  Anzahl   vorfmden.     Da   dieselben   durch  netzarlig  grup- 
Sprltoge  uekreuzt  werden,    wie   sie  durch  Austrocknung  frischer  schlarn- 
Oberflachen   enlslehen,    so  mUssen    ihre  Urheber   luftathmende   und  sich 
tein    sumpfigen    Laade    bewegende  Thiere    gewesen    sein.     Ausser    durch 

Crpdner,  Elemente  d.  Geologie. 


338  Vf.  Ilistoriscln- 

LabyriuihodonteO)    \\elehe    die    morasligen    I.agunen     tin     r;trl>onischen    IVriode 
be\\i>hnten.    seheineii    die   Keptilien    bereils    (lainals    sehon    durcli    mil    l;l» 
I'nssen   versehene,    schuiminende  Saurirr    (Knaliosaurier     verlrcten    L:C  \\esen    y.u 
sein.    \\enii:>iens  hat  man  izrnsse  biconcave  \Yirbel  (Eosaurus)   ebenfalis  inNn\a- 
Scotia  aufuefunden,    und  dicselhen  einem   Bnaliosaurier  zugesehriehen. 

Zweitheilung  und  verschiedene  Fades der carbonischen  Formation.  Die 
Stetnkohlenperiode  wnrde  durch  fbrtgesetzle,  saeculare  Hebaogen  dcr  bis  daliin 
he.sielieiiden  Continents  eingeleilel,  in  Folge  deren  letzlere  auf  Kosten  der  Aus- 
dehnung  der  Oceane  an  Area!  zunahinen.  Auf  dem  eben  dein  Meere  ahuc- 
\vonnenen,  flachen  Terrain  sammelteu  sich  die  atmosphiirischcn  Wasser,  deivn 
Ablauf  durch  zusaiiirnenliiingende  Flusss\slenie  nodi  niehl  geregelt  war,  in  y.alil- 
losen  seichten  TUinpeln  an  und  verwandelten  dassellx-  in  suinplige  .\iedn  un^m. 
auf  \velchen  cine  ilppige  Flora  emporvvucherte,  \veit  ausgedehnte  Uschun^eln 
bildete  und  das  Material  der  spateren  Sleinkohlenflolze  lieferte.  Wiilirend  der- 
selhcn  Zeit  nahni  jedoch  auch  der  Gesleinsbildungsprocess  auf  dein  Grunde  des 
Meeres  seinen  Fortgang.  Die  oceanischen  Sediniente  umschlossen  die  koi|>ei 
der  absterbenden  Meeresbewohner,  so  dass  sich  das  Material  einer  miirhti^en. 
versteinerungsfiihrenden  marinen  Schichtenreihe  anhaufte.  In  Folge  stets  fort- 
dauernder  Ni\(  auveriinderungen  lauchte  allniiihlich  auch  ein  Theil  dieses  mil 
marinen  Sediinenlen  (Kohlenkalk  und  Cuhi);  bedeckten  Meeresbodens  aus  dein 
Oceane  empor  und  vergrosserte  die  Continente,  so  dass  sich  deren  Flora  au! 
dein  neu  gewonnenen  Festlande  ausbreiten  konnte,  urn  dorl  ebenfalls  Material 
zur  Bildung  von  Steinkohlen  aufzuspeichern.  Daraus  geht  hervor,  dass  die 
Schichtenreihe  der  Steinkohlenformalion  stellenvveise  eine  reine  Sumpf-,  Siiss- 
wasser-  oder  Lagunen-  (limnische)  Bildung,  an  anderen  Punkten .  \velche 
wahrend  der  carbonischen  Periode  gar  nicht  tiber  den  Meeresspiegel  gehoben 
\\urden,  ein  ausschliesslich  marines  Product  isl,  dass  ferner  das  carbonische 
Sxstem  in  noch  anderen  Terrains  aus  z\vei  Complexen  verschiedenen  Ursprun- 
ges  besteht,  deren  uuterer  einen  m  a  r  i  n  e  n ,  deren  oberer  einen  1  i  m  n  i  s  c  h  e  n 
Charakter  tragt.  Lelztere  Zusammenselzung  der  carbonischen  Schichtenreihe 
fasst  man  als  die  typische  auf  und  gliedert  diese  in  zwei  Abtheilungen,  eine 
untere  und  cine  obere  :  die  su  bcarbonische  Formation  und  die  prod  uc  I  i  v  e 
Sleinkoh  I  enfo  rmalion.  In  der  Verschiedenartigkeit  sovvohl  ihres  petroura- 
phischen  \vie  ])alaeontologischen  Gharakters  finden  die  Verhaltnisse,  unler  denen 
diese  Schichtengruppen  zur  Ahlagerung  gelangten,  ihren  unverkennbaren  Ausdruek. 

I.  Die  subcarbonische  Formation  ist  nicht  an  alien  Punkten  ihres 
Auftrelens  gleicharlig  ausgehildet,  sondern  vielmehr  in  dreifacher  Facies  und 
/.war  ispisch  als  Kohlenkalk  enlwickelt.  Die  Kohlenkalk-Schichtenreihe  he- 
sleht,  worauf  der  Name  hindeulet,  fast  ausschliesslich  aus  reinem  oder  dolo- 
mitischem  Kalksteine  und  ist  zum  Theil  ganz  ausserordenllich  reich  an  HesU  11 
einer  echlen  Meeresfauna,  also  Cephalopoden,  Brachiopoden,  Korallen  und  Cri- 
noiden,  \\elehe  namentlich  durch  die  Genera:  Goniatiles,  Productus,  Rhyncho- 
nella,  Chonetes,  Spirifer,  Lilhoslrotion,  Gyalhaxonia,  Zaphrentis,  Cyathocrinus, 
Aclinocrinus,  I'entalreiiiatiles  verlreten  werden,  y.u  denen  sich  als  sehr  charakte- 
ristisdn's  I.eitfossil  Fusulina  evlindriea  geselll.  Alles  weisl  anf  einen  rein 


VF.    Hislorisclie    Ocoloi-ir.  339 

niii  ri  !)<•  ii  I  i-spnin-  des  Kulilenkalkes  hin.  Seine  llauplvei  livliin-  findet  er 
in  Helgien,  Irland,  Wales.  Itussland  uiui  Nordamerika.  hn  sildlirhen  En-land 
beginnt  die  suhcarhonische  Formation  mil  einer  Weehsellaj-eruni'  von  Schiefer- 
thonen,  Sandsteinen  und  Kalksleinen,  \\elehe  »2<>0  Meter  MaYhlis-keil  erreichl 
und  ,.u!'  \\elche  dann  erst  der  his  TOO  Meier  miichti-e  eehle  Kohlenkalk  fol-t 
Almliehes,  lindet  ini  mitlleren  Hussland  slatl. 

An    Slelle    des    rj-enl  lichen    Kohlenkalkes    Iritt    in    manchen    ejrbonischen 
T.-rrilnrien.    so   in  \\estphalen.  Nassau,    im  llarz,    in  Sehlesien,  in  Mahren,  Desoii- 
sliiiv  und   Irland    ein  ihni    anseheinend    »an/,   uniilinliches  Scliichlensyslem,    der 
<i  u  I  in.      Diese  Formation    hestehl    aus    einer    niehrfnchen    Wechsella^enuiii    \«.n 
Thonseliiefer,    KieselsehielVi .    kieseli^en  Plallenkalken,    Sandsleinen,   (irauwaeken 
und  Condomeraien  und  I.esil/.i  I.ei  Weilem  niclil  den  Versteinerun^sreichtlium  des 
kol.l(>nkalkes,    nainenllieli   felilen  die  Korallen   und  Crinoiden   vollsliindi-,   ehenso 
«li«-    Mrael.iopoden    bis    auf   einij-o   Productus-Arten,    nelnnlich    Prod,    antiqmis. 
seiniiviiciiljilus    und    lalissinms.     Ausserdem    fUhren    die  Culm-Thonschiefer    mil 
<lfm   Kohlenkalke  Posidonomya   Beeheri,   Gonifililes  s|)haerieus,    Orthoceras  slria- 
luluin    i^eineinsain,    wodurch    sich    beide,    abgesehen    von    ihren   Lagerungsver- 
liiillnissen,   als  iiquivalenln  Bildungen,    als    zvvei    verschiedene   Facies   der   sub- 
•  •arbnnisclien    Formation    legilimircn.      Die    hierher   gehorigen    dunkelen    Thon- 
M-liielrr    \\,-rden    nachder    ihre  Schiehlungsfljichen    in  grosser  Anzahl  oft  ganz 
l»«'de<-kenden  Posidonomya  Beeheri  Posidonomyen-Schiefer  genannt.    Abweichend 
\on   d,.m   t\|)ischen  Kohlenkalke,   welclier  nur  ausnahrnsweise  die  Oberreste  von 
eingeschwemmten  Landpflanzen  fahrt,  umschliessen  die  vor  den  Posidonomyen- 
Sehi.-fern  oft  bei  Weilem    vorwaltenden  Grauwaeken  und  Sandsleine   des  Culm 
Keste  von  etwa  50  Pllan/.enarten  und  darunler  besonders  Calaiuites  transitionis, 
lei-ner  Sagenaria  Vellheimiana,  Knorria  imbricata,  Stigmaria  ficoides,  Sphenopteris 
emails,     \\elche    sogar    zur    Bildung    von    Kohlenflotzen    Veranlassung    gegeben 
haben.     Der  Culm  isl  demnach,  wie  ausserdem  namenilieh  die  (ioDglomefatartigen 
(iran\\acken  und  groben  Conglomerate  beweisen,  innerhalb  f  lacher  Meeres- 
buchten  mil  sumpfigen  Ufern  zur  Ablagerung  gelangt, 

Kndlich    kann    die    subcarbonische  Formation    noch    in    einer  drillen    und 
y.  \\ar  echien  Iferfacies,  nehmlich  als  eine  bis  2000  Meier  miichlige  Schichlen- 
lolge  \<m  vorwallen.len  izroben  Conglomera  ten  nebsl  Sandsleinen,  Sehiefer- 
ihnnen  und  Mergeln  erscheinen,   \\elche  /uN\eih«n   (so  bei  Hainichen  in  Saehs.'ii 
Kohlenllot/c,    an    manchen    Punklen    Gypse    uinsehliessi    und    mil    den    eeliten 
Knhlenkalken  dadurch  auf  das  innigste  verkntlpfl  i?i,   dass  sieh  zvvisehen  dicse 
Conglomeral-    und    Sandstein-Abla-erungen    des    carbonischen  Slrandes    in    der 
Hii-hlunii  nach    den.    damaligeii    olVenen   Meere    y.u    ein/.eln,-   \crsteirierungsreiche 
Kohlenkalkbiinke   einschalten,    de.vn    Miichliiik.-it    auf    Kosten   der   Conglomerate 
und  Sandsleine   mehr  und   melir  zunimml,    bis  sie  die  let/.leivn   allmiihlieh  uan/. 
verdriiniit  haben    und    nun    die    typische    marine  Kohlenkalkformalion   repriisen- 
liivn.      Derartiue  Verhallnisse    sind.z.   B.    in  den  sehollisch-englischen   Bassins, 
in  dem  appalachischen  Kohlenbecken,    sovvie  in   \ova-Seolia   in   Nordamerika   in 
ansserordentlicher  Deullichkeit   enl\\  ickelt. 

I  her    dem    Kohlenkalke    oder    (lessen    A.-<|iiivaleiil.»ebilden,     dem    Cuim    und 


340  VI.    Historische  Geologic. 

den  subcarbonischen  Gonglomeraten  Iritt  als  vermittelndesttbergangsglied  zwisehen 
der  oberen  und  unteren  earbonischen  Formation  eine  Srhiehtcn^nippe  ;mf, 
\\elehe  vorherrschend  aus  groben  Sandsteinen  und  Conglomerate!!  besleht  und 
nur  ausnahmsweise  unbedeulende  KohlenflOize  ftlhrl.  Dieser  Gesteinscom- 
plex  vvird  in  Deutschland  als  flotzleerer  Sandstein,  auch  wohl  als 
obere  Culmgrauwa  eke,  in  England  und  Nordainerika  als  Mil  Isto  ne-g"ri  I 
bezeicbnet.  Am  o'stlichen  Rande  des  appalachisehen  Kohlenfeldes  erreieht  derselbe 
500  Meter  Machtigkeil,  keilt  sich  aber  in  westlicher  Richtung  aus,  um  relit 
marinen  Gebilden  Plat/  /u  machen.  In  solchen  Bildungsraumen  der  carbo- 
nischen  Formation,  wo  der  Abvvesenheit  des  Meeres  wegen  Kohlenkalk  od«  i 
Culm  nicht  zur  Ablagerung  gelangen  konnten,  also  in  Binnenmulden  ist  der 
fldtzleere  Sandstein  das  untere  Glied  der  dortigen  carbonischen  Schichtenreihe 
und  hat  deren  Ablagerungsprocess  eingeleitel. 

II.  Die  productive  Kohlenforrnation  bildet  die  obere  'Abtheilung 
des  earbonischen  Schichtensystems  und  bestehl  vorwallend  aus  Sandsleinen, 
Schieferlhonen  und  Steinkohlenflo'tzen.  In  England,  Ober-Schlesien  und  Saar- 
briicken  steigt  ihre  Machligkeit  bis  zu  mehr  als  3500  Meter.  Die  Anzahl  dcr 
in  ihr  auftretenden  Steinkohlenflotze  ist  zum  Theil  sehr  bedeutend  und  beti-aiil 
in  Nieder-Schlesien  12  bis  80,  in  Weslphalen  bis  Uber  80,  bei  Saarbriicken 
164,  bei  Mons  in  Belgien  115,  und  endlich  am  Donetz  in  Stid-Russland  ^^5. 
von  denen  freilich  viele  nur  eine  sehr  geringe  Machligkeit  besitzen  und  des- 
halb  nicht  bauwurdig  sind.  Die  Landpflanzen,  mil  welchen  die  Schieferthone 
angefdllt  sind,  und  welche  das  Material  der  Steinkohle  geliefert  haben,  also 
Sigillaria,  Calamites,  Lepidodendron,  Fame  und  Coniferen,  die  Resle  luftath- 
mender  TausendfUsse,  Insekten,  Spinnen,  Mollusken  und  Reptilien,  welche  in 
den  nordamerikanischen  und  europaischen  KohU'iiformationen  gefunden  wor- 
den  sind,  beweisen,  dass  die  Bildung  der  let/teren  in  ausgedehnten,  von 
SUsswassertiimpeln,  Binnenseen,  Lagunen  und  von  seichten,  liel 
eingreifenden  Meeresbuchten  unterbrochenen  S  U  in  p  f  e  n  vor  sich  gegangen 
ist,  auf  deren  Oberflache  eine  Flora  von  nie  wieder  erreichler  Dppigkeil 
emporschoss. 

In  dem  unteren  Niveau  dieser  productiven  Steinkohlenformation  treten  in 
Coalbrook-Dale,  bei  Glasgow,  in  Yorkshire  und  den  angrenzenden  Theilen  des 
nordlichen  England,  in  Kentucky  und  Nova-Scotia,  bei  Liltlich,  im  Ruhrge- 
biete  und  in  Oberschlesien  gewisse  Schichten  mit  Reslen  von  Meeresbewohnei  n 
auf,  unter  denen  namentlich  die  Geschlechter  Productus,  Spirifer,  Pecten,  Orthis. 
Chonetes.  Nautilus,  Goniatites,  Orthoceras  vertreten  sind.  Es  geht  daraus  her- 
vor,  dass  sich  die  mit  Kohlenpflanzen  bedecklen  earbonischen  Continents  /eil- 
weilig  unter  den  Wasserspiegel  gesenkt  und  nach  Kurzem  wieder  gehoben 
oder  dass  Einbrtlche  des  Meeres  staltgefunden  haben. 

Geographische  Verbreitung  der  earbonischen  Formation.  Ganz 
abgesehen  davon,  dass  das  Auftreten  der  carbonischen  Gruppe  und  ihrer  bei- 
nahe  idenlischen  Floren  und  Faunen  in  fast  alien  Weltlheilen  und  unter  alien 
Rreiten  holies  \\issenschaftliches  Inleresse  erregt,  isl  dio  geographische  Ver- 
bi-eilung  der  Steinkohlenforrnalion,  welcher  die  Hauplmasse  des  augenblicktich 


VI.   Historische  Geologie.  341 

nmsumiri.'n  Bronnmalrrulr.s  ,>nlnomm<-n    \\ird,    von    hochstcr   techniseher    und 
naiionalokonornischer 


. 

^>n    allm    Liindern    Kuropas    nimmt    die    earbonische   Formation    in  Gross- 
Britaimirn  d.-is  grtfsste  Aival,  nehmlich  eine  Fliiche  von  etwa  480  Quadrat-M.-ilen 
•  •in.      Die  hierher  gehb'rigen  Ablagerungen  ruhen   auf  den  Schichten  des  Devon 
nnd  der  a/oisrhen  Formationon  und  bilden,  theils  durch  Damme  dieser  Gesteino, 
iheils  duroh  Uberla^-rnde  jUngere  Gebilde,  sowie  durch  Denudation  und  Meeres- 
;»nn.'  j-rtivmit.   erne  Anzahl  isolirter  Bassins,  deren   bedeutendste    die  von  Sad- 
Wales,    Derl.N  shire.    Yorkshire,    Northumberland,    Scholtland    und  Irland  sind. 
l>ie     rail.onisehe    Schichtenreihe    \vird   hier   normal  .  durch    die   subcarbonische 
Grnppe  erotfeet,    deren  Hauptglied,    der  Kohlenkalk  ,    namentlich   im  stldlichen 
""<!   mittleren   Kngland  das  Maximum  seiner  Machtigkeit  erreicht.     Nach  Norden 
i  begnmen  sich  einzelne,   alhuHhlich  i.nmer  zahlreicher  werdende  Schieferthone 
Sandsteine,  sowie  Kohlenfldtze  einzuschallen  ,    welche   nach  und  nach  den 
Kohlenkalk  fast  ganz  verdriingen  und  sich  in  Northumberland,  namentlich  aber 
Schottland  zu   einem  etwa  2000  Meter  ma'chtigen,    kohlenfuhrenden  System 
klastischen  Gesteinsschichten   entwickeln,    wiihrend   im    sUdlichsten  Theile 
on  England,   in  Devonshire  der   typische  Kohlenkalk'  durch  Culm-Schiefer  mit 
ionomya    Becheri    verlreten    isl.     Auf  den    Kohlenkalk    und   dessen  Aequi- 
ientbildungen  folgt  der  Millstone-grit  in  zwischen  100  und  300  Meter  wech- 
'Hnd.-r  Ma.-hii-k.-ii    und    Intel   die    productive  Kohlen  formation    ein.     In   Irland 
sind  die  jtageren  Glieder  der  Steinkohlengruppe  nicht   zur  Ablaaerung  gelangt, 
letzlere  nur  durch  Posidonomyen-Schiefer,    Kohlenkalk  und  Millstone- 
t   vertrvten  ist  ,  in  England  und  Schottland  hingegen  werden  die  unter- 

und  mittelcarbonischen  Gebilde  von  der  echten  productiven  Steinkohlenforma- 
ii'in  in  einer  Machtigkeit  von  bis  4000  Meter  bedeckt.  welche  z.  B  in  Sud- 
\\,les  76  Kohlenflotze,  unter  diesen  23  bauwtirdige  von  32  Meter  Gesammt- 
fiihren. 


wir  auf  den  europiiischen  Continent,    so  finden  wir  eine  der  eng- 
ichen    vollkommrn    entsprechende   Steinkohlenbildung    an    den   Nordrand    des 
>elgjsch-rbeini8chen  Devonterrains  angelagert.     In  Form  eines  verhaltnissmassig 
Shvifons  dehnl   sich  dicselbe  vom  Nordabfalle  der  Ardennen  von  Be- 
ilnin,'  und   Valenciennes  das  Maasthal  entlang  uber  Namur,  Ltlttich  und  Aachen 
BOS,    erteidel    dann    «•„„>    b.-druirnde  Inierbrechung  durch    das  Rheinthal,    urn 
!«•'•   "sili.-h    an    dem    nfirdlichen    Rande    des    westphalischen    Devongebirges 
•'!'•'   a«    d.-r  jUngeren  GesleinsUberlagerung    hervorzutauchen   und    sich    bis 
>i..(ltherge  hinzuziehen.    In  dem  Steinkohlenterrain  von  Belgien  und  Aachen 
ruht  dir  duirh  den  Kohlenkalk  gebildete  subcarbonische  Gruppe  in  steiler  Schich- 
tenstellung  gleichformig  auf  den  jUngsten  devonischen  Schichten   und  wird  von 
Conglomerate*    tlberlagert,    mit  welchen    die  productive  Steinkohlengruppe   be- 
In  Westphalen    hat  die  carbonische  Formation,    obwohl   sie   als  ost- 
liH.r  F«.rfs,-izun-  der  linksrheinischen  zu  belrachten  ist,  eine  etwas  abweichende 
Ausbildung  crfahren.     Der  Kohlenkalk    trill   hier  nur   in  dem  Hussersten      dem 
leine  ragewandten  Flligel  in  der  Nahe  von  Ratlingen  auf,  welter  nach'osten 
i  er  durch  ein  uber  300  M.   miichtiges  System    von  Thonschiefern  ,   Kiesel 


:'>12  VI.    Hi.slorisrlti' 

sclnd'crn.  Plallenl-alken  mid  Grau\\aekcn,  dem  Culm  ersel/t.  \\elcherii.  ,i.  I'osid. 
Hecheri  und  Goniatiies  sphaericus  luhri.  Die  productive;  Koblenforniation  \\ird 
diirch  die  Schichtenl'olge  dcs  llol/leeren  Sandsleines  eingeleilel  ,  isl  iilx-r  :':Jn<) 
Motor  maehlig  und  fiihrt  S:{  Knhlonflolzo,  darunlor  -'>0  l»au\\  iirdigc  mil  ct\\;i 
.">.'!  M.  Kohlo.  Das  weslphiilisehe  Sloinkohlengobirge  \vird  von  der  Kreide  dis- 
cordant iiberlagorl. 

An  den  SUd-Abfall  des  llunsriick  Ichnl  sich  das  Kohlcnbcckcn  von  Saar- 
brileken.  Seine  Sehiehien  gohbrcn  ausschlicssHch  dor  product! ven  Kolilcn- 
ronntilion  ;in,  bcsit/cn  cine  Miichliizkeit  von  el\\a  $'.)(}()  M..  in  \\clclicr  liis  jd/.l 
Si)  hauwiirdiiir  Flbl/.c,  daninler  oines  5  M.,"  allc  /Aisnnnncn  100  M.  iniichtiii, 
aufgescb lessen  sind  Sic  iaiic'ni  ilach  muldcnfbrmig  und  zvvar  discordant  anf 
<lcvonischon  Schiofern  auf  und  \vcrden  von  unlordyassiscli(Mi  (icliildcn.  den 
Lebachei1  SchiolVrn,  gleichfOrmig  bedin-kt.  Dor  flolm'iche  Thcil  des  Saarbriicker 
Kohlenbassins  nimml  ein  A  real  von  7  Quadralnieilon  oin. 

Audi  an  dein  Oslrando  dos  Rheinisehon  Sebieferaebirges  \\indot  sich  oin 
dureh  Krosion  vielfach  zerstiickcllor  Stroil'cn  dor  carbonischcn ,  und  x,\\ar  aus- 
schliesslich  dor  sid>carbonischen  Formation  bin,  Irilt  als  Culm  mil  Posidonomya 
hecheri  ini  DilJenhurgischen  in  Nassau  auf  und  ziehl  sich  von  bier  aus  einer- 
seits  sj;oi"<!n  Siidcn  in  den  Kreis  Wet /Jar,  andcrseits  gogen  Norden  bis  nach 
SladlbcM'ge ,  \vo  or  sich  an  das  vvoslphalischc  Kohlonlorrain  anschliosst.  Aus 
Culm,  und  z\var  Posidonomyen— Schiefern  und  pflanzoniuhrondcn  Grauwacken, 
bosteht  ferner  oin  grosser  Thcil  dos  nordwesllichon  Ilarzes ,  namenllich  die 
I'mgogend  von  Clauslhal ;  in  ihni  solzon  die  dorligen  Bleiglanzgange  auf. 

Die  im  ndrd lichen  Thoilo  von  Weslphalen  bei  Ibbenbiibron  und  am 
Pies  berg  bei  Osnabriick  aus  dor  Decke  von  jilngcren  und  jilngslen  Forma- 
tionon  horvorlrotondon  isolirlcn  Parlien  der  productiven  Sloinkohlenfonnalion 
slehen  \vahrschcinlich  mil  dem  \\eslphalischen  Sleinkohlengebirgc  nntorirdisch 
in  Verbindung  und  sind  nur  Ausliiufer  dieses  letzloren.  Von  nur  \venig  gros- 
serer  Bodoutung  sind  die  Kohlontorrains  von  Wellin  und  Lobejiin  in  der  Pro- 
vinz  Sachson.  1m  Konigreicho  Sachsen  besilzl  die  carbonische  Formation  oine 
etNNas  grbssere  Verbroilung  in  dor  Z  wickauer  Mulde  (mil  8  Flbtzen,  darunter 
eins  10  M.  machtig) ,  in  der  Sloinkohlenparlie  von  Flbha,  \volche  /war  mil 
dor  Zvvickauer  Mulde  zusammenhangt ,  aber  sehr  arm  an  Kohle  ist,  der  llai- 
nich  oner  Mulde,  welche  als  kohlenfiihrende  subcai'bonische  Formation  zu  belrac-h- 
len  isl,  und  dem  Polscba  ppo  le  r  Beckon  z\vischen  Dresden  und  Tharand. 
Nocb  vveiler  im  Oslen  Deulschlands  breilon  sich  die  Sloinkoblentorrains  von 
Ob  or-  und  N  i  ode  r-Sch  I  esi  e  n  aus.  Sio  umfassen  die  obere  und  untore 
Ablhoilung  der  carl)onischen  Formation,  und  /war  in  Nieder-Schlosien  oine 
Combination  beider  Facies  der  subcarbonischen  Gruppe,  indem  Kohlonkalklager 
mil  Produclus  und  Spirifer  zwisohon  don  (Jrau\vackon  und  Schiofern  des  Culm 
mil  Calamilos  und  Lepidodendron  oingeschallet  auftrelon.  Das  niedor-schlosische 
Steinkohlengebirge  bildet  oine  Mulde,  deren  osllicher  Fliigel  sich  an  den  Gneiss 
des  Eulen-Gebirges  anlehnl  und  bei  Waldenburg  borgbaulich  aufgoschlossen 
ist.  Ihr  westlicher  Fliigel  trill  in  Bohmon  bei  Schal/Jar  wieder  zu  Tago.  wiih- 


VI.  Historische  Geologie.  343 

ivnd  jhiv  jian/.e   miltlere  Parlie  dureh  Hothliogondes   und  Kreide  ausgofilllt   \\ird. 
lin  l.aul'e   der   Ablageruni:   des  niedcr-schlcMsclien  Kohlcngcbirgcs  erfolglcn   /ahl- 
reiche   Durehbriiche   son   rolhom  Ouar/.porphyr,   die  /inn   Tlioil  auflallende  Con- 
laciseischeinuni;en   be\\irklen.     In  Ober-Schlesien   \\ird  die  Stcinkohlcnformalion 
dnrch  den  Culm  erollnct.    \\ richer  sieh  ini  Wostcn  an  die  devonischc  Zone  von 
ZUcfcmantePSteraberg  anlehnt,    indem  er  von  Ober-Schlcsicn  aus  in  sildliehcr 
Michluni:    nach    ( JstciTcichisch-Schlesion    und    Mahren    bis    in    die    Gogend    von 
hrtiiin   fortsctzi   und  einen   Flaclienraurn  von  mehr    als    100  Quadralmoilcn  ein- 
niniiul.      Er  fiihrt   Posid.    Hecheri,   Gonialitcs  sphaericus ,   Calamites  transilionis, 
l.cpidod.   telraiionum,    und  anderc  Fame,   Calamilen  und  Lcpidodendren   und   hat 
mil  dem  Culm  dos  Oberharzes  die  ineistc  Verwandtschaft.      Der  Kohlenkalk  isl 
nur  an  dem  stlddstlichon  Ende  des  oborschlosischcn  Steinkohlcnbeckcns  bekannt 
und    fiihrl  namentlich    I'roductus  semireticulalus   und   P.    gignnteus.     Das    pro- 
ducti\e  Steinkohle&gebirge  bildet  verschiedene,   insclartig  aus  dem  umgebenden 
Diluvium    sirh    erhclx-ndo    Partien,    deren    grosste   sich    zwischen  Gleiwitz    und 
M\slowilz  ausdehnt.      Sie    gehdron   jedoch    augenscheinlich    ein    und    dciDselhen 
H(>ckcn  an,  dessen  Grdsse  gegen  100  Quadratrneilen   betragen   wird,    und  sind 
nur  oborfliiclilich  durch  Auflagerung  jUngerer  Geslcine  gelrcnnt.      Die  (Jesarnint- 
miichtiiikeit  dcr    oberschlesischcn  Steinkohlenfldtze  wird   auf   HI    M.   berechnet, 
•  I  is   \avcii-Fldlz   allein  erreicht  bis  16  M.   Miichtigkeit.     Hdchst    interessant 
ixl   das  Voikommcn  mariner  Fossilien,   namlich  Orlh\s,   Chonetes,   Nucula,   Area, 
(ii.niatiies.   .Nautilus,    Hellerophon   u.  a.,    vorzUglich   aber    von  Produclus    longi- 
spinus,  Orthoccras  undulatum,   Bellerophon   Urii,    Chonetes  Hardrensis   in    be- 
stimmien,  dem  unteren  Niveau  der  productiven  Steinkohlengruppe  angehdrigen 
Sehichten,  --  eine  Erscheinung,    welche   auf  eine  zeitweilige  Meeresbedeckuiiij 
des   carbonischen   Festlandes   hinweist.     Eruptivgesteine,    deren  Hervorbrechen 
in  die  Ablagemngszeit  des  Kohlengebirges  fallt,   fehlen  in  dem  oberschlesischcn 
Meckcn  durchaus,  auch  sind  die  Sehichten  desselben  ungestdrt,  flach  und  regel- 
miissii:  Licl.iizcrt,   obvvohl  einzelne  Verwerfungen  nicht  ansgeschlossen  sind.    Von 
deutschen    Vorkommen    der   carbonischen  Formation    sind    schliesslich    noch    die 
sehr  klcinen  Steinkohlenbccken  des  ThUrinuer  Waldes,   •/..  B.   b(>i  Manebaeh  und 
Gnldlauler   und   die    steile,    zwischen  Gneiss    und    Granit   eingeklemmte    Mulde 
\nn   Ber^hauptcn  in  Baden  zu  erwiihnen. 

In  Rjissla^d  nimmt  die  carbonische  Formation,  wenn  auch  zum  grossen 
Theile  von  Perm  und  .lura  Uberlagert,  einen  ungeheuren  Raum  ein,  indem  sie 
in  Form  eines  llaehcn .  icllerartigen  Beckens  mehr  als  ein  Dritlel  des  euro- 
piiisrhen  Husslands  zu  unterteufen  scheint.  Der  wesllichc  Rand  dieses  Bassins 
1 1  ill  in  einem  Streifcn  zu  Tage,  welchcr  sich  vom  Weissen  Meerc  bis  sUdlich 
\on  Moskau  erslreckl.  \\idirend  sich  sein  dstlicher  Rand  an  den  Ural  anlcgt. 
\Vie  in  Irland,  so  ist  auch  in  Russland  von  der  carbonischen  Formation  fast 
aiisM-hliesslicli  dcr  marine  Kohlenkalk  zur  Enlwickeluui:  pclangl,  fill-  dessen 
oberstes  Niveau  namenllich  das  massenhafte  Auftrelen  von  Fusulina  cylindrical 
charakterislisch  ist.  Die  productive  Kohlenformation  ist  auf  verhaltnissmassig 
sehr  beschranktem  Gebiele  durch  ein  isolirlcs  Beckon  am  Donetz  vertrelen. 
\M-lchos  Ireilicli  i2.'i  Fldlze  besilzen  soil.  Am  \\eslabfall  des  Ural  sind  carbo- 


'.>  1  I  VI.  Historische  Geologic. 

nisrhr  Knhlrn  hrkannt ,  \\clrlto  in  ihrem  Aussehen  durchaus  dcr  Braimkohh' 
gtaicbeo. 

Boh  men  isl  mil  Steinkohlc  rcich  auseestatlel.  Sie  bildet  einiuo  Brckrn 
in  der  Nahe  von  Pilsen  und  gehOrt  ferner  cineni  Streifen  von  carbonisrhon 
Schichten  an,  welche  sich  an  den  Nordrand  des  dortigen  Silur  anlciren.  Die 
subcarbonische  Gruppe  ist  im  Zusammenhange  mil  diesen  Yorkommen  nichl 
vrrtivlen,  besilzt  jedoch  weiter  b'stlich  in  Mahren  eine  grosse  Verbreitung. 

Von  den  Ubrigen  europaischen  Territorien  kann  an  dieser  Stelle  nur  er- 
\\iihnt  werden,  dass  in  den  Alp  en  sowohl  die  subearbonische ,  als  die  pro- 
ductive Steinkohlengruppe  nachgewiesen  ist,  aber  unter  ausserordenllich  ver- 
wickelten  Lagerungsverhallnissen  auflreten,  —  dass  die  carbonische  Formation 
in  1  (alien  gar  nicht  bekannl  ist,  in  Frankreich  nur  sehr  beschrankte  Ver- 
breilung  besitzt,  in  Spanien  und  Portugal  ansehnlichere  Ausdehnung  er- 
langt,  dass  endlich  machtige  Kohlenkalk-Ablagerungen  auf  der  Baren-Insel 
und  auf  Spitz  berg  en  entdeckt  worden  sind.  In  Asien  sind  carbonische 
Schichten  am  Allai  und  am  Amur  mit  Sicherheil  nachgewiesen,  das  Alter  eines 
grossen  Theiles  der  chinesischen  Steinkohlen  hingegen  ist  noch  fraglich ;  manche 
derselben  enthalten  jedoch  Sigillarien  und  sind  deshalb  wahrscheinlich  car- 
bonisch. 

In  Amerika  kennt  man  Vertreter  der  carbonischen  Formation  im  aussersten 
Norden  des  Conlinentes,  wie  fast  an  der  Sildspitze  desselben.  Am  grossartig- 
sten  auf  der  ganzen  bekannten  Erdoberflache  ist  das  carbonische  System  in  Nord- 
amerika  entwickelt ;  namentlich  besitzt  dort  der  Kohlenkalk  eine  enorme  Aus- 
breitung,  nimmt  den  grossten  Theil  des  Areales  zwischen  der  appalachischen  Kelte 
und  dem  Mississippi  ein  und  bildet  ausgedehnte  Landstriche  in  den  Rocky  Moun- 
tains und  in  den  arktischen  Regionen  jenes  Continentes.  Die  productive  Kohlen- 
formalion  breitet  sich  dort  liber  sechs  grossere  Territorien  aus,  welche  freilich 
zum  Theil  durch  spalereSchichtenstorungen  undAuswaschungen  in  zahlreiche  iso- 
lirte  Partien  zerrissen  worden  sind:  1)  das  grosse  appalachische  Kohlenfeld 
(s.  Fig.  178),  welches  sich  an  den  Westabfall  der  silurischen  und  vorsilurischen 
Alleghanykette  anlegt  und  sich  liber  bedeulende  Theile  von  Pennsylvania,  Ohio, 
Virginia,  Kentucky,  Tennessee  und  Alabama  ausbreitet.  Die  von  dem  Haupl- 
becken  abgetrennten  und  nahe  seinem  ostlichen  Rande  in  den  centralen  Land- 
strichen  Pennsylvanias  auftrelenden  Mulden  dieses  Sleinkohlengebirges  fiihren 
ausschliesslich  Anthracit,  die  Hauptfelder  ausschliesslich  bituminbse  Kohle.  Die 
abbauwlirdige  Steinkohle  soil  dort  bei  einer  stellenweisen  Gesammtmachtigkoit 
von  etwa  40  M.  ein  Areal  von  2100  geogr.  Quadratmeilen  einnehmen.  2)  Das  Illi- 
nois- und  Missouri-Kohlenfeld,  etwa  ebenso  gross  wie  das  vorhererwahnlr.  ^c- 
hbrt  den  Staaten  Illinois,  Indiana,  Kentucky,  Iowa,  Missouri,  Kansas  und  Arkansas 
an.  3)  Das  Kohlenfeld  von  Michigan,  200  Quadratmeilen  gross.  Die  sub- 
carbonische Formation,  welche  die  productive  Kohlengruppe  dieser  drei  Becken 
unterteuft,  besteht  im  Osten,  also  in  der  Strandregion  des  carbonischcn  Mecics. 
aus  Conglomerate!!  und  Sandsteinen,  in  welchen  sich  nur  sellen  AbdrUcke  \nn 
Organismen  fmden.  Weiter  nach  Westen,  also  nach  dem  frliheren  om%nen 
Meere  zu,  tritt  an  doren  Stelle  der  echte  Kohlenkalk,  angeflillt  von  marinen 


VI.    Historische  Geologie.  :>i:> 

i  Das  Kohlenfeld  des  niirdliehon  Texas.  •">  li;is  Kohlonfeld  von 
Rhode-Island,  rt\\a  :ii  Ouadratmoilon  uross.  6)  Die  Kohlenfcldcr  von  No  \  a- 
Sootia  uiul  New- Brunswick  .  otwa  740  Quadratmeilen  iiross.  An  der  Nord- 
kiisle  von  Nova-Scotia  bei  Pictou  werdon  i  Flbf/.o  abtiebaut .  welche  13,  8,  4 
und  1,3  Meter  MMchligkeil  haben;  an  dor  Wostkiisle  konnt  man  zwar  76  Slein- 
kohlontlot/o.  von  donon  jodoch  nur  7  abbauwiirdig  sind. 

Die  kliinntischen  Verhiiltisse  wiihrend  der  carbonischen  Periode. 
Die  ilppigo,  kriiftige  Steinkohlenvegelalion,  ihre  Zusamniensetzung  aus  bci  \Vei- 
tiMn  Uberwiegenden  Calamiten,  baumartigen  Farnen ,  Sigillarien  und  Lepido- 
dendren  \\eisen  auf  ein  feuchtes,  \varmes,  frostloses  Inselklima  bin,  untcr  %\<>1- 
(•licin  jene  riesenhafton  Gefiisskryptogarnen  in  die  Hohe  schossen.  Die  Teinpc- 
i-iUur  dirs<>s  Kliinas  hat  man  auf  20  bis  25  Grad  R.  geschiitzt.  Weiter  lasst 
si<>li  aus  dor  Vorbroitunii  tier  carbonischcn  Flora  und  der  Sleinkohlenflotze  iibor 
allc  Breilen  der  Erdoberflache  und  aus  der  allgemeinen  tbereinstimmung  der 
carboniscben  Pllanzenformen  schliessen,  dass  wHhrend  dor  Kohlenperiode  ebenso 
wio  in  dor  Aequatorialzone,  so  auch  in  der  jetzigen  arklischen  Region  ein 
jrloirbniiissi}'  warmes,  frostloses  Klima  geherrscht  hat,  dass  letzleres  ein  Gemein- 
i:n(  dor  Hrdo  war,  und  dass  dio  klimalischen  Vorschiedenhoiton .  \\clclio  sich 
heute  an  don  Polen  und  am  Aequalor  darbieten,  entweder  gar  nicht,  oder  nur 
in  ho'chsl  goringem  Maasse  vorhanden  waren.  Zu  Feuchtigkeit  und  Wan  no. 
liosrlli  >icli  als  driller,  dio  Uppigkoit  dcs  carbonischen  Pflanzenwuchses  bodin- 
gondor  Faolor  dor  Kohlensaure-Reichthum  der  damaligen  Almosphiire.  Da  der 
gesammtc  KohlenstofT  der  Steinkohlenfldtze  von  der  Kohlensiiure  der  Atmosphare 
hcrsiamiut,  lolzlerer  also  durch  die  Bildung  der  Steinkohlen  eine  enorme  Quan- 
litiil  von  Kohlensaure  entzogen  wurde,  so  isl  mil  Recht  zu  schliessen,  dass  der 
Kohlonsiiure-Gehalt  der  carbonischen  Almosphiire  ein  boi  Weitem  grosserer 
war,  als  er  es  heutzutage  ist.  In  Folge  da  von  besass  die  Lufthulle  wahrend 
dor  Kohlenzeit  eine  grOssere  Dichtigkeit,  war  desshalb  schwerer  und  weniger 
leicht  beweglich  und  darum  ruhiger  und  nicht  so  sturmisch  wie  in  spateren 
Periodon.  Iliilt  man  allo  diese  meleorologischen  und  klimatischen  Verhaltnisse 
dos  oarbonischen  Zoilalters  zusammen ,  so  wird  die  trolz  ihrer  Formennrmuth 
iiinorizU'iohliohp  I  ppii:keit  und  Riesonhaftigkeit  des  carbonischen  Pflanzenwuchses 
orkliirlidi.  Dass  auch  die  Temperatur  des  Oceanes  jener  geologischen  Periode 
iiiilcr  alien  Biviicn  eine  doiehmiissige.  und  warine  war,  darauf  weisl  das  Vor- 
knmmon  identischer  oder  fast  idenlischer  mariner  Thierreste  an  zahlreichen 
Fundstollon  hin,  welche  sich  von  der  nOrdlichen  arktischen  Zone  bis  nach  der 
SiiiNpilxc  Sudamerikas  \eitlieilon. 

Die  Bildnng  der  Steinkohlenflotze.  Da  nicht  nur  die  Schieforthom •. 
welcho  dio  SleinkohleTill..i/.(>  begleilen ,  mil  Pflan/.enah.lrUcken  angefUlll  sind, 
sondern  auch  in  der  Kohle  selbst  die  Form  der  Vegetabilien,  aus  denon  sio 
hor\ tin^an-on ,  sehr  hiiufig  noch  erhalten  isl,  da  IVnier  die  Steinkohle  aus 
mikroskopisch  nachwoisbaror  Pllan/onfaser  bostohl,  so  kann  Ubor  don  vogola- 
bilischen  rrspmng  (h-rselben  oin  Zwcifol  nicht  obwalten.  Aus  eben  diesen 
Reobachtungon  ergiobt  sich  forncr,  dass  nur  Land-  und  Sumpfpflanzen ,  nie 
aber  Seelange,  einen  Anthoil  an  dor  Massenbildung  dor  Kohle  genommen  haben. 


•  >!('»  N  I.    Histoi  i-fhc  (JrnlniM*'. 

Oben  an  stehen  die  Sigillarien  und  Stigmarien,  an  sic  reihen  sich  die  Arau- 
carien.  Calamilen  und  l.epidodendrcn  .  \\iilirend  die  Fame  in  dieser  Heziehung 
cine  iinlergeordnclere  Nolle  spielten.  Generation  folgte  auf  Generation,  —  die  ab- 
slerbenden  Pflan/.en  sanken  x.u  Boden ,  ihre  faulenden  Restc  hiiuften  sich 
/.ii  uc\N;iliigen  IMlan/enmassen  an,  urn  von  Schlamm  und  Sand  bedcckl  die 
oin/.elnen  Stadien  des  Verkohlungsprocesses  siehe  pag.  192)  zu  'dnrchlaufen  und 
sich  allmahlich  zu  Sleinkohle  und  Anthracit  umzugeslalten.  Letzleres  lindet 
dort  stall,  wo  der  urspriingliche  Schichlcnbau  der  carbonischen 
bedeutende  Stbrungen  erlillen  hat,  so  dass  die  sich  bci  dem  Vcr- 
kohlungsprocesse  entwickelnden  Gase  leichl  durch  Risse  enlweichen  konnten. 
Dies  ist  z.  B.  bei  den  Anlhracil-Bassins  von  Pennsylvania  der  Fall  gewesen. 

Die  bei  Weiiem  vorwiegende  Anzahl  der  Sleinkohlenflotze  wurdc  aus 
Pflanzen  gebildot,  welche  an  Orl  und  Stelle  gewachsen  \\aren.  nur  ganz  wcnige 
mogen  die  Anhaufung  ihres  Maleriales  der  Zusammensclnvemmung  von  Seiten 
des  Meeres  verdanken  Dass  dem  so  ist,  geht,  ganz  abgesehen  von  der  grossen 
horizontalen  Ausdehnung  mancher  Kohlenflblze  (das  Pillsburger  Flbtz  soil  ein 
A  real  von  900  deutschen  Quadrat-Meilen  einnehmen),  ferner  abgesehen  von 
der  vollsliindigen  Erhaltung  der  zarlesten  Details  z.  B.  an  den  Farnwedeln, 
namenllich  daraus  hervor.  dass  die  Schieferthone ,  welche  das  Liegende  der 
Flol/e  hilden  (die  Sohlschieferlhone,  underclay),  sehr  haufig  von  Wurzeln  und 
Wurzelfasern  von  solchen  Pflanzen  erfiilft  und  durcluvachsen  sind,  deren  Sla'mme, 

Zweige  und  Blatter   sich 
auf    diesen    Schieferlho- 
nen,  der  damaligen  Erd- 
oberflache,       zu      einem 
Kohlenfldtze     aufgespei- 
chert    finden.      An    den 
wesllichen  Gestaden   von 
•  Nova  Scotia.  denJoggios, 
'   wiederholen    sich  inner- 


Fig.  174.    Profil  an  der  Joggi  n  s- Ku  ste  von  No  va- Sc'oti  a.          j^]^  einer  Schichteiireihe 

1  Sohlschiefer  mit  Stipinaria-Wurzclfasern, 

2  Uraiicr  SandstPin  mit  aul'rorht  stPlipndpn  Sipillarien- und  Calamiten-  VOn    4700  Meter,     7(i   Sol— 
Stfunmen, 

K..Mcnflutz,  o  Zoii  machtig,  cher        >V  urzelhorizonlc, 

I    Sohlscliipfcr  mit  Stigmaria-Wurzelfasern, 

,t  und  fc  r.iiumitos.  deren     jeder    von    einer 

r  Stijrniiirifn.  /un:  Tlicil  mit  Wnrzelfasern, 

</    llolilrr  Siitillaripn-Strnnk,  :t  M.  hoch,  mit  Dendrerpcton,  Pnpa,  n.  a.  W6nn        3UCh        noell        SO 

schwachen  Kohlenschicht  bedeekt  wind,  ja  in  sehr  vielen  Fallen  noch  aufrecht 
slehende  Sigillarien-  und  Calamiten-Strtinke  triigt.  Dergleichen  in  ihrer  ur- 
sprilnglichen  Slellung,  zum  Theil  noch  im  Zusammenhang  mil  ihren  Wurzeln 
crhaltene  Stiiinnie,  kennl  man  vorzugsweise  in  dem  Kohlenreviere  von  Saar- 
Imicken ,  ferner  in  dem  von  St.  Elienne  in  Frankreich ,  von  Lancashire, 
Staffordshire  in  England;  an  den  felsigen  Ufern  von  Nova-Scotia  hat  man  IS 
Niveaus  mit  aufrcchlen  Stiimmen  libereinander  Ix'obachtet.  Die  vielfoltige  Wieder- 
holung  soldier  l.andpllanzen  fiihrenden  Horizonle  oder  Steinkohlenflotze  /,\\isrhen 
miichligen  Schichtenreilien  von  Sandsteinen  und  Schieferlhonen  und  gelrennl 
dinch  solche,  oder  gar  durch  Kohlenkalkbiinke  marinen  L'rsprungs  lassen  sich 


VI.    Itistorisrlie   Geologic.  ->17 

k.iiiin  ,mdei>  .ils  diiivh  l.mi>,mie  Senkungon  mil  periddi*ehrn  DnterbreoiuiBgef) 
erklaren  ;  aus  jeder  Senkung  giug  ein  S\slcm  von  Sand-  mid  Sehlammsehiehlen 
lter\(>r,  jedem  Slillsland  enbpriclil  das  Kmpor\\  iieliern  einer  Pllan/cndocko  ;mf 
dcm  lieu  angesch\\emmlen  (iriindo  und  die  Hildung  oinos  Kohlonllol/.os. 

Yulkniiisrlic  Krsrliciiiiiiigi'ii  und  (ian^bilduiigeii  ini  (iU'biete  carlio- 
-iiisrlm*  Formal  ioncii.  NYie  in  den  \<>rangohendcn  und  kommondon  goolo- 
gisehen  I'eridden  machen  sich  aueh  wiihrend  dcs  cjifhonischon  Zcilallors  Hciic- 
liciii-n  dcs  uliillitliissip-n  Krdinncrn  pciicn  die  Krdkruste  und  y.\\ar  cineiscils 
dmvli  l-iru  p  I  ion  i;l  n  I  h  I' I  ii  ss  i  ueu  (i  e  s  (  o  i  ns  in  a  teria  los ,  andcrorsoits  dnrcli 
Srhiehifiislo'ninui'M  und  Spallriihildimurn .  so\vio  durch  locale  llebunizen  und 
Senkunuen  lt<Miierkl>ar.  Die  lnuiplsiichlidistcMi  Kruptisizestoinr  dor  carbonisclion 
l'«'iiode  sind  Diabase,  namontlieh  aber  Fc  Isi  I  por  pli  yro  ,  \velche  i^anx.  a'lin- 
lich  \\ie  die  des  Di-von,  im  onizslon  Zusanunonhantze  mil  don  Meeres-  und 
Sumplbildunuen  jenes  Xeilalters  slohen,  indom  sie  nicht  scllen  durch  Tulle  mil 
i  linen  verkniipfl  sind.  Einor  dor  bo\\oLiteston  Schaupliit/o  vulkanischor  Erup- 
lionen  \\iir\\iilirend  d(>r  (larbou/oil  die  SUdhiilflo  der  Inscl_Arran  an  dor  NVost- 
kilste  SclioHlands.  Nchon  /ahlloson  Dia])asg;ingon,  welche  in  dichl'em  (loNvirro 
die  dortiuen  Sandsloine  der  subcarbonisohen  Formation  durch/iohon ,  li-olon 
miiehlii-'e  dookenarliiio  Aldaizeninuen  von  auflalliger  Woisc  zum  Thcil  quar/.- 
rei<-hen  Diabasen  in  versohiodcnon  Niveaus  iiboroinandor  zwischon  don  sub- 
c.irbdnisclien  Sedimenliiesloinen  auf,  und  slohen  mil  (Jangen  in  Yerbindung, 
\\eldie  (lie  lei/teren  durchsclzen 
und  g(>\\i>serma;issen  die  aus  dor 
Tiefe  lieraurreichenden  Wurzcln  dor 
Dookon  bildon.  Jllnger  als  dicse 
Diabase  sind  (iiinge,  Stdcke  und 
Decken  von  lloisohrolhom  und 
granemFelailporpfayr,  \selclierdurch 
don  Sanidin-Charaklor  seines  Fold-  Fig-  175<  1>rofil  :1 »  lll'r  Wi-«tpcost.-  von  Arran. 

"  S.-liicfer  uud  Sandstcine   der  subcarbonisclien  Formation.  — 

spalhos  und  die  Kryslallform  semes     8 Onibk»rnig«r  ]>ial>as,  gtngtormlg,  dann  sich  /.u  Pino,  nifich- 

tii;on  Decke  ausbroitend.  —  c  Gang  von  srhr  f>iiik»nii},'ciii 

Qnarees     mbexaeder   und  Pnsmaj  Diabas. 

cine  g«-\\isso  Aiinjilioruii"  an  die  Tr;n-h\  u-  x.eigi.  Diabas  sowohl,  \vio  Felsilpor- 
ph\r  sind  /inn  grossc-n  Tlioil  in  Plallon  oder  Siiulen  abgesonderl,  die  hie  und 
d.i  priiehlig  bilsoholanig  divergiron.  Ausserdom  Irill  vereinzelt  quar/fUhrendcr 
Dioril.  namonllioh  aber  .msge/eichneler  Pechslein  innorhalb  der  earbonisehon 
Scliiclilenreihe  von  Arran  auf  und  /war  theils  als  vollkomincn  regolmiissig  /wi- 
schen  die  Sandsleine  oingescluilicie  l.agor,  welcho  in  eokige  Pfoiler  y.(>rkliiflcl 
(•der  diinnplaltig  abgesonderl  sind,  Iheils  als  oigenllicho  Giinge,  welche  den  sub- 
oarbonischen  Sandstein  durchselzon 

Auch  in  andi-ren  Thoilon  Hritanniens,  /..  B.  in  Devonshire,  treten  /vvischen 
Gonglomeralen ,  Schiefern .  K.ilksieinen  und  Sandstoinon  der  unleren  Kohlon- 
fonnalioi)  Dialtaso  und  Diabastufc  auf,  deren  Glcichalterigkeil  namontlicli  aus 
dem  Vorkoininen  selilaokonarligor  DiabasslUoke  in  den  dorligen  Conglomeralen, 
sowie  aus  der  Regelmiissigkoit.  mil  wolcher  die  Diabase  zwischen  den  sodimeu- 
tiiren  (M-sieiuon  eingeschaltet  sind,  hcrvorgeht.  In  gan/  analogor  Woiso 


348  VI.    Historische  Geologic. 

weeliM-llagern  die  rarbonisehen  Grauwaeken  und  Tlionsehiefer  der  ringegend 
von  Bleiberg  in  Karnthen  in  der  regelmiissigslen  NVeise  mil  DiabasgesteioeiL 

Eruptionen  von  Fel  sitporphyr  haben  in  Deulschland  \\iilnvnd  der 
Kohlenperiode  in  verschiedenen  Districten,  so  z.  B.  in  dem  jet/igen  Kohlen- 
hassin  von  Flb'ha  in  Sachsen ,  sUittgefunden  Hier  liel  seine  Eruption  in  die 
Mitle  des  carbonischen  Zeitalters ;  or  durehsetzte  die  bereits  ahgelagerie  untere 
Hiillte  der  carbonischen  Schichtenreihe.  breitete  sich  darUber  in  etwa  (id  M. 
Machtigkeit  aus  und  wurde  dann  von  den  jUngeren,  carbonischen  Sandsleinen. 
Schiefern  und  ddnnen  Kohlenflblzen  (iberlagert,  so  dass  er  jetzt  als  vollkommen 
gleichfbrmige  Einschallung  zwischen  einer  iilteren  und  jUngeren  Schichtenreihe 
erscheint.  Auch  in  der  Steinkohlenformntion  Niederschlesiens,  dem  Walden- 
bnrger  Kohlenbassin,  treten  im  Hochwald,  Pflanzenberg,  Blitzberg,  in  der  Grube 
Fixstern  bei  Altwasser  und  Gnade  Gottes  bei  Reussendorf  Felsilporphyre  aul. 
Sie  haben  die  geschichteten  Gesteine  und  mit  diesen  die  Steinkohlenflbtze  durch- 
setzt.  verworfen,  sich  zwischen  sie  eingedriingt,  sich  ilber  sie  ausgebreitet,  sie 
stengelig  abgesondert  und  anthracitartig  verandert.  In  ganz  iihnlicher  Weise 
sind  Felsitporphyre  zwischen  die  Steinkohlenformalion  Frankreichs ,  z.  B.  bei 
Brassac,  lagerfbrrnig  und  mit  der  grbssten  Regelmassigkeit  eingeschaltet  und 
ebenfalls  mit  Ga'ngen  verbunden.  In  demselben  Districte  wird  die  Kohlen- 
t'ormation  von  Diabas  durchsetzt,  welcher  zahlreiche  Fragmente  von  Schiefer- 
thon  und  Steinkohle  umschliesst  und  die  letztere  verkokt  hat. 

Neben  diesen  Beispielen  f(ir  das  Auftreten  carbonischer  Eruptivgesteine 
mbge  noch  erwiihnt  werden ,  dass  auch  die  Eruption  des  Hypersthenitzuges, 


Fig.  170      Profil  durch'die  Worm-  und  Eschweiler  Mnlde. 

c  Devonische  GranwacVe.  —   d  Devonischer  Kalkstein.  —  e  Unterste   subcarbonische  Formation.    —  /  Kohlenkalk. 
—  g  Productive  Kohlenformation.  —  h  Braunlcohlenformation. 

\velcher  sicli  zwischen  Schnellbach  bei  Schmalkalden  und    dem  Spiesberge  bei 
Friedrichsroda    aus  der  Steinkohlenformation  hervorhebt,  in  das  Ende  der  car- 


Fig    177.     Idnales  Proifil  der  Mnlde  von  M  on  >. 
a  Dr'vonisclie  Formation.  —  b  Kohlentalk.  —  c  FK-tzleerpr  Sandstein. —  </ Productive  Kohlenerni>[>o. 

bonischen  Periode  fallt.  Bereils  in  dieser  dringen  endlich  gewissc  Mclapli\nv 
z.  B.  in  der  t'mgegend  von  Saar)>rUcken  und  Waldenburg  hervor  ,  wenn  si( 
auch  ihrer  Hauptmasse  nach  erst  dyassischen  Alters  sind. 


VI.   Hislorische  Geologic. 

Imponirendcr  noch  als  (lurch  Krnplionen  gluthllussiger  (ie- 
insmassen  olleiibarl  sicli  der  \  nlkanismus  in  der  Stoning 
n  rs  p  rilnglichen  L  a  g  er  n  n  g>  \  e  rh  ii  1 1  n  i  sse  dcr  car- 
Sehichlensysteme,  \\ch-hc  der  Knisiehung  dieser  lei/- 
leren  nach,  hori/onlale  odcr  fast  Imri/.onlale  gcuesen  sein  miis-  " 
sen.  An  Sh>lle  dieser  iiormalen  Lagerung  isl  nichl  selten  ein  ,H 
aiisscrordenllich  complicirlcr  und  gestorter  Schichtenbau  gclrelcn. 
Die  gan/.c  Formation  isl  son  grossai-ligen  .  ge\\altsamen  Hcwe- 
giiiip-ii  crgrill'en  und  \\  ie  durcli  enormen  seitlichen  Druck  slcil 
aufgerichiet.  /.u  /.ahllosen  Mulden  und  Siilteln  /.usammengedrUokt, 
/ick/ackariig  gclallcl,  tachei •fiirmig  \erschoben,  ja  Ubergekippt  \\or- 
den.  Ueislehendes  IVolil  (lurch  das  in  dcr  Na'he  von  Aachen  gc-  .,, 
Icgene  \\orin-Ue\ier  und  die  Kschweiler  Mulde  (Fig.  170)  /eigl 
cine  derarlige  beiderseilige  Slcllung  der  Muldenlliigel,  \\elche  in 
dem  \\ormbassin  ansscrdem  noch  y.ii  /.ahlreicheii  klcincrcn  Fallen 
y.irk/.acklormig  /.usammengcslaucht  sind.  Ganz  ahnlicheLagerungs-  » 
\erhiiltnisse  \\iedcrholen  sich  in  \\eslphalen,  helgien  und  Frank- 
reich.  Besonders  merksNiirdig  isl  die  Archilcklur  der  grossen 
Mnlde  \on  Mons  (Fig.  177),  deren  nordlicher  FlQgel  flach  und 
regelmiissig  gcgeii  SUd  lallt,  wiihrend  der  SUdllUgel  slcil  auf- 
gcrichtd  und  in  \\iederholle  zickzackformige  Fallen  geknickl  isl, 
cine  Lagerung,  an  \velcher  nichl  nur  die  siimmllichen  Glie- 
dcr  der  carbonischen  Formalion,  sondern  auch  die  Schichlen 
des  Devon  theilnehmen. 

(•an/  a'hnliche  Schichlenslorungen,  nur  in  weil  grossarlige- 
rem  Maassslabc,  machlen  sich  in  Nordamerika  gegen  das  Knde 
der  carbonischen  1'eriode  gellend.  Mil  der  Ablagerung  der  obe- 
ren  KobleoformattOD  schlossen  die  Sedimentalionsprocesse,  aus 
dcneii  der  I  ntergrund  der  ganzen  Osllichen  Hill  fie  des  nord- 
amerikanischen  Conlinenles  hervorgegangen  war,  ab,  --  lelzlere 
hob  sicli  als  Feslland  Uber  den  Ocean.  Mil  dieser  Hebung  slan- 
din  geualtige  Schichtenslbrungen  in  Zusammenhang,  von  wel- 
chcn  nicht  nur  die  carbonischen,  sondern  sammtliche  palaeo- 
/oische  Formalionsglieder  in  dem  ganzen  appalachischen  Gebirgs- 
sNsiem  bctroH'cn  wurden.  Aus  ihrer  ursprUnglich  horizonlalen  La- 
gerungsind  dieSofaichten  dieser  Formationen  durch  scitlichen  Druck 
zu  lauter  unter  sich  und  der  heutigen  allanlischen  Kdste  paral- 
Iclcn  Fallen  /iisammcngeschoben  worden,  deren  Sleilheil  und  Hohe 
iin  Osten,  also  im  eigenllichen  Alleghany-Sysleme  ihr  Maximum 
erreicht,  nach\\e>ien  y.u  abcr  abninunl  und  xxvarso,  dass  sie  pro- 
portional ihrer  Lnlfernung  vorn  allanlischen  Occane  llacher  \\erden. 
lallungen  des  Ctirbonischen  Schichlensystemes ,  wie  die 
hriebenen  konnlen  bei  dem  \\  i<lerslande,  den  die  \\cnig 
slischen  (lesleinsmasscn  alien  Itiegungcn  entgegensct/len. 
I  vor  sich  gehen ,  ohne  Zerreissungen  und  Hcrstungeii  der 


349 


spill  . 


350 


VI.    Ilislnrischo    iMMiloi;ie. 


Fig.  179. 


Profil  im  Kohlenrevier  von  Ankland 

i  ii  1>  u  rham. 
A,  B,  C  Kohlenflotze. 


SchJchtencompIexe  /.u  \cnirsachen.  Derarliiie  Spallen  sollten  die  VeranlassmiLi 
ZNM'ier  wichtiiier  m'olo^ischcr  ErscheinilDgen ,  der  V  e  r\\  erfuiiiien  nnd  der 
(,  a  nu  hi  I  d  u  Hi"  t'li  \\erdcn.  Fast  alle  Kohlenbassins  haben  StoruniM-n  Hirer 
Architeklur  durch  SpriiiiL'c  und  Verwerfungen  erlilleii .  mil  dcneii  niclit  scli.-ii 
cine  Zermalmuifg  des  ilinen  n.iclislen  Nebcii^esteines  Iliinil  in  Hand  gegangen  ist. 
/urn  izriisslen  Tlieile  iiussern  die.sc  Ycrvserfunucn  I'reilich  nur  einen  iinterizeurd- 
neten  Kinlluss  ;iuf  die  l.;ii:eniii^>\ erhiiltnisse.  Xuwcilcn  nher  wiederliolen  sic 
sirh  in  kleincn  Z\vischenr;iuincn  in  so  grosser  Anxalil,  dass  eine  vollsliindi^c 
/ersiiickeliniiz  des  Eohlengebirges  finp'tn'ton  ist,  welches  dann  aus  reiiellos 
dureli  cinander  ^e\\orfenei!  (iel)ir;j;sli'Uii)iiiern  liestelil  (Fig.  179).  Auf  der 
andcreii  Seile  erreiclien  manehe  deiarliiie  Dislocnlionen  so  grossartit^e  Diinen- 
sioncn,  dass  die  gegenseiligen  Verschiehungen  der  durch  die  Verwei'l'iinii  iie- 

trennten  FormationsOttgel  mehrere 
hundert  Meter  belriigt.  So  hat  die 
unler  deni  Nainen  Mttnslergewand 
bekannte  Verwerfung  die  Schiclilen 
eines  Theiles  tlei-  Eschweiler  Mulde 
Uber  230  M.  in  die  Tide  ucriiekt; 
eine  eben  so  grosse  Dislocation 
ist  durch  eine  Verwerfung  im  Doh- 
lener  Steinkohlenbassin  l)e\virkt 
\vordcn;  auf  deni  Ninety-fathom-dyke,  einer  mil  Sandsteinmasse  ausgefulltcn 
Klufl,  ist  der  nordliche  Theil  der  Kohlenformation  von  Newcastle  Uber  330  M. 
in  die  Tiefe  gesunken ,  so  dass  Zechstein  in  der  Fortsetzung  der  Kohlen- 
flotze liegt.  Noch  bedeutendere  Dimensionen  erreiclien  die  Verwerfungen, 
welche  den  Westabfall  der  Alleghanies  in  Nordamcrika  begleilen ,  so  /.  B.  in 

SUd- West-Virginia ,  von  wo  SprUnge  von  2  bis 
3000  M.  beschrieben  und  untersilurische  Kalksteine 
in  das  Niveau  der  Kohlenkalke  gehoben  sind. 

Waren  in  den  eben  angefiihrlen  Beispielen  Zer- 
reissungen  der  carbonischen  Schichtensysleme  die 
Ursache  eines  zuin  Theil  ausserordenllich  sch\\ie- 
rigen  Abbaues  der  Steinkohle,  schadigten  also  den 
Mineralreichthum  eines  Landes,  so  haben  andere  Spal- 
ten  Gelegenheit  zur  Enlslehung  gangfOrmiget 
Erzlagerstatten  gegeben  und  damit  Objecte  gross- 
artiger  bergbaulicher  Unlernehmungen  geschaffen. 
Die  BleiglanzgXBge  des  Oberharzes  sind  Aus- 
ftillungen  solcher  Spalten  in  der  untcrcn  Kohlenfor- 
mation, dem  Culm.  Dieser  bildet  das  nordlich  \om 
Devon  des  Kahlenberges ,  ostlich  vom  Quar/.l'els  des 
Bruchberges,  siidlich  und  wesllich  von  der  l)\as 
scharf  uinurcn/tc  Clausthalcr  llochplaleau ,  welches 
von  den  in  nordwestlicher  liichtuni:  strciclienden  Mr/.uaiiLicn  durchset/t  \\ird. 
ohne  dass  dicse  bis  in  die  iiberlauernden  dvassischen  Schichtcn  hineinrei- 


Fig.  180.    Profil  dnrch  den 
.1  ohann-Friedr  icher  Schach  t 

l>ei  Bockswiesc. 
A  Nr-U'T  i iruncr  Lindener  Gang. 
II  Pisthaler  Gang. 

rt  Spiriferen-Sandstoin.  —  it'alceola- 
Schiofor.  —  c  Kramenzel-Kalk.  — 
</  Kicsplschiefcr.  —  e  Culinthon- 
-.•hipt'or  and  Grauwackon. 


»'hfii,    •'   ''i"    Hr\\i'is.    da.vs    die   Gangspalten     in    der    Xeil.     \\o    ;iml<T\\.irls    die 

pnidurtiNe  Koblenformalion    /ur  Ahlageruni:  gelangle,    aulgerissen  \\orden  sind. 

In   manchen  Fallen   \\unlrn  sit-  die  I'rsarhe  urussariiuer  Yenserlm^en.    \\ie  /..  H. 

del'  Neite  Griine  Linden, M    und  der  I'isthaler  Gang  bei  Bocksu  iese.     llier  \vird  d;is 

Lic-gende  dieser    Giinge  /n  ohersl   von  Calceola-Sehiefern   und  unler  diesen   von 

Spirifeivn-Saiidslein,   ,ilso   \<>n  I 'ntenle\  on.  —  ilir  llangendes  ahcr  his  y.u  430  M. 

TcnlV   \on  Culm   mil   1'osid.     Ik-clu-ri    und    uiHcrluilh  dieses   von    Kniineiixelkalk, 

also  Ohrrdrvon  i-.-hildei.      Die   llolie    dieser  Veruerfung   betritgl  deinnacli    nielir 

.•ds  :>oo  M.      Die  (iiin-e  trelen    in   dem  Clauslhnler  Gulm-Plaleau    /u    inehivren 

Xiip'ii   /.usainincnunippiil  auf,    von    \\elehen    der  liur-sladter,   ZelliM't'elder.    Ho- 

M-nhol.T  und  Silhcrnaaler  Ziiii    direct   urn    und    unter  Clausllial    und  Zellerl'eld, 

•  lie  srchs  uhrii:fii  riwas    weiter  enlteriH  liei^en.      In  jedem    dieser  ZUge    unter- 

sdicidct   man  eincn  sehr  iniichtiiien,    im  \Vesentlichen    mil  veriinderlen    Nehen- 

gesteinsbruchstUcken,     namcntlicli     aber    mildem,     schwarz    gljinzendem    (iaiiL:- 

thonschiefer  ausgefullten  Hauptgang,   innerhalb  dessen    erzfuhrcnde  TrUiner    und 

Kinlas:»'niiii'eii    auftreten,    welche   sich    in    mannigfachsler    Weise    schaaren    und 

ver/N\eigen.     Das  wesentlichste  mineralische  Material,    aus  welchern  diese  Tru- 

mer  und  Erzmitlel  zusammengesetzt   sind,    ist  Kalkspalh,    Quarz,   Selmerspath, 

Hraunspath,    SpatheisenskMn ,    Bleiglanz ,    Zinkblende,    Kupferkies    und    Fahler/, 

\velehe    in    der  verschiedensten  Weise    vergesellschaflet  sind,    zum    Theii    auch 

•  lie   AusfQllungsniasse   des   Hauptganges,    also   namentlich    die   Gangthonschiefer 

imprtfgniren. 

Auch  die  berQhinlon,    ihrer  Nalur  nach  freilich    von    den  Clausthaler  \veit 
vcrschiedenen   Zink-  und  Bleiiilan/la-erstatten  der  Gegend  von  Aachen  sel/.rn 
2UIM    lirbssten    Theile    in    carbonischen    Schichten    auf.     Die    HUgelreihe   jenes 
Districts    hestehl     aus    devonischen    Schiefern     und     Kalksteinen,     Kohlenkalk, 
Kolilonschiefern  und  Kreidegebilden.     Die  palaeozoischen  Schichtensysteme  sind 
sallcl-    und    nmldenfo-rmig    gelagerl,     vvahrend    die    Kreide    ziemlich    horizontal 
dariiher  lii-t.     Die  dort  auftrelenden  Erze"  sind  Zinkblende,  Bleiglanz,  Schwefel- 
kics,   mil   Kalkspatli    und  Quarz    vergesellschaftet,    oft    in    schaliger  Anordnun-. 
<ic-en   ihr  Ausgehendes   hin    sind   sie   in  Galmei,    Weissbleierz,    Brauneisenerz 
iun-c\\andelt.      Sie  bilden    I)   Gauge    im   Kohjenkalke,   2)   Gontacllager  zwischen 
Kohlenkalk  und  den   darUberliegenden  carbonischen  Schiefern,    sovvie    zwischen 
«  rstcrem  und  den  devonischen  Gesteinen,   :*y  isolirte  Nesler  im  Kohlenkalke  und 
Devon,     4)     lagerfonnige    Impiaunalimicn    ge\\isser    carbonischer    Schiefer    und 
devonisdici    kalksleine.     Ganz    iihnlich   sind  die  Verhaitnisse  der  Zinker/.la-cr- 
sliiit«>n  dcs  angren/endcn    Belgiens.     Ausserordenllich    erzreich    ist  ferner  die 
subcarbonische  Formation  Der  by  shires  und  North  u  mberlan  ds,  und  /\\ai 
ist    es   Bleiglanz,    \\clcher    mil  Flussspath,    Kalkspalh    und  Schvverspath    ver-r- 
seilschnl'tet  den   Kohlenkalk   diirchscl/.l  und   in   diesem  Giinge,   sowie  der  Schich- 
lung   parall.-lc,    lang-.-zogeiif   llaclic    liinlag.M-uugen   hildet.      Aullailig   isl  die   Kr- 
scheiiiuni:,   .lass  der  Kr/.ivichthum    der  Giinge  an  den  Kohlenkalk    gebunden   ist 
und  heim   Hinlritt  des  Ganges    in    die  xwischengelai-.-rlen  Schiefer  und  Diabas- 
gesi.'ine  vcr>ch\v indd.      Ahnlichcr  Naiur  sind  die  Mleierzvorkornmen  von  Alston 
Moor  in  Cumberland.      Die  subearl>.mi>che   Formation   hesleht    hier  aus  einer 


350 


VI.    Ilistoi  isclio    CiiM)lni;ii>. 


Schichtencomplexe  /u  \rrursachcn.  herarlige  Spalten  solllen  die  Ycraiila.sMing 
/\\cicr  wichtiger  gcologischcr  BrscheiDUDgefi ,  del'  Y  cr\\  ert'u  ngcn  mid  der 
Gangbildtingen  \\erden.  Fast  alle  Kohlcnbassins  haben  Slorungrn  ihrei 
Architeklur  (lurch  Spriinge  und  Verwerfungen  erlilten,  init  drum  nichl  sdi.-u 
rinc  Zermalmung  dcs  ilmen  n.ichslcn  Nebcngcstcines  Hand  in  Hand  gcgangcn  1st. 
Zmn  gn'isslen  Thcilc  jiussern  diese  Verwerfungen  I'rcilich  nur  einen  untcrgconl- 
nclcii  Kinllnss  auf  die  Lagemogsverhgilnisse.  Zuweilen  aber  wiederholeii  si«- 
sich  in  klcincn  X\\  ischcnriiumen  in  so  grosser  An/ahl,  dass  einc  vollstiindii-i' 
ZersUickelang  dcs  Kahlengebirges  cini.rclrctcn  isl,  \\clchcs  dann  aus  rt'in'llos 
dtirch  cinandcr  iit'NNorfcMrii  (it'hirLisli-iiniiiicrn  hcstchl  Fig.  179).  Auf  dcr 
andorcn  Scilc  crrcichcn  rnanchc  dcrartigt'  Dislocationen  so  grossartige  Dinicn- 
dass  die  gegenseiUgen  Verschiehungen  dcr  (lurch  die  Vcrwci'l'iing  i:e- 


Fig.  IT'.).    Profil  im  Kohlenrevier  yon  Ankland 

in  D  n  r  ha  in. 
A,  B,  C  Kohlenflotze. 


trennlen  Formationsflttgel 

hundert  Meter  belragt.  So  hat  die 
unler  deni  Nanien  Miinslerge\\and 
bekannteVerwerfungdieSchichlcn 
eines  Theiles  der  EschweilerMalde 
Uber  230  M.  in  die  Tide  geruckt ; 
eine  eben  so  grosse  Dislocation 
ist  durch  eine  Verwerfung  im  Doh- 
lener  Steinkohlenbassin  bewirkt 
wordcn ;  auf  deni  Ninely-fathom-dyke ,  einer  mil  Sandsteinmasse  ausgefiillten 
Kluft,  ist  der  nordliche  Theil  der  Kohlenformalion  von  Newcastle  Uber  330  M. 
in  die  Tiefe  gesunken ,  so  dass  Zechstein  in  der  Fortsetzung  der  Kohlen- 
flotze  liegt.  Noch  bedeutendere  Dimensionen  erreichen  die  Verwerfungen, 
welche  den  Westabfall  der  Alleghanies  in  Nordamerika  begleilen ,  so  z.  B.  in 

SUd-West- Virginia ,  von  wo  SprUnge  von  2  bis 
3000  M.  beschrieben  und  untersilurische  Kalkstcine 
in  das  Niveau  der  Kohlenkalke  gehoben  sind. 

Waren  in  den  eben  angefiihrlen  Beispielen  Zer- 
reissungen  der  carbonischen  Schichlensyslcinc  die 
Ursache  eines  zuin  Theil  ausserordentlich  sclmie- 
rigen  Abbaues  der  Steinkohle,  schiidiglcn  also  den 
Mineralreichthum  eines  Landes,  so  haben  anderc  Spal- 
ten Gelegenheit  zur  Entslehung  gangfOrmigef 
Erzlagerstatten  gegeben  und  damit  Objecle  gross- 
artiger  bergbaulicher  Unternehmungen  geschatlen. 
Die  B  leiglanzgange  des  Oberharzes  sind  Aus- 
fUllungen  solcher  Spalten  in  der  unteren  Kohlenfor- 
mation,  dem  Culm.  Dieser  bildel  das  mirdlich  vom 
Devon  des  Kahlenberges ,  dstlich  vom  Quarzfels  des 
Bruchberges,  sUdlich  und  westlich  von  dcr  Dyas 
scharf  umgrenzte  Clausthalci1  llochplateau ,  welches 
\(in  den  in  nordvvestliclier  Hichtung  streichcnden  Er/giingen  durchsetzt  wird. 
ohnc  dass  die.se  his  in  die  Hherlagci-ndcn  dsassischen  Schichteii  liincinrei- 


Fig.  180.    Profil  durch  den 
Jobann-Friedricher  Schach  t 

bei  Boc  kswiesc. 
A  Neoer  Or&ner  Lindener  Gang. 
/•'  l'i>thaler  Gang. 

a  Spiriferen-Sandstein.  —  tCalceola- 
Sdiicfer.  —  c  Kramenzel-Kalk.  — 
rf  Kieselschiefer.  —  e  Culinthon- 
-'•hipfer  and  Granwackon. 


V.    Histori-die  (ieoloijie.  ;?,r)  I 

dien,  --  cin  Br\\eis.  d;iss  die  (ianuspalten  in  der  Zeil.  \\o  andervxiirts  die 
productive  Kohlenformalion  /ur  Ahlai;eruni:  iielangie,  aufgerisseo  \\orden  sind. 
In  manchen  Fallen  \\nrden  sie  die  lYs;idie  grossartiger  Yerweffungen,  \\ie  /..  H. 
der  Neue  (iriine  Lindener  uud  der  I'islhaler  Gang  bei  Bocksxviese.  Hier  wird  d;is 
Liegende  dieser  (iiinue  /u  oherst  \on  GaiceoIa-rSobtefero  und  unler  dieseii  von 
Spiriferen— Sandstein,  also  von  I'nterdexon.  —  ihr  Hangendea  aber  his  zu  430  JVI. 
Teul'e  \on  Culm  mil  Posid.  Bedieri  und  unterhalb  dieses  von  Kramenzelkalk, 
also  Obenlexon  gebildet.  Die  llohe  dieser  Verwerfung  betriigl  detnuadi  nielir 
a  Is  .iiM)  M.  Die  Gauge  trelen  in  dein  Clauslhaler  Culm-Plateau  zu  nu'lireron 
X.iiiren  /.usaiiiiueiii;ru|tj>ii't  auf,  von  \\elchen  der  BurgStfidter,  Zellerfelder,  Ho- 
senholVr  und  Silliernaaler  Zui;  direct  uin  und  unter  Clnusthal  and  Zellei'feld, 
die  sedis  iiln'i^en  eiwas  welter  eiitl'ernt  liegen.  In  jedein  diuser  Zlige  unter- 
sdieidet  man  einen  sehr  iniichti^en,  mi  \\resentlichen  mil  veriindorlcn  Neben- 
gesleinsbruchstUckeD,  namentlich  a  her  mildem,  schwarz  gljinzendem  (Jang- 
thonsrhiefer  ausgefullton  Hauptgang,  innerhalb  dessen  erxfUhrende  Triimer  und 
Hinhigcrungen  auflrelen,  \\elche  sich  in  niannigfachsler  Weise  schaaren  und 
\er/\vi'igen.  Das  wesentlichste  niineralische  Material,  aus  welchein  diese  Trii- 
nier  und  Erziuittel  zusammengesetzt  sind,  isl  Kalkspalh,  Quarz,  Schwerspath, 
Uraunspath,  Spatheisenstein ,  Bleiglanz ,  Zinkblende,  Kupferkies  und  Faliler/, 
\\elche  in  der  verschiedensten  Weise  vergesellschaflet  sind,  zum  Theil  auch 
die  Ausftillungsmasse  des  Hauptganges,  also  namentlich  die  Gangthonscliieler 
imprtfgniren. 

Auch  die  berUhmten,  ihrer  Natur  nach  freilich  von  den  Clausthaler  \\eit 
verschiedenen  Zink-  und  Bleiglanzlagerslatten  der  Gegend  von  Aachen  setzen' 
zum  grosslen  Theile  in  carbonischen  Schichten  auf.  Die  HUgelreihe  jenes 
Districts  besteht  aus  devonischen  Schiefern  und  Kalksteinen,  Kohlenkalk, 
Kohlenschiefern  und  Kreidegebilden.  Die  palaeozoischen  Schichlensysleme  sind 
saltel-  und  muldenformig  gelagert,  vvahrend  die  Kreide  ziemlich  horizontal 
darilber  liegl.  Die  dort  auftretenden  Erze  sind  Zinkblende,  Bleiglanz,  Schwefel- 
kies,  mil  Kalkspath  und  Quarz  vergesellschaftet,  oft  in  schaliger  Anordnung. 
(iei^en  ihr  Ausgehendes  hin  sind  sie  in  Galtnei,  Weissbleierz,  Brauneisenerz 
umue\\andelt.  Sie  bilden  I)  Gauge  iin  Kohjenkalke,  2)  Gontacllager  zwischen 
Knlilenkalk  und  den  dartlbcrliegenden  carbonischen  Schiefern,  sowie  zwischen 
ersierem  und  den  devonischen  Gesteinen,  .5  isolirle  Nesler  iin  Kohlenkalke  und 
Devon,  4)  lagerfdrmige  Impriignalionen  gevvisser  carlwnisclier  Schiefer  und 
devonischer  Kalksleine.  Ganz  iihnlich  sind  die  Verhaltnisse  der  Zinkerzlager- 
sliiilen  des  a  111:1  cn/.enden  Belgiens.  Ausserordentlich  erzreich  isl  ferner  die 
subcarbonische  Formation  Derby  shires  und  N  o  r  t  h  u  m  b  e  r  1  a  n  d  s ,  und  /A\  a  r 
ist  es  Bleiglanz,  welcher  mil  Flussspalh,  Kalkspalh  und  Schwerspath  vei-e- 
sellsehaftet  den  Kohlenkalk  dui'chsel/.l  und  in  diesem  (iiinge,  sowie  der  Schich- 
lung  parallele,  lan^e/oizene  llache  Einlagerungen  bildet.  Audallig  isl  die  Kr- 
sdieinung,  dass  der  Erzreichthum  der  Giinge  an  den  Kohlenkalk  gebunden  ist 
und  beim  Einlrill  des  Ganges  in  die  zwischengelagerten  Schiefer  und  Diabas- 
uesteine  versehwindel.  Ahnlieher  Natur  sind  die  Bleierzvorkornmen  von  Alston 
.Moor  in  Cumberland.  Die  sulx-arbonische  Formation  heslehi  hier  aus  einer 


:i;>  t 


Vorgiingen  .    aus    denen    die    carbonische    und   d\assische   Forinalion   hervorging, 

sind   demnach     \  on    unten   nach   oben   gelesen): 

.">.   Tii'l'srr  Marine  (icliildc      Kalkslrin        MrrrrsllmTc 

ebil'de 


',.   Sriikuni;     unliT 
das   Meet 


nmlSandst.-in 
IMi\it'i.-e   Discord  an/ 


Zcchstein ; 

It  o  t  li  I  ic  if  c  ii  - 
d.-s;  ' 


:t.   Stills!  and  , 


iiiilu'dcnlcndi-n 
Oscillationrn 


Stiggwasser- 

und 


Kolilen- 
fulircndr 
Schirlitcii 


'  I1;;:!:UM'(;,1U'"'1'    awwgebflde  e5fS?»SS2 


1.  Ticfscc 


tm(ISandsleill 
Marine  Gcbilde     Kalkstein        Meei-eslhicre 


,  K  oh  le  n  fii  h  r. 
Hot  hlie- 
tie  n  d  c  s 

und 

V  r  o  d  u  c  t  i  v  c 
K  it  li  I  c  n  I'o  r- 

ni  a  lion; 

Flo!  x.l  cc  rcr 

Sa  nds I e  in  ; 

Culm 
Kohlenkalk;  . 


Dyas 


Carbon. 
Forma- 
tion. 


Mil  einer  derartigen  Anschauung  stimmt  dann  die  Thatsache  vollkommon 
ilberein,  dass  da,  wo  dcr  carbonische  Meeresgrund  nicht  zutn  Feslland»>  ge- 
hoben  \vurde,  wo  also  ausschliesslich  marine  Bildungen  die  an  anderen  Slcllcn 
XAVfigliederige  Kohlenformation  vertreten,  auch  die  pos  tear  bon  i  sch  e  Schich- 
lenreihe  mil  marinen  Kalksleinen  beginnt  und  zum  Theil  als  durcliiiiiiiizii: 
marine  Formation  zur  Enlwickelung  gelangt.  Unler  solchen  Verhallnissen  komnil 
die  Zweilheilung  der  normalen  Dyas  in  Wegfall  oder  wird  wenigslens  vrr- 
vvischt.  Eine  derarlige  Ausbildungsweise  mussten  die  hierlier  iiohori»en  Schich- 
tencomplexe  des  Weslens  von  Nordamerika  erlangen ,  welche  direct  und  mil 
ihm  durch  Uebergiinge  eng  verbunden  auf  den  Kohlenkaik  folgen.  In  Russ- 
land  sind  zwar  sowohl  dyassische  Slrand-  wie  marine  Bildungen  /ur  Ausbil- 
dung  gelangt,  jedoch  sind  ihre  Grenzen  so  verwischl,  und  ihre  pelrographisclien 
Verliiillnisse  so  abweichend  von  der  lypischen  deutscben  Dyas,  dass  man  die 
russisehen  Aquivale&tgebilde  der  lel/teren  mil  einem  anderen  Namen,  nehmlich 
dein  der  Permischen  Formation  belegt  hat,  cine  Bezeichnunu ,  \\elche 
ebenfalls  auf  die  poslcarbonische  Schichlenreihe  Nordamerikas  ubergegaiiiien  isl. 
l)\as  \\ie  Permische  Formalion  sind  somit  Bezeichnungen  iiquiv.ilcnter  Sedi- 
menle  und  /war  fdr  zwei  verschiedene  Facies  der  Producte  des  postcarbo- 
nischcn  Zeitallers,  und  konnen  und  milssen  mil  demselben  Rechle  nebcn- 
einander  beslehen,  \vie  die  Namen  Culm  und  Kohlenkalk. 

Unler  Dyas  oder  Permischer  Formation  begreifen  wir  also  denjenigen  Scliich- 
leneomplex,  d(>ssen  Ablagerung  unmillelbar  auf  die  Sleinkohlenfonnalion  ^elolLii 
und  der  Triasformatiop  vorausgeiiangen  ist,  so  dass  sich  seine  nnleren  Niveaus 
/.ii\\eilen  auf  das  innigsle  an  eislei'e,  seine  oberen  Ilori/onle  eng  an  lelxtere 
.inschliessen ,  --  es  ist  ein  Sehielilene.ompU'N  ,  \veleher  in  den  /uersl  bekannl 
ge\\ordeneii  (Jegendeii  seines  Voi'kouimens  in  x\\ei  meisl  seharf  gelrennle  l-'or- 
malioiisglirilcr.  nehmlich  in  die  (inippe  des  Ho  ill  ii  ege  n  d  e  n  mil  I,andpll;in/en 
und  des  /eehsteines  mil  marinen  Heslen)  /erfalll ,  \\iihrend  in  anderen 
Hildiingsriiiiinen,  so  in  Nordamerika  und  Russland,  eine  solche  Trennung  nieht 
mehr  so  seharf  oder  aueli  gai1  niclil  nielir  durebzufflhren  isl. 

Clianikter.         Die      aullallend      furmenarme      Fauna 


VI.  Hislnnsrli 


;,».» 


und  Flora  der  postcarbonischen  IVriode  halsich  einrii  aiisgesprochen  palaeozoischrn 
(iharakler  liewahrt,  schliesst  sich  eng  an  jone  des  earbonischen  /eilallers  an 
und  repriisentirl  gewittermaaaseti  die  let/ten  Heste  und  .Naeli/iigler  der  dahin 
sch\\imleiulen  palaeozoischen  organischen  Welt.  Die  postcarbonische  Flora 
besleht,  abgcsehen  von  einigen  Tauten,  aus  (lycadeen,  Coniferen,  Farnen  und 
(lalamilen,  also  aus  hei  Weitem  \orwaltonden  Landpflan/.en.  tinier  dieser  sind 
die  I'arbonischen  Geschlechtor  Calaniites  (mil  dt'in  schr  characterischen 
C.  iiii;as  Hrong.)  ,  Annularia,  As terophy llites,  Sphenoplcris,  Neu- 
roptcris,  Aleth  optoris,  Odontoptoris  durch  zicinlich  zahlreiche  Arton 
verlreten,  auch  die  Galtung  Cyalheites  (C.  arborescens  Brong.)  ist  well 
verb rei lot ,  frsgleichen  hat  sich  das  carbonische  Cycadcengeschlecht  Noetri^c- 
rathia  orhalten.  Dahingo^cn  \\ci-den  die  Lepidodendren  /,ti  seltenen  Er- 
schciiuniL'en,  und  Sigillaria  mil  Sligmaria,  so  inasscnhaft  in  der  carbo- 
nischen  Periode,  ist  bereils  fast  ganz  ausgestorben.  Die  Stamme  der  bauin- 
artigen  1'arnt1  dieses  Zeitalters  sind  durch  Verkieselung  in  grosser  Scho'nlirii 
crhalten  und  aus  diesem  Grunde  und  wegen  ihrer  ausserordentlichen  Iliiufig- 
keit  als  sehr  characteristische  Resle  der  poslcarbonischen  Periode  zu  l)olrachlen. 
Hierher  gehort-Psa ronius  und  Tub  icaulis.  Ersterer  zeigt  im  Querschnitte 


aTnbicanlis. 


6  Fsa  r  o  n  i  u  s. 


'Fig.    \X-2b)  die  verzogen  hufeisenforiuigen,    jetzl   in  vcrschiedenfarbigen  Ouai/, 

iimgcwandcltcn  (iflassbiindel ,  ist  von  oben  nach  unlen  gerichleten  NVbemvur/oln 

iiingfbcn,  /.\\ischen  welchcn  die  hlallstengel  hci -vorlrelcn.    Tubicaulis   (Fig.    IH^j 

li(>sil/.l   rtihrenfttnnige  (icfiissliiindcl.      N«>ben  diesen   Farn-Slrilnken    linden   sich 

aiH-li    verkirst'lte    Gonife- 

ren-S  la  in  in  si  lie  ke    von 

.{  his    i    I 'u-vs  Durchmesscr. 

Naincnllich  sind  die  Griien- 

dci)    von  Floha,    Chemnilz, 

Planilx,  in  Sachscn,    von  Ha- 

do\\enz   in  Uiihincn  und  dcr 

l\  \tVhiiusrr   rcich  an  solchcn 

\crkicscltcn  Slriinkcn.    Kine 

grossc    Hi'deulung    erlangcn 

durch    ih re  '  Ila'ufigkcil    und 

Vcrbrcilung  die  /NN'cige  eincr 

Conifcre      \Valchia       Fig. 

is:{      \V.   pinnata  (iiill>.  —  \V.    (ilicifonnis  Slernb.  —  \V.  pinifonnis  Slernb/    init 


\V  a  1  r  li  i 


){.  ivt. 
\<  i  n  i  f  it  r  in  i  s  S  t  c  r  n  \>  o  r 


Fig.  IM. 

1'  I  I  in  j  n  i  a 
li  r  o  ii  ii  i  i;  3  |i  p. 


\  I  lli>li»risrhe 


I'll- 


I'or- 


dichlslehenden  pfriemenlonniizen.  kanligen  Blatleni.  Wiihrend  die  Heste  dieser 
l.andllora  der  Nalur  der  Yerhiillnisse  naeh  im  Alliiemeinen  anf  die  Sumpr- 
und  Straadbildungea  der  postcapbotrischen  Schicbtenreihe,  nchmlich  auf  d;is 
Itotlilie^ende  besehriinkt  sind  ,  filhrl  die  marine  Gruppe  dieser  l;«n  ination  sehr 
gewohnlich  Fueoiden  /,.  B.  Gaiilerpiles  ,  neben  diesen  aber  aueli 
srhwemmle  Fame,  nanirnllich  al>or  die  in  Kuplor^lanx  umgewandelten 
und  iM-ilrhte  einer  mil  Cupressus  semporvircns  \ci\\andtcn  Conil'crc: 
iii.  inni.  i  Hronni  (iopp.  Krankcidicrucr  Komiilircn)  Kii:.  1Si.  - 

Auch  die  Fauna  der  poslc-ai'ltoniselien 
malion  isl  oine  viel  a'rmlicherc  als  die  frdlierei' 
Xeilalter  und  abgcsehen  von  eini^en  Ueptilien  und 
l;iselien  aul'  die  marineii  (iehilde  der  hierher  jze- 
liiiriizeii  Srhielilenreihe  heschrankt.  I)i(!  Hosle  MHI 
Proto/oen  (z.  B.  Nodosaria  und  \on  l-ichiiioderinen 
sind  ausserordenllich  sparsam  ;  ot\\as  reielilielier 
isl  die  Verlrolung  der  Korallen  durch  einiize  Zoan- 
lliaria  tal»ulala  (dalainopora  und  Alveolites  .  ;ds<» 
FJg.iv,.Fenesteiia  retiformis  palaeozoisclie  Formeii  ;  verluiltnissiniissi-  stark  sind 

die    Bryozoen  in  Feneslella  enl\\iekelt.      Kene- 

slella  retifoi'in'is  Sclilolh.  (Fig.  185)  isl  ein  Ireffliches  Leitfossil  dos  Zeeli- 
sleines.  Von  alien  niederen  Thieren  al>er  herrschen  die  Brachiopoden  \vei(  \m 
alien  Ubrigen  vor  und  liefern  die  characterislischslen  und  \\cil  verbreitelslen 
Zechsleinformen.  Hierher  gehoren  Produclus  horridus  Sow.  ,  Spirilfi 
undulalus  Sow.  ,  Sir  ophalosia  Morris  iania  Kinii,  die  Klmu-hnnella- 
iihnlielie  Ca  inaroph  ori  a  Sch  lo  I  liei  mi  Buch;  Tore  l>  ra  I  u  la  chmuaia 
Schloth.  und  endlich  Lingula  Gredneri  Gein. 

Die  Zweischaler  Pelecypoda)  erreichen  in  der 
postcarbonischen  Periode  im  Vergleich  mil  den  Ubri- 
gen Vertrelern  der  Thierwell  bereils  eine  izriissere 
Wichtigkeil  als  in  friiheren  Zeitaltern,  neigen  sieli 
in  ihrem  allgemeinen  Gharacler  mehr  nach  den 
inesozoischen  als  zu  den  palaeozoisclien  Zweischa- 
lern  hin  und  gehoren  vorzugsweise  den  Geschleeli- 
lern  Mylilus.  Peclen  ,  Area,  Gervillia  ,  Nueula  and 
Sehi/odus,  einem  Vorliiui'er  der  Trigonien,  an.  Zu 
den  gewohnlichslen  organischen  Reslen  des  Zeeh- 
sleines  sind  Schizodus  obscurus  SONY.  1  i;:. 
189),  Avicula  speluncaria  Schlolh.,  Area 
V\K.  IMS.  rroductns  horridns  sow.  s  1  11  i  a  I  a  S  ch  1  o  lh..  M  v  t  i  1  us  II  a  u  s  m  a  n  n  i  Gold  I'.. 

Kiir.  1->7.  Spirit'cr  umlulatus  Sow. 

v  StrophaloBia  Morrisiiina  King.     Poclen    DttSlilUS    Sclllotll..      (iei'villia    Cei'a- 
' 


isit. 


olis  curus  Sow. 


lophaga  Schlolh.  zu  ziihlen. 
Die  Gasleropoden  sind  in  der  Zechsleingruppe  nur  durch  wenige  GaUungen 
inamentlich  Turbo,  Pleurotomaria,   Chilon,   Nalica,    Denlalinin     und 
el\\a    •>()  Alien,   sowic  (lurch  spiirliche.     unansehnliclie    und    kleine   Individuen 
verlrelen.      Gleichzeilig    versch\\inden    die    ij)    der  carbonisehen   Periode  noch  so 


VI.    Ilislorischc  Geologic. 


:ir>7 


reiehlielien    Cep  li  a  In  p  od  <>  n    I'ii.s!   \  ollsliiiulig ,    so  dass  man  his  jeut  mir  z\vej 

ReprBsentanten  dcrselhen  in  dem  deutschen  Zechstcin  und  nur  \venig  niohr  Arien 

in    dem    amerikanisehen    und    russischen   Perm    kcnnt,    welchc    den    GaUunizen 

Nautilus,     Orthoeeras    und    Cyrtoceras   angehoren.       Die    Trilobitcn, 

deren  nahes   KHosrhen  in  doin  carbonischen  Zeitaltcr  bercits  vorbcreilel  wurde, 

sind  in  der  darauf  folgenden,  also  dyassischen  Periode  vollstandig  ausgcstorben, 

und    \\erden   durch    kleine  cjpris-arlige  Schalenkrebse ,    einige  Flohkrebse  und 

eiiien    I.iinulus   nur  ktlmmerlich   ersetzt.       Die  Armulh   an   Cepholopoden   und 

<iasicropodcn,    sowie   das  vollstandige  Fchlen  der  Trilobiten  sind  wohl  mil  die 

hervorstechendsten   EigenlhUmlichkcilen   der  'poslcarbonischen   Fauna.       Urn    so 

/ahlreicliere    Resle   ha- 

l>en    die    Fische    jenes 

XtMlalters    hinterlassen, 

so  dass  manchc  dersel- 

ben  z.  B.   den  Kupfer- 

schiefer      Deutschlands 

in     uiiiieheurer   Indivi- 

duen-Zahl  ofl  ganz  er- 

fUllen.          Ihre     grosse 

Meiiiie  gehorl  den  hele- 

roccrcalen,  klcinschup- 

pigen  Ganoiden  an,  na- 

mcnllich  haben  die  Gc- 

schlechter   Palaeoni- 

scusundPlalysomus 

viele    Species  gelieferl, 

unler  dnien  Palaeo- 

niscus       Freiesle- 

beni  Ag.,  Pal.  Vra- 


Fig.  190.    Palaeoniscus  Agass. 


Fig.  191.    Platysomus  striatus  Agass. 


lislavicnsis  Ag.,  Plalysomus  gibbosus  Blainv.  in  Deulschland,  Pa- 
laenniscus  complus  Ag.  und  Plalysomus  strialus  Agass.  in  England 
die  hiiuliijsten  sind.  Zu  ihncn  geselll  sich  Ambhpicrus  macroplerus 
Broun.  Von  Placoiden  isl  Xenacanlhus  Dccheni  Beyr. ,  ein  mehrcrc 
I  u->  urn>ser  Knorpelliseh  mil  selir  laiiiicm  Flosscnstachcl,  hcrvorzuhcbcn.  Der 
rormemviehllium  der  Meptilicn  hal  seil  der  carbonischen  Periode  nur  urn  \vc- 
niii,  jedoch  urn  einen  neuen  Typus,  die  Schuppenechsen,  zugcnommen. 
Die  als  Thecodoiiten  I.e/.eiclnictiM)  poslcarbonischen  Verlreler  der  lelzlgcnann- 
len  ThicM-i-ruppi-  besitzen  noch  biconcave  Wirbcl  wie  die  Fische,  zuglcich 
aber  in  Alveolen  eingekeille  Ziiline  \vie  die  Krokodile  und  sind  die  erslen 
eehlen  Kelisen  .  falls  der  pai:.  338  crwahnle  Eosaurus  nichl  den  Enaliosau- 
i-iern,  sondern ,  \\ie  ;indere  \\ollen,  den  balrachierarligen  Labyrinlhodonlen 
bcizuordnen  isl.  Den  Frosehsauriern  gehorl  Archegosaurus  Decheni 
Goldf.  Viii.  192)  aus  den  Lcbacher  Schicfern,  vvelche  die  Saarbrucker 
Kohlenformation  Ubcrlagcrn,  --  den  Schuppcneehscn  Prolerosaurus  Spc- 
neri  Me\er  an.  Isl  man  beivchli-t .  vsie  kaum  zwcifclhafl,  diesen  Iheco- 


donlen  Schuppenecbsen  cine  holiere  Slellung  iin  S\.sleme  der  Thierwell  an/.u- 
\\eisen.  ills  den  Proschsauriern ,  so  hat  die  tintwteketung  der  Kcpiilicn  dureli 
HerrorferfngUtlg  eincs  holicren  T\pus  einen  \Nicliliuen  l-'orlseliriu  gemachl. 
Auch  Fnsslapfen  posicarboniseher  S.iuricr  sind  hekiinnl  'hri  I'Yirdriclisrodii  in 
Thiirini;on,  hei  llolienelhe  in  Holunon,  bci  Oschal/  in  Sachsen  und  als  Sau- 
r  i  c  h  n  i  I  r  s 


Fig.   11)2.     Sfhadel  von  A  re  hego  sau  r  u  s  Decheni  Goldf. 
a  Querdurchschnitt  duruh  einen  Fangzabn.  —  6  Kiiizelner  Fangzahn. 

Die  Dyas  Deutsclilands.    I^s  1st  hoi'eits  beuiei'kl  \\orden,  dass  die 
zvvischen   die    productive    Kohlenforrnalion    und    die    unlere    Trias  etiigescbattete 

Schichlcnrcihe  in  z\vei  pelrographisch  und  palaeonlologisch  schai-f  uoseliiedenr 
Abtlieilungen  xerlallt,  cine  unlere  Congloinerat-Sandslein-Forinalum  mil  den 
Resten  einer  Lamlflora,  tlas  Ro  Ihliegendc,  und  cine  obere  Kalkslein-Dolo- 
niit-(jyps-Formation  mil  den  Reslen  einer  marinen  Fauna,  die  Zechstein- 
Gruppe.  (siehe  Fig.  19  pag  165  und  Fig.  193.) 


Kislouen 


Polleben 


Fig.   Kill.     Profil  dnrcb  die  Dyas-  und  Triasmulde  voji  K  i  s  lr>  1>  MI  -  M  .1  n  s  f  (>1  d. 

—  b  Kopferscbiefer  und  XechstPin.    —   r.   (iyi>si>.  Anhydrite,  Lrtti'ii.  Unurlnvarke.    —  A  liiiiit>iiinl- 
stoin.  —  r  Musclielkalk. 

1.  Das  Rothliegendc  (RollUodtliegende). 

I'ef rograpliisclier  Charakter.  Das  Rolhliegende  ist  cine  durclischniti- 
lieh  .')()()  Meter,  slellenweise  •/..  H.  in  Bayern  niehr  als  2000  Meier  niiiehlige 
Schichlcnfolge.  von  Congloincralen  ,  Sandsleinen  und  Seliieferlellen.  Die  Con- 
glomerate bestehen  aus  nuss-  bis  kopfgrossen  Gescbieben  und  Gerdllen,  also 
.digernndelen  ,  /urn  Theil  vollkommen  kugelrnndi-n  Fraginenlen  aller  niiiglichcr 
iilu-rer  Gesleine,  so  von  Granit,  Diabas,  Dioril,  Gneiss,  Glimmerschiefer,  Thon- 


VI.   llislorischc  Geologic.  \\'t\) 

sclneler.  (Jiiiiiv.it.  llori)(|U;irx  ,  Kieselsdiierer  u.  s.  \v.  Xu  ilmen  uesellen  sich 
namenllieh  in  cli'in  oberen  Holhliegenden  (ieschiebe  \iui  I'orplm-  und  Melaphx  r. 
\\elche  von  nur  woniu  iilteren  ErUptlVgesteineD  abslaiimien.  Alle  diose  Hull- 
si  iu-ko  \\erden  durdi  riii  quarziges,  thoniges  oiler  sandsloinarligcs ,  sellen  kal- 
kiges  Hindemiltel,  \\  riches  in  den  meisten  Fallen  cine  liiiclist  diaraclcrislisdie. 
durch  Kiseno.xul  bewirkle  rolhe  Farbung  besil/l,  mehr  odor  weniger  lost  zu- 
samineagehalten.  Diese  Conglomerate  bilden  zum  Theil  sehr  miichtigc,  aber 
deutlicho  Sc'hichtcn,  \on  doncii  grob- und  feinkurniijje  mil  einandcr  abucchsdn 
Die  Sands  trine  sind  inc'ist  aus  ccki^kanliuen  Korneni  von  Quar/.i;esteineii. 
/.UNVoiU'ii  auch  solchcn  von  Feldspath  odor  Kaolin  und  einoni  i;e\\ohnlich  thoni- 
ueii.  selle-nrr  kalkiiieii  odtM'  kaoliniizen  Hindeiniltel  zusainii)onti(\sel/.l.  Dio  (irb'ssc 
der  kbnier  sehwankl  in  ein  und  derscllK-n  Schichl  /uischen  dor  von  C.onylo- 
iiieralueschicben  und  der  fcinon  Sandes.  Holhe  und  rolhlicht!  braunc  Farbcn 
hen  schcn  u>r,  uriine  und  i^raue  Kiirbuni;  isl  jedoch  nicht  ausgcschlossen.  Der 
Sch  ie  1'erle  1  U1  n  oder  Hiitlu'lscliid'cr,  ein  blul-  bis  biiiunlich  rolher,  sehr  eisen 
o\\dreich(T  Schielerlhon,  isl  ein  fiir  das  HolhlicLiende  gan/  besonders  rharak- 
lerislisches  (icslein  und  Irill  in  \\enig  inacliligrn  /Nvischenlagei-ungen  y.\\ischen 
den  ('.ongluineraten  und  Sandsleinen  an  I'.  Kalksleino  uiul  zwar  /uni  Theil 
ddlnniilische  Kalksleine  erscheineii  nur  sehr  unlei-geordiu'l  in  der  Scliichtenreilie 
ties  Mutlilieuenden,  bilden  ineisl  llach  linsenforinige  Kinlagerungen ,  sellen  lang 
.nilialtende  Xiige  und  sind  /uni  Theil  versleinei-unusl'iilirend.  I.el/.tercs  isl  aueh 
bei  den  b  i  I  u  in  i  n  osen  Sc  h  i  e  I'e  r  I  h  o  ncn  (Brandschiofern)  del1  Fall,  \\elclu 
/,.  H.  bei  Oschal/  und  Chcnmilz  in  Sachsen,  so\\ie  bei  llohenelbe  in  Hohnien 
in  dein  unleren  Hdlhliegeiideii  ll()l/in>lig(i  Lager  bilden  und  Kcsle  von  Fisehen 
/..  B.  von  Xenacanlhus  Declieni  He\r.  ninsehli(>ssen.  Da  sieh  die  Ablageruni:  del 
unleren  D>as  direct  an  die  Hildung  der  producliven  Kohlenfoiinalion  an- 
schliessl,  so  kann  es  nicht  aullallcn,  dass  auch  die  unleren  Horizonle  des  Holh- 
lieiienden  Si  e  i  n  k  ohlo  n  I'l  o  t  / 1-  fiihren  ,  \\elehe  jedoch  bei  \\eilem  nieht  die 
Miicliligkeil,  Xalil  und  Hedeulung  derjenigen  dos  carbonischen  Xeilallers  be- 
sit/en.  Die  \>ichligsle  dsassische  kohlenriihrende  SehiehlenrtMhe  isl  die  von  llfeld 
am  sud\\esllichen  llar/randc.  lin  Itakonil/.er  kreise  in  Hohnien  baut  man  sogar 
i  bis  /.u  i  Fuss  inachligo  Kohlenll»>l/.e  ab,  \selche  mil  den  crv\ahnlcn  lisch- 
reichen  Ur.indscliietern  \  ei'iieseilschartet  sind.  Viel  unbedeiilender  sind  die  bei 
OlHTlung\\il/.  Cheninil/.  und  \Vechsrlburg  in  Sachsen,  die  bei  llmonau  und 
klein-Sehinalkalden  am  Thiiringer  Walde.  sou  ie  das  \oii  .Meisdoi  I  am  iisllichen 
ll.irx.r.mde.  F.ndlich  umscliliessen  die  Schiererlhone  und  Lellen  des  unleren 
Holhlieijenden  ganx.  iihnlieh  \\ie  tlie  der  Kolileiiloniialion  /.  H.  bei  Saarbrilcken 
\ersleinei  ui)L:sreiche  Nieren  \on  ihuniijeiii  S  p  h  ii  ros  i  d  er  i  t  in  soldier  Moni:e. 
,|,.-s  dioelben  als  Fiseliei /.  ailsi;ebeulct  uerden.  Audi  K  u  |>  I'e  r  e  r  /.  e  vMala- 
chit,  l.asiir.  kupferkies,  Hunlkii[>rererx  Irelen  in  dem  Holhlii'uendeii  und  /\\ar 
in  Fiiriii  von  lin|ir, 11:11. iliniicii  nainentlidi  an  /ahlreidien  Stellen  des  nin-dlichen 
Hohmens  auf,  \\o  sic  /..  H.  bei  Hohmisdibrod  in  bestimmlen  Sandslein- 
Xoncn  conccnlrirl  sind  und  (lalamilen -Steinkerne  impragnircn  und  iucni- 
sliren. 

Als    t\pisches  Beispicl    der   liliederung    des  Holhliegonden    mag    an    dicser 


360  Ilistorischc 

Stcllc  die  in  dor  Mansfelder  Gegend  ,  dom  Ausi:;miispimkte  un.serer  Kcnnlnissr 
dor  deutschen  Dyas  tziilti^e  angcfUhrt  werdcn.  Die  belreflende  Schichlrnreihe 
zerfallt  dort  in  drei  Abtheilungen : 

1)  das    untere   Rothliegcnde;    cs  llberlagert  die  silurischcn   Schiefer 
des  Harzos  discordant  und  beginnt   bei  Grillenburg   mil   einem   steinkohlcnfuh- 
rt'iulcn    Schiehlensyslem    von    schieferigen    Sandsteinen,     feinkbrnigen   Contzln- 
meralen,  Schieferletten  und  dtlnnen  Lagen  von  Brandschiefern.  Lelztere  flihrcn 
Sphenopleris-,  Neuropleris-,  Pecopteris-Reste.  Darauf  folgen  dilnnschichtige,  etw;i 
20  Meter  machlige   graue ,  rothbraun  punktirte  Sandsleine   mil  rolhen  Schiefer- 
letten  und    kleinkornigen   Conglomeraten.     In    der    Gegend    von    Ilfeld    bestclit 
das   untere    Rolhliegende    aus    einem   Conglomerate,    dessen   Gerblle    aus  dem 
Harze  stammen  und  auf  welches  Sandsleine   und  Schieferthone  mil  einem  et\v;i 
1,5  Meter  machtigen  Kohlenflbtze  folgen. 

2)  das    miltlere    Rothliegende,    vorwallend    rothe   Schieferletlen  und 
Thone  und  schieferige ,    sowie   fesle ,    feinkbrnige  Sandsleine   mil  3  bis  liber  6 
Meier  machligen  Banken  der  fur  dieses  Niveau  hdchst  charakteristischen  Horn- 
quarzconglomerate,  ferner  mil  z\vei  im  Durchschnitt  melerma'chtigen  B;ink(  n 
von  ihonigem ,  knolligem    Kalksteine.     Erslere   bestehen   aus    nuss-,    bis   tiber 
kopfgrossen ,  oft  vollkommen  kugelrunden  Geschieben  einer  dichten,    ungemein 
festen  Quarzmasse  von  splillerigem  Bruche  und  grauer  Faibe,  welcbe  von  einem 
rolbbraunen,  Ihonig-sandigen  Bindemiltel  zusammengehalten  vserden. 

3)  das  obere  R  olh  1  iegen  d  e  beginnt  mil  einem  eckig   kbrnigen   Quarz- 
sandsteine  mit  wenig,  zum  Theil   kaolinischem   Bindemitlel ,    dem    Sicbigerrbder 
Sandslein,  in  welchem  verkieselle  Coniferenslamme  ha"ufig  sind.     Darauf  folgen 
2    bis   3  Meier   machtige    Hornquarzconglomerate,    sowie    rundkbrnige,    dunkel- 
rothbrauneSandsteine  und  tiber diesen  Quarzporphy  rconglomera  le.  Ueber- 
haupl  ist  das  Vorkommen  von  Porphyr-  und  Melaphyr- Geschieben  charakleri- 
slisch    fiir   diesen  Schichtencomplex.     Diesem  Niveau   gehbren   auch   die   in   clci 
Niihe  von  Mansfeld  anstehenden  Melaphyre  und  Melaphyrmandelsteine  an. 

Palaeontologischer  Character  des  Rothliegeiideii.  Im  grossen  Ganzcn 
ist  das  Rolhliegende  arm  an  organischen  Resten  und  zwar  sind  es  bis 
auf  einige  Fische  und  Saurier,  Calamilen- Stengel,  Farnwcdel  und  Walchicn, 
welche  in  den  Schieferletten,  Kalksteinen  und  Brandschiefern  dieser  Schichten- 
gruppe  vorkommen,  wahrend  verkieseltc  Farnslrtinke  und  Coniferenhblzer  mchr 
den  Conglomeraten  angehbren.  Als  hbchst  charakteristische  Leilfossilien  des 
Rolhliegenden  sind  Walchia  piniformis  Sternb.  und  Calamites  gigas 
Brong.  zu  betrachlen.  Beide  kommen  namenllich  in  den  grauen  Sandsleincti 
dor  unleren  Niveaus  des  Rolhliegenden,  in  den  Walchien-Sandsleincn 
vor  und  sind  deshalb  maassgebend  ftlr  die  Fcstslellung  der  Grenzc  z\%ischen 
producliver  Kohlenformation  und  Dyas.  F(lr  die  enlsprechenden  Schichlen  des 
S.iinhiilcker  Kohlenbassins,  die  Lebacher  Schiefer,  sind  die  in  Thoneisenstein- 
nieren  einceschlossenen  Reste  von  Archegosaurus  Decheni  Goldf.  und 
Amblyplerus  macropter  us  Bron  n  bezeichnend.  Die  Versteinerungsfllhrung 
der  oberhalb  der  Walchiensandsteine  auftrc-lendcn  Cooglomerate  isl  fasl  allcin 
auf  verkifsellc  Stiimnic  von  Psaronius,  Tubicaulis  und  Coniferen  be- 


schriinkl.  In  don  rnllion  kalkon,  \\oloho  in  Knlnnon  /..  H.  hoi  Uranium  y.\\  isclicn 
doin  Rothliegenden  local  einuolai:ort  vorkommen,  isl  nobon  violcn  Pllan/cnroslon 
Palaeoniscus  Vr;i  I  i  sla  \  i  o  n  s  is  Ag. ,  und  in  den  biluminosen  sohwar/.on 
Schiolorn  des  unteren  Rothliegenden  von  Oschatz  in  Sachsen,  Hohenelbe  in 
Bbhmen  und  Lbwonbori:  in  Sohlosien  Aca  nth  odes  gracilis  Beyr.  und 
\  i- n,i  o;i  n  thu  s  Dorheni  Beyr.  sehr  hiinliir. 

(Jesleinseruptionen  wahrend  der  Ablagenmg  des  Rothliegen- 
den. Zwisehen  den  bosohriobonon  sedimenlaren  Gesteinen  des  Rothliegen- 
don  und  sohr  zahlreichon  Einlaiionm^on  und  Durchbrtlchen  von  Erupt  iv- 
gestoinen  herrscht  cine  so  innige  Vorkniipfung,  dass  die  Gleichzeitigkeit  ihrer 
Entstehung  fraglos  ist.  Ausserdem  ist  ihre  Vergesellschaftung  eine  alien 
Bildungsraumen  des  Rothliegenden  so  ausnahmslos  gemeinsame  Erscheinung, 
dass  dieselbe  als  em  bei  dor  Armnth  der  unteren  Dyas  an  organischen  tlber- 
roston  urn  so  willkommeneres  Kennzeichen  der  hier  betrachteten  Formations- 
dioder  angesehen  vverden  kann.  Die  Ge- 

Falkenstem      Poppenberg    Brandesthal 

steine,  welche  wahrend  der  Bildung  des 
Hothliegenden ,  begleitet  von  Sand-  und 
Aschenauswllrfen ,  in  gluthfltlssigem  Zu- 
stande  die  bereits  abgelagerten  Schichten 
durchbrachen  und  sich  auf  diesen  decken- 
artig  ausbreitetcn,  so  dass  sie  heute  als  Fi'g.  „„.  Profil  dnrch  die  n 

Diehr    Oder    \\eniger"  mSchtige,    Sehr    lliiufig        l»Kerungen  yon  Er^tivgesteinen  bei 

VOn     NeUCin      durch      nur      Wenig     jtlngere    o    Hcrcynische  Silurschiefer.    —    ftUnteros    kohlen- 
i         ,  ,          ,  „      .  fuhrendes  Rothliegendes.  —  c.  Mittleres  Kothlipirrn- 

KrilptlVgeSteine    durchbrOChene    Z\VlSChen-    des  (Schieferletten  nnd  Sandsteine).  —  d  Mel;ipli)i. 
,     .  .    j    T-,     ,     .  .  —  t  Thonstein.  —  /  Porphyrit. 

lager  erscnemen,  smd  r elsitporphyre, 

(i  ranitporphyrc,  Porphyrite  und  Melaphyre.  Der  Felsitporphx r  isl 
durch  eine  grosse  Reihe  von  Varietiiten  vertretcn ,  welche  in  der  Farbe,  der 
Grundmasse  und  den  Krystallausscheidungen,  in  der  HHufigkeit  oder  Seltenheil  der 
lot/lcron  ,  in  der  Struclur  der  Grundmasse  und  dem  Vorkommen  von  accesso- 
i-ischen  Gemengtheileu  begrtlndet  sind.  Sie  treten  in  dem  Rothliegenden  \\i<- 
sammtliche  ubrige  hierhergehbrige  Eruptivgesteine  entweder  gangfdrmig  oder,  und 
/.war  g.'wdhnlich,  lagerarlig  auf.  Namentlich  war  der  Thtlringer  Wald  im  Beginn 
der  poslcarbonischen  Pcriode  der  Schauplatz  grossartiger  Eruptionen  von  Felsil- 
porplnron,  welche  das  Rothliegende  an  sehr  vielen  Stellen  sowohl  in  oin/olnon 
kuppon,  \\io  \nnsLcn  miichtigcn  ZUgen  durchselzon.  In  dieselbe  Zeit  fiilil  dor 
Ausbruch  der  Folsitporphyrc ,  in  welche  sich  das  Saale-Thal  bei  Halle  cinuo 
srlmitton  hat.  In  Sachson  wird  u.  A.  das  Rolhlicgende  des  grossen  Oschatz- 
Frohburger  Beckens  und  in  »;m/  iihnlichcr  Weise  das  Zwickauer  Rolhliegendo 
dnroli  cine  Decke  von  Folsilporplnron  in  /.\\oi  Mtagen  getheilt.  Die  Felsil- 
|Mupl)\ro  dor  Loipziger  Umgegend  bilden  nur  dio  nordwestlichc  Forlsclzung 
der  crstorwiihnton  Kinlacorung  und  wordon  an  manchen  Stellen  von  Granit- 
porphyrcn  gangfbrmig  durchsrtzl.  Noch  zahlrcicher  und  bedeutender  als  dio 
unterdyassisohon  Eruplionen  von  Felsitporphxr,  warcn  solchc  von  unlcr  dor 
Bezcichnung  Melaph\r  /.usarnmengefasstcn,  wahrscheinlich  aber  sehr  vor- 
;MiiL(  n  GoMcinen.  Im  ThUringer  Waldc  (retcn  sie  abgeschcn  von 


\  I . 

isolirten  Ueineu  Kuppen  und  Giingen  in  drci  grnssen  (iruppen  am 
Nord-Abhange,  :\\\\  Sud- Abt'alle  und  am  Oslrande  des  Gebirues  aid'.  Dcr  Me- 
laph\r  von  lll'cld  am  llar/.e  bildet  cine  miiehligo  dem  Rolhlicgenden  einge- 
iagerte  Plalle.  Ausserordenllieh  ivicli  an  stock-  und  gaagftfrDUgeo  Durch- 
brUchen  von  Melaphyr  und  Melaphyrmandelslein  isl  das  grosse  unlerd\assisehe 
Terrilorium  sildlich  von  HundsrUck.  IJaufigcr  aber  noch  als  Giinge  und  Slbvke 
sintl  in  dieseni  Gebiete  ausserordonllich  regelmassige  und  gjeiobfttrmige  Z\\i- 
sehenlager  und  Decken  von  Melaphyr,  deren  Machligkcit  zwischen  wenigen  und 
<>0 — 70  M.  schwankt.  Auch  in  Schlcsien  sind  Felsitporphyre  und  Mclajihyrc 
dcr  Rotbliegenden  Schichlenroihe  plattcnfdnnig  eingeschaltet.  Es  1st  dies  /..  H. 
bei  Lowenberg,  in  noch  grossarligcrcm  Maassslabc  in  dein  llotldicgonden  der 
Fall,  welches,  wiedcruni  von  Kreide  iibcrlagcrl ,  das  nioderscldesiscli-bohniische 
Slcinkohlenbassin  ausfullt.  Das  Ausgehcnde  dieser  Felsilporphyr-  und  Mt'lapli\r- 
Einlagc'rungen  bildet  einen  grossen  nach  SO.  gedilhelen  Bogen,  wek-licr  last 
UBunterbrochen  von  Schatzlar  in  Bbhnicn  liber  Gottesberg  und  NValdenbuig 
bis  in  die  Nahc  von  Glalz  zu  verfolgen  ist.  In  dom  norddsllichen  Boliinen 
\\icdcrholen  sich  die  nchmlichen  Erschcinungen :  im  Jiciner  Kreise  Irelcn  ."> 
iniichlige  Becken  Ubereinandcr ,  aber  gelrennl  durch  Zuisclionlagci1  von  Kolh- 
liegendem  auf.  Auch  in  den  kleinen  Parlien  von  unlerer  Dyas,  NNclclic  in  der 
Gegend  von  Krakau  bekannt  sind ,  fehlen  \\eder  Felsilporphyre  noch  lypische 
Melaphyre  und  Mandelsleinc.  Endlich  lallt  auch  die  Eruption  inancher  Por- 
phyrilc  in  die  Ablagerung  des  Rolhliegenden.  Bci  llfeld  hat  der  Porphyril  die 
unlere  Partie  dcs  lelztcren  und  die  in  dcinselben  eingelagertep  Alelaph\rc 
dui'chbrochen  und  sich  in  Form  einer  machligen  Decke  auf  ihnen  ausiicbreili-l. 
um  spaler  voin  oberen  Rotbliegenden  Uberlagert  zu  werdcn. 

\Viihrentl  der  Eruption  der  Felsilporphyre  und  Melaphyro  kamcn  nichl 
sellen  Breccien  dadurch  zur  Ausbildung,  dass  bcreils  erslarrle  Gesieinsmassen 
von  nachdringendem  Malerialc  zerstiickelt  und  verkiltet  \vurden.  Solche  Me- 
laphyr-  und  Felsitl>reccicn  sind  namenllich  im  Thiiringer  Waldc  z.  B.  in  dcr 
I  "mgcgend  von  Friedrichsroda  verbreitel.  Ferner  gingen  mil  den  Durchbrilclu-n 
der  genannlcD  echten  Eruptivgesleine  Aschen-  und  Sandausw  iii'l'e ,  su\\ic 
Sclilammausbriiche  Hand  in  Hand  und  lieferlen  das  Material  der  Por|)liNrtuH'e. 
\\rlrhe  in  der  Schichlenreihe  des  Holhliegenden  eine  so  wit-hlige  llolle  spiclcn. 
Dii-se  ei'digen,  bunllarbigen  Thonsleine  sind  /um  grossen  Tin-He  sehr  deut- 
lich  und  diinn  gesobicfatet,  uml'asscn  niclil  selten  oiganische  Besle,  nainenllich 
Ulallabdriicke  und  vcrkiesellc  IMlan/enstammc.  Die  llauplablaiicruni;  der  Por- 
pliNrlulle  gchorl  dem  Bolldieiienden  des  er/.iiebii'gischen  Hassins,  also  namenl- 
lieh  dei'  I'm^cgend  \on  dhemnitz  an.  Audi  die  Eruption  der  d\assischen  Me- 
laphyre hat  zu  Tull'bildungen  Veranlassung  gegeben. 

llochsl  inslructiv  sind  die  Verhallnisse ,  unter  welchen  ganz  eigenthiim- 
lidie  MelaphyrlVagmenle  zwischen  den  Sandsteinen  des  oberen  Hothliegenden 
\on  Mansl'eld  in  der  Niihe  des  Riltergules  Rbdchen  auftrelen.  Hire  ganze  (ie 
stall,  ihre  locherig-narbige  Oberfliiche ,  ihre  blasig-schlackige  Slruclur  vvcisen 
auf  das  auuensehcinlichste  darauf  hin ,  dass  sie  koine  (iesehiebe,  sondcrn  lose 
\ulkauische  Auswiirllinge  repriisenliren  ,  wenn  auch  ihre  iiusscre  Geslall  durch 


VI.  llistoi-i>dio  (!eoloi;ie.  '•>»'•> 

il.i.s  Spiel    der    NYogeii     noeli     eine    iieringe     Yeriinderung    oiialircn    liabcn     mag. 

Sic   liegcn  eut\\eder  y.icmlidi   isolirl    odor  ong    ;in    einander   gedriingl    und  dann 

cin   urspriinglieh   loses  llaufwerk  darstellend   in  einom  feinkornigen,    rollibraunen 

Sandsteine      I  ig.    I'.t.'i    .     dossen    (iesleinsmasse    dir    Zvsisehen- 

riiuiiH'    zxNisehen    den    ein/elnen    Melaph\  rbruchstilcken    aus- 

ftilll    and    diese    als    Cement    /.a    einein    Melaplix  ironglomerate 

verbindet.      Kaum    kann    es    I'raglich    sein  .     class    diese    bei 

dor   Eruption    von    grbsseren   zusammenhangenden   Mehiphyr- 

massen    einporp-scliltHiderten    Molapln  rhonibon  in    die   seidite 

Meeresbuchl  lielen.   auf  doicn  Grunde  das  Material  dcs  Uolh- 

lieueiidiMi  /ur  Ablagcruntj   i:elanuio,   \vo   sie    sieh    mil   dieseni 

lol/lern    nionuten.      I>ic     Ix-x-hrichenen    Vcrhaltnisse    erinnern 

aul'    da.s     Irbliafteste     an     ue\\  i>se    Aulscliliisso   am     Kusso    de> 


tig.   19.1.  Profil    liei 

\\"eiso    Boniben    und    Laj>illi     von     moderner    Lava     z\\ischen  a 


.       .. 

lloderbem-  N'ulkaiu's    oberbalb    Bonn,    \vo    in    ganz    analot'er  Letmbach 

M  ansfeld. 


...  .  .  S;ui(l>tcininit  cin/.-l- 

fjjosciHcnteleiu     KneiAsanoe     und     berwieo     aulti'eten.      Aim-       nen  Heiapbyraub- 
lidie    d\assische     Melaplurschlacken    sind    voin    Goltlol)    und  6  nunnpfschich'teter 

..,,.•.,  .         rr>i..    •  ,»-    ij  •        •  Sandstein  ohne 

Sperweg    nci    riieancbroda  irn    iDdnnger    VNaldc,    scwie    an       soiche; 
nbrdlichen    Kuhinen    in    dor   Nahe   der   dort  auftretenden  Me-  c   dBomben.mi 

,  ,     ,  d  Ilaufwerk  von  Au.>- 

lapnyrc  bekannt.  wurfiinKeii: 

.11  ..  r,  j    »•  zusaramen  etwa  II)  M. 

An  den    ebM    erst    eni|)uri;esliei;enen   Porplnren  und  Me- 


laphjren  landen  die  (io^assor  der  poslcarbonischcn  Periode  Gele^Milieit  zur  Aus- 
ubuiii:  ilircr  /ershii'diden  Tlialiiikeit.  Hire  xu  Geroll  ahgerundelon  Kruehslileke  und 
Aus\Niirllmi:e  liei'erten  ein  Ilauptmalerial  gewisser  Congloinorale  des  Jlolhlie^-n- 
den,  uelche  si*1  ofl  aussehliesslich  zusaminonsolzon  und  dann  Porphyr-  und  Mola- 
plnr-Cniidmuerale  iionannt  \\erden  im  Oselial/-  I'Yoh  burger  District,,  im  Doh- 
lener  Ueeken  in  Saelisen,  bei  Georgenthal  in  Thiiringen)  . 

Die  Kruptivizesleine  des  Hothlii-pMiden  sind  nieht  selten  das  MulU'rgeslein 
\\erlli\oller  Kr/lai;eiM;iUon  i:oNNorden.  Hesonders  beinerkens\\erlli  sind  die 
Vorkoininen  \on  .M  .1  n  ir;i  uer  z  on  ,  \\elche  sieh  in  ganz  alinlicher  Weise  im 
Thiirini;er  \\.ilde  und  am  llarze  \\iederholen.  Die  Thilringisehe  llauptfund- 
>telle  derselben  ist  die  ringebunj;  \n\\  Kliiersbui'i:,  \\oP\rolusit  und-  Psiloinelan 
,iU  .\ii>tulluni;  \onbis  zu  ;i  Meter  inaelitigen  Spallen  im  l-'elsitporplis  r  aufsel/.en. 
Minder  bedeulend  sind  die  dem  \nrigeii  analouen  VorkomiiK'n  des  Hraunsteins 
am  Oeicnslurk  bei  llmenau  und  am  Goltlob  l>oi  Friedi  iehsroda  .  nur  dass  hier 
einzelne  der  (i.iiiLie  im  M«-lapli\r  l»reelien.  War  das  \orherrselientle  Mangan- 
erz  Tliiirinszens  P\roliisil  und  Psilomelan  .  so  fiiliren  die  im  Porph)  rile  bei  II- 
feld  am  llar/.r  aulsi'i/enden  hi-.iuii>l«'ini:;iii^e  .M.muanil,  zum  'I'heil  in  den 
,ui>L;r/.ciclineten  Krxslallen.  \\elche  jene  |-  uudslelle  so  berUllliit  geniaelit  habeli. 
-  In  den  nnlei  d\  .issisdien  S.iiidsleinen  und  Scliielei-n,  llornsteinen  und  (lon- 
i;lumei,ilen  der  Pfaiz  und  den  sie  durchbroelien  h.d)enden  Melapli\ren  und 
Porplixren  sei/.en  n  ueeksilbererze  zuin  Theil  in  Gangfonn,  zum  Thcil  als 
linpriignation  des  NebengeMeines  aul".  Die  Ausfillluni:  dieser  Giinuo  beslelil 
dorl  \or\\allend  aus  Lelten,  in  \\eleliem  die  Ouerksilberer/e.  nehmlirli  gediegenes 
(Jueeksilber,  Amalgam  und  Ouecksilberhornerz  ,  \orzuglich  aber  Zinnober  in 


VI.   llislorisdie 

Srlmiiivii,  Adern  and  Diusen  oiniiesprenijl  sind.  Slellenweise  ist  d.is  Neben- 
in  dieser  (lim^r  mid  /.war  namenllidi  des  llonisteines  und  Sandsteinos 
bis  auf  mehrere  Ladilcr  Knlfernung  von  zarlen  Adcrn  und  feinen  Einspreng- 
lingen  dersolben  Krze  durchdniuizen,  ebenso  sind  die  benachbarten  Kluftwiinde 
von  solchon  ilborzogen. 

2.  Die  Zechstein-Unippe. 

Die  Zcchsleingrnppo  bildot  die  obere  Abtheilung  dcr  dyassischen  Schichten- 
reihe  Deutschlands  und  ist  in  don  Districtcn  ihrcr  vollstandigon  Ausbildung, 
und  zvvar  typisch  in  der  Mansfelder  Gegend  ,  mehr  oder  wenigcr  deutlich  aus 
folgendcn  Gliedern  aufgebaut,  deren  Machtigkeit  freilich  local  sehr  schwankl: 

a)  Weissliegen  des    oder    Grauliegendes.      Diese    1     bis    3   Meter 
machligen    Schichten  sind  entweder  kalkige^  Sandsteine,   \veissgraue  Letten  oder 
hellgraue    Conglomerate.       Lelztere     bestehen     aus     Gerollen     von    Grau\vake, 
Kieselschiefer  und  Quarz.  welche  durch  ein    kalkiges  Bindemiltel  zusammenge- 
halten    werden.     Nach   seiner   oheren  Grenze    zu   enthalt  dasselbe  nicht  selten 
Impragnationen  von  Kupfererzen,  sog.  Sanderzen,   z.  B.  bei  Sangershausen.    An 
manchen  Punkten  Norddeutschlands   z.  B.  in    der    Gegend    von   Gera    kominen 
in  dem  Grauliegenden   dolomitische   Kalksteine   vor,    in    denen    sich    die  Beslc 
von  Rhynchonella  Geinilziana  Vern.  und  Lingula  Credneri  Gein.  (inden. 

b)  Kupf  erschiefer,  ein  schwarzer  biluminoser  Mergelschiefer   von  elwa 
0,6  M.  Machtigkeit,  der  sich  durch  drei  Eigenschaften  ganz  besonders  auszeich- 
nct  :  seinen  Bitumengehalt,  seine  ErzfUhrung  und   seinen  Reichthum    an  Fisch- 
resten.      Die  ErzfUhrung    beschriinkl     sich    jedoch    im    \vesentlidien    auf    die 
unlerste  el\va  0,1   M.  ma'chtige  Lage  .    den  eigentlichen  Kupferschiefer.     Diescr 
enlhalt  dann   ausserordentlich  feine  ,    staubarlige   Partikelchen   von   Kupfererzen 

Kupferkies,  Bunlkupferkies,  Kupferglanz,  Kupferindig  und  gccliegen  Kupfer), 
sowie  Bleiglanz  ,  Schvvefelkies  ,  Kupfernickel  und  endlich  gediegen  Silber  ein- 
gesprengl.  Wo  dieser  Erzgehalt  einigermassen  betrachtlich  ist.  wie  dies  am 
sUdlichen  Harzrande  im  Mansfeldischen,  sowie  bei  Riechelsdorf  in  Hessen  und 
bei  Saalfeld  in  ThUringen  der  Fall  ist.  werden  diese  Kupferschiefer  abgebaul 
und  verhuttet.  In  erstgenanntem  Distriste  sind  sie,  trotz  der  gerini.'en  Miidi- 


del*  schmelzwilrdigen  Lage  und  trotzdem  sie  nur  2  bis  :J  Procent 
Kupfer  mil  250  Gr.  Silber  auf  50  Kilogr.  Kupfer  fuhren  ,  das  Object  einer  dcr 
grossarligsten  berg-  und  htittenmannischen  Unternehmungen  Deutschlands  ge- 
\\nrden.  \\cldie  elwa  KOOO  Arbeiter  beschaftigt  und  1870  eine  Aushcute  von 
i  Mill.  Kilogr.  Kupfer  erzielte.  Wenn  man  sich  die  Gesammlproduction  des 
Mansfelder  Bergbaues  in  eine  Masse  vereinigt  denkt,  so  wtirde  dieselbe  einen 
Kupferu  iirfel  von  36  und  einen  Silberwurfel  von  5,5  Meter  bilden.  Mil  einem 
\erhiil  In  issmiissig  so  grossen  Erzreichlhume  ist  freilich  nicht  die  ganze  Ausdeh- 
imnii  der  Kupferschieferflb'tze  gesegnet,  derselbe  beschrankt  sich  vielmehr  bis 
auf  \\enige  Ausnahmen  namenllich  auf  den  SUdrand  des  Ilarzes  und  die  beiden 
obengenannten  Punkte. 

Der  Kupferschiefer  ist  ausserordentlich  reich  an  Rcslen  von  Fischen  und 
/.war  von  Palaeoniseus  l;rei  esleben  i  Ag.  .  Plalisomus  gibbosus 
Blainv.  u.  u.  ;  sie  fUhrcn  ausserdem  Xweigenden  ,  Friidite  und  Blatter  von 


VI.    llistt.risclie   lu-olojiic.  ;>,(;;> 

I'llmannia  Bronni  Go  pp.  und  /ahlreidie  Algen.  Aus  ihncn  endlich 
stainmen  auch  die  wenigen  und  umollslandigen  Kxemplare  von  Prolerosau- 
rus  Speneri  .Me\er.  Das  Kiiplersdiielerlloty.  besitzt  Irolx.  seiner  geringen 
Maehligkeil  cine  aussemrdentlieh  side  uiul  weile  Verbreilung.  lin  Mans- 
leldischen  umgiebl  es  vijllig  \\  ie  cin  Klcid,  diireh  Lagerungsslorimgen  in 
mannigladien  Falteim  urf  gebradil  .  das  Kothliegende,  umgurk>t  in  grosster  Ke- 
geliiijissigkeii  die  Abl'.ille  des  llar/es,  des  YhUrin^cr  Waldos  und  erscheinl 
nntcrhalh  d«>r  jiintii-ivn  Kt.riiiiitioncn  [lessens  und  in  der  (Jeiiend  von  Osnabriiek 
und  Il.l.enhiilnvn  an  der  Oberlljidic.  Zur  Deutimg  des  Metallgehaltes  dor 
kuplerschicrer  liisst  sich  ,  \\  ie  I.ereils  piiir.  I S7  erliinlert,  annehinen ,  dass  die 
Ablageruuf  der  lei/.leren  in  oineni  \\onig  tiefen ,  ziemlicli  al)iiesclilosseiien 
Meeresheeken  oder  Nhviluiseii  siatl-el'unden  hat,  (lessen  Cewassern  duivli 
MiiH'r,il(inellen  Melalls;ilzsolulionen  y.iiiiefiihrl  \\nrden,  was  den  Tod  der  /alil- 
n-iehen  Me\\.. liner  dieses  Heekens ,  nelnnlich  der  Fische,  /ur  Folge  halle.  Die 
Xersel/.nn-  dieser  lel/leren  l»e\Nirkte  eine  Reduction  der  Melallsalze  zu  Sch\ve- 
relinetallen  und  einen  Niedersehlag  derselben  in  dcm  sich  abla^ernden. 
sclili.niini-en  Hodensi.i/e  d,-s  Meeres ,  aus  welchem  durch  Verhiirlung  er/liih 
ivnde  Kuplersehiefer  hcM'Norgingen. 

c)  Zech stein,  ein  ihonhaltiger,  dcutlich   und  diinn  geschichteter  grauer, 
diditer,    fester    K.ilkslein    von    gewbhnlich    5    bis    10,  ausnalunsweise  30  Meter 
Miielitii;keil.      Kr  isl  es ,   \\elclier   die    Ilauplmasse    der    inarinen    Thierresle    der 
dyassischen    IVriode    unisrhliesst.       FUr    seine    unleren    Lagen    ist    vor    Allein 
Productus    horridus    Sow.   und    Spirifer    undulatus    Sow.   charakle- 
rislisch,   --  fUr  seine   oberen  Fenestella    retiformis  Schlolh.,  Schizo- 
dus    obscurus    Sow.,    Gervillia    ceratophaga    Schloth.  ,    Avienla 
speluncaria    Schlolh.,    Pecten     pusillus     Schlolh.,     Terel>ralula 
elongala  Schloth.,  Gameraphoria  Schlotheimi  Buch,   Strophalosia 
(J  ol  d  I'u  ssi  MUnsl.  bezeichnend. 

Im  M.insleldisrhen  liegt  zwischen  Kupferschicfer  und  Zechslein  ein  elwa 
einen  Met.-r  n.iielili-er,  blaugrauer,  dUnnplaliger,  inergeliger  Kalkslein,  wek-her 
di.rl  Dachfliitz  und  Fiinle  uc  nannt  wird. 

d)  Ranehwaeke    und    Asche    2   bis   20    M.     Erslerc  ein  kryslallinisch 
kiirni-er    Dolomit    Vnn   grauer,  in's  Gelbe   und  Braune   verlaufender  Farbe,  oft 
IM.riis    und    drusig,   fuhll  sich   rauh   und   scharf  an  und  ist  haufig  von  Spallen 
und   Hissen,   sowie    von  llohlen  durchzogen ,   welche  nicht  selten  untereinander 
/iis.uiiinenhiingen    (bei    Liebonslein    und  Allenstein    iin   Thilringer  Walde  .      Sie 
liilirt    Mytilus   (Aucella)    Hausmanni    Goltlf.,    GerviHia   ceratophaga 
Schlolh.,   Schi/.odus  obscurus  Sow.  u.  a.     An  nianchen  Punkten,  so  bei 
Camsdorf   in    Thilringen ,   wird    die    Haudiwacke   durch  einen  porosen ,   ausser- 
ordentlidi   eisenreid.en    Kalkslein    vertrelen ,   in  dessen  zahlreichen  Drusen  und 
kliilten   Aragonit  auskryslallisirt    ist.      Die   Asche   ist  ein   feinsandigcr,    staub- 
ariiger  Dolomit,  ein  loses,  zerreiblidies  Aggregat  von  kleinen  Dolomitkrystidldien. 
geuolinlidi   bitumenreich  und  dunkelbraun  gefiirbt. 

e)  Anhxdril,     Gyps,     Sleinsal/..     Sergei,     S  t  inksch  iefer    und 
Stinkkalk    in    nicht   conslanler   Aufeinandeiiolge.    /.inn    Theil    mil   Zvvisdien- 


VI.    llistorisrlio   Geologic. 


lagerungen  der  eben  besehriebenen  Rauch\\aeke  und  Ascho.  Das  Ilauplglied 
der  oboren  Abthcilung  der  Zecbstefogroppe  bildel  gewnhnlieh  ein  feinkiirnigor 
bis  diehler,  weisser  odor  grauor  G\ps,  \\elchor  nur  undcullicli  odor  gar  nichl 
Liosehirhlet,  aber  violialtig  /erklUftet,  ausgcnagt  und  zerrissen  ist.  Seine  be- 
deutcnderen  Ablagerungen  unischliessen,  so  bei  Sangerhauscn ,  Kllrich,  Stoll- 
borg  u.  a.  0.  Ilohlen ,  sog.  Gypssehlolten,  welche  dor  Auflosung  und  Weg- 
filhning  dos  Gypses  clurch  Gewilsser  ihren  Ursprung  vcrdanken  (sielic  |);IL:.  !('»:{  . 
Bivchen  die  Decken  solchcr  nahe  dcr  Erdoberflache  gelegenen  Schlotlen  zu- 
sanunen,  so  bilden  sich  Krdfiille  (siehe  pag.  164).  Nach  der  Tiet'e  v.\\  Lrehl 
der  Gyps  hiiufiij;  in  Anhydrit  Uber,  a  us  welchem  cr  durch  Aufnalirne  von 
Wasser  entstanden  ist  (siehe  pag.  146),  und  wird  ineistentheils  von  Dolomil 
und  Stinkkalk  begleilet.  Lelzteres  ist  ein  in  frischem  Zuslande  dunkel  grau- 
braunes,  auf  den  Verwitlerungsflachen  grauer  oder  gel  her,  zerkltlfteter,  zimeilen 
breccienartiger  Kalkstein ,  der  innig  von  Bitumen  durchdrungen  ist  und  beim 
Zerschlagen  und  Ritzen  einen  stinkenden  Geruch  entwickclt.  Zuweiien  \\ird 
derselbe  durch  einen  belrachtlichen  Gehalt  an  Thon  zu  mergligen  Schiefer- 
letteu.  \\eU-he  dann  nicht  selten  Nieren  von  Gyps  umschliessen. 

Die  beschriebenen  einzelnen  Glieder  der  Zechsteinfoi'niation  sind  im 
Mansfeldischen  und  am  siiddstlichen  Ilarzrande  in  drei  Complexe  zusammon- 
jiel'asst  worden  : 

1)  Die  unlere   Zechsteinf  ormation ,  a)   Weissliegendes ,   b)  Kupfer- 
schiefer,   c)   Zechstein. 

2)  Die    mittlere    Zechsteinfor  ma  tion ,     d)     Anhydrit     und    G>ps, 
e)   Dolomit,  Slinkslein,  Stinkschiefer  und  Rnuchwncko,   die  sich  gegenseiliiz  ver- 
ireien  konnen. 

;{)   Die  obcre  Zechstci  nformalion,   f)   ziihe  braune  und  bhuie  Lt^tten 
rnit    unrogehna'ssigen    Dolomit-    und   Kalksteineinlagerungen ,    c)    jiingerer    Gyps 
friiher  /Air  Trias  gerechnel' . 

Der  \vichligsle  Beglciler  des  Gypses  ist  das  Steinsalz.      Kine  der  gross- 

c-v  artigslen  Kagersliill«'n  dieses  Minerals, 
doppelt  inleressanl  durch  das  Yorkom- 
rnen  von  Kali-  und  Magnesia-,  den 
sog.  Abraumsalzen,  ist  die  von  Slass- 
furt,  siidlich  von  Magdt'bui'g.  Das 
dort  nbgcbaute  Sal/lliilz  geliiirl  der  obe- 
ren  Zeehstcingruppe  an ,  \vir<l  /uniichsl 
von  einer  7  M.  miichligen  /one  \on  Mer- 
geln ,  dann  von  Gyps  und  dieser 
von  bunlem  Sandstein  und  Muschelkalk 
gleichfttrmig  iiberlagerl.  Diese  Schich- 

Fi(f.  t9"»6.     P  rofild  fir  Stoi  nsal/.  1  neer  stfit  t  o     .  ••         1-11,       •          n      i        ti     11          i 

von  st.issfnrt.  leni'eilie   bildet  eme    llaehe   Mulde,  dei'en 

(i  Dilimuni  und  Ilnuinkolili-.    -  b  linntfr  San«lst<-in.        sii(l|i,-|i,Mll   Klii"i'l    d'ls   bi>i   Sl-issflirl    Itcl'"- 
rCyp^  ,1,-r  ol,,.r..|i  /(.olistoin-(Jni|.|,...         ,/  M-r-.-l. 

t  Abraumsalze.  _  /  sL-insai/.  niiiiiniseli    aiif^esehlossene   Sal/.Ia^er    /u- 

gehiirt.  Seine  Miiehligkeit  isl  niieli  unbesliinnil  .  \\cil  man  das  Ijegende  des- 
selben,  also  seine  unlere  Grenze  noeh  nichl  ern-ielii  hat.  Die  lirlsic  bis  jet/t 


-    t-: 


VI.    llistorisclie  Geologic.  3f>7 

hekannte.  ct\\;is  -.'^s  >|.  niiiclitke  I. age  des  Sal/lliit/es  besleht  a  us  reincm 
Stcinsal/.  \\clches  (lurch  diinno.  vollkonnnen  parallels  Schniire  von  Anlndril 
in  Biinke  \<m  i»,os  bis  0,16  M.  Sliirke  i:cllicilt  v\ird  und  durchweg  gleichen 
(lharakter  bcsit/.l.  Auf  ilini  rulil  eine  <>»i  M.  machlige  Schicht  einos  unreinen 
and  /.war  mil  leieht  losliehen  \ Yi •bindunizen,  also  namentlich  Chlormaunesimn 
izeinenten  Stcinsal/cs.  welches  von  parallelcn  Polyhalil-Schnliren  durchzogen 
\\ird.  Daraul'  folgl  cine  «10  M.  miichlige  Zone,  in  welcher  neben  Sleinsalz  und 
mil  ilim  weclisellauernd  schwefelsauro  Yerbindungen,  nehmlich  Kicscrit  in  his 
liissmarlitiuni  Hiinken  \or\\allen.  In  letzterem  Ireten  Nester  von  Sylvin  auf. 
Die  nlx-rsic  l.aiic  von  i-'i  M.  \vird  durch  eine  Schichlenfolge  zoll-  bis  fuss- 
slarkor  hunl  tzcl.irlilcr  l.agen  von  Steinsal/,  Bitlersalzen  und  Kalisalzen,  also 
Kicscrit.  Caniallil .  Tachlixdril  gebildet,  zu  denen  sich  Knollen  von  dichtcm, 
scliuccwcisscin  Boracit  gesellen.  Die  Grenze  dieser  vier  Hauptabtheilungcn  isl 
imlcss  kcincswegs  genau  zu  bezeichnen ,  vielmehr  findet  z\vischen  ihnen  ein 
allniiililicluM-  Llx-ruanii  stall.  Die  Miichtigkeit  des  bishcr  aut'geschlossenen  Salz- 
lloi/.cs  von  Slassfuil  betriigt  dcmnach  400  M.  —  Bei  Sperenberg  siidlicli 
von  Berlin  hat  man  Stcinsalz  in  etwa  90  M.  Tcufe  erbohrt  und  dasselhe  in 
vollstiiiuli^cr  Heinhcit  bis  zur  Tiefe  von  1550  Meier  verfolgt,  ohne  sein  Liegen- 
dcs  /.a  cnvirhen. 

Oaiigiorniige  Erzlagerstatten  in  cler  Zechstein-Gruppe.  Die  Schichten- 
rcihc  dcr  /cfhstt'inunippc  win!  an  zahlreichen  Punklen  ihres  Auftretens  von 
Kliiflen  und  Spalten,  sog.  Utlcken,  durchselzt,  in  vvelchen  neben  Kalkspatb,  Baryl 
und  Quarz,  nianchcrlci  Kupfererze,  Bloiglanz,  Kobalt- und  Nickelerze  zur  Ablage- 
rung  gclanizt  sind.  Weder  die  Krstrcckung  dieser  Bllcken,  noch  die  Tiefe,  bis  zu 
\\clchcr  sie  in  abbauwiirdigcr  Krzfiihrung  niederselzen ,  pflegt  belrachllich  zu 
scin,  indem  Icl/.lcre  aufhort,  sowie  sie  nach  unten  das  Bolhliegende,  nach  oben 
den  bunlen  Sandslein  erreicht  haben.  Durch  sie  werden  die  Schichten  der 
/ci -hsiciniiruppe  gegen  einander  verworfen  und  zwar  gewohnlich  nur  um 
sNcniizc,  ausnahmsweise  20,  30  oder  mehr  Meier.  Auch  mil  der  Erzfilhrung 
dcr  Kupferscbiefer  scheincn  sie  in  einem  gewissen  Zusamenhange  zu  stchcn, 
indem  sic  dicselbe  anzureichern  pflegen  (z.  B.  bei  Camsdorf),  aber  auch  nach- 
ilicilii;  auf  dicscllx-  \\irkcn  kiinnen  (so  manche  RQcken  im  Mansfeldischen). 
Die  Ko  bal  I  izii  niio  von  Camsdorf  in  ThUringen  und  Riechelsdorf  in  Hessen 
sind  Ausfullutiircn  solcher  im  Zechslein  aufsct/.cuden  Spalten.  Bei  Camsdorf 
pllci:!  in  den  iinlercn  Teufcn  der  dorligen  (iiingc,  also  in  dcm  N'iveau  des 
\\ 'eisslicizcndcn,  Speiskoball,  darilber  in  dcr  Begion  des  Kupferschicfcrs  brainier 
unil  uclbcr  l\rdkoball  und  endlicli  tibcr  diesem  in  dcm  Zerhslein  und  Miscn- 
kalk.Nlcin  russiger,  seli\\ai-/.er  ICrdkoball  vorzukommen ,  eine  cla^cnwcise  N'er- 
iheiluiii:  der  Kiv.e  ,  wclche  als  eine  Folge  der  Zeiv.ei/.iing  durch  Almospharilien 
,iiil'/.ufa>seii  isl.  (iaii/.  alinlichcr  Nalur  sind  die  benachbarlen  Kobaltgiinue  \  on 
kallerl'eld  und  (ilueksbrmm.  Hci  It  ice  he  1  sdo  r  f  fllhren  uanz  analo^e  Spallen- 
bildunizen,  \\elelie  in  grosser  An/.alil  das  Wcisslicucndc  nnd  den  /eehsl.ein 
diirchscl/.en  .  Speiskobalt  .  Kupl'ernickel ,  Kupferfahler/ ,  Kupferkies.  I-lrdkobalt, 
Koball-  und  Nickelbliilhe.  Ihr  Iteichlhnin  eoncentrii'l  sich  in  dcm  NVeissliciien- 
den-Niveau  und  pllegl  sich  nach  (»b<'ii  /.ii  \ermindern.  Der  Zechsleinformalion 


VI.    llislorische   Geologic. 

gehoren  .-inch  die  nierkwiirdiuen  EisensteinlagerstMtten  <lcr  Srhmal- 
kaldener  Gegend  in  Thiirini:en,  namcnllirh  die  des  Stall  I  beiges  ;m.  Sir 
sind  languestrcekte  Stiickc  \<m  Brauneisenslein ,  welche  in  Verbindung  mil 
cinem  der  Haucliwacke  sidi  ansrhliessenden ,  eisenrcichcn  K.'ilke  an  solchni 
Slellen  dt-r  /cdisteinl'oniiatiuii  aul'lrelcn  ,  wo  diesc  in  ilnvr  I.a^eruni:  duivli 
MOporgedrtagte  Grftnit- and  Porplm-massen  sehr  iiesliirl,  /HIM  Tlit'il  pan/  ilber- 
i:ekippl  ist. 

Die  Verbreitung  der  deutscheii  Dyas.  Ihre  tvpisdie  Ausbildung  hat  die 
Dvas  ant  Har/e  und  in  Thiirinizen  erlangt  Sic  uingUrtet  den  wesllicheii,  >iid- 
lii'lu'n  un(l  osllichen  Hand  dcs  Harzgebirges  in  scliinalcn  Slreifen  und  in-winnt 
nur  in  dem  Mansfeldischen  etne  etwas  grOssere  Oberflachen-Ausdehnunp.  Die 
<i\ psliiiiid,  \vclche  \\ii-  cine  \veisse  Mauer  auf  der  uanzcn  ebcn  Itc/eichnclcii 
Strcrki-  dcin  Har/.randc  parallel  laufcn,  iichnrcn  dcr  oberen,  di<-  Kopferschiefer 
von  Mansfold  der  unteren  Zechsteingruppe ,  die  kohlenfiihrenden  Schichtcn, 
Melaplnre  und  Porphyre  von  Ilfeld  dem  unlcren  Rolhliegenden  «in.  Von  (Jem 
Siid-Ahlalle  des  Harzes  durch  die  gdldene  Aue  getrennt,  erhebt  sich  die  l)\,is 
in  dem  Kyffhauser  zu  cinem  kleinen,  isolirten  Gebirge  aus  den  jdngeren  For- 
mationen  hervor.  Noch  weiter  siidlich  besteht  der  ThUringer  Wald  zum  Theil 
aus  sedimentaren  und  eruptiven  Gesteinen  der  dyassischen  IVriode,  nchmlich 
aus  Rothliegendem ,  Felsitporphyren  und  Melaphyren,  wiihrend  sich  ein  Mantel 
von  Zechstein  um  den  ganzen  Gebirgszug  gelegt  und  noch  an  einer  Anzahl 
der  Ilebungen ,  welche  diesen  betroffen ,  Iheilgenommen  hat.  In  der  nord- 
\\csllichen  Fortsetzung  des  ThUringer  "\Valdes  und  .in  dessen  Haupteffaebungs- 
linie  trill  der  Zechstein  in  der  Gabel  zwischen  Werra  und  Fulda,  also  namenl- 
lich  in  der  Gegend  von  Riechelsdorf  in  grosserer  Ausdehnung  zu  Tage.  Audi 
den  Oslabfall  des  Rheinischen  Schiefergebirges  umziehl  derselhc  in  cincr 
schmalen  Zone.  In  ostlicher  Richlung  von  Thiiringen  liiuft  ein  Slreifen  von 
d\assischen  Gebilden  liber  Saalfeld  nach  Allenburg  und  Gera,  trill  in  siichsi- 
srhes  (iehiet  Uber  und  l)ildcl  in  der  erzgebirgischen  Mulde  cine  \veitausgedehnle 
Ablagerung,  auf  welcher  Chemnitz  und  Zwickau  slehen ,  und  \velche  /\\eifels- 
ohne  frilher  mil  der  Rothliegenden-Zone  zwischen  Dresden  und  Tharand  in 
Zusammenhang  gestanden  hat.  Auch  um  den  Nordrand  des  siichsischen  Granu- 
lilgcbirges  schlingt  sich  das  Rolhliegende  und  erstreckl  sich  in  nb'rdlicher  Hich- 
lung,  freilich  zum  grossen  Theile  von  Diluvium  und  Rraunkohle  Uberlaizerl  und 
von  Porpliyren  durchbrochen ,  bis  ilber  Leipzig,  —  kurz  hat  im  Konigrcichc 
Sachsen  einc  wcito  Verbreitung  gefunden ,  wahrend  die  Zechsteingmppe  nur 
an  sclir  wcnig  Punkten  zur  Ausbildung  gelangte.  Aus  alledem  geht  hervor. 
dass  die  weite  Mulde  zwichen  dem  Harz  ipinerseits  und  dem  Sauerlande. 
ThUringer  Walde,  dem  Voigtlande  und  dem  Erzgebirge  andererseits  in  fast 
ilnvr  ganzen  Erslreckung  von  dyassischen  Gesteinen  unlerteufl  und  saumarliu 
eingefassl  wird. 

In  Boh  men  nimml  das  Rothliegende  namenllich  im  niirdbsllichen  Tlicilc 
ili-.s  Landes  am  Fusse  des  Iser-  und  Riesengebirges  ein  ausgedelmtes  Areal 
ein.  in  dessen  Bereiche  die  Siadie  Trautenau,  Hohenelbe,  Arnau,  Schat/lar, 
Hraunau  und  N'achod  liegen.  Dem  Rothliependen  sind  liicr  rolhe  Kalkstcine 


VI.  Hislorisrlie  Geologic.  360 

mil  Palacnniscus  Vra  t  is  la  v  ie  n  s  i  s  A  \i.  und  (iihnlich  wie  bci  Oschat/  in 
Sachsen)  Brandschiefer  mil  Xenacanlhus  Dccheni  Bcyr.  und  Acantho- 
des  izracilis  Hcyr.  / \viscliengelagert.  Auch  in  der  Grafschaft  Glatz  ist  nur 
die  unlcro  Dyas  und  zwar  als  AusfUllung  der  Niederschlesischen  Kohleninulde 
vertreten,  -  am  Nordahfalle  des  Riesengebirges  hingegen  und  zwar  in  der 
von  Uhvenberg  und  Goldberg  in  Schlesien  ist  nicht  bios  das  Roth- 
,  sondern  auch  Kopferschiefer  und  Zechslcin  zur  Entwickelung  gclangt. 
Audi  in  Sdd  deutschland  hat  die  untere  Abtheilung  der  Dyas  cine  ziemlich 
Itcdcutende  Verbreilung.  So  zieht  sie  sich  vom  ThUringer  Walde  aus  in  einem 
sdimalen  durch  Teberlagerung  von  Seiten  jUngerer  Gebilde  zerslUckellen 
Strcifon  liings  des  SUdwestrandes  des  Fichtelgebirges  und  des  Bbhmer  Waldes 
IMS  nach  Ba\ern  hinein  Eines  der  grossten  unterdyassischen  Terriloricn 
luvitet  sich  stidlich  vom  HunsrUck  aus,  wo  es  die  productive  Kohlenformation 
UluTlaiieri,  aus  Gonglomeralen,  Sandsteinen  und  Schieferthoncn  besleht  und  in 
Ict/tcren  zahlrciche  Nieren  von  Thoneisenslein  mil  Reslen  von  Amblyplerus 
mac  ropier  us  Bronn  und  Archegosaurus  Decheni  Goldf.  umschliesst, 
und  vielfach  von  Melaphyren  durchbrochen  wird. 

Die  Dyas  Englamls.  Die  dyassischen  Gebilde  Englands  und  zwar  nament- 
lich  Nordenglands  zerfallen  ganz  Ubereinstimmend  mit  denen  Deulschlands  in  zwei 
selbstiindige  Formalionsglieder,  den  Lower  New  Red  Sandstone  und  den 
Maiznesian  Limestone.  Ersterer,  das  englische  Rothliegende,  bestehl,  wie 
sein  Name  andeulet,  vorwaltend  aus  dunkelrolhen,  groben  Sandsteinen,  zu- 
\\cilcn  mil  zollgrossen  Quarzrollstlickcn ,  zwischen  welchen  loser  Sand  und 
Sdiicfcrlciten ,  weniger  hiiufig  auch  Conglomerate,  Breccien  und  Melaplnrc 
eingelagerl  sind.  Sie  enlhalten  die  Abdrtlcke  von  Landpflanzen  und  auch 
\\ohl  schmale  Kohlenflbtze.  Der  Lower  New  Red  Sandstone  schwankt 
ausserordentlich  in  seiner  Miichtigkeit,  welche  an  einigen  Punkten  nur  wenigc, 
an  andcren  500  Meier  belriigl,  und  isl  auf  der  producliven  Kohlenformation  ini 
Allgemeinen  discordant  aufgelagert.  Auch  die  Gliederung  des  Magncsian  Li- 
mestone /rii:t  cine  Uberraschende  Obcreinstimmung  mit  der  des  thdringischen 
Xrt  hsleines  und  beginnt  mit  einem  bis  1  M.  rniichligen  bi  luminb'sen  Mer- 
gelsobiefer,  welcher  unserem  Kupferschiefer  entspricht  und  wie  dieser  Pa- 
laj-oniscus.  Plalysonms  und  Fucoiden  ftlhrt.  Darauf  folgt  grauer  und  gelber, 
(lichter,  oft  biluminbser,  dllnn  geschichteler  Kalkslein  (Zechstein)  mil  Produc- 
lus  horridus  Sow.,  Spirifer  undulalus  Sow.,  Schizodus  obscurus 
Sow.  u.  a.,  00  bis  70  M.  machlig  und  darauf  Dolomil,  Rauchwacke  und 
Asdic  mil  dcMsclbcii  Heslen,  und  zu  oberst  krystallinischer  Kalkslein.  Stinkk;ilk, 
Mergel,  Gyps,  Lellen,  zum  Theil  mil  Avicula  speluncaria  Schlolh.  und 
Schizodus  obscurus  Sow.,  in  einer  Gesammtmachtigkeil  von  etwa  150  M. 

Die  perinische  Formation  KusslandH.  Auch  die  der  deutschen  Dyas 
aequivalenlen  (icbildc  Russlands  lassen  im  Ganzen  eine  Zweitheilung  in  eine 
unlere,  namenllich  Landpflanzen  fdhrcnde  und  eine  obere  Schichlengruppe  mil 
grossentheils  marinen  Resten  nicht  verkennen,  trolzdem  dorl  zwischen  den 
Schichten  mil  der  Flora  des  Rothliegenden ,  solche  mil  Zechsleinfauna  und 
lungekehrt  in  dcm  marinen  Schichlenoomplex  Landpllanzen  fUhrende  Sand- 

C'r  ediioi-,  Elomentf  d.  Oeologie.  24 


VI.   Ilislnrischc 

.steine  eingeschallel  vorkoinmcn  und  liberhaupl  dorl  die  Gesleine.  welche  in 
den  Ubrigen  europttiscnen  Ihasterrilorien  fust  ausschliesslieh  der  einen  oder 
der  anderen  der  beiden  Ablheilungen  angehoren,  regcllos  mileinander  \vech- 
sellagern. 

Diese  in  bunlem  Wechsel  auftrelenden  Gesteine  der  russischen  Dyas  oder 
penntschen  Formation  sind  Conglomerate,  Sandsteine,  Schieferlellen,  Merge  I, 
Kalksteine,  Gyps,  Sleinsalz  und  Steinkohle,  und  bildcn  eine  Schichtenreihe, 
\\clche  nach  ihren  organischen  Resten  in  zvvei  Hauptabtheilungen  zerfiillt.  Die 
untere  derselben  besleht  aus  rothen,  braunen  und  grauen  Sandsteinen  und 
.Mergeln,  daneben  aus  Conglomeraten  und  Kalksteinen,  nicht  selten  schinalen 
Kohlenflolzen  und  ftlhrt  Tubicaulis,  Catamites  (C.  gigas  Bronn),  Cy- 
clopteris,  Odontopteris,  Pecopteris,  Palaeoniscus-  und  S a  u r i e r- 
Reste  und  ist  demnach  ein  Aequivalent  des  Rothliegenden,  umschliesst  jedoch 
ouch  gewisse  Zonen,  welche  reich  an  Productus  Cancrini  Vern.,  also 
marinen  Resten  sind.  Diese  Schichlengruppe  zeichnet  sich  besonders  in  ihren 
nbcren  Niveaus  durch  ihren  Reichthum  an  Kupfererzen  (namenllich  Malachil, 
Kupl'erlasur,  Volbortit)  aus,  welche  die  Bezeichnung  Kupfersandstein  veranlass- 
ten  und  als  Cement  des  Sandsteines,  in  ihm  fein  eingesprengt,  neslerformig 
eingelagerl,  oder  endlich  als  Versteinerungsmitlel  zahlreicher  Pflanzenreste  auflre- 
ten.  Auf  diese  Schiehtengruppe  folgt  eine  zvveite  von  Thonen,  Kalksteinen,  Mer- 
geln,  Gyps  und  Steinsalz.  Sie  fiihrl  Productus  Cancrini  Vern.,  Prod,  hor- 
rid us  Sow.,  Gervillia  ceratophaga  Schloth.,  Cama  rophori  a  Schlol- 
heimi  Ruch,  Terebratula  elongata  Schlolh.,  Lingula  Credneri 
Gein.,  S t rophal osia ,  Spirifer,  Schizodus.  Zwischen  diesen  marinen 
Gebildon  trelcn  jedoch  einzelne  Sandsteinschichlen  mil  Neuropteris,  Pecople- 
ris,  Odonlopteris  eingeschaltel  auf,  so  dass  eine  durchgreifende  Paralleli- 
sinmg  der  einzelnen  Glieder  des  russischen  Perm  und  der  deulschen  Dyas 
nichl  Ihunlich  ist. 

Die  Schichten  der  perrnischen  Formation  Russlands  sind  tiber  ein  A  real 
\on  mehr  als  IS, 000  Quadralmeilen  verbreilet,  erstrecken  sich  vom  Fussc  <les 
Ural  his  nach  Moskau  und  bilden  den  grosslen  Theil  des  europiiischen  Huss- 
lands.  Sie  liegen  fast  horizontal,  nur  sehr  gering  gegen  die  Mitte  geneigt,  so 
d.iss  sie  ein  ungeheueres,  flach  lellerformiges  Bassin  reprasentiren. 

In  Kurland  und  Littauen  trill  Zechslein,  freilich  gering  verbreilet,  in 
einer  Facies  auf,  welche  sich  auf  das  engsle  an  die  deulsche  anschliesst. 

Die  pennisclie  Formation  in  Nordamerika.  Die  permische  Formation 
ist  in  Nordamerika  auf  den  vvesllichen  Theil  dieses  Conlinenles  beschriinkl, 
trill  namenllich  in  Kansas  und  Nebraska,  ferner  in  Neumexico  und  an  ver- 
schicdcnen  Punkten  des  Oslabfalles  der  Rocky  Mountains  auf,  beslehl  vor- 
\\allend  aus  Kalkslein  und  Mergcln  und  erreichl  820  M.  Miichligkeil.  Diese 
Schichten  filhren  nur  marine  Reslc  und  schliessen  sich  auf  das  innigsle  an 
die  carbonische  Formation  an,  welche  dorl  ebenfalls  von  marinen  Kalksleinen 
gebildet  \\ird,  so  dass  man  annehmen  darf,  dass  hier  eine  allmahliche  Vcr- 
(Iraiiuniii:  der  carbonischen  Meci'esfauna  durch  eine  Zechsteinfauna  und  ein 
nnnnlcrhroi  hcner  Absat/.  von  MeeresnicderschliiLicn.  untermischl  mil  den  Hcsh-n 


VI.   Ilislorisrlit'  (uMilouii-  \\1  1 


dci  abstcrhendeu  Bewohner  jenes  Oceanes  stattgefunden  habe.  Und  in  der 
That  ist  keine  bestimmle  (iivn/.e  y.\\isehen  beidcn  Formalionen  y.u  zichen,  - 
die  Landpllan/en  filhremlen  Strain!-  und  Sinnpfbildungen  dor  producliven 
Steinkohlenformalion  und  drs  Hothliegenden  sind  hier  Uhcrhaupt  nicht  zur 
Ablagenmg  gelangl,  werden  vielmehr  durch  marine  Gebilde  erselzl.  Diese 
let/.teren  I'illnvn,  \\ie  lu-i  deren  Nalur  als  vermittelndes  Glied  zwischcn  carbo- 
nischer  and  permischer  Schiehlenreihe  nicht  anders  zu  erwarlen,  cine  aus 
carboniselien  und  pcrmischen  Formcn  gemengle  Fauna  ,  und  erst  oberhalb 
dieses  etwa  500  M.  machligen  Complexes  hat  das  organische  Leben  rein  per- 
inisrlien  Charakter  angenommen.  Cbrigens  ist  dasselbe  als  ein  sehr  arlen- 
armes  zu  bezeichnen,  hat  jedoch  rnit  dem  europaischen  Zechstein  und  marinen 
I'crin  cino  vcrhiillnissni;issi|i  t;rosse  Anzahl  von  charakteristischen  Geschleehtern 
und  Arlen  gemeinsam;  soSchizodus  Rossicus  Vern.  ,  Avicula  spelun- 
caria  Schloth.,  Productus  Koninckianus  Vern.,  Productus  horri- 
d  u  s  Sow.,  Productus  Cancrini  Vern.,  Strophalosia  ,  Cam  a  rophor  i  a. 

Uiicklick  auf  die  Entwicklung  des  orgjinischen  Lebens  wiilircnd 
der  palaeozoischen  Zeitalter.  Die  Wurzeln  des  organischen  Lebens,  die  sich 
lid  in  den  altesten  Formationen  zu  verzweigen  scheinen,  sind  uns  verborgen, 
(ist  JIM  Silur  trill  uns  dasselbe  bereils  zu  verhallnissmassiger  FUlle  und  Man- 
nigfaltigkfit  gelangl  enlgegen.  Die  silurischen  Conlinenle  waren  noch  nackt 
und  lodl,  nur  das  Meer  barg  Lebcn.  Seelange  waren  die  einzigen  Verti't  In 
i  Irs  I'llan/cnrciclies,  —  Spongien,  Echinodermen  (und  zwar  vorzugs\\cisc 
(Irinoiden),  Koralicn,  Graplolilhen,  Molluskcn  (und  /war  namenllich  Brachio- 
podcn  und  Cephalopo(!en)  ,  sowie  krebsarlige  Gliederlhiore,  die  Trilobiton,  die 
aiissdilicsslicluMi  thierischen  Bewohner  der  silurischen  Oceane.  Ersl  nahe  dem 
\\Vndopunkle  zvvischen  Silur  und  Devon  crslehen  in  einigen  Fischen  die 
iillcstt-n  Wirbellhiere.  Die  devonischen  Conlinenle  erzeugen  die  erslen 
l.andpllan/en,  einigc  Gefiisskryplogamen  und  Coniferen  ;  in  den  gleiehallerigen 
Mccicn  crlangen  die  bis  dahin  sparsamen  Fisclie,  namenllich  durch  die  llnl- 
ssiiklung  der  abenleuerlichen  Familie  der  Panzei'ganoidcn,  einen  griisscren 
I  nriiifnrciohlhum.  Wilhrend  des  carbonischen  Zeitallers  enfallel  sich  die 
I  lura  7.11  einer  wunderbaren  Oppigkeft,  welche  sich  aber  mchr  in  der  Menize 
und  Hit'st-iiliafliLikcit  der  Individucn  als  in  der  Mannigfaltigkeil  der  Formen 
kimdgiebt,  -  -  ist  sic  doch  noch  auf  Gefiisskryplogamen,  \\enige  Coniferen  und 
einige  sellene  Cvcadeen  beschriinkl  und  schliessl  angiosperme  Dikolyledonen 
not-li  vollsliindig  aus.  Dahingegen  sind  die  carbonischen  Moriisle  und  die 
dsclnmgdlartigen  Dickichte  die  \Yolmstallen  der  iilleslen  luflalhmendcn  Thiere. 
frosehartiger  Heptilien  und  Arthroj)oden,  -  und  endlich  (!ie  Gewasser  der 
po  slcarbonischen  Perioden,  die  Heimalh  <|IM  er>ten  echlen  Saurier  und 
zahlreiclier  kleinsehuppiger  (ianoiden.  Knr/.,  jede  der  palaen/.nisehen  Perioden 
\\ird  durch  einen  Fortschrilt  in  der  Slnfenleiter  des  organischen  Lebens  ge- 
kenn/eichnel.  \\enn  sich  auch  noch  keine  zur  Erzeugung  von  angiospermen 
Dikolyledonen,  von  Knochenfischcn  und  \varmbl(lligen  Wirbelthiercn  empor/n- 
schwingen  \erm«tclite. 

Die   anssere   Krsclieinungsweise  und   die  klirnatisclieii  Verhiiltnisse  der  Krde 

24* 


372  VI.  Historische  Goolosjie. 

\\aivn  wiihrend  tier  palaeozoischen  Zeitalter  noch  ausserordentlich  einfbrmig. 
Das  voni  Meer  bedecklo  A  real  uberwog  das  Festland  noch  bei  weitem  mehr 
als  jctzt,  die  horizontalen  und  vertikalen  Conturen  der  Conlinente  vvaren  noch 
wenig  gegliedert,  das  Klima  war  vom  Pol  bis  zum  Aequator  ein  gleichmassig 
fcuchtwarmes.  Im  Einklange  mil  der  geringen  Mannigfalligkeit  der  irdischen 
\ frlijiltnisse  steht  die  Erscheinung,  dass  sich  in  vielen  der  palaeozoischen  Re- 
priisentanlen  der  Thier-  und  Pflanzenwelt  Eigenthiimlichkeiten  noch  vereint 
finden,  welche  sich  spHler  mil  dem  Mannigfaltigerwerden  aller  irdischen  Vcr- 
hiillnisse  zu  Gruppeneigenthtimlichkeiten  gestalten  und  nicht  mehr  combinirt 
auflreten.  Am  auffalligsten  zeigt  sich  diese  Erscheinung  bei  den  Laby rin tho- 
donlen,  welche.  wie  bereits  friiher  (pag.  337)  besprochen,  gewisse  Charak- 
tere  der  Batrachier,  Saurier  und  Fische  vereinen,  —  bei  gewissen  Ganoiden, 
welche  Labyrinlhodonlen-Zahne  besitzen,  —  bei  einem  Theile  der  carbonischen 
Schaben,  deren  Fltlgel  das  netzfbrmige  Zwischengeader  der  Neuropteren  be- 
sitzen, --  bei  den  Trilobiten,  in  welchen  Momente  vereint  sind,  die  heuli- 
gen  Tages  Uber  mehrere  Gruppen  der  Grustaceen  vertheilt  vorkommen,  - 
endlich  bei  den  Lepi  dodend  ren  und  Sigillarien,  welche  eine  Zwischen- 
stellunu  zwischen  Coniferen  und  Kryptogamen  einnehmen. 

Die  fortschrittliche  Entwicklung  des  organ ischen  Lebens,  welche  schliess- 
lich  in  der  Jetztwelt  ihren  Gipfelpunkt  finden  sollte,  aussert  sich  jedoch  nichl 
allein  im  Auftreten  neuer  Gestalten,  sondern  auch  gleichzeitig  in  dem  Aus- 
sterben  sich  gewissermassen  ilberlebt  habender,  alterer  Formen.  So  ver- 
schwinden  am  Ende  der  palaeozoischen  Zeitalter  die  Lepidodendren,  Sigillarien, 
Calamilen,  sowie  die  grosse  Mehrzahl  der  Fame,  welche  im  Devon  erstehen 
und  in  der  carbonischen  Periode  das  Maximum  ihrer  Entwicklung  erreichen, 
schon  wieder  von  der  Weltbuhne.  Die  Lebensfahigheit  der  Graptolithen  er- 
lischt  mil  dem  Silur,  die  der  Cystideen  nur  wenig  spater,  die  der  Blastoideen 
und  Perischoechinilen  mil  der  carbonischen  Periode.  Ebenso  1st  die  Existenz 
der  /ahlreichen  Zoanlharia  rugosa  und  tabulata,  sowie  vieler  Brachiopoden- 
Galtungen,  z.  B.  Pentamerus,  Productus,  Stringocephalus,  Uncites,  endlich  die- 
jenige  der  mehr  als  1 800  Species  von  Trilobilen  ausschliesslich  auf  das 
palaeozoische  Zeilaller  beschrankt.  Dasselbe  gilt  von  den  Panzerganoiden, 
wahrend  die  heterocercalen  kleinschuppigen  Ganoiden  am  -Ende  der  palaeozi- 
schen  Periode  bis  auf  wenige  Arten  verschwinden,  die  erst  im  Beginne  des 
mesozoischen  Zeitalters  aussterben. 

An  Stelle  der  mit  der  palaeozoischen  Periode  erlbschenden  Thiere  und 
Pflanzen  tritt  eine  fleue  abwechslungsreichere  und,  in  ihrer  Gesammtheit  aufge- 
fasst,  hbher  orgauisirte  Welt.  Ihr  Erscheinen  ist  filr  die  Erde  der  Beginn 
einer  neuen,  der  mesozoischen  Aera. 

C.    Die  mcsozoische  Formationsgnippe. 

Die  mesozoische  Formationsgnippe  ist  eine  Uber  1000  Meter  Machtigkeil 
erreichende  Schichtenreihe  von  vorherrschenden  Sandsteinen,  Kalksleinen,  Do- 
oinitoi),  M»'ri;pln,  Schiefrrthonen  und  plastisdwn  Thonen  nebst  Steinkohlen, 


in    efae 


Gyps    mid   Stfinxal/ ,    dorrn   Ahla-vr 

f<ill(>     "'   Richer  dio   Pflan^welt    ii:,m,.n|l,Vh   .lurrh 

Ainnospmm.     DikoM.M!,,,,,,,,,     ;,JSO    Coniferen       vor  B 

11  "•  'lurch  Cu-adoon   und  m,|HM1   (|irs,n  dlurh  S 

-    <1"'   Thi,rvv,li   ,lii,vh   Korall,,, ,     «|,V    ,!,.„, 
I'1-'   J«'t/(zi.il    angehoren,    also    Zoantharia 
i  und  perforata,   echle  Secigol,   zahl- 
'-strropodenundZweisehaler,  nameiu- 

';;;|;  JjjJ^^r l(10()  sppcies  der  h«chStstChen- 

"ld"*^^*W«»^-En-w^ 


j  "J«»**flJVUUJItt!Ii 

Sauricr,    sowie   Schildkroten    re- 
Gefasskryptoiia.nrn ,    Brachiopoden, 
nnoiden,    vvelche  wMhrend    der  palaeo- 
Penoden    den    Gesaimmhabitus    der   dama- 
"«H,,.,i  Welt  bestimmten,   treten  stark  zu-  '. 
Dahmgegen  fiillt  in  die  mesozoischen  Zeilalter  « 

-AMf.n.u.n  dor  ,,-sten  angiospermen  Dikotv- ^ 
en  und  ersten  SJiugethicre  und  Vo-el 

B  mesozoische  Formalionsgruppe  zerfhllUn  • 
3)  die  Kreide,  j 

2)  den  Jura, 
<)  die  Trias.  I 


.83 

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Bie  Trias. 

Trias  cro-ffnel  die  Reihe  der  mesozoischen  For-  ! 
(s'ehe  F,g.   196),   bildet  also  das  Hangende  S 
'•  "'-or .  Dyas  und  das  Liegende  des  unteren  Jura 
"-.  (.ontacte  mil  einem  dieser  beiden  oder  zu- 
'«•».  ""I   boidcn  Sehichtensys,,,,,,,  !lllftrill.     ^ 
•I.'.-  /u-schenlagerung   zwischen  Dyas   und    Lias   is 
Jer    wenigen    charakteristischen   Kennzeichen 
""  ('>iass^chenGebilden  aller  Lander  gemein- 
sam  smd,  denn  fast   in   '    ' 


''•n  Facies  cnlwickolt.    In  Deutsohlnnrl 
>l-lert  sie  sich  scharf  in  zvvei  Sandstein     Id  Me" 
Uionen  mil  den  Reslen  von  Landbewohnern 
'•"""t  durch    eine  Kalkformalion   mil   einer 
Meeresfauna,   vvelche  sic-h  durch  Armuil,  an  Formen 
Re.rhthum  an  Individuen  auszeichnet.    ST22  ' 
ese    le»,t,,v   Srhirhirngruppe,    ebenso  ' 


// 


3  o   O   I 

Mcaaw 

CrfB   tt-^j 


'M  1  VI.   Ilislnrisrlic  (Jcolo-ic. 

mi  Oslen  von  Nordamerika  uiicl  endlieh  in  den  Alpcn  trill  uns  in  doni  \Vic- 
derauflcben  von  palacozoischcn  Thicrlypcn  und  in  dcr  glcich/eitigcn ,  anschei- 
ncnd  verfrilhten  Enlwicklung  zahlreicher  mesozoischcr  Aminonitcnfonncn,  kurz 
in  der  Vcrgescllscha flung  von  Orthoceras  und  Ammonites  eine  Fauna  entgegen, 
vvie  sic  in  keinem  der  oben  genanntcn  Bildungsriiume  auch  nur  angedeulet 
ist,  sich  jedoch  im  Wcsten  von  Nordamerika ,  im  Himalaya  und  in  Nordasien 
\\iederholt. 

Bci  dem  Mangel  an  tlberall  gtllligen  und  durchgreifenden  Charakteren  der 
triassischen  Gebilde  erscheint  es  nothvvendig,  jede  einzelne  Triasfacics  flir  sich 
zu  betrachtcn.  Nur  ganz  im  Allgemcinen  und  vorliiufig  liisst  sich  Uber  den 
pa  I  a  eon  tologischen  Charakter  der  Trias  Folgendes  sagen  : 

Im  Beginn  der  Triasperiode  erscheinen  die  ersten  Equiseten,  um  von 
dii  an  bis  jelzl  fortzudauern ;  Equisetites  arenaceus  Brong.  und  Eq. 
columnar  is  Brong.  sind  nicht  nur  Uber  Europa,  sondern  auch  Uber  den 
Ostcn  des  nordamerikanischen  Continentes  verbreitet.  Ebenso  sind  die  Fame 
durch  die  neuen  Gattungen  Anomopteris,  Cl  a  thropteris,  Gutbicra. 
Sa  gen  opter  is,  neben  diesen  aber  auch  noch  durch  carbonische  Forinen, 
z.  B.  Pecopteris  und  Taenopteris  vertrelen ;  wiihrend  jedoch  in  den 
palaeozoischen  Perioden  Gefasskryplogamen  die  Gesammtflora  fast  ausschliesslich, 
\venigslens  bei  Weitem  vorwaltend  ausmachten ,  so  beginnen  sie  in  der  Trias 
vor  der  Enlwicklung  dcr  Cycadeen  und  Coniferen  stark  in  den  Ilinlergrund 
zu  tretcn.  Von  ersleren  erscheinen  die  Gattungen  Pterophyl  1  um,  Za mites, 
Otozamites  und  Pterozamites,  von  letzteren  die  Abietidcn  Vollzia  und 
Alber  tia. 

In  der  triassischen  Fauna  spielen  gewisse  Crinoiden ,  Zwcischalcr,  Cepha- 
lopoden,  Replilien  und  Fische  eine  hervorragendc  Rolle.  Die  massenhafte  An- 
hiiufung  der  Reste  von  Encrinus  liliiformis  Lam.  (Fig.  202)  lasst  auf  cine 
enorme  llauh'gkeil  dieses  Crinoiden  schliessen ,  der  dadurch  zu  einem  ausge- 
zcichncten  Leitfossflc  der  Trias  wird.  Ein  ausschliesslich  triassisches  Muschcl- 
geschlecht  ist  Myophoria,  unter  deren  zahlreichen  Verlrctern  namenllich 
Myoph.  vulgaris  Bronn  durch  ihre  vveite  horizonlale  und  verlicale  Ver- 
bivilung  allgemeine  Wichtigkeit  crhiilt.  Unter  den  cinmuskeligcn  Zweischaleni 
sind  Peclen,  Lima  und  Gervillia  hcrvorzuheben ,  von  denen  Pecten 
laevigatus  Bronn  ((Fig.  204),  Peel,  discites  Bronn,  Lima  stria  la 
Goldf. ,  Gervillia  socialis  Quenst.  (Fig.  206)  zu  den  haufigslen  und 
bezeichnendslen  Leilfossilien  der  Trias  gehbrcn.  Neben  ihnen  tretcn  die  ersten 
Ostreiden  auf,  welche  sich  im  Jura  und  in  der  Kreide  so  ausscrordenllirh 
enlfallen  sollen.  Unler  den  Brachiopodcn  ist.  Terebratula  vulgaris 
Schloth.  (Fig.  201)  die  bei  Weitem  gewbhnlichstc  Art,  neben  weleher 
Relzia  Irigonella  Schloth.  (Fig.  20;}6),  sovvie  Spirifcr  fragilis  Bucli. 
und  Spirifcr  Mentzeli  Uunk.  (Fig.  203  c)  slark  /.urUcklreten ,  so  vvichlig 
sic  auch  dadurch  vverden,  dass  sie  der  deutschcn  und  alpinen  Trias  gemcin- 
SMII  sind.  Miner  der  \vesenllichslcn  Unlerschiede  dcr  lelzleren  beruht  auf  dcr 
Verschiedenarligkeit  ihrcr  Gephalopodcn-Fauncn ,  wenn  auch  das  Zuriickli'dcn 
der  Naulileen  und  das  Vorwalten  der  Ammoncen,  eine  Erscheinung,  N\elchc 


VI.  Historisehe  Geologic.  375 

sirh  iin  Laufe  der  mesozoischen  Zeitalter  iinmcr  doutlioher  und  starker  aus- 
priiLien  vvird,  beiden  gemeinsam  ist.  Die  deutsche  Trias  ist  ami  an  Cephalo- 
poden.  Nautilus  bidorsatus  Bronn  ist  dor  Hauptrepriisentant  der  Nauli- 
leen,  \\iihrend  die  Aininonoon  in  einigen  zum  Theil  sehr  haufigen  Arten  der 
fUr  die  Trias  sehr  bezeichnenden  Gattung  Ceratites  (charakterisirt  durch  die 
halbkreisformigen  Sattel  und  Loben,  letztere  mil  einigen  kurzen,  nach  hintcn 
gerichtelen  Zahnchen)  Vertretung  gefunden  haben.  Ceratites  nodosus 
II  a  an.  (Fig.  207],  ist  ein  treffliches  Leitfossil  der  hierher  gehorigen  marinen 
(lebilde.  Ein  ganz  anderer  und  mannigfaltigerer  ist  der  Charakler  der  alpinen 
Cephalopodcnfauna  der  Trias,  dessen  Eigenlhilmlichkeit  in  der  Vergesellschaf- 
tunu  von  palaeozoischen  und  mesozoischen  Typen  bcslehl,  indein  in  ihr  echte 
Aniinoniten  und  Orthoceratiten  eine  viel  hervorragendere  Stcllung  ein- 
nelnnen  als  Nautilus  uud  Ceratites. 

Die  Fische  der  Trias  sind  zum  Theil  noch  heterocerca  le  Ganoidcn 
(Gyrolepis,  Semionotus),  jedoch  bat  die  Unsynnnelrie  des  Schwa nzes  derselben 
iin  Verglciche  niit  den  Ganoidcn  der  palaeozoischen  Zeitelter  bereils  \\esentlicli 
al»i:enominen,  zum  Theil  sind  es  Knorpelf ische  (Acrodus,  Hybo'dus, 

Placodus),  von  vvclchen  uns  Kiefcrfragmente  und  Ziihne  erhaltcn  sind.  Kno- 
ehenlisehe  existiren  noch  nicht.  Die  triassischcn  Replilien  sind  vorzugs\\cisc 
Lab  \  r  in  th  o  don  ten  (Trematosaurus,  Maslodonsaurus),  wahrend  die  iin  Jura 
so  hauliiUMi  echlcn  Mecrcssa  uric  r  noch  sparsam  sind  (Nothosaurus,  Simo- 
saurus).  Dem  Schlussacte  der  triassischen  Pcriode  enlstaininen  die  Hcstc  dr.s 
iiltestcn  Siiugethicrcs  und  zwar  cincs  Microlcstes  genannlen  Beuld- 
thieres. 


Die  deutsche  Trias. 

Die  deulsche  Trias  besteht  aus  drci  von  einandcr  durch  pi-lrograpliische 
und  zum  Theil  auch  palaeontologischc  EigeqthUmlichketlcn  scharf  gclrennh' 
l.'nlrrablheilimgen,  deren  Zusainmcngehorigkcil  zu  eincr  Formation  sich  aus 
ihrcr  p-mcinsamcn  Ftlhrung  gewisser  charaklcrislisclicr  prgaoiscber  Hcsle  cr- 
gicbt.  Dicse  drci  triassischcn  Schichtengruppen  sind  (siehc  Fig.  li).'^,  MM», 
2Ki,  2<7)  von  oben  nach  untcn  : 

:j;  Kenprr,  einc  Mcrgel-,  Gyps-  und  Sandstcinbildung  mil  vorwaltenden 
Landpflaozen. 

2)  Muschelkalk,  cine  marine  Bildung  und  dcsshalb  kalkformation  mil 
den  HcsU'ii  \on  Mccrcslx-vvohncrn. 

\)  Buntcr  Sands  to  in,  cine  Strandbildung  und  dcshalb  Sandslnri- 
formation  mil  vorwalk'tiden  Landpllan/.t-n. 

1.  Dor  bunto  Sandstein. 

Petrograpliischcr  Charakter.     Wie    der  Name    dicscr  Schichteogruppe 

andciilct,     bosleht    diescllw    vorwaltend    aus    sehr    vcrschicd(Miartig    gcfiirblen 
SandsliMiicn.      Dicsclbcn   sind    fast   durchweg  Quarzsandsk-in  mil  thonigem, 


376 


\  I      Ili-lin  iM'lir  (iroln^ic. 


kieseligom  odor  eisenschilssiuem  Hindemillel  und  abhiingii:  \on  diesem  zum 
Theil  fest  his  ipiar/itartii:.  zum  Theil  weich  und  zerroiblich.  ja  locker  und  an 
dor  Luft  zu  losem  Sande  /erfallend.  Auch  die  Farbung  dieser  Sandsleine  win! 
\nii  dom  Cemenlc  bedingl  und  ist  vorherrschend  rothbraun,  gelb,  grUnlich, 
\\eiss  oder  buntgosprenkelt  und  gefleckt.  Der  bunte  Sandslein  besiizl  einc 
sehr  deullichc  Schichtung,  mil  welcher  nicht  sellen  ein  plblzlicher  Wechsel  der 
Gesteinsfarbe  Hand  in  Hand  geht,  woduroh  sic  noch  deullicher  hervorgehobcn 
\\ird.  Die  Schichlon  sind  zum  grossen  Theile  mehrere  Fuss  ma'chtig,  wonigi-r 

hiiufig  platlenarlig ,  also  nur  etwa  zollina'chlig, 
oder  endlich  besonders  in  den  oberen  Niveaus 
des  Buntsandstcins,  sobald  sich  zahlreiche  Glim- 
morblaitchen  zu  den  Sandkbrnern  gesellon. 
diinnschieferig.  In  erslerem  Fa  He  zeigen  sie 
nicht  selten  die  Erscheinung  der  discordanton 
Parallelslruclur. 

Die  Sandsleinc  umschliossen  so  ha'ufiu    rund- 

„  .97.   Profii  oberhaib  s«hi.er      liche  oder  eckiSe  Concrclionen  von  Thon  (Thon- 
Noudorf  im  ThuringerWaid'e.      gallen).   dass  diese  als  cine  aanz  charakteristi- 

a  Braunrother  plattenformiger  Sandstein.    — 

b  Discordant-schieferiger,  roth-   und    weiss-  SChe    ElgenthtimllChkeit    des    builtcn    SandslcillCS 
gestreifter  Sandstein.  — 

c  Grauer  Mergeisandstein.  zu  betrachten  sind.  Oftmals  bcsteht  das  Ma- 

terial des  lelzteren  nichl  aus  Quarzsand,  also  gerolllon  und  abgcrundelen 
Quarzkbrnern ,  sondern  aus  mehr  oder  \veniger  vollkommen  ausgebildelen 
Quar/krysta'llchen.  Solche  kryslallinische  Quarzsandsleine  sind  im  Schwarz- 
\\alde,  in  der  Rhbn ,  namenllich  aber  in  den  Vogesen  verbreitet,  wo  sie  die 
Bunlsandstein-Formation  erbffnen,  400  M.  Machligkeit  erreichen  und  als  Vo- 
gescnsandstein  bezeichnet  werden. 

Nat-list  den  Sandsteinen  sind  es  besonders  rolhe  und  braune  Schiol'er- 
lellen,  Thone  und  Mergel  und  eingelagert  in  diesen  Gyps,  welche  einen 
\\esenllichen  Antheil  an  der  Zusammenselzung  der  Bunlsandsleinformalion 
nehmen,  deren  obere  Ablheilung,  der  Roth,  gewbhnlich  fast  ausschliesslich 
von  ihnen  gebildet  \vird.  Letzlerer  umschliesst  nicht  sellen,  so  bei  Schbnin- 
gon  im  Braunsclnveigischen,  bei  Hannover,  bei  Salzgitler  machtige  Einlagerun- 
gen  von  Stoinsalz.  Conglomerate  spielen  nur  eine  sehr  unlergeordnele 
Rolle  in  der  hier  besprochenen  Schichlenreihe,  --  Rogenstoin  bildet  z.  B. 
am  Nord-,  Ost-  und  Sildrande  des  Harzcs  die  untersle,  Do  lorn  it  in  vielen 
Gegenden  so  im  Elsass.  in  Baden)  die  obersle  Elage  der  Bunlsandsleinforma- 
tion  und  wird  dort  seiner  wellenfbrmig  gerunzelten  Schichlungsllachen  halber 
Wei  1  en  do  1  omit  genannt.  Sehr  ha'ufig  [z.  B.  bei  \Valtershausen  und  am 
Sinuer  Berger  im  Thiiringer  Waldo,  sind  die  Schichtungsilachen  der  ddnngo- 
schichlolen  ,  mergeliiion  Sandsleine  des  oberen  Bunlsandsleines  von  wiirfoliuen 
Pseudomorphosen  nach  Sleinsalz  bedeckl,  welche  augenscheinlich  dadurch  enl- 
slanden  sind.  dass  sich  Kochsalzkryslalle  aus  verdunslondon  Pfiitzen  am  Mee- 
n-ssirando  a»if  doron  Boden  abschieden ,  spalor  von  Schlamm  bedockl,  wieder 
NvegtrofUhrt  und  von  Schlammmasse  orsolzl  \vurden. 

Nacli    derarligen    Vorsohiedonheilen     in    dor    pelrographischon    Zusammon- 


VI.  Ilistonsrlii-  (i 


•Ml 


selzung    dor   Schichlenreihe   dos    Buntsaodsteines  kann  man  local    folgendc  Ni- 
\oaus   in   domsolbon  unlerschoidon : 

Oboro  A  blhei  lu  ng :   Morgel.  Gyps  und  Sloinsalz  (Rolh  ,  sowic  Wellon- 
d  o  1  o  in  i  l  o   iRothdolornite). 

Millie  re  Abtheilung:     fast   ausschliesslich    bunte  Sandstcine   (Haupt- 
bun  I  sands  to  in). 

Untere  Abtheilung:   krystallinische   Quarzsandslcino  und    Conglomerate 
(Vog  os  en  sand  stein)   odor  Rogonstein  und  Thone. 

Die    Gcsammtmiichligkcil    der     Bunlsandsteinformation    schwankl    z\\isohen 
200  und  »00  M. 

Krxfiiliruiig.  Der  Buntsandslein  ist  zuvveilen  das  Mullergestein  von 
Kr/.rn.  Dies  ist  z.  B.  bei  Commern  in  der  preussischen  Rheinprovinz  (lei- 
Fall.  Dort  lagern  die  schwach  nach  Norden  fallenden  Schichten  des  Bunl- 
sandsloinos  nnmittelbar  auf  Culmgrauwacke  auf  und  bestehen  zu  unlerst  aus 
Conglomeraien,  auf  welche  feinkornigo,  weisse,  lockere  Sandsteine  folgen.  Diese 
lel/loron  sind  in  einer  Machtigkeit,  welche  slellenweise  80  M.  erreicht,  mil 
erbsengrossen  Kornern  von  Bleiglanz  (Knollenerz)  in  ilberraschender  Gleich- 
miissi-ikeil  erfulll  und  reprasentiren  eine  der  werthvollsten  Bleierzlagerslallen 
Deutschtands.  Unter  ganz  analogen 
Verhiilinissen  Irelen  Bleiglanz  und 
Weissbleierz  im  Buntsandsleine  bei 
St.  Avoid  wesllich  von  Saarbrtlcken 
auf.  Bei  Twisle  unweil  Arolsen  ent- 
hiilt  der  Buntsandslein  in  einer  Madi- 
liukoil  von  3  bis  4  M.  Impragnationen 
von  Kupferglanz,  namenllich  aber  Ma- 
lachit,  welehe  sich  vorzugsweise  auf 
don  feinon  Klllflcn  in  diesem  Gesleine 
concentrirt  ha  ben,  in  deren  Nahe  der 


rothbrauno  Sandstein  gebleiclit 
ist.  In  iihnlicher  Weise  trelen  bei 
R  u  I  <i  c  li  im  w  ilrtrinhergischen  Schwarz- 
walde  Kupforlasur  und  Malachit  im 
Runlsandslcine  auf  und  sind  in  frtlhe- 
ron  Zoiton  das  Objecl  eines  ansehn- 
lichen  Bergbauos  gewesen. 

Palaeontologischer  Charak- 
ter.  Dor  Runlsandstein  ist  gewohn- 
lich  selir  arm  an  organischen  Reslen, 
nur  einzelne  Gegcnden  und  Schichlen 
,am  woslliehon  Fusse  der  Vogesen,  im 
Elsass,  in  Baden,  bei  Bernfourg)  rnachen 
davon  eine  Ausnahtne,  inden)  gewisse  Sandsteino,  Mergol  und  Schiefcrlhone 
eine  ziemliche  Menge  pflanzlicher,  die  Dolomite,  also  namentlich  die  Wellen- 
dolomiio,  thiorischer  Resle  bergen.  Kinige  dor  wichligsten  und  zum  Theil 


Fig.  H»S.    V|oltzia  h  eUr  op  hy  1 1  a   Brong. 
End/.weig,  Mittelzweig,  FrnchUweig. 


VI.   Hislorisohc  Geologic. 

sehr  charakterislischenPflanzenformen  sind  :  Equisctitesarenaccus  Brong., 
dcr  iiltcstc  cchtc  Kquisetiles,  und  ebenfalls  zu  den  Equisilaccen  gehbrig  Sch  i  zo- 
ne ur  a  paradoxa  Sch  imp.,  (lessen  nicht  seltener  Holzkbrper  sich  von 
Equisetites  durch  viel  breitere  Langsrippen  unterscheidet,  ferner  zvvei  Fame 
Anomopteris  Mougeoti  Schimp.  und  Caulopleris  Voltzi  Schimp., 
endlich  einige  Abieliden ,  nehmlich  Albertia  elli plica  Schimp.  und 
Voltzia  heterophylla  Brong.  (Fig.  198),  erstere  rait  breiten  elliptischen, 
letztere  an  den  jtingeren  Zweigen  mil  langen,  linearen,  an  den  alleren  Zwei- 
gen  ink  pfriemigon,  kurzen  Bliittern. 

Die  thierischen  Uberreste  sind  vorzugsweise 
aus  den  obersten  Horizonten  des  Bunlsandslei- 
nes,  dem  Wellendolomite  bekannt ;  sic  gehbren 
fast  ausschliesslich  der  Muschelkalkfauna  an  und 
stellen  somit  cine  enge  Verkniipfung  zwisdien 
den  beiden  unleren  Schichtengruppen  der  Trias 
her.  Von  ihnen  mbgen  die  weiter  union  abgc- 
bildeten  Terebratula  vulgaris  Schlolh., 
Peclen  laevigalus  Bronn.,  Myophoria 

Fig.    199.      Myophoria    costata   Zenk.     VUlgaris        Bronil.,        Gervillia        SOcialis 

Quenst.,  ferner  Ceralites  Buchi  Alberti,  sowie  Bhi  zocoralliurn 
JenenseZenk.,  ein  knolliger  oder  walzenfb'rmiger  und  dann  ofl  veraslel- 
ter  Seeschwamm,  an  dicser  Slelle  Erwahnung  finden.  Ein  durch  ganz  Deutsch- 
land  \vcilverbreileles  Leitfossil  des  oberen  Bunlsandslein,  des  Bblh,  isl  Myo- 
phoria costala  Zenk.  (M.  fallax  Seeb.)  Fig.  199.  Ganz  eigenlhiimlich  isl 
die  llaufigkeil  von  Fahrten  gewisser  Replilien  in  dem  Bunlsandsleinc.  Sie 
beslehen  aus  den  Fusstapfen  eines  seinem  Ausseren  und  seinem  Baue  nach 
unbekannlen,  Ch  irolherium  genannlen  Froschsauriers,  die  sich  unweit  Hess- 
berg  bei  Hildburghausen,  bei  Jena,  Kahla,  ferner  im  Tauberlhale  im  Oden- 
walde,  bei  Freudcnsladl  im  Schwarzwalde  im  oberen  Buntsandslein  gefundcn 
haben  und  deren  Urheber  den  triassischen  Meercsstrand  in  grosser  Menge  bc- 
lebl  haben  mUssen.  Diese  Fusslapfen  und  deren  auf  der  ihnen  zugekehrUm 
Fliiche  der  nachslen  Schichl  befindliche,  durch  AusfUlIung  der  Eindrilcke  enl- 
slandenc  reliefarligc  Abgilsse  lassen  auf  das  deullichste  vier  krallcnfuhrende 
Finger  und  einen  nagellosen,  abgeselzlen  Daumen  crkennen.  In  demselben 
llorizonte  finden  sich  in  der  Umgebung  von  Bcrnburg  die  au^gezcichnel  er- 
hallcnen  Schadcl  eines  Labyrinlhodonlen  Trema  tosaurus  Brauni  Burm. 
Endlich  kommen  in  dem  oberen  Niveau  des  Bunlsandstcines,  so  bei  Silldorf 
sildwcsllich  von  Magdeburg  und  im  stldlichen  Schwarzwalde,  Ga  noid-Sch  u  p- 
pen  in  solcher  Menge  vor,  dass  sie  gewisse  Lagcn  des  Sandsleines  fasl 
schwa rz  fa'rbcn. 

Die  Fahrten,  \vclche  die  Chirotherien  wahrscheinlich  vvahrcnd  dcr  Ebbe- 
zcil  in  dom  frisch  abgeselzlen  Schlamme  des  triassischen  Mceresufcrs  zuriick- 
I lessen,  die  nolzfbrmigen  SprUngc,  vvelche  die  mil  solchen  Fusspuren  bcdrrk- 
l(>n  Schichtenfliichen  kreuzen  und  nur  in  Folge  des  Trockenens  des  bis  dahin 
feuchlen  Schlammes  cnlstmdcn  sein  kbnnen,  die  \Velletifurchen  auf  denselbun 


Sandsteinen,  sowie  auf  den  Plallen  des  Wellendolomites,  die  l)iai;<)nalsehiehlung 
\ieler  Sandsteinbiinke,  cndlich  die  Hesle  von  Landpllan/e'n  und  die  von  Laby- 
riutliodonten  weisen  darauf  bin,  dass  die  Bunlsandstcinformation  cine  Slrand- 
und  Dflnenbildung  ist, 


,--•••  ~ 


Fig.  'IWj^a  Chirotherinm-FShrten  anf  ciner  Sandsteinplatto.  —  b  Abdmck  eincr  einzclnen  Fiihrte. 

2.  Der  Muschelkalk. 

Petrographischer  Charakter.  Dor  Muschelkalk  besteht,  wie  sein 
N.inie  andeutet,  vorwallcnd  aus  Kalkslcinen  und  zvvar  aus  ganz  besliinmlen 
dieses  Gesteines,  welche  sich  in  den  verschiedencn  Verbrciluni^s- 
der  Muschclkalkforniation  in  ungcfiihr  deinselben  Niveau  wiederholen 
und  als  dcren  wichtigsle  zu  bezeichncn  sind  :  der  Hauptmuschelkalk  in 
lussmiichlifren,  ehendiiehi^en  Schichten,  welche  durch  dUnne  Lagcn  von  grauem 
Mcrgel  von  cinaudor  getrennt  vverden ,  —  der  Wei  lenka  Ik,  dUnnc  Schich- 
ton  mil  \vellig-runzeligcr  Oberfliichc  bildend,  —  der  Schaumkalk,  wcich, 
l<  inporbs,  fast  schvvammig,  --  der  Tcreb  ratel  ka  Ik  und  der  Encriniten- 
ka  1  k  ,  ersterer  aus  dicht  auf  einander  gehiiuflen  Individucn  der  Teieliraiula  vul- 
u.nis,  letztercr  fast  aussehliesslich  aus  Sticlgliedern  von  Encrinus  liliifonnis  !«•- 
.sfehcnd.  Die  ineislen  dieser"  Kalksteine  enlhalten  nehen  kohlensaurein  Kalke 
nielir  fider  urnker  kohlcnsaurc  Magnesia  und  Eisenoxydul  oder  Tlion  und 
iiehen  daher  eincrseits  in  Doloinit,  andercrseits  in  Mergel  Ubcr.  I.elztere  ,  die 
Mcr-el,  erlanizen  /uweilen  einc  zicmlich  rnachlige  und  selbsliindige  Aus- 
l)ildun;j;  und  sind  sehr  gewohnlich  vcrgesellschaftet  mil  Anhydril,  Gyps 
und  Steinsalz,  sind  dann  sclbst  oft  von  Salzlheilchen  vollkommen  impriig- 


380 


VI. 


nirl  uncl  stehrn  in  dicsrm  Falle  dem  Sal/ I  hone  nahc,  \\  richer  ebrtil'alls  als 
fast  sifter  Begleiler  des  Anhydrites  auflrill.  Dolomite  odcr  slark  doloini- 
tische,  7.11111  Theil  sehr  eisensehdssige  Kalksteine  finden  sich  in  vielen  Regionen 
dcr  Muschelkalkformalion,  z.  B.  in  Obcrschlosien  und  ThUringcn,  und  sind  oft 
ivich  an  Knollcn  und  Lagen  von  Hornslein.  Anhydrit,  Gyps,  Steinsalz  und 
Salzthon  bilden  in  inniger  Vergesellschaftung  einen  wichtigcn  Schichlencomplex 
in  dcr  initllercn  Elage  der  besprochencn  Formation. 

Als  besondercr  ftir  den  Muschclkalk  schr  charakterislischer  Structurerschei- 
nungen  ist  der  Schlangenwul  ste,  wurm-  oder  htifeisenfdnniger,  langgezo- 
gener,  fingerdickcr  Wtllste  und  Schwielen  von  Kalkstein,  vvelehe  main-he 
Schichtungsflachen  ganz  bedecken,  sowie  der  Stylolithen  zu  gedenken. 
Diese  cylindrischen,  geraden,  longitudinal  gestreiften  und  quergerunzelten  Stan- 
gel,  die  oft  in  grosser  A nzahl  vertical  neben  einander  slehen ,  sind  nirgends 
haufiger  als  im  Schaumkalke  z.  B.  von  Rildersdorf. 

Einen  von  dem  normalen  ganz  abweichenden  pelrographischen  Gbarakter 
besitzt  die  Muschelkalkformation  im  Gebiete  der  Saar,  Mosel  und  im  Luxeni- 
burgischen,  wo  die  untere  Abtheilung  derselben  nicht  kalkig,  sondern  s  an  dig 
ist,  so  dass  man  dort  von  einem  Muschelsandstein,  d.  h.  einem  Sand- 
steine  mil  den  organischen  Resten  des  Muschelkalkes  sprechen  muss. 

Erzfuhrimg.  Der  Muschelkalkformation  gehoren  die  Eisenerz-,  Blei- 
glanz-  und  Galmeilagerstatten  von  Tarnowitz  und  Beuthen  in  Oberschlesien, 
sowie  die  Galmeivorkommen  von  Wiesloch  in  Baden  an.  Ihre  Bildung  fallt 
jedoch  keinesweges  mil  der  Ablagerung  der  sie  einschliessenden  Gesteine  des 
Muschelkalkes  zusammen,  sondern  gehorl  viel  spateren  Zeitraumen  an. 

In    Oberschlesien    bil- 
Br*<j,n>«nn. 


Fig.  201.    Profit  der  Bally-Castle  Grube  zwischen 

Tarnowitz  und  Hen  then  in  Oberschlesien. 

a  Sohleukalfcstein.  —  6  Kother  Galmei.  —  <ff  Weisser  Galmei.  — 

c  Bleiglanz.  —  d  Dolomit.  —  e  Brauneisenerz.  —  /  Letten. 


Brauneiscnerze  unregel- 
massige  Lager  und  Nester  in  den 
Kalken  und  Dolomiten  des  un- 
leren  Muschelkalkes  und  fullen 
in  der  Gegend  von  Tarnowitz 
und  Naklo  formliche  topfartige 
Verliet'ungen  im  Sohlenkalksteine 
(obere  Abtheilung  des  unteren 
Muschelkalkes)  aus.  In  Verbin- 
dung  mil  ihnen  treten  Z  ink- 
er ze  auf,  welche  im  Verein  mil  den  Sleinkohlen  den  Hauptimpuls  zu  der 
grossartigen  .  oberschlesischen  Mineralindustrie  gegeben  haben.  Die  meislen 
und  wichtigslen  Zinkerz-lagerstatten  jener  Provinz  sind  an  Dolomite  gebunden, 
welche  in  einer  flachen  Mulde  des  unteren  Muschelkalkes  (Sohlenkalkstein) 
lagern  und  sich  von  Tarnowitz  aus  in  oststldbstlicher  Richlung  ttber  Beuthen 
nach  Polen  hinein  ziehen.  Die  oberschlesischen  Zinkerze  bestehen  aus  un- 
lergeordnetem  reinem  Zinkcarbonat  und  -Silicat,  sowie  dichter  Zinkblende, 
der  Hauplsache  nach  aber  aus  zinkhaltigen  Brauneisensteinen ,  zinkhalti- 
gem ,  eisenschtlssigom  Dolomite  rothern  Galmei)  ,  zinkhaltigem  Letten  und 
zinkhaltigern  Sohlenkalkstein  (weissem  Galmei  .  Die  Lagerstiitten  dieser  Gal- 


VI.    Ilislorisrlio   Geoloyio. 


381 


meier/e  linden  sich  in  den  muldenfbrmigcn  Verliefungen  zwischen  den  Fal- 
len der  Muschelkalkformation,  bilden  nnregeliniissige  Ncster  und  flb'lzartiue 
l.auer  y.uischen  dein  sogenannten  Sohlenkalkstein  und  dem  dartiberliegen- 
den  Dolomite,  ver/.sveigen  sich  aber  auch  sowohl  in  das  liegende,  wie  in 
das  hnngcnde  Nehengeslein ,  und  sind  augenscheinlich  aus  zinkhaltigen ,  durch 
Auslaugung  des  Dolomites  enlslandenen  Losungen  an  Stelle  der  weggeftlhrten 
Kalk-  und  Magnesiaverbindungen  abgesetzt  worden.  In  diesen  LagersUitten 
bildet  gowbhnlich  der  weisse  Galinei  die  untere,  der  rolhe  Galmei  die  obere 
Zone.  Zu  den  Brauneisensleinen  und  Zinkerzen  gesellt  sich  als  drittes  der 
dem  Musehelkalke  angehbrigen  Erze  Bleiglanz.  Dieser  koinmt  theils  in  Kbr- 
nern  ini  Dolomit  eingesprcngl,  theils  diesen  in  TrUmern  durchziehend,  theils 
in  zusamme.nhimgenden  fldtzarligen  Lagerstatten  auf  der  Grenze  zwischen  Soh- 
lenkalkstein  und  Dolomil  oder  direct  tiber  derselben  vor.  Freilich  belragt  die 
durchschnittliche  Mitchligkeit  dieser  Bank  nicht  mehr  wie  etwa  0,04  M..  blaht 
sich  jedoch  stellenweise  bis  zu  0,66  M.  auf.  Dieselbe  bildet  im  Verein  mil 
dem  Musehelkalke,  dem  sic  angehb'rt,  eine  ganz  flache,  etwa  cine  Quadratmeile 
grosse  Mulde. 

Bei  Wiesloch  in  Baden  findet  sich  Galmei  als  Ausfiillungsmasse  von 
Kltlften,  \velche  den  dortigen  unteren  Muschelkalk  durchsetzen  und  sich  in  ge- 
\N  issen  llorizonten  und  zwar  an  solchen  Stellen,  wo  sie  den  Contact  von  En- 
crinitenbanken  und  dichtern  Kalksteine  kreuzen,  unregelmassig  hbhlenartig  er- 
weitert  haben. 

Palaeontologischer  Charakter.  Als  marine  Bildung  ist  der  Muschel- 
kalk, wie  zu  ervvarten,  ausserordentlich  arm  an  Pflanzenresten ,  welche  sich 
auf  einige  fragliche  Algen  und  wenige  eingeschwemmte  Farnwedelfragmente 
beschriinken,  doch  ist  auch  die  Fauna  der  Trias  eine  verhallnissmassig  nicht 


Fig.  -!"•!  Fig   204. 

Pig.  202.     Encrinus  liliifprinis  Lam. '— Fig.  2CH.    n  Terebratula  vnlgaris  Schloth.;  I  Retzia  trigonella  Scbloth.; 
c  Spirifer  Mentzeli  Dunk.  ;  d  Rhynchonella  Mentzeli  Buch.  —  Fig.  204.    Pecten  laevigatus  Bronn.  — 


:;s-2 


VI.    Hisloriscln-  (Icolo^ic. 


sehr  formcnreiche,  \venn  diese  Arniuth  ;iucli  .  (lurch  die  Fillle  der  Individuen, 
in  \veleher  manehe  Muschelkalkspecies  a  u  fire  ten ,  vveniger  aull'.illig  gemaehl 
\\ird.  Die  \\irlitigslen  ihror  Hiiufigkeil  und  Verbreitung  vvegen  als  charakle- 
ristischo  Leitfossilien  zu  belrachlenden  Vertrcter  der  deulschen  Musrhelkalk- 
I'auna  sine!  von  Echinodermen :  Encrinus  liliiformis  Lam.  (Fig.  202), 
(lessen  Kronen  selten,  dessen  Stielglieder  ausserordenllich  hiiufig  sind,  --  As- 


Fig.  2(M>. 

Fig.  205.     Myophoria  lineata  Miinst.  —  Fig.  200.    Gervillia  socialis  IJnenst.  —  Fig.  207.    Ceratitf-.- 

nodosus  llaan. 

pidura  scut  el  la  la  Bronn,  eine  \\eilverbreilele ,    aber  seltene  Ophiuiv:    - 
von   Bra  eh  iopoden :  Terebr  alula  vulgar  is  Schlolh.   (Fig.  203   a],  das 
hiiuligsle  Muscholkalkfossil,    -•    Relzia  Irigonella  Schlolh.    (Fig.  2036)",  - 
Spirifcr    Mentzcli    Dunk      (Fig.   203  r),  Rhynchonella    MenUeli 

Buch      (Fig.    203  d)  ;  von    Zweischalern:     Oslrea     placunoidcs 

Mil  n  si.,    cine   kleine    Ausler ,     \\elche   sehr    gewohnlich   auf   Ceraliten    aul'iif- 
\\achscn   vorkomml,     -    der  handgrosse  Peclen  I  aevigalus  Bronn  fFig.  204), 
dcr  viel  kleinoiv  Peclen   disciles  Bronn,    —    Lima    stria  la  Goldf. . 
Gervillia    socialis    Quensledl    (Fig.   206),  Myophoria     lineala 

Milnsl.    (Fig.  205),   —  Myophoria  v  ulga  ris  Bronn,  --  M  \arili-s  clon- 
galus  Schlolh. ;   --  von  Gaslero  poden  :  Denta  Hum  1  aeve  Schlolh.,  - 
Nalica    gregaria  Sch  I  olh.,  Turbonilla    sea  la  la  Gold  f.  ;        -   von 

(lepha  Iopoden :    Geraliles  nodosus    Haan.     (Fig.   207),  Naulilus 

hidorsalus  Bronn  und  deren  Kiefer  Rhyncholilhcs  hirundo  Hit;, 
und  Conchorhynchus  avirostris  Blainv. ;  von  A  r  ihropoden:  cin 
tlcni  (lenus  Aslacus  nahe  slohondor  langsch\viin/ig(M'  Krebs  Pemphix  Sueurii 
Bronn.  Von  Fischreslen  sind  namenllich  die  kegelformigcn  ,  mil beiderseiligen 
Ncbcnziihnchen  versehenen  Ziihne  von  Hybodus  plicalil  is  Ag.  (Fig.  20So), 
Mi\\ic  die  (lachcn  mil  einer  millleren  Liingsfalle  versehenon  Pllasler/iihne  NCUI 
Acrodus,  forner  die  spilv.  kegelfiirmigen ,  mil  gefallolen  \Vurx.eln  versehenen 
Ziihne  von  Sa  u  rich  Ihys  (Fig.  2086),  endlich  die  rhombischen,  lief  gefurchten 
Sehuppen  von  Gy  role  pis  hiiufig.  Zu  ihnen  gesellen  sidi  Sehiidel.  Oberkiefer 
und  Xiilme  von  Placodus  gigas  Ag.,  der  jel/l  vvohl  mil  Ueehl  zu  den  San- 
riern  gerechne!  vvird.  so\\  ie  Sehiidel.  Wirbel  und  Hijipen  eines  echlen 


\  I     IlisloriM-lH' 


sauriers,  Nothosau  rus  in  irabil  is  MUnst.  (Fig.  209).  Die  (lachen,  schlan- 
ken,  tiber  zwei  Fuss  laniicn  Sdiiidd  zeigeu  hinlen  die  grossen  Sdiliifrngruben, 
/\visdien  ihnen  ein  kleines  Scheilelloch ,  in  dor  Mitle  die  Augenlb'cher  und 
vorn  die  Nasenhbhlen.  Dor  Zvvischenkiefer  triigt  9  grosse  gestreifte  Ziilmr. 
deren  neunler  urrade  in  der  Mitle  der  Kinnspitze  steht. 

Glietlerung  der  Muschelkalkforniatioii.  Wo  die  Muschelkalkfonnation 
in  ihrer  ganzen  Vollsiandigkeit  enlwickelt  ist,  pflegt  sie  sich  in  drei  Schichlen- 
urupprn  uliedern  zu  lassen : 

a)  Unterer  Muschelkalk,  bis  150  M.  inachtig,  namentlich  aus 
Wrllcn  kalk  mil  Schlangenwtlslen  und  untergeordneten  Mergeln,  zu  obersl 
aus  Schaumkalk,  Encriniten-  und  Terebralelkalken  bestehend  und 
vciliiilliiissiniissii;  arm  an  organischen  Reslen ,  vvenn  man  von  den  ebon  cr- 
uiilmlcn  /(M)i;(>iirii  Kalksteinen  abslrahirl.  Unler  ihnen  sind  Encrinus  lilii- 
lOrmis,  Trrebralula  vulgaris,  Gervillia  socialis,  Myophoria 


Fig.  21m. 


Fig.   2«».     nllybodns  plicatilis  Ag.;  6  SanrichthyH  npicialis  Ag.  —  Fig.  '2M).     Nothosaurus   niirabili 
Jig.  '2t(».     (iiuiniiMi  von  I'lat^odus  Andriani  Slflnnt. 


vulgaris,     Lima    lincala,     Natica    gregaria,    Ccratites    Buchi     xu 
nennen,   \viihivnd  die  in    dcm  olwu-en  Muschelkalke  so  ausscrordcnllicli    hiiuli^-n 
Ccralilcs    nodosus  ,    Nautilus   bidorsatus,    Rhyncholilhes    liirundn,    Lima    slriala 
i-an/.    zu    fchl(?n    scheincn.      Dahingcgi^cn    crroichcn    im  Schaumkalke   die  M\<» 
phoricn  das  Maximum  ihrer  Entwicklung. 

b)  Mi  tile  rer  Muschelkalk  ,  Anhy  drilgruppc  oder  ZwisdnMibildung. 
:}0  his  100  M.  miidilii:,  \\osenllidi  aus  Dolomiten  ,  Anhydril,  Gyps  und  Sldn- 
sal/  lifsldicnd.  Da  der  Gyps  stock  f(irmis;<'  und  das  Stcinsnlx  unro^-lmiissiti 


384  VI.    llistonsrlx- 

linsenftfrmige  Massen  zu  bililrn  pflcgon,  so  zcigt  tier  ganze  sich  ihncn  anschmie- 
gende  Complex  stork  L:r\\undene  und  gefallete  Schichlen.  Hierhcr  gehorende 
Stcinsalzlager  licforn  das  Material  der  zahlreichen  Salinen  der  Neckargegondrn 
uud  derer  bei  Basel,  Erfurt,  Buffleben,  Stolternheim  in  Thuringen  und  wmlrn 
bei  Wilhelmsgluck  in  WUrtemberg  und  bei  Erfurt  in  Thuringen  bergmiinnisch 
;i bin-haul.  Diese  miltlere  Gruppe  des  Muschelkalkes  ist  ausserordenllich  arm 
an  organischen  Resten ,  die  sich  hauplsHchlich  auf  Saurierknochen  und  ZHhne 
beschranken. 

Oberer  Muschelkalk,  Friedrichshaller  Kalk,  60  bis  120  M. 
machlig,  aus  glatt-  und  dickschichligem  Hauptmuschelkalkstein  bestehcnd, 
dessen  Btinke  sich  mit  ihren  Ihonigen  Zwischenlagen  in  grosser  Einformigkeil 
hundertfach  (iber  einander  wiederholen.  Der  obere  Muschelkalk  ist  von  alien 
drei  Abtheilungen  am  reichslen  an  organischen  Resten,  unler  denen  Ceratiles 
nodosus,  namentlich  haufig  in  den  sogenannlen  Thonplaltcn,  Nautilus  bi- 
dorsatus,  Lima  striata,  die  Lima-Banke  bildend,  Pecten  laevigatus, 
Gervillia  socialis,  Myophoria  pesanseris,  Pemphix  Sueurii  her- 
vorzuheben  sind;  jedoch  treten  auch  Terebratuta  vulgaris  und  Encri- 
nus  liliiform  is  in  solchem  Individuenreichthume  auf,  dass  sie  ebenfalls  fast 
das  ausschliessliche  Material  ganzer  Ba'nke  (die  Terebrateln  der  sog.  Glasplalten, 
die  Encriniten  der  sog.  Trochitenkalke)  geliefert  ha  ben ,  \vie  ubcrhaupt  En- 
crinus  liliiformis  erst  jelzl  das  Maximum  seiner  Eritwicklung  erreicht. 

Der  oberschlesische  Muschelkalk  wurde  frtiher  mit  Bezug  auf  den 
erzfiihremlen  Horizont  desselben  in  Sohlenslein,  erzfilhrenden  Dolomit 
und  Dachkalkstein  (Kalkstein  von  Opatowilz)  gegliedert  und  ilherhaupt  als 
eine  ganz  eigenlhllmliche  Facies  der  Muschelkalkformation  aufgefasst.  Spater 
zeigte  sich  jedoch ,  dass  im  Ganzen  eine  wesentliche  Ubereinslimmung  der 
oberschlesischen  Muschelkalkformalion  mit  derjenigen  des  westlichen  Deulsch- 
lands  besteht.  (Siehe  Aequivalenztabelle) .  In  palaeontologischer  Beziehung  sind 
ihnen  nicht  nur  die  meisten  Versleinerungen  gemeinsam ,  sondern  es  ist  auch 
dio  verticale  Verbreitung  dieser  Formen  durch  die  einzelnen  Etagen  des  Mu- 
schelkalkes fast  durchgangig  dieselbe.  Hervorzuheben  ist  nur  das  Vorkommen 
einer  Anzahl  von  Species  aus  der  spater  zu  besprechenden  alpinen  Trias. 
Hierher  gehoren  R  h  y  n  c  h  o  n  e  1 1  a  d  e  c  u  r  t  a  t  a  G  i  r. ,  T  e  r  e  b  r  a  t  u  1  a  a  n  g  u  s  I  a  t  a 
Schlolh.,  Spi  ri  fer  Men  tzeli  Dunk.,  Retzia  trigonellaSchloth.,  En  - 
ci'inus  gracilis  Buch.  In  petrographischer  Beziehung  \\eicht  besonders  der 
untersle  Muschelkalk  Oberschlesiens  von  der  lypischen  Enlwicklung  im  wesl- 
lichen  Deutschland  ah,  indem  er  nichl  aus  dtlnnplattigem  Wellenkalke  und  Mer- 
geln,  sondern  aus  dicklwnkigen  Kalksleinen  besteht,  auf  welche  machtige  Dolo- 
mitablagerungen  folgen.  Zugleich  hat  die  Machligkeit  dieser  unteren  Gruppe 
auf  Kosten  der  mittleren  und  oberen  Abtheilung  ausserordentlich  zugenommen, 
indem  sie  170  M.,  die  der  beiden  andoren  abor  nur  20  und  10  M.  betriiiit. 

3.  Der  Keuper. 

Der  Keuper,  der  obersle  der  triassischen  Schwbtencomplexe,  lu-sleht  haupt- 
siirhlich  aus  bunten  Mergel  n  von  vor\v;illond  rolher,  aber  nebrn  dies«-r  auch 


\  I.    Hi.MoriM'hc 


385 


griliier,  golbcr.  graurr.  brainier  und  blauliehor  Fin-bung,  die  entueder  lagrn- 
\\eise  scharf  mil  einandcr  almechseln,  odcr  Flammon.  Slreil'en  uml  Flcckcn 
ini  (ininde  der  andercn  bilden.  Zn  dicsen  .Mi-rgeln  uesellcn  sich  als  dcren 
beslandige  hegloiu-r  Imnle  Sc  h  i  e  fe  r  I  o  1 1  «•  n  uitd  Thono,  sowie  Gyps,  An- 
hxdril.  Sal/lhon  und  Sleinsalz.  Dor  <i\ps  trill  ini  Kctipcr  nicht  nur  in 
h.nii  umvLiclmiissiucr  Sliickc  und  Liiiirr,  so\\  ic  diinnucschichtclcr  Flolxc,  son- 
<lc-rn  iiurli  und  /\\.ir  sclu-  hiiuli|j;  in  TrUincrn,  Adorn  und  Schiuitxon  mil  den 
.Mci-i-lii  ncl/.iirlii:  \crlloflilcn  auf.  Sandstcine,  ineist  foinkornig  und  u;raii. 
ui'iinlich  odcf  rollilich  lici'iirbt ,  nchnicn  eincn  l)cdoulcndcn  Anlheil  an  dcr  Zu- 
sanuncnsc'lzunti  dcr  Kcupcrlurination  und  x\var  nainontlicli  dcren  untcrslcr  und 
nlirrslrr  Klajze.  Kndlich  orsclKMiicn  auch  dolom itischc  Kalkslcinc  und 
Dolomite,  moist  fein  krvslallinisch  odor  dicht,  seltcn  cavcrnbs  und  poros, 
ividi  iin  oriianisdicn  Hivslon  in  «>in/.(>lnon  Biinkon  odcr  Complexen  von  unbe- 
drutrnili-r  Miichti^kcil  und  croiVnon  zuweilcn,  so  am  ohoron  Neckar,  die  Scliich- 
Iciuvihc  dcs  keuper.  ALs  sohr  untorticorduolc  Gliodor  dicscr  letztercn  sind 
schliosslich  noch  schwarzo,  zuin  Thoil  von  Pflanzenresten  angefullle  Kohlen- 
Idlcn  und  unrcinc,  thoniiic  Kolilen  (Lettenkohlo)  anzufUhrcn.  Bei  Sie- 
\\iriv.  in  Polon  \\ord(Mi  Z\MM  :JO  bis  50  Zoll  miiohtigo  Flotzo  und  oin  80  Zoll 
miichliuos  Flolz  \on  Koupcrkohlcn  mil  Vorlhcil  abgebaut.  In  Thtiringen  komml 
Lcllcnkohle  namcntlich  bei  Mattstedt  unweit  Weimar,  bei  Tcnnstadt,  Milhl- 
hauson,  Sonneborn,  Arnstadl  vor. 

Palaeontologischer  Charakter.  Sind  auch  die  Gattungen  Equisetites, 
verlreten  durch  E.  arenaceus  Brong.,  E.  columnaris  Brong.,  E.  Lch- 
mannianus  Gopp.,  -  Taeniopteris  mil  T.  vittata  Bronn  (T.  ma- 
rantacea  Presl.),  --  Anomopteris  mil  A.  Mougcoti  Brong.,  --  Pe- 
copteris  mil  P.  Stuttgartensis  Brong.,  —  Clathrtopleris  mil  Cl. 
MUnsteriana  Schenk.,  --  noch  hbchst  charakteristisch  fUr  den  Keuper,  so 
i.mucn  doch  dio  Epuisetaceen  und 
Farnc  bereils  an,  etwas  in  den  Hin- 
u-rurund  /.u  trclcn ,  wahrend  sich 
die  <1\  cad ceii  auf  deren  Kosten 
zu  entfalton  beginnen.  Ptcrophyl- 
Uiin  Jaegeri  Brong.,  Ptero- 
|i  h  \  1  him  Brauniaimm  (;i>|>|). 
sind  ilirc  \crbrcilctslon  Angehbrigon, 
\\iihn-nd  in  dentJallungcn  Za  in  ilcs. 
Pier  i./ .  i  mites,  Otoza  mites  ganz 
IHMIC  (lyadeen  -  Typen  ersclici- 
Ki-n.  Nclti-n  ilmcn  spiclen  auch  C  o- 
nifcren  eine  nicht  unbcdriiimdc 

Hollc;  ihr  liauptsiicliliclisler  Vertrelcr  Fig.  211.    Ptorophyiium  J.egeri  wrong, 

ist    \\ic    im    Bunion    Sandstcine    Voltzia    heteroph  y  I  la    Brong.    (Fig. 
mil,   \\ohlcrlialtcncnSUimmen,    Z\Ncigcn,    Ulallcrn,    BlUthen   und  Fruchtzap  on. 
Zu  ihncn  gcscllen  sich  die  neucn  Galtungcn  1'allisya,  Thuiles,  Pa  laeoxy  ris. 

Die  Fauna  dcs  Keupors  ist  eine  sohr  iiimliche.     In  don  Mergeln  und  Dolo- 

C'redner,  Eleuieuto  d.  Geologic.  25 


VI.    Hi>lmi>rlie 

milen  linden  sidi  /.u\\cilen  (i  e  r  \  i  1 1  hi  snri;ilis.  Te  re  bra  I  u  hi  \ulgaris. 
1'osidonia  Kslheria  iniinil;i  All).  (Fig.  2  I  i  .  l.ingula  t  e  n  u  i  ssi  in  a 
•Bronn.  in  manchen  Schielerlelten  mid  Samlsleinen  t'nio  mid  Anodonta. 

Kin/cine  l.agen  des  Sandsteincs  sind  auch  \\olil 
gan/  erfilllt  von  Fisch  -  und  Sauricrreslen.  so 
von  Hybodus,  Acrodus,  Saurichthxs 
und  K  op  r  i»l  it  he  n,  so\vic  von  Knochen-  uud 
/alinfragmenlen  von  iNothosaurus  so\vie  Ma- 
st odonsaurus  Jaegeri  Holl.,  dcsscn  voll- 
slandig  erhaltener  Sehadel  ebenfalls  ;ius  dem 

Fur.  212.    Posidonia  (Estberia)  minnta     Kfllpcr     bokaillll     ist      (Fig.      213).          Ulller     den 

l-'isclien  ist  Seinionotus  Bergeri  Au.  (Fig. 

•2\\  li(M-vorzuhel)eii.  (lessen  auscczeichnct  erhaltene  AhdrUcke  aus  dem  Kcuper- 
s;inds(einc  von  Coburi:  crkcnnen  lassen,  dass  /war  die  UHSN minetric  des  Seli\\an- 
zes  dieses  Ganoiden  allerdings  nocli  vorhanden ,  aber  bei  Weiu-in  nicht  so 
stark  entwirkelt  ist.  wic  bei  den  heleroeercalen  (ianoiden  der  palaeozoisclien 
Periode.  Kin  anderer  Fisch  Ceratodus ,  (lessen  flachc.  faehcrfonnii:  licfiiltdr 
Ziihnc  nauiiMitlich  in  der  Letlenkohie  WiirteinberiiS  und  Thttrini-ens  haulii:  sind. 
hat  neuerdinps  deshalb  bcsonderes  Inleresse  auf  sich  gezogcn,  well  man  dieses 
bis  jel/t  filr  aussehliesslich  mesozoiseh  gehaltene  Dipnoier- Genus  in  Auslralien 
noch  lebend  gefunden  hal. 

In  dem  oberslen  Keuper  (Bonebed)  von  Wiirtemher^  findel  sieh  ein  selte- 
ner  kleiner  z\\ eiwurxeli^er  Zahn,  der  einem  Beu tclthicre  zugeschrieben  v\ird, 
d;is  m;m  Microlestes  antiquus  Plien.  genannt  hat.  In  ihin  Ireten  uns 
die  Iteste  des  iiltesten,  die  Erde  l)ewolinenden  Saugethieres  entgegen.  Audi 
in  dieser  Classe  erb'fl'nen  soinil  die  unvollkomnienslen  Vertreter  den  Beigen. 
der  in  der  .Mannigfaltigkeit  der  .lel/lwelt  gipfeln  sollte. 

Gliederung  des  Keuper.  Wie  der  Muschelkalk  liisst  sich  auch  die 
Keoperfonnaiion  geWiJbnlicb  auf  cine  gan/,  natiirliehe  \Veise  in  drei  I'Uagcn 
gliedern,  \\elehe  freilich  in  ihren  verschiedenen  Bildiinirsi-iinnien  in  einer  setn- 
weehsclndcn  Miielitigkeil  und  nielil  mil  iinnicr  denselben  petrographischfeD 
l-jgenlhUniliclikeiten  cnt\\iekelt  sind: 

a)  U nte re  oder  Le  I  (  en  k  oh  I  e  ngruppe.  Sie  erreieht  etwa  70  M. 
-Miichtigkeil .  sehliesst  sieh  eng  an  den  Muschelkalk  an  und  \\ird  \on  inanchcn 
(Jeologen  zu  dieser  Formation  gezogen.  In  inanehen  (icgenden?  so  in  Lothrin- 
gen  und  im  Jura  bcginnt  diese  untere  Kcupcrelage  mil  t.'inem  Complexe  von 
bunlen  .Mcrgeln.  (i\ps,  Salzthon  und  auffallig  regelin;is>ii;i'ii.  bankarligen  Slein- 
sal/lagern .  in  anderen  Keuperdislriclen .  so  in  denen  von  Baden,  \Viirlcmberg 
und  Frankcn,  v\ird  diese  Steinsiil/bildung  (lurch  cine  oO — 100  F.  inachtige 
Ablagcrung  von  /.urn  Theil  vollkommen  zuckerigem  Dolomite  mil  M  \ophoria 
Goldfussi  Alb.  verlrelen ,  vviihrend  in  noch  anderen  Hezirkcn .  so  in  Thii- 
ringcn  und  am  Harze  \\cder  das  Slcinsalz  noch  der  Dolomit  zur  Ausbildung 
gchniiil  i»t.  Ilier  beginnl  die  Kcu|>erformalion  dire«1  mil  der  in  Suddeulsch- 
land  erst  -mf  die  Dolomite  folgcnden  echlen  L  el  I  e  n  k  oh  I  e  n  g  r  up  pe.  Ks 
ist  dies  ein  iO  bis  50  .M.  maehliuer  Schii-htencomplex  N  on  grauen  Sandstcinen. 


\  I.    lli>ltirisrlit> 


dunkrlrii  l.rltru  und  ScliiH'rrlhoncn  mil  /aliln-irlicn  I'fljin/cnrcslcn  und  von 
MiT^flsrliii'l'iTii.  /inn  Tlicil  voll  von  klcinrn  Srhalf-nkirksrn;,  /\\  ischcn  v\<-l- 
rhrn  in  Thiiriniii'ii .  Frankcn.  Sch\v;iltcM ,  l.olliriniicn  und  in  drr  (Iciirinl  von 
H;iscl  scliniiilc  Kli)l/.(>  \on  Ihoniiior,  uni'cincr .  nur  sclltMi  ;il)l);iu\NiJrdiiicr  Kolilc 
cinucsrli;illfi  >ind,  Kiiuisclili-s  iirrniircus.  Kijuisditcs  colunuiiiris,  Tjicnioptcris 


Ki-.  Ul:i  ;i  ti ml  li. 


IISc.  Fig.  211. 

Fip.  -I',     a  Schiidol  YOTI  Mastodi>nsiiuni>  .lai'^'pi  i  Hull,       li  Zalin  v«n  Ma.-tmi.ni  -auni?-.       r •  Diirrlischnilt  eines 
/,;ihi>  Impure*,  die  gelrfrBarag  gewandenvn  /ulii^nli.-tiiiizen  KCigoiid.  —  Fig.  211.    bchwanz 

von  BomioBOtM  liergeri  Ag. 

villala.    Volt/ia    lirloropln  lla    sind    1'iir    ilicst-    (iruppr     hcsonders    Itcxriclinrnd. 
Ihrcn    Ahsrliluss    utul    riiu-n    scliaiT   Ixv.eichnelen   obercn    llorizont   findct    dicse 

25* 


388  \l       I 

lel/.lere  in  einigen  Riinkcn  eines  dichten  oder  fcinkornigen  Dolomites  oder 
Kalksteines.  \\ richer  namcnllich  Myophori;)  Goldfussi,  Gervillia  socialis.  Terehra- 
tula  Milgaris,  Posidonia  Kslheria)  miimla  filhrl.  Abgesehen  \on  Cbcrrcslcii  \on 
Fist-hen  uiul  Sauricni,  \\elche  /..  li.  bei  Tubingen  mid  llcilliromi  und  an  \er- 
schiedenen  Punkten  Thnriiigens  cine  formliche  Knochenbreccie  bilden,  und  von 
Zalmen  dos  Ceratodus  haben  sich  in  der  Letlenkohlengrube  wohlerhallene 
Skeletlheile.  so  die  Sehadt'l  von  Mastodonsaurus  Jaegcri  gcfunden. 

b)  Miltlere  Gruppe,   bunlc  k  <•  upermergel.     Die  Miichtigkcit  dirser 
hoohst  chariiklcristischcu  grollfarbiiion  und  buntschrckiucn  Mcriicljzruppc  sch\vankl 

100  und  300  M.  In  ihrem  untrivn  Nivoau  unifassen  die  lumten 
EiiiiageraDgeD  von  Gypsen  und  Thoncn,  \vclehe,  abgesehen  von 
Liibyrinthodonten-Knochen,  Zahnen  und  Koprolithen,  sowie  von  Unio-Abdrilcken, 
aller  organischen  Reste  bar  sind.  In  den  oberen  Horizonten  dieser  initlloren 
Keupergruppe  hingegen  wechsellagern  die  bunten  Mergel  mil  3  bis  5  M. 
nijichtigen  Sandsleinschichten  oder  Thonquar/en  und  bisweilen ,  so  bei 
Coburg,  mil  Dolomilbiinken.  Erstere  fiihrcn  Ecjuisctites  arenaceus,  Equisetites  co- 
luinnaris,  Taeniopleris  vittata,  Pecoplcris  Stultgartcnsis,  Pterophylluin  Jaegori,  so- 
\\ic  Labyrinthodonten-  und  Fischresle.  Unler  lot/teren  ist  namentlich  der  hei 
Coburg  gefundene  Semionolus  Bergeri  seiner  ausgezeichneten  Erhaltung  \vegen 
hervor/uheben. 

c)  Obere    Gruppe,     das     Rha't,     Zone    der    Avicula     contorta. 
Schichencomplex   von  vorwaltenden,   hellen,    feinkornigen  Sandsteinen ,   \velche 
von   grauen,    sandigen   Schieferthonen   Uberdeckt   werden   und   die   Reste    \on 
zahlreichen     Gefasskryptogamen     und     einigen     z\vanzig    Gymuospermen     mn- 
scliliessen.     Sie  finden    sich    namentlich  im  Rhat   von  Theta   bei  Bayreuth    und 
von  Veitlahn  bei  Culmbach.   wo  sie  durch    ihre  Hiiufigkeit   zur  Bildung  schvva- 
cher  Kohienfldtze  beitragen.     Die   wichtigsten   hierher   gehorigen  Formen   sind: 
Equisetites    Lehmannianus,    Equisetiles    Miinsleri,    Asplenites   Ottonis,    Zamiles 
distans,    Pterophyllum    Braunianum,    Pterophylluin    Milnsteri.     Diese    Rhatische 
Flora    ist   zwar  der  des   Ubrigen   Keupers    nahe   verwandt,    jedoch   erscheinen 
ihre   wichtigsten    und    charakleristischslen    Vertreter    erst    im    Rhat    selbst    und 
gehen  zum  Theil  in  die  Juraformation  tiber.     Man  hat  deshalb    wohl    auch   die 
Rhatische  Gruppe  zum   Lias,   also  zum   untersten  Jura    gezogen ,    oder   dieselbe 
als    eine    Zvvischenbilduni;    /.\\isehen    dieser    Formation    und    dem  Keuper    be- 
zeiclmct. 

Die    Schichtungsflachen    des   den    eigentlichen    Rhatischen    Sandstein    ilber- 
lagcrnden    Schieferthones    \\erden    nicht    selten   von  Taeniodon    (Protocar- 
diuiii)     Ewaldi     Born.,     Anodonta    postera    Fraas, 
Proloeardium    Hhiiticum    Mcr.,    A  \ieula    contorta 
Port.    (Fig.   215),   Posidonia   (Estheria)    minula   All*, 
in    dichlem    Gedriinge    bedeckt.      Der    oberen    I'.tage     dieses 
Fco'n2tortaVona        Saiulslein-  und  Schieferthoiicoinpleves  geho'ren  einige  dllnne 
Lagen  an.    welche  bei   einer  Miichtigkeit  von  nur  einein  oder 

wenigen  Xo|len  (tfl  dennaassen  mil  Ziihnen  und  Knochen  von  Fischen  und  Sauriern 
angefilllt  sind,   dass  sie  eine  fbrmliche  Knochenltreccie  bilden  und  Bone  bed  ge- 


\  I.    Mistorisrhe   ("leoln^ie.  380 

nannt  werden.  Die  hiiuiigsten  Fiseh/iilme  dieser  Scliiehten  gehoren  Ihbodus 
minor,  Acrndus  minimus  mid  Saurichthys  acumiiKitiis.  die  Reptilienreste  den 
Gattungen  No t hosau rus,  Termalosa  u  rus  und  Relodon  an,  wolche  den 
liassisehen  Plesiosauren  schon  nahe  verwandt  sind.  Aus  dem  Bonebed  und  zwar 
;ius  der  \iihe  von  Stuttgart  stammen  aucli  die  ben-its  ervviilmten  Ueulellhier- 
zahne  Mierolesles  antiquus  .  Die  obere  Ktage  des  Keuper  \vird  wegen  ihres 
Heielithunies  an  der  allgemein  verbreiteten  Avicula  contorta  Port,  als  Zone  der 
A\ir.  eonlorla  be/eiehnet. 

Vcrbroitunu;  der  Trias  in  Deutschland.  Die  q|>cn  boschriebene  eehte 
Trias  ist  eine  fast  ausseliliesslich  deutsche  Formation,  nur  bei  Basel  und 
am  Westabfalle  der  Voiiesen,  sowie  in  01)ersehlesien  Uberschreiten  ilire  iiusser- 
slen  Ausliiufer  die  Grenzen  Peutsehlands.  Innorhalb  dieser  lelzteren  kann 
man  \ier  unissere,  zuin  Tlu'il  sehr  ausgcdehnle  triassische  Territorivn  unler- 
schciden  :  das  norddeutsche ,  das  friinkisch-schwiibische ,  das  vom  Elsass  und 
Lothrintjen  und  das  oberschlesische.  So  gehoren  denn  die  Flussgeltiele  der 
\Vei-ra ,  Fulda  und  Leine ,  der  Unstrul  und  der  Saale ,  des  Mains  und  des 
Neckars  xum  iiriJssten  Theile  dem  Gebiete  der  Trias  an.  In  Norddeutschland 
nelmien  triassische  Gebilde  die  game  \veite  Fliicho  zwischen  Tliiiringer  Wald 
und  ]\;\n  ein,  so  dass  Weimar,  Jena,  Erfurt,  Gotha  und  MUhlhausen  auf 
triassisehem  Bo<len  gebaut  sind.  Von  Thiiringen  aus  dchnt  sie  sich  in  nord- 
\\estlielier  Richtung  ilber  die  Weser,  ilber  Pynnont  bis  in  die  Gegend  von 
Osnabrilek  und  Ibbenbtlhren  aus,  timgUrtet,  wenn  auch  zum  Theil  von  Jura, 
Kreide  und  Diluvium  Uberlagert,  den  westlichen,  no'rdlichen  und  ostlichen  Ab- 
fall  des  Harzgebirges  und  bildel  zahlreiche  Erhebungen  und  Rtlcken  in  dem 
IliiL-ellande  von  Hannover  und  Braunschweig,  sowie  in  demjenigen  zwischen 
Eisleben  und  Magdeburg  und  trill  endlich  in  Gestall  kleiner  isolirler  Inseln  bei 
Uineburg  und  l>ei  Rtldersdorf  (unwell  Berlin)  aus  dem  Diluvium  der  nord- 
deutsehen  Tiefebene  und  auf  Helgoland  aus  der  Nordsee  hervor.  Die  uord- 
deutsehr  Trias  ist  demnach  von  einem  Meere  abgelagert  worden,  Uber  (lessen 
Spiegel  (U-r  Mar/  als  eine  Insel  palaeozoischen  Ursprungs  hervorragle  und 
di-sscii  sildliches  Ufer  der  Thllringer  Wald  und  weiler  osllich  die  dyassische 
Zone  von  Saalfeld-Altenburg  bildele. 

l-'.in  noeh  bedeutenderes  Terrain  nimml  die  Trias  in  Silddeutschland  ein 
und  bildel,  nn  Allirfineinen  betraehtet ,  eine  \\eite  flache  Mulde,  welche  nord- 
iistlicli  vom  Fichlelgebirge  und  ThUringer  Walde,  \vesllich  \nm  Sauerlande, 
dem  Taunus,  den  Granit<?n  und  Gneissen  des  Seliv\aiv.v\ aides  und  dem  Rhein- 
thale  begren/.t  und  nach  Sdden  und  Osten  zu  von  den  jurassischen  Gebilden 
der  Rauhen  Alp  und  der  friinkischen  Schweiz  gleichfdrmig  Uberlagert  wird. 
Die  Stiidte  Hamberg,  \\iirzburg,  Heidelberg,  Heilbronn,  Stuttgart,  Ansbach, 
NUrnberg  und  Erlangen  liegen  im  Gebiele  der  stlddeulschen  Trias. 

Jenseils  des  Rheines  setzt  diese  Formation  das  ganze  Haardtgebirge ,  die 
grbssere  nordliche  Hiilfte  der  Vogesen  und  das  lothringische  IKlgelland  west- 
lieh  von  diesen  zusammen.  Von  diesem  ausgedelmten  Areale  aus  y.ielit  sich 
eine  schmale  triassische  Gesleinszone  in  nb'rdlicher  Richtung  zwischen  Luxem- 
burg und  Trier  hindurch ,  und,  (lurch  spiitere  Auswaschungen  in  einzelnc 


:>90 

Schollrn  /.ersehnitlen.  ilher  (ien.lslein  (lurch  die  Kifel  his  n;icli  dem  durch  sei- 
nrn  Bleiglanzbei^gbau  brriihmlrn  (lommern.  In  jedem  dieser  drei  \ 'erbreitungs- 
i:ebiele  der  Trias  sind  Hunlsandslrin  ,  Muschelkalk  und  Keuper  in  einer  von 
der  hesrhriebcnen  normalrn  Schichlenrrihe  nur  \vrnii:  abweiohendeti  Wrise 
zur  Ausbildung  gelangl.  Nur  in  jenem  ehen  envahnten  niirdlichrn  Ausliiufrr 
der  lothringor  Trias  ist  die  untero  Abthrilung  des  .Muschelkalkes  in  dor 
(lurch  sandigc  Bildungrn  verlrolon,  dass  sic  nnfiinglich  (so  bei 
nur  den  Wcllcnkalk,  wcilcr  uacli  .NOrdcn  auch  heroits  die  mktlere  Gru|)|>('  drr 
.Muschrlkalkroriuation  rrsrt/.rn ,  his  rndlirh  {-/..  \\.  an  drr  Attri't;  die  (irsaininl- 
inarhliiikeit  des  Musrhrlkalkes  auf  4,  ja  bis  7,11  rinein  Fusse  horahsinkt.  Dirst- 
ausserordrntlirh  sc-hwachr  Knlwicklung  des  Muschelkalkes  hrrritrt  auf  dir  (MIL:- 
lische  Facirs  der  Trias  vor,  \voselbsl  jene  Formation  gar  nicht  inehr  x.ur  Aus- 
bildmijz  lii'langt  ist,  sondern  wo  Keuper  direct  auf  Buntsandstein  lagrrt. 

In  drm  virrten  der  deutschrn  Iriassischrn  Districte,  dem  von  Oberschlrsirn. 
sind  allr  drri  Abtheilungen  der  Trias,  \venn  auch  in  wenig  vollslandiiirr  Knt- 
\\irklung  der  einzelnen  Glieder  vertreten.  Dort  bildol  dirsr  Formation  das 
\\rllige  F"Iachland  und  die  bis  zu  400  M.  hohen  Bodenerhrlningrn .  \\rlclir 
sich  aus  der  Gegend  von  Oppeln  und  Kosel  an  der  Oder  in  ostlicher  Ridituui: 
his  nacli  Polen  hinein  erstrrckrn  und  gr\\innt  durch  ihre  bereits  er\vahnlr 
l^r/fuhrung  eine  grosse  technische  Bedeutung.  Von  den  drei  UnterabtheiluiiLirn 
drr  Trias  hat  der  Buntsandstein  die  geringste  Ausdrhnung,  brschrankt  sicli 
auf  schniale  Streifen  am  Bande  der  Muschelkalkziige  und  wird  durchsclmitllich 
30,  seltener  70  Meter  machtig.  Der  Muschelkalk  bildet  einen  (il)er  10  Mri- 
Irn  langcn  und  1  bis  3  Meilen  breiten,  flachen  BUckrn,  \\rleher  sich  MMI 
Krappilx  an  der  Oder  ilber  Tarnouitz  und  Beulhen  bis  nach  Olkusz  in  Polrn 
ziehl  und  an  welchen  sich  beiderseilig  xahlreichr  Ausliiufer  und  isolirtr.  ins.-l- 
formige  kleine  Partirn  anschliessen.  Seine  Machtigkeit  betragt  fast  iOO  M., 
urn  denen  et\va  170  auf  die  unlere,  15  auf  die  mittlrrr  und  rl\va  rhrnsoN  irl 
auf  die  ol)ere  Ablheilung  des  Muschelkalkes  kommen.  Der  Kruprr  ist  in 
Oberschlesien  bis  200  M.  machlig,  nimmt,  freilich  zum  Theil  von  einer  Dilu- 
vialdecke  verborgen,  einen  gegen  100  Ouadralmeileii  grossen  Fla'chrnraum  im 
Nordrn  des  Krappitz-Olkuszer  Muschelkalkriirkrns  ein  und  l>esteht  aus  den 
Arquivalrnten  drr  wrstdrutschrn  I.ellenkohle ,  der  Mrrgrli-ruppr  und  endlich 
des  Bhiil.  Die  Trias  isl  somil  in  Oberschlesien  sehr  vollstundig  rrpriisrntirl. 
in  .Nirdrrschlrsirn  hingegen  sind  nur  Buntsandstein  und  Muschrlkaik  und  x,\var 
innerhalb  der  bereits  friiher  erwahnlrn  dyassischrn  Mulde  \un  l.oucnhrrg. 
Goldberg  und  Bunzlau  in  Gestalt  einer  schmalen  Zone,  die  sich  dem  Zerhslein 
anschmirgt,  verlrelen. 

La^cruiigsverhiiliniss  der  deutschen  Trias.  Dir  ScluVhtrn  d.M 
Trias  sind  iibrr\\  irgrnd  regrlmiissig  (lach  muldrn-  odrr  lellerformig.  /inn  Theil 
last  \ollkonmien  horizontal  gelagrrt  und  haben  nur  an  den  Handern  der 
(iehirge  et\\as  hrdrutrndrrr  Storungen ,  also  eine  steilere  Aufrichtung.  so\\  ie 
KnickuDgen  und  Biegungen  erlilten.  Kinen  Einblick  in  einen  drrai'ligen  rl\\as 
comj)licirlereii  Schichlenbau  gexviihrt  /..  B.  der  Hahneinschnill  bei  Sulze  in 
Thilringen,  \\o  die  Schiehlen  des  Wellenkalkes  virlfach  grknickt  und  gehrochen 


VI.    Hislori- 


301 


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siiul.    fine  Krsclu'inuiu:,   \\.-l.-hr  sirh    aul'  dor  dort   dinrhsi-t/rndi-n  Dislocations- 

s|);illt'    inciliMmcit    m'jji'ii   Osl    und   \\Vsl   forlset/l.      Almliclu-   Aufsclililssc   bioti-n 

sic-li  ini  'runnel  ties  llaurn-  rt 

slcini-s  iiu  .luraucltiivr.  \M» 

die     siiinintliclu'ii    Sohu'h- 

Icn    (It's    Roth,    dcs    Mu- 

srliflkiilkos   unil   ill's   kcu- 

|MT  ini-linnals  uclalU't.    SO- 

i:ar  jlbcri:rki|)|)t  sind,   l)is 

sir    t-mllirli    ini    silillk'lu'n 

Theili1  lies  Tiiiini-ls  ri-iit'l- 

iniis.sit:    \on    (li'iu   untcrt'ii 

Jura     Ubt-rlaizrrt     \vcrden 

siclit-    \:\ii.    i!6). 

Srhr  hiiulii;  siiul  ilif 
Schichlencomplexe  der 
Trias  von  sehr  betracht- 
lii-lu-n  Dislocalionen  be- 
(roIVfii  worden.  Dies  1st 
vor/Aiiisweise  in  tier  Niilir 

von  (Icbiriis-  und  llbhcn- 
xUii»-n  diT  Fall,  deivn 
Ictxte  Hebungsacle  in  post- 
triassisclie  Zeitriiume  fallen 
und  ilcr  Mcbuniislinie  par- 
alli-U-  Spaltenbihlunucn  in 

den   bcnaclibarlrn    Iriassi- 

si-ln'ii    (ii'birttm    im    Ge- 

folge   batten.     Diese   KUIII 

Tlu-il     sclu-     \\cil     ausiii-- 

di-hntrn      Spalti-n      uabcn 

Vcranlassun^    /.u    VCIANCI- 

t'unizrii.     in    Foliii-     dcrcu 

Muscliclkalk      odor     sclbst   • 

Kcupcr  in  das  Niveau  ilcs 

Huntsandsteinessankcn,  so      ( 

dass   sic  iiii-hi   sclten  un- 

Icr      Icl/.lri-rn     ein/ufallcn 

sc-hi'incn.      Sclir   iic\vohn- 

lich  sind  diese'Erscheinun- 

1:1-11  in  ThUriniicn,   (lessen 

Trias  von  mehreren,   drin 

Tliiiringer  \Valdr  /icinlich 

parallelen  Dislocatioiislinieii  dinrhsi-l/t  und  /.u   wiederholten  Mak-n  si-l.r 

ti'iid   \er\vorfiMi   \\ird. 


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302  VI.    Histnrisdie 

Audi  <lio  Trias  der  Vogescn  \\inl  \on  ciner  ct\va  1  .">  Mellon  langen  Dis- 
localionsspatte  durdiset/.t.  Der  \\estlich  von  derselben  gelegene  Gehirgslhcil 
ist  so  \\eil  beraufgeschobeo  \\ordei),  dass  die  unlerste  Trias  der  Yogesensnnd- 
slein)  den  in  der  (legend,  durch  welche  beislehendes  Profil  ge/ogen  ist  'siehe 
I;ig.  ^17;,  i:ti<)  1;.  hnhcn  Kainiii  des  Gebirges  bildet,  \\iiliiviid  dcr  ostlidi 
von  dcr  Verwerfun^sspalte  liegende  I-'liigel  dcr  triassisehen  Formation  in  dcr 
Ticfc  /urilckgeblieben ,  abcr  cine  Aufriditung  seiner  Schichten  erfjihren  lint. 
\\clchc  bci  dcr  Bmportreibung  des  Vogesensandstcincs  aufwiirts  geboirrn  und 
iicsclilcift  \Mirdon.  Znbern  liegl  auf  Muschelkalk ,  tiber  welchen  abcr  irri_'cn- 
\\jirliit  dcr  urspiiiniilidi  \veit  liefer  liegende  Vogesensandslein  inehr  nls  200  M. 
aufragt.  Die  Schidilen  der  Trias,  \\cldic  auf  der  gehobenen  1'artic  des  Bunt- 
sandstcincs  auflngern ,  haben  durch  jene  Hebung  ein  (laches  Kinfallen  nadi 
Westen  erhnlten.  -  -  Die  Anzahl  der  Beispiele  von  Schidilenstiirungen  triassi- 
seher  Ablagerungen  liessen  sich  aus  fast  jedem  Triasterrain  bedeuteixl  \ei- 
inehren. 

Lothringen  Vogesen  Elsass 

Lixheim  Pfalzburg        Zabern 


Fig.  217.     Profil  dnrch  die  Vogesen. 
a  Vogesonsandstem.  —  b  Buntsandstein.    -  c  Mnschelkalk.  —  d  Kouper. 

Eruptivgesteine  ini  Gelnete  der  dentschen  Trias.  War  die  <l\as- 
sische  Periode  das  Zeilalter  zahlreicher  und  gewalliger  Eruptionen  von  Por- 
phyren  und  Melaphyren ,  so  sind  wahrend  der  Ablagerung  der  Trias  Duivh- 
briiche  von  "luthflQssigen  Gesteinsniassen  auf  deutschen  Territorien  nidit  er- 
folgt,  so  dass  hier  die  gesaiiiinte  triassische  Schichtenreihe  ausschliesslidi  sedi- 
mentaren  Ursprungs  ist.  Audi  in  spiiteren  Zeitaltern  waren  die  Gebiete  deut- 
scher  Trias  nur  selten  der  Schauplatz  von  Gesteinseruptionen,  -  -  es  sind  allein 
Basalte  und  Dolerite,  welche  in  Ga'ngen  und  Stb'cken  den  Buntsandslein. 
Muschelkalk  und  Keuper  durchsetzen  und  isolirte  Kuppen  auf  deren  Ob^rflflche 
bilden:  so  Nephelindolerit  den  Kalxenbuckel,  Basalt  den  Steinsberg  bei  Weilei 
unweit  Heidelberg  und  zahlreiche  Kuppen  auf  dem  Slldabfalle  des  Thilringer 
Waldes  (die  Steinburg  bei  Suhl,  der  grosse  Gleidiberg  bei  Roinhild,  der  Geba - 
berg  bei  Meiniiigen},  sowie  in  der  Rhon  und  in  <ler  Uingebung  des  Vogels- 
berges. 

Die  englische  Trias  (New-Red-Sandstone-Group). 

In  England  sind  nur  die  oberslen  und  untersten  Glieder  der  Trias,  nidit 
aber  der  Muschelkalk  zur  Ablagerung  gelangt,  so  dass  der  Huntsandstein. 
\veldier  die  Basis  bildet,  nach  oben  unmittelbar  in  die  Keupennergel  ilber- 
geht.  Dcslialb  und  in  Folge  der  Versleinerungsannuth  jener  Schichtencomplexe 
ist  cine  sdiarfe  Trennung  /svisdien  Buntsandstein  und  Keuper  in  England 
unmoglich. 

Die   englische  Aei|iii\alenlbildung   des   deutschen  Bunlsandst  e  i  n  es    er- 


393 


Trias  in  Dcntschlaml  und  England. 


1  liiirini;.  n   und  Siiddvutsrhlund 

Oborschlcsion  und  Polcn 

England 

- 

e 

7 

Rhatische  Gruppe. 
Knochonbron-ie  (lionobod),  Knochen- 
und  Zahnfragini'iiti-.  von  KiM-hon  und 
!.'•  I'tilion,  sowio  mit  /ahiiPn  von 
Mi.-i. 
Sandstoino  init  Avioula  contorta, 
Tat-niudon  Ewaldi,  Anodontn 
postora,  Prutoi-ard.  Kliactii'Uin.  Equis. 
Lehmanniaiius,  Ptoropbyllum  I'.rau- 
nianuni. 

Rhatische  Gruppe. 
Hollewalder  Estherienschichten  mit 
K-tlu'ria  miniita. 
Wilsdorfor  Schichten  mit  pflanzen- 
ffihroinlc'ii  Spli;u>rosidoriton.  (1'teroph. 
Hraunianum,  Asplenites  Ottonis, 
Equis.  l.ehmaunianus.) 

Zone  dor  Avicnla 
contorta. 
Sandstoine  mit   Pos.  mi- 
nutii,  Avic.  contorta, 
Prot.  Kliaoticuin,  I'.onc- 
bed   mit  Acrodus,  llybo- 
dns,  Saurichtys,  (iyro- 

3 

to 

•Jd 

Jlittlerer 

Keupprmergel  init  SandstPinoii 
OdPrDiiluiiiittMi.  mil  Taeniopteris  vit- 
t.ita,  IVropt.  StuttgartPiisis,  I'toroph. 
Japgori,  Seminnutus  P.ergeri. 
K.  •upermergpl  uud  Thono  init  (!  y  p  1- 
I'iulagernngen  und  Labyrintho- 
donten-Resten. 

EigentlichorKeuper,  bunte 
Thoue,  welcliPii  die  Kalkstoine  von 
Woiscbnik,  die  Breccien  von  Lissau, 
die  Kohlon  von  I'lanowico,  din  Eisnn- 
stfiiio  von  I'oremba  (zum  Theil  mit 
^Sanricbtliys,  Termatosanrns), 
zwischengelagert  sind. 

Bunte  Mergel  mit  einzel- 

non    Sandstoinlagen,    so- 
wio mit  Gyps  und  Stein- 

Keupersandsleine  mit 

I  Illcrei- 

Feinkurnige  Dolomite  mit  Myophoria 
Goldfnssi,  Mastodonsaurus,  Cerato- 
dus. 
Lettenkohlengruppe  mitEqnis. 
arpnacpus,  Equis.  colninnaris,  Tae-. 
niopt.  vittata,  Posidoniaminuta,  Sau- 
rior-  nnd  Fischresten. 
D»lomit  in  Scbwaben. 

Lett  en  kohl  engruppe  vonGross- 
Strehlitz/farnowitz  n.  a.  0. 
(Graue  und  rothe  Thone  mit  braunem 
Dolomit   und  grunlicbem  Sandstein.i 

go  In. 

Dolomitisches  Conglome- 
rat  mit  Reptilien-Resten 
(Thecodontosaurus)  und 

Palaeosaunib). 

1 

\t  rio  drirbs  bailor  Kalk  odor 
11  a  n  [i  t  in  u  s  r  h  P  1  k  a  1  k,  Thonige 
KalkstoinplattPii  mitC'orat.  nodosns 
Nnnt.  bidorsatus,  Myoph.  ppsanspris. 
Obere  Terebratelbank  mit  Ter.  vnlga- 
ris.  Striatenkalk  mit  Lima  striata. 
Oborp  Troi-hitenkalke  mit  Encrinus 
liliiformis. 

Rybnaer  Kalkstein  und  Dolomit  (Opa- 
towiUer  Kalkstein),  Cerat.  nodosns; 
\ii-lc  l-'isdi-  und  Saurier-Reste,  Acro- 
dns,  Hybodus,  Saurichthys,  Notho- 
saurns. 

- 

-£ 

- 

MiltliTlT 

Anhydritgrnppp,  Dolomite,  do- 
Iniiiitische  Mergel,  Gyps,  Anhydrit, 
Stoinsal/.  und  bitum.  Kalko.  Va*t 
versteineruugsleer. 
E  b  <•  n  f  1  a  <•  h  i  g  e  K  a  1  k  p  1  a  1  1  r.  n. 

Mergolige  Dolomite,  versteinerungs- 
leer. 

M  u*r  he  U 

I  Illeivr 

/  Mergplkalk    oder  Wellenkalk   voll 
Myoph.  orbicularis. 
•    Bank  mit  Spirifer  hirsntus. 
(/  S  .-  h  a  n  m  k  a  1  k  ,  Mphlkalk  mit  sehr 
zalilreirhpii  Myopliorien. 
r  W  e  1  1  p  n  k  a  1  k  ,  Lima  lineata,  Myo- 
phor.  vulg.,  BUPP.  grptfarium,  Co- 
rat.  Buchi. 
b  Wellendolomit. 
a  T  ri  gnu  ion  ba  n  k. 

H  Himinelwitzer  Dolomit  mit  Cylin- 
drum  annulatum,  Myoph.  vnlgaris. 
/  Si-biuiinkalkartigor     Kalkstein    von 
Mikultsrhut/.  mit  Retzia  trigonella, 
Spir.  Ment/oli,  Rhynrh.  dpcurtata, 
Ter.  angusta,  Dadocr.  gracilis. 
e  Encriniten-  u.  Terebratpl-Schiohten. 
</  Schaumkalkiihnliche  Schichten  von 
Gorasdzo. 
c  Blaupr  Sohlenstein,  Tor.  angusta. 
Spir.  Mont/oli,  Cid.  transversa. 
b  Grauor   Kalk  von  Chorzow,  Encrin. 
liliifonnis.     Dadocr.  gracilis,  Ter. 
vulgaris.  Gerv.  socialis,  Pect.  disci- 
tes,    Pect.  laevigatus,  Naut.  bidor- 
satus,  Hybodus,  Saurichthys  u.  a. 
n  Cavern.  Kalk  (vesteinernngsleor). 

Fehlt 

X 

1 
O 

Wol  IP  n  do  lo  mit   mit  Khizocoral- 
lium,  Myoph.  vulgaris,  Gerv.  socialis, 
Gerv.   costata,    Cerat.    I'.uchi,    Pect. 
diM-ilo~.  Kr,  tli,  bunte  Thonp,  Mprgol 
und  Schieferlptten,  sowie  Gyps  ;  mit 
Myoph.  costata.  Chirntliorioiifabrton, 
Voltziaheterophylla,  EquisptiteH  aro- 
naceus. 

Brannrothe  Thono  und  dunngeschich- 
tetp,  weisse,  mprgolige  Dolomite  des 
Roth,   mit  Myoph.  rostata,    Gerv.  so- 
cialis, Gerv.  costata,  Cerat.  Buchi. 

Bnnte  Lctten  und  Sand- 

u  n  ts;i  n  il 

~ 

llauptbuntsandstein:  mach- 
tige  kleinkornige  Sandsteine  mit 
Thongallen  und  Voltzia  heteropliylla, 
An..inopt.  Mongeoti,    Equis.  arpna- 

.  .  •!!>,  Trcmatosaurus, 

Lose  woissp  Sandp  ;  sehr  murbo, 

>toine  mit  vorkioselten 
Conifnren-Stainmon  nnd 
Chirotnrion-Fahrton. 
Kioselige  Conglomprate.j 

- 

.l.l.I.I)Ufl 

I:  iintfl  Mergel  und  Schieferthone 
mit  (iyps,  in  Wechspllagernng  mit 
-i  hwarbon  Sandstoinlageriingpn. 
Rogenstein,  am  Harzrande. 
Vogesensandstein  indenVoge- 
sen  und  im  Scbwarzwalde. 

rungsleere  rothbranne  Letton. 

VI.     HistMrisrlic 

ivirhl  :?(•()  .M.  .Miiclitiiikrit  ,  hcsldit  \or\\;illcn<l  ;uis  rothlichen  und  LirUnlichen 
l.rlU'ii  and  rotlien  Sandstrinen  und  umschliessl  hier  und  d;i  verki«'.selU>  Coni- 
fVivn.sta'mmc.  \Vie  in  Deutschland,  so  sind  auch  in  England,  z.  B.  in  Stor- 
tun  Hill  bri  Liverpool,  Fusstapfen  von  Chirotheri  um  huuiig.  -  Der  Keu- 
per  beginnl  mil  l-r>0,  in  Cheshire  und  Lancashire  Uber  500  M.  miichtigen  Mer- 
geln,  \velclie  Posidonia  (Eslheria)  in  in  u la  ftthren  und  lenticuliire  und 
Iliitzartige  Einlagrruniien  von  Gyps  und  Sleinsalz  umschliessen ,  vvodurch  sie 
/in  Hauplsalzformalion  Englands  werden.  Auf  sie  folgt  die  Zone  der  Avi- 
eula  contorta  (das  Rhal)  bestehend  aus  sehwarxen  Schieferthonen,  sovvie 
aus  weissen  Sandsteinen  mil  Avicula  conlorta,  Prolocardi  um  Rhiili- 
eum,  Posidonia  miuuta  und  einer  dtlnnen  Lage  von  Knochenbreccie,  dem 
Hnnebed,  in  welchein  sich  Zahne  und  Schuppen  von  Hyl)odus  plicatilis, 
Saurichtys  apicialis,  Gyrolepis  tenuistriata,  Termatosaurus, 
also  mil  den  Resten  der  deutschen  rha'tischen  Knochenbreccie  identische  Ske- 
lelfraginente  erkennen  lassen.  Der  'unterste  Lias  Uberlagert  diese  Schichten 
gleichfbrmig. 

Die  New-Red-Sandstone-Formation  in  Nordamerika. 

Die  triassische  New -Red -Sandstone -Formation  besitzt  in  zvvei  Regionen 
des  nordamerikanischen  Continentes  eine  bedeutende  Ausdehnuns :  am  Ostab- 
falle  des  Alleghany-Systemes,  zwischen  diesem  und  dem  atlantischen  Oceane 
und  zweitens  in  den  Rocky  Mountains.  An  der  atlantischen  Kilsle  l>ildet  der 
New  Red  Sandstone  langgezogene  schmale  Streifen,  welche  den  Gebirgsriicken 
der  Alleghanies  parallel  laufen  und  trogartige  Vertiefungen  und  synklinale 
Thaler  innerhalb  der  laurentischen  uud  huronischen  Formation  ausfullen. 
Dieser  triassischen  Zone  gehb'rt  der  New  Red  Sandstone  an,  welcher  die  Prince- 
Ed wards -Inselo  (im  St.  Loreuz-Golfe)  ausschliesslich  zusammeuselzt ,  die 
I'omantische  Westkilste  Nova  -  Scotias ,  das  weite  Connecticut-Thai  bildet,  sich 
durch  New -Jersey,  Pennsylvania  und  Maryland  in  Gestalt  eines  schmalen 
Randes  zieht  und  in  Virginia,  Nord-  und  Sildcarolina  in  Form  zahlreicher  iso- 
lirter  Schollen  oder  Recken  auftritt.  Obwohl  sich  diese  triassisi-hon  Areale 
mil'  cine  Linie  von  Uber  250  Meilen  LUnge  vertheilen,  bleibt  sich  doch  ihr 
petrographischer  Gesammtcharakter  auffdllig  gleich:  Oberall  sind  es  rothbraune 
Sandsteine ,  die  einerseits  in  untergeordnete  Schiefer,  andererseils  in  Conglo- 
merate Ubergehen  und  hier  und  da  eine  Rank  von  unreinem  Kalksleine ,  bei 
Richmond  in  Virginia  und  am  Deep  River  in  Nordcarolina  werthvolle  Stein- 
kohlenflotze  und  Spharosiderite  umschliessen.  So  sind  bei  Richmond  \i»rr 
I  liil/e  aufgeschlossen ,  deren  unlerstes  sich  stellenweise  zu  20  M.  Machtigkeit 
aulliliiht  und  zum  Theil  direct  auf  laurentischen  Gneissen  auflagort.  Fast 
uberall  finden  sich  auf  den  Schichlenfliichen  des  SandsU>ines  Wellenfurchen 
und  Eindrtlcke  von  vorweltlichen  Regentropfen. 

Organische  Reste  sind  in  dem  nordamerikanischen  New  Red  Sandstone 
im  Allgemeinen  selten.  Die  aufgefundenen  Pllanzen  sind  Conifer  en  (Vollzia 
lu-U'ropliylla,  Cycadeeu  (Pterophyllum  longifolium ,  Podu/amilos  lanceolatus ,, 


IV.    llistorisdie 


Fame  iCIathropleris.  Peeopteris  Slutli:arlensis  und  I'-  q  u  i  se  I  a  ee  e  n  Eqniseti- 
les  eolumnaris \  besit/en  also  einen  ausiiesproeheu  Iriassisehen  und  /.war  Keu- 
peivharakter.  I'nler  den  thierisehen  Resten  aus  der  amerikaniselien  Trias 
\\ieiien  die  von  \Virbellhieren  bei  Weitem  Nor  alien  tlbrigen  vor  und  /war 
uehoren  sie  niehl  nur  Fisdien  und  Reptilien  an,  sondern  man  hat  aueh  miter 
ilmen  die  Spuren  \on  Siiuiiethieren,  vielleidil  auch  Vogeln  erkannt.  welche 
dann  im  Verein  mil  dem  deutsdien  Microlestes  die  iilteslen  Warmbliiler  auf 
Erd«Mi  repriisentiren  \\iirden.  Die  Fisehe  ;Calopterus,  Ischypterus)  sind  Ga- 
noiden  mil  seh\\adi  heterocercalen  Schwim/en.  -  die  Re])tilien  haben  nur  in 
selleneu  Fallen  Knoehenlheile  oder  Ziihne  (so  im  Bouelied  von  Phonixville  in 
Pennsylvania  .  meist  nur  ihre  Fusstapfen  in  dem  triassisehen  Schlamme  zuriiek- 
i:ela»eu.  Sie  sdieinen  /urn  Theil  von  Labyrinthodonten  her/uruhren,  sdi\\an- 
ken  in  ihrer  (iriisse  /wisehen  \\enii;en  Millimeter  und  0,52  Meter,  und  sind 
;><>  \ersduedenen  Speeies  /uizesehrieben  worden.  Das  colossalsle  derselben  ist 
Oto/oum  .Moodii,  dessen  llinterfuss  0,52  M.  La'nge  besass.  Dieses  Replil 
seheinl  v\ie  ein  Zwoiftlssler  auf 
den  Hinterbeinen  gegangen  zu 
sein  und  nur  dann  und  wann 
seine  Vorderfiisse  auf  den  Erd- 
boden  liebraeht  /u  haben,  da 
die  Eindriieke  der  let/teren  nur 
selten  deullieh  sind.  Zahlreiche 
andere  und  /\\ar  drei/ehige 
Fusslapfen  hat  man  von  Vogeln 
und  /war  \on  31  Species  her- 
i:deitel.  Mandie  dersellxMi  sind 
etvsa  O.(K{  M.  lanij  (Bronlo- 
/oum  L:ii:anleuiu  llitsch.  Fig. 
;Ms  .  so  <l,-iss  man  bei  ihrer 
Tiele  und  bei  der  Grb'sse  des  Schrilles  auf  Riesengestalten  schliessen  darf. 
\\dehe  den  Strauss  um  das  vierfache  und  selbst  die  Dinornis  von  Neusee- 
i.md  an  Dimensionen  (iberragt.  Kin  in  der  Trias  von  Nordcarolina  gefundener 
Unterkiefer  Droinatherium  s\lvestre  Einmons)  gehb'rt  iihnlich  wie  der  Slull- 
i:arter  Mierdesles  einem  Reuteltliiere  an. 

Oberrnschend  ist  die  Un/erlrennlichkeit  zahlreicher  dioritischer  und 
me  laph  \  ra  rlijier  Eru|)ti  vgesteine  und  des  triassisehen  New-Red-Sand- 
slones  \on  Nordamerika,  welche  Uberall,  selbst  in  den  kleinsten,  schollen- 
artiuen  Piirlien  der  letzleren  vergesellschaftel  auflreten.  Die  Eruption  dieser 
Diorile  und  .Melaph\n-  hat  wiihrend  der  Trias|)eriode  slaltiiefunden,  so  dass  sie 
/war  die  unteren  Ilori/onte  des  New  -  Hed -  Sandstones  durchbrochen  haben, 
dann  aber  als  einsliiie  Decken  in  Form  ausgedehnter  und  miiehtiger  Plallen 
den  sedimenliiren  Sdiiditenreihen  zwischengelagert  sind.  Sie  zeiehnen  sidi 
namenllieh  durch  zweierlei  aus,  durch  ihre  ausgepriigl  siiulenformige  Slrudur 
und  den  Reiehlhum  an  sie  beirleilenden  Mim-ralien.  Krsterer  verdankt  das 
Connecticut-Thai  einen  grossen  Theil  seiner  romautisehen  Schonheit  und 


Fig.  218.  Fussabdrnck  von  Brontozonm  (Ornithichnitos) 
giganteum  nebst  sog.  vorweltlichen  llegentropfen.  • 


VI.    Ilistorische 


Pallisadon 


Hudson 


sind  die  berUlimten   I'allisaden  des  lludsonflussos  oberlialb  New-York   (Fig.  219) 
die  Farade  des  Aus^ehenden  oiner  in  lauler  bis  130  M.   hohe  Siiulen  abgeson- 

(Icrten  Dioriteinla^e- 
rmiiz.  In  uenetischer 
Yerbinduiig  mil  diesen 
Dioriten  kommen,  v,ie 

bereits  angedeulet, 
zahlreiche  Mineralien 
vergesellsehaftet  vor 
und  zwar  theils  auf 
Kluftfliichen  in  den  Diorilen  selbst,  so  die  Apophyllite  und  Datolithe  von  Ber- 
genhill  bei  New-York,  welche  in  fast  alle  deutsche  Samtnlungen  m-langt  sind, 
fenu-r  die  Zeolithe  des  Cap  Blomingdon  in  Nova -Scotia,  das  gediegene 
Kupfer  und  Silber,  sowie  die  Kupferei-ze  von  New-Jersey,  theils  auf 

Die  Gliederuna:  der 


Fig.  21'.».     I'rofil  durch  dio  Pallisaden  oberhalb  New-York. 

Laurontisolior  syemtischer  GneisK,  —  b  Triassischer  Npw-Red-Sandtitoiip. 

c  Oiorit,  in  130  M.  hohe  Sanlen  abgesondert. 


Vorarlberg 

Bayern 
und  Nordtiiol 

Berchtesgaden 
und 
Salzkammergut. 

Niedor-                     R  ..  . 

tetorreicb 

Kliat 

Kossener  Schichten  (GervHlien-Schich- 

* 

Hauptdolomit   und  Dachsteinkalk   (Giiinbels 

Lunerschich- 
ten   mil   Gyps 

Carditaschich- 
ten 

(Raibler 
Schichten, 
Steinsalz  von 
Hall) 

Carditscliich- 
ten 

Opponitzer- 
schichten. 

Torerschichti-n 

Lunzerschich- 
ten  mil  Pflan- 
zen  des  Schilf- 
sandsteines 

Bleiberger- 

scliichtcii 
(Am.  floridu> 
Schichten  mil 
Myoph.   Keferst. 
I'ix  h-  u.  Pflan- 
zenschiefei- 

Reingrabener 

Schict'rr 
(Hal.  rugosa) 

Lettenkohle 

Ariberger 
Kalke 

(v.  Richthofen) 

Wetter- 
steinkalk 
Einlageruni.'en 
von  S.  Cassia- 
ner  Schichten 
iin  Hallstiidter 
odor  Wetter- 
steinkalk 

Hallstadter 
Kalke 

Zlambacher- 
schichtcii 
Reichenhaller 
Kalke. 
Salzgebirge. 
(v.  Mojsisovics) 

Schichten  <!«••' 
Amm.  Aon. 
(Gosslinger- 
schichten   zum 
Theil) 

Ei-zfiihrender 
Kalk 

Tuff  von 
Kallwasser  mil 
Cassiancr    Vcr- 
steiiierunt!(Mi 

Friedrichs- 

halltT  Kalk 

Partnach- 

schichten 

Partnach- 

Schichten 

Halobien- 
schichten  von 
Aussee 
Potschenkalk 
(v.  Mojsisovics 

(i(»s|jiii.'er- 
schichten  Li- 
polda 
z.  Th.  Halo- 
biensrhichten 

Wel- 
len- 

Virgloriakalk  mil  Dadocrinus  gracilis, 

Ruth 

Werfener  Schichten  z.  Th.,  incl.  untere  Guttensteiner  Schichten,  a.  Seisser  Schichten 

I'.nnl- 
sand- 

slrill. 

Sandstein  von  Groden, 

VI.    Mislorischf 


\\elehe  den  benachbarten  Nc\\  Hrd  Sandstone  in  der  Na'lie  des  (Ion- 
(ados  mil  dem  Diorito  durehset/en,  so  die  Selmerspalh-  und  Kuplerdanz- 
uiinuc  \(in  (Innneelieut. 

So  viel  uber  die  atlantische  Zone  von  Ne\\ -Red-Sandstone.  Die  Formation 
jrnseils  des  Mississippi,  welchc  man  ftlr  triassisch  anjiesehen  liat.  l><-- 
sleht  aus  xiegelrothen  Sandsteineo  und  Meriieln,  ist  reich  an  Gypsslb'rken,  he- 
dcrkl  urnsse  riiiclienraume  am  Ostahfalle  dor  Rocky  Mountains,  llberlagert  das 
Perm  un^leiehformiij:  und  unlerteuft  jurassisehc  Schichtcn.  Eine  derartifie 
Stellunii  der  lietreffenden  Formation  macht  ihr  triassisches  Alter  hbchst  \vahr- 
schcinlicli,  wenn  aueh  ori;aiusehe  Reste  aus  derselben,  abgesehen  von  (Mni^i-n 
Coniferenholzern,  nicht  bekannt  sind.  Endlich  mag  glcich  an  dieser  Slellc  bc- 
merkt  \\erden,  dass  im  a'ussersten  Westen  des  noramerikanischen  Conlinentcs, 
in  der  Sierra  Nevada,  Kalkc  mil  Resten  der  alpinen  Trias  auftrcten. 


alpillOll  Trias  nach  Emmrich. 


Idria 

Vciiftien 

Sndtirol  im 
0.  der  Etsch 

Siidlirol  im 
W.  der  Etsch  . 

Lombardei 

ten,  Avicula-contorta-Schichten) 

untiTf  Diiclisteinkalkc,  Dolomia  Media) 

RaiMcrkalk  mil 
M\oph.  Kefer- 
stcini 
Lunzer  Sandstein 

Raibler  Schich- 
ten 

Schichten  von 
Heiligen-Kreuz 

Schirhton 
von  Gcrno  und 
Dossena 

Schichten  mil 
Myopli.  Kefer- 
steini 
(Schlernplateau) 

Rciiif:ra!>cner 

Srliicfcr 

Doloinjl 

Hallstadtcr  Kalke 
und  Dolomit 

Schlerndolomit 

Dolumit 

Kalk   von  Ardesc 
(Esinokalk 
von  Hauers) 

llal<il>ii'nsc|iic|i- 
tcn  urid  TufTe 
St.  C.assiano) 

Tii  He  mil 
lliil«hia  Lommeli 
und  SrliirhliMi 
mil 

r,;i-sj,iiicr  Vi-r- 

•teineningei 

kcn|iei>aii(lstrui 

St.  Cassianer 

Schiclilrn 

lliiluhiiMischirh- 
Ifii  und  Tuffe 

Buchensteiner 
Kalkc,  (v.  Richt- 
hol'cn:   \ViMi.-<T 
Schiclilcn 
(Halobien- 
schichten) 

llalobicn- 

sclliditrn 

Rotzia  tritronclla,  Spirifer  Montzi-li  etc. 

mil  Posidon.  Clarae,    b.  Campiler  Schichten  mil  Naticella  costata,  Ceratiles  Cassianus 

WerfeniT  Schii-litcn  zuin  Tlieil 

il'.IS  \  I.     Hi.-i.iri-.rln- 


Die  Trias  in  den  Alpen. 

\\~ie  iins  (Icin  oben  Gesaglen  her\org<>ht,  li;it  die  Trias  in  jedem  ihrcr 
limgsizrbirte  eine  andere  r'acies  erhallen.  In  Deulschland  zeiehnele  sir 
sich  diirch  die  schaiie  Dreigliederuiig  iius,  \\elcher  .sic  ihrcn  Namen  \er- 
dankl,  —  in  Kngland  \\aren  nur  die  oheren  und  unteren  Ilori/onle,  nicht 
•  iltcr  der  .Musclielkalk  y.ur  Knlnickelung  gelan;.:!.  in  Nordamerika  k;inn  \nn 
einer  der  iiorm;ileii  Iriassischen  analogen  Gliederung  des  Ne\\  lied  Sand- 
slone  gar  nichl  mehr  die  Rede  sein,  auf  dcsscn  Aeqqivalenz  mil  der  oberen 
deulseheii  Trijis  nur  einiue  \\cniue.  heiden  geinein.Siiine  orujiuische  Uesle 
hin\\ei.sen%  —  am  \\eileslen  aber  weicht  die  Trias,  wie  sie  in  den  Alpen 
/iir  KnUvirkeluni:  pelanut  ist,  sowohl  in  petrographischer,  \vic  palaeontolo- 
uiM-liei-  He/iehunu  von  alien  iibrigen  ab.  War  auch  das  Vorhandensein  des 
Mnsehelkalkes  in  den  Alpen  schon  vor  60  Jahren  nachgeNviescMi  \\orden.  so 
bedurfle  es  (Inch  andanerndster  Studien,  ehe  Klarhcit  in  die  Seliielitenreilie  un- 
teiliallt.  nainenllich  aber  oberhalb  dieses  Horizontcs  der  alpinen  Trias  gehmgle. 
Abgeselien  \on  ansserordeiillich  coinplicirten  Lagerungsverhiilnisscn,  Zersiiick<-- 
Inngen  und  Knickungen.  sowie  von  der  vollkominenen  Unahnlichkeil.  \\elelie 
die  einzelnen  Schichlengruppen  an  gar  nicht  weit  von  einander  enlfernlen 
Punkten  besilxen,  ferner  abslrahirt  davon,  dass  die  deutsche  Keuperibrniation 
eine  vvenig  inachlige  Strand-  und  Buchlenbildung,  —  die  alpine  Oberlrias  eine 
viele  Tausend  Fuss  machlige  Ablagerung  des  hohen  Oceans  1st,  war  es  die 
Vergesellschaflung  von  echt  palaeozoischen  Organismen,  die  man  fur  la'ngsl 
ausueslorben  hielt,  mil  den  Resten  einer  gewissermaassen  verfriiht  erscheinen- 
d(>n  lypischen  inesozoische  n  Thierwelt  (Orlhoceras  .  Nautilus,  Goniatites, 
Ceratiles,  Ammonites,  Belemnites)  innerhalb  gexvisser  Abtheiluugen  der  alpinen 
Oberlrias,  die,  \veil  bis  dahin  fllr  unmbglich  gehalten,  rathselhaft  sein  musste. 
Aus  den  neuesten  geoloLrisehen  Untersuchungen  geht  jedoch  hervor,  dass  sich 
ti-(»t/  aller  Verschiedenheiten  auch  in  den  alpinen  Aequivalenlbildunizen  der 
deutschen  Trias  eine  dreifache  Gliederung  gellend  machl.  Man  hat  es  jedoch 
aus  palaeonlologischen  Grilnden  fQr  7Aveckmassiger  gehalten,  die  alpine  Trias 
nur  in  /.\\ei  urosse  Ablheilungen,  nelunlich  eine  untcrc  und  obcrc  zu  x.er- 
fallcn.  (Sielw.  die  tabellarische  Cbersichl  uber  die  alpine  Trias  auf  Scite  396 
und  397). 

I.  Untere  alpine  Trias. 

I  Der  Grbdener  Sandslein  und  die  NVerfener  Schichlen.  Irn 
nordlichen  Tirol  und  in  Sal/burg  beginnl  die  Trias  mil  schieferigtMi  .  rolhuriin 
odcr  urau  gefiirblen  Sandsteinen,  den  NVerfener  Schichlen,  \\elche  nainenl- 
lich Posidonomya  (Monotis)  Clarac  Buch  (Siehe  l;ig.  22-1),  so\\  ie  Sieinkerne  \on 
M\aciles  Fassaensis  Wissni..  Naticella  coslala  MUnst.,  Ceraliles  Ciissianus  Oucnsl. 
fiihren.  I  line  et\\;is  andere  l;;icies  besilxl  die  unlersle  Trias  in  Siidlirol.  \\o 
sie  ;ils  ein  Complex  von  versleineninL'sleeren  Sandsteinen  (Grodener  Sand- 
stein  erscheinl,  \\elchcr  von  dUnngeschichlelen  Kalksleinen  mil  den  oben  ge- 


VI.    Historische  Geologic  :>-*-> 

nannlen  organisehen  Resten  (Seisscr  Kalke)  uberlagert  \vird;  und  endlieh 
in  den  lombardischen  Gebirgen  ,  \vo  glimmerroiche  Schiefer,  Sandsloino  und 
Conglomerate  mil  Yoll/ia  heteroplnlla  auftreten  Servino.  In  den  Nord- 
alpen  folgen  auf  die  Werfener  Sehieliten.  und  y,\\ar  mil  ihnen  dureh  \\ "echsel- 
lagerung  eng  \erkniipfl,  die  (>  u  1 t  e  nst  e  i  n  er  Kalke.  scli\\ar/,e  oder  dunkel- 
grane,  (lurch  Kalkspath  \\eiss  geaderle,  dUnnschichlige  Kalksleine,  welche  in  den 
niirdliehen  Alpen  den  llauplzug  dor  Werfcner  Sehieliten  als  eilie  ineist  nur 
Nvenig  machlige  /one  begleilen  und  z.  B.  Ceratiles  Cassianns  und  Naticclla  co- 
stala  nihrten.  In  Sildtirol  sind  die  hierher  i^ehorigcn  incr^eliiien  Sandsleine  und 
Kalksleine  mil  Ceratiles  Oassianus,  Nalieella  eoslata,  Myacitcs  Fassaensis,  I'eeten 
diseiles.  Lima  striala  als  Gampilcr  Schichten  bexeichnet.  Dieso  gesamnite 
Seliichteni:rupp(>  ist  als  cine  Aquivalontbildung  dcs  Buntsandsteines  und 
des  Hiith  x,u  hetraehlen. 

2}  Die  Virgloriaka  Ike  (Trigoncllon  -  Schichten} ,  harle,  kieseliiie  Kalk- 
steine  mil  \\ulstiiien  Schichtungsllachen,  sclten  mchr  als  30  odor  40  M.  iniieli- 
tig.  mil  Kncrinus  liliiformis  Schlolh.,  Dadocrinus  gracilis  Buch.  Hel/ia  Irigonella 
Sehloth..  Ten-bralula  vulgaris  Schloth.,  Torel>ratula  angusla  Schlolh.,  Hhyncho- 
nella  deenrlata  (iir. ,  (leralites  dux  Giob.,  Spirifer  Mcntzeli  Dunk.,  Spirifer  fra- 
i:ilis.  (ierxillia  soeialis  Schlolh.,  Lima  slriala  Schlolh.,  Myophoria  vulgaris  Schlolh. 
Diese  siimmilichcn  organischcn  Hesle  sind  l.eitfossilicn  des  deulschen  Muschel- 
kalkes,  mid  /war  /inn  Theil  Uber  fast  ganz  Deutschland  verbreilel  so  Kncrinus 
liliiformis,  (lervillia  soeialis,  Lima  slriala,  Rel/ia  Irigonella,  Myo]>horia  vulgaris  , 
zum  Theil  aber  charaklerislisch  fllr  die  untere  Ablheilung  des  oberschlesischcn 
.Mnselielkalkes.  Der  Virgloriakalk  crvveist  sich  somil  durch  seine  Versteinerungs- 
lilhrung  als  Kepi-jisentant  \\enigslcns  der  unteren  Gruppe  des  deutschen 
Muschelkalkes,  des  Wellenkalkes. 

Die  nun  folgenden  Schichtengruppen ,  vvelche  als  obere  alpine  Trias  zu- 
s.immengefassl  werden ,  seheinen  als  die  hochpelagischen  Acquivalenthildungen 
der  ausserhalb  der  Alpen  aus  einem  seichlen  Meerc  abgclagerten  Keupcrfor- 
malion  anges|)rochen  \\erden  /.n  miissen,  obwohl  die  Moglichkeil  nichl  fern 
liegl  .  dass  die  direct  anf  die  Virgloria-  (also  Wellen-)  Kalke  folgenden  Com- 
plexe  rarlnach-  und  Halobien-Schichlen)  ein  Acquivalent  des  deulschen  llaupl- 
nmsch(¥lkalkes  sein  mo'gen. 

n.    Obere  alpine  Trias. 

Dem  Sludium  der  obercn  alpinen  Trias  \verden  namenllich  dadurch  grosse 
Seliuiei'igkeilen  bereilet ,  das  ihre  ein/.elnen  (ilieder  an  selbsl  nur  \venig  von 
einander  enlfernlen  I'nnklen  in  ganz  \erschiedenarliger  pelrographischer  und 
palaeontologiseher  h'acies  enl\Nickelt  sind.  Doch  treten  aus  der  Qber  1000  M. 
ma'chligen  Seliiehtenreihe  folgende  Zonen  hervor ,  \\elche  als  Orienlirungsmillel 
dienen  konncn : 

1)  Banke,  reich  an  11  a  lob  ia  Lonnneli  Wissm.  (Fig.  220),  mil  denen 
die  obere  Trias  uberall  beginnt,  ohne  dass  jedoch  der  cbcngenannle  /\veischa- 
ler  anf  dicse  Schichlen  beschriinkl  wHre,  vielmehr  sleigl  derselbe  durch  die 
ganz  obere  Trias.  In  Nordlirol  und  Voralberg  folgen  auf  die  Ilalobien-Bankc 


Inn 


VI. 


die  Part  iiiicli-Scli  irhlen,  dunkrlr  Morsel  und  llornslrin  filhrendr  R'alke, 
namenllirh  aber  Sandslrinc  mil  I.  r  t  I  <•  n  k  o  li  I  r  n  p  f  I  ;i  n  /  r  n  .  .so  I'l  r  ro  p  h  \  1 1  u  m 

Gttmbeli  Slur,  Equisetftes  arfr&acents  Brong.,  ferner  mil  Barir\  1 1  ium 

Sell  in  id  i  II  ccr.  rbcrlai:rrt  \\crden  diese  Parlnarli-Sehirhlen  von  izrlblidi 
urauen  odor  \veissen,  hiiufiii  brercicnartigon  Doloinilen  (Parlnach-Dolomit.  oder 
Miittlciv  NVciiucncr  Scliichlcn  .  (h-rcn  Miichlitzkcil  his  illx-r  300  M.  iinslciiil. 

2)  Das  S;i  I  /.  iic  l»i  riic  dcs  Sal/.ka  in  nuTgules  von  llallein,  Aussrc. 
Isclil.  Mcrchlcsiiadcii.  Hcidicnliall  und  in  (lessen  Maniicndem  rothc  Mci^rl  VOID 
Atissrlicn  dcr  KcujM-niirrgol  und  dariibcr  scli\var/.e ,  weissgeaderte  Kalkstcinc 
HciclicnhalliM-  Kiilkc).  Uas  Salz  trill  cnhNt-dcr  in  omfangPeichereri ,  rcincn-n 
Masscn  als  Kernsalz  auf,  oder  isl  in  chirm  rauhgraucn  Thonc  mil  (jyps  und 
.\nli\dril  fein  eingesprengl  (Haselgcbirge; .  Das  Iclzlcrc  bildel  Slocke ,  \vrlchc 
von  hraunlichcn  Schicfern  mil  ausgexeichnelein  FeUglanze  (Lebcrgcbirar  man- 
telarlig  unihillll  vverden. 


Fig.  22(1.    Halobia  Loramcli' 
Wis  sm. 


Fig.  221.  'Po'sidon'om  ya  C'larae 
Buch. 


Fig.  222.     C'ardita  urcnat.i 
Goldf. 


Fig.  2it.     Mypphoria  Kefers  tci  ui 
M  u  n  s  t.  (Eaibliana). 


Fig.  221.    Ara  m  o  ni  tes  f  lo  ri  d  u  s  Wu  1  f. 

:5    Die    Hallstiidlor   Kalkc.      Lichtrolhc    odcr   \vcissc    dichlc    KalksU-inr 


mil  niuschcligem  Bruche,  zum  TliiMl  hunlfarbiii  und  dann  marmorarlii; 
ncl.  \\clclir  NOO  bis  1000  M.  Marhliiikril  crrrirhrn  und  sicli  namrntlirli  (lurch 
ihrcn  ausscrordcnlliclicn  Rcichlhum  an  C  c  phalopodcn  und  x.\var  \or/lli:- 
lich  globoscn  Ainmonitcn  und  Orlhoceratiten  auszrirhncn,  /.u  dcnrn 
sich  noch  riniizc  Nautilus-  und  Ce  rati  tcs-Arten  gescllcn.  Als  cinip-  dcr 
islen  und  charaklcrislischslcn  Lrilfossilirn  diescr  (lrup]>r  sind  clwa  fol- 
/.u  iicnncn  :  Ammonites  Mcllernicln  Hau.,  Ammon.  .lohaunis 
A  u  striae  Klipst.,  A  mm.  lorn  a  I  us  Bronn  (Fig.  22o,,  A  mm.  florid  us 
\Vnlf.  (Fig.  224),  Orthoceras  alveolare  Quenst,,  Ortli.  dubium  Hau. 
\'\ii.  226),  Ceralites  modestus  Buch.  uud  endlich  Monolis  salinaria 


\  I.    Ilislorisclit- 


401 


Broun,  \\vK-hc  u.in/.r  Kalkslcinsdiirlilni  iinl'iillt.  Ilicrbei  1st  jedoch  zu  be- 
im-rken.  d;iss  die  (.||(M|  angH'ilhrteMi  OrtluH-eratitcn  von  Mojsisovics  als  dttnn- 
schalige Scheiden  ernes  BeleuHtitiden  aufgefasst  \\erden,  welche  mil  cincm  lan- 
gfii.  spitewmkeligen  I'hr.-iizmoromis  versehen  \\aren  und  als  A  ulaeoceras  anf- 
getuhrt  \\mlen.  .Man  hat  in  dcm  Hallstadler  Kalke  XAVCJ  Horizonte  unterschie- 
•  l<-n.  cincii  unlcrcn.  den  des  Ammonites  MetttT- 
nidii.  mid  (.jncn  (»ln-ivn,  den  des  Ammonites  Ao- 
iididcs  .Mojs.  l)i<-  <;«'|>hal<)|>od<Mi -Fauna  des  ersteren 
j;«'hnrl  ihiKMi  last  »anx  ausschliesslirh  an,  die  der 
It'l/.tt'ivn  al.cr  stcijil  xum  i^rossen  Theile  in  die 
nii.-lisi  Imlirivn  Schichtengruppen  der  oberen  alpinen 


ig.  22").     A  in  in  .MI  i  1 1'.-  toruatus  Uronn. 


Fig.  226.    Orthoceras  dubiu  m 
H  a  u  e  r. 


Iri, is.  iiiiniiich  in  die  Gnrdita-,  Raibler-,  Cassianschichten  hinauf  und  verknUpft 
sir  auf  das  innigslr  mil  dcm  Hallstiidter  Kalke.  Dieser  Ahnlichkeit  des  palaeonto- 
loiiisrhcn  Charaktcrs  \\egen  werden  die  Cassianschichten  von  manchen  Geologen 
als  Aequivalentbildungen  der  HallsUidter  Kalke  aufgefasst,  wie  es  in  umstehen- 
der  Tabelle  geschehen. 

4)  Die  Cassia  ner  Schichten  in  den  sUdtiroler  Alpen,  —  die  Car- 
<liia-Schichten  der  nordtiroler  Alpen,  -  die  Raibler  Schichten  der 
Karnisrhrn  Alpcji.  cine  prtrot-raphiseh  sehr  vielgestaltige  Gruppe  von  grancn 
nii'i-ufliijfii  Kalksicinen,  dunkelbraunen  bis  sch war/en  Schiefern,  bilumin5sen 
ddnnblaUerigen  Mfi^clscliicfern,  sowie  Oolithen,  ausserordentlich  reicli  an  or- 
^amsclit'n  Hesten,  von  wclchcn  A  mm  on  Mrs  Aon  MUnst. ,  Ammonites 
II  or  id  us  Wulf.,  O  sir  ea  Montis  Cap  ril  is  Klips  t.,  Corbula  Rosthorni 
Boue,  Myophoria  Kefersteini  MUnst.  (Fig.  223),  namentlich  aber  Ha- 
lo I,  i  a  rugosa  (iilmlx-l  und  Card  it  a  crcnala  Goldf.  (Fig.  222)  die  br- 
/riclincndsti-n  sind.  Audi  Sandsteinc,  \\clclu-  Volt  z  ia  hcl  crop  h  y  1 1  a  Brong. 
nnd  Tacnioptcris  villala  Bronn  ftlhren,  und  die  fischreichen  bituminoscn 
Schidcr  \on  haibl  gehoren  dieser  SchichttMigruppc  an. 

•">     Ma. -lisle  in-Ka  I  ke    der   Norischen    Alpen    nnd    o'sterreichischen    Vor- 

alpcn,    dichte   oder   feinkornigc.    \\rissr,    udhlich lei-  graue,    bis  700  Meter 

inaYliti-r  Kalksirin,.  mjt  dcm  bis  fussgrossen  Megalodus  tricjueter  Wulf. 
Sic  \\crdcn  /urn  Thcil  durch  die  versteinerungsarmen  Massen  des  Haupt- 
dolomitcs  vertreten ,  welcher  wUste ,  nackte,  steilansteigende  Bergstocke 
bildet. 


Credner,  Elcmente  d.  Geologie. 


26 


•102  \  I.    Ili-toriM-he   Geologic. 

(1  Hli  ii  t  i  sc  lit-  (i  r  ii  |>  |x> .  K  <>ss  e  n  e  r  Se  h  i  e  h  I  e  n  ,  /one  tier  .  \\ieula 
contorta.  (i  c  r  \  i  1 1  i  ;i  -  S  c  Ii  ic  Ii  t  c  n  :  meisl  dunkelgraue  .  diehte.  dunnschieh- 
tige.  scliNNiir/liehe  Thonmergel  mid  Mergelsehiefer.  leiehl  \er\\  illernd .  10  his 
:in  Meter  miiehlig.  mil  A  \  i  r  u  I  a  con  t  o  rt  ;i  Porll.,  1'rot  oc;i  rd  i  u  in  Hliiili- 

ciini      \lrii, in.       del  \illi. i       iiill.il.i      Sehafh.,      <ier\illi;i      p  r.u-i- n  r-Mir 

Qut'iisi..  Peeteu  Yaloniensis  Defr.,  -  cine  Aequtvaleotbikiung  des 
Deiitsehen  Khiil  mid  del1  Englisehen  GootOTta-Zone.  Dasselbe  kann  \\ahr- 
scheinlieh  NOII  den  Grest  e  ner-Seli  i  eht  e  n  gesagl  \\erdt-n.  \\elehe  .ml  der 
Nordseitc  dcr  iistlichen  A I  pen  von  Wit-n  l»is  (imunden  die  Yirdoriii  -  K.ilkc 
Qt>eriagern,  ;ms  i«i-;iiicn  Sandsteincn  nml  SchieferthoneD  ln'sU-licn  und  fine  ;ms 
h-i.-issiscluMi  und  liiissisclim  Forincn  iit'int-niilc  Flora  und  Fauna  niiisrlilit'ss.Mi. 
so  Equisetites  colurninaris,  Equ.  aivnaceus,  Tarniopleris  \itlala.  I'trropliN  Hum 
lonfiifolium ,  -  Pecten  liasinus,  Spirifer  roslratus,  T»'rebratula  cornuta.  Die 
Stivitfrain1 .  ol>  derartige  vermittelnde  Zwischebgiieder  /.ur  Trias  oder  xiun  .lura 
zu  zielien  seicn.  isl  cint'  niussiiie. 

Auf  die  Kossener  Schichten  folul  an  \ielen  alpincn  Localitiitm  drr  crhtc 
uiilfi'stc  |.i;is.  die  Zone  des  Ammonites  planorbis. 

Eruptivgesteine    <ler   alpineu  Trias.     lm    auflalli^sien    (it^t-nsat/f    /u 

dfin  volIstSfidigeD  Ausschluss  gleiehalleritier  i'rupli\er  (iesleine  innerlialh  der 
nonnalen  deulsehen  Trias  ist  die  entsprechende  alpine  Formation  reich  an 
Gesteinen ,  deren  Eruption  in  den  Verlauf  der  triassischen  Periode  falll.  hc- 
sonders  /.ahlreieh  \\aren  die  Durchbriiche  der  maimigfalligsten  ^lullidiis.si^en 
(iesleinsmassen  in  Sildlirol.  Dort  werden  die  (ilieder  der  Iriassisclien  Seliieli- 
tenreilie  durclisel/.l  \on  Au  gi  tpor  p  h  \  i  .  der  an  der  Seisser  Alp  in  (it-stall 
eines  miieliliiien  Laiiei-i-aniies .  so\\  ie  /ahlloser  kleiner  Gauge,  im  Latemar  als 
gewaltiger  echter  Gang  auftritt,  /um  Theil  ausue/.eielmel  sSulenformig  abge- 
somlert  ersclieint  und  selir  geuolmlich  mil  TufVablagerungen  und  Heibungs- 
breeeien  in  Verbindung  steht.  M  e  I  a  p  Ii  \  r  dureliset/t  nicht  nur  die  untere 
Trias,  sondern  auch  den  Augilporplix  T  in  Gangfoi'in  und  breitet  sieh  bei 
Preda/./.o  /u  einer  ausgedehnlen  Decke  aus.  S  yen  it  bildet  den  miiclitigeu 
Gebirgsslock  <les  Mon/oni :  H  \  persl  lie  n  it  sel/.t  in  Form  ^l>  l>is  :{0  Meier 
miielitiger  (iiinge  aussehliesslieh  in  jenem  auf;  Turniali  ng  ra  n  i  t  bildet  eben- 
falls  in  ihm  eine  stockformige  Kuppe  und  /.alilreiclie  kleine  Giinge.  und  endlich 
Porph\rit  dureliset/.t  als  das  jiingsle  der  dortigen  Erupli\gesteine  in  ein/el- 
nen  (iiingen  alle  \tirlierer\viihnlen. 

In  genetiscliem  /usammenliange  mil  diesen  Eruptionen  steht  die  rm\\an- 
delung  des  Iriassisclien  dichlen  Kalksleines  in  sflinee\\eissen,  /.inn  Theil  grob- 
kryslallinisehen  Marmor.  \\elche  sieh  fast  iiberall  in  tier  Niihe  ties  (lontactes 
mil  dem  Melaphvr.  deni  Augilporph\  r  und  Sxenit  /eigt.  In  deiu  triassisehen 
Marmtir.  \\eleher  an  die  Naehbai  sehaft  des  Sveniles  gebunden  isl.  stellen  sieh 
aiisM-rdem  als  fernere  Produele  der  (innlaelmetamorphose  Gi'anal-.  N'esiiNian- 
uinl  <ielilenilk|-\slalle  em. 

>eit  dt-r  genaueren  Erforsehung  der  alpineu  Trias  haf  man  Fdrmalionen 
von  einer  ilberraschend  ahnlichen  Faeies.  /um  Theil  mil  ein/.elnen  idenlisehen 
Species,  in  der  Sierra  Nevada  in  California,  auf  Spit/.bergen .  im  nurdlirhen 


VI.    Ilistorischc  (ieolouie.  4(1'.? 

Sibirien  iiinl  ,1111  llimala\  ;i  kennen  gelernl.  Ms  /ei^t  sieh  soinil.  il;iss  die 
alpine  Facies  der  Trias  niclil.  \\  ie  in. m  anlanglich  geglaubl,  eine  ralhselhal'te 
l.ocalbildung  sei.  sondern  \ielmehr  der  eigenlliche.  \\esentliche  und  normale 
Uepr.isenlanl  der  Iriassischen  Meeresniederschlaije.  ~  die  deulsche  Trias  liin- 
LM't-cn  nichl  die  iNpische  und  maassgebende,  sondern  nur  eine  locale  Facies. 
fine  i'ler-.  Hncliten-  und  Hinncnmcei  bildung  isl.  Alpine  Trias  und  deulsche 
oder  en-lische  Trias  \erliallen  sieli  deinnach  ungetahr  /.u  einander  \vie  Kohlen- 
kalk  und  Culm  oder  \\ie  diis  eclite  l>e\on  und  der  Old  red  Sandstone. 


Der  Jura. 

.Mil  dem  Hetiinne  der  .luraperiode  Iritt  uns  eine  neue  Fauna  von  Uber- 
i.isc  lirmlem  Forinenreielilhuine  enlttesien :  eine  Fillle  \  on  neuen  (Jeslallen. 
\\enii;er  sellsam  als  in  den  palaeo/oisclien  /eilallern ,  aber  im  Ver^leiclie  mil 
der  .let/t\velt  iininer  nodi  freindartiu;  iJjenuiz,  ersclieinl  auf  der  Weltbiihne.  Die 
helemniten  stellen  sich  in  Un/ald  ein,  die  bisher  verhiiltnissmiissii'  nur 
sparliclien  Animoniten  erreiclien  eine  enornie  Entwickelung  und  Uberlrell'en 
alle  iiltriizen  He\vohner  des  Meeres  an  Zahl  der  Individuen  und  an  Mannii;- 
faltiukeil  ihrer  Form  und  der  Xierralhen  ihrer  (iehause.  Die  Korallen  haben 
den  I  \pns  der  Neii/.eil  ani-enommen  und  enlfalten  eine  l)edeutende  riflbauende 
Thiiliiikeil.  die  S  e  e  sell  \v  ii  in  in  e  ,  die  Seeigel  und  /.ahlreiche  Molluskenjie- 
schlei -liter,  namentlich  Gasteropoden,  (unter  diesen  die  Nerineen  und  Strom- 
liiden  ,  ferner  die  Triuonien,  Pliol  adoni  y  en ,  sowie  die  auslerarliizen 
Miischeln  Ostrea,  Gryphaea,  Exogyra)  gevvinnen  eine  ausserordenlliche 
\erlneiluiiii  und  Iliiuligkeit.  Audi  die  typischen  langschwiin/.iuen  Decapoden 
erscheinen  /uersl  in  i-rossei-er  /ahl.  Die  l;ische  haben  /war  die  ungleichlap- 
piuen  Sch\\an/tlossen  verloren,  welche  so  charakteristisch  fUr  frilhere  Zeilalter 
\\aren.  i;ehor«-n  alter  siimmtlich  ausgestorbenen  Gesehlechtern  an  und  be- 
schriinkeii  sich  anl  (ianoid-  und  K  n  o  rpe  I  I'isc  he  .  \\iihreixl  Teleoslier,  die 
iMossr  Masse  der  lieiitigen  Fischwell,  dem  jurasischeii  ZeiUdler  noch  Ireind 
sind.  Vor  alien  Thieren  des  damali^en  Meeres  aber  ragen  zwei  durch  das 
Abenient-rlielie  ihrer  Form,  (lurch  das  Giganliselie  ihrer  Grosse  hervor,  /.wei 
Saiirier,  I  c  h  t  h  \  o  sa  u  r  us  und  Plesi  osa  u  r  u  s,  beide  ihrem  lian/.en  Habitus 
narh  .nil  das  I.eben  im  Mcerc  beschriiiikt  :  mil  krokodiliihnlichem  Kopfe,  lisch- 
arlim-r  \Virbelsiiule  nnd  Huderl'iissen  \ereinen  sic  ue\\  isse  (lharaktere  der 
I  ische  mil  denen  der  Kclisen. 

I'.iiic  iihnliche  limi:«'slallung  und  Hereicherung  wie  die  Fauna  der  iMeere. 
hat  die  der  (lontinenle  errahren.  \Vir  sahen  die  unbedeulenden  Anlani/e  einer 
l.aiKHaiina  in  dem  carbonischen  /eilaller  erslrhen.  Die  erslen  und  ein/iuen 
Hr|.raseiitanten  der  landbewolinenden  \\irbelthiere  \\aren  damals  einiue 
echsenarlige  Batrachiei -.  /u  ihneii  Lresellen  sich  im  Verlaufe  der  dyassischen 
Periode  eini^e  Schnp|tenechsen  Thecodonlen)  und  am  Schlusse  des  triassischen 
Zeitalters  hin-hst  vereinzelte  Spuren  der  erslen  Saugethiere  (Microlestes) .  In 
der  Juraperiode  treten  an  die  Stelle  der  Labyrinthodonten  bereits  echte  Gaviale 

26* 


404  VI.   Ilistorische  Geolot,'!.-. 

und  Krokodile  (Teleosaurus,  Geosuurus,  M\slriosaurusy  uud  Flugsaurier,  zu 
welchen  sich  Sumpf-  und  Flussschildkrolen  und  cndlidi  cine  nichl  unbetracht- 
liche  /alii  von  \\armbliltigen  \Virbelthicren  und  /vsar  ihrer  beidcn  Classen, 
der  VOgel  und  SHugethiere,  gesellen.  Audi  die  AfthrocoBn  linden  ansser 
durch  Krebse  (lurch  Libellen,  Lepidopteren,  (irillen,  Killer  und  Spinncn  cine 
y.iemlich  inannigfaltbe  Yertrelung.  Zieht  man  nun  noch  in  Betracht,  dass  be- 
n-its in  der  Juruzeit  die  Dickichte  der  Sigillarien,  Lepidodendren  und  Calami- 
ten  schon  la'ngsl  der  Vor/.cit  angehoren,  dass  stall  ihrer  echle  Nadelholzer, 
gemischl  mil  Cycadeen  die  Walder  bilden,  auf  deren  Boden  Farnkriintcr  nnd 
Equiseten  wuchern,  dass  also  G\ mnospermen  die  einfach'er  organisirlcn  Kr\p- 
logamen  des  palaeozoischen  Zeilallers  zuriickgedrangt  und  das  Maximum  ihrer 
Enlwickelung  erreichl  haben,  so  ist  nicht  zu  verkennen,  dass  sich  die  orga- 
nische  Welt  auf  eine  hohere  Slufe  emporgeschwungen  hat,  als  sie  in  den  vor- 
jurassischen  Zeitaltern  einnahm.  Dieser  Umschwung  ging  Hand  in  Hand  mil 
dem  Mannigfaltigerwerden  der  irdischen  Verhaltnisse,  namentlich  mil  der  all- 
malilichen  Herausbildung  der  Gliederung  der  Erdoberflache  vor  sich.  Ein  Blick 
auf  das  jurassische  Deulschlaud  wird  davon  Uberzeugen.  In  ihm  trill  uns  l>e- 
reils  ein  zusammenhangender  Landcomplex  entgegen ,  \velcher  einen  grossen 
Theil  des  mitlleren  und  die  westlichen  Striche  des  siidlichen  Deutschlands  um- 
fassl  und  von  dem  bdhmisch-erzgebirgischen  Continentalkerne  aus  in  westlicher 
Richtung  in  das  Jurameer  vorspringt.  Der  Thiiriuger  Wald,  der  Sch  \\ai7.\\  a  Id 
und  die  Vogesen  sind,  wie  schon  frilher  der  stldliche  Harz,  der  Hunsrilck  und 
der  Taunus,  bereits  zu  Gebirgssyslemen  gehoben,  —  dagegen  ist  ziemlich  ganz 
Schwaben,  Franken  und  Bayern,  sovvie  fasl  die  ganze  Schweiz,  von  \\elcher 
nur  eiuzelne  Partien  der  spateren  Alpen  inselarlig  Uber  den  Wasserspirgel 
ragen,  ferner  das  oslliche  Frankreich  und  fasl  das  gesammte  Norddeulschland, 
von  dem  Juraoceane  bedeckt,  welcher  die  Deulsche  Halbinsel  von  drei  Seiten 
bespillt.  Schon  das  Deutschlaud  der  Jurazeit  besass  einen  complicirten  geologischen 
Bau ,  an  welchem  die  mannigfachsten  Gesteinsproducte  aller  frilheren  Mccrc 
und  vulkanischen  Eruptionen  theilnahmen.  Seine  Oberfliiche  war  durch  Ge- 
birge  und  Bergkuppen  gegliedert,  seine  Kilsle  duirh  liet'e  Buchten  cingeschnit- 
len,  sein  Binnenland  von  Stlmpfen  und  Seen  unlerbrochen,  -  -  kurz  die  M,m- 
nigfaltigkeit  in  der  F^rdoberflachengeslaltung  hal  in  dem  nehmlichen  Maase  zu- 
genoannen,  in  welchem  sich  die  Resullale  der  Einzelvorgiinge  mil  der  Zeil 
summirten. 

Die  Schiehlenreihe  der  jurassischen  Formation  isl  das  Product  der  ruhig- 
slen  und  ungeslortesten  Meeresniederschlage  und  besteht  deslialb  \oiv.ugs\\eise 
aus  Kalksleinen,  Mergeln,  Sandsteinen,  Srhieferthonen  und  jilastisclicn  Thonen, 
mil  welchen  nichl  sellen  machtige  Dolomite  weclisellaucni :  sie  sind  cs.  \\dche 
•  lie  ^rottesken  Pels- und  Hohlenbildungen  der  jurassischen  (iebiete  in  llannu\er 
und  Braunschweig,  SONN  ie  in  der  friinkisehen  Schweiz  bediugon.  Oolithe  sind 
namentlich  in  den  miltleren  und  oberen  Niveaus  des  Jurasyslemes  so  gewohn- 
lich,  dass  man  die  ganze  Formation  nach  ihnen  »0olilhenformalion«  benannte. 
Iliren  jet/I  uelirauchlichen  Namen  hal  dieselbe  voin  .luragebirgt-  erhallen .  \\o 
<ie  y.uersl  richlig  erkannt  \Mirde.  (litnulomcrate  und  Breecien  sind  y.u  den 


VI.    Hi>tnrische  Geologie.  105 

selteneren  jiirassisehen  Ynrkoinmnissen  /.n  reehnen,  wiihrend  vulkanisrhe  Tufl'e 
und  Zwisobenlager  \<m  eruptivem  Ursprung  dem  central -europfiischen  .lura 

Lian/.  I'remd  sind.  Ini  /usaininenhani;e  damit  stehl  ,  dass  die  Aul'einanderfolge 
der  oft  st-hr  diinnen  jurassisehen  Sehiehlen  cine  ausserordentlirh  regHmiissiire 
isl.  In  mir  \Nenigen  seiner  VYrhreitungsgehiete  1st  der  Jura  von  bedeuten- 
deren  Divine, ilioneu  belroll'en  \\onlen  so  ini  .luragehirge  und  am  Nordrande 
des  llar/esi,  meislenlheils  isl  seine  La^erungsfonii  vollkommen  die  ursprdng- 
lielie  uel»lie|)en ,  \\enn  aueli  seine  Sehiclilen  nielil  soltcn  von  Spalten  durch- 
/.nL:en  \\erden  und  sich  auf  diesen  Nerschobon  hahon. 

Die  his  luOO  M.  miiehliiie  Sehiehlenroihe  des  Jura  xcrfallt  nach  den  Uni- 
LH'siallunjien ,  \\elche  die  damaligen  Faunen  und  Floren  crlitten  haben ,  also 
naeli  der  Versehiedenarliukeil  des  palaeontologischen  Habitus  der  einzelnen  auf- 
einander  loluenden,  di<>  .luraformalion  aun>auenden  Schichtencomplexe  in  zahl- 
ivielie  Mhiiieu ,  \\elelie  iiun  in  drei  Hauptabtheilungen  zusammenfassl. 
Diese  sind 

'.\     der  \\eisse  oder  obere  Jura  oder  Malm, 

2)  der  braune  oder  mittlere  Jura  oder  Dogger, 

I     der  selmarze  oder  untere  Jura  oder  Lias. 


1.    Der  Lias. 

Petrographischer  Charakter.  Unter  den  Gesteinen,  welche  die  selten 
iiiehr  als  100  M.  machtige  Schichtenreihe  des  Lias  zusammensetzen ,  walten 
Sehielerihone,  Sandsteine ,  Kalksteine ,  Mergel  und  Thone  bei  Weitem  vor, 
M.iineiiilich  spielen  graue,  braune  oder  schwarze,  meisl  bituminose  Thone  und 
Sehielerihone  nieht  nur  durch  ihre  bedeutende  Machtigkeit,  sondern  auch  als 
Miiiiei-^esiein  -uisserordentlich  deutlich  erhaltener  organischer  Reste  eine  wich- 
li^e  Holle.  Aus  ihnen  entwickeln  sich  sehr  gewbhnlich  dunkelgraue  bis 
M-li\N;uv.e.  kalkreiehe  und  hiliiminose ,  mehr  oder  weniger  diinnschieferige  und 
\eisleineiiini;sreiohe  Me r gel sch ie f or,  deren  Bitumengehalt  oft  so  Uberhand 
i  ii  M  in  M.  dass  sie  in  fbnnliehe  Brandsohiefer  Ubergehen.  Zu  einer  bedeutenden* 
Knl\\ii  kelniiu  gehingen  ferner  dUnngeschichtete,  dunkelc,  ebenfalls  bitumindse 
und  slark  llumiire  Kalksleine,  die  zum  Theil  ausserordentlich  reich  an  orga- 
nisehen  I  herreslen  sind,  so  dass  manehe  Schichten  fast  allein  aus  solchen  zu- 
s.uniiieiiLies,  i/i  rrs.-heinen  ((iryphilen-  oder  Areualenkalk,  Ammonitenkalk,  Mo- 
noiiskalke  .  Sandsleine.  y.um  L-rossen  Theile  selir  kb'rnig,  oft  glimmerreich 
und  dann  diinnpl;i»iig,  von  gelblich  grauer  Farbe  stellen  sich  namentlich  an  der 
Basis  der  Liasformalion  cin ,  ohne  jedoch  aus  den  tlbrigen  Niveaus  des  Lias 
\ollsliindig  ausj:eselil()ssen  /u  sein.  Kine  gj-wisse  technische  Wichtigkeit,  wenn 
aueli  nur  eine  untergenrdncie  Hedeuluiii:  ;ils  (ilieder  der  Liasformation,  besitzen 
Kinlagerungen  von  ooli thisehe in  Kisener/e  und  Spharos ideri t.  Wah- 
rend  let/.teivr  in  (leslall  ofl  diehl  aneinander  gedrilngter  Nieren  und  Knollen 
im  Schieferthone  vorkommt,  bilden  erstere  gewo'hnlich  regelmiissige  und  sletige 
Flbtze,  welche  theils  zwischen  dem  Sandsteiu,  theils  zwischen  den  Schiefer- 


406  VI.   Ili-tonvfhe  Geoloiiii-. 


der  l-'oiiiutimi  ,iuliieieii.  Derariigc  versteinerungsftibrende  1  Ini/.e  von 
OotithisGhem  Kisensiein  \\erden  /..  B.  am  Kahlebcrg  I  MM  Eehle  .  liei  llelmst.idl. 
IXM  llarzburg  n.  a.  ().  abgcbani.  Bcehi  eigenlhtiniliche  (iebilde  sind  die 
dilnnen  Schichlcn  \on  Tutemneruel  Nai:elkalk  .  \\elahe  r.  B.  ;iin  H.IIYI  ,iml 
bei  (ioslar  iiinl  in  NVnrtcmberg  seltr  hiiulii:  ini  I  his  \orkonmien. 

LagtM'ilimsycrliiiHllissc.  Die  archileklonischen  Verhallnisse  der  Lia.>lor- 
million  sind  l';isl  durchgHngig  hoehsl  emlaclier  Nalnr.  \\  ic  cin  \\cihM-.  dnnkclor 
T('|»|)icli  dclinl  sic  sich,  nvilirh  diirch  Krosion  in  Zrthlr(Mche  isolirlc  l';irli(Mi  zer- 
schniHtMi  ,  inntM-luill)  Hirer  VerbreilUDgSgebiete  ;MIS  nnd  nnisiinnil  in  ll.ichcn 
TcnvtsscMi  die  nocli  hcsclnvinktcnMi  Arealc  dcr  jiinucrcn  jnivissiscluMi  (Jchildc. 
die  sich  tihor  die  Ehene  dcs  Lias  crheben.  Die  Lage  der  Schichlcn  1st  in.issiu 
geneigt  ,  sehr  liiiufii;,  naiiientlieh  iin  nor(l\\csllichcn  Deutschland  .  cine  tl.icli 
muldenformige  ,  so  dass  sich  das  Ausgehende  der  MuldenUiigel  an  die  langge- 
zogenen  trias$ischen  RUcken  anlegt,  \\ahrend  das  Innere  der  Mulden  durch  d«-ii 
oberen  Jura  und  die  Kreide  ausgefilllt  isl.  Nur  in  den  Alpen  und  in  dem 
Schweizer  Jura  kommen  starke  AutViclituniien  und  Biegungen  ,  am  nordlichen 
Haiv.rande  und  iro  Teutoburger  Walde  sogar  \ollstandige  Uberkippungen  .  bci 
Eisenach  und  Arnsladt  bis  in's  Kleinste  gehende  Zerslilckelungen  vor.  Mil 
dem  obersten  (iliede  der  Trias  isl  der  Lias  auf  das  innigslc  \crknilpJt  und 
ebenso  ist  seine  Oberlagerung  durch  den  braunen  Jura  eine  xollkoinnicn 
gleichfbrmige.  Alles  das  deutel  auf  einen  ruhigen  und  uuunterbrochenen  Abs.il/. 
jener  gesammlen  Schichtencomple.xe  hin,  —  das  Muster  einer  langsamen,  gleich- 
massigen  Schichtenentvvickelung. 

Allgemeiner  palaeontologischer  Charakier.  Wie  in  alien  marinen 
Bildungen,  so  spielen  auch  ini  Lias  Pflanzenresle  nur  eine  untergeonlnete 
Rolle.  Neben  einigen  in  den  Liasschiefern  rechl  haufiucn  Fucoiden  /.  B. 
Chondrites  Bollensis  Kr.  und  Sphaerococcites  granulatus  Bronn)  sind  die  in 
der  ganzen  triassischen  Fonnationsgruppe  so  wichtigen  C  yea  dee  n  auch  im 
Lias  und  zwar  vorzugsvveise  durch  die  Gattung  Zaniites,  freilich  \vohl  nur  durch 
in  das  Mecr  eingeschvvemmte  Exemplare  vertreten.  Auch  verkalkte  und  \cr- 
kohlle  Con  iferenholzer,  sowic  vereinzelte  Coniferenzweige  Araucaritcs  pe- 
j-eurinus  sind  von  verschiedenen  Localilaten  bekannl. 

In  schroflein  Geg<>nsalze  zu  dieser  Arniutli  an  vegclabilischcn  Hesten  birgt 
rlic  Schichtenreihe  des  Lias  eine  ausserordentlicli  niannigfaltige  .  lorinen-  und 
individaenreiche  Heeresfauo^,  deren  Hauptverlreter  den  Crinoiden,  Mollus- 
ken  und  RcptiliiMi  angehoren.  t"nt(M-  den  Crinoiden  erlangt  das  (ieschlcchl 
Pentacrinus  eine  ausserordenlliche  llaufigkeil  und  VerbnMtung:  unler  den 
Brachiopoden  zeichnen  sich  die  (i(Micra  Tcrcbralula  nnd  H  h  \  n  chone  I  la 
dnrch  die  urosse  Menge  ihrer  Individncn  ans,  auch  Spiriferund  Leplaena 
sind  noch  vertrelcn.  Von  den  Zweischalern  sind  Gr\  phaca  ,  Peclen.  Lima, 
A\icula,  Nucula,  Mylilus,  Trigonia,  Pholadonixa  nnd  Aslarle  die 
vvichtigsten,  am  reiehibaltigsten  ab<M'  \on  alien  liaseiscbeD  Molluskenablheilungen 
sind  di(>  A  m  in  on  ecu  und  Belemniten  enl\\ick<-ll  und  erlangen  einerseits 
durch  die  grossc  Anzahl  ihn-r  Species  und  die  enorme  .Menge  ihrer  IndividiuMi. 
andercrseits  durch  das  Gebundensein  i:e\\isser  cfaarakteristiseher  Arten  an  .^aii/ 


VI.    llistnrix'ht1 


407 


liesiimmte  llori/.onte  cine  ausserordentlicbe  Bedeutuni:  lur  diese  Formation. 
Au.xscrdem  erhall  der  palaeontafogisehe  llaltilus  dcrselhen  durch  die  /.iililrcichen 
inn!  \\cit  \erhrcilclcn  Heste  von  I  c  li  I  h  \  osa  u r u s  und  1M  e s  i osa  u  rus,  zwei 
riesii:en  Mcerexx.iuriiTu  (EnalioSdUrtern),  cin  gan/.  ciuenlhumliehes  (icpriiuc. 

Hire  l»iconca\en  lischiilinlielien  \\irbel.  iluv  Qosseoarligen  Ruderf^sse  \\ciscn 
(hr.iiil  liin.  diiss  d;is  Mcci1  ihr  I'llcint'iil  hildctc,  ilirc  Krnkodil/iiliiic.  diiss  sie 
jrli.issi^c  H.Hihihjcrr  \\;inMi,  dcr  luliall  ihrcs  iMajicns  und  die  Besiaildtbeile 
ihrrr  l-Arrcinciilc  K(i|)rolitlicit  .  dass  ilirc  Nahrunti  aus  Fisclion,  Rcplilicn  und 
TinU'iilix-hcn  hcsland.  llir  ciioriu  grosses  Auuc  \\ar  \on  cinciii  gegliederteD 
uiiiucltcn,  ilir  R(ii-|)cr  \\ar  nackl  und  crreichle  10  ja  13  Meier 


Fig.  227.  Ichthyosaurus    c  o  m  m  u  n  i  .s  Cony  b. 


Fig.  228.  Plesiossurus  dolichodeirns  Conyb. 


I  ..in-c.  Icliihyosaunis  (Fig.  227)  besass  einen  grossen  Kopf  auf  kurzem, 
drlpliiiiariiucm  liaise  und  einen  langen  Schwanz,  -  Plesiosaurus  (Fig.  228) 
cincu  klcincn  Kopf  auf  schlangenartigeni  Halse  und  einen  kurzen  Schwanz. 
Die  ll.iuptlundorlc  dic.scr  hcidcu  ^c\\alliiicn  Mccrcssaurier  sind  Lyme  Regis  in 
Knuland.  Hull  in  \Viirlcinhcrii  und  Banz  l>ci  Banilicrg. 

I'.incn  aull'allcndcn  (Icucnsalx,  zu  den  nacklcn.  ausselilievslich  ,iul  das  Meer 
,inuc\\ic>cncn  Sauiicni  hilden  die  /ur  Hc\\ei;iini;  aid'  d<'in  Lande  OTgahisirteD 
uaxialalinlielien  Sanrier  mil  sehlanker.  sclinialer  Schnaii/.c  und  dicken  vier- 
cckJLcn  KiKiclicnscliildcrii.  Micrlicr  ^cliiiren  naincnllich  Mvstriosaurus,  Pelaiin- 
.saiirus  und  Ma«  i-nspomh  his  aus  den  Sehielern  von  Boll. 

Die  illiriuen  AlHlieiluniien  des  Thierreiclics  spielen  in  der  Fauna  dcs  |.i;is 
cine  \\cniL:er  eliaraklerislisehc  Holle.  Foraniinifcren,  Schu.Hiinic  und  Korallen 
viiul  \erhalinivMiiii.ssii;  sellcii  ;  von  (iasleropoden  ge>vinnen  nur  einzelne  Species 
dcr  (iesehlecliler  Turbo,  Trnehus,  IMeurotoinaria  cine  nichl  unbedculcndc  Ver- 
hrcitiuiL:  :  Inseelenresle  l-'liii;cldeekcn  von  Kiifern  und  Fljlgel  \on  ll\inenople- 
ren)  sind  aus  ("iloucesiershire  und  Aargau  bekannl  gevvorden.  An  Fiselicn  sind 
namenllieli  die  oheren  llori/.onlc  des  Lias  von  Kndand  und  Sehvvaben  reieh, 
in  dencn  xouohl  ein/.elne  gliinzendr  Selmppen.  \\ic  ausscrordentlieh  schon  er- 
hallcnc  K\«'inplare  IIOIIKH  -erealer  Ganoiden  (Lepidolus  gigas  Ag.,  Plycholepis 


His 


VI. 


Bollensis   Ag..    Dapedius   plmlidolus   A;.:.     \orknmmen.    Kino   fjrttssert     Vnlti  filling 
hosil/en   die    Flosscnslaeholn    und    /iihnr    \<>M    Knorpolfisehen     ll\  Itodus.    Acmdus 
iin    Liiis. 

(wliederung  des  Lias.     ID  alien  seinon   VerbreiUingsgebieten    /.erl'alli    die 

Srhichlcnrcihc  dcs  Liiis  in  cine  An/;ilil  llori/.onlr  odcr  /oncn,  \\clchc  dcr 
slnlciiutMscn  UmgestaUUDg  dcr  liiissischcn  l'';nincn  cnlsprccluMi  und  sicli  dcin- 
iiiich  durch  I;CN\  issc  Vcr.scliicdciiiirli^kcilcn  ihivr  VerstemeruBgsftthrung  ;uis- 
y.cichucn.  Dicsc  /nhlrcichcn  /oncn,  die  ;ils  das  Rcsulliil  localcr  I'linllussc 
nalilrlich  koiuc  i;an/.  allucnicinc  (icllunt;  hcsii/cn,  jedoch  in  oaphfolgender 
Tahcllc  aul'iicl'ilhrt  sind,  lasscn  sich  in  drei  Uhorall  xu  unlerschcidcndc  (loin- 
plc\c  /.usainnicnfasscn,  \\clcho  man  als  untorcn,  milllcrcn  und  ol»crcn  Lias 
bezeichnet. 

a)   Der  untere  Lias. 

Harte    schwarze   Kalke,    fette    Thone,    selten    mil   oolithischen   Eisenerzen, 
sowie  z.   B.   in  Franken  gelbe  Sandsteinc. 


Fig.  229.  Pentacrinus  scalaris   Mill. 


Fig.   2:jO.  Spirifer  Walcotti   Sow. 


Fig.  2:H.   Lima  gigantea  Desh. 


Fig.  232.  Gryjihaea   arcnata   Lain. 


Fig.   2;i.'f.    Ammonites   Hueklandi    Bow. 
(sehr  stark   verkleinert). 


Die  Kalksteino  sind  zuin  Theil  ganz  angefdllt  yon  Gryphaea  arcuata  Lain.. 
sowie  von  Ammonites  planorbis  Sow.,  Am.  Bucklandi  Sow.,  Am.  angulalus 
Schloth.,  Am.  raricostatus  Ziet.  Als  fern  ore  weit  verbreitetc  ausgezeichnete 
Leitfossilien  des  unteren  Lias  sind  anzufilhren :  Lima  gigantea  Dcsh.,  (Sardinia 
concinna  Ag.,  Spiril'cr  Walcotti  Sow.,  IVntacrinus  scalaris  Mill..  Pentacrinus 
Briareus  Mill. 

b)   Dcr  in  i  1 1  lere  Lias. 

Graue    Kalkmergel    und    Kalksleine,     oolithischc     Kalke     und     Kisensteine, 


VI. 


409 


dunkelMauc  plashsdie  i  hone  mil  SphaeroskieritDieren  uml  Kalkueoden.  A  us  der 
urossen  An/.ihl  dt-r  oruanisdicn  Hesle.  \\cldie  diese  Sdu'chlcn  liihren.  sind  als 
I  eillnssilien  d«-s  mitlleren  Lias  hervory.uhcben  :  Ammonites  capricornus  Schloth., 


I      TV  re  »ir  ;il  ti  !;«   ii  ii  MI  i  I 
in  :i  I  i  >    I.  ii  in. 


Kig.    '.Mi'.      A  nf  in  (i  11  i  I  c  >  .1  in  .1  I  t  Ii  i-  11 
Schloth. 


Fig.  237 .     H  o|i  e  MI  M  1 1  e  s 
p  ax  ill  oisns  Schloth. 


Fig.  'l'.\'t.     (.i  r  y  p  Ii  a  e  a  c  y  m  b  i  u  m  Lam. 


Ainu),  coslatus  Scliloili..  Aiiiui.  aniallhous  Schloth.  '=mari;arilatiis  Montf.)  Be- 
Icinuiics  piixillosus  Schloth.,  Gnphara  cunhiuin  Lain.,  Terebratula  numis- 
ui.ilis  lain.,  Rhynchonella  rimosa  Buch ,  Spirifer  rostratus  Schlolh.,  Pentacrinus 
l>,is.iliiri)nnis  Mill. 

c)   Der  obero  Lias. 

Zu  unterst  dtlnnschieferige ,  bituininbse  Schieferthone ,  von  zuni  Theil  so 
•  nisrlmlirhrm  O»-li;rhaltc,  dass  dasselbc  gewonncn  \\ird.  iiltcrl.i-ci-t  \on  ditnn- 
Slinkkalkcn  voll  Monotis  substriata  Milnsl.,  sovvie  von  iiraucu  .Mcrycl- 
(ic\\issc  Latter  dcr  crsit-rcn  sind  von  den  diiuncn  ,  conci-nlrisch  nm- 
Sclialcn  dcr  Posidonmii\.i  liroiini  Volt/.,  ijaii/.  crlullt .  \\onach.derganze 
Complex  ,ils  Posidoiiomyn-  odcr  I'osidouicnschicfcr  hc/cichiicl  \\ird.  In  iliiicn 
i^t  dcr  L'l-iissc  Hciclilhiun  an  lTebcrrcsl«Mi  von  Kischcn  and  Sauriern  nicdcr- 
i:dci:l  .  duivh  \\cl.-hcn  sidi  namcntlich  Boll  in  Sch\\al>cn.  Han/  in  Krankcn. 
I. >nic  hci;is  in  Kniilaud  aus/cichnon.  In  H>mken  und  Sclmahcn  birirt  dicscr 
llnri/.onl  die  \\ulilcrhallcncn  Skclctc  \on  lc|ilh\osaurus ,  Tclcosaurus ,  die 
Schuppcn  .  /iihnc  und  Klossciislachel  von  l'l\<  holcpis ,  lUbodus.  die  Sduilpc 
und  Tiiilcnhcutcl  von  Loligo,  die  Kronen  son  IN-nlacrinus  sulianijularis  in 
sons!  kauni  iickannlcr  Vollsl;indii:kcil.  So  fandcn  sich  anf  einer  cin/ii:cn 
Plalle  \on  8  M.  Lan»c  und  ;>.:{  M.  Hreile  24  z\\  cinciu  rniiandrisch  i:e\Minde- 
ncn  Hundcl  .uruppirlr  Slide,  (Jeren  Endcn  uber  4  M.  lang  frci  liegen  und 
well  ausgebreitete  Kronen  iragcn.  Zahlreichc  Ainmoniten  und  zwar  Ammoni- 
tes serpontinus  Rein.,  Am.  communis  Sow.,  Am.  Luhensis  Young  sind  zu 


Mil 


VI. 


(iro|n_'it>. 


Fig.  2JS.     Peintacriims  s  a  b  a  n  g  u  1  a  ri  s  Mill. 


Kip.   il'i.      1'nsidoii  i  ;i    I!  t"  M  11  I 
\  ..It*. 


Fig.  210.      Be  Ipinni  te  :•  digitali.- 
Bla  i  n  v. 


-II.  A  in  in  <•  11  i  t 


Papierdiinne  zusammengedrttckl, 

in  inchr  iiicrurliiicii  Schidilcn  \iirkoiii- 
iiiciidc.  M»  Ainiiionilo  lul'nin.s  Hfiii:. 
(  =  \V;ic(itli  Sou.  .  Am.  h'oloropli\  llus 
pIlriuMi  ihrc  ursprttngliche  (icsiiili  l»«*i- 
licluillcii  7.\\  hiilifii.  Nclicn  iliiicii  x.cich- 
ncii  sicli  die  Icichl  kcnnlliflion  AIIIIIKI- 
nili-s  jiirrnsis  Xicl..  MrmiiiU's  (li^i!illi^ 
lihiiii\.  mid  Hd.  acuarius  Schloih.  durcfa 
ihre  Iljiulii;kril  ;uis.  D.iliinucLicii 
dcr  Miinucl  ;ui  sonsl  so  idirr.uis  u 
liclini  Tcn-hriiiclii  niul  RhnchoneHen 


In    foli:«Midcr  Tiilicllc    lindrl   sicli    die    >|tccirllci-f   (dicdcnniL:    dcs  dr 


VI.     Hi-tiMlM-hr 

Gliederung  des  deutscheii  Lias. 


411 


/ 

•— 
-. 
E 

~. 

i.i.i-  : 

Sdildilt'll    tli's 
Ammon.  jiirriisis 

Vin.    itin'Msjs.    Am.    radians,    lid.    ili^ilalis,    Am     (in 
maini. 

l.ias  £ 

Posidollifll    Sdiidi'l 

Am.    1-  \tlirnMs  ,    Am.    rmiimimis,    Am.    liilVons  .    Am. 
ln'lri  o|ih\  llns  ,     Lillian    Kollcusis  ,     Id'l.    diuilalis,     ltd. 
aciiarins.    Hcl.    lri|iarlilus  .    I'us.    lirnntii,     lime.    am\u- 
daloidi's.    Mmmlis   suh.slriala. 

i 
i 

3 

Lia>-   o 

Amallhcoii-TlHine 

Am.    mari:arilalu>     am.illlicus  ,    Amm     r<i>tatii*.  ,    Hd. 
|>a\ill<isns  .     l!d.     cunipn'ssiis  ,     (ircss|\;t     \cnd  irosa, 
Spnilrr   rnslr.iliis,    Pmlar.    liasallilni  mis. 

l.ias  Y 

Sdlidlh'M    ilrs 
Allllll.    (  -apl  n  oriUIS 

Am.  capricornus  ,    Am.   Davoci,   Bel.  paxillosus,   Avi- 
cula  cygnipfs. 

>.  Im  litm  des 
\iniii.   hicuspina 

Am.    brevispina  ,    Am.    Jamosoni  ,    (MA  ph.    c\  mbimn. 
Ter.    numismalis  ,     Rhynch.    limo^a,     Rhytidi.    tui- 

cillala,   Spir.   restrains   Spir.   \cn  IK  D>II> 

/ 

2 
•9 

^ 
u 

J 

p 

l.ias  fJ 

Schichten  des 
Amm.   planicosla 
(Turnei  i-Thone) 

Am.  planicosla,  Am.  ziphus  ,   Am.   rai  •iroslatus  ,  Am. 
Turneri,  Pentac.  scalaris. 

Lias  a 

Arielen-Schichlen 

Am.   Hncklaiidi  ,    Am.  Conybeari,    Am.  spiratissimns, 
Naut.   aralus,   Lima  giganlea,  Gryph.  arcuala  ,  Spirit. 
Walcolli,  Pentac.  tuberculatus. 

Angulaten-Schich- 
ten 

Am.  angulatus,  Cardinia  concinna. 

Psilonoten-Schich- 
ten 

Am.  planorbis  (=  psilonotus),  Am.  Johnstoni. 

Trias 

Hluitische  Gruppr 

2,  Der  Dogger  odcr  braune  Jura. 
Der  petrographischc  Charakter  des  Doi^^cr   isi   /\\,u-  <>in 

lirh  ni,iiiiiiL:r.illii:cr  uiul  \\  cchsclndcr .  (Inch  spiclcn  Siiiidslcim- .  Thonc ,  Mergel 
iiinl  k.iiksicinc  die  \\csrntlirlislr  Hollo  hci  der  Xiisjiniiiiensci/uiii:  seiner  durch- 
seliiiilllicli  i<HI  M.  iniiehliuen  Seliiehlenreihe.  Die  Sii  n  d  s  I  e  i  n  e  sind  nieisl  I'ein- 
koniii:  uiul  \veieli.  hcsil/.en  helle  IMS  diinkelhniune  l'';irl»en,  eriillnen  selir  liiin- 
lii:  die  Do^erforiBlltk>D  und  l»ilden  ol'lniiils  die  u;iii/e  tin(en>  lliilfle  dersellicii 
l;is|  ,iiissr|ilicss|jr||.  Aiidere  /onen  des  liraiinen  Jura  Iteslehen  aus  /.ahm. 
felleu  Tin)  ne  n.  Mer^eln  und  S  e  h  i  e  1'e  r  I  li  o  ue  n  von  »r;iuer  his  sch\\  ar/er 
Farhe.  \\  ie  in  eiuiizen  I.Jiudern  Sandsleine  und  Tlinne.  su  nsrlicinen  in  au- 
deren  V^rhreHUDgSgebieten  des  Do^er  hald  oolilhisehe,  L.il.l  dielilc  rriuc  nder 
tlinuii:r.  \\rlss,-  ode  r  duukelfarlHL'e  Kalksleine  aLs  (lessen  \oi\\allendes  Ma- 
terial. Nanienllieh  hilden  Oolilhe  inacliliiie  Ahlaiieniiii-eu  ,  \\elehe  sieli  vom 
niillleren  England  aus  duivh  Krankreieh  his  in  die  Seh\\eiy,  \ertol.uen  lassen. 
Rcclil  eliaraklerislischc  und  liaufiiie  Kix-lieininiLieu  sind  in  der  Schidiicnreihe 
des  hrauiieu  Jura  dureli  Eisenoxulhvdrat  hraun  gofa'rbte  Oolitho ,  die  soge- 


n-2 


\  I.     lli>l(ii  i-rhc 


n.iiinlcn     I-.  i  sc  noo  I  i  I  h  e.        Sic     dilrfen      nichl      \er\vechscll     \\enlen     mil     den 
oo  I  i  I  h  i  sell  en    K  i  se  n  c  r  /.  c  n  ,     \\elche   sieh    in    der  gan/.en    Doggerformation    so 

(•(Mislant  wiederfaolen,  dass  sic  cinen  lier\or- 
sleehenden  Charakler/ug  derselbcn  bilden.  Sie 
^  Ireten  in  zum  Theil  sehr  bedeulcnder  Machlig- 
keit  als  Nesler  und  Lager  /,\\  isehen  Thonen  und 
Schieferthonen  auf  und  sind  dann  das  Objeel 
mancbes  ausgedehnlen  Bergbaues  gcuorden.  In 
dem  braunen  Jurasandslein  \Vurtembergs  kennl 
man  bei  Aalen  fiinl'  I'liil/.e.  deren  unlerslcs  und 
/.ugleich  bedeuleiidsles  2,3  M.  maehlig  isl.  Auch 
baiiNNiirdige  Lager,  noch  hauliger  aber  lagen- 
\\eise  aneinander  gereihle  Nieren  von  Thon- 
ei  sen  stein  umfassl  der  branne  Jura.  Am 
grossartigsten  ist  dies  in  Oberschlesien  der  Fall, 
wo  dergleichen  Erzlagerstatlen  in  einci  ctwas 
Uber  30  M.  machtigen  Schichten reihe 
/.one  des  Am.  Parkinsoni)  von  dunkelen  Thonen 
auftreten  und  sich  Uber  einen  Raurn  von  meh- 
reren  Quadratmeilen  verbreilen.  In  der  Regel 
liegen  dorl  3  bis  6  nur  durch  dilnne  Letten- 
mittel  getrennle  Eisensleinflo'lzc  Ubereinander. 
In  grosserer  Haufigkeit  finden  sich  iso  im  nord- 
\\estlichen  Deutschlandj  Geoden,  aus  mehr  oder 
a  weniger  eisenreichem  thonigem  Kalksteine  be- 
stehend,  in  Schnuren  /wischen  den  Schieler- 
thonen  des  Doggers.  Sehr  gewohnlich  isl  auch 
das  Vorkommen  von  Schwefelkies,  welcher  vor- 
zilglich  in  dieser  Formationsgruppe  das  Verstei- 
nerungsmitlel  der  Ammonilen  und  anderer  or- 
ganischer  Resle  bildet  und  aut  diese  \\Cise.  so\\ic 
in  knolligen  (loncretionen,  inanche  Schichten  des 
Dogger  anfillll,  Nichl  selten  findel  sicli  endlich 
in  einzelnen  Lagen  des  Schieferthones  (i\ps-- 
spath  in  gro'sseren,  regeimiissigen  Krystallindi- 
viduen  eingeschlossen  (Oxford,  am  Mils,  in  der 
NN'esergegend),  wiihrend  (iNpssliieke  und  mach- 
lige  (iypseinlagerungen  im  Dogger  nichl  b(>- 
kannl  sind. 

Die  Lageruni?serhiiltuisse  des  Dogger  sind 

ganz  ahnlieh  \vie  die  des  Lias  fast  durehgangig 
sehr  einfacher  und  einformiger  Nalur.  In  man- 
chen  Vcrbreituiigsgebiclcn  dieser  Formation  liegen 

ihre  Schichten,   wenn  auch  \N  ie  in  Oberschlesien  2  bis  300  M.   iiber  dem  Mcc- 
resspiegel,   doch  vollkommen  horizontal;   in  anderen  Districten  sind   sie  schwach 


, 

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VI.    Historisclie   Geologic.  413 

geneigl  uiul  bilden  llachc  Midden  innerhalb  dercr  des  Lias,  odor  habcn  \\  ie 
in  Norddeutschlaod  \\eiilaulige.  Qacfaweiienfbrmige  Faltimgon  erlitten.  Nur  aus- 
nahmsweise  habcn  sic  uros>cre  Stiiruniicn  erl'ahren ,  so  bei  Goslar,  \\o  sic 
\ollstiindig  ubcrgfkippt  sind,  so  ini  scliu  ci/.or  Jura  (siehe  Fig.  242),  \\o  die 
obere  Trias,  dor  l.ias,  dor  Dogger  und  obere  Jura  cine  An/ahl  parallclor.  aid 
iluvr  oborsten  NYo'lbiing  geborslener  Fallen  bilden ,  deren  boide  ausserslo  cine 
loiale  Dbtakippang  crl'ahren  habcn.  so  dass  weisser  Jura ,  Dogger,  Lias  und 
Kcuper  in  uuigekehrter  A^BinanderfoIge  ihrer  ursprUnglichen  Lagerungsweise 
den  .Muscliclkalk  11  n  t  cr  Icuf  en. 

Allgeineiner  palaeontologischer  Charakter.  Wie  der  Lias,  so  isi  auch 
dor  Dogger  cine  Meeresbildung  und  deshalb  im  Allgerneinen  sehr  arm  an 
vegetabilischeo  Resten.  In  Deutschland  kennt  -man  ausser  Fucoiden,  welche 
aid'  den  Scliichtunuslliichen  des  unteren  braunen  Jura  (z.  B.  in  WUrtemberg) 
aus^chrcitci  lirgen,  nur  vereinzellc  <:onitcrenholzer,  die  sich  mitten  in  marinen 
(icbildcn  linden,  also  nur  eingeschvvemmt  sein  kbnnen ,  feruer  in  den  feuer- 
Icsicn  riinncn  dcs  untcrcn  Dogger  von  Oberschlesien  die  Reste  einiger'  Farn- 
\\cdcl  [z.  B.  Asplenites  Rosserti  Schenkj  und  des  Equisetites  Lehmannianus 
(iiipp.  In  England  hingegen  und  zwar  in  Yorkshire  und  Schottlaud  trill  im 
miltleron  braunen  Jura  eine  vollstandige  kleine  Kohlenformalion  von  Sand- 
slcincn  mil  \  id  IMlan/cnresten ,  Schieferlhonen  und  einigen  Kohlenflotzen  auf. 
Ilicr  muss  sich  also  \\iihrend  der  Dogger-Zeit  ein  flaches  surnpfiges  Feslland 
aiisp-dclinl  habcn.  aul  welchem  Fame,  Equiseten  und  Cycadeen  wucherlcn, 
dcrcn  Hcsic  Uns  erhallen  blieben.  Dieselben  gehoren  der  Mehrzahl  nach  den 
(ics.  hlcchlern  Neuropleris,  Sphenopleris ,  Hymenophylliles ,  Taeniopleris  und 
I'ccopteris,  sowie  Zamiles,  Pterophyllum  und  einigen  anderen  Cycadeen  an, 
dcrcn  Mannigfalligkeit  sich  im  Vergleiche  mil  frUheren  Perioden  ausserordent- 
lich  gt'stcigerl  lial. 

An  Reslen  von  Meeresthieren  sind  gewisse  Schichten  des  Dogger  so 
''•'i''1'  ^i(>  die  des  Lias.  Foraminil'cron  und  Schwamme  sind  noch  schwach 
\citi-ctcn,  ebenso  die  Korallen,  obvvohl  diese  schon  zahlreicher  werden,  als  im 
unteren  Jura  und  auf  die  grossc  Enl\\i<-kelung,  \veldic  sic  im  oberen  Jura  er- 
langen  sollen,  \orl)ci-eilen.  Unler  den  Echinodermen  trill  die  Gattung  Penla- 
(linus  in  den  Ilinlergrund ,  stall  welcher,  wenigslens  in  England,  Aj)iocrinus 
crscheint.  \\iiluvnd  M'I-!I  /ugl«Mch  die  Echiniden  (z.  B.  Nucleoliles,  Holeclypus, 
Cidaris  melircn.  Die  Hrachiopoden  sind  sehr  stark  im  Dogger  vertrelen  und 
/  \\ar  \\escnilicli  dinvli  /aldreichc  Arlen  von  Rhyn  chon  ell  a  und  Terebra- 
lula.  \\ahrcnd  die  (ialtunu  Spirifer  mil  dem  Lias  ausslirbl.  Von  Z\\cischalern 
^c\\inncn  die  ciizenlliclien  Oslrccn.  welche  jetzl  zum  ersleu  Male  gan/.c 
Hanke  bilden.  cine  sehr  urossc  Manniglalligkeit  und  Verbreitung.  Einen  gan/. 
eiucnlliiinilichcn  Charaklcr  abcr  crhiill  die  Fauna  des  Dogger  (lurch  die  I'ormcn- 
imd  indi\iducnreichc  Enl\\iVkrlung  dcs  (M-schlcchts  Trigonia.  Unlcr  den 
(Jastcropodcn  ist  vor  Allcin  das  (lesehloehl  IM « urotuma  ria  licr\or/uhcl»cn. 
Die  A  minoii  ilcn  und  Bel  em  n  i  I  e  n  sct/.cn  im  Dogger  eben  so  mamiiglallig 
fort  wie  im  Lias  und  besil/.en  die  nclunliclic  Wichligkcil  ftlr  die  Gliedcrung 
jener  \\ie  dicscr  Formalion.  l-'iscln-  linden  sich  \\ciiiger  hiiulig  in  \ollsl;iudig 


VI. 


erhallenen  I'Aemplaren.  (Inch  \\ciscn  i^nisse  iilan/ende  S<-|inp]icn  ,  Ziihne  und 
Klossenslachel  anf  die  damaliiie  Iliinfiirkeit  \<m  (ianoideu  und  I'laeoideii  hin. 
Die  Saurier.  namciillich  Ichlhvosanrns  nnd  I'lesiosanrns.  seheinen  sellener  /u 
\\erdcn.  --  es  knmmen  nur  nodi  \  crcin/.cltc  Skelclthcilc.  \  (ir/iijzlich  \Virhel 
\or.  Kine  dcr  mcrk\vnrdii:slen  Krsclieinunin'ii  \\iihrend  der  Doggerperiode, 
auf  die  uns  iihriuens  dcr  l-'und  oliertriassischcr  Beutelthjerkiefer  \  oi  hereileU-. 
is(  das  Aul'lrelcn  kleincr  Siinuelhiere  nnd  /\\ar  kleiner  Henlellhierc .  deren 
rnlerkicler  in  dem  Kalkseliiefer  \on  Sloneslield  enldeckt  und  A  in  |>h  i  I  h  e  r  i  u  in 
und  I'h  .1  sciil  u  I  her  i  n  m  lifiiaiint  \\urdcii. 


Vif.  24:t.  A  ra  phi  til  e  r  i  u  in  I'  r  P  v  o  s  t  i 

Cll  V. 


l'ig.  "214.  P  )i  a  s  o  o  1  n  t  b  e  r  i  u  in  J!  u  c  k  1  a  nil  i  1!  r  o  <\  H  r  i  p. 


(les  Dogger.      Wie  der  Lias  /erfiillt  auch  dcr  DoiiiiiM1  in   drci 
^n ,   \\elche  sich   \\icdcnini   in  verschiedene  Zonen  L'liedern. 
a     Unterer  Dodger;    Zone    des    Ammonites   opalinus    und    Am.    Murclii- 
sonae. 


Fig.  2-lfi.    Trigonia  navis  Lnm. 


Fig.  24*>.     A  in  in  o  n  i  to  s  o  p  al  i  n  n  s 
Ifcin. 


1  .      '.'Is     !'•  •  r  I  <•  11   persn  n  al  u  • 
Ziet 


Fig.  'J47.      N  IK-U  i  : 
H  a  m  ni  P  r  i  I)  e  f  r. 


1  II  ii  r  i'  l  :l  111  U  S    \<  o  1  y  p  1  n  r  II  :•     F.    K  »  in  f  1. 


Die  Scbicbtengruppe    he^inni    in  Denlsclilaml    mil    dunkelfarbigen ,    miiden 
Schiefoi-lelten.    welche    hraune  Thoneisensteingeodeu    und   als    Hauptleitfossilien 


\  I.     HMoiiM  In- 


Aminniiiles   opalimiv    Kein..    Aiiiiiuinilfs    MinvliiM.ii.-n-   S..\\..    Amm..nitus   lonilnsus 
Xi.-l..     Triunnia    n,i\i>    l.;ini..     Nucul;i     llaiiiineri    HelV      nmsrliliesseii,     deivn    /inn 


ISO.     Ammonites  II  ii'in  i'ii  r  e  si  an 

Tlieil  scfmeeweisse Scfia- 

Icn  sieli  izivll  aiis  den  dun- 
kden  Tinmen  liei  \orlieben.  Auf 
sic  loliien  in  Schwaben  uelhe 


HIM!   ln-iiuiif   S.iniKlfiiif, 
die  ulicn   iTu.ilmlrn    Misi'iislcin- 
il.ii/i-    \dii    A.-ilfii  untergeordnel 
sind.      Kiir    sic    lif/ciclincnd    isl 
d.iN  Vorkomnaen  \ouAinm.  Mur- 

i-llisiili.if.     so\\  if    dt'l'    ill    lin/.iilll-    Fig.  2:.1.     Ostrca  Marslii 

Sow/ 

liiicr    MciiLif    auftretendd    Peel. 

|irr>iin;ihis  /id.  piiinilus  l,;nn.  .  lin  nord\\  t'slliclicn 
hi-ni-M-lil.iiid  ii-ficn  I'iir  die  ;m  Ainin.  Murcliisoniic 
iviclicn  ciseiisi-liiissiiieu  Sniidsicinc  glimmerhaitige 

Sfliidc!  llniiic  mil  liHicfr.iiniiN  pnlx  plocns  I.  Hiimcr  cin. 
l)crsi-||»('  /.\\  fiscli;ilcr  isl  ;nich  1'iir  die  entSprechende 

Sehiehtengruppe  Ol>erscblesien8  charakteristisob. 

\>     Der  mil  (l<>i-(»  Doiiizi-r.    ndcr  die  (loronalen- 
Zona. 

l-'.-s    i>l    dies    in    Siiddenlselihind.     Kranki'eieli    und 
l;.iiL:l.iiid    \\e-M-nllii-li    cine  k;ilksleint'(H'lii,ili(in    \  mi    ihcil 
\\eisenulilhiselier  HcscluilVenlieil    so  iin   Seliweizer  ,lnr;i  . 

\\cnn  iincli  Ewischengelagerte  duokele  Thone  oichl  ,ms 

L:rs,  |||USN,.|I    sind.    in    \nrddeuKeliliind    ;ilter  \\rrden    di 

kcli;r;ine    Thone    mil     TliHiieisensleiii^eiideii     \erlrelen. 

sclicn    Heslc.    \\elclie   diese    I  iiler.ilillicilnnu   des    DOLJ^CI- 

liiii-s:j,.|.ii-leii   rli.ir.iklei-ixirrn.    sjnd    Ann  .....  tiles  Iliiinpliresianiis  S<i\\  ..    lielcinniles 

iiiiianlens   Srlilolh..    O^ire.i    M.ii'xhi    Sn\\..    (iivsslva   ahdueta    Phil. 

c)    Der  ohere     IhiLi^er:    /one   der   I'.irkiiiMinii  r.    M,nTnce|iliiilen    und    Or- 
nalcii. 


.  KP!.  p 

Sell  1  . 


KalkL'eltilde  diirch  ilun- 
Die  \\  ielili.nslen  nriMlli- 
in  alien  ilnvn  Xfi'hrei- 


4H>  VI.    Ilislonschc   (J 


Ks  besieht  diese  Sehielilengnmpe  in  Denlsehland  \\iedermn  \or\\alteml 
aus  thonigen  (ie.sleinen,  /\\  isclicn  denon  sich  ein/elne  Biinke  von  Kisenoolith 
cinstollen.  Von  dieseti  gewinnen  y.\\ei  besondere  Wichligkeil  ;ils  Orienlirungs- 
millel  in  der  Schielilenreilie  des  Dogger:  der  Eisenkalk  des  Cornbrash  voll 
A\icnl;i  t'cliin;ii;i  und  die  grobktiruigen  EiseDoolithe  mil  AiDmonites  roacrocephalas. 
l)it>  gewOhnlichsten  und  xcrltrcilcslcn  Tliicrrcstc  dcs  oberon  Dogger  sind  Ain- 
iiuniiit's  I'jirkinsoni  Sow.  iin  nntcrcii  Ni\c;ui).  Am.  marcrocephalus  Sclilotli.. 
Am.  oniatus  Schlolli.  bride  im  olx'i'rn  Nivraii':,  Belemnitrs  subliastatus  Zit't., 
Hrl.  ranaliculatus  Schloth.,  Tri^mia  rostala  I'ark.  (inlrrlar\  iuala  Ournsl.  ,  Avi- 
cula  rcliinala  Sow.,  Rh\  nclionrlla  varians  Schlolli.,  Terebralula  dii-ona  S<»\\. 


Tiu'.  '!•>:>.   Hhy  ncli"  ncl  1  ;i 
varians    Sch  1  n  t  li. 


Fig.  253.  A.mmonites  macro-  Fig.-,254.     Trigonia   costata  Park.  Fig.  25f>.     Terobratnla 

cepbalusSchloth.  digonaZiet. 


In  England  und  in  ahnlicher  Wei  se  in  Frankreich  hat  die  ebon  als  oberrr 
Dogger  kurz  beschriebene  Schichtenreihe  eine  von  der  deulschen  alnscit'lu'iidr 
Ausbildung  erlangl,  indem  sich  dorl  ein  in  Norddeulschland  nur  diuvli  drn 
Cornbrash,  in  WUrtemberg  durch  3  M.  machlige,  versteinerungsarme, 
und  oolilhische  Kalke  angedeuleles,  in  England  aber  tiber  100  M. 
und  vielfach  gegliederles  Schichlensyslern,  der  Bath  (Zone  der  Terebralula 
diiriina  und  Ter.  lagenalis)  in  das  milllere  Niveau  des  oberen  Doggi'i1  rinschiebl. 
Die  englische  Balh-Gruppe  wird  namenllich  durch  die  miichlige  Entwickluttg 
der  Oolithe  (great  oolilhe)  charaklerisirl,  die  sich  von  England  aus  durch 
Frankreich  bis  in  die  Schwei/  verfolgen  lassrn.  Direct  unler  diesen  (Iros.s- 
oolilhen  und  mil  ihnen  eng  vrrkniipl'l  Ireten  kalkige  Schiefer  auf  (die  Slonrs- 
(ield-slales),  welche  durch  ihre  \\irbrllhirrrrslr  brrilhml  grworden  sind: 
anssrr  x.ahlrrichen  Skelellheilen  von  Reptilicn,  /.  B.  M>n  l'lrr.idacl\lus  linden 
sich  dorl  die  oben  erwiihnlen  BrutrllliierunliM'kierer. 

Manche  Geologen  belrachten  den  durch  Ammonites  macrocephaius  und 
Am.  oniatns  bexeiclmelen  nberslen  ll(»ri/onl  des  Dogger,  den  Kelloway.  als 
unlerstes  Glied  des  weissen  Jura  und  schliessen  den  Dogger  mil  den  Schichlen 
des  Cornsbrash  ab.  Zur  Orientii'ung  in  der  speciellen  Gliederung  des  Dogger 
diene  beislehende  taliellarisehe  /usammenslellniiL:. 


VI.    lli.-lorisrhf    (i 


417 


Gliedernng  des  Dogger. 


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0 

s. 
c, 
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~ 

ii   Wiii  tomln'ri;    Ouoiistedl 

Im   n.-w.  Deutschland 
(v.  Seebach) 

Fiir  England  und  Doutsch- 
l.-intl   (Oppel) 

C 

Sell  it-  ti  I  c  n   in  i  t  \  m. 
ornnt  us,  AIM.  Lamborli, 
Am.  Jason,    Hoi.   semi- 
haslatu> 

Ornaten-Thone 
(diesclbcn  Resle) 

Schichton  des  Am. 
athlcla 

"5 
a 

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cz    •— 

*3 

c  S 
~  t/i 

—  .  fi 

aj  'S 
X  * 

c 

Scliicliten  des  Am. 
anceps 

Schichte  n    ID  it   A  in. 
macrocephalus 

Macroccplialcn- 
Scbicblen 

Am.  Gowerianus,  Bel.  sub- 
bastatus 

Schichten  des  Am. 
macrocephalus 

£ 

Oolillie  uiul  mergeligc 
K.ilki'    mil    Rliynclionella 
Mirians,   Trig,   inter- 
laevigata 

Cornbrasb 
Avic.  ecbinala,  Am.  postc- 
rus 

Ter.  1  a  g  c  n  a  1  i  s  -  B  e  1  1 
(Cornbrash    u.  Forest 
marble) 

a 

eg 
03 

()sl  i  ca-K  nori-Sch  icb- 
Icn 
Trig,  intcrliiftvigala,  Ast. 
pulla,  Rbyn.  varians 

Ter.  digona-Belt 

Bradfordclay,   Gross- 
oolilli,Slonesfield-slales, 
Kullersearth) 

Schicblen  mil  A  mm. 
Parkinson!,  Ter. 
bullala 

Parkins  oni-Schichten 

Parkinsoni-Betl 

« 

0 

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i 

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C 
9 

ft 

T 

Ost.    Marslii,    Ost.  eduli- 
formis,    Pleurot.    ornala, 
Hcl.   u  i  tia  n  teu  s,  Hrl. 
canaliculatus,  Am.   lluin- 
phresianus 

Coronaten-Schicbton 

Ost.  Marshi,    Grcsslya    ab- 
ducla,  Bel.   giganteus, 
Am.   Humphresianus,    Am. 
Braikcnriclgii,    Am.    Sauzei 

Humphresianus-Bett 

Bel.  ^i^jiiitcus,   Am. 
Sii\\ci  l>\  i,  Am.   Hum- 
ph resiii  n  u  s 

V 
h 

V 

c 
_ 

P 

>rliiclilon  mil 
A  in.  Murohisonae, 
Pert,  pumilus 

Schichtcn  des  Inoce- 
ramus  polyplocus 
Am.  Murchisonae,    Pect. 
pumiluN,  (ircsslya    donaci- 
formis 

Am.  Murchisdiiae-Bett 

a 

Opalinus-Thone 
1)Tri{;.  na  vis-Zone, 
8)  Am.  lorulosus- 

'/.(>  IK' 

Am.  u|);ilin..  Nuc.  llamm. 
Onlli.  iirmal.,  Hrl.  lircv. 

Schichtcn  des 
Am.  op  a  Ii  nus 
Nucula  Hammeri,  Tri- 

L'uniii   navis 

Triiion.  navis-Fielt 
Am.  torulosus-Belt 

nliei-ster  Lias   (siehc  Tabelle  auf  pag.  411 

Der  weisse  odcr  b 


Petrographischer  Charakter.  Zuisclu-n  dcm  l.i;is  und 
und  dfin  nlicrci)  Jura  andcrprsrits  iziclil  sidi  iin  irrosscn  (Janzcn  cine  aullallcndr 
petrograpbiaobe  Verscfeiedeobeil  /u  crkcniKMi.  Die  im  Alliicnu-iucn  his  dahin 
dinikrlc  Gesteiasfarbe  wird  \\ciss  odcr  licht  i:cll»licli  \veiss,  Sandslcino  und 
Thonc  trrton  /uriick .  ln>llt'ai-l)ii:c  Kalksteine  und  Kalkincri.M'1  und  lichen  ihnen 


Credner,  Elemente  d.  Geologic. 


27 


418  N  I.    lli-inn>rhe  Geologic. 


spielen  die  Maupirnlle.  Als  diis  \\iclitiirsir  Schichtenmaterial  des  in 
Deutscliland  iilier  :500  M.  machtigen  \\eissen  .lur;i  miissen  die  meisl  \\eissen. 
nur  ausnahins\\eise  dnnkel  ^ei'iirbten  Kalksleine  angesehen  \\erden.  \\elrhe 
in  den  mannigfaltigsteo  Varietiiten  eraoheinen.  Bald  sind  sie  oolithisoh.  bald 
dieht.  bald  dicksehichlig,  bald  schiel'erii:  .  liier  sind  sie  fast  vollknmmeii  ver- 
sleineninizsarm,  dort  stellenweise  ganz  angefulll  von  organisrhen  Resten.  Na- 
menllieh  sind  es  Spongien  und  Korallen,  welche  das  Material  nianclicr  Scliicli- 
tt-iicoinplexe  fast  ausschliesslich  geliefert  haben,  die  danach  Spongitcn-  in  id 
Korallenkalksteine  genannt  werden.  Eine  sowohl  durch  ihre  technisehc  Nulx- 
barkeit  wie  durch  ihren  Reichthum  an  eigenthurnlichen  organischen  Reslen 
und  deren  aussergewbhnlich  gulen  Erhaltungszustand  berilhrntc  Vaiidat  der 
plattenfonnigen  dichten  Kalksleine  sind  die  Solenhofener  lithographisclicn  Schic- 
fer,  welche  in  der  Grafschaft  Pappenheini  in  Bayern  gebrochen  vverden.  In 
gewissen  Verbreitungsgebieten  des  weissen  Jura  erscheinen  bedeulendc  Ab- 
lagerungen  von  Do  1  omit,  welche  si<-h  durch  ihre  verhaltnissmassige  Annulh 
an  organischen  Resten,  durch  ihre  kryslallinische,  porb'se  und  cavernose 
Structur,  durch  ihre  meist  schroffen  Abstiirze,  ihre  oft  abenteuerlichen  ruinen- 
ahnlichen  Felsformen,  durch  ihre  Spalten-  und  Hohlenbildungen  von  den  bo- 
nachbarten  Kalksteinen  unterscheiden.  Statt  der  reinen  Kalksteine  und  Dolo- 
mite treten  besonders  in  den  hoheren  Etagen  des  weissen  Jura  sehr  gewbhn- 
lich  stark  thonige  Kalksteine  und  Kalkmergel  auf,  welche  dann  oftmals  mil 
wirklichen  Thonbanken  wechsellagern.  Viel  beschrankter  und  namentlich  in 
der  Na'he  von  Hannover  bei  Limmer  und  am  Ith,  sowie  im  Jura  bei  Porenti¥u> 
aufgeschlossen  ,  ist  das  Vorkommen  von  mil  Asphalt  iinpriignirlem  Kalkslein. 
Die  in  den  Asphaltbriichen  von  Limmer  gewonnenen  oolilhischen  Kalksleine. 
schieferigen  Mergel  und  Mergelkalke  sind  in  der  Weise  \on  Bitumen  dureli- 
drungen,  dass  sie  frisch  gebrochen  eine  dunkelbraune  Farbung  zeigen,  einen 
intensiven  Geruch  verbreiten  und  oft  Nester  und  Streifen  eines  dickflussigen, 
zahen  Erdpeches  umschliessen.  Haufig  sind  auch  die  Schalen  der  in  ihnen 
vorkommenden  Mollusken  in  reinen  Asphalt  verwandelt.  Dem  Einflusse  der 
Sonnenstrahlen  ausgesetzt,  bleicht  das  Gestein  und  wird  fasst  weiss. 

Palaeontologischer  Charakter.  Wie  in  den  unteren  Elagen  des  Jura, 
so  sind  auch  im  weissen  Jura  Pflanzenreste  sehr  selten  und  gehbren  einigen 
Cycadeen,  Coniferen  und  Farnen  an.  Die  Hauptrolle  spielen  die  Verlreter  des 
Thierreiches.  Die  wesentlichsten  ZUge  seiner  Entwiekehmg  \\iilirend  der  Pe- 
riode  des  oberen  Jura  lassen  sich  wie  folgl  kurz  7,nsammenfassen  :  Die  See- 
M-h\\amme  vermehren  sich  in  einer  so  enonnen  Weise  ,  dass  sie  gev\isse 
Banke  (Spongitenkalke)  des  schwiibischen  Jura  vollkommen  anfiillen  .  wiihrend 
die  eigentliche  Gesleinsmasse  nur  noch  das  bei  weitem  zurii<  ktretende  Sehich- 
tenmaterial  ausmacht.  Es  giebt  in  Schwaben  slundenlanue  Pelswttode  und 
Klij>pen  von  mehreren  Hundert  Fuss  Hbhe  ,  wo  man  keinen  Stein  aufheben 
kann,  der  nicht  Spuren  von  Schwammge^ebc  entliielte.  In  ganz  ahnlirher 
\Veise  entwickeln  sich  die  Korallen  und  z\var  namentlich  die  Geschlechtor 
Isaslrea  ,  Thamnastrea  ,  Stylina,  Montlivaltia  ,  Thecosmilia  u.  a.,  nur  ist  ihre 
Verbreitung  eine  well  allgemeinere,  so  dass  sie  in  fast  alien  Territorien  des 


VI.    Historisrhe  Geologic. 


419 


\\eissen  Jura  ansuedehnle  Korallenride  aafuehant  liaben  oder  za  maehtii:en 
KorallenbSoken  anucliiint't  sind.  Aurh  die  frillier  nur  spiirliehen  K  c  li  i  n  i  d  e  n 
i:e\\innen  an  lliinfigkeit,  y.alilreielie  Arten  dec  (leselileeliter  (lidaris,  lleinicidaris. 
Diadema ,  Echinobrissus  gehoren  za  den  bezeielmendsten  oruanischen  Resten 
dcs  (ihcrcii  Jura:  ilnv  I-'raiJiincMtc.  naiiiciillich  ihre  Slachcln  .  fallen  cin/.rlne 
Uiinkc  (z.  B.  die  Cid.  (lori^einnia-Banke)  in  grosser  Menij;e  an.  Wiilirend  die 
I'en  I  ai-rini  le  n  im  Veriileieli  mil  der  Un/ahl  von  Individnen  in  gewissen 
Schiclilen  des  Lias  seltener  \\crden.  i;e\vinnen  andere  (li-inoiden^esclilecliter, 
iiaiiicntlic'h  Apiocriuus,  Eugen  iacrinus,  Rhodocrinus  gro'ssere  Hiiu- 
liiikeit.  Die  eelilen  Osdven  trelen  fast  noch  massenhafter  auf,  als  ini  Dot^er; 
zu  ihnen  gesellt  sich  em  neues  Oslreidengeschlechl  Exogyra,  dessen  Vertreter 
l-Aiii:.  \iri;nla  nainentlicli  fill1  die  oberen  Ilorizonte  des  weissen  Jura  bezeich- 
nend  sind.  Audi  die  Triiznnien  stehen  denen  des  Dogger  an  Hiiufigkeit 
kauni  nai-h  und  liefern  einq  Anzahl  wichliger  Leitfossilien.  Das -Zweischaler- 
Geschlecht  Die  eras,  nahe  mil  Chaiua  verwandt,  besitzt  besonders  fUr  die 
Selixveiz  and  den  Iranxosischen  Jura  Wichtigkeit,  wo  seine  Vertreter  den  Haupt- 
Itestandtlieil  der  dnich  ihre  Felsbildungen  chrarakterisirten  Diceratenkalke  aus- 
maelien.  \ 'on  alien  oberjurassischen  Gasteropoden  zeichnen  sich  die  Neri- 


(  3U^^ 


Fig.  lr>7.     Pterodactyl  us    eras  si  rostri  n    Ooldt'. 

neen.  \\elehe  jel/l  das  Maxiinuin  ihrer  Knt\\  iekelanir  erlangen,  dnrcli  l-'di'inen- 
nnd  lndi\idaenreiehllaiin  aus.  Die  A  in  in  ci  n  i  I  e  n  and  Heleinniten  enlfalten 
in  deni  oheren  .Jura  nielit  die  i'|)pii;keil.  dareli  \\elehe  sic  t'iir  fast  jede  einzelne 


420 


\l. 


(icolo^ic. 


Scliicht  (U'S  Lias  mid  Dogger  so  charaklerislisch  \\urden.  Das  Yorwalten  der 
Planulalen,  eincr  Familie  dcr  Ammonilen,  deren  Hippen  sich  aid'  dcm 
Riicken  spalton ,  isl  ftlr  den  weissen  Jura  bezeiehnend ,  ebenso  die  llaufigkeii 
dcr  augenscheinlich  von  Ammoneen  abstammenden  Aplychcn. 

Die  Fauna  dor  Wirbellhiere  wird  ini  weissen  Jura  urn  mchivrc  T\pcn 
beiviclicrt,  naincntlich  finden  sich  in  ihnen  die  erslcn  Knochcnrcslc  von 
Sehildkrb'ten  (Chelonides,  Slylemis,  Emys  u.  a.),  also  dcr  hochsl  organi- 
sirten  Amphibien ,  sowie  der  Vdgel,  von  denen  uns  aus  aileron  Forrnationen 
nur  Fussspuren ,  die  mil  Bezug  auf  ihren  Ursprung  nicht  immer  gam  un/wei- 
felhaft  waren,  bekannt  wurden  (siehc  |>aiz.  :{95).  Dahingegen  sterben  Ich- 
thyosaurus und  Plesiosaurus  fast  vollkoninien  aus,  \\iihrend  die  ga  \ialii  hn- 
lichen  Saurier  und  riesigen  Lacerten  (Teleosaurus ,  Geosaurus,  Machimo- 
saurus,  Pliosaurus)  ziemlich  haufige  Knochen-,  Panzer-  und  Zahnreste  hinter- 
lasscn  haben,  und  die  Flugsaurier  (Pterodactylus  und  Rhamphorhynchus  das 
Maximum  ihrer  Eutwickelung  erreichen.  Namentlich  sind  uns  in  den  litho- 

graphischen  Schiefcrn  von  Solcn- 
hofen  vollstandige  Skelette  dic- 
ser  abenteuerlichen  Echsen  erhal- 
ten,  welche  mil  dem  ungeheuer 
verlangerten  ausseren  Finger  dcr 
Vorderfilsse  eine  Flughaut  jeder- 
seits  des  Kb'rpers  spannen  und  sich 
mil  dieser  in  flatternde  Be\\egung 
setzen  konnten  (siehe.  Fig.  257). 

Die  alteslcn  Skelettheile  cincs 
Vogelswurden,  wie  bemci'kt.  cben- 
falls  in  den  lithographischen  Schic- 
fern  von  Solenhofen  gefundcn  :  sic 
gehoren  nur  einem  einzigen  Indi- 
viduum  an,  cin  Hc\\cis  filr  die 
noch  immer  ausscrordcntlicli  ge- 
ringe  Vcrbreilung  des  Vngell\pus 
auf  der  jurassischen  Erde,  \\iih- 
rend  \vir  heutc  iiber  (>000  Species 
eierlegender  \VarmblUter  kcnnen. 
Der  solenhofener  .luraxogel.  Ar- 
cliaeopteryx  maerurus  O\\. , 
unterscheidel  sich  am  aull'allcnd- 
slcn  MIII  alien  jel/.l  Icbcudeu  Vii- 
gclu  (lurch  den  Ban  seines  Sehwan- 
zes  und  Heckcns .  in  \\clchcm  er 


Fig    258.     Xrchaeopteryx  macrurns  Ow.  s:    I,      |    n     |.,n,rc,.|iw:iiv/i<'i'n    lli<M<,.n 

a  hnnchendPsr-inr,,  Khigols.    -/.usainmpngp^Kt.    1>  GabelknodiPn. 

r  Elliv     il    S|ifi,-h,..     ,.  (ilMT.irni  des  andcrcn  FliiRfls.     f  BeckPn- 

noohen.    g  SchiHerknoelHm.   h  nimrsrhonkpl.    fUntftrechenkel. 

k  1'uss.     1  Schwadzwirbnl.    m  Fedprn  dt>-.  Sc-liwanzps. 


den  Sauriern  anschliessl.    Ilier  \\ic- 
derholt   sich   also   die    Erscheinung. 
Char.iklere  jet/i  schiirfer  gelrennler  Thierkreise  noch  in  Combination  aul'trelen. 

/Wi«j^fi/'H.  &tni*J-U*  s  i  til  .4*  *  £>]%  + 


VI.    HistoriM'he  Geologie. 


421 


ritcm-ste  und  z\var  n;iincntlich  rnlrrkiclVr  von  Sii  nuot  h  i  c  rr  n  sind  his 
jpt/l  nur  a  us  ciniM-  \\cni-c  /nil  miu-htigrn  LII-C  dcs  oh<>rsU-n  \\cisscn  .him  von 
England  hrkannt  g«'\\.»rdrn.  Sic  g.'liuivn  S  oder  «»  (latlimgrn  und  etwa  U 
S(HM-i«-s.  sovNohl  llrisrh-  und  insn-lcu-.  uic  pllan/.cntVcssiMulcn  klcinen  Bcutel- 
thitMvn  an. 

(iliiMlerung   des  obereu  Jura.     Der  ohere  Jura  zerfalll   in   dici   Tntt  r 
jihtlKMlunpMi:    den  Oxford,   KiinintM-iduc  und  Purbock;     von    iiiiiiu-lu-n  (Joologen 
\vird  drr  Kfllouax.    \NC|<-|HT    in    diesor   /usammcnsU'lluiu;    als    ohcrstcr 
hclraclilct  \\urdr,   /inn   \\cissrn  Jura  gezogen. 

llausbergen  Jacobsberg  Cementfabrik 


2-9  4 

Fig.  259.    Pr'ofil  des  weinsen  Jura  in  der  Porta  Westphalica. 

II  Cornbrasb.  2)  Kelloway,  :«  Oxford,  I)  Kimmeridge,  5)  Exogyra  virgula-Schichten.   K)  Plattenkalke,    7)  Miinder- 

mergel,  8)  Wealden,  9)  HUB. 

l)««r  Oxford. 

Die  SHiirlil.'mviho  dcs  Oxford  wird  vorzugsweise  aus  dichten  Kalksteinen, 
Ooliihrn.  Kalkmi'i-goln  und  Dolomiten  aufgebaut  und  im  Allgemeinen  charaklc- 
risirl  durch  die  Ftthrung  von  Cidaris  florigemma  Phill. ,  Cidaris  coronala  Goldf.  , 
Kdiinohrissus  scutatus  Lam.,  Hcmicidaris  crenularis  Ag. ,  Apiocrinus  Roissya- 
niis  d'Ord. ,  Tcivhralula  (Megerlea)  pectunculus  Schloth.,  Terebralula  impressa 
Hurh,  Hhxnchonella  lacunosa  Schloth.,  Trigonia  clavellata  Park.,  Ammonites 
hiarmaliis  Zict. ,  Ammonites  perarmatus  Sow.,  Ammonites  biplex  Sow.  (plica- 
tilis  d'Ord.  ,  Hclcmnilrs  hastatus  Blainv. 

In  dicscr  Schichlcnfolgc  treten  drei  Horizonte  durch  die  massenhaflc 
Anhiinfung  nalu-  \cr\\andter  Thierformen  desonders  auffallig  hcrvor.  Der 
lirfslr  dcrsddcn  (sirhc  die  unten  folgcnde  Tabelle)  ist  cine  Kora  Hen  bank , 
\\Hrlir  namcnllich  in  Norddeulschland  und  England  entwickelt  und  vor/ugs- 
\\.-isr  ans  Sti.ckcn  von  Isastrca  holianthoides  Goldf.,  Stylina  limhala  Goldf. , 
Monllixallia  srssilis  MUnst.  u.  a.  zusammengesctzt  ist.  Eine  iihnliche  Korallen- 


Fig.  260.    ilemicidaris  cronnlaris  Ag.    a  Von  der  Seita  ;  6  von  Oben  ;  c  vou  Unten. 


122 


\l    Historische 


Fip.  2til. 

(.'  i  il  a  r  i  a  f  I  o  r  i- 
ge  rn  in  a  Phil. 


'l>rpbratula    p«ctnnctilus  Schloth. 


Fig.  203.     Trigonia  clavella   a  Park. 


Belem  niti 
hai-tatus  Blainv 


l);ink  i^Coralrag  von  NaUheim  zeigt  sicli  in  Scinvaben  in  einem  et\\as 
\i\c;m,  iichnilich  an  der  oberen  Grenze  des  Oxford,  lliroin  organisi-lu-ii  I  r- 
sprunge  nach  den  Korallenbanken  iihnlich  sind  die  Spongiten-  (otter  Scy- 
phien-  Kiilke,  welche  in  Franken  tintl  ScliNNnlien  am  niaehligsten  sind,  von 
\\«»  aus  sie  sich  mil  IbrhNiilirend  abnehmender  Miielitijikeit  durch  d;^1  Sch\\t-i/ 
bis  in  die  Bourgogne  verfolgen  lassen.  Wie  dcr  Name  andeutel,  bilden 
Spmiuien  tlas  ursprUngliche  Hauptmaterial  dieser  Kalksleine.  Namenllieli  isl 
die  (lattung  Seyphia  (z.  B.  durch  Scyphia  reticulala  (ioldl'.  .  CtuMiiidium  /.  li. 
diireh  (Inemidium  rimulosum  (ioldf.),  Tragos  (z.  B.  dureli  Tragos  patella  (ioldf. 


Fig.  2Wi.    Diceras  arietinnm 
La  m. 


Fig.  2K5.     Scyphia  reticulata 
6  Einc  stark   vprprosserte  I'artio  des  iSchwatninu'' •: 

vertrrU'n.  Den  tlritten  /oogenen  Ilori/ont  ties  \\cisscii  Jura  bildeu  die  Dice- 
rale  n-Ka  Ike.  di(>  in  den  frau/usischen  unit  seh\vei/er  Terrilorien  der  .Inra- 
formalinii  ihre  uriissle  Vcrbreilunii  linden,  an  der  (Jrenze  /AN  isehen  Oxford  imtl 
Kiiumcridge  stchen  nnd  angefdllt  sind  von  Dieeras  arielinum  Lam. 


VI.    Historische  Geoloeie. 


423 


It     Her   Ki  iniiH-r 

Die  Srliirlilonroihe  do  Kimmoridtio  hestrhl  aus  didilen ,  tluini^on  und 
onlitliisrlion  Kalksloinon.  \\alnvnd  in  ihren  obeivn  llorizonten  Kalkmergel  von 
\orhoiTsrhond  uraiu'r,  liclil  i-olblirliweissor  odor  vollkomnuMi  weisscr  Farhe 


Fig.   2»>7.    Pteroceras   Oceani   Brong. 


Fig.  2W*.   Nerinea  tuberqulosa  Rom. 


Fig.  269.   Exogyra  virgula  Sow. 


VOIAN alien.     Unler  don   zahl- 
n-ichon     orgainscften    Resten 

dioscr  (irup|)o  sind  als  Leil- 
In.ssilicii  hoi'xnr/nliolMMi  :  Ple- 
roct-ras  Ocoani  Brong.,  Neri- 
nea tubt'irulosa  Rom.,  Neri- 
noa  Brunlrutana  Thurni., 
Norinra  |>\rauiidnlis  Mllnst., 
K\oi:\ra  viruula  Sow.,  Pholadomya  acuticostata  Sow.,  Corhis  subclathrata  Buv., 
Tcroliratula  siihsella.  Lo\in. 

Den  intcrossanloston  Schichtoncomplex  dor  Kininicridi-'cfonnation  bilden  die 
Solonlmi'cnor  Scliid'cr.  Ihr  iiloicliiniissi^'s  Geftige,  die  Feinheit  ihres  Kornes, 
hcdin^fii  niclit  inir  den  hohen  technischen  Werth  dioser  Plattenkalke,  sondorn 
lialx-n  sio  aucli  /uiiloich  /.ur  Krhaltnng  der  zartesten  Thetle  von  Organisincn 
Ix-laliii:!.  so  dass  uns  in  ilinon  cine  roiclio  ohorjurassisclie  Fauna  tlberliofort 
\\Di-doi i  ist.  die  nlino  so  ^Instiiir  Vcrliiiltnisso  spurlos  verschwundon  \\iirc. 
Hire  Hanplropr;isontanton  sind  nackto  Ccphalopoden  mil  Schulp,  Mantel,  Kopf,  Ar- 
nicn.  Mauon  und  Tinlenhontol,  forner  Aplychen,  Krebse,  namontlicli  Asiacidcn  mil 
Niokliodcriiion  Filhlern  und  wohlorhallenen  Scheeren  und  FUssen,  I.ibelluliden  mil 
doiu  /arlosten  NetzgoNNcbo  dcr  Fliip-l,  langbeini^r  Spiinn-n.  l-'ischskoletle  vorztlglich 
vonMojialunis-und  Aspidorli\noliiis-Arton,  ondlidi  Hoslo,  ja  /.innTlioil  vollkoninuMie 
Knoclionizorilslo  dos  Pterodactylus  und  RliainpliorliNiiclnis.  l)onsoll)cn  Sohiohlen  onl- 
slannnen,  wie  beroils  n\\almt,  die  Kuochenreste  und  Federn  von  Archaeopteryx. 


424 


VI.    lliston.srlic 


Steinkcrne. 


Ill    den    Alpen   iiinl    Apenninen,    namenllich    in    Sildlirol,    fimlen  sich  rothe 
mid    weisse    Kalke,     vvolchc    cine  ganz  eigenthUmliche  Ammonilenl'aima   bergen, 
iiiiMicntlich  aber  (lurch  ihrcn   Reiehlhum  ;m  Terebralula  diphya  Col.    be/eirlmH 
und    von    bunlcn    Kalkschiofcrn    mil   zahlreichen    Aptychen    (Apl\chonschiel'rni 
unlerlagerl  werdcn.     Dicser   Schichlencomplcx  isl  als  cine 
cigcnlhUmlichc  Facics  des  obcrsten    Kimmeridge,   viclleichl 
zum  Theil  auch  als  cine   Aequivalenlbildung    des  Purbeek 
/u    belrachten   und   als    tithonischc    Elage   bezeirlmei 
\\orden.     Auch   im  nordlichen    Miihrcn,  sowic  in  Ungarn, 
\\tederholen   sich    Gebilde    dcrselben,    durch    Terebratula 
Fig. 270.   Terebratnia    diphya    bczcichnclen    Facies     (Klippcnkalke,     Stramber^ei1 
Kalke).   Die  Zugchorigkcit  dor  unlcrcn  lilhonischcn  Schich- 
len  zum   Kinimcridge   geht   mil   Sicherheil   aus   dem    Vor- 
kommen   von   Ammonites   plychoidcs  Quensl.,    Am.    torti- 
sulcalus  d'Orb.,   Am.   hybonodus  Opp.,   Am.   lilhographicus 
Opp.    u.     a.    hervor,     vvelche    sie    mil    den   Solenhofcner 
Schiefern  gemeinsam  haben. 

Fig.  271.  Ap  tychns 
laiuts   Munst. 

c)  Der  Purbeck. 

Wahrend  die  Juraformalion  in  den  meislen  ihrer  Verbreilungsgebiete  mil  dem 
an  Exogyra  virgula  reichen  oberen  Kimmeridge  abschliessl,  folgt  auf  diesen  im 
slidbsllichen  England  und  an  den  'gegeniiberliegenden  Ktlslen  Frankreiehs, 
sowie  im  nordwesllichen  Deulschland,  eine  z.  B.  am  Deisler  bis  500  M. 
macliliiie  Schichlenreihe,  welche  mil  dem  Namen  Purbeck  oder  unlerer 
Weal  den  belegt  vvorden  isl.  Sie  beslehl  in  Deulschland  (siehe  Fig.  259)  zu 
untersl  aus  dilnnplalligen  Kalksleinen  (Eimbeckhauser  Platlenkalkeivi  \oll  Cor- 
bula  inflexa  Dunk.,  auf  welche  rolhe  und  grunlich  graue  Mergel  (Mundermergel] 
mil  Gyps-  und  Sleinsalzeinlagerungen,  sowie  mil  Corbula,  Paludina  und  Cyelas 
folgen.  Sie  wiederum  werden  von  cinem  Kalkslein  Uberlagerl,  der  von  Scr- 

pula  coacervala  Blum,  angefiilll  isl  und 
zum  Theil  tasl  allein  aus  den  Rbhren  der- 
selben  beslehl,  zu  denen  sich  noch  einige 
C  \renen-  und  Corbula -Arlcn  iies(>ll»Mi. 
Wie  die  organischen  Resle  des  deulschen 
1'urbeck  beweisen,  isl  dieser  eine  Brak- 
wasserbildttng. 

In  England  besilzl  die  Scliichlen- 
reihe  des  Piirb(>ck  nur  53  M.  Miichligkeil 
und  besleht,  abgescHien  von  einigen  Kalk- 
steinbiinken  marinen  Ursprungs,  elxMi- 
falls  aus  Brakwasser-  und  Susswasser- 
gebilden.  Es  sind  Ihonige  graue  Kalk- 

sleine  und  Mergel  mil  Paludina,  IManorbis,  Limnaea,  Melania,  Cyelas,  Cyrena, 
Corbula,  Unio  und  Cyprisarlen;  namentlich  lelzlcrc  bcdeeken  die  Schichlungs- 
fliiehen  in  ungeheueren  Schaaren.  Dem  millleren  Niveau  des  Purbeck  gehdrl 


Fig.   272.   Profil  durch   don    un  lorn  ten 

Pnrheck  auf  der  Insel  Portland. 

a  Portland  marin.  h  Siisswassergebilde  des  nn- 

terpn  Purbeck.  c  Purbeck-Dammerde  mit  Coni- 

fpren.  d  Siisswassorkalk. 


VI. 


425 


Die  (iliiMlcrung  rtes  oheren  Jura. 


Alljjemeiiie  Kinthei- 
luni;  narh   Oppel 

Im  n<inlwcsll.  Doutsch- 
l.uiii  nac-li  llciiir.  Credncr 

In  Hannover  nach 
\<m  Seebach 

In  England 

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5 

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Porbeck 

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H 

Serpulit 
tt  — 

Serpulit 
^ 

Purbcck 

Miindermergel 

5       Purbeckmergel 

~>>       Eimbcckhauser 
Plntlcnkalke 

^       Eimbeckhauser 
Plattenkalke 

- 

:r. 

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& 
5 

x 

hvtt  dcr 
Trigonia    gibbosa 

Schicbten  der 
Exogyra  virgula 

Schichten  des  Amm. 
gigas 

Portland 
Kimmeridge 

Schichten  der  Exog. 
virgula 

SolenhofenerSchirli- 
len 

Schicbten  des 
Pt  croc  eras  Ocean  i 

Nerin.  pyramidalis, 
Ncr.  Bruntrutana,  Ner. 
Gosae 

Pleroceras-Schichlcii 

Belt  des  Ptero- 
ccras  Ocean  i 
Nerin.   pyramidalis 
1.  iii-iii.  i  substriala, 
Avicula   subplana, 
Cid.   pyrifera 

Belt  der  Astartc 
s  u  pracora  1  1  i  n  a 

IVrl.   \arians,  Oritli. 
scplemplicnlum,  ('.hem 
ahhrcviata,  Xalica  glo- 
hosa,    Nal.  hemisphae- 
rica 

Schich  ten    mil  Ner. 
tube  rculosa  ,  Neri  n. 
obt  usa  ,  Cbcmnitzia 
abbrcviata,  Cerith.    sep- 
teinplicatuiii,  Astarte 
supracorallina 

(?)  S  c  h  i  c  h  t  en  d  e  r 
Neri  n.  V  isu  rgis; 
Ncrin.  luberculosa, 
Chemn.  abbreviata, 
(1'Milli.  septcmplicatuni 

K  o  ra  1  1  e  n  -0  ol  i  th 
Cid.  Horigemma,  Rhyn- 
chonclla   pinguis,  Ter. 
humeralis 

Schichten  mil  Nat.   glo- 
bosa,    Nat.  hemispbaer. 

— 

:- 
C 

X 

o 

?  Belt  des  Diceras 
a  r  i  e  I  i  n  u  m  , 
Ner.  Visurgis 

Schichten  mit  Ci- 
daris  flori  gem  ma; 
Ncrin.  Visurgis,   Phasia- 
nHIa  striala,   Pcct.  \a- 
rians,    Tcf.   liumcralis, 
Khyn.  pinguis,  Chcmn. 
Heddingtonensis 

0\f(ir<l-0(ililh 

1'.  ••  1  1  des  Cidaris 
flori  ut'in  in  a  ; 
Iriu.  i  la\Hlala,  Cliemn. 
Hcddingtonensis 

Scy  phien-  Ka  Ike 

Slid-  DrlllM-hlalllls     Mill 

/.alilrcichcn   Spontiicn, 
lUixn.  lacunosa,  Trivln- 
pcctunculus,  Cid.  curd- 
natus 

Schich  ten  der 

i.  r\  ph.    <l  i  1  a  (  a  la 
iiml   I'l-clcn  siihlilirosus. 
X.iiobersl  die  K  o  r  al- 
ien bank,     i  I.I  Ml  III.  T 

Sch  ich  t  tnit  Am  m. 
pcrarma  tus, 
AIIIIII.  complnnaliis. 
Am.   (-(iidatus,   Atnm. 
plicatilis 

Kora  He  n  ba  n  k 

IsasliiM    licliaiilhoidi's 

l-ower 

calcareous 
grit 

Oxford-Clay 

Boll  des  Am.   biar- 

m  a  t  u  s  , 

Am.  rnnl.itu-.    \m.  pcr- 
annahis  .    H.'l.    ha.st.ilii-;. 
Gr^pli.  ihlalala.  Tcrebr. 
inipressa 

II  IM  sii  en  i1  r  Sc  h  ich- 
IIMI  mil  Am.  pcrarma- 
tii^.    l.i\ph.   dilatala, 
Pect.  siiblibrosns,    I'ha 
sian.  striata,  Amm. 
plicatilis 

Kcllo\\a\ 

Dogger:   Kclloway 

Kclloway 

l\i-llo\\ay 

die  inn  \\nii-c  /.ill  miirlilip'  S<-hiclil  ;in,  \\clrlic  (lurch  die  znhlrcichcn  Fund*' 
von  oiiiLM'sclnNciiinilcn  Sii  uur  I  h  i  c  rrcslon  cin  so  .m'osscs  pjilaconloloiiisclics 
lulcrcssc  ci-li;ilt(Mi  h.il.  Vor/iiulich  sind  cs,  \\ic  bcrcils  ohru  <-r\\iihnl,  die 
TnliM  kiclcr  \on  Betrteltbieren,  die  man  dicser  Schichl  entnommen  und  PJagiau- 


426  VI.    Hi-torischo   (ioolo.mo. 

l;i\.  <;.ilr>tes.  Trinniiidon  bcnannl  hal.  In  dieser  \on  Niederschliigen  JIMS 
Wasser  gebildeten  Schichlemvihe  und  z\\ar  namentlich  in  ihrem  tiefslrn  llm-j- 
zonte  sind  dankelbraune  Itis  schwarze  Zwischenlagen  von  \or\\elllidier  Damm- 
erde  (dirt-beds)  efngeschaltet,  \\eldie  zahlreiche  DbertfeSte  einer  ans  Ooniferen 
und  Cxradeen  hesidienden  \\ald\egelation  umschliessen,  deren  Stainme  oft 
noch  aufreeht  slehend  angelron'en  \\erden.  \\ahrend  ihrc  Wurzeln  lid  in  den 
rntergrund  eingreifen  und  die  abgebrochenen  Slamme  horizontal  zwischen  den 
uchliobenen  Striinkcn  licucn. 

Ans  dci-  Tlialsadu1,  dass  die  rein  inarincn  (lehilde  des  Dorddeutschen 
\  on  einer  Brak\vass(M-forniation,  dcnn  solchcs  isl  dcr  Pui'hcck 
llannovers,  ilberlaycrt  \\crden,  ferner  darau's,  dass  in  Kngland  auf  den  dorli- 
urn  inarinen  Portland  eine  Sdiiohtenreihe  von  alwodisdnden  Hrak\\asscr-, 
.MciTNvasser-  und  SttSSwasserablagemngeTl,  so\vie  Dannncnlc-.  also  Feslland- 
gebilden  fol.ut,  udit  IHTVOF,  dass  die  beiden  beschriebenen  TerritonCn  am  l-'.ndc 
di  i  .luraperiode  eine  von  vielfachen  Oscillationen  unterbrocbene  Hobuni:  ri- 
litlcn  haben,  in  Foluc  dcrcn  sie  zum  flat-hen  Ktistenlande  Nvurdcn.  Andrr«- 
und  z\\ar  die  ui-osse  Mehrzahl  der  jurassischcn  Ablagerungen  blieben  \\iilircnd 
dessen  Meeresgrund,  so  dass  der  Absatz  mariner  Sedimentc  unucslorl  anl  ilmi 
seinen  Korliianjj;  nehinen  konnte.  Ilier  folgt  also  unmiUelliar  auf  den  inarinen, 
oberen  Jura  die  echte  untere  Kreide,  welche  auf  dem  unterdessen  zuni 
sumpfigen  Festlande  gewordenen  Purbeck  naturgemass  fehlt  und  durch  eine 
Sumpf-  und  Siisswasserbildung,  den  eigenllichen  Wealden,  ersetzt  wird. 

Geographische  Verbreitimg  der  Juraformation.  In  Deuisdiland  be- 
sil/.l  die  Juraformation  drei  grosserc  Verl)reilungsgebiete :  das  frankisch-sdi\\a- 
bisdie,  das  des  nordwestlichen  Deulsehlands  und  das  von  Obersehlesien.  In 
Franken  und  Sch\\  aben  bildcl  das  Ausgehende  des  Jura  einen  \\eilen  Hogen. 
(lessen  slarksle  Ki'iimmung  in  der  (legend  von  Regensburg  liegt.  indem  sidi 
sein  siidlidier  Schenkel  von  Sehafl'hausen  aus  in  nordbsllicher  Richlung  hin- 
zieht,  sein  nordlicder  hingegen  elvva  von  Coburg  aus  nach  Sild-Siidost  slreieht. 
Ersterer  wird  wescntlich  von  der  rauhen  Alp,  letzterer  durch  den  frank isehen 
Jui-a  repriisentirt.  An  der  Zusammenselzung  dieses  Jura-Terriloriums  bethei- 
lig«>n  sich  Lias,  Dogger  und  \\eisser  Jura.  Der  Lias  bildet  ein  (ladies  llilgel- 
laud,  welches  sich  wie  ein  Teppich  am  Fusse  des  Gebirges  ausbreitet  und  ge- 
\Mihnlidi  \on  den  Flusstliiilern  so  lief  eingcschnilten  \\ird,  dass  durch  sie  die 
Keiiperschichten,  welche  seine  Basis  bilden,  entblossl  werden.  Der  Dogger 
trill  in  einer  weit  sehmiileren  Zone  in  Form  mehr  oder  minder  steiler  Abhange 
am  Fusse  des  aus  weissem  Jura  bestehenden  Mei-glandes  hervor,  welches  .sieh 
in  zum  Tlieil  geualligen  schroflen  Felsuanden  iiber  diese  Abhiinge  erhel)l  und 
auf  seiner  llohe  (>in  llochplateau  bietel.  das  sich  allmahlich  nach  Siidosten  liin 
abscnkl.  Der  weisse  Jura  Frankens  ist  durch  das  Auftreten  miichtiger 
Dolomite  ausge/.eidmet.  in  welchen  sich  die  beriihmlen  Hohlen  von  Muggendorf 
und  (Jeilenreiith  ausdehnen.  Die  niedrigc-  Ki'hcbung,  welche  den  friinkisdien 
Jura  mil  der  rauhen  Alp  \erbindel.  isl  das  Terrain,  auf  \\elchem  die  be- 
rtthmten  Platlenkalke  von  Solenhofen  und  Pappenheim  zur  Ausbildung  gdangl 
sind. 


VI.    Hi>torivr|ie    (irolo-ir.  127 

Die  Schichlen  der  n  <>  rd  d  e  u  t  sc  h  e  n  Juraformation  breiten  sich  in  einer 
\on  West  gegen  Osl  gerichtetCB  Bacht  *OSj  \\elche  sich  von  der  (Iren/.e  Hollands 
liis  in  die  (legend  \mi  llalhcrstadl  crslreckl.  In  dem  gnisslen  und  x\\ar  in 
dem  nordlichen  Thcile  dcs  Verbreilungsgebietes  dcs  Jura  sind  (lessen  Schich- 
ten  untcr  Diluvialbildungen  \erborgen:  nur  an  seinein  siidlichen  Mantle  trelen 
sie  in  Form  einer  last  ununlerbrochenen,  von  West  naeh  Ost  slreielienden  Zone 
/.n  Tage  nnd  bilden  in  ausgedehnten  niedrigen  llohonxilgen  den  siitllielien  S.nnii 
des  norddeulschen  Flachlandes.  Der  bedcutendsle  dicser  jurassischen  Bergnieken 
isl  die  \\eserkelte.  \\elelie  dort.  \\  o  sie  von  der  NYeser  durchbrochen  \\ird, 
an  der  I'orla  NVeslphalira.  eins  der  sclii>nsten  Profile  durch  den  nortldenlsclien 
Jura  hietet.  Von  hier  aus  \\endel  sich  dieselbe  ueuen  SUdost  his  nach  dein 
Siintel  nordlicli  \on  llaineln  nnd  steht  hier  mil  einer  kJeinen  Seitenhucht,  der 
Ililsnnilde,  in  VerJiinduni;.  \\elehe  sich  nnnnlerltrochen  l»is  in  die  Nahe  von 
Kimlterk  erstreekl  nnd  deren  nrspriiiiiiliche  \\eitere  Fortsety.ung  gegen  SUdost 
durch  'die  isolirlen  Schtillen  dcs  l.ias  in  der  (iciiend  von  Golliugen,  Kisenach, 
<.otha  nnd  Arnstadl  angedeulel  \\ird.  Ah-esehcn  von  den  inselformig  aus 
den  jiin-eren  Fonnationen.  nanientlich  dem  Diluvium  hervortretenden  Partien 
des  Jura  bei  Hannover,  biltlel  diese  Formation  den  llauptbesUmdtheil  der  Hohen- 
x.utir.  \\elche  sich  \on  Ilildesheim  bis  (ioslar  nnd  Harxburi.-  erslrecken.  \Veiler 
ueuen  Osten.  also  in  dem  Im^eli-en  l.andslriche  nordlich  und  nb'rdostlieh  vom 
llar/.c,  /\\ischen  Mrannsch\\ei;:  und  Mat;deburii,  erscheiiuMi  Schichten  tics  Jura 
als  /..men form iue  I'liiizdrUin^n  xahlreicher  Inseln  iilterer,  namentlich  Iriassi- 
schei-  Formalionen.  V,.n  den  ein/elnen  Gliedern  des  Jura  erheben  sich  die 
(icliilile  dcs  \\eissen  Jura,  und  unter  diesen  namentlich  die  durch  ihren  oolithi- 
.NclH-n  Charakler  ansuc/eichncten  Kalksleine  und  felsbildenden  Dolomite  der 
Oxlwdgruppe  x.u  den  er\\iihnlen  HohenzUgen,  vvahrend  un  deren  siidlichen  Ab- 
lianucn  die  nieist  aus  ihonigen  (JesUMnen  bestehenden  Scliiclilcn  des  Lias  und 
Koiiucr  ;ils  schniiile  Siiume  xu  Tage  tretcn. 

Das  dritle  deutsche  jurassischc  Teirilorium  isl  das  von  Oberschles  ien, 
\\elches  sich  iiber  die  preiissische  (iren/.e  bis  nach  Polen  hinein  erslrcckt. 
Die  oberschlesisch-polnische  Jural>ildung  nimrnl  cin  Areal  \on  iiber  101)  Qua- 
dralmeilen  cin.  uelches  IVeilich  xum  grosslen  Theile  von  Diln\  ialablagerun^en 
bedeck!  ist.  Sie  scl/l  y.unachsl  den  iiegen  l-'i  Meilen  Ijingen  und  I  bis  4  Mei- 
len  breilen  llohen/.ui:  /usammen,  vvelcher  \on  Krakiiti  bis  Cxenstochau  zusam- 
menhjingend  sich  lort.M'slrcckl  und  sich  \on  d,i  mil  rnlerbivchun-en  in  nord- 
\\csllichci'  Michtun-  bis  \\ielun.  j;i  sclbsl  bis  Kiilisch  aus  dem  Diluvium  her- 
\orhebl.  Die  kalke  dieses  llohenxuges  gehnren  dem  \veissen  Jura  an  mid 
vcrdcn  MIII  den  Ihonig-sandigen  Schichlcn  dcs  Do^er  unlci'lcun ,  N\cl,-Iie  ,n 
Siiducsicn  der  crslercn  cine  \on  Nordosl  n;ic|i  Sii<lost  slreichende  /one  bil- 
den  und  direct,  und  /\\;ir  duivhaus  glei«-liloniiig.  auf  den  oberslen  Schichlen 
des  keii|ier  aulriilien.  Die  oberschlesiscli  -  polnischen  Juraablagcrungen  /eigen 
mil  dcnjenigen  Siiddcnlschliinds  und  namenllich  \\  iirteinbei-s  cine  so  grosse 
I  ber.inslimmung  in  pelroijrapliisclier  nnd  palaennKilngischer  Ilinsiclil .,  dass 
dai-iius  auf  cinen  direclen  /iisaniinenliang  der  .Mecivsllieile .  in  Nvelclien  die 
Abbgerungen  beidei-  (Jcgmden  ,si<'li  bildct.-n,  geschlossen  \\erden  darf.  Dics<- 


428  VI.     Hl>lnriM-|le 

Vcrbindiingsslrasso  mag  (lurch  .Mahron  in  der  Uirhiuti-  aul'  \Vien  mid  \on  da 
.ml  RegensbttTg  gcfUhrl  hahon  llbchst  auH'iillig  isl  jedoch  d;is  Yorkommen 
jurassiseher  (iesleinc  und  Fnssilicn  <!<T  polnischen  Faeies  in  der  Sachsisoh-bbh- 
misehen  Sehwei/  mid  der  sudliehen  Lausil/.,  \vo  sic  auf  dor  Grcnze  /\\  i.sclicn 
<lor  Kroidc  (Quadersandslein  and  dcin  Granite  des  Lausilxor  Gebirgcs  in  iihcr- 
uckipplor  Stellung  oingokcilt  aiil'tretcn. 

\\ahrscheinlieh  nur  als  jinssi-rstor  Vor- 
posten  dcs  oberschlosisch-polnisclicii  Jura- 
gebietes  sind  die  isolirton  Juravorkoiiiincn 
an  den  Odermiindungen  zu  f)etraclilcn.  Ivs 
sind  dies  zum  Theil  von  den  Wot;cn  dcs 
Diluvialmeeres  untervvasclicnc  und  /nsani- 


.iur.issischft(0ber-0xford-)  Kiippeu  mengebrochene    Klippen  .     also    llaul\\crkc 

von  gcwalligcn  Felsblockon,   zmn  Theil  ah.-r 


auch  noch  fest  anstchende  Gesteinsmnssen,  deren  unten^  Ni\cans  dcm 
deron  obere  Horizonte  dem  weissen  Jura  angehbren.  Erstere  habon  cine 
Ahnlichkeit  rnit  dem  oberschlesischen,  letztere  eine  solche  mil  dem  hannn\cr- 
schcn  Jura  und  rcprasenliren  den  oberen  Coral-rag  Romers  (also  den  obcrcn 
Oxlord.  namentlich  die  Schichten  mil  Pecten  varians),  sowie  die  Pteroccras- 
Sohichlen  dor  Kimmeridge-Gruppe. 

In  Russland  gewinnt  die  Jura  formation  und  zwar  fast  ausschlicsslich 
ilcr  obore  Dogger  eine  ansehnliche  Verbreitung  und  dehnt  sich  namentlich  in- 
ncrhalb  des  palaeozoisclion  Bassins  von  Moskau  iibei'  \\oito  Shvrkcn  aus.  In 
dor  Krim  und  am  Kaukasus  hingcgen  erheben  sich  jurassische  Gebilde  /.u  \\ii-k- 
lichen  Gebirgketten. 

In  Kngland  selzon  die  Schichlen  dos  Jura  cine  breite  Zone  zusammon. 
vvelche  sich  von  Portland  und  Lyme  Regis  an  dor  Kiiste  dos  Canalcs  in  last 
genau  nordlichcr  Richlung  Ubcr  Bath,  Oxford  und  Lincoln  orslrcckt,  bis  sie 
bci  Whilbj  nbrdlich  von  dor  TrentmUndung  die  Ostkiistc  erreicht.  Allo  drci 
llanplabthcilungen  der  Formation  sind  doullich  onl\vickoll.  Hire  l.aucrung  isl 
iin  Allgcmeinen  eine  sehr  cinfache,  indem  die  Schichten  dos  gosammlon  S\- 
slcms  llach  nach  Ostcn  cinfallen,  so  dass  an  dom  Woslrando  dor  Jura/.ono  die 
unterslon,  \veiler  ostlich  die  jiingeron  (llieder  <les  Jura  zu  Tage  ausgchcn; 
cisloro  lagern  gleiehforrnig  auf  dem  oboron  Keupor  auf,  lel/loro  \\crdon  von 
dor  Krcide  ilborlagert. 

In  Frankreich  trilt  die  Jura  formation  in  zwoi  ringfb'rmigon  Zonon  an 
die  Oberflache,  deron  siidliohe  ziemlich  vollsliindig  goschlo^scn  isl,  \\iihrond 
die  nui-illiclie  gogon  den  Canal  hin  \voil  goolTnet  isl  und  anscheinend  mil  dem 
eni:lischon  Jura  in  Vcrbindnng  gcslandon  hat.  Dor  siidlioho  King  imigilrlol 
das  Liranilischo  (^ontralplaloau  Frankroichs,  auf  (lesson  Riindern  die  jiirassischon 
Schichlen  anfgclaucrl  sind  und  von  welehon  sic  allseitig  abfallcn,  so  dass  dor 
Lias  cine  innoro  Zone  bildol.  dor  Dogger  und  \\oisse  Jura  mchr  nach  Au^en 
hiu  auflroton.  Der  nordlioho  Juraring  vorhiill  sich  gerade  umgokehrl,  indoin 
allo  Schiclitcn  nach  inneii  einfallen,  also  cine  llacho  Muldo  bildcn.  doron  iil- 
tere  Glieder  in  der  iiussereu  Umgron/.ung.  doron  jilngslo  Schichten  mehr  nach 


VI.    Ilistorisclie    (ieolo»ie.  429 

Iniifii  liegen  .  \\iihrend  das  Centrum  derselben  von  Kreide  mid  Terliiirbildun- 
grn  ausgefiilll  isl.  Dem  iisllichen  Flugrl  dieser  grossen  Mulde  gchiirrn  die 
jurassischen  Ablagerungen  \on  DC  u  t  sc  h  -Lot  liri  n  ii  e  n  ,  namenllich  die  Land- 
striche  /\\ischen  .Met/  und  Diedenhot'en  an. 

Von  Schwa lu-n  aus  sel/l  die  .liiral'ormalion  in  sudweslliclier  Richlung,  also 
in  dei'  YerJttngeraBg  dec  rauhen  Alp  liber  den  Uhein  in  schwe ize risch es  Ge- 
liiet  fort  und  bildet  hier  dorJuragebirge,  welches  von  Basel  bis  Genf  reichl 
und  aus  einer  An/.alil  \on  1'arallelketlen  besteht.  Diese  verdanken  ihren  Ur- 
sprung  einer  Falling  der  jurassischen  Schichten  sielie  l;ii^.  242),  in  Folgo  deron 
niehr  oder  weniiior  steile,  lantiiAtv.ogene,  xuin  Theil  aiif  iluvr  obersten  Wol- 
\m\\ii  auseinander  ^eliorslene  Siittel,  ja  vollslandi^e  Uberkippungen  entstanden. 
Von  de in  Territorium  des  Schweizer-Jura  zog  sich  eine  jetzt  zum  grdssten 
Theil  /eistuite  oder  verdeekte  sclnnale  Zunge  jurassischer  Ablagerungen  in 
nonlostlielier  Hichtung  in  die  Huelil  /.\\  ischen  Vogesen  und  Schwarzwald,  also 
das  heutige  Hlieinthal.  -  die  kleinen  isolirton  .luraparticn  von  Wiesloch,  Frei- 
Iturg  und  Kandern  auf  dem  rechten  Ufer  des  Rheines  und  von  Buxweiler, 
RappoHsweiler  und  Rauffjich  im  Elsass  sind  tlberreste  derselben. 

Kinen  Hauptantheil  niinint  die  Jurafonnation  an  dem  Aufbau  der  Kalk- 
alpen.  indeni  sie  sich  in  Form  eines  breiten  Bandcs  um  den  S(id-,  West-  und 
Nonlrand  der  Alpenketie  schlingt,  so  dass  letzltM-e  einein  ungeheueren  jurassi- 
schen (leuollx-  deieht.  welches  in  der  Mi  tie  weit  aufgerissen  ist,  urn  die  kry- 
stallinisfhen  Gesteine  der  centralen  Zone  hindurchtrelen  zu  lassen.  Die  Lage- 
ningsNcrhaltnisse  des  alpinen  Jura  sind  durch  wiederholte  Knickungen,  Zer- 
rcissungen,  t'berkippungen  und  Verwerfungen  der  Schichten  sehr  verwirrt  und 
\Nerden  (lurch  einen  ganz  allgemein  auftretenden  Metamorphismus  des  Gesteins- 
matei  iales,  sowie  durch  das  Auftreten  ganz  abweichender  Localfaunen  noch 
niehr  eiseh\M'i-t,  doch  sind  Vertreler  aller  drei  Hauptabtheilungen  des  Jura 
nachgeuiesen.  Mine  eiuenlhiimlichi'  Fades  des  oberen  weissen  Jura  sind  die 
milieu  und  \\eissen  Kalke  mil  Terebratula  diphya  und  die  Schiefer  mil  zahl- 
reiehen  Apt  \clius-Arli-n ,  vvelche  als  litlionische  Klage  zusaminengefassl.  \\erden 
und  lypisch  bei  Trienl  in  T\n.l  enl\\iekel(  sind. 

In  Nordamerika  lu-ansprucht  man  fUr  die  versleinerungsleeren  oberen 
lluri/diiie  des  neuen  rolhen  Sandsteines  jurassisches  Aller  (?),  auch  die  kry- 
slallinisclien  Sehiel'er,  in  \\elehen  di<-  goldluhrendi-n  (iiinue  Californiens  aul'- 
M-l/en.  M.llen  die.ser  l;oi'inalion  an^ehoren.  Mil  Sieherheil  isl  dieselbe  jedoeh 
nur  am  Oslidtlalle  der  K(»ek\  .Mounlains  (Black  Hills,  Liramie  Mis.)  naclige- 
\\iesen.  Ks  sind  -i-;nie  oder  \veissliehe  mergclige  Kalksleine,  welche  300  Me- 
ier M.ichliukeil  erreiehen  und  I'enlacrinus-,  Ammonites-,  Beleinnites-  und  Tri- 
gonia-Arlen  filhren,  die  noch  naherer  Vcrgleicliung<'ii  mil  cunipiiisrhen  I  oi'inen 

bedttrfen. 

Auch  in  Chili,  Oslindien  und  Sibiricn  sind  Schichlen  jurassischen  Alters 
nachgeuiesen. 

Kniplivgesteine,  deren  Kmpordringen  in  die  jurassische  Periode  I'iilll, 
oder  \\elcln'  die  Juraschicliten  durchsel/en ,  sind  auf  nur  gan/.  \\cnige  Locali- 
taten  Iteschriinkt.  Zu  diesen  u<>hort  vor  alien  die  WeslkUste  Scholllands  nehst 


VI.    Historisrlii1 

den  luselu  Sk\e  iiml  .Mull.  \\n  ausxer  basaltischen  (iesleineu.  \\elehe  dem  l.i;is 
gleichformig  BWis6hengelagei1  siud.  uud  solchen,  \\elche  deuselheu  duivlisrl/rii. 
S  \  en  i  t  e  ii  IK  I  Fels  it  porph  y  re  aufireten.  \\elrhe  die  unterjorassischen  '(iebilde 
durchbrochen  uud  rnetamorphosiri  haben,  also  jedenfalls  jiingrr  siud  ills  diese. 
Die  I  "uhallbarkeit  der  Auiiiihiiie .  diiss  die  KruptioiuMi  der  »ranilischeu  (iesteine 
durclmci:  iu  palaeozoische  Perioden  (alien,  \\ird  (lurch  solche  Krscheiimutien 
iiuiner  augenscheinlicher.  Kiner  der  iulerressantesleii.  d.i.s  (iesjiiile  illusli-ireiideu 
Aul'sehliisse  iiuf  Sk\e  isl  iu  heifokeudem  Profile  (Fig.  274)  Nviederiieiieheu. 


fl   Set 


Fig.  274.    Profil  durch  die  Halbinsel  Trotternish  aufSkye. 
a  Lias;  b  Inferior  Oolith;  c  Cornbrash  und  Forrest  Marble;  d  Trapp;  e  Oxford;  f  Basalt  nnd  Mandelstein. 

Die  tiefsten  Schichten  dieser  Localitiit  gehdren  deni  Lias  an ,  auf  \velchen  die 
Gehilde  des  braunen  Jura  bis  zum  Cornbrash  folgen ;  fiber  ihnen  hat  sich  eine 
inachlige  Decke  von  basaltalmlichem  Trapp,  der  mil  vielen  durch  die  Sediment- 
schichten  hindurchsetzenden  Trappgangen  in  Verbindung  steht,  welche  die 
ehemaligen  Eruptionsspalten  ausftlllen.  LTberlagert  wird  diese  Basaltdecke  von 
den  Sedimenten  des  unteren  weissen  Jura ,  dem  Oxford.  Das  Alter  der  in 
dieses  Schichtensystem  eingeschaltelen  Trappeinlagerungen  ist  somit  auf  das 
Geniiuesle  festzustellen,  —  ihre  Entstehunu  fiilll  in  das  Mnde  der  Doggerperiode. 
I  her  dei u  Oxford  thiirml  sich  eine  zweite  machtige  Decke  von  Krupti\L:esteiiieii. 
Hiisijlten  und  Basaltmandelsteinen  auf,  nach  welcher  hin  zahlreiche  Basaltgange 
aus  der  Tiefe  emporsteigen  und  die  liegenden  Schichten  und  mil  ihnen  die 
jurassischen  Trappe  durchsetzen.  In  diesem  Profile  treten  sorait  z\vei  \er- 
s.'hiedenartige  Basalle,  ein  jurassischer  und  ein  \\ahrscheinlich  tertiiirer  iiber 
einander  auf.  An  einem  anderen  Punkle  der  Insel  Skye  (Irishmans  Point  ha  I 
sich  tlber  dem  millleren* Lias ,  alle  Unebenheiten  seiner  Oberlliiche  iibfonuend, 
eine  Deeke  von  syenitischem  Felsitporphyr  ausgebreitet.  Sowohl  Lias, 
\vie  Felsitporphyr  werden  von  mehreren  horizontal  siiulenfdrinig  ahizesouderlen 
Basakg^DgeD  durchsetzt.  Hier  liegt  also  ein  mb'glirhsl  klarer  lieweis  vor.  dass 
i:e\\isse  syenitische  Felsilporphyre  juif  Sk\e  jiinger  sind,  als  mittlerer  Lias, 
und  diiss  nach  ihreni  l'>inporbrechen  noch  Biisiilteruptionen  stattfanden.  Ahn- 
liclie  Krschcinungen  hieleu  sich  auf  der  Insel  Mull,  \vo  liassische  Kalksleine 
ebenlalls  \ou  Felsitporphyr  und  Basal  t  gii  ngen  durchsetzt  werden. 

Von  hdchstem  Interesse  ist  die  Me  tain  orphosi  rung,  welche  die  lia»i- 
selieu  (iesteine  der  Insel  Skye  im  Contact  mil  (i  ra  n  ilen,  Felsilporpln  re  n 
und  quarzfilhrenden  Syeniten  erfahren  haben.  In  der  Niihe  der  let/.- 
teren,  welche  in  eiu/elnen.  isolirten  Kuppen  aus  dem  Liiisgebiete  her\  (irraizeti. 
isl  der  Liiiskiilk  in  eineu  schneeweissen  Marmor  iiiniie\\;indelt ,  die  Sehichlung 
\^\  \er\\ischl  uud  jede  Spur  orgiuu'scher  Reste  isl  \erlikl.  .Man  k;inu  in  der 


VI.    Ili>tnn-rhe  (iooloiiic.  -1  ii  I 


Hiehlnnu  nadi  dem  F.rupliN  izesteine  luti  den  alliniililidien  I'berizaniz  des  ge\ 
lichen  Aniinonilen  und  tinphaeen  fiihrtMiden  krlksteines  in  den  kr\  slalliniselien 
.Marnior  uenan  \erfolizen,  und  ist  deshalb  mil  Hedit  niemals  x,\\  eifelhaft  ize\\esen. 
dass  die  kr\  slalliniselie  Hesdiatlenlieil  des  kalksteines  auf  die  Nadibarsdiat'l 
jenes  S\enites  u.  s.  \\ .  x.u  sdiieben  und  das  let/.lerer  junker  sei,  als  der  l.ias. 
Man  erstannt  jedoeli.  edite  izranitisdie  Felsarlen  von  so  jugendliehem  Alter  vor 
sidi  /.u  sehen.  Ausser  den  er\\ahnten  dnrdisel/en  nodi  xahllose  andere  Gauge 
\on  Ha  salt  den  l.ias  von  Sk\e  und  Mull. 

Auch  in  den  P\ren;ien  kennt  man  Granit  von  jUngerem  als  jurassi- 
sdiem  Alter.  1m  Garbelthalc  hat  derselbe  die  Kalkschiefer  des  Lias  durch- 
brodien.  sie  /.ertriimmert  und  Fraginente  des  Gesteines  in  Uberaus  grosser 
Mentze  umsdilossen. 

Dem  deutschen  .lura  sind  Eruptivgesteine,  selbst  solche  bedeutend  jiin- 
tzeren  Alters.  I'remd,  nur  in  der  raulien  Alp  trelen  einiize  Basaltkuppen  und 
-(iiinge.  .so\\ie  im  Hies  bei  Nordlingen  die  Auswilrflinge  eines  alien,  \\alir- 
scheinlidi  terliiiren  Vulkanes  auf. 

Die  Kreide. 

(Quaderformalion,  CretaceYsche  Formation,  Proc'an- Formation.) 

kanni  irizend  ein  anderes  Schichtensystem  besilzt  einen  so  wechselnden 
und  mannigfaltigen  petrographisehon  Charakter,  wie  die  Kreideformation  in 
ihren  versrhiedenen  Verbreilungsgebieten.  In  der  einen  Gegend  beslehl  sie 
aus  weisser  Schreibkreide  und  Grilnsanden,  in  andern  fast  ausschliesslicli  aus 
Sandsteinen  und  in  einer  dritten  aus  mergeligen  Kalksteinen,  kalkigen  Merge  In 
und  plaslischen  Thonen.  Die  Unbeslandigkeit  des  Gesteins-Charakters  dieser 
I'Onnation  hatte  die  Yersehiedenartiiikeit  ihrer  Bezeichnungsweise  zur  FoL'e. 
-Kreideformation  nannte  man  sie,  weil  in  England  und  Nordfrankivieh. 
wo  man  sie  zuerst  erkannt  und  studirt  hatte,  die  weisse  Schreibkreide  als 
eins  der  \\esentlichen  und  charakteristischen  Glieder  hervorraszt,  —  Grilnsand- 
formation,  weil  in  eben  jenen  Gegenden,  sowie  in  Westphalen  und  Nord- 
amerika  glaukonitische  Meruel  cine  wesentliche  Rolle  in  ihrer  Zusammenset/niiL; 
spielen,  —  und  endlich  Quader formation,  weil  sie  in.Sachsen,  Bbhmen 
und  Srhlesien  \oi\\altend  aus  Qujulersandsleinen  gebildel  wird.  Bei  so  \\eeh- 
.selndeni  petroizraphisdiem  Cliarakler  der  unter  diesen  .\anien  \  erslandenen  For- 
malionen  sind  es  allein  ilire  orizanisdieii  Heste.  \velche  die  Idenlificirung  und 
I'arallelisiruniz  der  hierher  gehorigen  Schidiienreihen  eniHiglichen.  Die  Kreide- 
formation  lieferl  demnaeh  einen  auizenseheinlichen  Beweis  Kir  die  in  den  ein- 
leitenden  Hemerkun-en  |>ag.  262j  belonle  Thalsaehe,  dass  nicht  der  pelro- 
ura|ihisehe,  sondein  \ielmehr  der  palaeonlologische  Charakler  das  Wesentlidie 
einer  Sedimenlarlun nation  ausmacht. 

Von  den  Nerschiedenen  (iesteinsarlen,  welche  an  dem  Anfban  der  Kreide- 
formation in  ihren  versehiedenen  Verbreitunizsiiebielen  Iheilnehmen,  sind  fol- 
izende  hervorzulu-ben  :  die  Qu  a  dersan  dsle  in  e  haben  uuslreilig  das  vor- 


432  \  I      Hi^tnriM'lic    (icoln^ic. 

\\allrndr  .Material  drr  hierher  grliorigen  Sdiidilrnrrihr  iielieferl.  Sic  sind 
bald  friii-.  bald  grobkornig,  /.UNvrilcn  knslallinisdi.  gehen  inituiitrr  mid  /\\ar 
iiaiiiriitlich  narh  ilirrr  Masis  zu  in  frolic  Conglomerate  ilber  mid  bcsil/rn 
rin  hald  Ihoniges,  bald  kieseliges,  audi  wohl  eisensdiilssiges  Hindemittel.  Xu- 
\\cilrn  frlill  Irt/.trrrs  vollsliindig,  so  dass.  \\  ir  /.  B.  in  Hrlgien.  l»ri  Aarhrti. 
iiiiinrntlicli  abrr  in  New-Jersey  in  Nordainrrika  lose  Quarzsande  rntslrlirn. 
weldir  madilige  Ablagerungen  bildrn  ko'nnen.  Kine  ganz  rigenlhUmlidic  Va- 
rietal des  Sandsteines  sind  die  Grlinsandsleine  odrr  glaukoni  t  ise.lien 
Sandsteine,  welche  ihren  Namen  von  den  eingestreuteu  Glaukonitkorndien 
und  ihrer  dadurch  bedingten  griinen  Fiirbung  erluilten  haben.  Die  Schiehtung 
der  Kreidesandsteine  ist  oft  eine  sehr  weitlaufige  und  da  sich  zu  ilir  liiiulii: 
eine  verticale  Zerkluftung  t-esellt,  so  entstehen  quaderforroige  odrr  pfeilerartige 
Al)sonderungen ,  daher  der  Name  Quadersandstein.  Niichst  ihnen  spielen 
inrrgelige  Kalksteine  und  Mergel  die  wichtigsle  Holle  in  der  Krridr- 
lorniation.  Sie  sind  meist  grau  oder  gelblich  weiss,  gewohnlich  dtinnschichlig 
und  zuin  Theil  so  reich  an  schiesspulverahnlichen  gillnen  Glaukonifkiirnrrn, 
dass  man  sie  als  Glaukonitmergel  bezeichnet.  Ausser  diesen  lelztrrrn  grhiirl 
der  Planer  zu  den  wichtigsten  Varielaten  der  cretaceisclirn  kalkig-mergeligeo 
Gesteinsreihe.  Er  ist  ein  lichtgrauer,  mehr  oder  weniger  thoniger,  oft  glau- 
konitischer  Kalkstein  mit  feinerdigem  Bruch  und  zum  Theil  etwas  kieselrrdr- 
haltig.  Ferner  der  Kreidemergel,  ein  weisser  oder  hellgrauer,  feinerdiger 
und  weicher,  oft  glaukonitischer  Mergel,  -—der  Flamm  enmergel,  rin  graurr 
von  dunkelen  Streifen  und  Flammen  durchzogener,  quarzsandreich<!r,  schirf»-riiirr 
Mrrgel.  An  die  mergeligrn  Kalksleine  sqhliessen  sich  reine,  zum  grossen 
Tlirilr  dichte  Kalksteine  und  endlich  die  verschiedenen  Vaiirliilrn  der 
Schreibkreide  an,  deren  Hauptmaterial  aus  feinen,  rrdigen  MolekUlrn  \on 
kolilrnsaiirrin  Kalk  und  mikroskopisch  kleinen  Foraminiferrn  brstelit,  Ubrigrns 
iin  pelrographischen  Theile  dieser  Zusammenstellung  beschriebrn  ist.  Die 
\\risse  Schreibkreide  bildel  dort,  wo  sie  liberliaupl  auflrilt,  einen  der  oberstrn 
Horizonte  der  Kreideformalion.  Bei  Maslricht  auf  der  belgisch-holliindisrhrn 
Grenze  vvird  dieselbe  von  einem  hochst  merkwiirdigrn,  lorkrrrn  und  zrrrrib- 
lirhrn  Kalkgel)ilde  iibrrlagert,  welches  fast  ausschliesslich  aus  Fraumrnlrn  und 
frinrin  Srliull  von  Ur\ozoe'n,  Foraminiferen,  F>hinodermen  und  Molluskrn  br- 
slrhl.  und  Kreidetull  genannt  \\ird.  Audi  in  Diinrinark  Iritt  als  obrrslrs 
(ilied  der  Krridrfornialion  eine  wesrnllicli  aus  Korallenfraginrnt(  n  zusammrn- 
. i:rsrly.le  Krridrbildnnt;  K  ora  1  Icnk  reidej  auf.  Die  \\cissr  Sdirribkrridr  ist 
das  Mutterurslrin  dri1  Fe u  r  rsl  r  i  n  gr  bi  Idr  ,  \\  elche  in  lagenweisr  izrordnrlrn. 
isolirtrn.  bi/.arr  geformlen  Knollrn  die  oft  ausserordentlidi  ur\\  undrnr  und  \rr- 
drilrktr  Srliidilung  der  Krridr  andrulrn  und  \\  ir  sell \\arx.r  I'ri-lsrhnurrn  auf 
drin  \\rissrn  Griinde  lirr\  ortrrlrn  :  jrdodi  sind  audi  /iisanuiirnliiiii^rndr  l.a^rn 
und  Srliirhleii  ,  endlirli  audi  gaiigiilinlidu1  l;rurrslein\orkoiniiinissr  brkannt. 
ueldie  Irl/tere  die  Sdiirliteii  der  Kreide  und  die  diesen  parallrlrn  Kinlauermi- 
gen  von  h'ruersteinen  durehsetzen. 

Neben   den   sandigen    und     kalkiizrn    Gebilden    der    rrrlarr'i'srhrn     l;oniialioii 
gewinnen    audi    die    Thone    und    Sch  i  eferl  hone    eine    griissere 


VI.  Ilislorische  Geologic. 

und  /war  nk-ht  allein  ihivr  oft  In-drutenden  Macliligkeit  wegen ,  sondoni  na- 
mentlich  durch  ihren  Rcichthuin  an  wohlerhaltenen  orgnnischen  Rcstcn.  (ie- 
\\isse  SchJchtencomplexe  und  zwar  MMv.uglich  dor  unteren  Kreidelnrmalion 
\\Calden-Thon,  Gault,  Hilsthon)  bestehen  fast  ausschlicsslich  aus  derarligen 
'.•  steinen.  Wie  die  Sandsteine ,  Kalksteine  und  Mergel,  sind  auch  sie  sehr 
hiiulig  glaukonitisch.  Die  glaukonitisclien  Gesteine  der  Kreide ,  namenllieh  der 
Gtaukonitmerge] .  erhalten  nicht  sellen  einen  hohen  technischen  Werth  durch 
iluv  Verwendbarkeil  als  ausgezeichneles  Dtlngemittol.  Dies  ist  namentlich  in 
.\e\\-.lersey  der  Fall,  wo  neben  6  bis  7  Procent  Kali  haltendem  Glaukonii 
DadelkopJgrasse  Komi-hen  von  phosphorsaurem  Kalk,  sowie  staubartige  Theil- 
dirn  von  Vivianit  in  der  feinerdigen  kalkigen  Mergelgrundniasse  auftreten  ,  so 
•  lass  die  grosse  DUngkraft  dieser  Glaukonitmergel  auf  dem  Kali-,  und  Phosphor- 
und  kohlensaurein  Kalkgehalte  beruht. 

I'ntcr  den  tlbrigcn  ihrer  Miichtigkeit  nach  untergeordneten ,  aber  tech- 
nisch  nutzbaren  Formationsgliedern  der  Kreide  sind  Stein kohlen  und 
Eisenerze  hervorzuheben.  Erstere  gewinncn,  wenn  man  von  einigen  unbe- 
deutenden  Vorkonunen  in  Sachsen  und  Schlesien  absieht  (von  denen  jedoch 
das  boi  Wenig-Rack\vitz  unweit  Lowenberg  abgebaut  \\ird),  namentlich  als 
-"-enannte  Wealdenkohle  fUr  den  Nordwesten  Deutschlands  Wichtigkeit, 
\vo  dieselben  am  Deister,  Osterwald ,  in  BUckeburg  und  in  der  Grafschaft 
.Si-liauinburji  das*  Object  eines  ausgedehnlen  Bergbaues  sind.  Die  meislen 
dieser  Kohlen  zeigen  die  Eigenschaften  einer  echlen  bituminb'sen  Steinkohle, 
sind  jedoch  nicht  wie  die  der  palaeozoischen  productiven  Steinkohlcnformation 
aus  der  Yermoderung  von  Sigillarien,  Lepidodendren  und  Calamiten ,  sonclern 
aus  der  von  Coniferen  und  Cycadeen  hervorgegangen.  AbbauvvUrdige  Eisen- 
erze der  deutschen  Kreideformation  sind  z.  B.  bei  Peine  in  Hannover  be- 
kannt,  \vo  zusammengeschwemmte,  spharoidische ,  nuss-  bis  faustgrosse  Ge- 
sehiel.e  von  Brauneisenstcin ,  die  durch  feineren  Schutt  desselben  Erzes  ver- 
Imnden  sind,  eine  der  obersten  Kreide  angehb'rige,  1  bis  5  Meter  machtiue 
l.auerstiitie  bilden.  Ganz  ahnlich  ist  das  Eisensteinvorkommen  von  Salzgitter, 
nur  gehiirt  es  dem  untersten  Niveau  der  Kreide,  dem  Neocom  an  und  besitzt 
Ht  bis  16  Meter  Miichtigkeit.  Es  besleht  aus  erbsen-  bis  nussgrossen  Kiigel- 
dien  ncbsl  grbsseren  scharfkantigen  und  eckigen  Slllcken  von  Brauneisenerz. 
Dieselben  stammen,  wie  die  zahlreich  zwischen  ihncn  vorkommenden  abge- 
rifbencn  und  gerollten  jurassischen  Versteinerungen  beweisen,  von  den  Sphae- 
rosiderit-Nieren  des  Lias  und  Dogger  ab,  welche  durch  das  Neocom-Meer  zu- 
saninier)L;es(li\veinmt  und  durch  gegenseitige  Reibung  zerkleinert  und  abgerun- 
di-i  wurdcn.  Auch  an  anderen  Localitilten  (so  namentlich  am  Nordabfalle  der 
Karpathen)  umschliesst  die  unterste  Kreide  zusammenhangende  Flotze  oder 
lagenweise  nebeneinander  liegende  Knollen  von  Brauneisenstein. 

Palaeontologischer  Charakter  der  Kreide.  An  vegetabilischcn  Cber- 
resten  ist  die  Kreideformation  als  eine  grosstenlheils  marine  Biklung  im  Allge- 
ineinen  arm,  nur  einige  wenige  Horizonte  des  gesammten  Schichlensyslemes 
sind  reich  an  Pflanzenresten.  Nach  ihnen  zu  urtheilen  schloss  sich  der  Ge- 
sammtcharakter  der  cretaceischen  Flora  withrend  der  ersten  Halfte  der  Krrid<  - 

Ciedner,  Element?  d.  Geologie.  OR 


•)'.'•  I  VI.  Hi>lr>ris<-!ic  Geologic. 

prriode  innii:  an  den  der  jurassischen  an.  Es  sind  dieselhen  Geschlechter  der 
Fame,  Cycadeen  und  Coniferen.  welche  aus  dem  Jura,  ja  bereits  aus  dem 
Ithiit  bekannt  sind.  Erst  in  Mitlen  dor  Kreidezeit  erscheinen,  —  in  der  Enl- 
wickehmgageschiohte  der  Erdbewohner  ein  epochemachendes  Ereigniss,  —  in 
don  Bliittern  von  Credneria.  sowie  solchen  von  Salicineen,  Acerineen  u.  a.  auf 
dem  amerikanischen  Continente  sowohl.  wie  auf  dem  europiiiscben  die  erslen 
Vertreter  der  angiospermen  Dikot yledonen ,  wahrend  zugleich  die 
Fame  sehr  sparsam  werden  und  Cycadeen  und  die  rein  tropischen  Formen 
der  Coniferen  mehr  und  mehr  zuillcktreten.  Beriihmte  Fundorte  cretaceischer 
Angiospermen  sind  Niederschona  in  Sachsen ,  Kieslingswalde  in  Schlesicn. 
Blankenburg  und  Quedlinburg  am  Harze,  Aachen  in  Rheinpreussen. 

Es  wurde  oben  betont,  dass  die  Kreideformation  eine  fast  ausschliesslich 
marine  sei:  wife  jedoch  spater  eingehender  gezeigt  werden  wird,  ist  der  nor- 
male  marine  Schichlencomplex  der  Kreideformation  nicht  in  alien  Verbreitungs- 
gebieten  derselben  zur  Ausbildung  gelangt,  vielmehr  wird  ihr  unterster  Hori- 
zont  in  verschiedenen  Gegenden  durch  eine  Sumpf-  und  Strandbildung .  die 
Wealdenformation  ersetzt.  Die  Einleitung  zu  einer  solchen  erblickt  man 
bereits  in  den  Hebungen,  die  sich  am  Ende  der  Jurazeit  auf  dem  jurassischen 
.Mi-t-resgrunde  bethatigten ,  und  durch  welche  die  Brakwasserbildungen  des 
Purbeck  bedingt  wurden.  In  Folge  dieser  Niveauveriinderungen  wurde  das 
mil  Purbeckablagerungen  bedeckte  Areal  zu  einem  morastigeti,  lagunenreichen 
Kilstenstriche  gehoben  und  erzeugte  auf  diesem  eine  Uppige  Flora  von  Cyca- 
deen ,  Coniferen  und  Farnen ,  welche  das  Material  der  Wealdenkohle  lieferten. 
und  deren  wohlerhaltene  Reste  uns  in  den  die  Flotze  begleitenden  Schiefer- 
thonen  Uberliefert  worden  sind,  genau  wie  es  in  der  alteren  productiven 
Steinkohlenformation  der  Fall  ist  (siehe  pag.  440).  Bei  Besprechung  der  \Veal- 
denflora  wird  gezeigt  werden,  dass  auch  sie  sich  eng  an  die  des  Jura  anschliesst. 

Die  Hauptmomente  der  Entwickelung  des  thierischen  Lebens  im  Verlaufe 
der  Kreideperiode  sind  folgende.  Die  Foraminiferen  erscheinen  in  enormer 
Anzahl  und  nehmen  einen  wesentlichen  Antheil  an  der  Bildung  nicht  nur  der 
weissen  Schreibkreide,  sondern  Uberhaupt  der  obersten  Niveaus  der  Formation. 
Selbst  die  Glaukonilkb'rner,  die  manche  Sandsteine ,  Mergel  und  Kalkslein- 
schichten  ganz  anfiillen,  sind  zum  grossen  Theile  nichts  als  die  Sleinkerne  von 
Foraminiferen.  Neben  einer  Unzahl  mikroskopischer  Formen  fallen  zahhviche 
Vortivtor  der  Geschlechter  Textularia ,  Frondicularia ,  Nodosaria,  Siderolitl. 
Orbilulina  durch  die  Zierlichkeit  ihres  Baues  in's  Auge.  Die  Spongien  er- 
halton  einen  noch  grosseren  Formenreichthum  wie  in  dor  Jurazeit  und  besii/en 
n.imentlich  in  der  obersten  Kreideformation  Repriisentanten  von  ausserordentlich 
zierlicher  und  gefalliger  Gestalt,  so  namentlich  das  schirmarlige  Coeloptychium 
und  die  korbgeflechtahnliche  Scyphia  und  Manon.  Die  Korallen  sind  verhiill- 
nissmassig  sellener  als  im  Jura ;  ausgedehnte  Korallenriffe  und  -biinke,  wie  sie 
fUr  diese  Formation  bezeichnend  sind,  fehlen  in  der  Kreide  fast  ganz.  Die 
vorkommenden  Arten  gehoren  vorzilglich  den  Geschlechtern  Anthophyllum. 
Cyclolithes,  Micrabacia,  Trochosmilia,  Synastraea,  Thamnastraea ,  Astrocoenia. 
.M;ieandrina  u.  a.  an.  Die  Echiniden  erreichen  in  der  Kreide  das  Maximum 


VI.  Hislorisclie  Geologic.  135 

ihrer  Enlwickelung  (lurch  eine  so  reiehhaltiue  Entfaltung  iluvr  Genera,   Spe< 
und  Individuen.    nainentlich    der  Spatangiden ,   dass    neben   'ihnen    die   ubrip-ii 
Eehinndermen  fast   \iillii:  \ersrh\vinden.     Die  Gnttungen  Ananchyles,~Ga]crites, 
Holastor,  Micraster,   Toxaster  und  Salenia  gehoren    zu   den  characteristisehsien. 

Die  Brachiopoden  sind  noch  durch  so  zahlreiche  Formen  in  der  Kreide 
verireten.   dass  sich  l>eim  Yergleiche  derselben  mil  denen  des  Jura  eine  Al)nahme 
iluvr  Zahl  kauin    vsahrnehmen    liisst.     Die  Galtung   Rhynchonella    procudirt 
eltenso  zahlreiche  wie  riesige  Arten ,  die  von  einer  Schaar  Varieta'ten   umgeben 
sind     I Vivbrnmla,  Magas,  Megerlea,  Crania,  Thecidium  besitzen  ebenfalls  grossere 
Hiiufigkt'it.     Von    den    ZweisCh  alern    liefern   neben  Ostrea   sowohl  Exosj)ra 
\\'n>  Gryphaea  eine  Anzahl  Leitfossilien ;  iihnliches  gilt  von  Pecten  und  Trigonia ; 
•  lit-  \\iehtigslen  Kreidezweischaler    aber   sind    die  zahlreichen  Arten  von  Inoce- 
i a mus,   so\vie  die  Vertreler  der  ausschliesslich  cretacelschen  Hippuriten  oder 
Hudisten   (Caprotina,  Caprina,  Hippurites,  Sphaerulites,  Radiolites),  von  denen 
jedes   einzelne  Individuum    ein  Beweismittel  fUr  cretace'isches  Alter  ist.  Lelztrre 
fUllen  mil  ihrer  \vuchernden,  fast  bis  zum  Ausschluss  aller  andern   organischen 
Formen  gehenden  Uppigkeil  der   Individuen   die  nach  ihnen  genannten  Hippu- 
ritenkalke  des  sUdlichen  Europa's  und  Amerikas  an.     Eine  besondere  Bedeulung 
liir  die  Kreideperiode  besassen   die  Ammoniten   und   Belemnilen,    welche 
iin  Vcrlaufe  derselben  zu  einer  grossartigen ,    aber   ganz   eigenthiimlichen  Ent- 
faltung  godiehen,  am  Schlusse  derselben  aber   ganzlich  erloschen.      Dem   Aus- 
st.Tben  der  Ammoniten  ging  das  Stadium   der   gewiss  nicht  mil  Unrecht  sog«-- 
nannten  Kriippelformen   voraus  :    die   bis   dahin   spiralig  in  einer  Ebene  einge- 
wickelten  (iehiiuse  winden   sich  spiralig   im  Raume    (Turrililes)  ,    strecken    sich 
ucradlinig  (Baculites) ,    krUmmen  sich  bogen-,     haken-  oder  krummstabahnlich 
(Toxoceras,  Scaphites,   Hamites,  Plychoceras)     oder   ziehen    sich   wenigstens   so 
austMiiander,  dass  ihre  einzelnen  Umgiinge  sich  nicht  mehr  bertlhren   (Crioceras, 
Am •)  Inn-iMs  .     Dieser  ganze  Formenreichlhum,   sowie  die  FUlle  der  Belemnilen, 
erlisrht   mil  der  Kivide. 

\<>n  Crustaceen  treten  in  der  Kreideperiode  neben  langsch\\;in/igen 
l)»-i-ii|>odi-n.  z.  B.  Glyphaea,  und  Cirripeden,  z.  B.  Pollicipes,  die  erslen  echten 
KrabluMi  auf.  Von  WUrmern  spielen  die  koralleniihnlichen  Slocke  der 
Bryo/cion  und  unler  ihnen  namentlich  die  des  Geschlechles  Eschara  eine  wich- 
tii:.'  Hollc,  indem  sie  in  manchen  Niveaus  der  Kreide  (Kreidetuff  von  Mastrichi 
mid  .\f\\-.lrisc\)  das  fast  ausschliessliche  Schichlenmalerial  geliefert  haben. 

Von  Wirbellhieren  sind  Vogel-  und  Stiugethierreste  noch  nicht  nach- 
ur\\i»-srn  \\orden,  was  jedoch  kaum  ausbleiben  wird ,  da  Vertreter  beider 
Klassen  schon  sell  der  Juraperiode.  ja  zum  Theil  schon  am  Ende  der  Triaszeit 
•  •\isiiriiMi.  Iliniirgen.  sind  Fischreste  sehr  hiiufig.  Sie  gehoren  vorzugsweise 
den  Knoi-]H-lfischen  an,  von  \velchen  namentlich  die  breiten  Mahlzahne  von 
Plyohodus  Interesse  verdienen,  weil  sie  nur  aus  der  Kreide  bekannt  sind  und 
deslmlb  treffliche  Kennzeichen  fUr  diese  abgeben.  Die  scharfen,  schneidigen 
und  spilzeu  Haifischzahne,  die  sich  an  manchen  Aufschlusspunklen  der  Kreide 
in  Menge  finden.  stammen  von  den  Geschlechtern  Lamna,  Oxyrhina ,  Olodus 
und  Corax.  Die  bis  dahin  so  gewohnlichen  Ganoiden  haben  rasch  abgenom- 

28* 


li'.r,  VI.  Historisdir  Ge 

men  und  sincl  auf  wrniue  Arlen  beschrankl,  dahinuegen  erscheinen  die  ersten 
Vei-treter  der  in  der  Jelzlwelt  dominirenden  Cycloid-  und  Ctenoidschupper, 
also  der  echtcn  Knochcnfische.  Roslc  von  Heplilien  sind  in  der  Kreidel'onnation 
si'ltener  als  im  Jura,  \vo  ihre  Bliithezeil  war.  Es  zeigen  sich  noch  einige  \cr- 
SpttteteNacbztigler  von  Plesiosaurus,  Ichthyosaurus  undPterodaclslus.  ferncr  nrben 
verschiedenen  echten  Krokodilen  einige  pilanzenfressende  gewaltige  Leguam- 
[guanodon),  ferner  lladrosaurus  und  endlich  der  monitorahnliche  Mosasaurus. 
Sudliche  und  nordlicke  Kreidefacies.  Ganz  abgesehen  von  der  dop- 
pelten  bald  rein  marinen,  bald  limnischen  Ausbildung  der  unlersten  Kreide 
als  Xeocom  und  Wealden  und  der  dadurch  bedingten  Verschiedenartigkeit  der 
Faunen  und  Floren  dieser  Schichtencomplexe ,  zeigt  es  sich,  dass  die  Kreide- 
formatiou  als  Ganzes  betrachtet  in  zwiefacher  Weise  und  zvvar  in  ihren  siid- 
lichen  Territorien  ganz  anders  \vie  in  ihren  nordlichen  zur  Entwickelunr 
langt  ist  und  dass  dadurch  ihr  palaeontologischer  Character  einen  doppelten 
Habitus  erlangt  hat.  Der  Hauptunlerschied  ihrer  Faunen  beruht  darin .  dass 
in  die  Kreide  des  Slid  ens  die  fast  ausschliessliche,  aber  urn  so  maonigialtagere 
und  grossartigere  Entwickelung  der  merkwtirdigen  Familie  der  H  i p  p  u  r  i  t  e  n 
fallt,  welche  der  Norden  fast  gar  nicht  und  dann  nur  in  seltenen,  kleinen  und 
verkiimmerlen  Individuen  hervorgebracht  hat.  Der  Reichthum  der  siidlichen 
Kreide  an  Hippuriten  ist  ein  erstaunlicher  und  iibertrifft  fast  den  der  Korallen 
im  Jura,  indem  erstere  ahnlich  wie  diese  ganze  gewaltige  Complexe  von  fels- 
bildenden  Kalksteinbanken  zusammensetzen.  Zu  ihnen  gesellen  sich  eine  ziem- 
liche  Anzahl  Korallen  und  Gasteropoden ,  welche  der  nordlichen  Kreide  fremd 
sind.  Die  letztere  zeichnet  sich  im  Gegensatze  zu  der  sildlichen  durch  die 
Mannigfalligteit  der  Formen  und  die  grosse  Anzahl  der  Individuen  von 
A  mm  on  it  en  und  Belemniten  aus.  Die  Verbreitungszone  der  Kreide  mil 
stidlichem  Habitus  erstreckt  sich  von  Portugal  durch  die  Pyrenaen,  das  sud- 
liche  Frankreich  auf  beiden  Seiten  der  Alpen  entlang,  —die  der  nordischen  Kreide 
von  England  durch  Nordfrankreich  und  Norddeutschland ,  sovvie  das  siidliche 
Schweden.  Merkwiirdiger  Weisse  wiederholen  sich  die  nehmlichen  Verhaltnisse 
auf  clem  nordamerikanischen  Continente ,  wo  die  Kreidebildungen  von  Texas 
eine  sudliche,  die  in  New -Jersey  und  an  den  oberen  Quellfliissen  des 
Mississippi  eine  nordliche  Facies  besitzen.  Aus  einer  derartigen  geographischen 
Vertheilung  der  Vertreter  der  cretaceischen  Fauna ,  aus  einem  solchen  Ge- 
bundensein  einer  grossen  Thierfamilie  an  eine  siidlichen  Breiten  angehorige 
Zone  muss  man  den  Schluss  ziehen,  dass  bereils  wahrend  der  Kreideformation 
die  Herausbildungder  Kliniazonen,  die  heute  die  Erde  umspannen,  begonnen  habe. 
Gliederimg  der  Kreideformation.  In  Frankreich,  wo  die  Kreideformation 
iiusserst  vollstandig  entwickelt  ist  und  wo  man  dieselbe  zuerst  einem  genaueren 
Sludium  unterwarf,  gliederte  man  dieselbe  in  ftlnf  Unterabtheilungen : 

5)  Senon, 

4)  Turon, 

'•'>    Cenoman, 

J    (lault, 

I    Neocom  mil  dern  Wealdrn. 


VI.  llislorische  Geologic. 


1:57 


Diese  Gliodfruni:  und  Kf/i'irhnungs\N«'isi'  \\unle  von  den  dcutsehen  For- 
srhcrn  t'iir  die  District'  adoptirt.  bei  deivn  Studiuiu  die  Kreide  schon  bei  wenig 
ciiiLrehender  rntorsm-hunt:  rim-n  iilmlichen  palaeontologischen  und  pelrographi- 
srhrn  Charakter  zeigle,  \\ie  die  des  oben  genanntcn  Landes  (siehe  Proiil  Fig. 
196).  Fiir  Sadism.  Bblnncn  und  Millflbajorn  aber,  \\o  nur  die  drci  obersten 
Etagen  der  Kivide  und  zwar  in  einor  petrographiscb  von  den  ubrigen  Kividc- 
h-rritorien  alnveichendt'n  Fai-ios  zur  Ausbildung  gelangt  waren,  nanntc  man 
die  uns  hier  bcsohiifligendc  Formation  nach  dem  vorwaltenden  Gesteinsmalerialo 
On  ad  or  und  crkannte  drei  Glieder  in  demselben,  die  man  als  Ober-,  Wittol- 
und  L'ntonjujidor  bezeichnete.  Von  diesen  entspricht 
der  Oberquader  dem  Senon, 
der  Miltelquader  dem  Cenoman, 

so  dass  sich  die  sachsisch-bb'hinisch-bayerische  cretaceische  Schichlenreihc  mil 
LiMt-htigkuit  der  sonsl  gebrauchlichen  Gliederung  einordnen  liisst,  (Siehe  fol- 
ucndo  Tabelle). 

I  Ncocom  oder  Hils,  nebst  Wealden. 

I m  nordwestlichen  Deutschland  besteht  diese  Etage  zu  unterst  aus  Kalk- 
stcincn.  au[  \velche  Conglomerate  und  zu  oberst  Thone  (Hilsthone)  folgen,  welche 
jedoch  auch.  so  am  Teutoburger  Walde  und  in  den  Gildehiiuser  Bergen  durch 
SandstcMiic  vorlroten  sein  kb'nnen .  in  Oberschlesien  aus  Mergelschiefern  mil 
unttM-^'ordnelen,  cliinn  ge- 
scliichteten  Kalksleinen,  in 
England  und  im  nordlichen 
Frankreich  aus  glaukoui- 
tischen  Mergoln  und  Sand- 
lo\\»>r  greeosaud), 


Fig.  275.    Tox  aster  com  plan  at  us  Ag. 


iR.  27"i.     E|xo(jyrn  s  i  11  it  a  1  a  ,<••«. 


Fig.  277.  Ammonites  noricus  So  h  loth, 


sou  it-  aus  graul)laucn  Thoncn.  In  diivse  Etage  gehb'ren  auch  die  Uber  30  M. 
inachiiizcn  Eis^QSteinablageruDgeD  von  Salzgitter.  Ausser  durch  seine  Lagerung 
an  der  Hasis  der  Kreideformation  \\inl  das  Neocom  in  fast  alien  seinen  Vcr- 
durch  folgcndi-  orizanische  Resle  kenntlich  gemacht:  Toxasler 


138 


VI.    Historische  Geologic. 


Die  Glicderiii 


= 

: 
= 
- 
f 

S 
= 
- 

3 
'- 

Iin  norilwf-stlieheu 
Deutschland 

In  Westphalen,  sQdlich 
vorn  Tentoburger  Walde 

Iin  Lim'.ur.:: 
Territoi:                                    -rformation) 

innen    " 
octoj 

il'ri' 
];.u-ulit.?u-  Merge^J 
Bac.  anceps,  Micr.  c« 
angoinum  ,  A 
tus,  Inoc.  C'nvieK 

r.i  ,  •  --K.iik    DSnen  5¥51 

Haldemer  Schichten 
mit  Bel.  mucronatus 

Kruidetuff  von  Ma.stru-ht 
uiul  Aachen  mit  viel 
Bryozofn 

Oberer  Qnadersandstein 
mit  Pect.  <inadric»- 
Inoc.  Broujrniarti  ,  Khyu. 
octoplicata.  Asteria< 
Si.-luilzei 

S.-hicht'Mi  ui.  Bel.  rau- 
cronatus.  Ma;:.  ]>umi- 
licftta, 
Hacul.  Fau- 
jasi,  Ananch.  ovatus 
(Ueberquader) 

Kreideraergel  und 
Grfinsand  mit  Bel.  mncro- 
natus,  Ter.  carnea 

Schichteu  in.  Bel.  qua- 
dra t  us,    Inoc.  Cuvieri, 
ii-t.  vt'Mi-ularis,  Micr. 
coranguinuin  ,  Gal.  albo- 
galerus,  Marsnpit«s  or- 
uatns 

Munster'sche  Schicliten 
mit  Bel.  quadratns 

Mag.  pumilus,   i)~t.  ve.<i- 
I'ularis  I'ac.  Faujasi 

Oberer  Quaderinergel 
oder 
Baculiten-Schichten 

Lose  Sande  des  Aachener 
Waldes  nnd  Lonsberges 
im  unteren  Xiveau  mit 
Trig,  limbata  nnd  Gerv. 
solenoides 

Schichten  mit  I  n  o  c  e  - 
ramnsCnvieri,  Micr. 
coranguinum,  iSalzberg- 
Schichteni 

Oberer  Grunsanil  mit 
Micraster  coranguinum 
und  Inoc.  Cnvieri 

Schichten  mit  Scaphi- 
tesGeinitzi,  Am. 
peramplus,  Spondyl.  spi- 
nosus,  Micr.  cortestndi- 
r.ariura 

Paderboruer  Schichten 
mit  Scaph.  Geinitzi 

Oberer  Planer  von  Streh- 
len  mit  Spondyl.  spino- 

sns,  Scaphites  Geinitzi 

Mittlerer  Ph. 
(Huudorfer  - 
Scaph.  Geiniizi,  AB 

peramplns,  ?. 
nosus.  .' 

Weisse  Kalke  mit  Gale- 
rites  albogalerns  ,  Ter. 
carnea,  Inoc.  Brongniarti 

Dortmuuder  Mergel 
mit  luoceramus  Brong- 
niarti nnd  Galerites 
conicns 

Copitzer  Grunsandstein 

Mittlerer  Gr 
llallnitzer  - 
mit  Inoc.  B: 
Exog.  columhfl 

Mittlerer  Qu 
=tein  (MeluicX 
ten,  Tyssaer  - 
mit'lnoc.  labiatM 

R...t  he  Ealke  mit  Inoc. 
Brongniarti,  In.  labiatns, 
Ter.  semiglobosa    • 

Bochnmer  Schichten 
mit  Inoc.  Brongniarti 
und  Inoc.  labiatus 

Mittlerer  Planer  oder 
mittlerer  Quadersand- 
steiu  mit  Inoc.  labiatus, 
Pinna  decussata,  Exog. 
columba 

<  r  n  o  111  a  n 

Schichten  mit  Amm. 
Rhotomagensis 

Frohmerer  Schichten 
mit 
Am.  Rhotomagensis 
nnd 
Am.  varians 

Unterer  Planer  und  S«r-      Unterer  Plfii 
pula-Sand  mit  Serpula         nnd  Grun>,. 
plexus,  —  Ost.  carinata,      Vratzer  SchichtaM 
Ost.  dilnviana,  Exog.  ha-  Pect.  asper  ,  i 
liotoidea,  Cid.  vesicnl.     costati. 

Schichten  mit  Amm. 
varians,  Inoc.  striatns, 
Holaster  cariuatus 

Unterer  Qnadersandstein 

Unterer  Qnada^^^H 
(Trigonia  so^^^^l 
Schichten,  Koritz«B 
•listen-Schichtel^H 
rutzer  Pflanzen-SqB 
• 

Schichten  mit  Am.  va- 
rians. Ostr.  diluviana, 
0.  carinata  (Tourtia.l 

Essener  Grunsand 
(Tourtia) 

Pflanzenfuhr.  Schichten 
von  Niederschona  nnd 
Mu>chelbreccien 

— 

= 

= 

Flammenmergel  mit 
Avic.  gryphaeoides 

Thon  mit  Bel.  minimus 

Schichten  mit  Am.  Mil- 
letianus  nnd  Am.  tardo- 
fu  re  at  us 
Gargas-Mergel  mit  Bel. 
Ewaldi,  Avic.  aptiensis, 
Ter.  Moutoniana,  Am. 
nisns 

Speetonclay  mit  Bel. 
Brnnswicensis,  Am. 
-us,  Am.  vennstns 

Anoyloceras-(Crioceras) 
hten  mit  Criocer. 
Emerici,  Ancyloc.  sim- 
plex 

N  i  n  i  u  in  .i.l.  i  ||  i  I  x 

HiUth"ii  ;  Hilssand^tein 
des  Tentobarger  Waldes 
mit  Bel.  subquadratus. 
Am.  noricus,  Thrac.  Phil- 
lil'-i,  Glyphaea  ornata 

HiKconglo-     Wealden- 
merat  mit     thonmitMe- 
:.i).U-  lania  strotn- 
n.itu-.  I'yr.      biformis, 
_:ea",      Cyrena,   <'y- 
Khvnrh.             pris 

<lepres,a,        i>eister- 

Ter.oblonffa.     ..lu,i.u-in 
-tein- 
Manon      itohlen- 
peziza            fl.-tzen 

VI.    Historische  Geologie. 

der  Kreideformatioii. 


139 


l-Bayern 

-Format.) 


'•hlesiun 
und  Polen 


In  England 


llicheu  Frank- 
reicli 


11,  l-'raukreieh 
und  in  den  Alpeu 


•I'lstein 
mil  lirvo/"rii,  (Vtr.  ve- 

Polen: 
Schiehten  mit  Bel.  mu- 

Danien;  pisolithische 
Kalke 

s\c\\ 

cronatus 

Schreibkrcide  (upper 
chalk  with  flintl  mit  Bel. 
mncronatus,  Bel.  quadra- 

Schreibkreide  mit  Bel. 
mucronatus,  Inoc.  Brong- 

CampaniiMi  uiul 
Dordonien  S  ii  d  -  F  r  a  n  k 
r  eichs 

tus.  Gal.  albogalerus, 

In  oo.  Cu- 

:'.'T.  i-oraiitiuinum 

Schiehten  mit  Gal.  sub- 

Schreibkreide  mit  Bel. 
quadratus 

Nierenthaler  Solnchien 

mit  l!i  1.  iniiiTOiiatns  mi 
Micr.  c«'irani;uinnin  der 

6  stl  i  ch  e  n  A  1  1'  '">  H 

u-litou  rait 
limlata,  Caliau. 
antiqua 

natus 

Flintleere  Kreide  mit 
Inoc.  Cuvieri,  Micr.  cor- 
anguinum 

Kreide  mit  Micr.  cor- 
anguiuum 

'nlverthnrm-Si.-liiehten 
nil.  Geinitzi, 
Inoo.  Brongniarti 

Ob  e  rschle  sien  : 

Schiehten  mit  Scaph. 
Geinitzi 

Chalk-marl  (gray  chalk) 
mit  Scaph.  Geinitzi 

Kreide  mit  Micr. 
cortestudinarinm,  Spond. 
spinosns,  Scaph.  Geinitzi 

C'alcaire  ii  Hipp,  cornu- 
vaccinum 
Calcaire  a  Rad.  cornu- 
pastoris 
Calcaires  marnou.x  :i  In<n 

Bisbuckel-Grnnsande, 

nerainplus 

Kalkmergel  von 

Chalk-marl  mit  Am. 
peramplus,  Am.  Wool- 
garei 

Kreidemergel  mit  Am. 
Woolgarei,  Am.  per- 
amplus, Exog.  columba 

Frankreich 

Sewen-Mergel  mit  Scap] 
Geinitzi   der  S  c  h  w  e  i 

i-heriT-  und  Kein- 
niehten  mit 
Inoc.  labiatus 

Oppeln 

Lower  chalk  without 
flints  mit  Inoc.  labiatus 

Kreidemergel  mit  Inoc. 
labiatus,  Exog.  columba, 
Rhynch.  Cuvieri 

Gosau-Mergel  und  Un- 
tersberger  Schiehten  m 
Hipp,  cornu-vaccinum, 
Cyclolithes  ellipticus  de 
ustlichenAlpen 

urg!>r  Mergel  und 
muptgrunsand  mit  Exog. 
polnn                       !'<T, 
eqoiooBtatns 

Sandige  Kalke  vou 
Oppeln  und  Leobschutz 
mit  Am.  Rhotomagensis 

Kalkstein  mit  Am.  Rhoto- 
magensis, Am.  varians 

Oberer  Grunsand  von 
Rouen  (chloritische 
Kreide),  Ostr.  carinata, 
Pect.  asper,  Protoc.  Hil- 

C'alcaire  a  (.'apr.  trianf,'\ 
laris 
Calcaire  a  Am.  Rhoto- 
magensis Sud-Frank 
reich  s 

Bohutzfels-Grunsande 

-  'hieferletten  mit 
Pflanzen 

Sandstein  von  Leob- 
schntz  mit  Exog.  co- 
lumba,  Protoc.  hillannm, 
Ost.  carinata 

Upper  Greensand 
Puct.  asper,  Pect.  orbi- 
cularis,  Exog.  lateralis, 
Micrabac.  coronula 

gensis,  Am.  varians, 
Scaph.  aequalis,  Turril. 
tuberculatus 
Tourtia 

schichten  der  S  c  h  \v  *>  i 
zer 
Urschelauer  Schichteti 
rait  Orbitul.  concava 
der  o  st  li  c  he  n  A  1  p  e 

Godula-Sandstein 
(Bel.  minimus?) 

(jault  nebst  Blackdown- 
beds,  Bel.  minimus,  Am. 
auritns,  Ham.  rotundas, 

Albien,  Thone  und  Griin- 
sande  mit  Inoc.  coucen- 
tricus,  Inoc.  sulcatus, 
Hamites  rotundus,  Am. 
interruptus,  Am.  mam- 
millatus 

Albien  ;  Schiehten  dei 
Turril.  Bergeri 

! 

Inoc.  snlcatus 

Aptien,  Mergel  mit  Plica- 
tula  placunea 

Aptien,  Schichten  der 
Orliitulina  lenticulari« 

Werusdorfer  Schiehten 
mit  Ancyl.,  C'rioceras, 
C'ycadites,  Pterophyllum, 
Zamites 

Crioceras-Schichten 

Urgonien 

Scliichten  der  Caprotin 

ainmonia,  Sclirattenkal 
Caprotinenkalk 

hiefer 
und  SancUteine  mit  Am. 
ra'liatu-.  Am.  neoco- 

(Lower  Greensand  mit 
Exog.  Conloni.  Perna 
Mnlleti,  Tox.  complana- 
tns,  Trig,  caudata 

* 
Austern  -Mergel  rait 
Exog.  subplicata  und 
Ostr.  Leymerii 

Oberes  Neocom  mit  T<» 
complanatus 
(Spatangen-KaUm) 

Kalkstein  mit  Tox.  com- 
planatus,  Rhynch.  de- 

Mittleres  Neocom  mit 

i 

ii-'-ner  K.ilkfteine 

pressa,  Trig,  caudata, 
Exog.  Couloni 

Aptychns 

mit  Aptychos,  Bel.  pi- 
-tillif.,  1'ntere  Teschener 
•^fer 

Hastingssand 

1     Eisenschussiger  Sand 

Unteres  Neocom  mit 
Tox.  Campechei 

140 


VI.  Hi-tm  i-rhr 


cornplanalus  AJJ.  .  Pvrina  |>\i:;ie;i  Desh.  ,  Terebralella  oblonga  Sow.,  Hhyncho- 
m-lla  drpressa  Sow..  Terebrclula  lamarindus  Sow. ,  Exog\ra  Couloni  d'Orb., 
(=Exog.  sinuata  Sow.),  Pecten  crassitesta  Rom. .  Avicula  macroptera  Sow., 
Thracia  Phillipsi  Ub'm. ,  Belemnites  subquadratus  Ro"m. ,  Ammonites  noricus 
Schloth. 

In  den  Bemerkungen  Uber  den  Purbeck  und  Uber  den  palaeontologischen 
Charakter  der  Kreide  (pag.  424  und  434)  ist  bereits  hervorgehoben  worden, 
dass  am  Ende  der  Juraperiode  grdssere  Regionen  des  damaligen  Meeresgrundes 
Uber  den  Spiegel  der  See  gehoben  wurden ,  ein  Vorgang,  \velcher  die  Ab- 
lagerung  derjenigen  Lagunen-  und  Morastbildung  bedinut .  wolche  \vir 
W  e  a  I  d  e  n  f  o  r  in  a  t  i  o  n  nennen . 


Kappenberg 


Xienstedt 


Deister 


Fig.  27s.    Profil  durch  den  Purbeck  und  Wealden  des  westlichen  Deisters. 
a  Yirgula-Schichteii,  Kimmerid~e,  <•  Wealdensandstein     )    Wealden 

b  Eimbeckhauser  Plattenkalke  ^  /  Wealdenthon  ( 

c  Mnnder  Merge  1  (  Purbeek.  g  Hilsthon;  oberes  Neocora. 

rpulit  \ 

Die  Wealdeilformation  uberlagert  concordant  die  obersten,  selbst  hero  its 
limnischen  Schichten  des  Jura,  den  Purbeck,  und  wird  von  den  Thonen  und 
Sandsteinen  der  oberen  Neocomformation  ebenso  gleichrnassig  hedeckt,  ein 
Bowels  fiir  die  ausserordentlich  lange  Dauer  und  die  ruhige  Stetigkeit  des 
saecularen  Hebungs-  und  Senkungsvorganges.  In  anderen  Districten,  %vo  keine 
Hebungen  des  Meeresgrundes  stattfanden ,  ist  die  Wealdenformation  natiirlich 
nioht  zur  Ablagcrung  gelangt,  vielmehr  hat  die  Bildung  kalkiger  mariner  Se- 
dimente  ihren  ununterbrochenen  Fortgang  genommen,  —  eine  Erscheinung,  fUr 
die  \vir  bereits  in  der  carbonischen  und  dyassischen  Formation  ein  Analouon 
besitzen.  \vo  z.  B.  im  Westen  Nordamerikas  auf  den  Kohlenkalk  direct  Zcch- 
steinkalk  folgt ,  wiihrend  an  anderen  Punkten ,  an  denen  eine  Oscillation  des 
Meeresbodens  stattfand,  die  Brakvvasser-  uud  Sumpfbildung  der  producliven 
Steinkohlenformalion  zwischen  jene  beiden  marinen  Complexe  zwischengeiaH 
gert  ist.  Die  Aufeinanderfolge  der  aus  ahnlichen  geologischen  Vorgangen  re- 
.sultirenden  Schichtensysteme  des  oberen  Jura  und  der  unteren  Kreide  ist 
demnacli  von  union  nach  oben  gelesen: 


• 

Hi-iii   iiiariiif   (Icbiklo 

Durch   linniisclie  (icliildr   untorltniclionf  marine 
Schichteoreibe 

Hilsthon 

Hilsthon,   niarin                j 

Hilscooglomeral 

Wcaldenthon  ,  brakisch] 

\YfiiNltMisaiulslein  n.  Kolilo.  Sumpf-  u. 

Strandbilduog 

Kimraeridge 

I'urhi'ck.   lir;ikisf!i            i 

Khnmeridge,  nini'in        1 

VI.    Historisehe  Geologic.  1  1 1 

Die  ochto  YVealdent'ormatum  1st  nur  in  z\vei  Districten  bekannt,  in  Eng- 
land Kent.  Sussex,  Ks>r\  .  von  \\o  aus  sie  nach  Frankreich  in  die  Umgebung 
von  Boulogne  Ubersetzl  und  ini  nordwestlichen  Deutschland,  wo  sie  in  deni 
Landstriche  zwischen  Helmstadt  im  Herzogthuui  Braunschweig  und  Bentheim. 
nahe  der  holliindischen  Grenze,  an  sehr  vielen  Punklen  zu  Tage  ausgeht  und 
namenllich  an  der  Zusammensetzung  des  Deister,  Osterwald,  SUntel,  der 
BUckeburger  Berue.  des  Teutoburger  Waldes  einen  wesentlichen  Antheil 
nimiut. 

Die  NVealdi'nfonnation  besleht  aus  zwei  Gliedern ,  einem  unteren  sandigen 
und  einem  oberen  thonigen.  Das  erstere  wird  in  Deutschland  als  Wealden- 
<ider  Deister&andstein,  in  England  als  Hastingssand,  —  das  zweite 
als  \Vealdenthon  oder  We  aide  lay  bezeichnet. 

Der  deutsche  Wealdensand  stein  oder  Deistersands  tein  ,  ein  licht- 
•zelblicher  oder  graulicher,  feinkorniger  Sandstein  bildet  in  zum  Theil  Uber 
3  M.  starken  Biinken  einen  bis  180  M.  machtigen  Schichtencomplex  ,  aus 
welehem  in  zahlreichen  SteinbrUchen  ein  ausgezeichnetes  Baumaterial  gewonnen 
wird.  In  ihnen  eingeschaltet  treten  neben  zahlreichen  Lagen  von  dunkelen 
Schieferthonen,  welche  zum  Theil  von  Pflanzenresten  angefullt  sind,  z.  B. 
am  Deister  \  5  Flb'tze  von  mehr  oder  weniger  reiner  bituminoser ,  schwarzer, 
stark  gliinzender  Steinkohle  auf,  welche  der  Mehrzahl  nach  nur  0,07  bis 
0,20  M.  machlig  sind,  wahrend  andere  1  ,  ja  Uber  2  M.  Machtigkeit  erreichen 
und  deshalb  AbbauwUrdigkeit  besitzen,  so  dass  auf  ihnen  (so  am  Oster- 
wald, am  Deister,  bei  Obernkirchen,  bei  Borgloh)  ein  ziemlich  bedeutender 
Bergbau  umgeht.  Diese  Kohle  ist  zweifelsohne  von  denselben  Coniferen. 
Cyadeen  und  Farnen  gebildet  worden,  deren  Ueberreste  so  hiiufig  in  den  sie 
begleilenden  Schieferthonen  vorkomraen. 

Xach  Schenk  besleht  die  Vegetation  des  Wealden ,  wenn  man  von  einer 
/ueil'elhaften  Monokotx ledonen-Form  abstrahirt,  ausschliesslich  aus  Gefiiss- 
ki  -sp  to  gam  en  und  Gy  m  nospermen,  welche  in  der  Weise  an  der  Zu- 
-amiuensetzung  der  Gesammtflora  Theil  nehmen,  dass  die  Artenzahl  der  ersteren 
iinuefiilir  das  doppelte  von  jener  der  Gyrnnospermen  betragt,  diese  jedoch  durch 
ihr  massenhafles  Vorkommen  fUr  gewisse  Schichten  viel  charakteristisclier  sind 
als  die  drlasskryptogamen ,  wiihrend  Dikotyledonen  noch  vollstiinditi  1'ehlen. 
Die  (iel',is>ki  \ptogamen  gehorcn  den  Equisetaceen .  Farnen  und  Marsiliaeeen 
.m.  von  welchen  die  ersleren  durch  Equisetites,  die  Marsiliaeeen  durch  Jean- 
paulia.  die  Fame  ebenfalls  durch  Gattungen,  welche  bereils  fUr  das  Rhiil.  den 
Lias,  den  braunen  und  weissen  Jura  charakteristisch  waren,  so  durch  Baiera, 
Oleandridium,  Laccopteris,  Sagenopteris,  Dictyophyllurn  reprtisentirt  sind.  Eine 
eben.so  schait  ausiiepriiizte  Ver\\ andtschaft  mil  rhatischen  und  jurassischcn  I nr- 
men  .  \\ie  bei  den  Farnen  tritt  bei  den  Cycadeen  des  Wealden  in  einer  An- 
/ahl  Anoino/ainites-,  Pterophyllum-,  Podozamites-Arten  hervor.  Die  Coniferen 
treten.  \\as  ihre  Artenzahl  betrifft ,  im  Vergleiche  mil  Farnen  und  (lu-adecn 
stark  in  den  Iliutei  i:rund ,  wenn  sie  ihnen  auch  an  Individuen-Reichthum  nur 
\\rniu  naehstehen.  indem  sie  einen  Hauptantheil  an  der  Bildung  der  Wenlden- 
kohle  genommen  haben.  In  dieser  Beziehung  ist  narnentlich  Abielites  Linkii 


1-12 


VI.     Historisdii'.  Geologic. 


Hum.  x.u  noniu'ii.  Itcr  GesaDimtoharakter  tier  Wealdenflora  1st  nach  dem  oben 
(io.iuU-ii  als  fin  ausursprnchfii  jurassischcr  zu  bezeichncn  ,  d.  h.  ihiv  YI-JJC- 
tion  gehort  nodi  derselben  Entwickelungsslufe  des  Pflanzenreichs  an,  \\t-lclu' 
mil  joiicr  drr  rhatischen  Formation  beginnl  und  in  der  Slleren  Krcidc  ilircn 
Abschluss  findet.  Erst  in  der  jilngercn  Kreideformation  trill,  \\ic  cr\\iihnt. 
eine  vollstiindige  Anderung  der  gesammlen  Flora  ein;  es  erscheinen  die  Uiko- 
tyledonen,  —  Fame  und  Gymnospermen  Irelen  gegen  dieselben  zuriick  .  \vah- 
ivnd  ini  Wcalden  diese  beiden  Gruppen  beinahe  ausschliesslich  die  Vegetation 
/iisamniensetzen. 

Von  Thierresten  sind  Cyrena-,  Paludina-,  Cypris-Arlen ,  ferner  Fragmente 
von  Lepidotus  (Lep.  Mantelli  Ag.)  und  Sphaerodus  am  haufigsten ;  zu  ihnen 
gesellen  sich  einige  Schildkrolen  und  gavialahnliche  Saurier.  -  Das  Klima 
der  Wealdenperiode  war,  vvie  die  grosse  Anzahl  der  Fame,  das  Vorkommen 
baumarliger  Fame,  zahlreicher  Cycadeen  und  der  Habilus  der  Coniferen  be- 
\veisl,  noch  ein  durchaus  Iropisches. 


Fig.    279.    U.uio  Waldensi>   Mant. 


Fig.  280.    Melaula  strombiformis 
Schloth. 


Fig    2S1.    Cypris 
W  a  1  d  e  n  s  i  s  Sow. 


Der  Deislersandslein  wird  von  der  zweiten  Etage  der 
Wealdenformation,  dem  Wealdenthone,  in  20  bis  30  M.  Mach- 
tigkeit  Uberlagert.  Es  sind  dunkelgraue,  dUnngeschichlele 
magere  Schieferthone  mil  schwachen,  sehr  regelmassigen  Lagen 
von  sandigem  Kalksteine.  Lelzlere  zeichnen  sich  durch  ihren 
erstaunlichen  Reichthum  an  Cyrenen,  Cyclas  und  Melanien, 
manche  der  Schieferlhone  und  Mergel  durch  die  Menge  der 
Cxpris-  und  Unio-Individuen  aus,  welche  sie  bergen.  Die  charakleristischsten 
Vertreler  dieser  echten  Brakwasserfauna  sind:  Cyrena  ovalis  Dunk.,  Unio  Wal- 
densis  Mant.,  Melania  strombiformis  Schloth.,  Paludina  fluviorum  Mant.,  Cypris 
Waldensis  Sow. 

In  England  wird  die  untere  Elage  der  Wealdenformation ,  wie  bereits 
li'Tvorgehoben,  von  Ilastingssand  gebildet.  Es  sind  dies  eisenschiissige  Quarz- 
sande  und  Sandsleine,  welche  mil  Thonen  und  Mergeln  vvechsellagern  .  in 
denen  jedoch  eigentliche  Steinkohlen  wie  in  Deulschland  nicht  vorkounnen. 
Dahingegen  umschViessen  sie  einzelne  Brocken  von  Braunkohle  und  verkohlte 
Pflanzenreste,  ferner  zahlreiche  Silsswasser-  und  Brakwassermollusken  aus  den 
Geschlechtern  Cyrena,  Cyclas,  Unio,  Paludina,  Melania,  namentlich  aber  die 
Resle  von  Fischen  (Lepidotus),  Schildkroten  (Emys  und  Trionyx)  und  Sauriorn. 


VI.    Histnrisrhe  (id 


143 


unter  denen  sich  die  colossalen  Formen  \<m  liuianodon  auszeichnen  .  Aut'  den 
HastingSSandatein  1'ol^t  der  \Vealdela\  .  i:raue  i'etle  Thone  und  unler^eordnete 
Kalksteine  mil  Iinianodon -Zithnen  und  KnnehenlYaumenten ,  so\\ie  mil  (]\pris 
und  Paludina.  weldie  let/.tere  mandie 
Sehiditen  IMP/  aussdiliesslidi  xus.uii- 
[nensetzen. 
.'  (iault. 

Die  bis  Ubor  3uO  M.  miichtiuc 
Scliiditenreihe  des  Gault  besteht  in 
Dfiitscliliind.  Kniilaiul  und  Frankivich 
aus  plastischen  dunkelen,  zum  Thoil 
glaukonitischen  Thoncn ,  mageren 
Schieferthonen  und  Mergeln,  \velcht' 
nur  local  von  reinc>n  odcr  inei'ge- 
liia'ii  Kalkstoinen ,  so\vie  von  lioll- 
i:rauon  oder  \veissen  Sandsteinen 

Ix'i     Ilalborstadt,      Goslar)       Verdra'llgt      Fig.  282.    Zahn  von  Iguanodon  Jlantel.li  Myr. 

\\mlen.     Als  let/les  Glied  der  deut- 

si-hfn  Gaultfonnalion  erscheint  fast  Uberall  der  Flanimenmergel ,  ein  heller 
von  dunkelen  Flammen  und  Streifen  durchzogener  Mergel  mil  Avicula  gryphae- 
oides.  IIH  Allgemeinen  ist  an  der  Fauna  des  Gault  ibr  grosser  Rcichlhutn  an 
Bflfinniten  und  Ammoniten  und  zwar  sovvohl  an  echten  Ammoniten ,  wie  an 
derm  Kriippelformen  bernerkenswerth.  Letztere  kommen  in  besonderer  Man- 
nigfaltigkeit  der  Formen  und  Menge  der  Individuen  in  dem  untersten  Horizonle 
des  Gault,  den  danach  benannten  Ancyloceras-  (Crioceras-)  Schichten  vor  und 
cehoren  den  Geschlechtern  Turrililes,  Hamites,  Ancyloceras,  Crioceras  und 
Toxoceras  an.  Als  ihre  Hauptverlreter  mo'gen  hier  Ancyloceras  Matheronianus 
d'oi-l). ,  Hamites  attenuatus  Sow.,  Crioceras  Emerici  Lev.,  Crioceras  Duvalii 
Lev.  iinjjyfuhrt  \verden.  Von  Ainmonilen  sind  Ammonites  nisus  d'Orb.  ,  Am. 
nurilus  Sow.,  Am.  Milletianus  d'Orb.  zu  ervviihnen ,  \viilnvnd  von  Helemniten 


Fig.  2S3.    Inoceramus  snlcatn?  Park. 


Fig.  2S4.    CriocerasDnvaliiLtSv. 


fiir  den  deutsehen  Gault  drei    Arten,    Belemnites   Brunswicensis  Stromb.  ,     Bel. 
Ewaldi    Stromb.  ,    Bel.    minimus  List,    desbalb    doppelte    Wichtigkeit    besitzen, 


Ill 


VI. 


Goolo.nie. 


\vril  sic  drei  verschicdene  Nivraus  und  /\v;ir  Bel.  Buns\vieensis  das  untere, 
Bel.  niiniinus  this  nbere  Ni\eau  einnehmrn  und  deshalb  Yor/.ilulirhc  Oriontininizs- 
niitu-l  al>p'bt>n.  Von  Zweischalcrn  und  Brachiopoden  sind  Hir  don  ("Jault  cha- 
raktcristisch  :  Terohrnlula  Moutaniana  d'Orb.,  Inoceramus  sulcattis  Park..  A\i- 
cula  aplionsis  d'Orb.,  Trisionia  caudata 


Fig.   '285.     Toxoceras  bi tuhercnlatus 
d'Orb. 


Fi".  '2^1).    Ancyloceras  Matheronianu: 
d'Orb. 


Tig.  2>i7.     Hainitos  at  ton  \i  at  u 
Sow. 


Kit:. '2ssa.    Turrili  t  e  s  c  ate- 
natu  s  d'Orb. 


-     1!  el  em  ui  te  » 
F!  r  u  n  s  w  i  c  e  n  s  i  s  S  t  r  o  in  b. 


In  der  sUdlichcn  Kreidezone  ist  der  untersle  Gault  namentlich  durch 
harte,  \veisso  Kalksteino.  so\\ic  kalkigo  Morgel  vertreten .  \\olchc  die  crstcn 
Rudislen  und  zwar  in  solcher  Men^e  fUhren ,  dass  man  das  untere  Niveau  des 
sUdlichcn  Gault  als  unterste  Rudistenbiinke  bezeichnel.  Die  s:e\vohn- 


VI.  Hislurische  Gcolouie. 


145 


liehsle  von  den  P\reniien  bis  in  die  b'stliehen  Alpen  verbreitele  und  deshalb 
charaeteristisehe  Form  derselben  ist  Caprotina  ammonia  d'Orb.  —  In  den  Alpen 
hat  man  diese  Caprotina-Schichlen  Sehrallenkalke  benaiuit. 

Sehliesslich  ist  noch  zu  be- 
merken.  dass  die  untersle  Elaiie 
des  Gault,  die  Anc\  lot-eras  - 
Sehiehten  sowohl,  wie  deren 

.mcel'iihrie    Aequivaleotgebiide, 

die  Caprotinen-Schichten  oder 
Sehraltenkalke,  von  vielen  Geo- 
liiijen  als  oberste  Zone  des 
Ne  oco  in  betrachtet  werden. 

••noman        I'nterquader,  Fi-. 'Mi.     Ciipn.tiiiii  ammonia  d'0rl>. 

rnterpliiner  . 

Diese  Etage  der  Kreideformation  bestehl  in  England,  Nordfrankreich 
und  Wesljihalen  aus  glaukonilischen  Sandsteinen,  Thonen  und  Mergeln  (dem 
upper  greensand.  der  chloritischen  Kreide  von  Rouen,  der  Tourtia,  dem  Griin- 
sand  von  Essen),  in  Hannover  aus  thonigen  Kalken  und  Kalkmergeln ,  in 
Saehsen  und  Bo' h  men  zu  unterst  aus  zum  Theil  glaukonitischen  Quader- 
sandstein.  darliber  aus  Pliinerkalk  (Unterquader  und  Unterpldner) .  Die  Zu- 
aller  dieser  petrographisch  zum  Theil  so  ausserordentlich 


.     l)ix.-nidea    cylindrica    Aff 


.  2'M     Ostreacarinata 
Lam. 


J.    Exogyra  columba  Uesh. 


Fig.  2M3.     Protocardiu  in  llillnuuin  Beyr. 


veix  hiedenen  Schichtencomplexe  zeigt  sich  durch  ihre  genieinsame  FUhrung 
folgender  characteristischer  Cenoman-Versleinerungen  :  Holaster  subglobosus  A-. 
Discoidea  c\lindrica  Ag. ,  Cidaris  vesiculosa  Goldf.  ,  Rhynchonella  Mantolliana 
Sou..  Megerlea  lima  Defr. ,  Ostrea  carinata  Lam.,  Exogyra  laleralis  Dub.. 
Exoyra  columba  Desh. ,  Pecten  asper  Lam.,  Inoceramus  slrialus  Mant..  Proto- 


146 


VI. 


cardium   Ilill;mimi   Be\r..-  Ammonites  Rhotomagensis  Brons:.  .    Turrililes    cost;itus 
Lam..   Sraplu'trs  ar<|ualis  Sow. 


Fig.  204.    Ammonites   lib  u  toma'gen  si  s  Brong. 


Fig.  295.   Scapliites  aequalis  Sow. 


Hochst  wichtig  ist  das  Vorkommen  von  Abdrtlcken  und  verkohltcn  Restt-n 
von  Dikotyledonen ,  nnmentlich  von  Credneria ,  Cunnighamites ,  Salix ,  Acer. 
Alnus ,  Laurus  u.  a.  in  den  dem  cenomanen  Quader  angehorigen  Schiefer- 
thonen  von  Niederscho'na  bei  Freiberg  und  in  den  Sandsteinen  von  Miihrisoh- 
Triibau.  Es  sind  die  altesten  Angiospermen,  von  denen  wir  Kunde  haben. 

Einen  ganz  verschiedenartigen  Charakler  besilzl  die  Cenoman-Bildung  in 
der  siidlichen  Verbreitungszone  der  Kreide.  Derselbe  \vird  durch  cine 
neue  grossartige  Enlfaltung  der  Hippuriten  bedingt.  Das  Cenornan  Sildeuropas 
und  zwar  vorzugsweise  Stidfrankreichs  reprasentirt  somit  eine  zweile  Hippuriten- 
zone  und  beslehl  iihnlich  wie  die  ersle,  deni  Gault  (oder  oberen  Neocome) 

angehorige  vorwaltend  aus  harten,  hellen  Kalkslei- 
nen,  welche  neben  anderen  weniger  hiiufigen  Hip- 
puriten  namentlich  Caprina  adversa  d'Orb.  ,  Ca- 
prina  triangularis  d'Orb.  und  Sphaerulites  foliaceus 
Lam.  ftiliren.  In  den  ostlichen  Alpen  Hndet  sich 
eine  Foraminifere,  Orbitulina  convava  Defr.  in  enor- 
mer  Menge  gewissermaassen  in  Slellvertrelung  1'Ui- 
die  Hippuriten  ein  und  fiillt  die  nach  ihnen  be- 
nannten  Kalkschichten  ganz  an.  Eine  gewisse  pa- 
laeontologische  Verknilpfung  zwischen  nordliclu-r 
und  slldlicher  Kreidefacies  \vird  dadurch  hci^c- 
stellt,  dass  der  unterste  Horizont  des  sachsiseh- 
'  :il>ri"aailvri?a 'r°l!'  bohmischen  Quadersandsteines,  wenn  auch  sellen. 

lli|)purilen  bii^t. 
4)   Turon   (Milloliiuader,   Mittelplaner,   Scliichlen  des  Inoceramus  labialns  . 

Diesc  rnli-rabtlicilnng  der  Kreidefonnalion  wird  im  nordlichen  Frank- 
re  ich  und  in  England  von  \veissen.oder  hellgrauen,  feinerdigen  und  \\ci- 
chen  Mergeln  (Kreidemergeln),  in  Weslphalen  zum  Theil  von  eben  solelicn. 
/.inn  Theil  von  Mergelkalk,  dem  Planer,  in  Hann  over  und  Bra  unscli  \\  »•  iu 
von  lleischrothen  und  weissen,  kalkigen  Mergeln  und  Kalksteinen,  in  Sachsen 
und  Boh  men  zu  unterst  von  Quadersandstein  (Bildhauersandstein) ,  zu  oltcrst 
von  Pliinerkalken  und  Mergeln  (Strehlener  Planer)  gebildet.  Die  wichtigsten 
Erkennungsmerkmah1  dieser  Formation  liefern  folgendc  organische  Resle:  Ga- 
albogalerus  Lam.  .  MicVaster  cortestudinarium  Ag.  ,  Inoceramus  Brong- 


VI.  HLstorische  Gt>< 


117 


niiirti  So\v.,  Inoceramus  labiatus  Bron»..  (=1.  imtiloidcs  Maut..  =1.  problenuti- 
(  us  d'Orl).  .  Triconia  scabra  I.iiin..  Spondylus  spinosus  Defr..  Terebratula  scmi- 
izlohosa  So\\ ..  Ammonites  porainplus  Sow..  Soaphitos  Gcinitzi  d'Orli. 


Fig.  297.    Galerites  albogalerus  Lam. 


-      Inoceramus   lahiatu  s  Bro  ng. 


Fig.  2!Mt.     Spend ylus    spinosusDefr. 


:;oo.    T  r  i  g  o  n  i  a  s  c  n  1>  r  a  Lam. 


-      Hippnritps  organ isan 


_'.  ;in|.     II  i  1M'1;  i  i  t  cs  To  uc  asi  ana 
d  'Orl.. 


In  der  Scliichleniviho  dcr  sildlichcn  Kreidc  repriisontirl  die  Ktage  des 
Turon  (Mncn  drittcn  Ilippuritcn-Horizont.  Er  besteht  aus  festen,  dichlen,  zuni 
Theil  rothen  Kalksteinen.  wird  namentlich  durch  Hippurites  cornu  -  vaccinum 
Bronn  und  Hippurites  orcanisans  Desm.  bezeichrtet  und  besilzt  cine  ausser- 


VI.  Historische  Geologic. 

onlt'iitlich  grosse  geographische  Yerbreitung,  indem  er  sich  von  Portugal  durch 
ganz  Stldeuropa  bis  nach  Griechcnland  und  Kleinasien  verfolgen  lassl  und 
endlich  ebenfalls  in  Texas  naclige\viesen  worden  ist.  Dieser  Hippurilen-Hori- 
zont  ist  es,  welchen  man  in  den  schweizer  Alpen  als  Sc  \venka  Ik,  in  den 
osterreicher  Alpen  als  Gosanbildung  bez*eichnet.  Lelztcre  birgt  neben  den 
genannten  und  noch  zahlreichen  anderen  Hippuriten  einen  grossen  Reichthum 
von  Korallen,  unler  denen  Fungiden  (z.  B.  Cyclolilhes  elliplicus  Lam.  .  Turbi- 
nolien,  Astraen  und  Maandrinen  vorherrschen ,  ferner  eine  sehr  erhebliche 
Menge  von  Gasteropodet)  /, .  M.  Cerithium,  Acteonella,  Fusus). 


Fig.  303.      Cyc  1  oli  tli  e  s  ellipticu  s  Lam.    a  von  oben.    b  von  nnten.    c  von  der  Seite. 

5)   Senon   (Oberquader). 

Die  Gesteine,  welche  diese  Schichtenreihe  zusamrnensetzen,  sind  in  Eng- 
land, im  nbrdlichen  Frankreich  ,  auf  Riigen  und  Wollin  \veisse  Schreibkreide, 
bei  Aachen  und  Mastricht  lose  Sande,  Mergel  und  bryozoenreiche  Kreidetuffe, 
in  Westphalen  zu  unterst  Kalkmergel ,  daruber  lose  Sande  und  Sandsteine,  in 
Hannover  und  Braunschweig  thonige  Kalksteine  und  Mergel ,  am  nbrdlichen 
Harzrande  vorwaltend  Sandsteine,  in  Sachsen  und  Bb'hmen  zu  unterst  Mercel, 

7  O        5 

dririlber  die  Quadersandsteine,    welche  die  colossalen  Felsparlien  des  Elbthales 
oberhalb  Pirna,  so  den  Konigstein,   den  Lilienstein  bilden.     Ausser 
eincr  Anzahl  weiter  unten  zu  erwahnender  organischer  Reste  sind 
Belemnites   quadratus    d'Orb.    und    Belemnites    mucronatus    d'Orb. 
die  wichtigslen  Leitfossilien    der   Senon-Etage,    wenn    sie    auch  in 
den  Quadersandsteinen  der  sachsischen  Schweiz  bis  jetzt  noch  nicht 
aufgefunden  worden  sind,   und  zwar  isl  Belemnites   quadratus   fiir 
die  unteren .    Belemnites    mucronatus   filr  die  oberen  Xiveaus  der- 
selben  bezeichnend.    Zu  ihnen  gesellen  sich  ausserordentlich  zahl- 
reiche  Foraminiferen  Tlabellina,  Textularia,  Nodosaria,  Rotalia,  Den- 
talina  und  viele  andere) ,    deren    Schalen    nicht   nur  einen  grossen 
Theil    des    Materiales    der    weissen    Schreibkreide   geliefert    haben, 
sondern  welche  auch   in    den    senonen    Kreidemergeln    sehr   hiiufig 
Fig.  im.        sind,    —    ferner    jener   schirmahnliche    Schwamm    Coeloplychium 
mncronatus    agaricoides  Goldf. ,    sowie    Siphonia    pyriformis    Goldf. ,    zahlreiche 
Seeigel    z.   B.  Ananchytes  ovatus  Lam.   und  Micraster  coranguinum 
Ag.  :    Marsupites  ornatus  Mant. ,   Asterias  Schulzei    Colt.,    Crania    ignabergensis 
Retz..   Magas  pumilus  Sow.,   Rhynchonella  ocloplicata  Sow.,  Terebratula  carnea 
Sow.,  Ostrea  vesicularis  Lam.,  Exogyra   laciniata  Goldf.,  Pecten  quadricostalus 


VI.  Hislorische  Geoloeie 


11  <> 


Hronn,     Inoccranuis     Cripsi    Mant.,    liuvramus    Cuvirri     Sow.,    Pinna    diluviano 
Sclilotl).,    Turrililrs  pohplorus   Horn.,    Haculilrs  anccps  Litni.,   Nautilus  danicus 


Fig.  30G.    Anan  chytes  ovatns  Lam. 


Fip.  :J07.  Micraster  cor- 
a  n  R  u  i  n  «  ra  A  K. 


Fig.  308.    Ostrea  vesicularis  Lam. 


Fig.  305.    S  i  p  h  o  n  i  a 
p  y  r  i  f  o  r  in  i  s  O  o  1  d  f . 


Fin  :«».    Pecton  qBadricostatut;       Fig.  :J10.    In  »r  rr  am  u  s  Rro  ngn  ia  rti 
Bronn.  Sow. 


Fig.  :M2.    Nautilus   danicus  Schloth. 


Fig.  311.    Batnlitcs 
anc  e  ps  Lam. 

A  Is  die  obersten  Horizontc  der  Kreide,   welchc  bercits  eine  so  bedeutendo 
Annaherung  ihres  palaeontologischen  Charnkters  an    den  des  TertiaY  verralln'ii. 


C  red  nor,  Elemento  d.  Qeologie. 


29 


•l.">0  VI.    Historische  Geologie. 


d;i.ss  iluv  y.uiM'Imnukcit  /ui  nvtacnsi-hrn  Formation  als  sln-ilii:  izall,  sind  die 
l'a\ii<>-Kalke,  die  KreideluH'e  von  Maslricht  und  die  Pisolilhenkalke  des  Pariser 
Beckens  zu  betrachten.  Man  hat  dieselben  frtlher  als  besondere  Etage  der 
Kivide,  als  Danien  zusammengefasst,  zieht  sie  aber  jelzt  zuin  Senon. 

Die  Faxbe-Kalke  treten  auf  der  dMnischen  Insel  Seeland  als  jtlngste 
Bildung  der  senonen,  also  tlberhaupt  der  gesammten  Kreide  in  <0  bis  1  •">  M. 
M.ichligkeit  auf,  bestehen  aus  fast-nichts,  als  aus  Korallenfragmenten  und  Ko- 
rallcnschult,  und  umschliessen  zwischen  diesen  zahlreiche  Molluskenreste,  so 
Belemnites  mucronatus,  Nautilus  danicus,  Baculites  Faujasi,  aber  auch  Stein- 
kerne  von  Cypraea,  Oliva,  Mitra,  Patella,  Emarginula,  also  von  Gasteropoden, 
welche  sonst  kaum  aus  der  Kreide  bekannt  sind.  Dazu  kommen  noch  Schee- 
ren  und  vollstiindige  Panzer  einiger  Krabben  (Brachyurus),  die  in  der  ganzen 
Korallenfelsmasse  vertheilt  sind. 

Der  Kreidetuff  von  Mastricht  ilberlagert  die  echte  weisse,  an  Feuer- 
steinen  reiche  Schreibkreide  und  besteht  aus  lockeren,  zerreiblichen  Kalkmer- 
geln,  welche  in  der  Weise  von  Bryozoe"n  (namentlich  von  Eschara/  und  von 
Foraminiferen  angeftlllt  sind,  dass  diese  die  Hauptmasse  des  Gesteins  ausniachen. 
Neben  Gasteropoden  wie  Voluta,  Fasciolaria  u.  a.,  die  sonst  nur  im  Tertiiir 
bekannt  sind,  kommen  Belem.  mucronatus,  Pecten  quadricostatus,  Baculites 
Faujasi  und  andere  echt  cretaceische  Formen  vor.  —  Uberraschend  isl  die 
Ubereinstimmung  der  Kreidebildungen  von  Mastricht-Aachen  mil  denen  von 
New-Jersey  in  Nordamerika,  wo  ganz  ahnliche  an  Eschara  reiche  Kreidetuffe 
die  Schichten  mil  Belemnites  mucronatus  Uberlagern. 

Der  Pisolithenkalk  der  Umgegend  von  Paris  ist  ein  gelblicher, 
eisenhaltiger,  groboolithischer  Kalkstein  mil  dem  cretaceischen  Pecten  quadri- 
costatus, Nautilus  danicus,  neben  ihnen  aber  mit  zahlreichenorganischenBesten  von 
augenscheinlich  eocanem,  also  tertiarem  Habitus,  so  dass  man  diese  Ablagerung 
als  ein  Zwischenglied  zwischen  normaler  Kreide  und  Tertiar  betrachten  kann. 

Was  endlich  die  senonen  Gebilde  der  Kreideformation  des  Stldens  und 
zwar  namentlich  des  sUdlichen  Frankreichs  betrifft,  so  wiederholt  sich  auch 
hier  dieselbe  Erscheinung  wie  beim  Gault,  Cenoman  und  Turon,  nehmlich  das 
massenhafte  Auftreten  von  Hippuriten,  deren  vierten  und  zugleich  oberslen 
Horizont  wir  demnach  im  stldlicben  Senon  erkennen.  Letzterer  besteht  in 
Sildfrankreich  aus  lichtgelben  Kalksteinen,  in  denen  die  Hippurilen  so  massen- 
haft  angehauft  sind,  dass  sie,  nur  durch  ein  wenig  Kalk  verkittet,  fast  aus- 
schliesslich  ganze  Schichten  zusammensetzen.  Die  haufigslen  Arten  sind: 
Radiolites  Jouanelti  d'Orb.  und  Radiolites  Bournoni  d'Orb.  Mit  ihnen  schliesst 
in  Siidfrankreich,  mit  Belmnites  mucronatus  filhrenden  Schichten  in  den 
Alpen,  die  Kreideformation  ab. 

Einiges  fiber  die  geographische  Yerbreitung  der  Kreide.  In  Europa 
hat  die  Kreide  in  England,  Frankreich  und  Deulschland  ihre  grbsste  Ver- 
brcitung  und  vollstiindigste  Entwicklung  erlangt.  Wahrend  die  Juraforma- 
lion  noch  woit  ausgedehnte,  zusammenhiingende  Terilorien  bildet,  ist  dies  bei 
der  Kreidegruppe  schon  weit  weniger  der  Fall.  Es  lasst  sich  aus  der  ganzen 
\nlnvituni:  drr  durch  dazwischon  liegende  Juraplateaus  iietivnnten 


VI.   llistorische  Geologie.  451 

becken  nicht  vt-rkcimen,  dass  eine  Vergrosserung  der  Continente  auf  Kostcn 
des  cretaceischen  Oceanes  stntt.m>fimden  hat,  wodurch  letztcrer  in  zahlrciche 
Buchten  und  Anne  gegliedort  vvurde. 

Bei  Besprechung  des  Jura  ist  gezeigt  worden,  dass  derselbe  in  England 
rim*  breite  Zone  bildet,  welche  in  fast  genau  nordlicher  Richtung  vom  Canal 
bis  zur  OstkUste  der  Insel  verlauft.  Der  Untergrund  des  ganzen,  osllich  von 
dieser  Jurazonc  liegenden  Territoriums  besleht  aus  Kreide,  wird  freilich  zuni 
Thfil  von  Terliiirablagerungen  verborgen.  Die  Schichten  der  crelace'ischen 
Formation  lagern  hier  gleichformig  auf  denen  des  obersten  \veissen  Jura  auf 
und  fallen  wie  diese  nach  Osten  ein,  nur  in  den  zwischen  der  Themse  und 
deni  Canal  gelegenen  Landstrichen  von  Kent,  Sussex  und  Essex  findet  eine 
Stoning  der  sonst  so  regelmassigen  Lagerung  durch  eine  flach  kuppelfbrmige 
Krhebung  der  Purbeck-  und  Wealdenformation  stall,  an  vvclche  sich  die 
Schichten  der  jlingeren  Kreide  anschmiegen  und  allseils  von  dem  Centrum 
abfallen,  so  dass  sich  ein  normal  anliklinaler  Schichtenbau  einstellt.  Die  eng- 
lische  Kreide  beginnt  mil  den  Sandsteinen  und  Thonen  des  Wealden,  auf 
welche  dem  oberen  marinen  Neoconi  angehorige  Glaukonitmergel  (lower  green- 
sand)  und  die  Schieferthone  und  plastischen  Thone  des  Gault  folgen.  Das 
Cenoman  ist  durch  eine  zweile  Ablagerung  von  Glaukonilmergeln  (upper  green- 
sand),  das  Turon  durch  Kreidemergel  reprasentirt,  wahrend  das  Senon  durch 
<lic  in  ihrem  obersten  Horizonte  feuersteinreiche,  weisse  Schreibkreide  gebildet 
%\ird,  aus  welcher  die  grotlesken  Felsufer  bei  Dover  und  Brighlhon  bestehen. 
Die  Versteinerungsftlhrung  dieser  Schichlen  ergiebl  sich  aus  dem  Uber  die 
Gliederung  derr  Kreideformalion  Gesagten  und  aus  der  pag.  438  gegebenen 
tabellarischen  Cbersicht  ilber  die  cretaceische  Schichlenreihe. 

In  Frank reich  bildet  die  Kreideformation  drei  grosse  Becken.  Das 
nordlichste  derselben,  welches  hauptstichlich  durch  die  Seine  und  Loire  ent- 
%\;isserl  wird,  reprasentirt  ein  eflachlellerfbrmige  Schale,  deren  aussere  Bander 
sich  an  jurassische  Schichten  anlagern,  deren  innere  Vertiefung  von  Terliar- 
gebilden  ausgefUlll  wird,  und  in  deren  Centrum  Paris  liegl.  Die  Kreide  Eng- 
lands  ist  nichls  als  der  nordweslliche  FKlgel  dieser  grossen  nordfranzOsischen 
Mulde.  Ihre  einzelnen  Formalionsglieder  haben  den  nonnalen  Charakter  aller 
nbrdlichen  Kreidebildungen,  natUrlich  mil  localen  Modificationen.  Das  dortige 
Neocom  besteht  aus  Toxasterkalken  und  Austermergcln,  wochsellagernd  mil 
Sand  und  Sandsteinen  (Urgonien),  der  Gault  aus  eisenschussigen  Plicalula- 
Mergeln  (Aptien)  und  dunkelen  Thonen  (Albien),  das  Cenoman  aus  Grunsand 
(Tourtia),  das  Turon  aus  Kreidemergeln,  das  Senon  aus  weisser  Schreibkreide, 
die  namentlich  in  der  Umgegend  von  Paris  auftrilt  und  stellenweisse  von  grob- 
oolithischen  Pisolithen-Kalken  (Danien)  Uberlagert  werden,  welche  die  jUngsten 
Kividegebilde  darslellen. 

Der  zweiten,  aber  bedeutend  kleineren  Mulde  der  franzb'sischen  Kreide  ge- 
horl  das  Flussgebiel  der  Garonne  an.  Sie  lehnt  sich  mil  ihrem  nbrdlichen 
FlUgel  an  das  granitische  Centralplateau  Frankreichs,  mil  ihrem  sUdlichen 
FlUgel  an  die  Cenlralketle  der  Pyrenaen  an.  Ihr  ganzer  petrographischer  und 
Charakter  ist  h»-ivits  der  drr  sUdlichen  Kreidefacios.  Dieser 

29* 


l.">2  VI.    Ilistorisclic 

ulleiibarl  sich  einerseils  in  dem  Auflreten  harter,  dichter  oder  knslallinischer 
Kalksteine,  andererseits  in  dein  Reichthume  an  Hippuriten,  \velche,  wic  aus 
beiliegendtf  tabellarischcr  Ubersicht  hervorgeht,  vicr  verschiedone  Horizonto 
der  dnrliiien  crelaceischen  Schichlonreihe  anttlllen,  und  in  jedem  derselben  durch 
andere  Species  vertreten  werdcn.  Einer  dritten  Bucht  des  crelaceischen  Oceanes 
entsprechen  die  Kreideschichtcn  am  untercn  Laufe  der  Rh6ne  im  sildbstlichen 
Frankreich,  die  sich  ebenfalls  an  die  Granite  des  Cenlralplateaus  anlagcrn  und 
dann  einerseits  in  nordostlicher  Richtung  tlber  Genf  bis  Neuchatel,  andercr- 
seils  am  Nord-  und  Sttdabhange  des  Alpenzuges  durch  Baycrn  und  Tyrol  bis 
Salzburg  und  Osterreich  in  Form  einer  schmalen  Zone  fortsetzen.  In  letzlcrer 
sind  siimmtliche  Glieder  der  Kreideformalion  und  zwar  in  typisch  stldlicher 
Facies  entwickelt.  Eine  sehr  bedeutende  Rolle  spielen  die  Hippurilen-Kalke 
in  den  Alpen  und  zwar  in  den  westlichen  namentlich  die  der  Neocomelage, 
also  die  Schrattenkalke  rait  Caprotina  ammonia,  —  in  den  6'sllichen  die  turo- 
nen  Gosaubildungen  mit  Hippurites  cornu  vaccinum  und  Orbitulites  concava. 

Kehren  wir  zur  nb'rdlichen  Kreidezone  zurllck !  Von  England  und  Frank- 
reich aus  la'sst  sich  dieselbe  durch  Belgien  und  das  nordwcstliche  Deulschland 
verfolgen,  bildet  das  Elblhal  ober-  und  unterhalb  Dresden,  hebt  sich  am 
Nordabfalle  des  Riesengebirges  in  isolirten  Partien  aus  dem  Diluvium  und 
bildet  erst  wieder  in  Oberschlesien  und  Polen,  sowie  an  dem  nordlichen  Fusse 
der  Karpathen  grossere  Areale.  Zwar  ist  sie  unter  der  ganzen  norddeulschen 
Tiefebene  verbreitet,  hier  aber  von  machtigen  Terliiir-  und  Diluvialablagerun- 
gen  bedeckt,  aus  welchen  sie  nur  an  wenig  Punkten,  so  bei  Ltineburg,  auf 
Rilgen  und  auf  Wollin  in  kleinen,  inselfb'rmigen  Flecken  hervorragt.  Siidlich 
von  dem  Riesengebirge  und  den  Sudeten  tritt  sie  als  bohmisches  Kreidebecken 
in  ausgedehnter  Weise  auf.  Trotz  des  wahrscheinlichen,  wenn  auch  verbor- 
genen  Zusammenhanges  aller  dieser  deutschen  Kreidegebiete  besitzt  doch  jedes 
dieser  letzteren  eine  ganz  eigenthtlmliche  Facies,  eine  Erscheinung  welcbe 
darauf  beruht,  dass  einerseits  an  den  verschiedenen  Localitaten  nur  einzelne 
Glieder  der  gesarnmten  Schichtenreihe  zur  Ablagerung  gelangt  sind,  anderer- 
seils  der  petrographische  Charakter  selbst  der  entsprechenden  Gesteinscomplexe 
ein  verschiedenartiger  ist,  und  endlich  der  organische  Habitus  nichl  iiberall 
ganz  derselbe  bleibt,  sondern  localen  Modificationen  unterworfen  ist.  Es  lassen 
sich  folgende  Gebiete  und  zugleich  Facies  der  Kreide  Norddeutschlands  und 
der  angrenzenden  Landstriche  benachbarter  Lander  unterscheiden,  iiber  welche 
in  beigcdruckter  Tabelle  pag.  438  eine  vergleichende  Ubcrsicht  gegeben  ist. 

4)  Das  Kreidegebiet  von  Mastriciit  und  Aachen.  Hier  ist  aus- 
schliesslich  das  Senon  zur  Ablagerung  gelangl,  welches  zu  unterst  aus  losen 
Sanden  und  Kalksteinbiinken,  diese  mit  Trigonia  limbata  und  Belemnites  mu- 
cronatus ;  darliber  aus  glaukonitschen  Kreidemergeln  und  zu  oberst  aus  Kreide- 
luff  besteht.  Letzterer  ist  angefllllt  von  Bryozoen,  z.  B.  Eschara,  und  ausserdem 
reich  an  echt  cretact'ischen  Thierresten. 

2)  Das  westphiili  sche  Kreidegebiet  stldlich  vom  Teutoburger 
W.ildc.  In  ihm  sind  nur  Cenoman,  Turon  und  Senon,  nicht  aber  Neocom  und 
Gault  verlrelen.  Diese  ausschliesslich  obercretJiceische  Schichlenreihe  beginnt  mil 


VI.    lli>ltiri>rlit-  (iciili.-ic.  !••'•> 


dom  Kshi'nrr  Griln>aiide.  «-iin-r  Aijuivalonlbildimg  dor  Iraim.MM-heii  Tourti.i  ; 
/.\\i>rhen  ilir  unil  oilier  zwi-iU-n  Grilnsandablagurung  ,  \\i-U-lu-  ilnn  untorslon 
Seiu.li  angrhiirl.  lieuen  .lie  Planer  und  Mergel  des  Turon  mil  Inoivramus  la- 
hijilus,  wiArend  die  jilngston  llumonto,  also  die-  oberhalb  des  nberon  Griln- 
sandos  lai-ornden  Mergel  uiul  Sandsleino,  durch  Belemniles  mut-ronalus  und 
(juadratus  als  oborstes  Semm  be/eielmet  \\orden. 

3)     Das    Kre.idegebiet    des    nord  westlichen    Dculschl  an  ds     ein- 

schliesslich    des  Teuloburger  Waldos.     In    moist   gleichforiniger  Auf- 

liigerunt;  auf  den    obcrston  Schichlcn    des  wcisscn  Jura    trill    die  Kroidcfonna- 

lion  in  ihren  siimmtlichen  Gliodcrn  vom  Neocom  bis  zum  Seuon  enUvickoll  iin 

nordwfsllichcn    Deulschland   auf.       Sie   erslreckl    sich    von    der   holliindischen 

(Jreim-  bri  (^ildohaus   cincrscils    durch    die  Kctlc   des  Tculoburger  Waldos    bis 

in  die  Gegend  von  Padcrborn,  andorersoils  den    Fuss    der  Wescrkelle  und  des 

Doislers  cnllang    nbrdlieh    und    nordosllieh    vom  llarz    bis    in  die  Gegend  von 

VluMslrbrn    und    fUlll  ausserdem   ein/elnc  isolirle  Mulden   aus  ,    so    die    llils- 

muldc  und  die  Kreidemulde   von  Alfeld.     In   der  Entwickelung    der    einzelnen 

illirdiT   geben    sich    jedoch    innerhalb    dieses   Verbreilungsgebieles   auffallende 

Unlerschiedc  zu    erkennen.     Wahrend    sich   von  Gildehaus   an    sowohl  Neocom 

und  Gaull,  wie  Ccnoman  und  Turon,  zum  Thcil  in  steil  aufgerichlelcn  Sehiohten, 

iibor  den  Touloburger  Wald  bis  in  die  Gegend  von  Paderborn  erstreekt-ii,  sind 

am  Nordrande  des  Wesergebirges    bis    in    die  Gegend    westlich    von  Haniu.Nrr 

mir  die  unlcrstcn  Glieder  der  Kreide    bekannl,    bei  Lemforde   jedoch    von  Se- 

nonschichtcn    Uberlagerl.      Bei    Hannover   und    in   ihrer   weileren   Vcrbrcilunii 

gegen  Oslen  hin  erscheint  die  Kreideformalion  in  einzelnen  isolirlen,  oder  nur 

din-ch   die  unlerslen  Schichlcn  der  Gesammlformalion  verbundencn  Mulden,   in 

\\rlchen    die    sammllichen    Glieder    der   Formalion    cnlwickell   sind,    so    bei 

Ahllen,    Peine,    Braunschweig,    ebenso   auch  in  der  lang  ausgcdehnlen  Mul«l«- 

/.wischen  Hornburg  und  Aschersleben  ,  wo  jedoch  der  pclrographischc  Charaki.  i 

dor  Formalion  durch  das  Auflrelen  von  Sandsleinen  an  Slelle    der   iin  ubrigcn 

nord  westlichen  Deulschland  vorherrschend  Ihonigcn    und  mergeligen  Gebilde  in 

mm-/,  eigenthumlicher  Weise  beeinllussl  wird. 

4)  Das  Gebiet   der   baltischen  Kreide,    welches   die   isolirlen  Ablage- 
rungen  dieser  Formalion  auf  Wollin  ,  Rilgen  ,    den   danischen  Inseln  und    dom 
sUdlichen  Schweden  umfassl,   wo  ausschliesslich  Senon  und  z\var  /urn  t-rosscn 
Theile  in  Geslall  sleile  Absliirzo  biUlcnder,   weisser  Schroibkivido  /ur  Ablap- 
rung  gclangl  ist.     Auf  Seeland  wird  letztere   von   den    bereils   erwiihnten  Ko- 
rallonkalkon  von  Faxoe  bedeckl. 

5)  Das  Gebiet  des  mille  Ideutschen  Quaders.     Ihui  gehoren  die  cre- 
laooischen  Formalionen  Sachsens,   Bohmens  und  der  Unigebung  von  Lb-vu-nberj: 
in  Niodorschlosion,    so\vie  der  Gegend  von  Begensburg  in  Bayern  an.     Diesel- 
ben    reprjisenlircn,    ahnlich  wie  in  Weslphalen,    nur    die    drei    oberen  Elagen 
der  Kreide,  sind  jedoch,  namenllich  was  ihren  Gesleinscharakloi    bclrifft  ,    von 
jenen  vollkommen  verschieden  ausgebildet.     Es  beruhl  dies  vorzUglich  auf  der 
onormcn  Enlwickelung    drs    Ouadorssndsleines  ,    welehor    u.   a.    die    bekannlen 
l-Vlsparticn    der   sachsisch-bohmischcn    Schwciz  ,    des    LausiUor  Gebirgos,    von 


1.")  1  \  I.     Ilishirisrlir 

Adersbach  und  \\YckrlsdoiT,  die  Ilruscheuer  /usammrn.si'l/.t.  Die  Kividcabla- 
gerungen  der  genannten  Trrritorien  beginnen  mil  ciner  Stlsswassorbildung, 
welchc  die  vorhandenen  Uncbenheiten  und  KlUfte  dos  Untergrundes  ausfullt 
und  deshalb  nur  local  auftritt  (z.  B.  die  pflanzenfuhrenden  Schichten  von  Nic- 
dcrschb'na).  Auf  sic  folgt  der  untereQuadersandstein,  tiberlagert  von 
dein  unteren  Planer,  Aequivalentgebilden  desCenoman;  darllber  der  Com- 
plex des  Mittelplaner  (zum  Theil  als  sandige  Schichten  enlwickell  und  dann 


Fig.  313.    Profil  durch  die  sachsische  Quader-  (Kreide-)  Formation. 

n  (irundgcbirgo  c  Mittlerer  Quadersandstein  u.  mittlerer  Planer   \    ™..lei 

«'  Pflanzenfuhr.  Schichten  n.  Muschelbreccie    )     TT  .          d  Copitzer  Grunsandstein 
«  Unterer  Quadersandstein  miadpr     e  strehlener  Planer 

b  Unterer  Planer  uud  Serpulasand  /  Baculitenschichten  (oberer  Planermergel)  )   n. 

g  Oberer  Quadersandstein  f   U 

Mittelquader  genannt)  und  der  obere  Planer  (Strehlener  Planer),  welche 
sich  als  Turon  erwiesen  haben ;  und  endlich  der  obereQuadermergel  (Ba- 
culitenmergel) ,  uberlagert  von  oberem  Quadersandstein,  welche  das  Senon 
anderer  Gegenden  reprasentiren  und  u.  a.  die  gewalligsten  Felsen  der  sach- 
sischen  Schweiz,  sowie  den  Gipfel  des  Schneeberges  zusammenset/en. 

6)  Das  Kreidegebiet  Oberschlesiens,  der  Nordka  rpathen  und  Po- 
lens.  In  dem  aussersten  Oslen  Deutschlands  und  den  angrenzenden  Theilen 
Polens,  Mahrens  und  (Jaliziens  hat  die  Krcideformation  eine  sehr  bedeutende 
Verbreitung  und  begreift  in  Ubereinslimmung  mil  denen  des  nordwestlichen 
Deutschlands  und  ini  Gegensatze  zu  den  dazvvischen  liegenden  sa'chsisch-bbh- 
mischen  Ablagerungen  die  sarnmtlichen  Glieder  der  Gesamnitformation  voiu 
Neocom  bis  zum  Senon.  Das  Neocom  und  der  Gault  sind  innerhalb  der  Nord- 
karpathen,  Gcnotnan  und  Turon  in  der  Umgegend  von  Oppeln  und  Leobschill/. 
in  Oberschlesien,  die  senonen  Gebilde  vorzugsweise  in  Polen,  weniger  deullich 
bei  Oppeln  zur  Entwickelung  gelangt.  Das  Neocom  wird  durch  ein  iiiii<-li- 
tiges  Schichtensystem  von  Mergeln,  Schiefern  und  Kalksteinen  reprasenlirl, 
welches  das  HUgelland  der  Umgebung  von  Teschen  zusammensetzl.  Zum  (Jaull 
rechnet  man  die  Pterophyllum-,  Zamites-,  Sequoia-filhrenden,  sowic  an  Crio- 
ceras  und  Ancyloceras  rcichen  Wernsdorfer  Schichten  nebst  den  Bcloinnitcs 
minimus  fllhrenden  Sandsleinen  des  Godula-Berges ,  welche  die  Zone  sfldlich 
von  dem  Teschener  Neocom  bilden.  Das  Cenoman  ist  durch  Sandsteine  mil 
Protocardium  Ilillanum  und  Exogyra  columba  bei  Leobschiitz  und  durch  san- 
dige Kalke  bei  Oppeln  und  LeobschUtz ,  das  Turon  durch  die  Kreidemergel 
von  Oppeln  vertreten,  wahrend  das  Senon,  abgesehen  von  versleinerungsarmen 
Sandsteinen,  nahe  der  letztgenannten  Stadt  auf  der  Ostseite  des  polnischen 
Jurazuges  eine  grosse  Verbreitung  findet. 


VI.  Ilislorische  Geologic.  l-r>'> 

Kurz  mag  schlicsslich  noch  die  Bemrrkunii  Plat/  linden,   dass  die  Kroide- 
formation  auf  dem  nordamerikanischen  Continente  ganz  ausserordent- 
lich    grosse    Areale    bcdeckt.     Eine  Zone  dcrselben    zieht   sich    in   einer  Breite 
von  2  bis  6  deutschen  Meilen,  freilich  an  vielen  Stellen  durch  Uberlagerungen 
von  jiingeren  Gebilden  unterbrochen ,  von  der  Stadt  New- York   aus  durch  die 
ilachcn   Kiistenstriche  von   New-Yersey,  Delaware,  Virginia  und  die  beiden  Ca- 
n.Iinas,   vvendet  sich  dann  an  dem  slidlichen  Ende  des  Alleghanysystemes  durch 
Georgia  und  Alabama  und  breitet  sich  in  dem  Mississippithale  zu  einer  weiten 
llarhi'n  Bucht  aus,    welche   in   nordlicher  Richlung   bis  an  den  ZusammenOuss 
des  Ohio  und  Mississippi   reicht   und    einen    grossen  Theil    der  Staaten  Texas, 
Louisiana,   Tennessee  und  Kentucky  umfasst.    Dieses  gewaltige  Kreideterritorium 
\erschwindet  jedoch  im  Vergleiche  mil  der  Kreidezone,  welche  sich  von  Mexico 
aus,  den  Ostabfall  der  Rocky  Mountains   entlang,    liber    die  Quellen    des  Mis- 
sissippi bis  nach   der  arktischen  See  erstreckt.     Ihr   parallel   liiuft  am  Gestade 
des   stillen  Occanes   ein    dritles    Band    cretaceischer   Gebilde.     Am    genauesten 
ist  die  Kreide  von  Texas  und  New-Jersey  untersucht  und  mil  der  europaischen 
\eriilichen  worden.     Der  palacontologische  Gesammtcharakter  der  letzleren  be- 
sitzt  cine  uberrasehende  Ahnlichkeit    mil   dem    des  Senons    von  Mastrichl   und 
Aachen,    indem  beide    etwa  iO  Arten  thierischer  Reste  gerneinsam  haben  und 
ausscrdem  noch  einige  andere  Species  durch   nah  verwandte  Formen  verlreten 
sind.     Altero  Kreidegebilde ,    als  senone,    sind  an  der  atlantischen  Kusle  nicht 
bekannl.     Die  texanische  Kreide  gehbrt  dem  obcrcn  Turon  an  und  niihert  sich 
durch  ihrcn  Reichlhum  an  Hippuriten ,  Orbitulinen    und  Nerineen    dem    euro- 
piiischen  alpinen  Habitus,  --  eine  amerikanische  Wiedcrholung  der  in  der  al- 
l(-n  Welt    so    deullichen  Erscheinung    einor    ndrdlichen   und  sUdlichen  Kreide- 

facies. 

Lageruugsverhaitnisse  der  Kreide.  Die  Schichten  der  Kreideformation 
nrlimcn  in  dem  bei  Weitem  grossten  Theile  ihrer  Verbreitungsgebietc  noch 
ihre  ursprUngliche  Lagerungsform  ein.  In  diesem  Falle  dehnen  sie  sich  hori- 
y.ontal  aus,  senken  sich  sanft  nach  einer  Richtung  oder  bilden  flache  Muldcn 
in  gleichlormiger  oder  discordanter  Lagerung  auf  dem  Jura  oder  noch  alteren 
Schichten.  Durch  das  Austrocknen  ihres  Materiales  und  in  Folgc  der  damit 
vrrbundenen  Volumenverringerung  sind  Spalten ,  Verwerfungen  und  kleinere 
Knickiingen  und  Windungen  hervorgebracht  worden,  welche  keinem  Kreide- 
territorium fehlen,  namentlich  deutlich  aber  in  der  weissen  Schreibkreide  durch 
/.iisammcnhangende  Schichten  oder  lagenwcise  gcordnete  Knollcn  von  Feucr- 
sliMii  luM-vorii.'liobcn  \\erden.  Beispicle  fur  derartige  Lagerungsverhaltnissc 
licfert  das  Senon  von  New-Jersey,  welches  Jem  Auge  fast  vollkommen  hori- 
zontal geschichtet  crscheint ,  ferner  der  Quadersandstein  und  Planer  Sachsens, 
\\clche  ganz  flach  geneigt  sind,  wiihrend  bei  Alfeld  in  Hannover,  bei  Lowen- 
berg  in  Schlcsien,  in  dem  nbrdlichen  Kreidebecken  in  Frankreich  und  Eng- 
land ausgezeichnete  Muldenbildungen  bekannt  sind.  An  noch  anderen  Punk- 
ten,  so  bei  Ltineburg,  lagern  sich  die  Schichten  der  Kreide  mantelformig  urn 
einen  Kern  von  alteren  Gesteinen,  in  diesem  Falle  Trias,  von  welchem  sie 
allseitig  flach  nach  Aussen  abfallen.  Hingegen  sind  grossarligere  Stbrungen 


456 


VI.    Ilistorische  Geologic. 


der  (Tel.icriM-hrii  Setiiehlelireilie  .  ill  Folgr  deren  sir  j;ekniekl  ,  zerrissen  odd* 
iiberuekippl  erseheint ,  verliiillnissmassig  selten.  Moist  1st  dies  dort  der  Fall, 
wo  die  Kiilslelumg  grusserer  (iebirge  erst  nach  der  Ablagerung  der  Kreide 
staltfand,  wo  also  Schichlen  der  letztgenannlen  Formation  an  den  Beweiumgen 
und  gewallsamen,  \venn  auch  siieul;iren  Disloralionen  gewisser  Slridie  der 
Krdkrusle  tlieil/.unelimen  gezwungen  \\orden  sind.  So  \\urden  die  Kreide- 
srhichten  der  1'Nrenaen  und  Karpatlien ,  luiinentlieh  aber  der  Alpen  den  cdrii- 
plicirleslen  NViiulungen  ,  Faltungcn  und  Oborscliiebunyeii  unlerworfen  (sielie 
Fig.  3<5). 


Fig.  315.     Prof  i  1  an  der  Kesslor  Alp  i  n         Fig.  316.    Profil    durehdie    u berk ippt en  Kre ide- 

deii  bayerischen  Alpen.  and  J  ura -Sch  i  ch  ten  des  Laugen berges  bei 

a  Neocom.     6  Schratteukalk.    c  Ganlt.     d  Sewen-  Goslar. 

kalk.     e  Sewenschiefer.  a  b  Oxford  I  »  Hilsconglomerat  )   Uritere 

c  d  Uni  Kimmeridgel  w  .  it  Hilsthon  (  Kreide 

e  Pteroceras-SehichtV  "Telb 
/(/fcObersterKimrae-l 
ridge  I 

Auch  am  nordb'sllichen  Rande  des  llarzgebirges ,  dessen  letzlc  Hebungs- 
.itie  in  den  Beginn  der  Tertiarperiode  fallen ,  wiederholen  sich  ahnliche  Er- 
seheinungcn.  In  dcm  Landslriche  zwischen  Harzburg  und  Goslar  hat  eine 
vollkommene  Uberkippung  der  Schichten  der  Trias,  des  Jura  und  der  Kreide 
vorn  Buntsandstein  bis  zum  obersten  Senon  stallgefunden,  so  dass  die  jllngere 

Kreide  den  alteren  Jura  unter- 
teuft,  und  die  unterste  Kreide, 
derHils,  von  dem  obersten  wcis- 

llliliiM   sen  Ju™>    flborlagcrt  wird, 

d      eine  Cberstiirzung ,    welche  am 

Fig.  317.  Pro  fil  (lurch  die    uborkipp  ten  Kre  i  de  schic  h  ten  r  j  n      n      • 

sudlich  vom  Teutobnrger  Walde.  LailgCnDerge ,      deSSCn     rroill      111 

B  Barenberg;  R  Havensberg.    a  Tnron.    6  Ganlt.    c  Neocorasuid-    p:0        qi/>      appphpn      i«st         honh 
stein,   d  Wealdenthun  and  Wealdensandstein.  rl8'  8ebcn  sl  j 

achtet    werden     kann.       Uber- 

raschend  ist  es,  dass  ganz  analoge  Cberkippungen  der  Kreide  auch  in 
veiliallnissmiissig  flacheren  Theilen  Deutschlands  vor  sich  gegangen  sind.  So 
ilberlagcrn  am  slldlichen  Fusse  des  Teutoburger  Waldes  Wealden  und  Hils 
vollkommcn  gleichformig  die  obere  Kreide,  was  nur  durch  eine  Cberstiirzung 
des  ganzen  Schichlencomplexes  erklarlich  ist  (Fig.  317). 

Emptivgesteine  und  Ganggebilde  im  Oebiete  der  Kroide.  Erup- 
tivgesteine  sind  der  grossen  Mehrzahl  der  Kreidetorritorien  fremd ,  gleich- 
altcrige  Finlairerungen  von  solchen  in  den  oben  besohriebenen  Arcalen  ganz 
unbekannt.  Wo  gluthfllissige  Gesteinsmassen  die  Schiehten  der  Kreide  durcli- 
hrochen  halx-n,  fiel  ihre  Eruption  in  spiilere  Zeitalter,  also  namentlich  in  die 


VI.    Ilistorisclio   (icoloi^ic.  4")7 

Trrtiarpcriode  und  gehbren  dcr  Gruppe  der  Bnsaltr  ,in.  Basalt  bildet  eine 
An/ahl  Kuppen  in  dem  Ouadorsandsleingebiele  dcr  siichsischen  Schwciz,  des 
Lausil/cr  Gcbirges.  \vo  dor  (Jmidersandslein  ini  Contacto  mil  dem  Basalle  ge- 
frillrt  und  siiulenfbrmig  abgesondert  orsrhoint,  des  nbrdlichen  Bbhmens,  sn\\ic 
Niedorschlesiens.  Dor  Schauplalz  einer  sehr  bedeutcndcn  vulkanischen  Tha- 
tiiikcit  war  das  Neocom-'lYrrilorium,  welches  das  Hdgclland  am  Nordabfalle 
dor  Karpalhen  bildet.  Mil  der  Hebung  der  lelztcrcn  sind  grossarlige  Schich- 
lonstbrungen  und  Spaltenbildungcn  Hand  in  Hand  gegangen,  welche  das  Em- 
pordringen  von  gluthflUssigen  Gesleinsmassen  crmbglichten.  So  \\ird  denn 
dcr  erwiihnle  Landslrich  von  zahllosen  Stocken  und  Ga'ngen  eines  grobkryslal- 
linischen  bis  fast  aphanitischen,  Teschenit  benannten,  anorthitfUhrenden  Dole- 
rites  durchsetzt,  welche,  zum  Theil  dicht  aneinander  gcdrangt,  cine  langgezo- 
ucnc,  von  SW.  nach  NO.  streichende,  also  der  Richtung  der  Nordkarpathen 
parallcle  Kelte  bilden.  Uberall  zeigt  sich  der  Einfluss  ihres  urspiUnglich  glulh- 
fldssigen  Zustandes  auf  das  Nebengestein  in  der  ausgezeichnctsten  Wcise:  die 
Ncucoinschiefer  sind  in  gcbiinderten  Jaspis  verwandelt,  die  Kalkslcinc  sind 
marnjorahnlich  geworden,  der  Sandstcin  1st  weiss  und  hart  gebrannt  und  sa'u- 
lig  zerklaftet,  kurz,  alle  Erscheinungen  der  Contactmetamorphose  haben  sich 


von 


Gange    von    abbauwdrdigen  Mineralsubstanzen    sind  Sellenhcitem  im  Ge- 
liictc  crctaceischer  Formationen.     So  trelen  z.  B.   bei  Stadthagen  in  Wcsti)halen 
eine    Anzahl    wenig   machtigcr    Giinge ,    welche 
Bleiglanz  und  Blende  ftihren,  in  den  Planerkal- 
kon    der    oberen   Kreide,    ferner    in    den    dem 
Gault  angehbrigen  sandigen  Schieferthonen  der 
an  Holland    grenzenden    Gegend   von  Bentheim 
mehrere  A  s  p  h  a  1 1  g  a  n  g  e  auf,  welche  letztere  in 
ausgedchntem    Maassc    abgcbaut   werden.      Sie 

durchsetzen  die  flach  gegen  Slid  fallenden  Schie-  ^  7^^1^?^P?V  n 
Icrthone  in  reohtem  Winkel  auf  deren  Slreichen,  Fig.  318.  Asphaitgang  im  Ganit 
stehen  saiger,  erreichen  gegen  \  M.  MUchtigkeit, 

a  Schieferthon  des  Gault.     6  Lettiger  As- 

und  sind  zum  izrbssten  Theile  von  einem  pech-    ,  ^\l  . c  KadiaistrahiiKer  schwefeikios. 

d  Blatterig  stongehger  Kalkspath  rait   rhom- 

scliuar/en,  .stark  gliinzonden  Asphalteund  neben  b<>6drischcn  Endflachcn.  e  Reiner  Asphalt, 
dicscm  von  blatterig  slrahligem  Kalkspath,  Schwefelkies  und  einzclncn  Frag- 
incnlrn  des  Nebengesteines  ausgcfUlll.  Die  einzelnen  Bestandlheile  dieser  Gang- 
sind  sehr  gewbhnlich  bandartig  angeordnet  und  wiederholen  sich,  wic 
in  Fig.  3IS  dargestellt,  svmmelriseh  von  jedem  Saalbande  aus. 

Kiiekblick  auf  die  Eutwickeluug  des  organischen  Lebens  wiihrend 
der  nienozoischen  Zeitalter. 

Im  Ansciilussi-  MM  dii>    |ui».   iS8  und  371    "ogcbcne  Uebersicht    der  FIUIIKMI    und  Floren  der 

palaeozoischcn  Pcriodcn.) 

Das  organische  Leben  auf  Erden  schreitet  stufenweise  vor warts  auf  der 
Bahn  dcr  Vervollkommnung.  Aus  seinen  sehr  geringen,  unbedeutemfcn  Anfiin- 
gen,  die  uns  aus  den  der  Silurperiode  vorangehenden  Zeiten  tlberlieferl  wor- 


458  VI.   Hislorische  Geologie. 

den  sind,  enlwickelt  sich  die  Thier-  und  PflanzcnfUlle  der  palaeozoischen  Erde, 
jener  Reichthum  an  abenteuerlichen  Gestalten,  welche  namentlich  auf  der 
tlppigen  Entfaltung  der  Gefasskryptogamen,  der  Zoantharia  rugosa,  der  Blastoi- 
deen  und  Cystideen,  der  Brachiopoden,  Nautileen,  Trilobiten  und  heterocer- 
eiilen  Ganoidfische  beruhl.  Auch  diese  Fauna  und  Flora  macht  einer  anderen 
Plat/ ,  deren  Gesammtcharakter  dem  Ziele  der  fortschreitenden  Enlwicke- 
lung  des  irdischen  Organismus  um  eine  bedeutende  Stufe  naher  steht.  All- 
iniihlich  verschwinden,  wie  pag.  372  gezeigt,  die  Hauptvertreter  des  palaeozoi- 
schen  Lebens,  eine  neue  organische  Welt  stellt  sich  ein,  verdrangt  nach  und 
nach  die  noch  tlbrigen  Reprasenlanlen  des  grauen  Alterthumes  der  Erde,  ver- 
breitet  sich  auf  dieser  und  dominirt  endlich  in  den  Wassern  und  auf  dern 
Festlande,  —  es  ist  die  Fauna  und  Flora  der  mesozoischen  Zeilalter. 

An  Stelle  der  palaeozoischen  Dschungeln  von  Calamiten,  Sigillarien  und 
Lepidodendren  trelen  ausgedehnle  Waldungen  von  zuerst  rein  tropischen,  spa- 
te r  sublropischen  Coniferen,  zwischen  welchen  zahlreiche  und  riesige  Verlreter 
der  neuen  Gattung  Equisetites  wuchern ;  die  Cycadeen  erreichen  das  Maximum 
ihrer  Entwickelung,  neue  Fame  stellen  sich  ein  und  endlich  erscheinen  auch 
die  ersten  Reprasenlanlen  der  Angiospermen  in  den  verhallnissmassig  sparsa- 
men  Blatter  der  Credneria,  Salix,  Acer,  Quercus,  Sassafras  u.  a.  Sie  sind 
die  vereinzellen  Vorlaufer  der  Pflanzengruppe,  vvelche  in  spateren  Perioden  an 
Formenreichthum  immer  mehr  zunehmend  und  Coniferen  und  Cycadeen  zuriick- 
drangend,  drei  Viertel  der  Flora  unserer  Zeit  ausmachl.  Konnle  man  die  pa- 
laeozoische  Erde  als  Reich  der  niedrigsten  Pflanzen,  der  Algen  und  Gefasskryp- 
togamen bezeichncn,  so  ist  die  mesozoische  Aera  das  Zeitalter  der  viel  hbher 
stehenden  Gymuospermen.  Gleichwie  sich  aber  neben  ersteren  bereils  die 
Vorlaufer  der  mesozoischen  Flora  zeigen.  so  stellen  sich  auch  schon  am  Ernie 
der  mesozoischen  Periodc  Vorlaufer  der  hbchsl  entwickellen  angiospermen  Pflan- 
zenwell  ein,  die  erst  in  den  lertiaren  und  noch  spateren  Zeitaltern  die  Herr- 
schaft  erlangt. 

Ahnlich  wie  die  Pflanzenwelt,  so  erfuhr  auch  der  Gesammtcharakter  der 
Thierwelt  wahrend  der  mesozoischen  Periode  eine  Neugestaltung.  Das  Aus- 
slerben  der  palaeozoischen  Typen  ist  an  oben  citirter  Stelle  genilgend  belont, 
-  fiir  sie  treten  neue  Fonnen  ein.  Jelzt  erst  erscheinen  die  riffbauenden-  Ko- 
rallen,  die  Zoantharia  perforate  und  eporosa,  sowie  die  echten  Echiniden,  um 
von  da  an  bis  in  unsere  Zeit  fortzuleben.  Stall  der  Brachiopoden  und  Nau- 
lileen,  wolche  bisher  durch  ihren  Formenreichlhum  und  die  Menge  der  In- 
dividuen  den  wesenllichslen  Einfluss  auf  den  organischen  Gesammtchanikler 
ausgeiibl  hallen,  en  If  alien  sich  die  Zvveischaler,  Ammoneen  und  Belemniten 
und  nehmen  den  maassgebenden  Rang  jci>er  ein.  Unler  den  Cruslaceen  er- 
scheinen die  echlen  Krabben,  die  siimmtlichen  Familien  der  Inseklen  slellen 
ihre  Verlreler.  Die  helerocercalen  Ganoiden,  von  welchen  aus  dem  Zeitalter 
ihrer  Hauptentwickelung  noch  einige  Nachztlgler  in  den  Beginn  der  mesozoi- 
schen Periode  reichen,  slerben  bald  vollkommen  aus,  filr  sie  Ireten  homocercale 
Ganoiden  ein,  wclche  im  Verlaufe  der  mesozoischen  Zeitalter  das  Maximum 
ihrer  Haufigkeit  erreichen  und  dann  ebenfalls  allmahlich  zu  der  Sellenheil  und 


VI.   llistorische  Geologic.  459 

dor  Formenarmuth  dor  .let/t/.eit  herabsinken.  Neben  ihnen  crschcinon  die 
crstcn  echton  Haie,  die  SqualodonU>n,  sowie  die  Knocbenfische,  und  mil  ihnen 
die  Vorliiufer  des  heute  bei  Weitem  vorwaltenden  Ty|ms  der  heutigen  Fisch- 
\velt.  Die  Labyrinthodonten  produciren  im  Beginne  der  neuen  Aera  Riesen- 
gestalten ,  jedoch  um  bald  zu  verschwinden ,  und  machen  den  ho'her  organi- 
sirten  echten  Reptilien ,  den  Enaliosauriern ,  Pterosauriern ,  echten  Gavialen, 
Krokodilen  und  Schildkrb'len  Platz.  Dass  die  Mitte  der  mesozoischen  Zeitalter 
besonders  fUr  diese  Reptilien  geeignet  war,  zeigt  sich  nicht  nur  in  der  Ila'u- 
figkeit,  sondcrn  auch  in  der  Riesenhaftigkeit  ihrer  Reprasentanten ,  welche  die 
Grosse  ihrer  heutigen  Nachkommen  um  mehr  wie  das  Doppelte  tlbertrefl'en 
konnen.  Gauz  analog  dem  sporadischen  Auflreten  der  ersten  Angiospermen 
neben  den  damals  herrschenden  gymnospennen  Coniferen  und  Cycadeen  er- 
stelien  in  der  mesozoischen  Periode,  als  wahrend  der  Herrschaft  der  Reptilien, 
die  erslen  WarmbltHer  in  vereinzelten  Vb'geln  und  Beutelthieren,  um  sich  spa- 
ter  im  Verein  mil  den  damals  noch  so  sparsamen  Angiospermen ,  sowie  mil 
den  ebenfalls  erst  am  Schlusse  der  mesozoischen  Aera  erscheinenden  Knochen- 
fischen  zu  den  Haupteleinenten  einer  neuen  organischen  Welt,  der  kanozoi- 
s  c  h  e  n  ,  emporzuschwingen. 

Alle  diese  Erscheinungen  sind  Fingerzeige  (iber  die  La'nge  der  Zeitraume, 
welche  die  Entfallung  und  Ausbreitung  der  Organismen  in  Anspruch  nahm, 
Hin\M'ise  auf  die  lange  Dauer  der  einzelnen  Perioden  der  Erdgeschichte ,  Be- 
\\rise  der  allmahlichen  Entwickelung  und  Ilerausbildung  der  Floren  und  Faunen, 
welche  sich  in  fast  zahllosem  Wechsel  abgeldst  haben ,  im  Gcgensatze  zu  der 
Annahme,  dass  durch  Erdumwalzungen  bedingte  Ausroltungen  alles  frtihereti 
Lebens  sich  slets  wiederholende  Neuschbpfungen  nbthig  gemacht  hatten. 

D.  Die  kaenozoische  Forinationsgruppe. 

Die  Ablagerung  der  kanozoischen  Schichtenreihe  fa'lll  in  eine  Periode,  in 
welcher  dii-  .niLiinspermen  Dikotyledonen  (also  Laubholzer)  und  die  Saugethiere 
y-iu-rsl  /.u  ciiicr  grossercn  Entfallung  gelangen,  wahrend  die  den  Gesammt- 
habitus  der  mesozoischen  Formalioncn  so  wesentlich  bedingenden  Gycadeen, 
(loniferen,  Keplilien,  Brachiopoden  und  Ganoiden  sUirk  zuriicktreten  und  die 
noch  charakteristischeren  Aminonilen  und  Belemnilen  ganz  ausgestorben  sind. 
D.is  \\  rsenlliche  des  kaenozoischen  Zeitalters  und  seiner  Producte  bestehl  darin, 
dass  sic  den  Anschluss  der  crslen  Entwickelungssladien  der  Erde  an  die  Jetzt- 
\\clt  vcrinittcln,  dass  sic  den  Obergang  zwischcn  dcm  Sonst  in  das  Jetzt  der 
Erdgeschichle  herslellen. 

Die  kaenozoische  Schicblenreihe  zerfalll  in  die  tertiiiren  Forma tionen 
und  die  Dilu  vialgc  bilde. 

Das  Tertiiir. 

Charakter  der  Tertiarperiode  im  Anschluss  an  die  Hlickblicke  auf  pag. 
371  und  457.  Im  Verlaufe  der  Terliarperiode  erlangte  die  Erdoberflache  all- 


Mill  \  I. 

miililich  und  iin  Wrsi'iilliohrn  ilnv  heuligr  (lonli-in  .1(1011,  und  dir  Fauna  und 
Flora  i-inon  (iosammtoharaklor,  dor  sicli  auf  d;is  Innigsle  .HI  die  .lol/,l\\olt  an- 
solilirs.sl.  Dieso  UmgosUillung  dor  gcsammlen  irdischen  VerhallnKsso  liudd  in 
folgendon  Bfschehmngetl  ilnon  Ausdruck: 

1)  in  fortwahrenden  Verschiebungen  der  Grenzen  zwischen  Festland  und 
Meer  in  Folge  siioularer  Hobungen   und  Senkungen  dor  (lonlinonlo.    1m  Boginn 
der  Terliiirzoil   hesassen    die   heuligcn    Gonlinonlc    hci    Weitoni    nicht  die  Aus- 
dolmung  \\io  jctzl,    viclmehr    waren    bedeulende    Strichc    derselben    noch    VOID 
Moore    bedeekl   und    ticfe    Bucliten    und    sehmale    Meeresarnie   erslrccklen    sieh 
\\eii  in  ihr  Inncros   und    zertheillen    dicsclbcn    in  Inseln    und    Ualbinscln.     Irn 
Vcrlaufe  der  lerliaren  Zeitraumc  fanden  ahnlich  wic  in  alien  frillieivn  1't-riodcn 
langsame  Hebungen  stall,   in  Folge  deren  ilachc  Kilslenslrichu  Uber  den  Meeivs- 
spiegel  gehoben,   seiehle  Buchlen  und  Caniile  Irocken  gelegl,   lie  fere  zu  Binncn- 
meeren  umgewandell.   fillhere  Inseln  durch  Tiefebencn  verbunden  wurden  und 
andere   an  Umfang  wuchsen ,    wahrend   zugleich   neue   Inseln   aus    dein  Meere 
auflauchlen  und    frilhcr   zusammenha'ngende   Oceane   durch    Damme   von    Fcsi- 
liind  gelrennl  wurden.     In  den  Depressionen  des  jungen  Fesllandes  sanunellen 
sich  die  almospharischen  Wasser   an  und    bildelen  Silssvsasserseen.     Auch  die 
umgekehrle  Bewegung ,  Senkung ,  fand  im  grossarligslen  Maassslabe,  z.  B.   iin 
Bereiche    der   gesammlen   nordeuropaischen  Ticfebene   slalt  und  halle  die  enl- 
gegengeselzle    Wirkung   zur   Folge.      Aus    diesen    Oscillalionen   der  Contincnle 
gingen  allmahlich  die  jelzigen  horizonlalen  Conluren  derselben  hervor,  zugleich 
abcr  bedinglen  sic  die  fUr  die  lerliare  Schichlenreihe  so  charaklerislische  Wcch- 
sellagerung  von  marinen,  brakischen  und  Stlsswassergebilden,  sowie   (ganz  ;ib- 
gesehen  von  den  gleichzeiligen ,   lief  eingreifenden  klimalischcn  Verandcrungrn) 
forlwiihrende  Wanderungen  der  Floren  und  Faunen  nach  Wohnslallen,  in  \vel- 
chen  sie  die  Mdglichkeil  einer  Exislenz  vorfanden. 

2)  in  der  Entstehung  der  heutigen  Hochgebirge  durch  locale  energischeiv 
Hebungen.     Der   Hauplhebungsacl  der  Mehrzahl   der  hochslen  Gebirge,    so  der 
Pyrenaen,  Alpen,  Karpalhen,  des  Kaukasus,  des  Himalaya  und  der  Cordilleron 
falll  in  die  Terlia'r-Periode.     Ihre   Enlslehung  spiegelle    sich,    ganz    abgesehen 
von    der  allgemeinen  Veriinderung   der   verlicalen  Conluren  der  Conlinenlo.   in 
der  Herausbildung   neuer  Flusssysleme,    in  der  Beeinflussung  der  klimalischen 
und  meleorologischen  Verhallnisse  und  dadurch  der  Faunen  und  Floren  wieder. 

3)  in   der  Heranabildung   von  Klimazonen.     In    den    aileron  Porioden    dor 
Enlwickelungsgeschichle    unsercs  Planelen    herrschle  auf  Erden    von  don  Polcn 
bis  zum  Aqualor    ein    gloiolnniissig  vvarmes  Klinia :   die  Riesenfortnon    der  car- 
bonischen  Flora  schossen   in    nordlichen  Breilen  eben  so  uppig  empor,   \vic  in 
sudliehen ,  die  Korallen   des  Silur  wucherlen    in   polaren   Meeren    ebenso ,    \N  tc 
unlcr  den  Tropen,  —  die  Erdwiirme  war  noch  eine  so  hohe,    dass  Tempora- 
UirdilTerenzen  in  Folge    ungleicher  Sonnenboslrahlung   nichl  ins  Gewichl  fiolen. 

Nach  und  nach  aber  halle  die  Eigenwiinno  dor  Erdo  soweil  abgenommon, 
dass  sich  klimalische  Unlerschiede  auf  der  Erdoberflache  mehr  und  mchr  be- 
merkbar  machlon  und  sich  allmuhlich  zu  Klimazonen  in  unsorm  heuligen  Sinno 
herausbildolon.  Dor  Boginn  diosos  Vorganges  fallt  in  die  Kreidezeil,  wo  wir 


VI.   Uistorisclie  Geologic.  4(>1 

klinialisrlirr.  von  der  Kntl'ernung  VOID  Aquator  bcdingler  Ver- 
seliiedenlieiten  in  dem  Hervortreteti  einer  siidlichen  und  nbrdlichon  Fades  der 
nvtaeeisehen  Fauna  heobaeliteten  (siehe  pag.  436).  In  dcr  Tertiiirperiode  piTi-i 
sieli  diese  zonenweise  Sonderung  der  Klimnla  weiter  und  bestimmler  aus,  um 
aUmiihlieh  zu  dem  heutigen  Standpunkte  dor  klimatischen  Verhiiltnisse  zu  gclan- 
gen.  Diese  Vorgange  finden  ihren  un'/Aveideuligen  Ausdruck  in  der  Veriinde- 
runu  der  Thier-  und  Pflanzenwelt.  Der  Gharakter  der  Floren  der  verschie- 
denen  Landstriche  zu  gleichen  Perioden  der  Tertiarzeit  giebt  dafUr  ein  sicheres 
Zeugniss.  So  finden  wir  in  Italian  einen  grossen  Pahncnreichthum ,  waluvnd 
ini  initlleren  Europa  immergrtine  Wiilder  und  Nadelholzbesliinde ,  in  den  bal- 
lischen  Territorien  Nadelholzer  und  Biiume  mil  fallendem  Laub  angetrofl'en 
\\erden.  Die  wahrend  der  ganzen  Tertiar-Periode  statlfindende  fortwiihrende 
und  alliniihliche  Abnahme  der  Warme  und  damit  in  Verbindung  stehende  Be- 
\\ci;ung  der  Isolhennen  nach  dem  Aquator  zu  halte  nun  zur  Folge,  dass  sich 
auoh  die  Floren  allmiihlich  nach  ihren  jetzigen  Verbreitungsgebielcn  zurUckzogen, 
dass  also  ein  nach  dem  Aquator  gerichtetes  ZurUckweichen  der  bis  dahin  auch 
in  nordtichen  Breiten  gedeihenden  Formen  stattfand.  Das  Besultat  dieser  Er- 
schcinung  ist,  dass  z.  B.  in  Central- Europa  auf  die  tropische  und  subtropische, 
indisch-auslralische  Flora  des  Beginnes  der  Tertiarzeit  (des  Eocan  und  Oligo- 
ciin)  die  subtropische,  mittelamerikanische  Flora  des  Mioca'n  und  auf  diese  die 
geinassigte  mediterraneische  Flora  des  jtlngsten  Terliar,  des  Pliocan  folgte,  dass 
also  die  Floren  ein  und  derselben  Tertiarablagerung  allmiihlich  ihren  anfiinglich 
tropischen  Gharakter  verlieren  und  den  eines  gemiissigten  Klimas  annehmen. 
Innerhalb  der  tertiaren  Schichtenreihe  finden  wir  deshalb  einen  zwiefachen 
schrittweisen  Ubergang  von  tropischen  durch  subtropische  bis  zu  gemiissigten 
Formen,  nehmlich  einmal  in  horizontaler  oder  vielmehr  erdperipherischer  Bich- 
tunii  vom  Aqualor  nach  den  Polen  zu  und  einen  zweiten  in  verticaler  Bich- 
tunt:  von  den  iiltcslen  nach  den  jUngsten  Schichten  zu. 

Hri  den  an  den  Boden  gefesselten  Pflanzen  geben  sich  die  Wirkungen  kli- 
matischer  Veranderungen  durchgreifender  und  augenfalliger  zu  erkcnnen,  als 
I  KM  (In  Thierwelt,  jedoch  finden  sie  auch  in  dieser  und  zwar  namentlich  in 
d(M-  Aufeinanderfolge  der  Meeresfaunen  ihren  unzweideutigen  Ausdruck.  So 
enlhalten,  urn  nur  ein  einziges  Beispiel  anzufllhren,  die  untersten  Ablagerun- 
gcMi  des  (Miglischen  Tertiiirbeckens,  die  London-Thone,  die  Fauna  tropischer  und 
sublropischer  Meere,  seine  obersteu  Schichten  der  Mchrzahl  nach  die  Mollusken 
der  England  bespillenden  See,  anfiinglich  noch  mil  denen  sUdlicherer  Breiten 
grmischl,  spiiter  diesellxin  ganz  verdrangend,  —  eine  Erscheinung,  die  sich  Uber- 
all  da,  wo  die  tertiare  Schichtenreihe  vollstiindig  entwickelt  ist,  wiederholt. 

Die  Entstehung  des  ersten  Eises  an  den  Polen  und  auf  den  Hochge- 
birgen  mag  in  das  Ende  der  Tertiiirperiodc  fallen. 

4}  in  dem  vollstandigen  Aussterben  vieler  Thier-  and  Pflanzenformen 
und  dem  Zuriicktreten  anderer ,  welche  bis  dahin  als  wesentliche  Glieder  der 
frilheren  organischen  Welt  charakterislisch  fllr  verflossene  Perioden  waren.  Mil 
dem  Beginn  der  Terliarzeit  verschwinden  von  der  Weltbtlhne  die  Inoceramen 
und  Exogyren  (so  massenhaft  in  Jura  und  Kreide  verbreitet),  die  Hippuriten 


462  VI.   Historische  Geologic. 

(felsbildend  in  der  Kreide),  die  Nerineen  (ganzc  Banke  der  .lura  formation  an- 
filllend),  die  Ammonilen  und  Belemniten  (die  verbreitetslen  Fonrien  des  Jura 
und  der  Kreide),  die  Turriliten,  Scaphiten ,  Baculiten  und  die  Ubrigen  Krttp- 
pelformen  der  Amnioneen  (so  charakterislisch  fUr  die  Kreide),  endlich  die  me- 
sozoischen  Meeressaurier  und  Flugsaurier.  Andere  Thier-  und  Pflan/.enl\pen 
treten  mil  Beginn  der  Tertiarperiode  mehr  und  mehr  in  den  Hintergrund,  bis 
sie  allmahlich  auf  die  verhaltnissmassige  Seltenheit  in  der  Jetzlwelt  herabsinken. 
Hierher  gehb'ren  namentlich  die  Cycadeen ,  die  tropischen  Goniferen ,  die  Cri- 
noideen,  viele  Molluskengeschlechter  (vorztiglich  Trigonia)  und  die  Ganoidh'sche. 

5)  in   der   grossartigen  Entfaltung   von  Thier-   und  Pflanzentypen ,    deren 
erstes  Auftreten    in  mesozoische   Perioden  fallt,    so   der  Angiospennen,    also 
Laubhblzer,    von  denen   wir   die   erslen  Spuren    in  der  oberen  Kreide  fanden, 
und  der  Palmen,  der  Batrachier,    Squaliden  und  Knochenfische;    endlich    und 
zwar  namentlich  der  Saugelhiere.    In  ihrem  und  der  Laubhblzer  massenhaftem 
Auflreten  liegt  einer  der  wesentlichen  Charaktere    der  Tertiarperiode.     Die   al- 
testen,  uns  bekannten  Reste  der  Saugethiere  stammen   aus   der  obersten  Trias 
und  gehoren  eineni  Beutelthiere  an ;    in  Dogger  und  weissem  Jura  vviederholen 
sich  ahnliche  vereinzelte  Vorkommnisse,    aber   erst  im  unteren  Tertiar  beginnt 
sich  eine  grb'ssere  Mannigfaltigkeil  und  Reichhaltigkeit  innerhalb   dieser  Thier- 
klassen  zu  zeigen.     Anfanglich  sind  es  nur  Dickhauter  neb'st  Raubthieren,   Na- 
gern  und  Beutelthieren ;   zu  ihnen  gesellen  sich  im  Verlaufe  der  Tertiarperiode 
Insectenfresser    und  Wiederkauer,    dann    die  Maslodonten ,    pflanzenfressenden 
Cetaceen,  echten  Wale,  Delphine,    Giraffen,    Pferde  und  Affen,    bis  endlich  in 
den  oberen  Tertiargebilden  die  ziemlich  bedeutende  Zahl   der  Katzen,   Hyiinen, 
Hunde ,  Marder ,  Otlern ,  Dachse ,  Baren ,  Biber ,    Hasen    und  Hirsche  den  Weg 
zur  diluvialen  und  jetzigen  Fauna  bahnt. 

6)  in   dem  allmahlichen  Erscheinen   einer   immer    grosseren   Anzahl   den 
heutigen  nahe  stehender  and  endlich  mit  ihnen  identischer  Arten ,  demzufolge 
die  Zahl  der  im  Tertiar  vertretenen,  jetzt  noch  lebenden  Species   in    den  jiln- 
geren  Terliarablagerungen  roehr   und  mehr  wa'chst.     So   nimml   man   von   der 
Molluskenfauna   der  Miocanformation    (das  Tertiar   zerfallt   in  Eociin,    Oligocan, 
Miocan  und  Pliocan)  an,  dass  sie  10  bis  40  Procent,  von  dem  alteren  Pliocan, 
dass  es  40  bis  60,  von  dem  jtlngsten  Pliocan,  dass  es  60  bis  90  Procent  noch 
lebender  Mollusken-Arten  enthalte. 

Fasst  man  die  eben  beschriebenen  Erscheinungen  kurz  zusammen,  so  ge- 
langt  man  zu  folgender  Charakteristik  der  Tertiarperiode:  Die  Tertiiirpt-- 
riode  ist  das  Zeitalter,  in  welchem  Palmen,  Laubholzer  und  Saugethiere  und 
neben  ihnen  die  Zweischaler  und  Gasteropoden  zu  einer  grossarligen  Entfal- 
lung  gelangen ;  in  Folge  der  allmahlichen  Herausbildung  von  Klirnazonen  macht 
sich  eine  zonenweise,  von  der  Enlfernung  vom  Aquator  abhangige  Sonderung 
der  Organismen  bemerkbar;  unter  den  verschiedenartigen  klimatischen  Ein- 
fldssen,  die  durch  Entstehung  von  Hochgebirgen  noch  complicirter  \verden, 
bildcn  sich  innerhalb  der  Meere,  Buchten  und  Binnengewasser  die  mannitrfal- 
Localfaunen  aus.  Ahnliches  ist  auf  dem  Festlande  und  in  den  siissen 
n  der  Fall.  Die  klirnalischen  Yerliiillnisse  na'hern  sich  mehr  und  mehr 


VI.   Historische  Geologic.  463 

denen  unsorer  Zrit,  Hand  in  Hand  dainit  geht  das  Auflreten  einor  immer  grosser 
werdenden  Anzahl  von  Thier-  und  Pflanzenfonnen ,  welche  mil  denen  der 
.Ict/.t/eil  idenlisch  sind.  Die  MannigfalUgkeft  der  irdischen  Verhallnisse  und 
des  organischen  Lebens  \viihrend  der  Tertiiirperiode  isl  grosser,  als  in  irgend 
eiuein  der  vorhergehenden  Zeilalter  und  reprasenlirt  die  lelzle  Slufe  Erd- 
rnuvickelung  vor  ihrein  Eintrill  in  die  Jelzlzeit. 

Der  Vollzug  aber  dieser  Vorga'nge  wiihrend  der  Tertiarperiode,  wahrschein- 
lich  kaum  intensive!',  als  die  Veranderungen  innerhalb  jetziger  und  frUherer 
Zeitaller,  ist  recht  dazu  geeignet,  uns  die  Grb'sse  des  Zeitraumes,  welchen  die 
Erdentwickelung  in  Anspruch  nahm,  vor  Augen  zu  filhren.  Ganze  Faunen 
und  Floren  sind  innerhalb  der  einen  Periode  von  anderen  verdriingl  worden, 
Hochgebirge  sind  enlstanden ,  aus  Inselgruppen  sind  Conlinente  geworden,  und 
doch  sind  diese  Processe  augenscheinlich  so  langsam  vor  sich  gegangen,  wie 
heute,  wo  uns  die  augenblickliche  Erscheinungsweise  der  Erdoberflache  slarr 
und  stabil  erscheinl.  Und  diese  Tertiarperiode  filllt  nur  das  letzte  Blalt  der 
Erdgeschichle,  soweit  sich  diese  vor  dem  Erscheinen  des  Menschen  abgespielt  hat. 

Die  Schichtenreihe  des  Terlia'r  in  allgemein  gdltiger  Weise  zu  gliedern, 
die  erazelnen  Unterabtheilungen  entfernter  Terliarareale  mit  einander  zu  par- 
allelisiren  und  fUr  sie  charakteristische  Merkmale  aufzustellen ,  hat  ungemeine 
Schwierigkeit.  Man  denke  sich  einen  Theil  der  jelzigen  Meere  durch  Hebungen 
trocken  gelegt,  ihren  Zusammenhang  durch  jtlngere  Ablagerungen  verdeckt  oder 
durch  Abschwemmung  factisch  zerschnitten ,  einen  Theil  dieses  jungen  Fesl- 
landes  zu  Gebirgen  gehoben,  anderes  in  seiner  ursprdnglichen  Lagerung  er- 
halten,  -  -  welche  Anhaltspunkte  wdrde  ein  Geolog  der  Zukunft  haben,  um  die 
Gleichalterigkeit  der  Sedimenle  des  Rothen  und  des  Mittella'ndischen  Meeres, 
des  Stillen  Oceanes  und  des  Golfes  von  Mexico  beweisen  zu  konnen?  In  der 
Obereinstimmung  der  Bevvohner  dieser  GewSsser  wUrde  er  sie,  trotzdem  die 
letzteren  oft  nur  durch  wenige  Meilen  Festland  von  einander  gelrennt  sind, 
nicht  finden.  Die  Ablagerungen  aus  der  Tertiarperiode  umschliessen  aber  die 
He \\cise  einer  mehrmaligen  Umgestallung  der  Faunen  jedes  Meeres,  der 
Floren  jedes  Continenls  und  oft  in  jedem  verschieden  von  dem  andern ,  so 
dass  sich  die  Verhtiltnisse  zu  ausserordentlich  schwierigen  gestalten,  besonders 
wenn  man  noch  in  Belracht  zieht,  dass  der  durch  die  Verschiebung  der  Iso- 
thermen  bedingtcn  Wanderung  der  Organismen  wegen  gleiche  organische 
Trrtiiirreste  fuhrende  Ablagerungen  weit  von  einander  enlfernler  Breiten  ver- 
schiedenen  Alters  sein  mllssen.  Die  einzige  Mb'glichkeil  der  Feststellung  des 
grosseren  oder  geringeren  Alters  terliiirer  Ablagerungen  und  dadurch  iluri 
Aquivalenz  beruht  auf  der  Vergleichung  ihrer  Faunen  mil  denen  der  benach- 
barlen  Meere,  als  deren  RUcksliinde  sie  zu  betrachten  sind  und  mil  denen  sie 
um  so  mehr  Arlen  gemeinschafllich  fdhren  werden,  je  jtinger  sie  sind,  wiih- 
rend  umgekehrl  grossere  Unahnlichkeil  und  (beim  Terliar  unserer  Breilen)  sich 
mehrende  tropische  CharakterzUge  fur  grbsseres  Alter  sprechen.  Man  hat  frllher 
geglaubt,  in  der  Molluskenfauna  des  EocUn  3,  des  Miociin  19,  des  Pliociin  52 
Procent  noch  lebender  Arlen  zu  erkennen ,  Verhallnisszahlen,  welche  in  Folge 
jedes  Mcncn  Fundes  schwanken  mid  wegen  der  Schwierigkeit  der  Identifirung 


404 


VI.    Hislorisrhc  Geologic. 


dor  Species  und  dor  IJnbrstimmthoil  dos  Speciesbegriffes  unsicher  bloiben 
inussten.  Nach  neuorcn  Vergleichen  haben  sich  jcnc  Werlhe  diiliin  umgegoderl, 
dass  im  Eociin  noch  keine,  im  Miociin  10—40,  irn  Pliociin  50 — 90  Procent  jot/t 
noch  lebender  Molluskenarten  nuftroton.  Es  hat  sich  ills  Nolhwendigkeil  horaus- 
goslollt,  zwischcn  Eociin  und  Miociin  noch  oine  selbsliindigo  Gruppc  x.u  un- 
lerscheiden,  wclche  als  Oligociin  bezeichnel  vvird,  Dernnach  zerfiillt  das  For 
tiiir  von  oben  nach  union  in  folgende  vier  Ablheilungon  : 

3)  Pliocan 

4)  Miociin 
2)   Oligociin, 
1)   Eociin. 

Wir  werdcn  jcde  diesor  Gruppcn  filr  sich  betrachten,  und  da  cine  Generali- 
sirung  nicht  wohl  nib'glich  ist,  von  den  zahlreichen  localen,  jedcsmal  nur  auf 
gewisse  Gebiete  beschranklen  Ausbildungsweiscn,  die  vollstandigslen  als  lypische 
Beispiole  kurx.  beschreiben. 


auch  neogcnes  Tertiiir  genannl, 


Die  Eocanformation. 


Das  Eociin  Siid-Englands 

Das  Eocan  des  Seinebcckcus 

Bartonclay  and-sand 

Sables  moyens 
Gr6s  de  Beauchamp 

Bagshot  and  Brackleshamsands 

Calcairc  grossier 
(Pariser  Grobkalk) 

Londonclay  und  Bagnorbeds 

Lits  coquilliers 
Sables  du  Soissonais  sup£rieurs 

Woolwich-and  Reading-series 

Argile  plasiique  et  lignite 

Thanet-sands 

Sables  de  Bracheuz 
Sables  du  Soissonais  inferieurs 

Die  Eocanformation  im  siidlichen  England.  Die  tertiiire  Schichten- 
reihe  Englands  beginnt  mil: 

1)  Thanetsanden,  kiesigen 
Sanden  und  untergeordneten  Sand- 
steinen ,  welche  den  Boden  der 
Kreidemulde ,  in  der  sich  das 
Tertiiir  ablagerte,  local  bedecken. 
Auf  sie  oder,  wo  sie  fehlen,  di- 
rect auf  die  oberste  weisse  Kreide 
folgt 

2)  die  Woolwich-and  Reading-Series,  ein  etwa  30  Meter  miich- 
liger  Complex  von  meist  dunkeln,  zurn  Theil  bunten,  plastischen  Thonen,  wech- 
sellagernd  mil  weissen  Sanden  und  Feuersteinkies,  welche  sich  durch  das 
Auftreten  von  untergeordneten  Braunkohlen  und  das  Vorkommen  von  Cyrenen, 
Cerithien,  Melanien,  Melanopsis  und  Paludina  als  eino  wenigslens  thoilweise 


Fig.  ai».    Cyrena  cuueif ormis  Sow. 


III.    Historisehe  Geologie. 


465 


fluviatilo    und    brakische  Bildung   zu    erkennen   giebt.     Die   beiden    haufigsten 
Conchlien  sind  :   Cyrena  euneiformis  Sow.    und  Melania    inquinata  Desh.    (Fig. 


3)  Der  London-Thon,  gegen  200  M.  miichtig,  eintormige 
za'he,  graue  odor  braune  Thone  mil  Septa  rien,  welche  sehr  reich 
an  organischen  Resten  sind.  Die  Blatter  und  FrUchle  einer  An- 
zahl  tropischer  Pflanzen,  die  Resle  von  Krokodilen,  Schildkroten, 
Vi>i;eln  und  SUugethieren  weisen  darauf  bin,  dass  sich  die 
London-Thone  in  der  Nahe  von  Festland  abgelagcrt  haben 
inUssen,  welchem  die  genannlen  organischen  Reste  durch  FlUsse 
enlftihrt  worden  sind.  Neben  ihnen  finden  sich  zahlreiche  Arten 
von  Conus,  Voluta,  Gypraea,  Aturia,  Nucula,  welche  ebenso  wie 
jene  fttr  ein  dainals  herrschendes  tropisches  Klima  sprechen. 
Einigc  charakteristische  Forinen  sind:  Nucula  amygdaloides 
Sow.,  VoluUi  nodosa  Sow.,  Rostellaria  macroptera  Brand,  Aluria 
/.irkzack  Sow.  (Figuren  321—324). 

4)  Bagshot-  and  Brack  lesham-sand.  Auf  die  Lon- 
don-Thone folgen  in  der  Nahe  der  englischen  Hauptstadt  bis 
gegen  200  M.  machtige  gelbe,  unfruchtbare  Quarzsande  (Bagshot- 
sande)  ,  zwischen  welche  ein  glaukonitischer,  sandiger  Schie- 


M  o  1  a  n  i  a    inqui- 
nata Ucsh. 


:W1.    Nucula  atnygd:i 
loides  Sow. 


Fig.  ;»2U.    Voluta  HO 
dos  a  Sow. 


Fig.  324.    A  tnria  zickzack  Sow. 


Y\K.  :t'23.    Kostcllari;i  mactoptera  Brand. 


ferletten  eingelagert  ist.  W.lhrend  die  ersten ,  abgesehen  von  angiospennen 
I'lliiny.en,  fast  vollkommen  versteinerungsleer  sind,  fUhren  die  Grilnsande  ncbcn 
den  Resten  von  Gavialen  und  einer  Seeschlange ,  sowie  Fischzahnen,  zahl- 
reiche  Individuen  von  Venericardia  planicosta  Lam.  und  Nummulites  laevigala 
Lam.  (Fig.  325—327).  Weiter  sUdlich  sind  diese  zuni  Theil  glaukonilischen 
Sande,  die  dort  Bra cklesham- beds  genannt  werden,  sehr  reich  an  orga- 
nischen Resten,  welche  deren  Aquivalenz  mil  dem  Pariser  Grobkalke  be- 
woisen  und  boi  Besprechunij  dieses  lol/teren  zum  Theil  abiiebildel  werden 


(.'reel  n  f  r ,  Klcinriitr  d.  Grolnuic 


30 


I  tit; 


\  I.    Ili-lnnM-hc  l  i 


M>  Crnlliiiim  iziiMiitcum  Lam.,  \Vnrnranlia  planirosla  Lam.,  Turrilrlla 
imbrirataria  Lam.  ,  Turritolla  ferebellata  Lam..  Poctunculns  pulvinalus  Lam., 
Turbinolia  sulcata  Lam.  u.  a. 


Fig.  :J2o.     Venericardia  planicosta  La  in. 


i:;.  :'.'Jii.     XH  mm  n  1  i  tf  s   laerigala    Lara. 


Fig.  327.    Carcharodon  angustidens  A  g. 

•")  Barton-Thon  und-Sand;  bis 
120M.  machtige,  dunkelc,  sandige  Thone 
mil  Spharosideritnieren ,  sowie  mil  Nuin- 
mulites  variolaria  Lam. ,  Chama  squamosa 
Eichw. ,  Cardita  sulcala  Brug.,  Crassatolla 

sulr.ita  Sow.,   Typhis  pungens  Brand,  Voluta  alhlela  Sol.,  Terebellum  fusiformc 

Lam!    (Fig.   329—334). 


Fig.  328.    Otodns   obliquns  Ag. 


Fi-r.  T2'J.    Chainasquamosa      Fig.  330.    Cardita  snlcata 
Eichw.  Brng. 


Fig.  331.    Crassatellasnlcata 
Sow. 


Die  Eociinformatioil  des  Seinebeckens.  Die  hierhor  gohbrigen  Terliiir- 
ablagerungen  bestehen  aus  einem  Complcxe  von  abwecbselnden  brakischen 
und  SUsswassersedimenlen  und  fQllen,  Uberlagerl  von  den  jdngeren  Tertiiirge- 
bilden,  ein  flaches  t^llerformiges  Becken  aus,  welches  von  der  obersten  Kreide 
geforint  wird  und  in  dessen  Centrum  Paris  liegt.  Die  Hauptglieder  dieser 
nordfranzbsischen  eocMnen  Sehiohtenreihe  sind  : 


\  I 


lnnsrlit1 


\)  unlere  Sandc  (Siiiulc  \on  Brachcux.  und  unlere  Sande  von  Soissons, 
Etage  Sucssonien).  Dieso  Gruppe  bcginnl  mil  weissen  Sanden  und  Mcrgeln, 
\\rlche  Siisswasserconchvlien  i'Paludina,  Cyclas,  Cyclostoma,  ausserdem  Helix), 
so\vit-  die  Roslo  cines  cigenthiimlichen ,  dein  Bar  verwandten  Sa'ugethieres 


V\f.  Wl.    Ty  pliis  pungens        Fig.  333.    Vo  Inta  athl  e  ta        Fig.  3:!4.   Te  rebel  1  um  fnsiforrae 
Brand.  Sol.  Lam. 

(Arclocyon  primaevus)  ,  -  -  dem  altesten  der  Tertiiir/eit  --  fdhren.  Auf  sie 
I'olgen  marine,  graue,  miluntcr  eisenschilssige  Sandc.  Beide  zusammen  sind 
die  Repriisentanten  des  englischen  Thanelsandes.  Genau  wie  in  England 
hilden 

2)  plastische  Thone,  Sande  u  nd  Braunk  ohlen  die  zweite  Eoca'n- 
Zone  des  Seinebcckens  und  flihren  ebenso   wie  dort  Melania  inquinala.  C-yrena 
cuneiformis,  Ostrea  bellovacina. 

3)  Sables  duSoissonnais  superieurs, 
lits  coquilliers.     Die   plastischen  Thone  wer- 
den  z.  B.  bei  Cuisse  Lamotte  bei  Compiegne  von 
gliinnierreichen  oder  glaukonitischen  Sanden  tiber- 
lagert,  welche  stellenweise   reich  an   organischen 

Resten  sind,  unter  welchen  sich  Nummulites  planulata  Lam.  ,  Nerila  conoidea 
I  .am.  durch  ihre  Hauligkeit  hervorheben.  Diese  Sande  scheinen  die  London- 
'Ihone  zu  verlreten,  mil  denen  sie  etwa  33  Arten  gemein  haben. 

4)  Der  "Grobkalk   von   Paris    (calcaire   grossier) ,    eine   20  bis  30  M. 
miiohtige  Schichtenreihe  von  sandigen,    glaukonitischen    oder    mcrgeligen    Kalk- 
stt-iiu'ii,   welche  zu  unterst  sehr  reich  an  Nummulites  laevigata  Lam.   (Fig.  326)^ 
sind,  in  den  obersten  Regionen  vorztlglich  hiiufig    folgende  Conchylien  fdhren : 


Fig.  335.  Neri  ta  conoidea  Lam. 


Fig.  ;j;J7.    Conns  deperditus  L a ra. 


:t:t!>.    Cassis  cancellata  Lam. 


das  bis  0,7  M.   lange  Cerithium  gigantcum  Lam.,   Turritella  imbricataria  Lam., 
Conns  doporditiis  Lam..   Cassis  cancellata   Lam.,   Corilhium    hexagonum   Brug., 

30* 


468 


VI      llislnrisrlir    Gcoloi,'i»!. 


Crassatella  ponderosa  Nyst.,  Corbis  Inniellosa  Desh.,  Cardium  porulosum  Lam., 
YiMirrieardia  planicosta  Lain.  (Fig.  325).  Gewisse  Schichton  dcs  Grobkalkes, 
die  Milliolitonkalke,  l>cstehen  lediglich  aus  Poraminiferen-Scitalen  von 


Fig.  339.    Cerithium 
hoxagonum   Brug. 


Fig.   3-Ui.      Orussa  te  lla    pon- 

rt  P  r  n  s  a    Nyst. 


Fig.   :)4I.    Cardinm  porulosum  Lam. 

olvva  Sandkorngrosse  und  liefern  einen  trefflichen 
Anhaltspunkt  zur  Orientirung  in  dem  Tertiar  des 
Seinebeckens.  Auch  Cerithien ,  von  denen  im 
Pariscr  Becken  Uber  150  Species  bekannt  sind, 
kbnnen  einzelne  Schichten  des  Grobkalkes  voll- 
kommen  anftillen.  Zugleich  zeigen  sich  jetzt  be- 
reits  die  ersten  Vorlaufer  der  Tap! re  und  tapir- 
artigen  Dickhauter,  Lophiodon  und  Palaeotherium. 
5)  Mittlorer  Meeressand  (Sables  nio- 
yens,  gres  de  Beauchamp).  Lichle  Quarz- 
sande,  in  denen  ausser  zahlreichen  inarinen  Mollusken  namentlich  ein  kleiner 
Nummulit  (N.  variolaria),  haufig  ist. 

Die  EocSinformation  des  Sttdens.  In  der  Kreideformation  Uberraschte 
uns  die  Erscheinung,  dass  deren  sddliche  Vcrbreitungsgebiete  einen  von  den 
ndrdlichen  vollkommen  verschiedenen  Gesammtcharakter  besasscn.  Ahnliches 
wiederholt  sich  in  der  Eocanformation.  War  es  in  der  Kreide  die  inerk- 
wilrdige  Gruppe  der  Hippurilen,  welche  jene  alpine  Facies  bedingte,  so  ist  es 
in  dein  EociSn  das  nicht  weniger  eigenthtlmliche  Geschlecht  der  Nummuliton, 
anf  dcicn  pliil/liclicin  Aiiflrelcn  in  uncnncssliclicn  Scliaaren  der  Habitus  dcs 


Fig.  336.    Cerithidm   gigantenm 
Lam. 


VI.    Ilialonschc 

Koran    bcruht.      In    diesem    bilden    sic    fast    das  aussrhliesslirlie  Ma- 

miichtiger    SrhirhU'iicompleve,    wolche    man    als    Nnmmuliton-Zonen    be- 

/eirhnel.  Audi  die  petrographischen  KigenthUmliehkeiUMi  dcr  alpincn  Kreide 
wiederholen  sich  in  dcm  sUdlichen  untersten  Terliar,  indem  in  beiden  hart.-, 
zum  Tlu'il  kr>  stall!  nisi- he  Kalksteinc  cine  wichtige  Rolle  spielen,  drm 
Norden  hingeuen  fremd  sind. 

Die  sudliche  oder  alpine  Facics  dcs  Eociin  1st  cins  der  grossarUgstei 
ueolo-Lsdien  Phaenomcne.  Miu-hlige  Srhirhlrnsystcme  beslehcn  zum  Tlieil  fasl 
iedidirh  aus  linsen-  bis  lhalcrgrosscn  Schalen  von  Nuiij)nuJiK,U>  oincs  Fora- 
miniforen-Geschlechtes,  welches  cine  Hauf.gkeil  dcr  Individuen  errcicht,  filr 
die  wir  kaum  cin  Analogon  bcsilzcn ,  urn  nach  Kurzcm  wieder  zu  ver- 
schwinden.  Und  wic  gewaltig  war  ihr  Vej^reijUl^eJbJeLL  In  einer  nur 
wenig  unlerbrorhenen  Zone  und  in  grbsstcr  Gleiehformigkeit  zichen  sich 
die  1-Vlsen,  welrhe  fast  ausschlicsslich  von  ihrcn  Schalen  aufgebaul  sind,  von 
Spanien  und  Marorco  aus,  die  beiden  Seitcn  des  millellandischen  Mceres 
enllanu,  dmvh  die  uanzcn  Alpen  und  Karpalhen,  durch  die  Apcnninen,  Gne- 
cheniand  und  die  Tilrkei,  durch  Aegypten  und  Kleinasien,  durch  IVrs.cn 
nnd  Oslindien  bis  nach  China  und  Japan,  kurz  von  eincm  bis  zum  andercn 
jfussereten  Kn.lr  der  alien  Welt.  An  dem  Baue  der  gewaltigslen  Gebirge, 
yvelofee  diese  triiqt,  habcn  sic  theilgenomn.cn,  sind  bei  deren  Entetehuog  in 
iluvr  Lauenmg  so  zcrslbrl  und  von  gewaltsamen  Dislocationen  betroffen  wor- 
den,  dass  sic  sich  untcr  hochst  verworrcnen  Lagerungsvcrhaltnissen  in  30( 
und  mehr  MeUM-  Ilohc  fmden. 

Die  Nummulitcnschichlcn  sind  grosslentheils  dichtc,  zahe,  graue,  gelbe 
oder  rolhe  Kalksjlcine,  die  sich  stcts  durch  ihrcn  Hcichlhum  an  Numnmliten 
auszcichnen,  ja  lediglich  zu  Aggrcgalen  von  millionenweise  dicht  Ubere.nandcr 
liegenden  Nummulitcn  werdcn.  Nichl  selten  wird  die  Kalkslcinmasse,  w<>l«  lir 
,lie  ein/elnen  Nummulilcn  /.usammenhalt  und  verkiltet,  durch  Sand  verlrelen, 
so  dass  Nummulitensandsteine  enlstehen.  In  ganz  ahnlicher  Weisc  stellen 
ooliilnsrhe  Kiscnerze  ein,  so  am  Kressenberg  und  bei  Sonlhofen  im  sUdhcher 

Bayern. 

Man     kcnnt    cine    ziemlich    bedeutcnde    Anzahl    von    Nummuliten-Arl< 
die     Nvirhligsten     derselbcn    sind:     Nummulilcs     lacvigata    Lam.     (Fig. 


Puschi  d'Arch. 

Numin.   planuUua  Lam.,  Numrn.  Puschi  d'Arch.,    Numni.  scabra  Lam.,   I 
biarriUiana    d'Arch.,     Numin.     complanata    Lam.,     Numm.     variolaria     Schloth. 


VI.    Ni>t<iriM-lir 


Ausser  dicscn  Koraminiferen  kommcn  nun,  zum  Tlu-il  mil  ihnen  vrrgrscll- 
schaftet,  zum  Thcil  auf  Scliichlrn,  \vclcl)c  mil  NummulitcnbJinkrn  wcclisd- 
lagrrn,  beschrtinkt,  cine  grosse  Anzahl  von  solchen  Conchiforcn  und  (lastcropodcn 


Fig.  342.    Numraulites  planulata  Lam. 


Fig.  345.    Nummulitesnummularia. 

A  Aenstfere  Ansicht,  li  Horizontaldnrclischnitt  der  Schale,  C  Stark  vergrosserte  Halfte  eines  Qnerschnittc->, 
«  Spiralcanal,  b  Verbindungsoffnnng  der  Kaunnern,  c  Seitliche  Kammern. 

vor,  vvelchc  cbenfalls  aus  den  cociinen  Ablagerungen  von  England  und  dcs 
Scincbcckens  bekannl  sind.  Aus  der  Vergleichung  dersclben  liat  sich  ergebeu, 
dass  die  Numrnulilenschichten  dcr  Sildens  in  verschiedene  Complexe  zerfallen, 
vvelche  einzelne  Unlerablheilungen  der  eocanen  Schichlenreihe  anderer  Gegen- 
den,  in  ihrer  Gesanimtheit  das  gesammle  Eociin  reprasenliren  und  nur  durch 
den  gemeinschafllichen  Reichlhum  an  Nummulilen  eng  an  einander  geruckl 
erscheinen.  Die  Nurnmulilen-Schichten  des  Siidens  geh5ren  vier  verschiedenen 
Etagen  an: 

Die  unterste  Nu  m  muli  tenzone  ist  lypisch  bei  Biarritz  am  Fusse  der 
Pyrenaen  aufgeschlossen,  wo  sie  das  tiefsle  Niveau  der  dortigen  fast  2000  M. 
machligen  Nummulitenformalion  bildet  und  dem  London-Thon,  sowie  den 
Sables  duSoissonais  superieurs  parallel  zu  slellen  ist.  In  den  Alpen  ist 
ihr  Vorkommen  bis  jetzt  noch  nicht  nachgewiesen. 

Der  zvveiten  Num  muli  ten  zone  gehoren  die  mittleren  Nummulilen- 
schichten  von  Biarritz,  die  Nummulilenschichten  der  schweizer  Alpen  von  Biir- 
gerstock,  Sihlthal  und  der  sttdbayeriscfaen  Alpen  von  Kressenberg  an.  Diese 
Gruppe  ist  als  eine  mil  dem  Pariser  Grobkalke  gleichallerige  Bildung  an- 
zusprochcn.  Es  gehl  dies  daraus  honor,  dass  z.  B.  die  Eisensteine  und  die 
sic  oinschliessenden  glaukonitischen  Sandsteine  des  Kressenberges  neben  den 
Nummuliten  Uber  70  mil  Arlen  des  Grobkalkes  identische  Formen  enlhallen. 


VI.    lli.-torisdie   (leologie. 


171 


Die  d  ritle  N  u  m  m  u  1  i  t  o  n/.ono  i>l  ;>«>  sohonslon  in  dor  lioi-ond  von 
.\izza  entwickolt,  fornor  an  don  Kalliiislm-k.-ii  und  am  Niodorhorn  in  den  Wesl- 
alpen  hoi  hViclirnhall  in  SUdlwm-rn  vortrotrn  und  schcint  eine  Aequivalent- 
,,il(lim,,  (1,s  Gr6s  do  Boauchamps  und  dos  Barlonclay  xu  som ,  nut 
welchen  sio  iibor  50  Arton  und  untor  diosen  z.  B.  Numrauliles  vanolona  ge- 

inoinsam  hat. 

Fino  vierte  N  u  mm  u  li  t  on/ ono  schliessl  sich  in  den  sudbayenschen 
Mpon'  unimuelbar  an  dio  vorige  an.  Es  sind  die  pflanzenfUhrenden  Numiuu- 
litensohiohton  von  licit  i...  Winkel,  wclchc  mil  den  kohlenfUhrenden  Schichten 
von  lliirin-  in  Tirol  yleichalterig  sind.  Beide  nahern  sich  jedoch  durch  das 
Vorkommcn  jODgerer  Tcrtiarformen  dem  Oligocan  und  sind  vielleicl.t  auch  zu 
diesefl)  zu  roohno,,.  Kin  Sanz  iihnliohos  Yerhaltniss  zeigen  gevvisse  Sclnchtoi 
am  SUdrande  dor  Alpen  (Ronea;,  xvie  in  den  Kalkalpen  (Diablerets) . 

\USS,T  durch  die  eben  kurz  gosehilderten  Nummuiitenschichten  spr.c 
die  sudlirho  Facics   des   Eociin   in   noch   eincr   zweilen ,    dcm   alpincn  Gebirgs- 
.Nstome  ganz  oiscnlhUmlichcn  Gesteinsbiidung  aus,  dem  Flysch,    welcher  d,c 
un,,ro  Nu.n.nulitenzone   der  Alpen    (Kressenberger  Numnmlilenzone)    Uberlagerl 
und   auf  das   innigste    mil    ihr    verknUpft    ist.     Der  Flysch  ist   eine   macht.ge 


'\\-..     Athnntf  dcj  (iriintrn 


Profil  der  Nungnn  1  i  ten  f  o  rmation  am  Grunten  bei   Sontuofen  in 


.1  T'nteres  Xeocom 
/;  Si-lirattenkalk 
CGaultsandstcin 
I)  Sewenkalkstein 
D'  Seweumergel 


alpine  Kreide. 


n  Gr&nnandstein 

I  Mergelschiefer 

c  NummulitenkalVsteiu 

</  Mergel  rait  Kisenerzen 

<  Quarziger  Nummulitonkalk 

/  Flygchahnliche  Nuramulitensehicnten 


alpincs  Eociin. 


Schichtengruppe  von  dunkclfarbigen  Schiefern  und  Sandsteinen,  thoniRoin  Ka Ik- 
stein  und  Mergelschiofor,  Nvolche  so  reich  an  Fucoiden   (lumal  Chondntes  intn 
cams    Chondrites  Tarpionii,  Chondriles  furcalus)  ist,  dass  dieselben  die  Sehkb 
tUDgsftochen    diesor    Gesteine    hiiiilig   ganz    bedecken.      Man    nonnt    sie    dosl.ab 
,„,!>  vNohl  Fucoidensandsteine.     Zu    dieser   Flyschformation    dUrften    auch    die 
schwarten  D.uhsc-hiofor  von  Glarus  zu  rechnen  sein,  welche  durch  ihron  R 
,1,,,,,,  an  wolilcrlialtenen  Knochenlischen  berUhmt   geworden   sind. 
n.nm.t,   wie  uesam,   seine  Slcllung  Ubcr  den  Nummulilonbildungen  dos  tree. 
|HM,,-s    Bttraerstockea  und  SihHhMos  oin  und  scheint  als  cin  der  dntlen  Nurn^ 
n.uhtenzone  gleichzcitigcs  Sediment  angeseben  werden  zu  mttsson,  Welches  sich 
am    Hochgebirgprande    niedcrschlug ,    wahrend    num.nulitenfuhrende   Sedime, 
in  inneren  Book,,,  des  damaligen  Alpen-Areales  zum  Absalz  gelangten.  Jeden  a 
isi  oin  n.ohr  als  300  M.    nm.-hliw-s  Schichlensyslem ,    NNoU-hos    von  Me< 


172 


VI       lll>|oi  iM'llc 


slrotzl,    abcr     abgcschcn   \on    den   Fisdn-n    in    den   Sdiiclern  \on   (il.inis     kerne 

Spur   von    animalisdien   Kesten   zeigl,    unmidclbar    z\Nisclien  von   Tliiergelijiusen 

anuel'iilllen  (lesleinsbildnngen   cine   Wttflderberd  Erscheinung.  \\elche  d;is  Eigcn- 
Ihiimlichc  dor  alpiucn  Facies  dcs  Eocan  noch  erhdht. 


Die  Oligocanformation. 

Das  Oligociin 


\<>M   Kranki-cich 

von  Norddeutsch- 

des   Maiu/ei- 

VOI1    Knuland 

Scinebccken) 

land 

der  SHi\\ci/ 

Hcckrns 

I'ntere  Braun- 

1 

09 

i. 

Lignite  and  cla\ 
of 
Bovey 

Calcaire 
de  Beauce 

(Oberc  Siiss- 
\\asscrbildung) 

Mergel  von  Osna- 
briick  und  Biinde  ; 
Miischclsande  von 
Kassel  ;              , 
Stern  berger  Kiiclien  ; 
Mergel  von  Wiepke  ; 
Niederrheinische 
Braunkohlen 

koblenbildung 
(aquitanische 

Stufe); 
(Arciiciiscliicli- 
ten  Siid- 
baxerns,    Rothe 
niergelige  .Mo- 
lassc  des  Rigi 

(1\  renen- 
mergel 

•t 

Siiss\\asscr- 
gebilde  der 

(ires  ct  sables 
superieurs; 

Septarien-Thone  ; 

Stettiner  und  Sol- 

Untere  Meeres- 

Seplarientlion  , 

~ 

llcrnpstead- 

licds 
1  iitcrcs^  Mio- 
;<-iin,   Lyell) 

Grcs  de  Fon- 
tainebleau  ; 
(Oberer  Mee- 
ressand) 

linger  Sand 
(Rupelien)  ; 
Braunkoblenbildung 
des  Samlandes 

molasse 
(Tongriscbe 
Stufe) 

von  Weinheiin, 
Al/ei,   Kreux- 
oach 

Gypse  des 

Magdeburger  Sandc  ; 

Bembridge- 

Mon  (mart  re; 

Thone  von  Egeln; 

•t. 

Scrics  ; 

Calcaire  sili- 

Bernsteinfiibrende 

Jiingst**  Num- 

i. 

cenx  ; 

Schichten   des  Sam- 

Z 

Osborne-Series; 

(Unterer  Tra- 

landes  ; 

uiulilt'ii      mill 

D 

Ilcadon-Scrics 

\crtin  oder  un- 
terer  Siisswas- 

Norddeutschc 
Braunkoblenbil- 

Flysclibildun.i: 

serkalk) 

dung 

Anschliessend  an  das  Eora'n  ;  sielie  Tabelle  auf  pag.   464. 

Die  Oligocanformation  in  Sudengland.    An  die  pag.  464 

Srhiclilenreihe  Englands  und  z\var  spccicll  an  die  Rartonthonr  schlicssl 
sich  cino  fluvio-marinc  Bildnng  an,  \vahrend  deren  Ablagcrung  slcls  Sclnvan- 
kiiiiucii  dos  Mecres  stallfandcn,  so  dass  bald  marine,  bald  brakischo,  bald 
SlissWassergebilde  zum  Absatz  gelangten.  Sie  zerfalll  in  drci  Abtheilungen  : 

1)  Das  UnteroligocHn  von  Headon,  Osborne  und  Bembri  due 
licsU-ht  vorzugsvveisc  aus  alnvcchselnden  Stlsswasser-  und  Brakwasserschichlen, 
also  Sanden ,  Mergeln  und  Thonen  mil  Arten  von  Cyrena,  Unio,  Paludina, 
Planorbis.  Polamides,  Cerithiuin ,  Mclania,  Limnaca.  Holix  und  Buliinus.  Von 
dicscn  konncn  als  cinige  der  verbreitetsten  und  hauligslen  gollen :  Planorhi^ 
ouoniphalus  Sow.  (Fig.  347),  Planorbis  tliscus  Edw.,  Cerithium  conca \u?n 
Drsli..  Paludina  orl)icularis  Sow.  (Fig.  348),  Melania  turritissima  Forbes, 
l.imnaea  longiscata  Brong.,  Helix  occlusa  Edw.,  Neritina  c-oncava  Sow.  -  7.\\ 
tlicscn  .Mollusken  ucscllcn  sich  die  Reste  /alilreicher  NVirbelthiere.  welche 
inncrhalb  dcr  unteroligocanen  Schichtenreihe  Englands  auf  zwci  Horizonlc  NCI- 


VI.    lli.stnnschc  (icolo^ic 


theilt  sind  ,  deren  unlerer  tier  lleadon-.  deren  oherer  der  Bcmbridge-Serie.s 
angehnrt.  Sir  gehoren,  abgesehen  von  versehiedenen  Sehildkrolen  ,  Sehlangen 
und  Krokodilen,  den  lapirttboliehoo  Gallungcn  Anoplotherium  und  Paiaeotheritim 


1-iu'.  :|T      IM  an.i  rl.  i  s  euo  mphulu  s  EH>\V.  Fig.  34S.    Pa  ludina  orbi.cn  lari  s  S  o  w. 

an.  Ks  sind  dies  dieselben  Sa'iigelhierc,  welchc  sich  in  dem  Gypse  des  Mont- 
marlre  so  ha'ufig  findcn ,  so  dass  die  Parallelisirung  des  letzteren  mil  dcr 
Befflbridge— Series  vollkommen  gerechlfertiijl  crschcint.  Zwischen  dieser  Sehich- 
tenreihc  mil  Silsswasscr-  und  Lanobewohnern  trclcn  jedoch  gewissc  Schiehten 
marinen  Ursprungs  cingeschallcl  auf,  deren  Fauna  mil  dcr  dcs  dculschen  Un- 
teroligociin  liber  20  charaklcrislische  Arlen  gemcin  hat,  so  dass  die  Aequi- 
\alenz  dcr  lleadon-Bembridge-Serics ,  des  Gypscs  von  Monlmartre  und  dcs 
deuiselien  Unlcroligocan  gcsichcrl  isl. 

:'  Die  m  ill  I  ere  'A  btheilung  dcscng- 
lisehen  Oligociin,  die  Hemps  lead  -Scries, 
hr.ikische.  el\v;i  f>0  M.  machtige  Thone,  Sande  und 
Mergel  mil  Cyrcna  semistriala  Dcsh.,  Ccrithium 
pliealum  Brug.,  \velehe  sich  cben falls  in  den  gleich- 
allerigen  »oberen  Mccrcssanden«  von  Frankreieh 
linden 

3)     Eine    obcre   Ablheilung    des    eng-    Fig.  x>o.   cyrcna         V\K.  :»r>i. 

semistriata  Dos  h.      Cent  li  i  u  m 

liscbcn    Ohgoriin    scbemt   durcfa    die    Braun-  piicatum 

B  r  U  S . 

koli  le  n  formation  reprasenlirt  zu  \\erden,  welchc" 

einr  inuldenfiirmigc  Vcrliefung,  augenschcinlieh  cin"altcs  Secbcckcn,  in  der  Gra- 
niiregion  von  Bovcy-Traccy  in  Devonshire  ausflllll.  Sic  besleht  aus  einei 
100  M.  miichtigcn  Schichtenrcihe  von  versehiedenen  Sanden,  Thonen  und 
Braunkohlen  und  isl  ausserordcnllich  i*cich  an  wohlerhallenen  Pflanzcnreslen. 
Diese  i^ehttren  vorzugsweise  Coniferen  und  zwar  namentlich  dem  Genus  Se- 
quoia (S.  Couttsiae  Hecr)  an:  andere  Schiehten  sind  voll  grosser  Fa rnwurzeln, 
noch  andere  reich  an  Dikotyledonen-Bliittern. 

Die  Oligociin  for  mat  ion  im  Seiuebecken.  Auch  im  Seinebecken  \\ird 
die  Oligoeiinlorination  durch  cine  Schichlenreihc  rcpriSsenlirl ,  welchc  in  drci 
Gruppen  zerfallt.  Die  obere  und  unlere  derselben  sind  Stlsswasserbilduniien. 
/wisehen  welchen  ein  Selnclitcncomplex  marinen  Ursprungs  lagcrt. 

I)  Untere  Sllsswasserbildung:  Gruppe  der  SUssvvasserka  Ike 
und  dcs  Gypses.  Sie  bcstehl  zu  unterst  aus  Mergeln  und  lichten  Kalk- 
steinen  mil  Planorbis-  und  Paludina-Arlen.  Darauf  folgl  das  Hauptglied  der 
franzosischen  Unteroligocanfoi'tnation,  der  Gyps  und  der  Gypsmergel  des  Monl- 
marlre  in  Form  grosserer.  lenlieuliirer  Kinlagerungen.  In  ihnen  kommen  seln 


\  I.    Ilislnrisdie 


/.ahlreiehe  Knot-hen  von  Siiusethieren ,  Vogeln  und  Heptilien  vor.  Fast  kcin 
Block  wind  aus  dein  Gypse  des  Montmnrtre  gebrochen ,  der  nicht  dergleichen 
enthielte.  meist  .-ibcr  isolirt  und  zerstreut,  nur  selten  in  vollstiindL'en  Skeleton. 
Die  Vertreler  dieser  erslen  reicheren  Siiugethierfauna  sind  hauptsac-hlich  Dick- 
hauler,  so  Lophiodon,  Anoplotherium  und  Palaeotherium,  denen  sich  eine  An- 


Fig.  352.    Umriss  des  Palaeotherium  magnum  nach  der  Kestauration  von  Cuvier. 

zahl  Beutelthicre ,  Fleischfresser ,  Nager  und  HandflUgler,  Didelphys,  Canis, 
Hyaenodon,  Sciurus,  Vespertilio  zugesellen.  Iin  Vergleiche  mil  den  Sauge- 

thieren ,  \velche  durch 
etwa  50  Species  iin  Pa- 
riser  Gypse  repriisentirl 
sind,  treten  die  Vogcl 
( 1 0  Arten)  stark  zurilck. 
Auf  den  Schichtungs- 
flachen  des  dorligpn 
Gypses  sind  auch  die 
Fusstapfcn  dor  meisten 

I'iu'.  :;.'r..     Anoplotherium  commune,  restuurirt  vuu  t'uvier.  UieSCr     Ihiere,      \\('lc'il(% 

sie  im  Schlamme  der  Seeufer  hinterlassen,  erhallen,  so  die  von  Anoplotherium, 
Palaeotherium,  von  Land-,  Fluss-  und  Sumpfschildkrolen,  grossen  Batrachiern, 
Krokodilen,  Leguanen  und  Riesenvbgeln. 

2)  Die  Gruppe  der  oberen  Meeressande  beuinnt  mil  Mergeln. 
wclche  ausserordcnllich  reich  an  Oslreen  (0.  longirostris,  0.  callifera,  0.  cyathula) 
sind  und  von  lichten ,  zum  T heil  schneeweissen  Sanden  gefolgt  vverden.  In 
diesen  sind  kugelig  strahlige  Concretionen,  so\vie  die  bekannlen  Krystallgruppei) 
von  sandigem  Kalkspalh  sehr  hiiufig  und  cndlich  finden  sich  stellenweise  zahl- 
iv  id  it-  Molluskenschalen ,  so  die  beiden  aus  der  f  nulisclif  n  Hempstead  Series 
abgebildeten  Cyrena  seniistriaUi  Desh.  (Fig.  350)  und  Cerithium  plicatum  Brug. 
(Fig.  351),  so  wieCorbula  subpisum  d'Orb.,  Cytherea  incrassata  Sow.,  Pectun- 
culus  obovatus  Lain.,  Aporrhais  spcciosa  Schlolli.,  Fusus  clongalus  N\st..  Den- 


VI.    Historische 

taliuin  Kickxi  N\st.,  welche  siimmtlieh  aucli  iin  Milleloligoriin  Norddeulsehlands 
bekannl  sind.  Aul  dicscn  Sandrn  lagcri  in  <lt>m  iniltleren  und  slidliehen 
Theile  des  Seinebassins  der  Sa  ndsl  e  i  n  \un  Fonta  inebleau,  \\elelier 
piltoreske  Felsen  bildet  und  nur  selten  Sloinkernr  und  Abdrllcke  der  oben 
erwahnlen  Arlen  enthiilt. 

3)  Die  obere  SUss  wasserbil  du  ng  (Caleaire  de  Beaucej  besleht  aus 
SUsswasserkalken  und  Quarzen  mil  Limnaea,  Paludina,  Planorbis,  und  in  ihrem 
obersten  Horizonle  mil  zahlrcichen  Arten  von  Helix. 

Gleichzeitig  mil  der  Ablagerung  dieser  theils  marinen ,  theils  liumischen 
Oligociinformalion  des  Seinebassins ,  ging  die  Ablagerung  der  Stlsswasser- 
bildungen  der  Auvergne  vor  sich.  Sie  fdllen  ein  a  lies  Seebecken  inner- 
halb  des  Granitplateaus  iin  Deparlement  des  Puy  de  Dome  aus  und  bestehen 
aus  /it'inl idi  horizontalen  Schichten ,  welche  vier  Complexe  bilden:  1)  Con- 
glomerate, Sandsteine  und  Mergel;  die  beiden  lelzleren  zum  Theil  roth  gefarbl, 
so  dass  sie  pelrographisch  dein  Bunlsandsteine  Deutschlands  ausserordenllich 
iihneln ;  sie  sind  bis  230  M.  machlig  und  abgesehen  von  einzelncn  Knochen 
von  Palaeotherium ,  Rhinoceros  und  eines  Krokodiles  ohne  organisohe  Heste. 

2)  Grlln   und    weiss   gestreifte,    diinnschieferige   Mergelschiefer,    etwa    250   M. 
machlig  und  auf  den  Schichlungsflachen  von  Schalen  von  Gypris  ganz  bedeckt. 

3)  Kalksteine,  Travertine,    unter   denen    sich  besonders  der  Indusienkalk  aus- 
zeichnet,   welcher  stellenweise  fast  ausschliesslich  von  den  Rbhren  von  Phrxua- 
neenlarven  zusarnmengesetzt  ist.    Diese  bestehen  aus  lauter  zusammengekilteten 
Sandkornchen  und  Paludinenschalen  und  dienten  den  Larven  zur  schutzenden 
Bedeckung.     Neben  diesen  Indusien  kornmen  zahlreiche  Cyrena-,  Unio-,  Palu- 
dina-,     Planorbis-,    Limnaea-Arten    und    endlich    Knochen    von    Siiugethieren 
(Palaeotherium.   Anthracotherium  u.  a.),    sowie  von  Emys  und  Crocodilus  vor. 

4)  Gypsmergel  von  gegen  "20  M.   Miichligkeil. 

Die  Oligociini brmation  der  Sch weiz  ( u  n  t  e  r  c  M  o  1  a  s  s" e  n  f  o  r  in  a  t  i  o  n) . 
Auf  die  pag.  470  geschilderte  eocanc ,  aus  Numrnuliten-  und  Flyschgebilden 
bcstchende  Schichtenreihe  des  nordlichen  Alpensaurnes  folgt  eine  gewaltige 
Ablagerung  von  Sandsteinen  und  Gonglomeraten,  die  man  mil  dem  Narnen 
Molasse  bezeichnet.  Sie  gehort  der  Oligocan-,  der  Miociin-  und  der  Pliociin 
formation  an.  An  dieser  Stelle  betrachten  wir  nur  die  erstere  in  kurzen  Ziigen. 
Die  oligocjine  Molasse  der  Schweiz  besleht  aus  zwei  Unterabtheilungen : 

1)  Die  untere  Meeresmolasse,    ein  Sandstein ,    welcher  aus  Kornern 
von  Quarz,  Kieselschiefer  und  Feldspnth    und.  cinem  feinsandigen  ,    mil  Siiuicn 
brausenden  Mergelcemente,   so\\io  \veissen  (ilimrnerschuppen  und  dunkelgrilnen 
Glaukonitkbrnorn    zusammengeset'/t    und    bankartig    geschichtet    ist.      Kr    ftlhrl, 
\vic  die  (»bcrcn  .Mccivssande    von  Frankreich,     wie    die  Hempstead-Thone    und 
(lit-    norddcutschen    mittcloli^ocancn    Bildungcn    Cyrena    scmislriata     Fig.    3">0  , 
Pectunculus  obovatus,    Oslrea  longirostris,    Ostr.   cyathula,    Cerithium  plicalum 
(Fig.  ;V)I.   (Iriitli.  clcgans,    ist   demnach   ebenfalls  mitteloligociin  und  wird  in 
der  Schweiz  als  tongerischc  Slufe  bezeichnet. 

2)  Die    untere  Braun  kohlenbildung ,    aqjui  tanische   Stufe    der 
Schweizer.     Sie   beginnl    mil    der    sogenannlcn     rolhen    Molasse,     nehmlich 


171)  VI     l 

bunteii.  rotlicn  Mei-geli),  welche  slellenweise  liber  300  M.  miichlig  \\crdcn  und 
•i..  B.  am  Hiizi  und  llochfurrcn  fine  grossartige  Enlwickclung  bcsilzcn.  Auf 
sic  folgen  Sandsteinc,  Mergel  und  Nagclfluh,  d.  h.  grobc  Conglomerate  von 
eigrossen ,  vollkomnien  abgerundeten  Gerbllen ,  mil  Kindriickcn,  welche  sic 
sicli  gegcnseilii:  boigebracht  habcn.  Diese  Schichtenreihe  fUhrt ,  so  bei  Monod 
und  Rivaz  iin  Canton  Waadt,  am  hohen  Rohnen,  bei  Miesbach,  Pensberg  und 
am  Pcisscnbcrg  in  Sddbaycrn  einige  Flblzc  von  Braunkohlen  und  zwar  Pech- 
kohlcn  und  ist,  wie  dies  Vorkommen,  so  wie  das  von  Cyrenen-  und  Melanop- 
sis-Arlen,  endlich  das  von  cingeschwcmmton  Siiugethierreslen  beweist,  eine 
Brakwasscrbildung.  Den  wesentlichsten  Bestandtheil  der  dortigen  Oligocanflora 
bildelon  Cinnaniomuni ,  Dryandroides ,  immergrilne  Eichen ,  Ficus,  Alnus,  Be- 
tula,  Juglans,  Sequoia,  Pinus,  Libocedrus,  sowie  Fiicher-  und  Fiederpalmen. 
Der  Gesamintcharakter  dieser  Flora  ist  ein  ausgesprochen  subtropisch-amerikani- 
scher,  der,  wenn  auch  modificirt  durch  australische  Formen,  an  die  jel/igc 
Pflanzenwelt  Floridas  und  Louisianas  erinnert.  Man  hat  daraus  geschlossen, 
dass  iin  Anfange  der  Terliarzeit  der  allantische  Ocean  von  Land  eingenoimncn 
\var,  iiber  welches  amerikanisehc  Formen  nach  F^uropa  einwandcrn  konnlen. 
Von  anderer  Seile  ist  es  jedoch  wahrschcinlich  gemacht  worden ,  dass 
die  amerikanischen  Pflanzen  nicht  den  direclen  Weg  liber  eine  hypoihe- 
tische  Atlantis,  sondern  den  in  entgegengeselztcr  Richlung  iiber  Asien  zurlick- 
gelegl  habcn. 

Das  Oligociin  des  Mainzcr  Beckens  findct  bei  Besprechung  der  jUngeren 
Terliargebilde  im  nachstcn  AbschnitU^  Beriicksichtigung.  Auch  die  Verhaltnisse 
der  Itohnerzformation  des  siid wesllichen  Deutschlands  und  der  angren/enden 
Parlien  der  Schweiz  und  Frankreichs  konnen  nur  kurz  angedeutet  werden. 
Die  lertiaren  Bohnerze  sind  Absalze  von  Mineralquellen,  tretcn  fast  ausschliess 
lich  im  Gebiete  des  weissen  Jura  auf  und  bestehen  aus  runden,  concenlrisch- 
srhaligen  Kornern  von  unrcinem  Brauncisenerz ,  vvelche  in  mil  Sandsehiclilen 
\\cclisellagernden  Thonen  oft  dicht  aneinander  oder  einzeln  eingestreut  liegen. 
Diese  bohnerzfuhrenden  Schichten  bedecken  zum  Theil  in  bis  Uber  30  M. 
machligen,  ausgedehnten  Ablagerungen  den  Boden  der  Thaler,  zum  Theil  fUllen 
sic  kcssel-  oder  schachtartige  Vertiefungcn,  sowie  Spallen,  lldhlen  und  SchlUnde 
der  den  Untergrund  bildenden  jurassischen  Kalksteine  aus,  deren  Wiinde  dann 
/einagt,  von  Kieselsiiure  impragnirt  oder  von  Eisenerz  iiberzogen  erscheinen. 
Die  Bohnerze  umschliessen  ausser  eingeschwemmteu  organischen  Resten  alterer 
Formalionen  zahlreiche  Skelettheile  von  Anoplotherium,  Palaeotherium,  Lophio- 
don,  welche  mil  solchen  aus  dem  Gypse  des  Montmarlre  Ubereinstimmen,  also 
dciii  Oligocan  angehorcn ,  wahrend  die  Reste  anderer  BohnerzablageruogeOj 
Maslodon,  Rhinoceros,  Dinolherium,  auf  deren  miocanes  Alter  hinweisen.  Kinige 
der  Ilauptfundpunkte  dieser  Bohnerze  sind  Kandern  im  Breisgau ,  Tuttlingen 
und  Frohnslatlen  in  Wdrtcmberg. 

Die  Oligociintormation  in  Norddeutschland.  Die  norddeutsche  Niede- 
runu  ist  in  ihrer  ganzen  Ausdehnung  als  ein  obcrfliichlich  zum  grosslcn  Theile 
von  diluvialen  und  alluvuilen  Lehmen,  Sanden  und  Gerbllen  bedeckles  Tertiiir- 
territorium  zu  betrach*<Mi ,  welches  nur  duivh  einiue  kleiiit'iv  Inseln  iillerer 


VI.    Historische  Geologic.  -177 

Gesteine,  wio  die  des  Musciielkalkes  von  Rddersdorf,  des  Gypses  von  Speren- 
berg,  die  dor  mesozoisehen  Sehic-hten  von  LUneburg  und  der  Odermunduniien 
unterbrochen  \vird.  Andererseils  driingen  sich  vom  Siidrande  dieser  ausue- 
dehnlen  und  zusammenhlingenden  Tertiiirablagerungen  aus  eine  Anzahl  Aus- 
buchtungen  zwischen  die  Gebirge  und  Hbhenztige,  welche  die  stidlichen  Ufer 
des  norddeulschen  Tertiarmeeres  bildeten.  Es  sind  dies: 

1)  Die  niederrheinische  Bucht,  welche  bis  slidlich  von  Bonn  in  das 
rheinische  Gebirgc  eingrcift,    nach  Nord  und  West  mil   den  hollandischen    und 
helgischen    Terliarbildungen    zusammenhangt    und    nach    Innen    braunkohlen- 
fahrende,  nach  Aussen  und  jene  uberlagernd  marine  Schichten  enthiilt. 

2)  Die  thttri  ngisch-sachsische.  Bucht,  welche  zwischen  Halle  und 
Wurzen  bis  weit  nach  Thttringen    in  das  Gebiet   alterer  Formaiionen  eindringt, 
namentlich  braunkohlenfiihremle,    aber  bis  Leipzig  auch  marine  Schichten  um- 
schliesst. 

3)  Die    niederschlesischc   Bucht,    welche    die    mil   Braunkohlenab- 
la»erungen    erfiillle  Niederung    des  Odergebieles    von    Liegnilz    und  Breslau   bis 
nach  Neisse  und  Oppeln  begreifl. 

Die  allgemeine  Sudgrenze  des  norddeutschen  Tertiiirlandes  wind  zwischen 
dem  Ausgange  der  niederrheinischen  und  dor  thuringisch-stichsischen  Bucht 
(lurch  das  weit  nach  Norden  vorspringende  weslphalische  und  hannoversche 
Gebiet  jurassischer  und  cretaceischer  Formationen  bogenfbrmig  nach  Norden 
hinaufgedrangt,  -  -  von  Leipzig  an  aber  verlauft  sic  in  fast  vollkoimnen  ost- 
licher  Richtung  bis  zu  dem  Eingange  zur  niederschlessischen  Bucht.  Die  Nord- 
grenze  der  deutschen  Terliarlerrilorien  wird  von  der  Ostsee,  der  Nordsee  und 
den  jUngsten  diluvialen  und  alluvialen  Gebilden  verborgen,  nach  Westen  stehen 
sic  mil  dem  belgisch-holliindischen,  nach  Oslen  mil  dem  polnisch-russischen 
Tertiar  in  unmittelbarem  Zusammenhange. 

Die  Tortiiirgebilde  Norddeutschlands  sind  ausschlicsslich  oligociin 
und  miociin,  \\iihrend  eociine  und  pliociine  Ablagerungen  vollstandig .  zu 
fehlen  scheinen. '  An  dicser  Stelle  beschiiftigt  uns  nur  die  norddeulsche  Oligo- 
canformation.  Die  hierher  gehbrigen  Schichten  sind  theils  marinen  Ursprunges, 
theils  SUsswassergebilde;  lelztere  werden  unler  dem  Namen  der  nord- 
deutschen Braunkohlenformation  zusammengefasst.  Auch  in  Deutsch- 
land  zerfiillt  das  Oligocan  in  eine  unlcre,  mittlere  nnd  obere  Abtheilung. 

<)  Das  Unteroligociin  wird  zusommengesetzt  aus  der  Braunkohlen- 
formation   des    Nordostens    von   Deutschland    und    der    auf    diese    folgenden 
marinen  Ablagerung  von  Egeln. 
a)  Die  Braunkohlenformation. 

Das  SUsswasserbecken,  in  welchem  sich  die  mehrerc-  Tausend  Quadrat- 
meilen  bedeckende  nordostdeutsche  Braunkohlenbildung  ablagerle,  besass  einen 
gewaltigen  Umfang,  indcm  es  sich  von  Kbnigsberg  und  Warschau  bis  an  die 
Kibe  ausdehnte.  Die  Gesteine,  welche  innerhalb  dieses  Areales  zur  Ablagerung 
gelangleii,  sind  namentlich  lose  Aufschtlttungen  von  glatten,  glanzenden  Quarz- 
gerdllen,  welche  aber  auch  bisweilen  durch  ein  kieseliges  Binderniltel  zu 
sehr  fcsten  C  on  g  1  o  in  e  ra  le  n  verkillel  sind,  Sande  von  meisl  farblosen 


\  I. 


y  \\rissi-n  Ouar/kornern,  O  u  a  rz  s  a  11  d  s  tc  i  n<' ,  /.mn  Tlieil  in  regelmassigen 
,  zum  Theil  in  oft  lachtrrgrossrn,  schollenartigen,  ungcstaltetcn  Knollcn, 
urlrhe  isolirt  im  loson  Braunkohlensande  liegon,  durch  ihr  kieseligos  Cement  eine 
ausserordenlliche  Festigkeit  erlangen  und  sehr  haufig  aus  krystallinischen 
Ouarzkornern  bestehen;  Thone  und  Schieferthone  von  grauer,  oft  auch 
vveisser  l-'arbe,  erstero  oft  sehr  rein  und  vollkommen  plaslisch,  letztere  oft 
reich  an  Pllan/enabdrilcken,  und  endlich  Braunkohle.  Lelzlere,  deren  Ab- 
lagerungen  eine  so  ausscrordentlichc  Bedeutung  auf  iNorddculschlands  Industrie 
und  Wohlstand  geausserl  haben,  crscheinen  in  mancherlei  Varietaten,  vvelche 
als  Pechkohlc,  holzige  und  erdigc  Braunkohlc,  Moorkohle,  Papierkohle  und 
ondlich  als  Wachskohle  bezeichnet  werden.  Letztere,  namentlich  aus  der 
Gegend  von  Weissenfels  bekannte  eigenthiiniliclio  Varietal  ist  sehr  leicht, 
schmutzig  gelh,  erdig  und  srhmilzi  am  Feuer  /u  diner  pecharligen  Masse. 


—  teoo  f— 

Kig.  :t.">l.    Profil  Af-r  Brannkohlen  formation  von  Riestedt  in  derProvinz  Sachsen. 

«  Buntsandstein.   6  BrannVohlenflot/.e.  c  Graue  und  blaue  zum  Theil  sandige  Thone.    d  Sand.   (  Lehm. 

8  Bohrloch  8.  //  und  13  Schachte  und  Bohrlocher  11  und  13.  A  Bohrloch  A. 

.  Die  Braunkoblen  bilden  zum  Theil  unregelniassig  linsenformige  Einlagerun- 
gen,  welche  sich  nach  kurzein  Anhalten  allseitig  auskeilen,  theils  weit  fort- 
setzende  Flblze,  vvelche  oft  sehr  bedeulende,  bei  Halle  7,  bei  Nachterstedl, 
sowie  bei  Zitlau  liber  15,  sehr  gevvohnlich  aber  1  bis  3  Laehter  Machtigkeit 
erreichen,  ohne  sich  jedoch  gleich  zu  bleiben,  vielmehr  sind  Anschvvellungen 
und  YerdrUckungen  haufige  Erscheinungen.  Nicht  sellen  kommen  mehrere 
Flolze  Ubereinander  vor,  so  bei  Riesledt  5  (siehe  Fig.  354),  bei  Muskau  6  u.  s.  w. 
Pas  Tiefland  Nordostdeulschlands  und  die  mil  ihnen  zusammenhangenden 
befden  slldlichen  Buchten  milssen  \vahrend  des  Beginnes  der  oligocanen  Periode 
von  grb'sseren  und  kleineren,  aber  seichten  SUsswasserseen,  von  ausgedelinlen 
Stirnpfen  und  Mooren,  sowie  von  Lagunen  bedeckl  gewesen  sein,  auf  \\elchen 
und  uni  welclie  herum  eine  Uppige  subtropische  Flora  \\ucherte,  wahrend 
SUssvvasserfische  und  Mollusken  die  Wasser  beleblen.  Zugleich  \vurden  von 
den  FlUsscn  bedeulende  Massen  von  Treibholz  ihren  Laguneu  zugeschweniint, 
wo  sie  sich,  ahnlich  wie  am  Ausilusse  des  Mississippi  noch  heule,  zu  grosscn 
vegctabilischen  Deltas  ansammelten.  Letztere  sowohl  wie  die  an  Orl  und  Slolle 
Bewachsenen  PHan/en  lieferlcn  das  Malcrial  der  Bi'annkolilcnfcldcr  Norddeutscb- 


VI.    Ilislorix'lic 


hinds.  Von  Sand-  mid  Thonscliiclilen  brd.rkl,  warden  sic  vor  vollsUindigem 
Wrgfaulen  bewahrt  und  durch  don  bei  Abschluss  <ler  l.ul't  ointretenden  Ver- 
moderungsprocess  allmiihlich  in  Braunkohle  verwandelt. 

Das  Material  der  Braunkohlen  ist  namcntlich  von  den  Hblzern  von 
Coniferen  und  /.war  vorzilglich  Gupressineen  gelieferl  worden.  So  besleht 
die  Hanptmassc  fast  aller  in  d««r  Imgebung  des  Harzes  vorkommenden  Braun- 
kohlenflotze  aus  SUimmen  von  Taxitos  Ayoki  und  Taxoxylon  Gbpperti,  derer 
Schlesiens  aus  Piniles  ponderosus,  Pinites  prololarix,  Gupressinoxylurn  lepto- 
ticlmm,  Taxites  Ayeki,  derer  des'  Lcipziger  Kreises  aus  Sequoia  Coultsiae, 
neben  dieser  al)er  auch  aus  Palmaeitcs  Daemonorops  und  einer  Betula.  Wahrend 
dciimach  dio  Braunkohlendotze  vorwiegend  aus  Coniferenhblzern  beslehen,  lier- 
lu'rgon  die  Thone,  Sandsteine  und  Sehicfcrthone,  welche  jenc  zu  begleilcn 
pllegen,  zahlreichc  Hesle  und  /war  vorzugsweise  Blatter  von  Laubhbl  zern. 
Unter  ihnen  sind  folgende  Geschlechter  die  haufigslen  :  Quercus,  Laurus,  Cinna- 
nioiiHini.  Magnolia,  Dryandroides,  Ficus,  Sassafras,  Alnus,  Acer,  Juglans  und 
Betula.  /u  ihnen  gesellen  sicli  in  verschiedenen  Sabal-  und  Flabellaria- 
Arten  eine  Anzahl  Facherpalrncn  und  in  Phocnicites  Gocuspalmen.  Beson- 
ders  eharakterisiisch  ist  fUr  die  Flora  der  norddeutschen  Braunkohle  das  Zu- 
sainiuenvorknnitnen  von  Conifcren  ,  immergrttnen  Laubbaumen,  Fiicher-  und 
Cocuspalmen;  sie  besass  ungefahr  den  Habitus  der  Vegetation  Floridas  und 
louisianas,  jedoch  sind  Ankliingc  an  den  indisch-australischen  Charakter  der 
Floren  friiherer  Zeitalter  nicht  zu  verkennen. 
b)  Die  marinen  Gebilde  von  Egeln. 

Die  mil  den  beschriebenen  limnischen  Sand-,  Thon-  und  vegetabilischen 
Schichten  des  unteren  Oligocan  bedeckten  Landstriche  wurden  jelzt  in  Folge 
allmiihlicher  Senkungen  in  Meeresgrund  vervsandelt,  auf  welchem  sich  von  nun 
an  marine  Gebilde  absetzten.  Es  sind  dies  die  Sandc  und  Thone,  welche  bei 
Magdeburg,  bei  Latdorf,  bei  Egeln,  Ascherslebcn  und  Helmstadt  aufgeschlossen 
sind  und  als  Magdeburger  Sande  oder  unteroligocane  Lager  Von 
Egeln  bezeichnet  werden.  Sie  sind  zum  Theil  ganz  ausserordenllich  reich  an 
Hesten  von  Meeresbew  ohnern  ;  einige  der  bezeichnendslen  derselben  sind: 
Oslrea  ventilabrum  Goldf.,  Area  appendiculala  Sow.,  Cardila  Dunkeri  Phil., 
Cardium  Hausmanni  Phil.,  Cytherea  Solandri  Sow.,  Cerithium  laevum  Phil., 
Pleurotoma  Beyrichi  Phil.  ,  Pleurolonia  subconvidea  d'Orb.  ,  Pleuroloma  Bos- 
(jueti  Nyst.,  Buccinum  bullatum  Phil.,  Volula  decora  Beyr.  Zu  ihnen  gesellen 
sich  zahlreiche,  den  Geschlechtern  Cyathina,  Turbinolia,  Balanophyllia,  Garyo- 
phxllia  angehb'rige  Einzelkorallen. 

Von  gleichern,  also  unteroligociSnem  Alter  ist  die  bernsteinfuhrende 
Schichtenreihe  des  Samlandes  bei  Konigsberg.  Der  Bernstein  kommt  an 
der  Kiiste  Preussens  in  einer  Lage  glaukonilischen  Sandes  regelmiissig  und  in 
ausserordentlicher  Menge  vertheilt  vor.  Diese  bernsleinftlhrende  Schicht  (siehe 
Fig.  355  b)  ist  1,3  bis  1,7  Meter  machtig,  liegt  meist  noch  unler  dem  Spie- 
gel des  Meeres  und  wird  von  einem  bis  2:}  Meter  machtigen  bernsteinarmen 
(ilaukonitsande  und  dieser  von  Sanden,  Thonen  und  Braunkohlen  Uberlagert. 
Die  GlaukonitP  enlhalten  neben  dem  Hernsleinc  mil  /ahlreirhen  Insecten. 


480 


VI.    Historische  Geologic. 


Fig.  355.    Profil  durch  die  samlan 
dische  Bern  stein  formation  bei 

Or.  Hnlinicken. 
o'  Ostseespiegel, 
a  Wilde  Erde 
6  Blaue 


de  Erde  \ 

Be  Bernstein-  I      Bernsteinfubrenda 
erde  I   Glankonitformation, 

ne  Mauer         J 

f  Braunkohlenformation, 


cGru 

d  Weisser  Sand 

e  Braunkohle 

/  Gestreifter  Sand 

y  Diluvium,  h  Humus. 


Ararlmoiden    und  .Mxriopoden    cine  nicht  unbedeutcnde  Meniir  relit    unteroligo- 
eiiner  Mollusken,    \viihrend  sich  die  liber  ihnen  lagernde  Braunkohle  durch  eine 

milleloligocane  Flora  charakterisirt.  Der  Bern- 
stein findet  sich  iin  Samlande  auf  secundiirei 
Lagerslatle  und  ist  im  Anfange  der  Oligocan- 
periode  durch  das  Meer  angeschwemmt  worden. 
Dieses  Harz  dllrfto  von  8  oder  9  Pinus-Arten 
abstammen,  deren  eine  Pinus  succinifer  genannt 
worden  ist,'  und  \velche  einen  grossen  Theil  des 
ndrdlichen  Europa,  namenllich  von  Skandina- 
vien,  bedeckl  haben  mlissen. 

2)  Das  Mitteloli  go  can.  In  Folge  neuer 
Hebungen  innerhalb  des  norddeutschen  Tertia'r- 
gebietes  vvird  local  eine  zvveite  oligocane  Braun- 
kohlenbildung  eingeleilet.  Hierher  gehbrt  die 
des  Samlandes  (d  e  f  Fig.  355) ,  welche  die 
dortigen  ,  unteroligocanen ,  bernstemfuhrenden 
Schichten  iiberlagert.  In  ihr  finden  sich  nament- 
lich  Taxodium  dubium  Slernb. ,  Alnus  Kefer- 
sleini  Ung.,  Cinnarnomum  polyinorphum  Ung., 
Populus  Zaddachi  Heer. 

Viel  allgemeiner  verbreitet  jedoch  als  diese 
localen  Braunkohlenbildungen  ist  eine  marine  Ablagerung,  welche  in  dem  grb'ssten 
Theile  des  nbrdlichen  Deulschlands  der  einzige  Reprasenlant  der  mitleloligo- 
ciinen  Formation  ist,  /urn  Theil  als  Sand  und  Sandstein ,  /urn  Theil  als  Thon 

5  auflritt  und  in  ersterem  Falle  nach  einem 

lypischen  Aufschlusspunkte  Stettiner 
Sand,  in  letzlerem  Septarien-Thon 
genannt  \vird,  weil  er  rundliche  oder 
llachellipsoidischeConcretionen  eines  dich- 
Fig.356.  LedaDeshayestanaDucb.  ten>  von Kalkspathadem  durchsetzten Kalk- 
sleines  umschliesst.  Diese  milteloligocanen  Schichten  und  besonders  die  Septarien- 
thone  sind  sehr  reich  an  organischen  Resten,  unter  welchen  namentlich  Foramini- 
feren  und  Mollusken  eine  wichtige  Rolle  spielen.  Unter  ersteren  sind  die  Ge- 
schlechter  Cristellaria,  Nodosaria,  Truncatulina,  Triloculina,  Rotalia  die  vorvvalten- 
den;  von  Mollusken  sind  als  ausschliesslich  rnitteloligocan  hervorzuheben :  Pecten 
permistus  Beyr.,  Leda  Deshayesiana  Duch.  (Fig.  356),  Axinus  obtusus  Beyr.,  Fusus 
Konincki  Nyst. ,  Fusus  multisulcatus  Nyst.  ,  Borsonia  gracilis  Sandb.  und 
Tornatella  globosa  Beyr.  Einige  der  Hauplaufschlusspunkte  der  hierher  gehb- 
rigen  Schichten  sind :  das  Oderlhal  bei  Stettin ,  Freienwalde ,  Hermsdorf, 
Neusladt,  Magdeburg,  Gorzig  bei  Kbthen,  Sbllingen,  Walle  bei  Celle. 

3)  Das  Oberoligocan.  Auch  diesem  Niveau  sind  gewisse  Braunkohlen- 
ablagerungen  und  zwar  die  der  niederrheinischen  Bucht  zuzurechnen.  Ihr 
pelrographiscfaer  Gharakter  weicht  von  dem  der  alteren,  unteroligocanen  Haupt- 
bnunkohlenforniation  \\cnii:  ;t!>.  in  der  Floi-a  jedoeh  machl  sieh  im  Vei*gleiche 


VI.    Ilislorisclit' 


481 


Tercbrntula 
Blum- 


mil  der  des  t'nterolignciin  des  ostliehcn  Norddeiilschlands  cine  nodi  griisscre 
Anna'hening  an  den  Gesainmthabilus  der  Vegetation  des  \\armcren  Nordamerika 
bemerklieh.  \\iihrend  die  Iropisehen.  indisch-australisehen  Formen  dcr  iilleren 
Braunknhlenbildung  \erseh\\inden.  \\nfUr  sich  solehe  gcmiissiglcr  Klimata  ein- 
stellen.  I'nter  den  Pflanzen  der  nicdciTheiniselien 
BraunkohlenformatioD  sind  besonders  \erlrelen  die 
(icM-hlechtcr  Cupressinovxluin.  Pinites,  Ginnamo- 
mum,  Quercus,  Nyssa,  Acer,  Juglans  u.  a.  Auch 
/.ahlreiehe  Inseeten.  Fische  (Leuciscus)  und  Ba- 
iraehier  kommcii  in  jener  Braunkohle  und  /\\ar 
namentlieh  in  der  dunnschieferigen  Varietal  der- 
selben.  (fer  Papierkohle,  vor. 

Die  marinen  Gebilde  des  Oberoligociin  Ire- 
len  nur  schr  sporadiseh  zu  Tage,  so  in  dem  Land- 
siriehe  /.wisehen  Hildesheim  und  Osnabitlck,  vvo 
\veiche  Mcrgel  verein/elte  unansehnliche  lliigel  im 
(iebicte  meso/.oischer  Formationen  /Aisammensel/en. 
Die  bedeulendslc  del-  hierher  gehorigen  Ablage- 
rnngen  bildel  den  Doberg  bei  Btlnde,  vvo  Kig. 
sic  aid'  Septarienthonen  und  unleroligocauen 
Schiehten^  ruht  und  namentlieh  fiihrl  :  Kehinolampas  Kleini  Ag.,  Spatangns 
llolVmanni  Gold!'..  Terebralnla  grandis  Klumenb.  ,  Peden  Janus  Gold!'..  Peelen 
Miinsteri  (loldf. 

Audi  in  Knrhessen  erseheinen  auf  Wilhelmshbhe ,  bei  Ober-  und  Nieder- 
kaufungen  Uber  den  Seplarienlhonen  oberoligoeiine ,  lose  Quarzsande,  Sand- 
sleinc  und  sandige  Thone  mil  Peelen  decussalus  Miinsl.,  Area  Speyeri  Semp.. 
Andllaria  Karsleni  Hcyr. ,  Nassa  pygmaea  Sehlolh. ,  Pleuroloma  subdenlieulala 
Miinsl.  Oberoligoeanen  Alters  sind  endlich  die  unler  dem  Namen  Stern- 
be  rger  K  uchen  bekannten  Sandsleingcsehiebc ,  \\elehe  sich  im  \\cstlidien 
.Mccklenburg-Sch\verii>  im  Kiese  vorlinden  uml  /urn  Theil  dermaassen  von  Mol- 
luskcn-Hestcn  angefilllt  sind,  dass  das  gan/.e  (ieslein  nur  aus  ihnen  /u  be- 
slelien  seheint.  l;asl  allc  oben  von  Cassel  angefUhrlen  Arlen  kommen  auch  in 
ihnen  vor. 

Die  Miocan-  und  Plioc&nformation. 

\Vie  die  klimalisehen  Verhiiltnisse  und  von  diesen  abhiingig  die  Fauneu 
und  Floren  ,  so  sind  auch  die  Conluren  der  Conlinenle  im  Verlanfe  dcr  Ter- 
liiiiveit  in  eincr  slelen  Vcriinderung  begrid'en.  Dafllr  spricht  die  Verbreilung 
der  jiingeren  der  neogenen)  Tertiiirgebildc,  \ergliehen  mil  der  des  Kociins 
und  Oligociins.  In  dem  Tertiarbeeken  der  Seine  sdiliessen  oligoctine  Gebilde 
die  lerliiire  Schichtenreihe  ab,  --  in  dem  Loirebecken  hingegen  beginnt  sie 
mil  dem  Mioca'n ,  ist  also  auf  das  Ncngcn  bcschriinkt,  --  auf  dem  Tertia'rge- 
liiete  Knglands  linden  sich  nur  sehr  unbedeutende  Ablagei'imgen  von  jungercm 
als  oligoeanem  Alter,  der  drag.  in  dem  ganzen  \\eilen  Osten  des  nord- 

t'reilner,  Kloun'iitfl  U.  Geologic.  31 


482 


\  I.     Ili-tni  i 


deiilschen  Terliiirlandes  sind  miuciine  <>der  plineiine  (iebilde  unbekannt, 
Alles  Erscheinungen ,  \\elehe  auf  eilie  Verseliiebimg  der  MeeresLM-en/en  im 
Yerlaufe  der  Tertiiir/.eil  Immeisen.  Die  Heispiele,  ;IM  denen  die  (iliedermii: 
der  tNpischen  niiociinen  und  pliocjinen  Scliiclilenreihe  erliiulerl  \\erden  soil, 
inilssen  deshalb  anderen  Terliiirirebielen  enlimmiiien  \\enlen  ;ils  die  friiheren. 
\Yii  \\iililen  d;is  Hecken  \<>n  .M.iin/  und  das  \(in  \\icn  mid  \ciT(tlizcii  y.mn 
Schlusse  d;is  liciionnciu1  schweraerisch-bayerische  I'rofil ,  deren  Zusatnmenhaiig 
.ins  beifolgender  Tahelle  ei-sichllich  \vird. 

Das  Miociin  und  Pliociin 


son   Mainz 

des  Wiener  Beckens 

dei-  Scli\\ciz  lllld 
Siiddeulsehliiiids 

Dinollierien-Sand  ; 

Chillesford  and 

C 

Belvedcrc-Schotter  ; 

Oeniiiiicr  Si-hichten. 

AldeliN  beds. 

- 
§ 

^ 

Knoehcnsand   \on 
Eppelshciin 

Gongerien-Tegel 

(Tceel  von  Inzers- 
dorf) 

(there  Siis^\\  asser- 
molasse  z.  Th. 
mil  Braunkohlcn 

\or\\  ich  crai:  : 
lied  crai:  ; 
While  or  I'.oralline 

(Torlonien 

crag 

— 

Mun/cnheri,'er    Obe- 

Brak  ische 

93 

:i 

rer   Bliiltersand- 
stein  ;  Braunkoblcn- 
formalion  der  Wel- 

G  r  u  p  p  c  : 
Ccrithicn-Sandstein. 
Brakischc  Tegel. 

Obere  Meeresmo- 
lasse    Hehetien   ; 

c 

terau  und  des  Vo- 

Marine  G  r  u  p  p  e  : 

Mnschelsandslein, 

u 

s;elsbcri.'es,  sossie 

Badencr  Teqel, 

Graue  Molasso  der 

* 

c 

Braunkohlcnletton; 

Tiefscebildung; 

Sch  we  i  7.  ; 

Litorinellenkalk; 

Leithakalk,  flaclie 

Bliittersandslein 

Cerilliien-  und 

Meeresbildung; 

Bayems; 

Landschncckenkalk, 

so\\ie  Bliittersand- 

Sand,  Gcrolle  und 
Contjlomcratc,  Ufer- 

Maxencien 

stcin 

bildung 

Anscldiessend  an  das  Olitroean  ;  siehe  Tabelle  auf  pat;.  472. 

Das  Becken  von  Mainz. 

Die  tertiaren  Gebilde  des  sogenannten  Mainzcr  Beckens  dehnon  sich  siid- 
lich  vom  Taunus,  also  von  Bingen ,  Wiesbaden,  Nauheim  auf  beiden  Seiten 
des  Rheines  vielleicht  bis  nach  Basel  aus  und  erstrecken  sich  den  Main  ent- 
lang  bis  nach  AschafTenburg  und  in  nordlicher  Richtung  zwischen  Yogelsberg 
und  Taunus  bis  nach  Giessen.  Die  tertiare  Schichtenreihe  des  Mainzer  Beckens 
lagert  auf  dem  Devon,  der  Dyas  und  Trias  ungleiehfi>ni:ig  auf  und  beuinnl 
mil  oligociinen  Bildungen  (siehe  Tabelle  auf  p«g.  472).  Die  iiltesten  der- 
selben  sind  Meeressande,  oft  zu  Sandsteinen  zusainmengebacken ,  mil  den 
Hip|)en  und  Wirbeln  einer  Seekuh  (Halianassa  Studeri)  und  reich  an  Conchy- 
lien  und  Korallen,  von  denen  viele,  so  Ostrea  cyathula,  Ostrea  callifeia.  I'ec- 
len  obovatus,  Cytherea  incrassaUi ,  Corbula  subpisuni,  Dentalium  Kickxi,  im 
Milteloliiiociin  anderer  Lander  vorkoininen.  Noch  bestinunter  trill  das  oligo- 
ca"ne  Alter  dieser  Schichlencomplexe  in  den  niichst  hbheren  Zonen  hervor, 
einem  ecliten  Seplarientlione  mil  Nucula  (Leda)  Deshayesi  und  Fusus  multi- 
sulcatus,  sowie  den  daillber  lieuenden  Cyrenenmergeln  mil  Ostrea  callifera. 
C\i-ena  semislriata .  (lerilliimn  plicatmn,  Cerilhiuin  inargaritaceuni.  Jet/t  erst 
beginiieii  neocene  Tertiiirbildungen. 


VI.    Hislorisclir 


is:', 


A.  Miociin. 

1)  Die  tint  erst. -n  .Mioi-an-Ablaiieninm-n  besilzen  einen  local  selir  \\cch- 
selnden  Cliarakter :  bald  sind  es  Sandsleine  mil  Blallabdriicken  von  Cinnamo- 
iniiiii.  S;ib;il.  Mueivus,  riniiis.  bidd  Lindsclmc.-kenkalke  \<>ll  von  Helix  inul 
Pupa,  namenliirh  .iber  Kalksleine  mid  Sandsteine  anuefiilll  von  Cerilluen.  \..n 
di-nrn  Cerill.ium  rim-lum  (loldf.  und  Or.  Kahlii  Hraun  die  liiiufi-slcn  sind. 

.>  |)(V|.  iJh.rinollcnkalkstcin:  cr  bildrl  die  ;uis^-d«'linli'slrn  und 
miicliliiislcii  iifn-rm-n  TcrtiarablapM-unucn  dt>s  Main/i-r  Hcckt-ns.  Ks  sind  lichtc 
Kalkst.-inc.  uclclic  mil  .Mcr-i'ln  und  Lctton  wcchscll.n^'rn  und  oft  fast  mir 
aus  ScliaU-n  dcr  klcincu  Lilorinolla  acuta  Drap.  (Fiji.  358),  an 
aiidfivn  SlclliMi  bcinalu-  aussclilicsslicli  aus  Con^cria  (Divis- 
SIMI.-I  Hrardi  Bn.nii.  mlcr  Mxtilus  Fanjasi  Hronii.  Itcslclicn. 
Ncb.-n  dicscii  sind  nodi  /.aliliviclic  andcrc  Silssvvassrr-  und 
I  andiuolluskcn  (Paludina,  Umnaeus,  Pupa,  M<>li\.  Planorbis)  Fig  :»••*. 

,  ,          .          ..  .   ,  Li  t  ori  lu-llaa  onta 

hiiulin.     Wirbelthiere    iit>vvinncn    besonders    durch    die    /ahl-  n , ;, ,, 


JV-i      Itinothor  Sum 

teum  Kan  p.  Fig.  MO.    Rhinoceros   incisivus  Cuv. 

r.-ichen  Bestr  von  binolherium  jjiiianloum  Kaup.  (Fig.  359)  Interesse, 
colossalcn  Siiuizelhiere.  von  welchem  man  schvvankt,  ob  es  als  zu  den  Otacecn 
od.-r  /.n  den  Diekhiiulern  uelmriii  zu  betrachten  sei.  Mil  Dinotherium  komnien 
Skelettlieile  des  mil  unserem  Pferde  nalie  verwandten  Hippolhcrium  vor.  Eine 
Sumpf-  und  Siiss\\  asseiTacies  dieses  Litorinellenkalkes  scheint  die  Braunkoh- 
l.'nformalion  der  Wetterau  zu  sein,  deren  sUdlichcr  AuslHufer  sich  als  ein 
an  Blaltabddlcken  rcicher  F.etten  bis  nach  Bheinhessen  vcrfoli;(>n  liissl.  Tnler 
den  IMlan/en  .  \\.-Iehe  sieh  in  der  Braunkohlc  selbst,  so\vie  in  den  sir  !»«•- 
iileitenden  plastischen  Thonen  linden,  sind  besonders  Cinnamomum ,  immer- 
iH-ilnc  Kiehen.  Matznolien,  Aeacien.  Sl«ira\biiiim«'.  Fei-rn,  die  Weinrebe,  so- 
vvie  C\pn-ss(Mi  nnd  Palmen  vcrlreten.  Die  Ilanptmasse  der  Fldlzc  rilhrl  von 
.mi:esrli\\rinmte!i  Nadelhol/ern ,  namentlieli  C\  presse.n-  und  Pinusarlen  her. 
Bedeekt  vvenlen  diese  Braunkohlen  fUhrenden  Thone  von  einem  harlen  Sand- 
steine mil  viol  Blattabdracken  foberer  Bliittersandslein). 
B.  Pliociin. 

Ausser  einiuen   Braunkohlen    mil    Pflan/.enresten,    vvelche   einen  nordameri- 
kanisehen  .     der  .letx.tvxclt   sehr    nahe     stchcnden    Cliarakter    luvsilzen ,      vvird    die 

31* 


1s-  I  VI.    Historische    (Jcnloirie. 

I'linr, iiil'nnii;ili<m  iui  Main/er  Becken  (lurch  cine  7  bis  10  Meter  miichtige  Ab- 
l;ii:ermii:  \tm  S.ind  mid  Gerblle  reprasentirt,  \\elche  namentlieh  l»ci  Worms, 
wo  die  mioeane  mid  pliocane  Braunkohle  fehlt,  direct  auf  die  Litorinellenkalke 
I'lilizeii.  Innerhalb  dieser  fiillen  sic  klcinc  Miildcn  ;ms .  wrrden  nach  ilircm 
Hauplaufschlusspunkte.  Sande  \ou  K ppelshei  in  genannt,  und  zeichnen  sidi 
durcli  die  umsse  Menge  von  Sa'ugethierknochen,  die  sie  bergen,  aus.  Besonders 
chanikleristisch  siud  die  Skeletlheile  von  Dinotlierium  giganteum,  Rhinoceros 
incisivus,  Mastodon  anguslidens,  Hippotherium  gracile  und  mehreren  Sus-, 
Onus-  und  Felis-Arlcn. 

Das  Wiener  Becken. 

An  die  Tertiarzone,  welche  den  West-  und  Nordabhang  der  Alpen  be- 
gleitel,  schliessen  sich  die  Tertiargebilde  von  Niederbsterreich,  des  soiienannten 
Wiener  Heckens,  und  an  diese  nbrdlieh  und  ostlich  die  bohinische  und 
miiiarisclie  Tertiarformation  an.  Die  Schichtenreihe  des  Wiener  Bassins  is)  in 
folgender  Weise  gegliedert  worden  : 

1}  Homer  Schichten;  Thone  und  Sande  mil  (le- 
rithium  plicatuni  (Fig.  351),  Cerithimn  margarilaceuin  Fig. 
361),  Mytilus  Haidingeri,  Cardium  hians,  Venus  umbonaria  u.  a. : 
Bildungen  von  augenscheinlieh  oberoligocanem  Charakter. 

•2  Marine  miociine  Schichtengruppe,  wesent- 
lich  aus  Sand  und  Gerb'lie,  Tegel  und  Leithakalk  l)estehend. 
Als  Tegel  hat  man  machtige  graue,  plastische  Thone  bezeich- 
net,  welche  feine  GlimmerschUppchen,  etwas  Quar/sand  und 
ein  wenig  kohlensauren  Kalk  enthalten,  —  unter  Leitha- 
kalk versteht  man  einen  lichten,  zum  Theil  porosen ,  fast 
lediglich  aus  Korallen-,  Foraminiferen-  und  Conchylienschutt 
bestehenden  Kalkstein.  Von  diesen  petrographisch  so  \er- 
schiedenen  Gesteinsablagerungen  nimml  man  an,  dass'sie  in 
F;  -«;i  cerithinm  jwsc^i^deneii  Regionen  ein  und  desselben  Meeres  gleichxei- 
marKaritarrumrfow.ijj,  /u,.  Ausbildung  gelangt,  dass  sie  nur  versehiedene  Abla- 
genmgszonen  ein  und  desselben  Seebeckens,  also  nur  versehiedene  Facies 
der  Sedimeiiie  einer  einzigeii  Periode  seien  und  nicht  iiber,  sondern  neben 
einander  lagern.  Nach  dieser  Auffassung  wtlrden  die  Gerbllanhiiufungen  am 
Slrande,  die  Sande  nahe  dem  letzteren,  die  Kalke  meereimviirts  und  die 
Thone  (Badener  Tegel)  in  der  Tiefsee  gebildet  sein. 

Unter  den  ausserordentlich  zahlreichen  organischen  Resten  der  eben  be- 
schriebenen  Schichlengruppe  spielen  Foraminiferen,  Zweischaler  und  Gastero- 
poden  die  llauptrolle.  Erstere  und  zwar  namentlich  Verlreter  der  Gattungen 
Ani])hisiei:ina.  Triloculina,  Texlilaria  und  Globigerina  bilden  die  Hauptmasse 
der  miichiigen  Kalksteinablagerungen,  der  Leithakalke.  Eine  der  gewbhnlich- 
sten  Formen  isl  Amphistegina  Haueri  d'Orb.  (Fig.  362.) 

Als  besonders .  hiiufig  sind  von  Mollusken ,  von  denen  iiber  1 000  Arlen 
be.xchrieben  sind .  hervorauheben ;  Ostrea  gryphoides  Schloth.,  Pecten  jmsio 
TiMin.  .  Area  diluvii  Lam..  Pectuneulus  pilosus  Lin..  Nucula  nucleus  Lin., 


VI.    Historisclie 


185 


Cardita  scalaris  Sow.,  Lunna  iuerassala  Dub..  Venus  iimbnnaria  Dug..  Tellina 
striuosa  (Imel.,  Panopaea  Menardi  Desh.,  Conns  \entricosus  Bronn.  Huccinmii 
prisraaUcum  Brocc.  ,  Stronibus  Bonelli  Brong. ,  Chenopus  pespelieani  Phil.. 


Fig.  :Hi2.  Amphistegina  Haueri   d'Orb. 

Muivx  aquitanieus  Grat. ,  Fusus  bilinoalus  Partsch,  Pleuroloma  lurriculala 
Hn.cc.,  Crrilhiuiu  liiinitanmi  Eiclnv.,  Turrilclla  turris  Bast.,  Nerila  expansa 
Kouss,  Ih'Mtaliuin  badense  Partsch. 

3)  Brakischo  miociino  Schichteng  ruppo.  Das  Wiener  Mccros- 
lussin  NMir.lc  diuvh  llolmngfii  in  scinom  Unifange  beschrilnkt,  in  ihm  lagerlcn 
si.-h  /u  unlcrst  kalkige  Sandsteine  und  darUber  neue  Tcgelbildungen  ab.  Ersterc 
sind  anui-fullt  von  Cerithien  u;ul  zwar  namentlich  Cerithium  piclum  Bast,  und 
werdenals  Cci-ilhienschichten  bezeichnet;  der  brakischo  Tcgcl  ftlhrt  Palu.li- 
n.Mi.  Rissoa  und  Skeleltheilc  von  Delphinen,  Scchunden,  SchildkrOton  und  Fischcn. 
'*]  PliocJino  Susswassergruppe.  In  Folgc  neuer  Hebungcn,  welche 
die  Wiener  Bucht  Uber  den  Meeresspiegel  hoben,  nahm  dicse  den  Charaklrr 
,-itu-s  SUsswassersecs  an.  In  diesern  vvurde  zu  unterst  der  Tegel  abgelagert, 
u  richer  z.  B.  den  Untergrund  der  Stadt  Wien  bildet  und  sich  durch  semen 
Reirhlhum  an  Congeria  subglobosa  Partsch  (Fig.  362)  und  Melanopsis  Marliniana 
Frr.  iFig.  364)  auszeichnet,  aber  auch  Ul)erreste  von  Dinotheriuni,  Rhinoceros, 


Fig.  :!»'•:!.  Congerift  s«bg|lobosa 
Partsich. 


Fig.fa()4.|Mcljanops>i»   Mar- 
ti n  i  a  n  a  F  6 r. 


Maslodon,  Antilopen,  SUsswasserschildkrolen  und  Landpflanzcn  fUlirl.  In  dirser 
ohcr.-M  (iruppe  dc;s  Wiener  Tcrliiirgebirgcs  Ireten  auch  Braunkohlen  nut 
IMlan/enreslen  auf.  welche  der  spUtcr  zu  beschn-ihentleu  Oeuiiiiier  pliociinen 
Flora  entsprechen.  Bedeckt  vverden  die  Sttsswassertegel  Congerieu- 
Schichten)  von  Flussschotter,  Sanden  und  Thonen,  den  Schichtcn  von 
Belvedere.  In  ihuen  finden  sich  Knochcn  \nn  Anlhni.'otheriuiu,  Dinotheriuiu, 
Maslodon, ^Rhinoceros.  Mil  dieser  Bildung  schliesst  die  tertian-  Schichtenreihe 
^"  Beckens  ab  und  wird  von  Loss  Ul>erlag«'rt. 


I  si; 


Kincr  neogeneii.  mil  dm  Schichlen  des  Wiener  Heekens  gleichalterigen 
Fi>rmatinn  uehoren  die  Si  e i nsa  1  z 1 ager  rngarns,  SiebenbUrgens  und  Galieiens 
/ii  lieiden  Seilen  der  Karpalhen  und  uulcr  diesen  ii.inientlieh  (lit-  \on  \V  i  e  I  i  <•/.  k  .1 
an.  Das  Sleinsal/.  komml  daselbst  Iheils  in  maehtigen  his  I'i.OOl)  Kiiliikfuss 
LM'osson  slockformigen  Massen,  Iheils  in  Seliichten  /.wisclien  Thon.  Mergel.  An- 
Imlril  und  Gyps  vor.  Unter  Loss  und  lerliarem  Sande  (sieh(!  Fig.  365)  liegl 
/u  olierst  grauor  Thon  (Tegel),  unler  ilim  Salzlhon,  in  dessen  liegender  Zone 
sinekri'i-mige  Miissen  von  moist  grtlnem,  grobkrystallinischem  Stoinsalz  •drUnsalz) 
nehsl  Slreil'eu  und  Nostorn  von  Gyps  einirebeltol  sind.  Durch  oinip-  TlMMilauen 
und  gosohichtoton  Anhydrit  \vird  das  Grilnsalz  von  dem  darunter  liegendeo 

Spisasalx  getrennt,  welches  aus  mehrerm. 
zusammen  gegen  34  M.  machtigen  Lageni 
von  oft  stiingoligoin,  zutn  Theil  Kohlen- 
wasserstofl'  haltendem  Steinsalz  (Knisler- 
salz)  besteht.  Unter  ilnn  Irelon  die  zu- 
zaimncn  ebeufalls  ilber  30  M.  marhliuen 
Lager  des  Schybicker  Salzes,  eines  reinm. 
weissen,  meist  kleinkdrnigen  Sleinsalzes 
auf.  Darunter  folgt  Thon,  dessen  Miidi- 
tigkeit  nicht  ermittelt  ist.  lin  Steinsalze 
und  den  dasselbe  begleitenden  Thonen 
kommen  zahlreiche  organische  Reste  vor, 
von  deuen  iiber  70  Pel.  mit  denen  des 
Wiener  Beckons  und  namentlich  des  oberen  Tesel  identisch  sind. 


Fig.  :«15.    I'rofil  der  Steinsalzlagerstatten 

von  W  i  e  1  i  c  z  k  a. 

a  Schotter  und  Sand  der  Weichselebene.    b  Loss. 

c  Mariner  Tertiarsand.  d  Hangende  Tegel.  e  Salz- 

thon.  f  Salzthon  mit  Griinsalzkornern.   g   Spisa- 

Salxlager.  h   Schybicker  Salzlager.   i  Tegel. 

k   Karpatheusandstein. 


Die  neogenen  Tertiarformationen  der  Schweiz  and  des  siidlichcn 

Auf  pag.  468  sind  die  eocanen,  auf  pag.  475  die  oligocanen  TertiMrgebilde 
der  slid  lichen  Theile  Deutschlands,  sowie  der  Schweiz  geschildert.  An  lelztore 
und  zwar  die  Braunkohlenformation  der  aquilanischen  Slufo  schliessen  sieh  die 
Srhichlen  des  Miociin  und  Pliocan. 

1)  Die  graue  SUsswassermolasse  Mainzer  Slufe),  erne  Sand- 
sleinbildung,  \\elehe  sehr  hiiufig  Pflanzenreste  von  ausgesprocheneni  nord- 
ainerikaniselieni  (Iharakler  (Cinnamomum,  Ulnius,  Liriodendron,  Rhamnus,  Jug- 
lans,  Acer)  umschliesst  und  dann  als  Bliittersandstein  bezeielmet  word»>n 
isi.  Mit  dieser  Sdsswasserbildung  ist  jedoch  eine  marine  Ablagerunu  verkniipfl, 
\\<-lelie  Cerithium  lignitaruin  Eichvv.  ,  Venus  clathrala  Duj.,  Murex  plicafus 
Brocc.  fUhrt. 

2]  Die  obere  Meeresmolasse  (Hclvetische  Stufe'1.  ein  ontschie- 
dener  Meeressandslein,  ziini  Theil  voll  Condi\lien  und  oft  conglonieralahnlicli 
mil  kalkigem  Bindemittel  (Muschel sandstei n).  Von  der  ansserordentlieli 
arlenreiclien  .Molluskcn-Fauna  dieser  Seliichten  leben  35  Procent  noeli  jetzt  und 
/.\Nar  zum  Tlieil  nn  Miltelmoere.  zum  Theil  unter  Iropisehen  Breilen.  Viele  Formen 
z.  B.  IVetuneulus  pilosus,  Panopaea  Menardi,  Genus  venlrieosus,  Ghenopus 
pespelicani,  Turritella  lurris  stimmen  mit  miocanen  Fossilien  des  Wiener 


Mrrkens  uherein.      Fisch/ahne .    so  sold..-     Non   La.nna,    (Kyrliina,   Carcharodon 
sind   ausserordenllich   liiiutiu. 

3)  Die  obere  Sllss\\  a  sserm  <>  la  ss  e  ,  aus  Sandslcinen  .  Mergelfl  and 
Kalksleinen  beslehend.  einige  Hraunkohlenllot/.e  umschliessend  uiul  Unmaeen. 
Planorben,  Unioiu-n ,  sowie  Helix- Arten  filhrend.  In  dieses  Niveau  gehoren 
die  Oeninger  Schichten,  .neist  dllnnplaltige  Kalksleine,  welehe  sieh  durch 
ihren  Ueichthum  an  ausserordentlich  gut  erhaltenen  Pflanzen  -  and  Thierreslen 
auswichnen.  Die  Flora  beslehl  der  Mohrzahl  nach  aus  norda.u.-rikaiuschon 
mul  in  /NNeitei-Heihe  aus  europiiischcn  Typen,  wiihrend  asialisehe,  afrikanische 
u,ul  .luslralisehe  l-ormon  sehr  in  den  Ilinlergrund  treten.  Die  OeniniicM-  Fauna 
isl  durch  eine  ausseronlenllich  grosso  Anzahl  von  Insecten,  vorzUglich  Kiifenu 
von  suMropischen  und  /Avar  namcnllich  sUdeuropJiischen  Typen  repriisentirt. 
UnKM-  den  NVirlM'lthienrsten  haben  nelxMi  denen  sehr  zahlreicher  Leuciseus- 
\rlen  die  eines  Hiesonsalainandors,  Andrias  Schcuchzcri ,  besondere  Aufnierk- 
samkeit  auf  sieh  ge/ogen ,  welche  Schcuclm'r  fUr  versleinerte  Skek-ttheile  von 
Meiisclieu  lionid  diluvii  testis)  hiell. 

\Viihivnd  niit  diesen  Ablagerungen  die  Tertiarbildungen  dcr  Schwciz  und 
d,.,-  niiehst  angren/enden  I.andstriehe  abschliesscn ,  maelien  in  der  lloeliebene 
der  Donau  S.mde  mil  Knochen  von  Dinotherium,  Mastodon,  Rhinoceros  und 
.mderen  Siiugethieren  den  Schluss  der  Tertiiirfonnalion. 

Der  Crag  England's. 

Das  jtlngsle  Terliiir  Englands  besteht  vor\valtend  aus  Mergeln  ,  welche 
rcich  an  Schalen  von  Mollusken  sind  und  als  Crag  bczcichnct  werden.  Man 
unterscheidel  von  union  nach  oben  steigend: 

1)  White    or    Coralline    Crag,     10    Meter    miichtig,    bestehend    aus 
kalkinen   Mergeln    voll  Molluskenschalen    und   Bryo/oenstecken.      Von    ersteren 
sind'.ttO  Species  beschrieben,    von  denen  110,    also   31   Procent ,    noch   nicht 
lebend    narhgeN\iesen    \vorden    sind,  --  von  Bryozoen   kennt   man    130  Arlen. 
Heissen  Kliinaten  angehOrige  Formen  fehlen. 

2)  Red   Crag,    etwa   8   Meter   iniichtige,    eisenschtissige   Quarzsande    mil 
j.ii  Molluskenspecies,  von  welchen  65,  also  25  Procent,  ausgestorben  sind. 

3)  Noi  \\ich-or  Fluviomarine  Crag,    etwa   7  Meter  mUchtigc  Sande, 
Lehme  und  Kies.-  mil  einer  gemischlen  Meeres-,  Land-  und  Susswassermnllus- 
kenfauna,   s..\\ie  mil  Knochen  von  Fischen  und  Saugelhieren,  also  augenscheinlich 
ab-elagrrt  in  einer  See  nahe  d(M-  MUndung  eines  Slromes.     Die  Landsehneckcn 
u.-'liiiren    alle  Arlen   an,    die    heule  noch  leben;    von  den  124  Species  mariner 
Mnllusken    sind  «-t\va  18  Procent  ausgestorben,    der  Rest  enlhiilt  ziemlich  viele 
heule  in  den  arktischcn  MetM-en   lel.ende  Formen,   z.   B.  Rhynchonella  psillacea, 
Scala ria  (ii (.enl.nidica,   Astarte  borealis,   Panopaea  Norvvegica  u.   a. 

4)  Chillesford-and  Aldeby-beds,  etwa  7  Meter  iniichtige  Sande 
und  Thone  mil  einer  Molluskenfauna,  von  \veleher  nur  9  Procenl  ausgestorbeu 
sind,  wiihrend  zwei  Drittel  des  Hestes  jetzt  Bewohner  hOherer,  also  kalUM-er 
Breiten  sind.  Diese  Schichten  stellen  die  VerknUpfung  des  tertiiiren  Crags  mil 
den  Ablauerungen  der  Kis/.eit  her. 


1SS  VI.    Ilisturisclic  (ieoloijir. 

Yerfolgl  mail  die  Yerandernng  der  Faunen  der  ein/.elnen  Schichtencom- 
ple\e  des  englischen  Crag,  so  Iritl  eine  doppelle  Krscheinung  her\or,  einer- 
seils  die  stetige  Xunahme  der  Xahl  drr  noch  heulc  forllebenden  Molluskenarten. 
andererseils  aiis  drr  Xiinaliinc  arktiselicr  Formen  cin  allmahliches  Renintersinken 
des  im  Heginne  der  Cragablagerttng  sildlichen  Klimas  zu  dem  drr  Kis/.eil.  Iliichsl 
inlrivs.saiil  isl  der  \aeh\\eis.  dass  \iele  Molliisken  .  die  \\iilirend  der  Crag- 
periode  die  englischen  Meere  bewohnlen  ,  beim  Herannahen  der  Kis/eil  sicli 
sildwiirls  zurilekzogen  und  deshalh  fossil  in  dem  Pliocan  von  Sieilien ,  Siid- 
ilalien  und  Griechenland  ^cfunden  \\crden.  \\iilireiid  sie  am  Ende  des  Kis/cit 
\\ieder  nach  Noi'den  wanderten  und  heute  Nviederum  die  hritischen  Meere  l>e- 
\\nlinen. 

l»as  I'liociin  Italiens. 

In  [(alien  lehnen  sich  unterpliociino  Schichten ,  welche  dort  unter  der  He- 
/eirlmimi:  Suba pe nni nf ormation  zusammengefasst  worden  sind.  an  beide 
Seiten  der  Apenninen  an.  Sie  filhren  zwar  meist  mediterraneTsclie.  jedoeh  aneli 
x.ahlreielie  tropisehe  Molluskenformen,  \velche  den  Geschlechtern  Conns,  (Xpraea. 
Strombus,  Pyrnla,  Mitra ,  Fasciolaria,  Sigaretus,  Delphinula,  Aneillaria ,  Oli\a. 
Terebellum,  Terebra,  Perna,  Plicatula  und  Corbis  angehb'ren.  Die  gleicli/eiti^e 
Flora  hat  aus  jetzt  auf  Madeira  uud  am  Golfe  von  Mexico  heimischen  Ptlanzen 
beslanden.  Zu  den  jilngsten  Uberhaupt  bekannlen  Tertiiirschieliten  gehb'ren  die 
oberpliociinen  Ablagerungen  Siciliens.  Sie  sind  reich  an  Korallen  und  Conchy- 
lien,  welehe  ihrer  bei  Weitem  ilberwiegenden  Mehrzahl  nach  noch  heute  das 
Mittellimdische  Meer  bewohnen,  indem  von  142  Species  nur  11  noch  nicht 
lel)end  nachgevviesen  worden  sind.  So  breiten  sich  auf  den  Gebirgen  Siciliens 
lia'nke  von  Ostrea  edulis,  sowie  solche  der  gewbhnlichen  MtttelmeerkoraUe, 
Caryophyllia  caespitosa,  aus,  wahrend  andere  Kalksleine  von  Pecten  Jacobaeus 
gan/  angefilllt  sind  Diese  pliocanen  Schichten  erreichen  auf  Sieilien  tlber 
600  M.  Maehligkeit,  sind  trotz  ihres  geriugen  Alters  700  bis  1000  M.  hoch  ge- 
hoben  worden,  bilden  ganze  Gebirgszllge,  wechsellagern  mil  Tuflbildungen. 
\\erden  \on  Lavagiingen  diirchsetzt,  kunj  bieten  Erscheinungen  dar,  deren 
Sludium  ganz  tihnliche,  aber  vielfach  missgedeutete  Verhaltnisse  palaeozoisclier 
Formationen  in's  klarste  Licht  setzt.  Trolz  der  fast  vollkonunenen  Indentitiit  des 
organist-hen  (Jesammleharaklers  dieser  Sc'.ichlen  und  des  jetzigen  mittellandi- 
schen  Meeres  hat  sich  doch  s<>it  ihrer  Ablagerung  der  ganze  10,000  Fuss  hohe 
Aetna  auf  ihnen  langsam  aufgebaut,  ein  Vorgang,  der  sicherlich  \iele  Tausend 
.lahre  in  Ansprnch  genommen  hat. 

Dem  jlingslen  Terliiir  gehbren  endlieh  gewisse  Conglomerate ,  Sande  und 
Thonablagerungen  Californiens  an,  welche  zu  den  interessanteslen  Erschei- 
nungen  <lieses  an  geologisehen  Wundern  so  reichen  Landes  gehbren.  Es  sind 
dies  die  Absiit/e  eines  pliocanen  Flusssyslemes,  (lessen  Hauptslrom  sich  direct 
am  Fusse  der  goldreichen  Sierra  Nevada  ein  weiles,  tiefes  Belt  eingeschnilten 
hatte.  In  letzlerem  haufton  sich  miichtige  Schichten  von  aus  dem  nalien  (io- 
birge  >t;immendem  Gerblle  und  unler  diesen  bedeutende  Ouantitaten  von  (lold 
an,  welche  sich  in  Folge  einer  durch  die  sich  bewegenden  Gewasser  beding- 


ten  naliirliehen  Anfbereilnni:  aid'  dem  Boden  des  Hnssbettes  eoneentrirten. 
Am  Kmlt>  der  Tertiiir/eit  fanden,  wie  an  vielen  anderen  Stellc  der  Krdkrusle, 
so  in  Californien,  bedeutende  lli>bung»Mi  stall,  \velche  namentlieli  die  Sierra 
Nevada  l>etrafen  und  in  Folgr  deren  das  damalige  Fliisssxstem  \oni  Fusse  des 
Gebirges  writer  nacli  \Yesten  in  die  Kbene  \erset/t  and  sein  eliemaliges  Bette 
trorken  j:H«'gt  \\urde.  Zugleich  aber  ergossen  sich  I.a\astrUine  aus  den  nahrn 
VulkantMi  und  foliitcn  den  V'lussrinnen,  so  dass  auf  den  GerOilablagerungen 
nijiditiiie  Dockcii  \on  basaltischen  und  trachytischen  Gesteinen  aufgethUnnt 
\\nrdtMi.  Die  von  dor  Sierra  Nevada  dein  neuen  Hauptstrome  ,  dem  Sacra- 
mento, xulliessenden  Ge\\iisser,  kreutzten  auf  ihrem  Wege  jenes  alte  Flussbrtl 
und  \vuhlten  sich  tiefe  Schluchten  quer  durch  dasselbe  ,  an  deren  Abhangen 
naiuenllich  an  denen  des  Yuba- 
Thali-s)  Vorhaltnisse  zu  Tage  treten, 
\vie  sie  in  Iteit'oluendem  Profile  Fig. 
:*()('»  \viederuegeben  sind.  In  dem- 
selben  bedeutet  a  krystallini- 


o     i    •     e  i    i          r       \l  Fig    3(Xi  v  Prof  il  der  ,,B1  ne  Lead  ". 

S  C  h  e    O  Oft  16  1  e  f  ,     NN  eiCne    Uie  AD-  Tertiire  goldfuhrende  Flussgerolle  b  ;  LavadeoVe  c  ;  am  Buckeye 

hiin^e  der    Sierra  Nevada    zusam- 

mensei/.en:  b  GerOlle,  welche  durch  ein  kieseliges  Cement,  zum  Theil 
aueh  dnrrh  Sch\\efelkies,  zu  eiuem  sehr  festen  Conglomerate  (siehe  petro- 
graph.  Geol.  70,  e)  verkittet  und  namenllich  in  ihren  untersten  Lagon  reidi 
an  hirseukorn-  bis  nussgrossen  Rollsliicken  von  Gold  sind.  Lelztere  sind  an 
einzelnen,  aus  weichen  Talkschiefern  bestehenden  Stellen  des  Flussbettes 
inosaikartig  in  den  Untergrund  eingetritben.  Zvvischen  den  Gerbllen,  und  ihnen 
unUTgc-ordiiet,  sind  Sande  und  Thone  eingelagert,  welche  verkieselte  und  vei  - 
k.ihlte  Baumstamme,  BlatUibdrUcke,  sowie  Knochenlheile  von  Hippopotamus  und 
Mastodon  uinschliessen  ;  c  saulenfbYmig  abgesonderte  Basal  tlav  en,  Tafelberge 
bildend. 

In  neuester  Xeil   hat  einer  der  grundlichsten  Kenner  tertiarer  Conchy  lien, 
C.   K.  Ma\er   in  Zurich  ,    die  Terliarbildungen    in   folgende  Stufen   oder   Etagen 
gegliedert: 
I.   Eocan. 

I  Soissonische  Stufe.  Sand  und  plastischer  Thon  von  Soissons;  die 
nnteren  Sandc-  und  SUsswasserkalke  von  Rilly  im  Pariser  Beckon  und  der 
plastische  Thon  im  Pariser  Becken. 

i  Londonische  Stufe.  Thon  von  London;  obere  Thone  mil  Braun- 
kohlen  von  Meudon  im  Pariser  Becken;  Meeressand  von  Cuisse  Lamolte; 
Nuniinulitenschichten  der  obere  n  Garonne. 

3)  Pariser  Slafe.  Grobkalk-Gruppe  von  Paris,  die  Sande  und  Thone 
von  Bagshot  und  Braekleshain  unfern  London:  Nummuliten-Bildung  der  Can- 
tone  Sch\\  \/.,  Glarus,  Appenzell;  Nummulitenschichten  von  Kressenberg  in  den 
l»a\erisrhen  Voralpen. 

i  liartonische  Stufe.  Barlonthon  und  -Sand  auf  der  Insel  Wighl, 
SUssvv  asserkalk  von  St.  Queu  und  Sand  von  Beauchamp,  Nummulitenbildung 


<|»T   Riilligonslorke    uini    ill   llalien,     Wiener  Sandslrin   /uni   Tlicil :     obrre   Niiin- 
iimlilrn    \ini    Uiarrit/. 

II.  Oik' or;  ill. 

5)  Ligurische    Stufc.      Mccrossand    von    Lethen    in    Hcl-icn .    nlx-rsir 
iHrmbridge-  undOsbornc-)   Schichlon  des  Londoner  Beokens :    S.md   \nn   Kp-ln  ; 
Braunkohle    dor    Mark;    Bernsleinformation;    Bohnerzablagerungen   von  Kamlcm 
in    Hadrn ,    von    Frohnslellen    u.    a.    0.    in    WUrtemberg ,    von   Egerkingcn,    La 
Sarraz    u.    a.   0.    in   dor  Schweiz ;    Gyps   von   Montmalre;    Flysch    dor    Appen- 
/ollor  Berge;   Macigno  dos  Apennins. 

6)  Tongcrischc    Stufe.      Thon    mil  Cyrena    convexa    bei    Tongern     in 
Bolgien ;    Septa rienthon    in    Belgien,     bei   Kreuznach    und    in    Norddcutschland : 
Mceressand    von    Weinheim;     Meeresniolasse    von    Basel,    Pruntrut,    Delsberg. 
Untere   Blatter-   und  Meeresmolasse    in   Bayern.      Astericnkalke   von    Bordeaux, 
untere   Ahlhcilung  des   Sandsteines   von  Fonlainebleau.     Nummulitenkalke   der 
Diablerets  und  Dent  du  Midi. 

7)  Aquitanische   Stufe.     Untere  Braunkohlenbilduug   von    hohen  Rho- 
ne n ,    rothe  Molasse    voin  Rigi.     Cyrenen-Schichten    von    Mainz    und    von  Siid- 
ba\ern.       Niederrheinische    und   Westerwalder    Braunkohlenformation.      Untere 
Faluns   bei  Bordeaux.     Obere   Abtheilung   des   Sandsteines    von  Fontainebleau. 
Braunkohlen  von  Radoboj  und  Sotzka. 

III.  Miocau. 

8)  Mainzer    Stufe.       Cerithien-    uud    Landschneckenkalk    von    Mainz. 
.Marine  Bildung  von  Baselland,  Frickthal,  Randen.     Graue  Stisswas'ser- Molasse 
von  Lausanne,    Develier;    Saude  von  Loibersdorf,    Grund  u.  a.  0.  iin  Wiener 
Becken.     Siisswasserkalk   von  Ulm,    Zvvfefalten   in  Wilrtemberg,    Kleinkems    in 
Baden ;     Brauukohlen    von    Kaltennordheim ;     Gelbe    Sande    von    Saucats    und 
Bordeaux;  Kalk  von  la  Beauce. 

9)  Helvetische    Stufe.      Muschelsandstein    und    subalpine    Schweizer 
Molasse    von    St.    Gallen,     Bern,    Belpberg;    Muschelkalkstein    von   GUnzburg ; 
Litorinellenkalk    im    Mainzer    Becken;     Gerithienschichten    und    Leithakalk    iin 
Wiener  Becken;  oberste  Schichten  der  Faluns  bei  Bordeaux;   SandsteinfindliogQ 
von  Schleswig-Holstein  und  Mecklenburg. 

10)  Tortouische   Stufe.      Blaue  Mergel    niit  Couus    canaliculatus    und 
Ancillaria    glandiformis    von  Tortona ;    obere  SllssNvassennolasse   der  Schwciz ; 
Oeningen;   Braunkohlenbildungen  von  Schossnitz  in  Schlesien  und  in  derRhon: 
Knochensand  von  Eppelsheim   im  Mainzer  Becken;    Inzersdorfer  Schichk'n    und 
Belvedere-Schichten  im  Wiener  Becken. 

IV.  Pliocan. 

H)  Piacentische  Stufe.  Blaue  Mergel  von  Castellarqualo  u.  a.  0.  im 
Piacentinischen ,  im  Modenesischen ;  blaue  und  gelbe  Mergel  von  Callanisetti, 
Miletello  in  Sicilien;  rother  und  Korallen-Crag  von  Suffolk. 

12)  Astische  Stufe.  Gelbe  und  blaue  Sande  von  Asti  u.  a.  0.  in 
Piemont,  von  Modena,  Toscana;  Crag  mil  Saugethierknochen  von  Nor\\ich: 
Kalk  \o!i  Mcssiiui. 

Einiges  iiber  die  geographische  Verbreitung  des  Tertiar.    Tertiar- 


i'.M 


iil.limerunucn    sind  auf  alien   Contineiilcn    nachuc\\  icscn.      In    Knropa   spielen    sic 
deshall.  t-lnc   sehr  wichlii-c   uncl   au-enfalli^e   Kolle,    ueil   sir   niehl    \%  ie   in  Nord- 
amerika    auf   die    Kiistenstriche    beschrankt    sind.    sondern    in    Fnlge    der    liefen 
Muchlcn   und   Strassen,    duivli   \\elche    unser  Continent    \\iilnvnd    der  Terliiir/.eit 
in   eine    Inselgruppe    gegliederl    Nvar.     an   dem    Haue    and.   der  central.'..    I'arlien 
des  beutigen    Fesllandes    theilnel.n.en.     Die   ganze   norddeutscho    Niederunu    isl 
ein  BiisammenhSngendep,   freilieh  zum    Theil    von   noch  jUngcren   Gol.ilden    be- 
deektes    Tcrliiirland,    welches    iin  SUden  mil  dem    Terliiirbecken  des  nb'rdlichen 
Hnhmens,   iin  Osten  mil  der  polnisch-russischen,    sich  bis  zum  unleren  Dnieper 
ausdebnenden  Tertiiir/.one.    i.n  Western  init    den    belgisch-holliindisehen    Tei-liiir- 
;lhla-»-ninut-n    /nsannnenhiingt.     An    lotztere   schliesst  sich   das  nordfranzosiscl.,- 
Terliarheekeu    an.    welches    sich    vom   Canal   aus    in    sUdiicher    Richtung  Uber 
Piiris  nnd  Oi-l.'ans  bis  an  das  Granitplateau  Central frankreichs  erstreckt,   von  der 
Seine  und   Loire  entwHssert,    und   rin-s  von  den  Schichten  der  Kreide  umgtirlet 
uird.     Auf   der   anderen  Seite  des  Canales  trelon  iin   siidosllichen  Theile  von 
Kn-land  auf  beiden  Hern  der  Themse,   sowie  auf  der  Insel  NViiihl  und  in  dem 
•ie-ienilber    lieiienden     Hampshire    Tertiiirizel)ilde   auf,    in    welchein    sich    grossc 
Ahnlichkeiten    inil   den   franzosischen    nicht    verkennen    lassen.     Im    sUdlichcn 
1  iMiikivich  bestehl  die  iian/e  Niederung  zNvischen  dem   Centralplateau  und  den 
I'Nivnaen,  sowie  ein  Theil  dieser  letzteren,    also  das  Flussgebiet  der   Garonne, 
aus    Nicderschla-en    eines    Tertiarmeeres,    welches    eine    directe    Verbindung 
/wischen  dfHn  Atlantischen  und  Mittelliindischen  Meere  herstellle.  Von  der  heu- 
ligen  MUndung  der  Rhone  aus  ziehen  sich  Tertiiirablagerungen  den   Osten    und 
Norden    der    Alpenkette   entlang    von   Marseille  Uber    Genf   und    MUnchen    bis 
Wien,    fUllen    den    weiten   Raum   zvvischen  Alpen    und   Jura  aus,    bildon    die 
uanze  Hoehebene  zwischen  ersteren  und  der  Donau  und  nehmen  einen  bedeu- 
tenden  Anlheil  an  dem  Aufbaue   der   ostlichen    und  nordlichen  Yoralpen.     Da, 
wo  heuu-  Wien  liegt,  breitete  sich  der  von  dem  Golfe  von  Lyon  bis  dahin  ver- 
folitfe  tertiiire  Meeresarm  zu  einein  \veiten  Seebeeken  aus,  welches  ganz  Miihren, 
rnuarn  und  SiehenbUrgen,    einen    Theil    der   spateren   Karpathen   bedeckte,    so 
dass  sich  nur  ein/.elne  Partien  der  letzteren  Uber  seinen   Spiegel   erhoben  und 
\\cldies   noch    Nveiter  nach  Osten  mil  dem    sUdrussischen  Tertiiirmeere  in  Ver- 
ImiduiiL:    stand.      Dieses   sel/.tc   /Aveifelsolnie    (lurch    ganz   Centralasien    bis  nach 
China   und  Japan  fort.     Auch  an  die  SUdabhiinge  der   Alpen    lehnen    sich  Ter- 
lijiriiebilde  ,m.    untcrleufen  die  ganze  Poniederung  und  erheben  sich  im  Stlden 
derselben  /-ii  dem  Apenningebiri-e.   \\elelies   in    seiner   Erstreckuug    von    Genua 
bis    Ancon.i.    ebenso    %vie    die   gegenUberliegende   Dalmatische    KUste    ganz    aus- 
schliesslicli,    in   seinem   sUdlichen    Verlaufe   zum  grossen    Theile  aus  Tertiiir  ge- 
bildct  \\ird.     Audi  an  der    Zusainincnset/.uni;  Griechenlands,   Siciliens  und  der 
p\reniiischen  llalbinsel  nehmen  Tertiiirgebilde  einen  wichtigen  Anlheil. 

Die  Verbreilung  des  Tertiiir  auf  dem  nordamerikanischen  Continente  ist 
cine  \\eil  einfachere  und  leichter  zu  Ubersehende.  Es  bildet  die  schmalen 
iliicluMi  KUstenstriche  des  atlaulischen  Oceaues  von  der  Nahe  von  New-York 
aus  (lurch  New-Jersey,  Maryland,  Virginia  und  die  beiden  Carolinas,  wendel 
sich  dann  direct  urn  die  sUdlichen  Auslaufer  der  Alleghanies,  breilel  sich  aus. 


•192  VI.    Ilistorisrlit'   (i 


bi|det  den  Untergnind  eines  grossen  Theiles  dci-  Staaten  (ieoruia.  Alabama. 
Louisiana  mid  Texas,  mid  ziehl  sich  den  Mississippi  entlani:  in  nbrdlirher  Hirh- 
tmiii  his  zu  dem  Theile  des  stidlichen  Illinois,  wo  Ohio  und  Mississippi  zu- 
sammenfliessen.  In  ganz  iihnlicher  Wcisc  bildel  es  die  den  Staaten  Arizona, 
California  mid  Oregon  angehOrigen  Ktislenslriche  des  stillen  Oceanes.  Im  In- 
nern  des  Continenles  finden  \vir  keine  marinen.  dahinizeiien  selir  au«j_'edelmte 
brakische  und  Sdsswasserablagerungen  von  terliiirem  Alter.  Dieselben  nelnnen 
weite  Areale  am  Oslabhange  der  Rocky  Mountains  ndrdlich  und  sUdlich  vom 
oberen  Missouri  ein,  sind  nanientlich  in  den  Mauvaises  Terres  am  White  River 
ausserordentlich  reich  an  Siiugethierresten,  so  an  solchen  von  Mastodonten, 
Rhinoceros,  Elephas,  Cervus,  Equus  uud  mehreren  Arten  des  Katnels. 

Eili  ganz  besonderes  Interesse  haben  die  Tertiarablagerungen  der  arkli- 
schen  Gegenden.  Gr  on  land,  heute  zum  grbssten  Theile  von  Gletschern  be- 
deckt,  besass  noch  wiihrend  der  Tertiiirperiode  einen  so  tippigen  Pflanzen- 
wuchs,  dass  sich  dessen  Reste  zu  bis  3  Meter  miichtigen  Braunkohlenflol/.eii 
anhaufen  konnten.  Eine  Anzahl  der  damals  in  Gronland  einheimischen  Pflan- 
zen,  so  Sequoia-,  Taxodium-,  Quercus-,  Juglans-  Arten  sind  identisch  mil 
miociinen  Fornien  Deutschlands  und  der  Schweiz.  Ebenso  erzeugten  Inseln 
des  arklisch-amerikanischen  Archipels,  Nordcanada  ,  Island,  die  Baren-Inseln 
und  Spitzbergen  wiihrend  der  Tertiiirzeit  eine  kraftige  Flora,  \velche  Ahnlich- 
keit  mil  der  miociinen  unserer  Breiten  hat.  Aus  dem  frilher  Gesagten  siehe 
pag.  461)  wird  es  freilich  wahrscheinlich  ,  dass  diese  arktische  Pflanzenwett 
alter  als  unser  mittel-  und  slldeuropaisches  Miocan  ist,  da  sie  auf  ihrer  durch 
die  Abkilhlung  der  Erde  bedingten,  nach  dem  Aequalor  gerichteten  Wanderung 
erst  dann  nach  stidlichen  Breiten  gelangte,  als  sie  bereits  lange  Zeit  aus  der 
Polargegend  verdrangt  war.  Es  steht  jedoch  fest,  dass  in  den  alteren  Zeitab- 
schnitten  des  Tertiar  in  den  arktischen  Regionen  ein  Uppiges  Pflanzenleben 
gedeihen  konnte. 

Die  Lagerungsverhaltnisse  der  Tertiarformation  sind  in  dem  bei  Wei- 
tem  grbssten  Theile  ihres  Verbreitungsgebietes  die  ursprUnglicheu,  also  flach 
t«llerfbrmigen  geblieben,  hbchstens  sind  in  Folge  des  Austrockenens,  der  Zu- 
sammenpressung  und  somit  Volumenverringerung  \\asserreicher  ,  lockerer 
Schichtensysteme  und  in  Folge  daraus  hervorgehender  Senkungen  und  Spalten- 
bildungen  Verwerfungeu,  Knickungen,  Biegungen  und  Stauchuugen  der  dar- 
Uber  liegenden  Complexe  eingetreten.  Ganz  anderer  Art  aber  sind  die  La- 
gerungsverhaltnisse  der  Tertiarschichten,  welche  in  dem  Bereiche  der  inten- 
siven  und  unregelmassigen  Hebungen  zum  Absatze  gelangten,  aus  denen  im 
Verlaufe  der  Tertiarzeit  nicht  nur  die  hbchsten  Gebirge  Deutschlands,  sondern 
tlberhaupt  des  ganzen  Erdenrundes  hervoi-gingen.  Eines  der  grossartigsten 
Beispiele  der  Wirkung  vulkanischer  Krafte  wiihrend  verhallnissmiissig  jiingster 
Zeitriiume  liefert  die  Betheiligung  des  Tertiar  am  Aufbaue  der  ndrdlichen 
Alpcnkette.  An  diesem  haben  namentlich  die  Schichten  der  eociinen  Gruppe. 
di<-  Nummulitenkalke  und  der  Flysch,  aber  auch  die  der  Molasse  theike- 
nommen  und  sind  durch  die  emporgedriingte  Cenlralkelte  der  Alpen  nichl  nur 
aufgerichtet  und  gefaltet,  sondern  ilberstttrzt,  durcheinander  geworfen  und  bis 


VI.    Ilistonsrlx-  C.rnlo^ie. 

/u  mehr  als  3000  Meter  Ubcr  den  Meeresspiegel  gohoben  worden.  Die  <",ipfel 
des  Dent  du  Midi,  des  Niederhorn.  der  Ualligsto'cke,  der  Diablerels,  des  Griin- 
ten.  des  Rigi,  des  Speer  u.  a.  beslehen  aus  tertiiiren  Gesteinsmassrn. 
noc-h  merkwttrdiger  sind  die  Lagerungsyertjaltaisw  der  subalpinen  Tertiarzone, 
seiche  .lie  llod.ebene  und  das  Hugellaiid  im  Norden  der  Alpen  znsannnen- 
set/t.  \\alirend  nehiulich  die  Molasseformalion  in  grosserer  Entfernung  von 
dein  Hochgebirge  zietnlich  horizontal  gelagert  ist,  so  zeigt  sich  in  dein  Abstain!.' 
\<»n  etwa  einer  Meile  eine  antiklinale  Knickung,  also  ein  giebelformiger  Sattel, 
weleher  vom  slidlichen  Bayern  aus  durch  die  ganze  Sehweiz  verfolgt  werden 
kami.  Der  nach  SUden  einfallende  FlUgel  dieser  Antiklinale  schiesst  steil 
.inter  die  Kreide  und  Jurakalke  der  nttrdlichen  Voralpen  ein.  Diese  Erschei- 
1111111-  liisst  sich  nur  durch  die  Annahme  eines  von  der'Centralzone  der  Alpen 
ausgehenden  Druckes  erklaren,  in  Folge  dessen  die  bis  dahin  flach  gewolbten 
Kalkschichten  der  nOrdlichen  Alpenkette  eng  zusamrnengepresst  und  uber  die 
davor  liegenden  tertiiiren  Kiistenbildungen  gesehoben  \vurden. 

Auch  in  den  Pyreniten  sind  eoeiine  Schichten  ini  Vereine  mil  der  Kreide 
\on  ausserordentlichen  Hebungen  betroffen  worden  und  steigen  zu  so  bedeu- 
l.-ndfii  Hbhen  empor,  dass  selbst  ein  Theil  des  hochsten  Gebirgskammes ,  der 
'IVcmiuouse,  der  Mai-bore  (10,584  F.),  sowie  der  Mt.  Perdu  (10,676  F.)  aus 
ihneii  bestelit.  Da  die  Miociinablagerungen  am  Nordabhange  der  Pyreniicn 
horizontal  auf  den  steil  aufgerichteten  Eocanschichten  liegen,  so  muss  die  let/le 
und  z\\ar  bedeutendste  Hebung  des  Pyrenaengebirges  in  die  Zeit  zwisehen 
Knrim  und  MioeiSn  fallen.  Endlich  ist  auch  die  Schiehlenstellung  der  cociinen 
(lesteine  in  den  Kaipatlu'H  dun^hgiingig  eine  steile  und  so  mannigfarli  gesliirle, 
dass  die  ursprUnglich  regelmiissige  Aufeinanderfolge  der  einzelnen  Gliedei-  /u 
erkennen  nieht  moglich  ist. 

Arulkanische  Ei-scheinungen  wiihrend  der  Tertiiirperiode.  Im  Ver- 
laufe  der  triassisclien,  jurassischen  und  eretaci'ischen  /eitalter  fanden  Dmrli- 
l.riiche  gluthllUssiger  Gesteinsmassen  nur  ausnahmsweise  statt  und  waren  dann 
anf  \crhaltnissmassig  kleine  Territorien  beschrankt.  Anders  in  der  Tertiiir- 
periode. In  ihrem  Bereiche  ist  die  Erde  fast  Uberall  der  Schauplatz  gross- 
arlig«-r  \ulkaniseher  Eruptionen  gewesen,  deren  Producte  durch  ihre  enge  Ver- 
knilpfung  mil  der  sedimenliiren  Schichtenreihe  und  ihre  allgemeine  Verbreitung 
an  die  gan/  iihnlichen  Krscheinungen  wiihrend  der  iilteren  palaeozoischen  und 
der  diassisclxMi  /eitalter  erinnern.  Die  Eruptivgesteine  dieser  Perioden  waren 
Diabase  und  darauf  Porphyre  und  Melaphyiv.  die  des  Terliiir  sind  die 

TrarliNtr  und  Basalte.  Mil  ihnen  beginnt  die  grosse  Reihe  jener  eruplixen 
Bildungen.  welche  durch  die  gauze  tertiiire  Periode  hindurch  bis  auf  den  heu- 
tigen  Tag  aus  dein  Erdinnern  hervorgetreten  sind;  die  Laven  und  AuswUrf- 
linge  unserer  Vulkane  schliessen  sich  auf  das  innigste  an  die  Eruptionspro- 
ducte  des  Tertiiir  an. 

Die  petrographischen  Verhiillnisse  der  Trachyte  und  Basalte,  sowie  der 
trachytischen  und  basaltischen  Uiven  sind  in  einem  frUheren  Abschnitte,  in 
der  pelrograph.  Geologic  sub  43,  44,  45,  46,  47,  48,  49,  50,  51,  52,  •",:{, 
54,  -••)")  niid  79:  ihre  Lagerirngsformni  in  den  Ca])iteln  Uber  archilekloniscli.- 


494 


\  I.     Ill-tin  i-rlir 


Geologic    p.m.    ;>57   bis    :?.">!  ;   ilnv   Eruplionserscheitrangen    in    dcm    Absclmiite 
ilbcr    dxnamische   Geologie    (pag.     116),     ihre     Beeinflussung    dcs     henachharlcn 
Nebengesteines   in   dcm    1'aragraphen   fiber   Gontactmefamorphisnius     pag.    I'-'i 
abgehandelt    \\orden,     es   blcibl    soniil     nur    iibrig.     die   Verbreilung    dieser    Ge- 
.slciiisgriippen   in  ganz  kur/en   Unirissen   an/.ndeuten. 

Als  uns  x.nniiclisl  liegend  /.ielit  die  ce  n  I  r;i  I  e  u  ro  p  ii  i  s  c  he  /one  von 
terliiiren  Erupli\ges(einen  unser  H;iii|)linleresse  auf  sich.  Dieselbe  beslelil  ;nis 
folgendcn  Gruppen  \on  vnlkanisehen  Produclen  .  \\elehe  in  Hirer  Gesamtnlheil 
eine  ausgcdelmle,  iin  flrossen  und  GnnzcMi  von  Weslen  nach  Osten  izerichleie. 
einslni;dii;e  Vulkanon/one  reprjiscntirt : 

1)  Die    Masidt-,     Trachyt-   und  Phonolithkuppen,     so\vie    die    rinpforniiiieii 
o«ler  seillicli   iieolVnelen   Stratovulkanc,    die  Schlackenberiie.    die  /nin   Tlieil    \on 
\\  ;isser  pofilllten  Maare,    sowie  die  Lavaslrijnie  der  Eifel,     dei'en   Malerial  die 
Seliielilen  dcs  Devon  und  des  stelleimeise   horizontal  dariiber    izelaiierten   Bunl- 
saiidsteiiies  durchbrochen  hat. 

2)  Die    Kuppen    von    Noseanphonolilh,     die  Kralere,     Sehlackenber;;e  und 
LavaslriJino,    die  TufTbildunijen  und  Aus\\ tlrdiniie  der   Umgebuntz  des    Laa- 
cher    Sees.      Dieses    ausgezeiehnele  Vulkanengebiet  verdient  ein  elwas   niihe- 
res  Kingehen.     Es  besitzt  einen  ungefahren  Durchmesser  von    2!/2  Meilen    und 
\\ird  durch  seine  grosse  Zahl  wohlerhaltener  Slralo\ulkane  and  Schlaekenberge 
eharaklerisirt.     Diese  umgeben  den  Laacher  See  von  alien  Seiten  und  sind  auf 
die,  jedoeh  bereits  lange  Zeit  vor    ihrer  Eruption    sleil  auf;zerichteten  Schichten 
des  Devon  aufgesetzt.     Sie   bestehen,     wie    dies    z.  B.   der  Bausenberii      lloch- 
sininier  und  die  Kunkskopfe  in  hb'chst  instruotiver  Weise  erkennen   lassen.   aus 
aliueehselndcn ,    rohen    Lagen  von  groberen  oder  feineren  Auswilrflingen,     von 
der  gewaltigsten  Bombc  herab  bis  zum  feinsten  Schutl,  vulkanischen  Sehlaeken 
und  Laven,   besitzen  zum  Theil  scharfrandige,    seitlich    geoffnete,    steile  Kraier- 
kessel,     aus    deren   manchen    Lavamassen   geflossen   sind    und   sich    ••ntweder 


Fig.  307.    Profil   dea  Hochsimmer-Vulkanes   und   seines  Lavaatromos. 
a  Devonische  Thonschiefer;   b  Braunkohlc;   c  Hochsimtncr-Ynlkan ;   d  Lavastrom. 

stromartig  bevvegt  oder  deckenarlig  ansgebreitet  haben  (Sielu-  Fig.  M7).  An- 
dere  der  dorligen  Vulkane  sind  kraterlose,  kegel-  oder  rtickenformige  Schlaeken- 
bei'ge  so  der  Herchenberg  und  Langenbei'g),  \velehe  jedoeh  ebenfalls.  wie  der 
(lainillenberg,  mil  Lavaslroinen  in  Verbindung  slelien  konnen  ;  und  endlich  noch 
andere  sind  homogene  Kuppen  von  Noseanphonolith  (Olbrtlck ;  Schilkopf).  Als 
.Maare  betrachtet  man  den  Laacher  See  und  das  Kesselthal  von  Wehr,  deren 
ersterer  geschlossen  und  daher  mil  Wassei'  gel'ullt  ist.  \\iihrend  letzteres  einen 
nalUrliehen  Ablluss  und  deshalb  nur  einen  sumpfigen  Boden  besit/.t.  Eine 
grosse  Ausdehnung  und  Miichtigkeit  erreiehen  die  Tuffbildungen  im  Laacher 
Territoriuni.  Es  sind  dies  Sehlaeken-.  Traehvt-.  Birnsstein-  und  Leuciltufl'e. 


VI.    Hislorisdie   Ueolo^ie. 


das 


Fig>m  Profi,  durcll  ,,as  BrohUi,ai. 

n  prvonischo  Thonsehipfer;   b   Trass-  (I)nrk- 
stein-)  Torrassen. 


Krstere  bestehen  aus  ineisl  losen  kleinen  Sliickchcn  \on  pordser  .  blaster 
Sohlaeke  mil  y.ahlroichon  Auuilknslallen  ,  (iliininerlafeln  ,  sellencr  mil  Olivin 
ndcr  Hornblende,  umsehliessen  >or»lasle  Urndisliieke  \<m  devonisehen  Sdiie- 
I'ern  inul  Sandsteinen,  sow  ie  (Jranil  und  Gneiss,  und  weeliseln  mil  dUmien 
Lageii  erdiuen,  liehtgelarblen  Tulles.  Spiiteror  Knlstelimig  als  dieso  sind  die 
Bimssteintuffe  und  I.eueiltulle.  Lel/tere  haben  ihiv  HaiiplvcrlnviUiii-  jiuf  dcr 
Iliilic  dcs  F.JUK-IHM-  Dcvon-PlakNius,  rrstorc  hiniii^on  (Trass  -cnannl)  liildcn 
\.nv.iliilich  imuM-lialh  d.-s  N(>llclliaU\s  .  drs  Hrohltlialos  und  seiner  Nchcnthiilcr 
Ablagerungen,  \\rlclir  dir  Thalsghlo  in  lu'dculcndcr  Marhliirkcil  hcdcckcn.  Da 
jcdocli  das  Kaclihrtl  in  sic  ciniicschnitUMi  ist, 
Uvtrii  sic  nur  in  Form  holier  Terrasson  an 
don  hoidcrscitition  Ablianiicn  auf  (siclu-  Fiir. 
:?C-s  . 

tlbcr  die  ZciU-n  ,  in  \vclclu>  die  vulka- 
nisrlitMi  Kreiiinisse  dcr  Laachcr  (legend  fallen, 
konnen  kcinr  /weifel  obwallen,  da  di 

(lorli'-e       Devon      local      ilberlanernde 

Hraunkdhlc  von  den  vulkanisclu-n  Produclen 
diiivhsi-1/.l  und  l.cdcekl  \vird,  da  fcrncr  in  den  LeueiltuiVen  Abdrilcke  von  millel 
lertiiiivji  PHan/en  erhaltcn  sind.  die  unteren  Schliickenlulle  von  Loss  ilberljii»erl 
NNcnlcn  und  endlirh  die  Hiinssleintuffe  auf  "LOss  aullie-cn  und  mil  ilun  wcd.scl- 
lap-ni.  Nirin-nds  isl  jcdoeh  ein  Lavaslroni  bckannt,  dor  auf  Liiss  au(lie-t,  so  dass 
diellilduiii;  der  Sdilarkenkralereund  Lavastrome  in  die  Zeit  zwisclienOliiiociin  und 
den  Liiss,  die  der  Trachyt-,  Leucit-  nnd  BimssteintulFe  hingejion  in  die  Abla- 
izeruiiiis/.eil  des  Loss  /u  fallen  scheinl. 

3)  Das  Siebengeb'irge,   eine  zusammenhiinuende  Gruppo  von  Tradi>l-. 
IMionolith-  und  Basaltbergen,    welche    von  Tuffen,    sowie  von  Basalt-  und    Tra- 
(•liNlnmL-lonierat    b.-iileitel   werden,     wiihrend    sich  auf    der    -e-cnilberlie-endcn 
Soile  di-s  Rheinos  hinter  den   Basallfclsen  von  Rolandseck  cin     llacher.     ausue- 
y.»-iehn.-l   rii^lnrnn-cr  Kraler,   der  Roderberg,   auf  von  devonischen  Sdiiehlen 
und   RlieinizerollaMaucrunizen   iiebildelein   Uiiteriirunde   erliebt. 

4)  Die  /ahlreirhcn  Tradi\l-.     IMionolith-    und     Basallberfje    des    Wester 
\\  aides,    weldic   iihnlich   wie   im  Sieben-cbirge    von  Basalt-  und  Trachyleon- 
i:loineralen    uniueben   \verden. 

5)  Das  Voizelsiiebirge.    ein   ilber   40   (Jua<lratni(>ilen  grosses  llochplaleau. 
aus  terrassenfonnig    Ulu-r    einander  ^elaiiertcn    Hasaltdecken    aiifgebaut  ,     welche 
/uineiM    auf    Trias,     xuin    Theil    auf    der    Braunkolilc    der    Wellerau    aufgelagerl 
sind.      NOrdlidt     \on    ihnen     set/en    basaltisdie    (lesteine     in     isolirlen     Kuppe.n 
bis  zuin 

(5)  Habichls\\ald  und  Meissner  fort.  Besonders  inslructiv  ist  das 
Auftreten  <L  rsclben  am  Meissner.  Hasalle,  wiederum  durchsctzl  von  noch 
jttngeren,  grobkiirniiien  Doleriten  ,  bilden  dort  eine  liber  100  Meter  iniidili-e 
Dccke  ilber  einein  Braunkohlenlldt/c.  Dasselbe  hat  im  Conlaclc  mil  dem  ba- 
saltisdien  (iesteine  cine  steniielige  Absonderung  und  eine  Umwandclunii  in 
Anlhracil  crliltcn.  Als  die  niirdlidisleii  Vorposten  des  Basalles  in  Deuls.'hland 


I '.Mi 


\  I.    llMoi  i^rlir    (icolo-ic. 


sind   die   Kuppen   /.ii   er\\;ilinen,    \velche   derselbe   ,un    Sollinger  Walde   norduesl- 
lich   von  Gb'ltiimen   bildet. 


:: 


Fig.  3t>0.    Profil  des  Meissners  in  der  Richtuug  von  West  nach  Os t. 
bS  Buntsandstein :  6.V  Buntmergel;   MK  Muschelkalk  in  drei  Abtheilungen ;  T  Braunkohlenformatinn ; 

D  Dolerit  und  Basalt. 

7)  Die  Rhb'n.  Ostlich  vom  Vogelsgebirge  bilden  auf  triassisehem  Unter- 
grunde  isolirte  Kuppen  von  Basalt  gemeinschaftlich  mil  Phonolith  (Milzeburg  , 
trachytisrhen  Gesteinen  und  Rasalttuften  (Eube),  die  von  SUden  gegen  Norden 
gerichtete  Kette  der  Rho'n,  deren  geologische  Fortsetzung  sich  in  Geslalt  cin- 
/.clni'i-  Rasallkuppen  und  -Gauge  bis  in  di(>  Niihe  von  Eisenach  PflasterkauU- 
rrstivckt  und  soinil  an  den  sddlichen  Fuss  des  Thilringer  W  aides  an- 
schliessl.  Diesen  entlang  selzen  isolirte  Basaltkegel  (Dolmar,  Gleichberge)  und 
Hhonolithkuppen  (Heldburg)  bis  an  das  Fichtelgebirge  und  (ll)ei1  dieses 
hinweg  iibcr  das  Erzgebirge  und  durch  die  sachsisch-bb'hmisclic  Scliweiz  forl, 
und  stellen  dann  die  Verknilpfung  mil  dem  grossen  vulkanischen  Gebietc  des 
nordlirhen  Rohniens  her. 

0  Das  nordliclie  Ro'hmen.  In  der  Gegend  von  Kger  mil  dem 
Schlackenberge  des  KammerbUhl  l)eginnend,  nehmen  Rasa  He  und  Phonolilhe  in 
der  (iegend  osllich  von  Carlsbad  einen  ansehnlichen  Fliichenraum  ein.  Viel 
inauuigfaltiger  jedoch  wie  hier  erscheinen  die  vulkanischen  (lesleine  der 
Tertiiirperiode  im  bbhmischen  Mittelgebirge  entwickelt.  Ks  sind  Phonolithe. 
Trachyte  und  Basalte ,  sowie  Rasaltcongloinerate  und  Tuffe,  welche  an  der 
Zusanunenset/unii  desselben  Theil  nehmen,  die  Rraiinkohlenformation  des 
l)iihinischen  Reckons  durchbrochen ,  gangformig  durchsetzt,.  dadurch  zu  inter- 
essanten  Conlacterscheinungen  Veranlassung  gegeben  und  sich  zu  imposanten 
glockeuformigen  Doinen  (Milleschauer,  Kletschenberg)  aufgethiirnit  oder  decken- 
artig  ;iul  dem  Tertiiirsandslein  ausgebreitet  haben. 

9)  Durch    das     Lausitzer     Gebirge     (Phonolithkuppe     der    Lausdie. 
Nephelindolerit  von  Lb'bau,    Basalt    bei  Friedland     selzen    die  lertiaren  Kruptiv- 
gesteine    Uber    das    Riese  ngebi  rge    bis    nahe    auf    den     Kamm    desselben 
(Rasallgange   in  den  Schncegruben'    bis  nach  Schlesien  hinein ,     wo   sie    die 
\ereinzellen  Basaltkuppen    bei    Goldberg,     Liegnilz,     Schweidnitz    und  Oppeln 
bilden.     Eine    Verbindung    z\\ischen    der    mitteldeutschen     vulkanischen    Zone 
und  den  vulkanischen  Gebielen    stldlich  von  den  Karpathen    \\ird   durch   zahl- 
lose,     das   Neocom    und    Eociin   der    Nordkarpathen    durchsetzende    Teschenit- 
Durchbrliche  vermittelt. 

10)  Die  vulkanischen  Gebiete    Ungarns  und   SiebenbUrgens  gehbren 
namentlich  der  Gegend  von  Schemnitz  und  Tokay,   tier  Malra   und  dem  sieben- 
bilrgischen   Er/gebii-ge  an.     Sie  /.eichnen    sich   durch   die    grosse   Mannigfaltigkeit 


VI.    Ilistorischc   Geologic.  497 

ilnvr  tr.iclntiselien  (iesteine  ;ius  .  unter  denen  die  Andesite  und  Quarztrachyte 
.11,'  l.edeutemUe  \Yrbrrituni:  besit/en.  An  die  Abfiille  und  Flanken  der  von 
denselben  -ebildeten  Ber-r  lehnen  sich  Hugel  von  Liparilen  an,  welehe 
\\iedermn  von  Perlit-  und  Obsidianstromen  und  -Decken  begleitet  werden. 
Trachvt-  und  Kiinssleintulle  und  -Conglomerate  umlagern  dieselben  und  breiten 
sich  in  der  Ebene  aus,  wo  sie  Abdrucke  von  oligociinen  Pflanzeu,  ferner  Holz- 
opal,  sowie  BraunkohlenflOtze  umschliessen.  In  den  Trachyten  SiebenbUrgens 
set/en  -old-  und  tellurfuhrende  Giinge  auf,  so  bei  Nagyag  und  Oftenbanya. 
Die  An^clioriuen  dieser  trachytischen  Gesteinsgruppe  haben  in  Ungarn  und 
Sirbrnbilrgen  die  horizontal  liegenden  Schichten  des  Eocau  durchbrochen  und 
werden  selbst  \vieder  vom  Basalte  durchsetzt. 

Ausserhalb  der  mitteldeutschen  vulkanischen  Zone  liegeu  im  sUdlichen 
Dentsehland  zerstreut:  die  Nephelindolerite  des  Katzenbuckels  im  Oden- 
\valdr;  die  Sanidin-Oligoklas-Trachyte  und  Phonolithe  des  Breisgaues,  wo  sie 
im  Kaiserstuhl  mitten  aus  der  Niederuug  zwischen  Schwarzwald  und  Vogesen 
lit>r\oitivicn;  die  Nephelinbasalte  und  Phonolithe  (Hohentwiel,  Staufcn  und 
Ilolu-nkriihen)  im  Tertiiir  des  Hegau,  begleitet  von  Conglomeraten  uud  Tuflen, 
U'tztt-re  mil  miociinen  Pflanzenresten ;  die  Basaltkuppen  der  rauhcn  Alp  und 
die  Spuren  edit  vulkanischer  Thatigkeit  (namentlich  Bomben  und  Tufle)  im 
Bieaibei  Niirdlingen. 

An  dieser  Stelle  kann  nur  angedeutet  vverden,  dass  die  vulkanischen  Ge- 
l.i.-tr  von  Central  - Frankreich  (Auvergne,  Velay,  Vivarais),  die  erloscheneu 
Vulkane  Gataloniens  ebenfalls  tertiaren  Alters  sind  und  dass  der  Beginn  der 
\ulkanisclnMi  Erscheinungen  der  apenninischen  Halbinsel,  Siciliens  und  Grie- 
rlH-iilaiuls  in  die  tertiiire  Zeit  fallt.  Derselben  Periode  gehoren  die  Eruplionen 
an,  aus  welchen  die  nordische  vulkanische  Zone  hervorging,  die  sich  von 
Ciriinland  aus  uber  Island,  die  Faer  Oer  und  Shellands-Inseln  bis  nach  Nord- 
scliolthind,  die  Hebriden  und  Irlaud  erstreckt.  Kornige  Basalle,  also  Ananu-- 
sit«-  iiinl  Dolerile,  walten  hier  vor,  sind  von  Tuflen  und  Conglomerate!!  begleitel, 
hildcn  \u-lfach  ucdiederte.,  gewaltige  Systeme  von  tlber  einander  licgi-ndiMi 
l).-(k»>n,  zeichnen  sich  uberall  durch  ihre  prachtvolle  saulenfonni^'  Abson- 
dciiini;  ;ius,  Uberlagern  an  vielen  Stellen  horizontal  gelagerte  Braunkolilcn  und 
iibrrhaupl  Terliiirschichlen,  und  werdeu  von  jUngeren  Basiilt-,  zum  Theil  anch, 
so  juif  Island,  von  Quarzlrachylkuppen  und  -Gangen  durchsct/t. 

Die  in  ihivr  Ausdrhnung  ohne  ihres  Gleichen  daslchende  Zone  von  zum 
urnsM-n  Tin-lit?  jelzt  nodi  tliiitiu«'n  Vulkanen,  wclche  sich  t'Urlcinirmig  rings  urn 
drii  stillen  Ocoan  zieht,  beslflit  nelien  den  neueslen  Produclen  vulkanischer 
Thiiliiikril  ;ms  den  niiinniirl'alli^slen  traclijtischen  und  basallisclien  (lebilden, 
deren  Krtiplion  in  die  Tertia'rzeit  liinein  reieht. 

Das  Diluvium. 

G«>g«Mi  den  Schluss  des  lerliiiivn  /rilallrrs  li;iUe  sich  die  Mrraiisbildiing 
der  Klinia/.oiien.  iihnlich  \\ie  solche  henle  nnsern  Krdball  in  fast  paralleleu 
Hiindeni  uniiiilrlrn ,  voll/ouen.  Die  (Irenzen  der  Tertiiirperiode  und  der  .let/t- 

Creduer,  Element*1  d.  Oeologie. 


VF.    Hi-lorisc-he 

zelt  wtlrden  lilterall  \er>ch\\  immeii  .  \\ie  es  /..  H.  irn  Siiden  I'iictiscli  der  hill 
1st.  wenn  die  damage  Yerlheilunjz  von  l.;m<l  und  Wasser  iiiclil  uanx.  eii:en- 
thilmliche  Erscheinungen  in  den  nordlichcn  Hreilen  des  damaliiien  Europas  mid 
Amerikas  /ur  Folue  gehabt  halte.  Der  lirb'sste  Theil  (ier  nbrdlichen  HalbkuL'el 
\\ar  nnch  \on  NVasser  bedeckt.  Von  dem  jetzigon  Europa  raute  nur  (lessen 
cenlrale  1'arlie .  \<>n  N'ordamerika  aucli  nur  ein  geringer  Theil  Uber  den  Mee- 
resspieuel  liervor.  Bei  der  Seheidung  der  klimalisehcn  Verhaltnisse  am  Schlusse 
der  Tertiiirzeit  bcthiitigte  sich  dieses  Uberwiegen  der  Wasserfliiche  ttber  das 
I cstland  in  der  Weise,  dass  die  kalte  Zone  auf  Kosten  der  geinassiutcn  eine 
grb'ssere  Ausdehnung  erlangte,  als  sie  jetzt  besilzt,  dass  also  damals  auf  der 
nb'rdlichen  Hemisphare  ahnliche '  Bedingungen  und  Verhaltnisse  herrschten ,  vvie 
heute  auf  der  sildlichen ,  wo  z.  B.  in  Stidamerika  Gletscher  in  der  Breite  \on 
Genf  bis  in  das  Meer  vordringen,  wiihrend  sie  in  den  Alpen  nicht  unter  iniio 
Meter  Hb'he  hinabsteigen.  Die  Zeit,  in  welcher  die  nbrdliche  kalte  Zone  in 
sildlichere  Breilen  reichte,  als  heutzutage,  wird  als  Eiszeit  bezeichnet. 

Europa  halte  damals  die  Gestalt  einer  schmalen,  von  Ost  nach  West  sich 
erstreckenden  Insel,  wiihrend  sich  Nordamerika  als  ein  langgezogener  schmaler 
Landslrich  in  nbrdlicher  Richtung  Uber  den  Meeresspiegel  erhob.  Das  ilbrige. 
mehr  als  die  Halfte  beider  jetzigen  Continente,  war  noch  vom  Meere  iilier- 
fluthet;  von  Europa  waren  es  namentlich  die  nbrdlichen  Territorien,  welche 
erst  spa'ter  Uber  den  Meeresspiegel  gehoben  wurden,  so  dass  sich  vor  Allem 
Norddeulschland,  Holland.  Diinemark,  Polen  und  Nordrussland  noch  unter  Was- 
serbedeckung  befanden. 

Das  siidliche  Ufer  des  nordeuropiiischen  Meeres  der  Eis/eit .  alsi>  die 
nijrdliche  Kiiste  des  damaligen  europaischen  Continentes,  lasst  sich  mil  y.iem- 
licher  Sicherheit  festlegen.  Von  Calais  aus  zieht  sie  sich  durch  Belgien  in  der 
Richtung  nach  Bonn  zu,  wendet  sich  dann  nordbstlich  durch  Westphalen  und 
das  siidliche  Hannover  bis  zum  Nordrande  des  Haraes,  schlingt  sich  um  diesen 
in  siidwesllicher  Richtung  herum  nach  Thilringen  hinein  und  bildet  hier  einen 
tielen  Busen.  Von  hier  verliiuft  sie  ziemlich  genau  ostlich  durch  Sachsen  .  bei 
Gi-inmia ,  Wurzen  und  Dresden  vorbei ,  den  Fuss  des  Riesengebirges  und  der 
Sudeten  entlang,  durch  Polen  und  Russland  bis  nach  Tula,  also  slldlirli  M>H 
Moskau,  dann  wendet  sie  sich  nach  Nordosten,  bis  sie  das  Eismeer  am  nord- 
lichen  Ende  des  Uralgebirges  erreicht. 

F"asl  alle  die  Theile  Europas.  welche  nb'rdlich  von  dieser  Linie  lieiien, 
\\aren  vom  Ocean  bedeckt.  Der  letztere  stand  somil  in  umnittelbai-er  niiKl- 
licher  Vei-hindung  mil  dem  hentiuen  Eismeere,  so  dass  von  dort  ausgeliende 
Slrrtmuniien  die  damaliiie.  also  mitteleuropiiische  Kiiste  direct  bespiilten .  l;.is- 
berge  und  Eisfeldei-  an  dieselbe  antrieben  und  iiberhaupl  die  Temperalur  die- 
ses Meeres  und  der  benachbarten  Kiistenslriche  bedeutend  erniedriizten.  ("l»er 
den  Spiegel  dieses  Oceanes  erhob  sich  niirdlieh  vom  damaligen  europiiisrhen 
Continente  nur  eine  Insel:  Skandinavien,  aber  nicht  in  seiner  jetzigen  Gestalt. 
sondern  von  Gletschern  hoch  bedeckt.  Machtige  Gletscherniassen  schoben  sich 
\<>n  dem  Hochgebirue  N(ir\\euens  durch  Sclmeden  der  MeereskUste  /.i\.  beladen 
\nu  Sclmtl-  und  Felsbliicken  .  \\elche  \on  den  sleilen  Herizesahhiinizen  auf  den 


VI.    Historische   licoln^ic.  499 

(iletscherriicken  goliir/.t  \\aivn.  Die  (iletseherenden  erreichlcn.  langsam  voruiirts 
riickend.  das  Mecr  mill  >dioben  sieh  cine  Streckc  \\eit  in  dassclbc  liinaus. 
his  sic  sieh  von  der  llauptglelschermasse  losliislen  und  sicli  in  (leslalt  aus.-e- 
dehntor  Kisfeldor  oder  holier  Eisbcrgo  frei  auf  dem  Oceanc  y.u  besM-en  bo- 
nannen.  Bald  aber  bomJichtiglon  sicli  ihrer  die  nondischen  Slromungen.  wok-he 
diosolbon  IMS  an  die  vorliin  feslgelegto  Kilsto  Europas  triebcn.  \\o  sic  slran- 
dclcn.  llicr  sclnnol/.rn  sic  und  licsscn  ihrc  (icslciuslastcn,  \\clclic  sic  von 
SkamlinaNicn  aus  iil)cr  das  Mecr  uc!»raclil.  /u  Boden  sinkcn.  .Jeder  cin/elne 
dcr  cl>cn  cr\viihnlcn  Yortsimiu.1  hat  sprechendc  Spnrcn  liintcrlassen.  Die  Glet- 
sclicr  Nm-NM-i-rns  lnd.cn  die  Ihalsohlcn  und  (n'hiini;c  jilall  poliit  und  auf  dcin 
I'cls-rundc  die  Uichtunir  ihn-r  Bevvegunti  mil  scharfen  Linien  cingeritzt,  ebenso 
die  mil  dcr  Stroiiiunji  treibcnden  oder  strandenden  Eisberge  auf  den  I'clsen 
dcr  Inlieren  oder  dor  Kiiste.  Die  von  den  schmelzcnden  Eisbcr^en  auf  den 
.Mc.Mvsurund  vorscnklcn  (iosteinsstiicke  haben  \vir  ihrcr  inincralouisclicn  Xusain- 
inensel/uiiL:.  ihrcin  iian/on  pclrouraphischcn  Habitus  und  ihrer  Versteinenm^s- 
filhrunii  nach  mil  Sicherheit  als  skandinavischcn  und  nordischen  Trspruniis 
erkannt.  Sie  liegen  jetzt  als  erratische  Blocke  und  Geschiebe  in  dem 
-an/on,  \\.ilirend  der  Eiszeit  voni  Meere  bedeckten  Nordeuropa  zerstreut.  Das 
\o\fr  hat  sic  als  FrenuHinge  erkannt  und  ncnnt  sie,  da  es  nieht  weiss,  woher 
sic  stainincn.  Kindliniisblocke. 

Can/,  ahnliche  Ersohoinuiiiion,  wie  die  eben  kurz  geschildcrten,  bethiitiiitcn 
sieh  \\iihrend  dcr  loiszeil  an  der  NordkUslc  '  des  damaliiicn  n  or  da  mcri  ka- 
nischen  Continentcs.  Wie  von  Europa,  so  stand  aucli  mclir  als  die  Ilidlle 
von  Nordainerika  widircnd  der  Eiszeit  unler  Wasserbedeckunu,  nur  rci.-hle  das 
nordamerikanischc  Kismeer  \  icl  weitcr  siidlich  hinab  als  das  nordeuropaische, 
nchinlich  bis  in  die  Breite  von  Sicilien.  Die  nordliche  Kuslenlinie  dcs  dama- 
ligrn  Nonlaincrika  lauft  von  da  aus,  \\o  heute  die  Stadt  Baltimore  stcht,  in 
\\cstli.hei-  Richtung  bis  zum  Mississippi  und  \\endel  sich  dann,  dem  Fussc  dcs 
l-'cl.sonizobiruos  parallel  lanfcnd,  uord\\cstlieh,  bis  sic  nahc  dcr  Creii/e  des  fril- 
hor  riissisrhen  Amerikas  das  Eismocr  ornMohl.  Allcs  nordlieh  und  osllieh  von 
dicscr  l.inie  Liegende  \Mirdc  bis  auf  isolirle,  mil  (detschei'inasscn  bcdcckte 
Ins,- In  MIIII  Meere  der  Eis/cil  iieiien  HXIO  Mcl«-i  hooh  iibcrlluthet.  Audi  auf 
ilmi  lunimeltcn  sich  mil  nordischen  Felsblocken  und  Sohullhaufen  bedecklc 
l-'.isbci-Lic.  sdilill'cn  mil  Iliilfe  an  ihrem  lioden  lostgofrorcncr  (iesleinsbrudisliickc 
den  folsis-on  (Irund  der  rnliclcn  izlatt.  slrandelen  dann  und  bestiviilcn  den 
daiiialigon  uan/cn  Mcercsbodcn  mil  uiiziililigen  erralisdien  Hlockcn  son  oft  ui- 
uanlisdien  Dimcnsionen.  Abcr  nidil  nur  das  niirdlidi,  auch  das  siidlieh  \oin 
jrl/.i-rn  amerikanisduMi  Contincnlc  sich  ausdehncndc  Mecr  bedecklc  \\iihrcnd 
del'  Kis/cil  \\eilc  l.aiuMrichr.  die  erst  spiiler  liber  den  Aloi-resspiogol  goliobon 
\Mirdcn:  so  die  brcilen  Kiislen/.oncn  dcs  Allantischcn  Occanes  und  des  Me\i 
canisehcn  .Mecrbuscns.  Im  jcl/i-en  Mis.sissippillialo  reiehlc  es  nbrdlidi  bis  last 
/u  dem  I'unkte.  wo  sieh  der  Ohio  in  den  Hauptslrom  Nordanicrikas  cruiesst. 
Freilidi  \\aren  diesc  sildlichen  Mccre  keine  Kismccre  Ncucslc  rnlcrsudiuni;cn 
machcn  cs  sugar  \\ahrschcinlidi.  dass  ein  grosser  Thcil  Ccntralamcrikas  nodi 
MIIII  Wasser  bedeck!  \\ar.  «lass  also  cin  direklci'  Ziisamiiienliaiig  /.\\isdien  dem 


;")()()  VF.    Historische 

Allantischen  und  Stillen  Oceane  staUl'and.  In  der  alien  Welt  sehen  \vir  cine 
iian/  analoge  Krscheinung,  indem  sich  fiber  dcr  heutigen  Wiiste  S;ili;ir;i  cin 
\\eites  Mccr  ausdehnte,  d;is  mil  dem  Allantischen  in  einem  wesllichen  Zusam- 
menhange  stand  und  vom  Miltelmeere  nur  durch  das  Allasizebirge  gelrennt 
\\ar.  Kndlich  vvaren  die  sveiten  Sleppon  dcs  asialischen  Russlands  zwischen 
I'm  I  und  Altai  von  eincr  sUdliclieu  Forlselzunii  des  Eismeeres  bcdeckt,  welchc 
\viederum  durch  das  Schwarze  Meer  mil  dem  Miltellandischen  Meere  in  Ver- 
bindung  stand.  Europa  vvie  Amerik;i  \varcn  also  vollstiindige,  aber  im  Ver- 
gleiche  mil  ihrer  jelzigen  Ausdelmung  kleine  Inseln. 

So  vollkommen  verschieden  von  denen  der  Jelztzeil  waren  die  Conturcn 
der  Continents  wahrend  der  Diluvialperiode,  aber  auch  das  Innere  des  Fest- 
landes  bot  ein  unserem  Auge  fremdartiges  landschaftliches  Bild  dar.  Wiihrcnd 
nehmlich  das  Tiefland  und  die  Hochebenen  bedeckt  sind  von  moorigen  Slimpfcii 
und  dichtem  Gestrlipp,  von  Nadelhblzern  und  Laubwaldungen,  und  belebl  sind 
von  riesigen  Hyanen,  Baren,  Kalzenarlen,  Elephanten  und  vom  Rhinoceros. 
die  jedoch  fiir  ein  nordliches  Klima  organisirt  sind,  slarren  in  Harmonie  mil 
dem  arktischen  Charakter  der  urngebenden  Meere  die  Gebirge  unter  einer 
machligen  Gletscherbedeckung,  deren  Auslaufer  selbst  vveit  in  die  Thalebenen 
vorgeschoben  sind.  Augenblicklich  sind  es  ja  in  Centraleuropa  allein  die  Alpen. 
welche  echte  Gletscher  erzeugen ;  wie  ganz  anders  war  jedoch  der  Anblick, 
den  die  Schweiz  wahrend  der  Diluvialzeil  bot.  Nichl  nur,  dass  gewallige- 
Glelschermassen  die  ganzen  Alpenthaler  ausftlllten,  auch  die  flachen,  heute  mil 
siidlrmdischer  Vegelalion  geschmilcklen  Theile  der  Schweiz  und  der  benach- 
barlen  Lander  waren  unler  einer  zum  Theil  ilber  1000  Meter  niiichligen  Kis- 
decke  verborgen.  Auf  der  Nordseile  der  Schweizer  Alpen  tralen  aus  6  Thiilern 
llaiiptglelscher  in  die  Ebene  und  breiteten  sich  dort  weit  aus.  Die  Ar\e -. 
Rhone-,  Aar-,  Reuss-  und  Linth-Gletscher  fullten  das  weile  Thai  zwischen  dem 
Jura  und  den  Alpen  bis  zum  oberen  Kamme  des  ersteren,  also  bis  zu  l:JOO 
Meier  Hbhe  aus.  Der  aus  dem  Rheinthale  hervordringende  Glelscher  bedeckte 
die  Canlone  St.  Gallen,  Zurich  und  Thurgau,  filllte  den  Bodensee  an  und  er- 
streckle  sich  noch  weit  nach  Bayern  und  Schwaben  hinein  bis  nach  der  Donau. 
So  auf  der  Nordseite  dcr  Alpen;  aber  auch  von  ihren  steilen  Sfidabhttngen 
sliciien  I'.isstrome  wenigstens  bis  zu  den  Thalmllndungen  hinab,  wahrend  die 
Hauptgletscher  bis  in  die  Poniederung,  z.  B.  bis  nach  Solferino  vordrangen. 
\Vie  die  Alpen,  so  besassen  auch  die  Pyreniien  ma'chlige  und  ausgedebnte 
(iliisilier.  In  Grossbri  tann  ien  machlon  sich  ebenfalls  GlacialerscheinuDgen 
in  gnissartigster  Weise  gcllcnd.  Scholtland,  Wales  und  das  siidliche  Irland 
slarrlen  miter  holier  fJlelsclierbedeckuniz.  Dass  auch  Skandinavien  rcich 
;ni  (ilelsi-liern  \\ar,  \\urde  bcreils  erwiihnl,  und  daraus  schon  geht  her\di-. 
dass  dasselbe  mil  Island  und  Gronland  der  Kail  izc\v(\scn  sein  muss.  Auf  dem 
norda  m  ei-i  k  a  n  ischen  do  n  I  i  n  e  n  1  e  sind  die  (ilelscherersclieinmii:en  noch 
ucniLier  ueiiaii  \erfolizl,  nur  slehl  fesl,  dass  die  hoheren  Particn  des  Alleirhany- 
Systemes  und  die  Sierra  Nevada  (ilelsclier 


VI.  Bistorische 

Wenden  wir  uns  jet/A  zur  kur/en  Aufziihlung  dor  Spuren.  \\clcho  die  l)i- 
luvialperiode  I  auf  don  skandinavisehen  uiul  brilisehen  Diluvialinseln,  2)  auf 
(Inn  dama^on  Mceresi.odon  .  *•  [auf  don  Gebirgcn  und  in  dom  Flachlando 
dor  Continonlo  hinlerhssen  hat.  Spurn.,  auf  welehc  die  oben  gegebene  Skiz/e 
Kuropas  und  Nordamerikas  wiihrend  dor  Eiszeil  begrtlndcl  ist. 

I  Die  Glacialerscbeinuugen  auf  den  skandinavischeii  und  briti- 
SChOH  Inseln  sind  Ihcils  Friclionsphanomene,  thcils  Glacialablagerungen.  Die 
Oberflache  skandinavischer  Landslriche,  welche  jelzl  ganz  glclscherfrei  sind, 
/eii-t  sich  an  sehr  /ahlrcichen  und  ausgedehnten  Stelleu  abgerundet  und  spie- 
gelgteU  licsrlilim-n  und  von  dicht  ncbcn  oinander  gcrcihten,  parallelcn  Rinncn 
und  I  uirhou  odcr  feinon,  wic  mil  Diamant  cingcritzton  Streifen  bedcckt.  Dic- 
sclbcn  sind,  \vic  \vii-  dies  pair.  I  Hi  orliiutcrt  habcn,  hervorgebracht  durch  don 
Dnick  sich  langsam  f()i-(l»(-\N(>u<'nder  Glctschcr  auf  die  mil  Schutt  (Grundiuora- 
n«-n  bi'doi-ku-  (irsicinsoborlliiche.  Da  die  skandinavischeii  Glelscherstreifcn  in 
-anz  iK-sliiiiiiiUMi  Hichtungen  angeordnel  sind  und  nur  auf  der  einen  (Stoss-) 
S.-ilc  dor  nil-el  odor  Felskuppen,  uber  welche  sic  sich  hinwegziehen,  auftroton, 
auf  doui  ontgeiiengesetzUm  Abhangc  (Leeseile)  abcr  fchlcn,  so  kann  die  Rich- 
luiiii  dor  (Miislinaligen  Gletscherbewegung  keinem  Zwcifel  unterliegcn.  Aus 
solir  /ahlroidion  Hcobachlungcn  hat  sich  ergeben,  dass  die  skandinavischen 
(ilotsflicr  von  inoliroron  Ilauplcentrcn  radienformig  ausgingcn  und  in  ihicr 
(u'saiimillioil  eine  fast  allgcmcine  Eisdecke  bildelen,  welchc  sich,  iihnlich  wic 
uruoimartiir  das  Binncnlandcis  Gronlands,  allscitig  nach  Aussen  bcvvcgte. 

\\ic  die  heuligen,  so  dienten  auch  die  skandinavischen  Gletschcr  als  Trans- 
poilniittol  fur  ('.osteinsiuassen,  wclche  sic  theils  auf  ihrem  Rucken  trugen,  theils 
y.wisrhon  sich  und  ihrom  Fclsenbelte  fortschoben.  Ein  Theil  dcrsclben  golanglc 
mil  dou  sich  spiitor  als  Eisbergc  loslrennenden  Glelschercndcn  auf  das  Mcer, 
die  ilbrigen  blieben  beim  Abschmelzen  und  Verschwinden  dos  Glctschcreisos 
auf  doin  skandinavischen  Festlandc  liegen  und  bilden  hier  ausgedehnte  (llot- 
M  lift  al.lauorungen.  Diese  bedecken  die  polirtc  und  gerilzle  Geslcinsober- 
llaohe  und  bestehcn  zu  unlersl  aus  eincr  Schichl  von  Scheuersand  und 
Schouergeschiebeu,  also  dcm  Materialo,  welchc  vom  Eisc  gedillrkl  und 
in  dasselbc  eiugefroren  Uber  den  Pels  fortgeschoben  wurdc  und  diescn  scheuerlc. 
Diosor  mil  Thonlheilchen  gemcngte  Glaoialsand,  -Grus  und  -Schult  ist,  weil  die 
Vrrcisung  eine  lolale  war,  allgemoin  \crhroilet  und  mil  erralischen .  auf  dcm 
Iliiokou  der  Glotsdicr  iransporlirlon  Hliicken  Ubcrstreut.  Nebon  ilnu  Irelen 
.nisucdcliiilo  Sciten-  und  Kndmoriinen  auf,  welchc  sich  die  Abhiinge  dor  Thii- 
Icr  enllang  ziehen  (allo  SoiUMimoriinon),  oder  und  /war  vorailglich  nahc  den 
ThalmUnduiigcn  ipior  durch  diesclben  liindiiivlisol/.oii  (l-jidmoriinen).  Kino 
uiussc  Verbreiluni:  besilzcn  endlich  die  AblagiM-ungen  von  ulacialem  Merge  1* 
I  oh  in,  Ab.siil/,0  der  mil  feincm,  thonig-kalkigem  Solilamme  und  Saiidkornohon 
boladonon  Glelschorxsasser.  Alle  diesc  Erscheinungen  weisen  auf  eine  allgc- 
meine  Glclschcrbcdockun-  Skamlinavicns  hin,  wclche,  wie  aus  andcrei^  Beob- 
achluiiLiou  hervorgeht,  an  das  Ende  der  Terliarzcil  li<>l. 

Auf  die  Periode  der  allgcmcinen  Verglelscherung  Skandinavieus  folgle  cine 
solehe  dor  Senkung,  wiihrcnd  dcren  das  Festland  zulelzl  bis  clwa  300  Meter 


•>l>2  VI.    HMm-iM-li. 

unter  sein  jot/iges  Niveau  s;iuk.  Hei  diesem  allmahliohon  t'nterlaiichon  waivn 
die  ^esamnilen  Glelacherabbgenlngen  des  unler  (his  Wasscr  sinkenden  Landos 
dem  Spiele  dor  Brandling  uuteruorfon  und  \\urd(Mi  von  dieser  aufgevvuhll, 
gerolll,  nach  der  (in'isse  dor  Ge^lcinsbriichslueke  geschioden  und  von  .NYuem 
in  anderer  tieslalt  und  . \usdehnung  abgclagerl.  So  entstanden  wallarlige .  in 
ihrom  lunoren  sohr  hiiulig  geschichlote  Geroll-  und  Sandansammhmgon .  I"  for- 

O 

wallo    As,  Plural  Asar),  welche  den  Conturen  Skandioaviens  in  den  einzelnen 

o 

Stadien  seines  Scnkungsprocesses  enlsprochen.  Die  llohc  dieser  Asar  ttber  den 
jd/iiiiMi  Meeresspiegel  betriiizt  xuin  Theil  300  bis  360  Meter,  ein  Beweis  fiir 
die  (Irossarliirkeil  der  Oscillationen ,  denen  Skandinavien  untefworfen  \\ar. 
(ileichxcilii:  mil  der  Aufarbeitung  der  Gletscherablagerungen  zu  Ufervviillen  ginj: 
in  dcr  Niihc  der  damaligen  Meeresktlste  der  Absat/  von  Sanden  (ilacial- 
sanden)  und  noch  weiter  seewarts  der  Niederschlag  von  feinem  Lehni  ( Gla- 
cial leh  in)  vor  sich ,  vvelcher  zonenweise  durch  Anhiiufung  von  Molluskcn- 
ivstcn  die  Gestalt  fo'rmlicher  Muschelbanke  annimint.  Die  in  letzlercn  vertre- 
tcne  marine  Fauna  besitzt  einen  nordischen  Charakter. 

Auf  diese  partielle  Submersion  Skandinaviens  folgt  eine  Periode  dor  ent- 
izegcngeset/ten  Niveauveranderung,  also  der  Hebung,  die  heule  noch  fort- 
dauerl  (siehe  pag.  130).  Das  Hochplateau  zwischen  Wener-  und  Wettersee 
taucht  empor,  dadurch  \\erden  diese  Seen,  in  welchen  noch  heute  Xaclikoin- 
men  von  arktischen  Krustenthieren  leben,  von  ihreni  bisherigen  Zusammenhange 
mil  deni  Oceane  abgeschlossen  und  allmiihlich  ausgesilsst.  Die  Arealo  zvvist  hm 
\\rissem  Meere  und  Oslsee  werden  trocken  gelegt,  letztere  \vird  dadurch  zum 
Hinnenmeer.  Das  Klima  vvird  milder,  die  bisherige  arktischc  Thienvell  ziehl 
sich  mehr  und  mehr  nach  den  Polen  zurtick  und  vvird  durch  Rrprasenlanlc'ii 
dcr  Faunen  gemassigter  Klimata  crselzt,  deren  Reste  sich  in  den  \\iihrend  des 
Iliirk/ugrs  des  Wassers  abgeselzten  braunen  Thonen  erlialten  haben.  Auf  den 
Kanun  und  an  die  Seiten  der  Uferwalle.  die  wieder  ilbcr  den  Meeresspiegel 
eniporlauehen,  lagern  sich  neue  Niederschlage  der  poslglac-ialeii  (ieuasser  ab 
und  iiberdecken  dieselben  manlelfdrmig,  l)is  die  Conturen  der  skandraaviscben 
llalliinsel  allinahlich  die  heutigen  \venlen. 

Ganz  iihnliche  Erscheinungen  .  vvie  in  Skandinavien,  spielen  sich  glei<-h- 
x.eitig  in  Schottland  ab.  Gletscher  riiekten  von  den  centralen  Hegionen  dieses 
Landes,  wie  die  radiale  Hiclilung  der  Glotsrherslivil'ung  beweist,  allseilig  nach 
deni  .Meere  /.u.  I'nter  dein  Drucke  der  sich  beucgenden  ICisdecke  \\in-de  dor 
Felsgrund  al»ges<-hlitlen  und  polirl,  vvurden  die  losen ,  oberdachlichen  Ablage- 
rungen  iilleren  Daluins  abi'asirt  und  mil  hinvNoggonoinmen ,  an  ihre  Slello  Ira- 
ton  die  Ihonigon  Altlagorungon  dor  Grundnioriinon  und  isolirlo  griissoro  Hlocke. 
Ho.slo  der  Landfauna  Schottlands  \\iihrond  diesort  (iletscher/eil  sind  uns  nur 
^•chr  spiirlich  iihorliofert  worden :  sie  gehiiron  deni  Mammuth  und  dein  Honn- 
Ihioro  an.  Auf  diese  Vorglolsohorung  folgto  in  Schottland.  \\ie  in  Skandina- 
\ion.  eine  IVriodo  der  Subinorsion  .  in  Fnlge  deren  die  goanunlt-n  nioderon 
l,.inds(ric|ic  von  (Miioni  arklisohon  .Meere  mid  desson  sandigon  AI>lagorung«M) 
Itodockl  \\urdon.  \\iihrond  die  bor.uigon  Plat<«aus  als  eishedcckle  Inseln  iil»er 
den  MeoresNpiegel  i.i-tcii  und  oinon  Archipei  bildoton.  Uber  den  el)en  or- 


VI.    IlistiM-isclie   (leoloiiie. 

wahnten    Sanden   uelanulen    machine    Thone    /u.u    Xiedersrhlage,    welche    x.ahl- 
reiche  erratische  BlOcke,  aber  last  Die  organise**   Heste   umfasscn.     Wo  solchc 
j.-doi-h   xorkumiiHMi.    trageD   sir   fast   stels    eincn    dmvliaus    arklischen    Charakler. 
So   rtamraen   mis   den   (ilacialahlauenmuen    an   der  MUndung  des  Forth  und    lay 
35   Mollusken,    welche   jct/.l  sammtlieh    (so  l,.-da   trunca.a,   Tellina  proximo,   Pec- 
ten    Groenlamfccus,    Cmu-lla    nigra)    Bcwohner   arktischcr  Regionen,    /.    B.  dcr 
See  n.n  Melville  Island  und  Spil/.bergen  sind  (siehc  pag.  487  u.  188).     Die  man- 
nen  Muschelbanke  dor  Kis/eil  erreiehcn  rinr  M.v.vsliiilic  von  175  Meier.  Mktfgl 
1,,,-ann   sich   das   Land   son   Neuoin  /u   hobon   und    /Nvar  l.is  /u   cincr  hodcnlon- 
deren    lli.l.o.    als    es    j,-ut    riimiinml.     In    Folge    davon    trat  Schottland    da.nals 
einerseits    mil    d.'in   europaischen    Contincnle   in    V.-rbindung,    anderorse.ts   bc- 
,1,.,-k!,-  es    sich   /.tun   /Nveitrn   Male   mil  Glelschern.     Seine   heutige   Meereshb'he 
,m,l  C.-slalluiii:  Wlangte  es  n-sl   narh  Nvi.>derhollen  geringeren  Oscillationen. 

\u«h  die  (irbi.-r  von  Wales  und  England  warcn  yergletschert  und 
bildolen  selbstandige  Cenlren  fur  allscitig  ausstrahlende  Gletschennassen. 
Ebensowie  Skandinavicn  und  Schollland,  sankon  auch  dieso  Aroalc  untcr  den 
Spit^.-l  eines  arktisc-hcn  Moon-s,  urn  430  Meter  boch  von  diesem  tlberdeckt  zu 
wcrdcn,  NNi«>  «l«-ss,-n  Nirderschlagc  und  organischc  Rcste  beweisen. 

2.    Die   Drifterscheinuiigen    im   norcleuropaisclien  Flachlande  und 
dein  nordliclien  Tlieile  des  amerikanischen  Continentes,  dem  damaligen 
diluvialen   Meeresboden.     l)i«>    gan/o    Olu-rllacho    dor    nordeuropiiischen 
Kbonc    von    Holland    bis    nach   Russland    hincin    wird    von   Sand-  und  Lchin- 
srhi.l.t.-n  gebUdet,    in  und  auf  wclchen  Gesteinsblbcke  eingebettet  und  zcrstivul 
,iegep     deren    ll.-imalh  Skandinavicn  und  Finnland  ist.     Sand    und    Lehin  siml 
Vbsatze   der   diluxialon    Sec,    die   Blocke   sind   auf  den  Eisbergen,    welche  sich 
von    dm    dir   KUsten    erreichenden    Glelschern   Skandinaviens  loslosten,    Uber's 
Men-  h-ansporlirl  wordcn  und  beim  Schmelzen  der  geslrandclen   Eisniassen  zu 
Uo.lrn  gesunken.    Die  Vcrbreilung  der  nordischen  oder  crratischen  Blocke  Uber 
,|j,.  Qordeuropaischep  Flachlandcr  kann  durch  einen  grossen  Kreisbogen  un.-.vu/.l 
ucdacht  werden,    in  dcsscn  Mitlolpunkt  Skandinavien    und  Finnland  liegen  und 
dcr  cin  Arcal   von  iibcr  40,000  Quadralmeilen  umfasst.     Die    Blo'ck«>  iin    nord- 
lirhm   Hussland  stanuncn  aiis  Finnland,   die  Polcns.  sind  mil  schNVcdis<-hcn  <io- 
sl.-inm   unlrr.nisrhl.     die     Norddoutschlands    und    Hollands     sind    sclmrdisrlirn. 
danisrhm    und    russisch-baltischen    Ursprungs.      In    ihrer    iianzm    Vcrbreitung 
erreioben  sie   eine  jelzige  Meeresh5he  von   hochstcns   260,  nur  ausnahmsweise 
,    H.  in  ()b«-rs«-hl«-sim   und  in  der  Gegend  von  Goslar)  330  Meter.    Ih.vr  polro- 
araphisehen  Heschailrnlu-il  nach  sind  sie  theils  knstallinischc  Frlds].aihu«-si,M.,.-, 
lh,-il>  verslemerungsfllhrendfi    K«lk-  und  Thon^-slrine.      Unler    crslcrcn    isl   das 
|,,-i   NNrilm.   am   hauliuslcn    Norkommrndc  dcr  Gneiss:    /u   ihm   i:rselll    sich   Gra- 
nl(.    |)inn,.    ||(,rnbl.-nd.vschirlrr.  Sxmil,  Fclsilporph>r.  Ouar/il,   llx  perslhmil  n.  ... 
|),,.sc    nnnliscl.cn  Hli.ckc   bcsitzcn  /urn  Thcil    ucualtip-  |)inicnsi.,ncn,  —dcr  Gra- 
nilblork.    auf  wr.-hrm   die   Siiulc    IVlcrs  des  Grossen    Slehl,    \\iei:!    30.001)    Ccnl 
„,.,-.   die  (iranilscl.ale  vor  dem  Berliner  Museum,   welche  7,3   Meier   im    Durch- 
.uesser  l.esil/.l.    uunle   aus  dem   groSSten   dcr  bcidcu  Markgnifen.sleine   verfertigfc, 
der  aul   den    Haucuschen     Beruen    bei   FUrsleiUNalde   lag    und    Uber    8    Meier    3US 


r»U  1  VI.    Hislonsclic   G 


(Inn  Mnden  hervnrrai:le  .  dtT  »grosse  Stein  «  hei  IV  lizard  in  Ponunern  1st  li 
Meter  Jang,  12  Meter  breit  und  5  Meter  hoch. 

Die  verslcinerungsfilhrenden  Diluvialgeschiel)e  dor  norddeutselien  Ebenc 
siud  zuin  Theil  silurischen  und  devonischen  Alters,  xum  Tlieil  gehoren  sic  dein 
Kohlenkalk,  dein  Jura,  der  Kreide-  und  Tertiarformation  an,  datieuen  sind 
d\;issi.se!ie  und  triassische  Gestcine  unter  ihnen  nicht  bekannt.  Unter  den  auf- 
gcziihlleii  Sedimentargeschieben  siud  gewisse  silurische,  nehnilich  der  Orlho- 
eerenkalk  ,  der  Beyrichicnkalk  und  Gollander  Korallenkalk  die  haufigsten  und 
,1111  weileslen  verbreiteten  ,  indeni  sie  ilber  das  ganze  Diluvialgebiet  zerstreut 
vorkoninien.  Alle  Ubrigen  haben  nur  eine  mehr  locale  oder  doch  nur  ilber 
einen  Theil  des  ganzen  Diluvialgebietes  reichende  Verbreilung.  Diese  saniint- 
lichen  Geschiebe  sind  von  ihrer  nb'rdlichen  ursprtlnglichen  Heimath  auf  schwim- 
nienden  Eismassen  in  der  Richlung  von  Nord  nach  Slid  und  von  Nordost 
nach  Stldwest,  nie  aber  in  der  Richtung  von  Nordwest  nach  Stidost  fortbeweul 
\vorden,  so  dass  in  Norddeutschland  Sedimentgesteine  norwegischen,  englischen 
oder  schottischeu  Urprungs  nicht  vorkommen.  Die  vorhandenen  Silurgeschiebc 
hingegen  stammen  aus  Schweden  und  den  russischen  Ostseeprovinzen  (der 
Orlhocerenkalk  von  Oelaud,  Ost-  und  Westgothland,  die  spongienreichen  Silur- 
kalke  bei  Sadewitz  in  Niederschlesien  aus  Esthland,  die  Calamoporen-  und 
llalysilenkalke  ,  sowie  die  Beyrichienkalke  von  Gotland)  ;  die  devonischen  aus 
Livland:  die  jurassischen  aus  den  baltischen  Gegenden  zwischen  Oder-  und 
Nienienmtlndung  ;  die  cretaceischen  (Feuersteine  oft  mil  senonen  Versleine- 
rungen)  von  Rilgen  und  den  danischen  Inseln,  wahrend  die  speciellc  Heiin;itli 
der  Tertiargeschiebe  (Slernberger  Kuchen,  Bernstein  und  verkieseltc  llolzer) 
noch  unbeslininit  ist. 

Die  Diluvialal)lagerungen  der  norddeutschen  Ebene  lasseu  im  Allgemeinen 
:}  Ahlheilungen  erkennen.  Sie  beginnen  rait  einem  feinen,  Feldspathkorner  fiih- 
renden  Sande  ,  der  im  Durchschnilt  5  bis  7  Meter  Machtigkeit  besitzl,  jedoch 
liiiulig  auf  selbst  weniger  als  1  Meter  Dicke  herabsinkt  und  in  der  Regel  keine 
nordischen  Geschiebe  ftlhrt.  Auf  ihn  folgt  eine  7  bis  10  Meter  niachtigc  Thon- 
oder  Mergejlage,  in  welcher  sich  bereits  zahlreiche  erratische  Blocke  einstellen 
und  welche  wiederurn  von  Sand  bedeckt  wird.  Dieser  ist  ge\vohnlich  nur 
et\\;i  I  Meter  machtig,  gcht  nach  unten  in  den  Thon  ilber  und  ist  die  Haupt- 
lagcrsUitte  der  massenhaftesten  und  grbssten  nordischen  Geschiebe.  B(M  seiner 
sehr  nnre^eliniissigen  Machtigkeit  schxvillt  dieser  obere  Diluvialsand  slellenxveise 
bis  zu  gegen  100  Meter  machtigen  Anhaufungcn  an.  llbchsl  auffallend  ist  die 
Sellenheit  organischer  Reste  der  Diluvialgewasser  in  den  Driftablagerungen  NOrtl- 
driiiseliliinds.  Von  eigentlichen  marinen  Rcslen  sind  nur  gan/,  verein/elte  \Oi  - 
koiiiinen  von  Gardium  edule  und  Buccinum  retieulaluni  aus  der  Umgegend  \<»n 
Brombcri;  und  Thorn  bekannt;.  Eine  etwas  grossere  Verhreilung  besil/en  einiue 
Sllsswasserconchylien,  welche  von  den  Diluvialmergeln  hier  und  da  umschfosseti 
vverden.  Nainenllich  bezeichnend  isl  Paludina  diluviana,  welche  sieh  l>ei  Berlin, 
SperenheiL:.  M;ii;deluirg  und  Halle  a.  S.  gefundeu  hat. 

Auf  dein  jelzigen  nordamerikanischen  Contin  e  n  te  linden  sich  Dilu- 
\i;il;il>lagerungen  in  ganz  Ganada,  Neu-England  und  Long-Island,  von  \vo  aus 


VI.    llistorisrlir    (ieolo^ie.  r><>F> 

sic  sicli  \\esl\varts  Uher  Michigan.  Wisconsin  and  Miuesota  his  jonseits  des 
Mississippi  ausdehncn  uiul  nach  Siiden  zu  bis  in  das  stldliche  IVmisshania. 
Ohio,  Indiana,  Illinois  und  .Iowa,  also  ungofahr  l)is  zum  39.  Broilogrado  reichen. 
Sit-  hedecken  jedoch  nicht  nur  das  Flachland,  sondcrn  sleigen  z.  B.  in  Nru- 
Kngland  am  Ml.  Washington  2000  und  an  den  Grcn-Mts.  gegen  700  Meter 
hoch.  Alte  FlussthiUer  werdcn  von  ihnen  vollkommen  ausgefllllt,  so  dass  die 
Hiisse  nichl  solton  aus  ihrein  frUheren  Laufe  vollsta'ndigt  verdriingt  wurdon, 
\vie  dies  /.  B.  beim  Niagara  geschehen.  Die  nordamerikanische  Drift  besteht 
aus  Sand,  Kies  und  nordischen  Bldcken,  von  denen  manche  ein  Volumen  von 
Uher  1000  ja  1500  Cubikmeter  besitzen.  Auch  sic  stammen  aus  einer  nbrd- 
licheren  llehnath,  \venn  sic  auch  auscheinend  nicht  so  wcite  Wege  zurUckge- 
legt  haben,  wie  die  dor  norddeutschcn  Ebene.  Auch  sind  versteinerungsfUhrende 
nordisoho  Geschiebe  im  Diluvium  Nordamerikas  nicht  bckannt,  dagegen  machen 
sieh  auf  diesem  Continente  Frictionserseheinungcn  in  um  so  grossartigcrer  Weisc 
geltend.  Ausgedehnte  Gesteinsfla'chen  sind  durch  Wogen-  und  Eisbergeinwir- 
kungt-n  spiegelglatt  geschlifFen ,  dann  fein  gestreift  und  lief  gefurcht  worden. 
Die  Oberflache  gewisser  Quarzitkuppen  am  Oberen  See  ist  so  glatt,  dass  das 
(Johon  auf  dem  nackten  Fels  beschwerlich  lallt,  Jedoch  ist  diese  Polirung  nur 
anf  die  nbrdlichen  Abhiinge  und  auf  die  Gipfel  der  Hugel,  also  auf  die  Stoss- 
soilo  derselben  beschrankt,  wahrend  die  stidlichen  Abfiille  rauh  und  zaokig 
gehlieben  sind.  Ueber  jene  geschlifl'enen  Nordabhange  zichen  sich.  fusstiefe 
und  broilc  Eisfurchen,  oft  eine  dicht  neben  der  anderen  bin,  welche  duivh 
ucsii-andele  Eisberge,  die  von  Ebbe  und  Fluth  auf  und  ab  bcwegt  wurden, 
eingesagt  worden  sind.  Viel  haufigcr  noch  ist  die  Erschcinung,  dass  feine,  haar- 
srliarfe  parallele  Streifen  durch  schwimmende  Eismasscn,  an  deren  Bodcn 
eingcfrorner  Sand  haftete,  in  die  polirlen  Felsoberfllichen  eingerilzt  sind.  I luc 
Hichtung  ist  im  Allgemeinen  eine  ziemlich  glcichbleibende  nord-sUdliche,  doch 
kreu/.en  sich  nicht  sellen  /\\ci  oder  inchr  Systeme  unter  geringen  Winkeln. 

:}.  Der  europiiische  und  amcrikaiiische  Continent  wahrend  der  Dilu- 
\ial/ci(.  Schon  in  den  einleitenden  Bemerkungen  pag.  500  und  noch  friihcr 
in  den  Ahschnitlen  Uber  dynamische  Geologic  pag.  182  und  184  ist  gozoigt 
NMiiden,  dass  die  llochgebirge  des  europaischen  Contincntes,  Britannicns 
und  Nordamcrikas  wiihrend  der  Diluvialperiode  Gletscher  erzcugten,  welche 
cine  enorme  Miiclitigkeit  besassen  und  weit  bis  in  die  benachbarlcn  Kbenrii 
liincinrcichkMi.  Nur  kurz  mag  hicr  daran  erinnert  werden,  dass  wir  die  einsl- 
malige  Ausdclniiuig  jener  Gletscher  nachweisen  konncn  (siehc  pag.  184)  durch 
die  Verbreitung '  gewisser ,  von  der  Bewegung  der  Glclscher  abfafingigdr  I'-r- 
scliciiuinizcn  :  der  End-  und  Seitenmora'ncn,  der  Schlifl'flachen  auf  den  Tlial- 
xihlen  und  an  den  Thalgehangen,  und  gewisser  von  entfernten  Localitiiten 
si.ininieiider,  eckiger,  oder  glattpolirler ,  zum  Thcil  auf  der  einen  Seite  ue 
slreitler  (iesleinsstilcke  Scheuersieine),  welche  am  Bodcn  der  (iletseher  fest- 
gefroriMi  uarcn  und  als  SchlifTrnittel  benutzt  worden  sind.  So  linden  sich  an 
den  Ahhiingcn  des  Jura  bis  zu  dem  Kammc  dcsselben  Gesleinsblocke,  die  aus 
dem  Hochgcbirtze  \on  Wallis,  vom  St.  Bernhard,  vom  Monte  Bosa,  Simplon, 
der  Jungfrau  und  vom  St.  Gotthard,  also  ;ms  einer  Entfernung  von  20,  30 


")(!()  VI.     IlisloriM'lir 

mid  nielir  .Mcilen  stanimcn  und  jet/.t  \  on  Hirer  ursprUnglichen  Lagerstiilte  (lurch 
den  (ienl'er  und  Netienburger  Sec  gelrennt  \\erden.  lu  der  (legend  von  /.iiricli 
liegen  crratisehe  Bliicke  aus  den  (ilarner  Alpcu.  ;m  dcm  Nordufer  dcs  Hodcn- 
sccs  in  BaNcrn  und  Baden  solche  mis  dm  liinlerslen  Thalcrn  Graubiindens  in 
einer  Knlfernung  von  30  his  10  Mcilen  von  dcm  ursprtlDglichen  Orle  Hires 
Yorkommens  zerstreut.  Manchc  derselben  erregen  (lurch  die  Grosse  ihrcr  Di- 
mcnsionen  Krslaunen.  So  besitzl  dcr  IMlugstein,  aus  den  Glarner  Alpcn  st;uu- 
nicnd,  jct/.t  uinveil  Zurich  liegend,  cine  llohe  von  Uber  20  Meter,  Pierrc-a-bot 
.HIS  NVallis  stanuncnd ,  jetzt  bei  Neuenburg  liegend,  ist  elwa  16  Meter  lanti, 
•')  brcit  und  13  hoch ,  Pierre-des-Marmcltcs  aus  dern  Thale  von  Ferret  stam- 
nicnd,  j<>tzt  bei  Monlhcy  in  Unlenvallis  liegend,  ist  20  Mclcr  lanii,  fast  1 0  hoch 
und  cbcnso  brcit.  Zu  dicscn  crratischcn  hliickcn  izcscllen  sich  die  iihri^cn 
An/cidicii  cinstinaliLrcr  Glelschcrthatigkeit :  der  Fclsgrund  und  die  (Jesteins- 
Nva'nde  der  Thaler  sind  abgeschliffen  und  geglatlet,  wie  dies  nicht  nur  in  den 
alpinen  Thiilern  (in  ausge/cichnetster  Weisc  im  Aarthale)  sondern  audi  ini  Jura 
z.  [}.  in  dcr  (iegend  von  Neucnburg  nachgevviesen  ist,  —  Ilohe  Moriinen  finden 
sich  in  jetzt  fruchtbaren  Thalebenen,  so  die  des  ehemaligen  Aargletschers  bei 
hern,  des  einstigen  Linthgh;lschers  bei  Zurich,  so  dass  schon  aus  diescn  GrUnden 
die  einslmalige  Vergletscherung  der  Alpen,  ja  vielleicht  der  ganzen  Schweiz. 
keinem  Zvveifel  unterliegen  kann. 

Zu  ahnlichen  Resultaten  fiihrl  das  Studium  der  horizontalen  Verbreilung 
der  schweizer  Wanderblocke.  Aus  ihr  geht  hervor,  dass  lelztere  aus  sechs  Tlial- 
inundungen,  dem  Arvethal,  dem  Rhonethal,  Aarthal,  Reussthal,  Linththal  und 
dcm  Hlieinthal  hervorgetreten  sind  und  sich  in  den  ebenen  Theilen  der  Sclnvciz 
vcrbrcitct  haben.  Die  Rlocke  des  Arvethalcs  stamrnen  von  dem  \\cstliclien 
Altliange  der  Monl-Blanc-Kette  und  von  den  Rergen  oberhalb  Sallanchc ;  sic  er- 
lullen  das  Ar\ctlial  von  Ghamouny  an  und  "steigen  auf  dcm  Riicken  des  Sa- 
Icnc  bis  zu  1000  Meter  Meereshohe.  Die  Blb'cke  des  Rhoncthales  finden 
sich  Uber  die  ganze  Gegend  von  Genf  und  Solothurn  zerstreut,  so  dass  ihr 
Verbreilungsgebiet  die  Geslalt  eines  die  ebenen  Theile  von  Genf,  Freiburg  und 
Neuenburg,  sowie  Partien  von  Bern,  Solothurn  und  Aargau  bedeckendcn 
I'.irlicrs  besitzl,  (lessen  Spitze  in  der  Rhonelhalmiindung  liegl.  Die  Blb'cke  dcs 
Aarthales  slammen  aus  dem  Massive  der  Berner  Alpen  zxvischen  Gollliard 
und  Simmenlhal  und  bedccken  den  deulschen  Theil  dcs  Cantones  Bci'n.  Die 
des  Reussthales  sind  dem  Gotthardt  und  den  Scilcnthalcrn  des  Reusslliales 
cntfilhrt  und  erfUllen  namcnllich  das  Becken  des  Vier\\al(lsliidter  Sees.  Die 
Lint  li  bio  eke,  aus  dcm  cntl'ernlen  Partien  des  Linththales  slainnicnd.  vcr- 
brcilen  sich  \on  Glarus  Uber  Wesen  in  das  Mecken  des  Ziiricher  S(>es.  Die 
Rheinblocke  kommcn  aus  (iraubUnden  und  Vorarlbcrg.  theilen  sich  an  dcm 
\\ie  eine  Klippc  \  ors|)ringcnden  Sporne  dcr  Appenzeller  (Jebirge  in  /\vci  Striimc. 
derm  einer  Ubor  den  \Vallcnsliidt(>r  See,  Uber  Tznaeh  an  das  nb'rdlichc  llcr 
des  Ziiricher  Sees  vordringl,  \\ahrend  sich  der  andcre  von  Rorschach  aus  iiber 
den  Thurgau  und  das  gauze  (iebiel  dcs  Bodensec^s  ergiessl  und  sich  weit  nach 
B.ivcni  und  Schwabcn  verlolgen  lassl.  Die  (Jrenzcn  zwischen  diescn  Block- 
\crlireiluii^s;u.\ilcii  sind  jedoch  nichl  scharf,  \iclinclirdurchMischungszonen 


VI.    Ili-toi-isrlit- 


507 


in  drnrn  Blik-kr  /wri.T   b.-narl.barlri-  (ll.-ls.-l.rnzrhirlr  nrbrnrinan.lrr 

vorkoninirn. 

B,.i  eintretendem  s.-limrl/.-u   un«l  Riirk/.uizr  dr.-  gewaWgen  Gietschej,   ate 

deren  Sp.m-n  jene  Hliirkr  /m-Jirks:rblirbrn  sind,  iii  l;«.l}i.'  klimatisrhrr  Yrr- 
iill(|rnm"rn  ,lrr  nonllicl.ru  KnUiiilftr  wunlrn  Massrn  von  Nc.-NNorr.-n  p«schicht«t(Mn 
s.nul  Kirs  un.l  Hollslrin.Mi  A  1 1  rrr  M  111  v  ionr  n  )  ;.biirsrl/l  .  NNiihirnd  sirl. 

;in  emzelnen  blossgelegten  Sirll.-n  eine  Vegetation  eatwickelte,  aus  welcber  d..- 
Schieferkohle  henwrging,  <lir  weiter  unten  norhmi.ls  Erwahnung  finden 

w  in  I  Durch  «lrn  f«.rli;rs«'i/lrn  fivilieh  von  Slillstandrn  un.l  i-rriniion  Vor-  und 
RQctwartsbewegungeo  d.-r  C.lrlschrrrmlon  untrrbnu-hriirn  Rtlck/uj?  und  Srhm.-l- 
der  <il.-ls.-luM-  und  dmlun-h  h.-din-lo  Vrnnrliruni;  drr  Gtetscherwagser 
dieae  Nr-riiilMlische  Masse  von  Neuem  mil  Bollsloinrn .  Kirs  und  Sand 
iilH-rs.-liiltl.-t.  DJIS  vollstiindi-r  Absrhiurl/rn  der  Eismassen,  welche  in  ilbrr 
inoo  Mrtrr  .Miirlitiukrit  dir  sii.nintlichcn  Alpenthalrr.  dir  ganze  rl.r...-  S.-l.xNri/, 
ja  ,li.-  gesamffite  UmgebUDg  d.-s  Alp.-n-cl.i.-t.-s  lu-drrktrn,  IMS  /u  ilirrni  j.-l/iii.-n 
beschrankten  Vorkommrn,  muss  enormc  Zeilniume  in  Anspruch  i-ruoin.nrn 

haben. 

\V.-n<lrn  wir  uns  N.m  den  Gebirgen  zu  den  E  b  <-  n  <-  n  drr  DiliiMJilront,- 
nrnlr  und  vrrfolizrn  dir  Spurru .  ^  rlche  die  Diluvialzeit  aid  dm  dau.j.Is 
weder  von  Gletschern  norh  vom  Meerr  brdrcktrn  Thrilrn  drs 
luMitiuru  K  uropas,  also  auf  dm  dju.mliiiru  Hoch-  und  Tiefrl)rnrn  /uriirk- 
..rlassrn  I...I.  Sir  sind  MTliiillniss.uiissiii  spiirlirl.  und  brst-l.rJi.ikrn  sirl.  auf 
di.-  Abl^n-unii  von  l.rlm,.  Ki.-s  und  KalkiulV,  auf  lorfbiWungen  und  Ilol.lm- 
ausfullungen. 


1  i«.  :;:.'.     l>as  Maramutli;    K  1  .•  p  )i  .>  -  |- r  i  m  ifc  n  i  u  s  I!  1  u  in  r  n  1,.  ;  v.-llstiindiges  SkoM. 


508 


VI.     IliMori.srllr    (icoldi;ic. 


Diluvial  i1  Kalktul'fe  finden  sich  beispiolsweise  l>ci  Burglonna,  Milhl- 
hausen  mid  Weimar  in  Thilringen  ,  wo  sic  flaehe  und  schlnchtarlige  Einscn- 
kungen  iin  Muscliclkalk  in  horizonlalcn  Hiinken  ausl'ullen.  Gewisso  Schichtcn 
derselben  siiui  voll  inkrustirter  Blatlabdrlickc  von  Scolopondriuni ,  so  vvie  von 
Pappeln ,  Eirhen .  Huc'hcn,  Linden  und  Weiden,  endlich  von  zum  Theil  dieht 
an  einander  stt-liiMiden  Hohrstengeln  von  Arundo  Bei  Burtitonna  traf  man  inner- 


Fig.  371.     Backeiuahn  von  Elephas  primigeuius;  a  von  der 
Kauflacho,  b  von  dor  Seite. 


Fig.  372.    Rhinoceros   leptorhinub    C'uv.; 
Backenzahn. 


hall)  des  Kalklud'es  auf  eine  elwas  liber  eincn  Meter  breite  Kluft,  ein  Theil 
deren  Wandc  von  obcn  bis  unten  mil  kalkinkruslirten ,  fusslangen,  lancelle- 
fo'rmiiicn  \Vedeln  von  Scolopendriuni  dicht  bedeckt  war,  welchc  an  manohen 
Stellen  in  noch  ganz  vollstiindigen ,  wohl  erhaltcnen  Stocken  aus  ihrer  Kalk- 
Uifiuoterlage  hervorlratcn.  So  frisch  diese  Pflanzenresle  seheinbar  sind,  so  be- 
sitzen  sic  doch  ein  verhaltnissnia'ssig  grosses  Alter,  denn  mil  ihnen  finden  sich 
in  diesen  diluvialen  Tuffen  Skelcttheile ,  Zahnc  und  GewcihstUcke  von  Cervus 
elaphns  fossilis,  Ursus  spelaeus,  Equus  adamilicus,  Sus  proavitus,  Elephas  priini- 
gcnius,  Rhinoceros  tichorhinus,  ferner  die  Schalen  von  Helix,  Planorbis,  Liin- 


Fig    ;t",i.    Ursus  spelaeus  Kosenni.;  Schadel  von  der  Seiti' 

iianis  in  aiiNsci-ordenllicher  Meniie.  Ahnliche  Silsswasserkalkr  sind  l»»'i  Cann- 
sladl  in  Wiirtcniltcr!.;  bekannt.  Die  Restc  der  nehmliclicn  Siiuiielliiere,  nament- 
lich  aber  von  Elephas  primigenius,  Rhinoceros  tichorhinus  finden  sich  in  dem 


VI.    llistonsrlu- 


Scluiilnl  VOH  obcn. 


-nn/rii    Hereiche     der    <lilu\ialon    Continent*-    in    I.elim-    uud    Kiesablagrrungen 
daroaliger  Flusse    und  Seen    und  eingesr[i\\emmt    in    den  Strandbiidungen    des 

damaligen  Nordmeeres. 

In  Halien  sind  besonders  das  Arnothal  und 
Sicilion  reieh  an  Hesten  von  Hippopotamus,  dies- 
seits  dt>r  Alpen,  in  Deutsehland,  sind  dieselben 
seltener,  in  England  dagegen  winder  haufiger. 
Im  Kalktuffe  und  Lehni  unter  don  alien  Torf- 
mooren  Englands  und  Irlands  und  in  diesen 
selbst  fmden  sich  ausserdcin  /urn  Theil  vollstiin- 
dig  erhaltene  Skelete  des  irischen  Riesenelenns 
.Megacoros  hibernicus),  das  bis  zur  Spitze  seines 
GcwtMhes  3  bis  4  Meter  misst,  wiihrend  dieses 
let/tere  2,7  Meter  spannt.  \\"ie  in  Britannien, 
so  umsehliessiMi  auch  die  diluvialen  Torflager 
Srhieferkohle)  der  Cantonc  Zurich  und  St.  Gallen 
nehen  den  Oberbleibseln  der  jetzigen  Rothtanne, 
Fiihre,  Liirche,  Eibe,  Birke,  Eiche  und  des  Berg- 
ahorns  xahlreiche  Reste  von  Elephas,  Rhinoceros, 
Bos  primigenius,  Cervus  elaphus  und  Ursus  spe- 
laens.  Diese  Schieferkohle  liegt  zwischen  zwei  Fig.  :m.  Drsns 

.       ,          . 

Lai-ern  von  Gletschergerb'llen,  was  nacn  der  An- 
sicht  mancher  Geologen  auf  ein  zeitweises  ZurUcktreten  und  Wiedervordringen 
der  (Jletscher,  also  auf  einc  tcmporiire  Unterbrechung  der  Gletscterbedeckung 
jener  Gegend  hinweist,  sich  jedoch  ebenso  durch  eine  GerollUberschattung  von 
S.-itrn  t^eschwollener  Gletscherbache  erklaren  liisst,  die  dem  fortgesetzten  Schmel- 
/en  n  nd  ZurUckweichen  der  Gletscher  ihre  Nahrung  verdanken.  Wie  die  Flora 
dieser  Sclueferkohle,  so  ist  Uberhaupt  die  gesnmnile  Diluvialpflaiuemvdl  l>ereits 
<li«-  unsere,  ihre  Unterschiede  bestehen  \\esenllich  im  Variiren  einxelner  Speeic.s 
und  dein  Vorkoininen  nordiseher  Formen,  namenllieh  norNNegischer  Torl'pllan/en 
in  selbsl  sUddeulschen  Gegenden. 

1st  das  Vorkoinmen  von  Saugethierresten  in  den  Lchm-  und  KiesaWage- 
rungen  auf  der  Oberfliiche  des  Diluvialcontinentes  von  Europa  auf  verliiillniss- 
iniissig  \erein/elle  und  z»-rslreule  Funde  besehriinkl,  so  linden  sich  dieselben 
in  urn  so  gnisseivr  Anzahl  in  den  Knochenhohlen  ol't  tnaNsenhaft  angehiiufl. 
Die  meisten  dieser  Hbhlen  sind  in  Gegenden  gelegen  ,  deren  Unlergrund  \\e- 
senllicli  \on  Kalksteinen  und  Dolomiten  zusainmengesetzt  ist.  Sie  beslehen 
der  Mehr/ahl  nach  aus  verschiedenen  ,  mehr  oder  minder  grossen  zusaimnen- 
hjingenden  Hiiumen,  welehe  dureh  enge,  xiun  Theil  fast  senkrechte  Kaniile  mil 
einander  \erbunden  siiul.  Der  Uoden  dieser  Ilohlen  ist  von  rolhlichem,  san- 
digem  l.ehm  mil  (ieriillen  und  SaiigrlliierkimrlH'ii  bedeckt.  Darilber  folgl  eine 
schtit/ende,  die  Erlialtung  der  Knochon  bedingc'nde  Decke  von  Kalksinler,  wel- 
eher  ausserdem  zu\M'ilen  auch  noch  die  Knochenhniclislilcke  y.n  einer  Breecie 
zusammenkitlet.  Die  knodien  und  Koprolithen  der  \rrscliicdensten  Thiere  lie- 
nen  ineist  in  griisster  Unordnung  durcheinander  und  sind  nicht  sellen  augen- 


510 


\  I      Ili-tiii-i^cln- 


scht'iiilicli  \on  Klullicn  L'ei-olll  .  so  d;iss  sic  in  dicscn  Fiillen  (lurch  \V;isscr  in 
die  llolilcn  u:cscli\\ciiiiiil  mill  dor!  al^csel/l,  \vordcn  scin  iliirl'tcn.  In  anderen 
kiiochenliolilen  jcdocli  hahen  /.\\  cilclsolmc  Kanbtliiere  jielebl  ,  liaben  ihre  Beiite 
liincinucsclileil'l  mid  sind  spiiler  selbsl  d;irin  \erendel. 

Hesondeiv  Auf- 
mcrksamkeit  \crdic- 
ncn  noch  dicjcniizcn 
Spuren,  welclic  die 
/iihne  manclici1  N;i- 
uclhicre  auf  den  in 
den  Holilen  i;efuii- 
denen  Knochen  xu- 
'  riiekgelassen  hahcn. 
Sie  henaszen  let/c- 
lore,  trotzdein  sic  las  I 
ausschliesslicli  Pflan- 
/.en  nah  ru  nil  iienics- 
sen  .  uni  das  .Mark 
zu  iiewinnen.  line 
Zahnspuren  lasscn 
sich  gewohnlich  sciir 
Iciclil  von  dencn  der 

Rauhlhiere,  selir 
sch\\cr  alier  von 
manclien  Bearlteitun- 
uen  mil  Meissel  und 
.Mcsser  unterschei- 
den,  die  von  dein 
-Mcnsehen  he  mill  re  n. 

Venvechselungen 
der  Art  hahen  /u 
sloivnden  Schliisscn 
iiher  das  Aller  des 
Mensch'engeschlech- 
les  izefiihrl.  Ks  kann 
jedocli  niclil  he/\\ei- 
I'els  \verden,  \\ie 
spiiler  iie/eiul  \\er- 


dcn  soil,  dass   der    .Men  sell  hereiis  uleieh/eitiii  mil  jenen  tohlenbewohnenden 

l)ilu\  iallhiei-en    cxistirte. 

In  Den  Is  chla  nd  ist  es  vor  Allem  der  frankische  Jura  mil  seinen  Dnlo- 
inilen.  fenier  das  \\cslpliiiliscli-rlieinischc  .MilleldcMiii.  \\clchc  derarliue  kiio<'licn- 
linlilen  ,  erslerer  die  beriihinlen  Miiiijzendorfer  ,  (iailenrenllicr  und  llolilelelscr 
llnhleii,  Icl/.lcres  /.  H.  den  llolilenslcin  mid  die  Deehen-llohle  heriien.  In  ihnen 
sind  nainentlicli  die  Hesle  des  llolilenhiiren  lYsus  spelaens  /u  lltinderfen  an- 


\  I.    lli-tonscli<>    Ceoloiiir.  •''  I 


•iohiiuft,  so  (hiss  /..  B.  der  (iailenreulher  llohle  I'  berl.leibsel  vnn  iiber  SOO  In- 
dividuen  entnommcn  \vordon  siu.l..  Nehcn  ihnon,  abor  IVeilieh  an  .Menuo  \\.-il 
/uriirkstelieiul.  koiuiH.Mi  Skeleltheile  \on  HN  aena  spelaea  .  I'Vlis  spelaea  ,  Canis 
spelaeus.  souie  solrhe  von  Hhinoeerus.  Cervus,  Bos  vor,  uclclic  let/.tere  wahr- 
srheinlich  von  den  Raubthieren  als  Beule  in  ilire  Schlupr\\inkel  geschleppt 

wonlen   sind. 

Die  enirlisehen  Knochenhohlen,  dcren  berilhmloste  die  von  Kirkdale 
nnsvcil  York,  die  hci  Bristol  und  die  Kentshbhlc  bei  Torquay  sind,  enthallcn 
almrirhcml  von  der  grossen  Mehrzahl  der  deutschen  nanicntlich  die  Skch-ttc 
N(m  iiNiin,.  M  Jl\acna  spcljioai,  wiihrend  die  von  Baron  und  anderen  Thieivn 
stark  /unicklrclcn.  In  der  Kirkdale-Iliihlc  \\aren  solehe  von  Uber  300  Hyaneu 
dfs  v<>rschi(Mlcnst(Mi  Alt(>rs.  neben  ihnen  grosse  Quantitaten  ihrer  Excremenle, 
die  Kest«>  d.-s  Klcphanten,  Tiger,  Bar.  Wolf,  Rhinoceros,  Hippopotamus,  Biiflel, 
Ilirsch  .-nthalttMi.  Die  Hyiinen-Excremente,  deren  Natur  eincii  vveiten  Trans- 
port durch  das  Wasser  nieht  zugelassen  hiilte,  sowie  Zahnspuren  an  den  Knochen 
d<M-  dorl  gefundenen  pflanzenfrcssenden  Thiere  lassen  sicher  N.-rnuitlien  ,  dass 
jtMie  Raubthiere  die  Kirkdale-Hohle  ))e\vohnt  haben  und  nicht  erst  spater  hinciu- 
i;rseli\v«-inint  worden  sind.  In  ahnlicher  Weise  herrscht  Ubrigens  die  Hyiine 
im  Hohlenstein  in  Westphalen  vor  den  BaTcn  und  anderen  Siiu|ielhieren  vor. 
In  den  Hohlen  im  Suden  Frankreichs  ist  eine  dritle,  vender  englisehrn 
und  dentsrh(>n  abweichende  Fauna  begraben,  indem  sie  ausserordentlich  nias- 
senhafte  Anhiiufungen  von  Knochen  und  Geweihen  des  Renntli  icn-s  IHM^MI. 
Ganz  analoge  \7orkomnien  sind  die  Knochenbreccien  der  am  Mittelmeer 
-ele^-nen  l.iinder.  Sie  fullen  Spalten  der  dortigen  Kalkizebirue  aus  und  sind 

MHJ  Gibraltar  -bis  nach  der  Sudspitze  Griechenlands  ,    sowie  aid  Corsica.    Sar- 
dinian   und    Sicilien   an    /aldlosen    Punklrn    bekannt.     Sie    bestehen    aus   einei 

rolhlii  'hen  Kalkmasse  mil  Landschnecken  und  schneeweissen  Knochen  von  \\  ie- 

d<-rkiiuern    und  Nairetliieren  ,    unter   denen  namentlich  Lagoinys  Sardus,    dercn 

VrrvNandle   jet/.t    nur    noeh    in  Sil)irien   leben  ,    in    .M-stamdicher  Meniie    aul'lrill. 
Hci   uus<-n>r  Bctrai-lituni:  der  diluvialen  Continente  haben  wir  das  damage 
Kuropas,    von  den  gletscherbedeckten  Gebirgen  in  die  Kbrnrn  hinab- 
,   urschildrrt.      Ks  bleiht   uns  noch  ubrig,   eine  Gesteinsbildung  'M  me? 
\\.-lclic    inncrlialb   der  ticfen   und  weiten  Flussthiiler  und  an   den  iius- 
.     dem    Dibivialmeerc    /ni:e\\endet(Mi    Hiiiulern    des    i'riiheren    1'cstlaijdcs 

/ui-   Al.la.-crnni;   »«-laniilr.    •-   den  Loss.      Diescr   l»cst<-lit   aus  einer  /icnilicli    ln»- 

n,«,-rncn.    U-k.'ivn.   scl>r  feinerdigen  Masse   \on   liell-elhem   bis  lichlbrauni-rllM-m 

I,  dun.      \:r  x.eigt,    wo  or  rein   ist, 

nic  cine  Spur  von  Schiclituni:  und 

hrieht  in  steilen  \\andcn  ab.     Ei- 

uriilliiiinliclic,    knollige  ,    oft  hohle 

und  /rrl.oi->tcnc  Coucretionen,   die  Fig.  :t7«;.   luiu  hispida  mil.    Fig.  ;i77.  I-UIK,  m,, 

(plebeja  Dr.).  rum   l>r. 

Losskindlein,  sind  schr  vcrbroi- 

totc  Kiuschlussr  in  domsolbon.  Uie  nriianisrlu-n  Heste.  \\elclic  <T  fdhrt.  gohorcn 
Silss\\asscr-.  Sumpf-  und  Lnndconchylion,  sowio  Klcphas  und  lUiinoceros  an. 
crstcrcn  sind  Pupa  muscunim.  Succinca  oNoiiiia.  Helix  hispida  (ploboja  die 


512  VI.    Ilislorisrhr    (Irolo^ic. 


und  bezeichnendgten.     Seine  Hauptverbreitung  lut  <ler  l.iiss  im 

unil  Dnnanthale,  deren  Frurlitbarkeil  er  wesenllich  bedingl  und  \vo  er  /uin  Theil 
in  finer  Miiehligkeit  von  mehrereu  Hundorl  Fuss  auf  den  Kies-  and  Gerbllabla.ue- 
rungen  der  Thalsohlen  und  Gehange  aufruht.  Ausscrdein  aber  bedeekt  er  v\eit- 
ausizedehnle  Landstricho  Norddeutschlajuls  ,  indein  er  eine  Zone  bildct,  welche 
inn  den  liar/  lauft,  die  gUldene  Aue  einschliesst,  und  sich  durch  das  nbrdliche 
Saelisen  und  durch  Schlesien  his  nach  Galizien  hin/ieht.  Sic  ist  zugleich  die 
stidliche  Grenze  der  nordischen  Drift,  deren  Gebiet  die  Lbssablagerungen  nach 
Stlden  zu  einrahmen.  Seine  organischen  Reste  und  seine  Vertheilung  an  den 
Abhiingen  der  Flussthiiler  lehrcn,  dass  der  Loss  fluviatilen  Ursprungs,  dass  er 
aus  dem  ruhigen  Absatze  der  Trilbung  der  FlUsse  hervorgegangen  ist,  mag 
dies  in  grbsseren  seeahnh'chen  Weitungen  derSelben,  oder  in  Lagunen  und 
flachen,  durch  SanddUnen  geschdtzten  Kttslen  an  den  MUndungen  langsam  (lies- 
sender  Strbme  und  Bache  geschehen  sein  ,  worauf  die  Verbreitung  des  nord- 
deutschen  Loss  hindeutet. 

Verlassen  \vir  Europa  und  werfen  einen  raschen  Blick  auf  die  Diluvial- 
erscheinungen  anderer  Continente.  Eine  der  merkwtlrdigsten  derselben  ist 
das  massenhafte  Vorkommen  von  Skelettheilen  des  Elephas  primigenius  in  Nord- 
sibirien,  dessen  Diluvialboden  von  Mammuthknochen  ganz  durchsaet  ist,  und 
wo  so  viele  fossile  Stosszahne  gewonnen  werden,  dass  ein  sehr  bedeuteuder 
Theil  alles  in  flen  Handel  gebrachten  Elfenbeines  von  dort  stammt,  —  Be\\eise 
dafilr,  dass  jene  Gegenden  wahrend  der  Diluvialzeit  Haupttumnielplalze  des 
Maininuth  waren.  An  der  MUndung  der  Lena  wurde  im  Anfange  dieses  Jahr- 
Ininderts  der  Cadaver  eines  Mammuth  in  dem  gefrorenen  Boden  gefunden. 
Er'mass  bis  zur  Schwanzspitze  5,5  Meter  und  war  3,1  Meter  hoch.  Seine  Haul 
\\.ir  von  dichtem  Haar  bedeckt,  welches  am  Halse  und  auf  dem  Riicken  eine 
lange,  vielleicht  bis  an  die  Knie  reichende  Mahne  bildete  ;  sein  Fleisch  \sar 
so  gut  erhalten  ,  dass  es  Wolfen  und  Hunden  zum  Frass  dienle  ,  sein  Schadel 
enthielt  noch  Ilirnresle  und  den  vertrockneten  Augapfel,  zwischen  seinen  Zah- 
nen  fanden  sich  Reste  von  Coniferenzweigen  ,  die  ihm  zur  Nahrung  gedient 
hatlen.  Vor  einigen  Jahren  tauchte  an  der  Tas-Bucht  der  Cada\er  eines  y.weilen. 
mil  Haul  und  Haar  erhaltenen  Mammuths  aus  der  gefrorenen  Erde  in  Folge 
des  Thauens  derselben  hervor.  Man  hat  die  JZahl  der  in  den  letzten  200  Jahren 
durch  Th.iuen  des  Bodens  hervorgelretenen  und  durch  die  Gewa'sser  ausge- 
\\aschenen,  freilich  nur  selten  vollslandig  erhaltenen  Mamnmthleichen  auf  20,000 
geschstatt. 

Aus  den  Sand-,  Kies-  und  Moorablagerungen  des  nordamerikanische  n 
Di  lu  vialcon  tinenles  stammen  die  Reste  eines  riesigen  Mastodon  (Mastodon 
giganleus),  von  welchen  man  in  den  Torfmoraslen  des  Slaales  New-York,  New- 
Jersey  und  der  Ufer  des  Missouri  eine  Anzahl  ganz  vollslandig  erhallener 
Skelele  enlnommen  hat.  Hire  Hbhe  betriigt  fast  4  Meter,  die  Lange  ihres 
Kiirpers  gegen  <>  und  die  ihrer  Slosszahne  4  Meier;  Resle  des  Magens  mil 
liherlileihseln  von  unverdauten  Ptjchtanne-  und  Kieferzweigen  fanden  sieli  in 
dem  Uiiiime  /uischen  den  Uippen  eines  der  Thiere.  Wiihrend  das  Mastodon 
namenllich  in  der  nurdlichen  Hiilfle  des  nordainerik;inisehen  Dilnvialeonlinenles 


VI.   Historische  Geologie. 


513 


gelebt  zu  haben  scheint,  war  die  sudlit-hcre  Partie  desselbcn  von  Elephas  ame- 
ricanus  bcviilkert.  Mil  ihnen  vergesellschal'tet  kaiucn  yi^antische  Hirsche, 
Pferdf,  Hi  her,  Lb'wen  und  Biiren,  endlich  einige  Faulthiere  (Mylodon,  Mega- 

Megatherium)  vor. 

Die  angeuscheinlich  gleichalterigen ,  jedenfalls  postlertiaren  Kalktuff-  und 
l.t'lniiscliichtcn.  \velche  in  ausgedehnten  Ablagerungen  die  Pampas  des  Laplata 
in  SihlniiMM-ika  bilden,  sind  ausserordentlich  reich  an  Saugethierresten.  Ne- 
I >fn  Milu'i-n,  Pferden,  Tapiren,  Lamas,  Mastodonten,  Wolfen  und  Panthern  ziehen 
namrnilii-h  die  riesigen  Faulthiere  und  Giirtelthiere  unsere  Aufmerksamkeit  auf 


Fig.  378.  Megatherium  Cuvieri  Desm. 

sich.  Das  Megatherium  (Fig.  378)  war  bedeutend  grosser,  als  das  Rhino- 
ceros und  uberlraf  an  Masse  jedenfalls  mehr  als  hundertfach  irgend  einen  dcr 
Icbt'nden  Vcrlrctcr  dt>r  Edentata,  sein  Femur  war  etwa  dreimal  so  dick,  wie 
dt-r  finos  Klrphanten,  seine  FUsse  hatten  die  Lange  einer  Elle  und  waren  mil 


Fig.  379.  Glytodon  clavipes  Ow, 


gewaltigen  Krallen  bewaffnet.  Das  Glyptodon  (Fig.  379)  war  ein  riesiges 
(iUrti-lihier.  Es  besass,  von  der  Schwanzspitxo  bis  zum  Kopfe  gemessen,  3, 
scin  schildknitciiiilmlicher  Pan/«M-  I:(-CM\  2  Meter  Lange.  Es  bewohnten  also 
schon  zur  Tertiiirzeit  Faulthiere  und  Armadillo  denselben  Continent,  dessen 
lebende  Saugethierwelt  durch  Faulthiere,  GUrtelthiere  und  Ameisenfresser  ihren 
so  specifischen  Charakter  erhalt. 

In  Aus  trali  en  waren  die  dasselbe  in  der  postterUiren  Zeit  bewohnenden 
.  ^erade  wie  sie  es  jelzt  sind,  ausschliesslich  Beutelthiere,  nur  sind 


C'  roj  nor,  Klcinente  der  Ueologie. 


514  VI.   Hiisturischc  Geologic1. 

ihre  heutiiii'n  Yertreter  /  \\crge  iin  Yeriileiche  mil  ihren  Yorfahren.  So  war 
<las  Diprolodon  so  gross,  \\ie  rin  Ilippoj)ot;nuus,  sein  Srhadel  allein  besass 
eine  l.iingi1  \OD  einem  Meier.  In  \eu-Seeland  endlich  hauslen  :i  his  i  Meter 
hohe  straussahnliche  Riesenviigel,  die  Moas  (Dinornis  u.  a.),  \\iihrend  S;in^e- 
ihiere  ebenso  wenig,  wie  jcl/t  verlreten  waren.  i'berall  lindel  das  Gesetz  der 
Succession  gleicher  Typen  Anwendung. 

Ein  Blick  gewissermassen  aus  dor  Ycrgangenheit  iiber  Norda  me  rika 
und  Europa  wahrend  der  Kiszeil  Uberzeugt  uns,  dass  beide  (iontinenle  da- 
mals  nur  eine  verhaltnissniassig  unbedeuleiide  Grosse  besassen,  dass  sie  sich 
in  Gestalt  langgezogener  Inseln  liber  ein  Meer  erlioben,  welches  iin  Norden 
fast  ununterbrochen  bis  nacb  dein  Pole  reichte,  und  dass  sie  von  den  kalten 
Stromungen  der  Polarsee  abgektihit  wurden,  auf  der  sich  zahllose  Eislifr^c 
lununelten.  Die  Ilocbgebirge  der  Conlinente  erzeugten  niiichtige  Gletscher, 
\\dche  bis  \veit  in  die  benachbarten  Ebenen  vordrangen ;  die  gletsche'rfreien 
(ieizenden  sind  von  riesigen  Thiergeslalteu  belebt,  die  zum  grossten  Theile  in 
vorhistorischer  Zeit,  \venige  erst  spater  ausgeslorben  sind.  Das  gigantische 
Maininuth  bevolkerte  die  Walder,  das  zwcihornige  Rhinoceros  die  Sttmpfe,  das 
Hippopotamus  die  Seen  und  Fliisse,  BUQ'el  die  Ebenen,  Ba'ren  und  Hyanen  die 
Gebirge.  Zu  ihnen  gesellen  sich  Hirsche  von  riesiger  Grb'sse,  das  Elenn  und 
das  Kennlhier  in  Heerden,  sowie  Anlilopen,  Pferde,  Tiger  und  Lowen.  Ein  aulliil- 
liger  Gegensalz  zu  dem  Charakler  der  Fauna  des  jetzigen  Europa  liegt  in  dem 
Zusammenleben  von  Typen,  deren  Verwand^  heute  nur  noch  in  sudlichen, 
selbst  tropischen  Klimalen  vorkotnmen,  uiit  solchen,  welche  jetzt  noch  in  un- 
seren  Gegenden  fortexistiren,  und  endlich  mil  den  Bewohnern  der  kalten,  ja 
diM-  polaren  Zonen.  So  lebten  in  der  Glacialzeit  verschiedene  Arten  von  Ele- 
]>hanten,  Nashbrnern ,  Flusspferden ,  Hyanen  und  riesigen  Katzen  neben  drin 
Bison,  dem  Elenn,  dem  Rennthier,  deui  Eisfuchse,  dem  Vielfrasse,  dem  Lem- 
ming, die  sich  heute  alle  nach  >iorden,  sowie  neben  dem  Steinbocke,  der 
Gemse,  dem  Murmelthiere,  welche  sich  jetzt  in  die  Hochgebirge  zurUckgezo^en 
ha ben. 

Dass  der  Mensch  bereits  ein  Zeitgenosse  jener  glacialen  Thierwell  war, 
daniber  kbnnen  Zweifel  nicht  mehr  obwalten.  Hat  man  doch  in  di'iu 
Schwemmlande  verschiedenet  <ici;enden,  so  bei  Abbeville  im  Thule  drr 
Soiniiic,  bei  St.  Acheul  unweil  Amiens,  bei  Chalillon  sur  Seine,  bei  Pivry 
im  Oisethale,  bei  St.  Prest  an  der  Eure,  bei  lloxne  in  England  aus  Thon 
oder  Stein  aiiiiclei'liiile,  aber  noch  sehr  rohe  T5pferwaaren  und  \Vei'k/.eui;e, 
also  die  ei\sten  Spuren  tier  I'XisU'nz  des  Alenschon  und  daniber  Dberbleibsel, 
naiiieitllich  Zahne  von  Elephas  primigenius,  Rhinoceros  tichorhinus,  Hippopotamus 
major  und  C<er\us  mt'gaceros,  und  endlich  eine  j»'Ul  nur  noch  im  niirdlidien 
Afrika  lebende  Suss\\asst'rnuischel  Gyrona  (luminalis  gefunden,  —  und  sind 
endlich  in  /ahhvichen  Hiihlen  Deulschlands,  Englands,  Belgiens  und  Frankivichs 
Spuren  der  'rhiili^ki'it  uud  Resle  des  Menschen  in  einer  solchi-n  Art  und  \Veise 
mil  den  Dberbleibseld  der  oben  er\\iihnten,  aus^eslorbenen  Thiei'e 
sehaflel  vorgekommen,  dass  eine  andere  Erkl.irun-  als  die  ihrer  ul 
Existenz  nichl  imidieh  ist. 


VI.    Ilistomche  Geologic. 


515 


Einer  der  wichtigsten,  die  Gegemvart  des  Menschen  wiihrend  der  Eiszeit 
l>e\\eisenden  Fundpunkte  \\ar  ein  Graben  im  Torfmoore  an  der  Quelle  der 
Schusson,  einem  bei  der  Priimonstralenser  Abtei  Schusse  nrie  d  iin 
schwiibischen  Saulgau  entspringenden ,  dem  Hodensee  zufliessenden  Bache. 
Ilier  hat  sich  folgendes  Profil  ergeben  (Fig.  380):  Zu  oberst  liegt  Torf  e 
/.uin  Theil  mil  viel  Kies  /' 
gemengt  und  wird  unter- 
teut't  von  einem  I  bis  2 
.Meter  miichtiiien  l.;i)zer  von 
\\eisslich-gelbem  Kalk- 
l  ut'i  c  mil  Pupa  muscorum 
Mis.,  Helix  pulchellaDrap., 
Helix  hispida  Lin. ,  Clau- 
silia  obtusa  Pf.  und  Pisi- 
dium  fontinale  Pf.,  wo- 

duPCh  Sich  der  Kalktuff  Ols  Fig    :t80    Profil  bei  Schnssenried 

a  Kies ;   b   un.l   d  Culturschicnt   von  Schussenried ;  c   Dilavialer  K.ilklull 

diluvial  herausslellt.  «  Torf;  /  Kiea- 

Von  ihm    scharf  gelrennt,    zum  Theil,    nehmlich    bei    d  liber,    zum    Thoil    und 
/.war    links    bei    b    unler    ihm    liegt   eine    Schicht    dunkelbraunen   Mooses 
von  so  vortrefFlicher  Erhaliung,    dass   es   wie    frisch  erscheint.     Es  sind  lautt-r 
nordische  und  hochalpine  Formen,    z.  B.  das  Lappliindische  und  Gronliindischo 
H\[)iuim     sarmenlosum     und     groenlandicurn ,     sovvie    Ilypnum     fluiUins     \ar. 
tfiiuissimurn,  jetzt  nur  alpin  und   im   arktischen  Amerika  vorkommend.    Dieses 
Moos,   welches    mil  Sand   vermischl    ist,    bildet    zusammen  mil  dem  llaufwcfkc 
von  Knoclien  abgeschlachteler  Thiere    und   von  Produclen    menschlicher  Kunsl- 
It-rliiikeil   die    Culturschichl  von  Schussenried,    vvelche  augonscheinlich 
eine  zum  Anhaufen    der  Abfalle  der  KUche  und  des  liiglichen  Lebons   benutzle 
(irube  in  dem  darunler    liegenden    Kiese   ft  ausfillll    und  eine  Ausdehnung  von 
elvva    40   Quadratrulhen    und    eine  Tiefe    von    i    bis  2  Meter  besitzt.     Mil  clem 
arktischen  Gharakter   der    genanntcn,    \\ohlerhaltenem  Moose    stiiuml   der  Gha- 
rakter   der    thierischcn    Hcsic.      \Vcitaus  alle  Qbriiien  an  Menge  UbertivH'end  isl 
das  Hennthier,   vviihrend  von   anderen  Ilirschen    keine    Spur    vorhanden    isl, 
M>  \venig  \\ie  heute  der  Edelhirsch  mil  dem  Rennlhier  je  zusammen  vorkommt, 
Ncltrn    letzlerem    haben    sich    bei  Schussenried  gefunden  Skelettheile  des  Pfer- 
de>.     des    Vielfrasses   (Gulo   spelaeus),    eines    nordischen   Biiren    (L'rsus    arctos), 
iles  Wolfes,    des    I^isfuchses    und    Goldfuchses,    des    llasen,    des    Sinuseli\\anes 
und  melirerei-  Moorenten.     Alles  besiixt  einen  hoch  nordischen  Typus  und  \\cisi 
darauf    hin,    dass    zur  Xeit    der  Anhiiul'ung    jener  Kehrichlmasse  ein  Klima  ge- 
lien-schl  hat,   welches  heul<?  unter  dem   70.   Grad   nordl.    Breile  beginnl  und   in 
imseren   Hreiieii    an    der  (iren/e    des    ewigen   Sclmees   und   Eises   liei  i-selil,    dass 
mil    anderen   \\Orlen     die    jene  Gullurschicht  bildenden   Abfiille  aus  der   Kis/eil 
slammen.       Auch     der    Men  sell     leble    damals    beruils    in    jenen     (Jeuenden. 
\\urden    auch  noch   keine  Skelellheile  desselben  geftmden,   so   y.eigen   sich   doeh 
S|)iiren     seinei1    Thiitigkeit     in    den    anf^esehlaL-enen    Maiki()hren    und    Schiideln 
der    Itennlhiere    und    Pferde,    in    den    l)earbeiU'len    (ieueihen    der   ersteren,    in 

33* 


51(3  VI.    Historisdir 

den  Work/ou^cn  von  Flint,  in  den  voni  Feuer  geschwHrzten  Sehiolor-  und 
Sandsteinplatton,  \velelie  die  Sleile  der  Seliiisseln  und  I'fiinneii  M-iliiilcn.  in 
drn  hbl/.ernen  und  boinrrnrn  Nadeln,  in  den  Knollen  von  rollicr  F;irbe,  \\it- 
sie  augenscheinlirh  zum  Heinalen  des  Knrpers  bcnutzl  \\urdon.  D<T  Srhuabon 
zur  Kis/eil  bowohnendo  Mt-nseh  sland  auf  emer  noeh  selir  niederen  Cullurslufe, 
war  ihin  doch  die  Benut/ung  von  Melallen  noch  durchnus  e ben  so  IVemd,  \\ic 
die  Topferei. 

An  slidfranzbsischen  Aufschlusspunklen  sind  zusaininen  mil  Hison 
und  Ur-,  Edelhirsch-,  PyrenaVnhirsrh-,  Reh-  und  Rennlhier-Knochen  Spuren 
inenseliliehor  Kunstferligkeit  gefunden  worden,  von  denen  z.  B.  ver/.ieite 
Tbpfe  darauf  hindeulon,  dass  die  Mensehen  der  Rennthierzeil  in  Frankreich 
eine  ho'here  Culturstufe  einnahmen,  als  die  schwabisehen.  Diese  Zeiehnungen 
slellen  hauptsachlich  Renntliiere,  Ilirsehe,  kurzhalsige  Pferdo,  gomiihnlo 
Aueroelisen  und  Steinbbcke  dar.  Jcdoch  schliessl  der  Charakler  der  dainaligen 
Fauna  Sildfrankrcichs  die  Moglichkeit  nieht  aus,  dass  sie  eine  elwas  jiingoiv 
isl  als  die  Schussenrieder. 

Ebenso  instructiv   \\ie   die   Aufschliisse    von  Schussenried   sind  die  Funde 

im    Hohlefels    im    schwabischen   Achllial.      Dem    Modergrunde    dieser    Ilbhle 

entslammen    Feuersteinrnesser    der    iilteslen,     rohesten    Form,     an    der    Wur/el 

durchbolirte   Schneideziihne    des    Rennthieres    und    des    Pferdes,     Barenskeletc. 

zugespilzte  Rennlhiergeweihe,  Skelettheile  von  Elephanlen,  Rhinoceros,  Rennthier, 

Antilopen  und  gevvaltigen  Katzen,   welche  lelztere  den  Kbnigstiger  um  y3  seiner 

Grdsse  Ubertreflen.     Augenscheinlich  war   die  Jagd  der  Mittelpunkt  des  Lebens 

der    alien   llulilenbewohner,    das  Ziel    ihrer  Jagd   aber   der  Bar    und    zwar    der 

cchte  Ursus  spelaeus.     Die  Skeleltheile  dieses  Uber  3  Meier  langen  Ilolilenbiiren 

liefern   nun    den    interessanten  Beweis,  dass  derselbe  von  Mensehen  erschlagen 

und  zerlegt  wurde.    Der  Schadel  ist  stets  mil  Gewalt  zerklopft,  der  Unterkiefer 

herausgenomrnen    und    als    axtartiges     Werkzeug     benutzt,     die    markhaltigen 

Rbhrenknochen   sind   gebffnet,    die  Wirbel    entzwei   geschlagen    und    schliesslich 

sind  die  Rippen  mil  grosser  Sorgfalt  zu  Pfeilspitzen  gespalten.    Um  die  Biiren- 

kiefer  zu  kurzen,  fasslichen  Instrumenlen  und  Handwaflen  umzugestallen,  wurde 

der  aufsleigende  Ast  derselben  weggeschlagen  und  so   eine  bequeme  Handhabe 

hergeslelll,    walirend    der    spitze   Eckzahn,    dessen   Eindrilcke   man   in    viSlen 

anderen  damit  bearbeiteten  Knochen  wiedererkennt,  als  eigentliche  Axt  diente. 

Ilier   liegcn   also   die  unlrtlglichen  Bew:eise  des  Zusammenlebens  des  Mensehen 

und  der  Fauna  der  Glacialzeit  vor. 

Zu  iihnlichen  Resultalen  haben  die  Ausgrabungen  in  der  Balver  Hbhle 
auf  der  rechten  Seite  der  Hbnne  geftlhrt.  Dort  fanden  sich  in  den  zuin 
Theil  humusreichen,  zum  Theil  mil  Kalk-  und  Sandsteingerblleu  gemeniiien 
Lelmischiehten,  welche  den  Boden  der  Ilbhle  bedecklen,  neben  Resten  von 
l.quus,  Sus,  Muslela,  Castor,  Cervus,  Elephas  primigenius,  Rhinoceros  tichor- 
hinus,  Ursus  spelaeus,  Hyaena  spelaea,  Felis  spelaea  BruchslUcke  roh  goarboi- 
leten  Tbpfergeschirres,  bcarbeitele  oder  vorkohlte  Knochen-  und  GevvcihslUckc-, 
rolio  Werkzeuge  aus  Kieselschiefer  und  Feuerstein,  bearbeitete  Slilcke  von 
Kieselsehiefer  und  Sandstein,  und  endlich  Holzkohlen. 


VI     Hi>ti>iiM-hr  (u'ologie.  517 


Kin  pm/  ahnliclu-s  lV\\t>ismiUt>l  licfert  cine  Elfenbeinplaite,  su'ldir  iiu 
IVriuord  ;m  dor  Dordogne  gcfunden  \\urdc.  Auf  ihr  sind  ;uif  das  unverkenn- 
kirstr  mebrere  Hamnralhe  in  vollem  Laufe  dargcstclll;  die  kruninion  Stossziihnc 
und  kleinon  Ohren,  vvodurch  das  Mammuth  vom  Elephanten  abweicht,  sind 
i:rtivu  \\  irdtTizriioben  ,  ebcnso  die  auflallend  langen  Miihncn,  welcho  am  Hals 
und  Bauche  bis  zu  den  Knien  herabhingen.  Die  Funde  hingegen  von  mil 
Knoclirn  von  Flusspferden,  Mammuthen  und  Nashornern  vergesellschaflelen 
rohrn  IVurrsirininslrumenlen,  ja  Menschengebeinen  in  Lehm  und  Kiesablage- 
runiicn,  wie  sie  aus  dem  Somme-  und  Eurelhale,  aus  Suffolk  u.  a.  0.  bckannt 
m-Nvoi  den  sind,  kb'nnen  als  mb'glicherweise  auf  secundarer  Lagerslalte  befindlich 
gedeutt't  wrrden. 

In  Folge  saecularer  Hebungen  vergrb'sserte  sich  allmahlich  der  europaische 
Continent  der  Diluvialzeit  und  mil  Him  Deutschland,  dessen  ndrdliches  Flach- 
land  tlber  den  Meeresspiegel  taucht;  Schweden  und  Finnland  steigen  als 
Schutzwalle  zwischen  der  Ostsee  und  dem  arktischen  Meere  nebst  seinen  kalten 
Strbmungen  und  Eisbergen  empor  (siehe  pag.  130  und  502),  ein  warmeres 
Continentalklima  und  \\armere  Winde  slellen  sich  ein  ;  vor  ihnen  weichen  die 
Glelscher  zurtlck,  ihre  Schmelzlinie  rllckt  bergaufwarts,  sie  ziehen  sich  eudlich 
bis  in  das  Hochgebirge  hinauf,  —  Deutschland  hat  im  Allgemeinen  seine  hcu- 
tige  Configuration  gewonnen.  Unter  den  veranderten  Verhallnissen  sterben 
die  letzten  Zeugen  der  Vorwelt  aus,  andere  ziehen  sich  nacb  nbrdlichen  kalten 
Zonen  oder  bis  an  die  Schneegrenze  in  die  Gebirge  zurtlck,  eine  neue  Thier- 
\velt,  die  unsere  wandert  ein  oder  vvird  eingeftihrt.  Der  Mensch  breilet  sich 
aus.  Die  Gesteinsablagerungen,  welche  sich  seit  dieser  Zeit  gebildet  haben, 
\\crden  als  Alluvium  bezeichnet.  Sie  sind  der  Gegenstand  frtthcrer  Belrach- 
lungcn  gcwesen,  so  die  Producte  der  ThUtigkeit  des  Wassers  und  des  Eises 
auf  pag.  139,  160,  169,  178  und  183,  des  Vulkanismus  auf  pag.  110,  114, 
des  organischen  Lebens  auf  pag.  189.  Zu  ihnen  gesellen  sich  die  Spuren 
mcnschlicher  EingrifTe  in  das  Walton  der  Naturkrafle  und  mehren  sich  in 
drmselben  Maasse  wie  die  geistigen  und  mechanischen  HUlfsmiltel  ihrer  Ur- 
hebcr.  Denn  war  die  Mannigfaltigkeit  der  anorganischen  Natur,  der  Formcn- 
ivirhlhuin  der  Faunen  und  Florcn  eine  nothwendige  Folge  der  Suin- 
mirung  von  Resultaten  aller  frlihercn  Einzelvorgiinge,  so  gilt 
dassclbc  von  der  Vielscitiiikcil  der  geistigen  Functioncn  des  Menschen.  Unter 
dem  Einllusse  der  sich  allmahlich  hilufendcn  EindrUcke,  Erfahrungen,  Erruniicn- 
sch.iHcn  und  Erfindungen  ward  aus  dem  (icschlcchlc  der  Mammulh-,  Hcnn- 
thier-  und  Hbhleiibarenzeit  der  Mensch,  der  sich  die  Erdc  untcrthan  macht. 


REGISTER. 


A. 

Al>ic|ilr>   I  mki    444. 

Abplatlung  der  Erde  5,  26S. 

Abr;uimsalzn   366,    367. 

Al'xatzc.  untcrirdisclie  ;uis  Mineralsolulionen 
155,  in  Driison  155,  in  Spalten  157,  in 
Hoblen  158,  auf  der  Erdohorflacbe  159, 
von  Soiten  fliessender  Gewiisser  169. 

Absonderungcn  der  massigcn  Gesteinc  249. 

Abstaminiing  der  Erde  267. 

Acantbodes   361,    369. 

Arce.ssoriscbe  Beslandrnasscn  19. 

Accessorische  Bestandtheilc  der  Gesteine  18. 

Accumulate ,  lose;  Structurverbaltnisse  22, 
i;.-s|,Miiscl;i>.sc  31,  87.  Entstebung  213. 

Acer  446,   479,   481,  486. 

Acer\  ularia   293. 

Adialmandeln,   Entstoliung  155. 

Arrndns  375,  382,   386. 

Actinocrinus  334. 

Ad'-rn  20. 

Aeltere  AHuvionen  507. 

Ae<|iiatorialstrom   174. 

Acsluarica  174,  des  Amazonenslromes  174. 

Afterkrystalle  142. 

Apnoslus  298. 

Alirirn   325. 

AkHnolithscbiefer,  pciriii:r.  Bcsclir.  40. 

Alabaster  34. 

Alaiinx-hicrcr,  pclr.  Bi-sclir.  96,  siluriscli  305. 

Alnun<toin,   petrogr.   Besclir.   98. 

Alaunthnn  94. 

Allticn  439,  451. 

All.it   S6. 

Ali-thu|)tcris  332,   355. 

All.frlia   374,    378. 

Alknlicn.  Zeisclznnjzcn  durch  kohlonsaure  und 
kirsHsanrr  Alkalien  cingeleilet  152. 

Allinionen,  altere  507. 

Alluvium  266,  517. 

Alnus  446,   479,  480. 

Mpfiiulclscher  32. 

\lpons:ranit,   polriur    Bcsclir.  50. 

Alpine  Trias  396,   398. 

Altor-liolnninuug  der  Schichlenstoruiigcn  und 
der  Gebirge  844,  der  Formationen  262. 


Alleruptive  Gesteine  207. 

Alvcoliles  314. 

Amallliecn  Tlion  411. 

Amazoncnstrom,   174. 

Atnhlypterus  337,   357,   360,   369. 

Ammonites,  Iriassischc  400,  jtirassisohc  408, 
der  Kreide  435. 

Kloridus  400,  401,  tornqtus  400,  Mettcr- 
nichi  400,  Aon  401,  Bucklandi  408,  planor- 
bis  408,  angulalus  408,  raricostalus  408, 
capricornus  409,  costatus  409,  serpentinus 

409,  communis  409,    amalthcus  409,    mar- 
garitatus  409,    bifrons   410,    hcterophylliis 

410,  opalinus  415,   Murchisonne  415,  lorru- 
losus  415,  Humpliresianus  415,    Parkinsoni 
416,  macrocephalns  416,  ornatus  416,  biar- 
matus   421,    perarmatus  421,    biplex    421, 
ptychoides   424,    torlisulcatus   424,    h\  bo- 
nod  us  424,  lilbograpliii  us  424,    noricns  437, 
440,     nisus   443,     Millclianus    443,     rlioto- 
magensis  445,  peramplus  447. 

Amphibol  sielie  Hornblende. 

Amphibolit,  petr.  Bcsehr.  40,  huronischer  279. 

Ampbilogitsohiefer,   petrogr.  Beschr.   85. 

Ampbistegina   484. 

Ampboracrinus  334. 

Ampliitherium  414. 

Amplexus  334. 

Ainyedaloidische  Slructur  2«. 

Anamesit,  petrogr.  lU-vlir.  72,  im  Tertiar  497. 

Ananchylcs  448. 

Ancyloceras  443. 

Ancyloceras-Scbichten  438,  443. 

Amlauer  der  Ga'nge  252. 

Andesite,   pclrogr.  lic-dir.  68,  im  Terliar  493. 

Andreasbori;  307,   308. 

Andrias  Scbeuchzeri  487. 

Angiospermen,  die  alteslen  434,  446,  im  Ter- 
tiar 462,  479. 

Anuulalus-Schicblen  411. 

Anhydrit,  als  Geslcinsdement  18,  Gestein  34, 
in  Gyps  umgewandelt  146,  Ablagerung  des- 
selben  213,  in  der  Dyas  365. 

Anhydritgruppe  383,  393. 

Annularia  330,   355. 

Anodonta,   triassiscb  386,   388. 

Anomoptcris,  374,   378,   385. 


Krister. 


Anoplotlierium  473,  474,  476. 

Anortliit  iin  Corsit  57.  iin  Srliillert'cls  63. 

Anlhracit ,     petrog.     Beschr.    4">  ,     Kntsleliiing 

193,    195,    in    der    lautTiit.    Form    274,    im 

Silur291,   in  der  carbon    Form.  328. 
Anthracosaurus  337. 
Anthracosia,  carbonisch  335. 
Antliracolherinm  475. 
Antiklinaler  Scliichlenhait  239,  241. 
.\n\\cndnng  des   Mikroskopes    in  tier  Pctro- 

graphic  2,'!. 
Apalit.    als   (iesieinselemeiit   24,    im   Marinor 

35,    iin    Basalt   74. 
Apliaiiil   60. 

A|iliiuiitisclic  Structur  20. 
Aphanitporphv  r  60. 
Aphanitschiefer  60. 
Apiocriiiiis   411. 
Apophyllit.    seine    Knlstehung    in    Mclaphyr, 

Basalt,    Phonolith   155,    156,    von    Bergen 

396. 

.\pciph\sei)   204,   247. 
Aporrhais  speciosa  474. 
Aporoxylon  312. 

Appalachischcs  Kolilcnbassin   194,  394,   349. 
Aplien  439,   451. 

Apl\ehcnkalk  und  Aptycfaebschldfer  424. 
Aptychus  424. 
Aqiiitanien   475,   490. 
Aragonit    im   Gyps   34,    als    Erbsenslein    36, 

im   Basalt  156. 

Araucarites  in  der  Kolile  333. 
Area   296,    dyassisch   357. 
Arcliacoc.idaris  334. 
Ai'diactipteryx  420. 
Arrbi'^osaurus  357,   360,   369. 
Architektonische  Geologic  233. 
Arrlocyun   467. 
Arcnatenkalk  405. 
AnlciiiioiiscbicfiM1  320. 
Aricten-Scljichten  411. 
Arkose.   peh'ogr.   Bescbr.  89. 
Acktisclic  nrganiscln-  Hcslc  in  SchoKland  487, 

488,  503. 
Arli'sischc  Hninnon,  TomperaUirinessnngen  8, 

HciirilT  dersclbcn  166. 
Artlinipliycus  292. 
\s   :i02. 
Asaphus  298. 
\.-ar  502. 

',  vnlkanisclic,   pcliiii:i-.  Ucsclii'.  »S,    Klil- 

M4,    11."),   in  dor  Dyas  Sfi.'i. 
\>.|.|ial|,  prlrni:r.  Bcsdir.  46,  Knlsteliung  148, 

in   dcr    laiiit-iit.    Korrnat.    274,    in   Gannon 

im  Carbon  352,  iin  Jura  418,   in  dcr  K 

457. 

AspidnrliNiicliiis  423. 
As|iidura   382. 
Axph'niles  388. 
A>tcria>  Scliulxoi  448. 
.\stoniph\lliles  330,    335. 
Astische  Stufe  490. 
Aslracosp<iiii.'ia   293. 
Astronomic    als    Ililfswissenschafl    dor 

logie  2. 

\s!\  losponi.'ia  i92. 
Atliyris  concentrica  316. 


Atlantisclicr  (U-oan,  seine  Slromuimcn   175. 

Atlantis  476. 

Atolls  U2,   191. 

Atmospban1    I'riihcr    an    Knhlcnsuurc    rcicher 

218. 

Atrypa  rclicularis  296. 
Aturia  zickzack  465. 
Aufgabe  der  Geologic  1. 
Aiit'liii.'oriiiig  244. 
Aufloslichkeit  aller  Gcsteinc  142. 
Auflbsung  als  hydrocliemischer  Process  143. 
Aufricbtnng  dcr  Schichtcn  237,  244. 
Angengneiss  81. 
Augit,   als  Gesteinsclement  18,   24;    mil   Mi- 

krolitlien  26,   irn  Dinbas  60,   Zersetzbarkcit 

desselben  150. 

Augitandesil,  pctrogr.  Beschr.  69. 
Augitporpliyr  61,  in  d.  alp.  Trias  402. 
Aulococeras  401. 
Aulocopium  293. 
Aulopora  repens  314. 
Ausgchendcs  235. 
Auskoilcn  234,  236,   252. 
Auslaugungsprocesse  der  Gesteine  145,    148, 

149,   151,   152,   155. 
Auslcrbanke  191. 
Auslralischcr  Continent  9,   11,   12. 
Auswiirflinge,  vulkanischc  88,   103,  249. 
Auswurfskegel  103. 
Auvcrgne  108,  497. 
Avicula   sihirisch   296,    dyassisch    356,    365, 

jurassisch  416,   speluncaria  356,    macrop- 

tera  440,  echinata  416,  aplicnsis  444. 
Avicula-contorta-Zone  388,  393,    396,   402. 
Axinus  obtusus  480. 
Azoiscbc  Forinationcn  264  ,  269,  tabcllariscbe 

Uebersicht  283. 

B. 

Backkolde  44. 

Barlryllinm  Sclimidi   400. 

Baculiti-s  anccps  449. 

Badener  Tcgcl  482,   484. 

Bagnor  (ii'iipjic  464. 

H.iushotsand  464.   465. 

Baicra  441. 

Baltisclic  Kreidc  453. 

Bank  234. 

Barren  177. 

Barricre-Hiir  191. 

Bartontbon  464,   466,   B.   Stntc  4S9. 

liary I   als  Gcstein  38. 

Basaltc,  (icslcinsj,'nippe  72,  pctrogr.  Beschr. 
72,  73,  76,  78,  Zerscl/img  dorselbcn  151, 
156,  ihrc  Entstchung  205,  ihrc  Conlacl- 
inctamorphosen  206,  224,  -li'.> ,  im  Jura 
430,  im  Tcrliiir  493. 

Basallansliriirhc  76,   77,    der  Tcrliiirxcit   4!i:<. 

BasaltcoDglolnerate  in  Hodmen  496. 

Hasalhlcckcn    117,    119. 
I    Basaltgiingc  75,  77,    118. 
Basalljaspis  94. 
liasaltlava  75,   76,  77. 
Basaltmandclstcin  75,    77. 
Basaltkegel   117. 
Basallsaulen  76,    118. 


520 


BasalttufT,  pelrogr.  lU-sclir.  US,  Yci  kokmii: 
durch  Basalt  194. 

Hasaltthon,   75,   94,    Entstehimg  151. 

Basaltwacke  75,   Entstehung  151. 

Bassinfduniger  Schichlcnbau  241,  dcr  Koh- 
lenfonnation  329. 

Bath  41(5.   417. 

Bauschanalyscn  30. 

l!;mis  173. 

Hcckenfdrmige  Schichtenstellung  241. 

Belemnites  400,   403,   435. 

B.  paxillosus  409,  digitalis  410,  acuarius 
410,  giganteus  415,  subhastatus  416,  cnnali- 
culatus  416,  hastatus  421,  subquadralus 
440,  Brunswiccnsis  443,  Ewaldi  443,  mi- 
nimus 443,  quadratus  448,  mucronatus  448. 

Bellerophoo,  carbonisch  336. 

Bclodon  389. 

Belonite  28. 

Belvcdere-Schichten  482,  485. 

Bembridge  Series  472. 

Bergkalk  (Kohlenkalk)   338. 

Bergmehl  39. 

Bergol  46. 

Bergschlipfe  169. 

Bergtheer  46. 

Bcrnsteinfiihrcnde  Schichtcnreihe  des  Sam- 
landes  479. 

Beryll,  als  zufalliger  Gemengtheil  18. 

Besteg  233,  252. 

Bestimmung  der  Gemengtheile  der Gesteine  23. 

Beutelthier-Reste  im  Keuper  386,  395,  im 
Dogger  414,  416,  im  Purbeck  425. 

Beyrichia  298. 

Biber,  die  Oberflachenverhaltnisse  beein- 
flussend  189. 

Bildhauersandstein  446. 

Bimsstein,  pelrogr.  Beschr.  72,  Entstehung206. 

Bimssteingerdlle  88. 

Bimssteinsand  88. 

Bimssteinluff  98,  495. 

Biltersalz,  siehe  schwefelsaure  Magnesia. 

Bitumen,  als  Reduktionsmittel  148,  in  den 
Kohlen  194,  im  Gneiss  274. 

Bitumindser  Mergelschiefer  38. 

Bitumindser  Kalkstein  35,  Gneiss  274. 

Biliner  Sauerwasser  112. 

Blackband,  petrogr.  Beschr.  42. 

Blatterige  Structur  21. 

Blattersandstein  482,  483,   486. 

Blasenraume  21,  Ausfiillung  derselben  155. 

Blasige  Structur  81. 

Blastoideen  der  Kohlen  formation  334. 

Blaltersteirischiefer,  petrogr.   Beschr.  97. 

Bleiberger  Schichten  396. 

Bleierze  147,   148,  154,   159. 

Bleiglanz  154,  in  Hdhlen  159,  309,  in  Kohlen 
186,  am  oberen  Mississippi  309,  des  Ober- 
harzes  350,  von  Aachen  351,  von  Commern 
377,  in  Oberschlesien  381. 

Hldcke,  erralische  87,  vulkanische  88. 

Hluc  Lead  489. 

Bogentrumer  252. 

Hohnerz,  petrogr.  Beschr.  42,   Formation  476. 

Bohrmuscheln  in  den  Ruinen  des  Serapis 
Tempels  130,  gesteinzerstdrend  189. 

Bojische  Gneissformation  283. 


Btimhcn,    pctr.   Beschr.   88,    Entstehung  114, 

115. 
Bnncbnl,    pi-lr.    Beschr.   92,    219,    siluriscln-s 

299,   triassisches  386,   388,   395. 
Boracil,    als  accessorischer  Gemengtheil    18, 

im  Gyps  34. 
Borsaure,    als  vulkanisches  Product  113,  im 

Meer  162. 

Borsonia  gracilis  480. 
Bracklesham  464,   465. 
Brandschiefer,   petrogr.  Beschr.  38,  95. 
Brauneisenstein ,    petrogr.    Beschr.    42,     aus 

Rotheisenslein    hervorgegangen     146,     aus 

Spatheisenstein   hervorgegangen   146,   sein 

Auftreten  in  Gangen  157,  in  der  Trias  380. 
Brauner  Jura  411. 
Braunkohle,  petrogr.  Beschr.  44,  Entstehung 

193,   195,  478,  479  —  von  Bovey-Tracey 

473,  in  der  Molasse  475,  Norddeutschlands 

477. 
Breccien,    Structurverhaltniss   21,    Gestcins- 

klasse    31  ,    petr.    Beschr.    91  ,    Entstehung 

213. 

Brennung  224. 
Bronteus  317. 
Brontozoum  395. 
Brunncn,  artesische  8. 
Bryozoenschichten  219. 
Buntsandstein  266,  Schichtenstdrung  desselben 

165,    375. 

c. 

Calabrien,  Erdbeben  von,     124,  127. 
Calamites  im  Devon  312,    in   der  Kohlenfor- 

mation  330,  in  der  Dyas  355,  360. 
Calamocladus  330. 
Calamopora  314,  293,  334. 
Calcaire  grossier  467. 
Calceola  314. 

Calceolaschiefer  320,    325. 
Calymene  298. 

Camarophoria  356,   365.   369,   370. 
Cambrische  Formation  277,  278. 
Campilerschichten  399. 
Canis  spelaeus  511 . 
Cannelkohle  44. 
Caprina   446. 
Caprotina  ammonia  445. 
Capulus  296. 
Garadoc  Gruppe  305. 
Carara,  Marmor  von,  35. 
Carbonate    im    Basallmaii(lelstcii)    75,    in   der 

Basaltmasse   75,    in    heissen    Quellen    121, 

ihre   Bildung    durch    Zersetzung    von    Sili- 

caten  148. 

Carbonische  Formation  266,   328. 
Carcharodon  angustidens  466. 
Cardiola  interrupta  296. 
Cardita  crenata  400,  sulcala  466. 
Cardita-Schichten  396,   401. 
Cardium  porulosum  468. 
Carlsbad  121. 
Carnallit  367. 
Caryocystides  895. 
Cassianer  Schichten  396,  401. 
Cassis  cancellata  467. 


Register. 


521 


Catenipora  293. 

Catopterus  395. 

Catskill  Gruppe  335. 

Cauda-galli-grit  325. 

Caulopteris  378. 

(laM-rnose  Structur  21. 

Cenoman  266,  438,  445. 

Cenlrale  Erdbeben  124. 

Centrali'iiropaisi'he  Vulkanoitzunc  494. 

Centralwarme  7,   100,    Ii2. 

Ontralvulkane  107. 

Ccphnlaspis  318. 

Oratites   375,   378,   388,   398. 

C.cratodus   386. 

(leritliien-Sandstein  und  Kalksteio  il9,  468, 
482,  485. 

Cerithium  giganteum  466,  467,  468,  hexago- 
nu in  467,  468,  plicalum  473,  484,  margari- 
taceum  484,  lignitarum  485,  pictum  485. 

Cervus  im  Diluvium  508. 

Chaetetes  334. 

Chalcedonbildung  155. 

Chama  squamosa  466. 

Chemie  als  Hiilfswissenschaft  der  Geologic  2, 
chemische  Thatigkeit  des  Wassers  141,  229, 
chemisette  Processe  durch  Sickerwasser  ein- 
geleitet  143,  152,  chemische  NiederschlSge 
Gesteine  bildend  413. 

Chemung-Gruppe  325. 

l'.liia>U>lithschiefer,petr.  Beschr.  85,Entstehung 

226,  huronischer  278. 
Chillesford  beds  487. 
Chirotherium  378,   379. 
Chlor  im  Meere  162. 

Chlorit,  als  Gesteinselement  18,  im  Diorit  56, 

im  Diabas  60. 

Chloritgneiss,  petr.  Beschr.  81. 
Chloritschiefer,  petr.  Beschr.  40,  Entstehung 

227,  huronischer  277. 
Chtorkalium  213,  214. 
Chlormngnesium  213,   214. 
Chlornatrium  in  Mineralquellen  159,  in  Flus- 

sigkcitseinschliissen  202,  Absiitze   von  Ch. 

214. 

Chlorwasserstoff  als  vulkanisches  Product  113. 
C.hondrites  292. 

Chromeisenstein  im  Serpentin  41. 
Chrysotil  im  Serpenlin  41. 
Chtlionisolherme  Flachen  228. 
Cidaris  florigemma  421,  coronata  421,  vcsicu- 

tosa  445. 

Cinnamomum  476,   479,  480,  481,  482,  486. 
Classification  der  Gesteine  30. 
r.latlirnptci-is  374, -385. 
Clymenia  316,  317. 
Clymenienkalke  321. 
Cnemidium  422. 
Coblentziea  325. 
Goccosteus  318. 
C.orhliodiis  337. 
CoeloptNcliium  448. 
Colonien  im  Silur  302. 
Colorado.    Schluchtensystem    durch    Krosion 

cntstanden  168,   199. 
Comment  377. 
Conchorhynchus  382. 
Concordante  Lagerung  235,  248. 


Concretionen  19. 

Concretionsbildung,  Vcrknupfung  zweicr  (io- 
birgsgtieder  durch  C.  236. 

Congeria  483,  485. 

Conglomerate,  Struclurvcrhaltnisse  22,  df- 
slcinsclasse  31,  — petr.  Beschr.  90,  biavefl 
Conglomerat  91,  Entstehung  213,  im  Lau- 
rent und  Huron  227,  272,  278,  in  der  Dyas 
358. 

Conocardium  334. 

Conocephalus  223. 

Contactmetamorphose  223. 

Contactwirkungen  der  Eruptivgesteinc  202, 
204,  223,  224,  2*5,  402,  495. 

Continents,  ihre  Gruppirung  9,  itire  Glinlr- 
rung  10,  ihre  Umrisse  11,  Versinken  dcr- 
selben  132,  178,  Entstehung  derselben  135, 
136,  137,  Gesetzmassigkeit  ihrer  Conturfor- 
men  H,  136,  ihr  wiederh.  Untertauchen  178. 

Conus  deperditus  467. 

Coralrag  421. 

Corbis  subclathrata  423. 

Corbula  Rosthorni  401,  im  Purbeck  424,  sub- 
pisum  474. 

Cordieritfels  80. 

Cornbrash  416,  417, 

Corniferous  Limestone  325. 

Cornubianit  84. 

Coronaten-Schichten  415,  417. 

Corsit,  petrogr.  Beschr.  57. 

Crag  487. 

Crania  ignabergensis  448. 

Crassatella  sulcata  466,  ponderosa  468. 

Credneria  434,  446. 

Cretaceische  Formation  431. 

Crinoidenkalk  35,  219. 

Crioceras  443. 

Crioceras-Schichten  438,  443. 

Ctenacanthus  337. 

Ctenodus  337. 

Cuboides-Schichten  325. 

Culm  266,    377. 

Culmgrauwacke  339. 

Cultrijugalen-Schichten  325. 

Cunningliamites  446. 

Cupressinoxylum  479,  481. 

Cupressites  479. 

Cupressocrinus  314. 

Cyanit  als  accessorischer  Gemengthcil  18. 

Cyathaxonia  293,  334. 

Cyatheites  355. 

Cyathocrinus  295,  334. 

Cyathophyllum  313,   293. 

Cycadeen der  Trias  374,  des  Wi-aMcn  '• '.  I,  <i-J 

Cyclas  im  Purbeck  424,   im  Wealdcn  442. 

Cyclotithes  448. 

Cyclopteris  332. 

Cypridina,  devonisch  317. 

Cypridinenschiefer  321,  322,  3i.'i. 

Cypris  357,  im  Purbeck  22i,  im  Wealdcn  442. 

Cyrena  im  Purbeck  424,  irn  Wealdclay  442, 
im  Tertiar  465,  473. 

Cyrenenkalke  219. 

Cyrtoceras  316,   297. 

Cystideen  295. 

Cystiphyllum  314. 

Cytherea  incrassata  474. 


r>22 


I). 


Daohtlaoho  235. 
Dachflotz  365. 

Daohschiefer,  petrogr.  Bi'schr.  95.  von  Glarus 
471. 

DachsliMti   384. 

l);n -hstdnkalk  396,   401. 

Dadovvlon   312,    333, 

DainpIV,  vulkan.,  metamorphosirend  222. 

DammrifT  191. 

Dampfausstromungen   aus  vulkan.  Gest.  201. 

Danien  439,   450,   451. 

Darwin's  Theorie  257. 

Dalolilh   ini  Diorit  396. 

Daubree's  Versuche  202,  207,  227. 

Dechen,  von,  geologische  Karten  4. 

Dot-ken,  vulkanischc   117,   120,  248. 

Doislorsandstein  438,  441. 

Deltas,  Entstehung  derselben  171,  in  den 
Gebirgsseen  171,  des  Nil  172,  des  Po,  der 
Rh6ne,  des  Rhcines,  des  Mississippi  173. 

Deiidrerpeton  337. 

Donlaliuni.  triassisch  ,  Jac\e  382,  tertiar 
Kickxi  475. 

Descendenz-Theorie  257. 

Detritus  der  Fliisse  170. 

Devonische  Formation  266,   310. 

Diabas,  petr.  Besclir.  60,   Unterschiede  vom 

Diorit  61,  Entstehung  210,  im  Huron  284, 

im    Silur   304,    306,     im    Devon   324,    im 

Carbon  347. 
Diabasaphanit  60. 
Diabasiuandelstein  61. 
Diabasporphyr  60. 
Diabasschieler  60. 
Diabastufl  im  Devon  324. 
DtagoBalschtcbtaag  234. 
Diagonaltrum  252. 
Diallag  62. 

Diamant,  als  accessor,  (letnengtbeil  19,  279. 
Diatomeen ,    Kieselpanzer    der    D.    39,    188, 

Kieselsiiureabscheidung  durch  D.  188. 
Diceras  422. 
Diroratenkalk  422. 
Diohroit,  siehe  Cordierit. 
Dichte  Structur  20. 
Dichtigkcit  der  Erde  6,   7. 
Dictyonema  292. 
Dictyophyllum  441. 
Dikelooeplialus  282. 

DiluvMlablagerungeo  Norddeulschlaods  503. 
Dilu\ialgosdiiebe  499,   503,  504. 
Diluvialgldsdior  505. 
Diluvium  266,   459,   497. 
Dimerocrinus  295. 
Dinornis  514. 

Diiiotheriuin   476,   483,   484,  485,   487. 
Diorit,  petrogr.  Bcschr.  56,  "Unterschiede  vom 

Diabas  61,   Entstehung  210,   im  Devon  324, 

im  New  Red  Sandstone  395. 
Dioritaphanit  57. 
Dioritporphvr  57. 
Dioritschiefer  57. 


Diphyenkalfc  4i4,  425. 

Dtplograpsas  294. 

DiM-oidca   445. 

Discordante    Lagerung    243,    disc.     Parallel- 

structur  375. 
Dislocationen  242. 
Ditroit,  petrogr.  Beschr.  55. 
Doiigor  266,  405. 

Dolerit,   petr.  Besclir.  72,  76,  im  Tertiar  495. 
Doleritartige  Leucitbasalte  78. 
Doleritlava  73. 
Dolomia  media  396. 
Dolomit,  petr.  Beschr.  36,   seine  Entstehun.L' 

145,  216,  22t,    Hohlen    in  demselben  163, 

huronischer  279. 
Dolomitasche ,    petrogr.    Beschr.   37 ,    in    der 

Dyas  365. 
Dolomitischer  Kalkstein,  petrogr.  Beschr.   35, 

seine  Doloroitisirung  145,  seine  Entstehung 

216,   218. 
Dolomitisirung   <45,    Schiclilensldruiig  durch 

D.  165,  verschiedene  Processe  der  D.  220. 
Dolomitspath    als   Gesteinselement    18,    Auf- 

loslichkeit  desselben  145. 
Domanikkalk  322,  325. 
Domit,  petrogr.  Beschr.   66. 
Domvulkane  116,  120. 
Donau,  Flusslrube  derselben  170. 
Drift  503. 

Dromatherium  395. 
Drusen  19. 
Drusenraume,    Ausfiillung  derselben  loo,    in 

Gangen  251. 

Duckstein,   petrogr.  Beschr.  98. 
Diinen  174,   178,   195. 
Dunit,  petrogr.  Beschr.   80. 
Durchdringlichkeit  aller  (losleine  142. 
Durchgreifende  Lagerung  204,  247. 
Durchwasserungsmetamorpliose  229. 
Dutenmergel  19,   406. 
Duttweiler,  Kohlcnbrand  von  223. 
Dyas  266,  353. 
Dynamische  Geologic  100. 


£. 


Ebbe   und    Flutli   in    den   Flussen    174,    176, 

178,  an  den  Meeresufern  176,  178. 
Echinobrissus  scutatus  421. 
Echinodermen,  kalkabsopd»rod  191. 

Echinooncrinus  295. 

Echinolampas  481 . 

Echinosphaerites  295. 

Egeln,   marine  Gebildc  von  Eyoln  479. 

Eifeler  Vulkane  494. 

Eifeler  Kalk  36,   320.  325. 

Eimbeckhauser  IMatlenkalko.    424,    i25. 

Eindriicke  in  Geschieben  91. 

Einfache  Gesteino  31. 

Einfallen  der  Schichten  238. 

Einschliisse,  fremdc  25. 

Eis ,    pelrogr.  Beschr.   31,    seine    geologischo 

Thatigkeit  138.   179. 
Kin««lurzkratcre  104. 
Eisberge  32,  184,  499. 


Register. 


Eisenerze   41,    148,    im    laurenl.    (ineiss  272, 

273,  276.   im   Huron  279,   im  Silur  291,   in 

der   Kreido  433. 

Eisenjzlanz  als  vulkaiii-elies  Product  413. 
Eisenglimmerschiefer  81,  huronischer  277. 
fcisenkies,  als  aeressorisrlier  Gemenglheil  19, 

seine   Zersetzung  1*7,   seine   Bildung   154. 

auf  Ilohlen  158. 
Eiseuoolitl) ,   polrogr.  Beschr.  43,  im  Dogger 

412. 
Eiseuoxyd    als    Rotheisenerz    42,    in    Eisen- 

n\\dliydrat  uniuevsaiulrll  146. 

BUenoxydbydrat  als  Brauneisenerz  42,  aus 
Bwenoxyd  entstanden  146,  aus  Spatheisen- 
Mein  146,  Reduction  desselbcn  148,  Ab- 
lai:eriiMizeii  desselben  160,  161. 

KiM'no\\dsilicat,  Reduction  dcsselben  148. 

F.iMMin.xvdulcarbonat  als  Spatlieiseiislein  41, 
146. 

Eiseno\\duli>x>d  als  Mngncteisenslein  43. 

Biseooxydulsilicat,  OxydaUoa  desselben  146. 

Kisenspatli   41,    146.   iiii  Silur  291. 

rliM-nvitriol    147. 

F.iM'uirhen  505. 

Kisriimen  und  -rilzen  184,  185,  505. 

Eisschlifle  184,   185,  505. 

Kis/eit,  (ilt-lsclier  der  E.  182,  184,  Besclir. 
dor  K.  498. 

Eklo.uil,   petrogr.   Heschr.   79. 

Eliiolith  im  l-O\ait  55.  .Miascit  und  Ditroit  55. 

Klaslisclier  Samlstein  87. 

Elephas   ">07.    514,    516,   517. 

Ell'onhoin ,  diluviales  512,  mil  /eichnungen 
von  Elephas  voisohen  517. 

Eilipsoidgestalt  der  Erde  5. 

Elton-See  215. 

Elvans  326. 

Einporli-oihungen  242. 

KiiciiinliMiknlk  249,   379,   383. 

Knci  inns   382. 

Endnioraneii    1S3. 

KnlstrliuiiL'v\\i'ise  der  Conlinenle  107,  460, 
dfi-  Vulkiinciikegel  40i,  der  liomogcnen 
Vnlknne  119,  Entslohung  der  Bomhen, 
l.apilli,  Sandc,  Aschen  114,  115,  der  Krd- 
hfbcn  123,  128,  dor  Eruptivgesteine  201, 
dci-  Scdimciiturgesteino  211,  der  meta- 
inorpliisclnMi  (Jesteine  219. 

Entwicklongsgetchtchta  der  Erde  255. 

K....HI   2C.6,    '.64. 

Knsaiirus  3M8. 

Ku/njsrlir   Fnrmationcn   269. 

Ko/.oun   i6y,   273. 

Snnd   482,  484. 
4.   378,    885. 

l'j]ti\i-«  im   Diluvium   508. 

Erhsrnsli'jM,   pclrogr.    Bcsrlir.   36. 

Erdbelu-n,  mil  vnlkan.  Eniptioncii  \ri  liuudcin- 
114,  115.  127,  128,  vulkanisrlic  Erdbcl.ni 
123,  dop|)rl|(>  tiisacli*'  der  Krdbeben  123, 
liilensilat  derselhen  123,  wellenformige 
und  slossformige  123,  centralc,  lincare, 
transvcrsale  124,  Fortpllanzungsgesch\\in- 
di^keit  derselben  *25,  Dauer  und  Ans- 
deboOBg  deisethen  125,  Wirkunii  dt-rscl- 
ben  127,  Beziciiung  z>\isclien  Erdbeben 


und  <it'»ljrnciins(cllation  127,  Niveauver- 
anderungen  als  Kolijen  derselben  128,  131, 
E.  in  Folge  unterirdischer  Einsliirze  140, 
162,  163. 

Erdbriinde,  Wirkungen  223. 

Knlerschiilteningen  114,   123,   162. 

Erdfalle,  Vorkommen  und  Bilduna  162,  163, 
164. 

Erdfeuer  195. 

Erdgcstalt  5. 

Erdkern,  Gluthlliissigkeit  desselben  7,  100, 
\±t. 

Erdkolile  44. 

Erdoberflache,  Reaclionen  aut  diesclbe  100, 
128,  137. 

Erdoel  46,  seine  Oxydation  148,  seine  Ent- 
stehung  194. 

Erdpech  46,   148. 

Erdstbsse  123,  162,  163. 

Erhebungskratere  104. 

Erloschene  Vulkane  112. 

Erosion  167. 

Erratische  Bldcke  185,  499,  503,  505. 

Erschiitterungskreis  der  Erdbeben  124. 

Erschiitterungszone  der  Erdbeben  124. 

Erslarrungsfolge  der  tiranitgeinenglbeile  207. 

Erstarrungskruste  der  Erde  210,  268. 

Eruption  der  Stratovulkane  114,  Yorlaufer 
eincr  Eruption  114,  Eruplioncn  der  Gey- 
sirs  121,  der  homogcncn  Vulkane  119. 

Eruptivgcsteine,  ihre  Entstehuiii;  201,  Hire 
chai  akteristischen  EigcnUiiimlichkeiten  203, 
jiingcre  und  allere  205,  ihrc  Conlakl- 
metamorphosen  223,  der  azoisclicn  For- 
mationen  284,  des  Silur  304,  des  Devon 
324,  der  Kohlenformation  347,  der  D\as 
361,  der  alpinen  Trias  402,  im  New  Red 
Sandstone  395,  im  Jura  430,  in  der  Kieide 
456,  der  Tertiarperlode  493. 

Kruplivjiewasser  201,  225. 

Erze  auf  GSngen  157,  in  der  laurentisclien 
Formation  272,  273. 

Erzgiinge,  Enlslcbung  157,  in  den  azoischen 
Formalioiien  287,  im  Silur  308,  im  Devon 
327,  im  Carbon  350. 

Kr/i:ebirge,  die  Erzgiinge  des  E.  287. 

Krz.-esteine,  Familie  der  41. 

Esino  397. 

Essencr  Griinsand  438,  453. 

Estheria  386. 

Eucalyptoerinus  :H4. 

Eulysit,  petr.  Beschr.  HO. 

Euomphalus,  devoniscb  31  (i,   c.irbuniseh  336, 

Exhalation    von    Gasen    als    Aeusserun!.;    de.s 
Vulkanismus    112,    durch    organische    /IT 
-etzunj-en  entslanden  195. 

i:\..u\ra   virgula  423,  sinuata   437,   440,  Con 
loni   437,   440,   lateralis  445,   cnlumha  445, 
laciniata  448. 


F. 


Facies  der  Formationcn  260. 
Facherformige  Schichtenstellung  240. 
Fallelung  der  Scliichlcn  838, 
Faulnissprocesse  187. 


Repislor 


Fallhamirr  in  (lei-  laiiivntiM-hcn  Formation 272, 

286,   \on   kongsberg  288. 
Fallen  dor  Schirhten  238. 
Falsche  Suliieferuiif;  246,  326. 
Faliung  der  Schichten  23.S,   239,  241. 
Farbe  des  Carnalliles,   Heulandites,  Pcilhites 

u.  a.,  durch  Mikrolithe  bedingt  26. 
Fame  der  Steinkohlenperiode  331. 
Fasergyps   34. 
Faserige  Structur  21. 
Faserkohle  44. 
Favosites  293. 

Faunen  und  Floren,  ihre  Vertheilung  das  Re- 
sultat  von  Niveauveranderungen  132,  434. 
Faxbekalk  438,.  450,  453. 
Feldspathkrystalle,  zerbrochene  im  Porphyr,  • 

209,  231. 
Feldspathgesteine,  altere  49,  jiingere  64,  feld- 

spathfreie  gemengte  Gesteine  79. 
Feldspathpsammit,  petr.  Beschr.,  89. 
Felis  spelaea  511. 
Felsarten  17. 
Felsenmeer  50. 

Felsitfels,  petr.  Beschr.,  53,  209. 
Felsitpechstein,  petr.  Beschr.,  53,  209. 
Felsitporphyr,    petr.  Beschr..  51,   seine  Enl- 
stehung  206,  209,  Lagerungsverhaltnisse  209, 
Contaclwirkungen  209,  im  Silur  306,  im  De- 
von 326,  im  Carbon  347,  348,  in  der  Dyas 
361,  im  Jura  430. 
Felsittuff  96,  209. 
Fenestella  356,  365. 
Festland  und  Meer,  ihre  Vertheilung  auf  der 

Erdoberflache  9. 
Feuer,  ewige  von  Baku,  196. 
Feuerstein,  petr.  Beschr.,  39.,  in  d.  Kreide  432. 
Findlingsblbcke  499. 
Firn  31,   179. 

Fische,  silurische  298;  devonische  348. 
Flabellaria    479. 
Flabellina  448. 
Flammenmergel  438,  443. 
Flaserige  Structur  21. 
Flaserporphyre  83. 

Fleckschiefer,  petr.  Beschr.,  86,  Entsteh.  226. 
Fliessende  Gewa'sser,    ihre  mechan.    Thatig- 

keit  465. 

Flint,  siehe  Feuerstein. 
Flintconglomerat  petr.  Beschr.  91 . 
Flbtz  234. 

Fluctuationsstructur  21,  28,  29,  204. 
Flugel  von  Schichtenzonen  239. 
Fliisse,  ihr  Mineralgehalt  161,  ihre  Transport- 

t'aliigkeit   170. 

FlussigkeitseinschliisseimAllgemeinen27,202. 
Fliissiger  Urzusland  der  Erde  6,  7,   fliissiger 

Erdkern  7,  9. 
Fluor  im  Meere  162. 

Fluorcalcium  in  den  Carlsbader  Thermen  121, 
Zerselzbarkeit  452,  Lbslichkeit  457,  aufGan- 
gen  457,  im  Meere  162. 
Flussbett,  Erhbhung  desselben  171. 
Flusspath  im  Marmor  35,  in  Giingen  457. 
Flusstriibe  470,   474. 
Flussterrassen  4  74 . 
Fluth  und  Ebbe,  siebe  Ebbe. 
Fluth,  in  die  Fliisse  steigend  474. 


Flnlhon,   ihre  Wirknngon   176. 

Flbtzleerer  Sandstein  339,   340. 

Floren,  ilirc  YcTtheihing  das  Rcsullat  von  Ni- 

veaaverynderungen  132,  434;  zur  Xcit  der 

carbon.  Periode  195,  200. 
Flysch   471. 

Fontainebleau,  Sandstein   von,  472,  475. 
Foraminiferen,  kalkabsotidernd  494. 
Formationen  259. 
Formationslehre  255,  268. 
Fortpflanzungsgeschwindigkeit  d.  Erdbeb.  425. 
Foyait,  petr.  Beschr.   55. 
Franklinit  273. 
Freiberger  Gange  287. 
Frictionsstreifung  204,  501. 
Friedrichshaller  Kalkstein  384,  393. 
Friltung  224. 
Froschsaurier  337. 
Frost  als  geologisches  Agens  168. 
Fruchtschiefer,  petr.  Beschr.  86,  Entsteh.  226, 
Fucoiden  292. 
Fucoidensandstein  305. 
Fullersearth,  petr.  Beschr.  94. 
Fumarolen  113. 

Fundamentalformation  268,  275. 
Fundamentalgneiss  283. 
Fusulina  334. 
Fusulinenkalk  219,  334. 
Fusus  elongatus  474,  multisulcatus  480,  ko- 

nincki  480. 


Gabbro,  petr.  Beschr.  62,  im  Devon  324. 

Gabbro-Norit  63. 

Gange  247,  251,  252,  253,  in  den  azoischen 
Formationen  287,  im  Silur  304 ,  im  Devon  327, 
im  Carbon  350,  in  der  Kreide  475. 

Galerites  446. 

Galestes  426. 

Gallionella-Schalen,  Kieselguhr  bildend  188. 

Galmei  im  Muschelkalke  380. 

Gangauslenkungen  253. 

Ganiikreuz  253. 

Gangspalten ,  Ausfiillung  derselben  157,  251. 

Gan»zug  253. 

Ganoidfische289,  heterocercale  318,  337,  357, 
375. 

Garbenschiefer,  petr.  Beschr.  86,  Entsteh.  226. 

Gargasmergel  438. 

Case  im  Steinsalz  32. 

Gasentwicklung,  siehe  Exhalationon. 

Gasquellen  495. 

Gault  266,   438,  443. 

Gebanderte  Structur  21.. 

Gebirge  und  Beriie,  Definition  13;  ihre  fcnt- 
stehung  135,  136,  137,  245,  460,  ihr  Allor 
244,  Gesetzmassigkeiten  in  ihrcm  Vorlaufe 
u.  ihrer  Grosse  14,  136,  ihre  Herausbilduiii; 
durch  die  Thaligkeit  des  Wassors  139,  al> 
Wasserreservoirs  16o. 

Gebirgsbache,   ihre  Thatigkeit  139. 

Gebirgsglieder  233. 

Gebirgspasse  44. 

Gefalle  der  Fliisse  467. 

Gelenkquarz  87. 

Gemengte  Gesteine  31. 


Register. 


525 


Gemiincleiier  Maar  405. 

Gencratio  aequivoca  257. 

(ienesee-Slale   325. 

(ieoilen  20. 

<;-M, i:imslisi:he  Kartell   und  Prolile  : 

stische  Yerhallmsse  u.  Yerhreilnng  der  Yul- 
kane  lii.  iiinl  Yerhreitung  il.  Erdbehen  124. 
Geulogisrhe   /eilscliril'len  3. 
Geologic,  ihre  Antaihe  I,  ihre  Eintheilung  1 , 
ihre   Hill'sNvissensrhal'ten  i,  ihre  Literalur  3, 
physiographische  G.  5,  petrograph.  G.  17, 
d\  nainische  100,  petrogenetische  200,  archi- 
teklnnischt!  i3i,   histnrisclif  255. 
Gcographie  als  Ililfswissenschat't  d.   Gcol.  2, 
GeotbennMche  Tiefenstufe  s. 
(ieradlaut'eixler  Scliiehteiibau  239. 
(lerulle,  petr.  Beschr.  87,  Entstohung  139,  170. 
Ger\illia,  dyassisch  357,  triass.  374,  378,  382. 
(in •\illienbanke  219,  Gerv.-Schichten  396,  402. 
i.eM-hirhtete  Stniotur  22,  (U-scli.  Gesleine  31, 

(iesdiichtete  Gebirgsglieder  233. 
(ieschiobe,  petr.  Beschr.  87,  mitEindriicken  91, 

Entstehung  170. 
(iotadoinseln  10. 
tiestalt  und  Grosse  der  Erde  5. 
(ifsi-l/iiiii>sii.'ki'il  in  den  Umrissen  der  Conli- 
nente  11,   136,  in  den  Relieffnrmen  14,  136. 
(ir-UMiic   1 7,  alle  Gesteinc  sind  durchdringlich 

und  autlosslicli   iiu   \Vasser   142. 
Gesteinsbildong  vennitt.  durcli  Orgnnisii).  141, 
17. 
22. 

en  durch  hydrochemische 
Frocesse  152,  220,  229,  durch  Eruptivge- 
slriiir  223. 

rifstirnconstellation  und  Erdbeben  127,  125. 
dotreckte  Structur  21. 
(it-Nsir  7,    121. 
Gezeiten  174,  176,  178. 
Glacialablagerungen  501. 
Glanzkobalt.   367. 
Glacialsand  und  -It-Inn  502. 
Glanzkohle  44. 
Glas  iin  Basalt  74. 
Glaseinschllissc  25,  204. 
Glaukonit  36,  432,   434. 
Glankonilisdic  Kreide  36,  431. 
Glaukonitrnergel,  pelrogr.  Beschr.  37,  in  der 

Kreide  432. 

Glaukonitsand  431,  432. 
Glauknnitsandsein,    petrogr.    Beschr.    89,    in 

der  Kreide  432. 

Gleichfdrmige  Ucberlagerung  235,  243. 
Gletscher  179,  untere   Grenze  181,  Verlnvi- 
lung  182,  Gletscher  der  Eiszeit  182,   184, 
Thiitiiikeit  der  Gletscher  in  geol.  Beziehung 
186,  in  der  Eiszeit  499,   505. 
(ilclscherba'che  184. 
(',lct<rlifrbewegung  180. 
Glelsrhcivis  32,    179. 
Glelscherschliffe  499. 

Glimmer  als  GesteinsHement  18,  i.  Marraor  35, 
des  Granites  49,  des  Granitporphyres  und 
Kolsitporphyres  52,  des  Syenites  54  ,  des 
Diorites  56,  des  Quarztrachytes  65,  des  Tra- 
rliyti-s  66,  im  Basalt  74,  des  Greisen  79, 
di-s  Gneiss  80. 


(ilimmrrdiorit,   pelr.   Besrhr.  56. 
CilinuniM-i;nfiss  p(Mr.  Bcsclir.  SI,  Entsloh.  227. 
GliinincrporpliNrit   pclr.   Beschr.   58. 
Gliiniiicrsaiuistfin   89. 

(ilirninorschiefcr,    petrogr.    Beschr.    84,   Rnl- 
stohung  227,   huronischer  277,  devon.  311. 
Cilimmersjenit  pelr.  Beschr.   54. 
("iliiiinierthonschiefer  85. 
Cilohigenna   484. 

Gluthlliissi-er    Erdkern   7,   9,   100,    122,  ur- 
spriinglich  gluthfliissiger  Znsl.  der  Enle  2C7. 
Gl\ptodon  513. 

Gneiss,  petr.  Beschr.  80,  rolher  und  grauer  81, 
/.ersetzung  desselben  150,  Entstehnng  227, 
als  Glieder  dor  laurent.  Formation  270,  im 
Devon  311. 

Gneissgranil,   potr.  Beschr.   50.    80. 
Gneissizranulit  82. 

Gold,  als  access.  Geniength.  19,  im  Huron  280. 
Goldconglomerat  489. 

Goldiiihrende  Gange  von  Siebenbiirgen  497. 
Golfstrom  175. 
Goniatitenkalk  321,  325. 
Goniatites,  devonisch  316,  carbonisch  336. 
Gosauschichlen  439,   448. 
Gradmessung  5. 
Grammatit  im  Marmor  35. 
Granat  als  Gesteinselement   18,  19,  im  Mar- 
mor 35,  zerbrochene  Granatkrystalle  231. 
Granatfels  petrogr.  Beschr.  80. 
Granit,  petrogr.  Beschr.  49,  scdimenta're  und 
eruptive  Granite  50,  Zersetzung  desselb.  150, 
Entstehung  des  eruptiven  Granites  50,  207, 
Lagerungsverha'ltnisse    208 ,     Contactmeta- 
morphosen  208,  225,  Sedimentargranite  im 
laurent.  Gneisse  270,  Eruptivgranit  in  den 
azoischen  Formationen  284,  285,  i.Silur  307, 
im  Devon  326,  im  Jura  430. 
Granitgneiss  50,  80. 
Granitit,  petr.  Beschr.  50. 
Granitporphyr  pelr.   Beschr.    51 ,    Zerselzung 

desselben  150. 

Granulit,    petr.  Beschr.  82,  Zerselzung  des- 
selben 150,  in  der  laurent.  Formation  271. 
Graphit,  als  Gesteinselement  18,  im  Marmor  35, 

als  Gestein  45,  im  Gneiss  81,  274. 
Graphitgneiss,  petr.  Beschr.   81. 
Graphitschiefer,  petr.  Beschr.  45,  274,  279. 
Graptolithcnschiefer  294,  300,  302,  305. 
Graptolithes  294. 
Grauer  Gneiss  81. 
Grauliegendes  364. 
Gramvacke  petrogr.  Beschr.  90,  96,  von  Cob- 

lenz  320,  der  carbon.  Formation  328. 
Grauwackenformation  289. 
Great  Oolithe  416. 
Greensandformation  431,  432,  lower  Gr.  437, 

439,   451. 

Greisen,  petr.  Bescbr.  79. 
Gres  de  BeauChamp.  468. 
Gresslya  abducta  415. 

Griffelschiefer,  petr.  Beschr.  95,  246,  302,  305. 
Grobkalk  von  Paris  467. 
Grobkohle  44. 

Grodener  Schichten  396,  398. 
Griinsalz  486. 
Griinsandstein,  petr.  Besch.  89,  in d.  Kreide 4 32. 


Itrjoster. 


Griinstein,   pelr.    liesrlir.   60. 

<ii  •iinsleintiill'  petr.   Bfsrhr.   '.17. 

GruheiiNvasM'r  142. 

Grundeis   32. 

Grundiiehirue  268. 

Grundmoranen   184. 

Gnippiruiii:  der  C.ontincnle   urul  Oceane  «J. 

Cms,   petr.   Uesrhr.    87,   Bildung  149. 

<ir\phaea  iirciiiita  408,  cyrnbium  409. 

GrypbaeokaJk  210,  405. 

Guano,   pelr.    Be.schr,   46,   219. 

GufTerlinien,  siehe  Moranen. 

Gutbiera  374. 

Gultenstciner  Schichlen  396,  399. 

Gyps  als  Gesleinselement  18,  petr.  Beschr. 
des  Gesteines  33,  Gyps  und  Auhydrit  ver- 
gesellschaftet  34,  seine  Autlusung  und  Weg- 
fuhrung  144,  aus  Anbydrit  hervorgei.'.  146, 
als  Quellabsatz  161,  gypsfiihr.  Quellen  163, 
Schxvefelwasserstoff  liefernd  183,  Ablage- 
rung  desselben  214,  vulkan.  Gypsbildun- 
gen  222,  Mannigfaltigkeit  der  Entsteh.  228, 
ia  dor  Dyas  365,  des  Montmartre  473. 

Gypsschlotten  34,  144,  163,  366,  Einsturz  der- 
selben  164. 

Gxrolepis  375,  382. 


H. 


Haarspalten  ini  Gletschereis  32,  180. 

Haffe  177. 

Hallellinta,  petr.  Beschr.  83,  in  der  lauren- 

tisclien  Formation  271. 
Halianassa  482. 

llallstadter  Kalk  36,   396,  400. 
llalobia    Loinineli    400,    Schichten    der    Hal. 

Lommeli  396,   399;   H.   rugosa  401. 
Haloidgesteine  31,   32. 
HaKsites  catenularia  293. 
Hamilton  Gruppe  325. 
Hamites  444. 
llangondus  236. 
llaplocrinus  314,  315. 
Haselgebirgo,  pvtr.   Besclir.  92,  400. 
Hastingssand  439,  441. 
Hauptdolomit  396,   101. 
Hauptkieselschiefer  302. 
UiMipliiiusclu-lkalk   379,   393. 
llau\n,    im   I'honolilh  67,   iiu  Ncpholinbasalt 

77,  im  Leuritbasalt  79. 
llciulon  Series  472. 
llcbuiiiicii  des  Hodens   12S,  /.u  (irl.iriicn  245, 

in  ilcr  postcarboaiscben  I'd-indi-  :(.">:<,  354. 

Ili-isM-   yucllcn   120. 

Halderberggruppe  305,  325. 
Hi-liN   hispida   (plebeja),  511. 
llt-UcliNclii-   Stufe  486,    490. 
llemicidiiris  421. 
Ili'inirosinites  294. 
llfinpstead  series  473. 
llt-n  •iiliinnin  115. 
llfK  ynischo  Thonschiefer  283. 
Herstellung  vun  (it>slciiis>rldifTen  23. 
Hersumerschichten  42.".. 

•llcli-nii  crcale    Ganoidfisrhe    289,    318,    337, 
357,    375. 


Nils  266,   437,   438,   439. 

Ililsnmt-'loiiKTat  437,    438,   439. 

Ililssandstein  437,   438.   439. 

lliMImn   437.   438,   439. 

Hippopotamus  509,    511 . 

Hippolheriiim  483,   484, 

Hippiiritcnkalke  219,   435,  446,  447,   452. 

Hippuriles    435,    436,    446,    447,    45(1,    452, 

455. 

Historische  Geologic  2,  255. 
Hoclicbcne,  Definition  12. 
Hochgebirge,  Definition  13. 
Holie,  relative  und  absolute  13.  miltlere  Hobe 

der  (lontinente   14. 
Hohlen,    ihre    Entstehung  140,   162,   ihr  Zu- 

sammensturz   140,    162,    ihre    Ausklcidung 

158,    163. 

Hohlenbreccie  163,  509. 
Hoheutwiel  497. 
Hohlefels  516. 
Holasler  445. 
Holoptychius  318. 
Homalonolus  317. 
Homogene   Structur  20,    horn.    Vulkane  116, 

248,  deren  Entstehung  119. 
Homologe  Gestalt  der  Continente  12. 
Hornblende  als  Gesleinselement  18,  24,   mil 

Mikrolithen   26,    des    Granitporphyres    51, 

Hornblendegebilde  im  Pechstein  von  Airan 

53,  im  Syenit,   54  ,  im  Diorit  56  ,  im  Corsit 

57,     im    Quarztrachyt    65,    des    Trachylrs 

66,   des  Andesites  68,  des  Basaltes  71  ,   ilcs 

Granatfels  80;  Zersetzung  derselben   151. 
Hornblende-Andesite,   pelr.  Beschr.   68. 
Hornblende-Gneiss  petr.   Beschr.   81. 
Hornblendefels,  pelrogr.   Bcschr.   40. 
Hornblendeporphyrit,  petr.   Beschr    58. 
Hornblendeschiffer,    petrogr.  Besclircib.    40. 

227,    277. 

Horner  Schichten  4S4. 
Hornfels,   Entstehung  225. 
Hornstein,  petrogr.  Beschr.   39. 
Hudson  Periode  305. 
Hungerquelk'ii   166. 
Huronia  297. 
Huronisclie    Formation,     Genesis    227,    230, 

Stellung  266,  269,   BesHnvibimg  277. 
Hyaena  spelaea  511. 
Hybodus  375,   382,   386. 
Hydatopyrogen  202,  207. 
Hydatotlienni?.cli  204,  225. 
Hydro-eliemisehe     I'roeesse    I4li,    152.    hyd. 

Metamorphose  229. 
Hylonomus  337. 
Hyperslhen.      Melallglanx      ilosolhen      <lm-rli 

Mikrolithe  bedingt  26,   im  H\  persllienil   (i3. 
Hypersthenit ,   pelrog.    Hesdn.   63,   in  der  :il 

pinen  Trias  402. 
H\po;_'ei>e   Metamorphose  228. 
Hypnnm  ui'oenlnmlicum  von  Srhnssi'iiried  .">  1  "• 

I. 

.lakulsk,   iieolliermisclie  Tiel'enslul'e   in,    8. 
janira  ijuadricostata   4  is. 
.laspis,    petroura]ih     Besehr.    39. 
Iberger  Kalk  325,  322. 


Ichthyosaurus  407. 
[guanodon  436,  443. 

Ilfraeombe   Gruppo   325. 

IllaoilU*    2US. 

Imprajiiiation    dureh    h\dalolhermisclie    (lou- 

tactiQetemorphose  225. 
Incrustationen  clurch  kalkcarbonat   121. 
Indusienkalk  475. 
Inferior-Ooliihe   417. 
Inoceramus  pol\  plocus  4  H,  415,  sulcatus  443, 

444.  slriatus  445,  Brongniarti  446,  labiatus 

447,    prnbleinatiriis   447,    mytiloicles   447, 

C.ripsi  449,  Cuvieri  449. 
Inseln   10. 

liistantane  Niveauveranderungen  128. 
lutcrmitlirende  SpringqueUen   121. 
Jod,  ini  Moer"162. 
Irrblocke,  siohe  erratische  Blocke. 


Isrln  plorus  395. 

Ilacolumil  petr.   Beschr.  87,  iiurunischer  279. 

Juraformation  266,   402. 

.lurakalk   35. 


K. 


Kiinnelkohle  44. 

Kacnozoisch,    264,  K.   Formaliousgruppe  459. 

Kali,   Carbonalbildung  148,   149. 

Kalifeldspath,  /.ersetzung  desselben  143,  149, 
150. 

Kalisalze  YOU  Stassfurt   367. 

Kalisilicate,  Zersetzung  derselben  148. 

Kalkaphanit  61. 

Kalkausscheidung  durch  Organismen  141,  188. 
189. 

Kalkcarbonat,  als  Kalksteiu  34,  im  Dolomit 
36,  im  Diabas  60,  61  ,  in  hcisscn  Quellen 
121.,  in  den  tliessenden  Gewassern  141. 
scin  Kreislauf  141  ,  seine  Loslichkeit  145, 
seine  Kutstohuu.u'  aus  Silicaten  148,  149, 
155,  156,  seine  Wanderung  158,  in  Fliissen 
16f,  im  Meer,  141,  162,  189,  216. 

Kalkgcbirge,  Entziehung  von  kohlensaurom 
Kalk  U6,  n-icli  an  llolilcu  146,  163. 

Kalkidimmerschiefer,  petrogr.  Beschr.  35,  85, 
179. 

Kalksilicale,  Zersetzung  derselben  148. 

KalkMiik-r  35,  Knlslchung  158,  als  Quellab- 
sat/  160. 

Kalkspatl;  al>  < icslrin^clriuciil  18,  34,  im 
HaMilt  1 56,  im  Mc'laphyr  155,  auf  Giingen 
157,  in  Iluhlen  158,  als  Om-lhd.satz  169. 

Kalkslcin,  pctrii^r.  Kc.schr.  :U ,  Aufloslic-hkcit 
desselben  145,  llohlt'ii  in  dcmselbcn  163, 
AMaLM-i  uni:  416,  zoogenc  218,  seine  Dolo- 
iniii-ii-un^  iio,  seine  Dmkryatalliairuog  224, 

2i5,   430,   laurentischc  Kalkstciuc  ii(J,  227, 

271,   huronischc  279. 
Kalkluir,     pcliot;r.     Hcschr.     36,     Entstcliiint; 

mill  AlilirjiTiuii;  160,  188,  im  Diluvium  lius. 
Kampf  urn's  Dasein  257. 
Uaiils,  In-    |1\  |)o||icse  267. 
Kaolin,   pclroiif.  Krschi.   '.i;{,   KiiUlchung  150. 
Kc^cl,    \ulkanisrhc    102,    116,    117. 
Kcilformii.'f   (icstalt   di-i    ('.oiitiin-uli-   H. 
kcllo\\a\    417. 


Kcrsantit,    petrogr.   Beschr.  57. 
Kcrsauton,    petrogr.    Beschr.   57,   58. 
Kesselkrater    105. 
Keuper  i66,   375,   384,   393. 
Kies,   petrogr.  Beschr.   87. 
Kicseljit'steine,   Familic  der,  38. 
kii-MMguhr  39,  188,    189. 
Kieselpanzer  der  Diatomeen  188. 
Kieselsaure  in  heissen  Quellen  121,  in  Losmif; 
in  Sickerwassern  148,  ausgeschicden  durch 
Thiere  188. 
Kieselschicfcr,   petrogr.  Beschr.  38,  der  car- 

boniscben  Formation  328. 
Kieselsinter  39,   121. 
Kiescltuff  39,   Entstehung  121. 
Killas   326. 
Kimmeridgo  423. 
Kiuzi^it,  petrogr.  Beschr.  80. 
Kirkdale  Hohle  511. 
Klastiscbe  Gesteine  20,  21.   30,  87. 
Kliniatischc    Verhaltnisse    wiilirend   dor  car- 

bonischen  Periode  345. 
Klimazonen,   ihre  Herausbildung  460,   497. 
Klingsteju,  petrogr.  Beschr.  67. 
Klippenkalk  424. 
Knickungen  der  Schicbten  241. 
Kuistersalz  32,  486. 
Knochenbreccie,    petrogr.    Beschr.    92,    219, 

silurische  299,  diluviale  511. 
Knochenhohlen  163,  509. 
Knorpelfische  375. 
Knolenschiefer,  petrogr.  Beschr.  86,  Enlslehung 

226. 

Knotenerz  377. 

Kobalterzgauge  in  der  Dyas  367. 
Kochsalz  im  Meere  162,  213,  Ablagerung  214. 
Kornige  Structur  20. 
Kossener  Schichten  296,   402. 
Kohlen  43,  ihre  Enlslehung  192,    die  Lang- 

samkeit  ihres  Bildungsprocesses  199. 
Kohlenbildung  192,  als  geol.  Zeitmaass  299. 
Kohlenbrandc,  ihre  Wirkung  223. 
Kohleneisenstein,  petrogr.  Beschr.  42,   in  dor 

carboniscben  Formation  329. 
Kohlenformation  266,  328. 
Kohlengesteine,  Familie  der,   43;   ihre  tluter- 

scheidungsmorkmale   45,    ihre   Entstebmm 

192,    11)3. 
Kohlenkalk,    petrogr.    Beschr.   35,   266,   329, 

338. 
Kohlensiiure    als   vulkanischcs    Product  112, 

113,  in  den  Gewassern  141,  als  /crsotzun-s 

miltel    141,   143,    148,    151,    155,  157,  duivli 

Verwcsung  cnstehend   186,   192,    1 94,   195, 

196. 
K6hloiisaiiicc\halationen  der  Laacher  Gegeud 

112,  aus  Vulkanen  iiberhaupl   113. 
Koblensloiraufspeichorung  durch  Pflaiizen  189, 

192. 
Kohlon\va>sorslon"    als    Koductioiisiuillcl    148, 

186,  aus  I»nanzen  onlslohoiid  19i,  net.  I'.i.i. 
Kongsberg  288. 

Kopf;   auf  dom   K.   slobeii   238. 
Koprolitlicn  219,    509. 
Konillou,    l.ebeii>spliii|-e    dorsolben    132,    190, 

ibr  Wachslhum  als  /.oilmaass   1119. 


Register. 


Korallonbaulon  ,    als    Beweiso    fur 

134,    191,    Bodingui)'_'on    fur  diesolbon    190, 

,iU  thiorisriie  KalkausscbeidoDgefl  aus  dom 

Moon-   litii,  ;)ls  Zeitmaass  199. 
Knrallonkalk,    petrogr.    Bosr.hr.   35,   219.    iin 

Jura    -'.41.    '.45. 
Kurallonkreido  419,  432. 
Ki.rallenrifle  132,   141,   190. 
Knniiid    jtn    Murmur   ;(.">.    mi    Dolumit  37. 
Kranifii/i'lkalko   34! ,   345. 
Kr.itrr   KM ,   il.'s  Kilauoa   102. 
Kratorinsoln  106. 
Kivido.    polrogr.    Besdir.    36,   zoogon   -J)9,   ill 

Marmor   amgewaodelt  445 .   in  dor  Kreido- 

funiialion  434. 
Kreidefonnation  466,  431, 
Kroidetuff  219,  432,   von  Mastricht  438,   450. 
Kroislauf  des  Stoffes  140,  211;    des  Was-n- 

138;  des  Kohlenslofles  192,  193. 
Kryolith,  in  der  lauront.  Format.  271. 
Ki  \stalle,   zorbrochene  209,  231. 
Krystallgruppen  19. 
Krystnlliuische  Gesteine  20,  80,  Synopsis  der- 

selben  31. 

Krystallinischer  Bildungsprocess  231. 
Krystallinisclic  Schichtenreihen,  Genesis  227, 

230. 

Krystallinische  Schieferformalion  277. 
K'rystallsamlstein,  petrogr.  Beschr.  38,  Genesis 

4  is,  in  der  Trias  376. 
Kiisten,  Brandung  daselbst,  476,  Zerstiirung 

dcrselben  <76,   177,   479. 
Kiistonhebung  128,  129,  433. 
Kiistensenkung  128,  129,  431,  433. 
Kiistenriff  491. 

Kugeldiorit,  petrogr.  Beschr.   57. 
Kuizelige  Absonderung  250. 
Kugelporphyr,  petrogr.  Beschr.  52. 
Kupfer,    gediegenes    ira   Melaphyr    59,    309, 

iin  Moore  162,  durch  Reduction  ontstanden 

487,  am  Lake  Superior  309. 
Kupfererze,   154,   in  Ga'ngen  boi  Freiberg  287, 

in    der  Dyas  359,    364,   in    der  Trias  377, 

396. 

Kupferkies  147,   154,  buronischer  280. 
Kupferschiefer ,     petrogr.     Beschr.     37,     von 

Mansfcld    164,    Kntsioluing    seines    Erzge- 

haltes  187,  in   der  Dyas  364. 
Kupfervitriol   147. 

Kuppolfb'rmige  Schichtenstellung  244. 
Kuppen  248. 

L. 

Laacher  Sec  als  Maar  405,  als  Vulkanenge- 
biet  408,  494. 

Labrador  als  Gosteinselement  48,  sein  Far- 
lionspiol  durch  Mikrolithe  hedingt  26,  iin 
Diabas  60,  im  Galihro  64,  iin  Hypor- 
slhcnit  63,  Zersetzung  desselben  450. 

I.altyrinthodonten  337,   372,   375. 

l.aocopleris  441. 

I^genfbrmige  Structur  24. 

Lagengneiss  84. 

Lagor  234,   248. 

Lai.'organgc  249. 

Lagerung,    concordantc    235,    iibergrcifende 


244,     mantelfbrmige    244  ,     deckenformige 

244. 
Lagorniii:s\l.[-|,iillnisse    als    Mittel    der   Altors- 

ln->tiiiunung  von   Formationon   464. 
Lagomys  Sardus  51 1 . 
Lagune   174,    177. 
Lagunenriffc  191. 
Lake  Superior,  Molaphyr  mid  god.  Kupfor  am. 

59,   309,   Erosion  am,    469, 


Lamna   487. 

I.iiiulschneckenkalk  484,   483. 

Lapilli,  petrogr.   Bi-scln-.   ss,   Knlstohuny  114. 

415. 

Laplace's  Theorie  267. 
Lateralsecretion  457. 
Laurentische    Formation,    Genesis  227,    230, 

Steliung  266.   469,   Beschreibung  470. 
Lava,   Emporwallen   dorselbon   im  Krali-r  113, 

Eruption  derselben  114  ,  116,  l-'orll)o\vp«uii» 

der  Lavastrome  116,   Wanneleitungsftthig- 

keit  derselben   116.  Wassorgehalt  401,  405. 
Lavakegel  402. 
Lebacher  Schiefer  357. 
Lebergebirge  400. 
Lecanocrinus  295. 
Leda  Deshayesiana  480. 

Lehtn,  petrogr.  Beschr.  93,  Enlslotiuii!:  413. 
Leimbacher  Schiefer  302.  305. 
Leitfossilien  262. 
Leithakalke  482,   484. 

Lenamiindung,  Mammuthrosto  an  der  L.  514. 
Lenneschiefer  325. 
Lenticulare  Einlagerungen  234. 
Lopidodendron    im  Devon  343,   in  dor  Kohlo 

332,   in  der  Dyas  355. 
Lepidotus  442. 
Leptaena  295. 
Lettenkohle  385,   386,  393. 
Leuciscus  484,   487. 
Leucit,  als  wesentliches  Gesteinselement  18, 

24,   48,  mil  Mikrolithen   46,   im  Basalt  74. 

77,   78. 

Leucitbasalt,  petrogr.  Beschr.  77. 
Leucitlava  78. 

Leucitporphyr,  petrogr.   Bosrhr.    77. 
Leucittuff,  petrogr.  Beschr.  98,  von  Laarh  495. 
Lherzolith,  petrogr.  Beschr.  80. 
Lias  266,   405. 
Liebenerit-Porphyr  56. 
Liegendes  236. 
Lignit,  petrogr.  Beschr.  44. 
Ligurische  Stufe  490. 
Lima  triassisch  374,  382,  jurassisch  406. 
Limulus  336. 
Lineare  Erdbeben  424 
Lingula  356,   386,    antiqua  296,    prima    4*16, 

Credneri  356. 
Lingula  flags   305. 
Lintongruppe  325. 
Liparit  v»n  Ungarn  497. 
Litoralzonen  9. 
Litorinellenkalk  249,  483. 
Lithostrotion  334. 
Lituites  497. 
Llandeiloflags  305. 
Llandovery  Rocks  305. 


l.d.-iistidoii,  eailmiiiM  ho  ;<:<6 

l.dsliehkeil   ilcs  <i\|isrs    )'.',.    des    Kalk»leines 

1  15,    ties    l-'lnssspalhes    l.'iT. 
I .os-,   poti-di;r.   Hcsrhr,   93,   51  I 
Ltisskjndlein  5H. 
I.nli-d  409. 
l.ondonslul'e  489. 
l.dtiddiilhdii   464,    465. 
l.dimm\nd  (Irnppo  -2^:i 
Lonsdalia  334. 
Luphidddii   468,   474,   476. 
Linllow  Hocks  305. 
l.nnorsehiohlon  396. 
l.nlialhmondo.  Thiere,   die  orslen,    336. 
I  ultsaltel    2'iO. 
F.unzorxchichlon  396. 
l.yilil.    |ieln>ur.    Hesehr.    3S. 

M. 

Maaro    lO.'i,    Mill    l.;i;icll    494. 
Maehm-a   296. 

Macrocephalenschicbteti  415.  417. 

Maeniehoilus  316. 

Marrupotaliehthys    318. 

Miiohtiukoit  439. 

Mii-ax   ',  ',s 

Maudehm-Licr  Sand   47'J. 

Mauiie-i;i< Mi-hdiial   im   Diddinil  36,   seine   l.os- 

lichkcll    145,    seine    Mischciduiii:    au<    dcin 

\|,',.iv   ^17,    itn    riu-s\\;is-cr    l(",l,    iin    Mccro 

l«l, 

Mauiifsiiin   l.imcsloiic  369. 
MaiMir>iasiliral ,     \\  iilcrstclit    dcr    Zersctzunj; 

U'.i,    l">-2.    i:i:t,   154. 
Mani'sitxpalli,    M'ini'   Aiit'luslirhkcil  145. 

isfiislcio.  acccssorischcr  (iciiu-ntAtlK-il 

I '.i.   iin  Mill-nidi-  3.1;,   iin  l>ial)as  60,  als  Sand 

87,    Lagcrsliillon   von    M.     in    d.    Laurent. 

l-'di-in.    i73,    liin-diiiscliiM-  iSO. 
M.i'jiiclkics.   arcfssui-iscliiM-  CitMiiiMigthuil   19. 
M.uii/r,    U,-,  k.-n   ',82,   M.   Stnfc  486,   499. 
M.ilacliil    t.">4. 
Malm  40o,   417. 
Malnid   lirupp.'   305. 
Mammiilh   182,    507,   512. 
Mandchi    -JO,    I'liiMcliini-  di-i-M-llifii    1  ">.'>. 
Maiidrlslrinarlk'c  Slnictur  :H  .   hi-i  hdiiid-cm-n 

Vnlkaiirn    119. 
Maiiu'ancrxc  ,     /rrM-l/iini:    di-i-si-llicii     H7,    in 

drr   D\as  363. 

MaMikHmiiiiur    Liiijcriuix  244. 
Marcellus-Schiefer  3  :>.">. 
MariiHir.    pclfd.-r.    Hcsrlir.    3.'i,    dnivli    Mcla- 

iinn-pli<isinin-  diM    Krt'idf 
M;ir>.-hcn    ITS. 
Marxipitcs  448. 
M.I  —  i-r    S(ni<-|ni-   2i  ,     iiia-si-.- 

:ti.  die  niiissi.-i-n  FeldspaUigdsteine  47,48, 
hci  Eraplivgesteinen  108 ,  massive  cdiii-^s- 
di.-dfi-  :?:<::,  i46. 

M.i-loddii    .',S4,    485,    4S7,    512. 

MastddoiiSiiiini-,    H7.">,    3Sfi,    HS7. 

M.-iM-,     scjnc    Verlheiluni;     anf    dor    Kid-.l.ci 
IliirlH-  9;    I'liNcranderlirhkeil  seine-,  Niveans 
)2S.    129,    sein  (leliiill  iin  Minei-alsulistanzen 
1fi2,     seine     nieclianisrlie     'I'lialiukeit     174, 

(' r.>  Jiuir.  Kloniciito  ii.  Goologie. 


seine      /.erslorende  .       1 1  ,nis|i(1rln  ende      and 
\\  iederalisel/ende   'I'li.iliukeil    176. 
Meerlielien     126. 

Meerosm  und    15.    seine   Senklin^   132. 
Meei-esiuolasse    4S(i. 
Mt-erestori-asson   131. 
Meerestiefe,    urossle    15,    16. 
Meerwiisser,   sein   niineralischer   (ic-liall  162. 
Me^aceros   liiliernicus  509. 
Mi'.uidnnyx  513. 
Me-aldddll    316. 
Me-alddns   tricjnolor  401 . 
Megatherium  513. 
Meizerlea   445. 

Meissner,    Dolerile  des   M.    495. 
Melaniii  sti-dinhil'di-inis  442,   inipiiiiida    '1r>:. 
Melanopsis  Marliniana    1S5. 
Mel;ipli\r,     pelrdi.'!-.    Hosclir.     58,     Eotstetlting 
810,  im  Silur  306,   iin   Rothlie^enden   361, 
im  Ne\v-K(-d-Sands(ono  395  ,   in  dor  alpinen 
Trias  402. 
Moliiplivrinandelslein ,     pclro»r.     Boscltr.     59, 

Entstehung  155. 
Meliliili    im  NepheUnbaaaH   77,    im    Leucit- 

hasaltc  78. 

Mcnsch  ,  zur  Diluvialzcil  514. 
Meruel  ,    petrui;r.     r.escliivih.    37,     EntstehOQg 
213  ,  dos  Koupor  384  ,  385  ,  dor  Kroide  432. 
Moriiolschicfer  213. 
.Mesd/oisrh264  ;  inosdz.  Konnationsgruppc372, 

Iliiekl)lick  auf  dieselhe  457. 
Metaile,    ihre    Entstchung    durch    Roduclion 

140. 

McUillcarl)onatc,   ihre  Ehistehung  147. 
Metallsulfate,  ihre  Knlslelumg147,  Rodiicinuii; 

dcrsclben  148. 

Molamorphisclio  Gesteine  219. 
Melainorphismns    219,     dnrch    Wassor    220, 
dnrcli    viilkiin.   Diimpl'o  222,    dureli   Kolilon- 
liriiiule     223,    dureli     Kni|>li\i:ostome   223, 
iill^eineiner  227  ,  Kinwiirt'e  i;ei:en  denselben 
230. 
Motanidi-phdse  ,  P.e^i-ilT  mid  Ursa<;he  dorsolben 

220,   h\dalntherrnisclie  M.  225. 
Miascil,    potrn.ur.    liesehr.    55. 
Mii-helinia  334. 
Micdpsiinirnit  89. 
Mierastoi-  446,   448. 
Miei-dlestes   386,   389. 
Miki-dlliicliiatidiisslriieliir  21  ,   28,   29. 
Miki-dlithe.  26,  28. 
MikrostmcUir  28. 
Milidlilonkalk  219,   468. 
Millsldiieuril   260,    340. 

Minoraluiiiii.'!-,    ihre   Knlslelunii;  157,  233,  251. 
Minerallosunuon    152,   Alisiil/.e  ;ins  densellien 

155,    157,   158. 

Mincralofiie ,  als  llilfs\visst-nseliaft  dor  (lon- 
h.uie  2. 

Mioeralqaelleo ,  Gangbiidang  dun-li  sie  158, 
I  :•>!»,  ihre  Absiilzo  160. 

Mineijilsolnlidiien  ,  die  Sjekor\\  asser  \\erden 
7.\\  M.  152.,  Absiilzo  ans  donselbcn  155,  in 
Ornsen  155,  in  Spalh-n  157,  in  llolilen 
15S.  an  der  Knldlierllaehe  159,  ihr  niinera- 
lischer de-hall  160,  dom  Mecre  zugefiihrlc 
161. 

34 


530 


c  (iotcinc  212. 
Minelle ,  pelr.  Beschr.  .'10 
Miociin  260,  464,  481. 

Mississippi,    Hussijchiol    107,    Dctnltis    171. 
Miltclmorancn   183. 
Millelplancr  446. 

Millclipudcr    446. 

Molcllrn    113. 

Molassenformatioo  475. 

Molluskcii,    kalkahschcidcnd    191. 

MuniiLirapsns  294. 

Monotis  salinaria  400,    subslriala  409. 

Montlivallia   421. 

Moon?  194. 

Moorkohle  44. 

Moostorf  43,    1!»4. 

Moriincn  183. 

Mosasaiirns  436. 

Miihlsteinporphyr,  pctrugr.  Beschr.  52. 

Miinder  Mergel  424  ,  425. 

Muiiuendorfer  Hbhlc  510. 

Maiden  241. 

Muldenhucht  241. 

Muldenlinio  241. 

Muirhisnnia  ,   dcumisch  31G,   sihmsch  296. 

MiiM-hclhiiiike,  gchobene  129,  130,   im  Innorn 

dcr  ContiiiciUc   133,  als  Kalkabscheidungen 

aus  dcm  Moore   191 . 
Miischelkalk  266,   375,   379. 
Musclielsandslein  380,  486. 
Mnschelschalen  iil)er  d.  Mcersnivoau  129,  130. 
M\;icites  382. 
Mylodon  513. 

Myophoria  374,   378,   382,   401. 
Mytilus,  dyassisch  357. 

N. 

N.idelkohle  44. 

Nauelllue,    pclr.   Besc.hr.   91,    in  der  Molasse 

475. 

Nagelkalk  406. 

N.ipldlia  46,   Enlslehimg   194. 
Napbtbaquellea  von  Baku  46. 
Nalica  Iriassisch  382. 
Naticella  coslala  398. 
Nalrolilh   ini  Basalt   mid  Mclaphyr  entstehend 

155,   156. 
Natroncarbonal    in    gewissen  Uineralquelien 

159. 
Nalmnfcldspalii  ,     Zcrset/iin^    drsM-llicn    148, 

149,    130,    159. 
Nalronsilicale ,     /ci'sct/niii:     dcrsciluMi     148, 

14<J,    150,    159. 
NaliirliHic   /ucliluni;  257. 
Nanlilus  297  ,   eai  honiscli  3:t.'i ,    tiiassisch  375, 

382,  398,  400;  hidorsalus  382,  danicus  449. 
NfliiMi.m'sloin  252. 
Nchrungen  177. 
No.com  266  ,  437  ,   43S. 
Neogen  464  ,  481. 
NVphcliii,    als    rk-slcinsclcmcnl    18,    24,    dcs 

Bas;dt(>s  76,   /crsot/.harkcil    156. 
Nephclinbasalt.   pclroLii.    Hcschr.   76. 
NepfaelindolerU,    pclro»r.    Hcsc.hr.   76,    in   dcr 

l.ansit/  496,   im  siidlichcn  Dcntschland  497. 
NiTi'ilonschic'hlcn  302,    305. 


Ncrinca  lulxTcnlosi  423,  425,  \isin t;is  425, 
lirnidi  nlana  423,  pyramidalis  423. 

Ncrila  conoidca  467. 

Ncst.-r  20. 

Neusal/wcrk,  Qucllabsatzo  von,  160. 

Ncnniplcris  332,   355. 

New-red-sandslone;  lower  369,  tipper  392, 
in  Amcrika  394. 

Ni;ii-'arafalle  ,  ihrc  crodirondc  Thali.ukcil  168, 
als  Xcitmaass  198. 

Niii^araperiode  305. 

Niederrheinischfi  Tcrliarbuclii  477. 

Niederschlagc ,    gcsteinsbildcnd  213. 

Niederscldesische  Tertiarbucht  477. 

Nil-Delta  172. 

Niveauvcrandernnj.'cn  dcs  Bodens  128,  Sera- 
pislempel  130,  Slid  Amcrika  129,  Skandi- 
navicn  130,  Sicilien  und  (irossbi •itannicn  130, 
131,  dnrch  Korallenbaulen  bewiesen  132, 
in  vergangenen  Perioden  133,  135. 

Nodosaria  448,   480. 

Noeggerathia  333,  355. 

Norit,  petrogr.  Beschr.  57. 

Normalpyroxenisch  203. 

Normaltrachytisch  203. 

Nosean,  als  \\esentliches  (iesleinselement  24, 
156. 

Noseanphonolilh,    pelrogr.   Beschr.    68,    X.n 
setzbarkeit  156,  im  Laacher  Gebiete  494. 

Nolhosaurus  375,   382,   386,   389. 

Nucula  296,  Hammeri  414,  415,  amygda- 
loides  465. 

Nummismalen-Mergel  409,  41 1. 

Nurnmulitenkalk  36,   219,  469. 

Nummulitenzonen  470. 

Nummuliles  465,  466,  467,  468,   469 

0. 

Oberer  Jura  417. 

Oberquader  438 ,  448. 

Obcrsilur  299. 

Ober.strom  urul   IJntcr.stritm  im  Met'rc   174 

Obolns  296. 

Obolussandslc'in  305. 

Obsidian,  pelrogr.  Beschr.  70.  Entslclmiig 
206,  in  Ungarn  497. 

Occanischc   Inscln   11,   Slrurnungcn    174. 

Ockerabsalze  160. 

Ockerkalk  302,   305. 

Odonlopleris  330,   355. 

Oclivi;i"MCM   \dii   Noi'dainci'ika    40,    1<J6. 

Ocninger  Schiclilen  487. 

Oldliamia  281. 

Old-rcd-Sandslone  311 ,   319. 

olcaiidridium  441. 

Olenus  298. 

Oligociiti  266,  464,   472. 

Oliguklas  als  Gesleioselement  is.  dcs  <;ram- 
les  49,  dcs  (iranililcs  ,'SO,  dcs  (iraniljior- 
pliyrcs  51  ,  dcs  Fclsilporphyics  51  ,  dcs 
Syenites  54  ,  ties  qiiarzt'rcicn  Oithoklas- 
porpliyrcs  55,  dcs  Dioriles  56,  dcs  I'oi- 
phyritcs  und  Melaphyres  58,  dcs  Quarz- 
Irachyles  65  ,  dcs  Trachytes  66,  des  Ande- 
sites  6S  und  69,  dcr  Basalte  72  u.  74,  seine 
/ersetzbarkeit  U8,  150. 


Uoi-isler 


531 


OHgoklasporpbyrfl  58. 

Olivin  ills  Gesteiaselement  49,  24,  im 

62,   hn  Basalt  74,  76,  78,  Zersetzung  des- 

M'lhen    151. 

Omphacitfels,   petr.   Beschr.   79. 
Omphyma  293. 
Onchus  298. 
Oolitli,   pelrogr.  Beschreibung  36,  Entslehung 

218. 

Oolilhischer  Kalk  36. 
Oolithische  Structur  21. 
Opalinus-Thone  417. 
(>pato\\itzer  Kalk  36,   384. 
Ophit,   pelroijr.   Beschr.   57. 
Opponilzer  Schichtcn  396. 
Orhitulina  446. 
Organisches  Leben  als  geolog.  Agens186  ;  Enl- 

\\ickelung    desselben   256,  257,  265,    371, 

403,  457,  461  ,  514. 
Organische  Substanzen  in  den  Sickerwassern 

141  ,  448. 
Organische   Substanzen    produciron    Kohlen- 

sa'ure  141,  486,   als  Reductionsmitlel  148, 

486,  487. 

Oriskany  Sandstone  325. 
Onnoceras  297. 
Ornalenschichten  445,  417. 
Ornithichniten  395. 
Orthis  295,    elegantula  295,    vespertilio  295, 

INIIX  295,   tetragona  316,  strialula  316. 
Orlhoceras,    silurisoh    297,    devonisch    316, 

carbonisch  335,    triassissh  375,  398,  400. 
Orthoceratilenschiefer  325. 
Orthoccrenkalk  35,   305. 
Orthoklas,    als  Gesteinselement  48,    47,    des 

Granites  49,  des  Granitporphyres  und  Fel- 

sitporphyres    54  ,     des    Syenites    54  ,    des 

quarzfreien   Orthoklasporphyres  55  ,    seine 

Zersetzung  448,  149,  150. 
(luthoklasgestcine   47,  48,  49,    ihre  Zersetz- 

barkeit  449,   450. 
Oillioklasporphyr,   quarzfreier  ,   petrogr.    Be- 

sclir.   55. 
Ostrea  Iriassisch  382,   jurasiscb  403,    Marslii 

415,  earinala  445,    vesiculnris  448,  longi- 

ruslris    474,    callifera    474,     c\alhula    474, 

edulis  488. 
(Klenlepis  318,    349. 
(Modus   466. 
(»!../;  unites   374  ,   385. 
Otozoum  395. 
Otlrelitschiefer,   pelr.  Besehr    S(i.    hiironisi-lirr 

±TS 

Oxford  421  ,   425. 
Oxydationsprocesse  446. 

OxM-hina   487. 

P. 

Parilisclicr    Oiriill,    M-ill.'    SlcolllUllgcn    478. 

Pnlaorhinus  334,   335. 

I'alat-onisciis  337,   357,  364,   364,   3fi9. 


t. 


U>S,   473,   474,    476. 
I'iilaeoxyris  385. 

ou   i«4  .     360.     28S  ; 


Riickblick  auf  die  palaeozoischen  Pcriodcn 
:f7l. 

Palagonitfels  98. 

PalagonittufT,  petr.  Beschr.  98,  Enlsloliunii  222. 
1'allisya  385. 
Palmacites  479. 
Palmen  479. 

Paludina  orbicularis  473  ,  diluviana  505. 
Pampas,  die  Diluvialablagerungen  der  P.  513. 
1'apicrkohlc   44. 
Papiertorf  43. 
Parailoxidos  298 

Paragonilschiefer,  petr.  Beschr.  84. 
Parallelstructur  233,  ungleichformige  234. 
Pariser  Grobkalk  464  ,   P.   Stufe  489. 
Pausilipptulf,   petr.  Beschr.  98. 
Pechkohle,  petrogr.  Beschr.  44. 
Pechstein,  petrogr.  Beschr.  53,70,  im  Carbon 

347,  Entstehung  209. 
Pechsteinporphyr  54. 
Pechtorf  43. 

Pecopteris  332,  355,  385,  394. 
Pecten,    dyassisch  357,  triassisch  374,    378, 
382,  jurassisch  414,    P.   pusillus  356,   lae- 
vigatus  378,  381,  discites382,  personalus 
414,  pumilus  415,    crassitesta   440,   aspor 
445,  quadricoslatus  448,  Janus  484  ,  Miin- 
steri  481. 
Pectunculus    pulvinatus   466,    obovalus   474, 

pilosus  484  ,  Jacobaeus  488. 
Pegmatit,  pelrogr.  Beschr.  54. 
Pelit,  Structurverhaltniss  21. 
Pemphyx  382. 

Pennsylvania,  Anthracit  von  P.  194. 
Pentacrinus   scalaris    408,    subangularis    410, 

briareus  408,  basaltiformis  409. 
Pentanierus  Knighti  295. 
Pentamerus-Kalkstein  305. 
Pentreraites,   (Pentatrematites)  334. 
Peperin,  petr.  Beschr.  98.  ' 
Perioden  258. 
Perlit    (Perlstein),    petrogr.  Beschr.  71  ,    Enl- 

stehung  206,  in  Ungarn  497. 
Permisches  System  266,  353. 
Petherwin-Group  325. 
Petrefactenkunde  2. 
Pctrogenetische  Geologic  201. 
Petrographische  Geologic  (Petroi:iapliic    17. 
Petroleum,   petrogr.  Beschr.  4f>,  .Kiilstrlmni: 

494,   im  Devon  311. 

Pflanzcn  sammeln  Phosphorsiiure   INS,  schci- 
den  kohlens.  Kalk  ab18S,  dnrch  Pfl.   cin 
geleitele  geolog.   Processe  186,    188. 
Phacops  317. 
Phascololherium  444. 
Phillipsia   336,   337. 
Phoenicites  479. 
Pholidogasler  337. 
Plioladomxa   aculicoslata   423. 
Phonolith ,    pelrugr.    Beschr.    f.7 ,    seine    /.ei 

selziuiL;  I5(i,  seine  Erupluni  iin  Terliiir  494. 
Phonolilhgiingc  448. 
I'l.onolilhke-el    117,    494  ,    496. 
Phonolithtuir,   petr.   B.-schr.   «J8. 
Phosphoril,   petr.   Beschr.   38,   im  Devon  \<.->c, 
Phosphorsiiure,  ihre  ('.ircnlnlimi  im  Thier-  und 
Pflanzenreiche  188. 


532 


,    l'li\lliti:iici-, 


2. 


Pbragtnoceras  297. 

Pbyllit,    pelr.    Boschr.    s;i, 

27s. 

Phvsik,    al->  llilf«.\\i>xi'ii>cliail    dcr 
Ph\sii>i:rapliische   <icoloi:if   .1. 

Pliylogene  (ioieine  4;},  212,  418. 

Pillonm  ii|>|ic   325. 

I'inic,    vnlkanische  ,   414. 

Pinite.s   195,   479,    481. 

I'iiin.i   diliiN  iiiiiii   449. 

Pinns  Miccinifor  480. 

Pi-olillicnkalk  36,    Eiilslelmni;  \-z\  ,    u>n  Paris 

450,   451. 
Placodns   375,    382. 
Planer  432,   438,   454. 
Plai:iaulax  425. 

PlaLMoklas  als  ricslemselement    is,   25,   47. 
IMa^inklas-hasalt  72. 
PlaiMoklas-Dnlerit  72. 
l'lai;ioklas!;esleine   47  ,   48,   68. 
Planetensvslem,   seine  Knlslelunii;  267. 
Planorliis   cuomphalus  473. 
Flasliciliil  des  Kises   180. 
Plateau,    Definition   12. 

I'l.ilm.    als  accesxtii  -i.xeher  (lemeiii.'(hcil    19. 
Ratteofdnuige  Alisondci  uni!  dcr  \nlkanischcn 

(icstcino     118,    250,     cliaraktci  islis*  h    fiir 

liomouciic  Vidkane  118,  250,  plnttenluriiii.^!' 

Mincralniassi-n   l'A3.   251. 
Plalycriuus  334. 
Plalysonuis  357,   364. 
IMesiosaurus  -407. 
PteuixxHctyum  314. 

I'lriiiotomaria   496,    carhonisch    336. 

I'liocaii   266,   464,    4HI. 

IMomhii'irs,    .MiiiriiilliildiinuiMi    diiM-li   die  doi- 

li^rii   TluTiiu-n   227. 

1'lnloniscli  205,    pi.   Metamorphose  228. 
l'l\iiioiillmiii|i|ic  325. 
Polargletscber  32,  I8i. 
Polai  isalionserscheinungea  24,  25. 
I'olarstrom   175. 

I'oliiscliicfor,  pelrogr.   Beschr.   39. 
j'oKfdrisclic  Absondenrag  249. 
Polybalit  367. 
Pulynosien   11. 

I'oKpcn,    kalkahsrhi'idmd   190. 
I'orcrllanjaspis   94,    Knlslcliunii  223. 
I'm.  -n   mil  dl.iv-iil-i.ni/  gefiiHt  25,   mil  Kliis- 

si^kcit  ^i-riillt  27,   mil  <iascn  28. 
IVirosi)  Slrnctur  21  . 

l'oi-o>ila'l  scllisl  dcr  dicldosU'ii  (Jcsteine  142. 
l'oi|)li\r,   (|iiai  xlnliiiMidcr  51,   <|uarzfrt'ii'r  55. 
l'orpli\i  isclic  Slmctur  21. 
I'diphyrit  ,    pctro^r.    hcschr.   .IS,    Hnlstcluini.' 

210,     mi    Hotldic.ucnden    361,     in   dor  alp. 

Trias  402. 
i'orphxrnule,   peln^r.  Beschr.  83,   liiiruni^rlie 

178,    drvonische    :<iO. 
I'oipliNilnll,   pi-lio-i.    Beschr.   96,  209. 
I'orlaiie   (iiiiiip   325. 
I'orllandk;dk    4i5. 
I'osidonia    39S  ,      Becheri    336,      minnla    3Sfi, 

Bronni   409. 
l'osidonom\a    336,   339,    409. 

Posidoaonyenschiefer  :<:ui,  409. 

I'usli  ;n  lii.iiiM-|ii>    IViiodc   353,    354. 


I'olei-iocrinus  334. 
Potsdam-Sandslein  305 

l'riinili\c   I  in  niidiniifii   ni'.i. 

I'riinordialxonc   301,   :<0.">. 

I'risinatisclif    Alisondcninu .     KhhlcliuiiL:   di-i 

selhen   118,    l)ci  homoi;.  Vnlkanrn  118.    -i±k . 
I'rohii-slcin   39. 

Procfinfbmiatioi  43 1 . 

I'liiccssc,    li\(lii>-clirniisclic   143. 

Productive   Koldciilornialioii   338  ,   340. 

1'roduclns,  dor  Kolde  3.'(5 ,  dcr  Djas  35(5, 
365,  369,  semirclicnlaliis  335,  iiii/antens 
335,  scaliricnlus  335,  horridns  :<.")('. 

Proterosaurus  357,   365. 

IVolorardinm  338,   402,  445. 

I'rotoL'inijneiss  81. 

I'roto^iiiizranil,   pclro^r.    Beselir.   50. 

Protolia^litlVIs   63. 

I'r/ihram  288. 

Psaronius  355,   360. 

Psaminil,  SlrnclnrverJiiilliiiss  21. 

Psaininodus  337. 

1'sepliil,   Striiclnrvcrlialtniss  21. 

Pseudomorphosen  143. 

PsildiKilciischicldcn    'i1 1 . 

Psiloplivton  313. 

Plei-aspis  298. 

PlcricldliNS  318. 

I'terinca   316. 

Ptcroccias  Occam'  423. 

Plerodaclylns  419. 

Ptciopliyllnm  374,   385,   388,   394. 

Pleroznmiles    374,   385. 

I'uddin^stonc,    pclro.yr.   Bcsclir.    91. 

Pupa,   carhonisch   336,   muscornm   511. 

Purhetk  424,   425. 

Puzzolnn,    pelroi-r.    Beschr.   98. 

Pyrina   pygaea  440. 

P\i-olusil  nach   Maiiiianspalh    t '. 7. 

P\rop  iin  Serpentin  41. 

P\ro\en   sielie   Ant-'it. 


(^nadei  formation   431,    437,   438,   439,   453. 

(Jnadersandstein  43f,   438,   439,   453. 

Quarz,  als  (iesleinselement  IS,  ini  Mariuor 
35,  des  (iranites  49,  lies  <iraiiitporph\rcx 
mul  |-'elsilpoiph\ies  51,  des  Dim  it  56, 
des  Onar/traeliNl  64  mul  65,  des  Andcsit 
68  und  70,  im  dreisen  79,  im  Turmaliii- 
fels  79,  ini  (ineiss  80,  Pseudoinorpbosea 
nacli  Quaiz  143,  im  zersctzlen  Mclaph\r 
155,  im  zersezlen  Basalt  156,  auf  dan^en 
157,  in  llohlen  159,  in  Erupliviiesleinen 
202. 

(Juai  zhi  ockenfels,   pHroi-r.    Beschr.   92. 

Onai/.it,  petroi;r.  Beselir.  3S,  in  der  laniciil. 
l-'ormalion  271. 

Quaixitx  liielei    STi.   hnronischer  278. 

Onarxporphyr  51. 

Onai  xsandstein  ,      ki  \ stallinischcr  ,      pcli 
Beschr.    38,    Hnlslrhimi:   i!S,    im   ()lii;or,iii 
478. 


Onecksilher  in  der  D\as  ;tr>:<- 

Quolten,    \varine  7,    heisse    120,    Al^at/e  der 
sellien    121  ,     mineralhalliiie    <Jnelleii    1:10. 
ilnv   Absiil/c   1">9,    160  •    'fi1  -    ''"'  Mi'"'1'1'1 
m-lialt    160,    Hll,     L:\pMiilirende    lf.:t,    ilirc 
Kiilsteliimi:    Ui.'i,    liieniiende    10T.. 

UUCITIIS    176,    179,    '.SI,   4S2. 


R. 


Hadioliles.   siehe   Ilippmile- 

KaiMer  Srhichlen   396,   401. 

Haininolshci'ii   311. 

H,t|.illi  ss,    1o:<,  114. 

Basencisciistein,     pelrour     Bcschr.   42,     Hnl- 

islehmii;    is1.). 
Kastriles  294. 
Itaiirhxvacke  ,     pelroi;r.    Bcschr.     37,     in    (Iff 

D\a-,   305. 
Reading    s.-rics  464. 

ini   Hulninil   37. 
313. 
cssc   14S,    18f>. 


Rehberger  (irabon  226. 

HciclM-nhiillcr   Kalkc   3D6. 
Hcil»iini'sl>n>c(>i«in,    |n-tn>i;r.    Hcsc.hr.   92. 
Kcilu-hvulkaiic   106. 
HcliclT(.rnu-ti    dfs    I,an.lfs12, 

koil    (Icrsclltcn   135. 
Ucnnlliirr  dcr  Diluvial/fit  .51  1  ,  von  Schussen- 

ricd   ,">14,    in)    llohlcfols  516. 
Ht'plili.-ii,    dif   crsl.Mi   337. 

Itciinii  in  dor  Braonkohle  44. 

Kt-l/ia   374,    3Si,    38*. 
lUialix-lic   (iruppe   3S8,    393. 
Rhampborhynchos  420. 

Ulicin,  scin  (ichalt  an  niincralischcn  Sul)- 
slan/fii  1('»1,  I'luss^cbit-l  und  VVassei  inciii-e 
1fi7,  Dclrilus  171. 

Hlit-inisclics  Schiefergebjrge  320. 
HIiiiK.ccrns  483,  484,  485,   487,   508. 

Ulii/(.c<iralliniu   :t7S. 

UliynHmlitlios  382. 

Hliyncluinolln,  silnriscli  ilir.  ,  dcvoniscli  316. 
iViassi^'li  3S2,  jurassiscli  409,  parallolcpi- 
pr.la  316,  (-nln)i(los  316,  Mcnlxcli  382,  ri- 
111,.-,  i  i,  o<».  varians  41G,  larunosa  421,  do- 
pics>a  440,  Mantclliana  445,  ocloplirala 
448,  psillacca  487. 

HirsciiHt'im  509. 

Hii'M'ii!:ranil   286. 

Rin^Nviillo,   \nlkiinisclic   104. 

Ktitii   376,   377. 

Ho^iMislrin  ,  pt'lrni;r.  I'.i'sclir.  nr>,  Knlsli'linn;; 
21  S,  in  .Icr  Trias  376. 

llullsliirkr   212. 

HdSlrllaria    liiai-mplcra    465. 

Kolatiirisrlic   I'nllx'bcn    123. 

Htilliciscnslcin,  prlruiir.  Ht'sdir.  42,  in  Itrnnn- 
cisfioti'in  uniiloNsandolt  146,  Inirdiiischcr 
279,  iin  Devon  324. 

Holhcr  (infiss  81. 

Holliiznlli-   2S7. 

RoUlltegendes,  pcln.LT.  H.-scln.  (.»0,  von  Mans- 
fcld  1C,',.  2T.6,  3r,'(,  358. 


i-siaiicn   in  dec   laurcnliscben 

I'onnalion   273. 
llndislen   435,    444. 

Hiicken   in   tier  /eclislfinloriiialion   it(»7 
Htisflicln    30S. 
Hnsskohle  44. 
Untsclillaclicn   242. 
242. 


S. 


Saallpiiiuler  247,  252. 

Sallies   moyons  464,   du  Soissoinais  4(54,  467, 

468. 
Sachsischc    Schwciz     dnrcli    Krosuin    enlslan- 

don   168. 

Saernlare   Niveaiiveriindernnizen   128. 
SiiiilenloriniLie    Alisoiulernn^en    der    lioino-e 

nen    Vulkanc    118,     IKM    Ernplivijesleinen 

202,  249. 

Sn^cnarin,  siohe  l-opidodondron. 
Sa^enopleris   374. 
Siii»or  252. 
SalsiMi   196. 
Salt  Lake  162. 
Salze,  im  Mccro  162 
Sal/i;eliii^('  des  Salzkaninu>rt;nlos  400. 
Salzseon   162. 

Salzthon,   pclrogr.  Bcschr.  94. 
Samland  479. 
Sand,   petrogr.  Bosclir.   87,    vulkanist  her  S.. 

pclrogr.  Bcschr.  88,   Knlsleluin^   114,   115, 

170.  ' 

Sandcrzo  364. 
Sandkolilc  44. 
Sandslein,  Slruclurvi'i'hallniss  22,  (icsleins- 

classc  31,   polroiir.  Bcsc.hr.   88,    Knlslolnini; 

213,  von  Fonlaincblcau  475. 
Sanidin,  als  Goslcinsclcnicnl    IS,    des  Felsil- 

porphyivs   52,    dcr  jiin^eren    l''eldspalhi;i%- 

stcinc  64,  des  Qua rz trachytes  65,  des  Tra- 

chyt   66,     dos    I'honolilh     67,     Zcrscl/nni: 

dess(>ll)cn   150. 
Sanidinlrachyt,     pelrogr.    Bcschr.    66,     Zcr- 

si'tznn.ii  dessolhcn   150. 
Sanidin-OIigoklostrachytj  pclro^r.  Besehr.  66, 

Zcrsclznni^  desselbcn    150. 
Sallellonniiicr  ScMchtenbaQ   239,  241 
Sall.cljoc.li   241. 
Satlcllinic  241. 
Sattclriicken  240. 
SaiierslolT  in  den  Sirker\\assern   141,  0\\d,i 

lionsproccssc   dnrcli   densellien    14(i. 
Saugschicfcr. 

Saillllliff   19<. 

Saiirichnites  S.'is. 

Saiirichlhys   3S2,    3S6. 

Scaphilps   438,    439,    445,    447. 

Schaarcn  dcr  (iiinue  253. 

Schalicn,    carlionischc   336. 

Srlial-tein  ,    pelroi;r.    Bcschr.    07  ,      ini    Devon 

It4. 

Sehalsleinlireci'ic  97. 
SchalsU-icK-onglomerat  97. 
S.  liaiinikalk   370,    3S3.    393. 


534 


Scheuei>aml   und  Cieschielte  "id  I,   505. 

Schichlen   233. 

Schichlenbau  237,   339. 

Bchichtengrnppe  23."). 

Scliichtenkopf  235. 

Schichtonrcihe  235. 

Schichlenstorungcn    durch    Gyps    146,     162, 

ilire  Ursachen  162,  237,   Verschiedenartig- 

kcit  derselben    237 ,    im    Devon   326 ,     im 

Carbon  349. 

Schichlung,  Slruclurverhaltniss  22,   212,  233. 
Schichtungsllachen  233,  235. 
Schieferkohle  507,  509. 
Schieferlelten,  petrogr.  Beschr.  94. 
Schieferige  Struclur  21,  212. 
Scliieferung  233,   transvcrsale  246. 
Schieferthon,  petrogr.  Beschr.  94,  Entsteliung 

213. 

Schillcrfcls,  petrogr.  Beschr.  63. 
Schillerspath  im  Schillerfels  64. 
Scliizodus  356,  365,   369,   370,   371. 
Schizoneura  378. 
Schlackenberge  494. 
Schlackigc  Struclur  21. 
Schlamm,   Bildung  170,  172,    Ablagerungen 

171,    172,    173,    174,    177,    178. 
Schlammgesteine,  Slructurverhaltniss  22. 
Schlammvulkane   196. 
Schlangenwulste  380. 
Schliffflachen   184. 
Schlollen  34,  165. 
Schmelzlinie  der  Gletscher  181. 
Sch nee  31. 

Schorl  ,  siehe  Turmalin. 
Schbrlfels  79. 
Schoharic-Zone  325. 
Scholtland,  Vergletscherung  502. 
Schratlenkalk  439,   445. 
Sehrcibkreide  219,  432. 
Schriflgranit,  pelrogr.   Beschr.   .11. 
Schuppige  Struclur  20. 
Schussenried  515. 
Schutt,  vulkanischer  88. 
Sclmllkegcl  103,   170. 
Schwarzkohle,  pelrogr.  Beschr.   44. 
Schwel)cnde  Theilchen,  Ablagcrung  237. 
Schwelel,  als  acccssorischer  Gemcnglhcil  19, 

als    vulkanischcs  Suhlimalionsproducl  113, 

Diimpfe    von    S.    113.     Enlslehung  von   S. 

188. 

Sohwefelbaryum  154. 

Schwefeleisen  ,  Zerselzung  dessel!)en   147,  in 
Kohlen   186. 

Schwcfelige  Siiurc  .    als  \ulkanisches  Product 

113. 
Srliwefclkics,     als     access,    (lemengtheil    19, 

seine  Zerselzung  147,   154. 
Bchwefelmetalle   in    Metallsalze   zersctzi  147, 

Bildung  derselben   154,   157,    158,   als  lloli- 

Icnanskleidung    158. 
Schwefelquellen  iss. 
Schwetelsaurc     im     Mri-rc    U2,     als     vulkan. 

Product  222. 
Si •li\M'l'c|\\asserslolTgas  ,     ids  vulkan.    Product 

113.     Zrrselzuni-VM     vei-milli-M     .I 


154,   158,   188.   im  MCCTC    16-2.   Kntstehuns> 

ilcs   S.    IS7,    195,    222. 
Sch\vet'cl\vass('i-sl<)HV.\lialalioMcii  I  1H.   ihr  mc- 

tamor|)liosircud<-r  Eintluss  222. 
Schwerspath ,    als    (Jestein    38,     seine     Enl- 

slehung  157,  sein  Auflrelen  in  (iiingcn  157. 
Schybicker  Salz  486. 
Scorpione,  carbonisch  336. 
Scyphia  reticulata  422. 
Scyphicnkalkc  422. 
Secretionen  19. 

Sedimentarformationcn,  ilire  Gliederung  266. 
Sedimenlargesteinc  201,  211  ,    ihre  Kennzei- 

chen  212. 
Seebeben  126. 

Seebjoden,  Senkung  desselben   132. 
Seen   9,    Entstehung    dersell>cn    durch    Ein- 

sliirze  164,    als  Klarungsbecken   171,    Mo- 

riinenseen  186. 
Segeberg  164. 

Seifen,  petrogr.  Beschr.  87. 
__  Seismograph  124. 
Seitenmoranen  183. 
Semionolus  375,   386,   387. 
Senkung  der  Kiisten    128,    131,    locale    131, 

163,   ganzer  Continentc    132,    <los    Bmlciis 

128,  nichtvulkanisch   131,  vulkaniscli  131, 

in  friiheren  Zeitraumen  133,  353,  354. 
'  Senon  266,  438,   448. 
Septa  rten  19. 
Seplarienlhon ,  petr.  Beschr.  94,  im  Oliuoca'n 

480. 

Sequoia  473,   476,  479. 
Serapistempel  130. 

Sericilglimmerschiefer ,  petr.  Beschr.  85. 
Sericitschiefer,  petr.  Beschr.  86. 
Serpentin  ,  als  Gesteinselemcnl  18,  als  Gostciu 

41,  in  der  laurent.   Formation  272,    huro- 

nischer  279. 
Serpenlinisirung  222. 

Serpula,  kalkabscheidend  19J,  coacervala  424. 
Serpulit  219,  424,   425. 
Sewerkalk  439,  448. 
Siebengebirge  495. 
Sigillaria  312,  332,   355. 
Silber  im  Meere  162,    Enlslchung  durch   He- 

duction  187,    Silborerzj;iini;c   MUI    I'lviln-iL: 

287,    von    Koiiiisberi;    288,     \ou    I'rzibram 

288. 

Siliciitjicsleine,  Familic  der,   40. 
sill,  R&tatehaog  170. 
Silur,  266,  290,   Ruokblick  auf  das  >ihnis<-lic 

Zeilaltcr  310. 
SiiiKisaurus  375. 
Sintcrkolile  44. 
Siphonia  448. 
Skandinavien,   seine  (ilclscher   182,    ,'idl.    zur 

Eiszeil  ,f>01 . 

Smaraiidit    im  (ialiliru  63. 
Sohllliiche  235. 
Sdhlucstciu   384. 
Solilschieferthou   346. 
Snissoiiische   Slul'e    iS'J. 
Sollataren  113. 

Solcidiol'ener  Schiel'er  42:(,    42"i 
Soolen   oder  Sooj(|uellen    159. 
Sounds  178. 


Sp.iltenbddnnuen    135,     13fi,    137.     ir,3.    iiH 

231. 

Spatangenkalko   439. 
Spalaogus  llollmanni  481. 

Spathoisenstein  .    petroiM'.    Beschr.     il.     seme 
I  imxandlnni;    in   Brauneisonstoin    146,    aul 
lian.-on    137. 
Specifi-chc-    ilowieht    dor    Ik'steini"  29  .     der 

Hide  G. 

speoton   Cla\     i38. 
Sphaerodus  442. 
Sphaerolithisrho  Strueliir  il. 
Sphaerosideiit .    petroi:r.    Beschi .    42,    in    tin 

carlnm.    Formation  329. 
Sphacrulitt's  446. 
Sphenophylliim  330. 
Sphonopteris  3i<2,   355. 
Spieuol  242. 
Spinell  ini  Marmor  35. 
Spinnen,   earbonischo   336. 
Spiriler,  doMmiseli  313,  caiboniM'h  .(33,  dvas- 
MSC!I    356,    363,    triassiscli    37'.,    382,   38't,    j 
jurassisch  408  ;   S.   disjiim-lus  3  I  3,    macrop- 
terus  313,   speciosus  313,  glaher  335,   336, 
slriatns  335,   336,    tindulatus  356,   Mentzcli 
381,   382,   Walcolti    '»08,   roslratus  409. 
>pirilVr-ilisjunctns   (Vorneulii)   Schichtcn  325. 
Spirifcn-nsiiulstein  320. 
Spiriiiora  cler  Kohle  335. 
SpiMM-silr  486. 
Spond\lus  447. 
Spongienkaike  219,  418,  422. 
Spritippipllcn  121. 
spnmur  und  Sprangkltifte  242. 
Spiudi'lstoin  36,    121. 
SUingelgaeiss  81. 
Slalamnitcn.    Kntslrliunj;   138. 
Stalaktilcn   33,   Entslchuii^  158,   163. 
Sliisslurt    33,    34,    114,    215. 
Slaiiclmn.!:  238. 

Slaurolith,  als  (icnicn.ulheil   18,  86. 
slaiirolilliscliiclVr.   pclro.m1.    Hcsr-hr.   86. 
Si.'inkolili1.   polrour.    Itcschr.   44,    Enlistehung 
1!>3,    I'.i-'i.    313,    Vcikokimi;    dcrsi'lhcii     194, 
204,    209,    210,    in    d(>r   cai •Ixmisclirn   I'ur- 
nialion  3i8,   345,    in  dcr  Dyas  359,    in  dor 
Kind,-  ',33. 
Steiokohleoformatioo   266,    32s,   gcnj-r.   Vor- 

l-nMliui::   340. 
Slrinnl.    sii'hc    PclrnlrlllM. 

prlnipr.  Itcsclir.  3-J,  nN  (icslcins- 
is,  seine-  \'i'iliiviliiii|4  in  dor  h'or- 
Miatioiisrcilic  33,  seine  Anl'losiiiij;  und  Wrj^- 
Inlirunu;  14\,  Kntslriiunu  drr  Stcinsal/.ali- 
la^iTiinui'n  213,  ini  Silur  2'J1,  in  dri-|)\a- 
t6<">,  Mill  Sla-sf'nrl  :tf.G,  ini  ItiinNand- 
-trin  37fi,  ini  Mnscliclkalk  37«»,  ini  Salz- 
kainincruiil  400,  ini  Torliiii'  486,  von  Wio- 
lic/k 

Slri-nlilTK''!     Kill  Ili'll     481. 

H.-tlim-r   Sand    480. 

Stickstitd    in   den   Sicker\\ax-ei'n    141. 

Sliiiinaria   312,    333,    355. 

Stinkkalk  35,   365. 

Stink--l('in  365. 

Stirninuranen    183. 

S-tockseheider  286. 


Sloekwerk   \«>n  Go\or  286. 

Stneke    231,    ±  \1 . 

Stonestield    Slates   4U,    416. 

Slos>1'ormii:e   Krdbobcn  123. 

Stosssoito  der  Felsklippen    1^3 

S(rainberi;er  Kalke   424. 

Strandlinien   12',». 

Stratovulkano,  Cliaraktui  deiselbcn  101,  Mate- 
rial dersclben  102,  Untergrnnd  dei-sellien 
103,  Veillieilung  derselben  107,  108,  136, 
in  Knrupa  108.  in  Afrika  1 0<i  ,  in  Asien 
109,  in  Australian  110,  in  Amerika  IIO, 
aul'  den  oceanischcn  Inseln  111,  erloschene 
und  thatiiie  112,  ilire  nnrmalc  Thatitrkeit 
112,  Hire  Eruption  114. 

Streliloner  Mergcl  446,   454. 

Strcichen  der  Schichlcn  238. 

Slrintiocephalcnkalk  35,  321,  323. 

Stringocephalus  315. 

Stroniungon  im  Meere  174. 

Strdmc  248. 

Strokr  122. 

Slrophalosia  356,   363,   369,   370,   371 

Strophomcna  depressa  296.     . 

Slructur  der  Gesteinc  20  ,  der 
Vulkane  118,  der  massii;en  Ci 
249.  • 

Stylipa  421. 

Stylolithcn  380. 

Stiirme  174,  176. 

Subapenninformation  487. 

Subcarbonischc  Formation  338. 

Substanzcn,  organisrlie  als  Hednctionsinitlel 
148,  mineralische  Substanzen  in  d.  Flussen 
161,  im  Meere  162,  in  den  Quellen  159. 

Succussorisclie  Erdbeben  123. 

SussNvasserbilduiiiicn  dor  Auvergnc  475. 

Susssvasscrkalke  und  Gyps  im  tertiiircn  Seino- 
bccken  473. 

Susswasscrnudasse  486. 

Siisswasserquarz,  petrogr.   Beschr.  39. 

Sumpfcrz,  petrogr.  Beschr.   42. 

Sumptgas  194. 

Syenit,  pctrogr.  Beschr.  54,  Kntslelniiif;  209, 
im  Silur  307,  in  dcr  alp.  Trias  402  ,  im 
Jura  430. 

SNonilgrnnit,   pclro^r.    Besehr.  51. 

Syenitt;ranitporpli\r,   potrogr.  Besclir.   51,  81. 

Syenitiscber  (ineiss.   pelruLir.    Besehr.   3:1 

Syenitpurplivr,   iielmur.  Beschr.  55. 

Syrinizopora   293. 

S\nklinaler  Schic'hlenbaii   239,   241. 

T. 

Taehyhl.    petrogr.    Besclir.    78. 

Taeonisches  System   283. 

Taeniodon  388. 

Taoniopteris  385,    401. 

Tafclsdiiefor,   pelmijr.  Beschr.  'J5,   liuroniseliei 

277. 

Talk.   aK   (iesicjiisclenu-iit  18,    40. 
Talk^ranil.   siehe   I'rotogin. 
Talkscliietei-,    peti'DL'i'.  Beschr.  40,   Enlstehnn.u 

227. 
Tanner  Cirainvacko  302,  303 


536 


TapanliiMeall.ua. 

Til  |iirc    '.us 

Taumis-sdiid'cr  :<1  1  ,   320. 

Tan->endUisxc   :t;ui. 

Ta  \iles    179. 

Tfgd   482,   484,  485. 

Telcosaunix    i  on. 

Tellurfiibrende   (ijin.ui-   von  SiHtenburgiMi  497. 

Tcm|icr,i|nr.    /Illiallllic     nadl     it(<|||     K  nl  ill  licrcil 

7,    1-20,    lleraurriirkeii  di-r  Temperatnr   <lrs 
Krdiimeren  22S. 

Tenlaciililcnsdiiefer  302,  305. 

Tenlarulites  296. 

Terebdlum   I'usil'orme  466,   467. 

Terdiraldliankc  219,    379,   383. 

Terebratdla  ohlonga   440. 

Teidirahila  ;<:>:>,  Irinssiscli  374,  378,  382,  jnras- 
sisch  408,  T.  dongala  356,  vnlgaris  378, 
381,  iHiinisniiilis  409,  digona  416,  lagc- 
nalis  'illi,  peduncnlus  421,  422,  impressa 
421,  subsdla  423,  diphya  424,  ob!oni;a 
440,  laniarindiis  440,  Mouloniana  444,  se- 
miiilobosa  447,  carnca  448,  grandis  481. 

TCI  matosanrus  389. 

TertiiuToi  'illation   266,    459. 

'IVxInlaria   448,    485. 

'l'c\(iii\  siclic  Stnictur. 

Tlijilcr,  Oner-  und   Langenlhiiler  14. 

Tliall.iUiiii:_<  139,   168. 

Thaiu-lsaiui  464. 

Tlicca  297. 

Tln-rmen  7,   120. 

Thiciv,  kalkaltsondernde,  189,  218,  Kiesel- 
s;iiire  absclioidcude  188. 

'I'liicrisi-lio  Snl>stanz<-n,  ^culni;.  1'rocesse  ein- 
leiti-nd  187,  218. 

Tlnin,   petrogr.   Ik-schr.  93,   Enlslehung  213. 

TlKMiciscnsloin,   pclrogr.   Beschr.  42. 
376. 

,    Striiclurvcrhaltnissc    22,    Ge- 
-Ifinsclasse  31,  93. 

Thonglimmersebiefer,  petrogr.  Beschr.  85. 
Tlionxalx.  32.« 


i1,   pctrngr.  Boschr.   95,  seinu  Mc- 
tainorpliosc  226,  228,   huronischcr  277. 

Tliuiistcin   ^09,    362. 

Thracia  440. 

ThiiriBgiscb-Sfichsuchfi  Tcrtiarbucht  477. 

Ttuiilcs   SS5. 

'rii'li'iistnlc.   ^1'iillicniiisclie  8. 

TiH'land.    Definition   12. 

TilancisiMi    ini    liasalt  74. 

Tilanil   als  (i.-iii.-n-tlieil   19,   im  Phonolith  67. 

Tithnnischi-  Ktagc   424,   425. 

Tiu-plci  Ihuii,    pcti-ogr.   Beschr.   93. 

Todl.-N   Mcor  162,   215. 

Todllic^cndcs,  sii-lie   Hotlilirui-ndcs. 

Tnnalit    ."iT. 

Tmiuiicii  475,  490. 

Idiinliigig  252. 

Topl'stcin,    pt-h-ii-r.   Bt-srhr.   41. 

Tmvix-liirhtrn   :<«jo. 

Toil,   pclrogr.    H.-sclir.    4:t.    Kildung  nnd    Zu- 
sanuncnscl/iing    I  '.»:<,   194. 

Tornatclla   globosa   480. 
Stnl'o  490. 


i,    pclr.    lies,  |,i.    -.is 
Tourlia   438,    451,    45H. 
Toxaslcr  com|)lanatii- 
To\orcr;is    'i  4  4  . 
Tracliyt,    pclr.    Mcsclir.    (ifi, 

in  dcr  'IVrliiii'pcriodc    I'.i.f. 
Trachylconglonaerat  90,  98. 
Trachytgaoge  118. 

Tra<-li\lkc-cl    117,   494,   497. 
Trechyt-Pechslein.  pclr.   Beschr.  TH,   ^nn 
TracbyUuff,    pclr.   Bcsch.   98,   497. 
Tragos  422. 

Traiisporlircndc  Kral'l    di-i'  (ic\\asscr  1(i7,   I6S, 

169,    177. 

Trappgrjiiiulil,    pclr.    Hcsdi.   S12. 
Trans\ersalc  .Schid'criing  246,   im  Devon   326. 
Transmiilalioiis-Tlicnrie  257. 
Trass,   petr.   Bescli.   98,  495. 
Travertin,   petr.    Besdir    36,    Bildung  160,    im 

Tertiiir  475. 
Trcmadoo-Gruppe  305. 
Trematosaurus  375,   378. 
Tremolit  im  Dolomit  37. 
Trcntonkalk  36,   305. 
Treppenformii;f   \CiA\eiliin-  243. 
Trias  266,  373,  englische  392,  anienkaii    :<<»'». 

alpine  396. 
Tricliilc  28. 

Tridymit  im   Porplnrit  58,   im  Trachyt  67. 
Trigonia  navis  414,  415,  coslala  416,  clavel- 

lala  421,  caudata  444,  scabra  447. 
Trilobiten    im    Silur  297,    im  Devon  317,     in 

der  Kohle  336. 
Tri  nucleus  298. 
Trochoceras  397. 
Triimmer  20,  252. 
Triimmergesteine  20,  21,   87. 
Tschernosem,   petr.   Hcscli.   94. 
Tubicaulis  355,  360. 
Tulle  23,   (iesteinsdasse  31,    96,    EntsU-liunt: 

213,   249,  von  Laacb  494,   in  Bohmen  ','J6. 
Tuflbildung  96,  213,  304. 
TufTkcgel   102. 
Turbinolia   snlcata  466. 
Turbo  336. 

Turbonilla,   Iriassisdi.   382. 
Turmalin,    als  Ciesteinsrleiiient    IS.    im   Dolo- 

mit  37,    im  Turmalinfels  79. 
Tiirmalinl'els  7f>. 
Turneritlione   '§11. 
Turon  266,   438,  446. 
Turrililes  444,  445,   449. 
Turritella  imbricata  466,   terdidlala  l<iti,   tur- 

ris    485. 

Tutenmergd,   siche   Dnlenmcrgd. 
Txplionisdie  Stocke  248. 


u. 


2S9.    -2  HO. 

I  'dici  -ani;c  /\\isdien  kr\slallimsdicii  (icstei- 
nen  22,  /.\\iselien  klastischen  Gesteinefl  23, 
zwisdien  krystalliniscbcn  und  kl;isti-«dicn 
(iesteinen  23. 

I'd.crlagerung  23",,   243. 

Ucbcrkippuiii:    238,    243.    ',">>',.    493. 

I'ebersidit  der  Ccstein^irlcn    3  I  . 


537 


Dfer,  ZersUlr.  derselb.  durch  d.  Meei  171 

I  f,-i-\\.dl.-    17i.    ITS,    174.    177.    I7S.    r,(H. 
.">">.    •'(.">»>,    365. 


Iml.ra    14. 

I  m::i-\\amlHl«-    li.-sli-im-    -'' 

I  iidaiifriidcr  Scliichlcul.au   239. 

I  licilcs    LT\pllUs    :t  Hi. 

I  ndulatorische   Knll>.-l>«'M    1i3. 

I  .-lici-la^crum:    il3. 

3n.".. 
I  in..      cai-|...uiM-li     334       iiin-sisfli    3S6. 

W.-ald.-n    '.  i-J. 

I  iitcrL'niml  dcr  Yulkam-    HIM. 
I  nti'rmi'.-risrlic   Walik-i-   131. 
I  utcnu.lith   447. 
I  utt-rplam'i-  439,   444. 
I  utcrquadci-   439,    444. 


I  i--.-l.ii-i:.-   i69. 

I  r^m-issformatinn  i70. 

t  i-mii.  -n    439. 

I  !••*•  hii-tVriormatioii,  Bescbreiboog  477. 


scli.-r  (it-slfiiM-   i30. 
I  i>|iniiii:li«-lii-i-   /.ustaii.l    ilcr 

I  i-us  s|t.-la.-iis  :;os.  :iio.  :;i.">.  im  H..lili'1'.-N  5W 
I  rllmiisrliii'l'i-r.    |>.-tr     Ucs.-lir.    Sj. 


V. 

\.i.iiialriikalk    3U.".. 

\  .11  -lal.ilitat    i.">7. 

\.nmlil,   pi'lr.    IVschi.    61. 

\  rm-ricardia 

\  i-i-alidcrlicliki-il 


4(>"»,    46«>. 
ir.lisrlicn    \  .-I  lialliu->s,- 


Vererblicbkeil  i.">7. 
\.-rdi-iirkcti   il«-r  (iai 
\t-rulasiiiii:    ±±k. 

V'erkohlungsprocess 
desselben  m'.,  ii 

N.-m.-uili-Schi.-!.-!-  3 


,  ^74.  Besehleonigaog 


VersleJneroBgsflihrung  als  Millcl  xui  Itcslim- 
iiiiint:  des  Alters  di-r  K«»i-nialii»inMi  46i. 

\i-r\\crlVr  i4i,    i  ."•:<- 

\«-r\\.'rtiin-rii  Hi'.,  i4i,  i53,  in  <I«T  Kohlfii- 
lurnialioii  :t:,U.  in  ilfi  'I'ria^  391. 

\rr\\rMiiiii,    durch   <lii-srll  .....  ini:flfilf|f   I'ni- 

pesse  isti,  iiti. 
\.-r\s  iltcnini:   149. 
\  ichtcr  Srliirlilrn    :ii.">. 
\ii-lu.iakalk   396,    399. 
\i\ianit  ill   KIHH-III-II   488. 
Nd-.-ln--.!.'.    r.^sil.-   :c.i.'i. 

Vogesensandstein  37r,,  :i77,  393. 
V..'lt/.in  374,  378,  385,  394,  401. 
Vi.luta  no.li.sa  465,  athlfta  46fi. 
\  uikaiic  nut,  tii-scliiclit.  101  .  anteraeeiflche  405, 

imnnalr  Thaliukcil  Hi.  im  /nslan.li'  .l.-r 
Kniption  114,  homog.  V.  llti.  Vi-rkiiiip  11111- 
di-r  iKHiioiicm-n  und  ^i-srliirhlclcn  Vulkam- 
1  1'j.  (-(iiiiliinirli'  Vulkam-  1  19. 

\  ulkaiHMi!:i-U|ipi'ii   10ti. 

YulkamMiinsrlii    Hi:.. 

cl    10-J.    1  Hi.    117. 


\  iilkam-in  riln'ii    I  IK;. 

Vulkanischer  Schutl  ss,  404,  KntstciuiiiL;  do*- 

s.-llx-n    in.   IM .    H*. 

\iilkaiiismus  1l)0,   scin  Kinllu>x  iUil   dir   lird- 
1H7. 
li.-xl.-uu-      ilnv    Knlsli-liuiijj    iOl . 


W. 


\Vackc    si.-hi-  Basal twacke. 

\Vackciillu.u.    pt-tr.   Hcschr.   94,   Knlsteli.  454 . 
\Valdct.    \cr-uukciH',   submarine  434. 


Walcliia    :$:•).•),    360. 

Walcliicnsandstoin  360. 

\Valknvnlr.    pclr.    Hoschr.  94. 

\VavM-r.  s.-im1  t:<.Mil.  'I'liati-ki-il  137,  I  .'i  '.  .  -J^'.i, 
die  von  ihin  aut'tiHostcn  Hcslamlihcili1  15^, 
460,  161,  I6f,  seine  mechan.  Th&tigk.  165, 
seine  Gegeawart  bci  Eruptionen  id,  Mcta- 
morpluiM'  durch  st-iiii'  Kinwirkung  229. 

\Vass,-rdiimpl'c   als   \ulkan.    Kxlialalioncn   113. 

NVasscrcis  :<i. 

\Vassci-llulhcn,    \Virknnu   d.-r-M-llii-u    170. 

\Vass<-i-|-ill.',    Kin-ion   .lurch    \V.    168. 

\\assi-rfivir  Mim-ralicu  iu  \\assi-  i-lialtit-*'  uin- 
gi'Nvamlfll  145. 

Waaseriavf  138. 

Wassennenge  tier  Fliisse  167,  Ursachen  der- 
selben  467. 

\VasNci-sclifidi'    14. 

Wasserporen  in  Eruplivgosleinon  40^. 
W.-aldiMi    itit;,    untrivr   4-24.    olx-ivr   434,   437, 

438,   440. 
\\Valdnikolil.-    19.",,    433.    441. 


\\risser  Jura  417. 
Weissli.'i-'cmli's  364. 
\Vi-isssli-iii.    pi-lr.    UfM-lir.    Si. 
\Vcll.-iidulumil    37U,    :f(.»3. 

Krdlx-licu   1-2:t 

ili,   ii7,   i35. 
\V.-ll.-iikalk   379,    393. 
\\Yiilnck-Scl.iH.-i-  30.",. 
Wci-rcm-r  SchichU-u    396,    398. 
Wcscntlichr  Bcslandlht-ili-  d.  (H-stcinc    17.  i4. 
\\.-tti-r,   scldaui'iidc,    I'J3. 
\\YltcrstiMiikalk  396. 
\\Vt7Sclii.-r.-i',    pflr.    Ut-sclir.    9.",. 
WidersinniiU's  Kinfallon   i39 
Wiederachiefer  :«oi,  30.",. 
Wi.-liczka  33,  19ti. 
NVii-m-r  l5.-ck.-u   484. 
Wimluii-cii   di-r  Scliichlcii    i'tl. 
3i1,    325. 


\Vu..l\Nich   464. 

\Viir7t-lii    im    I  iitcrcla\    346. 

X. 

\.-iiacaiilhus   337     357.    364,    369. 


/amil.'s   .(74.    388. 
/.-chsl.-in   i66,   :«",'..      • 
/.-cl.M.-iiikalk    35. 


Keiclmenschiefer,   |>HI.   MCM-II 

/.I'itlMllllli'.     iZ.'ulliiiisi-lli-     1 

Xi-lli.-.-  Slni.-lin 

X'MilitllllildllllU      l.'i.'i.      illl     \lrl.l|ih\  r       Mil      IMllMIl 

lilli      mi    l'.;ivill    1  .'Hi,    ;ml    (iiiiiL.'1'ii    1 

Xi-ulitlii-   iin    I'll. ,ni. hili   i;;. 

/••i -i'i/iiii_  142,  dor  Schwefelinetalle  li7.  <l< 
Silicate  lis,  ilrr  Mfi;ilN;.i/.-  i:,',.  ,|.-r  lira 
ml.-  l.'.ii  .In-  ItiisMlIc  t.'il.  l.'iti  (I. -i-  M.-hi 
|ili\ri-  l.'i.'i.  der  Phonolitbe  l.'iti.  tii-n><-,;u  h- 

kri'l     ilrs     I'l'.K-i-ssrs     1  .".(».     ,I,-|'     I'll.HI/ru     |'|J 
/••I  •.f|/lllii;^nirk>.|;illil<'     I  id.     I  ."•  I 

/••i  ^lin  kcluii-    ilrr   in'liii---;^lii'(li'r    j 
/inklili'iiilr    iii    kiililcii    1MJ. 


XiiikMill'iil,    /cisi-i/l  (lin.-li  K:ilkliiiMil nl    l.'ii 

Xiiiki-i-/.-    I  ',7,    I  is.    i:ii.    m    llnlilm    i:,s     \|,- 

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Xirkuii.     tin     Synil     .'i.'i      /frlinii-ln-iii-    Xirkon- 

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XirkoiisXt'inl.     IM-II-.     Ursi-ln 
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